(Foto: Christian Rohr)
„Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie es war, eine Schriftstellerin zu sein, die noch nichts veröffentlicht hat: Man beißt sich mehr schlecht als recht durch und kommt mit Leuten in Kontakt, die ausgesprochen abweisend sein können. Und obwohl ich nun Teil dieser Branche bin, die sich manchmal Neulingen gegenüber wie eine uneinnehmbare Festung präsentiert, stehe ich instinktiv eher auf der Seite derer, die versuchen, die Mauern zu erklimmen."

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Mustertext von Kapitel 1 mit Übungsaufgabe

01.01.2008


1. Woche

Vor einigen Jahren saß ich mit einem befreundeten Autor in einem Café. Er schrieb Sketche und arbeitete gerade an seiner ersten abendfüllenden Produktion fürs Fernsehen. Ich war Teilzeitsekretärin, die bisher einige Buchkritiken veröffentlicht, ein Hörspiel an BBC Radio verkauft hatte und gerade am ersten Roman arbeitete. Wir beide lebten in billigen Mietwohnungen, verdienten unser Geld hier und da und waren voll Hoffnung und Ehrgeiz, was unsere berufliche Zukunft betraf.

Mein Freund kam von einem Vortrag für Studienanwärter, und jemand hatte ihn gefragt, warum er Schriftsteller geworden war. »Weißt du was?«, sagte er, während er in seinem Cappuccino rührte. »Ich habe ihnen zwar irgendwas von der Freude an Sprache und dem kreativen Prozess erzählt, aber eigentlich bin ich Schriftsteller geworden, damit ich nach London ziehen, in Cafés sitzen und mich mit anderen Schriftstellern über das Schreiben unterhalten kann.«

Ich wusste genau, was er meinte. Für Menschen, die, wie wir beide, aus völlig nicht-literarischen Familien stammten, ist das Schriftstellerleben etwas Wundervolles, und zwar mit all den oberflächlichen Dingen, die wir eigentlich verachten sollten: das Cafégeplauder, die Neuerscheinungen, das Durchblättern der Literaturseiten inklusive der leicht schuldbewussten Befriedigung, wenn ein befreundeter Autor eine schlechte Kritik erhält. Vergessen Sie einen Moment lang die Einsamkeit und die Angst, die Paranoia und die finanzielle Unsicherheit, denn das Leben eines Schriftstellers macht Riesenspaß.

Die Sache hat bloß einen Haken. Man muss schreiben. Das ist etwas, was Anfänger manchmal nicht zu begreifen scheinen. Wie viele andere Romanautoren halte auch ich oft Reden auf Festivals oder gebe Schreibkurse, und die Standardfrage gleich am Anfang lautet immer: »Wie haben Sie es geschafft, einen Roman zu veröffentlichen?« Die Frage ist natürlich gut und berechtigt, aber manchmal habe ich das dumpfe Gefühl, dass die Motivation dahinter ein wenig suspekt ist. Was war der Trick?, heißt die eigentliche Frage. Verrat ihn mir, denn dann wird mein Buch auch veröffentlicht. Natürlich klingt es ziemlich arrogant, wenn ich sagen würde, mein Buch wurde veröffentlicht, weil es gut war, aber es wäre ehrlich und könnte angehende Autoren vielleicht von dem Irrtum befreien, die Veröffentlichung sei ein Mysterium oder man brauche entsprechende Beziehungen. Davon hatte ich nämlich keine einzige, nicht einmal, nachdem ich meinen Abschluss auf der University of East Anglia gemacht hatte, deren Schreiblehrgang allgemein (und irrtümlich) als Eintrittskarte in den Club der veröffentlichten Dichter gilt. Ich fand einen Agenten, weil ich bei einem Kurzgeschichtenwettbewerb den zweiten Platz belegt hatte. Ich habe einen Verlag gefunden, weil ich irgendwann ein Buch geschrieben habe, das gut genug war, um von meinem Agenten verkauft zu werden.

Wenn Sie ein angehender Romanautor sind, finden Sie es vielleicht verblüffend, dass so viele schlechte Bücher veröffentlicht werden, aber das ändert absolut nichts daran, dass Sie erst ein gutes Buch schreiben müssen, wenn Sie es in den Buchhandlungen sehen wollen.

Nur wenige Menschen schaffen es gleich beim ersten Versuch, einen guten Roman zu schreiben. Ich auch nicht. Mein erster veröffentlichter Roman war der dritte, den ich geschrieben hatte, von den zahllosen Fehlstarts, die oftmals Tausende von Wörtern lang waren und an denen ich monatelang gearbeitet hatte, ganz zu schweigen. Wenn auch Sie schon viel angefangen und nicht beendet haben, dann lassen Sie sich davon nicht entmutigen; sehen Sie es als notwendigen Bestandteil des Lernprozesses an. Ich muss immer lachen, wenn ich in einer Biografie über Herr oder Frau Verstorbene Literarische Berühmtheit lese, »Hätte er/sie doch nur diese ersten Manuskripte nicht weggeworfen – was für Schätze mögen darin verborgen gewesen sein!«. Unsinn. Herr oder Frau Verstorbene Literarische Berühmtheit hat das frühe Zeug in den Müll gesteckt, weil es Müll war!

Das, was dabei herauskommt, wenn Sie sich mit den Kapiteln dieses Buchs beschäftigen, könnte durchaus ein Fehlstart werden – nämlich dann, wenn Sie keine gute Idee für ein Buch haben. Denn die kann weder ich noch sonst irgendjemand Ihnen in den Kopf pflanzen. Wenn Sie diese Übungen machen, werden Sie am Ende keinen fertigen Roman und wahrscheinlich noch nicht einmal einen Erstentwurf haben. Aber sicher werden Sie Rohmaterial haben, aus dem eines Tages vielleicht ein Buch wird, wenn Sie es formen und bearbeiten.

Wie lange braucht man, um einen Roman zu schreiben? Das kommt darauf an. Mein erster Roman, Crazy Paving, entstand in achtzehn Monaten, während ich nebenbei als Sekretärin arbeitete. Eigentlich ist das ziemlich schnell, aber ich war damals jung, ohne Bindung und hatte keine häuslichen Verpflichtungen. Als ich meinen zweiten Roman begann, war ich Theaterkritikerin für eine Sonntagszeitung, was bedeutete, dass ich den ganzen Tag schreiben konnte, bis ich – wie eine Eule – abends das Haus verließ, um ins Theater zu gehen. Das war großartig. Dance with me war in sieben Monaten fertig. Mein drittes Buch wurde anhand eines einseitigen Exposés verkauft, als ich mit meinem ersten Kind schwanger war. Ich versprach meinem Verleger, das Buch würde vor dem Kind erscheinen, aber das war eine glatte Lüge. Das Baby kam, als ich beim ersten Kapitel war. Mein Partner arbeitete Vollzeit, und wir hatten keine Betreuung für das Kind. Trotzdem musste ich das Buch fertigstellen, zumal wir uns mit dem Vorschuss eine Wohnung gekauft hatten. Honey-Dew entstand in acht Monaten, der Preis war die totale Erschöpfung. Das ist übrigens der Grund, warum dieses Buch mein kürzestes ist.

Und dann das vierte, Fires in the Dark, das für mich einen echten Richtungswechsel bedeutete. Meine ersten drei Bücher spielten in der heutigen Zeit und waren bevölkert mit weiblichen Charakteren, die ungefähr in meinem Alter waren. Was darin geschah, war nicht einmal entfernt autobiografisch – Honey-Dew handelt von einem Mädchen, das seine Eltern umbringt -, aber ich muss zugeben, dass in Bezug auf Umfeld und Sprache vieles auf meiner eigenen Erfahrung beruhte. Fires in the Dark dagegen spielt in Mitteleuropa über einen Zeitraum von dreißig Jahren im zwanzigsten Jahrhundert. Hauptfigur ist ein Junge vom Stamm der Kalderasch-Roma. In Böhmen geboren, wächst er während der Großen Depression und dem Aufstieg der Nazis auf, kommt in ein Lager und flieht, um am Prager Aufstand im Mai 1945 teilzunehmen. Der Roman war dreimal so lang wie Honey-Dew und entstand in viereinhalb Jahren. Das nächste Buch, Die Wiege aus Stein, war ebenfalls ein langer, historischer Roman, kostete mich jedoch nur ein Viertel der Zeit, weil ich inzwischen wusste, dass man nicht alles über eine bestimmte Zeit wissen muss, wenn man einen historischen Roman verfassen will.

Mit anderen Worten: Ihr Buch wird so lange dauern, wie Sie brauchen. Aber ich werde mich etwas weiter aus dem Fenster lehnen und behaupten, dass Sie, wenn Sie noch nie ein Buch geschrieben haben, es aber ernst meinen und mit den üblichen Belastungen wie Arbeit oder Familie oder – Gott bewahre – beidem gesegnet sind, von Anfang bis Ende gute drei Jahre brauchen werden. Dieses Buch kann Sie durch das erste Jahr bringen, in dem Sie Material sammeln, sich Notizen machen, erste Pläne entwerfen und erste Szenen schreiben. Im zweiten Jahr werden Sie verzweifeln, das Ding weglegen, es wieder hervorholen, sicher sein, dass Sie Ihre Zeit damit vergeuden und feststellen, dass Sie trotzdem weitermachen möchten. Im dritten Jahr dann wird die eigentliche Schreibarbeit beginnen.

Sie wollen immer noch? Gut. Wir fangen gleich an. Aber vorher möchte ich Ihnen noch sagen, was dieses Buch nicht kann. Es kann Ihnen – abgesehen von wenigen generellen Hinweisen am Ende - keinen Tipp geben, wie man es schafft, einen Verlag zu finden, der Ihren Roman herausbringt. Als ich meine Zeitungskolumne »Ein Roman in einem Jahr« schrieb, sagte ich mir, dass jeder Brief, der mich nach Agenten oder Verlagen fragen würde, in einer feierlichen Zeremonie in meinem Garten verbrannt werden würde. Das mag etwas grausam klingen, aber ich stehe dazu. Jeder angehende Autor darf sich höchstens ein Prozent seiner Zeit mit der Frage beschäftigen, wie er an eine Agentur oder Verlag kommt; die restlichen neunundneunzig Prozent sollte man nutzen, um sich darauf zu konzentrieren, einen spannenden Plot zu entwickeln, überzeugende Charaktere zu erschaffen und klare, schöne Prosa zu schreiben. Zu viele Anfängerautoren machen das mit dem einen und den neunundneunzig anderen Prozent genau umgekehrt. Das Buch zu veröffentlichen, mag unmöglich erscheinen und ist es manchmal auch, aber wenn Sie noch kein gutes Buch geschrieben haben, dann sollte dies, ehrlich gesagt, Ihr allerletztes Problem sein. Das Einzige, was Sie im Augenblick im Kopf haben sollten, ist das Schreiben selbst. Schreiben Sie Ihr Buch, schreiben Sie es gut und schreiben Sie es noch einmal um, damit es noch besser wird.

Ich vermute, dass an dieser Stelle ein oder zwei von Ihnen verächtlich schnauben werden, vor allem dann, wenn Sie bereits ein noch unveröffentlichtes Buch geschrieben haben oder Stammgast in Schreibseminaren sind. Spannender Plot? Überzeugende Charaktere? Klare Prosa? Pah. Das ist doch was für Anfänger. Ich habe früher öfter solche Abendschreibkurse geleitet. Meine am wenigsten talentiertesten Schüler waren stets die, die schon herablassend grinsend ankamen und davon überzeugt waren, dass es nur einer großangelegten Verschwörung, zu der natürlich auch ich gehörte, zuzuschreiben war, dass sie noch nichts veröffentlicht hatten. Einerseits wollten sie den Saum meines Umhangs berühren, als sei die Veröffentlichung ein übertragbares Virus, das überspringen würde, wenn man sich nur hartnäckig und lang genug an mich klammerte. Andererseits waren sie sich sicher, dass sie nichts mehr zu lernen hatten und verachteten sich selbst und die anderen Teilnehmer, weil sie hier saßen. Und hier kommt die Erkenntnis dieser Woche: Wir alle haben etwas zu lernen. Sogar Ian McEwan oder Margaret Atwood oder Toni Morrison haben noch etwas zu lernen, und sie sind deshalb so wunderbare Schriftsteller, weil sie das genau wissen – und an jedem Buch verdammt hart arbeiten.

Talent kann man nicht lernen, und wenn Sie dieses Buch gelesen haben, werden Sie nicht mehr oder weniger talentiert sein als zuvor. Aber man kann sich das Handwerk aneignen, und beim Schreiben von Romanen gibt es mehr Techniken und Methoden zu erlernen, als die meisten Romanautoren zugeben würden. Nehmen wir zum Beispiel Plot und Struktur, eines meiner Lieblingsthemen: »Jede Geschichte hat einen Anfang, eine Mitte und ein Ende«, sagt Jean-Luc Godard, »nur nicht zwingend in dieser Reihenfolge.« Das ist hübsch, aber nicht wahr. Selbst Bücher, die scheinbar vollkommen kunstlos und handlungsfrei sind, haben eine gewisse Struktur, und sei es dadurch, dass es sich um Romane handelt, denn hätten sie keine Struktur, wären es nur aufgezeichnete Gedanken. »Jedes Mal, wenn ich einen Roman anfange«, sagte die überaus versierte Susan Hill, »erhebt er sich vor mir wie ein Berg, und ich sage mir, >Oh, nein, diesmal bist du zu weit gegangen.<« Wenn man sich einmal in Ruhe überlegt, an welche Größenordnung man sich heranwagt, wenn man ein Buch von, sagen wir, achtzigtausend Wörtern schreibt, dann erscheint und dies als einschüchternde und nicht zu bewältigende Aufgabe. Um sie weniger abschreckend zu machen, muss man sie in ihre Bestandteile zerlegen und diese nacheinander angehen. In den folgenden Kapiteln biete ich Ihnen verschiedene Aspekte der Techniken in nicht zu großen Portionen an. Natürlich überschneiden sich viele Themen, eine Dialogübung kann Sie durchaus direkt zu einem beschreibenden Abschnitt führen, aber daran ist nichts verkehrt. In dieser Phase muss Ihre Arbeit nicht perfekt geordnet sein, es wäre sogar reichlich merkwürdig, wenn es so wäre. Die Hauptsache ist, dass Sie so viel schreiben wie möglich. Das Chaos lässt sich später immer noch bereinigen. 

»Die Kunst des Schreibens«, meint Kingsley Amis, »ist die Kunst, den eigenen Hosenboden auf den eigenen Stuhl zu setzen.« Also fangen Sie an. Nehmen Sie sich Stift und Papier ...


Übung 1

... und schreiben Sie einen Satz, der mit folgenden Worten beginnt:

»Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir ...«

Sie können natürlich auch mehr schreiben, aber wenn Ihnen nur ein Satz dazu einfällt, dann ist das auch in Ordnung.

Wenn Sie darüber nachdenken, wie Sie diesen Einstiegssatz beenden, kann es sein, dass Ihnen einer, dann ein anderer und dann noch weitere in den Sinn kommen. Wenn nicht, ist das nicht weiter schlimm. Natürlich kann es auch sein, dass Ihnen plötzlich ein ganz eigener Anfangssatz einfällt, oder nicht, was auch vollkommen in Ordnung ist. Vervollständigen Sie einfach nur den, den ich begonnen habe, wenn Sie zu mehr im Augenblick keine Lust oder Muße haben.

Möglich, dass Sie schon während dieser Übung die kleine spöttische Stimme im Kopf hören, die Ihnen sagt, dass Sie niemals einen Roman schreiben werden. Oder eine, die behauptet, dies hier sei blöd, weil zu einfach. Beide Sätze sind gleichermaßen destruktiv und Sie sollten sie ignorieren. Jeder muss irgendwo anfangen. Laurence Sterne, Emily Brontë und Nadine Gordimer haben auch einmal irgendwo angefangen. Jeder Roman in der Geschichte der Literatur beginnt mit einem Satz, also beginnen Sie jetzt.

© 2008 Autorenhaus Verlag GmbH, Berlin
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Leserbeiträge

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Eingetragen am: 06.01.2009 von David Talent
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21477

Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater, dass er mich wie sein Leben lieben würde, hasserfüllt und todessehnlich. Ich sei sein hässliches Leben und erfülle ihn mit Sehnsucht nach Tod. Ich verstand das nicht und trank weiter meinen Kakao, aber die Tränen faszinierten mich. Das Gefühl sie zu sehen erinnerte mich an den süßen Geschmack des Zuckers in meiner Tasse, der auf meiner Zunge zerging. Ich war süß, wie Ruhm.


Eingetragen am: 02.01.2009 von Pelle
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21465

Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagt mein Vater zu mir: "Na, wie war's gestern."
"Gut", sagte ich. Ich wollte ihn nicht belügen, aber ich konnte ihm auch nicht die Wahrheit sagen. Draußen war es ziemlich diesig, fast winterlich, obwohl es noch Herbst war.
"Wollen wir angeln gehn", fragt mein Vater.
Ich nickte. Ich wollte ihn nicht enttäuschen.


Eingetragen am: 02.01.2009 von Audrey81
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21461

Am Tag nach meinem achten Geburtstag, sagte mein Vater mir zum ersten und gleichzeitig letzten Mal, wie hübsch ich sei. Eigentlich sollte man sich über solch liebe Worte von seinem Vater freuen, aber mir war eigentlich schon lange egal was er sagte. In den acht Jahren die ich auf der Welt war, hatte er kaum ein Wort mit mir gesprochen. Er hatte mich auch nie umarmt, oder mich gefragt wie es im Kindergarten oder in der Schule war. Er hatte mir nie auch nur die kleinste Geste entgegengebracht, die mir zeigte das er mich liebt oder das ich wichtig für ihn bin. An manchen Tagen hatte ich mich sogar gefragt, ob er überhaupt wusste, das ich existiere. Ob er wusste wer ich bin. Was ich mag und was ich tue. Eine zeitlang hat es weh getan. Aber irgendwann habe ich mich dann einfach seinem Verhalten angepasst. Ich redete nicht viel mit ihm, wollte nur von meiner Mutter ins Bett gebracht werden und ich gab ihn nur einen flüchtigen Kuss auf die Wange, wenn ich "Gute Nacht" sagte. Und als meine Mutter mir dann eines Tages eröffnete, dass sie sich von meinem Vater trennen würde, war ich erleichtert. Denn dann konnte ich endlich sein, wie ich war. Ein verträumtes kleines Mädchen, dass gerne lachte. Ihr Mutter leidenschaftlich gerne knuddelte und küsste. Ihr überhaupt nie von der Seite weichen wollte, weil sie sie einfach so sehr liebte. Also warum sagte mir mein Vater jetzt, wie hübsch ich sei? Für diese Worte, war es jetzt einfach schon zu spät.


Eingetragen am: 30.12.2008 von matroschka
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21443

Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir, ein Geschenk hätte im Stau gestanden. Er lächelte verschmitzt und spitzbübisch, auch wenn ich es damals noch nicht so bezeichnet hätte.


Eingetragen am: 30.12.2008 von Schreibfisch
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21440

Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir nicht mehr, ich solle meine Sachen nicht überall herumliegen lassen. Er schimpfte auch nicht mehr über den Müll, den ich stets, nicht aus Faulheit oder Rücksichtslosigkeit oder weil ich ein aufmüpfiges Kind gewesen bin, vergas, hinauszubringen, sondern aus schlichter Träumerei. Denn allein meine Fantasie malte die grauen Wände unseres Hauses bunt und machte mich zu einem schlanken Mädchen mit langen Zöpfen und niedlichen rosa Bäckchen.
Nein, am Tag nach meinem achten Geburtstag hörte meines Vaters Sagen auf.
Nicht, dass es überraschend für mich käme, denn irgendwo zwischen Fernseher, Fusel und Futternapf muss er aufgeschnappt haben, dass 'rein psychologisch', so mein schlauer Papa, Kinder ab einem Alter von acht Jahren selbstständig Denken und Handeln können und dann hat man seine Ruhe, braucht nich mehr erklären, denn lesen könen die auch schon und wehe wenn nich, dann wird ohne Worte gelernt.
Und so schwebte diese Weisheit seit geraumer Zeit wie eine Fliege um ein sterbendes Vieh, nur darauf wartend, dass es endlich abkratzt.
Todeszeitpunkt achter Geburtstag.
An diesem Tag tauschte mein Vater einen wichtigen Teil seiner sprachlichen Fähigkeiten, nämlich den, vollständige Sätze zu bilden ein, gegen ein haptisches Tool, mit dem er fortan die Stimmfärbung, die unterschwellig, wie ein leises Donnern, bedrohlich und im Ausmaß schwer zu benennen, in seiner Verbalkommunikation stets mitschwang, zu akzentuieren schien.
Denn bevor die kleine fette Neuachtjährige fröhlich träumend an den papiernen Zeugen ihes gestrigen Jahrestages, die leuchtend bunt aus dem Abfalleimer ragten, vorbei marschieren konnte, packte sie etwas von hinten an ihrem struppigem, kurzen Haar und drückte mit Kraft ihr Gesicht ins recycelbereite Geburtstagspapier, was ein lautes Geraschel erzeugte.
Eine der vielen papiernen Kanten schaffte es sogar bis in eines der vor Schreck geweiteten Augen des Kindes. Mit Tränen, durch den Schnitt und Schuld durch die decodierte Mahnung bedeckt, schaute es zum Vater auf. "Heul nich", siffte er durchs Bier zu mir hin, das haptische Tool bohrte sich mit Anlauf in meinen adrinalinverseuchten Magen, "Fett"...


Eingetragen am: 29.12.2008 von Carolin
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21433

Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir, dass er Krebs habe. Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Selbst meine große Schwester, die immer einen kecken Spruch auf den Lippen hatte, wurde weiß im Gesicht. die Gedanken in meinem Kopf überschlugen sich regelrecht. würde er sofort sterben oder erst in ein paar Jahren? Muss er ins Krankenhaus? Doch die wichtigste Frage die ich mir stellte war: Wieso ausgerechnet er?

6 Monate später starb er. Es war Lungenkrebs gewesen. Meine Mutter hatte ihm immer gesagt, er solle aufhören zu rauchen. Doch er hatte immer nur verständnislos angesehen und gemeint: "Es wird mich schon nicht umbringen, Schatz!" Da hatte er wohl falschgelegen.


Eingetragen am: 29.12.2008 von tepes
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21431

Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir ...
„Vergiss diese Flausen, du brauchst keine gute Schulbildung. Sobald du volljährig bist, wirst du ohnehin heiraten und dich dann um deinen Mann und deine Kinder kümmern.“ Als er mir dieses mit leicht böser Stimme sagte, sah er mich zornig an. Es war mir dadurch klar, es gibt für mich keine Chance. Ich war wie versteinert, wie konnte er mir nur so was sagen? Hatte ich etwa nicht die gleichen Rechte wie mein Bruder? Mein Bruder war 2 Jahre älter als ich und mein Vater schickte ihn direkt nach der Einschulung auf ein Internat. An meinem Geburtstag sagte mir meine Tante, dass ihm durch dieses Internat eine tolle Zukunft bevorsteht. „Er kann damit alles erreichen was er will!“ so tönte sie. Ich hingegen ging nun schon ein ganzes Jahr auf die Schule in meinem Viertel. Ich merkte schon von Anfang an, dass ich dort nicht viel lernen werde, meine Klasse bestand aus 35 Kindern, wobei davon gut die Hälfte nicht einmal richtig sprechen konnte und anstatt dem Lehrer zuzuhören waren sie die ganze Zeit nur laut. Ich hatte im letzten Schuljahr nichts gelernt, außer die Stunden zu verschlafen und das trotz Lärm und ohne vom Lehrer dabei entdeckt zu werden. Daher wunderte mich es auch gar nicht, dass meine Tante mir sagte, dass ich mit der Schule nicht weit kommen werde, aber mehr brauche ich für meine Zukunft auch nicht. Die Worte waren für mich nicht überraschend und daher schmerzten sie auch nicht wirklich. Der verachtende Blick, denn sie mir dabei zugeworfen hatte, schmerzte mich dafür um so mehr. Ich erinnerte mich noch daran, was mein Bruder bei seinem letzten Besuch alles für tolle Geschichten erzählte. Er hatte so viel Spaß mit seinen neuen Klassenkameraden und unternahm in der Freizeit viele Sachen mit ihnen. Ich hingegen konnte froh sein, wenn jemand aus meiner Klasse wusste wie ich heiße. Ich wollte auch auf so eine tolle Schule wie mein Bruder. Das meine Tante dieses nicht verstand und mir daher nicht bei meinem Vater helfen wollte machte mich wütend. Grade sie, als mein Vorbild in der Familie, sollte mich verstehen können. Sie wirkte auf mich aber eher als wenn ich sie mit meiner bitte beleidigen würde. Ich musste es also hinnehmen und nachdem nun auch sie mich abblitzen lies, blieb mir nichts anderes übrig. Ich musste nun mein Glück alleine bei meinem Vater versuchen, vielleicht hat er ja doch noch Erbarmen.


Eingetragen am: 29.12.2008 von Solelle
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21430

Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir ...
ich solle nicht traurig sein. Ich werde noch viele schöne Geburtstage mit vielen großen und kleinen Überraschungen haben. Nicht jeder Wunsch, den ich habe, kann und wird mir erfüllt werden. Umso schöner wird es sein, wenn es doch passiert, in einem Moment, in dem ich überhaupt nicht damit rechne!
Mir fiel es schwer das zu glauben und meine Tränen herunter zu schlucken, als er mir tröstend mit seiner Rückhand die Wange streichelte. Doch dann war urplötzlich aller Trübsinn wie weggewischt! Ich hörte schon das Schnauben und leichte Wiehern aus der Ferne und als ich aus dem Haus rannte, sah ich es. Ein wunderschönes kleines Shettland-Pony, welches von meinem Onkel an den Zügeln in unseren Hof geführt wurde.
Mein Vater hatte Recht. Es ist unendlich viel schöner, wird ein Wunsch nicht gleich erfüllt sondern dann, wenn man nicht damit rechnet.


Eingetragen am: 27.12.2008 von Esther Dombrowsky
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21420

Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir, dass er mir etwas zeigen möchte. Er tat sehr geheimnisvoll und hatte ein leichtes schelmisches Grinsen in seinem stets freundlichen Gesicht. Ich spüre heute noch die Nervosität, die in mir aufstieg, mir wurde warm und mein Herz klopfte ganz wild. Badumm, badumm... Er hielt mir wortlos meine Jacke hin, die ich anzog. Währenddessen versuchte ich, ihn nicht aus den Augen zu lassen. Er zog sich seine Schuhe an und suchte anschließend nach etwas. "Komm", sagte er und ging aus der Tür,hinaus in unseren Garten. Ein herrlicher, verwilderter, fast ein bisschen verwunschener Garten. Es war in meinen achtjährigen Augen ein riesiger Garten, einem Park gleich, mit vielen Obstbäumen, Büschen, kleinen Teichen und unzähligen Blumen und wilden Pflanzen. Ich folgte meinem Vater, sprang dabei in seine Fußspuren, die zwar nicht sichtbar, für mich aber sehr deutlich zu sehen waren. Gelegentlich drehte er sich zu mir um, sah mich an und lächelte. "Was ist es, Papi? Was willst Du mir zeigen?", fragte ich ihn drängend. "Warte noch ein bisschen, mein Kind, gleich wirst Du es sehen.", versuchte er, mich zu beruhigen. Ein zarter Duft stieg in meine Nase. Ich atmete tief ein. Und dann blieb mein Vater abrupt stehen. "Still!" flüsterte er mir zu, "Horch!" und er drehte sich langsam um seine eigene Achse. Dabei streckte er die Arme aus und machte einen merkwürdigen Gesichtsausdruck. "Was denn?", fragte ich ihn, nun schon etwas ungeduldiger. Und dann ließ er sich rücklings fallen und lachte. "Los, Kitty, mach es mir nach! Streck die Arme aus, dreh Dich im Kreis und lass Dich ins weiche Gras fallen. Und höre genau hin!" Erst sah ich ihn etwas enttäuscht an, doch dann hob ich zögerlich meine Arme und begann, mich langsam im Kreis zu drehen. Ich lauschte auf meine Umgebung und atmete tief ein. Dann legte ich mich neben ihn ins hohe Gras. Er lachte und lachte. Er hörte gar nicht mehr auf zu lachen. Ich konnte nicht anders und lachte mit. "Papi, Du bist albern!" sagte ich gackernd zu ihm. Wir wälzten uns hin und her und nun wusste ich, was er mir zeigen wollte: nichts, außer die unendliche Freude, die man haben kann, etwas spontan zu tun, was nicht unbedingt einen Sinn hat und durchaus albern sein kann. Ich habe diesen Tag nie vergessen und erinnere mich sehr oft daran.


Eingetragen am: 22.12.2008 von Stine
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21392

Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir, dass sein Urlaub jetzt vorüber sei und er uns wieder verlassen müsse.


Eingetragen am: 21.12.2008 von Rolf Hacker
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21373

Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir, das ich nun alt genug währe, um die wahrheit zu erfahren, das er nicht mein Vater sei aber mich trotzallem wie einen eigenenen Sohn liebe. In diesem Moment brach für mich einen Welt zusammen, auch wenn ich das ganze nicht wirklich verstand, fühlte ich mich plötzlich alleine und ungeliebt.


Eingetragen am: 19.12.2008 von xela*
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21354

Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir, dass ich nun ein großer Junge sei.
Eigentlich ein ganz einfacher Satz. Doch ich weiß noch genau, wie stolz ich darüber war. Mein sonst so gefühlskalter Vater saß neben mir auf meinem Bett und hatte die Hand auf meine Schulter gelegt. Er musterte mich von oben bis unten, so als würde er mich heute das erste Mal bewusst wahrnehmen.
Ich weiß noch, dass mir ein seltsamer Schauer über den Rücken lief. Seltsam. Sollte ich mich nicht über so viel Aufmerksamkeit freuen. Hatte ich mich nicht so lange nach einer liebevollen Geste, einem anerkennenden Wort von meinem Vater gesehnt. Doch nun machte es mir irgendwie Angst. Die Musterung hatte nichts mit dem Blick eines liebenden Vaters zu tun. Auch wenn mir nicht ganz klar wer, was er zu bedeuten hatte.

Ich weiß noch genau, dass sich etwas in mir verkrampfte. Ich saß einfach nur da. Die Hand meines Vaters lag schwer auf meiner Schulter. Ich traute nicht mich zu bewegen. Es gab keinen konkreten Grund Angst vor meinen Vater zu haben. Er war kein gewalttätiger Mensch oder neigte zu großen Gefühlsausbrüchen. Im Gegenteil, meistens konnte man nur versuchen zu erahnen was in ihm vorging. Auf sei ausdrucksloses Gesicht verirrte sich nur ganz selten ein Gefühlsausdruck. Vielleicht machte ihn das zu einem so guten Pokerspieler. Das einzige Mal, soweit ich mich erinnern kann, dass mein Vater wirkliche Gefühle zeigte, war bei der Beerdigung meiner Mutter.

Ich weiß noch genau, dass ich mich selbst nicht verstand. Warum konnte ich mich nicht einfach über die unerwartete Aufmerksamkeit meines Vaters freuen? Einfach. Es gibt wohl nicht viele Worte, die weniger zu mir passen würden als einfach. Traurigkeit stieg in mir hoch.

Meine geliebte Großmutter würde mich jetzt in den Arm nehmen, für einen Atemzug die Augen schließen, und dann mit ihrer warmen Stimme zu mir sprechen.
Ich weiß noch genau, wie sich mit jedem Wort Wärme in mir ausbreitete und langsam, ganz langsam die Kälte in mir vertrieb. Ich musste nichts sagen, sie wusste genau wie ich mich fühlte, was in mir vorging. In diesen Momenten konnte ich alles vergessen und einfach nur fühlen. Vergessen, dass ich anders war als die Jungs in meinem Altern. Seltsam nannten die anderen Kinder mich und seltsam war ich auch. So wenig das Wort einfach zu ihm passte, so gut passte seltsam zu mir. Meine Großmutter würde mich mit ihren warmen Augen ansehen und beschwörend sagen: „Denk immer daran. Du bist ein ganz besonderer Junge. Du bist unendlich stark. Nicht viele Menschen wären so tapfer wie du.“
Mehr sagte sie nicht und mehr musste sie auch nicht sagen. Wir wussten was sie damit meinte, auch wenn viel ungesagt blieb. Für diese Augenblicke der Geborgenheit lebte ich.
Meine Großmutter ist seit Jahren verstorben, doch die Erinnerung an sie ist lebendig wie je. Diese Erinnerungen sind mir heilig, sie geben mir Kraft. Sie sind mein Schutz. Nur sie konnten die Erinnerung an seinen Vater zurück drängen. Sie sind mein einziger Schutzschild.

Ich weiß noch genau, wie aus dem unangenehmen Gefühl, das ich neben meinem Vater auf dem Bett empfand, langsam Panik wurde. Mein Körper war schon taub von dem Versuch mich nicht zu bewegen. Möglichst nicht aufzufallen und keine Reaktion hervorzurufen. Ich wünschte mir, dass er was sagen würde oder einfach wieder gehen würde und trotzdem wollte ich ewig so sitzen bleiben. Vielleicht ahnte ich schon, dass dieser Moment nie wieder kommen würde, dass dann alles anders wäre.
Ich weiß noch genau, dass mir diese Minuten wie Stunden vorkamen und

andererseits hatte ich das Gefühl es wären erst wenige Augenblicke vergangen. Ich schreckte zusammen, als mein Vater langsam die Hand von meiner Schuler nahm, langsam hinter sich griff und ein Päckchen hervorholte. Auffordernd hielt er es mir hin.

Ich weiß noch genau, dass es mit einer großen gelben Schleife umwickelt war. Unsicher nahm ich es und begann es zögernd auszupacken. Was darin zum Vorschein kam, ließ mich alle unangenehmen Gefühle vergessen. Begeistert wollte ich nach dem funkelnden roten Feuerwehrauto greifen. Das hatte ich mir so sehr zu meinem Geburtstag gewünscht.

Ich weiß noch genau, dass ich nicht wirklich überrascht war es nicht bekommten zu haben. Umso mehr freute ich mich, es jetzt auf meinen Schoß liegen zu haben. Verpackt in einer großen gelben Schleife. Mit dem Feuerwehrauto wäre ich morgen der Star in der Schule. Einmal würde ich beachtet werden. In diesem Moment empfand ich eine unendliche Dankbarkeit gegenüber meinem Vater.

Ich weiß noch genau, was für ein überragendes Gefühl es war, mir vorzustellen, wie die Jungs in meiner Klasse mich um dieses Auto beneiden würden. Doch bevor meine Finger das Auto berühren konnten, packte mein Vater meine Hand. Nicht fest, aber sehr entschieden. Er blickte mich wieder mit diesem musternden Blick an. Dieses Mal lag noch etwas in seinem Blick. Ich bildete mir ein, nur für einen kleinen Augenblick, Entsetzen in den Augen meines Vaters erkannt zu haben.
„Das“, er nahm das Auto vollständig aus der Verpackung, „Musst du dir erst verdienen.“
Fragend wanderte mein Blick von dem glänzenden roten Feuerwehrauto zu meinem Vater und wieder zurück.
„Onkel Richard wird gleich zu dir kommen.“, sagte er. „Sei lieb zu ihm. Dann bekommst du das Feuerwehrauto. Das hast du dir doch so gewünscht.“ Er schien nach Worten zu suchen.
„Ich bin stolz auf dich mein Sohn“, quetschte er gequält hervor.
„Du weiß doch, ich hatte in letzter Zeit eine Pechsträhne…“ versuchte er zu erklären.
Ein Klopfen ließ ihn hochfahren. Dieses Mal war ich mir sicher. In den Augen meines Vaters stand blanke Panik.
Ich weiß noch genau, dass sich in meinen ganzen Körper eine Eisenskälte ausbreitete.
„Es tut mir leid.“, startete er noch einen kläglichen Versuch sich zu erklären. Doch dann stand er mit einem Ruck auf und schaute mich mit ausdruckslosem Gesichtsausdruck an.

Ich weiß noch genau, dass eine einzelne Träne über die Wange meines Vaters lief, als er die Türe aufmachte und Onkel Richard herein lies.
Dann weiß ich nichts mehr.

Am nächsten Tag holte meine Großmutter mich ab. Meinen Vater habe ich am Tag nach meinem achten Geburtstag das letzte Mal gesehen.


Eingetragen am: 16.12.2008 von doris delfendahl
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21314

am tag nach meinem achten geburtstag sagte mein vater mir, das sie sich entschlossen haetten auszuwandern, und da ich noch jung sei, wuerde ich auch keine oder weniger probleme mit der umstellung und der neuen sprache haben...
neue sprache?welche sprache? Ich kannte bis zu diesem Zeitpunkt nur Deutsch und Englisch, u. wieso , ich verstand gar nichts... Warum ueberhaupt weg, hier ist es doch schoen, und gerade gestern an meinem achten Geburtstag, alle meine Freundinnen waren dort.Wir haben soviel Spass gehabt miteinander.Und sie wuerden alle hier bleiben?Ich wuerde sie nie wieder sehen?
Mein Vater schaute mich mit ernsten und gleichzeitig besorgtem Gesichtsausdruck an.Als ob er meine Gedanken lesen konnte.Es schien als ob er Angst haette die naechsten Worte auszusprechen!
Wir gehen, wir muessen nach Suedamerika gehen, genauer Brasilien.
Suedamerika,Brasilien.. wo ist das?
Ist das weit weg?fragte ich mit der Unschuld eines Kindes das ich war...
Ja sagte er, es sind bestimmt 8 Stunden mit dem Flugzeug.
Auch noch fliegen, bis jetzt war ich noch nie geflogen. Und jetzt das erste mal und dann nicht wieder zurueck kommen, wie alle es machen, wie in einem normalen Urlaub..
Nachhausekommen in mein Zimmer und zu meinen Freundinnen und alles erlebte erzaehlen.Die aufgeregten Gesichter sehen wenn man berichten koenne aus fernen Laendern... .
Nein, ich muesste gleich dort bleiben.
Das war nicht fair!Das wuerde ich nicht mitmachen und schmiedete trotz meiner Traenen meine ersten Plaene zur Revolte.
Ich wuerde es meiner Heldin nachmachen..Pippi Langstrumpf.. Die wuerden schon sehen,einfach so ueber meinen Kopf hinweg planen, nur weil ich gerade erst 8 Jahre alt geworden war!
Nein , schon acht Jahre und eine achtjaehrige wusste genau was sie wollte und was nicht.....


Eingetragen am: 15.12.2008 von
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Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir, dass die ganzen Bücher, Bilder und Träumereien nichts anderes waren als Dinge, mit denen man sich die Zeit bis zum Erwachsenwerden verkürzt.
Mit grade Acht ist man noch ganz fasziniert davon endlich so behandelt zu werden, wie ein Erwachsener. Keine lieb lächelnden, älteren Damen, die einen liebevoll in die Wange zwicken, über die Haare streicheln und einem den schönen Pullover wieder in die Hose stecken.
Und ich war genauso begierig darauf, endlich so behandelt zu werden wie mein großer Bruder - und mein großer Bruder sah sich keine Bilderbücher über Feen an. Ich hielt das Buch über Elfen, Feen und Märchenwesen, welches ich gestern erst bekommen hatte und aus dem ich so stolz vorgelesen hatte noch fest im Arm, sah meinen Vater in die Augen und fühlte einen Groll in mir, den ich - ich kann mich noch gut erinnern - schnell hinunterschluckte. Erwachsenwerden. Ich wollte genauso, wie ganz viele andere Kinder schnell erwachsen werden.
Dieser Tag nach meinem achten Geburstag war vielleicht der Tag, an dem ich entschloss, dass Traum, Wunsch und Elfenland nichts anderes waren, als Dinge, die mich davon abhielten als Erwachsen zu gelten.
Das Buch legte ich, gut eingewickelt in mein buntestes, liebstes Kleid, in die unterste Schublade meines Schrankes - wo es bis heute blieb.
Und heute weiß ich, dass eigene Entscheidungen manchmal nicht richtig sind. Und heute weiß ich, dass ich damals eine erste Entscheidung getroffen habe, eine erste eigene, die direkt die falsche war.


Eingetragen am: 13.12.2008 von Kassandrra
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...sagte mein Vater mir: "Komm mal in die Garage, du musst mir helfen!"


Eingetragen am: 10.12.2008 von deed
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21086

am Tag nach meinem achten geburtstag sagte mein Vater mir: "Auf wiedersehen,Junge. Ich bin jetzt wieder eine Weile weg. Du bleibst bei Oma."
Ja natürlich blieb ich bei Oma, wo sollte ich denn sonst auch hingehen. Meine Mutter sah ich nur alle vier Wochen, wenn ich sie besuchen durfte und meine Oma war die, die sich um mich kümmerte. Sie und meine Tante Malchen und Onkel Jakob.
Also ging ich an diesem Tag genauso zur Schule wie an allen anderen Tagen vor und nach meinem achten Geburtstag. Ich vermisste ihn nicht einmal. Es war gut wenn er da war, mein Vater; aber es war nicht wirklich schlechter wenn er nicht da war.
Mein achter Geburtstag war übrigens, so etwas kann ich ja heute nachschauen dank des webs, der tag an dem die OPEC gegründet wurde. Aber wen hat das damals schon interessiert. Mich und meine Familie jedenfalls nicht. Da ging es einfacher zu. Armin Hary hatte in Rom gerade die Goldmedaille im 100m Lauf gewonnen und Martin Lauer mit ihm in der Staffel. Das war aufregend.
Ich spielte mit meinen neuen Rollschuhen Eisschnelllauf mit meinen Freunden hinter dem Haus. Ich fing an Geige zu spielen und das fand ich aufregend. In das Musikgeschäft am Rondell zu gehen und dort gleich zwei Geigen zu bekommen. Eine 1/4 und eine 1/2, meinte der Verkäufer, das wäre das richtige. Beide waren sie aber ganz. Seltsam. Dazu noch Kasten und Bogen.
Ich erinnere mich an einen Morgen in der Schule, nicht lange nach meinem achten Geburtstag, an dem ich aus dem Fenster schaute und einen riesengrossen - wieso war der überhaupt so gross? - Ball zu sehen, in leuchtendem orange.
Den starrte ich an, versank darin und vergass das drumherum.


Eingetragen am: 10.12.2008 von Astrid K.
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21080

Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir, dass ich keinerlei Recht auf meine Träume hätte. Das Leben sei ganz anders und nicht so einfach, wie ich es mir vorstellen würde. Heute weiß ich, dass er wieder einmal einen dieser harten, anstrengenden Arbeitstage hinter sich hatte. Fast möchte ich sein Verhalten von damals entschuldigen.

Damals jedoch stürzten mich seine barschen und ungeduldigen Worte in ein tiefes Loch. Ich rannte in mein Zimmer, warf mich auf mein Bett und weinte bitterlich. Seine Worte waren so unverblümt und hatten mich voll getroffen. Ich war auf so etwas überhaupt nicht vorbereitet gewesen.

Als ich keine Tränen mehr hatte, setzte ich mich auf und starrte auf mein Bücherregal, das überquoll von allen nur erdenklichen Abenteuer- und Fantasiegeschichten. Warum nur schrieben all diese vielen Erwachsenen so tolle Geschichten für Kinder? Woher nahmen sie sie? War es ihre Fantasie? Oder war es vielleicht nur ein Hinhalten? Sollten wir Kinder abgelenkt werden, sollten wir solange wie möglich unser Kindsein genießen, bis wir eines Tages erwachten und dem bitteren Ernst des Lebens gegenüber standen?

Ich erhob mich von meinem Bett, schniefte noch einmal und wischte mit dem Ärmel über meine noch feuchten Augen. Dann nahm ich entschlossen eines meiner Lieblingsbücher aus dem Regal und schaute es liebevoll an. In schwungenen goldenen Buchstaben stand dort "Die unendliche Geschichte" geschrieben von Michael Ende. Als ich das Buch beinahe zärtlich an mich drückte, beschloss ich, dass meine Kindheit nicht so schnell enden würde. Zumindest nicht am Tag nach meinem achten Geburtstag.


Eingetragen am: 09.12.2008 von Bommeline
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21054

Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir, dass ich adoptiert wurde. Ich war entsetzt. Vor allem, dass ich es so gesagt bekam, ohne Vorwarnung, ohne das er , wie typisch für ihn war, um den heißen Brei sprach. Er hat sich keine Mühe gegeben mir dieses Geständnis schonend bei zu bringen...


Eingetragen am: 08.12.2008 von Tove
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21035

Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir, dass ich mich noch lange an diesen Tag erinnern würde, doch ich verstand nicht, warum er dies zu mir sagte, obwohl ich mich dem Funkeln seiner Augen nicht verschließen konnte.


Eingetragen am: 08.12.2008 von Thomas Pe
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21034

Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater zu mir, dass ich jetzt alt genug sei, um die ganze Wahrheit zu erfahren. Wieso er sich genau diesen Tag ausgesucht hatte, kann ich mir bis heute nicht erklären. Denn das, was er mir dann erzählte, war unglaublich...


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