Schreiben Sie mit!
Mustertext von Kapitel 1 mit Übungsaufgabe
1. Woche
Vor einigen Jahren saß ich mit einem befreundeten Autor in einem Café. Er schrieb Sketche und arbeitete gerade an seiner ersten abendfüllenden Produktion fürs Fernsehen. Ich war Teilzeitsekretärin, die bisher einige Buchkritiken veröffentlicht, ein Hörspiel an BBC Radio verkauft hatte und gerade am ersten Roman arbeitete. Wir beide lebten in billigen Mietwohnungen, verdienten unser Geld hier und da und waren voll Hoffnung und Ehrgeiz, was unsere berufliche Zukunft betraf.
Mein Freund kam von einem Vortrag für Studienanwärter, und jemand hatte ihn gefragt, warum er Schriftsteller geworden war. »Weißt du was?«, sagte er, während er in seinem Cappuccino rührte. »Ich habe ihnen zwar irgendwas von der Freude an Sprache und dem kreativen Prozess erzählt, aber eigentlich bin ich Schriftsteller geworden, damit ich nach London ziehen, in Cafés sitzen und mich mit anderen Schriftstellern über das Schreiben unterhalten kann.«
Ich wusste genau, was er meinte. Für Menschen, die, wie wir beide, aus völlig nicht-literarischen Familien stammten, ist das Schriftstellerleben etwas Wundervolles, und zwar mit all den oberflächlichen Dingen, die wir eigentlich verachten sollten: das Cafégeplauder, die Neuerscheinungen, das Durchblättern der Literaturseiten inklusive der leicht schuldbewussten Befriedigung, wenn ein befreundeter Autor eine schlechte Kritik erhält. Vergessen Sie einen Moment lang die Einsamkeit und die Angst, die Paranoia und die finanzielle Unsicherheit, denn das Leben eines Schriftstellers macht Riesenspaß.
Die Sache hat bloß einen Haken. Man muss schreiben. Das ist etwas, was Anfänger manchmal nicht zu begreifen scheinen. Wie viele andere Romanautoren halte auch ich oft Reden auf Festivals oder gebe Schreibkurse, und die Standardfrage gleich am Anfang lautet immer: »Wie haben Sie es geschafft, einen Roman zu veröffentlichen?« Die Frage ist natürlich gut und berechtigt, aber manchmal habe ich das dumpfe Gefühl, dass die Motivation dahinter ein wenig suspekt ist. Was war der Trick?, heißt die eigentliche Frage. Verrat ihn mir, denn dann wird mein Buch auch veröffentlicht. Natürlich klingt es ziemlich arrogant, wenn ich sagen würde, mein Buch wurde veröffentlicht, weil es gut war, aber es wäre ehrlich und könnte angehende Autoren vielleicht von dem Irrtum befreien, die Veröffentlichung sei ein Mysterium oder man brauche entsprechende Beziehungen. Davon hatte ich nämlich keine einzige, nicht einmal, nachdem ich meinen Abschluss auf der University of East Anglia gemacht hatte, deren Schreiblehrgang allgemein (und irrtümlich) als Eintrittskarte in den Club der veröffentlichten Dichter gilt. Ich fand einen Agenten, weil ich bei einem Kurzgeschichtenwettbewerb den zweiten Platz belegt hatte. Ich habe einen Verlag gefunden, weil ich irgendwann ein Buch geschrieben habe, das gut genug war, um von meinem Agenten verkauft zu werden.
Wenn Sie ein angehender Romanautor sind, finden Sie es vielleicht verblüffend, dass so viele schlechte Bücher veröffentlicht werden, aber das ändert absolut nichts daran, dass Sie erst ein gutes Buch schreiben müssen, wenn Sie es in den Buchhandlungen sehen wollen.
Nur wenige Menschen schaffen es gleich beim ersten Versuch, einen guten Roman zu schreiben. Ich auch nicht. Mein erster veröffentlichter Roman war der dritte, den ich geschrieben hatte, von den zahllosen Fehlstarts, die oftmals Tausende von Wörtern lang waren und an denen ich monatelang gearbeitet hatte, ganz zu schweigen. Wenn auch Sie schon viel angefangen und nicht beendet haben, dann lassen Sie sich davon nicht entmutigen; sehen Sie es als notwendigen Bestandteil des Lernprozesses an. Ich muss immer lachen, wenn ich in einer Biografie über Herr oder Frau Verstorbene Literarische Berühmtheit lese, »Hätte er/sie doch nur diese ersten Manuskripte nicht weggeworfen – was für Schätze mögen darin verborgen gewesen sein!«. Unsinn. Herr oder Frau Verstorbene Literarische Berühmtheit hat das frühe Zeug in den Müll gesteckt, weil es Müll war!
Das, was dabei herauskommt, wenn Sie sich mit den Kapiteln dieses Buchs beschäftigen, könnte durchaus ein Fehlstart werden – nämlich dann, wenn Sie keine gute Idee für ein Buch haben. Denn die kann weder ich noch sonst irgendjemand Ihnen in den Kopf pflanzen. Wenn Sie diese Übungen machen, werden Sie am Ende keinen fertigen Roman und wahrscheinlich noch nicht einmal einen Erstentwurf haben. Aber sicher werden Sie Rohmaterial haben, aus dem eines Tages vielleicht ein Buch wird, wenn Sie es formen und bearbeiten.
Wie lange braucht man, um einen Roman zu schreiben? Das kommt darauf an. Mein erster Roman, Crazy Paving, entstand in achtzehn Monaten, während ich nebenbei als Sekretärin arbeitete. Eigentlich ist das ziemlich schnell, aber ich war damals jung, ohne Bindung und hatte keine häuslichen Verpflichtungen. Als ich meinen zweiten Roman begann, war ich Theaterkritikerin für eine Sonntagszeitung, was bedeutete, dass ich den ganzen Tag schreiben konnte, bis ich – wie eine Eule – abends das Haus verließ, um ins Theater zu gehen. Das war großartig. Dance with me war in sieben Monaten fertig. Mein drittes Buch wurde anhand eines einseitigen Exposés verkauft, als ich mit meinem ersten Kind schwanger war. Ich versprach meinem Verleger, das Buch würde vor dem Kind erscheinen, aber das war eine glatte Lüge. Das Baby kam, als ich beim ersten Kapitel war. Mein Partner arbeitete Vollzeit, und wir hatten keine Betreuung für das Kind. Trotzdem musste ich das Buch fertigstellen, zumal wir uns mit dem Vorschuss eine Wohnung gekauft hatten. Honey-Dew entstand in acht Monaten, der Preis war die totale Erschöpfung. Das ist übrigens der Grund, warum dieses Buch mein kürzestes ist.
Und dann das vierte, Fires in the Dark, das für mich einen echten Richtungswechsel bedeutete. Meine ersten drei Bücher spielten in der heutigen Zeit und waren bevölkert mit weiblichen Charakteren, die ungefähr in meinem Alter waren. Was darin geschah, war nicht einmal entfernt autobiografisch – Honey-Dew handelt von einem Mädchen, das seine Eltern umbringt -, aber ich muss zugeben, dass in Bezug auf Umfeld und Sprache vieles auf meiner eigenen Erfahrung beruhte. Fires in the Dark dagegen spielt in Mitteleuropa über einen Zeitraum von dreißig Jahren im zwanzigsten Jahrhundert. Hauptfigur ist ein Junge vom Stamm der Kalderasch-Roma. In Böhmen geboren, wächst er während der Großen Depression und dem Aufstieg der Nazis auf, kommt in ein Lager und flieht, um am Prager Aufstand im Mai 1945 teilzunehmen. Der Roman war dreimal so lang wie Honey-Dew und entstand in viereinhalb Jahren. Das nächste Buch, Die Wiege aus Stein, war ebenfalls ein langer, historischer Roman, kostete mich jedoch nur ein Viertel der Zeit, weil ich inzwischen wusste, dass man nicht alles über eine bestimmte Zeit wissen muss, wenn man einen historischen Roman verfassen will.
Mit anderen Worten: Ihr Buch wird so lange dauern, wie Sie brauchen. Aber ich werde mich etwas weiter aus dem Fenster lehnen und behaupten, dass Sie, wenn Sie noch nie ein Buch geschrieben haben, es aber ernst meinen und mit den üblichen Belastungen wie Arbeit oder Familie oder – Gott bewahre – beidem gesegnet sind, von Anfang bis Ende gute drei Jahre brauchen werden. Dieses Buch kann Sie durch das erste Jahr bringen, in dem Sie Material sammeln, sich Notizen machen, erste Pläne entwerfen und erste Szenen schreiben. Im zweiten Jahr werden Sie verzweifeln, das Ding weglegen, es wieder hervorholen, sicher sein, dass Sie Ihre Zeit damit vergeuden und feststellen, dass Sie trotzdem weitermachen möchten. Im dritten Jahr dann wird die eigentliche Schreibarbeit beginnen.
Sie wollen immer noch? Gut. Wir fangen gleich an.
Aber vorher möchte ich Ihnen noch sagen, was dieses Buch nicht kann. Es kann Ihnen – abgesehen von wenigen generellen Hinweisen am Ende - keinen Tipp geben, wie man es schafft, einen Verlag zu finden, der Ihren Roman herausbringt. Als ich meine Zeitungskolumne »Ein Roman in einem Jahr« schrieb, sagte ich mir, dass jeder Brief, der mich nach Agenten oder Verlagen fragen würde, in einer feierlichen Zeremonie in meinem Garten verbrannt werden würde. Das mag etwas grausam klingen, aber ich stehe dazu. Jeder angehende Autor darf sich höchstens ein Prozent seiner Zeit mit der Frage beschäftigen, wie er an eine Agentur oder Verlag kommt; die restlichen neunundneunzig Prozent sollte man nutzen, um sich darauf zu konzentrieren, einen spannenden Plot zu entwickeln, überzeugende Charaktere zu erschaffen und klare, schöne Prosa zu schreiben. Zu viele Anfängerautoren machen das mit dem einen und den neunundneunzig anderen Prozent genau umgekehrt. Das Buch zu veröffentlichen, mag unmöglich erscheinen und ist es manchmal auch, aber wenn Sie noch kein gutes Buch geschrieben haben, dann sollte dies, ehrlich gesagt, Ihr allerletztes Problem sein. Das Einzige, was Sie im Augenblick im Kopf haben sollten, ist das Schreiben selbst. Schreiben Sie Ihr Buch, schreiben Sie es gut und schreiben Sie es noch einmal um, damit es noch besser wird.
Ich vermute, dass an dieser Stelle ein oder zwei von Ihnen verächtlich schnauben werden, vor allem dann, wenn Sie bereits ein noch unveröffentlichtes Buch geschrieben haben oder Stammgast in Schreibseminaren sind. Spannender Plot? Überzeugende Charaktere? Klare Prosa? Pah. Das ist doch was für Anfänger.
Ich habe früher öfter solche Abendschreibkurse geleitet. Meine am wenigsten talentiertesten Schüler waren stets die, die schon herablassend grinsend ankamen und davon überzeugt waren, dass es nur einer großangelegten Verschwörung, zu der natürlich auch ich gehörte, zuzuschreiben war, dass sie noch nichts veröffentlicht hatten. Einerseits wollten sie den Saum meines Umhangs berühren, als sei die Veröffentlichung ein übertragbares Virus, das überspringen würde, wenn man sich nur hartnäckig und lang genug an mich klammerte. Andererseits waren sie sich sicher, dass sie nichts mehr zu lernen hatten und verachteten sich selbst und die anderen Teilnehmer, weil sie hier saßen. Und hier kommt die Erkenntnis dieser Woche: Wir alle haben etwas zu lernen. Sogar Ian McEwan oder Margaret Atwood oder Toni Morrison haben noch etwas zu lernen, und sie sind deshalb so wunderbare Schriftsteller, weil sie das genau wissen – und an jedem Buch verdammt hart arbeiten.
Talent kann man nicht lernen, und wenn Sie dieses Buch gelesen haben, werden Sie nicht mehr oder weniger talentiert sein als zuvor. Aber man kann sich das Handwerk aneignen, und beim Schreiben von Romanen gibt es mehr Techniken und Methoden zu erlernen, als die meisten Romanautoren zugeben würden. Nehmen wir zum Beispiel Plot und Struktur, eines meiner Lieblingsthemen: »Jede Geschichte hat einen Anfang, eine Mitte und ein Ende«, sagt Jean-Luc Godard, »nur nicht zwingend in dieser Reihenfolge.« Das ist hübsch, aber nicht wahr. Selbst Bücher, die scheinbar vollkommen kunstlos und handlungsfrei sind, haben eine gewisse Struktur, und sei es dadurch, dass es sich um Romane handelt, denn hätten sie keine Struktur, wären es nur aufgezeichnete Gedanken. »Jedes Mal, wenn ich einen Roman anfange«, sagte die überaus versierte Susan Hill, »erhebt er sich vor mir wie ein Berg, und ich sage mir, >Oh, nein, diesmal bist du zu weit gegangen.<« Wenn man sich einmal in Ruhe überlegt, an welche Größenordnung man sich heranwagt, wenn man ein Buch von, sagen wir, achtzigtausend Wörtern schreibt, dann erscheint und dies als einschüchternde und nicht zu bewältigende Aufgabe. Um sie weniger abschreckend zu machen, muss man sie in ihre Bestandteile zerlegen und diese nacheinander angehen. In den folgenden Kapiteln biete ich Ihnen verschiedene Aspekte der Techniken in nicht zu großen Portionen an. Natürlich überschneiden sich viele Themen, eine Dialogübung kann Sie durchaus direkt zu einem beschreibenden Abschnitt führen, aber daran ist nichts verkehrt. In dieser Phase muss Ihre Arbeit nicht perfekt geordnet sein, es wäre sogar reichlich merkwürdig, wenn es so wäre. Die Hauptsache ist, dass Sie so viel schreiben wie möglich. Das Chaos lässt sich später immer noch bereinigen.
»Die Kunst des Schreibens«, meint Kingsley Amis, »ist die Kunst, den eigenen Hosenboden auf den eigenen Stuhl zu setzen.« Also fangen Sie an. Nehmen Sie sich Stift und Papier ...
Übung 1
... und schreiben Sie einen Satz, der mit folgenden Worten beginnt:
»Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir ...«
Sie können natürlich auch mehr schreiben, aber wenn Ihnen nur ein Satz dazu einfällt, dann ist das auch in Ordnung.
Wenn Sie darüber nachdenken, wie Sie diesen Einstiegssatz beenden, kann es sein, dass Ihnen einer, dann ein anderer und dann noch weitere in den Sinn kommen. Wenn nicht, ist das nicht weiter schlimm. Natürlich kann es auch sein, dass Ihnen plötzlich ein ganz eigener Anfangssatz einfällt, oder nicht, was auch vollkommen in Ordnung ist. Vervollständigen Sie einfach nur den, den ich begonnen habe, wenn Sie zu mehr im Augenblick keine Lust oder Muße haben.
Möglich, dass Sie schon während dieser Übung die kleine spöttische Stimme im Kopf hören, die Ihnen sagt, dass Sie niemals einen Roman schreiben werden. Oder eine, die behauptet, dies hier sei blöd, weil zu einfach. Beide Sätze sind gleichermaßen destruktiv und Sie sollten sie ignorieren. Jeder muss irgendwo anfangen. Laurence Sterne, Emily Brontë und Nadine Gordimer haben auch einmal irgendwo angefangen. Jeder Roman in der Geschichte der Literatur beginnt mit einem Satz, also beginnen Sie jetzt.
Leserbeiträge
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Am Tag nach meinem 8. Geburtstag sagte mein Vater zu mir nichts, woran ich mich heute noch erinnern könnte.
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An meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir, dass ich schön sei. Wir saßen an dem zerkratzten, alten Küchentisch. Das Fenster war geöffnet und das rote Licht der aufgehenden Sonne, begleitet von sanftem Gezwitscher erwachender Vögel stahl sich herein. Ich sog tief die frische Morgenluft ein und beobachtete wie das Licht seine weißen Harre leuchten ließ. Auf seine Lippen stahl sich ein väterliches fast trauriges Lächeln und seine sonnengegerbte Haut zog tiefe Falten."Du bist ein wunderschönes Mädchen, deine Ma wäre sicher stolz auf dich" der kratzige Unterton in seiner Stimme ließ mich aufhorchen, schon lange hatte ich ihn nicht mehr auf diese Weise sprechen hören, das letzte mal in den Tagen nach Mas Tod und mein Magen zog sich zusammen.
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Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir etwas, an das ich noch viele Jahre danach denken sollte. Er führte mich hinunter in den Keller unseres Hauses, welchen er immer sorgsam verschlossen hielt. Dort schaltete er das fahle Licht an. Die kleine Glühbirne warf diffuse Schatten zwischen die Einmachgläser in den Regalen. Mein Vater bückte sich langsam, öffnete eine alte Weinkiste welche auf dem Boden stand, und holte ein Leinenbündel hervor. Während er sich langsam zu mir umdrehte entstaubte er den Stoff durch leichtes Klopfen. Mit einer merkwürdige Resignation in den Augen schaute er mich an und sein Mund verzog sich zu einem traurigen Lächeln. Ich erschauderte. Mir war kalt, und mein Körper fühlte sich fremd an, so als würde er meinen Befehlen nicht mehr gehorchen.
Es war wie in den Träumen, in denen man vor einem Monster weglaufen mußte, jedoch nicht von der Stelle kam.
Die Hände meines Vaters fuhren nun fast zärtlich über das graue Bündel und er sagte...
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Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir, dass er nicht mein Vater sei. Daran kann ich mich noch erinnern. Man hat mir erzählt, dass meine Mutter dann dazu gekommen sei und dass wir darüber geredet hätten. Und dass ich danach nicht mehr auf seinen Schoß gewollt habe. Monatelang. Das weiß ich nicht. Nichts davon.
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Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir, dass er ab sofort nicht mehr mit meiner Mutter und mir zusammen leben würde, dies aber nichts mit mir zu tun hätte, er mich, seine Prinzessin, immer lieben werde und überreichte mir als Trost für den Verlust einen kleinen Hund. Obwohl ich mir schon seit meinem vierten Lebensjahr sehnlichst einen Hund wünschte, hasste ich dieses niedliche Wollknäuel aus tiefster Seele, dass mir mein Vater entgegenstreckte.
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Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir liebevoll, dass er stolz sei auf mich und nahm mich in seine starken Arme .
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Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir, dass ich, egal wie oft der Sand in dem Stundenglas nach unten rieseln würde, niemals älter wäre als ich mich fühlte und fühlen wollte.
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Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir, dass ich nun keine Stützräder mehr bräuchte. Wir gingen hinaus, mein Herz pochte vor Aufregung. Ich setzte mich auf mein neues Fahrrad und mein Vater hielt mich am Gepäckträger aufrecht. Dann fuhr ich los und er lief mit. In dem sicheren Gefühl, gehalten zu werden,wurde ich immer schneller und war ziemlich beeindruckt von meinem Vater, der doch so schnell laufen konnte. Auf einmal hörte ich seine Stimme aus der Ferne rufen : "Siehst du! Du kannst es doch!"
Seufzend schob ich die Erinnerung zur Seite und sah mich im Raum um. Überall standen Kisten, die ausgepackt werden wollten.
Nun sass ich hier, in der neuen Wohnung, in einer fremden Stadt und hatte alles hinter mir gelassen.
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Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir:
"Ich weiß, dass ist schwer für dich." Ich saß an meinem Schreibtisch und zeichnete mit den Farben, die ich zu meinem Geburtstag bekommen hatte. "Aber es würde mir sehr viel helfen, wenn du endlich wieder mit mir reden würdest. Es würde uns beiden helfen!" Ich presste meine Lippen zusammen, sah ihn nicht an. Entschlossen griff ich nach meinem schwarzen Wachsstift und drückte energisch auf das Papier ein. Ich zeichnete weite dunkle Kreise.
Mir fiel einfach nichts anderes ein.
Es raschelte an meiner Seite, mein Vater erhob sich. Ich sah ihn noch immer nicht an. Ich spürte nur, wie er hinter mich trat. Er blickte wohl aus dem Fenster, hoch in den Himmel, dahin, wo Mami nun war.
Tränen stiegen mir in die Augen, ohne dass ich es verhindern konnte.
Mami war von uns gegangen, und mein Vater sagte, sie würde nun im Himmel sein und auf mich aufpassen.
Aber ich glaubte ihm nicht.
Ich glaubte niemanden...
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Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir ...
Mama und ich haben uns entschlossen an einen anderen Ort zu ziehen. An einen Ort wo alles ganz anders sein wird. Schöner als du es dir jemals vorstellen kannst.
Mit meinen kindlichen acht Jahren war mir nicht wirklich klar welche Trageweite diese Worte für meine Zukunft bedeuten sollten.Ich wusste nur, dass es nichts schöneres gab
als mit Josefine im Garten herumzutollen, leckere Kuchen von Tante Ernestine zu essen und auf meiner Lieblingsschaukel in hohe Lüfte hinaufzugleiten und meinen Träumen nachzuhängen.
Ich habe es schön dachte ich mir und rannte mit Zornesröte im Gesicht davon.
"Ich will nicht an einen Ort der ganz anders und schöner ist, ich will hier bleiben," schreie ich und werfe mich schluchzend in die weiche wohlriechende Blumenwiese hinter unserem Haus.
Ich erinnere mich daran als wäre es gerade eben erst geschehen. Trotz meines Wiederstandes zogen wir um und es sollte nicht das letzte Mal sein. Mein Vater war Top-Manager einer weltweit etablierten Firma und war somit gezwungen in regelmässigen Abständen seinen Wohnsitz zu wechseln.
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Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir, dass nun der Ernst des Lebens beginne. Ein Satz, den ich in den folgenden Jahren noch oft zu hören kriegen sollte.
Das kann ich nachvollziehen, meine Oma hat das gesagt, als ich in die Schule kam. Zu meinem 7. Geburtstag habe ich dann ein Buch geschenkt bekommen, das hieß "Der Ernst des Lebens". Ich habe es gehasst weil ich ganz anderer Ansicht war. Ich fand Schule toll!
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Am Tag nach meinen achten Geburtstag sagte mein Vater mir, das er es wohl doch nicht schaffen würde zu meinem Fußballspiel kommen könne. Sein Chef habe ihn wiedermal mit einem wichtigen Projekt vertraut, das keinen Aufschub dulde.
"Ich verspreche dir das ich bei deinem nächsten Spiel sicher dabei sein werde" Ein Satz den ich zu dieser Zeit immer dann hörte, wenn es wichtiges Ereignis für mich ins Haus stand.
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Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir, dass er nicht mein Vater sei. Ich sei nun alt genug, das zu erfahren. Wie ich mit dem neuen Wissen umgehen sollte, sagte er mir nicht. Es war kein Schock, das sicher nicht. Ich hatte es gespürt. Vielleicht nahm ja damals alles seinen Anfang.
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dass er nicht mit nach Berlin kommen könne. Er wirkte verstimmt, aber ich machte mir keine Gedanken. Er hatte schon öfter Familienausflüge kurzfristig abgesagt. Ich wußte, wie sehr sich meine Mutter auf dieses Treffen mit ihrer langjährigen Brieffreundin in Berlin freute. Ich kannte sie noch gar nicht persönlich, da sie in Westdeutschland lebte, ich hingegen im Osten. Sie schickte manchmal Pakete mit Klamotten zu uns, dank derer ich genau so modisch gekleidet rumlaufen konnte wie meine beste Freundin. Das Treffen war sehr schön und erst Jahre später erfuhr ich, dass mein Vater damals auf den Mann der Brieffreundin zum Bespitzeln angesetzt werden sollte. Darüber war er so wütend und enttäuscht, dass er sich auch meiner Mutter gegenüber erst Monate später offenbarte...
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Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir, dass ich, wenn ich so weitermache, an einer Strassenecke als Hure enden würde. Und damit dies nicht passiere, ich endlich lernen und meine Zukunft ernst nehmen solle.
Ich nahm von diesen Sätzen - wie immer - Abstand, da mein Vater eine von Autorität und Selbstzweifel geprägte Person war und ich nie so leben wollte wie er.
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13505
Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir: "Nein, ich helfe dir nicht bei diesem Aufsatz. Deine Hausaufgaben machst du selbst. Du kannst mich nach Zusammenhängen fragen, aber mehr nicht. DU gehst in die Schule, es ist DEIN Leben und DU brauchst diese Ausbildung für DEIN Leben. Und nun setz dich auf deinen Hintern und lerne für DICH! Nicht für deinen Lehrer, nicht für gute Zensuren, nicht für Mutti, nicht für mich, sondern für DICH, für DEINE Zukunft!" Es traf mich wie ein Blitz. Der Donnerschlag hatte seine Wirkung nicht verfehlt. Ich lernte und noch heute, nach vierzig Jahren, lerne ich...für mich.
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Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir, dass er mich lieb habe. Er umarmte mich dabei so herzlich wie er es immer tat, wenn er ein schlechtes Gewissen hatte.
Eigentlich berührte mich seine verkaterte Rührseligkeit schon lange nicht mehr, aber diese Umarmung habe ich nie vergessen. Noch heute werde ich traurig, wenn ich mir die Frage stelle, ob er mich tatsächlich liebte … in diesem Moment wenigstens.
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13434
Am Tag nach meinem 8. Geburtstag sagte mein Vater mir,
ja was eigentlich wollte ich, dass er mir an diesem Tag sagen würde? Schon seit den frühen Morgenstunden wälze ich mich, wach, aber nicht ausgeruht in meinem mit Fellen und Daunen weich gepolsterten Himmelbett, und obwohl im Kamin noch der Rest eines verkohlten Holzscheites von gestern Nacht glimmt, ist es angenehm kühl im Zimmer. Unten in der Küche höre ich schon fröhliches Kaffeetassengeklapper und der Duft von frisch gebackenem Brot kitzelt angenehm meine Nase. Trotzdem kann ich mich nicht dazu aufraffen, meine Beine aus dem Bett zu schwingen, sondern ziehe mir die Bettdecke weit über die Ohren und grübele weiter vor mir hin. Eine herausstehende kleine weiche Feder lenkt mich dabei ab, kitzelt mich an der Nase und reizt mich schließlich zu einem heftigen Niesen. Klick klack, klick klack tickt die Wanduhr laut und gleich wird der geschmiedete schwarze Zeiger auf die 5 springen und unmittelbar darauf meine wunderschöne und immer nach zarten Frühlingsblumen duftende Stiefmutter ins Zimmer schweben, und mich, mit einem sanft auf die Stirn gehauchten Kuss zu wecken. Im Gegensatz zu meinem unnahbaren Vater, den ich nie vor Sonnenuntergang zu Gesicht bekomme, kommt sie schon lange vor dem Sonnenaufgang aus dem Wald, wo sie jeden Tag ein Bad im klaren Quellwasser zu nehmen pflegt, um anschließend ihr tiefschwarzes dichtes langes Haar zu bürsten, bis es glänzt wie eine schimmernde Pracht. Oft höre ich ihren leisen Gesang, und obwohl ich die Texte nicht verstehen kann, kommen sie mir fremdartig, doch wunderschön vor. Die Geräusche der Nacht halten dann inne, um ihrer lieblichen Stimme zu lauschen und ich stelle mir dann vor, dass sie für die Blumen singt, die um sie herumtanzen und ihr Parfüm auf sie versprühen für den Mond, der ihre milchweiße Haut anbetet und die Sterne, welche ihre glitzernden tiefgrünen Augen zum Strahlen bringen.
Heute Abend also werde ich all meinen Mut zusammennehmen, mich meinem, dunklen Vater tapfer in den Weg stellen, um endlich auf eine Antwort zu drängen. Allein der Gedanke daran, lässt mein Herz um vieles schneller schlagen und kleine Schweißtropfen bilden sich auf meiner Stirn. 1000 Gedanken wirbeln durch meinen Kopf, wie trockenes Laub in einem Herbststurm, aber sie wollen sich zu keinem sinnvollen Ganzen zusammen fügen. Noch zu verwirrt bin ich über die Entdeckung des Geheimnisses meiner wahren Herkunft, und vieles kann ich in meinen jungen Jahren noch nicht begreifen. Nicht, dass ich direkt Angst vor meinem Vater hätte – nie hätte er mich wie körperlich gezüchtigt, aber ein einziger eisiger Blick von ihm genügt, um mir fast körperliche Schmerzen zuzufügen und seine kühle Zurückhaltung schmerzt mehr, als hätte er mich hart geschlagen. Obwohl er gut für uns sorgt und ich nie Mangel an guter Nahrung, Büchern, Erziehung hatte seit ich bewusst denken kann und Mutter von einer zärtlichen Liebe zu ihm erfüllt ist, scheint er sich für mich gar nicht zu interessieren, ja mir kommt es fast vor, als verdränge er, dass es mich überhaupt gibt.
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13432
... ich würde einen Hund bekommen, wenn ich zwölf bin; einen Hund, den ich nie bekam, dafür aber meine jüngere Schwester.
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13393
Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir nichts. So wie er nie mit mir sprach und ich mich aufzulösen begann.
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