(Foto: Christian Rohr)
„Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie es war, eine Schriftstellerin zu sein, die noch nichts veröffentlicht hat: Man beißt sich mehr schlecht als recht durch und kommt mit Leuten in Kontakt, die ausgesprochen abweisend sein können. Und obwohl ich nun Teil dieser Branche bin, die sich manchmal Neulingen gegenüber wie eine uneinnehmbare Festung präsentiert, stehe ich instinktiv eher auf der Seite derer, die versuchen, die Mauern zu erklimmen."

Schreiben Sie mit!

Schnellauswahl  

Kapitel 11 mit Übungsaufgabe

11.03.2008© 2008 Autorenhaus Verlag GmbH, Berlin
Suche
 

 

Leserbeiträge

1 · 2 · 3 · 4 · 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · weiter »
Eingetragen am: 16.12.2008 von Vahli
[ Lesezeichen ]

21308

Mein Name ist Bary Rasolomanana und ich lebe in Madagaskar. Ich bin 38 Jahre alt und Arzt in Toamasina, der zweitgrößten Stadt in Madagaskar. Ich bin der älteste Sohn meiner Mutter Saholy und meines Vaters Zaka Rasolomanana und habe noch zwei Brüder und zwei Schwestern. Unsere Familie stammt, weit verzweigt und ebenso wie der Präsident von Madagaskar Ravalomanana, von der Merina-Ethnie ab, die das frühere Königreich Madagaskars beherrschte.
Mein Äußeres: Ich bin dunkelhäutig, wie der typische Madagasse, mit 1,81 Meter für einen Madagassen sehr groß und ich trage eine Brille. Da ich täglich frühmorgens laufe, habe ich eine Läuferfigur: sehr schlank, aber wenig Oberkörpermuskulatur. Ich nehme mir immer wieder vor, auch meinen Oberkörper zu kräftigen, schaffe es aber nie, das konsequent durchzuhalten.
Mein Vater ist ein Ombiasy, das ist eine Art Schamane und Priester des auf Madagaskar noch weit verbreiteten Ahnenkults. Ein Ombiasy ist ein Wissensexperte in Naturheilkunde, Volkskunde, Moral und Übersinnlichen. Er wird, nicht nur von den Anhängern des Ahnenkults, sehr respektiert und besitzt auf die meisten Dinge einen sehr großen Einfluss. Das Wissen eines Ombiasy wird von einem zum nächsten mündlich während einer bis zu 20-jährigen Lehrzeit weitergegeben. Mein Vater hatte mich seit meinem zwölften Lebensjahr auch zu einem Ombiasy ausgebildet. Parallel dazu habe ich in der normalen Schule meinen sehr guten Abschluss gemacht. Ich war den westlichen Werten gegenüber immer sehr aufgeschlossen eingestellt. Deshalb habe ich mit 20 Jahren begonnen an der Universität in Antananarivo, der Hauptstadt von Madagaskar, Germanistik und Medizin zu studieren, obwohl mein Vater dagegen war. Trotz seiner Enttäuschung, dass sein Sohn kein Ombiasy werden will, hat auch mein Vater mich weiter unterwiesen, solange ich noch in Madagaskar war. Das letzte Jahr meines Germanistik-Studiums habe ich in Deutschland an der Universität Berlin absolviert. Anschließend habe ich in Deutschland mein Medizinstudium in den Fächern Allgemeinmedizin, Chirurgie und Pathologie vertieft. Auf diese Weise habe ich von meinem 24. bis zu meinem 29. Lebensjahr in Deutschland gelebt.
Nach meiner Rückkehr nach Madagaskar habe ich 4 Jahre in einer Klinik in Toamasina gearbeitet. Dann habe ich meine eigene Praxis eröffnet. Seitdem versuche ich, die westliche Schulmedizin mit dem Wissen meiner Ahnen zu vereinen, was nicht immer ganz einfach ist. Oft sehe ich mich dabei mit meinem Vater konfrontiert, der in derselben Region wie ich tätig ist.
Noch bin ich alleinstehend, fühle mich aber zu einer Madagassin hingezogen, die schon mit mir zusammen Germanistik studiert hat und jetzt als Deutschlehrerin in Toamasina arbeitet.
Neben meiner Muttersprache Malagasy spreche ich natürlich sehr gut deutsch und auch gut französisch, da es auf Madagaskar neben Malagasy vorherrschend ist, sowie englisch.


Eingetragen am: 10.12.2008 von rahan neris
[ Lesezeichen ]

21090

Mein Name ist L’gon Unakwan, ich bin Schamane und der letzte Q`erek in Tschukotka. Die Ziki Salan oder „Russki“, wie sie sich selbst nennen, haben mich auf einen ihrer schwimmenden Vulkane, wo sie ihre Rituale feiern, eingeladen, damit ich für sie eine Séance abhalte. Ich habe das Große Walross um die Erlaubnis gebeten und sie bekommen.
Jetzt bin ich wieder in meiner Jurte, der Totempfahl ist frisch mit Tran eingerieben, und ich habe Rote Pilze gegessen. Ich schlage die Große Trommel und tanze den Tanz des Großen Walrosses.
Nun ist das Große Walross bei mir. Es spricht: „L’gon Unakwan, Schamane des Walross-Clans der Q`erek, als du auf dem schwimmenden Vulkan der Ziki Salan getanzt hast, habe ich Deine Rufe gehört. Es war weder die Zeit noch der Ort für mein Kommen. Du hast die Erlaubnis gehabt, auf den Vulkan zu den Ziki Salan zu gehen, aber nicht, mich zu rufen. Warum hast du mich trotzdem gerufen?“
Ich spüre den Zorn des Großen Walross’ in mir, ich schauere wie im Fieber, ich zucke wie ein Fisch auf dem Land. Ich stammele: „Ich bin dein demütiger Diener, Erhabener! Der schwimmende Vulkan der Ziki Salan kann dem großen Nebel, den die Bösen Geistern bewohnen, nicht entrinnen. Das habe ich erst erfahren, als ich selber auf den Vulkan war.“
„Wärst du nicht der letzte Q`erek, du weißt, was dir geschehen würde?“
„Du würdest mich ins Zwischenland verbannen!“
„Ich denke noch darüber nach. Erst berichtest du mir von dem Ritual der Ziki Salan.“
Ich falle auf die Knie, konzentriere mich, mit dem Rumpf vor und zurück pendelnd.
„Der schwimmende Vulkan der Ziki Salan ist mit dem Ufer des Randlands verschmolzen, das früher vom Verschwundenen Volk der Kamiaken und heute von den Itelmenen aus dem Clan der Bären bewohnt wird. Die Alten Geister haben laute Seufzer ausgestoßen, aber keine Blitze geschleudert. Über ein schmales Brett bin ich auf den Vulkan gegangen.“
„Die Bösen Geister haben die Alten Geister wieder besiegt!“
„Ich hatte Angst, aber ich dachte auch, ich stünde unter deinem Schutz, Erhabener!“
„Der schwimmende Vulkan der Ziki Salan ist nicht mein Ort. Das hättest du wissen müssen. Erzähl’ weiter!“
„Sie führten mich vor ein Totem von Pflanzen, die ich nicht kenne. Das Totem verströmte einen süßlichen Geruch. Wie von toten Ahnen, aber auch als sei etwas Putschka beigemischt.“
„Die süße, tückische Putschka! Deren Stängel und Blätter Blasen schlagen! Deren vergorener Saft schwere Träume verursacht und des Morgens Schwermut, wie nach einem nächtlichen Verbrechen! Ich habe dir eine Warnung gesandt, aber du bist darüber hinweg gegangen.“
Ich falle auf den Bauch, stoße auf, ein rauer galliger Geschmack füllt meinem Mund. „Mein Herz ist kleiner geworden als eine Makrele im Maul einer Robbe, Erhabener. Ich hatte keinen klaren Gedanken mehr.“
„Was geschah dann?“
„Ich wollte fliehen, aber da kam ein Schamane der Ziki Salan mit einem großen weißen Hut und einem blau-weiß karierten Umhang vor dem Bauch. In der Rechten hielt er ein Messer, in der Linken einen kleinen dreigezackten Spieß. Die anderen Ziki Salan haben das Totem nicht angerührt. Der einzige, der es berühren durfte, war er.“
„Hat er getanzt?“
„Nein, nur feierlich geschritten! Als er kam, haben einige Musiker im Hintergrund mit ihren Instrumenten, eine Trommel war auch dabei, sehr kurz und sehr laut einen schauerlichen Krach gemacht, der mir schmerzhaft in die Ohren gefahren ist. Die anderen Ziki Salan haben dazu in die Hände geklatscht und etwas gerufen, das klang wie "Hurräh".“
„Das Totem wurde von allen angerufen, nicht nur vom Schamanen?“
„Ja. Jeder Ziki Salan hatte eine runde weiße Scheibe in der Hand. Sie glänzte hell im Licht der Sonne, war glatt, aber ließ sich biegen. Auf diese Scheiben hat der Schamane dann für jeden Ziki Salan jeweils einen Teil des Totems gelegt.“
„Und?“
Ich spüre ein Würgen im Hals. „Sie haben ihr Totem gegessen!“
Das Große Walross sagt nichts. Schweigen. Bin ich noch im Kontakt mit dem Großen Walross? Langsam stehe ich auf. Der Totempfahl steht doppelt vor mir, das Große Walross ist also noch da.
Ich berichte weiter: „Die meisten Ziki Salan sind ohne Demut, sie geben ihrem Totem keine Geschenke, sie nehmen nur. Immerhin, am Ende werfen sie ihre leeren Scheiben in kleine runde Schreine. Nur ganz wenige schmeißen die Scheiben ins Wasser, und noch weniger werfen Scheiben ins Wasser, bei denen noch etwas Totem für die Fische drauf ist.“
„Hast auch du vom Totem bekommen?“ fragt das Große Walross.
„Sie wollten mir etwas geben, doch ich konnte nichts essen.“
„Und was solltest du bei diesem Ritual tun, L’gon Unakwan, Schamane der Q`erek?“
„Ich sollte tanzen. Da habe ich den Tanz getanzt, der die Möwen vertreibt, sie vertreibt von Vater Wal, wenn er sich den Q`erek, damit sie den Winter überleben, opfert.“
„Was hat Vater Wal gemacht?“
„Er blies seine große Fontäne und schickte starke Sturmböen.“
„Haben denn die Ziki Salan Vater Wals Fontäne nicht bemerkt?“
„Nein, die Böen haben sie total überrascht. Sie wurden blass und eilten weg. Allein der Häuptling und ich blieben zurück. Er sagte mir, die verschwundenen Ziki Salan zählten zum Clan der Landratten. Schon der kleinste Wind würde sie umwerfen.“
„Hat Vater Wal nur einen kleinen Wind geschickt?“
„Nein, nein, ordentliche Windstöße! Nach kurzer Zeit kamen auch alle Ziki Salan wieder. Sie rannten an den Rand des schwimmenden Vulkans, zu einem hüfthohen Zaun, auf den sich alle lehnten. Sie haben das Totem wieder vorgewürgt und in das Wasser rundum gespuckt.“
„Sie haben das Totem den Fischen geschenkt! Vielleicht will ihr Totem das ja. Dass sie die Geschenke den Fischen geben.“
„Oder es war der Wunsch von Vater Wal!“
Keine Antwort vom Großen Walross, vor mir steht nur ein Totempfahl, das Große Walross ist weg. Jetzt warte ich, wie sich das Große Walross entscheidet – ob ich ins Zwischenland verbannt werde oder nicht?


Eingetragen am: 05.12.2008 von nora
[ Lesezeichen ]

20927

sundsvall ist mein heimatort, das ist in Südschweden hier ist es ziemlich mild aber sowas von kalt, da ist die schweiz gleich die Karibik dagegen. In Sundsvall hab ich 19Jahre meines Lebens verbracht, jedoch fühl ich mich dort nicht zuhause. Hier bin ich jetzt nämlich,in der Schweiz, genauer gesagt auf dem Hasliberg. Es ist wunderschön, ich versteh die Schweizer zwar nicht aber ich glaube sie sind freundlich. Obwohl die Männer hier mit ziemlich strenger Miene herumlaufen und ihre Kühe immer anschreien. Ich bin hier weil ich mich für diese Schule beworben hab, es ist ein Internationales Internat hier gibt es von überall Leute. Ich hab mich aber nicht als Schülerin beworben sondern als Helferin, das heisst ich werde hier den Lehrern helfen die Schule sauber zu halten, ihre Wohnungen, verschiedene Veranstaltungen organisieren und mit der Gondel nach Meiringen fahren um einzukaufen. Diese Gondel gibt es noch nicht lange was bedeutet sie sind damals hoch und runter gewandert. Das wär also nichts für mich, obwohl wir auch wandern für 5tage um die Gegend kennen zulernen. Ich habe Wasserstoffblondeshaar blaue Augen und bin ziemlich bleich im Gesicht, ich werde auch eher rot von der sonne und nicht braun.es gibt viele verschiedene Gründe warum ich mich in Sundsvall nicht wie zu Hause fühle obwohl ich mein ganzes Leben dort verbracht habe. Vielleicht ist genau das der Hauptgrund. Ich weiss auf jedenfall das ich jetzt hier in Goldern bin, ich hier einen Neuanfang starte, eine neue Familie und neue Heimat erschaffe.


Eingetragen am: 15.11.2008 von Enni
[ Lesezeichen ]

20296

Shaya heißt „die Schöne“ und ich bin wirklich stolz auf diesen Namen. Noch stolzer bin ich darauf, dass ich in der vierzigsten Generation aus der Linie des Kubilai, eines Enkels von Tschingis Khan stamme.
Auch fast 800 Jahre nach seinen ruhmreichen Eroberungen und der Errichtung des Mongolischen Reiches ist mein Stammvater ein Held in der Mongolei.
Ich bin 15 Jahre alt und lebe in Darchan, der drittgrößten Stadt der Mongolei. Rund um die Stadt gibt es Steppe, nichts als Steppe. Das ist für ein 15jähriges Mädchen nicht viel. Nein, es ist nicht einmal genug. Ich möchte etwas aus meinem Leben machen. Ich habe die Kraft und den Willen Tschingis Khans im Blut, aber ich bin ein Mädchen. Deswegen ist mir hier vieles verwehrt. Ich darf zwar reiten, aber nicht schießen. Ich darf planen, aber nicht ausführen. Ich darf wissen, aber nicht entscheiden. Was nützen mir also meine Gene und mein Können, wenn ich damit nichts anfangen darf?
Ich habe mit meiner Freundin, Toja, einen wirklich kühnen Entschluss gefasst. Morgen ist der 11. Juli, der erste Tag unseres dreitägigen Nationalfestes. An Naadam wird die ganze Stadt auf den Beinen sein. Es gibt sportliche Wettkämpfe in den so genannten männlichen Disziplinen Ringen, Bogenschießen und Pferderennen. Danach wird gefeiert. Es gibt Airag aus vergorener Stutenmilch und Milchschnaps. Gegessen wird Bansh, Lammfleisch in Teigtaschen. Toja und ich werden uns des Nachts, wenn alle betrunken auf ihren Lagern ruhen, aus unserer Jurte schleichen, uns zwei der besten Pferde stehlen, die es an Naadam zu Hauf in unserer Stadt gibt und davonreiten. Wir gehen nach Europa, wo Mädchen Bogen schießen, Pläne ausführen und Entscheidungen fällen dürfen.
Zunächst reiten wir nach Kjachta, die nächstgelegene Stadt hinter der sibirischen Grenze. Der Weg dahin führt uns etwa 70 Kilometer durch die Niederungen des Flusses Orchon bis zur Mündung in den Selenga. Seinem Verlauf folgen wir dann weitere 30 Kilometer bis zur Stadt. Die Grenzen sind kaum bewacht und das Wetter spielt um diese Jahreszeit auch mit. Es wird tagsüber an die 20°C sein und regnen wird es in den nächsten Tagen nicht. Von Kjachta aus gibt es dann eine Busverbindung nach Ulan-Ude, der Hauptstadt der Region, und von dort ist der Schritt in die Freiheit nur noch ein Katzensprung entfernt.
Jetzt muss ich los, die letzten Vorbereitungen treffen. Also, wünscht mir Glück!
Und wer weiß, vielleicht erzähle ich euch eines Tages von meiner wunderbaren Reise aus dem Land der Jurten nach Europa.


Eingetragen am: 14.11.2008 von Lena Marie
[ Lesezeichen ]

20275

Mein Name ist Muhammad al-Fasi und ich lebe mit meinen Eltern und sechs Geschwistern in den Bergen von Rif in Marokko. Ich bin das dritte von 7 Kindern und gehe jetzt das letzte Jahr in Fès zur Schule. Bei uns gehen bzw. gingen alle in der Familie zur Schule, bis auf die Kleinste, sie ist noch zu jung. Hier in unserer Heimat ist Schulbildung jedoch nicht selbstverständlich.
Meine beiden älteren Brüder Abdellah und Ahmed helfen unseren Eltern mit beim Anbau von Kif. Abdellah, der älteste, hatte mit 14 die Schule abgebrochen und Ahmed versuchte nach der Schule zunächst einen Job in der Stadt zu bekommen, doch vergebens.
Ich allerdings, möchte nicht in diese Fußstapfen treten. Ich denke, dass Leben muss mehr bieten, als das, was uns dieses Land möglich macht. Wenn ich mit der Schule fertig bin, will ich nach Frankreich auswandern, um dort ein besseres Leben zu führen. Wenn es nur nicht so verdammt schwierig wäre...
Der 26-jährige Bruder meines besten Freundes hatte erst letztes Jahr versucht sich nach Spanien zu schmuggeln, weil er ebenfalls mehr Perspektiven im Leben wollte, doch unglücklicherweise hatten ihn, drüben angekommen, die Sicherheitskräfte aufgegriffen und zurückgeschickt. Viele kommen auf ihrer Reise über die Straße von Gibraltar nach Spanien ums Leben. Das ist wirklich erschreckend. Es ist wahnsinnig gefährlich mit den Pateras – das sind kleine Flüchtlingsboote – über die Meerenge zu fahren, weil sich das Wetter auf dem Meer ständig ändert. Aber ich glaube, viele von uns haben mehr Angst davor in Armut und Arbeitslosigkeit zu versauern, als vor dem was sie auf ihrer Flucht erwarten könnte. Ich würde es auch riskieren.
Warum aber verschließt sich Europa nur immer mehr gegen uns? Wir wollen doch auch die Chance für ein anständiges Leben. Ist das verwerflich? Hier in Marokko kann sich jemand mit der Absicht, etwas aus sich zu machen, nun mal nicht verwirklichen. Wir brauchen die Hilfe von Europa.
Wenn ich gelegentlich in den wunderschönen Himmel schaue und die wenigen Wolken dort oben betrachte, dann wünsche ich mir so sehnlich woanders zu sein. Dann stelle ich mir vor, wie ich in Frankreich lebe und ausreichend Geld mit einem geregelten Job verdiene. Keine Armut mehr. In meiner Vorstellung bin ich frei. Ich bummle durch die hellen Straßen von Paris, wissend, dass es mir und meiner Familie gut geht. Jeden Tag bete ich zu Allah, er möge mir einen Weg dorthin zeigen und mir die Kraft geben, diesen Weg zu gehen. Ich glaube ganz fest daran, dass ich eines Tages das goldene Europa erreichen werde. Ganz fest.


Eingetragen am: 05.11.2008 von sjoukje
[ Lesezeichen ]

19946

Übung 6

Ich heiße Sarah, bin 15 Jahre alt und habe noch zwei kleinere Brüder. Mein Vater ist ein arabischer Kameltreiber, meine Mutter Spanierin. Wir leben in einer Oase am Rande der Sahara, die größte Wüste der Welt und manchmal wandert eine Riesendüne und droht das Leben hier zu ersticken. Ganz in der Nähe ist die Hafenstadt Nouadhibou. Von einer Mine im Norden des Landes führt eine Eisenbahnlinie quer durch die Sahara zu dieser Stadt. Es ist die wichtigste Verkehrsverbindung des Landes. Der hier verkehrende Zug war lange Zeit der längste und schwerste der Welt. Die Ladung: bis zu 21.000 Tonnen Eisenerz. Der größte Feind der Bahnstrecke ist der Sand. Alle hundert Kilometer ist ein Entsandungstrupp stationiert, um die vom Sand zugeschütteten Gleise wieder freizuschaufeln. Die Stadt Nouadhibou verfügt über einen internationalen Flughafen. Im übrigen beherrschen Kiesflächen, Stein- und Felswüsten sowie Geröllebenen das Bild. Die abseits befahrenen Autopisten durchziehen die Sahara in einem weitmaschigen Netz.

Mein Vater hat fünf Kamele, zwei Kühe, zehn Schafe und fünfzehn Ziegen. Die Kamele sind für uns das einzige Fortbewegungsmittel dieses Riesenraumes und dienen als Reit- und Lasttier. Von der Kuh- Schaf- und Ziegenmilch machen wir Käse.

Wir wohnen also in der Islamischen Republik Mauretanien, im nordwestlichen Afrika, am Atlantik. Das Land ist fast dreimal so groß wie Deutschland und wird seit dem Militärputsch am 8. August 2008 von einer Militärdiktatur regiert. Unsere Sanddünenfelder bilden den westlichen Rand der Sahara. Unser einziger Fluss ist der Senegal, der die Staatsgrenze zum gleichnamigen Nachbarland bildet.

Das Klima hier ist trockenheiß. Abkühlung bringt nur der kalte Kanarenstrom vor der Küste. Manchmal bleibt der Regen ganz aus, aber manchmal fällt sie so heftig, dass sie nicht versickern kann, sondern in gewaltigen Schichtfluten an der Oberfläche abfließt.

Wir leben also in einer Oase. Hier wachsen hauptsächlich Dattelpalmen. Die Gazellen, Strauße, Warzenschweine, Leoparden und Falbkatzen finden hier ausreichend Nahrung.

Ich bin sogar zur Schule gegangen, wenn auch nicht regelmäßig. Mein Vater hat mich früher auf einem seiner Kamele dahin gebracht und später fuhr er einen alten Jeep, den er heute noch hat. Als ich zwölf Jahre alt war, musste ich meiner Mutter helfen. Kühe, Ziegen und Schafe melken stand auf dem Programm. Es ist meine Pflicht meine Eltern zu unterstützen, aber ich träume neuerdings davon, dass mich eines Tages ein netter Mann findet und heiratet. Ich würde nämlich lieber mit ihm in der Stadt wohnen. Wenn ich mir einen Beruf aussuchen könnte, dann Krankenschwester. Ich helfe gerne Menschen, vor allem Kinder und besitze sogar medizinische Bücher. Na ja, eigentlich hat mein Vater sie von seinen Reisen mitgebracht, er weiß von meinem Traum. Meine Brüder dagegen sind so zufrieden und werden in den Fußstapfen meines Vaters treten. Ich muss jetzt aufhören, mein kleiner Bruder ruft mich und braucht meine Hilfe.


Eingetragen am: 05.11.2008 von Johanna
[ Lesezeichen ]

19911

Cést moi, Katrine, und ich stamme aus dem kleinen Ort Bergerac, im Süden Frankreichs. Paris ist weit weg und das ist gut so. Ich habe dort studiert, aber es hat mich wieder in meinen kleinen Ort gezogen. Hier ist es ruhig, nicht laut, es gibt kaum Verkehr, nur einen einzigen Supermarkt, die Post, das Gemeindeamt, einen Kindergarten, aber keine Schule, einen Hauptplatz, wo sich immer noch die Kinder treffen, die nachmittags Freunde zum Spielen suchen, erstaunlicherweise auch einen Friseur. Ich hab ja den Verdacht, dass der sich nur deshalb hält, weil es der einzige Ort ist, wo sich die Frauen und Männer getrennt zum Tratschen treffen können. Kaffeehaus oder Wirtsstube gibts keine. Die Männer werden sogar noch rasiert, und das wird eifrig genützt. Bei den Damen werden kaum mehr Dauerwellen gelegt, das nicht, aber es gibt eine Maniküre. Nichts netteres, als entspannt zu sitzen, Pfötchen zu geben und Klatsch auszutauschen. Ich bin einmal die Woche dort, um meine Nägel machen zu lassen. Mit 40 Jahren ist das schon ein kleiner Luxus, den man sich vergönnen kann, finde ich. Mein Mann ist tot, darüber gibt es einige Gerüchte, aber wenn sie mir zuhören wollen werde ihnen jetzt die Wahrheit über ihn erzählen. Er hat es verdient und ich auch.
Nehmen sie also am Frisierstuhl Platz und hören sie einer Frau zu, die in ihrem Leben schon einiges hinter sich gebracht hat, unter anderem ihren Mann. Nein, Scherz, außerdem wollen wir der Geschichte ja nicht vorgreifen.
Ich wurde hier geboren, als jüngste und einzige Tochter nach fünf Söhnen. Nach mir hörte die Kinderproduktion schlagartig auf. Denn ich war - und vielleicht,bin, wenn sie mir die kleine Eitelkeit getatten- ein sehr hübsches Mädchen mit rabenschwarzen Haaren, hellem Teint und dunkelblauen Augen. Man sagte mir schon als Dreijähriger nach, ich verführe die Männer. Was natürlich eine Übertreibung war. Mein Vater liebte mich jedenfalls abgöttisch. Meine Brüder verwöhnten mich und meine Mutter hasste mich. Ist das zu hart, wenn ich es so sage? Ich glaube nicht. Sie selbst war ein Einzelkind gewesen und bekam die ganze Aufmerksamkeit ihrer Eltern. Sie musste sie mit niemanden teilen. Mein Vater vergötterte meine Mutter ebenfalls, sonst hätte mein Großvater, der ein richtig provencialischer Tyrann war, sie ihm niemals zur Frau gegeben. Die fünf Söhne nahmen ihr nichts weg, ganz im Gegenteil. Eine Frau mit fünf Söhnen ist in meiner Familie hoch angesehen. Ich habe leider keine
Kinder...Jedenfalls, als ich auf die Welt kam, war sie für meinen Vater nicht mehr die Nummer eins. Und das hat sie mir bis auf ihr Sterbebett nicht verziehen. Also, womit habe ich begonnen? Achja, es geht ja eigentlich um meinen Mann. Haben sie ihn vielleicht gekannt, wenn auch nur flüchtig? Viele Menschen kannten ihn, er war ja Bankbeamter in Germain, unserer Kreisstadt........


Kommentar von Anita Decker

Ein wunderbarer Text! Wirkt natürlich und macht Lust auf mehr! LG Anita

Eingetragen am: 03.01.2009

Eingetragen am: 21.10.2008 von MaidMarian
[ Lesezeichen ]

19510

Sveiki! Mein Name ist Janis und ich stamme aus der Stadt Paide in Lettland. Ich bin hier gebohren und schon von kleinauf vernarrt in die wunderschöne hügelige Landschaft mit seinen zahlreichen Mooren. Als Kind haben wir oft im Moor gespielt und einmal konnte mich mein Vater gerade noch aus dem Sumpf ziehen bevor ich ertrunken wäre, aber das ist eine andere Geschichte. Ich bin seit zwei Jahren verheiratet mit meiner Frau Lelde, die ich über alles Liebe. Ich danke Gott jeden Tag dafür Sie kennengelernt zu haben.
Das war vor 5 Jahren in Riga auf einem Liederfest dem „dziesmu Svçtki“. Dort treten lettische Chöre aus der ganzen Welt auf. So auch meine Frau und ich, allerdings in verschiedenen Chören. Sie stammt aus Tartu, der ältesten Stadt unseres Landes. Seit der Hochzeit wohnt Lelde nun mit mir und meinen Eltern zusammen ihn unserem Elternhaus. Dort bewirtschaften wir alle zusammen unseren Kleinen Bauernhof. Wir sind nicht reich, aber wir haben genügend zu essen und das ist das wichtigste. Aber nun seid mal nicht so neugierig, Lelde ruft mich.
Uz redze's'anos!


Eingetragen am: 16.10.2008 von Jasmin
[ Lesezeichen ]

19347

Bonjour! Ich heiße Pierre, bin 20 Jahre und lebe an einem der schönsten Fleckchen der Erde, auf der Südseeinsel Neukaledonien, die eine ehemalige Strafkolonie ist und zu Frankreich gehört. Die Franzosen nennen unsere Insel „Grande Terre“, weil sie 400 km lang und etwa 50 km breit ist. Die Insel ist umgeben von Korallenriffen und windet sich von einer malerischen Bucht zur anderen. Obwohl die Insel im Pazifischen Ozean liegt und wir hier in einem Naturparadies leben, schätzen wir die französische Kultur hier ebenso. Ich arbeite als Kellner in der Hauptstadt Nouméa in einem Hotel, indem das Interieur aus Frankreich die großen Räume schmückt. Bilder von Monet oder van Gogh runden die französchische Präsenz ab. Ebenso wohne ich alleine in einer kleinen lichtdurchfluteten Wohnung direkt am Meer, wie die meisten anderen Bewohner auch. Wir haben uns daran gewöhnt, dass das ganze Jahr eine leichte Brise, die den Salzgeschmack des Meeres vorbei ziehen lässt, unser Dasein erfüllt. Mein Vater ist Franzose und ist einer der beliebtesten Reiseführer auf Neukaledonien. Meine Mutter stammt von dem Naturvolk der Melanesier ab, sie ist eine echte Südseeschönheit mit langen, wallenden, dunklen Haaren, die ihren ganzen Rücken bedecken. Wenn sie zu besonderen Anlässen eine rote blühende Blume in ihre glänzenden Haare steckt, sieht sie aus wie eine Märchenprinzessin. Mein Vater lernte meine Mutter bei einer Reiseführung für Touristen kennen, als meine Mutter mit anderen Frauen ihres Stammes den Besuchern ihre traditionellen Tänze vorführten. Da meine Mutter dunkle und mein Vater eine helle Haut hat, bin ich mit einer Mischlingshaut geboren worden. Meine Freunde meinen, ich sehe meiner Mutter ähnlicher als meinem Vater. Ich bin das Jüngste von vier Kindern; meine Geschwister sind längst ausgezogen und leben verteilt auf der ganzen Insel. Sie sind alle schon verheiratet und haben zum Teil schon Kinder. Weil ich die paradiesische Gegend hier liebe, bin ich der Einzige, der hier in der Nähe meiner Eltern wohnt. Das hat für mich natürlich einige Vorteile. Wenn es von meiner Arbeit her möglich ist, besuche ich jeden Sonntag meine Eltern. Mein Vater und ich lassen uns dann von den Kochkünsten meiner Mutter bezaubern. Oft bereitet meine Mutter Spezialitäten unserer Gegend vor, wie Salate aus rohem Fisch in Zitronensaft mariniert. Zudem kocht sie uns auch mein Lieblingsessen, das Nationalgericht „Bougna“ – gebratenes Schwein, Fisch oder Huhn, das in Bananenblättern gewickelt wird und auf heißen Steinen unter dem Sand gegart wird. Ich liebe diesen Duft, der mich stets hungriger macht als ich wirklich bin. Da bei uns eine lange Mittagspause üblich ist, dehnt sich mein Besuch bei meinen Eltern stets bis in den späten Nachmittag aus, an dem ich mich dann auch so richtig verwöhnen lasse. In meiner Freizeit verbringe ich viel Zeit mit meinen Freunden und wir erkunden immer wieder von neuem unser paradiesisches Fleckchen Erde. Letztes Jahr erkrankte einer meiner Freunde an einer Infektion mit Dengue Fieber. Vor ein paar Jahren schon starben hier etwa zwanzig Menschen an diesem Fieber, das durch ein Virus der Mücken übertragen wurde. Mein Freund überlebte glücklicherweise. Seither beuge ich stets mit einem stark wirkenden Mückenschutz vor. Oft schlendern meine Freunde und ich an der langen Uferpromenade entlang, die von schattenspendenden Bäumen umsäumt ist. Hier treffen wir viele Einheimische, sowie Touristen an, die auf den hölzernen Bänken im Schatten ihre täglichen Erlebnisse austauschen. Da die Promenade von fünf Uhr früh bis spät in die Nacht hinein besucht wird, treffen wir immer wieder Menschen an, die wir kennen. Bei gutem Wellengang packen wir unsere Surfbretter ein und genießen auf dem Meer das Zusammenspiel von Wind und Wellen. Wenn wir uns nicht sportlich betätigen wollen, legen wir uns auch mal genüsslich an einen der wunderschönen, weißen Sandstrände um wieder neue Kraft zu tanken. Diese Zeit mit meinen Freunden lässt mich meine Albträume vergessen, die mich seit dem Wirbelsturm vor fünf Jahren begleiten. Obwohl wir uns damals gut auf den Sturm vorbereiteten, wurde das Haus doch stark in Mitleidenschaft gezogen. Meine Mutter und ich verweilten in der Sturmzeit außerhalb unseres Hauses in einem bunkerähnlichen Gebäude. Mein Vater wollte partout unser Haus nicht verlassen, damit keine Plünderer das Haus ausräumen konnten. Ich konnte das überhaupt nicht verstehen und hatte eine panische Angst meinen Vater durch ein zusammenstürzendes Haus zu verlieren. Die Zeit im Bunker kam mir endlos vor und vor lauter Angst um meinen Vater schnürte es mir die Speiseröhre zu, dass ich weder essen noch trinken konnte. Gottlob ist alles noch glimpflich für unsere Familie ausgegangen, nur das Haus musste eine Renovation über sich ergehen lassen. Meine Albträume sind zwischenzeitlich weniger geworden, aber immer noch ziemlich heftig. Ich erwache mit rasendem Herzklopfen und durchnässt von kaltem Schweiß. Doch die schönen Dinge des Lebens hier und die einzigartige Natur geben mir immer wieder eine Chance für eine gute Zukunft.


Eingetragen am: 10.10.2008 von britta khokhar
[ Lesezeichen ]

19116

ich stelle mir vor in england zu leben. dort regnet es fast immer. aber sonst hat man sehr viele freiheiten. Einwanderer aus anderen ländern können so leben wie sie es von ihren ländern gewohnt sind. Sogar moscheen gibt es dort und es darf auch der gebetsruf erschallen. das einzige was mir dort sorgen macht ist dass es in den schulen streng hergeht, aber vieleicht ist das auch gut so. und ich kann meinen schon lang ersehnten traum mir erfüllen. meine neffen zu mir zu holen. in england ist familennachzug erlaubt. da einer meiner söhne sowie so mit seiner frau und tochter dorthin zieht in absehbarer zeit muss ich mich damit beschäftigen. ein fan von edgar wallace und agazha christie bin ich auch. Ich melde mich gleich morgen zu einem englischkurs in der volkshochschule an. Sprachbegabt bin ich und es macht mir auch spaß sprachen zu lernen. Die doppeldeckerbusse würden mir auch gut gefallen. Vieleicht mache ich england meinen durchbruch als autorin so wie joanne rowling. obwohl ich selber nie harry-potter gelesen hab weil ich mich geärgert habe dass ich es nicht geschrieben habe.
vielleicht mache ich dort eine deutsche oder pakistanische stadtbücherei mit literaturcafee auf. irgend eine kreative idee hätte ich schon.


Eingetragen am: 05.10.2008 von Pel
[ Lesezeichen ]

18926

Lissabon ist die allerschönste Stadt und das vor allem für Maler. Das behaupte ich nicht, weil ich zufällig in Lissabon zur Welt kam und hier in meinem kleinen Dachatelier in der Nähe der Lagerhallen am Tejo arbeite, das Meer in der Ferne, wenn ich auf der Fensterbank sitze und die Terpentinreste vom Pinselauswaschen an meiner Latzhose abwische, bevor ich meine Pausenzigarette anstecke.

Es gibt so viele pittoreske Motive und ich könnte den ganzen Tag am Torre verbringen oder im Convento do Carno, wo besonders die romantisch veranlagten Ökotouristen aus Holland oder Deutschland spazieren gehen, manchmal glaube ich, dass sie ihre Butterbrote noch von zu Hause dabei haben, diese komischen Schwarzbrotschnitten, die es hier nicht mal beim deutschen Bäcker zu kaufen gibt. Während meiner Akademiezeit habe ich viel in den Ruinen gesessen, mein Skizzenbuch auf dem Schoß, die Aquarellfarben in einer kleinen Zigarrenblechdose versteckt, das Aquarellwasser in einem Schnapsgläschen getarnt, damit ich in Ruhe malen konnte und nur besonders hartnäckige Touristen bemerkten, dass ich nicht las und mich dabei betrank, wie es besonders die Holländer oft taten, den Rucksack als Kopfkissen in der Mittagssonne. Ich hätte so einige Skizzen verkaufen können, viele mochten meine freien Ruineninterpretationen viel lieber als die bunten Souvenirbilder aus der Altstadt.
Ich liebe die Stille in meinem leider etwas stickigen, viel zu warmen Atelier, manchmal ist mir, als hörte ich die Wellen rauschen und dann denke ich an Jan, meinen lieben Jan, der schon den zweiten Sommer in Lissabon verbringt, wegen mir, aber auch weil es hier so viel zu sehen gibt für einen Maler und mit dem ich in der Mittagspause im Meer bade. Danach liegen wir im Sand und blättern in Jans Zeichnungen, die schon ganz fleckig geworden sind, aber das stört ihn nicht, das passe viel besser zu den Ruinen. Manchmal wünsche ich mir, dass er lieber mich mal malen sollte, aber das wird schon noch passieren. Ich habe ihn schon in die Stadt verliebt gemacht, da wird das andere noch kommen. Währenddessen baden wir, besuchen das Chiado oder das Calouste, auch das Kachelmuseum fand er so inspirierend, dass er vor Übermut meine Hand nahm und wir wie ein Pärchen durchs Museum schlenderten. Und wenn wir abends auf unsere letzte Metro warten ist es, als säßen wir im Museum, überall die wunderbaren Azulejos von Maria Keil, Kunstwerke in jeder Station und wenn wir in Laranjeiras aussteigen, empfangen uns die Orangenbäume und Jan lächelt mich dann immer so versonnen an und ich weiß, dass er mich bald küssen wird.


Eingetragen am: 30.09.2008 von COH
[ Lesezeichen ]

18708

Mein Name ist Piotr Szlavina, ich bin 27 Jahre alt und lebe in Weißrussland. Ich bin zwar ein orthodoxer Christ wie auch mein Vater, aber ich gehe nicht oft in die Kirche. Meine frühe Kindheit habe ich nahe Masyr im Süden Weißrusslands verbracht, dort bin ich geboren und dort ist Vaters Familie verwurzelt. Meine Mutter ist Anfang der 80er Jahre aus Ostdeutschland nach Masyr gezogen, um ein Kartoffel-Kombinat ertragreicher zu machen. Sie kannte sich damit gut aus, mit Agrardingen und so. Damals hat sie auch meinen Vater kennen gelernt, der im selben Kombinat gearbeitet hat. Zwei Jahre später, als ich schon Turnübungen im Bauch meiner Mutter gemacht habe, da haben meine Eltern geheiratet. Ja - und dann kam das mit Tschernobyl...
Wir zogen dann um in einen Vorort von Vicebsk im Nordosten des Landes, weil hier die Felder nicht so verstrahlt sind, sagte Mutter. Ich war damals noch zu jung, das alles zu verstehen. Alle meine Freunde musste ich zurücklassen, da war ich sehr traurig drüber. Vater wollte unbedingt nach Vicebsk, weil er hier noch einen Onkel hatte und weil die Stadt nah an der russischen Grenze liegt und Russland war ja unser großer Bruderstaat. Also bin ich hier in Vicebsk zur Schule gegangen und arbeite jetzt in einem kleinen Traktorenwerk. Meine Mutter ist vor sechs Jahren an Schilddrüsenkrebs gestorben. Viele Menschen haben mein Heimatland verlassen seit ich ein kleiner Junge war, vielleicht wegen Tschernobyl, vielleicht wegen unserem Präsidenten, ich weiß nicht. Ich hoffe nur, dass Weißrussland bald auch reich sein wird, so wie Russland oder die Länder im Westen.


Eingetragen am: 29.09.2008 von Jette Kock
[ Lesezeichen ]

18656

Mein Name ist Kareema, das bedeutet die Großzügige, die Noble, ein islamischer Frauenname. Ich komme aus dem Sudan, genauer gesagt aus der Nähe von Omdurman im Norden des Sudans. Omdurman gehört zu dem Bundesstaat al Chartuum und ist die größte Stadt des Landes. Omdurman, Karthum und al-Chartum Bari bilden eine Dreierstadt und sind mit Brücken über den Nil verbunden. Unsere Stadt fungiert als religöses Zentrum des Islam, unter anderem durch die islamische Universität. Unser Leben hier ist sehr hart, da wir in einer Krisenregion leben: In Darfur kämpfen seit 2003 Rebellenorganisationen gegen regierungstreue Milizen und Streitkräfte. Es sind schon viele Menschen ums Leben gekommen und der Konflikt währt immer noch. Am Samstag hatten sich sudanesische Regierungstruppen und Kämpfer der Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit JEM heftige Gefechte geliefert. Wir müssen damit leben.
Auf dem Markt verkaufe ich einen Teil der von meinem Mann angebauten Hirse. Am liebsten esse ich unser Nationalgericht Ful, auf kleiner Flamme gekochte Ackerbohnen, die mit Reis, Zwiebeln, Knoblauch, Tomaten und den Gewürzen Cumin, Koriander und Pfeffer vermengt werden.


Eingetragen am: 23.09.2008 von Neyhla Melchior
[ Lesezeichen ]

18194

Kampfkreis der Guanchen

Amiet kniete auf dem staubigen ausgetrockneten Boden auf dem Feld mit den Hülsenfrüchten. Der Regen war lange nicht gekommen. Aber die Bewässerungskanäle auf den terrassenförmigen Feldern glichen dies noch aus.

Hier auf Teneriffa um 500 v. Chr. lebte Amiet, das wunderschöne Guanchen-Mädchen als eine von drei Schwestern in einer kleinen Siedlung auf einem der himmelhohen Berge mit Blick auf den Teide, den weißen Berg. Er wurde vom Guanchenvolk so genannt, da er Sommers wie Winters einen weißen Hut trug. Amiet das hieß „Drei“, denn sie war das dritte Mädchen, dass ihre Mutter zur Welt brachte und ihr war bis heute nicht klar, ob sie einfach als Zahl benannt war, weil sich ihre Eltern einen Jungen gewünscht hatten oder ob ihrer Mutter einfach der Klang des Wortes schön fand.

Amiet blinzelte in die stechendheiße kanarische Sommersonne. Es duftete nach der Meeresluft des kalten klaren und unbarmherzigen Atlantik selbst hier oben auf dem Berg. Würzig und rau. Wenn Amiet aufs Meer blickte fand sie es schön und weit. Die Guanchen befuhren das blaue Wasser nicht. Sie waren keine Seefahrer und gingen nie auf die anderen Inseln, obwohl sie wussten, dass diese nah waren.

Der leise Passatwind wehte unablässig, wie ein Geist, der einen in den Wahnsinn treiben wollte mit seinem Flöten und Flüstern. Doch das Sausen des allgegenwärtigen Windes war für die Guanchen ein täglicher Begleiter, den sie gar nicht mehr wahrnahmen.

Ihr braune Kleid aus gegerbtem Tierfell war in der Taille mit einer Kordel aus dem gleichen Material gerafft, so dass man ihre schlanke Figur erkennen konnte. Ihr langes braunes Haar trug sie zu zwei Zöpfen geflochten, je einen links und rechts über die Schulter. Sie hatte helle ebenmäßige Haut, weil die Vorfahren der Guanchen vor langer Zeit nach Teneriffa über das große Wasser aus der Wüste gekommen waren. Doch das war zu lange her, als dass sich jemand daran erinnerte.

Ihre Gedanken jedoch galten im Moment nicht – was sie eigentlich sollten – der Feldarbeit. Sie dachte einen Moment an die paar Männer die jetzt gerade ausgezogen waren um die große Echse in den bewaldeten Gebieten zu jagen. Doch dies war nur ein Versuch sich abzulenken von dem was tatsächlich gerade geschah und ihr Leben nur wenige Schritte entfernt veränderte.

„Die Echsen sehen aus wie Ungeheuer“, versuchte sie ihre Gedanken zu kontrollieren. Sie konnten 75 cm lang werden und schmeckten sehr gut. Doch der Mut der jagenden Männer konnte Amiet nicht beruhigen… Tränen traten in ihre Augen, als sie realisierte vor was sie davonlief.

Sie richtete sich auf. Ihn ihrem Magen knisterte es. Mocán ging ihr nicht aus dem Kopf. Sie verzehrte sich nach ihm. Sie war aufgeregt wenn sie nur an seinen Namen dachte und die letzte Begegnung vor einen Tagen auf dem Hügel, als er sie so nah an sich gezogen hatte. Es war für sie endlich klar geworden, dass sie sich liebten und dass sie mit ihm die Verbindung von Mann und Frau eingehen wollte - wie es bei den Guanchen üblich war. Sie hatte ihm dies jedoch noch nicht sagen können. Sie wusste nicht genau wie er fühlte, aber dass er ihre Gefühle erwiderte war klar gewesen.

Jeder Mann hatte nur eine Frau und jede Frau einen Mann auf Teneriffa. Amiet fand die Vorstellung schön und beide mussten zustimmen damit die Verbindung zu Stande kam. Das war es wonach sie sich sehnte, jetzt schon nach der kurzen Zeit des Ertastens und Kennenlernens.

Doch Mocan war vielleicht jetzt schon nur noch Geschichte und sie war hier allein auf dem Feld, während alle seinem Untergang beiwohnten. Sie hatte Angst auch dort zu sein. Sie hatte ihm gesagt sie konnte sich nicht seinem großen Kampf stellen und jetzt zweifelte sie an ihrer eigenen Entscheidung hier Hülsenfrüchte zu ernten, während „ihr Mann“ der er hätte werden können, wegen einer Sache kämpfte die er nicht begangen hatte.

„Feigling Mocan!“ hallte es inbrünstig über den Berg. Amiet schrak auf, ließ den Sammelbeutel mit den Hülsenfrüchten fallen und hastete los. Mocan würde sterben!

Sie ließ die Siedlung mit den kühlen Höhlen und den kleinen gebauten Hütten neben sich liegen und rannte zum Ende des Berges. Direkt vor dem Abgrund der Tausende Meter in die Tiefe abfiel, lag der kreisrunde Kampfplatz der Guanchen. Sie drängt sich durch die Menge, dies ich dort schon vielen Minuten versammelt hatte. Links und rechts war eine kleine Erhöhung auf die jeweils ein Kämpfer zu stand und der einen zum Wanken bringende Wind allein wirkte schon bedrohlich vor diesen Tiefen. Auf den Verlierer eines Duells wartete das Abstürzen in den Tod und das Zerschmettern in den irgendwo in den unendlichen darunter liegenden Wäldern.

Mocan lag keuchend am Boden. Er war gebräunt und schöner als sein starker Gegner. Seine Haut glänzte vom Schweiß des Kampfes. Seine Muskeln waren stark und jung, doch Faykan war gut zwei Köpfe größer als er und sah aus wie einer der größten Kämpfer die es je gegeben haben musste. Dennoch war er hässlich: ein gigantischer Mann, Arme wie junge Baumstämme, kalkige Haut mit dunkler Behaarung, bereits einen leichten Bauchansatz, jedoch kräftig und zäh am ganzen Körper. Faykan hatte ein zernarbtes und unheimliches Gesicht, weil ihm aus Versehen erhitztes Wasser aus dem Feuerkessel seiner Mutter übergebrüht worden war, als er noch ein kleiner Junge war.

Blut säumte die rotbraune Erde bereits auf dem kreisrunden Platz. Amiet wagte nicht sich zu fragen, wessen Blut.

„Du hättest Dich nicht gegen mich stellen soll, Freund! Ich bin der Sohn des mencey. Man bedroht nicht den Sohn des mencey!“ herrschte Faykan seinen Gegner an, als wäre dies hier eine Vorstellung für die Menge. Der Mencey war der König des Guanchenstammes.

Gemäß der Version von Faykan, hatte Mocan versucht unehrlich und mit Tötungsabsicht in den hohen Stand des Königs, den so genannte Guanchen-Adelsstand erhoben zu werden. Jeder Mann konnte dies schaffen in dem er eine besonders gute Tat vollbrachte, doch als Mocan Faykan auf der Jagt vor dem Absturz an eine Felsklippe gerettet hatte, als dieser ausgerutscht war, empfand Faykan dies für sich als tiefe Blamage und erklärte seinem Vater dem Guanchenkönig, Mocan hätte ihn in einen Abgrund stürzen wollen um bei dem mencey (seinem Vater dem König) seinen Platz einnehmen zu können. Dann wäre Mocan aber doch zu feige gewesen die Tat zu beenden und ihn zu töten. Der alte Guanchenkönig hatte natürlich seinem treuen Sohn geglaubt. Doch leider war Faykans Seele nicht so rein und stark wie seine äußerliche Erscheinung. Er war geblendet davon, dass er als Versagen angesehen werden könnte vor dem Vok, würde sein Missgeschick des einfachen Ausrutschens auf einer Felsklippe bekannt werden und Mocan auf eine Stufe mit ihm erhoben, durch seine wichtige und gute Tat. Dann wäre er der dümmliche Jäger gewesen, der nicht einmal gerade gehen konnte und Mocan der Held der den Königssohn ehrenhaft gerettet hatte. Das hätte er nicht ertragen.

Mocan raffte sich gerade auf, als er Amiets Blick traf. Er lächelte schwach aber bedeutungsvoll, sein langes pechschwarzes Haar wehte wunderschön im Wind. Amiets Blick wurde weich. Über der Stirn trug er ein kleines Lederbändchen des am Hinterkopf gebunden war, damit ihm die lange Stirnpartie der Haare nicht ins Gesicht fiel. Sein rechter Arm hing bereits unbeweglich herunter und aus einer offenen Wunder tropfte rotes Blut. Doch sein Lächeln verriet dass alles gut war, nun wo Amiet doch gekommen war um ihm beizustehen...

„Ich bin hier.“ flüsterte Amiet in der Menge der Menschen die sich versammelt hatten dem Königssohn bei seinem Triumphsieg zuzusehen und ihre Augen füllten sich mit Tränen.
Niemand registrierte ihre gehauchten Worte.

Mocan hielt seinen Holzspeer nun mit der linken, ungeschickteren Hand, als Faykan schon wieder auf ihn zustürmte und ihn rammte. Mocan glitt aus. Amiets Augen weiteten sich, ihr Herz schien aufzuhören zu schlagen. Faykan dreht sich elegant und königlich in seinem muskulösen und seltsam aussehenden vernarbten Körper, den nur ein Tierfell-Lendenschurz zierte, welcher gezackt über den Knien endete. Er wand sich herum wie eine Schlange und versetzte Mocan einen weiteren Hieb in den Magen. Er zog ihn hoch am Hals und drückte ihn in Richtung Abgrund. Mocans Augen fielen zu.

Sie wandte den Blick ab und biss sich auf die Lippen. Ihr Herz schlug in Todesangst mit seinem. Sie liebte ihn. Sie würde ihn nicht sterben lassen! Nicht wegen der Stammesehre oder der Lüge dieses Feiglings!

Amiet bahnte sich ihren Weg nach vorne durch die Menge und schubste die anderen dabei zur Seite. Sie sprang auf den kreisrunden Kampfplatz am Abhang des Berges und ehe Faykan auch nur bemerkte, dass eine Frau ins Geschehen eingriff, ließ er Mocan los. Lautlose Stille umfing die drei Spieler auf dem rotbraunen erdenen Spielbrett… Der Passatwind strich um Amiets Zöpfe als wolle er ihren Schmerz stillen. Mocan fiel, lautlos. Ohne Schrei. Als wäre nichts geschehen.

Faykan riss die Arme hoch und das Volk begann zu jubeln. Urplötzlich brach Amiet auf die Knie, übermannt von ihren Gefühlen. Doch ihr peinlicher Versuch ihren Geliebten zu retten ging zum Glück im Trubel des Stammes über den Sieg ihres Königssohns unter. Niemand schien ihren Sprung bemerkt zu haben.

Amiet rannen nun die Tränen ohne Zurückhaltung über die Wangen, als sie bemerkte dass Faykan von der Menge weggetragen wurde zum Festplatz, zu seinem Vater. Dem Stammeskönig, der ihn huldigen würde für das Recht, dass er gesprochen hatte in einem anscheinend fairen Kampf gegen einen Verräter.

Mocan, das hieß Baum. Er war stark wie ein Baum, kräftig und ehrlich und unverrückbar gewesen. Deshalb hatte er Faykan retten wollen, nicht weil er einen Adelstitel hatte haben wollen, sondern weil es das einzig Richtige war, was er tun konnte in dem Moment, als sein Jagtkollege und Freund abzustürzen drohte. Wer hatte ahnen können, dass Faykan solchen Zorn in sich hegte, vielleicht weil Mocan der eigentlich Bessere war, der eigentlich schönere Mann ohne Narben im Gesicht und mit vollem pechwarzem langen Haar.

Amiet war allein. Die Steine und der Wind waren das einzige um sie und die unendlich schöne Aussicht von hier oben über die offene Kuppe des Ringkampfplatzes hinweg über Teneriffa. Die Landschaft Teneriffas erstreckte sich teilweise begrünt und bewaldet, teilweise karg und erdig vor ihren Augen.

Sie würde ihn nicht aufgeben und nicht ohne Mocan einbalsamieren und gebührend verabschieden zu können, dort unter den Büschen liegen lassen. Zerschmettert und ohne Begräbnis – oder (ein Hoffnungsfunkte regte sich) vielleicht sogar noch lebend mit einer Chance auf ein Leben mit ihr….

„Mocan….“

Man konnte den Duft von frisch gebackenem Gofio riechen, einem guanchischen gerösteten und in kleinen Steinmühlen gemahlenen Korn das gebacken wurde, als Amiet betäubt von Schmerzen und einem Korn Hoffnung. den einsamen Pfad aus dem Dort nahm, mit dem Ziel an den Berghängen von Teneriffa zwischen Dornenbüschen und Geröll, irgendwo unter dem Kampfkreis der Guanchen nach ihrem zukünftigen oder verstorbenen Mann zu suchen…


Eingetragen am: 23.09.2008 von Michele
[ Lesezeichen ]

18192

Ich bin Akeyo und sechs Jahre alt.Ich bin total aufgeregt, da morgen mein erster Schultag ist und ich in die große Stadt fahre.Ich wohne mit meinen Eltern und Geschwistern in einer Hütte. Wir haben ganz viele Tiere und ein großes Feld.Mama sagt, das es uns gut geht und ich ganz fleißig sein muß.Sie sagt, daß das gut für meine Zukunft ist.Ich werde Bücher lesen und rechnen können sagt Mama.Sie sagt auch,das die große Stadt Kinshasa heißt und sehr gefährlich ist.Ich soll gut aufpassen.Ich muß nur noch eine Nacht schlafen und dann darf ich den neuen Rock und die neue, weiße Bluse anziehen. Ich habe sogar Schuhe bekommen.Ich hab noch nie Schuhe gehabt. Ich habe Mama versprochen, das ich Lehrerin werde und allen dann im Dorf lesen und schreiben beibringe.Jetzt muß ich schlafen gehen sagt Mama.


Eingetragen am: 23.09.2008 von Mr. Vertigo
[ Lesezeichen ]

18181

Mein Name ist Melchior Mbaye, ich bin 12 Jahre alt und lebe in Bujumbura, der Hauptstadt von Burundi. Hier leben wir in einem kleinen Dorf in einer Hütte aus Holz und Stroh. Wir, das sind meine Mutter, mein Vater, die Eltern von meinem Vater und meine zwei Schwestern und zwei Brüder. Ich hatte noch zwei ältere Brüder, die wurden aber von den Tutsi ermordet, als sie über unser Dorf herfielen. In unsrer Familie sind wir nämlich alle Hutus vom Bantuvolk. Und diese Tutsi halten sich für etwas besseres und fangen immer wieder Krieg an.
In die Schule gehe ich schon seit zwei Jahren nicht mehr. Die ersten vier Klassen habe ich gemacht, kann jetzt wenigstens lesen und schreiben, damit kann ich schon mehr als meine Eltern. Seit ich zehn bin fahre ich nun jeden Tag mit meinem Vater hinaus zum Fischen. Jeden Morgen noch vor dem Aufstehen eine ganze Stunde Marsch zum riesigen Tanganjikasee.Am Anfang hat es noch Spaß gemacht, jetzt schon lange nicht mehr. Außerdem ist das Boot so kaputt, dass wir schon mehr mit schöpfen als mit fischen beschäftigt sind.
Wenn wir nachmittags fertig sind, legen wir die Fische zum Trocknen hinter das Haus.
Meine zwei kleinen Brüder gehen noch zur Schule, meine beiden älteren Schwestern helfen meiner Mutter auf den Feldern. Gleich neben dem Dorf bauen wir zusammen mit anderen Dorfbewohnern Mais, Bohnen und Süßkartoffeln. Jetzt ist auch klar, was wir so hauptsächlich essen. Zwar immer fast das Gleiche, aber wir werden satt. Ach ja, fast hätte ich die zwei Ziegen vergessen. Von denen gibts jeden Morgen frische Milch. Die ist echt lecker.
Wenn wir was anderes möchten, müssen wir es vom Markt holen. Hier verkaufen wir Sonntags auch unsere getrockneten Fische und ein paar Körbe, die meine Oma geflochten hat. Wenn es reicht, holen wir davon Fleisch, Obst und Zucker.
Oh, ich muss zum Essen, Oma ruft. Heut war ein guter Sonntag und so gibts heut abend was leckeres- Rindfleisch, ja Rindfleisch mit Mais und Bohnen... hmmm.


Eingetragen am: 21.09.2008 von Sandra Stopfer
[ Lesezeichen ]

18117

Winona

"Aanii, aniish na ? Winona nindishnikaaz. Das ist Ojibwa, die Sprache der Chippewa Indianer, meiner Vorfahren!
Diese Sprache wird noch ungefähr von 30 000 bis 50 000 Menschen im nördlichen Amerika und im südlichen Teil von Kanada gesprochen.
Es heisst auf deutsch: Hallo, wie geht´s? Ich heiße Winona.
Mein Name ist ein typischer indianischer Mädchenvorname, der soviel wie "die erstgeborene Tochter" bedeutet. Ich bin 17 Jahre und habe noch sechs Geschwister. Zwei Brüder
sind älter, ich bin das erstgeborene Mädchen, darum auch mein Name.
Zur Zeit lebe ich bei meiner Tante und meinem Onkel auf einer Farm in US Bundesstaat Wisconsin, nicht weit von meinem Zuhause. Die Farm hat den romantischen Namen "Little Rose",
und liegt ca. 263 km nordwestlich von Milwaukee, der größten Stadt in unserem Bundesstaat, entfernt. Wisconsin liegt direkt an einem der fünf grossen Seen, nämlich am Michigansee, der seinen Namen
auch von unserem Stamm bekam. Meine Vorfahren nannten ihn immer "mishi-gami", was auf deutsch mit "großes Gewässer"
übersetzt werden kann.
Nun, wie schon gesagt, lebe ich derzeit auf der Farm meiner Tante Rosalia und ihrem Mann. Ich greife ihnen bei so ziemlich allen anfallenden Arbeiten, die auf
einer Farm erledigt werden müssen, unter die Arme. Auf "Little Rose" wird hauptsächlich Milchvieh gehalten, was sehr typisch ist für Wisconsin, denn
nicht umsonst trägt dieser Bundesstaat den Beinamen " America´s Dairyland", Amerikas Molkereiland. Deshalb werden wir Bewohner auch manchmal scherzhaft als "Cheeseheads" bezeichnet.
Die schönste Zeit hier in Wisconsin ist der Herbst, der "Indian Summer", wie er hierzulande genannt wird, denn von der Gesamtfläche Wisconsins (169.639 km2) sind ca. 17 % Wasser und Waldgebiete. Wisconsin
hat nämlich über 15000 Seen. Deshalb ist dieser Bundesstaat auch als Touristenziel sehr beliebt. Ich liebe diese Zeit, wenn sich die Blätter beginnen sich zu verfärben, wenn sie statt dem sonst so
satten grün plötzlich gelb, orange oder gar rot leuchten. Zu dieser Jahreszeit machten einmal wir eine Wanderung in den Rib Mountain State Park, es war herrlich.
Als wir auf dem Rib Mountain standen und ins Tal hinab blickten, das war ein unbeschreiblich schönes, befreiendes Gefühl. Einfach wunderschön. Ich glaube das war
eines meiner schönsten Erlebnisse.


Eingetragen am: 21.09.2008 von pastis
[ Lesezeichen ]

18099

für mich war es damals ein ausserordentlicher tag. zum ersten mal sollte ich in bago, das nordöstlich von yangun in myanmar liegt, betteln gehen. ich war damals gerade erst neun jahre alt geworden. mein vater verdiente sich ein wenig geld in den reisfeldern und meine mutter stammte aus deinem dorf ausserhalb von bago. begütert waren wir wahrlich nicht. neben mir galt es noch meine beiden schwestern und meinen kleinen bruder zu ernähren, was teilweise mehr schlecht als recht gelang.

so war der eintritt ins örtliche kloster, wie er in buddhistischen familien üblich ist, für mich das tor zu einer neuen welt. anstatt mit gleichaltrigen ball zu spielen, schwimmen zu gehen oder auf die jüngeren geschwister aufzupassen, lernte ich jetzt lesen und schreiben. dies anhand der pali-schriften, welche jeweils in den klöstern gelesen und rezitiert wurden. doch nicht nur lesen und schreiben lernten wir auf diese weise, sondern geschult durch die frömmigkeit der armut, auch andächtig zu sein.

die aufnahme ins kloster erfolgt nach einer zeremonie im schosse der familie, kurz nach dem neunten geburtstag, wo die köpfe kahl geschoren werden. dabei werden die haare auf einem stückchen weisser seide aufgefangen. die jungen geloben, die regeln des theravada-buddhismus zu befolgen. sie ziehen sich aus, kleiden sich in das einfache tuch der mönche und werden söhne des buddha. das ist ihre initiation.

und zu diesem klosterleben gehörte auch das eingangs erwähnte betteln. früh morgens machten wir uns auf, mit frisch rasierten schädeln und in der tracht der jungen mönche. diese besteht nur aus einem einzigen stück stoff, das in orange-roter farbe gehalten ist. dieses tuch wurde um unsere dünnen, braunen köpfe gewickelt und festgesteckt.

barfüssig machten wir uns auf und liefen mit unseren schüsseln und körben zum markt. dort wurden sie von den marktleuten im sinne einer spende noch so gerne mit reis, gemüse, erdnüssen und nudeln gefüllt, erhielten sie doch dadurch die möglichkeit, etwas gutes zu tun. diese verdienste gehören denn auch zu den guten taten, die dem buddhisten helfen sollen, das schicksal, das sie im nächsten leben erwarten soll, günstig zu beeinflussen.


Eingetragen am: 12.09.2008 von Lara
[ Lesezeichen ]

17646

Mein Name ist Lucia Morales, ich bin 37 Jahre alt und komme ursprünglich aus Tarragona, einer Stadt im Süden Kataloniens. Ich habe dort bis zu meinem 16 Lebensjahr gelebt und kann mich noch an viele schöne Ereignisse aus meiner Kindheit erinnern.
Mein Vater Miguel arbeitete als Hafenmeister in der Nähe unseres Hauses. Meine Mutter kümmerte sich um den Haushalt und den Garten, der vereinzelt mit Haselnussbäumen bepflanzt war. Ich weiß noch genau wie wir im Sommer immer Picknicke unter den großen, Schatten spendenden Bäumen veranstalteten. Alle waren dabei. Nachbarn, Freunde, Bekannte.
Besonders liebte ich die Zeit Ende September. Die Nächte waren nicht mehr ganz so stickig wie im Hochsommer, aber trotzdem konnte man die Abende draußen verbringen. Am liebsten trafen wir uns immer an einem kleinen Marktplatz in der Nähe unseres Hauses. Dort stand seit Jahrzehnten ein Cafe, das schon genauso zur Stadt gehörte wie die Einwohner selbst. Man kannte sich untereinander, und egal wann man das Cafe aufsuchte, konnte man sich sicher sein, ein bekanntes Gesicht zu sehen.
In den Wintermonaten waren die kleineren Dörfer um Tarragona immer wie ausgestorben. Touristen fehlten zu der Zeit fast vollständig, und man merkte erst wie klein und leer die Stadt einem ohne die vielen Menschen, die Jahr für Jahr anreisen, eigentlich vorkommt.
Doch egal ob die Straßen Tarragonas viel besucht oder wie ausgestorben erscheinen, ich liebe diese Stadt, denn es ist meine Heimat.


Eingetragen am: 10.09.2008 von Wiebke Rosenthal
[ Lesezeichen ]

17551

Mein Name ist Labib Bani. Ich bin 24 Jahre alt und wohne in einem kleinen Dorf in Mauretanien. Mit meiner Familie wohne ich in einer Hütte, die ich mit meinen Freunden gebaut habe. Sie schützt uns kaum vor der Hitze, aber doch vor dem ständigen Wind, der Sand mit sich trägt.

Meine Frau heißt Alila. Sie ist schön und sanft. Vor zwei Jahren wurden unsere Zwillinge, Khalid und Hamil, geboren. Alila kann wunderbare Kleider nähen. Leider muss sie die Kleider für wenig Geld verkaufen. Hier hat keiner viel Geld für Kleider. Das wenige Geld, das die Menschen haben, brauchen sie, um sich etwas Reis zu kaufen.

Auch Alila und ich haben wegen der gestiegenen Lebensmittelpreise kaum noch etwas zu essen. Es ist bereits der vierte Tag, an dem Alila Reispudding kocht. Die Kinder mögen den gerne. Eine gesunde Ernährung ist das nicht.

Ich gehe jeden Tag zu den Herden Machmut Abdallahs. Wenn es mir gelingt, eine Ziege zu verkaufen, bekomme ich 200 Ouguiyas. Damit könnte ich zwar nicht unsere Schulden beim Lebensmittelhändler ablösen, aber ich könnte etwas Fisch und Gemüse für meine Familie kaufen. Diese Woche hatte ich aber leider keinen Verkaufserfolg. Der Händler fand unsere Ziegen zu dürr und wollte deshalb keine 20 Dollar für eine Ziege zahlen.

Wenn ich nichts verkaufe, frage ich Machmut Abdallah, ob er mir Geld für Teeholen gibt. Das tut er meist und so bekomme ich ein paar Khoums. Die sind fast nichts wert. Ich muss etwas unternehmen, damit meine Familie nicht verhungert. Es fällt mir schwer sie zu verlassen. Aber mein Bruder Sahid wird auf sie aufpassen.

Ich werde mich auf den Weg machen zur Hauptstadt, nach Nouakchott. Das sind 5 Tage Fußweg, aber das schaffe ich schon. Vielleicht kann ich im Hafen arbeiten. Wenn ich dort auch kein Geld verdienen kann, verstecke ich mich auf einem Schiff, das nach Europa fährt. Dort geht es den Menschen gut. Niemand muss hungern. Ich hätte wahrscheinlich immer noch wenig Geld. Aber ganz gleich wie wenig es wäre, etwas könnte ich gewiss abzweigen und es Alila schicken.
Möge Allah uns gnädig sein.


Kommentar von Anita Decker

"Eine gesunde Ernährung ist das nicht" schreibst Du. Ich kann mir aber überhaupt nicht vorstellen, dass jemand der hungert so denkt. Mein Vorschlag: "Das macht nicht satt." Aber sonst habe ich nichts zu meckern :) LG Anita

Eingetragen am: 20.09.2008

1 · 2 · 3 · 4 · 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · weiter »
Besuchen Sie uns auf Facebook