(Foto: Christian Rohr)
„Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie es war, eine Schriftstellerin zu sein, die noch nichts veröffentlicht hat: Man beißt sich mehr schlecht als recht durch und kommt mit Leuten in Kontakt, die ausgesprochen abweisend sein können. Und obwohl ich nun Teil dieser Branche bin, die sich manchmal Neulingen gegenüber wie eine uneinnehmbare Festung präsentiert, stehe ich instinktiv eher auf der Seite derer, die versuchen, die Mauern zu erklimmen."

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Kapitel 25 mit Übungsaufgabe

17.06.2008© 2008 Autorenhaus Verlag GmbH, Berlin
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Leserbeiträge

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Eingetragen am: 02.01.2009 von Enni
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21455

„Ich hab eine Liste zusammengeschrieben. Das schaffe ich nie in einer Nacht!“, Constanze schüttelte den Kopf. Ebenso schnell wie das Gefühl der Geschäftigkeit über sie gekommen war, sackte sie bei der Bewusstwerdung der Aussichtslosigkeit ihres Unterfangens in sich zusammen. Der Tod ließ eine Münze vom Rücken seines Zeigefingers über den Mittel- und Ringfinger bis zum Kleinen und zurück wandern. „Es kommt darauf an, wie Sie es angehen, Constanze.“ Die Frau überflog noch einmal die Liste. Ihr war klar, dass sie die Personen, die dort aufgeführt waren, um diese Zeit nicht anrufen konnte. Und die letzte Nacht ihres Lebens mit dem Schreiben von Briefen zu verbringen, schien ihr abwegig. „Ich war so ein Feigling! All die Jahre habe ich den Mund nicht aufbekommen. Wie soll ich das machen? Ich hab sieben offene Rechnungen zu begleichen.“
Die Münze verschwand in der Kutte des Todes. „Zeigen Sie mal her!“
Constanze schob das Papier zu ihrem Gegenüber. Mit einer Mischung aus Bangen und Hoffen folgte sie dem Blick, der über die Zeilen flog.
„Frederic. Mama. Konrad. Tosca. Leni. Rolph. Tante Mary. Welcher Art sind die offenen Rechnungen, die Sie glauben, mit diesen Leuten noch begleichen zu müssen?“, der Tod sah zur ihr auf.
„Es sind ganz unterschiedliche Dinge“, begann Constanze, „hier, meine…“
„Sie haben nur eine Nacht, Constanze! Mein Vorschlag ist deshalb, sie entscheiden sich für eine offene Rechnung, die sie noch begleichen wollen. Mehr schaffen Sie nicht.“
Mehr schaffen Sie nicht. – Der Satz hallte wie ein Echo in ihr nach. Sie beobachtete sich selbst dabei, wie sie einen Stift nahm und überlegte, welche Namen sie von der Liste würde streichen können.


Eingetragen am: 28.12.2008 von britta khokhar
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21426

Susannes Brief an ihre Feindin.

Hallo Isabell. W

Wie konntest du nur so was tun? Ich verstehe nicht wie du Nachts schlafen kannst? Jemand unschuldig ins Gefängnis zu bringen und das für vier Jahre. Du weißt ganz genau das mein Sohn unschuldig ist.Natürlich ist ein One-Nigt- Stand keine schöne Sache für ein Mädchen. Aber was du ihm vorgeworfen hast,das stimmt nicht. Nicht nur er hat seine Frau btrogen, auch du deinen Freund. Der aber es nicht so ernst mit dir meinte wie du mit ihm wie es sich bei der Gerichtsverhandlung herausstellte.
Du hast uns an den Rand vom Ruin getrieben. Auch wenn wir ein kleines Geschäft haben, heißt das nicht das wie reich sind.Die Rechstanwaltkosten aus den Ärmeln schütteln konnten. Auch mein Sohn war nicht reich. Er gab sich nur so. er hatte die besten Kleideran, auf Kredtitkarten gekauft. Der Geldbeutel war meistens leer und zu Hause. Wer hat dsich auf meinen Sohn angesetzt?
An dem Tag wo mein Sohn verurteilt worden ist wegen dir.Gingen mir unheimliche Gedanken durch den Kopf die nicht zu mir passen. Ali ahnte es. das ich womögloich durchdrehen würde und ließ mit durch seinen Rechtsanwalt ausrichten. Falls ich verurteilt werte, mama bitte bleibe gelassen.- Du Isabell hättest fast eine Mutter dazu gebracht Amok zu laufen im Gerichtssaal.
Verdammt und zugenäht. Wussest du nicht das Ali einen schwerkranken Bruder hat mit einer sehr verdammten Krankheit Epelesie. Noch dazu hat dieser Bruder eine Frau die ausnimmt wie eine Weihnachtsgans: Wäre Ali hier, er hätte viel verhindern können.
Ich hätte meinen Neffen nachholen können,die ich so liebe wie meine eigene Söhne. Als es fast soweit war, hast du meinen Sohn ins Gefängnis gebracht. Die Neffen haben die Schule abgebrochen, bei dem einen war ews nicht so schlimm. er hat zehn klassen besucht. bei dem kleinen. Er nach der fünften Klasse. In direkt bist du mit schuld. Ich habe den kleinem falsche Hoffnungen gemacht und sein kindliches Herz war sehr verletzt.
Wegen den Rechtsanwaltkosten, musste ich mit einem sehr geringen Taschengeld auskommen. In der Zwischenzeit habe ich gejobt, aber das Geld reichte nicht hinten und vorne. Mein Mann leistest sich fast nicht und arbeitet von morgens bis abends.
Ich bin Autorin, habe nicht einmal einen Comuputer zu Hause.
Am Liebste möchte ich dir einen Antrag stellen.

1 Winterkleider für mich und meinen Mann.

2 Einen Computer, kann auch gebraucht sein.

3. Möbel für die Wohnung meines krankes Sohnes können auch gebraucht sein.
Das Geschäft ist kurz vor der Pleite. 1000 Euro für Prospekte drucken. Nämlich alles ist deine Schuld.
Schreibe mir an meine E- Mail warum du das getan.
Du hast meinen Sohn zu einem sehr harten Menschen gemacht. Er ist nicht mehr der, der er war. Ich bin nicht mehr die, die ich war.
Ich wünsche mir für dich einen Sohn, der das gleiche durchmachen muss wie Ali und dich dann fragt. "Mama warum? Dann denke daran und erzähle es ihm dann.


Eingetragen am: 06.12.2008 von nora
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20960

ich kann doch nicht alles zahlen mit meinen 1300franken im Monat. Damit kann ich doch keine familie ernähren. wieso kann er nicht einfach arbeiten gehen? ich bin schwanger und gehe jeden tag 4stunden arbeiten aber er, er will einfach nicht. Ich will doch bei ihm bleiben. Mit ihm in den Urlaub fahren, am strand entlang laufen, sterne zählen, dem rauschendem wasser zuhören, ihn küssen und lieben. vielleicht sollte ich ihm das alles einfach mal sagen.


Eingetragen am: 01.12.2008 von sjoukje
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20843

Lenas Augen funkelten in der einbrechenden Dämmerung. Sandra stand langsam auf und kam ihr gefährlich nah. Sie schrie mit gehobenem Zeigefinger: „Es wäre besser, wenn du gehen würdest. Du gehörst nicht hierher. Hast ganz andere Ansichten wie wir, sprichst dauernd von deiner Mutter. Dabei hat sie dich nur geboren!“ Lena rutschte unruhig hin und her auf der Holzbank. „Du irrst dich!“, sagte Lena aufgebracht. „Meine Mutter hat mich nicht nur geboren, sie liebt mich und aus dieser Liebe heraus hat sie mir alles gezeigt, was ich wissen muss, um auf der Erde zu überleben. Übrigens habe ich noch zwei Brüder und einen Vater.“ „Auch ich kann hier überleben, wie du siehst. Ich brauche keine Eltern.“ Wütende Blicke begleiteten Sandras Worte. „Und ich möchte am liebsten nach Hause. Kinder wie du nerven doch nur. Eines Tages schaffe ich es, hier weg zu kommen und für diesen Tag lebe ich.“ Tränen schossen in ihre Augen. „Hoffentlich bald“, fauchte Sandra. Miriam schaltete sich ein und sagte mit ihrer melodischen Stimme: „Hört auf euch zu streiten. Wir sind eine Familie, wir gehören zusammen.“ „Nein, ich habe eine Familie. Ich gehöre nur vorübergehend zu euch.“ Lena schaute Miriam flehend an. „Du bleibst genau so hier wie wir. Wo willst du denn hin? Die Welt draußen ist verseucht. Da kannst du nicht überleben.“ „Dass ich hier irgendwie angekommen bin, bedeutet für mich, dass ich auch wieder zurück nach Hause kann.“ Schluchzend stand sie auf und rannte in den dunklen Wald.


Eingetragen am: 03.11.2008 von Jasmin
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19880

„Wir haben noch keine konkreten und brauchbare Hinweise erhalten, Frau Vesco,“ versucht der Kommissar die unangenehme Nachricht zu vermitteln und steht ruhig vor Sarah, die zuvorderst auf der Stuhlkante im Büro des Kommissars sitzt.
„Das ist nicht ihr Ernst, oder?“ Sarah war dem Verzweifeln nahe.
„Es tut mir wirklich Leid, Ihnen keine bessere Nachricht geben zu können.“
Sarah schluckt leer und schaut den Kommissar mit grossen Augen an, der breitschultrig wie ein Riese vor ihr steht. Wie von einer Nadel gestochen, juckt sie aus ihrem Stuhl hoch, der hinter ihr mit einem lauten Geräusch mit der Lehne nach hinten auf den Boden kippt.
„Nichts tut ihnen Leid, sonst würden Sie doch irgendetwas herausgefunden haben, aber gar nichts, das kann einfach nicht sein!“
Während der Kommissar den ungekippten Stuhl wieder aufstellt und seine Brille zurechtrückt, versucht er die verstörte Frau zu beruhigen. „Bitte glauben Sie mir, wir werden alles dafür tun, um ihr Baby wieder zu finden. Bis jetzt haben wir nur dieses Medaillon im Krankenhaus gefunden, das noch im Untersuchungslabor überprüft wird, es scheint ein altes Erbstück zu sein. Glauben Sie mir...”
„Was? Ein Medaillon? Warum weiss ich nichts davon?“ Sarah wirkt ungefasst und ihr Temperament lässt ihrer Enttäuschung freien Lauf.
„Wir müssen zuerst sicher sein, ob das Schmuckstück von den Entführern stammt oder nicht.“
„Das ist noch nicht fertig überprüft? Das ist eine Schande, eine elende Schande!“ Sarah stampft wütend auf den alten abgewetzten Boden und hält sich ihre feuchte Hand auf ihre heisse Stirn. „Was zum Teufel machen Sie denn den ganzen Tag?“
Der Kommissar wühlt ruhig in seinen Akten und hält Sarah ein Bild entgegen. Sie nimmt das Bild und setzt sich wieder auf den Holzstuhl und betrachtet das Bild. Sarah sieht ein wunderschönes, goldenes, ovales Medaillon, das mit kunstvoller, filigraner Handarbeit angefertigt wurde und einen runden Rubin in der Mitte aufweist. Mit ruhiger weinerlichen Stimme meint sie: „Darf ich das Bild behalten?“
„Nein, die Abklärungen laufen noch und eines möchte ich Ihnen noch mit auf den Weg geben. Ich bitte Sie, keine eigenen Ermittlungen anzustellen, es ist zu gefährlich, zumal wir nicht wissen mit wem wir es zu tun haben.“ Ohne ein Wort zu verlieren, steht Sarah auf und verabschiedet sich. Für Sarah steht fest, der Bitte des Kommissars auf keinen Fall zu folgen und ist entschlossen, alles dafür zu tun, um ihr Baby zu finden.


Eingetragen am: 19.10.2008 von Elsie Eye
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19424

Ich stehe nicht mehr zur Verfügung

„Kann ich Sie einen Moment sprechen?“

Anne lauscht mit angehaltenem Atem in den Telefonhörer.

„Ja, sicher. Kommen Sie einfach in mein Büro“, schallt kalt die Stimme ihrer Chefin zurück.

„O.K.“

Anne legt den Hörer auf und atmet tief aus. Ihre Hände und Knie zittern. Jetzt oder nie, denkt sie, erhebt sich von ihrem Stuhl und flüstert dreimal die Reiki-Kraftformel vor sich hin. Wie ein Boxer zur Arena schreitet Anne den langen dunklen Flur vom hinteren Ende des Büros, wo sich ihr Zimmer befindet, nach vorn zum Chefbüro neben dem Eingang. Ihre Chefin empfängt Anne mit einem interessierten Blick und weist auf den Besucherstuhl.

„Wie war denn Ihr Urlaub in Mexiko?“

„Sehr schön und interessant und deshalb bin ich hier.“

Anne atmet tief. Ihr Herz schlägt bis zum Hals. Trotzdem versucht sie, ihrer Stimme einen bestimmten Ton zu geben.

„Ich habe beschlossen, ein Sabatical einzulegen. Nach dem EADV-Kongress im Oktober stehe ich nicht mehr zur Verfügung.“

Rumms. Da war er, der Satz, der Welten erschüttert und Leben verändert: Ich stehe nicht mehr zur Verfügung. Der mutigste Satz einer Freiberuflerin gegenüber Ihrer Kundin. Schnell beruhigt Anne mit Erklärungen die Bestürzung ihres Gegenübers.

„Ich habe in Mexiko einen Mann kennengelernt, mit dem ich nach Australien reisen will. Er ist ein Globetrotter aus England. Mit ihm habe ich den Partner an meiner Seite, mit dem ich meinen langen Traum der Australienreise verwirklichen kann. Dazu nehme ich mir ein halbes Jahr Auszeit. Wir wollen im November starten. Bis dahin nehme ich auch keine weiteren Projekte mehr an. Die laufenden Kongresse betreue ich weiter und bereite alles vor, dass sie jemand Ende Oktober übernehmen kann. Das sind noch fast neun Monate. Bis dahin sollte sich jemand gefunden haben, der mich ersetzt.“

Anne fühlte sich, als glitte sie die Spirale einer Wasserrutsche hinunter. Mit gespanntem Kribbeln im Bauch erwartete sie den Aufschlag auf dem Wasser.

„Da haben Sie sich ja was vorgenommen“, konsternierte Annes Chefin. „Ich nehme an, Sie haben sich das reiflich überlegt. Das sind ja wirklich tolle Neuigkeiten! Ich bewundere Ihren Mut!“

Erleichtert und glücklich verlässt Anne das Büro. Jetzt ist es also wahr! Ich fahre nach Australien! Es gibt kein Zurück.


Eingetragen am: 03.10.2008 von Michele
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18843

Lena hat den Traum von einer ganz normalen Familie, die sie sich inständig wünscht. Allerdings hat sie nach ihrem letzten Erlebniss mit einem Mann total resigniert und sieht kein Land in sich. Sie liebt diesen Mann, obwohl er nicht gut zu ihr war und er auch kein Intresse an ihr hat. Sie kämpft mit sich selbst. Lena kämpft gegen diesen Geist, der sie nicht loslassen will. Er taucht immer wieder auf und gibt ihr keine Chance sich freizumachen, was sie auch nicht wirklich will. Sie kämpft mit sich. Sie kämpft mit ihrem Umfeld und mit diesem Geist der sie gefangen hält.


Eingetragen am: 24.09.2008 von Amanda
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18238

Der junge und der alte Mann

Wieder begegnete ihr dieser Mann. Es war, als lauerte er ihr auf. Er liebt dich, hatte die Mutter gesagt. Aber es war nichts Liebenswürdiges von ihm ausgegangen. Sie fühlte seinen stechenden Blick. Als könnte er unter ihre Haut sehen. Als könnte sie sich nicht vor ihm schützen. Sie konnte sich noch nicht einmal ihrer Mutter anvertrauen. Denn die verstand sie, Birthe, nicht. Sie sah das Geld, sah seine Zukunft. Und vielleicht sah sie den Reichtum, der für sie abfallen könnte. Die Mutter wollte womöglich teilhaben daran. Wollte etwas geschenkt, wollte ein leichteres Leben. Birthe schüttelte in Gedanken den Kopf. Dieser Mann hat noch nie jemandem etwas Gutes getan. Warum sollte er es für Birthe tun oder gar für seine Schwiegermutter. Geizhals, das wusste sie sicher, ändern sich nicht. Sie geben nichts, kein Geld und gute Worte, noch nicht einmal einen Blick. Nein, er wusste nicht, heiter und fröhlich zu lachen.
Und jetzt schoss er aus seinem Versteck heraus. Und erschreckte Birthe. Sie schrie auf und rettete sich in den anderen Flur. Wo war ihre Mutter? Aber die würde sie nicht retten vor diesem alten Mann mit den Spinnenfingern.
Sei nur freundlich zu ihm, sagte sie immer. Er ist einflussreich. Wir können nicht wissen, was er uns für Schwierigkeiten macht. Und sie lächelte schwach.
Jetzt griff er in die Tasche und holte ein paar Münzen heraus. Er zeigte sie ihr auf der offenen Hand. Was könnte sie sich und ihrer Mutter dafür kaufen! Sie blickte starr stehen. Nein nein nein. Mitgegangen, mitgefangen , mitgehangen! Sie knickste brav. Tut mir leid, ich darf nichts von Fremden annehmen, sagte sie und knickste noch tiefer und lief weiter.
Das war also der Mann, den die Mutter ausgesucht hat! Nie nie nie.

Dann kommt der junge Kavallerist, auf dem Schlossplatz. Er trägt seine flotte uniform. Die Knöpfe blitzen. Diesmal sitzt er nicht zu Pferde, diesmal geht er aufrecht, mit starkem Schritt. so auf dem Boden, so nah, dass sie Aug in Aug nebeneinander gehen können. Er könnte sie fragen, ob sie eine Schokolade mit ihm trinken will. Und sie wird sich umsehen, dass sie niemand erkennt und ja sagen. Er erkennt Birthe, sieht sie nicht an, er leuchtet sie geradezu an! Doch mit dem Drehen des Kopfes sieht sie aus den Augenwinkel, im Eingang zum Schloss, auf der Treppe, da steht er, der alte Mann. Steht da und beobachtet. Lässt sie nicht aus dem Augen. Wie kommt er gerade in diesem Moment hier her? Der Mann ist gefährlich. Überall hat er seine Augen oder seine Spitzel. Sie darf jetzt keinen Fehler machen. Jetzt nicht und in Zukunft nicht. Er ist ein Meister der Intrige. Dieser hässliche alte Mann kann alles zunichte machen, ihr Leben und ganz besonders sein Leben, das Leben des Mannes, den sie liebt.. Sie darf keinen Verdacht erregen, sie darf ihn nicht ansehen. Sie darf nicht zeigen, dass er ihr Interesse hat, jetzt nicht und später nicht. Sie geht an dem Jungen vorbei, er grüßt sie, sie tut nichts, geht wie fremd an ihm vorbei. Sie hört nur das Knirschen des Sandes unter seinen Schuhsohlen, als sich ihr Liebster umdreht und ihr wohl nach blickt. Sie verbietet sich, sich ebenfalls nach ihm umzudrehen. Noch nicht einmal ein Zeichen kann sie ihm ohne Gefahr geben, den Finger auf die Lippen legen.
He, warum siehst du mich nicht an? ruft er ihr nach.
Er merkt nichts. Nicht die Gefahr und nicht ihre Verzweiflung. Ihre Zwangslage nicht und ihre Liebe nicht. Ob er ihr das jemals verzeiht?


Eingetragen am: 14.09.2008 von Yvonne
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17798

Nach dem Anruf von dem Polizisten Jens Schwerter vor vier Tagen, war Melisa völlig neben der Spur gewesen. Er hatte ihr erzählt, dass vor fünf Jahren auf ihre Familie ein Mordattentat verübt worden war und sie nicht bei einem gewöhnlichen Autounfall ums Leben kamen. Jens hatte ihr versucht zu erklären, was genau sie festgestellt hatten, doch Melisa hatte ihm nicht zugehört. Wut und Trauer hatten sich in ihr breit gemacht und hatten ihre Sinne benebelt. Ohne Jens Schwerter, der in den letzten fünf Jahren ein Freund geworden war, ausreden zu lassen, hatte sie aufgelegt. Sie hatte sich ins Bett verkrochen und ihren Gefühlen freien Lauf gelassen.
Und dann, vor zwei Tagen, hatte sie sich geschworen die Mörder ihrer Familie zu suchen und sich an ihnen zu rächen.
Seitdem saß sie von morgens bis abends am Pc und am Telefon und versuchte etwas rauszufinden.
Für den heutigen Tag hatte sie sich vorgenommen, aufs Polizeipräsidium zu fahren und mit Jens zu sprechen.
"Guten Tag. Was kann ich für sie tun?", fragte die junge Frau hinter dem Empfang freundlich und lächelte Melisa an.
"Ich würde gerne mit Jens Schwerter sprechen!", antwortete Melisa.
"Einen Moment bitte.", nickte die Frau und tippte etwas in den Computer ein.
"Ja, sie können mit ihm sprechen. Sein Bür ist im ersten Stock, die dritte Tür links!", erklärte die junge Frau. Melisa bedankte sich und ging zu Jens Büro. Sie klopfte an und Jens Stimme ertönte: "Herein!"
Melisa öffnete die Tür und trat ins Büro.
"Melisa. Wie gehts dir? Was machst du hier?", fragte er und umarmte sie zur Begrüßung.
"Ich möchte wissen ob ihr schon näheres über die Mörder meiner Familie wisst.",sagte Melisa und sah Jens an.
"Nein, tut mir leid. Wir haben nur einen halben Fingerabdruck und den konnten wir niemandem zuordnen. Wir stehen ganz am Anfang.", erzählte Jens und sah Melisa mitleidig an.
"Aber ihr müsst doch irgendwas haben, womit ihr die Leute schnappen könnt!", meinte Melisa.
"Wir sind noch dabei etwas zu finden. Es wird mitsicherheit etwas geben, womit wir weiterkommen, aber noch ist da nichts. Außer... ach, das ist sowieso nichts!", meinte er mit einer wegwerfenden Handbewegung.
"Was? Los sag schon, was ist es?", hakte Melisa nach.
"Das wissen wir selbst noch nicht so genau. Also wir wissen schon WAS es ist aber nicht von WEM.", sagte Jens.
"Sag mir endlich was es ist! Ich möchte das wissen.", verlangte Melisa und wartete auf Jens antwort.
"Melisa, es bringt dir nichts. Du darfst dich da nicht einmischen, also darfst du auch nicht wissen was wir haben. Noch nicht. Du wirst schon noch bescheid bekommen.", erklärte Jens.
"Ich will mich doch gar nicht einmischen, ich will... ach vergiss es.", verstummte Melisa.
"Was willst du? Du willst doch nicht selber nach ihnen suchen und dich in gefahr bringen oder sogar straftätig machen?", fragte Jens und sah Melisa an.
Sie verschränkte nur die Arme vor der Brust.
"Also doch. Mensch Melisa, das ist doch totaler unsinn."
Jens setzte sich auf seinen Schreibtisch.
Die beiden sahen sich, dann drehte Melisa sich um und wollte gehen, als Jens nach ihrem Arm griff und sie festhielt.
"Bitte Melisa, mach nichts falsches. Ich weiß doch, das du dich rächen willst, aber du bringst dich selber nur in Gefahr damit. Ich will dich doch nur schützen.", sagte Jens leise. Dann ließ er sie los und sie verließ das Büro...


Eingetragen am: 07.09.2008 von Bullerdiek
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17449

RieJ, Kap. 25, Üb. 13: Das Heft

Nur noch ein monotones Rauschen. Längst war das Fernsehprogramm zu Ende. Also war es wieder einmal nichts gewesen mit der Flucht aus dem ewigen Einerlei : dem Ärger über den arroganten Juniorchef im Betrieb, mit dem ewigen Gejammer von Erna, seiner Frau; vor allem aber mit dem ständigen Theater wegen Hans, in der Schule, und auch sonst. Nichts, gar nichts brachte der zuwege, und jetzt wollte er auch noch Schriftsteller werden.

„Der alte Mann und das Meer.“ Das in der Programmzeitschrift zu lesen und im Wohnzimmer sitzen zu bleiben, war fast eines gewesen: Der alte Mann ließ sich nicht unterkriegen und blieb sich bis zum Schluss selbst treu, ertrug tapfer alle Niederlagen und den
Spott der Anderen, und siegte am Ende doch, gegen alle Wahrscheinlichkeit. Und er hatte einen Jungen, der immer zu ihm hielt und auf den er stolz sein konnte. Das war sein Roman, sein Film. Herr Blechle, der sonst kaum einmal zum Lesen kam, vielleicht einmal im Urlaub, hatte diese Geschichte schon mehrfach gelesen und den Film schon einige Male gesehen. Aber heute Abend hätte er ihn sich so gerne noch einmal angeschaut – um einmal etwas anderes zu denken, nicht an den Betrieb, nicht an Erna und vor allem nicht an den Jungen!
Und nun war er eingeschlafen, hatte sich der Alltag auf Umwegen doch wieder gemeldet, gegen seinen Willen! Jetzt aber schnell ins Bett! Die Nacht war ja halb um, und um sechs ging `s schon wieder los!
Aber, was war denn das? In Hans Zimmer brannte noch Licht! War der etwa noch auf? Das hatte er ihm doch streng verboten: vor Schultagen länger als Elf aufzubleiben! Und vor allem nicht mehr zu lesen und zu schreiben! Und wenn man nachschaute, wahrscheinlich nicht mal was für die Schule, was er so dringend bräuchte, nein, der Herr Sohn brachte seine eigenen Gedanken zu Papier, die Gedichte und den anderen Quatsch, den keinen außer ihm interessierte. Und vor allem würde er auch über ihn jammern, über diesen schrecklichen Vater, statt direkt mit ihm zu sprechen, von Mann zu Mann, dieser feige Hund!

Herr Blechle ging näher, zu Hans` Zimmer und schließlich in dieses hinein, eigentlich gegen seine Grundsätze, gegen ihre Verabredungen. Er schämte sich etwas.
„Mein Vater ist ein primitiver Mann, ohne jeden Sinn für die geistigen Dinge des Lebens“. Karl Blechle wusste nicht: hatte er richtig gelesen und verstanden? Aber das stand wirklich in dem aufgeschlagenen Heft, von seinem eigenen Sohn verzapft! Ein Irrtum war nicht möglich, und wie gerne hätte er sich jetzt geirrt!
Dann setzte sich Herr Blechle hin und las sich fest, obgleich er eigentlich sehr müde war und längst ins Bett gehörte. Und allmählich lernte er das Geschmier zu entziffern, obgleich das doppelte Mühe kostete und der Ärger über die Schrift den Ärger über den Inhalt bei jedem Satz noch verstärkte!
Zwei Stunden später war es früher Morgen, und Herr Blechle war nur noch ratlos. Bis hierher hatte er ununterbrochen gelesen, und das Ergebnis war eine bleierne Ratlosigkeit. Jetzt wusste Karl Blechle einfach nicht mehr weiter: Niemals in seinem langen Leben war er so beleidigt worden wie von seinem eigenen Jungen: Nur mühsam und wenig kunstvoll hatte Hans den Schleier einer Erzählung darüber gelegt ( dieses Urteil traute er sich als einfacher Buchhalter immerhin noch zu). Darunter aber kochte der Hass, leicht identifizierbar und für den, der Hans etwas kannte, überhaupt nicht überraschend: nicht die Spur von Dankbarkeit für alles, was er jemals für den Jungen getan und versucht hatte, nichts, nichts, nichts! Er, der Vater, hatte alles immer nicht, zu wenig oder falsch gemacht, er war ein einziger Versager, ein geistiger Banause, ohne Möglichkeit, die Höhenflüge seines hochbegabten Sprösslings zu würdigen, geschweige denn angemessen unterstützen zu können . Er, Karl Blechle war nur ein enger, kleingeistiger Buchhalter, allem Schönen und .Wahren seit jeher fremd und ohne Fähigkeit, es jemals zu erreichen. Und sein Sohn hasste ihn nicht nur; er verachtete ihn auch – obgleich er sich, mit seiner geringen Bildung, schon fragte, ob sich das nicht gegenseitig ausschloss!

Herrn Blechles erste Reaktion war: Nach oben gehen und den Kerl durchprügeln., für alle seine Unverschämtheiten und Undankbarkeiten - oh, hätte er es nur früher gemacht! Dann wollte Herr Blechle ihn aus dem Bett zerren und zur Rede stellen: was er sich bei alldem gedacht, ob er überhaupt gedacht habe! Und dass sein erbärmliches Geschreibsel ein einziger Beweis dafür sei, ein Beweis, dass er völlig unbegabt als Schriftsteller sei, jawohl völlig unbegabt!
Aber dann überlegte Herr Blechle es sich doch anders: War er nicht immer noch verantwortlich für Hans – egal, was Hans selbst und was alle anderen davon hielten? Und was hieß das konkret: Mit allen Mitteln, mit allen musste der Herr Sohn von seinem Irrweg als Dichter abgehalten werden! Unruhe würde das bedeuten und viel Geduld kosten. Und vor allem Streit mit Erna! Wieder einmal würde sie nichts verstehen und ihr Söhnlein an der falschesten Stelle, die es gab, in Schutz nehmen: dort wo es am schädlichsten und gefährlichsten für ihn war, im Grunde! Und so griff Karl Blechle zu Mitteln, die er sich selbst bisher sein Leben lang verboten hatte: Ohne dessen Wissen und ganz sicher gegen dessen Zustimmung in die persönlichste Sphäre eines anderen Menschen einzudringen. Und das bei seinem eigenen Sohn, den er auf irgendeine Weise, die ihm selbst schon fremd geworden war,
immer noch liebte.
Nur wenig später gab es sie nicht mehr, die auf die Schnelle auffindbaren Aufzeichnungen des Hans Blechle, egal ob es sich um Tagebuch-Notizen, um Roman-Entwürfe, unfertige und vielleicht fertige Gedichte, völlig unklare Zettel oder Sonstiges handelte. Und rastlos suchte der Vater nach weiteren Ergüssen. Nach und nach durchstöberte er penibel alle Schubladen. Das muss sein, sagte er sich.. Nach zwei weiteren Stunden gab es den Dichter Hans Blechle nicht mehr, sofern unsere Identität immer auch von sichtbaren äußeren Zeichen abhängt.

Am nächsten Mittag wollte Hans lange nicht wahrhaben, was geschehen war. Wie betäubt stand er an der Schwelle seines Arbeitszimmers:
Kein Zweifel: Sein Roman-Manuskript war verschwunden, und ein erster, schneller Blick in die Schublade mit seinen persönlichsten Aufzeichnungen ließ kaum noch wenigstens für einen Teil seiner früheren Arbeiten hoffen. Und damit war eigentlich seine ganze Existenz, sein einziges Zukunfts-Kapital ausgelöscht.

Erst vor wenigen Wochen hatte er beschlossen, in Zukunft nur noch auf das Schreiben zu setzen. Mochten sich Ablehnungen und Absagen noch so häufen. Wenn er einmal ehrlich zu sich selbst war, hatte Hans längst die Hoffnung verloren, jemals das Abitur zu schaffen und danach Literatur und Philosophie studieren zu können. Und seine bisherigen Berührungen mit der Berufswelt (bei kleineren Ferienjobs und bei einigen Bewerbungen) ließen für die Zukunft nur das Allerschlimmste erwarten.

Ahnungslos hatte Hans den Schulvormittag hinter sich gebracht – im vermeintlich sicheren Gefühl, dass es nun auf die vielen Demütigungen nicht mehr ankam; nach der Mittagspause würde er an seinem Roman weiter schreiben, dem ersten richtigen Roman, mit dem er etwa vor einem Monat begonnen hat. Engagement und Energie sollten zwar aus seinem persönlichen Leben stammen; die gesamte Geschichte und alle beteiligten Personen sollten aber frei erfunden sein, also ein in sich geschlossenes Kunstwerk werden.
Am Morgen war Hans, wie üblich, gar nicht mehr in sein Arbeitszimmer gegangen. Und der Alte hatte sich nichts anmerken lassen, nur auf eine kurze Frage der Mutter, weshalb er denn heute Nacht so lange aufgeblieben sei, böse geblickt und geknurrt.
Über die Person, die ihm das alles angetan hatte, war Hans außer jedem Zweifel: Seinen einzigen Existenznachweis, alles woran sein Herz hing, so nachhaltig zu zerstören, das konnte
nur der Alte gewesen sein: der nichts von dem, was er wollte und konnte, akzeptierte und der von ihm gerade so viel verstand, um alles, was er liebte und anstrebte, zerstören zu können. Das war kein Vater. Von dem wollte er auch nichts mehr wissen und annehmen, und mit dem wollte er nicht mehr unter einem Dach zusammenleben, keinen Tag länger.
Die Suche nach weiteren Skripten stellte Hans bald ein. Es war fast so schlimm, wie er es befürchtet hatte. Nichts war mehr da. Fast alles, was er jemals geschrieben hatte, verloren – eine ältere unvollendete Erzählung ausgenommen, die sie vor längerer Zeit auf Charlies Schreibmaschine ins Reine geschrieben hatten und einige Gedichtversuche, die im Original und als Durchschlag ebenfalls bei Charlie waren.
Am späten Nachmittag brach Hans zur ersten Reise seines Lebens auf. Es ging zu Charlie, nur wenige Straßen weiter. Mit nur etwas Wäsche, einer zweiten Hose und einem weiteren Puli zum Wechseln. Mehr hätte die Aufmerksamkeit der Mutter erregt. Und bestimmt auch ihren Widerstand. Charlie war von Hans` Entschluss weit weniger begeistert, als es sich der von ihrer Freundschaft erhofft hatte. Auch wenn er sich merklich Mühe gab, sich das nicht zu sehr merken zu lassen und sich die aufgeregte Rede des Freundes in Ruhe anzuhören. Später,
nach ein paar Tassen Tee und nachdem sich Hans etwas beruhigt hatte, versuchte er sogar, ihn mit Vernunftgründen zur Versöhnung mit dem Vater zu überreden. Und er relativierte die Schreib-Aktivitäten seines Besuchers und äußerte ein gewisses – wie Hans fand, viel zu großes – Verständnis für den Vater. Als Vater sei der geradezu verpflichtet, Hans zur größtmöglichen Konzentration auf die Schule zu zwingen , solange der dort so gefährdet sei..
Erst, als der Besucher seine Enttäuschung kaum noch verbarg und ernsthaft Anstalten machte, sich irgendwo anders eine Bleibe zu suchen ( wo wohl, mit dem wenigen Geld, das er bei sich trug, und ohne jede Erfahrung im Auf-sich-selbst-Gestellt-Sein? ), vereinbarte Charlie mit seinen Eltern, dass Hans einige Nächte bei ihnen im Gästezimmer bleiben dürfe. Aber Charlies Mutter bestand darauf, gegen den Willen der beiden Jungen, Frau Blechle telefonisch zu benachrichtigen. Und Charlie selbst machte schon fast überdeutlich, dass er nur ungern allzu lange auf seine gewohnten Freiheiten verzichten würde: in seinem großen Arbeitszimmer jederzeit machen zu können, was er wollte, nicht zuletzt ungehindert Freunde und Freundinnen empfangen.






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RieJ, Kap. 25, Üb. 13: Das Heft

Nur noch ein monotones Rauschen. Längst war das Fernsehprogramm zu Ende. Also war es wieder einmal nichts gewesen mit der Flucht aus dem ewigen Einerlei : dem Ärger über den arroganten Juniorchef im Betrieb, mit dem ewigen Gejammer von Erna, seiner Frau; vor allem aber mit dem ständigen Theater wegen Hans, in der Schule, und auch sonst. Nichts, gar nichts brachte der zuwege, und jetzt wollte er auch noch Schriftsteller werden.

„Der alte Mann und das Meer.“ Das in der Programmzeitschrift zu lesen und im Wohnzimmer sitzen zu bleiben, war fast eines gewesen: Der alte Mann ließ sich nicht unterkriegen und blieb sich bis zum Schluss selbst treu, ertrug tapfer alle Niederlagen und den
Spott der Anderen, und siegte am Ende doch, gegen alle Wahrscheinlichkeit. Und er hatte einen Jungen, der immer zu ihm hielt und auf den er stolz sein konnte. Das war sein Roman, sein Film. Herr Blechle, der sonst kaum einmal zum Lesen kam, vielleicht einmal im Urlaub, hatte diese Geschichte schon mehrfach gelesen und den Film schon einige Male gesehen. Aber heute Abend hätte er ihn sich so gerne noch einmal angeschaut – um einmal etwas anderes zu denken, nicht an den Betrieb, nicht an Erna und vor allem nicht an den Jungen!
Und nun war er eingeschlafen, hatte sich der Alltag auf Umwegen doch wieder gemeldet, gegen seinen Willen! Jetzt aber schnell ins Bett! Die Nacht war ja halb um, und um sechs ging `s schon wieder los!
Aber, was war denn das? In Hans Zimmer brannte noch Licht! War der etwa noch auf? Das hatte er ihm doch streng verboten: vor Schultagen länger als Elf aufzubleiben! Und vor allem nicht mehr zu lesen und zu schreiben! Und wenn man nachschaute, wahrscheinlich nicht mal was für die Schule, was er so dringend bräuchte, nein, der Herr Sohn brachte seine eigenen Gedanken zu Papier, die Gedichte und den anderen Quatsch, den keinen außer ihm interessierte. Und vor allem würde er auch über ihn jammern, über diesen schrecklichen Vater, statt direkt mit ihm zu sprechen, von Mann zu Mann, dieser feige Hund!

Herr Blechle ging näher, zu Hans` Zimmer und schließlich in dieses hinein, eigentlich gegen seine Grundsätze, gegen ihre Verabredungen. Er schämte sich etwas.
„Mein Vater ist ein primitiver Mann, ohne jeden Sinn für die geistigen Dinge des Lebens“. Karl Blechle wusste nicht: hatte er richtig gelesen und verstanden? Aber das stand wirklich in dem aufgeschlagenen Heft, von seinem eigenen Sohn verzapft! Ein Irrtum war nicht möglich, und wie gerne hätte er sich jetzt geirrt!
Dann setzte sich Herr Blechle hin und las sich fest, obgleich er eigentlich sehr müde war und längst ins Bett gehörte. Und allmählich lernte er das Geschmier zu entziffern, obgleich das doppelte Mühe kostete und der Ärger über die Schrift den Ärger über den Inhalt bei jedem Satz noch verstärkte!
Zwei Stunden später war es früher Morgen, und Herr Blechle war nur noch ratlos. Bis hierher hatte er ununterbrochen gelesen, und das Ergebnis war eine bleierne Ratlosigkeit. Jetzt wusste Karl Blechle einfach nicht mehr weiter: Niemals in seinem langen Leben war er so beleidigt worden wie von seinem eigenen Jungen: Nur mühsam und wenig kunstvoll hatte Hans den Schleier einer Erzählung darüber gelegt ( dieses Urteil traute er sich als einfacher Buchhalter immerhin noch zu). Darunter aber kochte der Hass, leicht identifizierbar und für den, der Hans etwas kannte, überhaupt nicht überraschend: nicht die Spur von Dankbarkeit für alles, was er jemals für den Jungen getan und versucht hatte, nichts, nichts, nichts! Er, der Vater, hatte alles immer nicht, zu wenig oder falsch gemacht, er war ein einziger Versager, ein geistiger Banause, ohne Möglichkeit, die Höhenflüge seines hochbegabten Sprösslings zu würdigen, geschweige denn angemessen unterstützen zu können . Er, Karl Blechle war nur ein enger, kleingeistiger Buchhalter, allem Schönen und .Wahren seit jeher fremd und ohne Fähigkeit, es jemals zu erreichen. Und sein Sohn hasste ihn nicht nur; er verachtete ihn auch – obgleich er sich, mit seiner geringen Bildung, schon fragte, ob sich das nicht gegenseitig ausschloss!

Herrn Blechles erste Reaktion war: Nach oben gehen und den Kerl durchprügeln., für alle seine Unverschämtheiten und Undankbarkeiten - oh, hätte er es nur früher gemacht! Dann wollte Herr Blechle ihn aus dem Bett zerren und zur Rede stellen: was er sich bei alldem gedacht, ob er überhaupt gedacht habe! Und dass sein erbärmliches Geschreibsel ein einziger Beweis dafür sei, ein Beweis, dass er völlig unbegabt als Schriftsteller sei, jawohl völlig unbegabt!
Aber dann überlegte Herr Blechle es sich doch anders: War er nicht immer noch verantwortlich für Hans – egal, was Hans selbst und was alle anderen davon hielten? Und was hieß das konkret: Mit allen Mitteln, mit allen musste der Herr Sohn von seinem Irrweg als Dichter abgehalten werden! Unruhe würde das bedeuten und viel Geduld kosten. Und vor allem Streit mit Erna! Wieder einmal würde sie nichts verstehen und ihr Söhnlein an der falschesten Stelle, die es gab, in Schutz nehmen: dort wo es am schädlichsten und gefährlichsten für ihn war, im Grunde! Und so griff Karl Blechle zu Mitteln, die er sich selbst bisher sein Leben lang verboten hatte: Ohne dessen Wissen und ganz sicher gegen dessen Zustimmung in die persönlichste Sphäre eines anderen Menschen einzudringen. Und das bei seinem eigenen Sohn, den er auf irgendeine Weise, die ihm selbst schon fremd geworden war,
immer noch liebte.
Nur wenig später gab es sie nicht mehr, die auf die Schnelle auffindbaren Aufzeichnungen des Hans Blechle, egal ob es sich um Tagebuch-Notizen, um Roman-Entwürfe, unfertige und vielleicht fertige Gedichte, völlig unklare Zettel oder Sonstiges handelte. Und rastlos suchte der Vater nach weiteren Ergüssen. Nach und nach durchstöberte er penibel alle Schubladen. Das muss sein, sagte er sich.. Nach zwei weiteren Stunden gab es den Dichter Hans Blechle nicht mehr, sofern unsere Identität immer auch von sichtbaren äußeren Zeichen abhängt.

Am nächsten Mittag wollte Hans lange nicht wahrhaben, was geschehen war. Wie betäubt stand er an der Schwelle seines Arbeitszimmers:
Kein Zweifel: Sein Roman-Manuskript war verschwunden, und ein erster, schneller Blick in die Schublade mit seinen persönlichsten Aufzeichnungen ließ kaum noch wenigstens für einen Teil seiner früheren Arbeiten hoffen. Und damit war eigentlich seine ganze Existenz, sein einziges Zukunfts-Kapital ausgelöscht.

Erst vor wenigen Wochen hatte er beschlossen, in Zukunft nur noch auf das Schreiben zu setzen. Mochten sich Ablehnungen und Absagen noch so häufen. Wenn er einmal ehrlich zu sich selbst war, hatte Hans längst die Hoffnung verloren, jemals das Abitur zu schaffen und danach Literatur und Philosophie studieren zu können. Und seine bisherigen Berührungen mit der Berufswelt (bei kleineren Ferienjobs und bei einigen Bewerbungen) ließen für die Zukunft nur das Allerschlimmste erwarten.

Ahnungslos hatte Hans den Schulvormittag hinter sich gebracht – im vermeintlich sicheren Gefühl, dass es nun auf die vielen Demütigungen nicht mehr ankam; nach der Mittagspause würde er an seinem Roman weiter schreiben, dem ersten richtigen Roman, mit dem er etwa vor einem Monat begonnen hat. Engagement und Energie sollten zwar aus seinem persönlichen Leben stammen; die gesamte Geschichte und alle beteiligten Personen sollten aber frei erfunden sein, also ein in sich geschlossenes Kunstwerk werden.
Am Morgen war Hans, wie üblich, gar nicht mehr in sein Arbeitszimmer gegangen. Und der Alte hatte sich nichts anmerken lassen, nur auf eine kurze Frage der Mutter, weshalb er denn heute Nacht so lange aufgeblieben sei, böse geblickt und geknurrt.
Über die Person, die ihm das alles angetan hatte, war Hans außer jedem Zweifel: Seinen einzigen Existenznachweis, alles woran sein Herz hing, so nachhaltig zu zerstören, das konnte
nur der Alte gewesen sein: der nichts von dem, was er wollte und konnte, akzeptierte und der von ihm gerade so viel verstand, um alles, was er liebte und anstrebte, zerstören zu können. Das war kein Vater. Von dem wollte er auch nichts mehr wissen und annehmen, und mit dem wollte er nicht mehr unter einem Dach zusammenleben, keinen Tag länger.
Die Suche nach weiteren Skripten stellte Hans bald ein. Es war fast so schlimm, wie er es befürchtet hatte. Nichts war mehr da. Fast alles, was er jemals geschrieben hatte, verloren – eine ältere unvollendete Erzählung ausgenommen, die sie vor längerer Zeit auf Charlies Schreibmaschine ins Reine geschrieben hatten und einige Gedichtversuche, die im Original und als Durchschlag ebenfalls bei Charlie waren.
Am späten Nachmittag brach Hans zur ersten Reise seines Lebens auf. Es ging zu Charlie, nur wenige Straßen weiter. Mit nur etwas Wäsche, einer zweiten Hose und einem weiteren Puli zum Wechseln. Mehr hätte die Aufmerksamkeit der Mutter erregt. Und bestimmt auch ihren Widerstand. Charlie war von Hans` Entschluss weit weniger begeistert, als es sich der von ihrer Freundschaft erhofft hatte. Auch wenn er sich merklich Mühe gab, sich das nicht zu sehr merken zu lassen und sich die aufgeregte Rede des Freundes in Ruhe anzuhören. Später,
nach ein paar Tassen Tee und nachdem sich Hans etwas beruhigt hatte, versuchte er sogar, ihn mit Vernunftgründen zur Versöhnung mit dem Vater zu überreden. Und er relativierte die Schreib-Aktivitäten seines Besuchers und äußerte ein gewisses – wie Hans fand, viel zu großes – Verständnis für den Vater. Als Vater sei der geradezu verpflichtet, Hans zur größtmöglichen Konzentration auf die Schule zu zwingen , solange der dort so gefährdet sei..
Erst, als der Besucher seine Enttäuschung kaum noch verbarg und ernsthaft Anstalten machte, sich irgendwo anders eine Bleibe zu suchen ( wo wohl, mit dem wenigen Geld, das er bei sich trug, und ohne jede Erfahrung im Auf-sich-selbst-Gestellt-Sein? ), vereinbarte Charlie mit seinen Eltern, dass Hans einige Nächte bei ihnen im Gästezimmer bleiben dürfe. Aber Charlies Mutter bestand darauf, gegen den Willen der beiden Jungen, Frau Blechle telefonisch zu benachrichtigen. Und Charlie selbst machte schon fast überdeutlich, dass er nur ungern allzu lange auf seine gewohnten Freiheiten verzichten würde: in seinem großen Arbeitszimmer jederzeit machen zu können, was er wollte, nicht zuletzt ungehindert Freunde und Freundinnen empfangen.


Eingetragen am: 05.09.2008 von Karin-Elisa
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17410

Diese Entführung, ist nur ein kleiner Teil,in dem Britta auf der Erde noch Ärger bekommt.

Britta bemerkte nicht bei ihrem Spaziergang,einen weißen VW- Bus mit getönten Scheiben, der ihr mit Abstand folgte. Sie ging eine kleine Nebenstraße zum Wäldchen, als der Bus neben ihr hielt und eine Mann ausstieg der sie ansprach: „Endschuldigen Sie, können Sie uns wohl helfen wir haben uns total verfahren. Britta spürte ein Unbehagen, aber sie war auch hilfsbereit und sah auf die Karte die der Mann ihr zeigte. Plötzlich ging alles blitzschnell, ein zweiter Mann stand hinter Britta, hielt ihr den Mund zu, und zu zweit schubsten sie Britta hinten in den VW-Bus. Britta war so überrumpelt dass sie sich kaum wehrte, als aber die Tür hinter ihr zuviel, da wehrte sie sich kräftig.
Einer der Männer schnauzte sie an: „Hör auf dich zu wehren, Du fängst Dir gleich ein paar Watschen."
Britta war wütend sie saß zwischen den Kerlen und sie hielten ihre Arme fest. Der eine holte ein paar Handschellen hervor und fesselte Britta Handgelenke damit.
„Was soll die Scheiße, was wollen sie von mir verdammt noch mal“, schimpfte Britta zornig
„Wie heißen sie, fragte der Typ?“
„Was sie entführen mich, und wissen nicht wie ich heiße? Sind sie völlig verrückt?“
„Höre zu ich Frage kein zweites mal, Du beantwortest meine Fragen, wenn nicht scheuer ich Dir ein paar, also wie heißt Du?“
„Britta Carlson“
Nun antwortete der Fahrer der durch eine Rückwand von ihnen getrennt war: „Dann ist sie es, alles ok, dein Glück Klaus!“
Britta dachte intensiv an Arwed aber sie erreichte ihn nicht, sie dachte verzweifelt Fares aber auch nun passierte nichts, entsetzt sah sie auf ihr Handgelenk ihr Armband fehlt, und nun fiel ihr auch ein das sie es vorhin dummer weise abgenommen hatte. Sie konnte nicht heraus sehen, und sie wusste nicht wie weit sie fuhren oder wo hin. Britta beruhigte sich aber erst mal sie wusste ihre Leute würden sie finden, es könnte so nur etwas länger dauern. Sie meinte nun ruhig:
„Nun sie sind ja dann wohl Klaus, könnte ich jetzt mal wissen was das soll?“
Aber statt Klaus sagte der Fahrer:„Britta wir haben nachher ein paar Fragen an sie, und wenn sie die vernünftig beantworten werden wir sie auch wieder frei lassen, aber weder Klaus noch Dieter werden ihre Fragen beantworten. So wir sind da, verbindet ihr die Augen.
Nun Britta wurden nun auch noch die Augen verbunden dann wurde sie aus den Wagen gezogen und sie wurde weggeführt. Sie konnte zwar nichts sehen, aber sie merkte das sie über einen Kiesweg ging, und auch das es nach Wasser roch, sie hörte auch leises Plätschern. Sie war sich sicher das sie sich an der Ruhr befand, denn sie waren nur 20 Minuten gefahren sie hatte ja auch ihre Uhr geschaut, bevor er ihre Augen verband. Sie hörte das sie eine Tür aufschlossen, dann wurde sie weiter geführt und kurz darauf wurde ihr die Binde von den Augen genommen.
Sie befand sich nun in einen kleinen Raum in dem nur ein Tisch, ein paar Geräte einer davon sah aus wie ein Projektor, und vier Stühle standen. Nun sah sie auch den Fahrer den dritten Mann der anscheinend das Sagen hatte. Britta sah ihn wütend an und meinte, ob sie nun endlich erfahren könnte was dieser Mist hier soll.
Der Fahrer meinte, nur Geduld mich kannst Du Horst nennen. Ich zeige dir jetzt einen Film schau mal auf die Wand. Wir können uns solange setzen.
Nun zunächst mal sah man eine Straße, dann machte die Kamera einen Schwenk und nun sah man Britta die gelangweilt an der Bushaltestelle stand als sie sich verfahren hatte, man sah das sie in einem Buch las, dann wie sie die Straße entlang sah, und nun schaute sie auf den Kanaldeckel und man sah deutlich wie er sich hob, dann kam das Auto mit Alrune und Arwed, man hörte sein Hupen und der Deckel knallte runter. Man sah wie die beiden ausstiegen und wie der Deckel sich wieder etwas zusammen fügte und auf dem Gully lag. Sie merkten dass die Frau anscheinend mit Britta schimpfte und als die Polizei kam war der Film zu Ende.
„So ich möcht jetzt wissen wie sie das gemacht haben“, fragte Horst.
Britta lachte: „Deshalb entführen sie mich, um mir zu zeigen dass ich einen Zaubertrick vermasselt habe. Hören sie ich bin Hobbyzauberer, natürlich darf man solche Tricks nicht öffentlich ausprobieren, aber ich dachte dabei kann nichts passieren, und es sieht mich niemand.“
Horst sagte mit schneidender Stimme: „Das ist natürlich Blödsinn, der Deckel hat sich gehoben das konnte man sehen und die Zwei anderen haben den Deckel auch bewegt. Was soll denn das für ein Trick sein, verraten sie den mal.“
„ Sie haben ja nicht auf den Film was ich vorher gemacht habe, da habe ich ein Luftkissen darunter angebracht und es mit Fernsteuerung angehoben, als die Beiden kamen habe ich mich erschrocken den Deckel zu schnell ab gesenkt und er ging kaputt.“ Als Britta geendet hatte, bezog sie von Horst eine Ohrfeige mit den Worten das ist Blödsinn.
„Aua sie sind doch völlig bescheuert wie soll das denn passiert sein, Hokuspokus Fidibus.“
„Gleich versohle ich dich so lange bis Du mir sagst wie Du das gemacht hast, ich bin diese Spielchen jetzt leid.“
„Hören sie Horst, ich kann es nicht erklären weil ich es selber nicht weiß, das ist so passiert aber ich habe keine Ahnung wieso. Der Deckel lag schief auf dem Kanal und ich wollte das er grade liegt damit nichts passiert und da ist genau das geschehen was sie gesehen haben.“
Horst zog seinen Gürtel aus der Hose, sah Britta eiskalt an und sagte scharf: „Zum letzten mal wie hast Du das gemacht, was für eine Fähigkeit ist das, wenn dich der Deckel gestört hätte, wärst Du normaler Weise hingegangen hättest ihn angehoben und richtig aufgelegt, Du bist aber stehen geblieben, und die Beiden haben die teile auch bewegt ohne sich zu bücken, nun ich höre.“
Britta war verzweifelt, plötzlich erreichte sie der Gedanke Britta wo bist Du ist was passiert, sie dachte rasch was passiert war, als Horst wütend sagte. „Du willst mir nicht Antworten, dann gibt es Senge!“ Er zog Britta über den Tisch beugte sie darüber und begann sie mit den Gürtel zu verhauen. Britta schrie wie am Spieß, es tat auch höllisch weh, der Kerl prügelte wie verrückt auf sie ein.
Endlich hörte er auf, und stellte sie vor sich.
„ So Britta Carlson ich halte was ich verspreche, ich werde dich jetzt im Abstand von 5 Minuten so lange verprügeln bis Du mir sagst wie Du das gemacht hast, und wieso Du so was kannst. Ich schaue auf die Uhr ab jetzt fünf Minuten.
Zu Britta Beruhigung hörte sie Plötzlich deutlich den Gedanken von Alrune: „Liebes weißt Du in etwa wo Du bist?“ Sie dachte an alles was sie beim Aussteigen bemerkt hat, und auch daran das hier drei Männer waren, sie beschrieb auch den weißen VW-Bus. Alrune meinte in spätesten fünf Minuten sind wir bei Dir, halte aus, sag ruhig dass Du Telekinese kannst das macht nichts.
Horst sagte auch gerade wieder, „die fünf Minuten sind herum, nun wie ist deine Antwort?“
Britta antwortete ruhig: „Ich kann Telekinese, aber ich weiß nicht warum, oder wieso ich das kann, das kann sonst niemand in meiner Familie, außer meinem Bruder und meiner Mutter auf dem Film.“
„So warum nicht gleich so, dann zeig mal was Du so kannst, und heb den Stuhl mal an, Dieter nimm deinen Hintern da runter“
„Dazu müssen sie meine Hände losmachen mit den Dingern geht das nicht.“ Nun Klaus nahm ihr die Handschellen ab. Nachdem Horst meinte: „Hier wird sie wohl kaum versuchen abzuhauen“
Nun Britta versuchte sich mal an den Stuhl, aber sie war viel zu fertig um sich darauf zu konzentrieren. Nach einer Weile meinte Horst wieder: „Ich habe den Gürtel noch griffbereit, wird es bald?“
Britta sagte nun zornig: „Erstens habe ich darin keine Übung und das dauert sehr lange bis man so was kann.“
Britta dachte nicht an den Stuhl, sie stellte sich nur vor der Gürtel würde zerreißen, sie stellte es sich ganz genau vor, und auf einmal machte es hinter Horst einen lauten Knall und sein Gürtel war in zwei Teile zerrissen. Nun Klaus und Dieter grinsten, aber Horst fand es nicht komisch er wollte nach einem der beiden Enden greifen als er fluchend seine Hand wegzog, die Lederstücke waren ziemlich heiß, als er Britta Ohrfeigen wollte, bückte sie sich aber dies mal. Im selben Moment wurde die Tür aufgerissen, Are, Arwed und Touk kamen herein gestürmt und ehe die Männer irgendwie reagieren konnten waren die drei Mendaner mit ihnen nach M114 teleportiert.


Eingetragen am: 01.09.2008 von Inge K.
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17123

Emily wußte nicht weiter. Sie hatte in den letzten Wochen so vieles herausgefunden, erkannt, gesehen, gehört, dass sie ihr ganzes Wissen einfach nicht mehr für sich behalten konnte. Aber wie sollte sie es Jan sagen? Er war so überzeugt von der Sache. Er fühlte sich wohl. Jedes Mal, wenn Emily begann, ein wenig Kritik zu üben, kam Jan in diesen ewig langen Redefluß. Er sagte ihr, dass sie sich richtig entschieden hatten und das viele Gerüchte nur quatsch seien. Er sagte ihr immer, dass sie sich keine Sorgen machen müsste. Doch wie konnte er sowas von ihr verlangen? Jetzt wo Sophie verschwunden war? Emily erinnerte sich an die Worte ihres Nachbarn. "Manchmal nehmen sie Leute fest, die nur zufällig die Strasse passiert hatten, in der der Aufstand verübt wurde." Was, wenn ihre Tochter ebenfalls einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort war? Was ist, wenn sie mit falschen Leuten irgendwo saß, und ein falsches Wort gefallen war? Was ist, wenn sie verschleppt wurde? Emily saß im Wohnzimmer auf der Couch, und wartete, bis Jan nachhause kam. Es war schon spät, knapp 21h. Sie hörte die Schlüssel an der Tür und bekam Herzklopfen. Nun war es soweit. Sie würde Jan drauf ansprechen, ohne sich abwimmeln zu lassen. Jan kam auf sie zu und beugte sich zu ihr, um ihr einen zärtlichen Kuß auf die Wange zu geben. Sie spürte ihr Herz so sehr, dass sie das Gefühl hatte, ihr ganzer Körper würde sich im Takt mitbewegen. Jan sah sie an. "Wie geht es dir, mein Schatz? Du siehst nervös aus.Konntest du den Tag gut überstehen?" "Ich möchte mit dir reden." Jan ging zurück in den Flur und hing seinen Mantel auf. Dann zog er seine Schuhe aus. Emily konnte nicht mehr still sitzen. Sie stand auf, ging in die Küche. "Möchtest du auch ein Glas Wasser, Jan?" Da stand er schon hinter ihr, küsste sie auf die Schulter und sagte "gern. Weißt du eigentlich, wie froh ich bin, dass ich dich habe?" Emily dachte sich, ob das nun wieder eine Taktik von Jan war, um sie davon abzuhalten, erneut ihren Unmut zu äußern. Aber diesmal musste sie es ihm einfach sagen. Und sie redete sich ein, wenn sie es ihm heute nicht sagte, dann müsse sie ihn verlassen. Sie konnte nicht mehr neben ihm einschlafen, ohne mit ihm darüber zu reden. Sophie war ihr Leben, ihr Sonnenschein. Sie war nun schon fast 2 Monate verschwunden. Jan war wirklich sehr fürsorglich. Ihm fiel es ebenfalls schwer, den Tag rumzukriegen. Er nahm in der ersten Zeit Beruhigungstabletten. Doch nach einer Woche setzte er sie ab. Er meinte, dass er unter diesen Umständen nicht arbeiten konnte. Er war immer für Emily da. Er rief 5 Mal am Tag von der Arbeit aus an. Emily drehte sich um, und sah im tief in die Augen. Sie hielt ihr Glas Wasser in der Hand. Jan griff um sie herum und nahm sein Glas. Dann ging er aus der Küche raus ins Wohnzimmer. Er schien zu spüren, dass es nun ernst wurde. Emily ging ihm nach und setzte sich neben ihn auf die Couch. Sie zog die Beine an und lehnte sich an ihn. "Ich kann es nicht länger für mich behalten, Jan. Ich muss einfach darüber reden. Und wenn nicht mit dir, mit wem dann? Die letzten Tage waren die Hölle für mich. Weisst du eigentlich, was ich die ganzen Wochen hier gemacht habe?" Jan schaute zu ihr herunter. Er sah vewundert aus. Ausserdem wirkte er nervös, als ob er wüßte, was Emily ihm sagen möchte. Aber das konnte er nicht wissen. Emily war selbst verwirrt. "Ich habe mich umgehört. Ich habe einiges herausgefunden. Und ich möchte dir davon erzählen. Wir haben uns geirrt. Wir haben einen falschen Traum gelebt. Es ist schrecklich. Weisst du, was sie mit den Gefangenen machen? Weisst du, welche Menschen sie einsperren?" Jan war still. Er blickte nach unten, dann wieder in Emilys Augen. "Schatz, ich weiss nicht, was du mir sagen willst, aber wir haben momentan eine schwere Zeit. Sophie ist verschwunden, und unsere Gedanken sind nicht klar. Auch bei mir auf der Arbeit machen sich einige Gerüchte breit. Aber das sind Leute, die das System schlecht reden wollen. Vielleicht sind es solche, die nicht genug bekommen. Die unzufrieden sind.Aber wir ..." Emily setzte sich auf. Blickte ihn mit einem durchdringenden Blick an. "Nein, Jan! Nein! Es sind nicht nur Gerüchte. Es sind Tatsachen! Ich habe es gesehen. Mit eigenen Augen. Ich mache mir so unheimliche Sorgen um Sophie. Ich habe mit Nachbarn gesprochen. Ich war spazieren.Jan, es ist nicht so, wie wir dachten. Die belügen uns. Sie sind grausam. Wenn sie Sophie haben, dann gnade ihnen Gott." Jan saß ganz still und gerade auf der Couch. Seine Augen waren weit aufgerissen. Er sagte nichts. Er saß einfach da, und sagte nichts.


Eingetragen am: 17.08.2008 von Manfred Mann
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"Hallo, Mariska. Ich bin's, Klara. Wie geht es dir?" Die Frage kam halbherzig heraus, doch Klara wollte ihrer Stiefmutter keinen Grund liefern, sich bei ihrem Vater über den fehlenden Anstand seiner ältesten Tochter zu beklagen.
"Klara." Mit so viel Hohn hat noch nie jemand ihren Namen ausgesprochen. "Was verschafft uns denn die Ehre?"
"Ich möchte mit meinem Vater sprechen."
"Brauchst du Geld?"
Das war typisch. Sie nahm sich aber vor, sich nicht über die Frage zu ärgern. Sie hatte vielleicht vor 20 Jahren das letzte Mal angerufen. Und vielleicht war es wegen Geld.
"Nein, meiner Firma geht es bestens, Mariska. Ich habe meinem Vater etwas zu sagen."
"Er ist nicht da."
"Wann kommt er wieder?"
"Das weiss ich nicht."
Klara merkte, wie ihre Geduld dahinschwand. Sie musste ihre Taktik ändern.
"Kommt er heute wieder?"
"Ne."
"Morgen?"
"Ne." Diesmal etwas vehementer.
"Hat er dich verlassen?"
Das war gemein und schien ihrer Stiefmutter die Sprache verschlagen zu haben, aber Klara hatte keine Lust auf Spielchen.
"Also komm, Mariska. Rück einfach raus mit der Sprache. Wo ist er?"
Nichts am anderen Ende der Leitung. Sie glaubte kurz, ihre Stiefmutter durchs Telefon weinen zu hören. Doch emotionale Erpressung wirkte vielleicht bei ihrem Vater, aber bei ihr nicht.
"Mariska, hör jetzt zu. Es tut mir leid, dass ich mich zu dieser Bemerkung habe hinreissen lassen. Du provozierst das auch ein bißchen, merkst du das nicht? Ich möchte einfach nur meinen Vater sprechen und ich verstehe nicht, weshalb ich mich vorher auf einen Zweikampf mit dir einlassen muss. So einfach ist das."
"Du warst schon immer so gemein zu mir. Einfach nur meinen Vater sprechen", äffte sie nach. "Weshalb hast du mich nie einfach nur akzeptiert? Einfach nur akzeptiert?"
So kamen sie nicht weiter. Klara hatte sich zwar innerlich darauf vorbereitet, dass sie unter Umständen nur via ihrer Stiefmutter an ihren Vater kam. Aber dass Mariska - oder Maria, wie ihre Stiefmutter wirklich hieß - Vergangenheitsbewältigung am Telefon einfordern würde, überstieg ihre Vorstellung. Es gab nur eins. Schluß machen. "Ich hab gesagt, es tut mir leid, Maria. Richte meinem Vater aus, dass ich ihn zu erreichen versucht habe."
Sie knallte den Hörer auf und machte ihrem Ärger mit einem stimmhaften Stoßlaut Luft. Ihre Stiefmutter hatte kein Recht, ihr den Verbleib ihres Vaters vorzuenthalten. Sie war ein streitsüchtiges Miststück und einfach nur unmöglich.
Wenn Klara gewußt hätte, wo ihr Vater wirklich war, hätte sie die Reaktion ihrer Stiefmutter mit Bestimmtheit anders interpretiert. Doch sie wußte es nicht, würde es aber bald erfahren.


Eingetragen am: 07.08.2008 von Sabrina Moriggl
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15879

"Warum hast du das getan! Warum musste sie streben?"
"Ach Angel, ich weiß ja das du sie mochtest, aber hey - du bist mein Bruder. Dein Platz ist an meiner Seite, wir beide, zusammen. Ich gebe zu, sie war schon süß, aber auch lästig."
"wie kannst du nur so etwas sagen? Redest von Bruderschaft und Pläne für die Zukunft. Sie ist tot."
"ach herrgott, nun stell dich nicht so an. Es gibt noch andere hübsche Mädchen mit denen du Spass haben kannst."
"Spass. Ist es das was dich interessiert. Spass?"
"Was denn noch? Etwa, die Liebe?"
"Ich habe sie geliebt."
"Das taten viele, nicht nur du."
"Nein... ich habe sie wirklich geliebt, anders als du... und der Rest."
"Aber, sie... sie war deine Schwester."


Eingetragen am: 23.07.2008 von Thea Doris
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15128

Als Teddy zurückkehrte, erwartete ihn Oskar voller Neugier. Er lag, das verletzte Bein mit ein paar Holzlatten geschient, auf einem großen Sitzkissen und ließ sich von der hübschen Tochter des Hauses gerade einen Tee einschenken. Selbst im ärmlichen Haushalt dieses Reisbauern schien es kostbares Porzellan zu geben, das man extra für den Gast herausgesucht hatte. So kam es, dass Oskar seinen Tee aus einer hauchzarten wunderhübsch zierlich bemalten Tasse trinken konnte. „Und?“, fragte er. Teddy nickte, „Der Kaiser will uns helfen, allerdings erwartet er eine Gegenleistung.“
„Eine Gegenleistung? Wir haben doch kein Geld, was gibt es bei uns schon zu holen!“
„Wissen!“, widersprach Teddy. „Er verlangt als Gegenleistung dafür, dass wir unsere Maschine reparieren können, die Baupläne. Du sollst für ihn ein Flugzeug bauen.“
„Aber das geht nicht, ich habe die Pläne nicht hier, ich müsste sie ganz neu zeichnen. Außerdem…was will er mit einem Flugzeug anfangen?“, fragte Oskar.
„Ich fürchte, er will es für militärische Zwecke, als Prototyp einer Luftflotte!“
„Das können wir nicht tun!“ Oskar war entsetzt.
„Vielleicht müssen wir das auch gar nicht. Wir könnten ihm eine Maschine bauen, die nicht funktioniert.“
Oskar lachte freudlos. Im Brustton der Überzeugung sagte er: „Das ist sehr wahrscheinlich, dass die Maschine nicht funktioniert. Ich bin sicher, selbst wenn ich es hinbekäme, den Vogel nochmals zu konstruieren, steht noch gar nicht fest, ob er fliegen wird. Zu viele Einzelheiten müssen stimmen. Einen Einsatz im Kampf kann ich mir nicht vorstellen, wo es schon normalerweise schwer genug ist, zu fliegen.“
Teddy strich sich in einer nachdenklichen Geste über die Stirn und meinte dann: „Haben wir überhaupt eine Wahl? Wir sind auf die Gnade des Kaisers angewiesen. Er wird uns wohl kaum Hilfe leisten, bei der Reparatur der „Spirit“, wenn wir ihm seinen Wunsch nach einer Flugmaschine verweigern.“
Oskar schüttelte den Kopf: „Teddy, ist dir eigentlich klar, wie gefährlich es ist, den Kaiser zu verärgern?“ „Pah“, antwortete dieser, „und erst einmal die Kaiserinmutter Cixi!“
„Das nennt mal dann wohl ein klassisches Dilemma“, seufzte Oskar, „Wer sich zwischen zwei Mühlsteinen befindet, wird auf jeden Fall zermahlen werden.“

Kaiser Guangxu hatte inzwischen wieder einen neuen Brief an Kang Youwei geschrieben. Er sah einen Silberstreifen am Horizont. Die beiden langnasigen Flieger würden ihm eine fliegende Festung bauen, dann könnte er sich endlich aus dem Schatten der Kaiserinmutter Cixi lösen.


Eingetragen am: 20.07.2008 von Marie Stiehl
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14938

„Ich hab mir das auch alles ganz anders vorgestellt!“
„Mensch Elke versteh doch mal endlich, es gibt auch noch was anderes als arbeiten!“
„Du hast gut reden, ich würde auch gern mit Dir und dem Kleinen etwas unternehmen!
Was kann ich denn dafür?“ trotzig reckt Elke ihr Kinn nach vorne und blickt Rosario halb wütend und halb verzweifelt an. Ihr Blick ist ein einziges nehme mich in den Arm und alles ist wieder gut.
„Ich hab eine andere Kindheit erlebt! Glaube mir, meine Eltern waren immer für mich da.
Ich könnte vor Dir ausspucken, was bist Du für eine Mutter?“Rosario sah mich hasserfüllt an.
Er kann sich von einer auf die andere Sekunde in Rage reden.
Das war zuviel für Elke. Sie dreht sich um und geht.


Elke ist eine Person die viel in sich hinein frisst, aber wenn das Fass übergelaufen ist, dann kann es sein, dass sie explodiert.

Wie es zu dem Streit kam:
Elke hatte Rosario versprochen, nach einem durchgearbeiteten Wochenende, mit ihm und Marco
schwimmen zu gehen.
Da die Floristin, die an diesem Tag arbeiten sollte gekündigt hat, wird nichts aus dem Ausflug.
Elke möchte gerne etwas mit Rosario und Marco unternehmen, aber sie will das Geschäft nicht darunter leiden lassen. Sie will einfach zu perfekt sein.


Eingetragen am: 16.07.2008 von Petra
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14709

Hier waren sie wieder. Diese Zweifel. Seit Karin den Flug nach London gebucht hat, kommen sie immer wieder. Zuerst mehrmals täglich, inzwischen stündlich und noch mehr. Konnte sie ihrem Mann das antun? War es dieses Abenteuer wert? Was, wenn sie mit Jack eine schreckliche Zeit in London erleben würde? Was, wenn all ihre Träume und Fantasien nichts als Luftblasen waren, die zerbersten, sobald sie ihm gegenübersteht? Was, wenn Karl die Wahrheit erfährt, dass sie nicht nach London fliegt, um ihre Freundin Meike zu besuchen, sondern um ihre erste große Liebe nach 15 Jahren wiederzutreffen. Karin fürchtete, dass ihre Zweifel sie innerlich zerfressen würden. Noch sind es zwei Wochen bis zum Tag X. Sollte sie das ganze abblasen? Was würden ihre Kinder von ihr denken, wenn sie wüssten, was ihre Mutter so akribisch geplant hat. Eine Täuschung ihres Vaters, eine gemeine Hintergehung, nur um vielleicht ein paar Tage guten Sex zu haben. Dabei ging es nicht - nur - um den Sex. Karin wollte endlich wissen, ob es Jack wert war, dass sie ihn nach all dieser Zeit noch immer nicht vergessen hat. Verdränge die Zweifel, sprach sie sich selbst Mut zu. Du musst das jetzt machen. Damit hatte für den Augenblick ihr mutiges Ego gesiegt. In einer Stunde würde sie dies Konfrontation mit sich selbst wohl schon wieder durchstehen müssen.


Kommentar von Ginko Korn

Einem Eskimo angedichtete Weisheit lautet: Verleihe nie dein Gewehr oder deinen Schlitten! Sie könnten beschädigt werden. Deine Frau verleihe so oft wie möglich! Sie wird davon immer besser. Und Karin muss tun, was sie nicht lassen kann, aber dann die Klappe halten, wenn alles beim alten bleiben soll.

Eingetragen am: 18.07.2008

Eingetragen am: 14.07.2008 von Mara
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14568

"Und ich sag dir, der will dich nur als billige Arbeitskraft ausnutzen." Lars drückte die halbgerauchte Zigarette im Aschenbecher aus, dass sie zerkrümelte.
"Das siehst du völlig falsch," antwortete Katja leise. Sie strich dabei über das Sofakissen, das sie auf dem Schoß hielt, als müsse sie tausend Falten glätten. "Rolf liebt mich."
"Mutter, wie alt bist du?" Abrupt blieb er vor ihr stehen,
Sie vepoasste dem Kissen einen Hieb in die Mitte und legte es zurück in die Ecke. Wenigstens das Kissen sah ordentlich aus, auch wenn es zur Zeit in ihrem Leben keine große Ordnung gab. "Achtundfünzig. Was soll die blöde Frage. Denkst du, nur junge Menschen haben die Liebe für sich gepachtet?"
Lars hatte seine Wanderung durchs Wohnzimmer wieder aufgenommen. Er wirkte bekümmert. Fast tat es ihr leid, das sie ihre Stimme erhoben hatte. Er wollte doch nur ihr Bestes, davon war sie überzeugt. Aber hatte sie nach all den Jahren Aufopferung für ihre Lieben nicht auch das Recht, einmal an sich zu denken? "Sie zog laut hörbar die Luft durch die Nase ein, wie sie es immer tat, wenn ihr etwas nicht passte. "Ich will ihn nur besuchen und mir die Sache erst einmal ansehen", sagte sie
"Ja musst du deswegen gleich den Laden und das Haus verkaufen?" Lars vergrub die Hände in den Hosentaschen und starrte in den Garten.
"Hab ich doch gar nicht, ich überlege noch. Der Laden wirft in letzter Zeit nicht mehr viel ab. Die Leute holen ihre Schreibsachen lieber im Einkaufscenter und das Haus ist wie ein hungeriger Wolf, der den Hals nicht vollkriegt. Es frißt noch meine letzten Ersparnisse und außderdem ist es viel zu groß für mich allein."
"Du übertreibst, wie immer." Er stand mit dem Rücken zu ihr, den Kopf erhoben und blickte unverwandt in den Garten. "Und was ist mit uns?"
Katja lachte laut auf. "Sei nicht albern, du hast deine eigene Familie und für deine Schwester bin ich nur ein kostenloser Babysitter für ihren Sprößling. Ich mag Lukas sehr, aber er ist doch recht anstrengend." Das Gespräch verlief nicht so, wie sie es sich vorgestellt hatte und nahm eine Wendung, die ihr nicht behagte.
Lars setze sich neben sie auf das alte Ledersofa. Sie roch sein vertrautes Rasierwasser. Seit Jahren benutzte er die selbe Marke. Er haßte Veränderungen. Sie kratzten an seinem Selbstbewußtsein. Katja fiel ein, wie heftig er protessiert hatte, als er neue Möbel für sein Kinderzimmer bekommen sollte. Mit Engelszungen hatten sie damals auf ihn einreden müssen, er sei doch nun ein großer Junge und für die Schule bräuchte er nun einmal einen Schreibtisch. Es dauerte Ewigkeiten, bis er das neue Zimmer akzeptierte, das bis auf den heutigen Tag keine weiteren Veränderungen mehr erfahren hatte.
"Ich will dich nur vor einer Riesendummheit bewahren", sagte er und nahm ihre Hand in seine Hände. "Sie mal, wenn du das Haus verkaufst und es geht nicht gut mit Rolf, wo willst du dann hin?"
"Dann zieh ich eben zu euch",anwortete sie prompt. Lars zuckt unmerklich zusammen, doch diese kleine Bewegung war ihr nicht entgangen.
"Du meinst, es würde dir gefallen, bei uns zu wohnen?"
"Keine Sorge, ich hab nur Spaß gemacht. Aber warum soll es schief gehen?" Sie blickte ihrem Sohn fest in die Augen, die die gleiche graugrüne Farbe hatten wie ihre. Er fuhr mit beiden Händen durch seine dunkelblonden Locken. Straßenköterblond nannte Katja es.
"Und was ist mit Tante Klärchen? Es ist doch auch ihr Zuhause. Wo soll sie hin, wenn du das Haus verkaufst? Sie hat schließlich genau so lange darinn gewohnt wie du."
"Aber mein Großvater hat es nun mal meinem Vater vermacht und seine Schwester wurde damals ausgezahlt". Katjas Einwand kam leise und nicht sehr bestimmt.
"Wenn du schon nicht an uns denkst, denk wenigstens an Klärchen." Er gab seiner Mutter einen flüchtigen Kuß auf die Stirn und ging.
Katja sah plötzlich aus wie ein kleines Mädchen, das bei einer Ungezogenheit erwischt worden war. Ihr wurde heiß und ihr Magen zog sich schmerzhaft zusammen. Wie so oft in ähnlichen Situationen stieg ein Schrei in ihr auf. Wieso ich? Wieso muss immer ich Rücksicht auf Andere nehmen? Und wie immer blieb dieser Schrei im Halse stecken. Statt dessen hörte sie die Stimme ihrer Mutter: "Wen Gott liebt, den prüft er. Und gegen Gottes Prüfungen lehnt man sich nicht auf." Oh ja, ihre Mutter. Sie war eine strenge und gottesfürchtige Frau. Dass hatte Katja schon früh am eigenen Leib zu spüren bekommen.


Eingetragen am: 13.07.2008 von Necke99
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Fortsetzung von Kapitel 24 - Beitrag 14501:

Endlich war meine Chance gekommen. Koste es mich was es wolle. Mein Herz schlug so fest gegen meinen Brustkorb, dass ich dachte es könnte mir aus dem Hals springen. Ruhig. Entspann Dich. Ich atmete mit geschlossenen Augen tief ein. Und wieder aus. Eine Minute nach der anderen lief ab bis mein Herz nur noch kleinlaut meiner Angst Ausdruck verlieh. Ich wartete noch einen Moment. Ich horchte, ob sich irgendetwas im Haus tat. Es war still. Mucksmäuschen still. Irgendwie schon fast unheimlich. Ich kramte in meiner Handtasche auf dem Stuhl. Wo hatte ich nur wieder meinen iPod hingesteckt? Ah, in der kleinen Innentasche. Ein bisschen Musik würde mich vielleicht auf andere Gedanken bringen. Ich stöpselte mir die Kopfhörer in die Ohren und schaltete meinen Laptop ein. Ein bisschen surfen im Internet, vielleicht bei Amazon, bringt mich vielleicht auf andere Gedanken. Bis ich online sein würde, könnte ich mir einen warmen Kakao machen. Süß und heiß sollte er sein. Ich stieg auf meine kleine Fußbank, denn meine alte Disneytasse stand im obersten Schrankfach. Ich streckte mich und zog nichts ahnend an der Tasse. Wie in Zeitlupe sah ich etwas fallen, war aber unfähig es noch aufzufangen. Trotz der Musik in meinen Ohren hörte ich den lauten zersplitternden Schlag auf den Küchen Fliesen. Was war denn das? Oh nein, es war die kleine hässliche Porzelanfigur, die ich von Peters Oma geschenkt bekommen hatte. Auch wenn sie äußerst geschmacklos war: Peter wäre traurig, dass ich so achtlos mit ihr umgegangen bin. Und nicht nur das. Noch schlimmer war, dass ich sie versteckt hatte, anstatt ihr in der Vitrine einen Ehrenplatz zu geben. Ich stieg von der Fußbank und sammelte schnell die Scherben auf. Wohin damit? Am Besten in die alte Teedose. Dort würde er sie nicht finden und ich könnte sie verstecken, bis ich jemanden gefunden hätte, der sie mir repariert. Gerade als ich den Deckel auf die Dose presste, spürte ich den Luftzug als die Tür aufging. Peter stand im Türrahmen. Verschlafen. Seine schwarzen Locken wie nach einem Tornado kreuz und quer in der Gegend herum.
„Kannst du auch nicht schlafen?“ fragte ich scheinheilig. „Oder hat Dich etwas geweckt?“
„Irgendetwas hat mich geweckt. Es klang so als ob irgendetwas zu Bruch ging. Und als ich mich im Bett umdrehte und nach dir tastete, warst du nicht da“ grummelte er. „Was machst du hier eigentlich? Warum schläfst Du nicht mehr?“
„Äh, ich weiß nicht. Vielleicht ist es die Aufregung vor dem Kochwettbewerb heute.“ Jetzt bloß nichts Falsches sagen. „Du meinst ein Geräusch wie zersplitterndes Glas? Mhm, so etwas habe ich nicht gehört. Aber was sollte das auch gewesen sein. Außer dir und mir ist niemand im Haus. Und mir ist nichts heruntergefallen.“ Meine Stimme tat mir den Gefallen und spielte das Theater mit. Ich griff nach meiner Tasse und stellte sie mit Nachdruck neben den Milchtopf.
„Oh. Dann werde ich das wahrscheinlich nur geträumt haben“, bemerkte er als ich Kakaopulver in die Tasse löffelte. Peter kam auf mich zu und wollte mich von hinten umarmen. Ich schüttelte ihn sanft ab, denn mein ganzer Körper war vor Stress so angespannt, dass es ihm nicht verborgen geblieben wäre.
„Was ist los mit Dir? Bist Du mir immer noch böse wegen unserer Diskussion von gestern Abend?“ Er griff nach meinem Handgelenk und drehte mich zu sich um. Ich blinzelte ihn an und meine Gedanken liefen Amok, auf der Suche nach einer passenden Ausrede.
„Peter, ich weiß es selbst nicht. Bitte frag mich nicht ständig. Es nervt mich tödlich.“
„Aber ich würde doch nur gerne wissen…“
„Ich weiß es doch selber nicht“, log ich ihm direkt ins Gesicht. Schnell wendete ich meinen Blick ab und drehte mich zu der kochenden Milch um. Eine Sekunde länger seinen Blick erwidern und er könnte in meinen Augen, wie in einem offenen Buch lesen. Schließlich liebte ich ihn und konnte weder Geheimnisse lange vor ihm verbergen noch ihn anlügen.
„Warte, lass mich deinen Kakao fertig machen. Nicht dass du dich verbrennst. Setz dich hin.“ Mit seiner Fürsorglichkeit packte er mich in den doch schon so bekannten Wattekokon. Womit hatte ich ihn nur verdient. Und er bekam dafür eine Menge Lügen.
„Susanne, ich weiß, dass du unter Stress stehst, weil Du für Monika einspringen musst. Es ist zu blöd, dass sie sich den Daumen gebrochen hat. Aber mal ehrlich: Es ist doch noch etwas anderes, was Dich belastet.“ Peter klang besorgt. „Willst du mich nicht endlich dir helfen lassen? Schließlich heißt es doch: „Wie in guten, so auch in schlechten Zeiten“ Also schließ mich doch nicht aus. Ich liebe dich doch.“ Er schaute mich an. Ich blieb stumm. Wie hätte ich ihm sagen sollen, dass ich einen Mord plante. Einfach mal so zwischen zwei Küssen? „Du Schatz, übrigens plane ich einen Mord an einem richtig miesen Menschen. Und mach dir keine Gedanken, er hat es wirklich verdient“. Ich hörte ein seltsames Geräusch und zuckte auf meinem Stuhl zusammen. Peter hat mit den Fingern vor meinen Augen geschnippt. „Hörst du mir überhaupt zu. Seit mehreren Sekunden habe ich deinen Namen gesagt.“
„Tut mir leid. Ich habe nachgedacht. Schließlich willst du doch, dass ich Dir sage, was mich bedrückt. Und tu das nie wieder. Du weißt, dass ich das überhaupt nicht leiden kann“ fauchte ich ihn an.
„Nachgedacht? Worüber?“
„Also ich glaub’s nicht. Ich habe dir jetzt schon mehrmals gesagt, dass ich selbst nicht weiß, was seit ein paar Tagen mein Problem ist. Und dann gehe ich in mich, so wie du es immer gerne von mir willst, und dann ist das auf einmal auch nicht richtig. Was ist nun, soll ich meine Probleme aufspüren, oder nicht?“ Das war äußerst unfair, aber Angriff ist die beste Verteidigung.
„Was?“ Mein plötzlicher Ausbruch überraschte ihn. „Hör zu, Susanne. Du musst nicht mit mir reden, wenn du es nicht willst. Ich habe nur das Gefühl, dass Du Dich in etwas verrennst oder vielleicht in Deinen alten Schuldgefühlen versinkst.“
Ich schaute ihn erstaunt an. „Wie kommst Du darauf?“
„Ich habe gestern gehört, wie Du mit Monika geredet hast. Ich habe nur Gesprächsfetzen mitbekommen. Aber eins weiß ich sicher: Es ging um den Unfall vor 21 Jahre. Ich will Dir doch nur helfen bevor es zu spät ist und Du wieder eine Therapie brauchst.“
Bin ich jetzt in Schwierigkeiten? Wie viel hat er gehört? Ich brachte mein ganzes schauspielerisches Talent auf und schaute ihn unschuldiger an, als die Jungfrau Maria es hätte je tun können. „Wie bitte? Von was sprichst Du gerade? Ich habe nicht zugehört.“
Er schüttelte den Kopf, seufzte und setzte sich mit traurigem Blick mir gegenüber. Mein Kakao dampfte und verströmte einen süßlichen, einladenden Duft in der Küche. Aber mir war der Appetit vergangen.
„Weißt du Peter, vielleicht habe ich einfach nur einen Burn-out. In der Arbeit spitzt sich alles immer mehr zu. Mein Chef hat gerade eine Midlife-Crisis. Und Barbara ruht sich auf ihrem Schwangerenbonus aus.“ Genau. Super Idee ihn auf diese Schiene zu längen. Schließlich war das genau sein Fachgebiet. „Wenn wir deinen Wettbewerb hinter uns gebracht haben, nehme ich ein paar Tage frei und wir fahren mal wieder in die Berge. Nur Du und ich. Was meinst Du dazu?“ Ich setzte einen flehenden Blick auf und zog seine Hand an meinen Mund.
Ich sah, dass er hin und her gerissen war. Seine Gedanken waren klar und deutlich auf seinem Gesicht abzulesen. Er wollte mir glauben, aber er konnte seine Skepsis nicht ganz besiegen. Schließlich gab er sich einen Ruck und nahm mich in den Arm. „Suse, liebste Suse, ich werde dir glauben. Aber bitte vergiss nicht, egal was kommt ich bin für Dich da. Du kannst immer auf mich zählen.“
„Das weiß ich. Jetzt geh wieder ins Bett. In gut zwei Stunden klingelt der Wecker.“ „Kommst Du nicht mit?“
„Nein, ich werde noch einmal das Menü durchgehen.“ An Schlaf konnte ich jetzt nicht denken. Ich musste meinen Plan noch einmal von A bis Z durchgehen. Es musste alles wie am Schnürchen klappen, sonst wäre es am Ende nur ein Mordversuch.


Fortsetzung in Kapitel 27


Eingetragen am: 10.07.2008 von Kerstin
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Ganz leise Orgelklänge und Geraune. Auf der Empore formiert sich der Chor. Es ist schön hier, kühl, warum bin ich nicht schon früher hergekommen? Von hier oben sehe ich alle, auf mich achtet niemand, ich habe mich nicht umsonst um unauffällige und geschmacklose Kleidung bemüht. Auf den geschlossenen Lidern meines Großvaters spiegeln sich die hellen Farben des Kirchenfensters, er wiegt sich hin und her. Wir haben ihm erzählt, dass er im Himmel sei und er sich benehmen soll. Das hat geholfen, fragt sich, wie lange. Das Portal ist offen und es riecht nach Regen. Naja, nicht nur. Auch nach hundert Jahren Gebet und Sorgen und Hoffnung.
Dass ich in einer Kapelle sitze! Ich tue das nur für Gaga und würde es für niemand anderen tun. Meine Tante kann das alles nicht mehr aufschreiben und hat mir einen Auftrag erteilt. Mir ist angst und bange. Ich bin froh, wenn ich meinen Kleiderschrank geordnet bekomme. Und jetzt das! Aufschreiben. Alles. Nacheinander! Ich!

Ich fange am besten mit jetzt an. „Fang immer mit jetzt an“, hatte Gaga gesagt. „Fang nicht an bei Pontius und Pilatus, wer will das lesen? Das können alte Männer besser als wir Mädchen! Siehe Matthäus!!“ Dann hatte sie gelacht. Gaga hat immer gelacht. Auch wenn es nichts zum Lachen gab. Auch auf anderer Leute Kosten, diesmal also auf Kosten vom Evangelisten. Auch wenn das Lachen im Hals steckte, sie bekam es da raus.

Miguel heult, ich sehe das von hier genau. Er sitzt klein und aufrecht in der ersten Reihe und zieht die Nase hoch. Ich sitze auf einem kleinen Schemel neben dem Altar, weil ich etwas vorlesen soll. Was ich nicht tun werde. Das heißt, natürlich werde ich vorlesen, nur nicht das, was wir mit dem Pfarrer abgesprochen haben. Sondern das, was Gaga mir aufgetragen hat. „Und lies laut“, hatte sie gesagt. „Schone nicht die Stimme, wieso auch, wir haben nur 77 Jahre im Schnitt, kein Grund Stimme zu sparen, ist genug davon da!“
Ich schweife wieder ab, das müssen die Gene sein. Bin ich die Richtige, um dies alles zu dokumentieren? Das hat sie sich fein ausgedacht. Ich kann das nicht. Wenn das jetzt schon losgeht mit den Nebenschauplätzen und Rückblenden und Abschweifen? Ich kann nicht mal spülen, ohne zwischendurch was anderes zu tun, ich bin wie sie. „Unsereiner ist nicht gemacht für Kontinuität, unser Gehirn ist ein Sieb, ein silbernes zwar, aber mit großen Löchern. Aber egal. Schreib alles auf! Du kannst das, Marie, du kannst das!“ Jetzt hab ich den Salat! Einen Wortsalat. Einen Satzsalat. Wo soll ich bloß anfangen? Ich habe einen Koffer voller Briefe, 14 Kassetten, zu denen es kein Gerät mehr gibt, Tagebücher von 1979 bis letzte Woche. Leider immer nur bis März ausgefüllt, dann hatte sie wohl wieder eine andere Idee. „Unsereiner kann nichts durchziehen“, „unsereiner geht sich selber auf den Geist!“. UNSEREINER! Wenn ich gewusst hätte, auf was ich mich einlasse!

Also jetzt. Die Kirche ist voll. Alle sind gekommen, na ja, fast alle, und die Abwesenden kann man verstehen, ganz ehrlich. Auf dem Mittelgang liegen Rosen in allen Farben. Passen überhaupt nicht zusammen, so hat Gaga sich das vorgestellt. Miguel weint immer lauter, er ist sentimental. „Liegt nicht nur am Alter“, hatte Gaga gesagt, „er weint immer. Andere Kultur!“ Jetzt fängt die Orgel an, oder nein, der Organist übt nur. Sie hat ihn sich gewünscht, also habe ich ihn bestellt. „Jakob soll spielen“, hat sie gesagt, „Ansonsten könnt ihr euch die Veranstaltung an den Hut schmieren! Jakob, sonst keiner! Jakob kann alles, der macht das schon.“ Jakob kann vielleicht
alles, aber Orgel spielen gehört nicht dazu. Ergeht jetzt bis zum Äußersten, so war das nicht geplant.
„Dreh dem mal einer den Saft ab?“ ruft Fritz. Ein bisschen zu hart für den Anlass, aber so ist er. Er sitzt mit vorne. Erste Reihe, Rose im Knopfloch, gewienerte Glatze. Er starrt nach vorne. So ganz geheuer ist ihm das nicht. Bald ist er selbst dran. Zwischen Miguel und ihm ist eine Wand, hoch wie ein Haus. Wenn die wüssten! Gaga hat einen Friedensgruß in die Lithurgie eingebaut. Dann müssen sie sich die Hand reichen. Und Mama muss Großvater die Hand reichen und so weiter. Ich hör Gaga noch lachen! Tagelang hatte sie an der Sitzordnung gefeilt, bis sie stimmte.

Fritz sitzt so aufrecht wie Miguel krumm. Neben ihm kauert Christine. Sie lächelt. Für sie ist es ein Freudentag, aber dass sie es sich so anmerken lässt. Sie trägt ein cremefarbenes Hemd, eine beige Stoffhose und ein braun-beiges Tuch. Ein einziges Beige, die Frau. Beige Gesichtsfarbe, beige Schuhe, beige Gesinnung, beige Ausstrahlung. Fritz sieht sie nicht an. Schwierig, so zwischen Christine und Miguel zu sitzen. Da bleibt ihm nur der Blick nach vorne, zum Altar. Was er da sieht, gefällt ihm nicht. Durch mich sieht er gottlob sowieso hindurch. Christine lächelt immer noch beige vor sich hin. Mein Gott, sie sieht so dermaßen bescheuert aus! Neben ihr sitzt Karl, breitbeinig, vierschrötig, anbetungswürdig. Er unterhält sich mit Max. Max sieht mich nicht mal an, er tut einfach so, als sei nichts passiert. Auch gut.



Jetzt sind auch die hinteren Plätze besetzt. Manche recken die Hälse, andere unterhalten sich leise. Alle sind da. Fast. Die Hauptperson fehlt. Die, ohne die wir alle nicht hier säßen. Die, durch die wir miteinander verbunden sind, ob wir wollen oder nicht. Einmal habe ich im Fernsehen eine Fallschirmspringerformation gesehen. Sie hielten sich an den Händen und schwebten der Erde entgegen. Einer gab die Kommandos, deshalb klappte das. Wenn der Kommandogeber in Ohnmacht gefallen oder nicht abgesprungen oder gestorben wäre – dann wären die anderen auseinandergedriftet. So sind wir auch. Wir werden nun auseinander driften und alle woanders landen, alles wird unordentlich sein, mich wird es hoffentlich weit weit fort treiben. Ich hoffe, dass ich weder im Wasser noch auf einem Baum landen würde. Aber wo wollte ich eigentlich hin? Es kommt mir vor, als ob ich das ebenso wenig aussuchen könnte wie ein abdriftender Fallschirmspringer, der sich auf: Nicht-Baum-Nicht-Wasser-Nicht... konzentriert. „So bist du, Marie! Weißt nur, wo du nicht hinwillst!“ Gagas Stimme klingt mir im Ohr, lauter als alle Jakobs dieser Welt. Der spielt den Schlussakkord. Ich werde das also vorlesen. Das, was Gaga will. Miguel wird vor Schreck aufhören zu weinen. Und die anderen... Mir ist nicht schlecht, wie Sie vielleicht annehmen. Ich freue mich drauf.


Kommentar von Metta Maiwald

Hallo Kerstin - mit der Kontaktaufnahme, das funktioniert so, wie Du es bei mir gemacht hast: Nach dem Autorennamen suchen und einen Kommtentar einstellen. Da ihr ja vielleicht nicht die ganze Verabredung öffentlich treffen wollt (obwohl Ihr dann ja auch einen Hinweis auf die Pinnwand stellen könnt), legst Du Dir am besten eine zweite E-Mail-Adresse zu, damit Du Deine normale nicht zu veröffentlichen brauchst, und bittest Conny und Dani, Dir zu schreiben. Bei web.de (https://www2.produkte.web.de/freemail/?mc=hp@fm.produkte@freemail) ist das total einfach und in fünf Minuten erledigt. Um das Treffen kümmern sich hauptsächlich malea23@web.de und velarani@web.de. Falls Du mir mal schreiben willst: Metta_Maiwald@web.de. Übrigens kommt M.P. aus Krefeld - ist das nicht auch Eure Ecke? LG Metta

Eingetragen am: 08.10.2008

Kommentar von Metta Maiwald

Hallo Kerstin, hast Du Dich wegen einer Fahrgemeinschaft zur Buchmesse schon mit C. Faulenbach und Dani in Verbindung gesetzt? Hatte gesehen, dass die auch aus der Kölner Gegend kommen. / Jetzt habe ich auch noch mal Zeit, mich Deinem Text zu widmen. Ich bin absoluter Gaga-Fan, diese kleine, eigensinnige, verschmitzte, weitblickende Person! Erinnert mich ein wenig an meine Großtante, die letztes Jahr gestorben ist. Ihr Auftrag: Eine Rede ihrer Freundin, "aber höchstens fünf Minuten, denn es wird nirgends so viel gelogen, wie auf Hochzeiten und Beerdigungen." Stattdessen mussten wir eine halbe Stunde lang klassische Musik hören! Klasse, wie Großvater ruhiggestellt wird! Die Personencharakterisierungen sind Dir hervorragend gelungen (beiges Lächeln!) und die Konflikte innerhalb der Familie treten zu Tage. Bin sehr gespannt, was Marie vorlesen wird. Hoffentlich erfahre ich es noch! LG Metta

Eingetragen am: 07.10.2008

Kommentar von Metta Maiwald

Hallo Kerstin, bist Du - zumindest heimlich - noch dabei? Kommst Du auch zum Treffen am 18.10. auf der Frankfurter Buchmesse (s. Pinnwand im Startseitenmenü links)? Würde mich freuen! LG Metta

Eingetragen am: 27.09.2008

Kommentar von Velarani

Hallo Kerstin! Anscheinend bist du hier ausgestiegen, wie schade! Du weisst ja, dass ich dich sehr schätze und viel von deinen Texten profitiert habe. Es wäre sehr schön, wenn du dich mal wieder meldest - vielleicht unter Velarani@web.de? LG Velarani

Eingetragen am: 02.09.2008

Kommentar von Malea

Liebe Kerstin! Habe noch ein bisschen in den im Urlaub versäumten Kapiteln gestöbert und bin natürlich mal wieder bei deinem Text hängen geblieben. Du arbeitest jetzt auch an der Gaga-Geschichte weiter? Soll mir recht sein, denn ich bin ein großer Fan deiner Texte :-) Die fehlende Logik, das Abschweifen, selbst die grammatikalischen Fehler, es passt herrlich zum Inhalt. Und natürlich will ich wissen, was sich Gaga Schönes ausgedacht hat. Ach ja, geschmacklose Kleidung vermutlich, um zum Rest der Bagage zu passen, stimmt`s? Liebe Grüße, Malea.

Eingetragen am: 15.07.2008

Kommentar von Ginko Korn

Wo ist das Problem? Tja, die Tonbänder die nicht mehr abgehört werden können. Aufschreiben klappt immer. Unsere Dateien sollten rechtzeitig ausgedruckt werden und in Tontöpfe nach Qumran verfrachtet. Der Orgelübende ist gefesselt worden, alle sind da und Marie freut sich aufs Vorlesen. Warum hat sie geschmacklose Kleidung gewählt? Unauffällig hätte schon gereicht. Was wird die Familienbande zu hören kriegen? Das möchte ich wissen.

Eingetragen am: 11.07.2008

Kommentar von Velarani

Wie schön, von dir zu hören! Das hier ist wohl der Anfang deines "Gaga"-Romans - ein wunderbarer Anfang, der einige Personen kurz vorstellt und charakterisiert und neugierig auf die Geschichte macht, zunächst natürlich vor allem auf das, was Marie da wohl vorlesen wird! Einige kleine Anmerkungen: ich kenne "das könnt ihr euch in die Haare schmieren", mit dem Hut geht's aber vielleicht auch. Wie kann Max sie nicht mal ansehen, wenn sie auf der Empore sitzt? Das Fallschirmspringer-Bild gefällt mir sehr, ich meine nur, es müsste heißen: "ich hoffe nur,dass ich .. landen werde" und "wo will ich ..". Hoffentlich geht's weiter! LG Velarani

Eingetragen am: 11.07.2008

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