(Foto: Christian Rohr)
„Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie es war, eine Schriftstellerin zu sein, die noch nichts veröffentlicht hat: Man beißt sich mehr schlecht als recht durch und kommt mit Leuten in Kontakt, die ausgesprochen abweisend sein können. Und obwohl ich nun Teil dieser Branche bin, die sich manchmal Neulingen gegenüber wie eine uneinnehmbare Festung präsentiert, stehe ich instinktiv eher auf der Seite derer, die versuchen, die Mauern zu erklimmen."

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Kapitel 23 mit Übungsaufgabe

04.06.2008© 2008 Autorenhaus Verlag GmbH, Berlin
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Leserbeiträge

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Eingetragen am: 29.12.2008 von Enni
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21437

In so einem Zustand war Constanze noch niemals aufgewacht. In den ersten Augenblicken wagte sie nicht, sich zu bewegen. Zunächst lauschte sie, ob die Stimme aus dem Traum in die Wirklichkeit geschwappt war und nun von den Wänden herunterrann. Doch nur in ihrem Kopf klangen die bettelnden Atemzüge, die die Frau verzweifelt zu unterdrücken versuchte, weiter. Traumbildfetzen tauchten vor Constanze auf. Eine Hand auf einer Brust. Ein flüsternder Mund an einem Ohr. Finger, die durch Haar streichen. Ein in den Nacken geworfener Kopf. In die Haut gegrabene Fingernägel. Ein Bauchnabel. Ein Kuss in eine Leistenbeuge. Wogende Schatten.
Mit einer zögernden Bewegung begreift Constanze sich unter der Decke.
Sie selbst ist einer der Körper. Die Frau mit dem geöffneten Mund, fiebernd.
Die Traumbilder erfüllen jetzt den wirklichen Raum. Constanze sucht das Gesicht, aus dessen Mund der getriebene Atem ihre Haut kühlt.
Sieh mich an! Wer bist du?
Zwischen Traum und Wachsein taumeln ihre Gedanken, wandern durch ihr bekannte Gesichter. Dieses ist nicht dabei.
Zwischen Wachsein und Traum taumelt Constanzes Körper, sich selbst unentbehrlich.
Im Morgengrauen kommt endlich Ruhe über sie. Constanze schließt die Augen und eine Träne rollt über die Schläfe in ihr Haar, wo sie als glitzernder Tropfen hängen bleibt.


Eingetragen am: 06.12.2008 von nora
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20959

so noch einen Schlag, vielleicht hört er dann auf. Nützt nichts.
Nase zuhalten? Nützt nichts.
Ich hasse es, jede zweite Nacht wach ich auf und muss mir neue Methoden einfallen lassen damit du nicht mehr schnarchst. Falls man das noch schnarchen nennen kann, es hört sich einfach schrecklich an. Ich möchte aber nicht getrennt schlafen, dafür liebe ich dich viel zu fest. Sonst könnt ja grad einer von uns ausziehen obwohl wir natürlich nicht nur wegen dem zusammen schlafen, zusammen wohnen. Aber wenn dann müsstest du ausziehen, immerhin schnarchst du ja die ganze zeit und weckst mich. Egal du bleibst, ich bleibe. Ich geh halt im Wohnzimmer ein bisschen lesen, da werd ich bestimmt wieder müde. Aber nein, es ist viel zu kalt, wir heizen ja nicht, ich bleib liegen und kuschel ein bisschen mit dir und dann schlaf ich bestimmt bald bald auch wieder ein.


Eingetragen am: 27.11.2008 von sjoukje
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20725

Lena lag starr vor Angst in ihrem Bett. Irgend etwas hatte sie aufgeweckt. Sie konnte sich nicht bewegen und horchte angespannt auf weitere Geräusche. Als sie nichts mehr hörte, entspannte sie sich. Vielleicht hatte sie nur geträumt? Die gleichmäßigen Atemzüge der beiden anderen Mädchen beruhigte sie allmählich. Sie stand leise auf und schob die Gardine beiseite. Der Mond war voll und draußen dämmerte der neue Morgen. Ihre Knie zitterten und in ihre Augen schossen Tränen. „Mama“, schluchzte sie plötzlich. Sie sah das liebe Gesicht ihrer Mutter vor sich und spürte ihre Gegenwart ganz deutlich. „Mama, ich vermisse euch so. Mir geht es eigentlich gut. Mache dir keine Sorgen um mich. Eines Tages werde ich wieder daheim sein. Sage Papa, dass ich euch ganz doll lieb habe und dass ich erwachsen geworden bin. Ich bin nicht mehr das kleine Mädchen von früher. Grüße Thomas und Bennie.... und Silke und Anja.“ Sie lehnte ihre heiße Stirn an die Fensterscheibe und schmeckte das Salz ihrer Tränen in ihrem Mund. „Lena, was hast du?“ Miriam stand hinter ihr und flüsterte weiter: „Kannst du nicht schlafen?“ „Ich habe geschlafen, aber irgend etwas hat mich aufgeweckt und jetzt bin ich ganz traurig. Ich will nach Hause.“ Miriam gab ihr ein Taschentuch. „Das geht leider nicht Lena. Du kannst nicht einfach mal hin und her huschen zwischen zwei Welten.“ Die dunklen Augen schauten sie voller Mitleid an. „Ich mag dich und möchte deine Freundin sein. Wann immer du mich brauchst, ich werde für dich da sein.“ Lena schaute auf die zierliche Gestalt und war gerührt. Das weiße Nachthemd verlieh ihr etwas engelhaftes. Lena kroch wieder in ihr Bett und schloss die Augen. Bilder aus der Vergangenheit wurden lebendig. Sie fror und zog die Bettdecke noch etwas höher.


Eingetragen am: 11.11.2008 von Thomas
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20116

Ich träumte, dass mich eine Hand – nur eine Hand – an der Schulter gepackt hielt und zu den dumpfen Schlägen einer Kirchenglocke hin und her riss und schüttelte. Der Traum weckte mich, und ich war sofort hellwach. Die Glocke schlug weiter, war also Wirklichkeit, sagte ich mir. Zwölf Schläge – ich hatte nicht gezählt und doch wusste ich genau, dass es zwölf waren – sein mussten. Und die Hand? Diese grauenhafte totenweiße Kralle mit den blauen Fingernägeln? Ich wusste, sie war im Albtraum zurückgeblieben. Ein Phantom des Gesprächs, dass ich am vergangenen Abend mit von Metten hatte. Und doch, meine rechte Schulter war kalt und schmerzte. Ich wollte nicht hinschauen und tat es doch. Nichts! Ich war erleichtert und fand das lächerlich. Lächerlich, wirklich: Wer glaubt schon an Gespenster! Ich war ein angesehener Anthropologe. Und von Metten hatte sich über mich lustig gemacht – hatte mich richtiggehend einzuschüchtern versucht! Gespenster! Von Metten! Schon im Sandkasten hatten wir miteinander gestritten, und jetzt taten wir es immer noch. Ich stieß ein verächtliches Lachen hervor, dessen zischende Bosheit mich erschreckte. Spinne ich denn?! So lache ich nicht! Weiß ich denn nicht mehr, was ich tue?! Einfach nicht mehr denken! Die Schwärze der Nacht ist genau das: leere Schwärze, leer – aber mit viel Platz für Furcht. Unbegründete, idiotische, abergläubische Furcht. Ich fluchte und zog mir die Decke über die immer noch schmerzende Schulter. Doch dann, fast im selben Augenblick, wurde sie zurückgerissen und Eiseskälte umklammerte erneut mit stählernem Griff meine Schulter. Nicht in einem Traum, sondern im nüchternen Grauen dieser Nacht zischte die Stimme, von der ich eben noch gedacht hatte, dass sie meine sei: "Die Hand gehört mir – und dazu alles was sie in sich gefangen hält!"


Eingetragen am: 03.11.2008 von Britta khokhar
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19887

Leise stand sie auf um drei Uhr um sich mit ihren Freundinnen zu treffen. Was sie und ihre Freundinnen taten war nicht recht, aber das ihre Kinder unschuldig im Gefängnis waren. das war auch nicht recht. Die Richter und Staatsanwälte haben keine ruhige Nacht verdient. Bevor ihre Männer aufwachten mussten sie zurück sein.
Auch dann gab es nur eine Stunde Schlaf. Dann musste Susanne ihren epelsiekranken Sohn im Krankenhaus besuchen. Seit der Inhaftierung des Bruders war er noch kränker. Das muss gerächt werden. Manchmal denkt sie wären ihre Neffen in Pakistan nicht gewesen, dann hätte sie das vielleicht gemacht ws sie in ihrer Geschichte geschrieben.Nur dann wäre sie heute nicht hier. Zum Glück wussten ihre Männer nicht das sie Motorrad fahren konnten. In den Augen ihrer Männer und der Umwelt waren sie ganz einfache Frauen, sogar oft unterschätzt worden. So würde die Polizei nie auf ihre Spur kommen. Nur der Rechtsanwalt war mißtrauisch geworden. Na ja im Notfall würde er sie ja dann heraushauen


Eingetragen am: 01.11.2008 von Jasmin
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19838

Sarah wacht mit rasendem Herzklopfen auf, als sie sich schreien hört, ihr Albtraum wird abrupt beendet. Schwer atmend liegt sie starr auf dem Rücken im Bett und schaut mit aufgerissenen Augen in die Dunkelheit ihres Zimmers. Wie wenn klirrende Kälte den Raum erfüllen würde, fängt sie mit geballten Fäusten an zu zittern. Obwohl Sarah wach ist, sind die Traumbilder in ihrer Vorstellung präsent, bis sie schliesslich verblassen. Die junge Frau zündet mit zittriger Hand die Nachttischlampe an, aus Angst diesen Albtraum weiter zu träumen, wenn sie ihre Augen wieder schliessen würde. Ganz benommen setzt sie sich auf die Bettkante, streicht sich ihre von Schweiss durchnässten Haare aus der Stirn und schaut mit noch zugekniffenen Augen auf den Wecker. „Oh mein Gott, erst 01.15Uhr!“ stammelt sie leise vor sich hin. In Gedanken rekonstruiert sie ihren Traum nochmals und sieht ein grosses, altes Haus mit vielen Fenstern. „Dieses Haus sieht fast so aus, wie das Internat in dem ich drei Jahre in meiner Jugend verbrachte,“ ging es ihr durch den Kopf. Doch das Haus im Traum ist renoviert. Sie sieht sich, wie sie im Traum einen kiesigen breiten Weg entlang geht, der direkt zum Haus führt. Als Sarah ein paar Schritte vor der Haustüre ankommt, kann sie ihre Beine, die sich wie Blei anfühlen, nicht mehr bewegen. Gleichzeitig sieht sie, wie zwei schwarze Gestalten durch die geschlossene Türe schweben und über sie herfallen. Dann der Schrei. Darüber nachdenkend, was dieser Traum wohl zu bedeuten hätte, steht sie von der Bettkante auf, schlüpft in ihre flauschigen Pantoffeln und schlurft ins Badezimmer, um ihr heisses Gesicht mit ein bisschen Wasser abzukühlen.


Eingetragen am: 31.10.2008 von Kerstin
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19803

Die Stille weckte mich. Eine Decke aus Stille, schwerer als die großen roten Plumeaus meines Elternhauses, schwerer als Karls Körper, so schwer, dass ich mich nicht zu rühren wagte. Karl atmete leise, ich streckte vorsichtig die Hand aus und streichelte seinen Hals. Er schwitzte. Dann hörte ich sie. Lili kicherte und ein Klirren durchbrach die Nacht. Sie musste ein Glas umgeworfen haben und dann lachte sie wieder und ich wusste, dass sie am Morgen am Frühstückstisch sitzen würde, grinsend, den Kopf melodramatisch in die Hände gestützt. Sie würde uns Blicke zuwerfen, die uns mehr verrieten, als wir wissen wollten, diese Blicke, die mich stummer machten, als ich ohnehin schon war. Nun lachte auch der Junge, ein Feuerzeug klickte und jemand stellte das Radio an. Es musste etwas drei Uhr sein und ich schlich über die kalten Steinfliesen ins Badezimmer. Dort stand ich am Fenster, ich zitterte, aber von hier konnte ich sie besser hören.
Sie sprachen uns, ich hörte Karls Namen und dann meinen und Gelächter. Karl wach, als ich zurück ins Schlafzimmer ging und mir einen Morgenmantel überwarf. "Was machst du?", flüsterte er. Dann stand er leise auf und kam zu mir. "Sie reden über uns", wisperte ich. Karl nahm mich in die Arme und streichelte mich beruhigend. "Komm", sagte er dann. Wir schlichen die Treppe hinunter und kauerten uns vor ihrem Zimmer auf die letzte Treppenstufe. Jetzt konnte man sie besser verstehen.


Kommentar von Velarani

Liebe Kerstin, war ja schwer zu finden, dein Beitrag - schön, dass du wieder bei Magda und Lili bist! Die Stimmung in der Nacht mit den leisen Geräuschen hast du sehr überzeugend beschrieben, alles ist da. Besonders gefällt mir, wie das Andersartige der Nacht sich leise einschleicht, indem die Solidarität zwischen Magda und Lili von Mißtrauen und Gegensätzlichkeit abgelöst wird und sich zeigt, worin Karls Stärke besteht. LG Velarani

Eingetragen am: 05.11.2008

Eingetragen am: 19.10.2008 von Elsie Eye
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19423

Rascheln in der Nacht
Wider Erwarten schlief ich an diesem Abend schnell ein. Die fünf Bier und der ewige Streit, der mal wieder diesen Abend bestimmte, hatten mich ermüdet. Doch irgendwann in der Nacht weckte mich ein Geräusch. Ein rhythmisches Rascheln. Es war ganz nah. Sofort suchte ich im Schlaftaumel alle meine Sinne zusammen. Die lange Zeit in der Wildnis hatte mich gelehrt, augenblicklich aus dem Schlaf zu wachem Bewusstsein zu kommen, um gegen drohende Gefahren gewappnet zu sein. Das Geräusch kam aus meiner unmittelbaren Nähe. Ich hielt den Atem an und konzentrierte mich. Ich traute meinen Ohren kaum. Das rhythmische Rascheln kam von Alex‘ Bettdecke. Dieser Mann hält es tatsächlich keine acht Stunden ohne Sex aus! Das habe ich nun von meiner Kratzbürstigkeit.
„Nein“, sagte ich abweisend, als er mich vor dem Zubettgehen anschleimend fragte, ob ich nicht noch Lust hätte, mit ihm zu schlafen. Wie testosterongesteuert müssen Männer sein, um so dreiste Anträge zu machen? Soeben haben wir beschlossen, dass sich unsere Wege hier trennen müssen, dass wir es beide nicht mehr miteinander aushalten, dass unsere Absichten mit dieser Reise doch zu weit auseinander gehen, und dann fragt er mich das! Lassen sich Männer wirklich nur auf ihren Schwanz reduzieren? Das Geräusch neben mir gibt die fatale Antwort: Dieser Mann ja, ja und wieder ja!
Ich platze fast vor Wut. Dennoch bringe ich kein Wort heraus. Mit angehaltenem Atem lausche ich dem gleichmäßigen Rascheln in meinem Rücken. Scham überkommt mich. Es gibt zutiefst intime Dinge, die ich mit einem anderen Menschen nicht teilen möchte. Das „Rascheln“ gehört dazu. Ich schäme mich dafür, dass ich Ohrenzeuge dieser intimsten Handlung meines Noch-Partners bin. Ich fühle mich schuldig, ihn durch meine Zurückweisung dazu getrieben zu haben. Mitleid überkommt mich. Aber alle diese Gefühle sind mir schon lange nicht mehr Grund genug, einen Geschlechtsakt über mich ergehen zu lassen. Ich nehme mir die Freiheit, nein zu sagen, jetzt, nach so vielen Jahren.
Das Geräusch neben mir endet abrupt. Alex hat sein biochemisches Gleichgewicht offensichtlich wieder hergestellt. Eine Kreatur, denke ich, eine arme männliche Kreatur!


Eingetragen am: 03.10.2008 von Michele
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18842

"Das Telefon klingelt! Nun schon mitten in der Nacht! Es ist unerträglich. Muß dieser Mensch mich jetzt schon aus meinem Schlaf reißen. Es kann nichts wichtiges sein. Wahrscheinlich will er mir nur schon wieder erzählen wie toll dieses Mädchen ist. Ich kann nicht mehr. Ich will doch nur noch schlafen. Schlafen! Warum lässt er mich nicht in Ruhe. Wenigstens nachts!" Da wacht Lena auf einmal auf. Sie weiß nicht, ob das grad ein Traum war oder Wirklichkeit. Langsam steht sie auf und wankt schlaftrunken zum Telefon, aber das blinkt nicht. Nun ist sich Lena gewiss dass es sich nur um einen Traum handelt. Sie schleicht zurück ins Bett, kuschelt sich wieder unter die warme Decke und schläft wenige Augenblicke später beruhigt weiter.


Eingetragen am: 28.09.2008 von Anita Decker
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18553

Sie wachte mitten in der Nacht auf. Wie ein Automat knipste sie die Nachttischlampe an, dabei fiel das Buch herunter. Sie las gerne ein Buch zum einschlafen, obwohl sie jetzt den riesigen Fernseher von Linda hier hatte.

Linda - Sonja - Gregor. Jetzt fiel es ihr wieder ein. Sie brauchte gar nicht aufstehen um nach den Kindern zu schauen. Sie schliefen längst durch in der Nacht. Sie hatte morgens sogar immer einige Mühe sie zu wecken, um sie in den Kindergarten zu bringen.

Sie konnte dann beruhigt zur Umschulung, hatte sogar das Auto für sich. Seit Gregor wieder trank.

Sie brauchte in der Nacht nicht aufspringen, sie durfte lesen wann sie wollte. Es ging ihr viel besser jetzt. Das hatte sie versucht ihrer Freundin Linda zu erklären, als sie am Wochenende zusammen zum Wohnwagen fuhren, die Kinder auf dem Rücksitz hörten Benjamin Blümchen Kassetten, der Yorkshire terrier saß auf ihrem Schoss und schaute interessiert aus dem Fenster.
Sie sagte im gedämpftem Ton:
"Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie der mich schikaniert hat. Wehe, ich bin nicht sofort gesprungen, wenn Sonja nur mal piep gesagt hat. Tagelang Funkstille. Eiskalte Blicke! Er hat überhaupt gar keinen Hehl daraus gemacht, dass er in seine Tochter vollkommen vernarrt ist. Ich liebe sie jetzt so, wie ich früher Dich geliebt habe, hat er gesagt. Das ist doch krank! Wie kann er so was sagen! Da hab' ich gesagt, suche Dir ein Zimmer aus, Wohnzimmer oder Schlafzimmer, ich kann nicht mehr mit Dir leben."
" Der Gregor ist doch doof." war Lindas einziger Kommentar.

Die Lösung mit den getrennten Zimmern in der gemeinsamen Wohnung war ihr angenehm. Er trank seinen Korn und sie versorgte ihn wie ein weiteres Kind. Sie hatte ihr Leben im Griff seither, freute sich sogar richtig auf den Abend und die Nacht. Schon möglich, dass es auf Dauer nicht so weiter ging. Aber für Lilien zählte nach all den furchtbaren Jahren nur das Hier und Jetzt. Jeder Tag, den sie bewältigte, ohne von irgend jemanden beschimpft, kritisiert oder mit missbilligenden Blicken bedacht wurde, war ein Sieg.

Manchmal redete sie schon mit Gregor, auch das war viel leichter seitdem sie die Situation akzeptiert hatte, losgelassen hatte. Sie war ihm nicht mal mehr böse, dass er rückfällig geworden war. Sie hatte ja gewusst, dass er Alkoholiker ist. Sie konnte ihm nicht helfen, er wusste selbst was er tun musste.

Ja, sie hatte noch einen Funken Hoffnung in sich gehabt. Dass noch ein bisschen was zu retten war von dieser großen Liebe, von ihrem gemeinsamen Traum.

Aber es war etwas passiert, das alles geändert hatte.
"Die Mama hat gesagt Du bist doof." hatte Sonja zu ihm gesagt. Warum hatte sie das getan? Zwecklos jetzt zu erklären dass sie gelogen hat. Gregor war wieder völlig unzugänglich. Feindselig. Wahrscheinlich lag er ja auch wach, unglücklich wie sie. Aber sie konnte nicht mehr hingehen um mit ihm zu reden. Sie wollte auch nicht mehr.

Die Zeit der Gnade war für sie beide vorbei.


Eingetragen am: 14.09.2008 von Yvonne
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17789

Es war mitten in der Nacht. Draußen hörte man das Zirpen der Grillen die sich irgendwo in der Dunkeleit befanden. Melisa und ihre Familei schliefen seelenruhig. Doch halt: Melisa wandte sich im Schlaf, drehte sich hin und her. Und plötzlich saß sie Kwerzengerade in ihrem Bett, hellwach, geweckt von einem Geräusch. Sie sah sich um. Melisa musste blinzeln, um etwas erkennen zu können, den ihre Augen hatten sich noch nicht an die Dunkelheit gewöhnt. Da war es wieder, dieses Geräusch, dass Melisa in ihrem Schlaf gestört und geweckt hatte. Es hörte sich an wie ein Schluchzen und Wimmern. Melisa stand auf und knipste auf dem Flur das Licht an. Sie kniff die Augen zusammen, denn das Licht blendete ihre Augen. Melisa ging zu Claras Zimmer, denn von dort kam das Geräusch. Sie öffnete leise die Tür und erblickte ihre kleine Schwester, die zusammengerollt auf dem Bett lag und schlief. Wieder dieses Schluchzen. Melisa sah sich im Raum um, dann sah sie die Lieblingspuppe von Clara, die weinen und lachen konnte, wenn man sie anschaltete. Melisa lächelte. Clara hatte vergessen die Puppe auszuschalten. Leise nahm sie die Puppe hoch und schaltete sie aus. Melisa setzte die Puppe zurück und ging in ihr Zimmer. Sie machte die lichter wieder aus und legte sich zurück ins Bett. Kaum hatte sie die Augen geschlossen, übermannte sie der Schlaf und schickte sie wieder ins Land der Träume.


Eingetragen am: 08.09.2008 von Amanda
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17482

1.- Einmal 1.Person
Der Sturm zerrt an den Fensterläden und die Birkenzweige schlagen gegen die Hauswände. Der Ofen ist ausgegangen und die Kälte dringt ein. Wenn ich nur wieder einschlafen könnte! Ich stehe vorsichtig und langsam auf, damit meine Mutter nichts hört, nicht meine Bewegungen noch das Knarren des Bettes. Wenn ich zum Fußende rutsche und mich langsam und vorsichtig erhebe, wacht meine Mutter nicht auf. Und das erspart mir viel Gejammer. Ich habe Nein gesagt. So einfach ist das. Ich glaube nicht an eine gute Partie. Mein Vater war eine gute Partie. Und wo ist er jetzt? Weg ist er. In ein tiefes Loch gesogen. In Luft aufgelöst. Er ist natürlich mit allen Dingen, die etwas wert waren, in einer Kutsche davon gejagt. In seine Heimat, die Mutter und ich nicht kennen. Sogar Schulden hat er ihr hinterlassen. Und nun soll ich das gleiche tun? Einen Mann heiraten, der mir nichts bedeutet. Einen Mann mit den unangenehmsten Eigenschaften, Verlogenheit und Gier. Nein danke. Das werde ich so oft wiederholen, wie sie mich fragt. Wenn der Mann, mein Mann schon eines Tages davongeht, so will ich ihn vorher wenigstens lieben. Ich will mein Herz klopfen fühlen, wenn ich ihn sehe, und nicht mit einem alten, hässlichen Mann zusammen sein, weil ich Geld haben will.
Du wirst schon sehen, wie wenig die Liebe zählt, sagt Mama
Und du hast erlebt, wie wenig das Geld zählt, wenn die Liebe weg ist.
Meine Mutter seufzt.
Ja, so werde ich es machen. Wenn sie ihn mir anpreist, werde sie an ihren eigenen Mann erinnern. Wenn ich die Höflinge beobachte, bedeutet ihnen alles nichts. Will ich denn überhaupt heiraten? Eigentlich möchte ich mein eigenes Geld verdienen.
Ich stehe auf und gehe an die Truhe und hole mir eine Wolljacke heraus. Beim Schließen fällt mir der Deckel aus der Hand und schlägt krachend herunter. Meine Mutter zuckt zusammen und ist gleich wieder eingeschlafen.
Dumme Liese, sagte mein Vater zu ihr, als sie ihre Mitgift zurück haben wollte. Und er lachte hämisch. Er hatte sie inzwischen verspielt.

2.-Einmal 3.Person
Sie wundert sich, warum sie nicht schläft. Sie schlingt den Deckenzipfel über den Kopf, zieht die Füße hoch und umfasst sie mit ihren Händen. Doch alles nützt nichts, sie friert. Das Feuer ist ausgegangen. Verschwende kein Holz, sagte die Mutter. Nachts zu heizen, i s t Verschwendung. Sie tappt durchs Dunkel, stößt sich an der Truhe den Zeh. Nimmt sich eine Jacke, einen Schal und die Mütze. Und die furchtbaren Socken. Aus Wolle. Sie kratzen. Doch heute nacht ist es so kalt, dass alles in Wärme umgewandelt werden muss. So sehr, dass keine einzige Faser der Socken Zeit hat zu kratzen. Sie sind vielmehr Schutzschilder für die Füße. Es ist so dunkel, dass sie die Nacht hören kann. Eiseskälte weht von den Fenstern herüber. Birthe ist sicher, dass die voller Eisblumen sind. Obwohl sie nichts sehen kann. Schwarze, leichte Eisblumen. So schwarz ist die Nacht. Es kam ihr so vor, als könnte sie alles sehen, alles was sie nicht sieht. Sie kann es. Sie hat es geerbt von ihrem Großvater. Alle erzählen es. Er hatte dies besondere Gabe.
Sie hört Türen klappen, Stiefel klirren, Ketten rasseln. Sie setzt sich auf und hört in die Nacht hinein. Es ist total still. Still und dunkel. Sie würde gern ein Licht anzünden. Das hilft gegen Angst. Vielleicht auch gegen die Gefahr. Gegen die Gefahr, vor der sie Angst hat. Sie legt sich zurück auf das Kopfkissen, das Laken. Sie versteckt sich vor der Kälte, denn die Wolle kann nicht genug ausrichten.

Hufe auf Kopfsteinpflaster hört sie, einen Vierspänner. Das Fahrzeug hält vor dem Schloss an Jetzt weiß sie, die Intrige ist da! Das ist das Zeichen. Sie werden getrennt. Er in den Kerker, sie nach K. Er wird sich fürchten. So klug er ist und so vorausschauend, er hat Angst. Angst vor Schmerz und Gewalt. Er wird sich fürchten vor der Einsamkeit, dem Schmutz und vor der Ohmacht und nicht zuletzt vor dem Tod. Er kannte die Angst aus seiner Heimat. Die Leute verließen das Land aus Angst vor den Werbern. Sie warben nicht, sie verschleppten. Sie fingen und schlugen die jungen Männer. Ersatz für die vielen gefallenen Soldaten in den vielen Kriegen des Kaisers. Kanonenfutter. Sie hat auch Angst, ihre kleine Königin, doch nicht um sich selbst. Sie ist schließlich die Königin. Sie hat Angst um ihn. Man stellte ihr einen Anwalt zur Seite. Ein junger Mann, er ist lieb und ehrlich, doch er kennt die Menschen nicht und nicht die Tricks, die sie drauf haben. Er berät sie und nun ist sie in der Zwickmühle. So sind die Gesetze. Wenn er nicht gesteht, macht er die Königin zur Lügnerin und darauf steht die Todesstrafe. Wenn er gesteht, er hat eine Liebesbeziehung zur ihr, kriegt er ebenfalls die Todesstrafe. Sie könnten die Befragung ganz lassen, er kriegte die Todesstrafe in jedem Fall.
Sie denkt bestimmt an ihn. Und auch Birthe denkt an die beiden. Und sie denkt, ihre Glückssträhne ist zu Ende in dieser Nacht. Sie zieht die Decke um ihren Körper herum.


Eingetragen am: 01.09.2008 von Inge K.
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17115

Emily döste noch vor sich hin. Sie dachte ihren Traum weiter... sie stand an einem großen Holzhaus, mitten auf einer großen Wiese und ging mit einem Tablett zu den Bauarbeitern und den Nachbarn, die an einem langen Tisch saßen und herzhaft lachten. Ihr gefiel die ganze Situation nicht, obwohl es ein schöner Tag war. Die Sonne schien und alle waren gut gelaunt und zufrieden. Doch Emily merkte, dass etwas nicht stimmte. Nun konnte sie den Traum kontrollieren. Sie träumet ihn bewußt weiter, obwohl sie ganz verschwommen wahr nahm, dass sie eigentlich in ihrem Bett lag. Eine warme Nacht. Jan schlief noch, sie konnte ihn atmen hören. Es war das atmen, was sie immer hörte, wenn er bereits eingeschlafen war, während sie sich Gedanken machte, wie sie jetzt am besten einschläft. Sie stand auf und merkte, dass ihre Füße kribbelten. Sie ging dennoch weiter, die Treppe herunter zu ihrem Kühlschrank. Sie nahm schlaftrunken die Flasche Wasser heraus, und machte drei große Schlücke. Das Wasser gefrierte für zwei Sekunden ihren Hals und den Rachen ein, was ein wenig schmerzte, doch dann wurde es zu einem angenehmen Wohlgefühl. Sie setzte die Flasche erneut an und trank fast die ganze Wasserflasche aus. "Diese Nächte", dachte Emily, "sind hoffentlich bald vorbei!" Seit zwei Wochen konnte Emily nicht schlafen. In der Nacht wachte sie mindestens 2-3 Mal auf. Es waren ja auch heisse Nächte, doch war das alles? Ihre Mutter hatte ihr mal gesagt, dass man deshalb nicht gut schläft, weil man mit einem Problem zu kämpfen hat. Diese Gedanken um das Problem lassen einen dann nicht mehr los. Wenn man aber drüber nachdenkt, was man eigentlich denkt, dann wird einem das nicht bewußt. Gerade wenn man das Problem ins Bewußtsein rufen will, verschwindet es. Emily dachte also nach. Was war es? Was ließ sie nicht schlafen? Hatte ihre Mutter überhaupt Recht? Emily war auf dem Weg zurück ins Schlafzimmer. Sie ging die Treppe hinauf und merkte, wie müde ihre Beine waren, als ob Gewichte daran befestigt wurden. Sie schleppte sich zurück in ihr Bett. Jan schlief immernoch. Sie schaute ihn eine Zeit lang an. Dachte nach. Vielleicht war es ihre Situation? Sie liebte Jan und sie war überzeugt, dass sie das richtige gemacht hatten. Doch war sie wirklich glücklich? Hat sie sich so ihr Leben vorgestellt?


Eingetragen am: 26.08.2008 von Hekate
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16641

Hekate atmete noch zwei Mal tief ein und aus, bevor sie die Augen öffnete. Sie wollte diese tief schwarze Benommenheit noch nicht los lassen, aber irgendwas hatte sie geweckt. Einen Moment lang überlegte sie, ob es ihr Traum gewesen war. Aber eigentlich störten sie Bilder von bluttrinkenden Dämonen nicht... es gab ihr ein Gefühl von Heimat.
Mit einem Seufzen schaute sie sich, in dem stockfinsteren Zimmer um. Niemand war da. Wieso sollte auch jemand da sein? Sie hatte ihrem Bruder vor ein paar Stunden unmissverständlich klar gemacht, dass er sie kreuzweise konnte, solange er sich mit diesem "Menschen" traf.
Mit nur noch halb offenen Augen drehte sie sich wieder ins Kissen.
Dabei war sie selbst kaum besser.


Eingetragen am: 16.08.2008 von Manfred Mann
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16304

Er war wieder wach. Wieder mitten in der Nacht, wieder ohne Grund. Er war weder besonders früh zu Bett gegangen noch hatte er Schweres zu Abend gegessen. Wahrscheinlich gehörte dieses nächtliche Aufwachen zu seinem neuen Biorhythmus, der sich auf fiese Weise in sein Leben geschlichen hatte, ohne dass er irgend etwas dagegen tun konnte.

Er sah seine Frau an, tief und unbeweglich im Schlaf versunken. Er kannte jede Falte, jeden Winkel ihres Körpers. Die Härchen, die immer wieder aus der kleinen Narbe am Kinn sprießten, die kleinen, unförmigen Rundungen oberhalb ihrer Knie. Es gab nichts mehr zu entdecken, keine Überraschungen mehr in ihrem Leben. Und dann dachte er an die Frau, die oben im Gästezimmer schlief, und spürte ein Verlangen, das er schon lange nicht mehr zu spüren wagte.

Morgen würde er eine Tablette nehmen.


Eingetragen am: 09.08.2008 von KaBoe
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15956

Was war das? Ein dumpfes Pochen hatte Anabell geweckt. Sie schüttelte sich den Schlaf aus dem Kopf und horchte. Das dumpfe Pochen drang rhythmisch an ihr Ohr, ohne dass sie genau bestimen konte woher es stammte. Irgendwoh aus dem Dunkel Richtung Tür mußte es herkommen. Sie stand auf, suchte mit nakten Füßen nach den Schuhen, schlüpfte zunächst mit dem Rechten in den linken Schuh, bemerkte aber sofort ihren Irrtum und tauschete die Pantoletten zum passenden Fuß. Sie erhob sich und tastete sich in der Dunkelheit zur Tür, horchte und öffnete dann die Tür einen Spalt um das Pochen deutlicher zu hören. Sie hatte sich nicht getäuscht, das Pochen kam vom Flur, aus dem Treppenhaus. Es wurde deutlicher, lauter, bestimmter, als sie zur Treppe sich vortastete. Aus dem großen Saal am Ende der Treppe leuchtete ein schwaches Licht in das Treppenhaus. Die Tür zum Saal mußte offen stehen und Annabel nahm ihren ganzen Mut zusammen um nach unten zu gehen und nachzusehen, wer da mitten in der Nacht diese Klopfgeräusche verursachte. Auf Zehenspitzen schlich sie zur Saaltür und suchte den großen Raum ab. Das Licht einer heruntergebrannten Kerze, die in den letzten Zügen flackerte erhellte nur einen kleinen Teil des großen Raumes, aber die Bewegung eines Vorhanges lenkte ihren Blick an die fast völlig im Dunkeln liegende Fensterwand gegenüber der Tür, an der sie stand. Das Fenster mußte offensein, der Nachtwind bewegte es sanft und ließ es immer wieder gegen den Rahmen schlagen. "Wer geht zu Bett, läßt das Fenster offen und löscht nicht die Kerze, bevor er den Raum verläßt?" dachte sich Annabel und schob die Tür vollens auf um in den Saal zu gehen. Sie durchquerte den Raum und schloss das Fenster, dann wandte sie sich zu Esstisch um die Kerze mitzunehemn, bevor sie in ihr Bett zurück wollte. Auf dem Weg zur Tür bemerkte sie aus dem Augenwinkel etwas, dass vor dem erloschenen Kamin lag. Sie drehte sich danach um, erhog die Kerze um mehr Licht zu haben und erschrak. Mit dem Gesicht nach unten lag ihr Onkel vor dem Kamin. Sein weißes Haar war Blutgetränkt das aus seinem Hinterkopf augetreten war. Annabel ar einen Moment völlig desorientiert und starrte nur ihren Onkel an, dann beugte Sie sich zu ihm hinunter, legte ihre linke Hand an sein Gesicht, kalt, auch am Hals war kein Puls zu fühlen. Onkel Richard war tot und das sicher schon ein paar Stunden. Als A. sich erhob, sah sie, dass die schwere Truhe neben dem Kamin geöffnet war, nicht mit Gewalt, sonder ordentlich geööfnet mit einem Schlüssel, den Onkel Richard immer sorgfältig an einer Silberkette bei sich führte. Die Kette war zerrissen und der Schlüssel hing im schweren Schloß. Der abgerissene Ende der Kette hing fast bis zum Boden herunter. "Raubmord," schoß es Annabel durch den Kopf, "aber wer ist durch das Fenster geflohen?"


Eingetragen am: 05.08.2008 von Sabrina Moriggl
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15784

Ich wache auf und schnappe nach Luft, mein Herz hämmert. Das Bettlaken klebt an mir wie Honig, alles ist schwarz, meine Augen müssen sich erst an die Dunkelheit gewöhnen. Wo bin ich? Langsam erkenne ich meine Wohnung und die Fremde gleicht einer Vertrautheit, zuhause, ich bin zuhause.
Mir war als träumte ich vom Tod, doch Maria liegt friedlich neben mir und ihre nackten Brüste leuchten in der Nacht. Erleichtert schmiege ich mich an sie. Ihre Haut ist ganz kalt. Ich greife unter ihren Arm und lege meine Hand auf ihre Brust. Nichts keine Regung. Maria ist tot, umgebracht, während ich schlief.


Eingetragen am: 25.07.2008 von kkaa
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15262

Erschreckt fuhr Adnan aus dem Schlaf hoch, in den er nach Stunden verbissenen Grübelns schließlich doch gefallen war. Sein Kopf fuhr hin und her, sein Blick suchte die vertraute Umgebung seines Schlafzimmers, fand aber keinen beruhigenden Halt. Nachtschwarze Dunkelheit umgab ihn, darin nur einige schemenhaft erkennbare, ihm aber unbekannte Gegenstände, ein Fenster aus Mondlicht auf einem grauen Boden, unterteilt in viele kleine Rechtecke. Viele kleine Rechtecke.

Langsam begriff er wieder, wo er sich befand. Das Geräusch, das ihn geweckt hatte, war das Zufallen der Sichtklappe der stählernen Zellentür gewesen. Offenbar überwachten sie in dieser Anstalt die Gefangenen – oder nur die Neuzugänge in der ersten Nacht? aus Angst vor Selbstmorden? – bei Nacht regelmäßig durch diese Klappe.

Seine Armbanduhr – immerhin die hatten sie ihm gelassen – zeigte mit ihren grünlich leuchtenden Zeigern drei Uhr zwanzig. Resigniert ließ er sich wieder zurücksinken. Er verschränkte die Arme hinter seinem Kopf und sah aus dem Fenster auf das kleine Stück Nachthimmel. Kein Mond, der musste in einem Winkel stehen, der für ihn aus seiner Position nicht sichtbar war. Reglos blieb er liegen. Obgleich dies nicht seine erste Festnahme und Inhaftierung war, war die erste Nacht doch immer besonders schwer. Das war die Nacht, in der die Gefühle hochkamen, ganz besonders die Angst - die Angst vor dem Prozess, die Angst vor der Haft, die dieses Mal sicher länger werden würde, als die Male zuvor, die Angst, dass seine Familie darüber zerbrechen, die Frau ihn verlassen, sich einen anderen suchen könnte. Er ballte hinter seinem Kopf die Fäuste, entschlossen, diese Angst nicht hochkommen zu lassen.


Eingetragen am: 19.07.2008 von Bullerdiek
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Hans` Traum

Mitten in der Nacht wachte Hans auf. Das war selten oder eigentlich zum ersten Mal vorgekommen, wie ihm später einfiel. Normal war es, dass er nicht einschlafen konnte, weil er über das weiter grübelte, was er tagsüber nicht hatte lösen können: wieder mal ein Problem in der Schule, Ärger mit den Eltern, Zweifel an Karl, seinem Freund, die periodischen Aufgeregtheiten wegen irgendeines Mädchens. Oder dass er zu früh aufwachte, weit vor der Zeit, die er im Wecker eingestellt hatte..
Dieses mal war es ganz anders. Er musste auch nicht aufs Klo, was häufiger vorkam und ihn im allgemeinen nicht am Weiterschlafen hinderte, Dieses starke Traumbild, das ihn aufweckte, ganz plötzlich, ohne Vorbereitung, kam in der späteren Nachtzeit, die er sonst immer durchschlief
Es war wie in der Wirklichkeit, und Hans fiel erst nach einiger Zeit ein, dass es wohl doch ein Traum war.
Es schien immer ein Mann, ein Mann mittleren Alters zu sein. Der Mann ging auf ihn zu. Gleichzeitig schien er sich nicht fortzubewegen von ein und derselben Stelle. Hans spürte aber genau, dass er sich fortbewegte, auf ihn hin, Schrittchen für Schrittchen, immer näher, bedrohlicher.
Wer war das? Woher kam er, und was wollte er? Diese Frage stellte sich Hans erst, als der Fremde schon einige Male gekommen war, Nacht für Nacht. Während der Tage, die auch selten Ruhe brachten, versuchte Hans die Erscheinung zu verdrängen. Er baute gewissermaßen eine Mauer um sie, damit sie nicht seinen Alltag störe, ihn nicht noch unsicherer und unkonzentrierter mache. Lieber füllte Hans seinen Kopf mit Belanglosem, Unwichtigem, wenn er leer war: mit Erinnerungen an irgendwelche Fußballspiele, an Szenen in den Geschäften, in denen er eingekauft hatte, an Menschen, die ihm Eindruck gemacht hatten, irgendwo. Denn diese Erscheinung machte Angst, große Angst, der Hans nicht lange gewachsen sein würde.
Alles war unausweichlich: Hans konnte der Erscheinung, die jede Nacht einem realen Menschen ähnlicher wurde, nicht ausweichen, so sehr er es sich auch wünschte. Was hätte er tun sollen? Schlafen musste er schließlich Sooft er sich aber auch niederlegte, spätabends oder – immer häufiger – zu einem kurzen Nickerchen am frühen Nachmittag,
immer musste Hans mit der Erscheinung rechnen. Und blieb sie einmal aus, bemerkte er sie jedenfalls nicht, dann waren die Nacht- und die Nachmittagsruhe auch nicht viel erholsamer. Fast zwangsläufig wurden so die Tagesstunden, angefüllt mit Gedanken an die fremde Gestalt, angstvollen, immer mehr zu Phasen des Halbschlafs, in denen Körper und Geist die versäumte Ruhe nachzuholen suchten.
Je mehr die Erscheinung sich ihm näherte, desto mehr glaubte Hans, in der leichenhaften Fratze ihm Züge einer ihm aus der Realität bekannten Person wieder zu erkennen. Immer wieder starr vor Furcht, kamen aber jeweils schon bald Zweifel auf, und die Hoffnung, für das allnächtliche Erschaudern wenigstens einen konkreteren Grund zu kennen, der später eventuell für eine Erklärung oder vielleicht sogar für die Heilung brauchbar gewesen wäre,.schwand so immer wieder, jedes mal bis auf einen kleinen Rest. Stets von neuem in einem Karussell der Ängste.
Tagsüber, ein neuer Grund für Unaufmerksamkeit, grübelte Hans darüber nach, wer hinter der nächtlichen Erscheinung stand und sie somit verursachte. Und Tag für Tag kam er zu einem anderen Ergebnis:. Und dieses, das positive wie das negative, beruhte immer nur auf einer schmalen: Basis, auf Sekundenbruchteilen, in denen er es wagte (oder besser in denen es einfach passierte), die angstvoll geschlossenen Augen ganz leicht, spaltbreit nur, zu öffnen und von der verschwommenen Gestalt, die sich – Hans spürte es genau – vor ihm im Dunklen befand, erinnerbare Gesichtsspuren zu erhaschen. Zuerst und später noch einige Male danach war sich Hans fast sicher, dass es sich um den eigenen Vater handelte, nicht um den, der ein Stockwerk tiefer real einem neuen unbefriedigenden Tag entgegen schlief, sondern um eine Art Gespenst, das in diesem Moment und hier vor seinem Bett, all das vereinigte, was Hans an diesem Vater hasste und fürchtete. Später, als die Zweifel an dieser Deutung zu stark geworden waren, schien die Gestalt eher die Gestalt des Mathelehrers Dr. Feil anzunehmen,, der ihn nicht bloß mit gemeinen Fragen und schlechten Noten quälte, sondern auch mit sichtbarem Behagen vor der versammelten Klasse, also auch vor Helga,. niedermachte und verspottete. Als auch das mehrfach vergangen war, kam sogar Helga selbst ins Spiel, die seiner Zuneigung nicht bloß mit Gleichgültigkeit begegnete, sondern außerdem mit Spott und Verachtung..
Das Gespenst konnte also auch jung und eine Frau sein. Wer wusste es schon, und wer konnte es Hans sagen? Nahm das Gespenst nacheinander eine unterschiedliche Gestalt an, und kam es am Ende nur aus ihm selbst?
Schließlich hielt Hans die Qualen nicht mehr aus: jene der nächtlichen Erscheinung selbst und dann die bohrende Frage, wer sie sei, sein könnte? Er wusste nicht mehr weiter.und konnte sich niemandem anvertrauen. Und allem einfach ein schnelles Ende zu machen, war er schließlich zu feige und zu ungeschickt.
Nach langem zögerlichen Kampf entschloss Hans sich endlich, der Erscheinung entgegen zu treten, was immer daraus folgend würde. Nichts konnte schlimmer sein als der jetzige Zustand! Aber das Vorhaben in die Tat umzusetzen, war dann immer noch eine schwierige Aufgabe, eine scheinbar unlösbare . Jede Nacht blieb die Gelegenheit ungenutzt. Und am folgenden Tag kamen der Ärger und die Selbstvorwürfe. Jede Nacht blieb Hans wie gelähmt, starr liegen, bis die Erscheinung wieder verschwunden war.
Eines Nachts aber, ohne Plan und für ihn selbst überraschend, springt Hans auf, befreit sich augenblicklich aus seiner Starre. Er geht auf das Gespenst zu, dorthin, wo er es vermutet, greift es an, schreit verzweifelt,: was es denn von ihm wolle und dass es ihn endlich in Ruhe lassen solle.
Und die Erscheinung weicht zurück, anscheinend gegen ihren Willen und, wie es Hans scheint, mit einem leichten Zug des Bedauerns.. Und es ist auch kein richtiges Gesicht. Es sind nur schattenhafte Umrisse, die ein Gesicht vermuten lassen. Und es ist weder der Vater noch Dr. Feil, und noch weniger ist es Helga.
Aber alle drei, das spürt Hans ganz genau, haben mit dem Gespenst zu tun.
Danach kommt die Erscheinung nicht mehr. Aber sie könnte wiederkommen., irgendwo, irgendwie und in irgendeiner Gestalt.. Hans spürt auch das. Die Angst bleibt.


Eingetragen am: 18.07.2008 von Chaiouine Biara
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Mina öffnete die Augen. Sie konnte nicht allzu lange geschlafen haben, denn sie hatte diese typischen Kopfschmerzen und diese Mundtrockenheit, die sie immer bekam, wenn sie zu früh aufwachte. Wahrscheinlich war es zwischen ein und zwei Uhr in der Nacht, denn als sie sich hingelegt hatte, war es gerade noch hell genug gewesen, um den Weg ins Tal zu erkennen.

Sie hob langsam den Kopf und blickte um sich. Es war niemand zu sehen, außer Rimon, der neben ihr lag. Er schnaufte kurz, atmete jedoch dann wieder ruhig und gleichmäßig weiter. Er konnte sie also nicht geweckt haben.

Mina legte ihren Kopf wieder auf den Pferdesattel und döste wieder ein. Sie war noch so müde von den Geschehnissen des Vortages. Der Sattel war nicht bequem, aber der Geruch des Leders hatte eine Vertrautheit, die Mina beruhigte.
Schon als junges Mädchen war Mina nachts in den Stall geschlichen, um neben Rimon einschlafen zu können.

Die Tage ihrer Jugend verbrachte sie damit, sein Fell zu striegeln, und nachts träumte sie davon, mit ihm davon zu reiten, in die endlosen Weiten, die sie sich nach dem Wald erhoffte, der wie eine Barikade vor dem Herrschaftshaus ihrer Eltern gewachsen war. Vor diesem Gefängnis, aus dem sie sich 16 Jahre lang zu fliehen sehnte.

Als Mina wieder die Augen öffnete, war wohl eine Stunde vergangen. Die Sterne schienen noch und ihr Blick fiel auf den Vollmond, der so bedeutungsschwer über dem Wald hing.

Der Mond leuchtete so hell, als wäre er aufgeregt und als hätte er Mina etwas Dringendes zu sagen. Vielleicht war es eine Warnung. Vielleicht waren sie bereits in der Nähe und kurz davor, Mina und Rimon zu finden.

Sie hatten gewiss noch die Suchhunde dabei und auch der Sprung in den eiskalten Fluss hatte Minas Nachthemd nicht vollständig vom Blut reingewaschen.

Plötzlich schossen ihr die wildesten Gedanken durch den Kopf. Vielleicht hatten sie Mina noch nicht gefunden, weil sie direkt dazu übergegangen waren, Miriam zu suchen. Mina sprang auf. Sie musste ihre Tochter vor den Mördern ihres Mannes schützen. Sie konnte sich keine Ruhe mehr gönnen, bis sie ihre kleine Miriam in Sicherheit gebracht hatte.


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