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Kapitel 13 mit Übungsaufgabe
Leserbeiträge
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„Unsere Luft wird knapp, das könnte das letzte mal sein, das wir Glück haben!“ sagte Hermann Panik lag in seiner Stimme. „Die Dunkelheit und Kälte bringt uns noch, vor dem Hunger und Durst um.“sagte Heinrich. „Wie lange sie wohl nach uns suchen?“sagte Paul. „Sie lassen uns nicht im Stich, überlegt doch mal, wir alle haben Frau und Kinder, und manchmal waren unsere Väter mehr als Zwei Wochen hier unten gefangen. Die brauchen uns da oben die geben uns nicht auf, glaubt mir, ich habe eben wieder etwas gehört, die suchen uns, glaube es mir, wir werden überleben!““Ich möchte Dir so gerne glauben, Hermann aber viel Hoffnung habe ich nicht mehr. Wir werden immer schwächer, lange halten wir das nicht mehr aus!“sagte Dieter. „Seit mal leise, ich höre wieder was, die suchen uns, jetzt hab ich es ganz genau gehört, ich weis das ich es mir nicht einbilde, da war was!“sagte Hermann. „Jetzt hör ich es auch, die haben uns nicht aufgegeben, ich werde mein Weib wiedersehen, meine Kinder, was müssen die sich sorgen machen!“sagte Paul. „Jetzt da wir wieder Hoffnung haben spüre ich die Kälte gar nicht mehr so, auch finde ich das Dunkel nicht mehr so bedrohlich, es ist noch nichts verloren, am Sonntag kann ich mit meiner Lissy an der Ruhr spazieren gehen nach dem Kirchgang, die Sonne wird scheinen und ich werde Ihre Hand halten und einfach Glücklich sein.“sagte Dieter. „Wie lange sind wir schon hier, die Zeit steht still hier unten, aber jede Sekunde zählt hier unten anders als über der Erde.“sagt Hermann. „Wenn ich hier lebend rauskomme kriegen mich keine zehn Pferde mehr unter Tage, ich gehe weg von hier, irgendwo finde ich eine andere Arbeit, auf dem Feld, oder egal wie schlecht die Zeiten sind, ich kann hier nicht mehr bleiben. Überall sprießen Fabriken aus der Erde, die werden doch bestimmt einen fleißigen Bergmann brauchen!“ sagt Dieter. Verzweifelt lässt er seinen Kopf auf die Knie sinken, er sitzt mit dem Rücken an der Wand des Stollens, Tränen fließen über seine Wangen,er zittert vor Kälte. Seine Zwei Kumpel, sitzen eng aneinandergekauert ihm gegenüber, sie sind die drei letzten, die noch leben, eine Explosion hat den Stollen einstürzen lassen. Auf der anderen Seite sind die Kumpels, schon weit vorgedrungen, nur noch wenige Meter trennen sie von Ihren Freunden, aber das frei räumen ist nicht ungefährlich, wie oft ist früher der Stollen eingestürzt, mit den Hacken und Schaufeln ist es sehr beschwerlich.“Wir müssen weitermachen, die Kumpels leben noch, ich hab was gehört, eben hat etwas geklopft, egal wie erschöpft wir sind, lasst uns weiter machen!“
Am besten gefiel mir - der Kommentar von m.petersen. Entschuldige. Dass man erst nach und nach erfährt, wo und warum die Männer eingeschlossen sind, finde ich gut. Sie sprechen mir zum Teil zu analytisch. Wenn die letzte Grubenlampe verlischt und es plötzlich stockfinster ist, spürt auch der Leser, dass es unbehaglich wird, oder wenn ein halb verschütteter Kumpel heiser nach Wasser ruft. Du könntest noch ein wenig mehr Bergmannssprache einflechten, wie z.B. die Schlagwetterexplosion, und zur zeitlichen Einordnung die Art der Ausrüstung beschreiben. Beispielsweise gab es eine Zeitlang Kanarienvögel als Warner vor sich ausbreitenden Gasen und im 19. Jahrhundert wurde "offenes Geleucht" verboten und Sicherheitslampen eingeführt, die das Gas nicht mehr entzünden konnten. Früher gab es Grubenponys. Die Beschreibung des Geschehens unter Tage gibt keine Hinweise für die zeitliche Einordnung. Die Formulierungen Weib und Kirchspiel sind mir als historisierende Elemente zu wenig.
"Das gefällt mir gar nicht." sagte der Teufel. "Warum denn nicht?" fragte der Engel. "Weiß nicht genau." sagte der Teufel. "Bauchgefühl?" fragte der Engel. "Nein, eher blutende Augen. Zu viele sagten irgendetwas, es klingt wie eine Aufzählung von Gedanken, aber nicht wie Panik." sagte der Teufel. "Das war´s schon?" fragte der Engel. "Nicht ganz. Es fehlt an Rechtschreibung, Interpunktion und Satzbau, und an einer Idee. Naja, gefällt mir eben nicht." sagte der Teufel. "Hm, ist Deine Meinung, die Gedanken sind frei." sagte der Engel und verschwand mit einem plopp.
Du bist ja sehr aktiv. Aber es fällt schwer, die Texte zu lesen. Oft wechselst Du einfach so vom Präsens zum Imperfekt, es hakt bei Interpunktion und Rechtschreibung – das "sagte" nach der direkten Rede finde ich langweilig in so einer dramatischen Situation. Warum nimmst Du Dir nicht mehr Zeit? So wirken die Texte für meinen Geschmack einen Tick zu oberflächlich...
Spannung kam bei mir leider keine auf. Auch störte mich der Zeitenwechsel. Und warum verwendest du ausschließlich 'sagte er'? (erwidern, antworten, entgegnen, erzählen ...)
Hallo Marie, Du schreibst viel. Aber das geht zu Lasten der Qualität. Mach' doch gelegentlich mal einen Punkt statt eines Kommas. Bau Absätze ein. Und lies Dir Deine Texte auf Rechtschreibfehler durch, bevor Du sie einstellst. Viele Grüße Carola
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Bonjour! Hier spricht seine Majestät, der König von Frankreich. Ich habe ein Schloss, viele Geliebte und jede Menge Verantwortung. Doch leider lebe ich in der Vergangenheit, was mir fehlt, ist ein PC mit Internetzugang und ein Handy. Wie einfach wäre es, mit den Aristokraten der anderen Monarchien zu kommunizieren? Niemand bräuchte mich mit der Kutsche mehr zu befördern, ich könnte mein Gesinde per SMS rufen. Wenn mein Koch mein Essen versalzen hat, bekommt er zur Strafe eine Email mit dem "Kinglouis-Trojaner", der auf seinem Bildschirm nach jedem Neustart anzeigt" Ich habe dem König immer ein gutes Essen zu bereiten". Ja, und wo bleibt das Telefon, ihr Fortschrittler? Wenn mir unwohl ist und ich mich ins Bett begeben habe und ich den Diener rufen muss? Und warum nicht ein Roboter als Zofe? Dan bräuchte ich ihr bei Hofe nicht noch eines von meinen wenigen 100 Zimmer abgeben? Königliche Technik habt ihr im 21. Jahrhundert. Ich wollte, ich wäre erst dann geboren, aber ich war zu schnell...
Nette Idee, aber mir fehlt die Balance. Wenn Dir das gelingt, könnte es interessant werden.... Liebe Grüße von Herbert
Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich lachen soll. Die Idee ist witzig, natürlich beabsichtigt unrealistisch. Oder geht es um eine Zeitreise? Dann würde aber nicht der König sprechen. Nach einer Überarbeitung könnte was Tolles draus werden. LG von Sylvia
Lustig. Aber einen Roboter als Zofe? Das wäre ja eine Geliebte weniger.
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Faralda
Ein langer, anstrengender Tag ging endlich zu Ende, die Sonne stand schon tief über den Bergen auf der anderen Seite des Rheins. Faralda genoss diese kostbaren Minuten des Nichtstuns. Sie saß auf einem Fels am Ufer, das Wasser umspielte träge ihre wunden Füße. Eiskalt wohltuend. Seufzend lehnte sie sich zurück und schloss die Augen, doch das Treiben am anderen Flussufer ließ sie nicht wirklich Entspannung finden. Rufe, Schreie, das Hämmern der Äxte, ab und zu ein lautes Krachen, wenn wieder ein Baum fiel. Unheilsvoll hallte der Lärm der Römer über das Wasser, das unbeteiligt, völlig gleichgültig, weiter dahinfloss. Und doch schütze es sie. Unüberwindbar für das Heer. Noch. Denn was auch immer die Römer gestern morgen begonnen hatten zu bauen...irgendwann würde es fertig sein. Ein flaues Gefühl regte sich unangenehm in ihrer Magengegend, wie so oft in letzter Zeit.
„Faraaaaaaaaaaaaaaaa !!!“ Erschrocken zuckte sie zusammen, von der kleinen, grauhaarigen Frau aus ihren Gedanken gerissen, die aufgeregt mit den Armen wedelnd auf sie zugerannt kam. „Hier steckst du also!“ Keuchend, mit hochrotem Kopf stützte Helrun sich an einen Baum. “Überall habe ich dich gesucht. Schnell.... Ragin ist zurückgekehrt. Er wird die Runen befragen. Komm, spute dich!“ Gemeinsam eilten sie über den schmalen Pfad dem Dorf zu. Kurz vor der ersten Hütte blieb die junge, langbeinige Fara jedoch hinter Helrun zurück. Sie fuhr sich mit den Fingern durch das rotblonde Haar, das wirr über ihren Rücken floss, rückte ihre Fibel zurecht und strich sich über das Gewand. „Komm Kind...was tust du da?“ „ Römer hin oder her...ich werde nicht zerzaust wie ein altes Huhn kopflos durch das Dorf rennen.“ Stolz hob sie das Kinn und schritt würdevoll auf den Dorfplatz zu. Nur die Alte, die mürrisch brummend an ihrer Hand zerrte, störte das königliche Bild. Nicht das sie irgendjemand beachtet hätte: die Blicke der anwesenden Dorfbewohner hingen wie gebannt an den Lippen des hochgewachsenen, bärtigen Mannes, der in der Mitte des Platzes auf einer Art Tisch stand. Klar und laut waren seine Wort zu hören: „8 mal noch wird Grannus die Sonne über den Himmel schicken, sage ich euch. Dann werden sie hier stehen, 2 Legionen Römer, mehr als 20 000 Mann. Flieht in die Wälder. Viel Zeit bleibt euch nicht.!“ Ein Raunen ging durch die Menge, Frauen schluchzten auf. Ungläubig begannen die Ältesten miteinander zu tuscheln. „8 mal sagst du ? Wie sollten 20 000 Römer in 8 Tagen den Rhein überqueren? So viele Schiffe können sie unmöglich in so kurzer Zeit bauen.“ Landogar, ein stattlicher Vertreter der jüngeren Krieger sprach aus, was die meisten dachten. Keiner sonst fand den Mut, dem Druiden zu widersprechen. Ragin betrachtete die Runen, die zu seinen Füssen lagen. „ Die Runen haben gesprochen: Nicht ein Schiff werden sie bauen, und doch überqueren sie das Wasser.“ Mit diesen Worten löste der Druide eine endlose Diskussion aus.
Vor allem war es Ungläubigkeit, Ratlosigkeit, die das kleine Volk lähmte. Man hatte schon viele Schreckgeschichten von Gaius Iulius Cäsar und seinen Legionen gehört, manche mögen sogar wahr sein. Aber bisher war ihre Seite des Rheins sicher gewesen. Faralda hörte viele Meinungen, doch als ihre Müdigkeit wuchs wurde sie zunehmend ungeduldiger. Scheinbar ruhig und entschlossen schob sie sich durch die Menge, langsam erstarben die Gespräche und alle Augen wandten sich ihr zu. Neben Ragin angekommen erhob sie ihre Stimme: „Genug gesprochen. Ich sage euch: Wer gehen möchte, geht. Versteckt euch. Nehmt die Kinder und Tiere mit. Die Krieger aber bleiben mit mir hier. Wir werden sehen, was kommt und entscheiden, was zu tun ist.“ Und so geschah es.
Wirklich nur 8 Tage später war es soweit: die Römer marschierten. Mann um Mann in endlosen Reihen kamen sie über das Wasser gelaufen, 8 Mann nebeneinander. Ihre Harnische blitzten in der Morgensonne des Frühsommertages, das Donnern ihrer Schritte war weithin zu hören und jagte den versteckten Reitern Schauer über den Rücken. Faralda duckte sich noch tiefer über den Pferderücken, versuchte mit dem Schatten der Bäume zu verschmelzen. Ihr Herz raste und verstohlen wischte sie die schwitzigen Hände an ihrem Gewand ab. „Bei den Göttern...“murmelte Landogar neben ihr, „ es sind wirklich Tausende.“ Er war einer der 4 Krieger die noch bei ihr geblieben waren, selbst nachdem sie das riesige Bauwerk der Römer entstehen sahen. 600 Manneslängen schob sich die Brücke über den Rhein, aus Hunderten Holzpfählen in nur 10 Tagen gebaut. Resigniert steckte der Held das bereitgehaltene Schwert zurück in die Scheide. Nach einem trostlosen Blick wendeten Fara und ihre Krieger die Pferde und galoppierten davon in die Tiefe der dunklen Wälder.
Mutig waren die Germanen, aber nicht dumm. Nur deshalb konnten sie weitere 18 Tage später aus dem gleichen Versteck beobachten, wie die Römer stolz über ihr Meisterwerk zurückmarschierten- um es dann zu zerstören.
Das befreite Lachen der Faralda tönte dabei weithin über das Wasser.
Liebe mani efti, ob die Tatsachen historisch korrekt sind, kann ich nicht sagen. Aber das, was Du wie geschrieben hast, gefällt mir sehr gut. Eine flüssige Sprache, die mich von Satz zu Satz treibt. L. G. Isabel
mani efthi, ich finde es sehr schön, dass Du so offenherzig bist. Obwohl (oder weil?) die Geschichte Deiner Phantasie entsprungen ist, gelingt es Dir, Details über Kleidung und Bräuche einzuflechten, ohne den Erzählfluss zu zerstören. Die starke Frauenrolle entspricht für meine Empfinden eher weiblichem Wunschdenken. Im letzten Absatz brichst Du den Erzählstil, schade. "Mutig waren die Germanen, aber nicht dumm." hört sich so an, als sei Mut eine schlechte Eigenschaft. @ Carola Ich bin beeindruckt von Deinem Fachwissen! @ Angela Eine Fibel ist auch eine Gewandspange. Im Völkerkundemuseum kannst Du dir so etwas ansehen.
Hallo mani, wie gesagt - schlecht fand ich es nicht. Einzig die historischen Ungereimtheiten haben mich gestört. Und dabei kenne ich mich in dem Zeitraum wirklich nicht sonderlich gut aus. Wäre es eine Fantasy-Geschichte mit fiesem Imperator gewesen, hätte ich ganz anders geurteilt. Viele Grüße Carola
Super geschrieben! Flüssig zu lesen! Allerdings würde ich die Zahlen in einem Buch ausschreiben! Weiter so!!! LG von Sylvia
Vielen Dank Petersen ! Und Carola: ich habe übergaupt nicht recherchiert, nur einmal einen Artikel über die Rheinbrücke gelesen, die Cäsar wirklich gebaut und nach 18 Tagen wieder abgerissen hatte. Alles andere ist meiner Phantasie entsprungen.
Historisch korrekt oder nicht – es ist eine gute Idee umgesetzt worden und ich habe den Text gern gelesen. Die Faralda gefällt mir...
Spannung entsteht durch die mysteriöse Vorhersage des Druiden. Ob eine Frau bei den Germanen soviel zu sagen hatte? Ich finde, Du hast den Ausschnitt gut gewählt, auch wenn ich irgendwie verwirrt war, weil ich erst an Kelten dachte (Druiden und so).
Gefällt mir. Einzig die Fibel fand ich störend. Oder gibt es hierfür außer Buch/Nachschlagwerk noch eine andere Bedeutung, die zeitlich zur Geschichte passt?
Aaahh, was für ein Triumpf. Wunderschön beschrieben, so bildlich. Selten, aber ich habe nichts zu meckern. ;O)
Für einen Schnellschuss nicht schlecht. Allerding gab es die Druiden nicht bei den Germanen, sondern bei den Kelten. Die siedelten zwar auch am Rhein - hatten aber weder Runen, noch sonstige Schriftzeichen (ausser den lateinischen). Überhaupt datieren die ältesten Runenfunde m.W. um das 2. Jahrhundert. Da war Gaius Julius Caesar schon gut 200 Jahre tot. Dazu kommt, dass Runen vorwiegend im skandinavischen Raum verwendet wurden. Auch die Rolle der Faralda scheint mir historisch eher ungesichert. Allerdings habe ich nur die Schilderung von Tacitus im Kopf; bei anderen Stämmen mag es Ausnahmen gegeben haben. Als letztes: "Die" Germanen sind eine Erfindung der Römer, die unter diesem Begriff so ziemlich alles zusammenfassten, was sich rechts des Rheins tummelte. Diese Stämme begriffen sich durchaus nicht als einheitliches Volk, sondern als Sippe innerhalb der Chatten, Markomannen, Bukobanten etc. Ist nicht bös gemeint. Viele Grüße Carola
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Mut, Tapferkeit, Opferbereitschaft
Vorhin habe ich mich noch darüber gefreut, dass die Ziege gezuckt hat. Endlich. Es war höchste Zeit! Wir hätte nicht noch einmal einen Monat warten können, Aristomenes und seine Mannen werden immer zudringlicher. Außerdem gefällt es mir nicht, immer wieder nach Delphi geschickt zu werden. Wie oft bin ich jetzt schon durch diese Tür gegangen, habe den göttlichen Gruß „Erkenne dich selbst“ mit „Du bist“ erwidert und gehofft, dass die Ziege zucken wird. Heute jedenfalls hat sie gezuckt, und damit war ihr Schicksal besiegelt. Sie wurde geopfert und verbrannt, und die Pythia hat sich auf ihren Dreyfus gehockt und ihre nebulösen Bemerkunkungen durch die nebulösen Gase gesprochen. Eine schöne Frau, eigentlich. Aber verweichlicht. Nun, sie dient einem Gott, da ist Weichheit wohl angebracht.
Jetzt bin ich auf dem Rückweg zu Anaxandros, meinem Herrn, meinem König. Ob er mit dem Orakelspruch zufrieden sein wird? Immerhin – er ist nicht so kryptisch, wie vieles Andere, was die Pythia so spricht. Wir sollen einen Athener als Ratgeber akzeptieren. Der einzige, der mir sofort einfällt, ist Tyrtaios. Sicher wird Anaxandros sich an ihn wenden. Was uns dann blüht, kann ich mir schon vorstellen: „Heimat und sämtliche Bürger schätzen als Kleinod den Helden, der sich, die Beine gespreizt, standhaft im Vorkampfe hält,
jeden Gedanken auch nur verwirft an schmähliches Fliehen“. Das sind seine Worte. Die Spartiaten werden gegen die Messenier wieder ihre Schwerter erheben. Mir soll es Recht sein, die Äcker sind ohnedies aufgewühlt und zertrampelt – wie unsere Seelen. Der Kampf währt schon sehr lange. „Unserem Herrn Theopompos, dem König, dem Liebling der Götter: Ihm verdanken wir des weiten Messene Besitz, das sich vortrefflich beackern läßt, vortrefflich bepflanzen! Neunzehn Jahre hindurch kämpften um dieses Gebiet ununterbrochen, voll tapferen, niemals wankenden Mutes, unsere Großväter, mit schneidenden Lanzen bewehrt. Endlich, im zwanzigsten Jahr, verließen die Feinde den fetten Boden und flüchteten sich hoch vom Ithome herab.“ Tyrtaios Verse. Er spricht wahr, lediglich – geblieben ist es nicht so. Vielleicht hat Sparta zuviel Tribut verlangt, aber letztlich war Messenien besiegt und dennoch wurden seine Bürger als Gleiche unter Gleichen behandelt. Ein Fehler. Wie auch immer – nun sind sie siegreich unter Führung ihres jungen Helden auf dem Vormarsch, und mein König begehrt vom Orakel zu wissen, was zu tun sei.
Der Weg von Delphi nach Hause, das ist es, was mir durch den Kopf geht. Ich halte meinen runden Schild in der linken Hand, ziehe die Schultern dahinter ein, achte darauf, auch die Schenkel und Waden zu schützen. In der Rechten halte ich stoßbereit die mächtige Lanze - bricht sie, nehme ich mein Schwert - und erwarte den Feind. Der Busch meines Helms raschelt im Wind, er ist das Knistern in der unheimlichen Stille, die der Schlacht vorausgeht. Wir drängen zum Nahkampf, als Einheit, Fuß an Fuß, Schild an Schild, Helm an Helm. Unsere blutroten Gewänder lassen die messenischen Krieger erzittern, das weiß ich. Wir marschieren wie ein Mann, jeder hat seinen Platz. Unser Kriegsgesang brüllt den Feinden entgegen, die Flöten kreischen, wir rücken unaufhaltsam vor. Welche Schmach es zu sühnen gilt! Aristomenes wird büßen für seine Frechheit, für den Schild, den er im Tempel der Athene hat aufhängen lassen. Das Blut rauscht in meinen Ohren, und ich male mir aus, wie ich ihn lachen durchstoße, das schändliche Banner „Aristomenes weiht dieses Zeichen des Sieges über die Spartiaten der Göttin“ soll sein Totenhemd sein! Sieg, ha! Bestenfalls ein Unentschieden hat er zuvor erringen können, der Übermütige, der Dummkopf, dieser Schwächling von einem Helden. Wenn die messianischen Helden schon solche Feiglinge sind, werden wir leichtes Spiel haben. Die Kämpfe beim Denkmal des Ebers, wo Heloten und Periöken uns in der Schlacht verlassen haben, gilt es ebenfalls zu sühnen! Ich möchte sehen, was der große Aristomenes an unserer statt getan hätte – ein Rückzug war unausweichlich, wir wären sonst vollständig eingeschlossen worden, dank dieser Hunde! Nun werden wir sehen, wer hier wen ‚vom Felde scheucht’, Messenier! Das ganze Heer besteht aus Spartiaten, heute wird uns keiner in den Rücken fallen, wir werden zuschlagen mit der ganzen Macht unseres Heeres. Ihr bedürft der Hilfe von Argivern und Arkadiern – wollen wir sehen, ob sie dankbarere Verbündete sind als Heloten und Periöken! Ich glaube nicht! „Vorwärts!“ Das ist das Signal! Der große Graben ist ein guter Platz für eine Schlacht, und dies wird ein guter Tag sein für Sparta! Sieh, schon rennen sie, die Arkadier, suchen ihr Heil in der Flucht. Das wird ein böses Erwachen sein für Aristomenes! Vor mir sehe ich das Entsetzen aus den Augen des Messeniers leuchten. Mutig, aber unstrukturiert – sie werden niemals siegen! Meine Lanze bohrt sich knirschend durch seinen Harnisch, er will einen Hieb gegen meinen Kopf führen, der Sterbende, was soll er schon tun, die besten von Aristomenes` Männern erliegen beim ersten Anprall. Ha, und der Rest nimmt Reißaus, diese Hunde, diese Feiglinge, sie sind zum sterben geboren, nicht für den Kampf! Aristomenes selbst wird mit fortgerissen, ich sehe, wie er untergeht im Chaos, sein Schild entgleitet ihm und rollt uns entgegen – mag ihn die eigene Meute niedertrampeln; ein passendes Ende für den Schleicher und seine Hybris per Schild. Wenige sind verletzt, noch weniger gefallen. Tapferkeit bewährt sich. Wir sind Spartiaten, dies ist unser Weg. Unser König Anaxandros stemmt den erbeutetem Schild Aristomenes` in die Höhe, und ein Kriegsschrei brandet gen Himmel: Sieg für Sparta!
hallo fledermaus, musste erst meinen eigenen Text schreiben 7762, war doch eher anstrengend. Deine Geschichte habe ich gelesen, kann aber mit den Spartanern und dieser Epoche nicht sehr viel anfangen. Gruss ursula
Hallo Fledermaus, im dritten Anlauf habe ich mich jetzt auch durch Deinen Text durchgelesen. Aber ich mag keine Kriegsgeschichten. Zu viel Blut, Geschrei und Getümmel, schätze ich. Bei Dir kam dann auch das Fehlen von Absätzen zum Ausruhen dazu. Die Sprache tut ihr Übriges. Du bist bei Deinen Formulierungen, so weit ich das einschätzen kann, ziemlich dicht an (übersetzten) altgriechischen Texten. Aber das ist nunmal sehr ungewohnt, heutzutage... Tut mir Leid, der Funke sprang diesmal nicht über. Viele Grüße Carola
Da ist wohl die Fledermaus ein bisschen in die Antike geflattert, um den Helden hinter den Schild zu schauen. Respekt vor dem Wissen, das Du eingebracht hast, den Erzählstil fand ich aber z.T. etwas flapsig.
Ich kann mit dem Text immer noch nicht viel anfangen; bei mir passiert einfach nichts beim Lesen. Wahrscheinlich muss man sich dafür besser in der Geschichte auskennen. Oder ich gehöre einfach nicht zum Zielpublikum. Im übrigen war ich auch in der Schule noch nie gut in Heldenkunde.
Hallo Fledermaus, der Text ist sehr gut geschrieben und vor allem kommen die Gedanken des Erzählers sehr gut rüber. Das Thema, einen Beitrag aus der Sicht einer Figur, die in der Vergangenheit lebt, zu schildern, hast Du gut getroffen. Vielleicht würden die PISA-Tests besser ausfallen, wenn die Geschichtsbücher in diesem Stil geschrieben wären? Etwas schade finde ich, dass der Leser über den Erzähler nur sehr wenig erfährt.
Ich hatte auch ein paar Probleme, mich zu orientieren. Aber geschrieben ist es einwandfrei... Jeden Text nachzugoogeln – das werde ich mal abhaken bei dieser Aufgabe. Und während ich hier noch leicht orientierungslos brüte, muntert mich Ginko mal wieder auf. @Ginkos Kommentare in einem Jahr – das allein scheint mir schon Romanstoff genug...:-)
Antworten m.petersen: Also dieser Kampf der Spartiaten hat nichts mit dem Film 300 zu tun. Die 300 sind eine andere Geschichte, hier geht es um die Messenischen Kriege. Die Spartiaten waren damals noch kein Militärstaat. Der Einfluss des Tyrthaios soll maßgeblich für diese Entwicklung des klassichen Sparta gewesen sein; die Geschichte bewegt sich an der Grenze der beiden 'Epochen' der Volksgeschichte. Noch töten sie die Kinder nicht, wenn sie schwächlich sind. Aber die Krieger dieser Schlacht werden mit ihren Nachkommen so verfahren. Das nur zur zeitlichen Verortung. Ich dachte mir schon, dass für den Ein oder Andern unweigerlich der Film ablaufen wird, aber das tut meinem Text keinen Abbruch. :O) Zuerst ist der Erzähler auf dem Weg von Delphi. Dann wollte ich den Bogen aber nicht überspannen, und habe einige Jahre übersprungen, um gleich zum Gemetzel zu kommen. Man kann nicht über Sparta schreiben und den Kampf auslassen. Ich mußte mich auch bremsen, nicht noch Aristomenes Geschichte weiterzuerzählen, der ist nämlich noch lange nicht am Ende. :O) Vielleicht ist der Übergang nicht so gut gelungen, da hast Du Recht. Eva: Was will ich damit sagen? Ich verstehe die Frage nicht. Die Passagen, in denen gedichtet wird, entstammen wirklich der Feder des Tyrtaios. Ich dachte, es sei im Text deutlich genug. Mein Anliegen war, einen kleinen Ausschnitt der spartiatischen Geschichte aufzugreifen, um meine Figur damit plastisch zu machen. Ginko Korn: Ich mag Anaphern und Alliterationen auch. :O) Du dichtest ja schon selbst. www.flederblog.blogspot.com
m.petersen hat genau die Stelle beschrieben, an der ich aufgehört habe zu lesen, da mir der Faden entglitt. Nichtsdestotrotz spreche ich dir meine Bewunderung für diesen Text aus.
Spartas heroischer Kampf gegen das übermächtige Heer der vermeintlichen Eroberer. Ich habe den blutigen Film erst vor kurzem gesehen und fühlte mich bei Deinem Text wieder daran erinnert. Einige Übergänge sind nicht ganz geglückt: >Der Weg von Delphi nach Hause, das ist es, was mir durch den Kopf geht. Ich halte meinen runden Schild in der linken Hand, ziehe die Schultern dahinter ein, achte darauf, auch die Schenkel und Waden zu schützen. In der Rechten halte ich stoßbereit die mächtige Lanze - bricht sie, nehme ich mein Schwert - und erwarte den Feind.< Ich dachte echt, er ist auf dem Weg, aber dann erfahre ich, dass er sich dem Kampf stellt. So etwas verwirrt mich und macht mich kurzzeitig sauer. Das sind so die Momente, wo ich einen Stift zur Hand nehme und in einem Buch, das ich gerade lese, einen Vermerk eintrage: >was soll das?< Dann lege ich das Buch bei Seite und lese es erst viel später weiter, wenn ich mich beruhigt habe. ;O) (Nicht alles für bare Münze nehmen was ich schreibe, Erklärung lebt durch Übertreibung.)
Sorry, ich habe nicht verstanden, was mir die Dichterin sagen will. Kannst du vielleicht in einigen wenigen, gerne auch nicht poetischen Sätzen sagen, was dein Anliegen war?
Endlich geht das Schreiben richtig los. Mit Substanz und Spannung. Ha! Welche Wonne, in wogenden Worten zu wühlen! Schreiend im Schlachtengetümmel, schonungslos schlichtet das Schwert.
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Liebste Hanna,
es ist Ostern* und ich hoffe, dass Du diesen Brief bekommst. Seit ein paar Tagen bin ich in amerikanischer Gefangenschaft im Lager PWE 406 in Marseille. Es geht mir gut. Hier ist es wie im Paradies nach der Hölle in den Vogesen, am schlimmsten war unsere Gefangennahme.
Kurz vor der Gefangennahme hatten wir uns hinter der Friedhofsmauer verschanzt, ringsum konnte ich nur noch Schießen und Panzergeräusche hören. Dann kam der Befehl zum Aufbruch, aber schon nach kurzer Zeit krachte es wieder von mehreren Seiten. Wir liefen auseinander und ich landete in einem Schützenloch. Direkt vor mir hörte ich französische Stimmen. Ich nahm die Hände hoch, erhob mich. Und stand vor einer Gruppe Soldaten in amerikanischen Uniformen, sie sprachen aber französisch. Sie durchsuchten mich, nahmen mir Pistole und Fernglas ab und brachten mich in ein Haus.
Dort standen in einem engen Gang bereits einige Kameraden - die Hände über dem Kopf. Wir wurden sorgfältig gefilzt. Ich hörte jemanden in Elsässisch herumbrüllen, dass wir alle dreckige deutsche Schweine wären. Als mir der Elsässer meine Fotos von Dir und Mama aus der Tasche riss, hätte ich ihm am liebsten meine Faust in sein dummes Gesicht geschmettert. Voll Freude über meinen Zorn schrie er weiter, sein Vater wäre auch ein deutscher Soldat gewesen, aber er ein französischer und ein stolzer.
Dann schmiss er meine Sachen auf den Boden und trampelte darauf herum.
Ohne meine Bilder wurde ich weitergeschoben. Aber ein wenig später gab mir ein anderer Wachoffizier meine Sachen lächelnd zurück. Ich musste an meinen Französischlehrer in der Oberschule denken: „Franzosen sind immer charmant“ hatte der uns beigebracht – wer von den beiden Wachmännern war also der echte Franzose?
Nach drei Tagen ohne Essen und halb verdurstet, ging es auf LKWs Richtung Meer. Zuerst dachten wir alle, wir werden nach Amerika verschickt, erst recht, als wir in den Hafen fuhren und auf dem Pier ausgeladen wurden. Es ging aber nicht aufs Schiff, sondern in die großen dreigeschossigen Lagerhallen. Ich bin zum Ausladen der „Liberty Schiffe“ eingeteilt, falls Du Dich erinnerst, wurden sie bei uns im Volksempfänger immer „schwimmende Särge“ genannt.
Seitdem ich hier bin, habe ich wieder Hoffnung, dass ich gesund nach Hause komme.
Ich denke viel an Dich und hoffe, dass es daheim gut geht,
Jakob
* 1944
Schön geschrieben. Mir fehlt bei der Schilderung die Dramatik! Gute Idee! LG von Sylvia
Die gewählte Briefform gefällt mir gut. Mehr fällt mir dazu irgendwie nicht ein.
Ein Kriegsgefangener schreibt seinen ersten Brief nach Hause. Die Idee finde ich sehr gut. Allerdings habe ich mich gewundert, warum er sich selbst so sehr in den Mittelpunkt stellt und so wenig Gedanken an seine Lieben Daheim verschwendet./Und warum heißt er Jakob? Das klingt mir persönlich zu jüdisch und passt nicht unbedingt zu einem deutschen Soldaten aus dem 2. Weltkrieg.
Liebe Kalinka, ich glaube, Du hast Dich mit Ostern geirrt, der D-Day war doch erst im Juni! Grüße Katharina v. Ottersheim
Kleiner Nachtrag zu meiner Recherche, weshalb der Beitrag auch schnell fertig werden konnte: Jakob Harnecker ist mein Nachbar, 1923 geboren, Hanna war seine Frau (leider im Jahr 2000 verstorben), von Beruf war er Architekt, privat ist er ein Philosoph und sehr frankophil. Und doch, seine Frau hatte mir solche Briefe gezeigt... es waren halt andere Zeiten...
Ein Brief wirkt meistens glaubwürdig, aber Jakob irritiert mich, indem er beim ersten Lebenszeichen an seine Liebste aus seiner bedrohlichen Lage heraus solche klischeehaften Betrachtungen über französisches Wesen schreibt.
Liebe Kalinka, deinen Beitrag finde ich sehr gelungen! Die "Rückblende" in Brief-Form zu schreiben, halte ich für eine ausgesprochen gute Idee, die zwar nicht neu ist, aber mir immer wieder gefällt. Klare Sprache und nicht zu lange. LG Efa
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