(Foto: Christian Rohr)
„Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie es war, eine Schriftstellerin zu sein, die noch nichts veröffentlicht hat: Man beißt sich mehr schlecht als recht durch und kommt mit Leuten in Kontakt, die ausgesprochen abweisend sein können. Und obwohl ich nun Teil dieser Branche bin, die sich manchmal Neulingen gegenüber wie eine uneinnehmbare Festung präsentiert, stehe ich instinktiv eher auf der Seite derer, die versuchen, die Mauern zu erklimmen."

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Kapitel 41 mit Übungsaufgabe

08.10.2008© 2008 Autorenhaus Verlag GmbH, Berlin
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Leserbeiträge

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Eingetragen am: 20.12.2008 von sjoukje
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21369

„Lena, komm’ mal schnell.“ Miriam packte Lenas Hand und zog sie mit. „Nanni geht es nicht gut, sie wird sterben.“ „Sie ist doch nur ein Robotter, oder?“ Miriam wurde kreideweiß. „Sie ist unsere Nanni. Sie hat uns auf die Welt gebracht und wir lieben sie.“ Lena schluckte und als sie die anderen Kinder sah, die ängstlich im Flur auf und ab gingen, begriff sie. Andreas sagte: „Sie möchte jedes Kind einzeln bei sich haben. Als nächstes bist du dran Lena, sie wartet schon.“ Lena drückte die Türklinke runter und sah das vertraute Bild. Nanni im Schaukelstuhl, anders kannte Lena sie nicht. „Hallo Lena, komme ruhig näher.“ Lenas Knie zitterten. „Setze dich zu mir. Ich kenne deinen Schmerz. Ich weiß, dass du Sehnsucht hast nach deiner Welt.“ Nach einer kleinen Pause fuhr sie fort: „Hör gut zu Lena. Es gibt eine Verbindung zwischen deiner und unserer Zeit. Ich habe dich damals gefunden und mitgenommen. Der Brunnen war ausgetrocknet, dein Glück, aber jetzt sprudelt wieder Wasser aus der Erde. In der Mitte des Brunnens ist eine Schacht. Aus dieser Schacht steigen Schwefeldämpfe empor, die du aber nur nachts wahrnehmen kannst. Bei Vollmond kannst du sie am besten sehen. Falls es dir gelingen sollte, diesen Brunnen zu finden ...“ Sie rang nach Luft und krächzte weiter: „Dann steige in die Schacht. Du wirst tief fallen und genau wieder da landen, wo du her kommst.“ Sie lachte. „Aber es ist nicht ungefährlich, pass also gut auf. Gehe immer nach Norden durch den Wald und du wirst den Brunnen finden.“ Ihre Stimme brach. Sie reichte Lena die Hand und diese drückte das kalte Stahl. „Danke Nanni.“ „Viel Glück Lena und hole mir bitte den Holger herein, bist du so lieb?“ Verwirrt verließ Lena das Zimmer und sagte: „Holger, sie möchte dich jetzt sehen.“

„Wie alt war sie eigentlich?“ Lena und John saßen auf einem Baumstamm. „Fünfzig und das ist schon alt für einen Robotter. Ihr Innenleben war ziemlich kaputt und die Teile konnten nicht ausgetauscht werden.“ Sie stand auf. „Ich muss dir etwas sagen John.“ Lena flüsterte, obwohl niemand in der Nähe war. Er sah sie aufmerksam an und mit hochroten Wangen erzählte sie, was Nanni ihr verraten hatte. „Ich werde den Weg dorthin finden John und dann verlasse ich euch.“ Er stand auch auf und hatte Tränen in seinen Augen. „Lena, lass mich bitte nicht alleine.“ Er nahm ihre Hand. „Ich muss John!“ „Dann werde ich dir dabei helfen. Ich verspreche es dir und wenn wir den Brunnen gefunden haben, gehe ich mit dir in deine Zeit.“


Eingetragen am: 05.12.2008 von britta khokhar
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20944

endlich hat das neue jahr angefangen und die letzten drei schweren jahre waren vorbei. susannes Kampf hat sich gelohnt. Ihr Sohn wurde aus dem gefängnis entlassen und bei einem wiederaufnahmeverfahren freigesprochen. Im august werden sie in urlaub fahren zu ihrer übrigen familie in paskistan. Auch ihr sohn wird dem grossvater seine frau und tochter vorstellen. Sie werden nicht alleine zurückkommen. sie darf ihren Neffen nach deutschland mitnehmen. Ihr traum ging in erfüllung ihren Neffen den weihnachtsmarkt zu zeigen. Mehrer Monate dürfen sie zusammen bleiben. Ihren durchbruch als autorin hat sie auch geschafft nach langer harter arbeit und einen job hatte sie im neuen jahr bekommen der ihr sehr viel spaß macht. es lagen harte jahre hinter ihr und ihrer famile aber sie haben es geschafft. Sie macht jetzt sogar mit ihren 51 jahren eine ausbildung zu bewährungshelferin und setzt sich mit ihrer freundin die ein forum für unschuldig inhaftiert hat für die leute ein. Sie war eine ebenso betroffene Mutter. In dem forum sind bundesweit udn weltweit mitglieder. Manche kennen sich, manche nicht. sie wünscht sich die nächtsten jahre nur schöne jahre. Ach noch eine schöne nachricht. ihre anderen söhne werden endlich auch väter.


Eingetragen am: 24.11.2008 von Beate Kranz
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20622

Mel Jacobs bekommt einen Anruf von der französischen Polizei, daß ihr Vater Julius Jacobs bei einem Badeunfall in der Normandie ums Leben gekommen ist.
Mel weist darauf hin, daß ein Irrtum vorliegen müsse, da ihr Vater vor über zwanzig Jahren bei einem Segelausflug im Ärmelkanal ertrunken sei.
Die Polizei bittet sie trotzdem in die Normandie zu kommen, da sie Beweise hätte, daß es sich bei dem Toten um ihren Vater handelt.
Widerwillig fährt Mel in die Normandie und steht dort vor dem Leichnam ihres Vater.
Sie muß sich damit auseinandersetzen, daß ihr Vater vor zwanzig Jahren den Segelunfall vorgetäuscht hat und seitdem unter einem anderen Namen weiter gelebt hat und geheiratet hat.
Als man ihr mitteilt, daß seine zweite Frau schwer verletzt in einem Krankenhaus liegt, fährt sie dorthin und steht vor dem Bett ihrer eigenen Mutter, die sechs Monate, bevor ihr Vater ums Leben kam, angeblich an einem Herzanfall starb.
Erschüttert und verwirrt ruft sie ihre beiden Brüder an, die seit mehreren Jahrzehnten in Neuseeland leben. Noch bevor die Brüder in Frankreich ankommen, stirbt die Mutter an ihren Verletzungen.
Die drei Geschwister stehen vor der schwierigen Aufgabe, die vergangenen zwanzig Jahre neu zu bewerten und mit dem Betrug und den erneuten Verlust der Eltern fertig zu werden.


Eingetragen am: 14.11.2008 von Amanda
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20258

Birthe flieht aus dem Schloss in ein anderes Land. In einer Kurve stürzt die Kutsche um und Birthe verletzt sich so sehr, dass sie ein paar Tage nicht reisefähig ist. Sie bleibt im Gasthof des nächsten Ortes. Dort lernt sie einen Mann kennen, der ihr sehr gefällt. Er ist Pastor und sie bespricht mit ihm ein paar lebenswichtige Fragen aus ihrem Leben. Aber sie kommt zu spät bei ihrem Vater an. Der ist verreist und die Frau, mit der er zusammenlebt, ist wütend und zerstört die Beziehung zwischen Vater und Tochter, wo wer kann.


Eingetragen am: 09.11.2008 von Sigrid Leister
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20072

Die Toskana war kalt und nicht erfüllt von jenenm unbeschreiblichen südlichen warmen Flair das man ihr immmer nachsagte, zumindest nicht für Ines. Ihre Gefühle waren stumpf und farblos.
Ohne wirkliches Interesse beobachtete sie die Landschaft, die sich vor ihr ausbreitete wie ein weicher Teppich. Die Sonne lugte gerade über den Rand des Horizontes und zog die kalte Decke der Dunkelheit von der Landschaft zurück. Ines wünschte sich von ganzem Herzen die Schönheit wieder spüren zu können. Erwartungsvoll lauschte sie nach innen um nach ein winzigen Zeitspanne enttäuscht vom Fenster zurück zu treten. Leise, um die anderen Beiden nicht zu wecken, verließ sie das gemietete Ferienhaus, das aus einem einzigen Raum bestand in dem ein Tisch, vier Stühle und ein Doppelbett wie ein Etagenbett stand.
Sie empfand die Kälte die ihr unvermittelt entgegen schlug als etwas Reales, das sie wie einen Schauer auf der Haut spürte. Sie schlang die Arme um ihren Körper, drehte ihr Gesicht der Sonne entgegen. Die zarte Wärme liebkoste ihr Gesicht und sie genoss zum ersten Mal nach so langer Zeit die Ruhe des Augenblicks.
Jäh wurde dieser Augenblick durch ein schwirren, sirren, pfeifen und klatschen zerstört. Etwas schlug direkt neben ihr in die verwitterte Holzwand des Hauses ein. Entsetzt drehte sie sich schnell um die eigene Achse. Was war das? Sie suchte schnell ihre Umgebung ab und blickte plötzlich in die Mündung eines Gewehres. Todesangst sprang sie an wie ein Raubtier und nahm ihr den Atem. Panik überflutete ihr Gehirn und schwemmte jegliche logische Erklärung für den unglaublichen Vorfall weg.
Der Mann sengte langsam die Waffe und starrte sie an.
Jetzt begriff sie. Hier war ein Häuserkampf in vollem Gange.
Eines von diesen neuen Sportarten, die Menschen betrieben die den Kick suchten, gelangweilte Menager, Karrierefrauen und Touries die mal was anderes wollten als Sand, Strand und Landschaft.
Angewiedert wandte sie sich ab und ging ein Stück den staubigen Weg hinauf, der sich hinter dem weitläufigen Gelände wie eine träge Blindschleiche den Hügel hinaufwand.
Sie versuchte sich zu beruhigen, das Adrenalin wieder aus ihrem Körper herauszupumpen, indem sie die Anhöhe hinauf hetzte. Atemlos setzte sie sich erschöpft auf einen Holzstumpf und schloss die Augen. Sie keuchte und rang nach Luft. Die Angst hatte sich in die hintersten Winkel ihres Körpers zurückgezogen.
Eine Träne rollte langsam und etwas gelangweilt an ihrer Wange herunter. Sie war erstaunt wie sehr sie noch an diesem Leben hing.


Eingetragen am: 06.11.2008 von Hekate
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19984

Mit einem tiefen Seufzen wandte Hekate sich von dem Sofa ab, auf dem Raphael lag. Der Kerl hatte echt Nerven sich in der Wohnung eines Engels fast umzubringen.
Der Gedanke belustigte sie eher, als das er sie bestürzte. Mortis würde mit ihr schimpfen, wenn er herausbekam, dass sie einem Menschen das Leben gerettet hatte.

Sie setzte sich Gloria gegenüber an den Küchentisch. Das Engelchen hatte die letzte Viertelstunde kaum noch geredet.
Auch jetzt schob sie die Teetasse wortlos zu Hekate. Es war schwarzer Tee. "Ich dachte du trinkst nur Kamillentee."
Verwunderung schlug ihr aus Glorias blauen Augen entgegen: "Wieso sollte ich nur Kamillentee trinken?"
"Gute Frage", erwiderte Hekate. Vielleicht stimmten ihre Vorurteile gegenüber Engeln doch nicht, obwohl Gloria sie bis lang alle erfüllt hatte. Alle bis auf eins...
Hekate hatte vorhin nicht darüber nachgedacht, weil alles so schnell ging, aber sie hatte gesagt, dass sie ihm nicht helfen konnte. Normalerweise hätte sie doch nur mit den Fingern schnippen müssen und das Gift wäre aus seinem Kreislauf gewesen. Stattdessen hatte Gloria sie angefleht, sie - die Tochter des Teufels, ihm zu helfen.
Und noch etwas stimmte hier nicht: "Sag mal, diese schwarze Kugel, da auf der Anrichte..."
"Hab ich von Luzifer."
Eigentlich wollte Hekate fragen was es mit diesem Ding auf sich hatte, aber Gloria brachte sie mit ihrer nächsten Aussage zu sehr aus dem Konzept.
"Du hast mich mal gefragt, warum ich mit den Kindern des Teufels auf die Erde gegangen bin." Ihre Hände verkrampften sich um die Tasse, so das ihre Knöchel weiß hervortraten. "Ich bin ein Gefallener... ich habe Menschen getötet."


Eingetragen am: 30.10.2008 von Katrin
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19777

Nur eine wirre Idee für eine "Geschichte", vielleicht etwas seicht, aber vielleicht ganz witzig, meine Hauptdarstellerin wurde gerade wiedermal unschön von einem Freund verlassen... :

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Meine schlechteste Eigenschaft?

Wie soll ich die beschreiben...

Eine neue Beziehung ist für mich immer gleichbedeutend mit dem potenziellen Anfang vom "Rest meines Lebens".
Ja... ich meine das ganze "und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende" - Prozedere...
Ja... das ist etwas blau-äugig... gut sehr blau-äugig...
Und ja... das ging schon ziemlich oft unglaublich in die Hose und mein Herz hat dadurch schon einige Risse bekommen...fragen Sie nicht, wie viele... aber was soll ich machen.... ich bin hoffnungslos romantisch... und der vollkommene "Ganz oder Garnicht"-Typ...
Aber... ist nicht die Erkenntnis der erste Weg zur Besserung?
Erkannt habe ich meinen Fehler und bessern werde ich mich... erster Punkt auf meiner Liste - ein One-Night-Stand. Ohne Gefühle, einfach nur Sex mit einem Unbekannten. Ok... gesund und attraktiv sollte er nach Möglichkeit schon sein, aber da laufen doch sicher Tausende rum. Das kann doch nicht so schwer sein... man muss sich ja nicht immer erst kennenlernen, oder? Wer legt schon Wert darauf, den anderen zu kennen oder zu mögen, zumindest seinen Namen zu wissen... ich nicht ... Ganz ehrlich, glauben Sie mir, ich muss mich nicht immer verlieben, wirklich...
Eine Nacht, die nichts bedeutet? Kein Problem... das schaffe ich... hoffentlich...


Kommentar von Metta Maiwald

Witziges Selbstgespräch, scheitern programmiert ;o)

Eingetragen am: 31.10.2008

Eingetragen am: 30.10.2008 von Angelika Wagner
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19768

Da hatte sich ihr Liebster endlich mal wieder für ein Wochenende von seiner Familie losreißen können und jetzt kam einfach keine gute Stimmung auf. Lukas war mit seinen Gedanken abwesend. Irgendwie melankolisch. So hatte ihn Anne noch nie erlebt. Nicht überarbeitet, nicht genervt, sondern fremd und unberechenbar. Sie traute sich nicht fragen, was los ist. Auch körperlich ging sie instinktiv auf Abstand. Das fand sie einerseits lächerlich, andererseits machte es ihr Angst. Die letzten zwei Jahre, die sie als heimliche Geliebte dieses Mannes verbracht hatte, hatten ihre Spuren hinterlassen. Anne war ein Nervenbündel. Kontakte zu ihren Freunden hatte sie weitgehend abgebrochen. Nur ein paar Menschen waren eingeweiht in ihr Geheimnis. Doch keiner dieser Freunde verstand sie wirklich. Alle waren gegen diese Beziehung. Diese Beziehung basiert auf einer klaren Absprache: Anne ist immer verfügbar und Lukas kommt zu ihr, so oft er kann oder will.
Manchmal dauerte das Warten Wochen, obwohl Anne jede Nacht darauf vorbereitet ist, dass es eine Liebesnacht werden kann. Dieses Schattendasein lässt sie oft schier verzweifeln. Doch sobald er auftaucht, ist aller Vorwurf vergessen. Nur heute stimmt etwas nicht, denkt Anne, als Lukas abrupt aufsteht und zum Fenster geht. Er dreht sich um und schaut sie aus fremden Augen an:"Komm her.", presst er heraus. Anne zögert kurz doch der Wunsch endlich in seinen Armen zu liegen ist stärker und sie geht lächelnd auf ihn zu.Und so trifft er sie mit voller Wucht mitten ins Gesicht. Sie taumelt zurück. Er kommt ihr nach. Schützend hält sie beide Hände vors Gesicht. Doch der zweite Schlag geht in den Unterleib. Sie geht in die Knie und hört wie seine festen Schritte sich entfernen:"Lukas, bleib, bitte, bitte bleib doch. Was immer ich falsch gemacht habe, es kommt nie wieder vor. Ich tue alles was du willst, lass mich nicht alleine." Die Türe fällt zu und Anne weiß nicht was schlimmer ist, die Tatsache, dass ihr Geliebter gegangen ist oder ihr schmerzender Körper. Ihre Wange brennt und ihr Unterleib zieht so sehr, dass sie nicht aufstehen kann. Doch die körperliche Sehnsucht nach der Nähe dieses Mannes ist schlimmer als jeder Schmerz. Anne wiegt sich wieder mal selbst in den Schlaf. Als sie aufwacht, hat sie einen Entschluss gefasst: Sie will alles, aber auch alles tun was er will. Wenn es so wichtig für seine berufliche Karriere ist, muss sie sich halt ab und zu überwinden und seine Geschäftspartner ein bischen verwöhnen. Wenn dann alles gut läuft, wird er irgendwann ganz ihr gehören.


Kommentar von Metta Maiwald

Versuch mal, mehr in die Situationn einzutauchen, mehr zu zeigen, statt zu erzählen, und sinnlicher zu schreiben - Gerüche, Geräusche, Berührungen. Weniger Adjektive, mehr Dialoge. LG Metta

Eingetragen am: 31.10.2008

Eingetragen am: 22.10.2008 von Monika
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19548

Die zitternden Hände ihrer Mutter warm umgriffen,
bemüht in ihre Stimme Verlässlichkeit, Wärme und Zuversicht zu legen,
mehr noch der Fels inmitten deren wogender Verzweiflung zu sein,
hatte sie ihr Versprechen gegeben:
„Niemals, niemals werde ich es zulassen, dass Du in ein Heim musst!
Ich werde bis zuletzt für Dich da sein!“

„Verdammt!“
Ein Staudamm der Verzweiflung brach sich seinen Weg.
Warum war sie gezwungen ausgerechnet dieses Versprechen zu brechen?


Kommentar von Metta Maiwald

Vielleicht den ersten Satz in mehrere aufteilen? Als Dialog? Zeigen statt beschreiben. "Muss ich ins Heim?" Die Stimme der alten Frau zitterte. "Nein, Mama", Mona hielt die Hand ihrer Mutter fest umschlossen, "ich werde immer für dich da sein." - Verdammt, warum musste sie dieses Versprechen jetzt brechen? - Es interessiert mich natürlich, welche Umstände den Wortbruch erzwingen.

Eingetragen am: 31.10.2008

Eingetragen am: 22.10.2008 von Linda Cuir
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19539

.....weiter Anjali

Es war schon fast ein
halbes Jahr vergangen, da erschien Lady Elizabeth in der Küche. Sie trug ein dunkelgrünes Seidenkleid und eine dreireihige Perlenkette um den Hals. Ihre blonden Haare waren zu einem Knoten zusammengesteckt. Sie gefiel mir. So wollte ich auch mal aussehen! Die weißen Perlen hatten einen seidigen Glanz und jede Perle hatte die gleiche Größe und Farbe. Ich war fasziniert und konnte meinen Blick kaum von dieser Kette nehmen. „Guten Tag, Anjali, ich hoffe, du hast dich hier gut eingelebt? Mary sagte mir, du bist sehr fleißig und pünktlich.“ Ich war vollkommen durcheinander. „Äh“, ich brachte keinen vernünftigen Satz heraus. Stattdessen machte ich schnell einen Knicks vor ihr. Sie lächelte mich an. Dann setzte sie sich mit Mary an den großen Küchentisch und sie besprachen ein Festessen. Ich war sehr erstaunt darüber, denn normalerweise ging Mary vormittags auf die Veranda um dort mit der Lady die Tagespläne zu besprechen. Ich lauschte.
„Mary, am nächsten Samstag werden wir die große Soiree geben. Lady Esther trifft in zwei Tagen hier ein. Wir haben ungefähr einhundertfünfzig Gäste zu uns gebeten.“ „Sehr wohl Mylady. Tarun und ich werden alles zu Ihrer Zufriedenheit vorbereiten.“ „Danke, Mary“, sagte die Herrin und verließ die Küche. Die schwere Seide ihres Kleides raschelte bei jeder Bewegung. Es war das erste Mal, dass ich Lady Elizabeth aus der Nähe gesehen hatte. Mary wusste natürlich viel mehr über diesen Besuch und erzählte mir, dass die junge Frau Ärztin war, und oben in den Bergen in einer Krankenstation arbeiten wollte. „Die junge Dame soll auf diesem Fest in die feine Gesellschaft Colombos eingeführt werden. Sie stammt aus einer der besten Familien Londons“, sagte Mary mit einer gewissen Hochachtung in ihrer Stimme. Ich wurde ganz neugierig. Feine Gesellschaft, dass konnte man von unserem Sir ja nicht gerade sagen. Er kam nachts angetrunken in das Personalhaus und erzwang sich bei einem der Mädchen Einlass. Ich stellte meinen Stuhl jede Nacht unter die Klinke und nach ein paar Versuchen hatte ich Ruhe vor ihm. Ich mochte ihn nicht. Er hatte ein feistes rotes Gesicht und brüllte alle Angestellten an. In normaler Lautstärke sprach er mit dem Personal nie. Mary erzählte mir manchmal Geschichten über ihn und Lady Elizabeth. Er betrog sie mit billigen Flittchen, wie Mary das nannte. Lady Elizabeth tat mir leid. Sie hatte schöne blaue Augen, wie Master Tom. Aber sie sah traurig aus, obwohl sie doch so reich war. Ich glaubte, man müsste Glücklichsein bei soviel Reichtum.

Die folgenden Tage waren ausgefüllt mit dem Herstellen von Pasteten aus Wildfleisch, Fischen oder verschiedenen Gemüse und den entsprechenden Saucen dazu. Wir schmorten große Braten, Geflügel und backten verschiedene Sorten von Kuchen und Gebäck. Alles wurde prächtig verziert und auf kostbaren Platten angerichtet. Für diese Dekorationen hatte ich Körbchen und Blumen aus Gurken, Figuren aus Melonen oder anderem Gemüse geschnitzt. Mary ließ mich von allem kosten und freute sich, wenn ich sie begeistert lobte. Nur das rosa gebratene Roastbeef wollte ich nicht probieren. Rind, nein, ein heiliges Tier zu essen, das kam für mich nicht in Frage, auch wenn es noch so verlockend aussah und roch.

Der Garten wurde geschmückt, eine Kapelle war eingetroffen und hatte die Instrumente auf einem extra dafür vorgesehenen Podest aufgebaut. Lange Tische wurden mit weißen Damastdecken belegt und die steifen Servietten zu Schwänen gefaltet. In großen Bottichen, die mit Eisstangen gefüllt waren, lagen unzählige Flaschen zum Kühlen. „Champagner“, sagte Mary. Ihr Gesicht nahm bei diesen Worten einen verzückten Ausdruck an. Die Gärtner hatten Hunderte von Fackeln in den Boden gesteckt und auf den verschiedenen Teichen im Garten schwammen Teelichter, die nach Einbruch der Dunkelheit entzündet werden sollten.
Kurz vor dem Eintreffen der Gäste schickte mich Mary ins Personalhaus. Ich sollte mich duschen und meinen schönsten Sari anlegen. So groß war meine Auswahl ja nicht, also nahm ich den roten Sari, den ich bis zu diesem Tag noch nicht getragen hatte. Mary steckte mir noch eine Hibiskusblüte in meinen Knoten. Sie strich mir über die Wange und sagte: „Schön siehst du aus, Anjali.“ Ich glaube sie mochte mich.

Das Fest begann, alle Angestellten mussten mit anpacken. Turan war in seinem Element. Er scheuchte die zusätzlich engagierten Kellner hin und her. Er hatte an allem etwas auszusetzen. Mary war erstaunlich ruhig. Sie organisierte, kommandierte und so lief in der Küche alles perfekt. Ich war furchtbar neugierig. In einer freien Minute, die Platten waren gerade wieder aufgefüllt, schlüpfte ich schnell zur Küchentür hinaus und blickte vorsichtig um die Ecke. Dann lief ich zu einem großen Rhododendronbusch. Von dort hatte ich eine ausgezeichnete Sicht.
Die Damen trugen lange Kleider, die Herren dunkle Hosen mit weißem Jackett aus Seide. Der Schmuck der Damen glitzerte im Kerzenlicht. Musik klang leise zu mir herüber. Dann sah ich Tom. Er tanzte mit einer schlanken jungen Frau. Ihre Haare hatte sie hochgesteckt. Bei jeder Bewegung funkelten Tausende kleiner Sternchen auf ihrem dunkelblauen Kleid im Kerzenschein. Tom hielt sie eng umschlungen. Sie legte ihren Kopf an seine Schulter. Erste Tränen liefen über meine Wangen. Ich rannte schnell in die Küche zurück. Mary blickte mich lange schweigend an. "Was hatte ich denn erwartet? Ich war eine Küchenhilfe, eine Teepflückerin. Eine Unberührbare. Wie blöd war ich denn eigentlich? Er hatte Mitleid mit mir, mehr nicht." Ich arbeitete wie besessen, ich füllte die leeren Platten und Schüsseln nach, ich wusch ab, obwohl extra dazu eine Hilfe eingestellt war, ich wollte diesen Abend nur noch hinter mich bringen.
Es war schon spät, meine Haare hatten sich inzwischen aufgelöst, die Blüte lag welk auf dem Fußboden. Die Gäste waren gegangen, da wurde die Tür aufgerissen und Tarun kam schreiend hinein gelaufen: „Mohan ist tot, sie haben ihn eben zwischen den Blumenbeeten am Teich gefunden!“ Mary wurde ganz bleich. Sie blickte zu mir. Ich lächelte sie an, aber sie drehte sich abrupt um. Die Gespräche verstummten. Die bis dahin herrschende Fröhlichkeit wich eisigem Schweigen. „Keiner verlässt die Küche“, befahl Tarun und verließ den Raum.

Die Sonne war lange aufgegangen, da wurde die Küchentür aufgerissen und mehrere Polizeibeamte drängten hinein. Sie schrieen und brüllten alle durcheinander. Dann zeigte Uma auf mich. Ohne ein Wort zu sagen, zerrten sie mich vom Stuhl, drehten mir die Arme auf den Rücken und schoben mich zur Tür hinaus. Sie stießen mich, ich stolperte, sie rissen mich wieder hoch, bis wir das Polizeiauto mit vergitterten Fenstern erreichten, das an der Einfahrt stand. Ich wollte etwas sagen, in diesem Moment traf mich ein Schlag ins Gesicht. Ich taumelte, sie schlugen noch einmal zu, ich fiel, dann spürte ich ihre Stiefelspitzen in meinem Körper. Sie malträtierten mich wieder und wieder. Es gab nicht einen Platz mehr, den sie nicht blau getreten hatten. Meine Lippen waren aufgesprungen, Blut lief aus einer Wunde am Kopf. Einer der Männer packte mich und warf mich auf den Boden des Fahrzeuges. Die Türen wurden zugeknallt. Das Auto raste los. Ich verlor das Bewusstsein.


Kommentar von Linda Cuir

Liebe Angela, danke für deinen Kommentar. Gerne werde ich deinen Änderungsvorschlag aufgreifen. Liebe Grüße Linda

Eingetragen am: 28.10.2008

Kommentar von Angela Barotti

„Keiner verlässt die Küche“, befahl Tarun und verließ den Raum.“ Dieser Satz enthält eine ungewollte Komik. Besser: „Ihr bleibt hier bis die Polizei eintrifft.“ Ansonsten ist mir nichts Gravierendes aufgefallen. Wer Uma ist, der/die den Judas spielt, erschließt sich mir in diesem kurzen Text nicht. Muss es aber auch nicht. Kitschalarm musste ich keinen auslösen, allerdings ist mir deine Liebe zum Detail aufgefallen – was nichts Negatives ist und dein Hang zur Dramaturgie, der jedoch unter Beobachtung gehört, sollte er in anderen Szenen ebenfalls wiederholt zum Einsatz kommen. Alles in allem liest sich dein Text sehr unterhaltsam und kurzweilig.

Eingetragen am: 27.10.2008

Kommentar von Linda Cuir

Liebe Frog, zuerst wünsche ich Dir gute Besserung. Ja, der Beitrag ist wohl zu lang geraten. Aber nachdem ich Anajli unter Mühen wieder "aufgeweckt" hatte, fand ich kein Ende! Liebe Grüße Linda

Eingetragen am: 26.10.2008

Kommentar von Frog

Da hast Du uns ja wieder richtig viel zu lesen reingestellt. Du ziehst mich mit Deiner Erzählweise sehr schnell ins Geschehen, ich kann mit Anjali fühlen und fiebern. Komisch, immer wenn ich Deine Geschichten lese, sehe ich den fertigen Wälzer schon vor mir.:-) Liebe Grüße Frog

Eingetragen am: 25.10.2008

Eingetragen am: 21.10.2008 von KaBoe
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19497

Friedjof war ins Rutschen geraten. Wo er auch hingriff, rutschten seine Finger an den nassen, glitschigen Soden ab, mit denen das Dach gedeckt war. Erdklumpen und abgerissenes Gras rutschten mit ihm auf das Dachende zu. Maria konnte einen Schrei nur mühsam unterdrücken. Wenn sie sich los ließ, um ihrem Sohn zu helfen, würde sie genauso vom Dach fallen, wie er. Freidjof hatte das Dachende erreicht. seine Beine hingen schon in der Luft und konnten seinen Sturz nicht mehr verhindern. Er ließ los und plumpste auf den Boden. Wie ein Blitz schoß ihm der Schmerz aus dem Knöchel ins Gehirn. Der Aufprall mit der Schulter gegen den Schweinetrog verlagerte seine Empfindung hierher, bevor er auch noch mit dem Kopf auf den harten Boden knallte und bewustlos zusammensackte.
"Hoppla, was fällt uns denn da vom Himmel?" Die Soldaten hatten Friedjof entdeckt. "Wo der herkommt, können die anderen nicht weit sein. In diesem Dorf scheint man auf dem Dach zu leben." In dem der Soldat ein paar Schritte von der Hauswand zurück trat, rückte er in Ms Blickfeld. Es war vorbei. Die Soldaten hatten sie und Maria entdeckt. Sie musten aufgeben, aus dieser Falle gab es jetzt kein Entkommen mehr. Der Soldat zögerte nicht lange, sondern griff nach seiner Pistole, spannte den Hahn und zielte auf Maria. Die Frau hatte ihren Schreck bereits überwunden. Statt sich wie eine Taube auf dem First einfach abschießen zu lassen, hatte sie losgelassen und rutschte nun ebenfalls mit zunehmendem Tempo vom Dach. Die Kugel hatte sie verfehlt. Doch der Soldat riß nun seinem Kumpel die Pistole weg, spannte den Han und zielte diesmal auf M. Sollte sie auch loslassen und versuchen, sich am Boden zu wehren, wenn sie nicht genauso unglücklich aufschlug wie Friedjof?
Sie entschied sich dazu, auf den First zu klettern, was den Soldaten offensichtlich irritiert hatte, denn seine zweite Kugel schlug da in die Grassoden, wo gerade noch Ms Fuß gehangen hatte. mit einem Tritt ins Dach und schnellem Schwung gelang es M über den First zu klettern. Auf dieser Seite des Hauses war im Moment niemand. Alle waren wohl auf die andere Seite gelaufen, als sie die Schüsse hörten. M ließ sich fallen.


Kommentar von KaBoe

Danke Metta Maiwald, wie wäre es damit? Wie ein Blitz schoß ihm der Schmerz aus dem Knöchel ins Gehirn. Der Aufprall mit der Schulter gegen den Schweinetrog brach sein Schlüsselbein, dann schlug er auch noch mit dem Kopf hart auf den Boden und er sackte bewußtlos zusammen. Irgendwie habe ich das Gefühl, bei meinem ersten Text hat es mehr weh getan. ; ) M heißt vollständig Magdalena, Magda, Lena, Leni, je nachdem, mit wem sie spricht. 10 000 mal den Namen auszuschreiben ist mir für die Rohfassung zu stressig, das erledigt WORD später auf Tastendruck. Namen, die im Text häufig vorkommen, belege ich deshalb generell gern mit eindeutigen Zuordnungen. Man soll die Technik nutzen. Für externe Leser ist das ein Problem. Bei weiteren "Veröffentlichungen" will ich darauf achten. Danke für die Anregung.

Eingetragen am: 06.11.2008

Kommentar von Metta Maiwald

"... verlagerte seine Empfindung hierher" finde ich zu umständlich formuliert, besonders bei der Dynamik des Geschehens, während die ersten Sätze so gelungen sind, dass man förmlich spüren kann, wie Friedjof verzweifelt nach Halt sucht. Bei der Namensabkürzung stimme ich mit Lillilu überein. Wenn der Text später verwendet werden soll, noch mal auf Tippfehler überprüfen.

Eingetragen am: 31.10.2008

Kommentar von Lillilu

Tolle, spannende Geschichte, humorvolle Einsprengsel. Ist es das Jahr 1945? Erinnert an "Anonyma", der Film, der gerade anläuft und autobiografisch ist. Die Abkürzung für Namen irritiert.Würde ich gerne als Buch lesen.

Eingetragen am: 22.10.2008

Eingetragen am: 20.10.2008 von Gerhild Bauer
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19463

Der Fenstersturz
Anna betrat den Hof und ihre Augen suchten die Kreidestriche auf dem dunklen Pflaster, die die Form eines liegenden Körpers wiedergaben.
Es könnte eine Kinderzeichnung sein, dachte Anna oder die rasch hingeworfene Skizze eines Malers.
Sie schloss die Augen. Alle diese Fantasien halfen nicht über die Tatsache hinweg, die Striche waren keine Kinderzeichung und kein Kunstwerk, sie gaben die Lage des Körpers einer Frau wieder, die gestern aus dem Fenster gestürzt und sofort tot war. Unfall, Mord oder Selbstmord?
Sie sah zu dem dreiteiligen Fenster im vierten Stock empor, das nun geschlossen und gleichgültig ihren Blick erwiderte, nicht bereit, das Geheimnis des Sturzes preiszugeben.
Anna fühlte die Stille und das Entsetzen. Nur die leichte Bewegung eines Vorhanges im zweiten Stock verrieten ihr, dass doch Leben im Hause war. Die Stille begleitete sie durch den Gang mit den grünen Blattfliesen an den Wänden. Die Stille kroch die Stiegen hinauf und drang in die Wohnungen ein.
Anna öffnete das Gitter zum Fahrstuhl, in dem sie das Blattmotiv wiederfand und fuhr bis in den vierten Stock. Dort wartete Therese Maleta auf sie.
Sie sperrte mit ihrem Schlüssel auf und sie betraten die Wohnung.
„Kann ich ins Badezimmer gehen und die Medikamente meiner Mutter überprüfen, ich habe gestern nicht daran gedacht.“
„Welche Medikamente?“
„Mutter nimmt... nahm Amlodipin, das ist ein blutdrucksenkendes Mittel und ein Vitaminpräparat. Ich hoffe, sie hat sie eingenommen und nicht wieder vergessen. Sie ist diesbezüglich so nachlässig, erstaunlich für eine Apothekerin,“ sagte sie nachdenklich, „obwohl wir nur zu gut wissen, dass der Tod die Medikamente oft völlig ignoriert.
Meine Mutter hat sich am Freitag maßlos über diese Leiterin des Kurses geärgert, und sich so aufgeregt, dass sie kaum sprechen konnte, hat mir Klaus erzählt.“
„Klaus?“
„Klaus ist mein Sohn, er geht hier in der Nähe zur Schule, er isst... aß bei ihr, wenn er Nachmittagsunterricht hatte. Diesen Freitag war sie schon zu Hause, als er kam, sie ist ja wütend aus der Volkshochschule gelaufen.
Anna nickte.
„ Ich habe sie noch am Abend angerufen, ich machte mir Sorgen um sie.
Sie hat Frau Meissner nie besonders gemocht, hat aber gerne am Kurs teilgenommen. Diese Inkonsequenz, meiner sonst so konsequenten Mutter hat mich immer ein wenig gewundert. Und sie war so verbittert, dass ihre Kriminalromane nicht veröffentlicht wurden. Vor einigen Jahren ist sie zu einem Verlag gefahren um persönlich vorzusprechen, doch ohne Erfolg.“
Frau Maleta öffnete ein Wandschränkchen im Bad und nahm zwei schmale Plastikbehälter heraus, die für jeden Tag in der Woche ein Fach aufwiesen.
„Sehen Sie, wie ich es mir gedacht habe, sie hat ihre Medikamente nicht genommen! Sehen Sie, beide Schachtel sind voll.“ Sie blickte Anna an und begann zu weinen.
„Sie wurde nicht gestoßen. Sie ist gestürzt. Meine Mutter ist... war so vorsichtig, übervorsichtig. Sie ließ niemanden in die Wohnung, den sie nicht wirklich gut kannte. Nicht einmal den Briefträger. Wenn der Rauchfangkehrer kam, musste immer jemand von uns anwesend sein.“
„ Es ist hier so sauber, hatte ihre Mutter eine Reinigungsfrau?“
„Aber wo! Sie hat alles selbst gemacht. Drei – bis viermal im Jahr bin ich mit meiner Reinigungsfrau hergekommen und wir haben einen Großputz veranstaltet. Sie sagte immer: „Wenn ich meine zwei Zimmer nicht mehr reinigen kann, gehe ich in ein Seniorenheim.“
Nie wäre sie in ein Seniorenheim gegangen. Nun, das ist jetzt nicht mehr notwendig.“ Sie machte eine Pause, um die Ungeheuerlichkeit des Gesagten in sich nachklingen zu lassen.
Therese Maleta schloss die Türe des kleinen Schränkchens.
„ Ich glaube, und ich weiß, ich sollte es nicht sagen,“ sie strich behutsam über die schmale Tür des Kästchens, „meine Mutter war eine sehr, sehr schwierige Frau“.


Kommentar von Metta Maiwald

Klasse Einstieg. Es gelingt Dir, die Stimmung einzufangen. "Die Stille kroch die Stiegen hinauf" gefällt mir, aber die Wiederholung muss nicht sein, zumal das Wort "Blattfliesen" auch mich verwirrte. Während sie durch den Gang geht, hört man ja sicher ihre Schritte. Wie wäre es, wenn die Stille zu der am Fahrstuhl wartenden Anna herunterkriecht? Ich hatte erst Schwierigkeiten, zu erkennen, wer denn nun die Tochter ist (habe vielleicht auch nicht alle vorherigen Beiträge gelesen). Eine Buchveröffentlichung zu thematisieren, finde ich meist problematisch. Es ist wie ein Kreisen um sich selbst: Die erfolglose Romanautorin. Im Dialog erfahre ich einiges über die Mutter. Gut finde ich, wie die Tochter sich mehrmals selbst korrigiert und von der Gegenwart in die Vergangenheit wechselt.

Eingetragen am: 31.10.2008

Kommentar von Angela Barotti

„Die Stille kroch die Stiegen hinauf und drang in die Wohnungen ein.“ Dieser schöne Satz von dir hat mich gedanklich ebenfalls die Stiegen hinaufsteigen lassen. Ich war mindestens schon in der zweiten Etage. Dann musste ich jedoch wieder umkehren, da mir die Autorin befahl den Fahrstuhl zu nehmen. ;-) / Grüne Blattfliesen sind Fliesen in Form eines Blattes. Ist das so gemeint? Oder handelt es sich um normale rechteckige Fliesen mit einem grünen Blattmotiv? Und warum muss das überhaupt erwähnt werden?/ Warum ist es für die Tochter wichtig, ob die Mutter ihre blutdrucksenkenden Tabletten genommen hat? Ein freiwilliges aus dem Fenster springen oder geschubst werden kann ich daraus nicht ableiten. / Alles in allem gefällt mir der erste Teil bis zur Wohnungstür deutlich besser als der Part in der Wohnung. Hier solltest du noch an den Dialogen feilen, damit deutlicher wird, warum die gestellten Fragen nach den Medikamenten solch eine Gewichtung für dich als Autorin haben.

Eingetragen am: 27.10.2008

Kommentar von Elisabeth

Man spürt am Anfang die Kälte, die ein Tod mit sich bringt und, dass Anna ihr Entsetzen verdrängt, weil sie es muss. Der Schlusssatz klingt geheimnisvoll. Ich bin gespannt, wie es weitergeht! Liebe Grüße

Eingetragen am: 22.10.2008

Eingetragen am: 20.10.2008 von RoseCanyon
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19461

Samantha Crofter (Hotelgast) ist überzeugt, schon von Kindheit an hellseherische Fähigkeiten zu besitzen. Ständig würzt sie ihre Gespräche mit Vorhersagen, die ihre Kristallkugel bzw. ihre Karten ihr prophezeit hätten. Zunächst spotten die anderen überwiegend hierüber, doch als Samantha einen Mord ankündigt, der dann wirklich eintritt, steht sie im Mittelpunkt des Interesses. Molly kehrt ins Haus zurück und hört sofort, dass etwas im Speiseraum nicht stimmt. Sie geht auf Elsy (Hotelbedienung) zu, als diese gerade das Zimmer verlässt:

„Elsy, ja Elsy, was ist denn los mit Ihnen? So kreideblass, wie Sie aussehen….als hätten Sie einen Geist gesehen…kommen Sie, setzen Sie sich einen Augenblick hier an den Kamin. Mein Gott, Sie zittern ja am ganzen Leibe. Was ist denn geschehen?“
„Molly“, stammelte Elsy, „Molly, er wird wiederkommen! Er wird kommen und uns holen“, Elsy schlug die Hände vor den Mund. Ihr Atem schien still zu stehen. Dabei bildeten sich dicke Tränen in ihren Augen. Rasch setzte sich Molly zu ihr auf die kleine Kaminbank, schob ihre Hand hinter Elsys Oberarm und zog sie sanft zu sich heran. Ein qualvoller Seufzer, schoss durch Elsys Kehle – fast einem wimmernden Hund gleich. Dann bahnten sich die Tränen ihren Weg über Elsys Wangen abwärts. Zögerlich erhob Elsy wieder ihre Stimme: „Molly, ich habe solche Angst. - Angst vor dem Mörder. Er wird wiederkommen. Und dann bringt er uns alle um!“ Sie blickte Molly mit weit aufgerissenen Augen an und hauchte: „Ich will nicht sterben!“.
Molly schüttelte ihren Kopf voller Unverständnis. „Aber wer sagt denn so etwas? Das ist doch reiner Unsinn.“ Sie spürte, wie eine Träne auf ihre Hand tropfte und zog rasch ein Taschentuch aus ihrer Hosentasche. „Hier nehmen Sie“, forderte sie Elsy mit ruhiger Stimme auf. „Und dann erzählen Sie mir erst einmal, wer Ihnen dieses Schaudermärchen aufgetischt hat“.

Elsy ergriff das Taschentuch, trocknete sich die Wangen und schnäuzte sich kräftig, bevor sie Molly von Samanthas neuen Prophezeiungen berichtete. Molly traute ihren Ohren nicht, was sie da hörte. Zorn stieg in ihr auf. Und kaum hatte Elsy ihre Ausführungen beendet, sprang Molly auch schon erbost auf.
„Nicht zu fassen, was diese Person sich anmaßt! Schürt Angst und Schrecken mit ihrem Unsinn. Wahrsagerei – pphh, dass ich nicht lache. Die Kristallkugel, die gezinkten Karten – das ist doch alles reiner Humbug. Möchte bloß wissen, was diese Tussi wirklich im Schilde führt.“
„Aber“, Elsy blickte sie verwirrt an, „aber es hat doch gestimmt. Den letzten Mord hat sie doch auch vorher in der Kugel gesehen.“
„So?“, zischte Molly und fuhr aus ihrer Haut, „hat sie das? Ich hatte nicht den Eindruck. Was waren denn noch ihre Worte? Sie sagte: Eine Leiche wird im Nebel vom Wind davongetragen und vom Wasser wieder ausgespien. Überlegen Sie mal: Haben Sie jemals eine fliegende Leiche gesehen oder einen ausgespuckten Toten? Das ist alles hingerotzter Schwachsinn. Und bei einem Krimi-Dinner wird sich das passende Ereignis schon in irgendeiner Form einstellen, nicht wahr?“ Molly holte tief Luft. Dann fuhr sie fort: „Merkt Ihr denn gar nicht, wie sie mit Euch rumspielt? Nur weil irgendetwas passiert ist, glaubt Ihr gleich, sie wäre die Jungfrau Maria. Aber den anderen Murks, den sie von sich gibt, den schiebt Ihr beruhigt beiseite. Wie war das denn noch mit den rosa Schweinchen und den kreisenden Messern? Heute faselt sie etwas von Ufos, morgen von Marsmenschen und dann von blauem Suppengrün. Und diesen Nonsens wollen Sie wirklich glauben? Elsy, Sie sind doch kein kleines Kind mehr, dem man Märchen erzählt!“


Kommentar von Metta Maiwald

Ein paar Adjektive (dicke Tränen, qualvoller Seufzer, "fast" einem wimmernden Hund "gleich" = wie ein wimmernder Hund) streichen. Den Wutanfall finde ich klasse, sehr kreativ, hingerotzter Schwachsinn, Jungfrau Maria. Von "rosa Schweinchen" bis "blauem Suppengrün" sind es mir dann doch zu viele Beispiele.

Eingetragen am: 31.10.2008

Kommentar von Gerhild Bauer

Den zweiten Absatz würde ich ein wenig überarbeiten- z. B. Seufzer genügt meiner Meinung. Ich bin schon gespannt, wie du die Vorhersage löst. L.G.Gerhild

Eingetragen am: 20.10.2008

Eingetragen am: 20.10.2008 von Carola Ottenburg
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19446

Anders lautenden Gerüchten zum Trotz gibt es Hinnerk und Johanna noch ;-)
Rieke und Martin sind Geschwister von Hinnerk.

Den Türknauf noch in der Hand, blieb Rieke einen Moment stehen, als lausche sie den Schritten des Arztes hinterher. „Rindfleisch“, murmelte sie schließlich und schüttelte den Kopf. „Der hat gut reden.“
Mit einem Seufzer wandte sie sich um, nahm die Blechdose mit dem Geld vom Regal und kippte deren Inhalt auf den Tisch.
„Was machst du?“, fragte Hinnerk.
„Wonach sieht es wohl aus?“ Ohne aufzusehen schob Rieke die Münzen zu drei kleinen Häufchen zusammen. „Miete für kommende Woche, Lebensmittel, Mamas Medizin“, sagte sie leise. Danach lagen nur noch ein paar einzelne Pfennige auf der zerkratzten Holzplatte. Rieke verzog den Mund. „Sie müssen auf eine gehaltvolle Diät achten. Viel Eiweiß, vorzugsweise mageres Ochsenfleisch; unter den gegebenen Umständen geht notfalls auch Rindfleisch“, äffte sie die Worte des Arztes nach und lachte. Es war ein böses Lachen, ohne jede Spur von Fröhlichkeit. Jetzt erst sah sie Hinnerk an. „Weißt du, was das Pfund Rindfleisch kostet? Das hier“, sie zeigte auf die Pfennige, „reicht nicht mal für Suppenknochen.“
Hinnerk schwieg. Es gab eigentlich auch nichts zu sagen.
„Außerdem brauchen wir neue Kohlen“, fuhr Rieke fort. „Wir haben fast keine und ohne nützt uns auch das Fleisch auch nichts.“
Hinnerk spürte, dass sie irgendwie eine Frage gestellt hatte und nun eine Antwort von ihm erwartete. Aber er wusste ja auch keine Lösung. Er kratzte sich im Nacken. Vielleicht wäre jetzt eine gute Gelegenheit, ihr von dem Gespräch mit Martin zu erzählen. Andererseits fürchtete er, dass sie noch wütender werden würde. Martin war immer ein schwieriges Thema.

Ein Hustenanfall seiner Mutter ersparte ihm die Antwort. Er begann mit ein paar rasselnden Atemzügen und steigerte sich zu einem tiefen, schleimsatten Bellen.
Hinnerk setzte sich zu ihr auf die Bettkante und schob das Kissen zurecht, um ihr das Atmen zu erleichtern. Er konnte wenig tun, außer ihr den Schweiß von der Stirn zu tupfen, während der Husten ihren ausgezehrten Körper beutelte. Als der Anfall vorüber war, wischte er ihr den Auswurf von den Lippen. Anfangs hatte er sich vor dieser Tätigkeit geekelt. Inzwischen achtete er nur noch darauf, den mit Blutklumpen durchsetzten Schleim nicht an die Finger zu bekommen. Den Lappen warf er in den Korb mit der Schmutzwäsche. Der Arzt hatte zum Verbrennen geraten. Als ob sie es sich das leisten konnten. Auskochen musste reichen. Noch etwas, für das sie Kohle brauchten.
Hinnerk humpelte zum Fenster und starrte hinaus auf das Kopfsteinpflaster, während Rieke seine Stelle auf der Bettkante einnahm. Er hörte es rascheln, Wasser plätschte, dann raschelte es wieder. Danach folgte lange nichts. Hinnerk drehte sich um.

Rieke saß noch immer auf der Bettkante. Sie hatte die Ellenbogen auf die Knie gestützt und den Kopf in den Händen vergraben. So verzagt hatte Hinnerk seine Schwester noch nie gesehen. Bestürzt erkannte er, dass auch ihre Schultern schmal und knochig waren.
„Ich habe Martin getroffen“, sagte er vorsichtig.
Rieke fuhr hoch. „Ach ja? Und wieso hat er sich hier nicht sehen lassen? Hat er den Weg nicht mehr gefunden oder war er zum Laufen zu besoffen?“ Sie stützte die Hände in die Hüften. „Wofür habe ich eigentlich drei ältere Brüder, wenn ich Mama doch allein durchbringen muss?“
Der Vorwurf kränkte Hinnerk. „Bestimmt find' ich nächste Woche wieder Arbeit“, sagte er. „Spätestens übernächste. Und dann haben wir auch wieder mehr Geld.“
Rieke starrte ihn böse an. „Wie großzügig! Und bis dahin hoffen wir darauf, dass nichts mehr passiert, ja?“
Hinnerk sah auf seine Schuhspitzen. An einer Stelle löste sich das brüchige Leder bereits von der Sohle. Nichts, was sich nicht mit etwas Leim und ein paar Nägeln beheben ließ. „Für den gebrochenen Zeh kann ich doch nichts“, sagte er schließlich.
„Ne, dafür nicht.“ Diesmal sprach sie es nicht aus, aber Hinnerk wusste, dass es wieder einmal um Johanna ging. Aber Hinnerk wollte nicht über Johanna sprechen.
„Martin hatte da so eine Idee“, sagte er statt dessen.


Kommentar von Metta Maiwald

Hallo Carola, klasse, wie Du Hinnerk wieder charakterisierst, dieses typische Nackenkratzen und auf die Schuhspitzen starren. Den Zauberberg habe ich schon durchforstet - wo ich die Aufzeichnungen nur gelassen habe? Aber der spielt ja wohl später als Deine Geschichte. Liegekuren an frischer Luft war die vorrangige Behandlungsmethode, Spuckflaschen "Blauer Heinrich" gab es erst ab 1889, den Paravent zur Abschirmung Kranker wohl auch... Tuberkulose befällt ja auch andere Organe. Die Erstinfektion ist oft harmlos. Spätere Symptome sind Nachtschweiß, Fieber, Kopfschmerzen, Sehstörungen. Ochsenfleisch ist doch aber auch Rindfleisch!? Aber ich glaube, das ist zarter als von Kühen, oder? LG Metta

Eingetragen am: 31.10.2008

Kommentar von Angela Barotti

Ein Text, der während des Lesens den Wunsch auslöst, sich die Hände zu waschen. Das ist als Kompliment gemeint. Das schleimsatte Bellen und der mit Blutklumpen durchsetzte Schleim sind Reizwörter. Hinnerks (damaliger) Ekel überträgt sich auf den Leser. Man wird automatisch ins Geschehen hineingezogen – ob man will oder nicht. Ganz klasse! / Frogs Bedenken zum Wort ‚Diät’ teile ich. Es hört sich in der Tat sehr modern an. Tausche es doch einfach gegen ‚Ernährung’ aus. Allerdings möchte ich Malea widersprechen hinsichtlich des „modernen“ Dialoges. Ein Roman, der z. B. im Mittelalter spielt, stellt sich auch auf heutige Leserohren ein und wird deshalb nicht durchgängig in dem damals herrschenden „Teutsch“ geschrieben sein, sondern nur hin und wieder mit ein paar altmodischen Wörtern glänzen. Das sollte genügen. Deshalb würde ich dich bitten, nur sehr sparsam mit der von dir erwähnten Patina umzugehen.

Eingetragen am: 24.10.2008

Kommentar von Carola Ottenburg

Danke für Eure Anmerkungen. @papaya: Danke für das Lob. Ich hatte befürchtet, Rieke zu knapp geschildert zu haben. Die Geschichte spielt Mitte des 19. Jahrhunderts. Das ist in diesem Text allerdings nicht aus sich heraus erkennbar.// @Lillilu: Danke für den Tipp zum Waschen. Ich werde ihn auf jeden Fall beherzigen. Das Du den Text als lebendig und bildhaft empfindest, freut mich sehr. // @Karin: Freut mich, dass der Text Dich fesseln konnte. So soll es sein. :-) // @Gerhild Bauer: Wenn Du Riekes Reaktion nachvollziehen kannst, ist der Text gelungen. Ob Martins Idee gut ist, ist wahrscheinlich Ansichtssache. Auf jeden Fall wird sie die Geschichte voran bringen. ;-) // Malea: Du hast die Probleme auf den Punkt gebracht. Der Text ist tatsächlich erst nach dem Treffen entstanden und nur flüchtig überarbeitet (dabei ist mir ein Wort entkommen, das jetzt einsam, verloren und nutzlos im Text rumsteht). Auch an der Sprache werde ich noch feilen müssen. Die Ausdrucksweise war damals zwar erstaunlich modern (Ich bin fast vom Stuhl gekippt, als ich den Brief eines 48er's las, in dem er seiner Mutter schrieb "komm doch mal rüber"). Wahrscheinlich werde ich trotzdem noch Patina über den Text schütten müssen, um ihn der Erwartungshaltung heutiger Leser anzupassen. // @Dani: Danke für das Lob. // @warnow: Ich gebe Dir Recht. Trotzdem wird es Gesellschaftsdrama. // @Frog: Freut mich, dass der Text Dir gefallen hat. Du verfolgst die Geschichte offenbar sehr aufmerksam, da Dir so viele Details aufgefallen sind (freut mich, spricht für die Geschichte ;-) ). Mit der zeitlichen Einordnung liegst Du richtig. Auch mit Hinnerks Bedenken, das Thema Auswanderung anzuschneiden. Das Johanna der Familie vertraut ist, von Hinnerk aber später gesiezt wird, ist Absicht und liegt an dem speziellen Verhältnis der beiden. Das wird im "Vorspann" zu der Saloon-Szene deutlicher werden. Bezüglich der Diät habe ich mich vorher schlau gemacht; im 19. Jahrhundert wurde Lungenkranken neben frischer Luft sowie einem Mix aus Ruhe und körperlicher Ertüchtigung vor allem eine spezielle Ernährung empfohlen. Wie diese Diät im einzelnen ausgesehen hat, muss ich noch recherchieren (-> Notiz an mich, Zauberberg lesen!). Aber den Konversationslexika dieser Zeit habe ich entnommen, dass mageres Ochsenfleisch als besonders hochwertig angesehen wurde. Also hat der Doktor - der natürlich ein Idiot ist, sonst wäre Rieke nicht so verärgert - der Kranken eben dies, ersatzweise Rindfleisch empfohlen. Er wird ihr auch zu dem übrigen (üblichen) Programm geraten haben, was fast ebenso absurd ist. Zu einem anderen Zeitpunkt werden die Geschwister sicher auch darüber sprechen ;-) // @Elisabeth: Freut mich. Danke für das Lob.

Eingetragen am: 23.10.2008

Kommentar von

Berührendes Thema, sehr gut erzählt - und die im Raum stehenden Fragen halten die Spannung. Der Text gefällt mir ausgesprochen gut! Mit der Erzählperspektive scheinst du kein Problem zu haben. Ich bin überzeugt, daraus wird was,Carola. LG Bärbel

Eingetragen am: 23.10.2008

Kommentar von Elisabeth

Liebe Carola, bin an deinem Text "hängen geblieben", er hat mich tief berührt! Liebe Grüße

Eingetragen am: 23.10.2008

Kommentar von Frog

Liebe Carola, mir ist wohl mein Kommentar abhanden gekommen. Das ist ärgerlich. Ich schrieb darin in etwa, dass ich Deine bildhafte Sprache wieder begeistert gelesen habe. Wirklich schön, und das trotz 3. Person. Mir fielen zwei Punkte auf: Dachte die Medizin damals schon "diätisch"? Und hätte ein Doktor Menschen dieses Standes derartige Ernährungstipps gegeben? Und: Ich spekuliere, dass sich diese Handlung vor der Reise in die Neue Welt abspielt, was Hinnerk sich verständlicherweise nicht getraut zu sagen. Zuvor kommt aber Johanna ins Spiel, die der Familie wohl vertraut zu sein scheint. In Amerika indes siezt Hinnerk die "Dame". Darauf kann ich mir gerade keinen Reim machen. Aber vielleicht hast Du schlicht Handlungsstränge verändert, was ich ja auch tue :-) Ansonsten: Ich bin so gespannt auf diese Geschichte, die so schön blüht, wächst und gedeiht. Liebe Grüße von der genesenden Frog.

Eingetragen am: 23.10.2008

Kommentar von warnow

Es ist schon ein Jammer. kein Geld um eine Kranke zu pflegen. Der Text drängt zu gesellschaftlichen Veränderungen. Gruß warnow

Eingetragen am: 22.10.2008

Kommentar von Dani

Dein Text liest sich so, als würdest du gerade an einem richtig schönen Buch arbeiten, dass man am liebsten an einem Stück lesen würde. Einfach super geschrieben, alles Guter weiterhin!

Eingetragen am: 22.10.2008

Kommentar von Malea

Liebe Carola! Ein schöner Text, endlich verrätst du uns ein wenig über Hinnerks Familie. Geschickt aufgebaut, die Spannung steigt, so soll es sein. Details: Mir sind ein paar zu viele "auch" und "aber" hintereinander aufgefallen - klassisches Problem, wenn man den Text doch noch schnell einstellen will ;-) Die Sprache des gelungenen Geschwisterdialogs kommt mir ein wenig modern für das Setting vor. Es ist dadurch schwer abzuleiten, wann die Szene spielt. Allerdings kenne ich mich so gar nicht mit historischen Romanen aus, kann dir da keinen Rat geben. Liebe Grüße, Malea.

Eingetragen am: 21.10.2008

Kommentar von Gerhild Bauer

Ich konnte die Überforderung Riekes, die sich von ihren Brüdern alleine gelassen fühlt und erschöpft und verbittert ist, gut nachvollziehen. Ich hoffe für sie, dass Martins Idee gut ist und dass wir sie von dir erfahren werden. L.G Gerhild

Eingetragen am: 21.10.2008

Kommentar von Karin

Ich wollte nur ganz kurz mal drüberfliegen und schon hielt mich Dein Text fest. Sehr einfühlsam, mit echten Dialogen und in einer bildhaften Sprache geschrieben. Deine Menschen leben. Das hat mir sehr gefallen. Liebe Grüße.

Eingetragen am: 21.10.2008

Kommentar von Lillilu

Liebe Carola, bei deinem Text habe ich erkannt, dass es auch in der 3. Person sehr persönlich und bildhaft zugehen kann, es muss nicht immer die Ichform sein. Bei der Beschreibung, wie die Tochter die Mutter wäscht, würde ich einen winzigen Hinweis zum Waschen geben, sonst muss man 2x lesen. Danke für deine aufbauenden Worte unter meinen Text. LG Lillilu

Eingetragen am: 21.10.2008

Kommentar von papaya

Hallo Carola, habe den Text in einem Rutsch gelesen, die Dialoge gehen fließend ineinander über. Ich kenne die Vorgeschichte (noch) nicht, aber die Spannung unter den Geschwistern ist deutlich herausgearbeitet, da gibt es Geheimnisse. Wann spielt der Text? Anfang letzten Jhd.? Auch die einzelnen Personen haben Kontur, ich kann sie mir gut vorstellen. Schöner, trauriger Text papaya

Eingetragen am: 20.10.2008

Eingetragen am: 20.10.2008 von mp
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19441

Der Zug war voll, viel zu voll für meinen Geschmack. Unruhig rutschte ich auf meinem Sitz herum und drückte mich an die kalte Scheibe des ICE. Zum Glück hatte ich einen Platz reserviert, aber mein Berater der Bahn hatte mir wohl nicht richtig zugehört und ich saß nicht in Fahrtrichtung. Ein Versehen oder pure Absicht? Die Waagschalen meiner subjektiven Wahrnehmung entschieden sich für die negative Variante meiner Empfindung. Ein eindeutiges Ergebnis, das über jeden Zweifel erhaben schien. Dafür wird er büßen müssen, dieser Wurm.
Meine Nachbarin auf Zeit rieb sich an meiner Schulter und hinterließ ihren faden Geruch auf meinem T-Shirt. Was war das? Kölnisch Wasser? Eher nicht, ihr Dialekt verriet Düsseldorf, ihr Ticket auch. Dann vielleicht Rheinwasser, im Frühling geerntet und bei Vollmond abgefüllt. Der Stoff verfärbte sich, oder? Das Shirt war verdorben, es war neu. Nein, doch nicht, es war nur ein Schatten und wenn ich meine Sitzposition änderte, verschwand der Fleck. Ein Segen. Sie mußte meine Panik gespürt haben und entschuldigte sich ausladend.
„Ach, halb so wild, ist doch nichts passiert Gnädigste.“ Ich grinste sie an, um meine kleine Lüge zu vertuschen. Oder war es ein Schwindel? Was war Lüge und was war Schwindel. Ich sah aus dem Fenster und genoß die funkelnde Skyline im Sonnenuntergang. Bankhäuser, die versuchten den Himmel zu berühren und nicht merkten, dass sie nur auf Sand gebaut waren.
Ein Tunnel, Druck auf den Ohren gegen den ich mich mit Grimassen werte. Mein Spiegelbild zeigte ein Gesicht mit hektischen Flecken, aufgerissenen Augen und offenem Mund. Grausam! Beschämt stellte ich die Bemühungen ein und sinnierte hingegen über den Unterschied von Lüge und Schwindel.
Eine Lüge ist ein Betrug, mit dem ich einen anderen benachteilige oder mir einen Vorteil verschaffe. Oder beides? Auf alle Fälle schädige ich bewußt jemanden wenn ich lüge. Man sollte ein Gesetz erfinden, das die Lüge unter Strafe stellte. Wer lügt kommt an den Pranger und darf angespuckt werden, das ist Gesetz!
Und ein Schwindel, was war das? Wenn mir eine Situation peinlich ist und die Unwahrheit den Fragenden lediglich auf eine falsche Fährte lockt, ohne Schaden zu hinterlassen? Oder erwächst daraus mehr? Der Verlust von Vertrauen zum Beispiel. ‚Wer einmal lügt, dem glaubt man nie‘ hörte ich meine alte Oma schimpfen. Gott hab sie selig. Aber es war ja keine Lüge.
Mir gegenüber packte die junge Frau eine Papaya aus, schnitt die Frucht in der Mitte auf, entfernte umständlich mit einem Löffel die Kerne und begann ihrer Tochter Fruchtfleisch heraus zu schnitzen. Die besten Qualitäten werden übrigens erreicht, wenn die Papaya viertel reif geerntet wird, das heißt, die Schalenfarbe beginnt gerade von grün nach gelb bzw. orange umzuschlagen. Und so war es auch, das Früchtchen war reif, keine Frage.
Schmerzhaft kam die Erinnerung an die vergangenen Stunden zurück, sie waren lustig, anstrengend und sehr informativ. Würden sie mein Leben verändern, ihm eine Wendung geben, die ich so nicht eingeplant hatte? Und warum schmerzt Erinnerung? Habe ich Fehler gemacht, gelogen oder geschwindelt? Geschwindelt habe ich, jawohl! Aber nur, weil ich Angst vor einer Gegenüberstellung hatte, die unweigerlich hätte kommen müssen und dann auf mir der Druck einer Rechtfertigung liegen würde! Oder bildete ich mir nur zu viel ein und maleandertete in meiner eigenen Phantasie, in der ich einen Weg mit Stolpersteinen pflasterte?
‚Bist Du auch der?‘
Ich habe gelogen und nein gesagt. Nein, ich habe geschwindelt und nein gesagt, es war keine Lüge, ich habe daraus keinen Vorteil gezogen, nur ein Schlupfloch gefunden. Anonymität ist so wichtig, dachte ich. Warum haben dann alle ihrer Anonymität ein Gesicht gegeben? Und ich auch? Ich habe ja nur zu einem Pseudonym nein gesagt, das andere habe ich zur Schau getragen. Und das dritte? Blieb es geheim, oder habe ich mich übernommen?
Ja, die vergangenen Stunden würden mein Leben verändern, ich war mir sicher.
Der Zug fuhr langsam an einem Park vorbei. Ginkgobäume standen als Gruppe mitten auf einer Wiese und lauschten dem Rascheln ihrer Blätter. Ob sie wußten, dass sie Baum des Jahrtausends waren? Wie gerne hätte ich mich in ihren Schatten gesetzt und zugehört.
Zu spät mein junger Freund. Der Zug beschleunigte gnadenlos und die Welt auf der anderen Seite des Fensters vermatschte zu Farbbrei.
Und wieder eine ausgelassenen Möglichkeit zu lernen. Warum bin ich nur gegangen? Ich hatte doch noch Zeit!


Kommentar von

@Malea... Durch flüchtiges Lesen der Beiträge (auch auf der Pinwand) und der Kommentare, werden grundlegende persönliche Aussagen gerne übersehen und da liegt auch hier, der Hund begraben. Wer an irgendwelchen Treffen teilnehmen möchte, sollte das tun und denen, die nicht teilnehmen möchten/können -aus welchen Grunden immer-, das auch zugestehen. Ironie verstehe ich sehr gut. Sparsam dosiert und gut plaziert, würzt sie manche faden Diskussionen. Mach Dir bitte zukünftig um meine Gedanken keine Sorgen und sieh nicht Kriegspfade, wo keine sind; denn persönliche Animositäten gehören nicht hierher. Gute Zeit und friedvolle Grüße Gerti @Metta Maiwald.... Ich war einfach traurig über die Worte (Beitrag und Kommentar) von mp und habe sie kommentiert. Jeder hat eben seine Meinung und das ist gut so. Wer kann in einem Forum denn immer aktiv sein? Die meisten Teilnehmer haben neben dem Schreiben,noch wichtigere Verpflichtungen ihres Lebens zu erfüllen und es gilt immer noch...jeder kann, keiner muss IMMER mitschreiben! Und niemand ist böse darüber, wenn sein Beitrag nicht kommentiert wird. Ich lese fast alle, kommentiere jedoch nur, wenn mich darin etwas sehr berührt und korrigiere inhaltlich nie. Die Zeit und die Lust dazu, habe ich einfach nicht. Die Frage der Grüppchenbilding hat Malea in der Kommentierung meines Kommentars, selbst schon beantwortet und ist weiter oben, nachlesbar. Ich wünsche Dir viel Erfolg auf Deinem Weg und LG Gerti

Eingetragen am: 08.11.2008

Kommentar von Metta Maiwald

Hallo Gerti, im Forum wurde ja schon mehrmals beahuptet, es hätten sich "Cliquen gebildet, die sich nur gegenseitig kommentieren" - hatte das zu Deiner Befürchtung der Grüppchenbildung geführt? Ich kommentiere meistens der Reihe nach, und nur bei Zeitmangel bei denjenigen, deren Geschichten mich am meisten interessieren. Bei einem Treffen ist es nun einmal so, dass manche schüchterner sind, und vielleicht auch im Forum nicht so aktiv, dass sie sofort ein Gesprächsthema mit den anderen gefunden haben, was aber nicht bedeutet, dass sie von den anderen ausgegrenzt wurden. Ich selbst habe versucht, mit jedem zumindest ein paar Worte zu wechseln - für intensive Gespräche mit allen war die Zeit zu kurz. Und so ist sogar mein Platz unterm Ginkobaum einmal freigeworden, so dass sich jemand anders vom Rand des Tisches eingruppieren konnte...

Eingetragen am: 27.10.2008

Kommentar von Malea

Sorry M.P., aber so kriegst du gaaanz viele Kommentare ;-) @ Gerti: Schade, dass du keine Ironie zu verstehen scheinst. Oder fühlst du dich als ausgegrenzte Randgruppe? ;-) Du hast dich offen gegen eine Teilnahme am Treffen entschieden, was dein gutes Recht ist. Ich finde es menschlich verständlich aber traurig, dass du nun so begierig auf Bestätigung deiner Entscheidung durch schlechte Nachrichten zu sein scheinst. Wenn du dabei gewesen wärst, dann wüsstest du, dass M.P. sich darauf bezogen hat, dass der lange Tisch und der hohe Lärmpegel ein Gespräch in größerer Gruppe unmöglich gemacht haben. Allerdings hat, wer wollte, sich nach "Speed-Dating"-Manier mehrfach umgesetzt. Also mach dir keine unnötigen Gedanken und komm bitte wieder vom Kriegspfad herunter. Nichts für ungut, Malea.

Eingetragen am: 27.10.2008

Kommentar von Angela Barotti

Pinocchio bereut, und er möchte, dass seine lange Nase verschwindet. Meine Absolution erteile ich ihm hiermit. ;-) / Auch mir war das Treffen viel zu kurz. Mit einigen habe ich nur wenige Sätze wechseln können, mit anderen waren dafür die Gespräche umso intensiver. Und hinterher sind mir noch Dutzende von Fragen eingefallen, auf die ich zu gerne noch die Antwort gewusst hätte. Doch so bleibt mir noch genügend Gesprächsstoff fürs den Fall, dass es ein weiteres Treffen gibt.

Eingetragen am: 24.10.2008

Kommentar von

Klar Malea, das ist auch meine Meinung. Manchmal stimmt eben die Chemie aus den verschiedensten Gründen nicht und *Susi* sucht sich schon lange ihre Spielkameraden selber aus. Im Übrigen...bezog sich mein Kommentar zu M.P. auf die *Randgruppen*, die er besser integriert gesehen hätte und auf seine Flucht! Wenn Du seinen Nachtrag richtig gelesen hättest, wäre Dir das auch aufgefallen. Also kein Grund um sich zu ärgern oder unsachlich zu werden. Einen schönen Tag noch und ein schönes WE. Gerti

Eingetragen am: 24.10.2008

Kommentar von Malea

Lieber M.P.! Ich fand das Treffen auch sehr schön und interessant. Meinen Bericht darüber kannst du auf der Pinnwand lesen, dorthin wurde er gesetzt, weil wohl eine Überflutung der Übungsaufgabe mit Off-Topic-Texten befürchtet wurde ;-) Das Treffen war sowieso zu Ende, alle wollten schließlich auch noch Buchmessenluft schnuppern. Und bitte mach dir keine Gedanken über die tiefe reine Ehrlichkeit, es ist doch niemand gezwungen, sich völlig zu entblößen, nur weil er sein Gesicht herzeigt. Du machst dir unnötige Sorgen, schreibe mit so vielen Pseudonymen, wie es dir gefällt, ich freue mich über gute Texte von dir, auch wenn du dich Mariechen Pissnelke nennst ;-) @ Gerti: Grüppchen sind eine natürliche Erscheinung aufgrund stimmiger Chemie. Wir sind erwachsen, liebe Kinder, nu spielt auch mal mit der kleinen Susi, sagt keiner mehr. Und Susi kann sich aussuchen, ob und mit wem sie spielt ;-)

Eingetragen am: 23.10.2008

Kommentar von

Nun ist passiert, was ich befürchtete..Grüppchenbildung. Sei nicht traurig, schau in die Zukunft und ergreife die Chance, die für Dich bestimmt ist. Du wirst sie mit Sicherheit erkennen. Alles Gute und LG.....Gerti

Eingetragen am: 22.10.2008

Kommentar von mp

Das Treffen war schön, überraschend und interessant. Es war alles dabei, und jugendliche Ungeduld ist es immer, die Chancen verpuffen lässt, die zum Greifen nahe sind. Angemerkt hatte ich einen runden Tisch, wie bei Artus und seinen Rittern, der es leichter gemacht hätte, anderen Gesprächen zu lauschen und "Randgruppen" besser zu integrieren. Am Ende wäre ich gerne länger bei der Gruppe geblieben und bereue meinen überhasteten Aufbruch, wo es doch gerade richtig interessant wurde. Dadurch habe ich ein, zwei Gespräche nicht führen können, und das geht mir ab. Aber ich bin auch voller Zuversicht, dass ich es beim nächsten Mal besser machen kann. Auch in der Hoffnung, dass sich zwei bis zehn Autoren dazu entschließen zu uns zu stoßen, die in Frankfurt nicht dabei waren. Zusammengefasst; ich wäre gerne länger geblieben. :O)

Eingetragen am: 22.10.2008

Kommentar von Karin

mp, über Deinen Beitrag werde ich noch lange nachdenken müssen. Fast hat er mich mit seiner Melacholie angesteckt. Auch Enttäuschung schwingt darin mit. Bist du enttäuscht über Dich selbst oder über die verpasste/ausgelassene Gelegenheit? Wenn ich mich richtig erinnere, gehörst Du doch zu der Gruppe, die gar nicht zum Treffen kommen wollte - aus verständlichen Gründen - und hast Dich erst am Ende überreden lassen. Ich wünsche Dir, dass die Erinnerung daran im Laufe der Tage an Unbeschwertheit zunimmt und alles Belastende mit dem Wind verfliegt. Liebe Grüße.

Eingetragen am: 21.10.2008

Kommentar von Angela Thies

Hm, da kommt was trauriges an. War das wohl das Autorentreffen? Die Angst vor einer Blamage? mp, ich finde, du musst dich nicht verstecken oder hast du ein schlechtes Gewissen?

Eingetragen am: 20.10.2008

Kommentar von papaya

Ach M.P. wie gut ich dich versteh und ich stimm Ginko zu, die Polaritäten sinds zwischen denen wir leben. papaya

Eingetragen am: 20.10.2008

Kommentar von Ginko Korn

"Wer nicht lügen kann, weiß nicht, was Wahrheit ist", meint Nietzsche. Vorsätzliche Täuschung, die einen Irrtum zur Folge hat, ist dann ein Betrug, wenn der Getäuschte an seinem Vermögen geschädigt wird. Scherzhafte Un-Wahrheit als Schau-Spiel aber ist dem Beschwindelten bewusst, so dass er sich mit gebotener Vor-Sicht an dem Treiben erfreuen kann. Wir wollen Illusionisten sein, doch Karneval ohne Masken lässt keine Illusionen zu.

Eingetragen am: 20.10.2008

Eingetragen am: 19.10.2008 von Ginko Korn
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19432

"Achtung an Gleis sechs ! Der Intercity 721, fahrplanmäßige Abfahrt acht Uhr, fährt heute ausnahmsweise von Gleis vier ab." Die Reservierung war erfolgreich, die rote Leuchtschrift stimmt mit den Angaben auf meiner Karte überein, das Tagesköfferchen für Frankfurt findet Platz in der Ablage und während der ICE anrollt, meldet mein Magen Lampenfieber. Einen ganzen Samstag habe ich der Buchmesse gewidmet samt Aussicht auf ein Autorentreffen. "Ginko ?" Na so was ! Papaya hat in letzter Sekunde den Zug erreicht, zwei nicht reservierte Sitzplätze ergattert und lädt mich zum Umzug an ihre Seite ein. Ich bin entzückt, meine Beine weniger, denn von unten haucht es eiskalt. Von Mitreisenden bereits angegangen, gesteht der Schaffner seine Hilflosigkeit gegenüber der elektronisch gesteuerten Klimatisierung. Immerhin verteilt er Gutscheine für heißen Kaffe, die vom Aufwärter zügig umgesetzt werden. Guter Mann ! Unsere erwärmten Sprechorgane relativieren die zweistündige Fahrtzeit zu gefühlten dreißig Minuten. Mangamädchen flattern um das Messezentrum. Die treffen sich heute hier. Süß ! Papayas Freundin hat uns abgeholt und Geburtstag, was ein Plüschpinguin mit drolligem Tanz unterstreicht. Die Leute aus dem Zugabteil schlurfen fünfzig Meter vor uns in der Schlange an den Kassenhäuschen, erkennen uns und winken uns zu sich; verschaffen uns somit erhebliche Zeitersparnis. Hinter den Schranken warten Indianerfrauen mit Federn im Skalp und ein Häuptling. "Hookahee !" Das sind die Teilnehmer des Textforums. Verblüfft höre ich ein Geburtstagslied, das mir bis jetzt unbekannt war. Ich möchte es bitte lernen ! Das Palaver zerbröselt am frühen Nachmittag. Howgh ! In den Medizinthemen eines wissenschaftlichen Verlags werde ich fündig und lese mich fest: "Religion als zwangsläufiger Bestandteil der Evolution von Intelligenz". Der Autor gibt sich als Agnostiker. Auf der Rückfahrt sitzt sein Verleger im gleichen Abteil. Ein Moslem, ein Protestant, ein Katholik, eine Atheistin und ein vermutlicher Jude beteiligen sich an der Diskussion. Der ganze Waggon hat zugehört.


Kommentar von Angela Barotti

Ginko fährt mit zwei hübschen Damen im Zug zur Buchmesse – und bekommt kalte Füße. Freud’scher Versprecher? Symbolschwangere Realität? Was, wenn Ginko nicht nur bis Frankfurt sondern bis Berlin gefahren wäre? Wie kalt wären seine Füße dann geworden? Und wie hätte er sie wieder warm bekommen? Fragen über Fragen, aber keine Antworten. :-D

Eingetragen am: 27.10.2008

Kommentar von

Für mich sagt der Text viel über die Fahrt zur Buchmesse und auch über das Forums-Treffen aus. Vieles *zerbröselt*, wenn die heisse Luft entwichen ist. Ich werde manchmal auch zum Agnostiker und entfache damit die besten Diskussionen. Glückwunsch noch nachträglich.... dass Du geboren wurdest! LG Gerti

Eingetragen am: 21.10.2008

Kommentar von M.P.

Erfahrungen, die wir sammeln, sind das Kleinod im Leben und bei richtiger Anwendung erlangten Wissens entstehen Gespräche, die Einmaligkeit erreichen, und Unbeteiligte zu begeisterten Zuhörern werden lassen. Der Waggon selbst hat nichts davon, seine Füllung hingegen darf getrost ein Kleinod mitnehmen, einige werden ihr Wissen erweitert haben. Wie schön, wenn ein Tag in Erfüllung stirbt. LG M.P.

Eingetragen am: 21.10.2008

Kommentar von wladimir

Schönes Geburtstagslied, es ist von Rolf Suckowski. Menschen, die mit Kindern leben, kennen es. Dein Text über das Autorentreffen ist ja sehr interessant. Hinfahrt mit kalten Füßen - Trubel und Geburtstagslied - Rückfahrt mit Diskussion ( wahrscheinlich warme Füße). Schön geschrieben, chapeau! Nun frage ich mich: Habe ich etwas versäumt oder nicht?

Eingetragen am: 21.10.2008

Kommentar von Barbara Bund

Slava bogu - Gott sei Dank für Ginkos An-, Heimreise und Messebericht, jetzt noch bitte die Eindrücke der anderen MessebesucherInnen aus diesem Forum...

Eingetragen am: 21.10.2008

Kommentar von Karin

Angela spricht mir aus der Seele. Ich möchte gern mehr von Eurem Treffen erfahren. Obgleich sich der liebe Ginko natürlich mit seinem Bericht viel Mühe gemacht hat; ein herzliches Dankeschön dafür. Das geht wohl inzwischen allen Teilnehmern unseres Autoren-Forums so, dass wir versuchen, uns die Einzelnen vorzustellen: Jung, älter, flott modisch, eher vornehm zurückhaltend, aufgestylt, natürlich schlicht, mollig, schlank, "Quasselstrippig", zuerst beobachtend, später zunehmend aufgeschlossen ... Aber ich denke, ich muss mich gedulden, bis ich mir beim nächsten Treffen selbst ein Bild machen kann? Liebe Grüße. Karin

Eingetragen am: 21.10.2008

Kommentar von papaya

Für dich Ginko nochmal das Geburtstagslied zum Nachsingen (beliebige Melodie), denn der nächste Geburtstag kommt bestimmt: Heute kann es regnen, stürmen oder schnein, du strahlst ja selber wie der Sonnenschein, heut ist dein Geburtstag, darum feiern wir,II: alle deine Freunde freuen sich mit dir :II wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst , wie schön dass wir beisammen sind, wir gratulieren dir Geburtstagkind. das ist zumindest die Version, die ich im Kopf habe. Schön wars! papaya

Eingetragen am: 20.10.2008

Kommentar von Cora

Wo man singt, dort lass' dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder. . . wie schön, ein klein wenig sitzen wir Stubenhocker mit ihm Waggon.

Eingetragen am: 20.10.2008

Kommentar von Angela Thies

Schön, Ginko. Ich hatte gehofft, einen Beitrag über das Autorentreffen zu finden. Schade, dass ich nicht dabei sein konnte. Gerne würde ich noch mehr darüber erfahren.

Eingetragen am: 20.10.2008

Eingetragen am: 19.10.2008 von Maren
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19428

Überarbeitung von 19356
Anschluss an die Aufgabe – 14563

Variante A ( Danke M.P.)

Biggi ist bestürzt und traurig zugleich. Sie legt sich auf die Veranda.
` Egal wie ich mich entscheide, es ist verheerend. Bleibe ich hier, was ist dann mit den Kindern? Will Heinz sie mitnehmen? Nicht auszudenken! Gehe ich mit, laufe ich Gefahr, Giancarlo wieder zu treffen. Ach, es ist ein Desaster`, sinniert Biggi.

Da läutet es an der Haustür. Biggi nur mit einem Bikini bekleidet wickelt sich einen Pareo um die Hüften, geht, um zu schauen, wer es ist. Es ist Roberto Coletti! Sie traut ihren Augen nicht, tut aber freundlich.
„ Una sorpresa,“ sagt Biggi mit aufgerissenen Augen. Roberto setzt sein charmantestes Lächeln auf.
„ Wie geht es dir, Biggi,“ will er wissen, er hatte ja von seinem Freund erfahren, dass Heinz gekündigt hat.
„ Nicht so gut, Roberto, Heinz will in die USA zurück, mit der Versetzung nach A…..“ Da unterbricht Roberto Biggi. „ Ja, ja, ich habe es gehört, purtroppo“, sagt Roberto verschmitzt.
"Nimm doch Platz" Biggi deutete auf einen Verandasessel "ich hole uns schnell einen Drink." Sie hatte zwei Gläser mit Eis gefüllt und war gerade dabei die Zitronen zu schneiden, als sie hinter sich ein Geräusch hörte. Sie ließ das Messer fallen und drehte sich hastig um. Roberto stand in der Tür und sein Blick hing an ihrem Busen. Plötzlich machte er einen Schritt auf sie zu, griff nach ihr und versuchte sie an sich zu ziehen.
Willst du Schande über unsere Familien bringen? Mein Vater ist Dein Freund.“
„Stell dich doch nicht so an, sonst bist du doch auch nicht zimperlich,“ erwidert Roberto auf ihr Geschreie.
„Ich bin eine verheiratete, anständige Frau, du beschmutzt meine Familie, geh, geh, so schnell wie möglich, du, du…..“ Sie schnappt nach Luft, sie ist total aufgeregt.
Roberto, steht da, macht eine abfällige Handbewegung und meint spöttisch “du, anständig?“
Jetzt explodiert Biggi, vergisst sich total, sie ist fuchsteufelswild und schreit: “raus hier.“
Roberto steht da, seine ganze Körpersprache drückt Verachtung aus, dann zischt er „putana“.
Biggi verschlägt es die Sprache, sie wird blass, als Roberto langsam und betont zynisch sagt: „Oder willst du, dass ich Heinz erzähle, wer der Vater deines zweiten Sohnes ist?“


Variante B ( mein neuer Versuch )

Biggi ist bestürzt und traurig zugleich. Sie legt sich auf die Veranda.
` Egal wie ich mich entscheide, es ist verheerend. Bleibe ich hier, was ist dann mit den Kindern? Will Heinz sie mitnehmen? Nicht auszudenken! Gehe ich mit, laufe ich Gefahr, Giancarlo wieder zu treffen. Ach, es ist ein Desaster`, sinniert Biggi.

Da läutet es an der Haustür. Biggi nur mit einem Bikini bekleidet wickelt sich einen Pareo um die Hüften, geht, um zu schauen, wer es ist. Es ist Roberto Coletti! Sie traut ihren Augen nicht, tut aber freundlich.
„ Una sorpresa,“ sagt Biggi mit aufgerissenen Augen. Roberto setzt sein charmantestes Lächeln auf.
„ Wie geht es dir, Biggi,“ will er wissen, er hatte ja von seinem Freund erfahren, dass Heinz gekündigt hat.
„ Nicht so gut, Roberto, Heinz will in die USA zurück, mit der Versetzung nach A…..“ Da unterbricht Roberto Biggi. „ Ja, ja, ich habe es gehört, purtroppo,“ sagt Roberto verschmitzt.
„Roberto, bitte bediene dich, Biggi deutet auf die Hausbar im Zimmer, ich ziehe mir schnell ein Kleid an.“ Roberto will ihr den Weg versperren, schaut sie lüstern an, will nach ihrem Bikinioberteil grapschen, aber Biggi ist schneller. Sie flüchtet in das Zimmer, dreht den Schlüssel rum, zieht sich ganz schnell ein Kleid an, öffnet wieder die Tür, kommt raus und schreit ihn an:
„Willst du Schande über unsere Familien bringen? Mein Vater ist Dein Freund.“
„Stell dich doch nicht so an, sonst bist du doch auch nicht zimperlich,“ erwidert Roberto auf ihr Geschreie.
„Ich bin eine verheiratete, anständige Frau, du beschmutzt meine Familie, geh, geh, so schnell wie möglich, du, du…..“ Sie schnappt nach Luft, sie ist total aufgeregt.
Roberto, steht da, macht eine abfällige Handbewegung und meint spöttisch “du, anständig?“
Jetzt explodiert Biggi, vergisst sich total, sie ist fuchsteufelswild und schreit: “raus hier.“
Roberto steht da, seine ganze Körpersprache drückt Verachtung aus, dann zischt er „putana.“
Biggi verschlägt es die Sprache, sie wird blass, als Roberto langsam und betont zynisch sagt: „Oder willst du, dass ich Heinz erzähle, wer der Vater deines zweiten Sohnes ist?“


Kommentar von Metta Maiwald

Die Erzählung im Präsens liest sich für mich nicht flüssig. Etwas weniger Adjektive. Show, don't tell: sie ist total aufgeregt, sie ist fuchsteufelswild, seine Körpersprache drückt Verachtung aus, er sagt langsam und zynisch... Woran erkennt man das?

Eingetragen am: 31.10.2008

Kommentar von M.P.

Hallo Maren. Viel besser, stimmiger und runder zu lesen. Die Ehre ist gerettet! ;O) Ich freue mich, dass Du dir die Mühe gemacht hast und auf meine Bitte eingegangen bist. LG M.P.

Eingetragen am: 21.10.2008

Kommentar von papaya

in der Tat ein Desaster! Variante A liest sich für mich stimmiger. Dass Biggi sagt "du beschmutzt meine Familie" hört sich für mich im Text etwas befremdlich an. Müsste ich da mehr wissen aus welcher Sippe sie kommt?

Eingetragen am: 20.10.2008

Eingetragen am: 19.10.2008 von Pia Petersen
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19426

Rosy fällt in seine Arme, die Blitze züngeln rechts und links neben ihnen, ein richtiges Donnerwetter.
Norman gefällt es, er umhüllt Rosy mit seinen Armen, sie verschmelzen zu einer verzauberten Figur.
Nicht nur der Baum brennt lichterloh.
( Ist der letzte Abschnitt vom Beitrag 17030 )



„ Rosy, hörst du mich? Ja? Ich muss die Feuerwehr rufen“, flüstert Norman.
Norman wählt mit seinem Handy die Nummer 118.
„Bitte sagen Sie mir Ihren Standort und Ihren Namen“ meldet sich die Stimme ruhig.
„ Der Baum in der alten Badi brennt“, aufgeregt ruft Norman das ins Handy und legte schnell auf.
Der Feuerwehrmann speichert die Nummer vorsichtshalber und gibt sofort alles weiter, auch der Polizei. Man weiss ja nie, denkt er.

„ Komm, Rosy, wir müssen hier weg. Jetzt können wir nicht mehr in die Hütte“, Norman spricht ganz leise, als könnte sie jemand hören.
„ Norman, ich kann nicht mehr“, Rosy weint und zittert. Die zwei Rucksäcke liegen noch da, Norman überlegt einen Moment,.Ach, die sind jetzt unwichtig, denkt er , Rosy ist wichtiger, hebt sie auf seine Arme , eilt mit ihr davon.
Die Feuerwehr rückt an, der Sanitätswagen und die Polizei auch. Sofort beginnen die Männer das Feuer zu löschen. „ Hey, Chef, da liegen zwei Säcke“, ruft einer der Männer.
„ Lass sie liegen, die Polizei soll schauen, nicht dass eine Bombe drin ist“, brüllt der Chef retour.
Vorsichtig geht die Polizei an die zwei Gegenstände, grosses Aufatmen, es ist nichts Gefährliches, es sind Schuhe und Unnötiges drin. „ Aber weischt du, Sepp, gerade kam doch die Meldung, dass zwei Kinder vermisst sind“. „ Jo, du haescht Recht, es waren zwei Jugendliche, ich melde es der Zentrale“.

Beide Familien suchen Rosy und Norman, sie sind aufgeregt. Grosi, Rosy`s Grossmutter macht sich Vorwürfe, warum habe ich immer gegen Norman geredet, denkt sie, die zwei sind durchgebrannt und ich bin Schuld. Sie steigert sich so rein, dass sie einen Herzanfall bekommt. Sofort kommt der Notfall 144 und Grosi wird mit Blaulicht ins Uni-Spital gebracht.
„ Auch das noch“, sagt Rosy`s Mutter, wollte mitfahren, aber die Angst um die zwei Kinder ist so gross, dass sie zurückbleibt. Dem Notarzt gibt sie schnell noch ihre Handynummer.

Norman trägt Rosy, auch er beginnt müde zu werden. Hinter dem Bootshaus legt er Rosy vorsichtig ab, es ist eine trockene Stelle, das Pultdach gibt Schutz. Norman streichelt zärtlich Rosys Gesicht und sagt sanft zu ihr: “ Rosy, wir zwei gehören für immer zusammen, ich bin immer für dich da“.
Doch Rosy ist so erschöpft und will heim. Er nimmt sie in die Arme, legt sein Gesicht an ihre Wangen, sie liegen ganz still, total erschöpft schlafen sie ein.
Es sind Tanzschuhe in den Rucksäcken, jetzt ist klar, die zwei Ausreisser müssen hier in der Nähe sein. Oder ist ihnen doch etwas passiert? Alle Männer machen sich auf die Suche.
Da sieht ein Feuerwehrmann etwas, stupst einen Polizisten an, sagt: “ dort, hinten siehst du es?, Nein, schau doch, weiter rechts.“
„ Ja, ich sehe es auch, das sind die Kinder. Hoffentlich sind die nicht tot“.
Beide rennen hin und sehen, dass die zwei Jugendlichen friedlich schlafen. Sie sind richtig erleichtert. Einer berührt Norman leicht, der schreit erschreckt und springt auf: „ was ist, wir haben nichts gemacht“. Rosy weint.
Die Männer beruhigen beide, holen eine warme Decke und sie bekomme etwas zu trinken.


Eingetragen am: 18.10.2008 von Antigone
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19420

Versalzen

"Hallo Schatz! Du glaubst nicht, was heute wieder los war! Irgendein Idiot hat die neuen Konstruktionspläne im PC gelöscht, die Elektronic hat einen Großauftrag zurückgezogen und..."
Anne wendet sich dem Herd zu. "Möchtest Du das Filet medium oder..."
"Medium? Dein Tag war wohl genau so be... wie meiner?"
"Ich hab Kalle gerade aus dem Teich gefischt, Lisa hat dem Nachbarjungen die Nase blutig geschlagen und Bobby hat vor Langeweile die neuen Wohnzimmerkissen zerlegt. Aber sonst - alles im grünen Bereich!"
"Haha, arme Anne! Wenn der neue Auftrag erst unter Dach und Fach ist, machen wir gleich Urlaub und zwar vom Feinsten!"
Anne stellt ihrem Mann den Teller auf den Tisch. "Guten Appetit."
"Hmmmh - riecht gut! Bäääh, pfui, Teufel! Die Kartoffeln sind ja völlig versalzen!"
"Genau wie unser Leben!"
"Jetzt übertreibst Du aber!"
Anne schnäuzt ins Taschentuch und wirft ihrem Mann einen Brief auf den Teller. "Den Urlaub kannst Du vergessen. Ich wollte es Dir eigentlich erst nach dem Essen sagen. Die Bank hat schon wieder eine Mahnung geschickt. Wir verlieren unser Haus! Und das alles wegen Deiner verdammten Spielsucht!"

Zwei Wochen später:

"Hi Paps!"
"Hi Paps!"
"Na, wie geht es meiner Rasselbande? Wieder was angestellt?"
"Nö - keine Zeit."
"Guck mal, Paps, was Bobby kann!" Auf Kalles Kommando "Einkaufen, Bobby!" holt der Hund Einkaufstasche, Schlüssel, Handy und Regenschirm und verstaut alle Gegenstände nacheinander in der Tasche.
Der Vater applaudiert. "Genial! Besonders, wenn die Hausaufgaben schon fertig sind?"
"Klaro, nur noch Mathe!"
Aus dem Schatten des Korridors löst sich ein Zwerg mit Gitarre. "Äh, das ist Nils", stellt Lisa vor.
"Ist das nicht.." überlegt Steffen.
"Ja, der Sohn unserer Nachbarn," klärt Lisa auf. "Wir haben gerade eine Band gegründet."
"Eine Band?" staunt der Vater. "O.k., gratuliere! Wo ist eigentlich Eure Mutter?"
"Mama ist arbeiten. Du brauchst nicht auf sie zu warten, es kann spät werden. Du sollst Dir ne Pizza in der Mikrowelle wärmen."


Kommentar von Antigone

Hallo papaya! Danke für Deine Meinung, ist o.k. für mich. Habe von zwei vorbereiteten Texten offenbar den falschen ausgewählt, u.a. weil ich ihn ganz originell und abweichend von den anderen fand. Würde sich natürlich eher für ein Theaterstück oder von mir aus für eine Seifenoper eignen (diese haben auch ihre Berechtigung!). In welche Schublade der Text gepackt wird, ist für mich z. Zt. unwichtig, da ich die Übungen tatsächlich nur als Übungen ansehe, sie also in der Regel nicht in meinen Romantext einfließen lasse. Bin übrigens in der nachteiligen Situation, dass die Protas meiner beiden Roman-Ideen jeweils Einzelgängerinnen sind und schwierige Situationen mit sich selbst ausmachen müssen, wodurch die Aufgabenstellung (Dialog) für mich nicht wirklich umzusetzen war. Daher bin ich auf die eher heitere Familiengeschichte mit ernstem Hintergrund ausgewichen.

Eingetragen am: 23.10.2008

Kommentar von papaya

sorry Antigone, für mich ein bißchen zuviel Gehalt an Themen für den sich hauptsächlich in Dialogen entfaltenden kurzen Text. Ich krieg zu keiner der Protas einen reellen Bezug. Dadurch kriegt es den Geschmack einer Seifenoper. War vermutlich nicht die Absicht? Das kriegst du besser hin (mit mehr Zeit und Gefühl für deine Protas)!

Eingetragen am: 20.10.2008

Eingetragen am: 18.10.2008 von Numungo
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19416

Frühling

"Stell dir vor, es ist Frühling," sagte sie.

"Es ist Frühling", antwortete ich.

"Aber du kannst es dir doch trotzdem vorstellen!"

Ein leichtes Zittern schwang in ihrer Stimme mit und an der Tonlage bemerkte ich, dass sie sauer war. Sie kann so schnell beleidigt sein! Um einem Streit aus dem Weg zu gehen, stellte ich mir also vor, dass Frühling ist. Ich schloss die Augen und da stand er vor mir, der Frühling. Die satten, grünen Wiesen waren von leuchtend gelbem Löwenzahn überzogen, die Bäume hatten ihr Frühjahrskleid angelegt, überall summten Bienen und auch die ersten Schmetterlinge flatterten über das Land. Die Sonne strahlte von einem wolkenlosen blauen Himmel und zahllose Vögel zwitscherten und trällerten wild durcheinander. Alles war ganz genau so, wie wenige Momente zuvor, als ich die Augen noch geöffnet hatte. Frühling eben.

"Nun bin ich soweit", sagte ich, "ich stelle mir gerade vor, wie es wäre, wenn jetzt Frühling wäre."

"Du nimmst mich überhaupt nicht ernst", fauchte sie mich grollend an und verfiel dann in ein endlosens Schweigen.

Ich wusste, dass ich etwas falsch gemacht hatte. Doch ich wusste nicht was. Ich weiß es bis heute nicht.


Kommentar von wladimir

Schön geschrieben. Sich etwas vorstellen, von dem man meint, dass es ist und nicht bemerken, dass die zu späte Vorstellung als Ironie "rüberkommt".Und gleichzeitig ein gutes Beispiel für eine Kommunikationsstörung, denn das "Stell dir vor" am Anfang ist ja wohl ganz anders gemeint.Oder? Auf jeden fall ein gelungener Text.

Eingetragen am: 21.10.2008

Kommentar von Karin

Liebe Numungo, interessant Dein Text! Es würde mich interessieren, wie die Frau den Frühling beschreiben würde. Die Beschreibung der Ich-Person (Mann) fällt nach meinem Empfinden eher lieblos (Wortwahl, Adjektive, Stimmung; da schwingt keine Fantasie mit.) aus; er tut es eben, weil sie es von ihm erwartet und sowieso schon sauer ist. Sein erster Fehler ist wohl, dass er anschließend sagt: "Wäre", also Frühling im Konjunktiv. Und der zweite, dass sie seine Lieblosigkeit spürt. Sie möchte - wie Ginko schreibt - geliebt werden. Liebe Grüße.

Eingetragen am: 21.10.2008

Kommentar von Gerhild Bauer

Schön, im Regen der fallenden Blätter vom Frühling zu träumen....L.G.Gerhild

Eingetragen am: 20.10.2008

Kommentar von Barbara Bund

Ich tippe mal, "ich" hat gar nichts falsch gemacht, "sie" war halt einfach so (sonst hätte "ich" ja keinen Streit vermeiden wollen). Beschrieben ist er jedenfalls klasse, der Frühling:-)

Eingetragen am: 20.10.2008

Kommentar von Cora

Eine schön erzählte Szene. Ich würde gerne wissen, was sich für den Erzähler verändert hat. Schliesst er nie mehr die Augen oder lernt er die Sprache der Vögel oder hält er sich vom Frühling fern oder . . .

Eingetragen am: 20.10.2008

Kommentar von Ginko Korn

Siehe Übersetzungshilfe Frau - Deutsch: Der Frühling erstreckt sich von März bis Mai. In der Luft schweben Phytohormone, die sich an weiblichen Rezeptoren festsetzen. Davon hat ein Mann keine Ahnung. Die alten Bezeichnungen der Frühlingsmonate heißen : Lenz, Wandelmond, Wonnemond, deren Bedeutungen im tiefsten Inneren einer Frau wohnen. Sie hat also Frühlingsgefühle und sehnt sich nach Zärtlichkeit. Das drückt sie aber nicht in klaren Worten aus, sondern versucht, den Partner an ihrer Stimmung teil haben zu lassen. Klartext : Hab mich lieb !

Eingetragen am: 19.10.2008

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