(Foto: Christian Rohr)
„Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie es war, eine Schriftstellerin zu sein, die noch nichts veröffentlicht hat: Man beißt sich mehr schlecht als recht durch und kommt mit Leuten in Kontakt, die ausgesprochen abweisend sein können. Und obwohl ich nun Teil dieser Branche bin, die sich manchmal Neulingen gegenüber wie eine uneinnehmbare Festung präsentiert, stehe ich instinktiv eher auf der Seite derer, die versuchen, die Mauern zu erklimmen."

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Kapitel 45 mit Übungsaufgabe

05.11.2008© 2008 Autorenhaus Verlag GmbH, Berlin
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Leserbeiträge

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Eingetragen am: 02.01.2009 von sjoukje
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21459

Als Lena am nächsten Morgen aus dem Fenster schaute, zogen graue Wolken am Himmel vorbei. Fahles Licht drang durch die Kuppel und als sie genauer hinsah, bemerkte sie die Regentropfen. „Es regnet, Miriam!“, rief sie betrübt. „Macht ja nichts. Wir werden ohnehin nicht nass.“ Miriam sah kurz auf aus ihrem Buch und las weiter. „Ja, du kennst es nicht anders, aber ich möchte gerne mal wieder den Regen auf meiner Haut spüren. Ich vermisse den Wind so sehr und die Hitze hier ist manchmal unerträglich.“ Miriam legte ihr Buch beiseite. „Du hast mal wieder Heimweh nach deinem Jahrtausend, nicht wahr?“ „Ja, habe ich. Vom Wetter merken wir meistens gar nichts. Ob es regnet oder nicht, die Temperatur hier drinnen ist immer gleich. Dafür sorgen die Regler der Solarenergieanlage. Wir kriegen die vier Jahreszeiten nur am Rande mit, indem wir nach oben schauen.“ „Du vergisst unsere Windmaschine, die im Herbst den Laub von den Bäumen bläst. Ist eine geniale Erfindung, findest du nicht? Die Kuppel um uns herum schützt uns gegen Luftangriffe und radioaktiven Regen und besteht aus einem Material, das nicht kaputt geht. Sobald es zerdrückt wird, springt es in die ursprüngliche Form zurück.“ „Woher stammt das Material und wer hat das alles hier gebaut?“, fragt Lena neugierig. „ Na ja, unsere Astronauten haben es vor langer Zeit von einem anderen Planeten mitgebracht und einige Wissenschaftler kamen auf die Idee es in dieser Form bauen zu lassen.“ Lena seufzte und strich sich eine Strähne aus ihrer Stirn. „Es ist alles perfekt und doch unnatürlich. Ich würde gerne in unserem verschneiten Garten um einen Schneemann herum tanzen oder mit meinen Brüdern durch unseren Wald Schlitten fahren. „Das kannst du hier vergessen. Aber ich werde meinen Robotter fragen, wie lange wir noch hier bleiben müssen, bis die Erde sich regeneriert hat.“ Miriam stand auf und rief nach Robbie, der prompt angewatschelt kam. „Ich will’s aber nicht wissen!“ Lena rannte raus und knallte die Türe zu.


Eingetragen am: 21.12.2008 von Amanda
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21385

Übung 23

Ich-Version
Heute gehe ich mit meiner Mutter gemeinsam zum Schloss, das ist angenehm, da haben wir zwei Laternen. Man muss richtig aufpassen auf dem Weg. Die tiefen Kutschen- und Pferdespuren sind über Nacht gefroren. Man kann leicht umknicken mit den Holzpantinen. Und die Socken kratzen. Ich bin froh über das rote Wolltuch von der Lina, die vor ein paar Monaten gestorben ist. Es ist rot und warm. Ich schlinge es um den Hals, ein Zipfel wärmt den Rücken und ich drehe meine steifen Finger in die seitlichen Zipfel des Tuches. Ein Glück, dass ich das habe bei dieser Sterbenskälte. Es war Linas einziger Schatz, dieses dicke, leuchtend rote Tuch. Die Kälte und der Wind sind hart und dringen so durch, ich kann die Finger kaum bewegen. Abwechselnd halte ich die Laterne mit der rechten oder der linken Hand. Die Wolle klebt am Eisengriff fest. Mutter schweigt. Ihr Atem quillt wie eine weiße Wolke aus ihrer Nase. Alle Augenblicke hustet sie. Außer ihrem Husten gibt es nur die Geräusche unserer eigenen Schritte, das Knirschen der gefrorenen Erde.
Er ist im Gefängnis, sagt die Mutter.
Wen meint sie? D. meinen Liebsten? Aber das kann nicht sein. Ich kann es nicht glauben. D. würde nie im Leben etwas Unrechtes tun. Ich vertraue ihn. Aber ich habe Angst, dass es die Wahrheit ist.
Das kann nicht sein, sage ich.
Jemand hat ihn bei Stehlen im Schloss erwischt, sagt die Mutter. Du musst der Wahrheit ins Gesicht sehen!
Nein, das kann nicht sein, niemals! Er stiehlt nicht. Stehlen kommt für ihn nicht in Frage. Seinen Vater hat man damals erschlagen, weil er ein paar schrumpelige Kartoffeln gestohlen habe soll. Dem würde er sich niemals aussetzen.
Gibt es Zeugen? frage ich.
Ja, der Kammerdiner X und der Page Y.
Ich kann nur lachen. Die beiden schlimmsten Schlitzohren im Schloss als Zeugen. Und gestern haben sie das Schloss verlassen und sind nach Schweden. Entweder sie sind auf der Flucht oder jemand hat ihnen eine neue Zukunft bezahlt als Lohn für ihre Aussage.
Die beiden sind zu jeder Lüge fähig, sage ich. Es muss nur Geld genug fließen.
Du musst immer alles so schwarz sehen, Kind.
Die Menschen sind so, sage ich.
Warum sieht sie das nicht? Warum merkt sie nicht, wie falsch die Menschen sind, wie hinterhältig? Sie verstellen sich und lügen, um sich wichtig zu machen. Um gut dazustehen. Um ein paar Münzen zur Belohnung einstecken zu können. Wie war das mit Papa? Verlassen hat er sie und mich. Und keinen Pfennig Geld hatte er dagelassen, dass Mutter in der Schlossküche arbeiten muss und sich abrackert. Er macht er sich irgendwo ein neues, schönes Leben.
Ich werde zu K. gehen müssen und werde um Gnade bitten. Es ist gut möglich, dass das der Grund für seine Verhaftung ist.
Wir sind schon an der Eiche vorbei, die noch ein paar braune Blätter trägt. Ab hier ist es nicht mehr weit. Bis zum Schloss.
Sie hatte alle Hände voll zu tun. Wasser holen, Feuer anmachen und Torf und Holz holen. Sie hatte alle Hände voll zu tun. Wasser holen, Feuer anmachen und Torf und Holz holen.

Dieses ist mein Lieblingsabschnitt. Ich finde die Ich-Form leichter und schöner. Man kommt näher an den Menschen heran.


Eingetragen am: 15.12.2008 von Amanda
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21278

Übung 22
Heute ging Birthe mit ihrer Mutter gemeinsam zum Schloss. Die Wege waren hart und es war so kalt, dass Birthe die Finger blau froren. Sie wickelte sich in ihr rotes Tuch. Zum Glück hatte sie dieses von der alten Lina bekommen, als sie starb.
Er, K, sitzt im Gefängnis, sagte die Mutter.
Ihr Atem stieß eine Rauchwolke aus ihrem Mund. Nein, das kann nicht sein. Birthe schüttelte heftig den Kopf. Sie fürchtete, dass es wahr ist, doch sie wehrte sich gegen diese Wahrheit.
Jemand hat ihn beim Stehlen im Schloss erwischt, sagte die Mutter.
Er stiehlt nicht. Niemals! Stehlen kam für ihn nicht in Frage. Sein Vater war für ein paar schrumpelige Kartoffeln aus dem Keller des Grafen Z. ohne Untersuchung des Falles verurteilt und gehängt worden. Nie würde er sich in so eine Gefahr begeben. Außerdem hatte er es nicht nötig, er verdiente ja ganz gut als Kavallerist des Königs.
Du musst der Wahrheit ins Gesicht sehen, Birthe. Es gab Zeugen. Die Mutter ereiferte sich richtig und ihr Gesicht war dunkelrot, vor Zorn oder vor Kälte.
Ach, Mutter, die lügen und betrügen hier doch allen!
Ihre Mutter verstand sie nicht. Sie hatten es doch so oft gesehen und gehört, wie sie logen und falsche Beschuldigungen aussprachen. Dies kann nur eine schlimme Intrige sein! Sie hatte das schon immer befürchtet. Ihr Liebster war jemandem in Wege, und sie wusste ja auch wem. Mit Geld und einem guten Posten konnte man jeden Zeugen kaufen. Und Geld hatte der alte Mann genug. Und mit Geld wurden auch die Richter zu dem passenden Urteil bewegt.
Wer ist der Zeuge? fragte Birthe.
Es sind zwei. Der Kammerdiener X und der Page Y.
Birthe lachte laut auf. Ausgerechnet die! Heute morgen haben sie das Schloss verlassen und sind nach Schweden gezogen. Entweder sind sie auf der Flucht oder jemand hat ihnen eine neue Zukunft bezahlt für ihre Aussage. Und sie waren zu jeder Lüge fähig durch Geld, es musst nur genug sein.
Du musst immer alles so schwarz sehen, Kind.
Die Menschen sind so. Darum muss man alles überprüfen. Wie konnte ihre Mutter nur so gutgläubig sein!
Sie musste zu dem alten Mann gehen und für K um Hilfe oder Gnade bitten. Im Schloss hatte sie erst mal alle Hände voll zu tun.


Heute in der Frühe gehe ich mit meiner Mutter gemeinsam zum Schloss, das ist angenehm, da haben wir zwei Laternen gegen die Dunkelheit. Man muss richtig aufpassen auf dem Weg, da hilft jedes Licht. Die tiefen Kutschen- und Pferdespuren sind über Nacht gefroren. Man kann leicht umknicken mit den Holzpantinen. Und die Socken kratzen. Ich bin froh über das Wolltuch von der Lina, die vor ein paar Monaten gestorben ist. Es ist rot und warm. Ich schlinge es um den Hals, es hängt doppelt gelegt über den Rücken und wärmt. Ich drehe meine steifen Finger in die seitlichen Zipfel des Tuches. Ein Glück, dass ich das habe bei dieser Sterbenskälte! Es war Linas einziger Schatz, dieses dicke, leuchtende Tuch. Die Kälte und der Wind sind hart und dringen so durch, ich kann die Finger kaum bewegen. Abwechselnd halte ich die Laterne mit der rechten oder der linken Hand. Die Wolle friert am Eisengriff fest. Mutter schweigt. Ihr Atem quillt wie eine weiße Wolke aus ihrer Nase. Alle Augenblicke hustet sie. Außer ihrem Husten gibt es nur die Geräusche unserer eigenen Schritte, das Knirschen der gefrorenen Erde.
Er ist im Gefängnis, sagt die Mutter.
Wen meint sie? K. meinen Liebsten? Aber das kann nicht sein. Ich kann es nicht glauben. K. würde nie im Leben etwas Unrechtes tun. Ich vertraue ihn. Aber ich habe Angst, dass es die Wahrheit ist.
Das kann nicht sein, sage ich.
Jemand hat ihn bei Stehlen im Schloss erwischt, sagt die Mutter. Du musst der Wahrheit ins Gesicht sehen!
Nein, das kann nicht sein, niemals! Er stiehlt nicht. Stehlen kommt für ihn nicht in Frage. Seinen Vater hat man damals erschlagen, weil er ein paar schrumpelige Kartoffeln gestohlen habe soll. Dem würde er sich niemals aussetzen.
Gibt es Zeugen? frage ich.
Ja, der Kammerdiener X und der Page Y.
Ich kann nur lachen. Die beiden schlimmsten Schlitzohren im Schloss als Zeugen! Und gestern haben sie das Schloss verlassen und sind nach Schweden. Entweder sie sind auf der Flucht oder jemand hat ihnen eine neue Zukunft bezahlt als Lohn für ihre Aussage.
Die beiden sind zu jeder Lüge fähig, sage ich. Es muss nur Geld genug fließen.
Du musst immer alles so schwarz sehen, Kind.
Die Menschen sind so, sage ich.
Warum sieht sie das nicht? Warum merkt sie nicht, wie falsch die Menschen sind, wie hinterhältig? Sie verstellen sich und lügen, um sich wichtig zu machen. Um gut dazustehen. Um ein paar Münzen zur Belohnung einstecken zu können. Wie war das mit Papa? Verlassen hat er sie und mich. Und keinen Pfennig Geld hatte er dagelassen, dass Mutter in der Schlossküche arbeiten muss und sich abrackert. Er macht er sich irgendwo ein neues, schönes Leben.
Ich werde zu K. gehen müssen und werde um Gnade bitten. Es ist gut möglich, dass das der Grund für seine Verhaftung ist. Wir sind schon an der Eiche vorbei, die noch ein paar braune Blätter trägt. Ab hier ist es nicht mehr weit. Bis zum Schloss.
Sie hatte alle Hände voll zu tun. Wasser holen, Feuer anmachen und Torf und Holz holen.


Ich finde die Ich-Form leichter und schöner. Man kommt näher an den Menschen heran.


Eingetragen am: 02.12.2008 von Frank
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20861

Hoffentlich langweile ich euch nicht mit einer weiteren Lieblingsszene. Diese hier entstand erst vor ein paar Stunden, und ich freue mich auf eure Kommentare.


„Malen Sie eigentlich noch?“, fragte ich Jossi, als er mich durch seine Galerie führte. Gleich nach dem Frühstück hatte er angerufen und mich gebeten, ihn erneut zu besuchen, da er mir seine Bilder zeigen wollte. Obwohl ich annahm, dass sie mir wenig sagen würden, war ich seiner Einladung gefolgt. Jetzt schweifte mein Blick, der Blick eines Laien, an den Wänden entlang, und ich täuschte Interesse vor.

Er lächelte. „Selbstverständlich! Ich werde nie davon lassen können. Mit der Malerei ist es so wie mit anderen Leidenschaften: Erst wenn man den letzten Atemzug getan hat, erlischt das Feuer. Und dann brennt es an anderer Stelle weiter. Ich male sozusagen mit Leib und Seele.“

Als wollte er die Tragweite der Floskel betonen, strich er mit beiden Händen zunächst an seinem Körper von Kopf bis Fuß entlang, reckte dann die Arme in die Höhe und beschrieb mit ausladenden Bewegungen einen Kreis oberhalb des Kopfes. „Wenn eines Tages der Leib nicht mehr in der Lage ist, übernimmt die Seele die Arbeit. Sie wirkt durch die Bilder, die ich erschaffen habe.“

„Dazu gehört der entsprechende Glaube – nicht nur der des Malers, sondern auch der des Betrachters“, gab ich zurück und verkniff mir ein Grinsen.

„Wo kämen wir denn ohne ihn hin?“, empörte er sich. „Ganz gleich, welcher Religion die Menschen angehören, glauben alle an irgendetwas. Ansonsten liefen sie Gefahr, am Ende ihr Leben umsonst gelebt zu haben.“

Seine Schlussfolgerung klang einleuchtend und einfach. Ich öffnete mich dem Thema, denn es schien geeignet, um auf dem Umweg eines philosophischen Diskurses mehr über Jossi zu erfahren. „Sie meinen, dass wir glauben, um dem Leben einen Sinn zu geben?“

„Genau. Doch viele wollen es nicht wahr haben. Sie fragen sich, weshalb und woran sie glauben sollen – und haben nicht begriffen, dass der Ansatz ihrer Frage falsch ist. Es ist völlig unwichtig, woran sie glauben. Sie müssen es bloß tun. Sie müssen etwas finden, das sie für sich als glaubwürdig erkennen, als ihres Glaubens würdig. Dann geschieht eine Art Transformation, und mit einem Mal erhält alles, was sie tun, einen Sinn.“

„Dann kommt es nicht darauf an, woran wir glauben, solange wir es nur aufrichtig und mit Hingabe tun?“

„In erster Linie geht es darum zu erkennen, dass glauben nicht mit Verlust von Freiheit oder gar mit Besessenheit einhergeht. Wer das verstanden hat, spürt, dass der Glaube unser Leben ungeheuer bereichert. Er eröffnet neue Perspektiven.“

Es gefiel mir, wie er seine Idee vom Glauben erläuterte. Jossi missionierte nicht, er legte bloß dar, wie er die Dinge sah, ganz unaufdringlich, ohne den Ehrgeiz, mich bekehren zu wollen. Daran waren schon viele gescheitert. Zuallererst meine Mutter, die aus einer katholischen Familie stammte. Schon als Neunjähriger hatte ich mich geweigert, die religiöse Initiationsprozedur über mich ergehen zu lassen, denn ich konnte weder dem Protz der Kirche noch der Liturgie des Priesters etwas abgewinnen. Der Kommunion entging ich gleich mehrmals: mal wegen Mumps, mal wegen entzündeter Mandeln, mal wegen einer Phimose. Und während andere Kinder traurig waren, wenn derlei Krankheiten sie erwischten, hieß ich die Erreger als Segen willkommen.

Jossi verließ die Galerie und kehrte kurz darauf mit einer schmalen Ledermappe zurück, aus der er einige Blätter herauszog. „Dies sind Skizzen, die ich kurz nach meiner Ankunft in Nottingham gezeichnet habe. Sie konnten zwar keinen begeistern, mir aber zeigen sie noch heute, wie sehr ich mich danach sehnte, zu meiner Familie zurückzukehren. Ich hoffte, dass die Trennung nicht dauerhaft sein würde und versah die Fassaden der viktorianischen Häuser mit Motiven des Jugendstils. Solche Bauten hat es zu keiner Zeit in Nottingham gegeben, freilich auch nicht in Wien. Indem ich sie entstehen ließ, schuf ich einen Platz für meine Sehnsucht, meinen Glauben.“

Die Bilder, schienen sie mir auch anfangs belanglos, besaßen eine eigene Sprache. Eine Bildsprache, die ich versuchen wollte zu verstehen. Ich betrachtete eine der Skizzen genauer. Auf den Fassaden entdeckte ich winzige Gesichter, mit hellem Strich gezeichnet, für die Augen flüchtiger Betrachter vermutlich unsichtbar. Und in diesen Linien, mehr hingekritzelt als akkurat gezogen, offenbarten sich zarte Nuancen: Mimiken und Gesten, die Einblick in die Gefühle der Gestalten gewährten. Hier ein Lächeln, dort ein Trauern, ein Schalk lugte um die Hausecke, ein Bettler saß bucklig auf dem Treppenabsatz. Obendrein wirkten die Figuren beweglich, vermittelten den Eindruck, als könnten sie jeden Moment ihre Position im Bild verändern, vielleicht miteinander – oder gar mit mir – Kontakt aufnehmen.

Verblüfft blickte ich Jossi an. „Wie haben Sie das angestellt? Ihre Zeichnungen wirken, als trügen sie Leben in sich, als könnten die Personen aus dem Bild heraus springen, mitten in den Raum. Sind Sie am Ende gar kein Maler, sondern ein Magier?“

„Keine Angst, ich kann keinen Golem zeichnen.“ Er lachte so herzhaft, dass sein Gebiss aus dem Mund rutschte. Mit einer flinken Handbewegung schob er es wieder zurück. „Pardon, einem Magier wäre das wohl nicht passiert.“


Eingetragen am: 28.11.2008 von Frank
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20781

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter - noch eine Lieblingsstelle möchte ich euch anbieten. Und hoffe, dass eure Kritik schonungslos sein wird ;-)



Auf dem Nachttisch neben dem Bett flackert eine Petroleumlampe. Trotz des schwachen Lichts schmerzen meine Augen, als ich hineinblicke. Schemenhaft erkenne ich die Umrisse eines Fensters, draußen nichts als Dunkelheit. Mein Kopf ist bandagiert und dröhnt, die Kehle staubtrocken, die Lippen spröde. ... Eine Weile dämmere ich in diesem Zustand. Dann Schritte. Sie werden lauter, schneller. Harte Sohlen knallen auf den Boden. Stiefelschritte. Plötzlich Stille. Eisig dringt sie durch die Tür. ... Als es klopft, fahre ich zusammen. Nochmals ein Klopfen, dann eine Stimme. ... „Was ist los, Kreidler“, höre ich einen Mann rufen, „sind dir der Alkohol und die Frau zu Kopf gestiegen? Mach die Tür auf!“ Ich versuche zu antworten, aber meine Stimmbänder bringen nur ein leises Krächzen zustande. ... „Verdammter Mistkerl!“ Seine Stimme überschlägt sich; er scheint rasend zu sein vor Wut. „Wenn du nicht sofort die Tür öffnest, trete ich sie ein und besorge es dir und deinem jüdischen Flittchen auf meine Weise.“ Wie ein Bajonett schneiden die Worte meine Trommelfelle entzwei. ... Mühsam gelingt es mir, den Oberkörper aufzurichten. Schon bricht die Tür aus den Angeln und kippt in den Raum. Das Neonlicht auf dem Flur lässt die Szene gespenstisch wirken. ... Im Türrahmen steht ein hünenhafter Mann, starrt mich mit glühenden Augen an. Er trägt Uniform, am Gürtel hängt ein Pistolenhalfter; seine kniehohen Lederstiefel glänzen wie Pechblende. ... „Kreidler, du Scheißkerl“, schreit er und stürzt auf mich zu. Stolpert, fällt vornüber. Prallt gegen den Bettpfosten, bleibt regungslos liegen, atmet schwer. ... Erst jetzt nehme ich das Metallband wahr, das knapp über dem Dielenboden quer durchs Zimmer gespannt ist. Immer noch halb aufrecht im Bett, an dessen Fußende der Körper des besinnungslosen Fremden liegt, zittere ich am ganzen Leib. ... Das Zittern will nicht nachlassen. Und je mehr es mich ergreift, desto stärker wird das Gefühl, dass sich meine Haut vom Körper trennen will. An Händen und Füßen zuerst, dann an Armen und Beinen, schließlich überall spüre ich die feinen Schnitte des Skalpells. ... Doch die Häutung verursacht keinen Schmerz. Sie befreit, entfernt den Schmutz. Jetzt nehme ich das Messer selbst in die Hand. Ich muss mich reinigen. Ich stochere an mir herum, treibe die Klinge in meinen Hals, steche tiefer und tiefer hinein, doch es fließt kein Blut. Nur Tränen strömen aus den abertausend Augen, die meinen Körper wie ein Schuppenpanzer überziehen. ... Der Raum beginnt in kühnsten Farben zu schillern, Farben, die auf keiner Künstlerpalette zu finden sind, die fließen und zerrinnen, sich endlich auflösen im Ruß, den die Lampe an die Zimmerdecke malt. Urlicht! Du gottloses Substrat des Sterbens ... Staub rinnt aus meinen weinenden Poren, formt sich zu einem grauen Fluss des Verschwindens, zieht mich aus dem Bett, aus dem Raum, in einen Korridor, an dessen Wänden Delfter Kacheln Motive aus einem anderen Leben tragen. Aus meinem eigenen? Aus meinen eigenen? ...


Eingetragen am: 26.11.2008 von Beate Kranz
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20691

Was ist, wenn das Leben nicht das Bühnenbild liefert, das man für sich erwünscht und erträumt hat oder gar erwartet, weil es einem eigentlich doch zustand?
Was ist, wenn das Leben anders verläuft und man plötzlich dazu gezwungen wird eine ganz andere Rolle darin zu spielen? Eine Rolle, die einem nicht paßt, die einem nicht großartig oder so unwichtig erscheint, daß man das Gefühl nicht los wird auf Nebenschauplätzen gelandet zu sein?
Oder was ist, wenn das Leben so dramatisch verläuft, daß man den Halt verliert und in einem ewigen Strudel schwimmt, der einem, so bald die Kräft endgültig erlahmt für immer in die Tiefe ziehen wird?
Was macht man?
‚Gute Frage’, dachte Mel laut und schaute auf den blinkenden Cursor neben dem Fragezeichen. Sie starrte unverwandt auf den Cursor, hypnotisiert von seinem Blinken und zählte den Takt. Dabei mochte sie keine Zahlen und erst recht keine Statistiken.
Mel wandte sich vom Bildschirm ab und suchte nach der Tabelle mit den nüchternen Zahlen, in der akurat aufgezählt wurde, wie viele Kinder im Jahr in Deutschland und in Europa verloren gingen und nicht gefunden wurden.
‚Vermisste Kinder – Verlust einer Gesellschaft’ war das Thema des Artikels den sie unbedingt noch heute abend schreiben mußte. Aber bis auf den obigen Teil war ihr noch nichts rechtes dazu eingefallen. Sie dachte an den Pathologen, der in einem Seminar erklärte, daß bei 95% aller Kinder, die unter zwölf Jahre sind und über Nacht nicht nach Hause kommen ein Gewaltverbrechen vorläge. Mel hatte diese Aussage noch nicht überprüft und hoffte nur mit den Eltern, daß diese Zahl zu hoch sei.
„Wenn ich diese Zahlen höre, bin ich froh, daß ich keine eigenen Kinder habe“, sagte sie zu dem blinkenden Cursor. „Es ist schon schlimm, wenn man seine Eltern verliert. Aber umgekehrt? Wie soll man dann weiterleben? Mit solch einer Vorgabe, mit der Rolle der plötzlich und unerwarteten Kinderlosen?“
Das Klingeln des Telefons unterbrach ihr Cursor-Gespräch und für einen Augenblick wollte sie aufstehen und nach dem Hörer greifen. „Lieber nicht“, sagte sie dann zum Cursor. „Wenn ich den Text heute abend nicht fertig habe, kann ich mir diesen Job klemmen.“ Sie griff seitlich neben den Computerbildschirm und verschob einen Hebel ihres externen modem. „Besetzt“, sagte sie dann. „Es lebe die Technik von vorgestern“, fügte sie noch hinzu.
Mel schrieb ihren Text und vergaß das modem und dachte auch am nächsten Morgen nicht daran. Ein Umstand, der ihr für vierundzwanzig weitere Stunden Seelenruhe und Frieden gewährte.


Eingetragen am: 22.11.2008 von Antigone
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20541

Mein PC hat gestreikt, deshalb die Verspätung.

Champagner für Nina
Nina schüttelte den Schnee von der Wollmütze und genoss einen Moment das angenehme Prickeln im Gesicht, das die Wohnungswärme auslöste.
Im nächsten Augenblick stürzte die Einsamkeit ihrer vier Wände auf sie ein. Die Stille dröhnte in ihrem Kopf und Nina musste sich zusammenreißen, um nicht loszuheulen.
Was für ein Geburtstag! Keine Post, keine Gratulanten und nicht einmal der angekündigte Besuch ließ sich blicken.
Sie hatte Anne nicht wie vereinbart im Cafe Reichard angetroffen und weder am Handy noch am Festnetz erreichen können. War der Freundin etwas Wichtiges dazwischen gekommen oder war bloß Annes Flatterhaftigkeit daran schuld, dass sie Nina ausgerechnet an ihrem Geburtstag im Stich ließ?
Noch im Mantel lief sie zum Telefon, aber der Anrufbeantworter hatte keine Nachricht für Nina.
Draußen dämmerte es bereits. Walnussgroße Schneeflocken tanzten um die Laternen herum wie Motten ums Licht und ein weißer Flaum bedeckte Wege und Wiesen.

Nina drehte die Heizung an und setzte einen Kaffee auf. Sie hielt ihre Hände über den aufsteigenden Wasserdampf, bevor sie im Eisschrank nach etwas suchte, das als Geburtstagstorte durchgehen konnte.
Das einzige, was sie zutage förderte, war ein wenig einladendes, vom Gefrierbrand gezeichnetes Stück Mohnkuchen. Klar, dass auch die Keksdose fast leer war. Wenigstens fand sich im Küchenschrank noch ein Riegel Marzipan.
"Toller Geburtstagskaffee, Nina!" seufzte sie, "und das Ständchen wirst Du Dir auch selber bringen müssen! Happy birthday to you, happy birthday to you, happy birthday, liebe Nina..."
Nein, so ging das nicht! Wenn schon keine Torte da war, dann wenigstens... Nina riss die Kühlschranktür auf, schnappte triumphierend die Flasche Champagner, die Mutter ihr aus Frankreich mitgebracht hatte und entkorkte sie.
Mit einem übermütigen "Plopp!" sprang der Sektkorken in die Höhe und landete polternd auf der Keksdose. Nina kicherte. "Irgendwer muss ja für Stimmung sorgen!"
Sie holte Sektgläser aus der Vitrine und platzierte sie auf dem Küchentisch. "Eins für meine treulose Freundin Anne, eins für meine weit gereiste Mama, eins für die liebe Tante Pollie, eins für meinen Lieblingsfeind Dr. Heidemann und eins für mich!

Eine wunderbar illustre Runde!"
Nina füllte die Gläser, prostete ihren imaginären Gästen zu und probierte den edlen Tropfen. "Hmmmh, wie der prickelt!"
"Salute, Anne! Ich hoffe, Du hast eine gute Ausrede!" Sie sah Anne vor sich in ihrem roten Lieblingskleid, das dunkle Haar zum Pferdeschwanz gebunden.
"Ach, Ninalein, bitte nicht böse sein", ahmte sie Annes Stimme nach,"ich hab einfach keinen Zeitbegriff. Der Zug war mal wieder schneller als ich und mein Handy war nicht geladen. Dafür hab ich den ganzen Tag an Dich gedacht! Wir können ja alles nachholen, nicht wahr? Guck nicht so, schließlich hast Du Geburtstag! Ich wünsch Dir gaaanz viel Glück!"
Nina leerte "Annes Glas". Sie konnte der Freundin nicht böse sein, nicht einmal jetzt. Schließlich war Anne mit ihr durch Dick und Dünn gegangen. Sie musste an den schrecklichen Tag denken, als ihr Hund angefahren wurde. Anne hatte das zitternde Bündel Fell ins Auto getragen, weil Nina nicht dazu in der Lage war. Und dann saß sie mit ihr stundenlang beim Tierarzt, bis die Operation beendet war und Bobby die Augen aufschlug.
Nina erhob ihr Glas. "Auf Dich, Anne - und danke!"

"Viva, Mama! Weshalb war ich Dir nicht einmal eine Karte wert?"
Nina versuchte, sich in ihre schöne, kühle Mama einzufühlen, die in Australien auf ihren großen Auftritt in der Sydney Opera wartete.
Sie würde, wie auf jedem Fest, die Königin des Abends sein, in schwarzer Robe, mit mehr oder weniger gewagtem Dekollete, die hellblonden Haare elegant hochgesteckt. Und sie, Nina, würde sich neben ihr fühlen wie ein kleines, armseliges Aschenputtel. Trotzdem wäre sie glücklich, sich im Glanz dieser besonderen Frau, ihrer Mutter, sonnen zu können.
Nina legte den Kopf kekett nach rechts, versuchte ein weltgewandtes Lächeln und erhob graziös den Arm mit dem Sektglas.
"Mein Schatzi, ich bin untröstlich, dass ich nicht bei Dir sein kann, ausgerechnet an Deinem 35. Geburtstag! Du bist mir mehr als eine Karte wert, deshalb hab ich Dir auch gleich zwei Geburtstagskarten geschickt. Aber viel wichtiger ist, dass ich immer an Dich denke, nicht nur an Deinem Geburtstag! Ich drücke Dich ganz fest und wünsche Dir alles Glück der Welt! Auf Dein Wohl, meine Kleine!"
Nina nippte für ihre Mutter mit vornehmer Zurückhaltung am Sektglas. "Alles klar, Mama, auf Dein Wohl!"
Im Geiste sah sie der Mutter hinterher, die sich in einer Duftwolke aus 1000 und einer Nacht entfernte.

Der Champagner stieg Nina langsam zu Kopfe und setzte sein Perlen in ihren Gedanken fort.
"Heidemann, alter Knabe, wie sieht Dein Geburtstagswunsch für mich aus?" fragte sie ihren Kollegen und merkte, wie ihr Zungenschlag schwerer wurde.
"Ähem, Fräulein Winter, ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir uns duzen. Aber wie ich sehe, haben die Sektkorken schon geknallt, hahaha! Wir sind nun mal Kollegen und als solcher möchte ich Ihnen zum wiederholten Mal und ganz aufrichtig meine kollegiale Zusammenarbeit anbieten. Alles Gute zum Geburtstag, auch im Namen des Lehrerkollegiums! Auf gute Teamarbeit! Prosit, es möge nützen!"
Nina nahm die Haltung des älteren Kollegen an, mit hängenden Schultern und Armen, den Kopf nach vorn geneigt. Mit jovialer Geste prostete sie sich selbst zu und schlürfte genussvoll einen großen Schluck Champagner.
Sie war heilfroh, dass Heidemann nicht wirklich da war. Er hätte die Gelegenheit beim Schopf gepackt, um ihr mit seinem massigen Schädel, dem teigigen, von Sommersprossen übersäten, weißen Gesicht und der wulstigen, stets nassen Unterlippe, so nah zu kommen, dass sie seinem fauligen Atem ausgeliefert gewesen wäre.
Aber Heidemann wäre nicht Heidemann, wenn er nicht noch etwas nachlegen würde. "Wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf, Fräulein Winter, gehen Sie im neuen Lebensjahr den Männern nicht zu sehr aus dem Weg, Sie könnten es einmal bereuen!"
"Wenn ich Dir nur aus dem Weg gehen könnte, falscher Fuffziger!" Nina wollte jetzt nicht an die Gerüchte und Intrigen denken, die sie ihrem Kollegen zu verdanken hatte. Und so ließ sie den letzten Schluck aus "Heidemanns Glas" durch ihre Kehle rinnen und erfreute sich an dem unübertrefflichen Prickeln.

"Na zdrowie, Tante Pollie! Du hast mich am meisten enttäuscht! Du, mit Deinem großen Herzen, die Zuverlässigkeit in Person! Meine Zieh-Mama! Du rufst doch sonst immer an, weshalb heute nicht? Auf Deine Ausrede bin ich wirklich gespannt!" Hmmmh, der Champagner schmeckte immer besser.
Nina sah ihre Tante in der Küche stehen, die Hände im Kuchenteig, die haselnussbraunen Locken leicht aufgelöst. "Tante Pollie," dachte Nina, "das ist Wärme, Sonne, Apfelkuchen und immer noch der Mittelpunkt meines Lebens".
Alles an ihr war rund, adrett, anziehend. Sie hatte noch nie einen Menschen getroffen, der so selbstlos war wie Tante Pollie. Wenn ein Babysitter gebraucht wird, Tante Pollie ist zur Stelle, ist jemand krank, Tante Pollie steht mit Rat und Tat zur Seite. Wie viele Menschen hatte sie in ihrer kleinen Wohnung schon beherbergt? Und bei aller Arbeit, die sie sich damit aufhalste, war sie immer gut gelaunt und ausgeglichen. "Ach, Tante Pollie, ich vermiss Dich so! Stößt Du wenigstens auf mein Wohl an?"
"Und ob ich das tue, mein Kätzchen! Hörst Du nicht die Gläser klingen? Ich wünsch Dir all das Glück, das Du längst verdient hast, aber vor allem wünsch ich Dir Zufriedenheit, Mut und Tapferkeit! ich hab Dich sehr lieb!" Nina schossen Tränen in die Augen, als sie "Tante Pollies Sektglas" an die Lippen hob. "Auf Dich, Tante Pollie!"
"Eigentlich war es doch ein schöner Geburtstag," dachte sie, bevor sie ein paar Minuten später auf der Küchenbank einschlief.

Nina schlief tief und fest, als bald darauf der Schlüssel leise im Schloss herumgedreht wurde.
Wie zwei Diebe schlichen sich Tante Pollie und Anne in die Wohnung.
Anne wollte zum Ständchen ansetzen, doch Tante Pollie hielt sie zurück. "Moment, das kommt mir verdächtig leise vor."
Sie öffnete die Küchentür, hinter der Licht brannte. "Da liegt ja unser Dornröschen," flüsterte die Tante. "Oh, Champagner - und die Gäste sind schon weg?"
"Ich glaube, die waren gar nicht da," wisperte Anne.
"Blöder Stau!" schimpfte Pollie, und stellte die Geburtstagstorte in den Kühlschrank.


Kommentar von Antigone

Hallo Monika, vielen Dank für Deinen positiven Kommentar. Ja, ich stimme Dir zu, der Grund für die Verspätung könnte origineller sein. Andererseits sollte er auch nicht zu übertrieben und damit unglaubwürdig wirken. Vielleicht hast Du ja eine Idee?? Liebe Grüße Antigone

Eingetragen am: 04.12.2008

Kommentar von Monika Herwig

Hallo Antigone, ja, das ist ein schönes Stück aus deinem Roman. Obwohl es für dieses Forum lang ist, habe ich es gerne gelesen. Das einzige, das ich mir anders überlegen würde, wäre der Stau. gibt es nicht einen verrückten Grund, weshalb die beiden zu spät kommen? Liebe Grüße Monika H

Eingetragen am: 28.11.2008

Eingetragen am: 19.11.2008 von linus barthelemew
[ Lesezeichen ]

20402

Vielen Dank für die Kommentare zum ersten Teil (20373). Das hat mich ermutigt, die Geschichte weiter zu schreiben. Hier geht es also nahtlos weiter.

„Guten Morgen, Lester. Puh, ein scheußlicher Wind, aber es scheint etwas aufzuklaren.“
„ Abby, guten Morgen. Ja, es sieht in der Tat etwas heller aus.“
Entgegen Abigalis Prognose klarte es nicht merklich auf, im Gegenteil, der Tag blieb trüb, nass und düster. Und Abigail Pitch machte sich am späten Nachmittag nach einen geschäftigen Tag wieder auf den Heimweg. Wie jeden Tag freute sie sich auf eine heiße Tasse Tee, bevor sie sich der Hausarbeit widmete. Eine gute Gelegenheit, die Post durchzugehen oder Prospekte zu lesen. Wie jeden Tag schloß sie die Haustür auf und machte einen großen Schritt über den Posthaufen aus Werbung und Umschlägen, der auf dem Boden lag. Sie hängte ihre Jacke an den Garderobenhaken an der Wand, streifte die Schuhe ab und schlurfte in ihren fluffigen Frotteepuschen in die Küche im hinteren Teil der Wohnung, stellte den Kessel auf den Gasherd und entzündete die Flamme. Dann nahm sie eine Tasse aus dem Bord und einen Teebeutel aus der Schachtel und mit dem fertigen Tee ging sie schließlich ins Wohnzimmer, und ließ sich in den Sessel fallen. Sie blätterte den Stapel Post durch. Ein Prospekt von Sainsbury´s, Werbung für eine Versicherung, eine Karte ihrer Tante Ethel. Sie wollte sie gerade umdrehen und lesen, als es an der Tür klingelte. Abigail wunderte sich ein wenig und erhob sich. Vor der Tür stand ein kleiner, dicker Mann und zwinkerte ihr fröhlich zu.
„Guten Tag! Ich bin Mr. Lubricki, Ihr Postbote. Hier habe ich noch einen Brief für Sie. Er hatte sich in meiner Tasche versteckt.“
„Oh, sehr freundlich von Ihnen.“
„Hier, hier ist er. So ein schöner Umschlag.“
„Tatsächlich.“ Abigail hielt den Umschlag in der Hand und schaute mit einer Mischung aus Neugierde und Verwunderung auf den Absender.
„Sehen Sie, das Wappen der Königin.“
„Wie wundervoll. Dann müssen Sie ihn gleich lesen!“
„Ja, das werde ich wohl tun.“ Abigail schaute immer noch verwundert auf das zartgelbe Büttenpapier.
„Vielen Dank, Mr. Lubricki.“
„Bitte schön. Und einen schönen Tag noch.“

Samstags war Markttag und Abigail hatte sich ihren Dufflecoat angezogen, ein Tuch gegen den kalten Wind um den Kopf umgebunden, der seit Tagen ungemütlich wehte und hatte frisches Gemüse und ein Glas Clotted Cream besorgt. Sie hatte am Morgen gebacken und nun stand sie mit ihren Einkäufen vor der Haustür.
„Einen wunderschönen guten Morgen, Miss. Pitch.
„Oh, Mr. Lubricki. Guten Morgen.“
„Scheußliches Wetter, nicht?“
„Ja, es scheint aber aufzuklaren.“
„In der Tat, Richtung Dover scheint es etwas heller zu werden. Haben Sie erfreuliche Post von der Königin bekommen?“ Mr. Lubricki hatte vorher noch nie eine königliche Nachricht zugestellt und war sich sehr bedeutsam vorgekommen. Es hätte ihn sehr gefreut, wenn es ein schöner Brief gewesen wäre und er hoffte, nicht allzu neugierig zu klingen.
„Ja, das habe ich. Mr. Lubricki, möchten Sie vielleicht einen Tee mit mir trinken? Ich habe heute Morgen frische Scones gebacken.“
Abigail war seit dem Brief ein bißchen und für sie ganz untypisch aufgeregt gewesen, hatte jedoch noch niemandem davon erzählt. Wenn man genau geschaut hätte, dann hätte man vielleicht bemerken können, dass Abigail seit dem Brief etwas beschwingter ging. Aber niemand hatte auf sie geachtet. Es war nicht so, dass Abigail nicht gerne von dem Brief erzählt hat, sie wusste nur einfach nicht, wie sie es beginnen sollte. Jeden Morgen philosophierte sie mit Lester über das Wetter, dann entstand eine Pause, die sie ungenutzt verstreichen ließ. Deirdre war im Urlaub und dann gab es noch Tomasina. Tomasina, die immer so tat, als wäre sie etwas Besseres, obwohl sie die gleiche Arbeit verrichteten und die jeden Morgen ihren Minifikus auf der Fensterbank besprühte. Nein, den Genuß, Tomasinas dummes Gesicht zu sehen, würde sie sich erst gönnen, wenn sie von der Teeparty erzählen könnte. Insofern schien ihr der Gedanke nahe liegend, ihr Geheimnis mit dem Überbringer zu teilen. Und das war der kleine, freundliche Postbote.
Mr. Lubricki hatte sich in einen kleinen Sessel am Kamin gesetzt und balancierte eine Tasse Tee auf seinen Knien und biss vergnügt in einen mit Marmelade und Clottet Cream bestrichenen Scone.
Abigail hatte den Brief aus der Schublade genommen und die Karte vorsichtig aus dem Umschlag gezogen.
„Es ist eine Einladung zu Tee.“ Nun war es raus. Abigail sank auf das Sofa und nahm einen großen Schluck Tee.
„Das ist ja wundervoll. Das wird sicherlich eine unvergessliche Erfahrung werden.“ Mr. Lubricki strahlte.
„Ja, aber wieso ich? Und was zieht man zu so einem Tee an?“
„Vielleicht werden Sie der Königin persönlich vorgestellt“, rätselte Mr. Lubricki.
„Ach, Du meine Güte!“, entsetzte sich Abigail.


Eingetragen am: 19.11.2008 von Velarani
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20399

Zu spät, aber vielleicht finden sich noch Leser. Helmtraut ist eine Nebenfigur, die ich mag, und mich würde interessieren, wie diese kurze Lebensbeschreibung ankommt (ich habe an meinen Schreibproblemen geübt). Danke!

Helmtraut Degener lebte seit über fünfzig Jahren in dieser Mietswohnung im Stuttgarter Westen. In Berlin geboren und aufgewachsen, hatte sie dort als junge Frau den Krieg mit seinen Bombennächten, dem Hunger und verschiedenen anderen Erlebnissen verbracht, an die zu denken sie lieber vermied, und war in den Nachkriegsjahren einer Liebe nach Stuttgart gefolgt, die sich bald als trügerische Illusion entpuppte. Sie war die erste Tochter eines Fliesenlegers und seiner siebzehnjährigen Ehefrau, denen die Großeltern das Baby aufgrund ihrer Unfähigkeit zur Kinderpflege weggenommen hatten, und hatte dank einer Art ausgleichenden Gerechtigkeit des Schicksals später in ihrem Leben einen Akademiker geheiratet, den einzigen Sohn eines schweigsamen Paares vom Land, das in seiner für damalige Verhältnisse großzügigen Dreizimmerwohnung ein Wasch- und Bügelgewerbe betrieb.
Ihre beiden Kinder, ein Junge und ein Mädchen, waren in diese Wohnung hineingeboren worden, in der außer der jungen Familie und den schwarz gekleideten Eltern noch eine Tante ihres Mannes lebte, die für wohlhabende Kundschaft Kleider nähte. In den sechziger Jahren hatte Frau Degener Kurs auf ein bürgerliches Leben mit Fernseher und Waschmaschine genommen, die Kinder aufs Gymnasium geschickt und Zeit zum Lesen gefunden, während ihr Mann seine vielversprechende Karriere an der Universität langsam ruinierte, ohne dass sie zunächst etwas davon wusste.
Sie nähte ihrer Tochter Kleider für die Jahresabschlussfeiern am Gymnasium, bei denen beide Kinder regelmäßig Preise einheimsten, und verabreichte ihrem Mann die Medikamente, die ihr die Schwiegermutter zusteckte, weil der Hausarzt sie gegen gelegentliche Ausfälle und das ewige Blättern in Wörterbüchern verschrieb, bis eine Einweisung in das in der Nazizeit berüchtigte Bürgerhospital und die Diagnose ‚Schizophrenie, unheilbar’ ihre Gewissheit, auf dem richtigen Weg zu sein, zunichte machte. Es folgten schwierige Jahre, in denen sie versuchte, das Geld zusammenzuhalten, den Nachbarn aus dem Weg zu gehen und die exzentrischen Verhaltensweisen ihres Mannes auszuhalten, indem sie viel über Psychoanalyse las und nachts um Geduld und Heilung betete, nachdem er endlich eingeschlafen war und sie den dröhnenden Fernsehapparat abgestellt hatte. Noch bevor die Kinder eigene Familien gründeten, verstarb Herr Degener an einem Herzinfarkt infolge seiner starken Nikotinsucht, an der je nach Standpunkt die Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft oder die unzähligen Psychiatrieaufenthalte mit ihrer lähmenden Langeweile schuld gewesen waren.
Damals war sie eine gut aussehende Sechzigjährige gewesen, hatte aber von Anfang an den Standpunkt vertreten, dass eine zweite Ehe für sie nicht in Frage käme, da sie überzeugt war, dass Männer in ihrem Alter nur nach einer Frau suchten, die die Wäsche für sie erledigte und warmes Essen auf den Tisch stellte und womöglich noch die Befriedigung ihrer senilen Bedürfnisse im Bett von ihr erwarten könnten, und im Nachhinein war Frau Degener sich mehr als sicher, dass sie damit Recht gehabt hatte. Endlich hatte sie ihre Ruhe.


Kommentar von

Hallo Velarani, mich haben die Kettensätze nicht gestört, weil sie mich nicht verwirrten. Ich finde solche Sätze manchmal sogar reizvoll. Sorry, wenn ich damit auf Widerspruch stoße. Deine Sprache, mit der du so viel zwischen den Zeilen vermittelst, gefällt mir richtig gut. Ohne sentimental zu wirken, kommt doch eine Menge rüber, das einen berühren muss, be-trifft. Lieben Gruß Bärbel

Eingetragen am: 28.11.2008

Kommentar von Monika Herwig

Ich finde die Beschreibung nicht wirklich greifbar. Das machen zum großen Teil die verschachtelten Sätze, denen man nicht mehr folgen mag. Alles muss man auch nicht wissen. Lieber in Leben packen als in beschreiben. Liebe Grüße Monika H

Eingetragen am: 28.11.2008

Kommentar von Velarani

Hallo, Ihr Lieben! Ich wollte mal in einem anderen Stil schreiben, weil Frau Degener ja ganz anders ist als Ela, auch weniger kritikempfindlich. In der weiteren Geschichte wird man sie in Aktion erleben, vor allem werden ihre Kinder alles daran setzen, sie ins Altersheim zu bekommen. @linus barthelemew: Ich mag sie wegen ihrer Einfachheit nach all dem Leid. @Metta: Doch, ich glaube, das kommt hin, zumindest wenn man, wie diese Familie, keine Ahnung hatte. Danke an alle!

Eingetragen am: 20.11.2008

Kommentar von papaya

wieder mal ist das meiste schon gesagt: wow fast ein ganze Leben in so einen Abschnitt packen ist gewagt und mir zu dicht. Sie interessiert mich die Helmtraut und mehr Raum für ihre Geschichte könnte ihr guttun. Mir gefällt nach wie vor deine Sprache und selbst die Schachtelsätze haben Rythmus und Klang. Mein Lieblingssatz" ..bis eine Einweisung....ihre Gewissenheit auf dem richtigen Weg zu sein zunichte machte" Mehr wüsste ich auch gerne über das schweigsame Elternpaar ihres akademischen Mannes, den Fliesenleger und die 17 jährige Mutter und was sie in ihrer Ruhe so treibt als älter Frau...

Eingetragen am: 20.11.2008

Kommentar von Karin

Interessanter, einfühlsamer Text, den der Leser mehr genießen könnte, wenn Du aus Deinen Ketten-Sätzen mehrere kürzere machen würdest. Oder willst Du Thomas Mann nacheifern? Liebe Grüße.

Eingetragen am: 20.11.2008

Kommentar von Angela Barotti

Ich habe geschmunzelt über „die Befriedigung ihrer senilen Bedürfnisse im Bett“. Was meinst du denn damit? Sex? Dieses Bedürfnis hat man(n) aber nicht erst mit Beginn der Senilität. Ich bin etwas unschlüssig, ob ich dich bitten sollte das Wort „senilen“ zu streichen, da es eigentlich fehl am Platz ist. Andererseits steckt hier auch viel Potenzial drin. Helmtrauts Aversion gegen Sex wird dadurch spürbar. / Mein Interesse hat auch der Satz geweckt: „Es folgten schwierige Jahre, in denen sie versuchte, das Geld zusammenzuhalten, den Nachbarn aus dem Weg zu gehen und die exzentrischen Verhaltensweisen ihres Mannes auszuhalten“. Klar, dass ich als Leser wissen will, was für exzentrische Verhaltensweisen der Ehemann an den Tag legte. Ich plädiere deshalb dafür, dass du deine Helmtraut in den Roman einführst während ihrer letzten Ehejahre.

Eingetragen am: 20.11.2008

Kommentar von Lillilu

Liebe Velarani, ich liebe solche Familiengeschichten, aber deine Sätze sind mir entschieden zu lang und vollgestopft mit Informationen. Ich muss mich anstrengen, um alles aufnehmen zu können. Bitte entflechte diese Sätze und vielleicht findest du noch einen Weg mehr in Richtung Zeigen, statt Beschreiben zu gehen?LG Lillilu

Eingetragen am: 20.11.2008

Kommentar von Metta Maiwald

Ja, hier ist noch jemand unterwegs :o) Die Bandwurmsätze fand ich anstrengend, ein bisschen wie Gedächtnis- und Konzentrationstraining (z.B. "Sie war die erste Tochter..."). Die "anderen Erlebnisse" solltest Du lieber benennen oder weglassen. "Trügerische Illusion" ist ein Pleonasmus. Wird man in eine Wohnung hineingeboren, oder in einer Wohnung und in eine Familie oder bestimmte Verhältnisse hineingeboren? Warum sind die Eltern schwarz gekleidet? Trauerkleidung oder zeitüblich, in diesem Falle überflüssig bzw. zu allgemein (Anzug, Kleid mit weißer, gestärkter Schürze, Nerzmantel, Ledermantel mit Fledermauskragen - habe gerade so einen coolen Grufti getroffen,darum dies Beispiel ;o). "Frau" Degener anstelle des Vornamens wirkt plötzlich so anonym. Ist das "ewige Blättern in Wörterbüchern" krankhaft? Dann ist es in meiner Familie eine Erbkrankheit (s. Eugen Roth, Das Hilfsbuch). Bekam man früher mit der Diagnose "Schizophrenie" auch die Prognose "unheilbar" gleich mitgeliefert? Hm, die mir bekannten Symptome der Schizophrenie (Verfolgungswahn, Halluzinationen) unterscheiden sich sehr von denen Herrn Degeners. Hat der Arzt nun der Schwiegermutter die Medikamente verschrieben, und sie gibt sie an ihren Sohn weiter? Das habe ich nicht ganz verstanden. Was mir an der Charakterisierung gefällt, ist, dass man nur ein vages Bild der heutigen Frau Degener hat, hinter dem sich so eine komplexe Lebensgeschichte offenbart. LG Metta

Eingetragen am: 19.11.2008

Kommentar von linus barthelemew

Hallo Velarani, Deine Einführung ist Dir eigentlich gut gelungen. Fast schon zu gut, denn was erfährt man noch über Helmtraut in der weiteren Geschichte? Mich würde auch interessieren, warum Du Helmtraut so magst. Nicht verstanden habe ich, warum die Schwiegermutter die Medikamente für den Mann vom Arzt bekommt. Lieben Gruß!

Eingetragen am: 19.11.2008

Eingetragen am: 18.11.2008 von linus barthelemew
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20373

Dies ist der Anfang einer Kurzgeschichte. Auch wenn es nicht direkt meine Lieblingsstelle ist, würde mich viel mehr der Eindruck interessieren, den diese Einführung hinterläßt. Also sage ich schon mal Danke für alle Kommentare.

....................

Mr. Lubricki war Postbote. Er hatte eine Postbotenuniform und eine Postbotentasche, in denen er die Briefe aufbewahrte. Wenn er grüßte, und das tat er immer sehr freundlich, dann tat er das mit einem Akzent, aus dem man die polnische Abstammung heraushören konnte. Mr. Stanislaus Lubricki war klein, beleibt und hatte einen Schnauzbart. Und jedem Brief, den er zugestellt hatte, schickte er einen fröhlichen Gruß hinterher, in dem Wunsch, seinem Leser nur erfreuliche Nachrichten zu übermitteln. Wenn es zu offensichtlich war, dass der Inhalt eines sehr offiziell wirkenden Umschlags eine Rechnung, vielleicht sogar eine Mahnung enthielt, dann schaute er besorgt auf den Briefkasten, als ob ihm dieser Auskunft über den Gemütszustand seines Besitzers geben könnte.
Auch an diesem Dienstag im März schulterte Mr. Lubricki seine Tasche und machte sich pfeifend auf den Weg. Und zwischen Einschreiben, Rechnungen, Geburtstagsgrüßen, Liebesbriefen und Entschuldigungen steckte ein dezenter, hellgelber Umschlag aus handgeschöpftem Büttenpapier. Handschriftlich mit blauer Tinte und feinsäuberlich an Abigail Pitch adressiert. Mrs. Pitch, die eigentlich noch eine Miss Pitch war, wenn man es mal so genau nahm, bewohnte eine kleine Zweizimmer-Wohnung in der 2 Castle Hill Avenue. Abigail war an diesem Morgen, wie eigentlich immer, nach einem Kaffee aus dem Haus und forschen Schrittes zum Hafen runter gegangen, wo sie im Sekretariat einer Reederei arbeitete. Sie hatte ihren Dufflecoat bis oben hin zugeknöpft und den Kopf eingezogen, aber der Wind, der von Frankreich über den Kanal wehte, pfiff unbeeindruckt in ihren Kragen, brachte ihre Locken durcheinander und schlängelte sich um ihre Beine. An diesem kalten Morgen im März wusste Abigail Pitch noch nicht, dass sie Post bekommen würde und dass dieser Brief ihr Leben verändern würde. Auch Mr. Lubricki hatte an diesem Tag nicht die leiseste Ahnung, welche Auswirkungen die Zustellung dieses Briefes haben würde. Also setzte Mr. Lubricki seinen Weg gemütlich fort, und es würde auch noch sieben Straßen und 43 Briefe dauern, bis er den Briefkasten von Mrs. Pitch erreicht hätte und Abigail Pitch gönnte sich auf dem Weg einen Blick auf die Schaufenster von Debenham´s, wo sie neben Porzellan auch ein paar steingraue, betonbraune und bonbonrosa Strickjacken ausgestellt hatten.


Kommentar von Frank

Hallo linus! Mir gefällt der Einstieg sehr gut, und ich mag mich der Meinung der Anderen anschließen, dass dieses Stück nach mehr als einer Kurzgeschichte verlangt. Eine Novelle vielleicht, eine Erzählung? Was auch immer, ich möchte nur ein paar sprachliche Anregungen geben: 1. Du schreibst: Wenn er grüßte, und das tat er immer sehr freundlich, dann tat er das mit einem Akzent ... Da würde ich das "tat er das" rausnehmen und fortsetzen: "..., der seine polnische Abstammung verriet." 2. "Mr. Stanislaus Lubricki war klein, beleibt und hatte einen Schnauzbart." ... Dieser Satz kommt mir an der Stelle zu unvermittelt, zu weit vorn. Er wirkt im Gefüge ein wenig haltlos. 3. "Und jedem Brief, den er zugestellt hatte, schickte er einen fröhlichen Gruß hinterher, in dem Wunsch, seinem Leser nur erfreuliche Nachrichten zu übermitteln." ... Schöne Idee, aber ein wenig umständlich formuliert. Warum nicht so: "Jedem Brief, den er zustellte, gab er einen fröhlichen Gruß mit: Es lag ihm am Herzen, den Empfängern erfreuliche Nachrichten zu überbringen." 4. "Wenn es zu offensichtlich war, dass der Inhalt eines sehr offiziell wirkenden Umschlags eine Rechnung, vielleicht sogar eine Mahnung enthielt, dann schaute er besorgt auf den Briefkasten, als ob ihm dieser Auskunft über den Gemütszustand seines Besitzers geben könnte." ... Das ist eine witzige Charakterisierung des Briefträgers. Ich würde sie dennoch ein wenig knapper schreiben, zum Beispiel das "zu" bei "zu offensichtlich" und das "sehr" bei "sehr offiziell" streichen. Und am Schluss des Satzes "als könnte ..." erreichte (Der Konjunktiv ist hier gar nicht nötig: Er setzt ja den Weg fort, sie auch!), Strickjacken ausgestellt hatten, die ihr gut gefielen. So, ich hoffe, dass die Kritik dich weiterbringt und wünsche dir frohes Schaffen. Schönen Gruß, Frank

Eingetragen am: 30.11.2008

Kommentar von Lillilu

Stimmungsvoll und unterhaltsam mit liebenswerten Protagonisten!

Eingetragen am: 20.11.2008

Kommentar von Monika

Zunächsteinmal herzlichen Dank für diese beiden „very british“ Protagonisten. Ich liebe sie schon nach diesen wenigen Zeilen. Ich hoffe dass das mit der Kurzgeschichte ein Scherz war… ich könnte mir da durchaus eine "lange Geschichte" vorstellen. Am Ende des Textes kommen sehr viele „würde“ vor. Genau genommen vier. („An diesem kalten Morgen im März wusste Abigail Pitch noch nicht, dass sie Post bekommen würde…“) Vielleicht lässt sich da ja noch eines „herausschreiben“? Warum auch immer bin ich an „steingrau“ und „betonbraun“ hängen geblieben. Mir würden die Jacken in „senfgelb“ oder „mausgrau“ besser gefallen bzw. besser zur „Stimmung“ deines Textes passen. Aber das sind nur Kleinigkeiten. Ich finde den Text sehr gelungen und möchte mehr hören über den Brief und seine Folgen. Noch viel Freude am Schreiben Monika

Eingetragen am: 19.11.2008

Kommentar von Angela Barotti

An den Beginn einer Kurzgeschichte mag ich nicht so recht glauben. Dafür ist doch alles sehr detailliert geschildert. Für mich ist das ein schöner Einstieg in einen (Krimi?)-Roman. Beide Charaktere hast du sehr liebevoll eingeführt.

Eingetragen am: 19.11.2008

Kommentar von Karin

Mir gefällt Dein Text sehr! Du zeichnest Deine Figuren so liebevoll; man mag sie sofort. Sie kämen in der heutigen schnelllebigen Zeit sicherlich nur schwer zurecht. Obgleich ich dem kleinen Postboten eine Menge zutraue. Miss Pitch wirkt altmodich verschroben, weltfremd und doch liebenswert und ist - wie mir scheint - sehr tüchtig. Ich wünsche ihr eine wunderbare Überraschung in dem vornehmen Briefkuvert. Liebe Grüße.

Eingetragen am: 19.11.2008

Eingetragen am: 18.11.2008 von Elisabeth
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20362

Meine Mutter liebte die Tänze fremder Kulturen. Besonders aber den Bauchtanz. Oft versuchte sie ihn nach zu machen, sie stellte sich gar nicht ungeschickt an und ihr dickes Bäuchlein wackelte dann wie feste Gelatine. Mein Vater schaute ihr gerne dabei zu, lachte und seine Augen funkelten stolz.
An irgendeinem Nachmittag im Winter, fuhr ich mit meinem Roller an unserer Schulturnhalle vorbei. Ich vernahm Musik und hielt an. Aus dem schräggestellten Fenster klangen die gleichen Melodien zu denen meine Mutter immer tanzte. Das Fenster war mit einem schmutzigen, dunkelgrauen Plastikvorhang verdeckt, den wir immer aufzogen, wenn wir Sport hatten. Doch rechts unten am Fenster klaffte er einwenig zur Seite und eine winzige Öffnung lockte mich mit seinem grellen Blick zu sich. Neugierig stellte ich mich auf das Trittbrett meines Rollers. Ich zog mich mit beiden Händen am Fensterbrett hoch, streckte meinen Hals soweit es ging und spähte mit einem Auge, wie durch ein Schlüsselloch, durch. Was ich dann sah, ergreift mich heute noch. Warme, dampfende Helligkeit durchzog den Saal, Gold und Perlen glitzerten überall, violett und schwarz zuckten die Körper. Frauen, Männer und Kinder lachten, jubelten und schrieen, ihre weißen Zähne blitzten. Ich roch den Schweiß und Rosenduft und die fordernde Musik ließ sie nicht los.
Wie gerne wäre ich in diesem Moment ein Kind von ihnen gewesen. Und doch wäre ich abgehauen, hätten sie mich hinein gebeten.


Kommentar von papaya

schöner Text; das spähende Kind in der Kälte draußen und die warme Helligkeit, die Ausgelassenheit drinnen- das ist ein starkes Bild.. Und doch wäre sie abgehauen, die Kleine, ein Schlussakkord der neugierig macht Den grellen Blick braucht es nicht eine winzige Öffnung lockt ein Kind genug! Übrigens kennen auch Süddeutsche schneefreie Wintertage

Eingetragen am: 20.11.2008

Kommentar von Angela Barotti

Das hört sich nach einem schneefreien norddeutschen Wintertag an, wenn das Kind noch Rollerfahren konnte. Das könnte die Leser aus dem Süden Deutschlands eventuell irritieren. Ein Schlitten zum Draufstellen wäre auch praktischer gewesen. ;-) / Wirklich gestört hat mich nur der ‚lockende grelle Blick’. Ob das Kind den Rosenduft und den Schweiß durch das gekippte Fenster riechen konnte, ist grenzwertig. Die Farbe der Zähne braucht nicht extra erwähnt zu werden. / Alles in allem ist es jedoch eine sehr schöne Erzählung. Die Sehnsucht des Kindes, mit dazu gehören zu dürfen, hast du glaubhaft dargestellt.

Eingetragen am: 19.11.2008

Kommentar von Karin

Deine Formulierungen/Bilder "wackeln" zum Teil etwas, aber die Stimmung Deines Textes ist Dir gut gelungen. Liebe Grüße.

Eingetragen am: 19.11.2008

Eingetragen am: 18.11.2008 von Lillilu
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20356

Auch von mir noch ein Beitrag, der mir sehr am Herzen liegt, weil es der Anfang meiner überarbeiteten Autobiografie ist. Ich möchte gerne wissen, ob dieser Text zum Weiterlesen anregen würde.


T A U B E I N D E R T A N NE



PROLOG


DU BIST NICHT DABEI GEWESEN

Ein bewölkter Sommertag im August neunzehnhundertachtundachtzig. Brieselang, ein kleiner Ort im Bezirk Potsdam in der DDR, nordwestlich von Berlin, nur etwa fünfzehn Kilometer von West-Berlin entfernt. Ein Tagesvisum ist unser Eintritt in dieses ferne Land, in dem sich auch unsere Vergangenheit versteckt.

Die kleine Gruppe klettert aus einem alten Saab und schleppt Picknickkörbe und Decken durch eine Schneise, die von der Nauener Chaussee aus durchs Unterholz führt.

"Ja", sagt meine Mutter, "hier war es". Sie marschiert vorneweg und schwingt ihren Plastikkorb mit den frischen Erdbeeren, den Servietten und dem Zucker. Sie ist klein, ein Meter sechzig, vierundsiebzig Jahre alt und für einen Ausflug in hüfthohes Unkraut elegant in schwarz-weiß gekleidet: Enger Pepitarock, schwarzer Sommerpullover und eine lange, weiße Perlenkette. Mit von der Partie sind Gerd, ihr Lebensgefährte, und mein Mann Peter, die das nötige Geschirr und Decken tragen.

"Wenn die Bäume damals schon so groß gewesen wären, hätten die Russen uns nie gefunden" sagt Mutter nun. "Aber damals sah man die Dachspitze von der Straße aus." Damals war das Jahr neunzehnhundertfünfundvierzig.

Am Ende der Schneise öffnet sich der Wald zu endlosen Feldern und einer Ruine. Es stehen nur noch die Außenwände und der Schornstein.

Für einen Moment stehen wir still und versuchen uns zu orientieren. Dann zeigt Mutter auf den Kellereingang, von außen zugänglich: "Da habe ich die letzte Kuh immer reingeführt, wenn ich sie von der Weide holte. Wir brauchten die Milch für dich und Hans-Peter. Aber die Russen haben sie doch gefunden. Sie sind ja jede Nacht gekommen. Und da oben, im ersten Stock, da haben Sparvins gewohnt, sie waren russische Zwangsarbeiter und haben uns bei der Ernte geholfen. Die Küche im Erdgeschoß haben wir uns geteilt. Und oben unter dem Dach haben wir alle geschlafen. Vom Kinderzimmerfenster hat Oma ihren vollen Nachttopf über russische Soldaten ausgekippt“.

Wir breiten unsere Decken unter alten Birnenbäumen aus, dahinter vier riesige Pappeln. Diese Bäume hat mein Vater gepflanzt! Ich beiße fast euphorisch in eine noch unreife Birne, egal, es sind doch eigentlich meine Birnen, auch fast ein halbes Jahrhundert später!

Wo jetzt nur Unkraut wächst und eine verkohlte Ruine steht, war früher das Haus und eine große Scheune. In der Tür der Scheune hing meine Schaukel, und ich habe mit dem Gesicht in die Scheune hinein geschaukelt, weil drinnen der Bulle war. Ich behielt ihn immer im Auge.

Mutter erinnert sich und erzählt. Auch Geschichten, die schon lange ein Teil meiner eigenen Geschichte geworden sind.

Sparvins hatten einen kleinen Sohn, den sie meiner Oma tagsüber in die Obhut gaben, während die anderen Erwachsenen auf dem Feld oder in Berlin arbeiteten.

Da, im Erdgeschoß, in der Küche saßen wir an einem großen Tisch. Waren die Wände nicht hellgrün? Wenn der Junge mal musste, verzog er sein Gesicht und schaukelte auf seinem Kindersitz hin und her.

Oma wusste, was es bedeutete. Dann noch ein Weilchen warten, damit sie sicher sein konnte, dass das Kind in die Windeln gemacht hatte. Nun konnte sie loslegen. Schreien und Schimpfen und dann auf den blanken Po mit dem Kochlöffel hauen, bis das Schreien das ganze Haus durchdrang. Aber nur mein Bruder Hans-Peter und ich, Marie-Luise, damals noch Püppi, hörten es. Der Hof lag am Ende dieser Schneise mitten durch den Wald. Dahinter die Felder, die sich bis zum Niederneuendorfer Kanal zogen. Ein einsamer, kleiner Hof, der in seinen Mauern die Angst vor der Brandbombe, die durch das Dach ins Kinderzimmer gefallen war, beherbergte, das Flehen der Eltern, als die russischen Soldaten uns erschießen wollten. Herr Sparvin hatte sich vor die Gewehrläufe gestellt und um das Leben dieser Deutschen gebettelt: „Sie haben nie die Hand zum Hitlergruß gehoben!“

Und um den Hof, in den Wäldern, ein Teppich zarter, weißer Buschwindröschen, wie in jedem Frühjahr, auch im April neunzehnhundertfünfundvierzig.

Auf unseren Decken unter den Birnenbäumen wird es kühl. Die Erdbeeren sind aufgegessen, der Kaffee getrunken. Es wird Zeit wieder in Richtung Grenze zu fahren, vielleicht noch einen Abstecher in den Ort Brieselang zu machen.

Ich biege mit dem Saab vor einem Bahnübergang nach rechts Richtung Brieselang ab. Die Straße ist wie überall von Bäumen gesäumt, und ein trockener Graben verläuft parallel dazu.

"Hier hab ich mich in den Graben geworfen!" schreit Mutter plötzlich.

Ich fahre langsamer. Und sie erzählt, wie sie Hans-Peter an der Hand hatte und mich im Kinderwagen vor sich her schob und am Ende der Straße eine Fahrzeugkolonne der Roten Armee kommen sah. Sie warf sich mit ihren Kindern und dem Kinderwagen in den Graben und hielt mir den Mund zu, bis die Fahrzeuge vorbeigefahren waren.

"Das muss entsetzlich gewesen sein“, sage ich, "ein richtiges Trauma."

"Sei nicht albern! Du hast davon nichts gemerkt!"

"Wieso habe ich nichts gemerkt? Ich bin doch dabei gewesen!"

"Du warst ein Jahr alt, du erinnerst dich doch gar nicht. Du bist gar nicht dabei gewesen!"

Schweigen im Auto. Ich sehe das Gesicht meiner Mutter im Rückspiegel, die Bitterkeit hat tiefe Linien um ihren Mund hinterlassen. Sie fühlt sich in ihrem Leid nicht genügend gewürdigt und sie ist mir so nahe, dass ich ihre Gedanken in mir selbst wieder finde.

(Kursiv Anfang)Sie war damals neunundzwanzig Jahre alt gewesen, als Otto, ihr Mann, diesen Hof neunzehnhundertzweiundvierzig gekauft hatte, nach dem die ersten Bomben auf Lübeck und Köln gefallen waren. Sie hatte so nicht leben wollen - auf dem Land - mitten im Wald, nur den Bauern Reschke in einigen Kilometern Entfernung, aber Otto meinte, sie wären hier vor den zu erwartenden Bomben auf Berlin sicher.

Im ersten Jahr gab es noch keinen Strom im Haus und ihr kleiner Sohn, Hans-Peter, war erst zwei Jahre alt. Nur Oma war da, um mit anzupacken. Und die hatte immer Angst vor den Kühen! Otto war die ganze Woche über in Berlin, im Geschäft. Sie hatten sich gerade mit einem Sanitätshaus selbständig gemacht. Und er war selbst behindert, hatte von einer Kinderlähmung ein gelähmtes Bein zurückbehalten und das hieß, dass immer sie die Koffer schleppen musste und das Baby und das Holz, das sie im Wald sammelten, und die Kartoffeln, die sie von den Feldern holten. Als dann Sparvins kamen und die Stromleitungen ihren kleinen Hof ereichten, wurde es besser. Dann kamen die Fliegeralarme und eine Brandbombe fiel durchs Dach, direkt in das Kinderbett, während sie im Keller saßen.

Niedlich war Püppi gewesen, mit großen Kulleraugen und blonden Haaren! "Ach, was haben Sie für eine Käthe Kruse Puppe im Wagen!“ hatte einmal eine fremde Frau gejubelt, als sie den langen Weg vom Hof nach Alt-Brieselang geschafft hatte, um Milch zu kaufen, nachdem die Russen die letzte Kuh vom Hof geholt hatten. Der Jubel der Frau hatte ihr gut getan, denn sie hatte nicht ohne Mühe ihre kleine Püppi mit Stoffresten eingekleidet und ihr ein buntes Kopftuch umgebunden.

Und vor allen Dingen war Hans-Peter nun nicht mehr allein, seine Schwester konnte ihm eine Spielkameradin sein.

Im Wald lagen noch Waffen und Munition, und er musste immer über den "Schwarzen Weg" entlang nach Brieselang zur Schule. Neunzehnhundertsechsundvierzig war es bitterkalt gewesen und sie hatte für ihn noch nicht einmal einen warmen Mantel gehabt. Und zur Einschulung keine Schultüte! Sie war erst wieder beruhigt als sie neunzehnhundertachtundvierzig nach Hennigsdorf zogen, wo sie an die S-Bahn angeschlossen waren und wo es eine Schule und Geschäfte gab. (Kursiv Ende)

Es wird dunkel und wir nähern uns dem Grenzkontrollpunkt Staaken.
Was aber ist meine eigene Geschichte? Meine inneren Bilder von Brieselang sind geprägt von denen meiner Mutter, von ihrer Angst und ihrer Not. Ich muss weiter nach eigenen Bildern suchen, die erst in Hennigsdorf, im Jahr neunzehnhundertachtundvierzig, klare Formen annehmen.

Mir fallen Max Liebermanns Worte ein „Was vom Leben übrig bleibt, sind Bilder und Geschichten“.

(Danach geht es weiter mit Kapitel 1 „Bilder und Geschichten“)


Kommentar von Lillilu

Hi METTA, ein guter Einwand, Angela hatte ja auch schon an den Daten sich gerieben. Wie du es vorschlägst ist es wohl am besten. Ich musste allerdings lachen, wie du rumrechnest - ich tue das niemals, denn Zahlen sind mir verhasst! LG Lillilu

Eingetragen am: 21.11.2008

Kommentar von papaya

ein berührender Text, ich würde weiterlesen. Die Vorschläge von frog finde ich sehr stimmig. Das "du bist nicht dabei gewesen " sollte bleiben. Das ist doch der Motor für das Erforschen deiner eigenen Bilder und ich wünsch dir viele Laternen dafür, die den Weg ausleuchten.Grüße von papaya

Eingetragen am: 20.11.2008

Kommentar von Lillilu

Danke KARIN, ANGELA und FROG! Ich finde den Vorschlag von FROG, mit dem 3. Absatz zu beginnen, ganz toll- das werde ich machen. Und dann die Infos über Ort und Zeit anders einfließen lassen. @Angela: DU bist nicht dabei gewesen ist das Zitat meiner Mutter. Die Generation vor mir war der Meinung, dass der Mensch wohl erst mit seinem Erinnerungsvermögen zum anwesenden Menschen wird. ICH bin ja der Meinung, dass ich dabei war. Auch, als ich noch im Bauch war, soweit ist man mit der Forschung seit Jahren. Ein Erzählstrang in diesem Buch soll zeigen wie diese Generation das Leben regelte. Da wurde durch Strafe erzogen - das Kind wird geschlagen, damit es wie der Pawlowsche Hund als Reflex lernt nur ins Töpfchen zu machen. Aber natürlich ist Oma eigentlich nur ein Sadist und kann Püppi und das andere Kleinkind der Zwangsarbeiter nicht ausstehen. Warum das so ist, verrate ich hier noch nicht. Daten und Zahlen ausschreiben? Ja, finde ich eigentlich auch, aber ich wurde hier hundert mal darauf hingewiesen, dass man KEINE Ziffern schreibt. UNSERE kleine Gruppe kletterte aus dem Saab.. hatte ich auch geschrieben und entdeckte dann die Wortwiederholung in der Zeile darüber. CLEMENS gibt es nur in "Die Redelsheimer", PETER nur in "Taube in der Tanne". Vielen Dank für deine Tipps! LG Lillilu

Eingetragen am: 20.11.2008

Kommentar von Metta Maiwald

Hallo Lillilu, insgesamt gefällt mir der Text. Zur Orientierung würde ich nicht immer die exakten Jahreszahlen nennen, sondern andere Bezugspunkte, z.B. einmal das Geburtsjahr von Marie-Luise und dann ihr Alter als Bezugspunkt, oder "im letzten Kriegsjahr" oder "zwei Jahre vor der Wende", denn für den Leser ist das genaue Jahr nicht wichtig. Wenn ich ständig Zahlen lese, fange ich automatisch an, zu rechnen, aha, im August 1988 ist Mutter 74 Jahre alt, dann war sie 1945 31 Jahre alt, 1942 war sie 29, dann müssen sie das Haus in der zweiten Jahreshälfte gekauft haben, da sie ja im August noch nicht Geburtstag hatte, sonst wäre sie ja schon 75... Wenn Hans-Peter beim Einzug 1942 zwei Jahre alt war, ist logisch, dass seine Einschulung 1946 stattfand. Also, Jahresangaben bitte aufs Notwendigste beschränken. LG Metta

Eingetragen am: 19.11.2008

Kommentar von Angela Barotti

Ja, dein Text würde mich zum Weiterlesen anregen. Auch wenn ich ganz viel zu meckern habe. Aber deine warmherzige Art Dinge zu schildern, machen das Lesen für mich immer wieder zum Genuss. / Überschrift. Besser: ICH BIN nicht dabei gewesen. Mit dem DU fühle ich mich als Leser persönlich angesprochen – und ausgegrenzt (obwohl es stimmen würde, denn ich bin ganz sicher nicht dabei gewesen. Aber das ist hier nicht gemeint.) / Bitte Jahreszahlen immer als Zahlen schreiben. „neunzehnhundertachtundachtzig“ zu lesen macht mich wuschig. 1988 ist für die Augen deutlich angenehmer./ „Die kleine Gruppe klettert aus einem alten Saab“ ist zu unbestimmt. Ich dachte zuerst, du schilderst hier deine Beobachtungen, die du auf der Straße mit unbekannten Personen hast. Besser wäre: UNSERE kleine Gruppe klettert aus MEINEM alten Saab. / Clemens heißt jetzt Peter. Ist das so gewollt? / EINE Ruine ist mir ebenfalls zu unbestimmt. Besser: Der Wald öffnet sich zu endlosen Feldern und unserem (ehemaligen) Haus, das jetzt nur noch eine Ruine ist./ Tolle Birnenszene, sehr stimmig. / Warum haut die Oma dem Kind auf den Hintern? Ist das ihre Methode, den Kleinen trocken zu kriegen? Du solltest dem Leser hier eine Begründung für diese Erziehungsmaßnahme anbieten, denn mich siehst du bei der Szene etwas ratlos auf die Sätze blicken./ Die Wegbeschreibung zum Haus wiederholt sich – lag am Ende der Schneise mitten durch den Wald, Felder etc. / Super: Die immer noch von den Mauern beherbergte Angst vor der Brandbombe./ Die Rettung vor dem russischen Erschießungskommando könnte ausführlicher geschildert werden. Mir persönlich ist sie zu kurz abgehandelt./ Schöner Kontrast mit den Buschwindröschen – romantische Natur contra Todesangst. / Wie du siehst, habe ich nur Kleinigkeiten zu bemängeln gehabt. Deine Biografie ist klasse und spricht mich an.

Eingetragen am: 19.11.2008

Kommentar von Karin

Eine starker Text! Daran ändert auch der etwas unglückliche Einstieg nichts. Du hast die Stimmung wunderbar eingefangen, düster, erschreckend, doch mit Humor durchzogen. Ja, der Absatz in Kursiv. In Ich-Perspektive würde er sich nicht genügend vom Übrigen abheben. Da Du bereits in Ich und Präsens schreibst, wäre auch der Monolog keine Lösung. Ich glaube, Du hast das alles vorher gut überlegt, und der Kursiv-Absatz muss bleiben wie er ist. Liebe Grüße.

Eingetragen am: 19.11.2008

Kommentar von Frog

Hallo LL, die Szene mit der Birne hat mich besonders berührt. Aber nun zum ganzen Text. Vorschlag: Würdest Du ihn mit dem dritten Absatz beginnen und die ersten beiden leicht abgeändert anschließen, wäre man schneller mittendrin in der Geschichte. Der kursiv gedruckte Absatz hemmte mich ein wenig, er kam unvermittelt und fügt sich nicht so geschmeidig ein für mein Gefühl. Ich würde die Distanz verringern, indem ich in die Ich-Perspektive ginge, d.h. Püppi erzählt, wie sie sich die Vergangenheit ihrer Mutter mit allen dazugehörigen schlimmen Gefühlen vorstellt. Hrr, ich hoffe, Du weißt, wie ich das meine. So schafft der Rückblick für mich zu viel Distanz, geht zu weit weg von der Erzählerin, was der schönen persönlichen Geschichte womöglich nicht gut tut. Schließlich schreibst Du ja ..." dass ich ihre Gedanken in mir selbst wiederfinden". Wie könnte ihre Gedanken damals zu der schweren Zeit gewesen sein??? Das ist mein erster Eindruck. Leider bin ich nicht so gut mit Verbesserungsvorschlägen. Aber ich kann mir die ganze Szene lebhaft vorstellen, habe vor zwei Jahren eine ähnliche Situation mit unserer Mutter erlebt. Meine Schwester und ich fuhren mit ihr in ihre alte Heimat Bochum und grasten ihren Erzählungen lauschend alle Orte ihrer Jugend im Dritten Reich ab. Das war ein bewegendes und unvergessliches Erlebnis. Liebe Grüße und alles Liebe nach Berlin sagt Frog.

Eingetragen am: 19.11.2008

Kommentar von Lillilu

Stimmt, Numungo - der erste Satz ist kein literarischer Brüller. Ich werde mir eine charismatischere Eröffnung ausdenken müssen. Danke! Danke auch dir, Elisabeth!

Eingetragen am: 19.11.2008

Kommentar von Numungo

Hallo Lillilu, schön dass du wieder da bist, ich habe dich schon vermisst! Dein Text ist spannend und öffnet den Blick in eine vergangene Welt, die in einigen Herzen noch existiert. Einzig der erste Absatz stört mich etwas, ich kann nicht genau sagen, weshalb. Stünde er so in der Mitte des Textes, würde ich sagen, er stört den Lesefluss. Und hier, ganz am Anfang könnte es passieren, dass er den Leser nicht in den Text hineinzieht. Viele Grüsse, Numungo (20016).

Eingetragen am: 18.11.2008

Kommentar von Elisabeth

Liebe Lillilu, dein Text verbirgt sehr viel Wärme und ich möchte auf jeden fall weiterlesen. Die Mischung im Text von jetzt und damals ist dir gut gelungen und ich sehe alles in Bildern vor mir. Viel Glück bei deiner Autobiografie!

Eingetragen am: 18.11.2008

Eingetragen am: 17.11.2008 von papaya
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20344

Ich bin spät dran und dies ist kein Lieblingstext, sondern der Anfang von Elisabeths Geschichte. Sie ist eine etwas weltferne Tante von Anna, die noch eine wichtige Rolle für Anna spielen wird

Es dampfte aus zwei Töpfen. Elisabeth hob abwechselnd die Deckel und rührte mit Löffel und Gabel herum. Sie fischte ein paar Reiskörner aus der blubbernden Currybrühe, als ihr einfiel, dass Herr Gustaf gegen neunzehn Uhr die Ballonflaschen mit Wasser vorbeibringen würde. Das war in einer halben Stunde und sie hatte es tatsächlich vergessen! Das wäre ihr früher nicht passiert! Ob sie ihn zum Essen einladen sollte? Elisabeth stand da mit der Reisgabel in der Hand und war unschlüssig.
Herr Gustaf kam etwa alle zwei Wochen. Anfangs waren sie oft in der Küche gesessen, hatten Tee getrunken und ihre Worte wie Ausflugsdampfer in ruhigem Gewässer zwischen ihnen hin und hergleiten lassen. Elisabeth hatte sich gewundert, dass Herr Gustaf, der Familie hatte, sich soviel Zeit nahm. Einige Male hatte sie sich gefragt, ob sie sich deswegen etwas vorzuwerfen hatte, konnte aber nichts finden. Sie genoss diese Küchengespräche. Herr Gustaf sprach gerne über Musik. Er hatte ein Privatorchester im Bekanntenkreis gegründet.
Drei Violinen, ein Cello und eine Bratsche. Sie trafen sich so oft es ging und ließen sich gelegentlich für Familienfeierlichkeiten engagieren. Herr Gustaf komponierte auch. Wenn er Elisabeth von einer neuen Komposition für sein Quintett erzählte, gerieten seine Hände in Bewegung, sein hageres Gesicht wirkte runder, seine Stimme voluminöser und rutschte eine halbe Tonlage tiefer. Aber was Elisabeth am meisten faszinierte war die Tatsache, dass er dann langsamer sprach und viele Pausen einlegte.
Eigentlich ein Paradox! Die meisten Menschen, die Elisabeth kannte, begannen beim Erzählen zu galoppieren, wenn sie bei einem Lieblingsthema angelangt waren. Das hatte Elisabeth schon unzählige Male verwirrt oder ermüdet. Bei Herr Gustafs Erzählweise fühlte sich Elisabeth ganz und gar aufgehoben. Sie lauschte mit ihrem ganzen Körper.
Und wenn er schwieg, hörte sie den Klang seiner Stimme wie ein Echo von den Wänden zu wiederkehren. Sie war unsicher, ob Herr Gustaf dasselbe hörte, wollte aber nicht nachfragen und beließ es bei dem Ohrenschmaus, den seine Besuche ihr bereiteten.

Dann war er seltener zum Tee geblieben. Elisabeth scheute sich zu fragen. Sie wollte sich nicht aufdrängen, beobachtete und wartete ab. Sie konnte keine Veränderungen an Herrn Gustaf bemerken. Schließlich blieb er gar nicht mehr zum Tee. Das Erstaunliche war, dass er nichts erklärte. Er sagte auch nicht, dass er es eilig hätte wegen irgendwelcher Verpflichtungen. Wie immer stellte er die Flaschen im Vorraum ab, redet einige Takte im Stehen und ignorierte die Tassen und die Teekanne, die Elisabeth aufs Sideboard gestellt hatte. Irgendwann war es zu spät nachzufragen, befand Elisabeth. Es wäre ihr unangenehm gewesen, ihn in Erklärungsnot zu bringen. Es war ganz offensichtlich, dass er sich nicht mehr so wie vorher mit ihr unterhalten wollte.

Elisabeth stand immer noch mit der Gabel in der Hand und vermisste dieses Plaudern, Herrn Gustavs Stimme und ihre eigene Entspanntheit in seiner Gegenwart. Solange sie zurückdenken konnte war sie auf Wohlklang bedacht gewesen. Ihr Spinnenetz nannte sie das. Elisabeth hielt die Gabel und schloss ihre Augen. Sie konnte das Netz sehen. Sehen wie sich von ihrem Nabel aus schimmernd und pulsierend die Fäden verzweigten. Sein leises Zittern spüren.


Kommentar von papaya

erstmal:daaanke an alle, denn eigentlich habe ich befürchtet, der Text langweilt sowieso, denn es passiert ja nicht wirklich viel und ich hatte keine Zeit mehr.. @Ginko du hast Recht, Elisabeth ist nicht die Aktivste und lebt in ihrem Netz, aber Anna wird ihr noch zu denken geben hoff ich... @frog freut mich und die Ausflugsdampfer mag ich auch.. @Lillilu, schön von dir zu hören, freut mich ganz besonders und mit den Echos bin ich selbst noch nicht zufrieden @Karin keine Ahnung wie die Geschichte weitergeht.. aber ich werde Elisabeth zu Rate ziehen @Angela, mit dem Wohlklang und dem Netz das habe ich gar nicht bemerkt,dank dir aber schon...und Elisabeth ist halt zu sehr mit ihrem inneren Wohlklang beschäftigt und natürlich mit ihren Vorstellungen- fraglich ob das was wird mit ihr und den Männern... @Numungo, in den Kazuo schau ich mal rein, danke für deine Tips!!! Der Titel gefällt mir jedenfalls sehr @Elisabeth schluck, danke und ich werd über Gustaf und seine Motive nachdenken

Eingetragen am: 19.11.2008

Kommentar von Elisabeth

Wunderschöner Text, ich war richtig dabei, wenn Gustav erzählte, das hast du sehr detailliert und lebendig geschrieben. Außerdem bin ich jetzt sehr gespannt, warum Gustav nicht mehr gekommen ist.

Eingetragen am: 18.11.2008

Kommentar von Numungo

Hallo papaya, eine schöne Geschichte, die trotz ihrer Ruhe spannend bleibt. Gustaf erinnert mich irgendwie an den Butler Stevens in "Was vom Tage übrig blieb" von Kazuo Ishiguro. Solltest du dir mal reinziehen: 300 Seiten über die Liebe eines Butlers zu seinem Beruf. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich das aushalte, doch der Roman war von der ersten bis zur letzen Seite spannend. Bei deinem Text gefällt mir ganz besonders der Satz: "... und ihre Worte wie Ausflugsdampfer in ruhigem Gewässer zwischen ihnen hin und hergleiten lassen." Viele Grüsse, Numungo (20016). P.S. Es wundert mich übrigens, dass so viele hier keine Lieblingstexte haben oder diese nicht einstellen ;-).

Eingetragen am: 18.11.2008

Kommentar von Angela Barotti

Eine schöne Story. Ganz weich und zart. Und irgendwie Birne, dachte ich zu Anfang (lag vielleicht am Tee). Das Bild, das du von Elisabeth und von Herrn Gustaf zeichnest, gefällt mir gut. Wohlklang mit einem Spinnennetz gleichzusetzen, gefällt mir dagegen aus zwei Gründen gar nicht. 1) Weil ein Spinnennetz keine akustischen Laute von sich gibt. 2) Weil Elisabeth keine Frau ist, an der Herr Gustaf ‚hängen“ bleibt, denn auch ein Mann braucht ein paar Signale seitens der Frau, um Rückschlüsse zu ziehen. Doch solange Elisabeth darüber erleichtert ist, das sie sich in dieser Hinsicht nichts vorzuwerfen hat, wird er wohl auch die Einladung zum Essen ausschlagen.

Eingetragen am: 18.11.2008

Kommentar von Karin

Mit Deinem Text um Elisabeth und Herrn Gustav ist Dir der Anfang einer stimmungsvollen, zarten und liebenswerten Erzählung gelungen. Ich fühle mit E. mit. Deine Sprache ist natürlich und schlicht, mit vielen Bildern. (Die meisten Menschen galoppieren beim Erzählen. Bei Herrn G.`s Erzählweise fühlte sie sich ganz und gar aufgehoben. Sie lauschte mit dem ganzen Körper.) Im letzten Absatz meinst du bestimmt 'Spinnennetz'? Ich hoffe, wir erfahren, wie Deine Geschichte weiter geht. Liebe Grüße.

Eingetragen am: 18.11.2008

Kommentar von Lillilu

Ein schöner Anfang. Ich würde weiter lesen wollen, um dahinter zu kommen, weshalb Herr Gustav nicht mehr zum Plaudern bleibt. Einzig der Satz "..wie ein Echo von den Wänden.." scheint mir irgendwie nicht stimmig. Ich glaube, ich würde entweder das "zu" streichen oder nach DEN WÄNDEN aufhören.LG Lillilu

Eingetragen am: 18.11.2008

Kommentar von Ginko Korn

Eine alternde Spinne, die es auf diesen einen Taumelkäfer abgesehen hat? Nicht doch, nur seine Schwingungen will sie spüren. Das wird ihm, der sich gern erbeutet lassen hätte, zu langweilig. Von sich aus darf er den Schritt in die Fäden nicht wagen, denn da würde er ja bewusst fremd gehen. Nur noch das bestellte Wasser liefern und weiter ! Andere Mamsells gehen aktiver mit ihrem Netz um.

Eingetragen am: 17.11.2008

Kommentar von Frog

Dieser Tante fühle ich mich verbunden, ohne es genau erklären zu können. Ich fühle mich quasi bei Deiner Erzählweise gut aufgehoben. Das ist eine Kunst, und Du beherrscht sie schon ganz schön gut. Deine feinen Beobachtungen und Formulierungen machen für mich das Lesen zum Genuss. Besonders das Bild von den Ausflugsdampfern ist wunderbar. Danke für diesen Text, sagt Frog.

Eingetragen am: 17.11.2008

Eingetragen am: 17.11.2008 von Angelika Wagner
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20340

Anne fand sich im Auto ihres Geliebten wieder und lies sich um ein Haar von seiner Frau trösten. "Nehmen sie sich ein Kleenextuch aus dem Handschuhfach und wischen sie sich das Gesicht ab, dann können wir in die Weinstube gehen und uns ungestört unterhalten." Anne nahm ein Tuch und Cora lächelte: "Die hat unser Lukas immer dabei, für die eher kürzeren Bekanntschaften. Zu dieser Sorte gehören sie wohl nicht." An Coras Stimme konnte Anne erkennen, dass diese Frau litt und ähnlich verzweifelt zu sein schien wie sie selbst es war. Ihre Blicke trafen sich und wortlos gingen die zei Frauen ins Lokal. Es war gut gefüllt und sie setzten sich an einen Ecktisch. Als der Kellner an ihren Tisch trat, bestellte Cora eine Flasche Rotwein. Scheinbar hatte sie sich wieder beruhigt. Anne konnte die Situation immer noch nicht richtig einschätzen. Abrupt stand sie auf. "Ich komme gleich wieder.", entschuldigte sie sich und ging an der Theke vorbei durch die Türe, an der sich der Wegweiser zu den Toiletten befand. Eine Treppe führte ins Untergeschoss zu den Örtlichkeiten. Anne hatte das Gefühl, als ob sich die Stufen immer wieder an die unteren anreihen würden. Als wollte oder sollte sie niemals unten ankommen. Irgendwann stand sie vor der Türe zur Damentoilette. Ihr Kleid klebte an ihrer Haut und der Schweiß schien in Schüben aus ihrem Inneren auszubrechen. Die Gedanken drehten sich in ihrem Kopf und als sie die Kabine betrat, war sie einer Ohnmacht sehr nahe. Sie kühlte ihren Puls mit kaltem Wasser und trank einen Schluck aus der Leitung. Dieser Blick in den Spiegel war wohl das Schlimmste, was sie an diesem Abend aushalten musste.


Kommentar von Benita

Hallo Angelika, sehr guter Lesestoff. So etwas mag ich. War etwas in dem Kleenextuch? Was hat Cora ihr angetan? Toll geschrieben. Die Spannung wächst, bin gespannt, wie es weiter geht. Gruß Benita

Eingetragen am: 18.11.2008

Kommentar von Ginko Korn

Die unendliche Treppe in die Unterwelt als Sinnbild für den Weg in die Tiefen des Lebens : gut getroffen! Dagegen ist "an der Theke vorbei zur Tür mit dem Wegweiser" nur ein sachlicher Bericht, der entweder gestrichen werden könnte, oder als Irrgarten vorgeschaltet, zur Darstellung von Annes Verwirrung. Der Schweiß "schien" nicht nur auszubrechen, sondern brach wirklich aus. "Einer Ohnmacht nahe" : würde ich dicker auftragen, mit Drehschwindel, Übelkeit, Sehstörung, Ohrensausen, Gefühllosigkeit in Armen und Beinen, Herzrasen, Schwächeanfall...

Eingetragen am: 18.11.2008

Eingetragen am: 17.11.2008 von Pollie Bley
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20338

Kein zurück

Wir hatten alle unsere Träume.
Wenn wir abends bei einem Glas Wein im Pub beisammen standen, dann haben wir sie uns gegenseitig erzählt.

„Kinderzeit ... wunderbar ...“

Doch besser sollte es noch werden, wenn wir erst den Abschluss in der Tasche hätten, den Schlüssel sozusagen, der die Tore der globalen Welt aufsperrte.

Ich wollte weg. Einfach nur weit weg. Ich dachte, mit jedem Kilometer Entfernung stiege meine Aussicht auf ein Leben voller Erfolg und Abenteuer. Dreimal die Welt umkreisen, einmal am Wasser, einmal am Boden, und einmal in der Luft. Das war es, was ich wollte.

Zuerst auf einem Ozeandampfer arbeiten, und die Weltmeere bereisen. Dann, wenn mir der Sinn wieder nach Erde unter den Füßen stand, in jedem namhaften Ferien-Club der Welt als Animateur arbeiten. Und dann wollte ich fliegen.

Da flog mir sein Herz zu.
Er wollte sich ein Unternehmen aufbauen. Zusammen mit mir. Jetzt. Hier.
Seine Vision und mein Liebe, waren so stark, dass ich blieb.

„Immer vorwärts, Schritt um Schritt um Schritt ... Es geht kein Weg zurück ...“

Je mehr Zeit, Kraft und Geld wir investierten, umso schwerer wurde es für mich, abzudrehen. Mein Weg war mittlerweile mit Unkraut überwuchert. Zugewachsen. Die Realität hat sich in den Weg gefressen und ihn unwegsam gemacht.

„’n Schritt zu weit nach vorn gewagt ...“

Unsere Liebe verlor sich im Kampf um die Existenz. Unsere Ehe auch. Mein Traum auch.

„Ach und könnt ich doch, nur ein einz’ges Mal, die Uhren rückwärts dreh’n. Denn wie viel von dem, was ich heute weiß, hätt’ ich lieber nie geseh’n“

Und ich flog, und ich trank und ich schlug am Boden auf. Hoch, tief und hart.

„Du willst noch leben, irgendwann. Wenn nicht heute, wann denn dann? Irgendwann ist auch ein Traum zulange her.“


Kommentar von Pollie Bley

Da geht es dir ganz wie mir, Angela. Auch wenn es heute bedeutet, dass mir die Realisierung meiner Träume gerade kaum Zeit lässt, hier noch regelmäßig und aktiv mitzuarbeiten. Als ich "Kein Zurück" vor 4-5 Jahren hörte, fühlte ich mich, als hätte Wolfsheim das für mich geschrieben und ich schrieb diesen Text dazu. Er ist bis heute mein Lieblingstext, weil so viel Wahrheit und Verletzlichkeit drin ist. Weil ich froh und dankbar bin, dass ich meine heutigen Träume leben darf, deshalb hab ich den Text hier eingestellt.

Eingetragen am: 18.11.2008

Kommentar von Angela Barotti

„Die Zeit läuft uns davon … Deine Träume schiebst du endlos vor dir her.“ Als ich „Kein zurück“ von Wolfsheim 2003 das erste Mal hörte, machte es Klick bei mir. Seither schiebe ich meine Träume nicht mehr vor mir her, sondern lebe sie. / Dein Beitrag hat mich emotional sehr angesprochen. Danke, dass du meinem Lieblingslied diesen Rahmen gegeben hast. Vielleicht animiert es noch andere dazu, nach ihren verschütteten Träumen zu suchen.

Eingetragen am: 17.11.2008

Eingetragen am: 16.11.2008 von Angela Barotti
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20321

Da ich keine Lieblingsszene bei meiner Britta-Albert-Gerda-Story habe, dürft ihr einen Blick durchs Schlüsselloch meines aktuellen Projektes werfen. Lars, mein 16-jähriger Held, will keine Jungfrau mehr sein und geht mit einigen Kumpels zu einer Prostituierten, die in einem Wohnwagen ihr Geschäft betreibt. Sie knobeln die Reihenfolge aus. Er ist Nummer drei. Achtung: Die Szene ist sehr lang und auch nicht jugendfrei. Dennoch hätte ich gerne gewusst, ob das Ganze glaubwürdig klingt – und welche Stellen ich nachbessern muss.

Lars betrat das Wohnmobil. Vorsichtig zog er die Tür ins Schloss. Nach dem gleißenden Sonnenlicht draußen mussten sich seine Augen erst an das dämmrige Licht hier drinnen gewöhnen. Er konnte Küchenschränke und einen Herd erkennen, daneben eine Spüle. Gegenüber befand sich eine Sitzgruppe mit Tisch. Lars drang tiefer in den Wagen vor und erreichte das Bett, auf dem Susan mit nacktem Unterleib lag. Auffordernd sah sie ihn an.
„Na komm schon, Süßer, ich beiße nicht“, sagte sie und spreizte die Beine als Willkommensgruß weit auseinander. „Hast du das Geld bereit?“
Lars nickte und trat näher heran. Seine Augen hatten sich inzwischen den Lichtverhältnissen im Wagen angepasst, und er konnte deutlich ihre Scham erkennen. Es war ein Anblick, der ihn in Pornoheften stets erregt hatte. Aber hier und jetzt tat sich nichts in seiner Hose.
Susan hatte sich aufgesetzt und griff nach den Geldscheinen. „Hast wohl Hemmungen“, meinte sie und rutschte zum Rand des Bettes. „Keine Angst, das kriegen wir hin.“ Sie nahm Lars’ Hände und legte sie auf ihren Busen. „Na los, spiel mal ein bisschen mit den Dingern, ich kümmere mich inzwischen um deinen Freund.“
Sie öffnete routiniert den Knopf seiner Hose und den Reißverschluss, zog seine Kleidung hinab und griff nach seinem erst halbsteifen Teil. Mit schnellen Handbewegungen sorgte sie für Einsatzbereitschaft. Dann griff sie zur Ablage neben sich und nahm eines der dort bereitliegenden Kondome. Mit geübten Fingern öffnete sie die Verpackung, legte es ihm an und streifte es über sein Glied. Lars starrte darauf. Wurst in praller Pelle. Doch die Pelle bekam Runzeln und der Inhalt begann in Richtung Fußboden zu zeigen.
Susan wiederholte den Vorgang von vorhin, platzierte seine Hände wieder auf ihre Brust und massierte erneut sein Glied. Es verfestigte sich, doch Lars merkte, dass es nicht ausreichen würde, um in sie einzudringen. Dennoch legte er sich auf sie und stocherte mit seinem stetig weicher werdenden Stab gegen ihre Scham, während sie bereits ihr ‚Ja, ja’ stöhnte.
Am liebsten hätte er ihr den Mund zugehalten. Ihre unechten Lustschreie machten alles noch schlimmer, törnten ihn ab. Er versuchte an einen Porno zu denken, doch es half nicht. Die Typen dort fickten eine Frau nie mit einem Kondom, sondern immer nur ohne. Er kniete sich hin, massierte nun selber sein Glied, versuchte zu retten, was zu retten war, doch vergeblich. Das Kondom löste sich ab, er hielt es in der Hand, verbarg es dort, hoffte darauf, dass sein Penis nun endlich steif werden würde, rieb weiter daran, gab nicht auf, versuchte mit einem Halbsteifen und ohne Gummi in Susan einzudringen, wollte ihrem ‚Ja, ja’ eine Berechtigung geben.
Sie schubste ihn von sich runter. „Spinnst du?“, rief sie. „Ohne Gummi läuft bei mir nichts. - Und ‚mit’ anscheinend nichts bei dir. – Schade für dich, aber du hast deine Chance gehabt. Jetzt zieh dich wieder an und schicke den Nächsten rein.“
Lars stand da wie ein begossener Pudel. „Aber … aber ich kann … ich kann so nicht rausgehen“, stotterte er.
„Nein, natürlich nicht“, sagte sie, „darum sollst du dich auch vorher anziehen.“ Sie grinste.
„Nein, ich kann nicht. Ich meine, ich kann mich nicht ohne ein benutztes Gummi bei meinen Kumpels da draußen sehen lassen. Wir haben eine Wette laufen. Es muss mir einfach kommen. Ich brauche das Sperma im Kondom.“
„Tja, dumm gelaufen, Süßer. Ich würde dir ja gerne das Kondom von dem Typen geben, der vor euch hier war, aber das hat bereits einer deiner Freunde bekommen. Auch er hat den Mund zu voll genommen und hat es dann nicht gebracht. Aber ich gebe dir einen Tipp: Nimm dein Kondom und spucke ordentlich hinein. Ich bin mir sicher, deine Kumpels werden keinen Unterschied bemerken.“
Lars schaute skeptisch. Doch er hatte keine Wahl. Das Kondom klebte zusammen, hatte Falten geworfen und widersetzte sich zunächst seinen Bemühungen es auseinander zu ziehen. Er bohrte mit dem Zeigefinger hinein, der andere folgte, zog es auseinander, spukte, spukte erneut, streifte den Inhalt nach unten, bis sein Speichel das Reservoir erreicht hatte. Er besah das Ergebnis, es war zufriedenstellend, würde genügen, um seinen Kumpels den gefaketen Orgasmus als echten zu verklickern.
Er öffnete die Tür, trat hinaus, vergaß nicht ein cooles Grinsen aufzusetzen, hielt das Gummi in die Runde, um es dann schnell in seiner Hosentasche verschwinden zu lassen. „Whow, die Alte ist ihr Geld wert“, sagte er und klatschte sich mit Mario ab, der an ihm vorbei zum Eingang des Wohnmobils ging.
Kevin hielt erneut sein Ohr an die Wand des Wohnmobils, doch er blieb diesmal stumm, kommentierte nichts mehr von den Vorgängen da drinnen. Lars lief trotz der Hitze ein kalter Schauer den Rücken hinab. Was, wenn Kevin bei ihm alles mit angehört hatte? Was, wenn er wusste, dass er versagt hatte? Dass er immer noch Jungfrau war? Die Angst stieg in Lars hoch, trieb die Röte in sein Gesicht. Scheiße, verdammte! Wenn Kevin sein Wissen in der Schule ausplauderte, war er erledigt, dann war er ein Loser, einer, der bei einer Frau keinen hochkriegte. Lars bekam vor Panik einen Schweißausbruch. Was, wenn sie ihn deshalb als Schwulen titulierten? Oh, Scheiße, scheiße, scheiße. Er musste unbedingt herausbekommen, wie viel Kevin wusste.


Kommentar von Angela Barotti

Danke für eure Rückinfo. Ich sehe schon, ich muss noch viel nacharbeiten. @Frog: Als Handlungsort hatte ich den Raum Bielefeld und Umgebung gewählt. Berlin kann ich in diesem Fall nicht nehmen, hier üben die Damen ihr Gewerbe nicht im Wohnwagen aus./Wenn dein Sohn meinen Text bewerten würde, wäre das super. Danke. @Ginko: Ja, du hast völlig Recht. Lars Emotionen müssen stärker berücksichtigt werden. Ich werde den Text dementsprechend erweitern. Danke. @Karin: Danke für deine Tipps. Der Wohnwagen ist mir in der Tat zu lang geraten. Ich werde das ändern./Die Kleidung von Susan hatte ich bereits einige Seiten vorher beschrieben (kannst du natürlich nicht wissen), als die Jungs wegen „Mengenrabattes“ mit ihr diskutiert hatten. Oben herum trägt sie einen Halbschalen-BH. Das ist so einer, der die Nippels frei lässt. Darüber trägt sie eine offene transparente schwarze Bluse./Susans Part soll ein gefühlsloses mechanisches „Abarbeiten“ sein. Ich weiß nicht, ob mir das gelungen ist./ Ja, was hat Lars in den Pornoheften so gesehen? Nee, traue ich mich nicht zu schreiben. Dafür bin ich zu schüchtern./ Mein Roman handelt im Wesentlichen von einer Teenagerschwangerschaft aus der Sicht des jugendlichen Vaters (Lars). Nachdem Lars bei Susan versagt hat, füllt er auf einer Party eine Mitschülerin ab und schläft mit ihr (ohne Kondom), um endlich seine Jungfernschaft zu verlieren. Liebe ist keine im Spiel. Das Mädel wird schwanger. Mir geht es darum aufzuzeigen, das Sex auch Verantwortung bedeutet und nicht nur dazu da ist, um sich vor seinen Kumpels damit zu brüsten. Da ich kein Buch kenne, das das Thema Teenagerschwangerschaften aus männlicher Sicht beschreibt, sehe ich hier eine Marktlücke. @Numungo: Doch, er hat damit gerechnet ein Kondom zu benutzen. Aber er hatte nicht zu Hause damit geübt. Zur Aufregung kam ein „Pellen-Gefühl“ hinzu, das ihm nicht vertraut war./Ein böser Schnitzer ist mir jedoch unterlaufen: Als das Kondom abging, hat er trotzdem versucht mit Susan zu schlafen. Wenn ihm das geglückt wäre, hätte er jedoch keinen Beweis dafür gehabt. Muss ich mir noch überlegen, wie ich das geradebiege.

Eingetragen am: 20.11.2008

Kommentar von Numungo

Ich schließe mich den Vorrednern an. Was mir noch aufgefallen ist: Zu Beginn schien Lars nicht damit gerechnet zu haben, ein Kondom benutzen zu müssen. Und später dient das "gefüllte" Kondom dann als verabredete Trophäe. Viele Grüsse, Numungo (20016).

Eingetragen am: 18.11.2008

Kommentar von Karin

Da hast Du Dich wirklich an einem schwierigen Thema versucht! Ich habe Deinen Text sehr aufmerksam gelesen und empfinde ihn als etwas umständlich. Schon am Anfang, als Lars den Wohnwagen betritt. Er muss erst tiefer in den Wagen vordringen (Da wusste er noch nicht, das würde das einzige Vordringen bleiben.), um das Bett und die Frau zu erkennen. Ist denn der Wagen so lang? Von Susan erfährt man nur den nackten Unterleib und ihre Scham, obgleich sie doch die Beine weit (auseinander) spreizt. Susans Busen oder Dinger sind dann wohl auch nackt, als der Junge mit ihnen spielen soll, damit sich endlich etwas in seiner Hose tut. Sie öffnet (routiniert) den Knopf seiner Hose und greift zu seinem erst halbsteifen Teil(Da hat sich ja doch etwas getan.)Sie sorgt für Einsatzbereitschaft. Ein zu technischer Ausdruck. Ihre (geübten) Fingern ... streifen das Kondom über sein Glied. Das Öffnen der Verpackung und das Anlegen kannst Du ruhig weglassen. Wurst in praller Pelle. Doch dann bekam die Pelle Runzeln ... Das gefällt mir. Lars versucht an einen Porno zu denken. Ja, was hat er denn dort gesehen? Nur, dass die Frauen ohne Kondom gefickt werden? Was danach passiert und wie Du es schilderst, finde ich recht gut gelungen; der Leser ist amüsiert. Den letzten Absatz würde ich bereits nach 'Was, wenn Kevin alles mit angehört hatte?' enden lassen. Ich kann nur noch einmal meinen ersten Satz wiederholen. Ich persönlich empfinde Dein Thema als eines der schwierigsten. Liebe Grüße.

Eingetragen am: 18.11.2008

Kommentar von Ginko Korn

Erst als Lars ein kalter Schauer den Rücken hinab läuft, wirkt die Erzählung auf mich authentisch. Den Text davor empfinde ich als Protokoll mit schildernden Einsprengseln. Anders: Kaum noch bei Sinnen vor lauter Aufregung tastete sich Lars in dem dunklen Wohnwagen voran. Unendlich weit hinten bewegte sich träge ein Parfum verströmendes Wesen. Lars' Kinn bebte. Er biss sich auf die trockene Zunge, die in seinem Mund zum Kloß geworden war und ihn kein deutliches Wort hervorbringen ließ. Seine Hände und Knie zitterten. Ganz allmählich drangen die Umrisse des Weibs bis an seine Netzhaut, aber sein Bewusstsein sperrte sich noch gegen die Wirklichkeit. Das war kein Foto mehr. Da lief kein Pornofilm auf Leinwand. Hier war er mitten auf der Bühne. Ein blutiger Anfänger. "Na, Süßa? Wat kiekste denn so unjenau? Haste Penunze dabei?" Susan hob ihren Unterleib und drohte mit ihrem Puschel zwischen den gespreitzten Beinen. Das konnte nur ein schwüler Traum sein ...

Eingetragen am: 18.11.2008

Kommentar von Frog

Spontan würde ich sagen, das klingt schon glaubwürdig, obwohl ich nicht denke, dass die Wohnwagennutten von heute ihre Kundschaft bereits mit nacktem Unterleib auf ihrem Arbeitsplatz empfangen, auch wenn Lars schon die Nr. 3 ist. Soll die Story heutzutage und in der Provinz spielen? Ich würde sie da ansiedeln wollen, irgendwo in Süddeutschland. Ich glaube, da muss mal die Zielgruppe ran, nämlich mein Sohn. Dann melde ich mich wieder :-)

Eingetragen am: 17.11.2008

Eingetragen am: 16.11.2008 von papaya
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20310

Auch wenn die folgenden Wortklaubereien nichts mit einem Roman zu tun haben, hat es mich verlangt ein paar Lieblinge aus dem Schrank zu holen, sie zu entstauben, daran zu feilen und sie jetzt laufen zu lassen. Acht Tage weite Landschaft haben dabei auch eine Rolle gespielt. Ich freue mich wieder hier zu sein und aufs nachlesen...


Parentel

Barfüßige Nachtstille auf der Treppe
Wind rieselt
in unentwirrbaren Büschen
ich belausche Seegras- von weitem
an allen Hausecken Seligkeit
müßig lehnend und unverhüllt
Lichtgeflacker
schmerzlos, sehnsuchtslos
grenze ich an euch


Nacht

Auf dir möchte ich mich hinstrecken
altes Himmelshemd


Morgen

grauer Himmelsamt
an den Rändern ausgefranst
beugt sich über Schnee
und schaut
wie ich
hinein


Abend (Sommer)

Zeitlosigkeit streift um die Häuser
Wind weht Graslandklänge
durch offene Fenster
ein Hund jault, jemand lacht
mein Liebstes geht über die Straßen
zum Fluss



Poetisches Porträt


Weich geht er
und trägt seine Fülle
würdevoll.
Wenn er spricht
ist es die Donau,
die ich höre,
wie sie breit
und träge vorbeitreibt
an einem Wiener Kaffeehaus,
wo er sitzt
und mit dem dunklen Wasser
reist

Manchmal packt ihn
etwas, eine Idee
irgendein Plan

Er steht auf
und geht, friedlos jetzt
Er brütet und klügelt
schmiedet, glüht und brennt
treibt sich weiter
immer weiter

Bis sie sich endlich ins Meer aufgibt,
die Donau

und er ergreifen kann,
was als Plan begann.


Kommentar von Velarani

Liebe Papaya, sehr, sehr schön! Am besten gefällt mir "Nacht" und "Abend (Sommer)" (da hätte ich die letzte Zeile weggelassen wegen der U's, ist mir zu schwer). Mehr davon! LG Velarani

Eingetragen am: 20.11.2008

Kommentar von papaya

Hallo Numungo, freut mich sehr, hätte nicht gedacht, dass Manfred Plinke oder Gerhild Tieger das durchgehen lassen mit der Lyrik.Danke auch den beiden! Parentel heißt soviel wie Verwandschaft. Das Wort hab ich zufällig entdeckt, vorher hieße es "für meine Ahnen". Das "Ich" hab ich erst zum Schluss eingefügt und werf es wieder raus.. und da du etwas verstehst von der Schönheit von Trauenr (nicht jeder Trauer) bekommst du irgendwann nochmal eines nur für dich, Viele grüße papaya

Eingetragen am: 19.11.2008

Kommentar von Numungo

Nun doch noch etwas Lieblingshaftes, schön! Was ein Parentel ist, weiß ich nicht, doch das zugehörige Gedicht finde ich wunderschön. Einzig das "Ich" passt für mein Gefühl nicht (ich belausche Seegras- von weitem). Schreib doch einfach: "belauschtes Seegras - von weitem". Bei "Abend" ein weiterer Vorschlag: "ein jaulender Hund, lachen". Im poetischen Porträt: "treibt sich weiter" ohne sein: "treibt weiter", und in der vorletzten Zeile: ergreifen oder begreifen? Insgesamt sehr schöne Gedichte, du könntest mir ein ganzes Buch davon vollschreiben. Viele Grüsse, Numungo (20016).

Eingetragen am: 18.11.2008

Eingetragen am: 16.11.2008 von Frog
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20305

Anbei noch eine kleine Stimmung aus Formentera. Sie schließt an 14158 an (Linn findet sich fett), wenn auch diesmal wieder, wie gehabt, aus der Ich-Perspektive. Gestern hat das Senden wegen meiner kaputten Maus nicht geklappt. Zum Glück. Beim erneuten Durchlesen fielen mir doch noch einige Macken auf, die ich bereinigen konnte. Ihr findet sicher noch mehr...

Ina und Linn fahren in die Disco


Wir hatten vollgetankt. Hierbas, 100 % bleifrei, 30 % Alkohol. Der Ibizenkische Kräuterlikör geht runter wie Öl, wenn man ihn auf Eis trinkt. Für die Autofahrt in den neuen Club in Es Buchholz, wie wir die Touristenzentrale Es Pujols scherzhaft nannten, kam unsere Urlaubsabmachung zum Tragen: Die mit dem niedrigeren Pegel muss ans Steuer! Diesmal traf es Ina. Ich hatte sehr viel mehr in mich hinein gekippt als sie. Die vergeigte Nacht mit Godo trug ihre hochprozentigen Früchte. Es rauschte in meinem Kopf. Ich fühlte mich schwer und leicht zugleich. Ich atmete tief durch und versuchte meine Augen so weit wie möglich zu öffnen, damit sich das Bild, das sich gerade vor mir ausbreitete, in mein Gehirn einbrennen konnte. Der Vollmond hatte „La pista“, die schnurgerade Schnellstraße, die den Norden mit dem Süden verbindet, in ein mystisches Licht getaucht. Die Milchstraße schien zum Greifen nah. Ich fühlte mich wie in einem Raumschiff.
„Abgefahren! Würde mich nicht weiter verwundern, wenn jetzt direkt vor unserer Nase ein UFO landen würde.“
„Habe ich auch gerade gedacht.“ antworte Ina, ich hörte das vertraute Lächeln in ihrer Stimme.
Während sie sich auf die Straße konzentrierte, schob ich die neue CD ein, die ich noch kurz vor Ablegen der Fähre in Eivissa Stadt gekauft hatte. Als Entschädigung für den nicht statt gefundenen Club-Abend mit Godo. Carl Craig, „Sandstorms“.
„Das ist der coolste Minimal-Elektro-Sound der Welt, Captain!“, sagte ich und blickte zu meiner Pilotin herüber. Sie nickte kurz. Der Sound hypnotisierte uns. Wir wippten mit offenen Mündern im Takt und starrten in den magischen Nachthimmel. Fledermäuse sausten durch die Luft. Es war so hell, dass ich in der Ferne die Silhouette der Vedrá erkennen konnte. Mir kam es so vor, als würden wir direkt darauf zu gleiten. Ein scharfer Blitz schoss mir in den Bauch und rührte meine Eingeweide um. Die neue Perspektive des Felsens überwältigte mich. Aber so angestrengt ich auch schlucken musste, um nicht gleich wieder loszuheulen – irgendwie tat es gut, die ganze Sache von der anderen Seite zu betrachten. Hier auf Formentera fühlte ich mich sicher. Ich war nicht allein.
Ina saß neben mir, und gleich würden wir uns die Seele aus dem Leib tanzen.


Kommentar von Frog

Vielen Dank für die Tipps. Viele Augen sehen doch mehr Macken, das ist wirklich gut! @Lillilu, es freut mich, dass der Tipp bei Dir angekommen ist. Ich werde mir das Buch wohl auch mal vorknöpfen, wenn meine Krimiphase vorbei ist. Wobei Deine Schreibkunst ja wohl auch nicht von schlechten Eltern ist...

Eingetragen am: 18.11.2008

Kommentar von Numungo

Frog hat das Metier gewechselt und wandelt auf Captain Kirks Spuren zwischen Formentera und der Milchstrasse umher. Der Laserstrahl der Bordkanone fährt in die Eingeweide, doch das Opfer beisst die Zähne zusammen, schluckt den Schmerz hinunter und heult nicht los! Ausgezeichnet gelungen. Viele Grüsse, Numungo (20016).

Eingetragen am: 18.11.2008

Kommentar von Angela Barotti

Mit Ina hebt sich auch beim Leser die Stimmung. Sie ist ein wunderbarer Kontrast zu Godo. Der Hinweis auf Linns neue Sichtweise der vergangenen Ereignisse mit Hilfe der Vedra ist dir gut gelungen. Der Satz hört sich bedeutungsschwanger an und lässt auf eine Wendung in der Beziehung zu Godo schließen. Nur den Blitz im Bauch hatte ich kurzzeitig falsch zugeordnet. Ich dachte, sie wolle Hierbas rückwärts buchstabieren. Aber du hast uns ja gleich aufgeklärt, dass der Blitz vom Liebeskummer kam. Dennoch hätte ich vom „Blitz“ lieber erst einen Satz später gelesen. Dann ist es eindeutiger.

Eingetragen am: 18.11.2008

Kommentar von Karin

Deine nächtliche Stimmung hat mich eingefangen. Ich bin mir noch nicht sicher, ob all die spanischen Namen nötig sind und sie mich ein wenig beim Lesegenuss gestört haben. Vor kurzem hatte ich mit sehr lieben Menschen zusammen etwas viel Rotwein und Schnaps getrunken. Auf der Heimfahrt erschrak ich, als ich die Schlusslichter der vor uns fahrenden Wagen doppelt sah. So weit ich die Augen auch öffnete, keine klare Sicht. In Linns Wahrnehmungsfähigkeit scheint sich durch den Alkohol nichts verändert zu haben. Die schnurgerade Straße ist nur in ein mystisches Licht getaucht ... Dann ist mir noch etwas aufgefallen; das ist Dir sicherlich entgangen: Während Ina sich auf die Straße konzentrierte, schob ich die neue CD ein. (...) Der Sound hypnotisierte uns, wir wippten ... und starrten in den Nachthimmel. Oh, oh, das wird nicht gut gehen, auch wenn die Straße schnurgerade ist. Bitte nur Linn starren lassen. Das sind nur Kleinigkeiten und kaum der Rede wert. Vielleicht würde ich auch noch den letzten Satz wegnehmen. Ansonsten: Erster Satz. Liebe Grüße.

Eingetragen am: 18.11.2008

Kommentar von Lillilu

Hallo Frog, hab Dank für den Buchtip "Heimsuchung" von Jenny Erpenbeck. Es ist ein Volltreffer und ich träume davon mir ein Scheibchen ihrer Schreibkunst abzugucken. Lieben Gruss von Lillilu

Eingetragen am: 18.11.2008

Eingetragen am: 15.11.2008 von RoseCanyon
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20299

Nachdem die Polizei auf Mollys Anweisungen hin den Mörder abgeführt hatte, wurde es auf Rannoch Moor Castle wieder unruhig: in Windeseile hatten die übrigen Gäste ihre Koffer und Habseligkeiten gepackt und schüttelten sich erleichtert die Hände, bevor sie zügig in all die Himmelsrichtungen davonfuhren, aus denen sie vor rund einer Woche angereist waren.

Molly stand noch lange im Hoftor und sah ihnen nach. Dabei wusste sie nicht, ob sie sich nun freuen oder ob sie weinen sollte. In ihr schien alles verrückt zu spielen und ihre Gedanken drehten sich noch immer um das, was in den letzten Tagen geschehen war. Einerseits fühlte sie einen wohltuenden Stolz auf das, was sie geleistet hatte. Sie, die kleine pummelige Molly hatte es allen gezeigt, sogar ihrem eigenen Vater. Sie, ja sie allein, hatte den Täter dingfest gemacht.
Und doch trübte sich Mollys Blick, denn die Energie, die Kraft, die sie in sich fühlte, schien noch eine andere Ursache zu haben. Ihr Hals kribbelte heftig und als sie ihre Hand beruhigend auf ihn legte, wurde dieses Gefühl noch stärker, sodass sie ihre Lippen zusammenpressen musste. Doch es nützte nichts. Irgendetwas in ihr wollte heraus. Noch einmal schluckte sie schwer, dann konnte sie sich nicht mehr beherrschen und dicke Tränen rannen ihre Wangen herunter. So stand sie da, lautlos weinend.

Plötzlich zuckte sie zusammen. Jemand hatte ihr seine Hand auf die Schulter gelegt und zog sie nun zu sich heran. Molly blickte hoch und wagte kaum, ihren Augen zu trauen. „Rob“, flüsterte sie. „Rob, bist du es wirklich?..Was machst du denn hier?“ Rob drückte sie an sich und strich ihr die Tränen aus dem Gesicht. „Ich bin gekommen, um der Heldin zu gratulieren. Du hast wirklich gute Arbeit geleistet“.
Molly versuchte, sich ein Lächeln abzuringen, doch es gelang ihr nicht.
„Aber, ….aber,“ stammelte sie stattdessen, „aber wie kannst du denn hier sein, wo du doch so krank bist. Wo sind denn deine Krücken und der Gips?“, erwiderte Molly verwirrt.
„Molly, es gibt keine Krücken und keinen Gips.“
„Es gibt keine? – Aber du sagtest doch…deshalb habe ich dich doch in diesem Fall vertreten.“
Molly starrte Rob mit weit aufgerissenen Augen an. Dann senkte sie ihren Blick zu Boden. „Du warst also gar nicht krank.“
„Nein, das war ich nicht.“, bestätigte Rob ruhig.
„Warum hast du mich dann belogen und hierher geschickt?“, fuhr sie ihn fragend, aber auch ein wenig verärgert an. Rob machte eine kurze Pause, ließ seinen Blick in die Ferne schweifen und schaute sie dann wieder wohlwollend an.
„Weil etwas in mir sagte, dass dies dein Fall sei.“
„ Mein Fall?“, sie sah ihn verwundert an, doch Rob ließ nicht locker,
„War es nicht so?“

Er konnte beobachten, wie sich Mollys Augenbrauen zusammenzogen. Ihr Atem klang nun ruckartiger und glich sich ihrem Körper an, der heftig zitterte. Blass starrte sie Rob an, während ein innerer Film in ihrem Kopf zu laufen begann: sie hörte wieder die Vorwürfe ihres Vaters, als sie damals Killiecrankie verlies, spürte die Bedrückung, die auf ihr während ihrer monatelangen Arbeitslosigkeit gelastet hatte und die erst gewichen war, als sie in die Fänge der Heilssekte geriet. Doch die Erleichterung, dieser Sekte anzugehören, war schon bald einem Gefühl des Grauens gewichen, das erst ein Ende gefunden hatte, als Rob sie aus dieser Sekte befreite. Alles war in ihr wieder präsent - genauso wie die Erinnerungen, die im Laufe der letzten Woche in ihr aufgestiegen waren. Da waren die harten Worte ihres Vaters, Malcom Coddle, mit denen er nicht nur die Bewohner von Killiecrankie gegen sie aufgehetzt, sondern auch den Skeptikern auf Rannoch Moor Castle noch Öl ins Feuer gegossen hatte. Samantha Crofter erschien vor ihren Augen, die mit ihrer Wunderkugel hellseherische Prophezeiungen verkündet hatte und alle in ihren Bann zu ziehen wusste. Wie zornig war sie, Molly, immer geworden, wenn Samantha den Mund auftat. Wütend auf Samantha, auf alle, die ihr zuhörten, aber noch mehr wütend auf sich selbst, weil sie vor Jahren auf genau solche Prophezeiungen hereingefallen war. Doch dieses Mal war sie nicht weggelaufen. Dieses Mal hatte sie sich den Problemen gestellt und auf ihre eigene Intuition und ihre Fähigkeiten vertraut. Dieses Mal hatte sie gesiegt.

Molly merkte, wie ein Stein ihr vom Herzen fiel. Nach all den Jahren hatte sie endgültig mit ihrer Vergangenheit aufgeräumt. Sie fühlte, wie sich ihr Atem beruhigte und auch Rob sah, wie die Farbe in ihr Gesicht zurückkehrte, als sie erleichtert zugab: „Du hast recht, wie immer. Dieses war genau mein Fall.“ Dann drückte sie seine Hand und lächelte ihn glücklich an, „aber den nächsten Fall machen wir wieder gemeinsam, ja?“

Rob löste sich langsam aus ihrem Griff und zog seinen Arm zurück.
„Weist du Molly, ich werde langsam alt. Daher habe ich beschlossen, endlich in den Ruhestand zu gehen. Die Kripo Glasglow wird schon bald einen tüchtigen Nachfolger für mich suchen.“ Dabei zwinkerte er sie an: „ Diese Woche hast du bewiesen, dass du das Zeug dazu hast. Wie wär‘s? ….Du weißt, du darfst jetzt alles sagen, …nur nicht ‚nein‘.“


Kommentar von Frog

Hi Rose! Nettes Ende. Und es ist ein richtiges Romanende, so wie man sich das gemeinhin vorstellt. Dafür allein gebührt Dir schon Lob! Deine Texte bringen mich immer zum Schmunzeln mit ihren "zungenbrecherischen" Namen. Vor meinem geistigen Auge tauchte besonders bei diesem Schluss Evelyn Hamann als lispelnde Vorleserin auf...:-) Und das Kribbeln im Hals kenne ich auch... Schöne Grüße von Frog

Eingetragen am: 03.12.2008

Kommentar von Anita Decker

Es kribbelt im Hals! Aber auch mir ist die besagte Stelle aufgefallen. Die Geschichte ist wunderbar, keine Frage, aber über die Halskribbelstelle werde ich noch nachdenken. Vielleicht fällt mir was ein, vielleicht sollte sie aber auch so bleiben. Viel Glück wünscht Anita Decker!

Eingetragen am: 02.12.2008

Kommentar von papaya

ach das lese ich gerne, dass Eine ihrer Intuition und ihren Fähigkeiten vertraut hat und obendrein noch Einer auftaucht, der sie augenzwinkernd im Arm hält- flüssig erzählt. Nur das mit den aufsteigenden Tränen im zweiten Abschnitt kann das sein?. Bei mir kribbelts nicht im Hals wenn mir die Tränen kommen. Es beginnt in den Augen und dann meldet sich die Nase/ aber sonst schön geschrieben

Eingetragen am: 20.11.2008

Kommentar von Karin

Dein Text gefällt mir! Das Thema, Deine Sprache, knapp, aber ausführlich genug, die Stimmung treffend, sehr lebendig und nachvollziehbar. Liebe Grüße.

Eingetragen am: 18.11.2008

Eingetragen am: 14.11.2008 von Bibi
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Sonntag Morgen, ein verheerender Morgen. Das Ende einer Liebe, welche eigentlich nie hätte stattfinden dürfen. Zwei Körper ineinander verschlungen, ganz nah und doch so fern. Verzweifelt und unglücklich. Glücklich und träumerisch. Arm an Zeit und reich an Genuss. Geschwommen sind diese beiden durch den Körper des anderen hindurch. Endlos, warm und feucht.
Die Trennung steht unmittelbar bevor. Ein Verharren miteinander. Das Ticken der Uhr, welche auf dem Nachttisch steht, kaum hörbar aber immer durchdringender dieses Ticken des kleinen Sekundenzeigers. Man möchte sie zerstören, gegen die Wand werfen, um diesen einzigartigen Moment einzufangen, festzubrennen und die Zeit endlich still stehen zu lassen.


Kommentar von Gina K.

Findet Trauer statt ? Findet Freude statt ? Findet Liebe statt ? Ist Liebe ein Vorgang ? Augenblicke des Glücks einfangen und festhalten - wer möchte das nicht. Bitte nicht anhand eines technischen Eingriffs, sondern mit Gedanken, die den Wunsch ausdrücken, eins zu sein mit dem geliebten Partner. Und wenn es nur eine Nacht sein durfte, um so intensiver !

Eingetragen am: 16.11.2008

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