(Foto: Christian Rohr)
„Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie es war, eine Schriftstellerin zu sein, die noch nichts veröffentlicht hat: Man beißt sich mehr schlecht als recht durch und kommt mit Leuten in Kontakt, die ausgesprochen abweisend sein können. Und obwohl ich nun Teil dieser Branche bin, die sich manchmal Neulingen gegenüber wie eine uneinnehmbare Festung präsentiert, stehe ich instinktiv eher auf der Seite derer, die versuchen, die Mauern zu erklimmen."

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Kapitel 31 mit Übungsaufgabe

31.07.2008© 2008 Autorenhaus Verlag GmbH, Berlin
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Leserbeiträge

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Eingetragen am: 31.12.2008 von Bullerdiek
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21447

RieJ Kap 31, Übung 16: Das Gewitter

Das Wartehäuschen hatte Hans schon lange gesehen. Und sich gefreut, dass er nun endlich Schutz finden würde vor diesem endlosen Regen, der unvermindert heftig niederprasselte, und dem Sturm, der ihn einmal kaum noch vorwärts kommen ließ, um sich gleich darauf zu drehen und ihn fast vom Rad zu schmeißen. Und der Weg schien nicht abzunehmen, das rettende Wartehäuschen – an der ersten Haltestelle des städtischen Busses - einfach nicht näher zu kommen, so sehr er auch in die Pedale trat und das animalische Bedürfnis nach Schutz und Ruhe ihn antrieb.
Aber nun endlich, als er sich, völlig erschöpft, endlich auf den schmalen Platz setzte, den sein Fahrrad ihm ließ, einige Augenblicke Atem geschöpft hatte, merkte er auch, unabwendbar, wie sehr er fror, wie seinen ganzen Körper eine eigenartige, bislang nie erlebte Mischung aus klammer nasser Kälte und warmer, aber nicht „wohliger“ Erschöpfung erfasst hatte.

Seit einigen Wochen machte er nun diese Radtouren, fast jeden Nachmittag. Planlos oder doch nach einem Plan, den er selbst erst noch kennen lernen musste ( vielleicht war er gerade
deshalb unterwegs?). Zu Hause hielt er es nur mit Mühe aus. Auf die Schulaufgaben allzu viel Mühe zu verlegen, machte wenig Sinn: Alle wussten sowieso, dass er sitzen bleiben würde. Und er selbst am meisten. Und seine Aufsätze wollte er dort nicht mehr zum Besten geben.
Dass er nicht mehr zum Training fuhr – nie mehr fahren würde, obgleich er sich offiziell noch nicht abgemeldet hatte – war selbstverständlich: „Charlie“ wollte er nie mehr begegnen. Ohne ihn aber war er dort wert- und schutzlos.
So war es fast zwangsläufig, dass er wegfuhr, wenn es irgend ging, ohne „richtiges“ Ziel, so weit, wie es irgend ging, dorthin, wo ihn niemand mehr kannte, wo überhaupt keine Menschen mehr waren, sondern nur noch Felder und mehr oder weniger dichter Wald und Tiere.
Besonders das beginnende Frühjahr war sehr schön gewesen mit seinem Licht, seinem Geruch, seiner Wärme und dem neu beginnenden Leben, das sich jeden Tag stärker bemerkbar machte. Zwei Gedichte waren dabei entstanden. Eines davon hatte ihm sogar länger gefallen.
Und so war er auch an diesem frühen Nachmittag hinausgefahren, obgleich die seit Tagen lastende Wärme, fast unerträglich geworden war, das Gewitter, mehrfach angekündigt, nun fast fühlbar geworden war und sich auch schon durch leichtes Hintergrundgrollen bemerkbar machte.
Als das Gewitter dann losging, war er weit draußen vor der Stadt, weit entfernt von der nächsten menschlichen Behausung, ohne realistische Aussicht, sich noch rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.
Und so kehrte er erst um, sogar noch in die Richtung, aus der der fast orkanartige Sturm nun in voller Stärke heranbrauste. Was dann auf ihn niederprasselte, der immer dichtere Regen, bald nicht mehr erfrischend, sondern sogar noch recht schmerzhafte dicke Hagelkörner, hatte Hans so noch niemals erlebt. An Radfahren war lange nicht zu denken gewesen. Er war froh, wenn er sein Rad mit äußerster Kraft, die überdies immer mehr nachließ, Richtung Stadt zurückschieben konnte – meistens mit einem Gefühl, dass er eigentlich gar nicht richtig vorwärts kam. Und einige Male blieb er richtiggehend stehen oder wurde sogar zurückgeworfen. Am Ende merkte er die Schmerzen, die ihm das Unwetter zufügte, kaum noch, nur noch die wachsende Körperschwäche und Müdigkeit. Irgendwie kam er aber doch vorwärts, und nach einiger Zeit, als Regen und Sturm nachgelassen hatten, konnte er sogar wieder mit dem Rad fahren. Und irgendwie tat die ungewohnte Anstrengung sogar gut.

Schließlich war er doch noch im Wartehäuschen angekommen, nach unendlicher Zeit. Hans dämmerte vor sich hin in einem unklaren Zustand zwischen Wachen und Schlafen. Der monotone Regen lullt ihn ein. An die klamme Kälte hatte er sich inzwischen gewöhnt; so dass er, müde wie er war, wieder von dem Plan abkam, sich mit dem Fahrrad zuzudecken.

Plötzlich schrickt Hans auf. Auf der gegenüberliegenden Straße hält der Bus. Es ist der Linienbus – der letzte, der am Abend aus der Stadt kommt. Eine Person springt heraus und eilt durch den Regen über die Straße auf das Wartehäuschen zu. Der Bus fährt wieder an. Die Person stoppt jäh, als sie erkannt, das Hans und sein Fahrrad das Wartehäuschen ganz angefüllt haben. Dann kommt sie aber doch, nur in einem dünnen Sommerkleid, wie Hans offensichtlich ohne Regenschutz. Es ist eine junge Frau, ein Mädchen. Es ist Helga ( eine Klassenkameradin, in die er seit längerem unglücklich verliebt ist, die ihm aber immerhin freundschaftlich-schwesterlich begegnet, seit er erfolgreich ein Geburtstagsgedicht in ihren Rucksack geschmuggelt hat).
Nach kurzem Zögern läuft Helga weiter Hans springt hektisch verwirrt auf, richtet das Fahrrad auf und schiebt es nach draußen in den Regen. Helga hilft ihm dabei, und sie berühren sich, was Hans noch mehr elektrisiert. Er ist hochgradig nervös und verwirrt, findet keine zusammenhängenden Worte. Aber Helga drückt ihn sanft auf die Bank zurück:
„Mensch, Du bist ja ganz kalt! Du holst Dir ja den Tod! Was hast Du denn bloß gemacht? Wo kommst Du denn her?“.
Helga kommt in dieser besonderen, in dieser „engen“ Situation schnell zurecht. Sie ist ganz beherrscht. Stockend und kurz berichtet er, wie er den Nachmittag verbracht hat und durch eigene Dummheit in dieses schlimme Gewitter geraten ist. (Und Hans flucht innerlich auf den „Schriftsteller“ in sich, der ihn jetzt im Stich lässt!)
Bald vergessen sie die besondere Situation, die sie hier zusammengebracht hat; auch den Regen draußen. Sie halten so weit Abstand voneinander, wie Helga offensichtlich will. Ihre anfängliche Umarmung hat sie schnell als eine kameradschaftliche deutlich gemacht und sich schnell wieder von Hans abgesetzt.
Bald kommt Helga auf Hans` Gedichte zu sprechen. ( Auf seine aussichtslose schulische Situation geht sie gar nicht ein.). Sie sagt, dass ihr die Gedichte, die sie bisher gehört und gelesen habe, gut gefielen und dass sie gerne noch mehr kennen lernen würde. Nach einigem Hin und Her gibt sie zu, auch selbst zu schreiben. Selbstverständlich interessiert sich Hans auch sehr für ihre Gedichte. Ohne größere Umstände lädt ihn Helga zu sich nach Hause ein: An einem der nächsten Nachmittage wollen sie sich gegenseitig ihre Gedichte vorlesen und Musik hören.
Jetzt verliert auch Hans seine Befangenheit. Er vergisst wo er mit wem zusammensitzt und spricht immer leidenschaftlicher – was Helga sichtlich überrascht – über Gedichte und Literatur, über seine Gedichte, seine poetischen und philosophischen Ideen. Hans merkt, dass er Helga mit seinem Wissen und Können imponiert. Sein großes Glück schmälert nur der Umstand ein wenig, dass er unsicher ist, wie weit er in dieser besonderen Situation gehen darf ( so nahe bei ihr, sie fühlend, riechend; beide frierend). Er fürchtet, dieses ganze Glück mit einem Male zu verspielen, wenn er zu aufdringlich würde, und hält sich zurück – mit einiger Mühe, die auch Helga bemerken wird.
Als der große Regen endlich ( und zu früh) so schwach geworden ist, dass er nicht länger als bequeme Ausrede für weiteres Verweilen herhalten kann, berührt ihre Hand kurz seine Schulter. Nach einigen Metern dreht sich Helga noch einmal um, lacht ihn an und winkt ihm zu. Dann ist sie in der Dunkelheit verschwunden – wie ein unwirklicher Traum.
Aber Hans ist glücklich wie niemals zuvor. Er kann das Wiedersehen kaum erwarten. Aber er bangt auch, dass alles schon bald wieder zu Ende sein wird. Was kann er ihr schon bieten?


Eingetragen am: 13.12.2008 von britta khokhar
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21198

Es ist kalt draussen. es schneit in flocken. Kristalle am fenster. Sehe trotz meiner wehmütigen stimmung einem kind beim Schneemann bauen zu und denke zurück an meine kindheit. Ein windhauch zieht vorbei.


Eingetragen am: 10.12.2008 von sjoukje
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21106

Als Lena am nächsten Morgen aus dem Fenster schaute, zogen graue Wolken am Himmel vorbei. Fahles Licht drang durch die Kuppel und als sie genauer hinsah, bemerkte sie die Regentropfen. „Es regnet, Miriam!“, rief sie betrübt. „Macht ja nichts. Wir werden ohnehin nicht nass.“ Miriam sah kurz auf aus ihrem Buch und las weiter. „Ja, du kennst es nicht anders, aber ich möchte gerne mal wieder den Regen auf meiner Haut spüren. Ich vermisse den Wind so sehr und die Hitze hier ist manchmal unerträglich.“ Miriam legte ihr Buch beiseite. „Du hast mal wieder Heimweh nach deinem Jahrtausend, nicht wahr?“ „Ja, habe ich. Vom Wetter merken wir meistens gar nichts. Ob es regnet oder nicht, die Temperatur hier drinnen ist immer gleich. Dafür sorgen die Regler der Solarenergieanlage. Wir kriegen die vier Jahreszeiten nur am Rande mit, indem wir nach oben schauen.“ „Du vergisst unsere Windmaschine, die im Herbst den Laub von den Bäumen bläst. Ist eine geniale Erfindung, findest du nicht? Die Kuppel um uns herum schützt uns gegen Luftangriffe und radioaktiven Regen und besteht aus einem Material, das nicht kaputt geht. Sobald es zerdrückt wird, springt es in die ursprüngliche Form zurück.“ „Woher stammt das Material und wer hat das alles hier gebaut?“, fragte Lena neugierig. „ Na ja, unsere Astronauten haben es vor langer Zeit von einem anderen Planeten mitgebracht und einige Wissenschaftler kamen auf die Idee es in dieser Form bauen zu lassen.“ Lena seufzte und strich sich eine Strähne aus ihrer Stirn. „Es ist alles perfekt und doch unnatürlich. Ich würde gerne in unserem verschneiten Garten um einen Schneemann herum tanzen oder mit meinen Brüdern durch unseren Wald Schlitten fahren. „Das kannst du hier vergessen. Aber ich werde meinen Roboter fragen, wie lange wir noch hier bleiben müssen, bis die Erde sich regeneriert hat.“ Miriam stand auf und rief nach Robbie, der prompt angewatschelt kam. „Ich will’s aber nicht wissen!“ Lena rannte raus und knallte die Türe zu.


Eingetragen am: 01.12.2008 von Jasmin
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20835

Es ist schon spät, als Sarah sich allein in einer Ecke des Sofas im Wohnzimmer bequem gemacht hat und in ihren Armen ein weiches Zierkissen hält. Sie sitzt im Dunkeln und sie hört nur den Wind draussen rauschen. Sie schaut durch das Fenster hinaus und schenkt ihre Aufmerksamkeit dem Vorboten eines Gewitters. Plötzlich ertönt ein lauter Knall direkt über dem Hausdach. Sarah zuckt erschrocken zusammen. Ein düsteres Donnergrollen folgt. Wie im Fernsehen schaut sie draussen einem bizzaren Blitz zu, der ein leuchtendes Muster am wolkenverhangenen Himmel malt. Einen Augenblick erhellt das Licht, das in Dunkelheit eingehüllte Wohnzimmer. Schwere grosse Regentropfen prasseln mit dem Wind gegen das Wohnzimmerfenster.
„Gut, dass ich im Trockenen bin,“ überlegt sich Sarah. „Wenn ich doch nur in meiner Mitte sein könnte, trotz den turbulenten Ereignissen, die ich momentan erlebe, so wie mein Wohnzimmer, das sich nicht vom Sommergewitter wütend und traurig machen lässt.“
Sarah nimmt das Bild von Lilly, das neben ihr auf dem Sofa liegt in ihre Hände, küsst es und hält es sich auf ihre Brust, dorthin wo sie für einen Moment, das erste Mal seit langer Zeit, ihre Mitte spürt.


Eingetragen am: 03.10.2008 von Yvonne
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18825

Die Sonne stand hoch am Himmel, als Melisa mit ihren beiden Geschwistern aus der Schule kam. Ihre Haare im Nacken kleben an ihr und auf ihrer Stirn bilden sich schweißperlen. Die Sonne ist beinahe unerträglich. Ihre Kehle ist völlig ausgetrocknet und auch die beiden kleinen haben mit dem Durst zu kämpfen.
"Wie lange müssen wir noch gehen? Ich hab soooo Durst!", jammerte Ben, ihr Bruder.
"Nicht mehr weit. Clara, kommst du?", Melisa sah sich nach ihrer Schwester um, die sich unter einen schattenspendenen Baum gesetzt hatte.
"Ich kann nicht mehr. Es ist so heiß...", sagte Clara.
"Wir sind gleich zu Hause.", meinte Melisa.
Clara stand wiederwillig auf.
Melisa konnte die beiden gut verstehen. Auch sie hatte durst und wollte schnellst möglich nach Hause.
"Guck mal, Ben, da vorne steht Mama!", rief Clara. Die beiden stürmten auf ihre Mutter zu und liefen dann ins Haus. Melisa lächelte. `Endlich zu Hause`dachte sie und lenkte ihre Schritte richtung Küche...


Eingetragen am: 02.10.2008 von Amanda
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18800

Nebel

Am Abend zieht vom Hafen her der Nebel auf. Langsam steigen die Schwaden vom Wasser her über das Land. Das Schloss, die Kutschen, Menschen uns Straßen verschwinden im Nebel. Bald kann man keine zwei Bäume weit sehen. Wie soll sie nun Olaf finden, in diesen weißen Die einzige Chance, Olaf zu finden, ist am Hafen entlang zu gehen und den Menschen zu folgen, die vor und hinter ihr aus dem Weiß sichtbar werden, und sie an ihrem Gang zu erkennen.
Bei Bekannten ist es klug, sich weiter in den Nebel zurückzuziehen. Sich in Häusertüren zu stellen und abzuwarten. Um diese Zeit sind hier wenige vom Schloss.
Vielleicht versteckt sich Olaf auch. Vielleicht verschwindet er, nicht nur im Nebel, auch aus ihrer Stadt, ihrem Land, ihrem Leben.
Ihr Wollumhang ist feucht und die Kälte kriecht die Arme hoch und macht sie steif.


Eingetragen am: 28.09.2008 von Anita Decker
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18554

Der Sessel ächzte, als Dora sich vorsichtig hinsetzte. Solche Flechtmöbel hatten sie früher auch schon gehabt. Man konnte ihnen nicht trauen.
Hier waren sie aber praktisch, weil Lilien sie zugleich als Terrassenmöbel verwenden konnte. Sie wusste sich ja zu helfen, davon zeugte auch die Rolle Toilettenpapier, die in der Küche anstelle des Küchenkrepps aufgehängt war. Das sah allerdings seltsam aus. Die Dachterrasse war aber wirklich schön. Lilien konnte sich hier ja wie im Urlaub fühlen. Wenn bloß die Sonne mal raus käme.
Aber der feine Nieselregen, der sie die letzten Tage so müde und trübsinnig gemacht hatte, ließ den Aufenthalt im Freien nicht zu.
Ihr machte das nicht so viel aus wie Herbert. Ihr Herbert war ein Sonnenanbeter. Stundenlang konnte er auf dem Balkon in der prallen Sonne sitzen, mit der Zeitung oder dem "Stern", und war zufrieden und brauchte nichts. Aber bei so einem Schmuddelwetter war er schlecht gelaunt. Und das war für sie anstrengend.
Und jetzt auch noch die Einladung bei Lilien. Sie konnte absagen, ihre Tochter wäre sauer gewesen. Die Lilien war immer anstrengend. Man musste sich genau überlegen was man sagte, sonst bekam sie es in den falschen Hals, ja und dann wurde sie richtig aggressiv!
Also nickte sie, als sie eine Tasse Kaffee angeboten bekam, obwohl sie eigentlich lieber ein Glas Sprudelwasser gehabt hätte, das hatte Lilien aber bestimmt nicht da. Aber das nützte alles nichts, Ihre Tochter war dann doch wieder gereizt, nur weil sie beim Anschauen der Fotos, die eine schlanke Blondine in einem teuren Restaurant am Strand zeigte, nicht in Begeisterung gefallen war, sondern unvorsichtigerweise gefragt hatte, ob sie sich so einen Kurzurlaub denn leisten könne, so kurz nach dem Umzug.
Es hatte auch nichts genutzt, dass sie ihr angeboten hatte mit ihr einkaufen zu gehen, damit sie sich einen Wäscheständer und ein paar andere Sachen aussuchen konnte, die sie ja dringend brauchte. Was hätte sie sich gefreut, wenn ihre Mutter ihr auch nur einmal eine winzige Kleinigkeit geschenkt hätte!


Eingetragen am: 26.09.2008 von Yezabel2000
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18400

Das Gewitter hatte sich angekündigt. Mit grauen Wolken, die ,von lilafarbenen Schlieren durchzogen, den Himmel verdunkelten. In der Luft lag so viel elektrische Sannung, als würden die Blitze daraus entstehen. Doch als der erste Blitz die dunkle Wolkenwand zerriss, der erste Donner das Tal erschütterte, meinte Lizzie den Zorn zu spüren, Zorn Gottes oder den Zorn der Natur, der sich in diesem gewaltigen Sturm entlud.


Eingetragen am: 06.09.2008 von Wolf
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17424

Bitte schreiben sie zu diesem Text ihre Meinung und auch ob er als Roman Anfang geeignet ist (MFG Wolf)

Die Hitze senkte sich, die Sonne stand senkrecht über dem verdörten Boden, es war unerträglich heiß. Die Luft roch nach trockenem Staub und verkohltem Holz, bei jedem Atemzug überkam einem das Gefühl als wäre einem die Lunge zu einer Trockenflaume verschrumpelt. Der Staub der durch das heranfahrende Auto aufgewirbelt wurde sammelte sich heimtückisch in den Augen, die sich bei jedem Augenklimpern anfühlten als ob feines Schmiergelpapir mit Tausenden von winzigen porösen Körnern auf der Netzhaut rieb.
Es war ein anthrazitfarbener Mercedes Geländewagen der sich auf der unbefestigten, unebenen Fahrbahn einen Weg bahnte.
Der Sand spritzte wie Wasser von den Reifen hoch und hinterließ eine Staubwolke die aussah wie Kondensstreifen hinter einem Flugzeug am Himmel.
Am Rotglühenden und von der Hitze flimmernden Horizont tauchte plötzlich ein vom Staub ergrauter mit Beschen Stippen beschmutzter Unimok auf. Einst war er bestimmt einmal schwarz gewesen das konnte man noch erahnen, der Motor Brummte dumpf und die Abgase pusteten Gräulich weiß in den Himmel. Er kam ihnen entgegen und das knatternde Geräusch des Motors wurde immer lauter, sie sahen das alle Fensterscheiben bis auf die Fronscheibe schwarz getönt waren. Auf einmal rutschte Late Mr Kazim Diatta das Herz in die Hose. Der Schweiß brach ihm am ganzen Körper aus, lief ihm den Nacken hinunter und ließ seine Hände mit denen er vergeblich versuchte sich am Sitz fest zukrallen abrutschen. Es war kalter Schweiß. Er sah das die beiden Männer die in dem Unimok saßen beide eine Sturmaske trugen. Der Fahrer Mr Graham wollte gerade noch versuchen auszuweichen aber er konnte gar nicht so schnell reagieren. In einem Bruchteil von Sekunden öffnete sich das Beifahrerfenster des Unimoks und ein Mahrschienengewehr kam zum Vorschein.

Aber da war es schon zu spät Mr Kazim Diatta spürte nach mehreren unglaublich harten und unvorstellbar schmerzhaften schlängen ein starkes Stechen in seinem Bauch und in seinem Oberkörper durch seinen schwarzen Anzug quoll rotes Blut. An seinem Hals lief ihm das hellrote Gesöff der Vampire herunter eine Kugel hatte seinen Kopf gestreift.
Er versuchte den Blutfluss so gut es ging zu stoppen doch das Blut spritzte bei jedem Schlag seines Herzens nach außen und ließ ihn fast schon in seinem eigenen Lebens Fluss ertrinken.
Das Glas der Windschutzscheibe lag in kleinen Splittern im ganzen Fahrzeug verstreut.
Der Fahrer dessen Arm vor lauter Schmerzen pochte und der Knochen splitterte konnte gerade noch den Wagen mit einer waghalsigen Drehung und plötzlichen Bremsung zum stehen bringen.
Der Wagen stand am Rande der Straße, die Staubschwaden verzogen sich langsam und gaben das Fahrzeug frei. Wer hatte gesehen was an diesem Montagmorgen geschah? Sicherlich die Frauen, die in ihren mit bunten Mustern verzierten langen Kleidern versuchten für die weniger als 0,40 US-Dollar die sie im Durchschnitt pro Familien Mitglied und Tag zu Verfügung hatten lebenswichtige Nahrungsmittel zu kaufen. Sie sahen gierig nach dem Fisch und dem Obst das auf den Marktständen dargeboten wurde doch leider gab es für sie nur Hirse und Reis was anderes konnten sie sich nicht leisten. So sehr sie sich es auch gewünscht hätten es wird immer unvorstellbar für sie bleiben. Aber sie waren froh, den jeder der sich hier selbst ernähren kann und nicht verhungern oder an dreckigen Wasser verrecken muss feiert sich selbst wie ein Lotto Gewinner in Europa und genießt großes Ansehen aber auch mit neid geprägte Blicke. Das Leben ist hart hier im äußersten Westen von Afrika.
Nicht nur wegen den extremen Wetterbedingungen und der unwirklich erscheinenden Armut in den Slams die durch Kriminalität und Korruption geprägt sind.

Als sie die Schüsse hörten sprangen sie vor lauter Schreck hinter die mit Sonnenschirmen geschützten Stände. Doch es ging einfach zu schnell selbst wenn sie gewollt hätten sie hätten nichts Wichtiges entdecken können der Unimok war ohne Nummernschilder unterwegs und raste davon. Als Mr Kazim im schlingernden Krankenwagen wieder zu Bewusstsein kam und seine Lage langsam realisierte, fragte er sich warum ihm das bloß passiert sei warum den unbedingt heute? Sicherlich er war ein reicher Mann das musste er sich gestehen 10.700.000 Us-Dollar waren in Afrika eine un-un-unvorstellbare Summe. Doch wer würde von seinem Tod profitieren? Seine einzige Tochter liebt ihn viel zu sehr das würde sie niemals tun, aber vor zwei Tagen besprach er seinen Scheidungswunsch mit seiner zweiten Frau die seine Trauer über den Tod seiner ersten Gemahlin die er mehr liebte als ein Fisch das Wasser ausnutzte und ihn in seiner Einsamkeit wie ein Vogel im Zement fest gebacken um den Finger wickelte doch jetzt hatte er sie durchschaut so glaubte er. Ihr sagenhafter Plan beschämte und empörte ihn, seine Gedanken füllten sich mit hass. Seine Tochter Sylvia hatte immer recht gehabt Madlen war immer nur auf sein Geld aus gewesen.
Betreten starrte er an die vor seinen Augen verschwimmende Decke des Krankenwagens, und hoffte so sehr das es nur ein schlimmer Traum gewesen sei. Er wusste nicht mehr was er glauben sollte. Doch wer sollte sonst noch durch sein verschwinden von der Bildfläche das Lebens profitieren? Irgendwelche Beruflichen Konkurrenten?
Er erinnerte sich zurück und dachte an seinen Vater. Einst hatte er von ihm Drei Hektar Land geerbt. Er ließ die Menschen in seinen Cocus- und Erdnuss Plantagen arbeiten und investierte seinen ganzen Gewinn wieder in Grundstücke und später auch in seiner eigenen Baubranche. Er arbeitete sein ganzes Leben lang und hatte nie etwas Böses gewollt und das war der Dank dafür? Er wollte langsam versuchen sich von seiner Arbeit freizuschaufeln doch jetzt ist es wohl deutlich zu spät dafür. Aber das kann doch noch nicht alles gewesen sein?! Das geht doch nicht! Oder? Nein!!! schrie er auf einmal und erfüllte den Krankenwagen mit seiner Angst und Einsamkeit aber er verstummte sogleich wieder, gezwungen durch seine quälenden Schmerzen. Er musste schwer an seinen Verletzungen kämpfend doch jetzt wurde es im klar er würde nicht überleben. Er musste seinen Reichtum welcher durch die Hände seiner Vorfahren und die seinen geschaffen und geformt wurden schützen und an seine geliebte und einzige Tochter weitergeben, sie war alles was ihm noch von seiner verstorbenen Unmenschlich geliebten Ehefrau geblieben war die plötzlich an einem Hirntumor verstarb.


Kommentar von Kaboe

hallo Wolf, ohne deinen Eingangssatz hätte ich das Lesen deines Einstiegs wohl abgebrochen, sorry ;) Warum versuchst du nicht, dein Szenario auf die Personen zu verteilen, die sich schon hier aufeinander zubewegen. Dann sind auch einige Wiederholungen erlaubt. Wichtig scheint mir aber, dass deine Leser bald ein Lebenszeichen von deinen Protagonisten bekommen, oder von den Leuten die ihnen nach dem Leben trachten. Man hat das Gefühl, du möchtest deinem Leser zunächst die ganze mörderische Situation darlegen, bevor du verrätst, warum du uns in so eine Gegend geschleift hast. Anita Decker hat recht, ein Roman ist lang, Wucht ist ok, wenn man es durch hält, ansonsten besser dosiert! Könnte wirklich spannend werden, wenn du mir Gelegenheit gibst, dran zu bleiben.

Eingetragen am: 24.11.2008

Kommentar von Anita Decker

Eine spannende Handlung, die detaillierte Beschreibung der Örtlichkeit und der Hitze geben einen guten Romananfang ab. Aber die vielen Infos über Land und Leute, dann auch noch so eine Art Familienchronik, das ist alles viel zu viel. So ein Roman ist doch (furchtbar) lang, da kann man ja später noch drauf eingehen. Und noch was: wie liebt man "unmenschlich"? tierisch? LG Anita

Eingetragen am: 19.09.2008

Eingetragen am: 04.09.2008 von Manfred Mann
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17344

Ich schaute hinauf und blinzelte die Regentropfen weg, die mein Gesicht abklopften. Sie war zu Hause. Im vollen Bewusstsein, dass sie ungebetenen Besuch nicht mochte, trat ich vor die Klingel und läutete. Das Gespräch musste irgendwann einmal stattfinden.
Es dauerte einige Zeit, bis sie sich meldete. Der Regen prasselte inzwischen hörbar auf meinen Schirm nieder und ich überlegte kurz, was ich tun würde, wenn sie mich draußen vor der Türe stehen ließe. Das Gespräch war mir wichtig, aber an einem kalten Dezemberabend wie diesen auszuharren, bis ich völlig durchnässt und durchfroren war, erschien mir dann doch etwas übertrieben. Hoffentlich rechnete sie nicht damit.
"Ja? Wer ist da?" kam ihre Stimme über den Lautsprecher.
"Ich bin's. Wir müssen reden."
"Ich weiß. Aber muss das jetzt sein?"
"Ich stehe hier unten im Regen. Lass es nicht dabei." Bildlicher ging es nicht.
Die Türe summte, und ich trat ein. Den Schirm ließ ich gleich fallen und schüttelte mich ein wenig trocken. Der Fahrstuhl war bereits besetzt. Jemand fuhr runter. Als die Türen öffneten, trat Tiffany heraus. "Hast du einen Schirm?"
"Aber klar."
"Gehen wir."
"Wohin?"
"Irgendwohin." Das versprach ungemütlich zu werden.
"Es ist aber kalt draußen."
"Ich weiß." Sie ging an mir vorbei und lief aus dem Haus, ohne zurückzublicken. Na dann, wenn sie es so haben wollte. Ich folgte ihr, fest entschlossen, mich nicht durch ungünstiges Wetter von meinem Vorhaben abhalten zu lassen.


Eingetragen am: 03.09.2008 von Hekate
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17274

Die Hitze war drückend und im Klassenzimmer wehte nicht mal ein kleiner Wind, wie es draußen der Fall sein musste, da Hekate sah, wie sich die Äste der Bäume auf dem Schulhof in einer lauen Briese wiegten.
Die Lehrerin kritzelte gerade etwas in unleserlicher Handschrift an die Tafel, wobei man die Schweißflecken unter ihren Achseln sah.
Mit einem Seufzen ließ Hekate sich zurücksinken. Silvia, ihre Sitznachbarin, fechelte sich schon die ganze Zeit Luft zu mit einem Blatt Papier. Hekate selbst störte die Hitze weniger als die stickige Luft, die es unmöglich machte sich zu konzentrieren.
Mit müdem Blick schaute sie sich im Raum um. Ihre Klassenkameraden schienen alle unter der Wärme zu leiden... alle außer Gloria. Hekate wusste nicht, ob es im Himmel eher warm oder kalt war, aber es interessierte sie auch nicht, da ihr Blick gerade von etwas anderem angezogen wurde.
Das Blatt mit dem sich Silvia Luft zu wedelte, war bemalt. Hekate schaute noch etwas genauer hin. Die schwarze Fläche, stellte sich als Kutte heraus. Sie hatte also schon wieder ein Bild vom Tod gemalt, oder vielleicht was es auch das selbe wie letzte Woche. Leise, um nicht die Aufmerksamkeit der anderen auf sich zu ziehen, flüsterte sie ihr zu: "Sollte man als Mensch nicht Angst vor dem Tod haben."


Eingetragen am: 31.08.2008 von SK
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17016

Der Schnee war gerade frisch gefallen. Betäubende Stille, kein Geräusch, das an die Ohren dringt. Alles weiß sehr weiß und heller als es zuvor war. Es fängt wieder an. Dicke Flocken schweben lautlos zu Boden, vereinen sich mit der weißen Masse. Unmerklich verschmolzen um die Stille bis an die äußerste Grenze des Erträglichen zu treiben. Ich blicke hinter mich und sehe nichts als eine weiße Unendlichkeit. Meine Augen schmerzen. Es scheint nie zu enden, Stunde um Stunde, die ich mich durch diese strahlend helle Wüste quäle, erscheinen immer die gleichen Bilder, hinter jedem Hügel eine Vielzahl neuer Hügel, die sich durch nichts von den vorhergegangenen unterscheiden. Meine Glieder sind gefühllos geworden, die Bewegungen fallen zunehmend schwer. Langsam senkt sich Dunkelheit über das Land, das Weiß verwandelt sich in eintöniges Grau, dass mich umhüllt, mich schutzvoll in seine eiskalten Armen nehmen möchte, um mich sanft in den Schlaf zu wiegen. Allzugerne nur würde ich dieser nahezu übermächtigen Versuchung nachgeben, doch ich darf nicht aufhören weiter zu gehen, immer weiter, bis an das Ende. Ich merke, daß ich schwächer werde. Der Schnee klebt überall an mir, scheint mich auszufüllen, bis in den letzten Winkel meiner Seele. Ich darf nicht aufgeben, muß weiter, Schritt um Schritt, Minute um Minute, Ewigkeit um Ewigkeit. Aus dem Gehen wird langsam ein Taumeln, ich kann nicht mehr, meine Glieder scheinen erstarrt und kalt, kalt wie die Landschaft die mich umgibt. Ich stürze, bleibe liegen, zusammengebrochen unter der Last der Kälte, die mich mit ihren langen Fingern umklammert hält. Tiefe Nacht legt sich über mich. Aus Grau ist Schwarz geworden.


Eingetragen am: 25.08.2008 von Maju
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16632

Jasmin und Yasemin
Kapitel: Micky verschwindet

"Puh, ist das heiß", stöhnt Jasmin und trocknet sich mit einem Handtuch den Schweiß ab.
Sie sitzen am Swimmingpool von Pias Eltern und lassen die Füße ins Wasser baumeln. Bei Pia ist es allerdings nur ein Fuß, weil der andere immer noch in einem Gipsverband steckt. Micky, Pias kleiner Kater hat es sich neben Pias ausgestrecktem Gipsfuß gemütlich gemacht und schnurrt entspannt.
"Macht es dir was aus, wenn ich 'ne Runde schwimmen gehe?" fragt Jasmin und schaut mitleidig auf Pias Fuß.
"Quatsch, warum denn das? Nur weil ich zu blöd war und mir den Fuß gebrochen habe, musst du ja nicht darunter leiden."
Sehnsüchtig sieht Pia auf das glitzernde Wasser.
"Man, bin ich froh, wenn der blöde Gips nächste Woche ab ist. Ich werd noch richtig fett vom Herumsitzen!"
Jasmin lässt sich ins Wasser plumpsen und taucht geschmeidig bis zum Ende des Pools.
"Klasse, so ein Pool!", ruft sie Pia vergnügt zu und planscht ausgelassen über die Oberfläche. Das Wasser spritzt hoch auf und Kater Micky rennt mit beleidigtem Maunzen in Richtung Küchentür. Astrid, Pias Mama, wischt gerade die Bodenfliesen.
"Ne, ne, Micky, du bleibst draußen bis der Boden trocken ist, sonst habe ich gleich wieder alles voller Dreckstapsen."
Entschlossen knallt Astrid die Terrassentür vor Mickys Nase zu.
Micky ist empört. Maunzend und an der Tür kratzend, versucht er Astrid zu überzeugen, ihn ins Haus zu lassen. Doch wenn Astrid nein sagt, meint sie es auch so.
"Hey, Micky, komm zurück! Jasmin spritzt dich auch nicht mehr nass", lockt Pia den kleinen Kater. Doch der ist beleidigt und verzieht sich ins dichte Gebüsch. Jasmin stemmt sich aus dem Pool und trocknet sich ab.
"Jetzt ist es besser! Soll ich dich etwas abkühlen?" Sie drückt ihre feuchte kühle Haut auf Pias Rücken, die erschrocken aufquiekt. Ein kühler Windstoß erfasst die beiden und sie schauen zum Himmel. Grau-schwarze Wolken verdunkeln plötzlich die Sonne und in der Ferne hört man ein dumpfes Grummeln.
"Au, wei, das gibt gleich ein Gewitter! Lass uns mal lieber reingehen. Aber wo ist jetzt Micky? Der hat solche Angst davor." Besorgt schaut Pia in den Garten, aber Micky ist nicht zu sehen.
Der erste Blitz zuckt über den Himmel und Jasmin und Pia lassen den erfrischenden Wind über ihre Körper streichen. Die ersten Tropfen fallen und die beiden raffen ihre Handtücher und Zeitschriften zusammen. Mühsam kommt Pia auf ihr gesundes Bein und humpelt in Richtung Haus. Jasmin schnappt sich die Sachen und rennt zur Küchentür. Als Pia die Tür erreicht, peitscht plötzlich der Regen fast waagerecht vom Himmel. Blitz und Donner wechseln sich in kurzen Abständen ab und es ist fast dunkel.
"Ui, das ist heftig, aber ich finde es klasse." Jasmin setzt sich zu Astrid und Pia an die Küchenbar. Sie betrachten das Schauspiel vor dem Fenster. Dicke Hagelkörner prasseln auf die Terrasse und der Wind hat die Gartenstühle umgeworfen. Astrids schöne Tischdecke weht in Richtung Pool und dümpelt dann auf der Wasseroberfläche.
"Und der arme Micky ist noch da draußen!", jammert Pia.
"Der wird sich schon irgendwo verstecken bis das Gewitter vorbei ist. " versucht Astrid ihre Tochter zu trösten. "Hätte ich ihn doch bloß vorhin rein gelassen, wahrscheinlich hat er das Gewitter schon gespürt."
"Ja und warum hast du ihn nicht rein gelassen?"
"Ich wollte doch nur, dass die Platten trocken sind! Ich konnte doch nicht ahnen, dass es gleich so ein Unwetter gibt."
Die Terrasse hat sich in einen See verwandelt und der Regen peitscht ununterbrochen gegen die Fensterscheiben.
"Wenn es aufgehört hat, kommt Micky bestimmt sofort zurück, weit kann er ja nicht sein." Jasmin streicht Pia beruhigend über den Rücken.
"Na, hoffentlich!" seufzt Pia.
"Da, es wird schon wieder heller!" ruft Astrid erfreut.
Der Regen setzt aus, die grauen Wolken ziehen in Windeseile über den Himmel und die Sonne ist wieder zu sehen. Pia hüpft einbeinig zur Tür und reißt sie auf.
"Micky! Micky! Wo bist du? Komm nach Hause!"
Aber kein Micky lässt sich blicken. Jasmin, Pia und Astrid gehen in den Garten. Die Luft ist frisch und nicht mehr so erdrückend wie vor einer Weile. Jasmin zieht die tropfnassen Büsche auseinander aber auch da ist Micky nicht. Sie locken, rufen, rasseln mit Mickys Lieblingsspielzeug aber nichts tut sich.
"Und nun? Wo kann er denn sein?" Pia ist den Tränen nahe.
"Abwarten, das ist doch eine Katze, die kommt immer nach Hause zurück", meint Astrid zuversichtlich und fischt ihre Tischdecke aus dem Pool.
"Was haltet ihr denn von einem Stück Kuchen und einem Eiskakao? Wir setzen uns auf die Terrasse und warten bis er zurückkommt. Wenn der hört, dass es was zu fressen gibt, kommt er schon, spätestens wenn ich die Sprühsahnedose schüttle."
"Oh, das ist die Idee! Jasmin, kannst du mal Mickys Trockenfutterbox aus der Küche holen? Wenn ich damit rapple, kommt er meistens sofort."
Jasmin stürmt in die Küche und kommt mit der Box zurück.
Sie trägt sie am Henkel und rüttelt kräftig.
"Micky, Micky, komm! Es gibt was zu fressen!" lockt Pia.
Nichts tut sich. Micky, der verfressene kleine Kater, lässt sich nicht blicken.
"Wahrscheinlich ist er noch so verschreckt von dem Gewitter, dass er sich nicht nach Hause traut. Tja, aber leider muss ich jetzt nach Hause. Ich hab Mama versprochen, ihr beim Abendessen zu helfen, weil sie noch einen Termin hat."
Jasmin zieht sich ihr Sommerkleid über und schlüpft in ihre Sandalen.
"Tschau, Leute. Und ruf mich an, wenn Micky wieder da ist, OK?"
Sie drückt Pia an sich und Astrid umarmt sie herzlich.


Kommentar von Frog

Eine so lebendige und liebenswerte Szene. Bin begeistert von diesen Freundinnen, ich seh sie vor mir und find sie klasse. Gut, dass Du wieder mitmachst. Hoffentlich kommt Micky zurück (mein Kater hieß auch so:-)) Einzig die Tischdecke kann ich mir schwerlich dümpelnd vorstellen bei so einem Unwetter...

Eingetragen am: 26.08.2008

Eingetragen am: 24.08.2008 von Daniela
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16576

Sommergefühl - schwitzendes Festkleben am Bürostuhl; feuchtes Abgleiten der Finger von der Computertastatur. Mühseliges Schleppen und Verräumen der Bücher im Regal - ein vor lauter Durst ausgetrocknetes Lächeln für die sich matt und ausgelaugt reinschleppenden Kunden. Gemeinsamer Treffpunkt - der heiß Luft quirlende Ventilator. Beratung mit sparsamem Bewegungsaufwand. Kurzes leichtes Kopfnicken als Zustimmung des Kunden, der nur zögerlich mit viel Gezauder zu einer Entscheidung hin schmilzt. Kaum ist diese zerschmolzen, ergießt sich mit einem Paukenschlag die sintflutartige Erlösung. Die Ermattung fällt ab - Erleichterung macht sich breit auf allen Gesichtern. Mit erleichtertem Tiefdurchatmen strömen alle raus in den Regen und den aufkommenden Wind. Abkühlung ist der einzig allumfassende Wunsch.


Kommentar von Frog

Cool beschreibst Du die Hitze. Viel mehr braucht es ja auch nicht... Verrückt, wie viele...ung-Wörter Du in dem kurzen Stück unterbringen konntest...

Eingetragen am: 26.08.2008

Eingetragen am: 22.08.2008 von Karin-Elisa
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16526

Britta sah aus dem Schlafzimmerfenster, es war ein herrlicher Wintertag in der Nacht war Neuschnee gefallen, sie öffnete einen Fensterflügel und lies die frische klare Luft herein. Sie musste lächeln, sie hatte mal wieder recht gehabt es hatte in der Nacht geschneit, sie beugte sich etwas aus dem Fenster und nahm eine Hand voll Schnee von der Fensterbank, rasch lief sie damit ins Badezimmer wo Arwed grade geduscht hatte, er drehte ihr den Rücken zu, und sie nutzte die Gelegenheit ihm blitzschnell mit dem Schnee über den Rücken zu reiben. Er machte vor Schreck fast einen Satz und fluchte wie ein Rohrspatz.
Lachend lief Britta rasch aus dem Bad, wieder ins Schlafzimmer machte aber nun doch das Fenster zu und beschloss schon mal das Frühstück zu machen.
Kurz darauf war Arwed auch am Frühstückstisch, er gab ihr aber für den Streich ein paar Klapse auf den Po, was sie lachend geschehen lies. Sie genossen das Frühstück ausgiebig. Sie hatten verschiedene Marmeladen, Käse und Wurst Sorten, und Britta hatte am Tag zuvor wie immer freitags frische Brote gebacken. Arwed war immer begeistert von dem Duft der sich beim backen im ganzen Haus ausbreitete, und nun genossen sie das leckere Brot, den Kaffee und Britta ihre heiße Schokolade.
Die zwei beschlossen nach dem Frühstück einen Spaziergang, durch den nahe gelegenen Wald zu machen.
Sie waren um 11Uhr schon fertig angezogen, schlossen das Blockhaus was sie für 14Tage gemietet hatten ab, und schlugen einen kleinen Weg ein, der direkt zu Wald führte. Es war einfach herrlich, alle Bäume und Sträucher sahen aus wie frisch gepudert, der Schnee knirschte unter ihren Füßen, sie gingen Hand in Hand und atmeten die klare Luft ein. Sie hatten das Gefühl jetzt besonders gut hören zu können, aber hier auf Menda gab es ja keine Autos, es gab ja nur Luftverkehr und den hörte man in der Regel nicht. Die Schneekristalle glitzerten wunderschön, Britta nahm einen Hauch von Schnee in die Hand und betrachtete dieses zarte Gebilde, dann gingen sie schweigsam weiter, sie waren Glücklich und bogen nun in einen Seitenweg ab. Von den Zweigen fielen manchmal kleine Schneelawinen auf den Weg, und die Luft war dann erfüllt mit glitzernden Kristallen, in denen sich das Sonnenlicht brach, es sah bezaubernd aus. Nach einer Weile kamen sie um eine Wegbiegung und blieben überrascht stehen. Vor ihnen lag ein kleiner zugefrorener See, und um ihn waren Sträucher und Bäume voller Eiszapfen, es sah wie in einem Märchen der Schneekönigin aus. Beiden waren ganz erfüllt von diesem schönen Anblick, sie bedauerten nur den Fotoapparat vergessen zu haben.
Aber plötzlich war ein rauschen in der Luft, und sie bemerkten nun tatsächlich das ein starker Wind aufkam.
Arwed meinte auch besorgt: „Komm Britta lass uns rasch nach Hause gehen, das Wetter verändert sich hier leider sehr rasch. Nun die beiden bedauerten das, aber sie gingen nun wirklich zügig nach hause, zumal es auch bitter Kalt und fast stürmisch geworden war. Die Luft schnitt nun fast beim einatmen, Britta hatte schon ihre Kapuze am Anorak zugemacht, Arwed bei sich auch. Aber sie hatten Glück bevor dieser Sturm sich richtig entfaltete, waren sie wieder in ihrer Hütte.


Eingetragen am: 17.08.2008 von Thomas Gohlke
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16327

In Lafallhöjden, einem schwedischen Sommercamp, auf dem sich Peter Pasternak versteckt hielt, traf er seinen Bruder Ulf.
Jetzt im Winter ist das Camp nicht besucht, jedoch stehen vereinzelte Holzhütten offen für Skiwanderer oder anderer in der schwedischen Kälte verirrter Seelen.
Es ist der zweite Weihnachtstag, es schneite leicht und es herrschen Temperaturen um die minus zwanzig Grad Celsius.
„Ich habe alles für dich vorbereitet, unten am Stor-Traen, auf einer Halbinsel hier am linken Ufer gelegen, du kannst es nicht verfehlen, einen Snow-Scooter samt Anhänger bereitgestellt. Er ist beladen mit Ausrüstung und Proviant für den Winter und reichlich bis ins Frühjahr hinein. Den Scooter samt Anhänger habe ich mit einer weißen Plane abgedeckt. Er ist gut getarnt“, sprach Ulf.
Peter bedankte sich für die Fluchthilfe und Ulf fügte noch hinzu:
“Jetzt wird es sehr schwer für dich, inzwischen sind zehn Millionen Dollar für deine lebendige Ergreifung ausgesetzt. Egal wohin du fährst, viele Freunde triffst du nicht mehr, vielleicht war ich auch der Letzte, zu dem du Vertrauen haben konntest!“
Peter saß schweigend auf einer Liege und blickte auf den kleinen heißen Ofen in der Hütte.
„Wie kann ich dir jemals danken?“
„Du bist mein Bruder, Pet, das ist selbstverständlich, dass ich dir helfe! Und nun mach runter zum See, ich muss zurück zu meiner Familie auf die Tanke nach Gunnarskog, ich wird sicher längst überwacht von irgendwelchen Geheimdiensten oder weiß der Teufel von wem!“
Sie umarmten sich bei gleichzeitigem Schulterklopfen und verabschiedeten einander. Ulf stieg auf seine Crossmaschine und fuhr im Tiefschnee durch den Wald davon.
Peter stapfte zu Fuß hinunter zum See. Während des langen Weges wurde der Schneefall stärker. Auf der von Ulf beschriebenen Halbinsel angekommen, fand er den Scooter samt Anhänger. Unter der weißen Plane, hatte Ulf noch ein Alaska Zelt aufgebaut. Er rechnette damit, das Peter erst am nächsten Morgen seine Flucht Richtung Nordschweden fortsetzt
Pet schlüpfte ins Zelt und dort lagen noch ein Biber Schlafsack ein Fernglas und ein Zettel auf dem stand:
“Vertraue stets deinen Augen, Ohren und deinen Verstand, bevor du deinen Weg fortsetzt!“
Die Dämmerung begann recht früh, doch eigentlich ist es in Schweden den ganzen Tag über dunkel. Der Schneefall wurde stärker die eigene Hand war vor Augen bald nicht mehr sichtbar. Geräusche von mehreren Schneemobilen schreckten Pet hoch. Sie mussten verdammt nach an seinem Lager vorbei gefahren sein, doch waren sie nicht zu sehen, er zählte fünf bis sechs Fahrzeuge. Schneetouristen oder doch schon Jäger, schwedische Polizisten, Soldaten oder was für Einheiten auch immer, dachte sich Pet. Die kommende Nacht war ruhig und am nächsten Morgen wurde Pet geweckt von dem Radau eines landenden Helikopters. Er kroch aus dem zelt und unter dem Schutz der Plane, die vollkommen eingeschneit war zum Snow-Scooter. Er streckte den Kopf hinaus, bittere Kälte und ein klarer blauer Himmel empfing ihn. Er beobachtete einen Hubschrauber, wie er am gegenüberliegenden Ufer aufsetzte.
Sofort kroch er zurück zum Zelt und holte das Fernglas.
Drüben am anderen Ufer war der Campingplatz von Björn, einem bekannten von Ulf, dort richteten sich einige Männer in Tarnanzügen ein. Auf dem Hubschrauber war eine deutsche Flagge und die Schneemobile trugen Schwedische.
Ein Stützpunkt wurde angelegt. Okay, Ulf hat ein Haus in der Nähe und in etwa zwanzig Kilometern Entfernung eine Tankstelle. Sie dachten wohl, irgendwann wird Peter Pasternak hier auftauchen und sie sollten Recht behalten. Pet konnte seine Flucht vorerst nicht fortsetzen. Wenn er seinen Snow-Scooter anwarf, war das über den See zu hören, er musste ausharren und die Situation genau beobachten.
Er zählte ungefähr zwanzig Soldaten und wie sich der Helikopter wieder entfernte, kehre ein wenig Ruhe im Lager ein. Zwei Beobachtungsposten hatten sie eingerichtet, die weitere flucht schien aussichtslos, doch konnte er nicht ewig dort ausharren.
Ein Plan musste her.
In der folgenden Nacht plante er einen Fluchtweg, hier kannte er die Gegend noch sehr gut, da er oft Urlaub hier machte.
Zwei Tage und Nächte beobachtete er das Verhalten der Männer am anderen Ufer. Am dritten Tag, von weitem war wieder der Hubschrauber zu hören, räumte er vorsichtig seine Sachen zusammen. Es fing wieder leicht an zu schneien und er wusste, dass der Hubschrauber immer zur gleichen Zeit kam.
Während der Hubschrauber lärmend zur Landung ansetzte, der Schnee dichter wurde und der kurze Tag dämmerte, warf Peter sein Mobil an, nachdem er die Plane in den Anhänger stopfte und brauste los.
Von der Halbinsel aufs Festland, einem breiten Waldweg entlang, an einer stillgelegten Erzmine vorbei, rechts in einen schmaleren Weg.
Er fuhr noch im Schutze des starken Schneefalles und der aufkommenden Dunkelheit fünfundzwanzig Kilometer Richtung Norden ehe er mitten im Wald, auf einer Anhöhe stehen blieb.
Er lauschte ob andere Snow-Scooter zu hören waren.
Fünf Minuten stand er still im Wald, es war nichts zu hören, die dritte große Flucht war gelungen.


Eingetragen am: 15.08.2008 von Angelika Wagner
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16231

Als sie mit dem Auto zu Hause ankommt, kleben ihre Beine aneinander und ihre Hände am Lenkrad. Sie schlüpft aus ihren Schuhen, nimmt sie in die Hand und geht barfüßig ins Haus. Erst mal duschen und dann in aller Ruhe schön machen. Denn heute, an diesem schwül heißen Sommerabend hat sie endlich wieder eine Verabredung. Der letzte Sommer war nicht nur wettermäßig, sondern auch, was ihr Liebesleben betrifft, eher kühl gewesen. So gesehen ist es heute ideal für ein erotisches Gewitter. ...


Eingetragen am: 15.08.2008 von Birgit Malow
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16229

Als Beate den Waldweg langsam entlang lief, war sie ganz in Gedanken versunken. So sah sie die dunklen Gewitterwolken nicht, die am Himmel aufzogen. Erst als der erste Blitz die Stille durchschnitt und kurz darauf der Donner grollte, nahm sie ihre Umwelt wieder wahr und erschrak. Schon klatschten ihr die ersten dicken Tropfen ins Gesicht und sie fragte sich: "Wo bin ich?" Wie weit war sie gelaufen? Sie schaute kurz auf ihre Armbanduhr, es war fast sechs Uhr abends, es dämmerte bereits. Der Regen ergoss sich nun in Strömen über ihr und in minutenschnelle waren ihre dünne Bluse, Jeans und auch ihre Schuhe durchnässt. Der Weg verwandelte sich in eine Schlammstraße und sie sank mit jedem Schritt in den feuchten morastigen Boden ein. Nun zuckte ein Blitz auf den anderen über den dunklen, fast scharzen Himmel und Beate begann zu frösteln, sie wollte so schnell wie möglich nach Hause. Nach Hause? Das war weit weg. Sie musste in die Klinik zurück. 18.15 Uhr gab es Abendbrot im grossen Saal, wenn sie nicht erschien, würde man nach ihr suchen. Sie begann zu laufen, ihr Gesicht war naß und kalt. Plötzlich blieb sie stehen und schaute sich prüfend um. War sie nicht eben schon an dieser Stelle vorbei gekommen? Bei diesem Regen sah alles gleich aus, dunkle drohende Bäume um sie herum, kaum andere Pflanzen und Steine auszumachen. Sie wusste nicht weiter, sie drehte sich im Kreis. Die Angst kroch in ihr hoch. Warum hatte sie auch ihr Handy liegen lassen, aber vielleicht hätte sie bei diesem Gewitter eh keinen Empfang, grübelte sie. Da sah sie einen kleinen Lichtschein auf sie zukommen und kurz darauf hörte sie jemand ihren Namen rufen. Es war der Oberpfleger ihrer Therapiestation, Hr. Stuwe, wie sie erkennen konnte, als er vor ihr stand und die Taschenlampe senkte. "Mann, bin ich froh, sie zu sehen" sagte er "ich hatte schon Bedenken sie überhaupt hier draußen zu finden." Erleichtert legte er ihr eine Decke um die Schultern und schritt vor ihr den Weg zurück.


Eingetragen am: 14.08.2008 von Bibi
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16165

Der Pilot kündigte über Lautsprecher Turbulenzen an. Sommergewitter über Deutschland. Innerlich und äußerlich schrumpfte ich auf meinem Sitz zusammen. Einen ruhigen Flug hatte ich mir gewünscht, mit einer sanften Landung. Ich griff nach der Ausgabe der französischen Vogue, die ich noch schnell am Flughafen gekauft hatte. Lesen half bei Nervosität. Außerdem konnte ich so mein Französich aufbessern. Auch wenn ich nicht jedes Wort verstand, denn Sinn begriff ich immer.
Auf den beiden Plätzen neben mir saß wie üblich ein Händchen haltendes Paar, also keiner zum Unterhalten. Ich blätterte die Zeitschrift durch und entdeckte einen Artikel über die neue Generation Fünfzig. Interessiert begann ich zu lesen. Die Fünfziger als die neuen Dreißger. Ich runzelte die Stirn. Ich war gerade Dreißig. Wie sollte ich mich fühlen? Wie ein Teenager? Das Ganze erschien mir lächerlich und unrealistisch. Eine Frau musste schließlich nicht ihr Alter verleugnen. Kaputte Gesellschaft. Ich las den Artikel nicht zu Ende, denn die Stewardess kam mit Getränken und ich verstaute die Zeitschrift im Sitz vor mir. Für gut zwanzig Minuten waren alle Passagiere mit Essen und Trinken beschäftigt.
So langsam aber sicher begann die Maschine zu ruckeln. Das Wasser in dem Plastikbecher auf dem Tablett vor mir schwappte nervös hin und her. Ich überprüfte, ob ich den Sicherheitsgurt richtig geschlossen hatte und zurrte ihn noch ein Stückchen enger.
Gut zwei Flugstunden waren Nizza und Hamburg voneinander entfernt. Eigentlich ein Katzensprung mit dem Flieger, aber vor Gewitter hatte ich Angst. Unruhig schielte ich immer wieder auf den Zeiger meiner Armbanduhr, während das Flugzeug in den Sinkflug ging. Wir durchflogen etliche Turbulenzen. Ich wurde auf meinem Sitz richtig durchgeschüttelt. Zwei oder drei Mal musste ich mit der Hand Halt am Vordersitz suchen, weil die Maschine ein ganzes Stück absackte. Das Paar neben mir hielt immer noch Händchen und mir war schlecht. Als wir durch die graue Wolkendecke hindurch waren und der Regen gegen die kleinen Fenster peitschte, das Flugzeug ruckelte und alles klapperte, war ich mit meinen Nerven am Ende. Ich wollte doch nur nach Hause. Ein paar Minuten später setzte die Maschine hart auf der nassen Landebahn auf. Erst voller Schub und dann Vollbremsung. Ich atmete tief durch, etwas zittrig aber froh heil angekommen zu sein. Angeschnallt sitzen bleiben bis zur endgültigen Parkposition und dann so schnell wie möglich raus.
Ungefähr fünfzehn Minuten später ging es mir wieder gut und ich war topfit. Der Flug und das Gewitter waren Vergangenheit.


Eingetragen am: 13.08.2008 von Carola Ottenburg
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16090

So, das hier ist zwar noch keineswegs fertig, aber diesmal wollte ich wenigstens etwas einstellen.


Johanna atmete schwer. Vor ihr wand sich der Mississippi, wie ein träger Wurm durch das Dickicht, dessen seltsam geformte Bäume sich in seinen Fluten spiegelten. Da gab es welche, die unter der Last ihrer Krone in sich zusammengesunken schienen. Andere waren am Fuß knollenförmig und verjüngten sich dann, um oben in ein Gewirr von Ästen zu zersplittern. Es gab Bäume, deren Laub an Seesterne erinnerte und solche, deren Blätter groß und ledrig waren. Büsche wuchsen dazwischen und allerlei kleinere Pflanzen. Von oben hing Moos in langen grauen Strähnen herab, als hätten hunderte von Zwergen ihre Bärte dort aufgehängt und vergessen. Das alles war so dicht ineinander verflochten, dass es den Anschein hatte, als seien Büsche und Bäume mitten im Kampf erstarrt, und würden ihn fortsetzen, so bald das Schiff vorüber gezogen war. Blumen leuchteten in dem Gewirr, die Farben so grell, dass es in den Augen schmerzte und gelegentlich blitzte ein Sonnenstrahl auf einem verborgenen Tümpel. Die feuchte Luft war gesättigt mit Sumpfgeruch. Mit den Wäldern, in denen Johanna als Kind Pilze und Hagebutten gesammelt hatte, dem Wohldorfer Wald und dem von Volksdorf, hatte das hier nichts gemein.

Aber nach drei Tagen auf dem Fluss hatte Johanna sich sich an der bizarren Szenerie satt gesehen. Nur den Schiffen, die ihnen entgegen kamen und den gelegentlich zwischen den Bäumen auftauchenden Häusern, brachte sie noch etwas Interesse entgegen. Meist waren es kaum mehr, als Hütten auf Pfählen oder einer hölzernen Plattform, grau und halb verfallen. Ab und an war die Andeutung eines Gartens zu erkennen und an manchen war ein Boot festgemacht. Aus einigen stürzten zerlumpte Gestalten und starrten dem Schiff nach, andere lagen still und verlassen. Und dann gab es da noch jene zweistöckigen Gebäude, die wie Bilder aus einem Fiebertraum inmitten der Wildnis erschienen. Strahlend weiß, umkränzt von Balkonen und Säulen und flankiert von stämmigen Bäumen standen sie auf samtigen Rasenflächen aus denen Statuen zu wachsen schienen, wie andernorts Champignons auf der Wiese. Als Johanna das erste zu Gesicht bekam, glaubte sie zuerst, in der in der schwülen Luft habe sich ihre Phantasie derart überhitzt, dass sie ihr Trugbilder von Kühle und Eleganz inmitten der Sümpfe vorgaukle.

Die Hitze trieb Passagiere und Besatzung gleichermaßen auf das Oberdeck. Unten, in den Quartieren war es nur nachts, wenn die Luft wenigstens etwas abgekühlt war, einigermaßen erträglich. Tagsüber war es nicht auszuhalten.
Der Kapitän hatte den Großmut besessen, auf Vorder- und Achterdeck Sonnensegel spannen zu lassen, so dass nicht nur die Kajütpassagiere in den Genuss von etwas Schatten kamen. Auf dem Vorderdeck verschaffte zudem die leichte Bewegung durch den Fahrtwind wenigstens die Illusion von Kühle, auch wenn die Luft mit dem Qualm des Schleppers durchsetzt war. Trotzdem war die Hitze allgegenwärtig. Zäh hing sie über dem Schiff und kroch noch in die entlegensten Winkel. In ihrer klebrigen Umarmung wurde alles träge. Jede Bewegung erschien zu viel, bis schließlich alles Leben verstummte, die Stimmen der Vögel und Frösche ebenso, wie das Rascheln des Winds in den Bäumen. Einzig das Klappern der Räder, die das braune Wasser zu Schaum schlugen, durchbrach die Stille. Aber selbst dieses Geräusch klang gedämpft.

Am sonnengebleichten Himmel stand keine Wolke. Vor Sonnenuntergang bestand keine Aussicht auf ein Ende der Hitze, die sie umschlang, wie ein unwillkommener Liebhaber. Johanna seufzte und strich sich eine Haarsträhne aus der Stirn. Auch ihr Haar war feucht, die Kopfhaut begann schon wieder zu kribbeln, obwohl sie die Haare erst am Morgen gewaschen hatte. Das war das einzig Angenehme an diesem Klima: Man konnte das Wasser direkt aus dem Waschkrug über den Kopf gießen. Es war dann zwar immer noch kühl, aber nur ein bisschen. Gerade so, dass es erfrischte. Leider viel zu kurz.
Sie sah hinunter, auf die breite Wasserfläche. Abgesehen von den Stellen, wo ihn die Räder des Schleppers aufwühlten, lag der Strom ganz glatt. Nur da und dort kräuselte ein unter der Oberfläche liegender Stein oder ein hinabhängender Zweig sein, wie lackiert glänzendes Wasser.
Wie es wohl wäre, ins Wasser zu tauchen? Johanna konnte nicht schwimmen, aber sie stellte sich vor, dass es angenehm sein müsse. Das Wasser schimmerte zwar bräunlich-grün, aber es würde kühl sein. Wenigstens einen Arm oder die Hand hätte sie gerne hineingehalten, um sich den Schweiß von der Haut lecken zu lassen.


Kommentar von Metta Maiwald

Ah, wieder was gelernt! Also doch die gewohnte, gründliche Recherche ;o) Eigentlich logisch, dass der Fluss bei einer Länge von 3778 km nicht überall gleich aussieht. LG Metta

Eingetragen am: 15.08.2008

Kommentar von Carola Ottenburg

Hallo Ihr Lieben, erstmal danke für Eure Kommentare und Anregungen. Den Text werde ich auf jeden Fall noch mehreren Überarbeitungen unterziehen und dabei auch straffen. Erstmal habe ich alles reingeschrieben, was in den Kontext passen könnte. Manches davon werde ich vielleicht an eine andere Stelle verschieben und anderes ganz streichen (@Frog: z.B. den letzten Halbsatz, weil auch so klar wird, was Johanna reizt). @Malea: Bevor ich kürze, werde ich erstmal erweitern, denn eigentlich gehört auch noch der Rückblick auf einen Tag mit typischem Hamburger Schietwetter dazu. Kürzen kommt später, wenn sich alles gesetzt hat und das Herzblut herausgetropft ist ;-) @Metta: Ich kenne Twains Schilderungen vom Mississippi und mag sie sehr. Aber als Vorlage taugt sie aus zwei Gründen nur bedingt: 1. Twain ist am Mississippi geboren und aufgewachsen, kennt aber Flora und Fauna - Johannas Blick ist der einer Fremden. 2. Leben auf dem Mississippi erzählt von den Lotsen, die hinter New Orleans flussauf fahren. Dort ist der Fluss viel flacher und breiter, als im unteren Teil, wo Johanna sich gerade befindet. Von Twain habe ich mir deshalb nur die Weiden und das Gerangel ausgeliehen. Bei den übrigen beschriebenen Pflanzen handelt es sich um Amerikanische Eiche, Sumpfzypresse, Amberbaum, Magnolie, Spanisch Moos. Sie alle wachsen dort wirklich - wenn auch nicht unbedingt auf einem Haufen. Aber welche Pflanze in welcher Umgebung - um das zu bemerken, müsste Johanna Botanikerin sein. Ihre Beschreibungen beruhen auf Bildern, da Johanna ihre Namen nicht kennen kann. Auch alles andere beruht entweder auf Fotostrecken aus den Sümpfen oder den Berichten von (modernen) Touristen. Viele Grüße Carola

Eingetragen am: 14.08.2008

Kommentar von Frog

Du hast Deinen Erzählrhythmus gefunden, oder? Das ist sehr schön zu lesen, romantisch und melancholisch zugleich. Ich sah die Ufer des Mississippi vor mir, Du beschreibst sie ganz wundervoll und authentisch. (Einzig das drittletzte Wort passt für meinen Geschmack nicht so gut).

Eingetragen am: 14.08.2008

Kommentar von Malea

Liebe Carola! Herrlich, zwar mehr Natur als Wetter, aber ein Augenschmaus. Ich kann Mettas Problem am Anfang nachvollziehen, erstmal verrätst du nicht, dass Johanna auf einem Schiff ist. Mir ist das nicht aufgefallen, weil ich ja wusste, was kommt ;-) Man staunt mit Johanna all die Wunder der Natur an. Aber ich würde den Satz mit dem verschiedenen Laub weglassen, es wird sonst ein wenig zu lang. Schön, die Zwerge. Allgemein finde ich, dass du ein wenig straffen solltest, z.B. die Stelle mit dem Haarewaschen. Die Üppigkeit und das Zähe dürfen sich gerne in der Form und Tiefe des Textes zeigen, aber nicht zu viel, sonst wird der Bogen überspannt. Aber du wolltest es ja sowieso noch mal überarbeiten. Das kannst du ja dann direkt für das nächste Kapitel ;-) Übrigens, liebe Metta, der Mississippi mit seiner ursprünglichen Vegetation erinnert tatsächlich an einen Regenwald, da hat Carola schon ordentlich recherchiert. Liebe Grüße, Malea.

Eingetragen am: 13.08.2008

Kommentar von Metta Maiwald

Oh, ganz frisch, Dein Beitrag :o) Anfangs habe ich ein wenig Orientierungsprobleme, sowohl grammatisch, durch geschachtelte Relativsätze, als auch semantisch. Ich schleiche mich durch den Urwald, bevor ich endlich bei Johanna auf dem Schiffsdeck stehe. Sprachlich entfernst Du Dich bei der Villenbeschreibung von dem direkten und für Deine Protagonisten typischen Tonfall. Von Dir bin ich akribische Recherche gewohnt. Dennoch erinnert mich Dein Mississippi mehr an den Amazonas. Kennst Du "Leben auf dem Mississippi" von Mark Twain? Es ist die Geschichte von Clemens, der im 19. Jahrhundert eine Lotsenausbildung auf dem Fluss macht. Dort findest Du alle Bilder, die Du brauchst. - Ich habe von Dir geträumt, s. #16022 ;o)

Eingetragen am: 13.08.2008

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