100 Die Romanwerkstatt im Autorenhaus Verlag | Schreiben Sie mit! | Kapitel 21 mit Übungsaufgabe
(Foto: Christian Rohr)
„Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie es war, eine Schriftstellerin zu sein, die noch nichts veröffentlicht hat: Man beißt sich mehr schlecht als recht durch und kommt mit Leuten in Kontakt, die ausgesprochen abweisend sein können. Und obwohl ich nun Teil dieser Branche bin, die sich manchmal Neulingen gegenüber wie eine uneinnehmbare Festung präsentiert, stehe ich instinktiv eher auf der Seite derer, die versuchen, die Mauern zu erklimmen."

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Kapitel 21 mit Übungsaufgabe

21.05.2008© 2008 Autorenhaus Verlag GmbH, Berlin
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Leserbeiträge

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Eingetragen am: 22.05.2008 von MaDe
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12009

Sie, Lena, musste sich jetzt auf sich selbst konzentrieren. Ganz bewusst und in aller Ruhe will sie sich von dieser Welt verabschieden.
Und sie möchte noch einmal all die Dinge tun, die ihr soviel Freude bereitet haben: Malen, Tanzen und Reiten.
Ein wenig unsicher steht sie vor der Pferdebox. Wie viele Jahre hatte sie nicht mehr auf einem Pferd gesessen? Ob sie sich überhaupt noch im Sattel halten konnte. „Quatsch!“ schiebt sie ihre Bedenken zur Seite. „Das ist wie Rollschuh fahren – so was verlernt man nicht.“ Entschlossen nimmt sie die Zügel in die Hand und führt den schwarzen Wallach durch die Boxengasse hinaus auf den Reitplatz. Reitlehrer Horst lehnt lässig am Zaun. „Na, dann mal los! Rauf und erstmal langsam im Schritt die Bahn entlang.“ Lena schwingt sich in den Sattel. Das Anreiten klappt problemlos. „Na bitte! Umsonst Sorgen gemacht!“ denkt sie und wechselt in einen leichten Trab. Mit jeder Minute weicht die Anspannung mehr. Übermütig peilt sie das Hindernis in der Mitte des Reitplatzes an. Doch das Pferd verweigert. Unvermutet rammt es die Vorderläufe in den weichen Sand. Lena hat keine Chance. Im hohen Bogen stürzt sie über den Hals nach vorne und landet krachend zwischen den Hindernisstangen. Sie versucht sinnloser Weise noch, sich irgendwie abzufangen und spürt im gleichen Augenblick einen stechenden Schmerz in der linken Hand.
„Das sieht nicht gut aus.“ Reitlehrer Horst schüttelt vorahnungsvoll den Kopf. „Da fahren wir mal besser zum Arzt.“


Kommentar von MaDe

Hallo Frog, danke erstmal fürs Lesen! Ich musste jetzt auch mal schmunzeln.Dass Horst so auffällt.... nun gut, ja die Geschichte hat einen tragischen Hintergrund, aber mir ist es wichtig, Lenas Sterben (meint auch ihre letzten Wochen) als eine für sie positive Erfahrung darzustellen. Reitlehrer Horst weiß nichts von Lena zumindest bis jetzt noch nicht ;o). lg

Eingetragen am: 30.05.2008

Kommentar von Frog

Eine kurze prägnante Szene. Allein zwei Worte fallen aus dem Rahmen und bringen mich sogar zum Lachen: Reitlehrer Horst (der dann auch noch lässig am Zaun lehnt) Irgendwie wird der Text dadurch unfreiwillig komisch. Dein Thema ist doch eher tragisch, dachte ich jedenfalls?

Eingetragen am: 30.05.2008

Eingetragen am: 22.05.2008 von Tina
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12005

Daumenbruch

Anatak sah sich Hilfe suchend um, während der hünenhafte Söldner auf ihn zukam. Schwarz wie seine Seele waren die wirren Haare, die unter seinem verbeulten Helm heraus hingen. Finster blickten die dunklen Augen unter den buschigen Brauen. Kein Mund war zu erkennen hinter dem Gewirr des ungepflegten Bartes. In seiner Linken hielt er einen Schild, der die Spuren vergangener Kämpfe zeigte. Kaum noch war das Wappen des neuen Königs darauf zu erkennen. Doch es war seine Rechte, von der Anatak nicht die Augen wenden konnte. Sie schwang an einer schweren Kette eine Eisenkugel durch die Luft als wäre es ein Spielball für Kinder.
Anatak stolperte rückwärts. Seine Augen suchten nach einer Waffe, einem Stock, einem Stein, irgendetwas, womit er den Angriff des Riesen abwehren konnte. Der Waldboden schien wie leergefegt. Kein Blatt rührte sich in den Bäumen, kein Vogel sang, als hielte die Natur den Atem an. Zischend flog die Kugel auf Anatak zu und nur mit Mühe konnte er ihr ausweichen. Sein Fuß verfing sich in einer Baumwurzel und er stürzte zu Boden. Erneut ging die schwere Waffe auf ihn nieder. Anatak rollte zur Seite, während sich der Eisenball in die Erde bohrte. Der Junge versuchte, wieder auf die Beine zu kommen, doch der Hüne war trotz seiner Größe schneller. Mit wenigen Schritten erreichte er Anatak und trat ihm mit einem seiner gewaltigen Stiefel auf die Hand. Ein stechender Schmerz durchfuhr Anatak, als er seinen Daumen mit einem hässlichen Geräusch brechen hörte. Verzweifelt krallte sich seine freie Hand in den Boden. Er spürte den Sand in seinen Händen und ohne weiter zu überlegen, warf er ihn seinem Gegner ins Gesicht.
Mit einem Aufschrei ließ der Söldner von ihm ab. Anatak nutze die Chance und rappelte sich hoch. Er stürzte in den Wald, schlug sich durch Büsche und Dornenhecken, die ihm Gesicht und Arme zerkratzten, bis seine Lungen schmerzten. Mit seiner rechten Hand hielt er die verletzte Linke dicht an seinen Körper gepresst. Erst jetzt, als er stehen blieb und sich in den Tiefen des Waldes umsah, kam der Schmerz zurück. Anatak lauschte angestrengt, aber es waren keine Geräusche von knackenden Zweigen oder schweren Schritten zu hören. Der Söldner verfolgte ihn nicht weiter.
Erschöpft ließ sich Anatak an den Fuß einer mächtigen Eiche sinken. Er besah sich seinen Daumen, der einen unnatürlichen Buckel aufwies.
„Das hat mir gerade noch gefehlt“, stöhnte der Junge. Er überlegte, ob er den gebrochenen Knochen selbst einrenken sollte, aber es fehlte ihm für den Moment der Mut. Er spürte, wie ihm Tränen in die Augen traten, und wischte sie mit einer zornigen Handbewegung weg. Seitdem er das Dorf verlassen hatte, war alles schief gelaufen. Er hatte das Messer, seine einzige Waffe, eingebüßt, hatte die Karte verloren, die ihn nach Urba Libra führen sollte, und nun saß er verloren in einem Wald, den er nicht kannte, mit einem Daumen, der gebrochen war. Durst und Hunger quälten ihn und ihm kam einer neuer, beunruhigender Gedanke: Würde er mit der kaputten Hand jemals wieder klettern können?


Kommentar von Tina

Hallo, Numungo, vielen Dank für den Hinweis mit dem Daumen. Da hast Du recht. Was ich eigentlich meinte, war der Versuch, die beiden Knochenenden wieder genau aufeinander zu bringen, also zu richten. Das wäre wohl der korrekte Begriff gewesen. Ich werde es ändern. Als Freeclimberin kann ich Dir übrigens versichern, dass ein nicht richtig verheilter Bruch beim Klettern in höheren Schwierigkeitsgraden ein erhebliches Handicap darstellt. Von daher passt der Vorfall dann doch nicht wirklich in meine Geschichte. Andererseits lässt Anatak sein altes Leben hinter sich - dann kann ihm das Klettern auch egal sein ... Wir werden sehen. Liebe Grüße und vielen Dank - Martina

Eingetragen am: 26.05.2008

Kommentar von Numungo

Hallo Tina, wieder ist dir eine spannende Geschichte gut gelungen. Das Bild von Anatak wird immer deutlicher. Nicht klar ist allerdings die Sache mit dem Daumen: ist er nun gebrochen oder ausgekugelt? In ersterem Fall wird einrenken wohl nichts bringen. Doch auch wenn er gebrochen ist, glaube ich nicht, dass er ihn beim Klettern groß behindern wird (nach dem er mehr oder weniger gut verheilt ist). Viel Erfolg beim Weiterschreiben, Numungo (12052).

Eingetragen am: 24.05.2008

Kommentar von Mata

Hallo Tina. Das gefällt mir auch sehr gut. Sehr plastisch geschrieben und man fühlt sich direkt in der Szene drin. Im ersten Abschnitt schreibst du nahezu alles mit Auftakt (schwarz/finster/kein/kaum), das gibt dem Geschehen natürlich die nötige Dramatik, ich würde es damit aber nicht übertreiben, weil der flüssige Stil darunter leidet. ___ Für meinen Geschmack bräuchtest du auch keine direkte Rede, bzw. finde ich den Satz: Das hat mir gerade noch gefehlt ... zu kultiviert für das Erlebte und diese Epoche. Sonst habe ich nichts zu meckern. ;-), LG, Mata

Eingetragen am: 24.05.2008

Kommentar von Jutta Wölk

Hallo Tina, sehr schön beschrieben und ausgedrückt. War das ein Kapitel aus einem Roman? Ich fühlte mich gleich in die Lage des Jungen versetzt. Schafft er es noch ohne Waffe? Herrlich geschrieben, welche Abenteuer muss er noch bestehen? Liebe Grüße Jutta

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von Tina

Hi, Frog, nein, ich wusste natürlich nicht, was kommt, aber es stimmt, dass mir selten eine Übung so leicht gefallen ist, wie diese. Ich bin ernsthaft am Überlegen, sie in die Story mit aufzunehmen. An euch alle vielen Dank für die tollen Kommentare - das hält die Selbstzweifel wieder für ein paar Tage im Zaum. Über den Vergleich mit Indiana Jones musste ich echt lachen - hab gerade erst die Filme wieder gesehen. Liebe Grüße - Tina

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von Bridget Olliver

Hallo Tina, gegen Anatak ist Indiana Jones ein Waisenknabe;-) Gut und spannend zu lesen! Besonders eindrucksvoll fand ich die Stelle mit der Erde durchbohrenden Eisenkugel. Das macht die Wucht, mit der dieser Hüne zuschlägt sehr deutlich. Ich freue mich auf die Fortsetzung. viele Grüße Bridget

Eingetragen am: 22.05.2008

Kommentar von rosamsa

Hallo Tina, du hast mich sofort tief hineingezogen in deine Geschichte. Wunderbar, jedes Wort an seinem Platz, sehr bildlich, hätte gerne weiter gelesen. LG rosamsa

Eingetragen am: 22.05.2008

Kommentar von Monika

Wow, das liest sich in einem Rutsch durch. Super spannend. Obwohl ich nichts mit solcherlei Literatur am Hut habe - dein Buch werde ich lesen!

Eingetragen am: 22.05.2008

Kommentar von Frog

Wieder große Klasse, wie ich finde. Wie gerufen kam Dir wohl die neue Aufgabe, hast Du schon vorher darum gewusst? Wenn nicht, passt der Daumenbruch perfekt in Deine tolle Geschichte.

Eingetragen am: 22.05.2008

Eingetragen am: 22.05.2008 von RoseCanyon
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11999

Oh mei, was für ein Tag! Nachdem mich mein Boss Rob mit den Ermittlungen in Rannoch Moor beauftragt hatte, konnte ich vor Begeisterung und Vorfreude auf meinen ersten eigenen Fall gar keinen Schlaf finden. Ich war so glücklich. Daher schlich ich mich mitten in der Nacht nochmals in meine Küche, um das Ereignis mit etwas Dessert aus dem Kühlschrank zu feiern. Im Dunkel der Küche stoplerte ich dabei leider über meine Freundin Tortuga, die sich diese Nacht ebenfalls dafür entschieden hatte, in der Küche herumzuschleichen. Während sich Little Tortu schnell in ihren Schildkrötenpanzer zurückzog, um nicht zur Rede gestellt zu werden, verlor ich vollständig mein Gleichgewicht und schlug hart auf einem Stuhl auf. Unglücklicherweise ledierte ich mir hierbei meine Hand und es stellt sich später heraus, dass mein rechter Daumen gebrochen war.
Den Daumen sieht man inzwischen nicht mehr. Dank Doktor Murphy gleicht er nun einem eingegipsten Hot Dog. Aber auf dieses harte Brot könnte ich liebend gerne verzichten: Ständig juckt es irgendwo unter dem Verband, so dass ich mich dauernd kratzen möchte – doch leider geht das nicht. Auch schränkt mich dieser Klotz an der Hand stark in meiner Bewegungsfreiheit ein. Ich kann kein Messer mehr mit rechts halten, nicht mehr mit dieser Hand schreiben und auch die Handytasten drücken sich ohne den Daumen erheblich langsamer als sonst.

Da bin ich nur froh, dass die britische Autoindustrie dieses Problem bei Zeiten erkannt und den Schaltknüppel in meinen Mini-Cooper auf der linken Seite platziert hat, denn es ist noch eine lange Strecke von hier bis Rannoch Moor .
Aber was soll’s! Ich lass mir meinen ersten Fall doch nicht so durch die Finger gehen, nur weil einer von 10 glaubt, eine Verschnaufpause einlegen zu müssen.
Ok, bei meinem Boss ist das etwas anderes, da sind 50% seiner Beine derzeit im Streikzustand, so dass man hier schon von einer Mehrheitsentscheidung sprechen könnte. Aber 1/10, das liefe ja auf Erpressung hinaus und wenn ich etwas hasse, dann ist es, sich Übeln zu beugen. Auch wäre ich nicht Molly Coddle, wenn ich meinem Lebensmotto nicht mehr treu bliebe, denn ich bin überzeugt: Solange es etwas Leckeres zu Beißen gibt, ist die Welt noch in Ordnung! Ob ich den Eclair oder Windbeutel jetzt mit rechts oder links esse, ist meinen Geschmacksknospen auf der Zunge doch egal und für Fish `n Chips brauch ich auch kein Besteck….eigentlich auch nicht für die Pizza…ich bin in diesem Punkt sehr flexibel…..aber vielleicht sollte ich diese neue Erkenntnis am nächsten Rastplatz kurz testen……mein Magen knurrt bereits…ja, ich denke, diese schwertraumatische Belastung aufgrund meines Daumens rechtfertigt heute einen kleinen Extrahappen….


Kommentar von Numungo

Hallo Rose, was so ein gebrochener Daumen alles auslösen kann. Deine Heldin wird immer plastischer. Doch noch ein paar kritische Anmerkungen: Da der Roman in Schottland spielt, solltest du den Text nicht mit "Oh mei" beginnen, hört sich irgendwie bayrisch an. Ausserdem werden in einem literarischen Text Zahlen grundsätzlich in Worten geschrieben, also zehn statt 10 oder fünfzig Prozent statt 50 %. Daß sich die Schildkröte in ihren Panzer zurück zieht, während die Heldin fällt, ist an dieser Stelle nicht wichtig. Erstens ist es dunkel, zweitens fällt die Heldin so schnell, dass sie wohl keine Zeit hat, auf die Schildkröte zu achten. Weiterhin viel Erfolg, Numungo (12052).

Eingetragen am: 24.05.2008

Eingetragen am: 22.05.2008 von Karin
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12004

Die Kinder saßen im Spielkeller um den Tisch herum. Jan, Peter, Uli und Lisa.
“Nein, ein Mädchen kommt nicht in unsere Gruppe“, sagte Jan.
“Aber sie ist doch fast ein Junge“, wandte Uli ein.
“Aber eben nur fast.“ Das war Peter.
“Lasst sie die Mutprobe machen.“ Darin waren sich alle einig.

So holten sie den Hammer aus dem Werkzeugkasten, legten ihn auf den Tisch. Die Jungs setzten sich auf die eine Seite, Lisa nahm auf der gegenüber liegenden Platz. Ihr war ganz flau im Magen, auch ein bisschen schwindelig fühlte sie sich.
“Jeder von uns darf nur ein Mal zuschlagen. Es geht darum, Lisa, dass du so lange wie möglich deine Hand auf der Tischplatte liegen lässt. Sie erst in der allerletzten Sekunde wegziehst. Klar?“
Sie nickte, hatte verstanden.
Peter war als Erster dran. Vielleicht war es die Beleuchtung, aber sein Gesicht wirkte blasser als sonst. Er hob den Hammer, senkte ihn langsam, holte erneut aus und ließ ihn auf den Tisch sausen. Die Holzplatte war übersäht mit Kerben und Dellen und krachte unter dem Schlag. Lisas Hand hatte nur leicht gebebt, bevor sie sie rechtzeitig wegzog. Sie hatte den Hammer die ganze Zeit im Auge behalten. Es war leicht, den richtigen Moment abzupassen.
Nun war Jan an der Reihe. Er machte kurzen Prozess und schlug sofort zu. Lisa spürte noch die Luftbewegung des Schlages. Sie achtete auf den Hammer, sonst hätte sie wohl das kalte Aufblitzen in den Augen des Jungen bemerkt.
Das Mädchen lächelte, nun hatte sie es gleich überstanden.
Uli hatte sehr blaue Augen. Wie ein See, in den sie eintauchen konnte. Ganz ruhig wurde sie.
Er hob den Hammer.
Ihr Schrei ließ die Kellerwände erzittern, übertönte das Knacken der Knochen. Sekundenschnell schwoll Lisa Daumen an, färbte sich blaurot.
“Du hast die Probe bestanden.“


Kommentar von Karin

Vielen Dank für die vielen Kommentare zu meinem Text! Ich habe daraufhin das Ende noch einmal überdacht und eine kleine Änderung vorgenommen: ... Sie lächelte, nun war es gleich überstanden. Uli wog den Hammer spielerisch in seiner Hand. Er hatte so klare Augen. Wie ein See, in den sie eintauchen konnte. Ganz ruhig wurde sie. Ihr Schrei ... Für Malea: Ich finde, man muss dem Leser nicht immer alles vorkauen; er darf sich ruhig seine eigenen Gedanken machen. Ich war ganz erschrocken, als mein Mann mich darauf hinwies. Säen - also auch "die Tischplatte war übersät" - wird ohne h geschrieben. Oha! Liebe Grüße und uns allen weiterhin viel Spaß und Erfolg bei Ein-Roman-in-einem-Jahr. Karin

Eingetragen am: 26.05.2008

Kommentar von Malea

Liebe Karin! Ich finde auch, dass du einen wunderschön fiesen Text geschrieben hast. Aber anscheinend bin ich dämlicher als die anderen. Warum blitzt es in Jans Augen kalt? Ist er sauer, dass sie es bei ihm geschafft hat und sendet dann geheime, Testosteron getriggerte Wellen an Uli, damit der schneller zuhaut? Denn mir wird am Schluß nicht so ganz klar, warum Lisa die Hand nicht rechtzeitig wegziehen konnte. Hat sie zulange in Ulis blaue Augen geschaut und ist weggepennt? Und warum bricht sie sich denn gleich den Daumen? Da müsste Uli wie ein Ochse zugeschlagen haben, oder all die vielen begnadigten, äh begnadeten Heimwerker haben ganz oft einen unbemerkten Knochenbruch anstatt einer einfachen Prellung. Aber wie gesagt, vielleicht bin ich ja auch nur zu dämlich ;-) Liebe Grüße, Malea.

Eingetragen am: 25.05.2008

Kommentar von Numungo

Hallo Karin, ganz schön fies, was du da mit Lisa treibst. Aber sehr gut umgesetzt. Hoffentlich ahmen andere Kinder die Mutprobe nicht nach! Viele Grüsse, Numungo (12052).

Eingetragen am: 24.05.2008

Kommentar von Angela Barotti

Deine Idee mit der Mutprobe ist klasse. Die Schreibübung hast du sehr gut umgesetzt.

Eingetragen am: 24.05.2008

Kommentar von Tina

Ein ganz starker Text. Ich grübele (grüble), also ich denke aber immer noch über das Ende nach: Wenn man "Er hob den Hammer" weg lässt, fehlt etwas, dann ist der Anschluss nicht mehr sauber. "Dann schlug Uli zu" klingt aber auch nicht wirklich besser. Dir wird sicher noch etwas einfallen. Besonders schön finde ich den Einstieg mit der knappen, auf den Punkt bringenden wörtlichen Rede. Jan als kategorischer Mädchengegner, dessen Augen später böse blitzen, und ausgerechnet Uli, der für Lisa eintritt, haut ihr den Daumen kaputt. Aber es ist ja nicht seine Schuld, dass er so blaue Augen hat. Toll, was man aus so einem kurzen Text machen kann. Liebe Grüße - Tina

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von Birgit Jennerjahn-Hakenes

Toll! Kleine Anregung: Blaue Augen, wie ein See, in den man eintauchen kann - das wird sooft verwendet, vielleicht fällt Dir was anderes ein!?

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von Sarah. S.

Super Idee, sehr spannend umgesetzt! Weiter so. Hätte gerne weiter gelesen... LG Sarah S.

Eingetragen am: 22.05.2008

Kommentar von Karin

Vielen Dank,F, F und F! (Das ist aber witzig.) Ich nehme Eure Vorschläge gern, weil überzeugt, an. Hammer ist weg, und in dem Satz: Das Mädchen lächelte, nun ... tausche ich 'hatte sie es' gegen 'war es'. Ich werde in Zukunft auch wieder Kommentare schreiben, hatte wenig Zeit. Liebe Grüße. Karin P.S.: Fische, Fledermäuse und Frösche haben wohl keine blauen Augen? Mein Mann, der Frieder, übrigens auch nicht.

Eingetragen am: 22.05.2008

Kommentar von Bridget Olliver

Hallo Karin, Ich habe mir vorgestellt, dass die Mütter ein paar Meter vom Schauplatz des Geschehens entfernt sitzten, vielleicht beim Tee und sagen ":Ach spielen sie nicht herrlich, die lieben Kleinen?" Aber so könnte es gewesen sein. Dein Text gefällt mir sehr gut. Ich habe mich gefragt was mit Jan los ist. Hat er eine Rechnung offen mit Lisa oder ist er nicht ganz dicht? Bin gespannt auf mehr. viele Grüße Bridget

Eingetragen am: 22.05.2008

Kommentar von Frog

Blaue Augen sind gefährlich. Ich habe es immer geahnt! Gut geschrieben. Kleiner Verbesserungsvorschlag: Statt "Das Mädchen lächelte, nun hatte sie es gleich überstanden"... besser Lisa lächelte....oder wenn Du auf Mädchen bestehst: Das Mädchen lächelte, gleich war die Sache überstanden...besonders mochte ich die Beschreibung des Tisches...

Eingetragen am: 22.05.2008

Kommentar von Fledermaus

Prima Idee. Man hüte sich vor den Blauäugigen. *g* Lass den "Er hob den Hammer"-Satz weg.

Eingetragen am: 22.05.2008

Kommentar von fish

Genial, voll spannend, obwohl man eigentlich von anfang weis was passiert. :-)

Eingetragen am: 22.05.2008

Eingetragen am: 21.05.2008 von Lichterfield
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11984

Der gebrochene Daumen
Saphira hatte an ihrem 13. Geburtstag durchgesetzt, einen Tag außerhalb ihrer Wohnkugel verbringen zu dürfen. Ihre Mutter brachte aus der Forschungskugel ein Armband mit.
„Was ist das?“ fragte das Mädchen.
„Hier, siehst du? Der Chip hier, der passt deinen Körper an die Lebensbedingungen außerhalb der Kugel an. Du kannst ihn drehen und auf Sprache einstellen, auf jede Sprache außerhalb unseres Kugel-Systems.“
„Und der rote Knopf?“
„Damit beamst du dich in deine Wohnkugel zurück. Ein Notknopf sozusagen.“
Sie befestigte das Armband am Handgelenk ihrer Tochter.
„Pass auf dich auf. Es ist nicht ganz legal, was wir machen.“

Zum ersten Mal stand sie außerhalb ihrer Wohnkugel mitten auf einer Waldwiese. Die Welt außerhalb kannte sie bisher nur von ihrer Bildwand, auch die simulierten Sonnenuntergänge. Würde sie heute einen echten erleben dürfen?
Saphira fing an zu laufen, zu schreien und zu singen. Warmes Sonnenlicht spürte sie auf ihrer Haut. Vögel zwitscherten. Dort auf dem Baum - die roten Beeren, wie würden die wohl schmecken? Sie sprang hoch, um nach ihnen zu greifen. Mit der linken Hand hielt sie sich an einem Ast fest. Er brach ab. Sie stützte sich auf ihre rechte Hand, als sie zu Boden fiel und schrie auf. Aus ihren Augen lief eine Flüssigkeit. Sie geriet in Panik.
„Das ist das Ende“, sprach sie halblaut vor sich hin, „ich laufe aus. Ich will in meine Kugel.“ Ihr Daumen wurde blau und dicker! Was passierte da mit ihr?
„Bleib ganz ruhig“, hörte sie neben sich eine Stimme piepsen. Erst jetzt sah sie, dass sich durch den Sturz ihr Chip auf „Spracherkennung“ gedreht hatte. Aber wer redete da mit ihr? Sie sah sich um. Im Gras – war das einer von den kleinen Menschen? Ein Zwerg, wie in den Geschichten von früher? Wie klein er war! Kleiner als ihr Daumen.
„Du fühlst wahrscheinlich zum ersten Mal Schmerzen. Deshalb fließen dir auch die Tränen aus den Augen. Das ist nichts Gefährliches. Ich hole Eis, dann kannst du deinen Daumen kühlen.“
Was war denn nun wieder: Eis? Kurze Zeit später hörte sie ein Brummen und bemerkte ein merkwürdiges Ding, was näher kam. Sie erinnerte sich, so etwas auf ihrer Bildwand gesehen zu haben. Man nannte es Lastkraftwagen. Damit hatte man sich vor 3000 Jahren fortbewegt. Das gab es also immer noch bei den kleinen Menschen außerhalb des Wohnkugelsystems! Der Kleine hatte das Ding gefahren.
„Auf dem Anhänger ist Eis, halte deinen Daumen darauf.“ Sie tat es und zuckte zurück.
„Du spürst Kälte! Eis ist kalt! Das tut deinem Daumen gut.“
Saphira hielt ihren Daumen erneut auf den Anhänger. Das tat wirklich gut! Der Schmerz ließ langsam nach. Das also waren Gefühle! Schmerz, Kälte, Freude!
„Du hast Glück, dass du dich in diesen Teil unserer Welt gebeamt hast“, sagte der Zwerg, „in anderen Teilen ist es im Moment sehr gefährlich.“
„Was bedeutet `gefährlich´ ?“ fragte sie und griff zu den roten Beeren.
„Stopp! Zum Beispiel, wenn du die roten Beeren der Eberesche isst. Die sind giftig. Ich benutze ihr Gift zum Töten. Sei achtsam in unserer Welt.“
„Was ist töten?“
„Wenn alles Leben aus dir weicht, bist du tot.“
„Bei uns weicht das Leben automatisch aus unserem Körper, wenn wir mit 60 Jahren unsere Aufgabe im Kugel-System erfüllt haben.“
„Wir können jederzeit sterben oder töten. Einige von uns werden über hundert Jahre alt, einige sterben bereits im Säuglingsalter. Viele kleine Menschen sterben gerade auf der Südhalbkugel der Erde.“
Saphira dachte nach. Ihr kamen Tränen, wie der Kleine es nannte, weil ihr rechter Daumen gebrochen war – und hier auf der Erdenkugel starben Menschen? Wie viel größer musste der Schmerz sein, wenn man den Tod spürte! In den Sterbe-Kugeln merkte man den Tod nicht, man wurde einfach entmaterialisiert! Aus, Ende.
„Die Gewalt hat vorige Woche erstmals den Südwesten erfasst. Die Luft riecht nach verbranntem Gummi, brennende Reifenstapel überall. In den staubigen Straßen liegen Leichen. Mit blindem Hass beschämen marodierende Banden unseren Erdball. Mord und Vergewaltigung sind an der Tagesordnung. Die Hatz auf die großen Menschen, die sich aus ihren Kugeln trauen, hat ebenfalls begonnen. Ein wütender Mob sucht Sündenböcke für ihre eigene Unfähigkeit. Euch macht man zum Teil dafür verantwortlich. Die oberste Regierung schafft es nicht, den kleinen Bewohnern eine Perspektive zu geben. Die Ordnung ist außer Kontrolle geraten. Und du wünscht dich auf unsere Erde? Bleib in deinem Kugelsystem. Das Reduktions-Zeitalter gerät gerade aus den Fugen.“
Saphira betrachtete den Zwerg. Seine blonden Haare waren zu einem Zopf zusammen gebunden. Er trug kurze Hosen, ein rotes Hemd und ging barfuss. Wie alt mochte er sein?
„Ich bin neunzehn“, sagte er.
„Ihr habt also auch die Fähigkeit, Gedanken zu lesen?“
„Natürlich! Auch wir haben uns weiter entwickelt! Wir leben doch nicht mehr im Jahr 2000! Übrigens – ich heiße Saphirus.“
Saphira drückte den Notknopf und befand sich wieder in ihrer Wohnkugel. Das also war Saphirus – das Böse, wie sie durch ihre Bildwand erfahren hatte. Aber wieso war er dann so freundlich zu ihr gewesen? Sie mochte ihn, vor allem seine blauen Augen. Heute Nacht würde sie ihre Bildwand befragen. Sie beamte sich in die Klinik-Kugel, um ihren gebrochenen Daumen heilen zu lassen. Er war kaum noch geschwollen.


Kommentar von Numungo

Hallo Lichterfeld, interessante Gedanken, die du da hegst. Doch ich hoffe, das die Menschheit in 3000 (2000) Jahren doch etwas mehr dazu gelernt hat (erfahrungsgemäß wird es leider bei der Hoffnung bleiben). Den Stoff hast du toll umgesetzt, ich hätte mir lediglich gewünscht, dass Saphira vor ihrem „Daumenbruch“ noch etwas mehr Zeit gehabt hätte (haben wird), um die Schönheiten der ihr unbekannten Natur zu geniessen. Viel Erfolg beim Weiterschreiben, Numungo (12052).

Eingetragen am: 01.06.2008

Kommentar von Birgit Jennerjahn-Hakenes

Erst wollte ich meinen Kommentar mit "Herrlich" beginnen, finde das Wort aber zu lustig für Deine ernsten Gedanken. Wäre das ein Schulaufsatz, würde ich die Note sehr gut drunter setzen. Sci-Fi intersseirt mich - wie Frog - nicht, doch Deine Zeilen verfolgte ich bis zum Ende. Die Idee des Kugelsystems ist klasse!

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von lichterfield

Danke für eure Anregungen. Ich habe nie Krimis gelesen oder mir im TV angesehen, ebenso ergeht mir das mit Sci-fi. Aber seit ich angefangen habe zu schreiben, denke ich mir am liebsten Krimi-Kurzgeschichten und Sci-fi-Geschichten aus. Mich interessieren Gedanken-Modelle. Naja, was soll´s! Vielleicht wird ja wirklich mal eine Geschichte daraus....Mein "Roman" soll etwa im Jahr 4010 spielen. Ich muss das mit dem LKW also zeitlich ändern. Lichterfield

Eingetragen am: 22.05.2008

Kommentar von Frog

Eine abgedrehte Geschichte....könnte man auch eine Trickserie draus stricken. Ich weiß nicht, ob Du es als Kompliment sehen kannst, aber ich, die Sci-Fi-Stoffe öde findet, habe amüsiert bis zum Ende gelesen.

Eingetragen am: 22.05.2008

Kommentar von Monika H.

Hallo Lichterfield, finde den Beitrag sehr interessant. Habe mir nun mal alle deine Beiträge angesehen und hoffe, dass dieser Roman wirklich veröffentlicht wird, denn ich will ihn unbedingt lesen - und das, obwohl ich normalerweise fast nie Science-fiction lese. Mach weiter so! Gruss Monika H.

Eingetragen am: 22.05.2008

Kommentar von Eva Marcuse

Wunderbar. Du hast die Geschichte mit ganz viel Fantasie erzählt. Sehr lebendig finde ich auch die Unkenntnis Saphiras von Gefühlen, von Tränen, Schmerz etc. Ich konnte das alles richtiggehend nachempfinden. Bedauerlich ist, dass im Reduktions-Zeitalter die Menschen anscheinend noch immer mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben wie heute, auch wenn sie sich ein bißchen weiterentwickelt haben. __Wenn Saphirus das Böse ist, dann scheint es eine gut funktionierende Propaganda-Kugel neben all den anderen Kugeln zu geben, die den Bewohnern das maßgeschneiderte einheitliche Weltbild einpflanzt. ___Wenn die Menschen schon vor 3000 Jahren LKWs benutzt haben, dann müßte die Geschichte etwa um das Jahr 5000 spielen, oder habe ich mich da verrechnet? __Ich bin auf die Fortsetzung sehr gespannt. lg

Eingetragen am: 22.05.2008

Eingetragen am: 21.05.2008 von gela gabriel
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11983

Irgendein lautes Geschrei weckt mich auf. Allmählich dämmert es mir, dass durch das offene Fenster Vogelgezwitscher hereindringt. Ich bin noch todmüde, weil es gestern Abend sehr spät geworden ist, nachdem ich meine erste Liebe, genauer gesagt meine alte erste Liebe im Kaufhaus getroffen habe. Eigentlich wollte ich einen Osterhasen für meinen Enkel kaufen. Stattdessen setzten wir uns ins Cafe bei Franco und tranken ein Glas von dem köstlichen Rosè. Als ich jetzt schlaftrunken in Richtung Küche gehen will, um mir einen Kaffee zu machen, den ich genüßlich in meinem Bett trinken will, falle ich vor Schreck über den Sessel am Fußende meines Bettes. Ich habe nicht allein in meinem großen Doppelbett geschlafen! Der Abend mit meiner ersten Liebe hat anscheinend länger gedauert. Ein grauer Haarschopf, darunter zwei lachende Augen sehen mir zu, wie ich über den Sessel stolpere. Als ich die Champagnerflasche auf der Fensterbank sehe, dämmert mir almählich der weitere Verlauf des gestrigen Abends. Peter springt wie die Natur ihn geschaffen hat aus dem Bett und meint putzmunter, dass er jetzt ins Bad geht und dann Brötchen holt. In diesem Augenblick merke ich beim Aufstehen, dass mein Daumen wahnsinnig weh tut und zusehends dicker wird, weil ich ihn beim Stolpern so blöd zwischen Bett und Sessel eingeklemmt habe. Peter kommt zu mir, nimmt mich in den Arm und meint: "Ich glaub, wir fahren erst einmal zum Arzt mit diesem Daumen, ich ziehe mich schnell an".
Ich greife auch zu meinen Kleidern mit dem dicken Daumen nicht ganz so schnell und denke in diesem Moment, dass heute der 21. März ist und mein 61. Geburtstag. Na, das kann ja noch lustig ´werden.


Kommentar von Angela Thies

Schöner Geburtstag! Und ein sehr schöner Erzählstil. Der Daumenbruch - hmm - noch ein bisschen unglaubwürdig:-).

Eingetragen am: 27.05.2008

Kommentar von Malea

Jau! Filmriss und One-Night-Stand (oder mehr...) mit 61. Davon will ich mehr! Und du schreibst für einen immer größer werdenden Markt ;-) Der Daumenbruch an sich ist für mich die einzige Schwäche im Text, den nehm ich dir noch nicht so ganz ab. Liebe Grüße, Malea.

Eingetragen am: 25.05.2008

Kommentar von RoseCanyon

Oh, ich glaube, die ganze Nacht war schon sehr lustig :-)) Ich habe mir Deine Geschichte bildlich vorgestellt und bin zu der Überzeugung gelangt, dass der Schrecken sicherlich noch größer ist, wenn Du erst auf dem Rückweg aus der Küche merkst, was sich in Deinem Schlafzimmer abgespielt hat. Dann hast Du auch noch den Kaffe auf dem Tablett und die Szene könnte somit noch kraftvoller werden, wenn die heiße Brühe über den Sessel schwappt und Du rot anläufst, weil die Augen aus dem Bett Dich plötzlich anstarren....aber alles in allem, scheint die obige Szene ja auch nur der Einstieg in einen Katastophentag zu sein....wie geht es denn weiter? (Oder bin ich zu neugierig? LOL)

Eingetragen am: 22.05.2008

Eingetragen am: 21.05.2008 von Bärbel Giessmann
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11981

Elke hat sich auf ungewöhnliche Weise den Daumen gebrochen oder kennst du als Leser eine Frau, die sich den Daumen beim Abpellen einer Apfelsine gebrochen hat?

Also es ereignete sich während ihrer Diät, in der sie mehr Obst zu sich nehmen sollte. Da es gerade an Obstigem eben Apfelsine, Mandarine, Grapefruit und Pomelos gab, wählte sie für sich die Apfelsine, oder auch Orange.

Aber: Orange will sie dieses Marter-Obst nicht nennen, ist doch "orange" eine ihrer bevorzugten Acryl-Malfarben, nicht, dass dieses Unglück zu einer Orange-Malblockade führt!

Tja, mit dem Malen ist es erstmal Essig, da es den Daumen der rechten Hand betrifft. Ihrer Mal- und Apfelsinenschälhand, ihrer Schreib- und Lieblingshand.

Hand, Hand steht auch für Handwerk. Jetzt also ein Links-Handwerk. Naja, auch gut: liebt sie doch eh auch immer Achtsamkeits-Übungen. Und alles Ungewöhnliche respektive Ungewohnte dient der erhöhten Aufmerksamkeit und halt auch der Achtsamkeit.

So hat sie sich auch immer die Zähne mit beiden Händen nacheinander geputzt, dabei immer auf einem Bein stehend: Linke Hand putzt alles durch, dabei steht sie für den kompletten Putzvorgang auf dem rechten Bein, danach selbe Hand und stehen auf dem linken Bein. Dasselbe wird dann mit der rechten Hand ausgeführt. Dadurch hat Elke auch immer ihre vom Zahnarzt geforderten Mindest-Putz-Minuten beisammen.

Elke ist schon ganz gespannt, ob sie auch beim Schreiben eventuell einen Stilwechsel bemerkt.

Aktiviert doch das Schreiben mit links die rechte Hirnhälfte!

Na mal sehen, vielleicht ist es ja auch möglich, sich mal einen der Füße zu brechen. Welche Achtsamkeiten dann wohl geweckt werden??

Elke ist ob ihres Fußbruch-Wunsches nun doch reichlich verwirrt, gar verunsichert. Ist das schon eine Auswirkung des Schreibens mit links?

Elke legt lieber den Füller aus der Hand und widmet sich wieder dem Essensgedanken. Was kann sie sich nur machen mit der linken Hand. Ja, sie versucht, sich ein Stück Brot zu belegen. Sie muss dazu aber eine Scheibe Brot absäbeln.

Autsch, nun steckt das Brotmesser in ihrem kleinen Zeh, da sie bei der ungewohnten Schneidetechnik abgeglitten ist.

Nun gibt es bald noch mehr Herausforderung der Achtsamkeit: wie bewegt Elke sich nun fort bei Eiseskälte und einem dicken Verband um den kleinen Zeh? Der Doktor meinte, sie hätte Glück gehabt, dass das Messer den Zeh nicht amputiert hat.

Wäre aber auch eine neue Herausforderung gewesen...


Kommentar von Malea

An sich eine witzige Idee, aber ich muss gestehen, dass mich Wechseln der Erzählperspektive und direkte Leseransprache doch aus der Kurve getragen haben. Ich kann mich einfach nicht so richtig in Elke hineinversetzen, der Erzählstil ist mir zu distanziert. Vielleicht versuchst du es mal als Ich-Erzählung mit Elke als selbstironischer Kommentatorin ihres chaotischen Lebens? Liebe Grüße, Malea.

Eingetragen am: 25.05.2008

Eingetragen am: 21.05.2008 von Angela Barotti
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11976

Eine unbekannte Frau stand vor meiner Tür. Mittelgroß, mit über die Schulter fallenden braunen Haaren. Dunkel geschminkte Augen, kirschroter Lippenstift. Und mit solch einer zierlichen Figur ausgestattet, dass sie auf einen Mann wie ein Mädchen Anfang Zwanzig wirken mochte. Ich jedoch sah die bereits vorhandenen Falten um ihre Augen, warf einen zweiten Blick auf die Haarfarbe, Walnuss Nummer 51, und kombinierte, dass ihr tatsächliches Alter mindestens zehn Jahre höher einzuschätzen sei.
„Ja?“, fragte ich.
„Hätten Sie ein paar Minuten Zeit für mich? Ich würde mich gern mit Ihnen unterhalten.“ Ihre Stimme klang sanft, jedoch schwang eine leichte Unsicherheit mit, als würde sie damit rechnen, von mir eine Abfuhr zu erhalten.
Eine Zeugin Jehovas, dachte ich und ging innerlich auf Abwehr. „Kein Interesse“, sagte ich und war im Begriff die Tür zu schließen.
„Es geht um Bert“, sagte sie hastig, damit ihre Worte mich noch erreichten, ehe die Tür ins Schloss fiel.
Ich öffnete die Tür wieder, sah sie einen Augenblick lang intensiv an – und glaubte alles zu wissen. Die Art, wie sie den Namen ‚Bert’ ausgesprochen hatte, sprach Bände. Es lag eine Vertrautheit darin, eine Intimität, ja, sogar ein gewisser Besitzanspruch. Sie hatte nicht gesagt: Es geht um Ihren Mann. Das wäre neutral gewesen, hätte zu einer Arbeitskollegin passen können, die mich anlässlich von Alberts bevorstehendem 60. Geburtstag aufsuchen wollte, um sich mit mir zu beratschlagen, für welches Geschenk das bei den Kollegen gesammelte Geld sinnvolle Verwendung finden könnte.
So etwas würde mir Albert nie antun, protestierte mein Herz.
Sieh sie dir doch an, forderte mich mein Verstand auf. Sieht sie nicht genauso aus, wie man sich eine Geliebte vorstellt?
Ich atmete tief durch, machte mich auf das Schlimmste gefasst und fragte: „Was ist mit meinem Ehemann?“ Ich hatte bewusst das Wort ‚Ehemann’ verwendet, steckte damit mein Revier ab und sah voller Genugtuung, dass ihr dieses Wort Unbehagen bereitete.
„Darf ich eintreten?“, fragte sie mich. „Dass, was ich Ihnen zu sagen habe, ist nicht für alle Ohren bestimmt.“ Sie nickte mit ihrem Kopf kurz zu den Häusern meiner Nachbarn zur Rechten und zur Linken hin, um mich auf potentiellen Lauscher hinzuweisen.
Ihre Worte verstärkten meine dunkle Ahnung.
Ich sah sie von oben herab an, was mir durch den Umstand erleichtert wurde, dass ich im Türrahmen stand, sie jedoch eine Treppenstufe tiefer in Gartenhöhe. „Sagen Sie mir, was Sie auf dem Herzen haben und dann verschwinden Sie“, forderte ich sie abweisend auf.
Das verunsicherte sie. Anscheinend hatte sie fest damit gerechnet, dass ich sie hineinbitten würde. Sicherlich hatte sie sich im Geiste bereits zwanzig verschiedene Varianten ausgemalt, wie sie mir ihre Neuigkeiten überbringen würde: ‚Ich bin die Geliebte Ihres Mannes.’ Mal ins Gesicht geschleudert, mal mitfühlend, höhnisch, triumphierend, herablassend, verschämt, und … und … und. Aber keine ihrer Varianten schien ein Geständnis VOR meiner Tür zu beinhalten.
„Soll ich wirklich nicht hinein kommen?“, fragte sie noch einmal.
„Nein!“, antwortete ich knapp und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Wie Sie wollen!“ Es klang wie eine Drohung, war die Ankündigung, dass ich mir für mein unfreundliches Benehmen ihr gegenüber jeden Mitleidsbonus verspielt hatte und auf ihr Verständnis nicht mehr zu hoffen brauchte. Als wenn ich von ihr Mitgefühl und Verständnis gewollt hätte! Ganz sicher nicht! Das waren Dinge, die ich von meiner besten Freundin einforderte, wenn ich ihr mein Herz ausschüttete, aber ganz gewiss nicht von der Geliebten meines Mannes.
Mein Gegenüber strich sich eine Haarlocke aus dem Gesicht, befeuchtete sich mit der Zunge die Lippen und sagte: „Bert und ich, wir sind zusammen.“ Sie ließ mich dabei nicht aus den Augen, wollte die Wirkung ihrer Worte auf mich genau verfolgen.
Keine Emotionen jetzt, befahl mein Verstand. Lass dir nichts anmerken. Spiel die Coole.
„Ja, und?“, fragte ich betont lässig. So als wäre ihre Mitteilung keine Überraschung für mich. So als stünde jeden Monat eine andere Frau vor meiner Tür und machte mir solch ein Geständnis. Quasi ein Routineerlebnis für mich, dass diese Frau vor mir in den Rang einer Austausch-Geliebten befördern sollte.
Meine unerwartete Reaktion irritierte sie. Was hatte sie denn erwartet? Dass ich in Tränen ausbrechen würde? Dass ich zum Nervenbündel mutierte? Dass ich ihr eine Szene machte? Diese Genugtuung würde ich ihr nicht geben.
Sie wusste nichts auf meine Reaktion zu erwidern, schien unschlüssig, wie es nun weitergehen sollte.
Ich kämpfte weiterhin darum die Fassung zu wahren, die Coole, Überlegende zu bleiben. Wie lange würde ich das durchhalten? Ich musste sie so schnell wie möglich loswerden. „Wenn Sie mir weiter nichts zu sagen haben, möchte ich Sie bitten zu gehen.“ Meine Stimme klang immer noch überraschend fest.
„Ich bin schwanger!“
Drei kleine Worte. Nur drei kleine Worte und doch wirkten sie wie ein Dolchstoß. Mir wurde schwindlig, so schwindlig. Ich musste mich am Türrahmen festhalten. Um mich herum drehte sich alles.
Reiß dich zusammen, schrie mein Gehirn in höchster Panik. Es hilft dir nicht weiter, wenn du jetzt ohnmächtig wirst.
Ich jappste nach Luft. Einmal. Zweimal. Mit Mühe löste ich mich vom Türrahmen, trat einen Schritt zurück und knallte die Haustür zu. Während mir ein markerschütternder Schrei von draußen in die Ohren drang, bemerkte ich, dass sich die Tür nicht richtig schließen ließ. Und ehe ich über die Gründe dafür nachdenken konnte, wurde die Tür von außen aufgestoßen und eine schreiende Britta hielt mir einen blutenden Daumen, der rasch anschwoll und eine unschöne dunkle Farbe annahm, unter die Nase.
„Sehen Sie, was sie angerichtet haben“, brüllte sie mich an. „Sie haben mir meinen Daumen gebrochen.“ Ein Schwall Flüche deckte mich zusätzlich ein und ließ mich zurückweichen. Ich konnte nicht mehr klar denken. In was war ich nur hineingeraten? Ich wollte nur weg von hier, wollte allein sein, wollte meine Wunden lecken. Aber sie stand noch immer vor mir und versperrte mir damit den Fluchtweg. Also griff ich nach der Tür und warf sie zum zweiten Mal zu. Diesmal fiel sie ins Schloss. Von draußen hörte ich weitere Flüche und die gebrüllte Drohung, dass sie mich wegen Körperverletzung anzeigen würde.
Heftig atmend lehnte ich mich rücklings von innen gegen die Haustür. Meine Beine versagten ihren Dienst und so rutschte ich langsam an der Tür entlang, bis ich auf dem Boden saß. Zitternd verbarg ich mein Gesicht in meinen Händen. Tränen fielen hinein und ich hörte mich schluchzen.
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Gehört zu # 11594. Da ich noch im Ideenstadium bin und ich mir bisher noch nicht klar darüber bin, wer meine eigentliche Hauptperson ist, wird euch Gerda, die Ehefrau von Albert ihre erste Begegnung mit der Geliebten ihres Mannes schildern. (Der Daumen ließ sich perfekt einfügen. Was für ein Glück. Das beschert mir zwei Wochen Ruhe bis zur nächsten Aufgabe ;-))


Kommentar von Azahar

Wer zu spät kommt, kann bloss noch wiederholen, was die anderen schon gesagt haben :-) Mir hat diese Szene sehr gut gefallen. Vor allem die Tatsache, wie du die Gedankengänge und Überlegungen der Protagonistin dargestellt hast und den Leser alles mit ihren Augen sehen lässt. Die Geschichte aus den Blickwinkeln eines jeden Beteiligten zu erzählen, wie von rosamsa vorgeschlagen, finde ich interessant. Da es am Ende ja eh zur Scheidung kommt, wäre das vielleicht sogar im Rahmen der Verhandlungen bei Gericht oder zwischen den Rechtsanwälten möglich?

Eingetragen am: 04.06.2008

Kommentar von Numungo

Hallo Angela, du hast die Gefühle der Protagonistin in deinem Text hervorragend rüber gebracht, Kompliment! Manche deiner Beschreibungen sind allerdings nicht ganz schlüssig, z.B. der Schluss: wenn das Gesicht in den Händen verborgen wird, fallen die Tränen nicht mehr hinein, sie rinnen. Weiter hast du an manchen Stellen dass statt das verwendet. Und „sie japste“ wird mit einem p geschrieben. Bitte fasse es positiv auf, so ist es auch gemeint. Viele Grüsse, Numungo (12052).

Eingetragen am: 01.06.2008

Kommentar von Carola Ottenburg

Hallo Angela, Deine Charaktere sind wunderbar plastisch und lebendig gezeichnet. Auch die Dramaturgie ist gut. Ich empfinde jede Handlung, jede Reaktion nachvollziebar und logisch. Nicht ganz logisch war, dass Gerda Britta anfangs für eine Zeugin Jehovas hielt. Das könnte aber an den eigenen Erfahrungen liegen; die Zeuginnen die hier klingelten, waren immer dickliche, ungeschminkt Frauen mittleren Alters in schlecht sitzenden Kleidern. Wenn eine Frau wie Britta mich an der Haustür um ein paar Minuten meiner Zeit bitten würde, wäre mein erster Gedanke, dass sie mir einen neuen Telefonanschluss verkaufen will. Aber das kann - wie gesagt - regional verschieden sein. An einigen Formulierungen würde ich allerdings nochmal feilen. So finde ich z.B. Herz und Verstand an dieser Stelle zu klischeebeladen: "So etwas würde mir Albert nie antun, protestierte mein Herz. Sieh sie dir doch an, forderte mich mein Verstand auf." Die Situation fängt zwar als solches an - aber Gerda versucht ja gerade der Klischeefalle zu entgehen. Deshalb würde ich dem Leser die Entscheidung überlassen, welcher Teil von Gerda hier welche Aussage trifft. Auch die fallenden Tränen im letzten Satz empfinde als ich mau. Ausserdem hat mich irritiert, dass Gerda plötzlich Brittas Namen kannte. Wenn ich nicht furchtbar schludrig gelesen habe, hat sie sich nie vorgestellt. Ich fände es übrigens durchaus spannend, wenn Du Deinen Roman abwechselnd aus der Perspektive von Gerda, Bert und Britta schildern würdest. Viele liebe Grüße Carola

Eingetragen am: 01.06.2008

Kommentar von Frog

Hi Angela, das mit dem selbsterdachten Lebenslauf finde ich klasse. Da hätte ich auch Lust drauf, denke schon ständig darüber nach...:-) Danke für Deinen Kommentar zu meinem Godo-Text. Ich habe mich schlapp gelacht. Hast natürlich Recht, erst die Flops, dann die Hose. Aber wie ich Godo kenne, ist die so bollerig, dass er da locker auch mit Wanderschuhen durchkommen würde...:-) Schöne Woche.

Eingetragen am: 26.05.2008

Kommentar von Angela Barotti

Vielen Dank für Eure tollen Tipps und Hinweise. @Fledermaus: nach deinem Kommentar habe ich mir meine Story noch mal durchgelesen – und ‚Britta’ abermals überlesen. Ich musste tatsächlich in Word die Suchfunktion aktivieren. Soviel zur eigenen Betriebsblindheit. Deshalb bin ich sehr froh, dass es Euch alle hier gibt. @alle: Das große ‚VOR’ ist eliminiert, auch einige andere Vorschläge sind eingearbeitet. Im Einzelnen sind das: wie Brittas Finger in die Tür geriet (ist jetzt besser erklärt). „Ich hörte mich schluchzen“ sollte zwar – wie von Ginko richtig erkannt wurde – bedeuten, dass Gerda total neben sich stand, aber da es zu Irritationen geführt hat, habe ich es geändert. Auf Männer wirkt Britta nun nicht mehr wie Anfang Zwanzig – neu: Mitte Zwanzig. Der Daumen wird nun langsamer anschwellen und auch nicht sofort dunkel werden. Auch die anderen Vorschläge von Frog sind gebongt/Zur Frage, warum Gerda bereits eine Ahnung hatte: Albert hatte sich in den letzten Monaten geändert – freiwillige Diät, Änderung des Kleidungsstils, ungewohnte sportliche Betätigung, Gereiztheit …/ Zur Perspektive: Ich werde nun Albert seine Begegnung mit Britta schildern lassen – bis sie ihm die Schwangerschaft beichtet. Danach ist Gerda dran bis zum Einreichen der Scheidung, zum Schluss wird aus Brittas Sicht die Demontage von Albert betrieben. Zurzeit grübele ich über Person Nummer 4 nach, die dem Ganzen noch einen ‚draufsetzt’ (Kind ist gar nicht von Albert, sondern von Nummer 4 o. ä.) / @rosamsa: Am Tag vor der neuen Aufgabe fühle ich mich immer wie in der Schule vor einem Aufsatz. Ich denke: Hoffentlich fällt mir auch was dazu ein. Ich weiß zwar, dass ich zwei Wochen Zeit dafür habe, aber bis zum Start dieses Schreibforums habe ich immer nur dann was zu Papier gebracht, wenn ich eine Inspiration hatte. Nach festen Vorgaben habe ich seit der Schulzeit nicht mehr geschrieben. Auch nach fünf Monaten ist das für mich noch gewöhnungsbedürftig. Trotzdem werde ich das hier alles sehr vermissen, wenn das Jahr vorüber ist. Aber vielleicht stellt uns Manfred Plinke dann Aufgaben nach seinen eigenen Vorgaben (Kniefall: bitte, bitte). Mein augenblicklicher Favorit wäre: wir schreiben einen selbst erdachten Lebenslauf zu einem der Mitautoren. Bei manchen Pseudonymen schlägt meine Fantasie Purzelbäume. Das würde ich gerne mal zu Papier bringen.

Eingetragen am: 25.05.2008

Kommentar von Malea

Liebe Angela! Ein rundum gelungener Text, der Hunger auf mehr macht. Eigentlich zu schön zum Herummeckern ;-) aber ich finde konstruktive Kritik ist die Essenz dieses Romanprojekts. Die heftige Reaktion Gerdas ist verständlich, wenn man den Lebenslauf von Albert im Kopf hat (die ungewollte Kinderlosigkeit!), aber eben nur dann. Ich habe ihn gerade noch mal nachgelesen, und mir fiel auf, dass ich die Ich-Erzählerin Gerda in deinem Text wesentlich jünger geschätzt hätte, als sie in der Geschichte ist. Die Sprache hat einige Facetten, die ich bei Leuten um die 60 nicht erwarten würde (das Wort "cool" kommt häufig vor). Aber vielleicht wird mich das Alter ja noch überraschen ;-) Liebe Grüße, Malea.

Eingetragen am: 25.05.2008

Kommentar von Lillilu

Liebe Angela, ein spannender, wohldurchdachter Text! Bewunderungswert, wie du dich in die Gedanken und Gefühle in ihrer logischen Abfolge deiner Prota Gerda hineingefühlt hast. Ich finde rosamsas Vorschlag einer Übererzählerin (das ist neu für mich) nicht nur erwägenswert, sondern geradezu genial! So könnten alle gleichermaßen abwechselnd auf dem ersten Platz sitzen und dann werden wir, die Leser/innen ja sehen, dass alle ihre guten und schlechten Seiten haben. Was mir noch auffiel: Die Stelle, wo Britta sagt „Es geht um Bert“ ist sehr gut nachvollziehbar beschrieben – wie alles – aber irgendwie kommt Berta doch zu schnell auf den Trichter, d.h. ihr Verdacht keimt ziemlich schnell auf, so als läge er gleich unter der Oberfläche ihres Bewusstseins. Was wahrscheinlich der Fall ist. Wie wäre es, wenn sie an dieser Stelle noch einen kurzen inneren Monolog hat, in dem irgendein Vorfall oder Gedanke der jüngsten Vergangenheit die Untreue anbietet – Hatte er nicht zu viele Überstunden in den letzten Wochen? - Zu der Daumen-Geschichte: Britta steht auf Gartenhöhe, da ist es mir nicht klar, in wie weit sie ihren Daumen in die Tür bekommt. Vielleicht sollte sie noch einen kleinen Schritt nach oben treten? Ich bin gespannt, ob du Albert und Brita genauso sensibel darstellen wirst! LG Lillilu

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von Frog

Hallo Angela, gute Geschichte, guter Aufbau, steigert sich immer mehr bis zum bitteren Ende der ersten schlimmen Begegnung. Innerlich scheint die betrogene Ehefrau auch auf diesen grauenhaften Moment vorbereitet gewesen zu sein . Wenn Du es selbst nicht erlebt hast, ist es Dir super gelungen, die Gefühle zu transportieren... Bist Du für Vorschläge zu haben? Ich versuchs mal. Wie wäre es, so anzufangen: „Ich kannte die Frau nicht, die vor meiner Tür stand“.... und dann „Ihre Figur war so zierlich, dass sie auf einen Mann....“ Dann Absatz 7 „Sagen Sie mir, was Sie auf dem Herzen haben und dann verschwinden Sie“, fordert ich sie auf. Mein abweisende Stimme verunsicherte sie. Und dann bei der Stelle mit dem blutenden Daumen... „eine schreiende Britta hielt mir einen blutenden Daumen unter die Nase.“ In dieser kurzen Sekunde kann der Daumen schwerlich „rasch anschwellen und eine unschöne dunkle Farbe annehmen“... verstehst, wie ich das meine. Vielleicht könntest Du hinzufügen. ...Er war angeschwollen und sah irgendwie gebrochen aus.... oder so... Liebe Grüße. Vermutlich hast Du jetzt Dein Romanthema gefunden. Schön! Wie wär’s, pro Kapitel jeweils alle drei ihre Geschichte erzählen zu lassen. Jede ist ja für sich erzählenswert und so könntest Du verschiedene Positionen einnehmen, ohne Dich für eine Hauptfigur entscheiden zu müssen. Nur so eine Idee. Schönes WE und genieß die zwei Wochen Ruhe:-)

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von Maju

Ja, das gönnt man doch der Walnuss, so muss das sein! Du hast den gebrochenen Daumen wunderbar in deine Geschichte integriert. Diese Geschichte interessiert mich sehr, weil ich schon ähnliches erlebt habe. Bin sehr gespannt, wie es weitergeht. LG. Maju

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von Birgit Jennerjahn-Hakenes

Hallo Angela, ich finde, Du kannst sehr gut schreiben. Mir gefällt Dein Stil, die Worte fließen und klingen dabei wohlüberlegt. Verzichte darauf, Buchstaben GROSS zu tippen (VOR in Deiner Geschichte), das findest Du in einem Roman auch nicht, es irritiert. Die Worte sprechen für sich, die Betonung fällt dem Leser selbst ein. Und noch eine Idee: Kürzen: Wie wäre es, wenn Deine Figur mit der Tür ins Haus fiele und sagte: "Ich bin schwanger." Nur so eine Idee, kannst sie ja mal durchspielen. Anstatt zwei Wochen Ruhe zu genießen;-)

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von Metta Maiwald

Ha, das hat sie verdient - wie Du siehst, habe ich gleich für Deine Protagonistin Partei ergriffen ;O) Passt prima in Deine Story. Was Dir neben der Bewältigung der Aufgabe ganze wunderbar gelungen ist (obwohl Du hier ja nicht die Reaktion der Protagonistin auf ihre eigene Verletzung entwickelt hast), ist der langsame Spannungsaufbau, wie Gerda allmählich dämmert, um was es geht und wie die beiden Frauen versuchen, ihr Machtverhältnis auszuloten. Die gekonnte Analyse "Walnuss Nr. 51" setzt eine Pointe, die mich schmunzeln lässt. Aber ich nehme an, mit 30 MUSS Britta noch nicht färben, um graue Haare zu überdecken und jünger auszusehen, oder? Anwenden tun das ja heutzutage schon Teenies. Unser Nachbarskind fing glaube ich mit 11 an, bei den 13-jährigen ist es schon fast normal! Also kann man von gefärbten Haaren nicht aufs Alter schließen. Mitte dreißig, dann passt es vielleicht.

Eingetragen am: 22.05.2008

Kommentar von Ginko Korn

Gekonnte Steigerung bis zum Höhepunkt! "Ich wollte meine Wunden lecken" verstehe ich zwar inhaltlich, halte die Formulierung aber für diesen einen Dolchstoß als nicht ganz schlüssig. "Ich hörte mich schluchzen" bedeutete, dass die Betrogene nicht bei sich ist. Sollte dies gemeint sein, dann passt der Satz. Tja, der zweite Frühling als Tornado: ein Thema für alle Midlifecrisisten! Wie könnte dieses tausendfach bekannte Drama herausragend gestaltet werden? Unter solchen Vorgaben kenne ich ausschließlich Tragödien. Alle Beteiligten scheinen zu verlieren. Bert ist erledigt und kann von Britta bestenfalls abgewrackt werden, wovon sie auf Dauer auch nichts hat. Wenn die eventuell wieder erstarkte Ehefrau ihren Albert zurückholt, wird sie ihn ständig aufbauen müssen, damit er über dem Status eines unterwürftigen Hundchens existieren kann. Ein Kampf der Frauen um den Grauschopf könnte für Unbeteiligte amüsant werden. Mord und Totschlag vorbehalten.

Eingetragen am: 22.05.2008

Kommentar von Bridget Olliver

Hallo Angela, der Text war nicht nur flüssig zu lesen,er war auch noch superspannend. Ich gönne Miss Walnuss Nr.51 jede Schmerzensekunde. Ihre Boshaftigkeit würde auch einen ordendlichen Splitterbruch rechtfertigen. Ich konnte mir bildlich, fast olfaktorisch vorstellen wie affektiert sich die Geliebte über die Lippen leckt. Die Reaktion der Protagonistin ist tough. "Ja und?" Merke ich mir, falls ich jemals in diese Lage kommen sollte. viele Grüße Bridget

Eingetragen am: 22.05.2008

Kommentar von rosamsa

Hallo Angela, Wow, klasse geschrieben, super Gesichte, genauso wie man sich vorstellt zu reagieren wenn einem so was passiert. Warum lässt Du nicht als Übererzählerin alle Personen sprechen, ich finde das hochinteressant, zeigt es doch wunderbar die andere Seite und man merkt dann als Leser wie schnell man für die eine oder andere Seite Partei ergreift, und wie sich das mit jedem neuen Wissensstand ändert. LG rosamsa Aber am allerbesten finde ich Deinen letzten Satz, so gehst mir auch immer. Puh, jetzt hab ich meine Schuldigkeit getan und endlich Zeit zu lesen und zu kommentieren.

Eingetragen am: 22.05.2008

Kommentar von Fledermaus

Die darf doch nicht plötzlich einen Namen haben! Nix Britta! Eine wirklich spannende Szene, in der der Daumen zwar nicht explizit bricht, aber gut, man will ja nicht kleinlich sein. ;O)

Eingetragen am: 22.05.2008

Eingetragen am: 21.05.2008 von Marie Stiehl
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11972

„Elke,komm bitte mal sofort hierhin!“
„Hab ich etwas falsch gemacht?“
„Ich habe Dir ausdrücklich gesagt, das Du gründlicher Unkraut zupfen sollst!“
„Aber da war ich doch noch gar nicht, das ist die einzige Reihe die ich noch nicht geschafft habe!“
„Das glaub ich einfach nicht . Du willst doch nicht behaupten alles fertig zu haben?“
„Doch! Darf ich heute Abend mitfeiern, wenn die Jungs vom Fußballverein kommen?“
„Ja, klar das war gute Arbeit, Du warst sehr schnell und wie ich sehe auch sehr gründlich. Wenn Du die letzte Reihe fertig hast kannst Du Schluss machen.“
„Danke!“Ich hüpfte von einem Bein auf das andere vor Freude sobald mein Chef außer Reichweite war.
Das wird bestimmt cool,dachte ich. Heinz mein Chef war vor einer Woche Vater geworden. Heute Abend macht er eine super Fete mit den Jungen aus dem Fußballverein den er trainiert und mit seiner alten Herren Mannschaft. Ich würde die einzige Frau auf der Fete sein. Naja als Frau würde ich mich nicht gerade bezeichnen. Mit meinen17 Jahren sah ich eher wie 13 aus . klein zierlich, flachbrüstig. Egal, heute Abend kommt auf jeden Fall Peter, der ist in meiner Berufsschulklasse, der ist so geil, auf den steh ich total. Ehe ich mich versah war ich fertig mit meiner Arbeit. Schnell lief ich zum Haus meines Chefs. Dort bewohne ich ein Zimmer. Direkt neben seinem Wohnzimmer. Ich schnappte mir noch schnell mein Duschzeug und huschte unter die Dusche. Nach einer gründlichen Reinigung,zurück in meinem Zimmer ließ ich mich auf mein Bett fallen. Ich stellte noch kurz meinen Wecker, der neben meinem Bett steht,drehte mich auf den Bauch und im Nu war ich eingeschlafen. Der Wecker schreckte mich aus meinen süßesten Träumen. Als ich an die Fete dachte war ich sofort hellwach. Schnell zog ich mindestens neunmal was anderes an, bis ich mich für meinen kürzesten Minirock und ein enges schwarzes tief ausgeschnittenes Oberteil entschied. Natürlich vergas ich auch den gepolsterten Wonderbra nicht. Noch ein bischen Farbe auf die Lippen, Wimperntusche und Kajal. Nach einem Blick in den Spiegel verlies ich auf meinen neuen hohen Schuhen mein Zimmer.
Antje, die Frau meines Chefs, kam mit dem Baby auf dem Arm die Treppe runter die an meiner Zimmertür endete.
„Toll siehst Du aus Elke!“
„Danke Antje, soll ich den Chris mal halten?“fragte ich.
„Das wäre super! Es ist alles noch so ungewohnt!“sagte Antje dankbar.
Ich nahm den Säugling auf den Arm.
„Der ist so süß,so richtig knuddellig, ich finde Babys einfach goldig!“
Antje war fertig,sie hatte sich etwas zu essen gemacht. Ich gab ihr den Kleinen zurück.
„Ich geh dann mal rüber, zu den Jungs!“sagte ich.
„Viel Spaß Elke, bleib sauber und sag Heinz das ich so um neun mal mit dem kleinen rüberkomme. Dann müsste er wieder wach sein!“
„Gut mach ich! Bis nachher!“ rief ich und lief die paar Meter ,so schnell es meine Schuhe zuließen, bis zum Arbeitsraum wo die Fete schon langsam anlief.
Ich steckte den Kopf zur Tür rein und fünfundzwanzig Männer Augenpaare richteten sich auf mich.
„Hallo, ich bin die Elke!“sagte ich in die Menge.
Heinz kam an und packte mich grob am Arm.
„Aua!“kreischte ich.
Er zog mich aus dem Raum.
„Zieh Dir sofort was anderes an! Ich will nicht das Du so hier mitfeierst.“ schnauzte er.
Mit hängenden Schultern ging ich mich umziehen. Wie sollte ich den jetzt noch bei Peter landen? Ich zog mir eine super enge Jeans an, schwarze Stiefel und ein schwarzes Top. Trotzig machte ich mich wieder auf den Weg zur Fete.
Ich öffnete die Tür und lief geradewegs Peter vor die Nase. Er lächelte mich an. Ich lächelte zurück. Ein Glück dass es nicht so hell im Raum war, sonst wäre aufgefallen dass ich rot wie eine Tomate angelaufen war. Peter war mein absoluter Traummann.
Wir unterhielten uns angeregt. Ich war glücklich.
Unser Gespräch wurde nur unterbrochen, wenn ich einen „Stiefel“ antrinken musste.
Das ist ein Glas das wie ein Stiefel geformt ist und meiner Meinung nach mindestens fünf Liter Bier fasst. Ich glaube es waren nur zwei Liter. Gar nicht so einfach so etwas anzutrinken ohne sich wer weiß nicht wie zu beschlabbern. Ich konnte das sehr elegant. Um mich nicht zu blamieren nahm ich jedes mal einen riesen Schluck. Die Wirkung ließ nicht lange auf sich warten. Am Anfang war es nur ein Dauerkichern, dann lag ich Peter in den Armen. Heinz kam angerannt und hielt mir eine Standpauke.
„Wenn ich dich noch einen Schluck saufen sehe, dann gehst Du sofort auf dein Zimmer. So und jetzt zu Dir mein Freund, Du gehst nach Hause, Du hast auch genug getrunken!“sagte er an Peter gerichtet.
„Wenn Peter gehen muss, dann geh ich auch!“sagte ich.
In dem Moment betrat Antje den Raum. Auf Ihrem Arm schlummerte Chris.
Heinz und der ganze andere Trupp war abgelenkt.
Peter zog mich nach draußen.
In der kühlen Abendluft wurde mein Kopf wieder klarer. Mich fröstelte es.
Peter zog mich an sich. Wir küssten uns. Das musste der Himmel sein!
„Elke, Eeeelke!!!!!!!“
Notgedrungen befreite ich mich von Peter.
„Ja was ist?“brummmte ich wütend.
„Komm sofort wieder rein!“
„Ja!“Ich zog die Schultern bedauernd hoch und verabschiedete mich mit einem flüchtigen Kuß auf die Wange von Peter.
Muffelig betrat ich den Raum.
„Ich hab keine Lust mehr, ich geh schlafen!“ sagte ich trotzig zu Heinz. Ich drehte mich um und verliess die angeheiterte Bande. Schnurstracks lief ich in mein Zimmer. Dort angekommen mümmelte ich mich sofort in mein Bett. Nicht ohne vorher meinen Wecker zu stellen. Nach zwei Stunden wache ich von einem Geräusch auf. Hilfe da legt sich einer in mein Bett. Eine Hand tastet nach meinen Brüsten. Ich spüre einen Schnäuzer auf meiner nackten Haut. Peter kann das nicht sein. Schlagartig trifft mich die Erkenntnis das es nur mein Chef sein kann. Iiiiiihh denke ich und schubse Ihn mit einem Ruck aus meinem Bett. Er plumpst auf den Boden und jault ganz komisch. Ich muss lachen, aber nur ganz leise, damit Antje nichts hört. Ich steige über Heinz und schalte das Licht an. Er liegt auf dem Rücken und hält sich mit der linken Hand den Daumen der Rechten fest. Ich überlege wie ich Ihn aus meinem Zimmer schaffen kann. Ich stelle mich hinter Ihn und ziehe ihn ins gegenüber liegende Wohnzimmer, er kooperiert indem er sich ruhig verhält und mit seinen Beinen mitgeht. Nachdem ich Ihn neben das Sofa gelegt habe, schleiche ich die Treppe zu Antjes Schlafzimmer hoch, ich will Chris nicht wecken. Antje war sofort hellwach, als ich Ihr schildere, dass ich durch ein Geräusch wach geworden bin und nachgesehen habe was los ist. Dann habe ich den Heinz schon gefunden und Dich gerufen. Antje ist Krankenschwester,routiniert untersucht sie den Daumen Ihres Mannes. Er gibt nur Schmerz laute von sich.
„Der Daumen ist gebrochen, wir müssen in ein Krankenhaus fahren, kannst Du auf Chris aufpassen?“fragt sie mich.
„Natürlich Antje.“ sage ich schlicht.
Nachdem beide das Haus verlassen habe zittere ich am ganzen Körper. Wer weiss was passiert wäre,wenn der Daumen heil geblieben wäre?
Am nächsten Tag kündigte ich fristlos.


Kommentar von Malea

Liebe Marie! Mir hat deine Geschichte gefallen, du triffst den Ton. Die Heldin scheint ziemlich naiv zu sein, auch nicht besonders helle, aber letztlich ist dieser Abend (hoffentlich) ein Wendepunkt, sie nimmt ihre Angelegenheiten in die Hand (Kündigung) und lässt sich nicht länger rumschubsen. Schreib weiter so, aber bitte ein wenig gründlicher bei Rechtschreibung und Zeichensetzung (in Word schreiben, Fehlerkorrektur nutzen, Text ins Eingabefeld kopieren, es lohnt sich!). Liebe Grüße, Malea.

Eingetragen am: 25.05.2008

Eingetragen am: 21.05.2008 von Birgit Jennerjahn-Hakenes
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11966

Roberta bricht sich einen Daumen

Verflucht, dachte Roberta, so fängt also mein neues Leben an. Schlechter Start. Sie saß in der Notaufnahme der Chirurgie, wo sich nach stundenlanger Wartezeit ein Arzt und eine Krankenschwester um sie kümmerten.
„Wie ist das passiert?“, fragte die Schwester. Sie war bemüht, Mitgefühl zu zeigen, während der Arzt schweigend Robertas linken Daumen eingipste.
„Ich ziehe um und …“
„Aha“, unterbrach sie der Arzt. Offensichtlich wollte er gar nicht wissen, wie Robertas Satz weiterging.
Roberta dachte an das Chaos in ihrer dusteren Einliegerwohnung, die sie nun endlich verlassen würde. Nicht das einzige Loch, aus dem sie heraus musste. Ihre einfachen Schlafzimmermöbel hatte sie der Caritas vermacht. Schrank, Kommode und Bett waren bereits abgeholt worden. Die letzte Nacht hatte sie auf der ausklappbaren Wohnzimmercouch mehr schlecht als recht geschlafen. Eigentlich der Besucherschlafplatz. Besuch. Bis Carsten an der Tür geklingelt hatte, war nie welcher gekommen.
Nach sparsamer Morgentoilette hatte sie schon um 7:00 das Sofa zusammengeklappt und ihren linken Daumen dabei eingeklemmt. Erst durchfuhr sie ein höllischer Schmerz, dann baumelte der Daumen wie ein lästiges Anhängsel an der Hand herum. Ihren Schrei hatte sie gar nicht wirklich wahrgenommen. Als Herr Zeutsch Sturm klingelte, realisierte sie, dass irgendetwas passiert war.
„Frau Weis, um Gottes Willen, öffnen sie!“ Herr Zeutsch hämmerte mit seinen Fäusten gegen die altersschwache Tür. Roberta öffnete so schnell sie konnte. Nicht, dass der Rentner einem Herzinfarkt zum Opfer fiel. Roberta wollte nicht auch noch daran schuld sein.
Die Zeutsch waren ihre Vermieter. In der Einliegerwohnung hatte einst ihr Sohn gewohnt. Frau Zeutsch baute gesundheitlich mehr und mehr ab. Er war weitaus fitter. Im Moment konnte er jedoch nichts für Roberta tun, als ihr ein Taxi zu rufen.
„Sie ziehen sonntags um?“ Zack hatte die Schwester den Stecker aus Robertas Gedankenstrom gezogen.
„Nein, nein. Ich bin nur am Packen, morgen geht es los.“
„Sie Arme, jetzt haben sie ein Handicap. Sicher haben sie genug Helfer.“
„Jede Menge“, log Roberta, die von ihrem Gesparten nicht nur ein paar Möbel erworben hatte, sondern auch eine Umzugsfirma bezahlte, die für sie schleppte.
War es nun an der Zeit, fremde Hilfe anzunehmen? Sofort dachte Roberta an Carsten, der ihr gar nicht mehr so fremd war. Ihr Cousin, der nach mehreren Jahren in Australien nach Süddeutschland zurückgekehrt war. Nachdem er seine Familie bei einem Hausbrand verloren hatte, sehnte er sich nach Menschen, die mit ihm verwandt waren. Urplötzlich war er bei Roberta aufgetaucht.
Carstens Sohn war verbrannt. Acht Jahre alt. Wie konnte er überleben, fragte sich Roberta.
„Und du? Wie kannst du überleben?“
Er hatte Recht. Robertas Sohn war nicht verbrannt. Er lebte. Und das, ohne zu wissen, dass sie die leibliche Mutter war, die ihn aus eigener Schuld verloren hatte, als er sechs Monate alt war.
„Fertig“, sagte der Arzt und eilte sofort in die nächste Kabine, wo ein Arm gegipst werden musste.
Fertig. Nein, nichts war fertig. Dies hier war der Beginn. Roberta trat in die stickige Sommerschwüle hinaus und fummelte mit der rechten Hand ungeschickt ihr Handy aus der Handtasche.
„Wie kann man sich nur als Linkshänder den linken Daumen brechen?“, fragte Carsten, der schon nach zweimal Klingeln rangegangen war. „Ich komme und helfe dir!“
Roberta war egal, was der Taxifahrer dachte. Sie ließ ihren Tränen freien Lauf.


Kommentar von Birgit Jennerjahn-Hakenes

@Mata: Vielen Dank für den Tipp, was den gegipsten Daumen betrifft, hatte ich null drüber nachgedacht!!! Ja, die Vermieter spielen eine gewisse Rolle in Robertas Leben.

Eingetragen am: 25.05.2008

Kommentar von Mata

Hallo Birgit. Ja, das liest sich gut. Vor allem gefallen mir ‚die Unterbrechungen’, bzw. die Rückblenden, die du eingebaut hast. Das ist meist schwierig und du hast das gekonnt gemeistert. Mir, die sich vor zwei Jahren wirklich mal den Daumen gebrochen hat, wurde damals gesagt, dass man keinen Gips mehr verwendet. Meist wird ‚bloß’ eine Schiene angepasst. Vielleicht müsstest du das noch genauer recherchieren. ___ Die Stelle mit den Vermietern ist vermutlich für die Geschichte wichtig, oder? Wenn nicht, würde ich sie streichen, weil sie die Sequenz unnötig in die Länge zieht, ohne sie weiter zu bringen. LG, Mata

Eingetragen am: 24.05.2008

Kommentar von uschi

Eine starke Umsetzung der Übungsaufgabe. Ich könnte mir diesen Text gut als Einstieg in deinen Roman vorstellen, als erste Bekanntschaft mit der Hauptfigur und gleich mitten drinn in ihrer Umzugssituation. Einige Spuren die neugierig machen sind bereits gelegt - was geschah mit ihrem Sohn - wie kam es zu dem tragischen Unfall ihres Cousins??? Bin gespannt wie es weitergeht.

Eingetragen am: 21.05.2008

Eingetragen am: 21.05.2008 von Heidrun Wolf
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11964

Maria schrie auf und versuchte, ihre Hand aus dem Spalt zu befreien. Endlich lies Gerald die Fensterscheibe wieder etwas runter. Weil Thor sie packen wollte, hatte Gerald schnell den elektrischen Fensterheber betätigt. Thor hielt ihre Hand etwas zu lange fest und so wurde sie eingeklemmt. Mit der Linken tastete sie die Finger ab. Der Daumen fühlte sich gar nicht gut an.
Im Rückspiegel konnte sie erkennen, dass Thor gefallen war. Er rappelte sich grade mühsam wieder auf und humpelte zurück zum Haus. Sie spürte Genugtuung, dass er auch etwas abbekommen hatte.
Nach dem ersten Schock kam der Schmerz. Ein halbes Jahr waren sie jetzt in Geralds Heimat. Ausgerechnet am Tag ihrer Abreise brach ihr Daumen. Sie würde nicht zum Arzt gehen. Ihre Krankenversicherung für Europa war abgelaufen und morgen konnte sie in Mexiko ihren Heiler aufsuchen.
Astrid und Anja war nichts passiert. Thors Wut galt natürlich der Tatsache, dass die beiden mit Maria und Gerald nach Mexiko fliegen würden, fort aus seinem Einflussbereich. Heimlich hatten sie die nötigen Papiere besorgt und Sachen gepackt. Es wurde Zeit, dass Astrid sich von Thor löste. Ihr Körper war mit Blutergüssen übersät und immer öfter trug sie eine Sonnenbrille. In den letzten Tagen hatte Astrid auch an Anjas kleinem Körper blaue Flecken entdeckt. Allen war klar, dass seine Angriffe noch häufiger werden würden, wenn Gerald und Maria nicht mehr da waren.
Dabei begannen die Schläge erst, als Thor Geralds Frau kennen lernte. Astrid kam es so vor, als sei damit bei ihm ein Schalter umgelegt worden. Gleich nach Anjas Geburt zeigte sich, dass ihre Heirat ein Fehler war. Isolde, ihre Schwiegermutter, hatte Anja sofort für sich beansprucht und wenn Astrid dagegen aufbegehrte, wurde sie von Thor zurechtgewiesen.
Dann kamen Gerald und Maria zur Taufe. Thor erstarrte, als er Maria sah. Es war, als ob die Beiden sich schon seit Anbeginn der Zeit kannten. Thor umschwärmte Maria, bedrängte sie zunehmend. Nichts und niemand konnte ihn daran hindern, weder Isoldes vorsichtige Ermahnungen noch Geralds Anwesenheit oder Marias abweisende Haltung. Jede Zurückweisung Marias bekam Astrid zu spüren. Gleichzeitig wurde ihr Maria zu einer wunderbaren Freundin, die Verständnis für ihre vielen kleinen und vor allem großen Probleme hatte. Auch Anja mit ihren wenigen Monaten liebte Maria.
Gerald staunte immer wieder über seine kleine Frau und wurde sich mehr und mehr bewusst, wie wenig er sie erst kannte. Als Gerald sie fragte, ob sie nicht mit ihm nach Europa reisen wolle, hatte Maria auf Heirat bestanden und ihm fiel nichts ein, was dagegen sprach. Die erste Überraschung, die sie ihm bereitete, war die Mayazeremonie, die ihr wichtiger zu sein schien als die Trauung in der Kirche. Er hatte bis dahin nichts von ihrer Abstammung gewusst. Als die Probleme mit Thor begannen, schien sie immer schon vorher davon zu wissen. Es wäre ihm wirklich lieber gewesen, wenn er vor dem Zusammenstoß mit Thor gewusst hätte, dass Maria eine Kampfsportart beherrschte. So war er genauso verblüfft wie sein Bruder, als dieser plötzlich auf dem Boden lag. Allen wurde klar, dass Thor Maria nicht beherrschen konnte und sich selber zunehmend auch nicht. Thor war es nicht gewohnt, dass ihm jemand widerstand, schon gar nicht in der Familie.
Gerald sah auf Marias Hand. Der Daumen hing in einem ungewohnten Winkel herab. Maria lächelte ihm zu: „Morgen gehe ich sofort zum Heiler. Fahr zum Flughafen. Im Handgepäck habe ich eine Medizin aus Mexiko, die wird mir helfen“


Kommentar von Carola Ottenburg

Mir geht es, wie Angela. Zu viele Namen, die ich nicht zuordnen kann, versperren mir den Zugang zur eigentlichen Geschichte. Mehr, als die Familiengeschichte hätte mich an dieser Stelle interessiert, weshalb der Daumen überhaupt im Fenster war und wobei Thor etwas abbekommen hat (und von wem).

Eingetragen am: 31.05.2008

Kommentar von Angela Barotti

Die Menge an Mitwirkenden hat mich erschlagen. Die Fäden gehen kreuz und quer, und es dauert mir zu lange, sie alle zu entwirren./Zum Personenwirrwarr kommt auch noch ein Länderwirrwarr dazu. Wie ist der Satz zu verstehen: "Ein halbes Jahr waren sie jetzt in Geralds Heimat. Ausgerechnet am Tag ihrer Abreise brach ihr Daumen." Sie reisen nach Mexiko. Soweit ist es klar. Das ist aber nicht Geralds Heimat (welches Land ist das?), denn dort sind sie bereits seit einem halben Jahr, brauchen also nicht mehr hinzureisen. Ist Geralds Heimat auch die Heimat von Thor, der ja dort ein Haus zu besitzen scheint, in das er nach der Begegnung am Auto zurückhumpelt?

Eingetragen am: 24.05.2008

Eingetragen am: 21.05.2008 von Bridget Olliver
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11963

In der zweiten Stunde hatte die 5c Sport bei Herrn Sperling. Der sah gar nicht aus wie ein kleiner Vogel. Im Gegenteil, er war etwas dicklich um die Mitte herum und trug im Sportunterricht stets einen gestreiften Ringeranzug. Seine Schnurrbartenden hatte er zu zwei schwarzglänzenden Lakritzschnecken aufgezwirbelt.
In der Turnhalle war schon ein Trampolin, dahinter ein Turm aus Holzböcken und abschließend eine dicke Matte aufgebaut.
Als Charly an der Reihe war zu springen, gaben Marius und Lois Hilfestellung. Die beiden schauten sich an, als gäben sie sich in dieser Sekunde ein stillschweigendes Einverständnis. Charly lief, Charly sprang und als er in der Luft schwebte und ihre Arme suchte, rissen Marius und Lois ihn mit einem Ruck zur Seite. Charly flog in hohem Bogen seitlich über den Holzbock und knallte kopfüber auf das grauschwarze Linoleum.

Fassungslos lag er am Boden und konnte sich nicht bewegen. Er hatte keine Schmerzen aber sein Daumen fühlte sich falsch an. Wie in Zeitlupe sah er, dass Herr Sperling auf ihn zueilte und sich der Rest der Klasse um ihn scharte. Herr Sperling fragte besorgt ob er ihn hören könne, fühlte seinen Puls und verweilte schließlich bei Charlys Daumen. „Das sieht nicht gut aus, wie konnte das passieren“ fragte er. Charly linste auf seinen linken Daumen und zuckte mit den Schultern. Der Daumen stand in einem gewagten Winkel vom Rest der Hand ab. „Das muss geröntgt werden,“ beschied Herr Sperling und geleitete Charly zu einer der Bänke, die an den Turnhallenwänden standen. Elsa sollte sich neben ihn setzen, für den Fall dass Charly in der Zeit, bis seine Mutter kam schwindelig würde.
Als Frau Tschörner durch die Turnhallentür rauschte, grell geschminkt und stark parfümiert, bedachte sie Herrn Sperling mit einem kleinen falschen Lächeln und Charly mit einem vernichtenden Blick. „Bist du sogar zu blöd um über ein paar Holzkästen zu springen? Und dann auch noch mitten in meiner Arbeitszeit,“ fuhr sie ihn an.
Der Daumen hatte die Farbe einer reifen Aubergine bekommen und begann höllisch zu schmerzen. Elsa, die immer noch neben Charly saß, drückte sanft seine gesunde Hand.


Kommentar von Bridget Olliver

Hallo Frog, damit hätte ich nicht gerechnet, dass mich hier allen Ernstes jemand vermißt :-) Bei mir ist einfach nur die Luft raus. Fahre morgen für zwei Wochen in den Urlaub und bin dann bestimmt wieder dabei. Liebe Grüße Bridget

Eingetragen am: 27.06.2008

Kommentar von Frog

Hi Bridget, ich wollte Dir nur sagen, dass ich Dich und Deine Einträge vermisse. Was ist los? EM-Fieber oder was Ernstes??? Hoffentlich bis bald, sagt Frog.

Eingetragen am: 27.06.2008

Kommentar von Carola Ottenburg

Mir haben Lakritzschnecken und der Ringeranzug sehr gefallen. Durch sie kommen Farbe und Leben in den - zumindest auf mich - stellenweise sehr reportagehaften wirkenden Text. Erst, als Charlys Mutter in die Halle rauscht, gewinnt auch die Geschichte richtig an Fahrt.

Eingetragen am: 31.05.2008

Kommentar von Ginko Korn

Hier erzählt Charly nicht selbst, sondern die Autorin. Deswegen sollte die Sprachebene weniger kindlich sein. Der Winkel, in dem der Daumen absteht, wäre nur dann gewagt, wenn dieser Zustand vorübergehend ist. Den Bruch träfen besser Ausdrücke wie "bizarr", "abenteuerlich", "unnatürlich". Die Episode nimmt vorweg, dass Charly, gemobbt und ungeliebt, noch schweres durchmachen wird.

Eingetragen am: 28.05.2008

Kommentar von Bridget Olliver

1000 Dank für die sorgfältigen Kommentare, @Malea, danke, daran habe ich gar nicht gedacht, dass ein Sperling ebenfalls dicklich um die Mitte herum ist. Besser wäre "In der zweiten Stunde hatte die 5c Sport bei Herrn Sperling. Er war etwas dicklich um die Mitte herum und..." Im echten Leben ist mein Mann wegen eines ungesicherten Gatters mal eineinhalb Meter tief kopfüber auf ein Betonpflaster geknallt.Er hatte auch eine Kopfverletzung aber die gröbste Verletzung war ein Daumenbruch. Sein bester Freund hatte sich zur selben Zeit an anderer Stelle auch den Daumen gebrochen und die beiden trugen kirschrote Gipsarme. Tres chic :-)Deswegen habe ich Charlys Kopf nicht weiter beachtet. Die Geschichte soll in der Gegenwart spielen. Es werden sehr wahrscheinlich magische Dinge geschehen, so dass ich es mit der Realitätsnähe nicht allzu genau nehmen möchte. Ansonsten müsste ich schon mal die Lakritzschnecken und den Ringeranzug streichen. @Angela, zu hoher Blutdruck ist ungesund. Ich habe mich gefreut, dass Dir Elsa aufgefallen ist. liebe Grüße Bridget

Eingetragen am: 26.05.2008

Kommentar von Malea

Liebe Bridget! Komme erst jetzt zum Lesen und Kommentieren, aber dein Beitrag ist mir sofort sehr angenehm aufgefallen. Das Wesentliche ist schon gesagt (ein Nachteil des späten Kommentierens...), aber bei mir hat der Text schon vor Frau Tschörner heftige Emotionen ausgelöst, herrlich beschrieben der Turnlehrer (warum hat er denn nichts bemerkt!?). Übrigens ist ein Sperling durchaus auch auch "dicklich um die Mitte herum", so ein kleiner dicker Spatz, das passt aber auch so gut dazu. Wenn der arme Charly kopfüber auf den Boden geknallt ist, hätte ich eher eine Kopfverletzung erwartet. Aber seine Mutter würde dazu wahrscheinlich nur sagen: "Nicht einmal ordnungsgemäß verletzen kannst du dich!" ;-) Spielt deine Geschichte in der Gegenwart? Eher nicht, oder? Bin sehr gespannt auf mehr. Liebe Grüße, Malea.

Eingetragen am: 25.05.2008

Kommentar von Angela Barotti

Der Unfall kommt unaufgeregt daher, treibt den Blutdruck des Lesers nicht in die Höhe. Das passiert erst mit Auftritt von Frau Tschörner. Sie gibt der Szene Farbe. Schön ist auch der letzte Satz, wie Elsa ihre Unterstützung kundtut.

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von Bridget Olliver

Hallo zusammen, vielen Dank für das positive Feedback:-))) @Frog, auch Hi, die Assoziation mit dem Duftmix ist gut. Käsefuß mit Talkum, Hartholz, der Geruch verbranntem Gummis vonTurnschuhsohlen, Angschweißdurchtränktes Linoleum und natürlich auf jeden Fall Bohnerwachs... Du bringst mich auf Ideen. Den Roman möchte ich gerne in der auktorialen Erzählweise schreiben. Dann kann man sich auch mal ein bißchen über die kleine Gedankenwelt der Mutter auslassen. Oder einen Ausflug nach Rom machen. Oder gucken wie es bei Marius und Lois zu Hause aussieht. liebe Grüße Bridget

Eingetragen am: 22.05.2008

Kommentar von Frog

Hi Bridget! Bist Du das auch mit dem auktorialen Stil? Irgendwie dachte ich, Du würdest Charly in der 1. Person erzählen lassen. Egal! Jedenfalls war ich mit in der Turnhalle und hatte diesen einzigartigen Duftmix aus Bohnerwachs, Muff und Kinderschweiß in der Nase. Ein übles Erlebnis, sehr lebendig geschildert. Die alte Tschörner zeichnest Du in wenigen Worten als blöde Kuh – so eine Mutter kann kein Kind gebrauchen. Gefällt mir...

Eingetragen am: 22.05.2008

Kommentar von RoseCanyon

Hallo Britget, Lillilu hat 100% recht. Super geschrieben. Und es gibt auch genau wieder was ich schon immer gepredigt habe: Gerätesport in der Schule ist reiner Mord. Warum gab es Dein Buch nicht schon vor 20 Jahren als Warnung? Deine Charaktere gefallen mir auch sehr gut und sie sind absolut realitätsnah. Weiter so!

Eingetragen am: 22.05.2008

Kommentar von Lillilu

Wunderbar locker und spielerisch geschrieben - ein Vergnügen!

Eingetragen am: 21.05.2008

Eingetragen am: 21.05.2008 von Lillilu
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11955

(2 kleine Szenen mit den Protagonisten Nr. 6 und Nr.7 aus #10311 und #11492, Friedericke und Clemens Füllgraf aus „Die Redelsheimer“)

Mai 2000

Friedericke schwingt ihre runden Formen den Weg hinunter, im Hängerkleidchen mit tiefen Taschen, voller praktischer Dinge wie Baststreifen, Blumendraht und kleiner Gartenschere. Bis zu der sonnigen Lichtung, wo der Kahlschlag zwischen den alten Bäumen die Eingeweihten daran erinnert, dass hier einmal die Berliner Mauer stand. Die Gartenschere schnippt leise an Verblühtem und Vertrocknetem, die Blütenblätter der Rosen verschwinden in der Kleidertasche.

Clemens seinerseits schiebt den Rasenmäher Richtung Uferstreifen und bleibt immer mal stehen, um zu den vor Anker liegenden Booten zu schauen – ideales Wetter zum Segeln, kein Wölkchen am Himmel, aber eine leichte Brise von West. Der Rasen muss gemäht werden, er schiebt weiter. Die Maiglöckchen werden unerkannt gemetzelt. Friedericke betrachtet ihre Rosen, streift die Läuse von Buff Beauty, Hermosa und Sarah van Fleet bis ihre Finger grün sind – sie sammelt die Läuse jeden Tag einzeln ein! Dann schlendert sie wieder den gewundenen Weg nach oben, zum Haus und macht sich ans Kochen. Überbackene Polenta mit Pilzen und wenig später lassen sie und Clemens es sich schmecken.

„Was ist mit deinem Finger?“ Sei starrt auf einen dicken Verband um Clemens linken Zeigefinger, Mullbinden chaotisch rumgewickelt.

„Nicht so schlimm! Hab Jod rauf gemacht.“

„Würdest du mir bitte sagen, was dir da passiert ist, Clemens, zeig’s mir bitte!“

Er will nicht! Was von alleine kommt, das geht auch von alleine wieder weg! Das Essen wird kalt, Riecke kramt nach weiteren Hilfsmitteln in einer Schublade. Endlich wickelt er die Mullbinden ab und eine klaffende Wunde kommt zum Vorschein – sein linker Daumen sieht aus, als wenn er in den Rasenmäher gekommen wäre.

„Der Rasenmäher...?“ haucht Friedericke mit zitternder Unterlippe.

„Nee, wo denkst du hin! Das war die Sichel.... ja nun bleib mal ruhig! ....am Nussbaum stand das Gras so hoch, direkt am Stamm, da kann man ja nicht mähen! Wie? ... Na, ich dachte mir ‚versuch’s doch mal mit der Sichel ... ich hab so ein Büschel Gras genommen, links, ja natürlich mit der linken Hand und hab mit der rechten dann dieses Büschel weghauen wollen...“

Er weigert sich zur Notaufnahme zu fahren, Jod und Mullbinde muss reichen! „Nimm wenigstens noch ein paar Globuli Arnica“ drängt Friedericke und klappert mit ihrer homöopathischen Hausapotheke.

Am nächsten Tag überweist ihn Dr. K., der Hausarzt, sofort zum Chirurgen. Der Daumen wird geröntgt, genäht und mit einer Schiene verbunden, er ist angebrochen! Eine wochenlange Schonfrist für Clemens linke Hand setzt ein, das Gras wächst ungestört weiter, um den Stamm des
Walnussbaumes stehen die Halme hoch wie ein mittelalterlicher Stehkragen.


Mai 2006

Durch den Königswald huschen die Autoscheinwerfer, die gewundene Strasse führt direkt nach Sacrow. Der Krampnitzer See auf der rechten Fahrbahnseite, mit einer kleinen Badebucht, die Laubbäume wie frisch gewaschen nach dem Regen. Jetzt in der Dämmerung könnten die Kröten wandern, denkt Friedericke. Da! Mitten auf der Fahrbahn!

„Clemens! Da sitzt eine Kröte, wir müssen sie retten!“
„Was denn, jetzt? Ist das denn die Zeit für Kröten, die haben ja gar kein Schild aufgestellt, ich fass sie nicht an! Die ist schleimig!“

Friedericke sitzt am Steuer, sie hat Arthrose, vor allem bei feuchtem Wetter, kann sich nicht bücken, ohne dass ihr jemand hoch hilft. Auch wenn sie mal im Wald die Blase entleeren will, muss sie das hinter dem Auto tun, damit sie sich an der Karosserie hochziehen kann.

Sie bettelt für die Kröte „Du nimmst ein großes Blatt in die Hand und damit kannst du sie hochheben!“

Clemens steht im Scheinwerferlicht, verzieht das Gesicht, hebt die Kröte auf und trägt sie auf die andere Straßenseite.

„Da, Clemens, noch eine Kröte!“

Er sammelt, Friedericke fährt langsam hinter ihm her, im Lichtkegel des Scheinwerfers sehen sie immer mehr Kröten, kleine und große. Clemens verschwindet ein paar Meter in den Wald, um die Kröten zu eskortieren.

Da hört Friedericke einen lauten Schrei! Sie ruft nach ihm, hört ihn stöhnen und nun hievt sie sich doch aus dem Auto, schnappt sich ihre Krücke, humpelt zu ihm rüber. Er liegt im Gras!

„Mein Fuß ist in ein Loch gerutscht! Es tut höllisch weh! Ich glaub ich hab mir meinen großen Zeh gebrochen!“

In der Dämmerung zieht sich Clemens an Friederickes Krücke vorsichtig hoch, beide halten sich an ein und derselben Gehhilfe fest.

„Schade, dass ich kein Foto machen kann!“ knurrt sie.

Clemens kann nicht auftreten, lehnt sich an einen Baum. Friedericke humpelt zum Auto um die zweite Krücke zu holen und Clemens ruft ihr hinterher „Lass mal, Riecke, mach dir nicht die Mühe!“ Sie holt die zweite Krücke, sie schaffen es wieder bis zum Auto, fahren an ihrem Haus vorbei und gleich weiter nach Kladow, zur Notaufnahme in Havelhöhe. Der Fuß wird geröntgt und geschient - Clemens hat sich tatsächlich den großen Zeh gebrochen.

Für ein paar Wochen humpeln beide an Krücken und überlegen wie sie den alten Speisenaufzug im Haus in einen Personenaufzug verwandeln können, wenn sie denn das Geld hätten, um Handwerker zu holen. „Nun, sagt Friedericke, „ich hätte da so eine Idee...“ Aber das wäre jetzt eine andere Geschichte.


(P.S. Ich bin vom 25.5. bis 1.6. verreist und freue mich auf eure Kommentare, die in der Zwischenzeit eintreffen werden (hoffentlich!))


Kommentar von M.P.

Hallo Lillilu, ich hoffe, dass es dir gut geht. Ich weiß auch nicht, wie ich anders an dich rankommen soll, als so. Hoffentlich bist du nicht enttäuscht, über die Kommentare auf deinen Beitrag. Ich weiß halt nicht warum du fehlst, aber du fehlst und es fällt echt auf. Über ein "Lebenszeichen" von dir würde nicht nur ich mich freuen. Auf bald. LG M.P.

Eingetragen am: 10.06.2008

Kommentar von Tinkerbell

Hallo Lillilu Hoffe, dass Du schöne Ferien hattest! Hab Dich seit langem schon nicht mehr gelesen hier. Wo bist Du? Du fehlst und es fällt auf :) Gruss, Tinkerbell

Eingetragen am: 04.06.2008

Kommentar von Numungo

Hallo Lillilu, der arme Clemens, muss er immer so viel leiden? Ist er ein Pechvogel? Manche Szenen sind nicht ganz stimmig. Ich glaube nicht, dass gleich ein ganzer Fuß geschient werden muss, nur weil der große Zeh gebrochen ist. Oder doch? Gott sei Dank habe ich diesbezüglich keine Erfahrung. Weshalb nerven sich Friedericke und Clemens? Viele Grüsse, Numungo (12052).

Eingetragen am: 01.06.2008

Kommentar von Carola Ottenburg

Hallo Lillilu, was soll ich sagen. Mir hat der zweite Teil, der streng genommen nicht zur Aufgabe gehörte, besser gefallen, als der erste. Das liegt z.T. daran, dass ich schon den ersten Satz unglücklich formuliert fand. Es hat eine Weile gedauert, bis ich darauf gestoßen bin, dass "die praktischen Dinge" grammatikalisch im Hängerkleidchen und nicht in den Taschen stecken. Auch den zweiten Satz fand ich nicht überzeugend formuliert, und im Satzbau unnötig kompliziert. Diesem unglücklich Einstieg folgen noch einige Formulierungen, mit denen ich auch nicht warm werde. Das von Fledermaus monierte "und wenig später sie und Clemens es sich schmecken" gehört genauso dazu, wie das "– sie sammelt die Läuse jeden Tag einzeln ein!". Auch, wenn sie das jeden Tag macht, sammelt sie die Blattläuse nicht ein, sondern zerquetscht sie beim Abstreifen. Auch das abschließende Ausrufungszeichen fand ich nicht nachvollziehbar. Dann war da auch noch dieser Stehkragen. Eigentlich ein schönes Bild, aber lass' das Mittelalter raus. Stehkrägen tauchen erst in der Renaissance auf. Mir ist klar, dass das Kleinkram ist. Aber irgendwie hat dieser Kleinkram sich beim Lesen summiert und dazu geführt, dass ich mit dem Teil nicht so recht warm wurde. Das kannst Du besser! Clemens Verhalten fand ich dagegen durchaus nachvollziehbar. Das könnte daran liegen, dass mein Mann sich fast genauso verhalten hat, als er sich mit einem beim Abwasch zerbrochenen Glas fast den Daumen abgesäbelt hat. Ich wünsche Dir einen schönen Urlaub! Viele liebe Grüße Carola

Eingetragen am: 31.05.2008

Kommentar von M.P.

Hallo Lillilu. Schönen Urlaub gehabt? Deine Texte, hm. Es wurde ja schon einiges gesagt, zum Teil berechtigt. Die Umschreibungen der Arbeit sind dir wirklich gut gelungen, es entstehen deutliche Bilder beim lesen. Aber die Gefühle kommen schlecht weg. Gut, vielleicht ist Clemens ja so gestrickt, bleibt abzuwarten. Medizinisch gibt es ein kleines Problem. Um Wunden zu nähen gibt es ein Zeitfenster, das sechs Stunden nicht überschreiten darf. Nach dieser Zeit ist die Wundheilung schon in einem zu weit vortgeschrittenem Stadium, und ein nähen der Wunde ist nicht mehr möglich. Ich wünsch Dir was, LG M.P.

Eingetragen am: 30.05.2008

Kommentar von Lillilu

@Fledermaus: Redundanz: akzeptiert, alles andere aber nicht. Clemens mäht den Rasen mit dem RASENMÄHER und benutzt eine SICHEL, um das Gras um einen Baumstamm zu entfernen. Dabei geht der Normalmensch in die Knie und kann so seinen Daumen verletzen. Mit der SENSE zu mähen muss erlernt werden und würde um einen Baumstamm herum keinen Sinn ergeben. Die Szene wurde so erlebt, aber sicher haben wir nicht stilgerecht gelebt, verzeih uns. Die zweite Episode ist nicht überflüssig, da sie im Laufe der Zeit zeigt, wie sehr sich Friedericke und Clemens gegenseitig nerven. Mir hat es viel Spaß gemacht diese Szenen zu schreiben!@Frog: Friederike, Friedericke,Friederika = weibl. Form von Friedrich (Friede + Herrscher). Rieke, Rike = Kurzform. Ein überflüssiges „C“ bei Rieke! @ Ginko: Nie war er so wertvoll wie heute. Bei Nebenwirkungen fragen sie ihren Arzt und Apotheker!

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von Frog

Es beginnt mit schönen Bildern, aber die Sache mit dem Zeh hättest Du Dir auch schenken können. Was soll ich kommentieren? Du hast halt einen ganz eigenen Stil, der nicht jedermanns Sache ist. Ich könnte mich damit anfreunden, nicht aber mit der Schreibweise "Friedericke", die Du abgekürzt aber Riecke nennst... Und @Ginkos Kommentar war wieder mal eine Klasse für sich. Ich habe laut gelacht!

Eingetragen am: 22.05.2008

Kommentar von Fledermaus

Hallo Lililu. Die zweite Episode ist völlig überflüssig, abgesehen von dem netten Absatz über die Arthrose. Achte auf Redundanzen: "sein linker Daumen sieht aus, als wenn er in den Rasenmäher gekommen wäre.„Der Rasenmäher...?“ haucht Friedericke ..." . Und dann bin ich als Leserin misstrauisch. Jemand, der mit einer Sichel mähen kann würde sich eher nicht auf diese Weise schneiden, die Du beschreibst. Es passt für mich ohnehin nicht gut zusammen: Die Frau, die so liebevoll die Rosen pflegt, die Sichel, idyllische Landschaften - und dann mäht er nicht mit der Sense? Mich überkommt auch das Gefühl, dass Du die Lust auf halber Strecke verloren hast. Der Anfang ist voller Bilder, und dann ruckelt es plötzlich ganz gewaltig. Ganz scheußlich, entschuldige, dieser Satz: "Überbackene Polenta mit Pilzen und wenig später lassen sie und Clemens es sich schmecken." Des geht ma gar nicht. :O) Geniess deinen Urlaub.

Eingetragen am: 22.05.2008

Kommentar von Ginko Korn

Verblüffend, wieviel Gepäck auch in kleine Szenen passt. Großwetterlage, Rosensorten, Krötenwanderung ... Da ein nur angebrochener Daumen, der vorher ein Zeigefinger war, sichelig die Aufgabenstellung verfehlt, muss ein Zeh dafür büßen. In der Notaufnahme könnte noch ein Lebenslauf ins Protokoll diktiert werden, Irrwege im Klinikum und der defekte Aufzug weitere Episoden abdecken und zwischen Nachkriegszeit und achtem Geburtstag sich das Thema des Romans aus der Sicht der Krücken entwickeln. Der Verlag jubelt ? Schön wär's.

Eingetragen am: 22.05.2008

Kommentar von herbert

Gute Reise, Lillilu, sehr gut beschrieben, finde ich. Kröten, Krücken und Rosen: gefällt mir alles, den Zusammenhang habe ich nicht so ganz verstanden - aber ich war auch nicht immer dabei. Liebe Grüße

Eingetragen am: 21.05.2008

Eingetragen am: 21.05.2008 von johanna kurschus
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11962

Der gebrochene Daumen.

Die Straße, in der Wilhelmine und ihre Enkelin Hannerl wohnten, war eine breite Allee mit alten Bäumen. Zwischen den Bäumen standen Bänke zum ausruhen. Diese Allee begann beim Bahnhof und endete kurz vor der Altstadt bei den Parks , die rund um die Altstadt verliefen. Auf dem schmalen Teil zwischen den Bäumen und der Fahrstrasse, legten sich Kinder im Winter vom Bahnhof bis zur Stadt eine Rutschbahn an. Sie war spiegel glatt. Wahrscheinlich haben sie mit Wasser nachgeholfen.
Auch Hannerl wollte unbedingt auf dieser Rutschbahn rutschen. Sie nahm einen Anlauf und es gelang ihr. Schreiend vor Freude zog sie an Oma Wilhelmine vorbei. Blos das Bremsen war schwierig. Die Landung auf dem Po war heftig.
" Komm ich zeige dir wie man es macht" sagte Wilhelmine und schon stand sie auf der Spur, nahm Anlauf, aber leider, leider, ging die Vorführung daneben. Um nicht so heftig wie Hannerl auf dem Po zu landen, riss sie die Arme nach hinten und setzte sich mit aller Wucht auf die schützenden Hände. Es war ein fürchterlicher Schrei, den Wilhelmine ausstieß. Ihre rechte Hand wurde dicker und dicker, sie wurde blau bis schwarz. Später stellte der Arzt fest, Frau Nemetz ihren Daumen hat es erwischt, er ist gebrochen.
Noch lange nach diesem Unfall, kam der Satz, wenn es dem Esel zu gut geht u.s.w-u.s.w.


Kommentar von frog

Wirkt ein bisschen lieblos runtergerattert, als wäre Zeitmangel im Spiel. Wir haben doch noch zwei Wochen...

Eingetragen am: 22.05.2008

Eingetragen am: 21.05.2008 von Ro McGer
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11960

Jens nutzte die Abwesenheit seiner Ehefrau und betrachtete sich im großen Spiegel. Wenn man den Bauch etwas einzieht, dann geht es doch noch, denkt er sich. Als Chef des Elektrobetriebs hier im Ort versteht es sich recht gut mit seinen Angestellten. Alle halbe Jahre verabreden sie sich am Freitagabend in der Dorfgaststätte. Früher tranken sie ein paar Bier und redeten über Gott und die Welt. Vor einigen Jahren hat der neue Wirt seine Wirtschaft zu einer hochwertigen Speisegaststätte umgestaltet. Nun werden die Ehefrauen ebenfalls zu diesen Halbjahrestreffen eingeladen und übernehmen den Hauptanteil des Redens. Ebenfalls wird ordentlich gegessen und damit ist die bierseelige Zeit nur noch Erinnerung. Einer der jüngeren Mitarbeiter schlug vor, doch einmal eine gemeinsame Radtour zu unternehmen. Natürlich haben alle Beifall klatschend zugestimmt. Aber den wenigsten war so richtig bewusst, auf was sie sich da eingelassen haben. Die Azubi haben kein Problem damit, sie kommen jeden Tag bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad zur Ausbildung. Die Herrn im reiferen Alter nutzen doch lieber das Auto. Natürlich existieren ein paar Fanatiker, die sich ihre Sonntagsbrötchen beim Bäcker mit dem Fahrrad holen. Die Bäckerei existiert natürlich auch nicht mehr. Der Zeitungsladen am Bahnhof wird von der Großbäckerei in der Bezirkshauptstadt mit Teigrohlingen beliefert, die der Verkäufer dann in seiner Backmaschine fertig bäckt. Aber werktags fahren alle mit dem Auto. Das Werkzeug und Material muss ja auch von Baustelle zu Baustelle mitgenommen werden. Und auf dem Heimweg kann man noch schnell das wichtigste im Supermarkt einkaufen.

Jeder besitzt natürlich noch sein Fahrrad aus seiner Jugendzeit. Man hatte sich ja vorgenommen, es häufiger zu benutzen, aber die widrigen Umstände und der innere Schweinehund ließen sich nicht so einfach umstimmen. Um sich am Wochenende nicht gänzlich zu blamieren, sollte man doch rechtzeitig die Staubschicht entfernen und heimlich ein paar Meter übungsweise fahren. Jens freute sich über seine Ordnung in der Garage. An der hinteren Wand hingen die beiden Fahrräder auf schönen roten Haken. Man brauchte sie nur abhängen. Keine Ordnung ist so überzeugend, als dass man nicht doch ein paar sperrige Gegenstände auf dem Boden deponieren kann. Sollte man diese erst wegräumen? Nicht nötig, man ist ja sportlich und braucht nur drüber hinweg zugreifen. Fest zugepackt und zu spät merkte Jens, dass sein Fahrrad doch etwas schwerer war als er es in Erinnerung hatte. Er drohte nach vorne zu fallen. Kein Problem, ein schwungvoller Ausfallschritt nach vorn und eine Kiste lenkte ihn zur Seite ab. Wie in Zeitlupe kam der Boden auf ihn zu. Jens und sein Fahrrad krachten gleichzeitig auf den Beton. Der erste Blick ging zum Garagentor. Ein Glück, niemand hat das Maleur gesehen. Der zweite Blick ging zum Auto, das er natürlich vorher nicht rausgefahren hatte. Ein Glück, es scheint keinen Kratzer abbekommen zu haben. Der dritte Blick ging zu den Knien. Der trockne Betonstaub in der Garage markiert sich in zwei großen Flecken. Hoffentlich ist die Hose nicht eingerissen. Aber egal, Er wird sich sowieso eine großen Vortrag anhören müssen, warum er sich keine Arbeitshose angezogen hat. Der auf dem Fahrrad angesammelte Staub hat an zahlreichen Stellen den Sprung auf die Hose geschafft. Die Radtour fängt ja schön an, bevor sie überhaupt angefangen hat. Auch die Hände hatten ihre Staubportion abbekommen, alles was er anfasste erhielt einen soliden Händeabdruck. Und sie schmerzten. Die Haut ist leicht aufgescheuert und kleine Blutperlen bilden sich. Schnell waschen und etwas anderes anziehen. Als Jans bei Abendessen sein Bierglas nicht richtig halten konnte, musste er seine Heldentaten schneller beichten, als er es befürchtet hatte. Der Daumen war zwar nicht geschwollen, zugreifen konnte er damit nicht mehr. Der linke Nachbar war der Landarzt und als Arzt hat er immer Dienstzeit. Freundlich wie immer kam er gleich und verkündete nach kurzer Betrachtung sowie einiger Aktivitäten: „Jetzt kannst du dich mal von Deiner Ehefrau in die Bezirkshauptstadt kutschieren lassen. Hier ist die Überweisung für die Rettungsstelle. Mein Bekannter hat gerade Dienst dort. Ich habe dich schon angekündigt. Es wird nur die Hand in Gips eingebettet. Aber die Fahrradtour fällt für dich leider aus. Bist du sehr traurig darüber?“


Kommentar von Frog

Hi Ro, ich bin ja nicht der Nabel der Welt, meine Meinung allein zählt hier nicht. Lass Dir davon mal nicht die Suppe verhageln... Dein Text war einer der ersten und intuitiv stellte sich bei mir ein Problem mit den Zeiten und den Abschweifungen ein. Dummerweise bin ich keine gute Lektorin , das haben hier andere sehr viel besser drauf. Bedauerlich, dass sonst niemand Deinen Text kommentiert hat. Nur soviel: Du schreibst "Jens nutzte die Abwesenheit seiner Ehefrau und betrachtete sich im großen Spiegel. Wenn man den Bauch etwas einzieht, dann geht es doch noch, denkt er sich.... Hier ist der erste Zeitwechsel, der mich stört. Ich würde dann nicht so weit ausholen, sondern alsbald zu dem Daumen-Unfall in der Garage kommen und mich insgesamt für eine einzige Zeitform entscheiden. Bleib entweder konsequent im Präsens oder in der Vergangenheit. Das ist mein Tipp. Es kommt für mich raus, dass Jens eine gute Haut ist, der sich so seine Gedanken macht – und ein typischer Mann – einer, der nicht gerade vor Selbstbewusstsein strotzt, seine Schwächen aber nur ungern zugibt. Wäre super, wenn andere Mitstreiter hier noch effektivere Tipps für Dich hätten. Ich wollte Dich aber auf keinen Fall entmutigen und bitte um Nachsicht für meine spontane Reaktion...

Eingetragen am: 27.05.2008

Kommentar von Ro McGer

Hallo Frog, danke für Deinen Kommentar. Ich nehme ihn sehr ernst, es wird mir aber bei meinen geringen Fähigkeiten kaum gelingen, das glaubwürdig rüber zu bringen. Der Text liest sich für Dich ein bisschen sperrig. Außer einem „Tut mir leid“ kann ich nichts dazu sagen. Vielleicht ist es eine Eigenart meiner Persönlichkeit, die ich nicht abstellen kann oder will. Mir ist nicht klar, was Du damit meinst. Ich selber habe auch schon mal das Lesen eines Buchs abgebrochen, weil mir der Schreibstil des Autors im erheblichen Umfange nicht gefiel. Diese Entscheidung erfolgte aber intuitiv, ich bin nicht in der Lage, die mir missfallenden Fakten aufzuzählen. Ich habe aber auch schon erlebt, dass andere Leser Bücher ablehnten, die ich mit Interesse gelesen hatte. Auch dabei stand die Intuition im Vordergrund. Vielleicht existiert aber keinerlei Zusammenhang zu Deiner „sperrig“ Einschätzung und die Ursache liegt in einem völlig anderen Bereich. Du siehst ein Durcheinanderpurzeln der grammatikalischen Zeitformen. Entweder hätte ich besser in der Schule aufpassen sollen oder die Ursachen liegen auf einer anderen Ebene. Zum einen versuche ich, die Hilfsverben etwas zu reduzieren, was die Zahl der aussagekräftigen Verben erhöht, aber wohl der Grammatik nicht besonders gut tut. Ich habe die Geschichte aus der Sicht eines begleitenden Beobachters und damit in der aktiven Gegenwartsform geschrieben. Die Gedanken der handelnden Person sind in der passiven Gegenwartsform verfasst worden. So hatte ich es mir jedenfalls gewünscht. Zwischen der Handlung und den Gedanken wechseln also Aktiv und Passiv. Vielleicht ist mir dabei der eine oder andere Fehler unterlaufen. Ich hoffe aber, dass mein Grundgedanke und die dahinter stehende Absicht akzeptierbar ist. Die Handlung wirkt unentschlossen. Sie „fließt“ nicht richtig. Es müsste die Linie deutlicher dargestellt werden. Ich hatte geglaubt, eine fließende Handlung mit klarer Linie artikuliert zu haben. Offensichtlich ist das zu 100 % daneben gegangen. Ich sehe mich aber außerstande, etwas zu ändern. Es wird für mich nicht deutlich, wo meine Fehler liegen. Es bleibt mir nur übrig, die Kritik zu akzeptieren, mir „Asche aufs Haupt“ zu schütten und Besserung zu geloben. Das letztere ist aber nur eine Gefälligkeitsbeteuerung, denn ich weiss nicht weiter. Bei der Aussage „Am Ende wusste ich nicht mehr, worum es überhaupt geht.“ habe ich so meine Zweifel, ob der Leser, die Leserin zu Anfang gewusst hat, worum es überhaupt geht. Ich hatte versucht, ein oder zwei Schleifen einzubauen, um den Leser am Ende wieder zum Anfang zurückzuführen. Die Praxis zeigt, ob sich eine Idee bewährt. Hier ging wohl auch dieses gründlich schief. Die Praxis zeigt mir, dass meine Ideen nicht viel wert waren. Aber in diesem Fall bin ich voller Optimismus, das mir die nächsten Kapitel zeigen werden, wie ich dieses korrekter gestalten sollte.

Eingetragen am: 26.05.2008

Kommentar von Frog

Liest sich für mich ein bisschen sperrig. Mag daran liegen, dass die grammatikalischen Zeitformen bisweilen durcheinander purzeln. Das wirkt unentschlossen und stört den Fluss. Am Ende wusste ich nicht mehr, worum es überhaupt geht. Für mein Gefühl müsste mehr Linie rein...

Eingetragen am: 21.05.2008

Eingetragen am: 21.05.2008 von Susa
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11952

Tagebuch

Ich fühle mich so merkwürdig, jetzt, nach zwei Woche erzwungener eingeschränkter Aktivität.
Als Auguste mir damals seine Geschichte erzählt hat über den Verlust seiner Finger, das Aufgeben der Malerei und all das… ich weiß noch, ich hatte einen Moment lang eine furchtbare Angst, dass mir so etwas passieren könnte, denn ich war sicher, dass ich mein Leben – NACH der Malerei – nicht halb so gut in den Griff bekommen hätte wie er. Ich hätte Angst gehabt vor der Leere. Ja, ich war beinahe erleichtert, dass es in meinem Fall „nur“ der Verlust eines Beins gewesen ist. Verrückt, nicht wahr?
Jetzt bin ich, wenn auch nur für kurze Zeit, selbst in der Situation, meine Hand nicht mehr richtig gebrauchen zu können – und ich muss sagen, es ist wirklich sehr lästig. Es sind nicht die Schmerzen. Die sind unangenehm aber auszuhalten. Es ist nur, dass jeder kleine Handgriff (im wörtlichen Sinne) so kompliziert geworden ist.
Schuld ist dieses Podest, das ich mir im Atelier aufgebaut habe, um besser an die Oberkanten der großen Leinwand heranzukommen. Natürlich liegt es nicht wirklich am Podest, sondern an meiner eigenen Unachtsamkeit, nicht wahr? Ich hatte nämlich ausnahmsweise einen bauschigeren Rock an, konnte meine Füße nicht richtig sehen (habe auch nicht darauf geachtet) und bin gestolpert. Wie man sich bei solch einer Sache dann ausgerechnet den rechten Daumen brechen kann, ist eine Sache für sich.
Das Resultat war jedenfalls ein geschienter Daumen und Schmerzen bis ins Handgelenk - und zumindest die Versicherung von Doktor Fuldmer, dass es ein einfacher Bruch sei, der unkompliziert heilen würde, wenn ich die Hand entsprechend schone.
Ich habe aber festgestellt, dass ich jetzt, in der zweiten Woche, auch ohne Daumen ganz leidlich einen Stift halten kann, wenn ich ihn auf bestimmte Art zwischen die Finger klemme. Mit etwas Mühe und in langsamerem Tempo funktioniert das auch mit den Pinseln, aber es ist anstrengend und die Bewegungen sind viel schwieriger zu koordinieren und zu kontrollieren. Insofern ist es nicht zu leugnen, dass mich dieser Unfall bei der Fertigstellung des Auftrags um bestimmt drei Wochen - oder noch mehr - zurückwirft. Der Gedanke hält mich aufrecht, dass dies nur ein vorübergehender Zustand ist.
Und trotzdem – insgesamt komme ich mit der Situation sehr viel besser zurecht, als ich erwartet hatte. Gregor hat nach dem ersten Schrecken darauf bestanden, dass das Podest mit einem zusätzlichen Geländer abgesichert wird, so dass ich wohl darauf hoffen kann, dass er darüber hinaus keine Einwände erheben wird, wenn ich auch zukünftig wieder im Atelier arbeiten will. Abgesehen davon ist das Geländer so oder so eine vernünftige Maßnahme, und ich könnte mich endlos über mich selbst ärgern, dass ich nicht selbst dafür gesorgt habe.
In der Zwischenzeit benehmen sich alle ganz rührend. Auguste, er kann natürlich am besten nachvollziehen, wie ich mich gerade fühle. Gregor spielt abends oft mir mir Schach und erkärt mir seine neuesten Strategien. Aber es ist vor allem Philipp, der genau zu wissen scheint, was zu tun ist, damit ich mich nicht zu sehr langweile. Er ist wirklich ganz wunderbar, macht nicht viele Worte um die ganze Angelegenheit und sorgt dabei wie beiläufig für meine Beschäftigung und Unterhaltung. Es ist erstaunlich, wie gut er mich inzwischen kennt.
Und bei allem stelle ich fest, dass ich spätestens jetzt einen großen Irrtum korrigieren muss, und das begreife ich erst in diesen Tagen wirklich, in denen ich mein Dasein aus einer eher ungewohnten Perspektive betrachte: Es gab Zeiten, in denen ich glaubte, es gäbe in meinem Leben nichts Wichtigeres als die Malerei. Nichts, was mich auch nur annähernd so glücklich machen könnte. Die Malerei war es immerhin, die mir damals über den Verlust des Beins hinweggeholfen hat. Aber in diesen Tagen spüre ich, dass es – selbst wenn ich nie wieder einen Pinsel führen könnte – immer noch so vieles gibt, das mir etwas bedeutet. Ich bin wirklich ein glücklicher Mensch – nicht wahr?
[7305, 8409, 9470, 11337]


Kommentar von Frog

Schön. Nur selten schildern hier die Mitwirkenden die Gedanken ihrer Protas so ausführlich und nachvollziehbar. Ich fragte mich nur, warum Deine Malerin so oft ihre Überlegungen mit "Nicht wahr?" abschließt...

Eingetragen am: 03.06.2008

Kommentar von Carola Ottenburg

Hallo Susa, für mich klingt das rund und ich finde das Tempo bewundernswert, in dem Du den Text geschrieben hast. Obwohl Du nur kurz auf den Unfall eingehst, vermittelst Du viel über Deine Protagonistin. Viele Grüße Carola

Eingetragen am: 31.05.2008

Kommentar von M.P.

Wie man lesen kann gehen die Meinungen etwas auseinander. Ein Gleichgewicht, das ich gerne durcheinander bringen will. Dieser Text aus einem Tagebuch liest sich wie in Öl gebadet, der geht glatt runter. Zu Beginn hattest Du noch einige Passagen in Klammern gesetz, später aber darauf verzichtet, was ich sehr gut finde. Zu viel Text? Auf keinen Fall, deine Prota hat was zu erzählen, das geht nicht in zwei Absätzen. Ihre Gedanken, Rückblicke und Visionen kann ich gut nachvollziehen. Es ist eine andere Geschichte und hämmert nicht unnötig auf den Unfall ein, mir hat sie sehr gut gefallen. LG M.P.

Eingetragen am: 30.05.2008

Kommentar von Sylvia

Mir ist der Text leider etwas zu lang, zu viel innerer Monolog und zu wenig direkte Handlung. Dadurch hatte ich Schwierigkeiten ihn zu Ende zu lesen. Der letzte Satz ist ganz wundervoll! LG Sylvia

Eingetragen am: 26.05.2008

Kommentar von Angela Barotti

Ich finde, das hast du gut hingekriegt. Deine Überschrift lautet zwar 'Tagebuch', doch ich hatte das Gefühl, ich würde einen an mich persönlich adressierten Brief lesen, da du so viel Fragen stellst. Das bindet den Leser an den Text.

Eingetragen am: 24.05.2008

Eingetragen am: 21.05.2008 von Jenni
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11953

[Ich habe die Aufgabe erst falsch gelesen, und dachte sie sollen sich in den Finger schneiden, nicht ihn brechen. Als ich darüber so nachdachte, passte das grad so gut in meine Geschichte: ich habe also meine Protagonisten sich schneiden lassen. Ging ja Hauptsache um die Reaktion, oder?]

Johanna:
Um mich abzulenken stellt Alessa ein Brett mit Zwiebeln vor mich auf den Tisch und reicht mir ein Küchenmesser. Im Gegensatz zu ihr koche ich überhaupt nicht gern und auch bei weitem nicht so gut wie sie. Die Arbeitsteilung ist also klar. Ich fange an die duftenden Zwiebeln in perfekte kleine Würfel zu schneiden und lausche der Musik aus dem Radio. Alessa erzählt irgendetwas von ihrer neuen Arbeitsstelle, und ich denke darüber nach, wie wohl die Arbeit mit den Patienten wird. (...)
Plötzlich durchzuckt mich ein Schmerz, der mich aus meiner Gedankenwelt reißt. Die Zwiebelschnipsel färben sich rot. „Verflucht“, entfährt es mir.
Alessa dreht sich vom Herd zu mir um. „Was passiert? Auwei, was hast Du denn gemacht?“
„Nicht so schlimm!“ Ich stecke mir den verletzten Daumen in den Mund. „Nur geschnitten, geht gleich wieder. Bin ja selber schuld.“ Wenn ich mich einmal besser konzentrieren könnte.
Alessa reicht mir ein Stück Küchenrolle, was ich auf die Wunde presse. Eine Träne läuft mir die Wange hinab. Wegen der Zwiebeln.

Hiroyuki:
Traurig sah Hiroyuki seinen Großeltern nach, die langsam aus seiner Sicht verschwanden. Er schloss die Tür. Der Moment war gekommen: er war allein.
Trotzdem schlich er auf Zehenspitzen, als er das Büro seines Großvaters betrat. Wie überall im Haus hatte hier alles seine perfekte Ordnung. Zielstrebig ging Hiroyuki zu dem großen schweren Schreibtisch in der Mitte des Raumes, öffnete die oberste Schublade und nahm behutsam das Messer heraus. Es war ein prachtvolles Messer, mit einer nach japanischer Tradition geschmiedeten Stahlklinge und einem fein verzierten Griff. Der Großvater hatte es von seinem Großvater geerbt, der es von seinem Dienstherren für besondere Verdienste erhalten hatte. Als kleiner Junge wollte Hiroyuki das Messer immer wieder sehen und die Geschichte dazu hören, doch anfassen durfte er es nie.
Jetzt zog er vorsichtig die Klinge aus der ledernen Messerscheide. Der Stahl war kalt. Prüfend fuhr er mit dem linken Daumen über die Messerklinge. Sie war scharf: Sofort drang Blut aus seinem Finger, doch er verspürte keinen Schmerz.
Mit dem Ärmel seines weißen Hemdes wischte er die Stahlklinge ab und führte sie zurück in die Messerscheide. Erst dann betrachtete er fasziniert seinen Finger, aus dem dicke dunkelrote Blutstropfen perlten. Seine Augen folgten dem ersten Tropfen, der langsam an seiner Hand hinunterlief und schwer zu Boden fiel.
Schnell wischte er seine Hand am Ärmel ab und versuchte den Teppich zu retten. Ein schwacher Fleck würde bleiben, hoffentlich unbemerkt.
Er steckte das Messer in seine Tasche und machte sich auf den Weg.


Kommentar von Jenni

Ihr beiden, vielen Dank für Eure Kommentare. Ihr habt total Recht: der erste Text ist zu knapp gehalten, um wirklich irgendwas auszusagen. Tatsächlich war es so: da saßen die beiden eben gerade in der Küche, als die Aufgabe kam. Da habe ich das so mit eingebaut, einfach um meinen Charakter besser kennenzulernen. Wahrscheinlich verwende ich das lieber nicht in meiner Geschichte. :) Der zweite Text ist ein Teil der Vorgeschichte eines Charakters den ich erst sehr viel später in die Geschichte eintreten lassen will. Ich überlege, diesen Charakter, der (inkl. seiner Vorgeschichte) später sehr wichtig sein wird, in einer Art Prolog schon einzuführen und dazu den hier vorgestellten Text (ein Stück weit ausgebaut natürlich, einige Aspekte würde ich hier noch mit anlegen) zu verwenden. Würde das als Leser nerven, am Anfang auf etwas neugierig gemacht zu werden, was erst viel später passiert? Mich vielleicht schon, da bin ich mir unsicher... lg Jenni

Eingetragen am: 03.06.2008

Kommentar von M.P.

Hallo Jenni. Ein Schnitt ist ein Schnitt ist ein Schnitt! Oder doch nicht? Bei deiner ersten Geschichte habe ich zwei Frauen gesehen, von der sich eine geschnitten hat. Mehr war leider nicht. Gut, es muß ja nicht immer gleich die Welt untergehen, versteht sich. Ein Buch, das mit Reizen nur so protzt, wär mir auf Dauer auch zu langweilig. Aber ein bißchen mehr hätte es ruhig sein dürfen. Bei deinem zweiten Text stellten sich mir zum Schluß die Nackenhaare auf. Was hat er bloß mit dem Messer vor? Spannend und ich will es wissen, also mehr davon. LG M.P.

Eingetragen am: 30.05.2008

Kommentar von Sylvia

Hallo Jenni! Der zweite Text gefällt mir besser. Die Stimmung kommt beim Leser an. Den Zusatz "hoffentlich unbemerkt" würde ich streichen. Die Überschriften mit den Namen gab es in meiner Rohfassung auch noch, sind aber dann verschwunden. Der Leser sollte schon etwas mitdenken! ;-) LG Sylvia

Eingetragen am: 26.05.2008

Eingetragen am: 21.05.2008 von mani efthi
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11951

Stolz erhobenen Hauptes stand Kati vor dem Amtsmann. In dem überfüllten Saal roch es muffig - der Angstschweiß zu vieler meist ungewaschener Personen. Unbewußt rümpfte sie ihre Nase und versuchte, von ihrem Nachbarn etwas abzurücken. Der Junge zitterte vor Angst, sicher würde er bald zusammenbrechen. "NEEEEEEEEEEEEIIIIIINNNN" hallte es zu ihnen herüber. "Nicht der Pranger, bitte nicht der Pranger...ich habe nichts getan...." aber das Gejaule der älteren Bürgerlichen half ihr nicht, schon wurde sie abgeführt, um mit dem Ohr an den Pranger genagelt zu werden. Nun war Kati an der Reihe, grob wurde sie nach vorne gezerrt. "So,so...die Magd des Bäckers...eine Unfreie." Der Amtsmann beäugte sie wie etwas, das unter einem dreckigen Stein hervorgekrochen kam. "Sprich, Magd, war das Brot wirklich zu leicht? Laut Anklage hat er beim Wiegen geschummelt." Ein Blick zu dem leichenblassen Bäcker hinter ihr, sein fettes Kinn schwabbelte, so heftig schüttelte er seinen Kopf. Sein Leben stand auf dem Spiel. Sie hatte zu lange gezögert: "Aha, bringt sie zum Sprechen" wies der Amtsmann gleichgültig die beiden Gerichtsdiener an, die sie festhielten. Seine Hand wies auf die Daumenschrauben, die am Tisch vor ihm angebracht waren. Angstvoll weiteten sich Katis Augen, als ihre Daumen unter das Metall gelegt wurden und die Schraube leise quietschend gedreht wurde. Erst war es nur unangenehm.Sie stöhnte. Dann begann ihr Daumen leise zu knacken. Schmerz. Wie Blitze fuhr der Schmerz ihren Arm hinauf. Tränen rannen ihre schmutzige Wange hinunter, ihr Blick suchte den des Bäckers.Als der Daumen brach - nein - nicht nur brach: zerschmettert wurde- öffnete ihr Mund sich weit, zu einer Grimasse des Schmerzes verzogen. Doch noch immer still. `Weshalb sagt der Bäcker nicht, das ich stumm bin?´
war ihr letzter Gedanke, bevor sie schweigend zusammenbrach.


Kommentar von Sylvia

Hm, bis zu der Stelle mit den Daumenschrauben stand ich unter Strom! Tolle Sprache! Ich war mittendrin. Leider kamen die Schmerzen und die Tortur der Folter nicht so schmerzhaft bei mir an. Am Ende siegt die Verzweiflung! Sie ist stumm! Wie furchtbar! LG Sylvia

Eingetragen am: 26.05.2008

Kommentar von M.P.

Hallo Mani, eine gute Idee, wenn es auch leicht überdreht wirkt. Zuerst klingt es, als ob die "Straftäter" in Massenabfertigung hingerichtet oder bestraft werden. Ich kann mir nur schwer vorstellen, daß jemand ruhig sitzen bleibt und sich Gedanken über den Körpergeruch des Nachbarn macht, wenn ein paar Meter weiter ein Täter an seinem Ohr an den Pranger genagelt wird. Und dann schreibst du: "So,so...die Magd des Bäckers...eine Unfreie." Sie ist also bekannt! Wenn die Scharfrichter sie kennen, dann wissen sie auch von ihrem Gebrechen. Aber ich will nicht nur anprangern.;O) Deine Sprache ist super. Du hast einen sehr schönen Stil der sich gut lesen lässt. LG M.P.

Eingetragen am: 24.05.2008

Eingetragen am: 21.05.2008 von Monika H.
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11948

Ich war elf Jahre alt, als ich mir den Daumen brach. Es passierte im Sportunterricht. Wir sollten über Schwebebänke springen. Ich stolperte gleich beim ersten Durchgang, rappelte mich auf, und stolperte beim nächsten Durchgang gleich nochmal. Schmerzen hatte ich kaum, doch der Daumen hing merkwürdig schlaff und verformt an meiner Hand. Ohne eine Träne zu vergiessen liess ich mich mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus fahren und untersuchen. "Du bist aber tapfer", sagte man mir. "Komplizierter doppelter Bruch", hörte ich die Ärztin zur Schwester sagen. Der Daumen wurde wenig später unter Narkose gerichtet.
Als ich erwachte standen meine Eltern an meinem Bett. Ich schloss die Augen und öffnete sie erneut. Tatsächlich, Mama und Papa standen an meinem Bett und sprachen ruhig miteinander. Ich konnte es kaum glauben, dass sie sich nicht stritten. Langsam perlte die erste Träne aus meinem Augenwinkel.


Kommentar von Miyu

Hallo Monika, Ein kurzer Text, aber mir gefällt er. Gerade der letztes Satz löst meines Erachtens die Frage auf, was dieses Kind zum weinen bringen kann, wenn schon nicht ein Daumenbruch :) Liebe Grüße, Miyu

Eingetragen am: 29.05.2008

Kommentar von Miyu

Hallo Monika, Ein kurzer Text, aber mir gefällt er. Gerade der letztes Satz löst meines Erachtens die Frage auf, was dieses Kind zum weinen bringen kann, wenn schon nicht ein Daumenbruch :) Liebe Grüße, Miyu

Eingetragen am: 29.05.2008

Kommentar von Lillilu

Na, Mama und Papa sind ihr wichtiger als ihr eigener Schmerz!

Eingetragen am: 22.05.2008

Kommentar von RoseCanyon

Hallo Monika, ohne Deinen letzten Satz hätte ich mich gefragt, was Du genau aussagen wolltest, denn der Text wirkt sehr sehr sachlich. Vielleicht kannst Du im obigen Text etwas mehr Spannung aufbauen, indem Du bereits Hinweise einbringst, die nachher Deine erste Träne rechtfertigen.

Eingetragen am: 22.05.2008

Eingetragen am: 21.05.2008 von M.P.
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11947

Das ist nur eine Idee zu "Falscher Stolz", aber ich könnte mir gut vorstellen, diesen Text mit einzubauen. Wie seht ihr das?

Nadja mußte sich beeilen, sie war spät dran. Das Training hatte zu lange gedauert und wenn Mai-Lin etwas nicht ausstehen konnte, dann war es Unpünktlichkeit. Das mußte wohl an den Genen ihrer deutschen Mutter liegen, die sie ihr mitgegeben hatte.
Nadja war völlig außer Atem, als sie den Schlüssel in das Schloß der Studentenbude steckte, die sie sich mit Mai-Lin teilte. Sie schob die Tür auf und rief.
„Smily, ich bin da.“
Sie bekam keine Antwort und ging den schmalen Flur etwas weiter, bis sie in das kleine Gemeinschaftszimmer kam. Mai-Lin saß auf dem Fußboden und hielt ihren Daumen der linken Hand umklammert. Ihre linke Gesichtshälfte war rot und angeschwollen. Tränen rannen ihr über das zarte Gesicht, ihre langen schwarzen Haare fielen ihr zerzaust über die Schultern.
Nadja ließ ihre Tasche fallen und eilte die wenigen Schritte zu ihrer Freundin.
„Mai-Lin, was ist passiert? Bist du gestürzt?“
Mai-Lin sah ihre Freundin an und schüttelte den Kopf. Den Daumen hielt sie weiter fest und wippte mit ihrem Oberkörper leicht hin und her. Nadja sah sich ihre Freundin genauer an und hastete dann zum winzigen Tiefkühlschrank in der Ecke. Sie nahm das Kühlkissen aus einem der Fächer, wickelte ein Handtuch darum und legte es dann vorsichtig auf die geschwollene Gesichtshälfte von Mai-Lin.
„Laß mal sehen Smily.“
Nadja zog die verletzte Hand etwas zu sich und betrachtete sich den Daumen. Der war gebrochen, das war eine eindeutige Diagnose. Die drei Semester Medizin hatten sich schon bezahlt gemacht. Der Daumen war geschwollen und lief schon blau an. Nadja fragte noch einmal.
„Wie ist das passiert?“
Sie ließ die Hand wieder los und betrachtete sich das geschwollene Gesicht ihrer Freundin. Gebrochen war da nichts, aber es war ein heftiger Bluterguß. Mai-Lin´s Auge war nur noch ein Schlitz, ihre Augenbraue war aufgerissen und ein dünner Faden Blut bahnte sich seinen Weg durch ihr Gesicht.
„Mai-Lin bitte, du mußt mir sagen, was passiert ist.“
Smily schluchzte „Die haben mich geschlagen.“
„Wer hat dich geschlagen?“
Smily zuckte mit den Schultern und schüttelte den Kopf. „Ich weiß es nicht, zwei Typen. Sie sagten, ich soll meine Finger von Tobi lassen, und dann haben sie mich geschlagen. Ich bin hingefallen und dabei habe ich mir den Daumen verletzt.“
Nadja stutzte etwas, bevor sie sagte. „Haben sie wirklich gesagt, du sollst deine Finger von ihm lassen?“
Mai-Lin sah ihre Freundin an. „Meine gelben Finger, ja, das haben sie gesagt!“ Sie schluchzte wieder, dann sagte sie noch. „Glaubst du, Tobi hängt da mit drin?“
Nadja schüttelte ihren Kopf, das wollte sie nicht glauben, aber wirklich sicher war sie sich nicht. Dafür kannte sie Tobi nicht gut genug, und seine politische Einstellung würde so eine Tat rechtfertigen. „Ruf ihn an Smily. Sag ihm, was passiert ist.“
Mai-Lin zögerte und betrachtete sich ihr Handy. Eigentlich wollte sie heute mit Tobi essen gehen, er wollte ihr etwas erzählen, hat er gesagt, etwas wichtiges. War es das gewesen, dass er sie verprügeln lassen wollte?
Sie tippte seine Nummer ein und wartete, dass Tobi abnahm. Je länger es klingelte, um so wütender wurde sie. Der Daumen tat jetzt nicht mehr weh, auch das Gesicht spürte sie nicht, da war nur Wut und Enttäuschung.
„Smily, meine Lotusblume. Du willst mir doch wohl nicht absagen, für heute Abend?“
Er klang fröhlich. Konnte er sich wirklich so gut verstellen, oder hatte er von all dem keine Ahnung und Mai-Lin verdächtigte ihn zu Unrecht?
„Doch, das will ich Tobi.“ Ihre Stimme klang härter und abweisender, als sie es vorgehabt hatte.
„Was ist los, warum bist du so feindselig?“
Mai-Lin atmete tief durch und sah Nadja an, die vor ihr kniete und versuchte mitzuhören. Dann nahm sie das Handy vom Ohr und stellte auf mithören. Nadja nickte ihr zu und hob den Daumen. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht.
„Mai-Lin? Habe ich etwas falsch...?“
„Das weiß ich nicht Tobi, vielleicht, vielleicht auch nicht.“ Sie machte eine kurze Pause, holte noch einmal tief Luft und sagte dann. „Bei mir waren zwei Typen. Die haben mir gesagt, dass ich mich von dir fernhalten soll. Sie hatten auch gute Argumente.“
„Was für Argumente?“ Fragte Tobi scharf.
„Sie haben mich geschlagen! Nein, einer hat mich geschlagen, der andere hat nur zugesehen.“
Sie konnte Tobi am anderen Ende schwer atmen hören, es klang so, als ob er hin und her ging. Sie fragte. „Hast du was damit zu tun Tobi?“
Stille. Mai-Lin konnte nicht einmal mehr seinen Atem hören, da war nichts, nur Stille. Nach einer schier unendlichen Zeit fragte Tobi.
„Traust du mir das zu Mai-Lin?“
Mai-Lin sah Nadja an, die nur ihre Schultern hob und somit zu verstehen gab, dass sie es auch nicht wußte. Mai-Lin betrachtete sich ihren dicken, schmerzenden Daumen und sagte.
„Nein!“
Tobi atmete hörbar auf, dann fragte er. „ Bist du verletzt, kannst du mir die Typen beschreiben, wie haben sie ausgesehen Smily?“
Sie überlegte kurz. „Sie waren groß, einer von ihnen war richtig dick und hatte eine Glatze. Der andere...“
„Moment.“ Unterbrach sie Tobi. „Meine erste Frage war, ob du verletzt bist.“
Nadja schaltete sich ein und sagte. „Ihr linker Daumen ist gebrochen und ihr Gesicht geschwollen. Die linke Augenbraue ist aufgerissen, es ist aber keine Platzwunde, sie blutet etwas, ist aber nicht schlimm.“
„Nadja?“
„Ja.“
„Gut, dass du da bist. Passt auf bitte. Pack für euch beide ein paar Sachen zusammen und bring dann Smily in das Uni-Krankenhaus. Sagt nicht, was wirklich passiert ist, erfindet irgend etwas. Sie sollen Smily behandeln, aber nicht stationär behalten. Ich komme so schnell ich kann auch dorthin und nehmen euch für die nächsten Tage mit zu mir, in die WG.“ Er machte eine kurze Pause und fragte dann. „Smily? Hast du sehen können, ob der Dicke eine Tätowierung hinter dem linken Ohr hatte?“
Mai-Lin überlegte. Es ging alles so schnell und der Dicke war wirklich enorm groß, sie ging ihm gerade mal bis zu seiner Brust. Sie ging die wenigen Minuten Schritt für Schritt noch einmal durch. Dann kam ihr die Erinnerung, sie sagte. „Ja, da war was. Ich dachte, es wäre ein Leberfleck oder Muttermal, aber da war was, ja.“ Sie war aufgeregt. „Kennst du ihn?“
„Das ist kein Leberfleck, das ist ein Hakenkreuz, und ja, ich kenne ihn. Er heißt Jörg.“ Nach einem kurzen Augenblick fügte er noch hinzu. „Fahrt jetzt bitte ins Krankenhaus, ich beeile mich.“
„Tobi?“
„Ja Mai-Lin.“
„Was wolltest du mir heute Abend so wichtiges sagen?“
Tobi antwortete nicht sofort und Mai-Lin wurde immer nervöser. Endlich sagte er.
„Ich steige aus. Gestern habe ich Hoffmann angerufen und ihm gesagt, dass er sich seine Partei sonst wo hin stecken kann. Er hat mir gedroht. Ich konnte nicht ahnen, dass er so brutal ist Smily. Es tut mir leid, dass ich dich da mit reingezogen habe, wenn ich ...“
„Ich habe es selbst so gewollt Tobi, ich wußte was du machst, es ist nicht deine Schuld. Wann kommst du zum Krankenhaus?“
Tobi schnaubte in den Hörer. „Ich will noch ein paar Sachen regeln, dann komm ich nach.“
Mai-Lin nickte kurz. Sie kaute auf ihrer Unterlippe und sah wieder Nadja an, von der sie sich Hilfe erhoffte, aber da kam nichts. Tränen schossen ihr in die Augen, ihre Gefühle spielten ihr einen Streich. Mit zitternder Stimme sagte sie. „Mach keinen Unsinn Tobi ja! Benutze deinen Verstand und höre heute mal nicht auf dein Herz, versprich mir das bitte!“
„Kein Angst Mai-Lin, ich bin kein Idiot. Bis gleich.“
Mai-Lin ließ ihr Handy sinken und starrte zu Boden. Nadja stand auf und machte sich daran, einige Sachen in den kleinen Koffer zu stopfen, den sie von ihrer Oma geschenkt bekommen hatte. Mai-Lin riß sich los, stand unbeholfen auf und half ihrer Freundin beim packen.


Kommentar von Metta Maiwald

Huch, habe hier gestern nur noch schnell kommentiert, ohne die anderen Kommentare zu lesen (werden ja nicht angezeigt, wenn man den Autorennamen eingibt), aus denen ich noch viel dazugelernt habe. Aber ich habe manches auch nur wiederholt... Eine grundsätzliche Frage: Angela schlägt vor, die Sprechweise dem Schluchzen anzupassen. „Di-hie ha-haben mich ge-geschlagen!“ Kennst sich damit jemand aus? Schreibt man das so, oder schreibt man es normal, und denkt sich als Leserin nur die Art der Aussprache dazu, die sich ja aus dem Verb "schluchzen" ergibt?

Eingetragen am: 04.06.2008

Kommentar von Metta Maiwald

Dein Beitrag gefällt mir sehr gut. Er ist dicht und einfühlsam geschrieben. Die Szene, wie Nadja ihre Freundin findet und das Telefonat wirken authentisch; eine gute Charakterisierung der Protagonisten. Du hältst die Spannung, indem Du andeutest, dass Tobi, bevor er im Krankenhaus eintrifft, noch etwas zustoßen könnte. - Meinetwegen kannst Du die Szene ruhig ins Buch mit aufnehmen. Damit nicht das passiert, was L. Doughty scherzhaft als Befürchtung aussprach, dass nämlich die Literaturkritiker sich über das Phänomen einer Häufung gebrochener Daumen in Romanen wundern, würde ich dann lieber das Handgelenk brechen oder verstauchen lassen. Ich habe mir selbst lange überlegt, wie man sich um alles in der Welt den Daumen brechen kann. Die Tür-Variante fand ich bisher am überzeugendsten. Beim Sturz? Ich weiß nicht. Aber egal. Der Text ist gelungen. So, nun meine Verbesserungsvorschläge: Ich bin eine deutsche Mutter und die Unpünktlichkeit in Person! Ich glaube, die Asiaten sind allesamt höflicher in dieser Beziehung. Ist es für die Story wichtig, dass Nadjas Koffer von der Oma ist? Sonst streich die alte Dame. - In meinem eigenen Text habe ich nach dem Einstellen auch schon drei Fehler entdeckt. Bei Deinem bin ich noch nicht betriebsblind: betrachtete (sich) ihr Handy/ er wollte etwas erzählen, hatTE er gesagt/ den SCHMERZ im Gesicht spürte sie auch nicht mehr/ alte RS: sonstwohin, neue RS sonst wohin/ zwischen "gewollt" und "Tobi" ein Komma/ riSS/ beim Packen. LG Metta

Eingetragen am: 03.06.2008

Kommentar von Azahar

Da gibt es eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Die Szene hat ein enormes Potential, das du sicherlich noch viel besser und dramatischer ausnutzen könntest. Dass Nadja ruhig reagiert, ist nachzuvollziehen, aber Mai-Lin dürfte für meinen Geschmack um einiges aufgewühlter und vielleicht sogar hysterisch sein. Tobi sollte man den Schreck so richtig anmerken. Auch ich würde die wichtige Eröffnung die er Mai-Lin zu machen hat, auf später verschieben. Für den Leser wäre das auch spannender, da dann der Zweifel bestehen bleiben würde, ob Tobi nicht vielleicht doch hinter dem "Überfall" steckt. Wie wäre es, ihn am Telefon recht kurz angebunden wirken zu lassen (weil er geschockt ist und sich den Kopf darüber zerbricht, was wohl passiert sein könnte), gleichzeitig könnte er Mai-Lin und Nadja knapp und im Befehlston sagen was sie zu tun haben (aus Sorge) und die beiden Frauen könnten das zuerst einmal ganz falsch verstehen (er kommandiert sie rum wie eine niedere Menschenrasse), da würde dann das was du geschrieben hast schon in die richtige Richtung gehen. Aus dem ganzen könnten sich noch ein paar hübsche Verwicklungen stricken lassen. Nun, was auch immer du daraus machst, ich bin gespannt darauf! LG Azahar

Eingetragen am: 02.06.2008

Kommentar von Carola Ottenburg

Hallo M.P., den Text finde ich durch und durch gelungen. Die Personen wirken glaubhaft, ihre Motive stimmig. Der dramaturgische Aufbau ist gut und die Formulierungen sind flüssig und wirken natürlich. Ich denke auch, dass sich diese Episode ganz ausgezeichnet in Deinen Roman einfügen ließe. Viele Grüße Carola

Eingetragen am: 01.06.2008

Kommentar von Bridged Olliver

Hallo M.P., Klasse! Gleich zu Anfang hat mich die sprichwörtlich deutsche Pünktlichkeit der Chinesin Mai-Lin in den Bann gezogen. Ich mag solche Widersprüchlichkeiten. Ich finde Nadja schätzt die Situation richtig ein, reagiert ruhig und angemessen. Wer kann schon unkontrolliertes Geschrei gebrauchen, wenn man verletzt oder vielleicht sogar traumatisiert ist. Außerdem kann man ein Kühlkissen auch mit der Schulter fixieren, so wie drahtlose Telefone auch. Ich fand den Text zwar lang aber er ist so spannend geschrieben, dass das völlig in Ordnung ist. Man fragt sich wer macht so `was und bekommt erst eine Andeutung (Glatze) und dann die Bestätigung (das Hakenkreuz). Ich bin gespannt wie/ob sich Tobi aus seinen Verstrickungen löst und ob die Verbindung zu Mai-Lin die kommenden Strapazen übersteht. Ich bin sehr gespannt wie es weitergeht. Viele Grüße Bridget

Eingetragen am: 27.05.2008

Kommentar von M.P.

Ich danke euch für die Mühe und die angebrachte Kritik. Einige Sachen werde ich ändern, wie das "Gen" der Mutter, die telefonische Ankündigung über den Ausstieg und die Szene mit dem Kühlkissen. Alles andere wird sich durch die Änderungen von selbst ergeben. So auch der angeprangerte Dialog zwischen Mai-Lin und Tobi, wo Fledermaus den weißen Herrenmenschen und die akzeptierte Prügelei hervor hob. Sicherlich alles Sachen, die mir bei einer deutlichen Betrachtung und einigen Tagen Abstand aufgefallen wären, kann aber auch sein, dass ich sie überlesen hätte. Den Text werde ich aber nicht noch einmal einstellen, dafür fehlt mir echt die Zeit. Leider komme ich auch kaum noch zum kommentieren, was mir wirklich ab geht. Vielleicht muß ich mir wieder einen Nerv klemmen, um früher aus dem Bett zu kommen ;O). Nochmals vielen Dank, ihr helft mir sehr. LG M.P.

Eingetragen am: 27.05.2008

Kommentar von Sylvia

Wow, da haben sich ja einige eine Menge Arbeit gemacht. Soviel Zeit habe ich ab jetzt nicht mehr. Deshalb kurz: Bis auf die wenigen - bereits erwähnten - Unstimmigkeiten finde ich die Szene toll! Spannend! Mitreißend! Du kannst den Daumen immer noch in ein anderes passenderes Körperteil tauschen! Bin gespannt auf mehr von Mai-Lin und Tobi! LG Sylvia

Eingetragen am: 26.05.2008

Kommentar von Malea

Lieber M.P.! Nach der zahlreichen, konstruktiven Kritik möchte ich dir nur kurz sagen, dass ich deinen Text spannend finde. Er wird noch besser werden, wenn du ihn überarbeitest, aber das ist ja immer so ;-) Du bist auf jeden Fall auf einem superguten Weg, und ich freue mich auf mehr! Liebe Grüße, Malea.

Eingetragen am: 25.05.2008

Kommentar von Angela Barotti

Wenn du schon beim Umschreiben bist, dann könntest du noch folgendes ändern: Erst ist Mai-Lins linke Gesichtshälfte nur rot und geschwollen. Das könnte von einer Ohrfeige stammen und hört sich nicht dramatisch an. Die Reaktion von Nadja ist auch eher verhalten. Erst später wirst du präziser: Bluterguss, aufgeplatzte Augenbraue, herab laufendes Blut … Nadjas erste Reaktion müsste deshalb lauten: „OH, MEIN GOTT! WIE SIEHST DU DENN AUS? WAS IST PASSIERT? / Wenn jemand schluchzt, dann sagt er nicht: „Die haben mich geschlagen“ sondern „Di-hie ha-haben mich ge-geschlagen!“/ Zur Szene mit dem Kühlkissen = geht nicht. „Sie nahm das Kühlkissen aus einem der Fächer, wickelte ein Handtuch darum und legte es dann vorsichtig auf die geschwollene Gesichtshälfte von Mai-Lin.“ Dazu sage ich: PLUMPS. Hier hast du leider die Schwerkraft außer Acht gelassen. Ein Kühlkissen hält nicht von allein an der Wange. Jemand muss es dort festhalten. Nadja tut es jedenfalls nicht, denn sie untersucht nun den verletzten Daumen. Beidhändig nehme ich an. Mai-Lin tut es aber auch nicht, denn die linke Hand wird gerade untersucht und die rechte Hand hält die linke fest (wird jedenfalls von dir extra noch mal erwähnt) / Genug gemeckert. Die Szene ist dennoch gut – und auch die vorgegebene Übungsaufgabe wurde von dir geschickt umgesetzt. Also bleib dran.

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von Fledermaus

Hallo MP. Das Folgende ist freundlich und wohlmeinend – gleich vorneweg. :O) Dein Text ist m.E. viiiiiel zu lang. Es könnte eine spannende Szene sein, aber Du bringst sie mit der Dampfwalze zu Tode. Wenn Du die ganze Sache auf weniger als die halbe Länge bringen könntest wär` das schon mal was. Im Einzelnen moniere ich außerdem folgendes: „Das mußte wohl an den Genen ihrer deutschen Mutter liegen, die sie ihr mitgegeben hatte.“ Warum die Anfügung nach dem Komma? Völlig überflüssig! „ging den schmalen Flur etwas weiter“  Gefällt mir nicht. Entweder muß noch ein „hinab“ o.ä. dazu, oder kürzer. „hielt ihren Daumen der linken Hand umklammert“ ist es wichtig welche Hand? Entscheide dich für „ihren Daumen“ oder „den linken Daumen“, wobei ich für ersteres Plädiere, weil Du gleich die „linke Gesichtshälfte“ nachlieferst. „Sie nahm das Kühlkissen aus einem der Fächer, wickelte ein Handtuch darum und…“ Spielt das Kühlkissen schon vorher eine Rolle? Es klingt, als müsste der Leser es kennen. Ganz häufig hast du solche Konstruktionen: „…etwas zu sich und betrachtete sich…“ da reicht ein ‚sich’ völlig, wenn es überhaupt sein muß. „Der war gebrochen, das war eine eindeutige Diagnose.“ Ja, es ist eine eindeutige Diagnose, dass sie den Daumen für gebrochen hält. Ob sie stimmt? Lieber irgendwie so: „Dieser Daumen war gebrochen. Es war so offensichtlich, dass jeder Anfänger diese Diagnose hätte stellen können.“ „Mai-Lin´s Auge war nur noch ein Schlitz, ihre Augenbraue war aufgerissen und ein dünner Faden Blut bahnte sich seinen Weg durch ihr Gesicht.“ Also da wirst du unfreiwillig komisch, weil man „Schlitzaugen“ ja mit Asiaten in Verbindung bringt. Der dünne Faden Blut löst in mir ein gezeichnetes Bild a la Sailormoon aus, wo das Blut als eine senkrechte Linie über das Gesicht hinausragt. Außerdem: Augenbrauen bluten abartig (Boxen!). „…dann sagte sie noch. „Glaubst du, Tobi hängt da mit drin?“ Erstens: Was soll das 'noch'? Zweitens müsste dann ein Doppelpunkt kommen. Drittens finde ich die Idee komisch, wenn sie sie so formuliert. Es scheint ja doch inzwischen ein großes Vertrauen zwischen den Protagonisten zu geben, oder? Zumal Smiley dann äußert: „„Ich habe es selbst so gewollt Tobi, ich wußte was du machst, es ist nicht deine Schuld.“ Wie bitte, sie wollte von Nazis verprügelt werden? Es ist nicht seine Schuld?! Ganz ärgerlich auch dieser Satz: „Bist du verletzt, kannst du mir die Typen beschreiben ---?“ Erstens muß von einem wirklich besorgten Menschen das gleich als Erstes kommen, und dann will er dringend Antwort und fragt nichts anderes. Deine Mai Lin antwortet folgerichtig auch nur auf den zweiten Teil der Frage, was Du dann unglücklich zu retten versuchst. Im Anschluß befiehlt der weiße Herrenmensch dann auch sofort den Frauen, was sie zu tun haben; es wird gar nicht so recht klar, was er eigentlich damit bezweckt. Befürchtet er neue Übergriffe? Und dann sind sie in seiner WG sicherer, oder wie stellt er sich das vor? Und, entschuldige, die permanent verwendeten Namen im Dialog (Franz-Sissi-Franz-Sissi-Franz-…), das wirkt unecht und nervt mit der Zeit. Als größtes Manko empfinde ich, dass der Leser über weite Strecken nichts Neues erfährt: Als die Mitbewohnerin Mai Lin findet, ahnen wir ja schon, was passiert ist. Dann erzählt sie es. Dann ist sie plötzlich von völliger Apathie zurück im Alltag und erzählt ihrem Freund noch mal alles. Lieber MP, ich hoffe, ich habe dich nicht erschlagen, und ich mache mir die Mühe auch nur aus Sympathie. Keep it short, keep it simpel. Die Szene hat wirklich Potential. Schreib sie noch mal. :O)

Eingetragen am: 22.05.2008

Kommentar von Ginko Korn

Haben Deutsche ein Pünktlichkeits-Gen ? Mai Lins Gefühle spielen ihr keineswegs einen Streich, sondern müssen zwangsläufig hervorbrechen. Der logisch handelnde Tobi kühlt das entsetzliche Geschehen zu sehr ab. Und ein schwer verletztes Mädchen mit Zweifeln an ihrer Liebesbeziehung wirkt mit so viel Selbstbeherrschung fast unglaubwürdig. Sicher wurden die Charaktere in anderen Kapiteln genauer gezeichnet, so dass diese Episode als Einschub gelten kann.

Eingetragen am: 22.05.2008

Kommentar von Lillilu

Hallo M.P., ich könnte mir gut vorstellen, dass diese Szene in dein Buch passt. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob es eine gute Idee ist, Tobi am Telefon von seinem Austritt aus der Szene berichten zu lassen. In den Krimis wird immer nur angekündigt, dass man etwas Wichtiges zu sagen hätte und dann passiert irgendetwas, dass dies verhindert. Aber auch in der Realität würde ich so etwas lieber persönlich sagen wollen. Ansonsten ist es ein durchaus glaubwürdiger Ablauf. Hier noch ein paar Kleinigkeiten zum Text: 1. Absatz, über die Gene, „die sie ihr mitgegeben hat“ = bitte streichen, weil logisch. Nadja „betrachtet sich den Daumen, das Handy und noch irgendetwas: bitte ohne „sich“, es ist kein rückbezügliches Verb. „Mai-Lin sah wieder Nadja an, von der sie sich Hilfe erhoffte, aber da kam nichts.“ Das verstehe ich nicht, Nadja hilft ihr doch nonstop! Vielleicht neu formulieren? LG Lillilu

Eingetragen am: 21.05.2008

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