(Foto: Christian Rohr)
„Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie es war, eine Schriftstellerin zu sein, die noch nichts veröffentlicht hat: Man beißt sich mehr schlecht als recht durch und kommt mit Leuten in Kontakt, die ausgesprochen abweisend sein können. Und obwohl ich nun Teil dieser Branche bin, die sich manchmal Neulingen gegenüber wie eine uneinnehmbare Festung präsentiert, stehe ich instinktiv eher auf der Seite derer, die versuchen, die Mauern zu erklimmen."

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Kapitel 7 mit Übungsaufgabe

12.02.2008© 2008 Autorenhaus Verlag GmbH, Berlin
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Leserbeiträge

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Eingetragen am: 02.01.2009 von Audrey81
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21466

Verlaufen habe ich mich schon unzählige Male in meinem Leben. Aber das Gefühl verloren zu sein, hatte ich dabei noch nicht. Mir ist ganz spontan eine andere Situation zu diesem Thema eingefallen: Nach der Schule habe ich eine Ausbildung zur Arzthelferin angefangen. Ich muss ganz ehrlich dazu sagen, dass dies nicht meine erste Wahl gewesen ist. Eigentlich wollte ich Virologin werden, weil ich, so absurd es auch klingen mag, Krankheiten schon immer faszinierend und interessant fand. Da ich dies jedoch erst sehr spät während meiner Schullaufbahn entdeckte, schaffte ich die benötigte Qualifikation nicht mehr und konnte somit mein Abitur nicht machen und nie das Studium antreten. Ich wurde bescheidener und entschied mich somit für die Ausbildung zur Arzthelferin, jedoch mit dem festen Vorsatz, mein eigentliches Ziel nie aus den Augen zu verlieren. Ich begann also die Ausbildung bei einem Urologen. Es war keine einfache Arbeit für ein Mädchen mit 15/16 Jahren, die plötzlich mit Dingen konfrontiert wurde, von denen sie vorher noch nie gehört hatte, geschweige denn gesehen. Trotzdem ging ich in dieser Aufgabe auf. Ich hatte Spaß an den Umgang mit den Patienten. Und ich war gerne im Labor um mir alles mögliche unter dem Mikroskop an zu gucken. Das aller schönste für mich war jedoch, dass ich zum ersten Mal eine gute Schülerin wurde. Jedes Fach, sogar Mathematik, in dem Fach hatte ich immer nur Probleme gehabt, war kein Thema mehr für mich. Ich schrieb nur einsen und die Lehrer waren begeistert. Zum ersten Mal wusste ich was es bedeutet, wenn andere sagten "das fliegt mir nur so zu". Mir ist alles nur so zu geflogen, weil ich das interesse daran hatte und das war für mich völlig neu. Ich hatte meinen Platz gefunden, meine Bestimmung wie ich glaubte. Einen Tag vor den Herbstferien, es waren knapp drei Monate vergangen, seit dem ich die Ausbildung angefangen hatte, wurde ich zum Doktor in sein Büro gerufen. Es war ein klasse Tag gewesen. Ich hatte nichts falsch gemacht und der unter den anderen Arzthelferinen als "schwierigste Patient" verschriene Mann, hatte mir an diesem Tag das Kompliment gemacht, die liebste und beste Arzthelferin dieser Praxis zu sein. Das gerade von ihm zu hören, machte mich unendlich stolz. Ich ging also zum Doktor ins Büro. Er sagte mir, dass ihm klar geworden ist, dass ich noch zu jung für diese Ausbildung sei und das ich nach den Herbstferien nicht mehr wieder kommen brauche. Selbst jetzt, wenn ich es so einfach dahinschreibe, bekomme ich Herzrasen. Mit diesen Worten hatte er mir den Boden unter den Füßen weg gezogen. Ich versuchte mich zusammen zu reißen und nicht zu weinen. Nur der Himmel weiss, wie ich das geschafft habe. Ich ging aus seinem Büro und sah die ganzen Helferinnen im Aufenthaltsraum versammelt. Alle sahen sie mich mit großen Augen an. Sie hatten es alle gewusst und keiner von ihnen hatte auch nur ein Wort gesagt. Plötzlich wusste ich, warum der Tag so gut gelaufen war. Vielleicht hatte ich Fehler gemacht, aber keiner von ihnen hatte sich mehr die Mühe gegeben mir das zu sagen. Plötzlich wusste ich warum alle so nett zu mir gewesen sind, weil sie mich ja schon ganz bald los sein würden. Ob sie wohl auch dem "schwirigen Patienten" gesagt hatten, dass ich gehen muss? Ob sie ihn wohl dazu überredet hatten, mir eine Freude zu machen? Ich sagte kein Wort als ich in den Aufenthaltsraum ging. Alles was ich tat, kam mir vor wie in Zeitlupe, alles erschien irgendwie unwirklich. Ich packte so schnell ich konnte meine Sachen zusammen, ich wollte vor ihnnen nicht weinen. Während ich so beschäftigt war, hörte ich immer wieder ihre leeren Floskeln "Das ist kein Weltuntergang" "Du wirst deinen Weg schon machen" und "Melde dich doch mal ab und zu". Ich ging ohnne auch nur einen Ton zu sagen. Für mich war es ein Weltuntergang. Der Weg den ich gehen wollte war nun ganz plötzlich zu Ende und ich wusste nicht wie ich damit umgehen sollte. Kaum war ich aus der Praxistür, brach alles über mich zusammen. Ich weinte aus tiefstem Herzen und schrie innerlich. Ich konnte mich gar nicht mehr zusammen reißen. Alle auf der Straße starrten mich an, aber das war mir egal. Mich beschäftigte eher, wie ich das ganze meinen Eltern erklären sollte. Was sollte ich ihnen sagen? Noch nie hatte ich so versagt. Und noch nie hatte ich mich so verloren gefühlt. Ich wusste, dass ich es nicht bis nach Hause schaffen würde, ohne es vorher meinen Eltern zu sagen. Da man damals in dem Alter noch kein Handy zur Verfügung hatte, nahm ich all meinen Mut zusammen und rief meine Eltern von der Telefonzelle aus an. Ich bin sicher das sie mich erst gar nicht verstanden haben, denn die Tränen wollten einfach nicht versiegen und ich konnte kaum sprechen. Sie machten mir natürlich keine Vorwürfe, sie versuchten mich zu trösten und mich zu unterstützen. Aber es gibt nun einmal Dinge, bei denen können Eltern nicht helfen. Keine Worte können einen Trösten. So lächerlich es für manche vielleicht auch klingen mag, in diesem Prxisbüro damals, ist ein kleines Stück meines Herzens gestorben. Ein Traum ist zerplatzt. Das einzige in dem ich gut war, vielleicht mein größtes Talent, wurde mir irgendwie genommen.In den ersten Tagen wollte ich das einfach nicht begreifen und ging trotzdem weiter zur Berufsschule. Ich wollte daran festhalten, ich wollte es nicht verlieren. Aber letzt endlich verboten die Lehrer mir weiterhin zu kommen und ich konnte nichts dagegen tun. In dieser Zeit war ich wirklich verloren. Ich wusste gar nichts mehr. Was sollte ich nun tun? Wo sollte ich hin? Meine tiefe Traurigkeit verwandelte sich dann irgendwann in eine mächtige Wut. Ich schmiss alle meine Artzhelferinen Klamotten weg, alle Bücher aus der Berufsschule, die ich so geliebt hatte. Alles was auch nur im entferntesten mit Medizin zu tun hatte, wofür ich eine so große Leidenschaft entwickelt hatte, verbannte ich aus meinem Leben. Und damit hatte ich wieder den ersten Schritt in mein weiterführendes Leben getan. Mit diesem Handeln hatte ich die Entscheidung getroffen, nie wieder als Arzthelferin zu arbeiten. Womit auch der Traum, eines schönen Tages Virologin zu werden, für immer geplatzt war. Irgendwann sagte meine Mutter dann zu mir "Du schreibst doch gerne. Mach doch eine Ausbildung im Büro". Heute bin ich gelernte Kauffrau für Bürokommunikation. Die Ausbildung, besonders die schulische, war eine qual. Aber ich habe es geschafft.


Eingetragen am: 28.12.2008 von Esther Dombrowsky (ED)
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21429

Wenn ich etwas gut kann, dann ist es, mich zu verirren. Der Grund dafür ist meine immer wieder dominierende und siegende Orientierungslosigkeit. An eine Situation erinnere ich mich besonders gut. Ich war etwa 19 und war stolze Besitzerin eines 125er Choppers - ein kleines Motorrad, das aussieht wie eine große Maschine. Was war ich stolz auf die lässigen Fingergrüße der anderen - echten - Biker! Nichts konnte mich erschüttern und so zuckelte ich immer wieder los mit meinem "Chopperle", wie ich es liebevoll nannte. An jenem Tag sollte es zu einer Freundin nach Springe gehen, einem Ort in der Nähe von Hannover. Start war Lüneburg. Ich wusste, ich muss auf die Autobahn und dann irgendwo bei Hannover abfahren, ach so schwer kann da ja nicht sein, es wird ja sicher ausgeschildert sein... Dachte ich zumindest ganz optimistisch. Einige Stunden später gurkte ich in der Kälte und Dunkelheit der hereingebrochenen Nacht um die wunderschöne Stadt Hameln herum. Wie ich dorthin gekommen bin, weiß ich bis heute nicht. Ich irrte stundenlang durch die Gegend, suchte verzweifelt nach Anhaltspunkten, wie ich nach Springe kommen könnte. Meine Finger waren steif vor Kälte und mein Rücken tat weh vom verkrampften Sitzen auf meinem Gefährt. Ich hatte kein Telefon bei mir und keine Karte - ich war völlig orientierungslos. Wie war ich da bloß hingekommen? Irgendwo hier musste es doch lang gehen? Ich war die Strecke doch bestimmt schon vier, fünf mal gefahren. Und doch...Ich hielt an, machte mein Motorrad aus, klappte mein beschlagenes Visier auf und atmete tief durch. Ich sah mich um. Nichts außer Dunkelheit. Der Mond schien leicht durch die schwarzen Wolken und spendete etwas Helligkeit. Kein Haus, kein Auto war zu sehen. Ich bekam Angst. Auf einmal hörte ich ein Knacken. Ich schreckte auf und sah in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen war. Da! Wieder ein Knacken. "Hallo? Ist da jemnd?" fragte ich vorsichtig. Und auf einmal sprang etwas aus dem Gebüsch hervor und blieb direkt vor mir stehen. Oder saß es??? Was war das? Oder wer war das? Ich traute meinen Augen nicht. Da stand doch tatsächlich ein Mann vor mir, oder sollte ich besser sagen, ein Männchen? Er war nicht größer als der Pudel unserer Nachbarin, wenn dieser Männchen machte. Mit funkelnden Augen sah er mich belustigt an. "Na, mein Kind, hast du dich verirrrrrt?", fragte er mit knartschiger Stimme. Bevor ich antworten konnte, zerrte er mich vom Motorrad und eh ich mich versah, saß ich in einem geräumigen Baum vor einem Feuerchen, eine heiße Tasse Tee in den Händen. Der Gnom saß vor mir und grinste. "Du fragst dich bestimmt, wo du hier bist und mit wem du es hier zu tun hast?", sagte er herausfordernd zu mir. Ich nickte nur. Dann wurde mir warm und schwindelig und ich fiel in einen tiefen, tiefen Schlaf...


Kommentar von Anita Decker

Mir gefallen Deine seltsamen Geschichten. Weiter so! LG Anita

Eingetragen am: 02.01.2009

Eingetragen am: 17.12.2008 von Noriberto
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21341

Der Arzttermin rückt näher. Nur noch eine dreiviertel Stunde. Aber dieses Mal habe ich alles im Griff. Normalerweise habe ich ein Problem mit dieser Großstadt. Es gab bisher so gut wie kein Mal, dass ich mich nicht hier in den Straßen irgendwie verzettelt habe. Heute jedoch sagt mir mein Gefühl, dass alles gut gehen wird und ich rechtzeitig ankommen werde. Schnell lasse ich noch meine Frau an einem Einkaufscenter heraus. Jetzt gilt es sich zu konzentrieren und ja keinen Fehler zu machen. Auf dem Beifahrersitz sorgfältig ausgebreitet liegt alles, was ich benötige: Verschiedene Ausdrucke der Fahrtroute aus dem Routenplaner. Die Route natürlich farbig markiert. Na dann los. Nach kurzer Fahrt kommt die erste Prüfung, ein Kreisverkehr. Also mutig hinein in den Kreisel und die zweite Ausfahrt wieder rechts hinaus. Erst einmal durchatmen, denn der Wegweiser an der Straße sagt mir, dass ich richtig bin. Jetzt geht es weiter geradeaus. Ah ja. Über die Bahngleise und dann demnächst links abbiegen. So verstehe ich meine Zettelvorlagen. Die Gleise habe ich passiert, aber hier geht es nur rechts ab. Egal. Erst einmal weiter geradeaus und dann wird die Linksabzweigung schon kommen. „Scheiße“, höre ich mich laut vor Schreck rufen. Denn die Straße geht in eine Schnellstraße über und das kann auf keinen Fall stimmen. Das Ortsschild weist mich daraufhin, dass ich die Stadt soeben verlassen habe. Jetzt hilft erstmal nur Fluchen und Dampf ablassen. Nach kurzer Zeit beruhige ich mich wieder und ich nehme die nächste Abfahrt, um irgendwie wieder zurück zukommen. Geschafft. Da vorne sehe ich wieder das Ortsschild. Aber mir wird schnell klar: Wieder verzettelt und die Zeit läuft gegen mich. Ich habe keinen Schimmer, in welcher Ecke der Stadt ich mich gerade befinde. Der Blick auf die Uhr sagt nichts Gutes. Mein Termin war bereits vor einer viertel Stunde. Entnervt fahre ich rechts ran und gebe mit dem Handy der Sprechstundenhilfe Bescheid, dass es wohl noch eine halbe Stunde dauern werde bis ich komme. Aber nun wendet sich das Blatt überraschend zum Guten. Fast schon resigniert frage ich einen Passanten nach dem Weg und zu meiner Freude wohnt dieser Mensch genau in diesem Stadtviertel, wo auch die Arztpraxis liegt. Er bietet mir an mitzufahren und mich hinzulotsen. Etwas besseres konnte mir gar nicht wieder fahren. Mit einer guten halben Stunde Verspätung komme ich bei meinem Arzt an und erhalte auch noch einen Termin.
Und so stelle ich mir wieder einmal die selbe Frage: Wann endlich lerne ich es mich in dieser Stadt einigermaßen zurechtzufinden ? Hoffentlich schon bald. Denn es wird nicht sehr lange dauern und es heißt wieder mit Auto und Routenplanerausdrucke durch die schwäbische Stadt Ulm zu navigieren.
Gute Fahrt, viel Glück und starke Nerven.


Eingetragen am: 17.12.2008 von babs
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21323

Es war ein schöner klarer Winternachmittag, der Tag nach dem heiligen Abend. Das Thermometer zeigte Temperaturen um den Gefrierpunkt an. Wir zogen unsere warmen Jacken über, die dicken Winterstiefel und nahmen Mützen und Handschuhe mit. Es sollte ein schöner Winterspaziergang werden. Unterwegs begegneten wir nur wenig Gleichgesinnten. Die meisten Spaziergänger waren mit ihren Hunden unterwegs und schienen es eilig zu haben, wieder in die warme Stube zurückkehren zu dürfen. Wir schlugen den Weg Richtung Wald ein und die Kinder liefen voraus. Die Wege waren matschig und auf den Ästen lag hier und da noch ein wenig Schnee. Wir genossen die Stille des Waldes und füllten unsere Lungen mit der kalten Winterluft. An der ersten Weggabelung bogen wir gewöhnlich ab Richtung Dorf. Über einen schmalen Feldweg ging es im Bogen wieder zurück nach Hause. An jenem Wintertag wollte aber keiner von uns schon umkehren. Wir folgten den Hinweisschildern und suchten den Wanderweg durchs Moor. Mitten im Naturschutzgebiet wurden die Spaziergänger durch Hinweisschilder ermahnt, die Wege nicht zu verlassen, um die Tiere nicht zu stören. Da es schon etwas schummrig wurde, beschlossen wir, eine Abkürzung zu nehmen. Diese führte uns durch immer dichter werdendes Buschwerk, vorbei an kleinen Gräben und einem Hochsitz für die Jäger. Der eigentliche Weg war nur noch zu erahnen und führte schließlich ins Nichts. Mittlerweile waren wir schon eine ganze Weile unterwegs. Es würde nicht mehr lange dauern, bis die Dämmerung einsetzen würde. Wir befanden uns mitten im Moor und hatten völlig die Orientierung verloren. Was tun? Umkehren und den ganzen und den Weg zurücklaufen? Der Weg erschien endlos und keiner von uns wusste eine Antwort, ob wir den Weg bei Tageslicht noch schaffen würden. Weiter durchs Moor? Vor uns taten sich riesige Felder auf, aus der Ferne betrachtet sahen sie aus wie satte grüne Wiesen mit leichtem Baumbewuchs. Doch der Blick täuschte: zwischen den Feldern spiegelte sich hin und wieder die untergehende Sonne in den Wasserlachen. Mitten im Moor, alleine mit zwei Kindern, ohne Kompass und ohne Telefon. Wir waren rat- und hilflos. Die Kinder begannen zu weinen. Wir konnten sie nicht trösten. Mittlerweile hatte uns selbst der Mut verlassen. Kein Ruf eines Vogels. Völlige unheimliche Stille. Wir beschlossen nicht umzukehren und liefen weiter, so schnell der holprige Untergrund es uns erlaubte. Wir hoben die Kinder über die Gräben und sprangen selbst über Stock und Stein; Zweige peitschten uns ins Gesicht. Die ersten Stiefel waren nass und die weihnachtliche Stimmung sank auf den Nullpunkt. Noch immer kein Licht am Horizont. Nach weiteren schier endlos anmutenden Minuten schimmerte durch das dichte Baumgestrüpp das matte Licht einer alten Straßenlaterne. Die Entfernung war noch schwer abzuschätzen, doch die Gewissheit, bald wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, beflügelte unsere Beine und unseren Mut. In den letzten Zügen des Tageslichts orientierten wir uns an der Laterne und sprangen in schnellen Schritten dem Licht entgegen. Endlich waren wir in Sicherheit – zurück auf dem Wanderweg. Wir hatten die Orientierung wieder gefunden und waren überglücklich, die Nacht nicht im Moor verbringen zu müssen. Es war ein gefährlicher, abenteuerlicher Spaziergang, an wir jedes Jahr zu Weihnachten zurückdenken.


Eingetragen am: 15.12.2008 von barbie
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21282

sich zu verlieren setzt voraus, sich schon einmal gefunden zu haben. am verlorensten fühle ich mich in liebesbeziehungen.dann bin ich wohl allein am meisten ich.schade


Eingetragen am: 14.12.2008 von Kassandrra
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21228

Es war eine ganz typische Situation: Die Bereichsleiterin Personal aus der Holding hatte mich kurzfristig zu einem Besprechungstermin gebeten. Auch ein Kollege aus der Rechtsabteilung würde daran teilnehmen. Das genaue Thema war mir nur vage bekannt. Aber das würde ich schon hinkriegen. Wenn ich nur dieses verdammte Bürogebäude finden würde! Ich war schon das ein oder andere Mal dort gewesen, aber nie allein. D.h., ich bin immer jemandem hinterhergetrabt. Dies ging dieses Mal nicht. Verflixt - offensichtlich war ich schon zu weit gelaufen und hatte die Seitenstraße verpasst, in die ich hätte einbiegen sollen. Ganz toll. Ich war schon über die Zeit, denn - natürlich - war ich auch noch zu spät losgetrabt. Mir stand der Schweiß auf der Stirn. Mein Herz pochte. Meine Füße schmerzten, weil ich auch noch diese dämlichen, etwas zu engen Pumps anhatte. Weit und breit war das weiße Gebäude nicht zu sehen. Ich Frau kam mir entgegen. "Entschuldigen Sie bitte, ich suche
die Holdstraße, die muss hier irgendwo sein." "Oh, da müssen Sie in diese Richtung gehen, etwa 1 km, dann nach links und die erste, nein zweite nach rechts..... Da fängt die an." "Danke!" Und weg war ich. Scheiße, scheiße .... wie konnte ich nur so dämlich sein? Mit einer Verspätung von 20 Minuten kam ich endlich an. Total durchgeschwitzt und außer Atem. Aber ich war da.


Eingetragen am: 05.12.2008 von nora
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20923

mir ist dazu nur die frage eingefallen ob ich mich selbst schon einmal verloren habe...jedoch habe ich keine antwort gefunden. Ist selbstverlieren vielleicht wenn man etwas vergisst? Etwas aufgibt oder abbricht? 3Tage weinen? Im bett liegen und nichts denken aber doch 1000fragen offen? Ist selbstverlierung wenn in mir ein kind entsteht? wenn jemand vor mir wegrennt? mich mit anderem beschäftige anstatt mit mir? falls das selbstverlierung ist, sind wir alle verloren


Eingetragen am: 01.12.2008 von S. Laureys
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20842

Wir waren immer noch ausser Atem , verschwitzt und so zufrieden mit uns und unsere Welt, mit 8 sieht man alles eben noch anders. Nach dem Mittagessen sind wir los meine beste Freundin und ich xmal haben wir uns die Sommernachmittage schon hier in den Wäldern vertrieben. Heute war alles besonders aufregend das Wetter mild wir beide in bester Abenteuerlaune und wir hatten uns eine Detekivspiel ausgedacht ,die Zeit und alles andere um uns herum vergesssen. Das erste unangnehme Gefühl beschlich mich, ganz heimlich wie ein eisiger Hauch der mir den Rücken langsam in Richtung Nacken kroch. Aufeinmal hatte es ziemlich abgekühlt die Schatten der Bäume waren ganz plötzlich länger und unheimlicher geworden, und wo war um gotteswillen die Sonne hin. Ich wechselt wissende Blicke mit meiner Freundin und Ihr Gesichtsausdruck bestätigte mir das was ich befürchtete und noch nicht traute auszusprechen. Wir hatten keine Ahnung wo wir waren , wir hatten und verlaufen, dies war der Anfang eines grossen Abenteuers und der Begin einer Geschichte wie man von einem Tag auf den anderen sehr schnell Erwachsen werden kann.


Eingetragen am: 30.11.2008 von Rahan Neris
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20822

Verirrung
Ich dokumentiere hier meine „Verirrung“ durch 50 Wikipedia-Artikel am 30.11.2008 von 14:27 Uhr bis 18:11 Uhr
(1) Meine Suchanfrage bei Wikipedia zum Thema „Verirrung“ ergibt, dass kein Artikel mit diesem Namen vorhanden ist, ich aber, falls ich mich mit dem Thema auskenne, selber einen Artikel dazu verfassen könnte. Immerhin verweist Wikipedia - in den Suchergebnissen 1–20 von 195 - auf einen Autor namens Waiblinger und dessen ''Lieder der Verirrung''.
(2) Ich surfe weiter zu Wilhelm Friedrich Waiblinger (1804 - 1830). Er war Freund von Hölderlin und Mörike, mit der fünf Jahre älteren Julie Michaelis liiert und führte ein nach zeitgenössischer Ansicht ausschweifendes Leben, das seine ''Lieder der Verirrung'' und ''Drei Tage in der Unterwelt'' inspirierte. Diese Werke führten zur Relegation vom Tübinger Stift am 25. September 1826, worauf Waiblinger nach Rom reiste, nicht zuletzt in der Hoffnung auf galante Abenteuer. Dort lebte er in wilder Ehe mit Nena Carlenza. Am 17. Januar 1830 starb er, 25 Jahre alt, an den Folgen einer Lungenentzündung. Er wurde nahe der Pyramide des Caius Cestius beerdigt.
(3) Wikipedias Artikel zur Cestius-Pyramide beschreibt sie als die Grabstätte des antiken römischen Praetors und Volkstribuns Caius Cestius Epulo. Im Zuge der Eroberung Ägyptens durch Kaiser Augustus sei die altägyptische Kultur in Rom in Mode gekommen, so dass sich mehrere Römer kleine Pyramiden als Grabstätten hätten bauen lassen, wovon einzig die Cestius-Pyramide (zwischen 18 und 12 v. Chr.) heute noch übrig sei. Mit 36,4 Metern misst die Pyramide ein Viertel der Höhe der Cheops-Pyramide.
(4) Die Cheops-Pyramide nennt Wikipedia die größte der Pyramiden von Gizeh. Ihr Baumeister war vermutlich Hemiunu, der „Vorsteher aller Bauarbeiten des Königs“. Hemiunu wurde nahe der Cheops-Pyramide in der Mastaba G 4000 begraben, im nördlichen Serdab barg man seine überlebensgroße Kalkstein-Statue.
(5) Was weiss Wikipedia über „Serdab“ zu sagen? Der Serdab ist ein Raum innerhalb des Grabes, der mit dem restlichen Grab allein durch Schlitze im Mauerwerk verbunden ist. Durch sie kann die Seele des Verstorbenen, der Ka, hinein und hinaus wandern.
(6) Weiter zum Artikel „Ka“! Es gibt unterschiedliche Interpretationen des Ka: Doppelgänger des Verstorbenen, sein Schutzgeist (Außenseele) oder so etwas wie seine Lebenskraft. Auch Julian Jaynes hat sich - in seinem berühmten Werk "Der Ursprung des Bewusstseins" - in der Deutung des Ka versucht.
(7) Also ist „Julian Jaynes“ der nächste Suchbegriff. Für Jaynes, so erfahre ich, hat sich Bewusstsein in heutigem Sinne erst zwischen 1300 und 700 v. Chr. entwickelt, davor hätten die Menschen ebensowenig Bewusstsein besessen wie Tiere oder Kleinkinder. - Nur ein bedeutender Philosoph, nämlich Daniel Dennett, habe Jaynes ernst genommen.
(8) Also „Daniel Dennett“: Ich lese unter anderem, dass für Dennett Freiheit nicht Unabhängigkeit von Naturgesetzen ist, sondern ein Wollen aus bestem Wissen und Gewissen.
(9) „Willensschwäche“ und, als Bild der Willensschwäche, „innerer Schweinehund“ heissen die nächsten Stichworte. Der innere Schweinehund verhindert die Ausführung von ethisch geforderten oder sinnvollen, aber unangenehmen Tätigkeiten. Als der SPD-Abgeordnete Kurt Schumacher am 23. Februar 1932 im deutschen Reichstag den Begriff gebrauchte, erhielt er einen Ordnungsruf.
(10) Unter „Kurt Schumacher“ lese ich, dass in Deutschland einige Brücken nach ihm benannt wurden, unter anderem die jüngste Rheinbrücke zwischen Ludwigshafen und Mannheim.
(11) Die Kurt-Schumacher-Brücke zwischen Ludwigshafen und Mannheim ist eine Schrägseilbrücke.
(12) Bei einer Schrägseilbrücke hängt der Überbau an Seilen, die schräg von einem Pylon aus gespannt sind. Zur Inspektion der Tragkonstruktion werden Brückenseilbesichtigungsgeräte eingesetzt.
(13) Mit dem Brückenseilbesichtigungsgerät wird die Beschichtung der Seile überprüft.
(14) Ein Seil überträgt Zugkräfte und besteht aus zusammengedrehten Drähten oder Fasern. Es gibt natürliche Fasern wie Flachs, Hanf, Kokos, Manila, Sisal und Kunstfasern wie Aramid, Dyneema, Flüssigkristallpolymer, Polyester, Polyamid (Nylon, Perlon, DeDeRon).
(15) Aha, „DeDeRon“! Wikipedia erklärt, „Dederon“ sei ein nach dem Vorbild von „Perlon“ gebildetes Kunstwort, zusammensetzt aus DDR und „on“. Dederon sei besonders bekannt wegen der Einkaufsbeutel und Kittelschürzen.
(16) Nichts wie hin zu „Kittelschürze“: Die Kittelschürze, erfahre ich, werde auch als Berufsmantel bezeichnet – vor allem mit langen Ärmeln und bei „gehobenen“ Tätigkeiten wie Arzt oder Apotheker.
(17) Mich lockt das Stichwort „Apotheker“ – doch warum nur? Ich weiss auch nicht! Apotheker sind Fachleute für Arzneimittel. – Na, klar.
(18) Und „Arzneimittel“? Der Begriff Arzneimittel ist weiter als der Begriff Medikament: Blutpräparate oder Diagnostika wie beispielsweise Kontrastmittel sind keine Medikamente, aber Arzneimittel.
(19) „Kontrastmittel“? Nicht verwechseln mit Tracern, die in der Nuklearmedizin zur Abbildung physiologischer Abläufe dienen!
(20) „Tracer“ (engl. trace = Spur) sind künstliche, häufig radioaktiv markierte Substanzen zur Untersuchung des Stoffwechsels im Körper, die wegen ihrer minimalen Menge die Körperfunktionen nicht stören. Der Ungar George de Hevesy hat die Methode erfunden.
(21) Was hat de Hevesy denn sonst noch so getan? Wikipedia erzählt eine ganze Geschichte aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, als 1940 deutsche Truppen die dänische Hauptstadt Kopenhagen besetzten. Da löste de Hevesy die goldenen Nobelpreis-Medaillen der deutschen Physiker Max von Laue und James Franck in Königswasser auf und schützten sie so vor dem Zugriff durch die Besatzer. Nach dem Friedensnobelpreis 1935 für den Nazigegner Carl von Ossietzky war Deutschen nämlich die Annahme des Nobelpreises verboten worden. Von Laue und Franck, ebenfalls in Gegnerschaft zum Nationalsozialismus, hatten ihre Medaillen in die Obhut von Niels Bohr gegeben, um so ihre Konfiszierung in Deutschland zu verhindern. Als der Krieg vorbei war, extrahierte George de Hevesy das Gold aus dem Königswasser und überstellte es der Schwedischen Akademie der Wissenschaften. Diese ließ daraus neue Medaillen fertigten und an von Laue und Franck überreichen.
(22) James Franck, als Sohn des jüdischen Bankkaufmanns Jacob Franck und seiner Ehefrau Rebecka Decker geboren, legte 1902 sein Abitur am Hamburger Wilhelm-Gymnasium ab. 1925 erhielt er zusammen mit Gustav Hertz den Nobelpreis für Physik; der sog. Franck-Hertz-Versuch hat das Bohrsche Atommodell bestätigt. Im Ersten Weltkrieg war Franck Freiwilliger in der deutschen Armee, wurde 1917 bei einem Gasangriff schwer verletzt und bekam das Eiserne Kreuz.
(23) Das Wilhelm-Gymnasium wurde 1881 gegründet. 1888 hoben Untersekundaner dort den Hamburger Fußball-Club (HFC) aus der Taufe, den Vorgänger des Hamburger Sportvereins. Im Februar 2005 ist, und zwar bisher nur zum ersten und einzigen Mal, eine Schülerzeitung namens „derwilhelm“ erschienen.
(24) In einer Schülerzeitung können Schüler, dem Grundgesetz folgend, ihre Meinung frei äußern.
(25) Eine Meinung erwächst aus eigenen Erfahrungen und eigenem Wissen vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Umgebung und ihrer Deutungsmuster.
(26) Das Konzept der Deutungsmuster geht auf Alfred Schütz zurück.
(27) Alfred Schütz (1899 - 1959), ein österreichischer Jurist, Philosoph und Soziologe, hat sich Fragen der Intersubjektivität gewidmet.
(28) Intersubjektivität liegt vor, wenn verschiedene Individuen vergleichbare Erfahrungen machen. Intersubjektivität ist eine Vorbedingung erfolgreicher Kommunikation.
(29) Der Begriff der Kommunikation hängt mit dem der Interaktion zusammen.
(30) Mit Interaktion ist soziales Handeln gemeint, ein Handeln, mit dem sich zwei oder mehr Personen aufeinander beziehen.
(31) Die sozialwissenschaftlliche Auffassung von „sozialem Handeln“ wurde maßgeblich von Max Weber bestimmt.
(32) Maximilian Carl Emil Weber (1864 - 1920), ein Jurist, Ökonom und Mitbegründer der Soziologie, war mit der Frauenrechtlerin, Soziologin und Rechtshistorikerin Marianne Weber verheiratet.
(33) Marianne Weber (geb. Schnitger, 1870 – 1954) war von 1919 bis 1923 die Vorsitzende des Bundes deutscher Frauenvereine.
(34) Der Bund deutscher Frauenvereine (BDF) wurde 1894 aus Anlass des International Council of Women 1893 in Chicago gegründet.
(35) Im International Council of Women (ICW) sind 70 Nationen Mitglied. Er veranstaltet alle drei Jahre internationale Treffen. Sein Hauptsitz ist Paris.
(36) Paris beherbergt unter anderem die UNESCO, den OECD und den ICC.
(37) Die ICC (Internationale Handelskammer, engl. International Chamber of Commerce) ist eine nichtstaatliche Organisation. Die Deutsche Gruppe der Internationalen Handelskammer (DGIH) ist seit 1925 Mitglied.
(38) Präsident der DGIH war 1937 Abraham Frowein. Von 1932 bis 1933 war er auch Präsident der Internationalen Handelskammer.
(39) Abraham Frowein (1878 - 1957) ist Spross einer Familie, die seit 1500 in Lennep und seit 1600 in Elberfeld nachweislich ist.
(40) Das Wappen von Lennep zeigt auf silbernem Schild eine rote Stadtmauer mit Tor und eine rote, doppeltürmige Kirche mit blauem Dach und blauen Turmhauben.
(41) Die Heraldik umfasst die Wappenkunde, die Wappenkunst und das Wappenrecht. Dem europäischen Wappenwesen ähnlich sind die japanischen Mon.
(42) Die Mon sind meist einfarbig. Ein Kreis umrandet die stilisierte Darstellung eines Tiers oder einer Pflanze. Japanische Familien führten Mons mindestens seit dem 12. Jahrhundert, gegen Ende der Heian-Zeit.
(43) Die Heian-Zeit bzw. Heian-Periode ist die Epoche von 794 bis 1185/1192. Die Heian-Zeit ist die klassische Periode der japanischen Literatur, gepflegt vor allem von Hofdamen. Berühmt sind das Genji Monogatari von Murasaki Shikibu und das Kopfkissenbuch von Sei Shônagon.
(44) Genji Monogatari (dt. Die Geschichte vom Prinzen Genji) ist der erste psychologische Roman Japans, vielleicht sogar der erste Roman überhaupt.
(45) Was ist ein „Roman“? Wikipedia sagt, der Roman sei die Langform der schriftlichen Erzählung, abzugrenzen von Novelle und Kurzgeschichte. Es gibt verschiedene Unterformen, darunter den Experimentellen Roman, der auf Émile Zola zurück geht.
(46) Im Experimentellen Roman oder Roman expérimental verwirklicht Zola sein Konzept des naturalistischen Romans.
(47) Der naturalistische Roman ist Teil der Strömung des Naturalismus, der sich zwischen 1880 bis 1900 in Literatur und Theater auswirkte. Naturalistische Künstler basieren ihre Werke auf genauer Naturbeobachtung, sie arbeiten mit quasi naturwissenschaftlicher Methodik. Ihre Darstellung soll möglichst wirklichkeitsgetreu sein - wozu auch Hässliches und Verdrängtes zählen.
(48) Auf den Naturalismus, der die Wirklichkeit der Dinge beschreibt, folgt der Impressionismus. In der Literatur wie in der Malerie tritt die Darstellung der Wirklichkeit gegenüber der Schilderung der Wahrnehmung dieser Wirklichkeit in den Hintergrund. Impressionisten zielen auf Stimmungen, auf die flüchtigen Augenblicke. Ein Meister stimmungsvoller Impression ist Rilke.
(49) Rainer Maria Rilke (1875 - 1926; eigentlich René Karl Wilhelm Johann Josef Maria Rilke) ist einer der bedeutendsten deutschen Lyriker und Verfasser von Erzählungen. Er schrieb einen Roman und Essays zu Kunst und Kultur, außerem übersetzte er Literatur und Lyrik. Seine Briefe sind ein wichtiger Teil seines Werks.
(50) „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ – so heisst eine kurze Erzählung von Rainer Maria Rilke. Er schrieb sie 1899 in nur einer Nacht.


Eingetragen am: 24.11.2008 von Andreas
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20639

Ich drücke den roten Knopf und trenne die Verbindung, lege das Telefon auf den Tisch zurück, die Augen voller Tränen. Ich sinke auf meine Couch und rolle mich zusammen. Leere und Dunkelheit umfängt mich. Mir wird kalt. Ein paar Tränen fließen um meine Nase, sickern in den braunen Stoff der Couch und färben ihn dunkel. Der Tränennachschub versiegt aber schnell. Mein Kopf ist zu leer um genug Traurigkeit für meine Tränen zu empfinden. Ich starre in den vor sich hin flimmernden Fernseher. Der Ton ist ausgestellt. Mütter, schlank, jung und gut aussehend, weiße Zähne, weiße Möbel, blonde, bleiche Kinder. Braune Schokolade. Werbung, gemacht für alle, die in den Motiven Ihre persönliche unerfüllbare Erfüllung sehen. Keine Erregung über diese Blenderei, meine Hand greift nicht nach der Fernbedienung – die Bilder kommen, Bilder gehen, egal. Nach unendlichen 30 Minuten ein Gedanke. „Du musst absagen“. Ich richte mich auf – wenn ich es überhaupt so nennen kann. Der Rücken rund wie bei einem Hundertjährigen. Bauchgrimmen zieht mich zusammen. Ich greife mit zittrigen Fingern zum Telefon. Wähle „Tom“ im Adressbuch, warte auf seine Stimme. Schließlich höre ich eine überschwängliche Begrüßung, die ich so nicht bestellt habe. Ich lasse sie über mich ergehen und sage in einigen wenigen Worten meine Teilnahme an der heutigen samstagabendlichen Party ab. Ich werde gefragt, was mit mir los sei. Erläutere widerwillig und kurz die Ereignisse der letzten Stunde. Ein paar Tränen kommen zurück. Tom ist betroffen und bietet mir seine Unterstützung an. „Die Tage vielleicht, Tom, hab einen schönen Abend“. Ich lege auf, trockne meine Tränen mit dem Hemdsärmel und lege mich wieder zurück auf die Couch, rolle mich zusammen, decke mich zu, starre ins bunte, stumme Fernsehprogramm. Mein Leben ist vorbei, die Zukunft ausgelöscht, so scheint es mir in diesem Moment. Die weiteren Seiten meines Lebensbuches sind leer und ich habe es so gewollt und die Bleistiftbuchstaben wegradiert. Ich fange an zu zittern und bereue das vorhin gesagte. Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen und selbst wenn ich die Möglichkeit dazu hätte, was wäre dann? Manche Worte müssen gesagt werden. Auch wenn die Konsequenz hieraus vernichtend ist. In meinem Kopf flackern zaghaft Bilder auf. Küsse, Lächeln, schöne Hände. Bilder einer anderen Welt, weit weg. Ich beiße die Zähne aufeinander, schalte den Fernseher aus und stehe auf. Ich bin auf dem Weg in mein Bett, denn da kann ich genauso gut weiter frieren. Auf dem Weg dorthin ziehe ich mir Hemd und Hose aus. Ich lass die Kleidungsstücke einfach auf dem dunklen Parkett liegen. Die Schlafzimmertür fällt hinter mir zu. Ich lasse mich ins Bett fallen, decke mich zu, lösche das Licht. Nun hat sich die Umgebung mir angepasst. Innen dunkel, außen dunkel. „Es war die einzig richtige Entscheidung, es war eine Notbremse, die zu ziehen war, da ich sah, dass der Zug unweigerlich ins Verderben rollt.“, versuche ich mich zu beruhigen. Endstation Dunkelheit, Landkreis Einsamkeit. Seit einer Stunde bin ich wieder Single.


Eingetragen am: 21.11.2008 von Vahli
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20512

Verloren

Kreuzfahrtschiffe sind sicher. Das glaubt man jedenfalls. Man meint, dass jede Situation in der Vergangenheit bereits da gewesen ist und dass diese, und auch die noch nicht da gewesenen, bei der Konstruktion eines Kreuzfahrtschiffes berücksichtigt wurden. Das glaubten auch Jonas und seine Frau Maria, als sie die Kreuzfahrt mit ihrer Tochter Sara antraten.
Beim Einchecken versteckte sich Sara noch schüchtern hinter ihrer Mutter. Selbst der Fotograf schaffte es nicht, sie hervor zu locken. Auf dem Willkommensfoto war sie erst ab Nase aufwärts zwischen ihren Eltern zu erkennen. Zu viele neue Eindrücke, dachte Jonas. Überwältigend! Aber so kannte er seine Tochter.
Das verlor sich am nächsten Morgen beim Frühstück, als ihr ein Service-Mitarbeiter mit einer tiefen Verbeugung einen Engel überreichte, der aus einer Melone geschnitzt war.
„Ich glaube, ich liebe ihn", sagte sie später zu ihren Eltern. „Wenn ich in zehn Jahren achtzehn bin, kann ich ihn dann heiraten?“
Der Knoten war danach bei ihr geplatzt, Jonas und Maria hatten eine ausgewechselte Tochter. Sie war jetzt überall gleichzeitig: Sie fuhr mit den Fahrstühlen zwischen den Decks hin und her; sie ließ sich an der Bar Cocktails mischen, natürlich ohne Alkohol; sie machte beim Step-Aerobic die beste Figur aller Teilnehmerinnen; sie bastelte in der Kinderbetreuung ein Namensschild für die Kabinentür. Den ganzen Tag war sie in Bewegung. Keine Spur mehr von dem sonst so ruhigen Kind.
Am vierten Tag geschah es dann. Die kleine Familie machte einen Spaziergang auf einem der unteren Decks. Hier lief auch die Joggingstrecke entlang. Jedes Mal, wenn ein Jogger an ihnen vorbeilief, hüpfte Sara eine Weile neben ihm her, bis sie nicht mehr mithalten konnte. Einigen der Jogger sah Jonas deutlich an, wie genervt sie davon waren.
Nicht alle Jogger kamen von hinten, liefen gegen den Uhrzeigersinn. Manche liefen auch im Uhrzeigersinn. Wenn Sara ihnen folgte, war sie eine Weile hinter Jonas und Maria außer Sicht.
„Wenn du so weiter machst, musst du den doppelten Weg zurücklegen.“, scherzte Maria noch mit ihr, aber sie machte unbeirrt weiter. Auch Jonas war einerseits froh, dass Sara endlich aus sich heraus kam, aber irgendwie war das jetzt auch zu viel des Guten.
Als sie das Schiff zu fast drei Vierteln umrundet hatten, befanden sie sich auf der linken Seite, „Steuerbord!“, belehrte Sara sie, und liefen Richtung Heck. Wieder kam ein Jogger, dem sie folgen musste. Der arme Knabe kam schon das vierte Mal an ihnen vorbei und musste Sara erneut ertragen. Lieber nicht hinsehen, dachte Jonas.
„Guckt mal, wie tief das Rettungsboot hier hängt. Ich kann es sogar berühren, wenn ich hier raufklettere.“ Jonas konnte deutlich den Stolz in Saras Stimme hinter sich hören.
Raufklettere? Jonas und Maria schnellten nahezu gleichzeitig zu Sara herum. Sie stand mit dem linken Fuß auf mehreren aufeinander gestapelten Liegen und mit dem rechten auf dem Geländer. Gerade wollte sie etwas am Rettungsboot näher betrachten und verlagerte ihr Gewicht auf den rechten Fuß. Jonas’ Magen krampfte sich zusammen.
„Sara! Nicht!“ Marias Stimme überschlug sich vor Panik. Nicht nur Jonas zuckte davon zusammen, auch Sara – und dann rutschte sie mit dem Fuß vom Geländer ab. Zuerst schlug der zarte Körper des Mädchens auf dem Geländer auf, dann fiel sie über Bord, völlig lautlos.
Jonas brauchte nicht einmal eine Sekunde für seine Entscheidung. Auf dem Weg zum Rettungsring, der drei Meter weiter an der Wand hing, zog er seine Windjacke aus, ließ sie auf den Boden fallen und rief noch Maria zu: „Schlag du Alarm!“ Er riss den Rettungsring von der Wand, rannte zum Geländer und hechtete ohne zu zögern darüber hinweg.
Noch im Fall bemerkte er den Schmerz im Knie. Scheinbar hatte er sich das am Geländer angeschlagen. Dann umschloss ihn plötzlich die eisige Kälte. Er beeilte sich wieder an die Oberfläche zu kommen, wischte sich das Wasser aus den Augen. So weit wie möglich lehnte er sich auf den Rettungsring aus dem Wasser heraus, band dabei die Schlaufe des Seils um sein Handgelenk, und sah sich um. Das Schiff fuhr links an ihm vorbei, er war bereits mehrere Körperlängen abgedriftet. Er spähte entgegen der Fahrtrichtung des Schiffs und entdeckte überraschend schnell ihren Kopf. Sofort stieß er sich vom Rettungsring ab und kraulte wie noch nie zuvor. Zwischendurch hielt er inne, sah sich wieder um, erklickte sie erneut und korrigierte seine Richtung. Ich muss doch längst bei ihr sein, dachte er nach mehreren Schwimmzügen, und hielt wieder an. Nichts zu sehen. Verdammt! Er tauchte, fühlte um sich, kam wieder an die Oberfläche. Da! Ihre Hand war kurz zu sehen, keine drei Meter entfernt. Jonas tauchte sofort, machte einen kräftigen Zug, fühlte sie und riss sie mit sich an die Oberfläche.
„Sara, ich bin da.“
Husten, Gott sei Dank, sie atmete noch. Noch mehr Husten. Sara klammerte sich an ihm fest, so dass er keine Schwimmbewegungen mehr machen konnte. Er unterdrückte die aufsteigende Panik und riss sie mit Gewalt von sich los. Sara auf Armeslänge von sich haltend, strampelte er mit den Beinen und zog mit der anderen Hand den Rettungsring heran.
„Hier, halt dich fest.“ Langsam kam er wieder zu Atem.
Sara klammerte sich an den Ring. Jonas schaute sich nach dem Schiff um. Es war nur noch wenig von den oberen Decks zu sehen.
Gleich musste es umkehren, Maria hatte doch sicher sofort Alarm gegeben.
„Alles in Ordnung?“ Er streifte Sara die langen Haare zurück, die in ihrem Gesicht klebten. Sara nickte. „Die werden uns bald holen. Keine Angst, jetzt kann dir nichts mehr passieren.“
Das Schiff war verschwunden, der Horizont hatte es verschluckt. Wieso hatte es noch nicht umgedreht? Aber so schnell ging das wahrscheinlich nicht. Es war vielleicht zehn Minuten her, dass sie über Bord gingen. Bis Maria jemanden gefunden hatte, der ihr helfen konnte, konnten fünf Minuten oder mehr vergangen sein. Aber dann würde doch sicher schnell gehandelt. Eigentlich musste das Schiff jetzt bereits beigedreht haben. Jonas sah auf die Uhr an seinem Handgelenk.
Was ist, wenn sie uns nicht finden? Kann so etwas passieren? Wir sind sehr schnell von der Fahrspur abgedriftet. Oder wenn sie uns zu spät finden und wir hoffnungslos unterkühlt sind?
Sara klapperte bereits mit den Zähnen. Sie musste sich bewegen.
„Komm, wir schwimmen dem Schiff entgegen. Umso eher sind wir wieder an Bord.“
Beide begannen, mit den Beinen zu strampeln, während sie sich am Rettungsring festhielten.
Er sah auf die Uhr. Es waren wieder fünf Minuten vergangen. Weit und breit war nur Wasser zu sehen. Verloren auf hoher See! Solche Meldungen gab es doch schon.
„Papa, ich kann nicht mehr.“
„Doch, doch, wir müssen weiter schwimmen. Sonst wird uns zu kalt. Gleich machen wir Pause.“ Auch Jonas konnte schon nicht mehr sprechen, ohne mit den Zähnen zu klappern.
Dann hörte er ein Geräusch. Zuerst konnte er es nicht zuordnen, dann wusste er dass es ein Motorengeräusch war.
„Hörst du das? Sie kommen.“
Das Motorengeräusch näherte sich – und entfernte sich wieder.
„Sie sind vorbeigefahren. Aber keine Angst, die fahren hier so lange hin und her, bis sie uns gefunden haben.“
Dann kam das Geräusch wieder näher. Und plötzlich sah Jonas das Boot, es sah aus wie eines der Rettungsboote. Die Männer auf dem Boot entdeckten sie, einer der Männer winkte ihnen zu. Sie waren schnell bei Ihnen und zogen sie an Bord. Das Boot fuhr sofort wieder los. Jonas und Sara zogen ihre nassen Sachen aus und trockneten sich ab. Einer der Männer hüllte sie in Wolldecken ein.
Das kleine Boot hüpfte rasend schnell über die Wellen. Das Kreuzfahrtschiff kam schnell wieder in Sicht. Als sie daran anlegten stand oben Maria. Ihre Wange waren nass vor Tränen, aber in dem Moment, als sie Jonas und Sara erblickte, strahlte sie über das ganze Gesicht.


Eingetragen am: 17.11.2008 von catviv
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20337

Ich wachte auf. Es war stockdunkel. Ich wusste nicht wo ich war. Ich wusste nur, ich wollte zu meinen Eltern. Aber wo waren die? Ich verließ das Bett und tappte herum, konnte jedoch keinen Ausgang finden. Ich wurde panisch, es war so furchtbar dunkel, so unvertraut, alles hörte und fühlte sich anders an. Auch die Gerüche waren mir unbekannt. Ich begann zu weinen, schluchzte vor mich hin. So hilflos hatte ich mich noch nie zuvor in meinem Leben gefühlt. Mama und Papa wo seid ihr?
Da ging das Licht an. Meine Eltern standen in der Tür. Meine Mutter nahm mich in den Arm und tröstete mich.
Wir waren am Vortag in unser neues Haus gezogen. Mein Kinderzimmer stand noch voller Kartons und die herunter gelassene Jalousie verdunkelte alles gänzlich. Ich hatte mich in meinem neuen Zimmer auf 11 Quadratmeter verlaufen.


Eingetragen am: 14.11.2008 von bastet
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20276

Unruhig gleiten meine Augen zur Uhr in meinem Wagen. Nur noch fünf Minuten! Ich werde wieder einmal zu spät kommen! Mist! Die Scheibenwischer bekämpfen tapfer den feinen Wasserfilm, der stetig die Aussenhülle meines Gefährtes bedeckt. Ich drücke das Gaspedal durch im Wissen, dass ein paar km/h mehr oder weniger auch nichts mehr bringen werden. Wenn dieses leidige Parkplatzsuchen nicht wäre… Aber heute scheint gar nichts zu klappen, denn den letzten Parkplatz schnappt mir ein Autofahrer vor der Nase weg. Na gut, keep cool, dann komme ich ein paar Minuten später zum Sprachunterricht. Da hinten ist das grosse Parkareal, ich muss länger laufen - aber meine Lehrerin wird mir schon nicht den Kopf abreissen wegen der paar verspäteten Minuten!
Endlich, das Auto ist geparkt, und ich eile schnell zum Unterrichtsgebäude, das gross und mächtig seine Arme nach mir ausstreckt. Warum wirkt es heute so bedrohlich? Ich habe immer den gleichen Weg benutzt, da ich das Labyrinth dieses Moloches noch nicht durchschaut habe. Aber heute könnte ich es mit einer Abkürzung durch einen Seiteneingang versuchen. Ich weiss in welche Richtung ich gehen muss, da werde ich sicher auch so mein Ziel erreichen.
Türe auf, Gang entlang, links abgebogen, wieder geradeaus, zweite Türe auf, Treppen rauf, Haustüre auf: jetzt müsste ich da sein.
Ich stehe vor dem Gebäude und schaue mich um. Ich kann nichts mehr wiedererkennen. Dieser Innenhof da drüben, den habe ich noch nie gesehen. Seit wann gibt es hier einen Fussballplatz? Der müsste mir doch aufgefallen sein. Und diese Wohnanlage? Wie lange steht die schon? Alles ist von einer kalten, dunklen Brühe umgeben. Erst jetzt merke ich den Nieselregen, der langsam meine Jacke durchtränkt. Die nasse Kälte dringt bis zu meinen Knochen vor. Bin ich in meinem eigenen Alptraum gelandet? Diese vollkommenen Orientierungslosigkeit lähmt meine Denken, nimmt mir den Atem. Wo sind plötzlich all die Menschen hin? Kein Laut ist zu hören. Nur das feine Zischeln des Regens dringt in mein Ohr, der alles schwarz überzieht und verschluckt.
Wo soll ich weiterlaufen? Jede neue Entscheidung würde mich nur in die Irre führen. Ich entschliesse mich zurückzugehen und den gewohnten Weg zu nehmen. Voller Entschlossenheit drehe ich mich um und will zur Tür greifen, die mich wie einen ungeniessbaren Wurm ausgespuckt hat. Doch vor mir die nackte Wand, die mich hämisch anblickt. Die Türe ist verschwunden! Voller Panik blicke ich um mich- der Fussballplatz, die Wohnanlage, der Innenhof, die mir so vertraut geworden sind, haben sich aufgelöst im dunklen Nichts. Grausen füllt jede Ritze, jede Spalte, jeden Zwischenraum in meinem Körper. Tränen wollen sich ihren Weg nach draussen bahnen, werden jedoch gestoppt von einer bleiernen Schwere, die mich erdrückt. Die Dunkelheit stürzt sich auf mich wie ein wildes Tier und verschlingt mich mit ihrer wütenden Gier. Ich spüre nichts mehr, verliere den Boden unter den Füssen und falle, falle, falle,…
Ein plötzliches Schrillen holt mich in die Wirklichkeit zurück. 7 Uhr 30! Aufstehen! Ich blicke nach draussen und sehe den feinen Nieselregen, der sich wie ein sanfter Schleier auf die Landschaft legt.


Eingetragen am: 13.11.2008 von Enni
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20236

Was assoziieren Sie, wenn Sie „Mexiko“ hören? Ein riesiges, weites Land, mit Eseln am Straßenrand? Singende Mariachi mit Gitarren, Kontrabass und Trompeten, die weit auslandende Sombreros auf den Köpfen tragen? Weiße, in der Hitze flimmernde, menschenleere Strände am türkisfarbenen Meer? Die Pyramiden der Azteken oder den beeindruckenden aktiven Vulkan Popocatepetl? Das alles ist auch Mexiko, das alles war auch für mich Mexiko.
Bis zu jenem Tag, als ich unser Haus in der mexikanischen Hauptstadt verließ, um Freunde abzuholen, die nur wenige Kilometer entfernt wohnten. Am Ende dieses Tages war für mich „Mexiko“ der Inbegriff eines Gefühls totaler Isolation.
Ich steige am frühen Nachmittag dieses Tages in den Ford „Grand Marquise“, einen über fünf Meter langen, amerikanischen Straßenkreuzer, den wir uns für unseren einjährigen Mexikoaufenthalt gegönnt haben. Einmal Straßenkreuzer fahren!
Nach einem Knopfdruck auf die Fernbedienung öffnet sich das Rolltor der Garage und ich fahre rückwärts hinaus. Wir wohnen am Paseo de la Reforma, eine der größten Prachtstraßen der Stadt, die ich in südliche Richtung fahre. Nach einigen Kilometern passiere ich den höchsten Wolkenkratzer der Stadt und biege auf die Ringautobahn, den Periférico. Jetzt muss ich nur noch die richtige Abfahrt nehmen, dann bin ich da.
„Ach Mist!“, schimpfe ich, als ich bemerke, dass ich die Abfahrt verpasst habe, aber keine 200 Meter weiter kommt gleich noch eine Abfahrt – die nehme ich. So, und dann erstmal irgendwo anhalten, und auf den Stadtplan gucken. Der Stadtplan ist ein Buch etwa so dick, wie das Telefonbuch einer Kleinstadt. Seitenweise gibt es darin Stadtteile mit so vielen Straßen, dass ihre Namen nicht hineinpassen und daher einfach nicht eingetragen sind. Ich versuche, herauszufinden, wie die Straße heißt, in der ich mich befinde und hoffe, dass es sie nicht zu häufig gibt. Bis zu vierzig Mal vorkommende Straßennamen in einer Stadt, wie soll man da wissen, in welcher man gerade ist? Ich habe Glück, die Straße gibt es nur zweimal und anhand der Querstraßen finde ich mich schnell auf dem Stadtplan wieder. Und ich habe noch mehr Glück. Die Straße, in der unsere Freunde wohnen, befindet sich auf der gleichen Doppelseite des Planes, so dass ich nicht ständig blättern muss. Ich lege den Plan auf den Beifahrersitz, setze meine Sonnenbrille auf und zünde mir eine Zigarette an. Nach einem letzten prüfenden Blick auf die Karte fahre ich los.
Noch bin ich vergnügt, denn ich ahne nicht, dass ich gerade zu einem Horrortrip aufbreche. Mir ist nicht klar, dass ich durch Gegenden dieser Stadt fahren werde, in der nicht einmal Mexikaner gerne aussteigen und sich wahrscheinlich noch nie ein Europäer hat sehen lassen. Ich habe in diesem Moment noch keine Vorstellung davon, wie sich ein bewaffneter Raubüberfall anfühlt und welches die guten Cops in dieser Stadt sind.
Dass Mexikaner aus reiner Höflichkeit lieber eine falsche, als gar keine Wegauskunft geben, entzieht sich zu dieser Zeit ebenso meiner Kenntnis, wie die Tatsache, dass ich im Lieblingsauto mexikanischer Mafiabosse sitze.

Mexiko-Stadt, fast zehnmal so groß wie Berlin mit über 16 Millionen Einwohnern, hat mich an diesem Tag verschluckt. Nie zuvor war ich so isoliert und für Menschen, die mich kennen, unerreichbar, obwohl wir nur wenige Meilen Luftlinie voneinander entfernt waren. Und es war nichts anderes als Zufall, dass mich diese Stadt wieder ausgespuckt hat.


Eingetragen am: 13.11.2008 von libelle59
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20219

Das Meer vom Wind gepeitscht. Ich laufe an der Uferpromenade durch den kalten Regen. Ein merkwürdiges Wetter für April in Süditalien. Selbst im Schutz des Hafenbeckens werden die unzähligen Boote stark hin und her geschaukelt. Metallische Teile schlagen gegen die Maste. Es klingt wie die düstere Orgel einer im Wasser gebaute Kathedrale. Die Hitze des Sommers, das Schwitzen am Strand, das Geschrei der Kinder, Fußbälle die im Sand Landen, meine Mutter, die die frisch vom Fischerboot gekaufte Tintenfische direkt im Meereswasser säubert, das war alles gestern, auf einem anderen Planet.

Die Nostalgie hatte mich aus Deutschland hierher nach Süditalien getrieben, nicht zurück in meine Heimatstadt Neapel, sondern hierher, wo ich Arbeit fand, wo ich Unmengen an Kindheits- und Urlaubserinnerungen habe und wo ich glaubte, dass mir alles vertraut wäre. So landete ich im letzten Winkel Kampaniens, im Nationalpark von Cilento.

Zwei Jahre sind hier schon verstrichen. Mich kennt hier jeder, man nennt mich "die Deutsche". Mit mir macht man Geschäfte. Ich bringe die deutschen Touristen ins Dorf, kümmere mich um die Ferienwohnungen, die sie von Zuhause gebucht haben, bin für ihr Urlaubsglück zuständig, der stets von verstopften Toiletten und falsch funktionierenden Duschen betrübt ist. In diesem Dorf lebt man nach dem für Urlaubsorte typisch Ziehharmonikaprinzip: zweitausend Einwohner und Null Leben im Winter, sechzigtausend Einwohner Chaos und Lärm in Sommer. Mitten in den Falten dieser Ziehharmonika: ich. Ein Fremdkörper und trotzdem ein Wirtschaftsfaktor. Frauen beneiden mich: es gibt hier keine, die wie ich alleine von ihre Arbeit lebt: Bei einer Mama, in einer Familie lebt hier jede von ihnen. Männer wollen mit mir Geschäfte abwickeln, jeder besitzt hier ein Loch, das man in Sommer vermieten kann. Männer die mit mir Geschäfte machen wollen, hüten sich davor mich sexuell zu belästigen. Wer aber kein Loch zum Vermieten hat, interessiert sich schon für meins. Niemand kann ich hier vertrauen. Hinter jeder Einladung steckt immer eine Absicht. Sogar beim Essen im Restaurant. Oft will man mir keine Rechnung bezahlen lassen. Die soll ich in einer anderen Form bezahlen: im Bett oder indem ich den deutschen Touristen das Restaurant weiter empfehle. Wenn ich wollte könnte ich mit solchen Empfehlungen einen Haufen Extrakohle verdienen.
"Ausflug zu den Grotten? Gehen Sie zum Tonino er ist der beste"!
"Ihre Kinder wollen Reiten? Da ist doch der Raffaele"
"Sie brauchen einen Automechaniker, einen Friseur, einen Wanderführer? Keine Problem, kein Problem, kein Problem. Vincenzo ist für Sie da, Pasquale ist doch der beste in Dorf, Leonello der beste Wanderführer".

Kein Problem!

Nur ich habe ein Problem. Ich mache da nicht mit, ich empfehle nur wer es verdient und für die Leute in Dorf bin ich daher "die Deutsche", die Strenge, die Unnachgiebige. "Du bist ungerecht" hat mir Mariapia gesagt "Die Saison ist kurz und wir müssen in Winter alle von dem Leben, was wir in Sommer erwirtschaften, also braucht jeder eine Scheibe vom Kuchen". Ich bin hingegen der Meinung, dass man sich anstrengen soll und Qualität anbieten, um Gäste zu locken.

Das Meer vom Wind gepeitscht. Ich laufe an der Uferpromenade durch den kalten Regen. Ein merkwürdiges Wetter für April in Süditalien. Hinter der Uferpromenade bauschen sich Wellen auf, so riesig, dass das Meer höher erscheint wie der Hafen. Die Palmen gleichen Händen von Menschen beim Ertrinken, die verzweifelt Aufmerksamkeit erzielen wollen. "Hilft mir, hilft mir, hilft".

Ich laufe an der Uferpromenade, am gewühlten Meer entlang: der Zuhauseweg ist verloren.


Eingetragen am: 31.10.2008 von Alfred Stadlmann
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19801

Die Sonne brannte heiß vom Himmel an diesem Nachmittag, als ich mich dazu aufraffte den Gipfel eines wunderbaren Aussichtsberges zu erklimmen. Warum ich das Nachmittags machte, wird mir ein Rätsel bleiben. Auf eine Bergtour geht man, wenn der Tag die Nacht abgeschüttelt hat und der feine Tau des Morgens an den Gräsern hängt. Die Wälder aus Ihrem nächtlichen Schlaf erwachen und die ersten Strahlen der Sonne über die Berghänge gleiten. Aber ich hatte schon immer die Eigenart anders zu ticken als die Mehrheit auf Erden. Der Rucksack war gefühlt und ich beim Einstieg in die Waldlandschaft frohen Mutes und voller Tatendrang. Schon nach wenigen Kilometern machte sich die Hitze bemerkbar. Auch im sonst so kühlen Wald standen die Feuer der Sonne wie eine Wand. Mühsam erklomm ich einen Höhenmeter nach dem anderen. In immer kürzeren Abständen legte ich Trinkpausen ein. Die Waldzone lag hinter mir und durch ein mit Gesteinstrümmern durchzogenes Latschenfeld quälte ich mich den Berg hinan. Meine zwei Trinkflaschen waren schon leer und Wasser in diesen Höhen nicht mehr vorhanden. Die Sonne brannte unbarmherzig auf den Stein über den ich kletterte und als der Wanderweg in ein Hochtal mündete, wurde der Weg der zuvor klar vor mir lag immer unscheinbarer. Ich war schon dehydriert und ein wenig benommen als ich mich umsah. Keine Markierung, kein Weg mehr, Steine und braune Wiesen soweit das Auge reichte. Eine Pause würde mir guttun und ich mußte nachdenken. Ziellos in eine Richtung zu laufen, hatte keinen Sinn. Mein Händy dachte ich und sah enttäuscht, das ich keinen Empfang hatte. Ich war verzweifelt als ich aus dem Augenwinkel eine Gestalt auf mich zukommen sah. Eine kernige Sennerin, mittleren Alters mit einem karierten Kopftuch und zerfurchtem Gesicht, kam auf mich zu. Mit gütigem Blick und einer Ruhe in der Stimme fragte sie mich: "Host di verirrt?" Ich war froh das ich es einer so netten Dame gestehen konnte, das ich mich einfach überfordert hatte. Sie gab mir zu trinken und begleitete mich bis zu einer Weggabelung zurück, die ich einfach übersehen hatte. Vermutlich war ich in Gedanken oder sonstwo, und von da an ging es auf dem markierten Weg Richtung Gipfel. Er war nur mehr zehn Minuten entfernt und die Sonne hatte schon an Kraft verloren. Ich bedankte mich herzlich bei der guten Sennerin und auf dem Gipfel angekommen widmete ich Ihr meinen Gipfelsieg im Buch der Bücher, das an jedem Gipfelkreuz zu finden ist.


Eingetragen am: 24.10.2008 von Marinka
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19593

Ich war drei Jahre alt und fuhr mit meiner Familie in den Urlaub nach Korsika. Eigentlich sind wir immer mit dem eigenen Auto gefahren, ich weiß nicht warum, aber dieses mal kamen wir mit einem Bus. Ich war eingeschlafen, wachte verschwitzt und desorientiert in einem der Sitze auf – um mich herum der leere Bus. Kein Mensch, nur unzählige, riesige Sitze mit rotem Plüsch überzogen.
Ich stolperte den Gang hinunter in Richtung der Stimmen, die ich hörte. In meiner Brust war es eng, ich hatte Angst und mühte mich die hohen Stufen hinunter. Hier standen viele Erwachsene, doch ich konnte kein vertrautes Gesicht entdecken. Verloren stand ich vor dem Bus.
Ich spürte es in mir aufsteigen und aus mir heraussprudeln – ein jämmerlicher Schrei gefolgt von Tränen, ich lief durch all die Erwachsenen, sah mir jeden an, aber sie waren nur Fremde. Das Licht war so grell, mein Gesicht voller Tränen und Rotz verlor ich völlig die Orientierung und lief weg von den Menschen, hinüber zu einem Pflanzenrondell an dessen Rand ich mich auf einen Stein setzte. Gott sei Dank hatte ich meinen Hasen dabei, er konnte mich schon immer trösten.


Eingetragen am: 21.10.2008 von mac
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19509

Ich bin verloren. Orientierungslos, müde, verärgert. Und zunehmend verunsichert. Ich wollte lediglich zwei Schrauben besorgen. Jetzt hat mit der Riesenmegabaumarkt verschluckt und weigert sich hartnäckig, mich wieder auszuspucken.
Kilometerlang eine Regalreihe neben der anderen. Soweit das Auge reicht. Die Regale enden erst knapp unter der Decke und machen es unmöglich, sich in diesem Labyrinth Übersicht zu verschaffen.
Der Riesenbaumarkt ist menschenleer. Kollegen und -innen des freundlichen Verkäufers in Grüngelb, der am Eingang postiert war, suche ich vergeblich. Immer wieder komme ich an groß ausgeschilderten Infoständen vorbei. Auch sie sind verwaist.
Ich streiche durch die Gänge. Habe es längst aufgegeben, mich orientieren zu wollen.
Nach dem ersten Staunen ob der Vielfalt und Menge der angebotenen Waren werde ich unruhig. Ich will die Schrauben finden und dann nichts wie weg.
Ersteres gelingt mir. Es erscheint mir wie ein Lottogewinn, dass ich die richtige Abteilung, den richtigen Gang und sogar den richtigen Abschnitt finde.
Die Blisterpackung mit zehn Schrauben in der Linken fest umklammert, steche ich in die Richtung, in der ich den Ausgang vermute.
Ich bin durstig, die Luft ist dicht und schlecht. Die Millionen an gelagerten Waren scheinen den Sauerstoff zu absorbieren und im Gegenzug ihre flüchtigen Zusatzstoffe freizusetzen.
Gott sei Dank entdecke ich einen Wasserspender. Die Becher sind aus. Ich lasse das kühle Wasser in meine Handgrube laufen und trinke schluckweise.


Eingetragen am: 16.10.2008 von Lena Marie
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19360

Als Mike tödlich verunglückte, war ich erst 13. Unser Leben sollte nach Muttis Scheidung von Pa endlich wieder aufwärts gehen. Mike hatte uns in der schweren Zeit der Trennung sehr unterstützt. Er war, neben meiner Ma, die wichtigste Person in meinem Leben gewesen und ich kannte ihn, seit ich denken konnte. Er war alles für mich - ein besserer Vater, ein großer Bruder und der beste Freund, den ich hatte. Und jetzt, war er so plötzlich nicht mehr da. Nie mehr. Es schmerzte so grausam, dass ich nicht mehr leben wollte. Ich wollte nur, dass all das Leid aufhörte.
In der Schule war ich geistig nicht mehr anwesend. Niemand wusste jedoch, warum das so war, weil ich niemanden davon erzählen wollte. Ich hätte es auch gar nicht gekonnt, weil ich meine Gefühle dann hätte nicht mehr kontrollieren können. Mir wären die Tränen in Strömen geflossen und es hätte keinen Halt mehr gegeben. Jedenfalls gab es diesen Halt nicht, wenn ich es zu Hause zuließ, dass ich weinte. Daheim hatte Mutti so viel um die Ohren, dass ihr kaum Zeit dafür blieb, mich tröstend in die Arme zu nehmen. Ich musste mit dem Schmerz selber klar kommen.
Vier Jahre lang war ich einfach nur noch traurig. Das Leben hatte für mich keinen Wert. Warum war ich überhaupt auf der Welt? Warum lebte ich? Warum fühlte ich? Wo waren diejenigen, die nicht lebten? Ich dachte viel über diese Dinge nach.
Manchmal holte Ma mich aus dem Alltag und verreiste mit mir. Das war die Wiedergutmachung dafür, dass sie so selten Zeit hatte. Im Urlaub vergaß ich meinen Schmerz. Ich konnte mich freuen. Doch sobald wir wieder daheim waren, zog mich die Trauer wieder nach unten. Es gab Tage, da wusste ich nicht einmal, warum ich so traurig war. Mike war schon so lange nicht mehr in meinem Leben. Er verblasste in meiner Vorstellung immer mehr. Das machte mir Angst. Bald würde er nur noch eine entfernte Erinnerung sein, die am Anfang meines Lebens ein Teil von mir gewesen war. Und wenn ich irgendwann ganz alt sein würde, wäre diese Erinnerung so bedeutungslos, dass ich sie vielleicht sogar vergessen haben werde. Dieser Gedanke drückte mir aufs Herz. Mir fiel es schwer zu atmen. Ich hatte keine Lust zu atmen, aber dennoch atmete ich. Immer öfter stieg Wut in mir auf. Wut darüber, dass ich mich so einsam fühlte. Wut darüber, dass Ma keine Zeit hatte, wenn ich sie brauchte. Mike war, so weit ich mich erinnerte, immer für mich da gewesen. Worauf hätte ich mich im Leben denn jetzt noch freuen können? Die Freude, meine Kindheit, die schönste Zeit des Lebens war mit meinem Freund gestorben. Und sie würde, wie er, nie wieder kommen.


Kommentar von Lena Marie

Danke für dein Kommentar, callangrey! Das macht Mut!

Eingetragen am: 21.10.2008

Kommentar von callangrey

respekt! da würde ich gern weiterlesen!

Eingetragen am: 21.10.2008

Eingetragen am: 14.10.2008 von Maid Marian
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19288

Es gibt einen Moment in meinem Leben, da habe ich mich sehr verloren gefühlt.
Ich war vielleicht 4 Jahre alt und noch recht neu im Kindergarten.
Wie jeden Morgen brachte mich meine Mutter zur Eingangstür und fuhr dann weiter ins Straßenbauamt, wo sie halbtags arbeitete.
Den Weg zu meiner Gruppe kannte ich bereits wie im Schlaf. Einfach die Treppe runter und dem langen Gang folgen. Dann hinten rechts vor dem letzen Zimmer die Hausschuhe anziehen und reingehen. Ganz einfach. Irgendwie kam ich mir schon ziemlich erwachsen vor so ganz mit meinem Brotzeittäschchen in der Hand.

Anders als sonst war aber die Türe verschlossen und es waren auch keine anderen Kinder zu sehen. Also setzte ich mich erst mal auf die Bank vor der Türe und wartete. Im Korridor war es vollkommen still bis auf das Ticken der Wanduhr. Direkt unheimlich wenn man den Lärm der anderen Kinder gewohnt war die sonst durch die Gänge tollten. Irgendwie fühlte ich mich plötzlich gar nicht mehr erwachsen und mir war schon ein bisschen nach Heulen zumute.

In diesem Moment schlurfte der Hausmeister um die Ecke und fragte mich was ich denn hier machen würde, der Kindergarten sei doch heute geschlossen und alle Kinder zu Hause.
Irgendwie habe ich ihm wohl zu verstehen gegeben, dass ich zu meiner Mutter ins Straßenbauamt gehen würde. Es ist mir bis heute unverständlich wieso er mich als kleines Kind allein davongehen lies.
Heutzutage müssen Kinder von vorher registrierten Personen eigenhändig abgegeben und wieder abgeholt werden. Und man würde ganz sicher kein Kind allein aus dem Kindergarten schicken.

So ungefähr wusste ich den Weg vom Kindergarten zum Straßenbauamt und so machte ich mich auf den Weg dorthin. An der Pforte sagte ich dann nur: „ Ich will zu meiner Mami“. Ob ich heulte oder nicht kann ich nicht mehr so genau sagen, auf jeden Fall war es ein ziemlich schlimmes Gefühl so früh ganz auf sich allein gestellt zu sein. Meine Mutter kam dann aber relativ schnell zur Pforte und holte mich dort ab.
Die Erleichterung bei uns beiden war natürlich groß, dass die Sache so gut ausgegangen war.

Besser nicht ausdenken was alles passieren hätte können.


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