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Kapitel 21 mit Übungsaufgabe
Leserbeiträge
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@Hallo Numungo, Du hast ein gutes Gefühl! Natürlich bricht sich Anna in meinem Roman nicht ihren Daumen. Doch die Vorstellung, nächstes Jahr in vielleicht 20 neuen Romanen einen gebrochenen Daumen zu finden, hat schon etwas für sich! Danke! L.G Gerhild
Hallo Ginko, Danke für deinen Hinweis suf die Singles:Ic h hatte von diesem Song keine Ahnung, ich werde mir jedoch die CD besorgen. Solche Zufälle muss man feiern! L.G Gerhild
Hallo Frog, You never guess it, big brother, I am writing a novel. Danke! Ich lache sehr gerne. Gedrhild
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Miller zerknüllte die leere Zigarettenpackung und kickte sie an die Wand.
Er hatte versucht, mit dem steif abstehenden rechten Daumen einen Schmetterling zu präparieren – und den Falter dabei ruiniert. Es ging einfach nicht, auch wenn er Linkshänder war. Die Ausbeute der letzten Reise wartete in mehreren flachen Kunststoffschachteln, die mit Papier-Küchentüchern ausgelegt waren, auf die Präparation. Der Cognac, den er aus einem Schnapsgläschen in kleinen Schlucken schlürfte, war immer die Belohnung nachdem ein Schmetterlingsexemplar präzise auf das Brettchen geheftet worden war. Bis jetzt hatte er schon viermal nachgefüllt , 2 Gläschen nach dem Misserfolg sofort hinunter gekippt. Wenn es sich wenigstens gelohnt hätte ..., dachte Miller und hatte wieder vor Augen wie er mit der Taschenlampe in die Felsspalte leuchtet, „ihn“ entdeckt - und das Giftglas in Position bringt. Der Falter sollte – aufgescheucht durch den gezielt ausgestoßenen Rauch einer Gaulloises – direkt ins Giftglas flattern.
In gerade diesem Augenblick gab der Boden am Hang nach. Er kam ins Rutschen, versuchte Halt zu finden… Es ging alles so schnell.
Irgendwie war der rechte Daumen nach hinten gedrückt worden - und vom Falter natürlich keine Spur mehr. Nicht dass die Schmetterlinge in den Behältern Schaden nehmen könnten, aber erst im präparierten Zustand konnte er feststellen, von welcher Qualität der Fang tatsächlich war. Zigaretten musste er sowieso holen – und ohne sinnvolle Beschäftigung wurde er zum Tiger im Käfig. Er beschloss, sich von dem Ärger darüber, seinem abendlichen Ritual nicht nachgehen zu können, in der Bar gegenüber zu befreien. Dort war er kein Unbekannter – und ein Lächeln gab es gratis.
Die Idee ist schon einzigerartig und Du erzählst so schön. Schöne Wortkreation! Gruss, Tinkerbell
Hallo Bärbel, ich finde deine Erzählung über den Schmetterlingstöter - schaurig-schön -. Diesmal vermisse ich den Namen des Exemplares, das das Mißgeschick verursachte. Du siehst, wie beeindruckt ich von deinem Wissen war. L.G Gerhild B.
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12539
Sportunterricht - bei 32 Grad im Schatten.
Josie liebte dieses Fach. Doch bei dieser Hitze hatte selbst sie als Sportass keine Lust auf Bewegung.
Ihr Lehrer, Herr Heimelig, hatte ein Einsehen mit den Mädchen.
„Wir können nun mal nicht hier rum sitzen. Lasst uns Volleyball spielen – ganz locker und ohne Druck!“
Die Begeisterung der Mädchen hielt sich in Grenzen. Allgemeines Murren.
„Ein Schwimmbad wäre jetzt gut, aber Volleyball?“
„Immerhin besser als Ausdauerlauf oder Leichtathletik bei diesen Temperaturen!“, raunte Josie ihrer besten Freundin Nele zu.
Schnell wurden die Mannschaften gebildet und das Spiel angepfiffen.
Josies Team lag nach kurzer Zeit in Führung. Der Ball flog nun doch recht hart und mit ziemlicher Geschwindigkeit übers Netz. Die Mädels hatten nun doch ihren Spaß, obwohl der Schweiß förmlich an ihnen klebte.
Plötzlich schrie Josie bei der Ballabgabe auf:
„Aahh!“
Herr Heimelig rief ihr zu, ob alles in Ordnung sei. Der Ton von Josies Stimme drang einem wirklich durch und durch.
„Es geht schon.“, rief sie mit fester Stimme zurück. Ihr Gesichtsausdruck widersprach zwar dieser Aussage, doch Josie wäre nicht Josie, wenn sie nicht kämpfen würde.
Doch bei der nächsten Ballannahme war der Schrei noch schriller. Sie sackte vor Schmerz auf die Knie.
Sofort rannten alle zu ihr. Noch wusste keiner, was eigentlich los war.
„Mein Daumen! Er steht ganz komisch ab. Und diese Schmerzen!“
Tränen liefen über ihre Wangen – völlig untypisch für Josie. Sie, immer hart im Nehmen, zeigte plötzlich Gefühl.
Die anderen Mädchen und auch der Sportlehrer wussten in diesem Moment sofort, dass die Schmerzen unerträglich sein mussten.
Herr Heimelig schaute sich den Daumen an.
„Keine Frage, du brauchst ärztliche Hilfe. Das sieht nicht gut aus. Ich denke fast, der Daumen ist gebrochen.“
„Neiiiin, ich will nicht zum Arzt! Bitte nicht. Alles, aber keinen Arzt.“
Völlig hysterisch weinte und schrie Josie.
So hatte sie noch niemand erlebt. Selbst Nele schaffte es nicht, ihre beste Freundin zu beruhigen. Die Panik vor einem Arztbesuch schien übermächtig zu sein.
Hallo Sylvia, deine Geschichte erinnert mich an meine Schulzeit. Wir haben viel Ball gespielt und manchen Finger dabei nicht verschont. Mich würde interessieren, wie alt die Mädchen sind. Du zeigst uns deutlich, dass so ein gebrochener Daumen auch den stärksten umhaut. Schön geschrieben! LG Haribo
Als Lehrerin, die gerade bei diesen Temperaturen in jeder Stunde gegen nörgelnde Schüler kämpft, die draußen unterrichtet werden wollen, musste ich schmunzeln. Du hast die Situation gut getroffen! Der Name des Lehrers ist Klasse. Auch der Charakter der Josy wird bereits angedeutet und macht neugierig. Warum ist sie so hart im Nehmen bzw. hat sie so eine Angst vor Ärzten? Ein kleiner Vorschlag: Ich würde den Ton weglassen: Josies Stimme drang... Lieben Gruß Sylvia
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Die Einstellung 50- jährigen Georg Kulirauch war im Stadtrat nur noch eine Formalie. Er hatte zwischenzeitllich seinen Schreibtisch bezogen und saß im Großraumbüro ganz in der Nähe von Julius Nehman, der ihn noch in die wichtigsten Vorgänge der Tiefbauamtgeschäfte einarbeiten wollte.
Mit einem zufriedenen Lächeln saß er nun an seinem Schreibtisch und zog genüßlich das erste Mal an einem schwarzen Stabilostift. Welch ein Vergnügen verschaffte ihm diese rauchende Gaukelei, die keinerlei monetäre Auswirkungen auf ihn hatte und auch keinerlei virulente Wirkungen in ihm freisetzte. Ja, der Stift war auch noch vom kommunalen Arbeitgeber und so waren selbst die Folgen, wenn er einmal versehentlich auf dem Stift kaute und die glatte Oberfläche etwas aufgerauht wurde, auch nicht in seinem persönlichen Kostenbugdet vorzufinden.
Sein zufriedenes Lächeln änderte sich, als er zum ersten mal in seinem Leben, die Zielgerichtetheit seines Blickes auf etwas für ihn bis dahin völlig Neuartiges richtete. Was sein Blick erheischte, verschaffte ihm eine innere Unruhe, die sich erstmals in seinem Leben in einem rastlosen hin und her seiner Äuglein kundtat. Diese Unruhe zeugte von der Uneinordenbarkeit seiner Wahrnehmung. Was würde seine Mutter dazu sagen? Das durfte er doch nicht tun! Ihm stockte der Atem. Seine rechte Hand verkrampfte sich ganz unbewußt und formte sich der Konturen an, die er gerade mit seinem Blick fixierte. Schweiß begann sich auf seiner Stirn zu kondensieren. Die trockene Zunge fuhr über die noch trockeneren Lippen. Fräulein Leböh im Minirock arbeitete gebückt seit kurzem im untersten Fach......... und Kulirauchs Handform paßte genau in den Schritt von Fräulein Leböh..... . Wonneschauer durchzogen seinen zierlichen Körper und ein Fuß mit dem immer noch italienischen Schuh tippte stakkatoartig auf dem Teppichboden. Er hatte über dererlei Dinge schon das eine oder andere gelesen, aber ins Bewußtsein gerückt und erlebbar geworden waren sie erst in diesem Augenblick. Seine Mutter verstand es immer gut, ihren Jungen vor solch bösartigen Anfechtungen und Versuchungen fernzuhalten und zu beschützen.
Aber diesmal war sein Seelenleben kunterbunt durcheinandergeraten. Gefühlswallungen versuchten gedankliche Strategien für die Übernahme des fremden Terrains zu erschließen, während das Blut bis in den kleinsten Finger schoß um dort einen Ausweg zu finden. Leuchtkäferchen flogen vor seinem Blick die buntesten Herzchenbahnen und als der Rock von Fräulein Lebhö ein wenig über den Slip rutschte und Blick auf diesen freigab, verkrampfte sich seine Hand dermaßen, daß er sich mit einem lauten Aufschrei aus der Situation erlöste.
Kulirauch vermag es wohl heute selbst nicht mehr bestimmen was den Aufschrei veranlasste. Denn während seines ekstatischen Zustandes schlug er mit dem Knie kräftig zuckend gegen die leicht geöffnete Schublade seines Schreibtisches und hat dabei übersehen, dass dummerweise ein Finger seiner verkrampften Hand in den Spalt zwischen Schublade und Rahmen seines Schreibtisches hineinragte. Rechtwinkelig stand der maltretierte Finger nach hinten ab. Aber der Krampf in der Hand hatte sich gelöst. Mit feuchten Augen und Hose rief er seine Mutter an.
Hallo Frog, dass mit dem italienischen Schuh erklärt sich aus dem Kontext. Das Buch ist schon ein Stück weit gediehen. Der Anfang ist Beitrag 8322. Ich muß mich einfach ein wenig entschuldigen. Meine Zeit ist im Moment ziemlich eng. Aber ich würde doch gerne mitmachen und hoffe es wird bald besser. Danke! An Numungo: Vielleicht kannst Du das auch verstehen. Übrigens den Stabilostift gibt es in schwarz. Das ist so einer mit einer Art ganz feiner Filzstift vorne drauf. Wenn Du den zwischen die Finger nimmst, leicht auf ein nicht schwarzes Papier drückst und mit ganz feinen Bewegungen, die wir in der Schule Schreiben genannt haben über dieses Papier fährst, dann kannst Du das anschließend vielleicht lesen. Und ich hab die Vorschriften und Gesetze auf Deinen Einwurf hin genau studiert. Ich habe nichts gefunden, was Kulirauch verbieten würde, in den Schreibpausen mit diesem Stabilostift zu rauchen oder gar darauf wüst zu kauen. Auszug aus dem Wirtschaftslexikon: Im Kostenbudget werden die einzelnen Kostenarten in ihrer Höhe als Plandaten für eine Periode festgelegt Und was ist eigentlich "leist Kulirauch" Ach ich geb es auch auf........
Armer Georg! 50 Jahre lang musste er auf seinen ersten feuchten (Tag)-Traum warten. Und jetzt bin ich gespannt, wie seine telefonische Beichte an Mutti ausfallen wird. Die Kollegen im Büro werden jedenfalls lange Ohren machen. Und die Festeinstellung dürfte damit vom Tisch sein./Der Text weist viele gute Stellen auf, bei anderen war ich mir jedoch nicht sicher, ob ich als Leser hier von dir veräppelt werden soll. Auf alle Fälle hat mich deine Story zum Schmunzeln gebracht.
Heißt der Mann Kulirauch, weil er gern den Kuli raucht? Das ist irgendwie ein ulkiger Text mit einigen interessanten Satzkreationen. Am wenigsten verstand ich "und ein Fuß mit dem immer noch italienischen Schuh tippte stakkatoartig auf dem Teppichboden.... Hat der arme Mann nur ein Bein oder ich nur ein halbes Hirn? Schrullige Story jedenfalls...
Bereits im ersten Satz fehlt ein Wort (des). Desweiteren werden Zahlen in literarischen Texten als Worte ausgeschrieben. Im zweiten Absatz ist es nicht wichtig, dass der Stift von Stabilo ist. Gibt es die überhaupt in schwarz? Dann heißt es Budget und nicht Kostenbudget. Dritter Absatz: "Uneinordenbarkeit". Ein Wort aus einem Horrorfilm? Weiter heißt es "den" Konturen. Und Schweiß kondensiert nicht, er tritt aus, kommt von innen. Oder ist Kulirauch eine Luftnummer? Die trockene Zunge fuhr über die noch trockeneren Lippen an einem staubtrockenen Mund eines ausgedörrten Kopfes? Und dann geht der Kitsch in Geschmacklosigkeit über. Anscheinend leist Kulirauch auch unbewußt? Was hat das Wort "Anfechtung" hier zu suchen? Ich gebs auf ...
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Kate schlängelte sich langsam die kurvenreiche, steile Strasse entlang, die sie zu ihrem Haus führte. Zu prächtigen Büschen gewachsene Fuchsien streiften die Seiten ihres Wagens und sie musste den zerstreuten Steinen, die ihre Reifen zu platzen drohten, ausweichen.
Sie entdeckte den Alten schon von fern, der in seinem Schaukelstuhl sass und in Frieden an seinem Tee nippte. Seit drei Wochen wohnte sie schon in ihrem neuen Haus und hatte bisher noch keine Lust gehabt, sich ihm vorzustellen. Sie war hierhergekommen um alleine zu sein und es war ihr nicht nach Unterhaltung zumute und nach Smalltalk schon gar nicht. Mehr als „guten Tag“ oder „guten Abend“ Wünsche auf Distanz, wurden bisher nicht ausgetauscht. Der Alte war oft in seinem Garten beschäftigt und sobald er Kate sah, begrüsste er sie jedesmal freundlich.
Ihre beste Freundin hatte sich um den Kauf des Hauses und überhaupt um alles gekümmert, was ihre Einwanderung in ihr Heimatland betraf. So wie sie Cecilia kannte, hatte sie bestimmt dem Verkäufer Kates Geschichte geschildert und ihn beauftragt, den Nachbarn mitzuteilen, dass sie Kate in Ruhe lassen sollen. Kate schmunzelte vor sich hin. Wahrscheinlich hatte sie dem Verkäufer keine andere Wahl gelassen, als einer armen Witwe Vorrang zu geben und das Haus an Kate zu verkaufen. Cecilia würde Felswände zu Tränen rühren können, wenn sie wüsste, dass sie damit Erfolg hätte.
Das Haus, der Ort und die Landschaft waren genau das, was sie sich gewünscht hatte. Ihr Haus stand auf einer weiten grünen Ebene oberhalb der felsigen Küste. Vor ihren Augen erstreckte sich der Atlantik Tausend Meilen lang. Von ihrer letzten Verandastufe aus, führte ein breiter Kiesweg bis zu den Felsen und ermöglichte ihr täglich in völliger Einsamkeit den Anblick der prächtigen Klippen von Kilkee zu geniessen.
Als sie sich auf der langen Zufahrtstrasse dem Gartentor des Alten näherte, hob dieser gelassen die Hand und Kate grüsste ihn ebenfalls mit einer Handbewegung und fuhr weiter. Früher oder später würden sie sich kennenlernen. Heute aber nicht! Sie wollte noch bevor es dunkel wird zuhause sein und die Orchideen in ihre neue Töpfe umpflanzen. Die Sonne stand zwar schon sehr niedrig am strahlendblauen Himmel, aber immer noch grosszügig genug, sich blicken zu lassen.
Sie parkierten den Wagen vor der Haustür und stellte die Töpfe, eine nach dem anderen vorsichtig auf die Verandastufe. Gedankenverloren nahm sie den letzten Topf aus dem Wagen und stiess den Kofferraumdeckel mit einem Ruck zu und war erstaunt, weshalb er nicht zugegangen war. Als sie plötzlich die unangenehme Wärme an ihrem Daumen emporsteigen spürte, stiess sie einen schmerzerfüllten Schrei aus, der bis zu den Felsen hallte. Sie liess den Topf fallen und umklammerte mit der anderen Hand ihren pulsierenden Daumen. Es war, als ob ihr Herz in ihrem Daumen weiterschlug und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Rasch setzte sie sich auf die Veranda und sah den alten Mann am Gartentor, der mit einer besorgten Miene zu ihr eilte. Sie hatte es ja gewusst. Früher oder später würden sie sich kennenlernen.
Hallo Frog :) war ein Tippfehler. Bin Ginkos Kommentare gewohnt! :) Freut mich aber, dass mein Text doch nicht so schlimm ist! Liebe Grüsse, Tinkerbell
Liebe Carola Habe mir einen schweren Kofferaumdeckel vorgestellt, denn sie von oben mit einem Ruck runter drückt und dann aber nicht sofort fallen lässt, da sie sonst zuknallen würde. Der Daumen war wirklich nur ein Grund um etwas zu publizieren. Mir war es wichtig ob mein Text sonst gut war damit ich einzelne Abschnitte ausbauen kann. Vielen Dank, Gruss, Tinkerbell
Tinkerbell, kommst Du nicht aus der Schweiz? Da sagt man doch parkieren... Na, der Anfang ist vielleicht ein bisschen holprig, aber ansonsten liest sich das wirklich nicht so schlimm, wie von Ginko Gnadenlos beschrieben.
Hallo Tinkerbell, Autos sind gemein. Allerdings ist hier der Ablauf für mich nicht überzeugend. Sie nimmt den Topf raus und stößt den Kofferraum zu - so weit so gut. Aber um den Kofferraum zuzumachen haut man doch von oben auf die Klappe und da sehe ich nicht, wie der Daumen eingeklemmt werden kann. Verstehst Du, was ich meine? Ohnehin habe ich das Gefühl, dass diese Daumenepisode ein Schnellschuss war. Zu diesem Eindruck trägt der erste Absatz ganz maßgeblich bei. Das ist nicht die bei Dir gewohnte Qualität. Das kannst Du besser! Viele Grüße Carola
Kate ist eine Schlange und die Steine sind derart gedankenverloren, dass sie transitiv platzen wollen. Deutsch ist leider so eigenartig, dass man nicht einfach hinein übersetzen kann ohne Beratung über Idiome. Sogar berufsmäßige Übersetzer scheitern oft an Sprachspielen und Witzen. Weil die anderssprachigen Formulierungen im Deutschen höchstens unfreiwillg komisch wirken, sollten Autoren zunächst in ihrer Muttersprache schreiben. Denn so wirkt diese Erzählung unbeholfen, mit dünnem Inhalt, trotz großer Gedanken.
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Der gebrochene Daumen passt erstaunlich gut in die Geschichte um Daniel und Tania und hat mich aus einer Sackgasse gerettet. Leider hatte ich keine Zeit, mehr als nur eine "Skizze" der ganzen Szene anzufertigen, man möge es mir verzeihen.
„Ich steh jetzt nicht auf“, murmelte Daniel unwillig in meinem Rücken, schlang einen Arm um meinen Körper und zog mich fest an sich. Doch das Telefon im Wohnzimmer hörte nicht auf zu klingeln. „Die werden schon nochmal anrufen, wenn es was wichtiges ist“, brummte er.
Mir war seine Ruhe in derartigen Situationen zwar inzwischen bestes bekannt, aber als der Apparat zum dritten mal schrillte, hielt ich es nicht mehr aus, wand mich aus seiner Umarmung, schlug die Bettdecke zurück und tapste fröstelnd ins Wohnzimmer.
„Bei Ellwein?“ Meine Stimme klang belegt, wie so oft am Morgen.
Vom anderen Ende der Leitung antwortete mir ein langes Schweigen. Dann, als ich schon auflegen wollte, begrüßte mich eine unfreundliche weibliche Stimme, die ich sofort als Ruth identifizierte, mit einem knappen „Gib mir Daniel.“
Na super! Das war er dann wohl, der schöne Samstag. Es war erst knapp neun Uhr morgens! Das machte die doch extra!
Das Objekt ihrer Begierde hatte sich inzwischen verschlafen aufgerichtet und machte mir verzweifelt Zeichen, dass es jetzt mit niemandem sprechen würde. Niemandem!
„Es ist Ruth!“ Ich formte die Worte stumm mit dem Mund, während ich zurück ins Schlafzimmer ging, das Telefon zwischen Schulter und Kinn eingeklemmt und nach irgendeinem Kleidungsstück suchte, das ich mir hätte überziehen können. Der Regen die letzten Tage hatte die Temperaturen stark abgekühlt und wären draußen die Bäume nicht in voller grüner Pracht gestanden, so hätte man denken können es wäre schon Oktober.
Daniel sank stöhnend zurück in die Kissen.
„Er schläft noch“, log ich, ohne Überzeugung.
„Erzähl mir keinen Scheiß!“ Ruths Stimme klang schrill und ich entfernte den Hörer etwas von meinem Ohr.
„Na, gib schon her!“, seufzte Daniel.
„So, jetzt hast du ihn aufgeweckt“, sagte ich ruhig zu Ruth, bevor ich zu Daniel aufs Bett kletterte und ihm das Telefon reichte. Sie konnte mich hassen und beschimpfen so viel sie wollte, der Spott und das letzte Wort hatten bis jetzt noch immer mir gehört.
Während Daniel schließlich recht einsilbig auf Ruths aufgebrachten und gut hörbaren Redefluss antwortete, glitt ich wieder unter die angenehm körperwarmen Laken. Immerhin war sie weit weg und sollte sie zu lästig werden, genügte ein leichter Druck auf die entsprechende Taste und ihre Stimme wäre verschwunden.
„Nein, Ruth, ich bin noch im Bett! Muss das unbedingt jetzt sein?“ Daniel klang unfreundlicher und ungehaltener als ich das von ihm gewohnt war.
Mein armer Schatz!
Unter der Decke ertastete ich seine Hüfte und schmiegte ich enger an ihn. Seine Haut war wunderbar heiß und schließlich stahl sich ein leichtes Lächeln auf sein gerade eben noch verärgertes Gesicht, als ich meine Hand weiter über seinen Körper wandern ließ. Er hielt sie fest und wir rangen kurz miteinander, während er ein gar nicht mehr so genervtes Na gut in Ruths Ohr seufzte.
In einer guten halben Stunde würde sie vorbeikommen, Daniel müsse ihr unbedingt ein paar Papiere unterschreiben, hatte sie gemeint. Es blieb also nicht mal mehr Zeit für einen gemütlichen Kaffee im Bett.
Verdammt! Ich war wirklich wütend. So konnte das nicht weitergehen. Ich würde sie zur Rede stellen müssen, früher oder später. Sie mochte zwar fast zehn Jahre älter sein als ich, aber das gab ihr noch lange nicht das Recht, mich so zu behandeln. Stefanies Theorie mit der Eifersucht war vielleicht doch gar nicht so abwegig, ob Daniel wohl davon wusste?
Mit dem starken Wasserstrahl, der mir jetzt in der Dusche auf Kopf und Schultern prasselte, versuchte ich den Ärger wegzuspülen, aber es wollte mir nicht so recht gelingen. Seufzend tastete ich nach dem Shampoo, das ich auf der Ablage hinter mir vermutete, konnte es aber nicht finden. Ja, warum auch. Ich wischte mir das Wasser aus den Augen und drehte mich wohl etwas zu schwungvoll um, denn ich fühlte wie meine Füsse wegrutschten und als ich das nächste mal dazu kam einzuatmen, lag ich auch schon auf dem gefliesten Boden der Dusche. Der Lärm, den mein Körper gemacht hatte, als er gegen die gläserne Schiebetür und dann auf den Boden geknallt war, hätte Tote erwecken können und hallte noch immer in meinem Kopf nach.
Was war das gewesen!? Ich schnappte nach Luft und es vergingen einige Schrecksekunden bevor ich mich mit zitternden Knien aufrappeln konnte. Das hätte richtig böse ausgehen können! Immerhin hatte ich den Schwung meines Körpers in letzter Sekunde noch etwas mit der ausgestreckten Hand abfangen können, sonst hätte ich jetzt ein Loch im Kopf.
Vorsichtig bewegte ich alle Gelenke. Die Haut an der Hüfte war etwas aufgeschürft und meine rechte Hand tat weh. Tat ziemlich weh.
„Tania, was ist passiert?! Alles in Ordnung?“ Daniel hatte die Tür zum Badezimmer aufgeschoben und ich konnte seine Gestalt schemenhaft durch das mit Wasserdampf beschlagene Glas erkennen.
Wie konnte ich auch nur so dumm sein, mich mit der Hand abfangen zu wollen! Natürlich musste ich mit vollem Gewicht draufgefallen sein.
Kind, brich dir die Füße, wenn du willst, aber bloß nicht deine Hände! Hörte ich meinen alten Klavierlehrer murmlen.
„Ich denke schon“, antwortete ich zögernd.
Na, gebrochen würde schon nichts sein.
„Ich bin ausgerutscht!“, fügte ich erklärend hinzu als Daniel das Bad durchquerte und die Tür zur Dusche öffnete.
„Ich dachte schon, du wärst durch das Glas gefallen, das war vielleicht ein Lärm.”
Mir wurde bewusst, dass das Wasser noch immer lief, die Shampooflasche lag am Boden, der Decke war abgesprungen und der starke Wasserstrahl schwemmte ihren Inhalt langsam aber stetig in den Ausguss. Ich bückte ich mich um sie aufzuheben und hätte vor Schmerz am liebsten aufgeschrien.
“Was ist mit deiner Hand?“ Alarmiert stellte Daniel das Wasser ab.
Ich wusste nicht, was ich antworten sollte, der Schmerz war schwer zu lokalisieren, aber er war da, unmöglich zu übergehen. Wenn ich versuchte meine Finger zu bewegen, wurde er stärker. Der Daumen, es war ganz eindeutig der Daumen.
Ich hatte schließlich darauf bestanden, dass es mir gut ginge und dass ich mich fertig duschen würde, hatte mir mit zusammengebissenen Zähnen und nur vier Fingern etwas Shampoo in die Haare massiert und wieder ausgespült, den Rest des Körpers einer schnellen Katzenwäsche unterzogen. Doch als ich beim Abtrocknen aus versehen mit der Hand gegen das Waschbecken stieß, wurde es mir fast schwarz vor Augen. Übelkeit und Panik stiegen in mir auf. Nein, es ging mir nicht gut, ganz eindeutig nicht gut.
Scheiße, verdammte Scheiße!
„Tut es sehr weh?“ Daniels Frage riss mich aus meiner Betäubung.
Ich saß neben ihm auf dem Beifahrersitz und er sah mich besorgt an, als er an einer roten Ampel hielt. Wir waren auf dem Weg ins Krankenhaus. Krankenhaus, wie ich dieses Wort hasste.
„Nein, eigentlich nicht“, murmelte ich benommen.
Es tat höllisch weh, der Schmerz pulsierte in großen Wellen, bohrte und nagte in meinen Knochen und Muskeln. Ich wusste nicht, ob ich mich hineinfallen lassen, mit den Zähnen knirschen oder den Kopf gegen das Armaturenbrett des Autos schlagen sollte.
Es war mir vorhin unmöglich gewesen den Knopf meiner Jeans mit nur einer Hand zu schließen. Daniel musste mir sogar dabei helfen, die noch feuchten Haare im Nacken zusammenzunehmen und hochzustecken, sie hatten schon mein ganzes T-Shirt durchnässt. Ich hatte es nur widerwillig geschehen lassen, indem ich vor ihm in die Knie ging. Die Schuhbänder meiner Turnschuhe standen noch immer offen.
Daumen und Ballen waren inzwischen dick angeschwollen und ich balancierte meine Hand wie ein rohes Ei etwas von mir gestreckt um ja nichts damit zu berühren. Auch die Eiswürfel, die mir Daniel in eine Plastiktüte gepackt hatten um die Schwellung damit zu behandeln, lagen unbenutzt auf meinen, inzwischen vor Kälte tauben, Oberschenkeln.
Er versuchte nicht mich aufzuheitern und ich war ihm dankbar dafür. Ich wollte jetzt nicht sprechen, ich wollte nur, dass das ganze zu schnell wie möglich vorüber ging.
Der Arzt, der mich schließlich untersuchte, bestätigte nach einer Röntgenaufnahme die Diagnose. Daumenbasisbruch.
„Sie sind direkt auf die geöffnete Hand gefallen, nicht?“, rügte er mich unnötigerweise.
Ich verbot mir die schnippische Bemerkung, dass es auch ein Schädelbasisbruch hätte sein können und ließ mit zusammengebissenen Zähnen die Behandlung über mich ergehen, bis endlich die Spritzen zu wirken begannen.
Der Schock saß noch immer tief als wir schließlich wieder zu Hause waren. Daumen und Unterarm lagen in einer festen Gipsschiene und meine Finger kribbelten. Der Schmerz war zwar vorerst gebannt, aber ein dumpfes Ziehen, kündigte mir an, was noch kommen würde.
Daniel schloss die Haustür auf und grüßte Herrn Richter, der im Garten lustlos an einer Hecke rumschnippelte und uns etwas zuschrie. Wir hätten Besuch gehabt, eine ziemlich aufgebrachte junge Dame.
Junge Dame! Ich schnaubte verächtlich.
„Ruth!“ Daniel seufzte. „Die hatte ich vollkommen vergessen.“
„Das wird sie dir übel nehmen“, versuchte ich zu scherzen, auch wenn es mir nicht so recht gelingen wollte.
„Na endlich!“ Daniel lachte und ließ mich in den Flur treten. „Ich dachte schon, du würdest nie mehr lächeln.“
„Hatte ich eigentlich auch nicht vor“, murmelte ich und schloss die Tür hinter mir.
Während Daniel sich daran machte, den Kaffee aufzuwärmen und etwas Brot, Butter und Marmelade auf den Tisch stellte, pfriemelte ich ungeschickt den Beilagzettel aus der Medikamentenschachtel mit den Schmerztabletten, die mir der Arzt verschrieben hatte. Ich war noch immer wie vor den Kopf gestoßen. Vier bis sechs Wochen sollte der Gips dranbleiben. Wie sollte ich das nur überleben? Wie sollte ich kochen, essen, mich waschen, frisieren, schminken?
Und was nachher? Würde die Beweglichkeit noch genau so sein wie früher? Man hörte ja immer wieder so Schauergeschichten von wegen Sehnenverkürzungen etc. Und das jetzt, wo ich gerade wieder angefangen hatte Klavier zu spielen! Ich legte die Tablettenschachtel beiseite. Das durfte einfach nicht wahr sein! Warum ich? Ich hatte mir in meinem ganzen Leben doch noch nie was gebrochen!
„Ach Tania, nun mach doch nicht so ein Gesicht“, Daniel stellte lachend eine volle Tasse Kaffee vor mich hin. „Das geht alles wieder vorbei.“
Im gleichen Moment wurde mir bewusst, wie unmöglich ich mich verhielt. Im Vergleich zu dem, was Daniel durchgemacht hatte und noch immer litt, war dieser blöde Daumenbruch ein Zuckerschlecken. Und ich führte mich hier auf, als würde die Welt untergehen. Plötzlich fühlte ich mich unendlich schlecht und hätte am liebsten geweint.
Die Nacht war sehr unruhig. Trotz der Tabletten konnte ich vor Schmerzen keine Ruhe finden. Der eingegipste Arm lag neben mir, wie ein seltsames ausserirdisches Anhängsel, das ich am liebsten von meinem Körper abgetrennt hätte. Irgendwann stand ich auf, um zumindest Daniel so etwas wie Nachtruhe zu gönnen, schloss die Tür zum Schlafzimmer und wickelte mich im Wohnzimmer auf der Couch in eine Wolldecke. Ich weiß nicht wie lange ich dort in der Dunkelheit sass und den Regen beobachtete, der stetig auf die Terrasse prasselte. Wie lange hatte Daniel diese Schmerzen erleiden müssen? Wie viele Tage, wie viele Wochen, wie viele Monate? Wenn ein gebrochener Daumen schon so höllisch weh tat, wie mussten sich dann erst zwei zertrümmerte, zerfleischte Beine anfühlen? Sicherlich hatte er stärkere Schmerzmittel bekommen als ich, aber konnten solche Schmerzen überhaupt betäubt werden? Ich wollte nicht daran denken, ich wollte es mir nicht einmal vorstellen, aber ich mußte es wissen. Wie sollte ich ihm helfen können, wie ihn vollkommen verstehen, wenn ich mich diesem Teil von ihm verschloss?
Irgendwann schlief ich ein, in ein Eck der Couch gekuschelt. Ich hatte mir erlaubt ein paar Tränen zu weinen, das ganze dann aber aus lauter Erschöpfung wieder aufgegeben, und auch deshalb, weil ich keine Taschentücher griffbereit hatte und mich nicht, um welche zu holen, aus der Decke wickeln wollte, die mich in eine angenehme Wärme hüllte.
@ Metta ach ja, die Kürze... Ich bin immer wieder glücklich und dankbar, dass meine Texte trotzdem gelesen werden. Wenns ums Verzetteln geht, bin ich Weltmeisterin und bis jetzt habe ich noch keine Möglichkeit gefunden das zu verändern. *seufz*
Warmherzig erzählt - habe die beiden Protagonisten ins Herz geschlossen. Innerhalb eines Buches würde die Länge nicht unangenehm auffallen, nur bei hier eingestellten Beiträgen erwarten wir Kürze, obwohl das beim Schreiben leicht die Intensität nimmt. Also ruhig so lassen! Was die Rollstuhlperspektive und den letzten Satz angeht schließe ich mich Frog an.
Hallo Azahar kaum hatte ich den Text eingestellt fiel mir auch schon was ein. So gehts mir im Bad immer, ich bekomme Shampoo in die Augen, finde den Brauseschlauch nicht mehr, der Boden ist auch schon rutschig vom Schaum, und wenns mich dann noch hinhaut brennen nicht nur die Tränen in den Augen. War nur so eine Idee. LG rosamsa
@ Angela Barotti Vielen Dank für deinen Kommentar! Es freut mich, dass dir mein Text gefallen hat!
@ rosamsa wegen der Länge hatte ich schon ein schlechtes Gewissen, aber es ging einfach nicht anders, eines kam zum andern... stimmt, "gesunkenen Temperaturen" klingt logischer! Auch bzgl. dem Unfall hast du Recht. Das zieht sich. An den Sätzen hing ich auch am längsten fest, denn ehrlich gesagt konnte ich mir nicht genau vorstellen, wie Tania ausrutscht und fällt. (Selbstversuch kommt in diesem Fall aber nicht in Frage ;-) Sobald man selbst keine konkrete Ahnung hat, schweift man ab und versucht durch Ausschmückungen den Leser von der eigenen Unwissenheit abzulenken. Danke!
Sehr gut umgesetzt. Du spielst wunderbar mit Wärme- und Kälteempfindungen, die sich auf mich als Leser übertragen haben = Daniels Körperwärme, die vor Kälte tauben Oberschenkel, die angenehme Wärme der Decke. Dein Beitrag hat mir sehr gefallen.
Hallo Azahar, kurz war's gerade nicht, aber dafür kurzweilig. Aber wenns läuft, muss man es laufen lassen, ich kenn das auch. Es passt tatsächlich wunderbar, weil Tania jetzt einen kleinen Eindruck von Daniels Schmerzen bekommen hat. Die Ausführungen und Gedankengänge sind sehr gut nachvollziehbar. Zwei Anmerkungen: abgekühlte Temperaturen ? (gesunkene Temperaturen) Und den Satz mit dem Unfall würde ich straffen um das schnelle Geschehen deutlicher zu machen z.B.: Ich wischte mir das Wasser aus den Augen und drehte mich schwungvoll um, meine Füsse rutschten auf den glatten Fliesen weg, im nächsten Moment lag ich schon auf dem Boden der Dusche.
@ Carola Na ja, Skizze deshalb, weil ich es mehr oder weniger runtergeschrieben habe und nicht mehr dazu kam, noch irgendwas zu überarbeiten. Wie Frog schon angemerkt hat, könnte man das ganze sicherlich etwas kürzen. @ Frog Die Szene findet schon ziemlich zu Ende des Romans statt, der Leser weiss inzwischen bestens über Daniel Bescheid und ich denke ausführliche Beschreibungen, ob er nun Dinge in sitzender oder stehender Position erledigt, sind überflüssig. Ausserdem wollte ich ihn so "normal" wie mögich darstellen, denn im Grunde ist er ja auch normal. Es wäre unfair ihn als Person nur auf die Eigenschaft "Rollstuhl" zu reduzieren. Leute die ihn so behandeln, kann er auch gar nicht leiden ;-) Ich wohne in Valencia. (Da wo die Orangen herkommen ;-)
Interessant. Der Leser merkt eigentlich kaum, dass Daniel nicht mehr laufen kann. Absicht? Dann ist es sensibel gemacht. Den letzten Absatz könntest Du straffen, besonders der letzte Satz ist etwas sperrig... Nun verstehe ich auch Deinen Tibor-Kommentar besser....LG nach Spanien... Wüsste gern, wo Du lebst...
Hallo Azahar, das ist für Dich eine Skizze? Dann aber Gratulation zu deren Umfang und Tiefe. Viele Grüße Carola
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Ulla hielt vor dem weiß verputzen Siedlerhäuschen und stellte ihr Moped ab. Heute hatte sie mit "Stinki" nicht mal eine Panne gehabt! Sie nahm ihren selbst bemalten Jethelm ab - grün mit Gänseblümchen. "Passt zu dir," hatte Arne grinsend gesagt, was so viel bedeutete wie: "Wieder eine dieser Geschmacksverirrungen." Sie war sehr stolz darauf.
Frau Urbschat stand in der Küche und backte Apfelkuchen. Ulla klopfte ans Fenster.
"Tag, Frau Urbschat. Ist Arne da? Wir waren verabredet."
"Guten Tag, Ulrike. Ich weiß nicht. Er hat nischt gesagt. Du weißt ja, wie er ist. Vielleicht in Erwin Winter seiner Scheune, bei dem ollen Trecker."
"Okay, ich geh mal gucken. Tschüs, bis nachher."
"Tschüs!"
Ulla ging zur Scheune auf dem Nachbargrundstück, öffnete die Holztür einen Spaltbreit und steckte ihre Nase hinein.
"Halloho!"
Arne kniete auf dem Boden und füllte Spiritus in die Anwärmschale seiner Heizlampe.
Ulla ging zu ihm und gab ihm einen Kuss. "Na, läuft er."
"Weiß nicht!"
"Kann ich dir was helfen?"
"Was willst du denn helfen? Du hast doch sowieso keine Ahnung."
"Dann erklärst du es mir eben."
Arne zündete den Spiritus an und setzte die Blechschürze auf.
"So, jetzt müssen wir fünf Minuten warten."
"Ich dachte, wir wollten an die Ostsee zum Baden."
"Ja ja. Du siehst doch, dass noch nicht fertig bin." Arne zündete sich eine Zigarette an. Als er sie aufgeraucht hatte, meinte er: "So, jetzt kannst Du mal pumpen und den Hahn aufdrehen."
"Äh. Wie? Wo?"
"Na da. Wie kann man sich so blöd anstellen. Das sieht man doch."
Arne zündete die Flamme an und wartete, bis sie blau wurde. Dann hängte er sie in die Glühnase seines blauen Lanztreckers ein. Erwin Winter war schon lange tot und seine Frau Marlene hatte keine Verwendung dafür. Da hatte Arne sie gefragt, ob er den kleinen Schlepper haben dürfte.
"So, Ulla, jetzt zieh mal das Lenkrad raus."
"Wie geht denn das? Wo musss ich das losmachen?"
"Oh man, wie kann man nur so bescheuert sein." Arne kletterte auf den Trecker und zog mit geübtem Griff das Lenkrad ab.
"Dann mach deinen Scheiß doch allein! Ich bin nicht hergekommen, um mich von dir anmeckern zu lassen!"
Arne schaute, ob der Glühkopf heiß genug war, betätigte die Einspritzpumpe und steckte das Lenkrad auf die Kurbelwelle. Er holte Schwung, um den Motor anzwerfen. Das Lenkrad drehte sich zurück.
Ulla verließ die Scheune und knallte die Tür zu. Von drinnen hörte sie das Bullern des Treckers und gleichzeitig einen Schrei: "Scheiße!"
Sie riss die Tür wieder auf. Arne kniete auf dem Boden und hielt sich die Hand. Das Lenkrad lag an der Erde.
"Ist was passiert?"
"Nein, überhaupt nicht," quetschte er mit schmerzverzerrtem Gesicht hervor. "Mensch, ich hab das Lenkrad nicht rechtzeitig abgezogen und bin mit dem Daumen hängen geblieben, als der Motor anlief."
Der Trecker bullerte ungerührt weiter. Arne schaffte es, sich aufzuraffen, und die Dieselzufuhr zu unterbrechen. Der Motor puffte noch ein paar Mal und blieb dann stehen.
"Zeig mal." Ulla nahm vorsichtig Arnes Hand. "Sieht nicht gut aus. Kannst du den Daumen noch bewegen?"
"Ahhh!"
"Komm, ich bring dich lieber ins Krankenhaus."
"Quatsch. Da machen wir einen Verband drum und gut."
"Und wenn der Daumen gebrochen ist."
"Dann gibt das eine schöne Schlagzeile in der Zeitung."
"Fahren wir mit der Schwalbe oder mit dem Lanz?"
"Sehr witzig. Ruf doch gleich den Rettungswagen."
"Arne! Kaffeetrinken." Das war seine Mutter.
"Die Alte nervt!"
"Ach komm, lass, sie kann doch nicht wissen, was passiert ist. - Wir kommen!"
"Na, ich hab mir doch gleich gedacht, dass das nischt is' mit dem Schiettrecker!" Arnes Mutter hatte nicht viel übrig für die technische Leidenschaft ihres Sohnes.
"Nun lass ihn mal. Ich bring ihn erstmal in die Stadt. Wo sind denn die Autoschlüssel."
"Ach du Schande. Weiber am Steuer. Jetzt muss ich auch noch bei dir mitfahren."
"Na, meinst du vielleicht, Weiber auf dem Moped sind besser?"
"Da hast du auch wieder Recht."
"Na, so zwei, drei Wochen werden Sie damit wohl zu tun haben," sagte der Arzt, nachdem der Gips hart geworden war.
"Darf ich dir was draufmalen?", fragte Ulla.
"Ja, ja, ich weiß schon. Am besten Gänseblümchen." Arne lächelte gequält.
"Au ja!"
Oh, wäre sie Dir nich zu tiefem Dank verpflichtet, würde die Miezekatze ob dieser Formulierung jetzt einmal die Krallen ausfahren. Schade, dass der Roman schon endet, bevor Arne in die sanftmütige Lebensphase eintritt. Vielleicht hilft Ulla der Rat trotzdem weiter.
Öha? Schmeichelt sich doch wirklich eine Miezekatze bei mir ein! Soll ich wohl als Doppelagent das Lager der Männer ausleuchten? Aber Du machst es genau richtig: Lobst den Mann für sein (eventuell auch zweifelhaftes) Können und spielst die Hilflose. Da wird doch jeder Schlaffi zum Herkules. Doch nun zu Arne: Er hatte einfach nicht vorausgesehen, dass ihn der Lanz so sehr in Bann schlagen würde, und dann die Verabredung vergessen. Natürlich nervt ihn Ulla jetzt ebenso wie die Maschine, denn als Mann kann er sich nicht gleichzeitig auf zwei Anforderungen konzentrieren. So pfuscht er sowohl am Lenkrad als auch gegen Ulla. 150 Jahre später, als Routinier in Liebesdingen, hätte er sein technisches Spielzeug sofort hintan gestellt, weil ihm das ja nicht wegläuft und umgeschaltet von Knurr auf Schnurr . Dann wäre er mit Ulla Gänseblümchen pflücken gegangen und ... / In seinem jetzigen Reifegrad läuft dieses Programm noch nicht. Ulla wird ihre Strategie rascher entwickeln, denn sie ist nur noch 25 Jahre im gebärfähigen Alter. Sie wird sich von dem Ungetüm beeindruckt zeigen, den Mann bewundern, wie gut er montieren kann, sich wie Meta bei clipfish schlau machen, dann aber ein bisschen dumm stellen und ihre Fragen so formulieren, dass der Mann als Gönner dasteht.
Hallo, alle zusammen, ich bin ganz begeistert, wieviel Ihr in dieser kurzen Sequenz, die ich anfangs gar keine Lust hatte, zu schreiben, vom Kern der Handlung herausgefiltert habt! Der Reihe nach: AZAHAR und REINER: Es gibt bei clipfish ein Lehrvideo zum Lenkradstart eines Lanz Bulldog (clipfish.de/player.php?videoid=MzM1NTk2fDg%253D). Habe auch lange recherchiert. Wenn der Kolben im 4,7l-Zylinder vom oberen Totpunkt zurückgleitet, also der Motor noch nicht läuft, dreht sich das Rad auf der Kurbelwelle lediglich zurück. Sobald der Motor anspringt, Reiner, hast Du Recht, steckt eine große Wucht dahinter und man muss das Lenkrad schnell abziehen. Hast Du schon mal 'nen Trecker selbst angeschmissen? Hörte sich so an. ;O) Das Alter, so um die 19, kommt gut hin. Die Handlung springt mehrere Male rückwärts, immer bis zu einem Wendepunkt, an dem dann gefragt wird, wie es zu dieser Situation kommen konnte. Dann beginnt ein neuer Erzählstrang in der Zeit, in der die Ursachen liegen. Interessant, dass Reiner und NUMUNGO nicht nachvollziehen können, warum Ulla sich so niedermachen lässt. Die typisch unterschiedliche Sichtweise von Mann und Frau. Ist das "Opfer" also doch schuld, weil es sich nicht gewehrt hat? Tja, Arne etwas an den Kopf zu werfen, hat Ulla schon ein paar Mal versucht. Leider zieht sie jedes Mal den Kürzeren. Arne ist einfach geübter im Zynismus und lässt sich seine innere Erschütterung nicht so leicht anmerken, was mit seinen eigenen Verletzungen in der Kindheit zu tun hat (er wurde wegen, weiß noch nicht, Übergewicht, weil er lange der Kleinste war, wegen eines Muttermals oder Akne, ständig gehänselt). Da hat er sich diese Überlebensstrategie zugelegt. Keine Entschuldigung, aber eine Erklärung. Einmal ist Ulla sogar ausgerastet und einfach wieder nach Hause gefahren. Sie war sich sicher, das sei jetzt das Ende der Beziehung gewesen, und was meint Ihr? Der Kerl kam wieder angeschickert! Ulla muss eben erst lernen, sich zu wehren, ohne sich schuldig zu fühlen. Das ist nämlich ihr Kernproblem. Hatte auch überlegt, ob sie sich vielleicht den Daumen bricht, als sie wutentbrannt versucht, die Holztür mit der Faust einzuschlagen, wie sie es im Selbstverteidigungswochenende mit einem Brett getan hat. Leider hat sie diesmal nicht beachtet, was der Trainer gesagt hat: Daumen vor die Faust, nicht daneben. Dann könnte man Arnes weiches Herz, weil ihm alles plötzlich furchtbar leid tut, Ullas Trotz "Du bist schuld! Mist, deinetwegen kann ich jetzt nicht mehr Moped fahren und Klarinette spielen." und Schwiegermutters Einmischung: "Die ist ja cholerisch. Bei uns gab es sowas nicht. Ja, Papa, aber bei uns zu Hause, meine ich." auzeigen. Soll ich??? MALEA, mit dem Selbstwertproblem und auch der Vaterfigur hast Du ins Schwarze getroffen. Auch hatte Ulla vorher einen Freund, der das genaue Gegenteil von Arne war, und in den sie sehr verliebt war, weil er immer gut drauf, spontan und lustig war. Der ist mit beiden befreundet und hat ihr auch den Roller angedreht. Leider hatte er zwei entscheidende Fehler: Verantwortungslosigkeit und Untreue. So war es auch nach einem halben Jahr vorbei. Arne ist die Zuverlässigkeit in Person, und das weiß Ulla zu schätzen. CAROLA, was hier wohl nicht so rauskommt: Arne hat einen sehr trockenen Humor. Du kannst ja nicht sehen, wie breit er, trotz seiner Schmerzen, grinst, als er den Satz mit den Weibern am Steuer von sich gibt. Naiv ist Ulla übrigens nicht, nur ein bisschen ausgeflippt und sehr kreativ. Arnes technischen Sachverstand - ok, jeder macht mal Fehler - bewundert sie. Und schließlich hat er ihr auch gezeigt, wie man an der Schwalbe bastelt, denn ihre größte pannenfreie Strecke war bisher 1234 km. M.PETERSEN Du hast mit wohlwollendem Blick die Protagonisten in ihren Eigenarten erkannt. Und zuletzt GINKO: Endlich einer, der sich auf die Seite von Arne schlägt. Habe mich schon die ganze Zeit gefragt, warum mein Protagonist sich so verhält! Kannst Du mir vielleicht auch erklären, warum er das auf so unsensible Art tut? Dieser Einblick in die männliche Psyche fehlt mir. Er hätte doch die Verabredung gleich absagen können - Ulla hat keine Probleme damit, den Nachmittag sinnvoll ohne ihn zu verbringen, aber ein bisschen schrauben lernen will sie auch gern. Warum entschuldigt Arne sich nie für seine Garstigkeit: "Tut mir leid, ich war genervt, weil nix geklappt hat." Tangiert das das männliche Selbstwertgefühl? Anscheinend kannst Du Dich gut in Arne hineinversetzen, und wenn Du mir noch ein paar Tipps gibst, kann ich vielleicht meiner Protagonistin helfen, in Zukunft mit weniger seelischen Blessuren durchs Leben zu gehen, eben eine "Männerversteherin" zu werden. LG Metta
Hallo Metta, da bist Du ja wieder :-) Arne ist nicht gerade der Märchenprinz und Ulla nicht auf Gänseblümchen gebettet. Ich bin auch gespannt wie es weiter geht mit den beiden. Den Daumenbruch hat er verdient, finde ich. schade bloß dass Ulla an diesem Tag nicht mehr zum Baden kommt. Lanz End sozusagen. liebe Grüße Bridget
Liebe Metta! Ich mag deinen reduzierten Stil. Hier würde es einfach nicht passen, wenn sich groß über Gefühle ausgelassen wird. Die Stellen, wo der Schalk aufblitzt (Gänseblümchen...die auch sehr schön den Bogen der Story schließen) finde ich besonders gelungen, dort wo es grob zur Sache geht, bist du auch stark. Aber du könntest noch stärker, z.B. glaube ich nicht, dass Ulla die Scheune "verließ". Die vielfach gestellte Frage, warum sich Ulla so blöd von dem groben Klotz anreden lässt. Mmh, was fällt mir dazu ein... also entweder, Arne hat einen derart animalischen Charme, eine atemberaubende maskuline Präsenz, dass Ulla nicht von ihm lassen kann, und sich sogar erniedrigen lässt. Huch, jetzt wirds aber heiß im hohen Norden ;-) Oder Ulla sucht eine Vaterfigur, die ihr Halt gibt, egal wie, und wenns saugrob ist. Oder Ulla hat ein Selbstwertproblem und noch ein paar Leichen im Psychokeller und will sich mit dem Typen selbst bestrafen. Oder sie hat einfach nur die Schnauze voll von den Laberbacken an der Uni, die nur nächtelang über "Goethe und Schiller und die Problematik ihrer gemeinschaftlichen Nennung" diskutieren. Und zieht sich deshalb diesen echten Kerl rein, in aller Konsequenz. Vielleicht eine Mischung aus all dem, in wechselnden Anteilen... Ich bin sehr gespannt darauf, wie du dieses faszinierende Paar weiter entwickelst. Liebe Grüße, Malea.
Hallo Metta! Habe Deine Geschichte gestern Abend noch gelesen, bevor mir der Kopf auf den PC-Tisch fiel, da saß kein Kommentar mehr drin. Jetzt ist in anderen Kommentaren schon angerissen, wozu ich Dir schreiben wollte. Das erleichtert mir die Arbeit. Wie Numungo bin ich erstaunt, wie Ulla sich niedermachen lässt. Auch Carolas Gedanken gehen in diese Richtung. Ich habe mir hier Ulla im Alter von vielleicht achtzehn, neunzehn Jahren vorgestellt, noch unverheiratet. Arnes Verhalten ist aber das eines nicht sehr feinfühligen alten Ehemannes, der sich kaum erinnert, die Frau jemals richtig geliebt zu haben. Vielleicht verhalten sich ja wirklich viele Männer so, und vielleicht lassen sich das auch viele Frauen gefallen, aber warum? Wie kommt das? Was bringt die Frauen dazu? Als Mann kann ich das schlecht verstehen. Wenn man mich so behandelte, wäre ich ganz schnell ganz weit weg. Die Wut Ullas zeigst Du, aber Ulla scheint sich das trotzdem weiterhin gefallen zu lassen. Da würde ich gern die Gefühlswelt der Protagonistin tiefer verstehen. Im Gegensatz zu Azahar hätte ich gern genauer beschrieben, wie das Anwerfen des alten Lanz funktioniert, weil das die Spannung erhöhen würde. Das Lenkrad, das jetzt die Aufgabe hat, das Schwungrad in Gang zu setzen, dreht sich nicht einfach zurück, es schlägt zurück, es könnte dem unvorsichtigen Arne fast die Arme ausreißen. Den Lanz zu starten ist nicht weniger gefährlich als das Starten der alten Propellerflugzeuge, wobei die Propeller schon so manchem Piloten die Finger abgehackt haben. Liebe Grüße, Metta. Reiner
Hallo Metta, schön, dass du wieder unter uns bist. Lecker Geschichte. Deine Figuren bekommen immer mehr Charakter und wirken in den Dialogen sehr glaubwürdig. Der typische Arne, der den nordischen Sturkopf so herrlich verkörpert und mit seinem Eigensinn fehlerlos erscheinen möchte. Im Gegensatz dazu die neugierige Ulla, bereit um sich einzubringen und stark genug, die Macken von Arne zu akzeptieren? Oder ist es jugendliche Naivität, gepart mit Blindheit für die junge Liebe? Wir werden es lesen, ich freu mich drauf.
Auch das süßeste Mädchen aller Zeiten kann kaum etwas schlimmeres anstellen, als einem Mann, der in sein Hobby vertieft ist, hineinzuquatschen. "Kann ich dir was helfen?" , bedeutet zwar "Ich möchte deine Nähe!" Aber der Mann hört, wenn überhaupt etwas, nur die Worte, und versteht: "Hör auf mit dem Unsinn und kümmere dich lieber um mich!"
Hallo Metta, das ist schon fast eine Kurzgeschichte. Eine, die sehr viel Lokalkolorit ausstrahlt, obwohl Du nur sehr zurückhaltend beschreibst. Allerdings verstehe ich wirklich nicht, was Deine Protagonisten verbindet, obwohl sie einander scheinbar sehr gut kennen. Aber ich kann keine Gemeinsamkeiten zwischen der etwas naiv wirkenden Ulla und ihrer Vorliebe für Gänseblümchen und Arne, dem motzigen Liebhaber alter Traktoren finden. Aber es ist ja nur eine Episode. Viele Grüße Carola
Es erstaunt mich immer wieder, wie schwach sich manche Frauen anreden lassen. Spätestens nach der zweiten beleidigenden Anrede hätte Ulla ihrem Arne etwas an den Kopf werfen oder im den Laufpass geben müssen. Eine Geschichte wie aus dem richtigen Leben. Viele Grüsse, Numungo (12052).
oha, hier kommen die gegenteiligen Charaktere deiner Protagonisten sehr gut raus! Jetzt frage ich mich auch wie die beiden zusammenpassen sollen. Aber so wie ich dich einschätze, bekommst du den Deckel sicher auf den Topf, wie man hier in Spanien sagt. :-) Das ganze mit dem Trecker und wie er funktioniert, bzw. angeworfen wird, habe ich nicht ganz verstanden. Aber es muss dazugesagt werden, dass ich technisch nicht sehr begabt bin, ich werde deshalb hier also keine detailliertere oder weniger technische Beschreibung fordern. Wann findet diese Szene statt? Mir scheint die beiden sind noch nicht verheiratet, da Arne noch bei seinen Eltern lebt?
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12510
Bei dem Unfall den ich schildern werde bricht sich Sydney nicht nur den Daumen sondern verliert gleich seinen rechten Arm. Aufgrund des Schocks realisiert er dies aber nicht gleich.
Sonnenstrahlen spiegelten sich in der schwarzen Lache, die durch das Grollen der Motoren erzitterte. Es dröhnte durch die ganze Ebene. Das donnernde Geräusch einer Harley, einem Relikt aus einer vergangenen Ära.
Vom heißen Wind umströmt, raste das Motorrad über die alten Straßen dem Horizont entgegen, vom Traum der grenzenlosen Freiheit getragen, entfloh es der Stadt.
Sydney klammerte sich an seinen Vater Gordon und hob bei jedem Buckel ein wenig vom Sattel ab. Sein Helm schlug dann immer leicht an den Hinterkopf des Vaters. Sie beschleunigten und die Wiener Skyline rückte schnell in die Ferne.
Der Junge ließ seinen Blick über die Landschaft streifen, wo das Gras früher grün und saftig gesprossen war, verdorrte es heute und bedeckte den ausgetrockneten Boden. Das Wiener Vorland war unter der intensiven Sonnenstrahlung zu einem lebensfeindlichen Ort geworden, aus dem sich die einstigen Bewohner längst zurückgezogen hatten und nun Zuflucht in der schützenden Metropole suchten. Es war eine ruhige Gegend. So friedlich.
Vor ihnen erstreckte sich eine kurze S-Kurve.
Sie lagen sich voll in die Kurve. Er liebte es dem Boden so gefährlich nahe zu sein. Da blitzte plötzlich die Öllache vor ihm auf.
Sydney erstarrte. Würde sein Vater der Gefahr noch ausweichen können?
Von diesem Moment an spielte sich alles in Zeitlupe ab.
Sie lagen mitten in der Kurve, da rutschte das Hinterrad des Bikes auch schon im Öl weg, Gordon verlor die Kontrolle und sie stürzte zu Boden, schlitterten über den rauen Asphalt. Sie verloren ganz langsam an Geschwindigkeit und der Unfall hätte ein glückliches Ende genommen, wenn nicht dieser Stein neben der Fahrbahn gewesen wäre. Das Motorrad bohrte sich fast in den Felsbrocken, der abrupte Stopp riss Sydney in die Luft und er segelte über das zerstörte Bike und den Fels. Was war mit Vater? Hatte er überlebt? Da sah er schon wieder die Straße unter sich.
Rudernd versuchte Sydney mit den Füßen zuerst aufzukommen, doch er schlug mit dem Helm frontal auf der Straße auf und rutschte halb betäubt in rasendem Tempo über sie.
Der Asphalt rieb ihm seine Kleidung und die Haut vom Leib und der Junge zog eine Spur aus Blut, Fleisch und Kleidungsfetzen hinter sich nach.
Als Sydney schließlich halbtot auf der Straße liegen blieb, war der Motor verstummt und eine schaurige Stille legte sich wieder über die Ebene, nur vom zeitweiligen Pfeifen des Windes unterbrochen.
Der Unfallhergang ist exzellent beschrieben. Auch die Spur aus Blut, Fleisch und Kleiderfetzen ist sehr realistisch.
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12498
Das Gasthaus „Zum Werratal“ in Vacha in der Rhön hätte auch „Zum Storchennest“ heißen können. Der Ort war schon im zwölfen Jahrhundert von einer Stadtmauer mit Wehrtürmen umgeben, deren Reste sich bis heute erhalten haben. Zwei dicke, steingemauerte Türme bekamen im Jahre 1897 kegelförmige Aufsätze, um darauf Storchennester anzubringen. Eine Straße verläuft von dem einen Turm zum anderen und in der Mitte der Straße stand das Gasthaus “Zum Werratal“. Durchziehende Störche hatten die neuen Nester schnell entdeckt. Die Einwohner von Vacha konnten nun jedes Jahr den Storchensommer beobachten.
In der Rhönzeitung wird berichtet, dass im Jahre 1907 ein Storch verunglückte. Das Tier war in die Lichtleitungen geflogen und hatte durch die gegeneinander fliegenden Drähte einen Kurzschluss ausgelöst. Der Storch stürzte ab und fiel in den Hof des Gasthofes „Zum Werratal“. Dabei brach er sich die Beine so sehr, dass sie nur noch an seinem Körper hingen. Der Gastwirt Adam Ruppel fand das Tier in einem bedauernswerten Zustand und erkannt, dass der Storch diese Verletzungen nicht überleben würde und entsetzlich leiden musste. In einer Stunde würden die Kinder aus der Schule kommen. Sie sollten das arme Tier nicht in diesem Zustand sehen. In der Zeitung wurde berichtet, dass Adam Ruppel den Storch abgestochen hatte, um sein Leiden zu beenden. Dieser Ausdruck erscheint uns heute grausam. Er war aber in der damaligen Zeit eine Bezeichnung für das Töten von Tieren.
Adam Ruppel bereitete dem Storch ein Nest und platzierte ihn so darauf, dass seine Verletzungen verdeckt waren. Am Nachmittag kamen die Kinder um sich den Storch, den sie sonst nur aus der Entfernung sehen konnten, genau zu betrachten. Gegen Abend erschien ein Mann aus dem Nachbarort, der den toten Storch mitnahm, um ihn ausstopfen zu lassen.
Ich habe absichtlich das Thema verfehlt, weil mir trotz aller Bemühungen keine Geschichte mit einem gebrochenen Daumen eingefallen ist, deshalb erzähle ich von gebrochenen Storchenbeinen.
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12482
Hallo liebe Autoren des Forums, danke für die Kommentare bisher, dieser Daumen hat gerade die Regie übernommen und läßt meine Protagonisten ganz anders reagieren, als ich es gedacht hätte. Über Tipps zu Sebastian wäre ich Euch dankbar. Es soll ein Happy-End geben (hoffe ich), er darf jedoch nicht so perfekt sein, dass es zu einfach eintritt. Vielen Dank im vorraus!
Manchmal kann es ein Glück sein, sich den Daumen zu brechen (Ja, ich habe auch den Ratgeber “Stroh zu Gold spinnen - Von der Heilkraft des positiven Denkens” in unserem Verlag betreut.) Die kleine Mumie, die einmal mein rechter Daumen war, liegt vor mir auf der Tischplatte und zwinkert mir zu.
“Nun begib dich im weltweiten Netz auf seine Spuren!” flüstert mir der kleine Mann zu, der mich gestern mit einem Mann bekannt gemacht hat, dessen Augen wie zwei Bernsteine in der Auslage des Juweliers Kallenberg funkeln. Ich möchte diese beiden Steine in mein Erinnerungskästchen legen, aber ich habe Angst, nichts in meiner Tasche zu haben, wofür Herr Kallenberg mir diese Steine in die Hände legt.
Mein linker Daumen, der sich unversehrt von Taste zu Taste quält, beschwert sich darüber, dass er unstandesgemäße Arbeit verrichten muss, nur weil ich verliebt und ungeschickt bin.
Als ich gestern nach dem Ende der Redaktionssitzung meine Wohnung aufschloss, erklang aus der Nachbarswohnung schon die Melodie der Tagesthemen, Wortfetzen und Gelächter. Ich weiß zwar nicht, was es bei den Tagesthemen zu lachen gibt, aber die Stille, die mich begrüßte, wog zwei Zentner auf meiner Brust.
Ich befreite mich von meinem Trenchcoat und Stiefeln, und registrierte, dass der Anrufbeantworter nicht blinkte. Das weiße Billi-Regal vor mir beherbergte Bücher und Zeitschriften, die ich nicht mal mehr aus der 50-Cent-Kiste am Flohmarkt mitnehmen würde. Der verwelkter Maiglöckchenstrauß von Isabell hinterließ eine Wolke, die mich niesen ließ. Aufräumen soll die Energie bekanntlich wieder fliessen lassen. Also ließ ich ein Brocken nach dem anderen zu Boden fallen und freute mich darauf, morgen einen großen blauen Sack in die Mülltonne zu werfen. Die Ecke eines Bilderrahmens lugte über dem Regal hervor. Ich streckte mich und griff nach dem Bild. Dabei rutschte es nur weiter nach hinten. Ich rollte meinen Schreibtischstuhl an das Regal und stieg hoch. Dort stand ich dann mit dem Bild in der einen Hand. Die andere stützte ich am Regal ab, während ich in Thorstens blaue Augen schaute. Er war doch ein Idiot! Ich schmetterte das Bild auf das Parkett. Der Stuhl rutschte unter mir weg und ich verpasste Thorstens Gesicht im Sturzflug die Ohrfeige, der er vor drei Jahren verdient hätte. Er rächte sich mit Scherben, die sich in meine Hand bohrten. Ein stechender Schmerz durchzuckte mich. Ein dicker Blutstropfen wurde vom Parkett verschluckt. Mein Daumen hing wie ein Überbleibsel aus alten Tagen an meiner Hand.
Sollte ich einen Krankenwagen rufen? Doch nicht wegen einem gebrochenem Daumen! Die würden mich anschauen wie eine Mimose. Also nahm ich ein Taxi in das nächstgelegene Krankenhaus.
“Könnte eine Schwangerschaft vorliegen?”, fragte sie mich die Schwester in der Notaufnahme so beiläufig, als wäre ein Baby in meinem Bauch absurd.
“Nein, dazu braucht man normalerweise einen Mann.”
“Nicht unbedingt.”, antwortete sie und ließ die Mine des Kullis und das Unfallprotokoll in einer Schublade verschwinden.
Ich wollte ihr gerade antworten, dass mir auf dem Gebiet Lebensberatung keiner was vormachen kann, da schob sie mich in den Röntgenraum und zog die Tür hinter sich zu. Das zarte Duett, das mein pochender Daumen mit dem Summen des Gerätes abgab, wurde jäh unterbrochen.
“Nehmen sie noch einen Moment hier Platz!”, befahl die Schwester, während sie meine Geisterhand an die Wand heftete.
Mit der würde ich morgen im Büro nicht viel nützlicher als mein gläserner Briefbeschwerer sein.
Eine Stimme riss mich aus meinen Gedanken.
“Sind sie Alice Müller?”
Ich nickte und hielt dem Arzt meine Hand hin. Er nahm sie in seine Hand und ich war dankbar, dass er mich nicht fragte, wie ich mir den Daumen gebrochen hatte. Mit der Würde eines ägyptischen Priesters, verwandelte er das geschundene Stück Fleisch in eine kleine Mumie, die auf ein neues Leben hoffen darf. Dr. Sebastian Goldmann war jedenfalls nur ein paar Jahre älter als ich und hatte wüstensandfarbene Augen. Er rettet nicht dein Leben sondern tut nur seinen Job sagte ich mir, als er mich anlächelte. Seine Hände bedeckten meine rechte Hand wie eine schützende Pyramide und ich drängte all die peinlichen Gedanken zurück, die wie eine Karawane hartnäckiger Kamele in mich hereinschaukelten.
“Sie müssen in zwei Tagen noch einmal zur Kontrolle kommen, entweder hierhin, oder zu ihrem Hausarzt.”
Natürlich werde ich nicht zu meinem Hausarzt gehen. Die Schwester meldete einen Verkehrsunfall, gegen den mein Daumen keine Chance hat. Der Mann, mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen wollte verließ mich. Seitdem zehre ich davon, dass er sich im Türrahmen noch einmal nach mir umgedreht hat. Die kleine Mumie zwinkert mir noch einmal aufmunternd zu, während ich Sebastian Goldmann in Google eintippe.
Offensichtlich ist Alice Augenfarbenfetischistin ;o) Beim ersten Mal fand ich die Mumie noch witzig, am Schluss etwas überstrapaziert. Oh man, Ginko, was schlägst Du denn hier für kriminielle Kennenlernmethoden vor? ;o) LG Metta
Hallo Dani, Ich habe gerade Deine anderen Beiträge zu Alice gelesen. Bei Deiner Beschreibung ist Alice schwanger und bereits ein halbes Jahr mit Sebastian zusammen. In diesem Beitrag lernt sie ihn kennen. Ich würde Dir gerne helfen, aber ich weiß nicht wo ich bei Sebastian anfangen soll. Die ägyptischen Vergleiche finde ich witzig. Lg siena
Google meldet: Goldmann liest als Gastdozent in der nächstgelegenen Uniklinik. Gleich morgen. Alice mimt eine Studentin, drängt sich zur Vorlesung in die erste Reihe und bekommt Schluckauf. Die Mumie hat sie mit Leuchtfarbe angemalt. Ihr Handy piepst die Melodie von der Salome aus dem Morgenland. Wenn das nichts nützt, schrammt sie mit dem Fahrrad ans Auto des Wüstensandmanns. Dann zeigt sie ihn an, weil er sie angeblich (beim Durchfahren einer Pfütze) nassgespritzt hat.
Wenn ich mich richtig an den Lebenslauf von Alice erinnere, dann ist sie ja schließlich mit Sebastian zusammen. Hast du dir tatsächlich keine Gedanken darüber gemacht, wie das passieren soll? Oder meinst du mit Tipps zu Sebastian etwas anderes? Ich könnte mir zum Bespiel vorstellen, dass sie mit klopfendem Herzen zur nächsten Untersuchung geht und aus lauter Verwirrtheit etwas im Behandlungszimmer liegen lässt,z.B. ihren Geldbeutel. Er findet ihn, und da ihre Telefonnummer ja in der Patientenkartei steht, ruft er sie an. Sie sagt, dass sie am nächsten Abend nach der Arbeit vorbeikommen wird um den Geldbeutel abzuholen. Es wird später als sie dachte und Sebastian ist der einzige der noch in der Praxis ist. Er wollte eigentlich gerade gehen und auf dem Weg nach draußen auf die Strasse kommen sie ins Gespräch. Er begleitet sie ein Stück, da er in die selbe Richtung muss. Da sie nun weiß um wie viel Uhr er Schluss macht und wo er langgeht um nach Hause zu kommen, richtet sie es so ein, dass sie ihm in den nächsten Tagen und Wochen mehrmals über den Weg läuft und schließlich lädt er sie auf einen Kaffee ein, oder sie ihn? Es gibt so viele Möglichkeiten... Viel Spass!
Einige deiner Sätze sind mir zu uneindeutig. Zum Beispiel: "Die kleine Mumie, die einmal mein rechter Daumen war, liegt vor mir auf der Tischplatte und zwinkert mir zu." Hier habe ich geglaubt, dass der Daumen vor Monaten/Jahren amputiert wurde, sie ihn sich hat aushändigen lassen und dieser nun verschrumpelt und vertrocknet vor ihr auf dem Tisch liegt. Später erfahre ich dann, dass der Daumen sich immer noch an der Hand befindet und sich das 'mumienhafte' auf den Verband bezieht. 2.)"Der Stuhl rutschte unter mir weg und ich verpasste Thorstens Gesicht im Sturzflug die Ohrfeige, die er vor drei Jahren verdient hätte." Sorry, stimmt nicht. Das Foto liegt bereits auf dem Boden und die Ohrfeige wird nicht im Sturzflug, sondern beim Aufprall verabreicht./Der Rest gefällt mir gut, aber leider habe ich für dein Happyend auch keine Idee parat. Es sei denn, deine Prota verletzt sich in Zukunft mit Absicht, damit Dr. Bernsteinauge sie verarzten kann. Das macht sie so lange, bis er misstrauisch wird und sie in die Psychatrie seines Krankenhauses überweist. Dort kommen die Ärzte schnell dahinter, dass es sich hier um akute Verliebtheit zum Kollegen der 1.-Hilfe-Station handelt. Sie erzählen ihm davon während eines gemeinsamen Mittagessens. Daraufhin besucht er sie für ein klärendes Gespräch. Den Rest überlasse ich dir.
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12443
„Nu sieh dir das an: Hingefläzt, als ob die Bank ihr gehört!“
Johanna schrak hoch. Die Wärme, das Bienengesumm und der Duft der Rosen hatten sie so eingelullt, dass sie weggedöst war und weder das Knarren des Gartentors, noch die Schritte auf dem Kiesweg gehört hatte. Nun war es zu spät. Thies, Gerd und Klaas standen vor ihr, ihre Vettern, die eigentlich auf dem Feld sein sollten, um bei der Kartoffelernte zu helfen. Verwirrt sah sie von einem zum anderen. Breitbeinig standen sie da, die Hände in die Seiten gestützt, die Gesichter hart und verkniffen. „Was macht ihr hier?“ Sie flüsterte fast.
Die drei grinsten einander an. „Hast uns nicht erwartet – oder. Hast gedacht, allein zu sein und machen zu können, was du willst“, sagte Gerd. „So'n Pech aber auch, das das Wetter nich hält. Vadder hat gesagt,...“
„Is doch egal, was Vadder gesagt hat,“ unterbrach Thies. „Geht die doch gar nichts an. Reicht doch das wir da sind. Und so wie's aussieht, sind wir genau richtig gekommen.“ Er zeigte auf die drei Brocken Zucker, die immer noch auf der Bank lagen. „Hast lange Finger gemacht, wie's aussieht.“
Johanna schüttelte den Kopf. „Nein“, sagte sie hastig. „Großmutter hat sie mir geschenkt.“
Gerd spuckte aus, Johanna genau vor die Füße. Thies schnaubte nur. Klaas, der schmächtigste der drei krähte: „Glaub ich nich. Uns schenkt sie auch nie was.“
Johanna begann zu zittern. „Wirklich! Ihr könnt sie ja fragen.“
„Warum sollten wir?“, fragte Thies. „Würde sie für dich lügen?“ Seine Stimme klang sanft.
Johanna schwieg.
„Wahrscheinlich würde sie“, fuhr er fort. „Aber wir wissen doch alle, dass es dir in den Fingern juckt, wenn du hier bist. Ist ja auch kein Wunder.“ Er lächelte ohne eine Spur Mitgefühl. „Wo für Hungerleider wie euch, selbst unser Schweinefraß ein Festmahl ist. Wundert mich nur, dass ihr keine Löffel mitbringt, um die Tröge auszukratzen. Aber vielleicht habt ihr keine. Dafür schleichst du dann um die Schränke in der Küche.“
„Nein!“ Verzweiflung ließ ihre Stimme anschwellen. Sie versuchte, ihm klar zu machen, dass sie einfach nur gerne über die geschnitzten Verzierungen strich. Die Möbel in der Küche des Meersenhofs waren das Schönste und Vornehmste, was sie sich vorstellen konnte. Glattes schwarzes Holz, gedrechselte Säulen und geschnitzte Kanten. Selbst die Scheiben im Aufsatz der Anrichte waren verziert und mit einer Gardine verhängt. Johanna wollte ihm sagen, dass es ihr das Anschauen nicht genügte. Sie musste sie anfassen. Es fühlte sich gut an, das Holz zu berühren, die Schwünge der Säulen zu nachzufahren und die Grate der geschnitzten Wirbel unter den Fingern zu spüren. Trotzdem versuchte sie ihr Bestes, aber ihre Worte verhedderten sich, bis sie selbst keinen Sinn mehr darin erkannte. Natürlich glaubte ihr keiner der Jungen. Sie sah es an den versteinerten Minen, las es in der Art, wie Klaas mit dem Fuß zu scharren begann und Gerd die Mütze zurück schob.
„So“, sagte Thies schließlich gedeht, „und du glaubst, dass wir das schlucken? Für wie blöde hältst du uns eigentlich?“ Seine Stimme war bei den letzten Worten scharf geworden. Doch dann begann er zu lächeln. Das Lächeln ließ Johannas Knie zittern. Ein saurer Geschmack füllte ihren Mund. Sie kannte dieses Lächeln. Sie hatte es gesehen, als er die Maikätzchen ersäufte. Eines nach dem anderen hatte er aus dem Sack genommen und in den Bach getaucht, bis das Zappeln nachließ. Eines lebte noch, als er es herauszog. Kaum aus dem Wasser, fing es wieder an, sich zu regen und leise zu maunzen. Thies hatte es darauf an den Hinterläufen gepackt und an einen Baum geschlagen. Immer wieder. Fellfetzen waren an der Rinde kleben geblieben. Als er das schlaffe Bündel endlich ins Gebüsch schleuderte, zuckte und maunzte es schon lange nicht mehr. Gelähmt vor Angst und Entsetzen hatte Johanna nur wenige Meter entfernt hinter einem Baum gestanden, bis Thies pfeifend weggegangen war. Sie hatte lange gebraucht, bis sie sich traute, ihr Versteck zu verlassen und sich danach sehr bemüht, ihm aus dem Weg zu gehen. Bis heute war ihr das geglückt.
„Weißt du, was man früher mit Dieben gemacht hat?“ fuhr Thies fort. „Man hat ihnen die Hand abgehackt. Die Rechte.“
Johanna stieß einen erstickten Laut aus. Wie von selbst fingen ihre Beine an zu laufen. Aber natürlich kam sie nicht weit. Die Jungen viel älter, schneller und stärker als sie. Gerd erwischte einen ihrer Zöpfe und riss sie zurück. Johanna verlor das Gleichgewicht und fiel auf die Knie. Der grobe Kies schürfte ihre Haut auf, aber sie spürte den Schmerz kaum. Gerd wickelte das Zopfende um sein Handgelenk und zog sie wieder auf die Beine. „Hab sie!“, sagte er triumphierend zu Thies. „Willst du ihr wirklich...“
„Aber nein. Doch nicht unserer Base. Aber Strafe muss sein. Ich denke, die Brake ist genau das richtige für sie.“
Jetzt grinste auch Gerd. Nur Klaas wirkte verwirrt. „Was soll sie denn mit der Brake machen?“
„Sie soll doch nichts mit der Brake machen, Dämlack! Wir werden ihre Finger in die Brake legen. Hübsch einen nach dem anderen.“
Ihre Vettern zerrten sie aus dem Garten. Johanna weinte und sie anbettelte, sie laufen zu lassen. Die Jungen achteten nicht darauf, sondern schubsten sie in den Hof. Kein Mensch war zu sehen. Ein paar Hühner pickten in den Ritzen der großen Steine nach Unkraut. Die Brake stand fast direkt neben der Grotdöör. Bei ihrem Anblick sträubte sich Johanna noch stärker, aber Thies drehte ihr den Arm auf den Rücken und schob sie vor sich her.
„Jetzt brauch ich deine Hilfe“, sagte er zu Gerd, nachdem er Johanna neben der Brake auf den Boden gedrückt hatte. „Einer muss ihren Arm festhalten und der andere den Hebel runterhauen.“
„Ich mach das mit dem Hebel.“
„Das ist kein Witz – oder? Ihr wollt das wirklich tun?“ Klaas wirkte unsicher. „Aber ihr könnt ihr damit wirklich weh tun.“
„Das ist auch genau der Sinn der Sache, Dösbaddel. Das wird sie lehren, keine langen Finger mehr zu machen!“
Warum sie nicht geschriehen hatte, konnte Johanna später nicht sagen. Dabei wäre es so einfach gewesen. Mutter und Großmutter waren schließlich direkt hinter der Tür in der Küche. Aber statt nach ihnen zu rufen versuchte Johanna es noch einmal. Die Angst machte ihre Stimme rauh. „Ich habe aber wirklich nicht...“
Thies trat ihr in den Bauch. „Halts Maul!“ Während sie noch nach Luft schnappte, zog er ihren Arm nach oben und legte den Daumen auf den Bock. „Jetzt.“
Johanna hörte ein leises Knirschen, als der Hebel hinabfuhr. Dann löste sich die Welt in einer Welle von Schmerz auf. Sie hörte einen Schrei, danach Gelächter. Aber die Geräusche waren gedämpft, als hätte sie Werg in den Ohren. Dann waren da noch die Kreise. Rot und schwarz. Sie drehten sich vor ihren Augen und verstellten ihr den Blick. Jemand nahm ihren Arm, zog ihn hoch und zerrte an ihren Fingern. Warum nur? Dann waren da noch mehr Stimmen. Johanna spürte, wie jemand sie hochhob und ins Kühle trug. Die Stimmen wurden jetzt sanfter und nach einer Weile begriff Johanna, dass sie zu Mutter und Großmutter gehörten. Sie wuschen ihr das Gesicht und verarzteten den Daumen, so gut es ging. Die Brake hatte nicht nur die Haut gequetscht, sondern den Knochen gebrochen, wie sie es sonst mit Flachsstengeln tat.
„Sie wird viel Glück brauchen“, hörte Johanna die Großmutter leise sagen, als sie mit Mutter Leinenbinden zurechtschnitt. „Aber hoffen wir das Beste.“
„Ich werde beten,“ kam die ebenso leise Antwort. „Dafür, dass es keine Entzündung gibt. Und natürlich, dass alles richtig zusammen wächst.“
Danach strich Großmutter eine Salbe auf Johannas Hand und wickelte mehrere Lagen Leinenbinden herum, während Johanna weinte und wimmerte. Sie hätte sich gerne tapferer gezeigt, aber der Schmerz war zu groß. Erst, als der Daumen so dick bandagiert war, dass er sich nicht mehr bewegen ließ, ebbte er ein wenig ab.
„Am besten, du trägst den Arm die nächste Zeit in der Schlinge“, sagte die Großmutter und sah Johanna mit diesem aufmunternden Lächeln an, das für Kranke bestimmt ist. Auch ihre Stimme klang irgendwie seltsam. „Und jetzt vielleicht 'n lüttn Köm auf den Schreck?“
„Ist vielleicht für uns alle drei ganz gut“, antwortete die Mutter. Während Großmutter einschenkte, nahm sie Johannas Kinn in die Hand und zog es nach oben. „Du darfst deinem Vater nicht sagen, wie das passiert ist. Niemals! Das verstehst du doch – oder?“
Johanna nickte zögernd. Ihre Mutter stieß die Luft aus, während Großmutter ihr etwas in die Hand drückte. „Kluges Mädchen! Und nun runter damit. Hilft auch gegen die Schmerzen.“
Hallo Carola, wenn Geschichtsunterricht doch so interessant wäre, wie Dein Roman, in dem schon der Absatz über einen gebrochenen Daumen so anschaulich ist. Positives und Negatives wurde ausreichend kommentiert. Rauhe Stengel nach alter Rechtschreibung gefallen mir viel besser als raue Stängel, aber ich weiß nicht, wie Lektoren eine gemischte Schreibweise beurteilen. Vielleicht könntest Du noch die Heilmittel recherchieren? Bei Knochenbrüchen könnte die Salbe Beinwell enthalten. Gegen Entzündungen gibt es bestimmt auch etwas. Spitzwegerichblätter wurden auch als "Schnellverband" verwendet. - Besonders gefiel mir die originelle Art des Daumenbruchs, die sich hier wunderbar in den Kontext einfügt. Erst vermutete ich, es würde die Zuckerzange als Folterinstrument dienen, weil ich das mal in der "Sendung mit der Maus" in einem Beitrag über die Erfindung des Zuckerwürfels gesehen habe, wie eine Frau sich dort den Finger eingequetscht hat. Und da die Zuckerbrocken nun schon einmal auf der Bank lagen... ;O) LG Metta
Danke Euch allen für die positiven Kommentare @Angela, Pablo, Numungo, Malea und Sylvia: Ihr habt Recht, ich habe den Text sehr schnell heruntergeschrieben, nachdem ich die Woche vorher mit Mann, Kindern, Schwiegereltern, Schwägerin und Nichten im Urlaub war und weder Internet, noch überhaupt Zeit hatte, einen klaren Gedanken zu fassen ;-) Sonst nehme ich mir gewöhnlich, ein bis zwei Tage Zeit, die Texte "nachreifen" zu lassen, und weil ich Fehler sonst einfach überlese. Diesmal lagen nur ein paar Stunden zwischen dem Schreiben und dem Korrekturlesen. Eindeutig zu wenig. Ein Fehler. @Angela, Frog, Malea, Azahar Die Johanna jener Zeit (sie ist in dieser Szene ungefähr sechs) hat tatsächlich noch nicht so viel mit der späteren zu tun. Allerdings ist ihre Kindheit mitursächlich für ihren späteren Charakter. Einen Hinweis darauf gibt es schon: Sie versucht mit Problemen ohne die Hilfe anderer fertig zu werden. Das ist nicht rational, sondern ein Wesenszug. Deswegen kann sie es auch nicht erklären. Ob die Szene selbst jemals wichtig wird, weiß ich noch nicht. Ich könnte mir aber vorstellen, dass Johanna einen steifen Daumen zurück behält, den sie gelegentlich massiert. @Frog: Eine Brake (Breche oder Flachsbreche) ist ein Gerät zum Brechen von Flachs. Es besteht aus einem Holzbock mit drei der Länge nach parallel verlaufenden, dreieckigen Leisten und einem Hebel mit zwei Leisten, die wie Zähne in die unteren drei greifen. Ich habe es nicht ausprobiert, aber die Wirkung auf einen Kinderfinger dürfte mit der einer Autotür vergleichbar sein.
So ein positiver Kommentar von Ginko? Da musste ich einfach lesen und konnte auch nicht mehr aufhören. Wahnsinns-Story. So echt, als wäre man dabei gewesen. Da kann man glatt die von Angela erwähnten Fehler überlesen. LG Sylvia
Wow, ganz schön heftig. Ich habe mit Johanna gelitten, du hast ihre Gefühle, ihre Angst und die Bedrohung durch die drei Jungs wunderbar dargestellt. Warum sie nicht geschrieen hat, wobei sie doch wusste, dass die Mutter und Grossmutter sie hören würden, kann ich allerdings nicht ganz nachvollziehen. Ist sie von Haus aus ein schweigsames ängstliches schüchternes Kind?
Du hast es wirklich gut geschrieben. Man kriegt das Gefühl als wäre man dabei gewesen. Vor allem, die Beschreibung von der Küche gefällt mir und die Boshaftigheit und Einfältigkeit der Burschen kommt gut zur Geltung. Freue mich schon, mehr von Dir zu lesen. Lg siena
Liebe Carola! Schön, dass wir jetzt auch Johanna kennenlernen dürfen. Eine interessante Figur, die du uns in einer bedrückenden, intensiven Szene vorstellst. Viele Fragen drängen sich auf, ich bin schon angefixt und will mehr wissen, wie Johanna mit dieser schweren Last umgehen wird, ob die doofen Kerle vom Schicksal noch bestraft werden, wie die Familienverhältnisse eigentlich genau sind, und - das Spannendste überhaupt- wie uns Johanna dann auf Hinnerk trifft. Sprachlich auf hohem Niveau, nun ja, die paar Dinge, die Angela schon erwähnt hat, sind aber Kleinigkeiten. Was mir noch aufgefallen ist: Bei der wunderschönen Szene mit den Küchenmöbeln, "sie versuchte, ihm klar zu machen..." aber das tut sie dann ja doch nicht, sondern sie "wollte ihm sagen..." und nach der Beschreibung der Anrichte "Trotzdem versuchte sie ihr Bestes...". Was sie denn nun wirklich gesagt hat, und was sie nur gedacht hat, das konnte ich aus dem Text nicht erkennen. Etwas verwirrend, aber nicht wirklich wichtig, denn der Gesamteindruck zählt, und der war super! :-) Liebe Grüße, Malea.
Hallo Carola, ausgezeichneter Text, alle Szenen sind sehr bildhaft beschrieben. Der Leser spürt Johannas Bedrohung und kann sich in ihre Angst hinein versetzen. Allerdings habe ich ein paar Wörter vermisst. Viele Grüsse, Numungo (12052).
Mir hat der Text sehr gut gefallen, wenn auch einige Grammatikfehler drin waren. Ja, warum der Vater nichts erfahren darf ist mir schleierhaft und warum die Vettern so gemein zu der Johanna sind, verstehe ich auch noch nicht...Vielleicht klärt aber dein Roman später auf.
Liebe Carola! Ich kann mich Ginko nur anschließen. Dir ist eine ausgezeichnete Geschichte gelungen. Du kannst wunderbar erzählen, alles passt. Natürlich bin auch ich neugierig, wie aus Johanna die mutige Frau wird, die Du beschrieben hast. Aber vielleicht sind es solche Erlebnisse, die Menschen mutig machen und zur Entwicklung beitragen. Leider bin ich nicht dahinter gekommen, was genau eine Brake ist. Kannst mir das noch mal verraten? Übrigens: Danke für Deinen Kommentar. Das mit dem Runengrab ist mir sehr peinlich (wenn man Runengrab googelt, kommt auch noch der Text, Schäm), natürlich meinte ich Hünengrab.:-) Und: Tippfehler oder Auslassungen stören mich bei so guten Autorinnen wie Dir gar nicht. Sowas passiert – bei Stress, müden Augen – und sommerlicher Hitze :-) Bis bald.
Johanna und Familie scheinen auf dem Hof nur geduldet zu sein. Weshalb der Vater nichts von dem Vorfall erfahren darf, ist mir entgangen. Weil er sich sonst die Schuldigen zur Brust nehmen und deshalb vom Hof gejagt werden würde? Momentan ist es für mich noch schwer vorstellbar, wie sich Johanna in deine kecke und vorwitzige Prota verwandeln wird, wenn sie Jahre der Angst und der Erniedrigung über sich ergehen lassen muss./Die Bedrohung durch die Vettern schwebte deutlich über deinem Text und ließ mich mitleiden. Gut gefallen haben mir auch die roten und schwarzen Kreise. Sie haben dem Schmerz Tiefe gegeben./Mit Verwunderung habe ich jedoch die Rechtschreibfehler und Auslassungen zur Kenntnis genommen. Das bin ich von dir nicht gewohnt. Was war los? Zeitmangel?
Das ist es ! Alle Figuren sind bildhaft dargestellt. Mitfühlen leicht gemacht. In behutsamer, aber treffender Wortwahl sitzen alle Formulierungen wie angegossen. Eine inhaltsreiche Erzählung mit einer Fülle von Beispielen, wie man auf hohem Niveau mit Sprache umgehen kann. Erste Sahne!
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12433
Hubert, der Verbindungsmann aus Berlin beorderte Peter Pasternak nach Stettin, wo er auf dem drittgrößten Friedhof Europas, den Schiffskapitän Adam Klimczyk treffen sollte.
Das Erkennungsmerkmal sei ein Gebrochener Daumen, wie Peter das anstellen sollte, war Hubert egal. Adam sollte einen Deutschen treffen, mit gebrochenem Daumen.
Hubert erklärte kurz die Gestalt von Adam, es war ein etwa einen Meter siebzig großer Mann, mit Halbglatze, Mitte vierzig, der gern mit hellbraunen Kordhosen herum lief.
Der Treffpunkt ist das Marinedenkmal auf dem Stettiner Friedhof.
Adam hatte die Aufgabe, Peter mit dem Schiff außer Landes zu führen.
Es war ein verregneter Samstagvormittag, als der rote dieselgetriebene Regionalzug der Deutschen Bahn aus Berlin, am Bahnhof Glowny Szczecin ankam.
Hubert empfahl im Hotel Esculap zu übernachten. Es ist ein kleines beschauliches Hotel für die vielen Studenten und Saison Arbeiter in Stettin. Unauffällig und nicht weit vom Bahnhof und vom Stadtzentrum.
Über Google holte sich Peter die Wegbeschreibung, denn eine Taxifahrt schien ihm auch zu diesem frühen Zeitpunkt der Flucht schon als zu gefährlich. Er wollte in jedem Land unerkannt bleiben.
Hinter einer Glasscheibe einer kleinen Pförtnerloge, checkte er ein, sie sprach polnisch, er englisch, doch in Zeiten der Globalisierung, verstanden sich beide. So bekam er den Zimmerschlüssel, nachdem er zweiundneunzig Zlotys für zwei Nächte bezahlte.
Er warf die kleine blaue Sporttasche aufs Bett und machte sich daran, seinen linken Daumen zu schienen und zu verbinden, damit es aussieht, als hätte er ihn sich gebrochen.
Um sechzehn Uhr war der Treffpunkt, also in vier Stunden. Peter legte sich aufs Bett, um ein wenig Schlaf zu holen, den er durch den Stress der letzten Tage auf dem Wege liegen ließ.
Pünktlich um fünf Uhr nachmittags stand Peter auf und ging an den Bahngleisen entlang Richtung Friedhof.
Am Einkaufszentrum Carrefour vorbei, wo er sich noch einen Cappuccino gönnte.
Über die Schnellstraße auf den Gräberanlage.
Entlang an Ruhestätten von Verstorbenen diesen Jahres, einer Maria Figur am Grabe einer achtzehn jährigen. Vorbei am Ehrenfriedhof der verstorbenen Soldaten des zweiten Weltkrieges. An Gedenksteinen dutzender Kleinkinder machte er kurz halt, schloss die Augen und sprach das “Vater unser“.
Ein breiter Weg führte zum Kreuz der Verstorbenen Marinesoldaten.
Er war fünfzehn Minuten zu früh da, kontrollierte noch einmal seinen Verband am linken Daumen und hielt sich den angeblich verletzten Daumen und verkniff ein wenig das Gesicht, um Schmerz vorzutäuschen.
Er las sich die Schilder am Denkmal durch:
Henryk Marcinkowski, verstorben 29.VI. 1989 m/s Lady Rhodda,
Jacek Kowacki, verstorben 23.VI. 1989 m/s Lady Rhodda,
Hanka Jezierska, verstorben 22.IV. 1988 m/t Athenian Venture,
Tadeu…
„Bist du Peter aus Berlin?“
Er hielt nur den linken Daumen nach oben.
„Morgen Abend fahren wir los, wir treffen uns im Hafen, unter der blau beleuchteten Brücke, sie ist nicht weit vom Bahnhof!“ „Mein Schiff ist die NAUTA AKCENT ich fahre pünktlich um zwanzig Uhr ab nach Ystad in Schweden, danach steht mein Schiff und meine Besatzung, bei entsprechender Bezahlung dir zur Verfügung, aber erst einmal muss ich nach Ystad“, wiederholte sich Adam in Akzent freiem deutsch.
„Wo willst du eigentlich hin?“
Peter antwortete nur: „Tanke den Kahn voll, es wird eine sehr lange Reise.“
Adam gab ihm die Hand, „okay, dann haben wir ein Vertrag!“
„Okay, morgen um halb acht abends bin ich unter der blauen Brücke.“
Nachdem Adam auf dem Friedhof verschwunden war, machte Peter den irrwitzigen Verband vom Daumen, der langsam zu schmerzen begann, da das Mull zu eng um das Körperteil gewickelt war. Peter Pasternak ging noch ein wenig auf den großen Friedhof spazieren, von dem er sehr beeindruckt war. So etwas Großes hatte er in dieser Art noch nie gesehen.
Viele tausend Gräber und immer hinter kleinen Büschen, zu denen kein Weg führte, Gräber von Kindern. Kinder die nicht älter als zehn Jahre alt wurden!
Einige Kreuze standen schräg über die Erinnerungstafel, einige waren umgefallen, er ordnete einige Gräber und verlies dann schnell das Begräbnisfeld.
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12421
Verzeiht bitte die Länge des Textes - der Anlauf gehört zum gebrochenen Daumen.
Nach dem Wochenende war Beda wie verändert. Er tänzelte vor mir herum und boxte mich dauernd. Es tat ziemlich weh und ich wurde wütend. Ich warf mich auf die Erde, packte sein Bein und biss kräftig zu. Heulend humpelte er die Treppe hinunter. Mutter tröstete Beda und Vater kam hoch, um mir zu erklären, dass man andere Kinder nicht beissen darf.
„Er hat mich geboxt,“ sagte ich trotzig.
„Dann musst du auch boxen. Boxen, nicht beissen.“
„Aber er ist stärker.“
„Beda ist dein grosser Bruder, da kann man nichts machen.“
„Beda ist doof.“
„So einfach ist das nicht."
Am nächsten Tag fragte ich Bruno, ob er Boxen könne. Auch er tänzelte um mich herum und liess einzeln seine Fäuste hervorschnellen. Mit zusammengekniffenen Augen streckte ich ihm abwehrend die Hände entgegen. Bruno schien auf Anhieb zu wissen, welches Problem ich hatte. Er forderte mich auf, ihn zu boxen. „Aber du bist nicht böse,“ versicherte ich mich. „Komm, hau drauf,“ rief er und stellte sich mit erhobenen Händen vor mich. Mit aller Kraft boxte ich ihn in den Bauch. „Nicht kitzeln, schlag fester.“ Ich ging einen Schritt zurück, brachte meine Fäuste in Stellung, preschte vor, landete mit der Linken einen Treffer, mit der Rechten streifte ich seinen Gürtel, die Faust fuhr ins Leere und ich hinterher. Bruno half mir lachend auf die Füsse. „Das gilt nicht, du hast dich bewegt,“ beschwerte ich mich. Bruno lachte, „ich lass mich doch nicht von jedem umnieten.“ Das leuchtete mir ein.
„Soll ich dir ein paar Tricks zeigen?“
„Ja.“
Bruno erklärte mir die unterschiedliche Reichweite der Arme. Er stellte sich mit einem Abstand vor mich hin und streckte seinen Arm aus. Die Faust berührte meine Schulter.
„Boxen!“
Meine Fäuste wirbelten wirkungslos in der Luft. Ich versuchte seiner Faust zu entkommen, aber er war immer schneller als ich und sein ausgestreckter Arm funktionierte wie ein Schutzschild.
Dann kniete er vor mir nieder und forderte mich auf, ihn am Kopf zu treffen. Zuerst fuchtelte ich mit meinen Fäusten vor seinem Gesicht herum, dann liess ich meine Linke nach vorne schnellen. Bruno neigte den Kopf seitlich nach hinten. Beim nächsten Angriff, duckte er sich blitzschnell. Ich verlor das Gleichgewicht, Bruno liess sich nach hinten fallen und ich lag auf ihm. Lachend standen wir auf. Wieder standen wir voreinander. Bruno sagte, dass er jetzt meinen Kopf treffen wolle. In Zeitlupe bewegte er seine Faust auf mein Gesicht zu. Reflexartig ging ich mit geneigtem Kopf in die Hocke. Seine Faust ging mit einem, „tsch,“ von Bruno über mich hinweg.
„Gut gemacht. Sehr gut. Genau das ist es. Du musst dich so schützen,“ er hob meine Fäuste dicht an mein Gesicht, „und ausweichen, wenn die Faust kommt.“ Er drehte sich weg, duckte sich, tänzelte und ruderte mit den Fäusten.
Ich strahlte, so langsam begriff ich die Kunst des Boxens.
Nach weiteren Scheingefechten, wie Bruno meine erste Trainingseinheit nannte, fühlte ich mich so stark wie nie zuvor.
Im Kinderzimmer standen zwei leere Kartons. Meine Mutter sagte, wir sollen alle Spielsachen, für die wir zu gross seien, in die Kartons legen, „damit wir mal wieder Ordnung haben.“
Vertieft in Spiele und Spielsachen, die wir monatelang nicht mehr gesehen hatten, vergassen wir alles um uns herum.
„Wie sieht es denn hier aus,“ rief Mutter. Sie griff sich eine hölzerne Lokomotive und legte sie in den Karton. Ich reichte ihr einen der hölzernen Waggons.
„Das ist meine Lokomotive,“ entrüstet zog Beda die Lokomotive aus der Kiste.
„Damit spielst du doch nicht mehr,“ Mutter wollte ihm das Holzspielzeug abnehmen.
„Doch, damit spiele ich,“ Beda liess die Räder der Lokomotive auf seiner Handfläche hin und herrollen.
Mutter griff einen Traktor, dem ein Rad fehlte, „das Ding kann aber weg,“ und warf es in die Kiste. Beda griff sich den Beutel mit den Murmeln, „die können auch weg,“ und warf sie gegen die Wand.
„Watsch.“ Beda setzte sich von einer Ohrfeige getroffen auf den Boden.
„In zehn Minuten komme ich wieder,“ verabschiedete sich Mutter.
Auf Zehenspitzen stellte ich mich vor das Regal und griff nach den hölzernen Schienen.
„Das ist doch blödes Zeug,“ sagte ich und warf die Schienen in den Karton.
„Du bist gemein,“ Beda stand mit hochrotem Kopf vor mir.
„Und du bist doof,“ konterte ich und streckte ihm die Zunge raus. Als ich mich umwenden wollte, sah ich ein Schatten auf mich zukommen. Blitzschnell duckte ich mich und Bedas Faust krachte seitlich auf die Regalkante. Mit einem Aufschrei ging er zu Boden. Mit angezogenen Beinen wimmerte er wie ein getretener Hund.
„Mami, Mami komm,“ rief ich erschrocken. Mutter stürmte die Treppe hoch.
„Was ist jetzt wieder los?“ Sie beugte sich über Beda und versuchte ihn hochzuziehen. Ein wilder Aufschrei von Beda liess sie erstarren. Beda streckte ihr weinend seine geschwollene Hand entgegen. Mutter hob ihn an der Taille hoch und führte ihn an der unversehrten Linken die Treppe hinunter. Vorsichtig wurde Beda auf den Diwan gebettet. Unsichtbar beobachtete ich die Bergung des Verletzten. Mutter übergoss ein Tuch mit einer Flüssigkeit aus einer braunen Flasche und legte das nasse Tuch vorsichtig über seine Hand. „Aua,“ wimmerte Beda. „Das wird gleich besser,“ beruhigte ihn Mutter. Danach brachte sie ihm ein Glas Himbeersirup mit zwei Strohhalmen. Beda unterbrach sein Wimmern und schlürfte zufrieden das Getränk.
„Krieg ich auch einen Sirup,“ fragte ich schüchtern.
Mutter füllte ein Glas mit Wasser und liess den farbschweren Sirup hinein träufeln.
„Was habt ihr gemacht?“ fragte sie knapp. Ich zuckte mit den Schultern, „er hat mich nicht getroffen.“ Sie reichte mir das Glas.
„Und der Strohhalm?“
„Du bist nicht krank,“ sagte sie, liess mich stehen und setzte sich auf einen Stuhl neben Beda.
Vater kam nach Hause, fragte, „gibts heute nichts zu essen?“ Mutter zeigte auf Beda, „schau dir mal seine Hand an.“
Beda schrie, als Vater seine Hand untersuchte. „Das sieht böse aus. Wenn das bis morgen nicht besser ist, müssen wir die Hand dem Doktor zeigen.“
Beda redete nicht mit mir. Er genoss seine Sonderstellung und beachtete mich nicht. Als Mutter ihn wusch und ihm in den Pyjama half, hörte ich sein Stöhnen. Ich versteckte mich unter der Daunendecke.
Am nächsten Tag streckte mir Beda stolz seinen Gips entgegen, „ich musste nicht in die Schule. Der Daumen ist gebrochen.“ Er trug den Arm in einer schwarzen Schlinge. Das sah sehr gut aus. Beda strich zärtlich über den Gips.
„Kommst du mit mir spazieren?“ fragte er. Ich war froh, dass er nicht böse auf mich war. Als ich ihm die Jacke entgegen hielt, sagte er, „ohne Jacke.“ Ich half ihm in die Gummistiefel, wir gingen nach draussen und schlenderten, wie ein altes Paar den Weg an den Baracken entlang. Bruno winkte uns näher, „hoi Beda, hast du eine Kriegsverletzung?“ Beda grinste, „der Daumen ist gebrochen.“
„Wie hast du das gemacht?“
Marius und Kurt, zwei Nachbarjungen, stellten sich neben uns.
Beda demonstrierte mit der gesunden Hand, wie er ausgeholt hatte.
„Also ein Schwinger,“ stellte Bruno fest, „und wie sieht der andere Boxer aus?“
Beda wippte unschlüssig und schaute zu mir hinüber. Ich war genau so gespannt, wie der Kampf gelaufen war und wartete auf seine Schilderung.
„Das Regal . . . war im Weg.“
Marius und Kurt schauten bewundernd auf Beda. Pauline stand in Socken an der offenen Türe und rief, „Beda, Beda, zeig mir den Gips.“ Beda ging zu Pauline. Bruno fragte mich, ob ich dabei war. Ich nickte. Er holte langsam mit der rechten Faust aus. Schnell duckte ich mich. Mit einem „tsch“ aus Bruno`s Mund schwebte seine Rechte über mich hinweg. Bruno lachte, hob mich hoch und setzte mich auf die Kühlerhaube seines Cabriolet und rief, „die erste Runde geht an Alex.“ Wir lachten lauthals. Marius und Kurt schauten uns verständnislos an.
Liebe Siena, die Ohrfeige wurde von der Mutter ausgeteilt. Vielleicht kann ich das noch deutlicher machen Heute würde man sicher mit einem Kind ins Krankenhaus gehen, damals war das selten. Vielen Dank und Grüsse Cora
Habe ich gern gelesen. Lebendige Sprache, glaubwürdige Figuren, Alex' gemischte Gefühle kommen sehr gut rüber. Außerdem mag ich Mädchen, die boxen können.
Schließe mich an! Sehr gut nachvollziehbar -die Kinderwelt! Spannende und schön geschrieben! Auch mich hat die Länge nicht gestört! LG Sylvia
Lieber Ginko, Du darst Dich freuen, Alexandra, genannt Alex, ist die ein Jahr jüngere Schwester von Beda. Ich hätte die Personen nochmals vorstellen können - unter 11739 habe ich sie kurz bekannt gemacht. Vielen Dank für die aufmunternden Kommentare! Gruss Cora
Hallo Cora, die Szene, wo Bruno Alex das Boxen beibringt gefällt mir auch sehr gut. Es gibt zwei Dinge, die ich nicht ganz verstehe. Nachdem Beda die Murmeln an die Wand geworfen hat, wird er von einer Ohrfeige getroffen. Hat die Mutter ihn geschlagen oder sind die Murmeln in sein Gesicht geprallt? Und warum warten sie bis zum nächsten Tag um ins Krankenhaus zu gehen? Wenn mein Kind starke Schmerzen hat warte ich nicht, sondern fahre gleich. Lg siena
Überzeugend! Ich habe mühelos den straff gespannten roten Faden verfolgt. Noch mehr würde mich freuen, wenn Bruno einem Mädchen das Boxen beibrächte. Nach dem Biss ins Bein dachte ich zunächst an eine Schwester Bedas. Weil ja eine Pauline im Spiel ist, müssten andere Mädchen nicht weit sein.
Sehr schön, Cora! Länge kein Problem, im Gegenteil hast du das Boxenlernen so lebendig beschrieben, dass ich wie Alex ganz gespannt war, wie das eigentlich geht. Überhaupt stellst du die kindliche Erlebniswelt sehr gut dar, ohne kindlich zu schreiben, gefällt mir ("Das sah sehr gut aus" - ja!). Beide Geschwister sind glaubhaft in ihrer Art, die Dinge anzugehen, und ich freue mich auf ihre Geschichte, unter der ich mir erst nicht viel vorstellen konnte. Kompliment! Velarani
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12419
Zur Sache!
Die Prüfungsanalyse hatte Petar Dangelov gemixt. An der würde ich wohl eine Woche zu kochen haben. Natürlich rechnete auch er damit, dass ich den kürzeren Weg über seinen Joystick gehen würde, statt die Nachweisreaktionen der Reihe nach abzuarbeiten. Zwar gäbe es interessantere Assistenten in der anorganischen Chemie, aber ganz zuwider war er mir ja nicht. In seiner Bude war eindeutig eine Frau zugange. Stores am Küchenfenster, Zierdeckchen unter dem Telefon und die Bettdecken diagonal drapiert. „Wie heißt sie und wo ist sie jetzt?“
„Helena gibt die Materialien aus für die Anfängerkurse.“
„Wann kommt sie wieder?“
„Sie hat Dienst bis um halb sieben.“
„Dann haben wir gut zwei Stunden. Zur Sache!“
„Wodka?“
„Nein, die Analyse!“
„Hier. Toleranz Drei Prozent.“
Auf dem Zettel standen vier Kationen und neun Anionen. Die zu analysieren hätte ich zehn Tage gebraucht. Dafür würde ich jetzt eine Stunde länger bleiben und etwas Show bieten. Kein Höschen. Ich brauchte mich nur vorn über zu beugen um seinen Verstand auszuschalten. Also tat ich so, als suchte ich die Haarspange im Waschbecken. Sofort spürte ich seine Pranken auf meinem Hintern. Gar nicht mal grob versuchte er so etwas wie einen Massage.
Dann drang er mit dem Daumen ein. Uff! Eine Etage zu hoch.
„He, das ist der Ausgang!“
Es tat zwar nicht weh, aber angenehm war es auch nicht. Ich blickte nach oben in den Spiegel. Petar hatte den Mund offen, die Zunge auf der Unterlippe, die Lider halb geschlossen. Hinter seinem Kopf glitt die Tür langsam auf. Eine Frau schaute herein. Ich fuhr herum. Mit Knack knickte Petars Fummelstummel in meiner Schokoladentube. Das tat mir weh und ihm wohl auch, denn er brüllte auf und holte zum Schlag aus. Da klatschte von hinten eine Hand auf sein eines Ohr und gleich noch eine auf das andere.
Ich schließe mich Angela Barotti zu 100% an.
Hm , eine ganz schön derbe Szene...soll er sich da wirklich den Daumen brechen? Sprachlich super! Besonders "eine Etage zu hoch!" köstlich bildlich! Das Verhalten der Frau missfällt mir sehr, aber ihre Gründe werden deutlich! Bin gespannt auf mehr! LG Sylvia
Der wohl bizarrste Daumenbruch (oder war es keiner?) in der Literaturgeschichte... Wie kommen die beiden da nur wieder raus? Deine Prota macht mich immer neugieriger...
Super geschrieben! - auch wenn Deine Helden durch ihr Verhalten nicht gerade symphatisch wirken.
Die Überschrift ‚Zur Sache’ ist bei dir Programm. Belanglosigkeiten sind in deinen Texten nicht zu finden. Jeder Satz ist wie ein Paukenschlag. Allerdings hetzt du mir diesmal zu sehr durch die Wohnung. In der Küche werden die Stores registriert, im Flur/Wohnzimmer die Zierdeckchen unter dem Telefon, im Schlafzimmer die Bettdecken. Dann noch schnell ab ins Bad, wo die eigentliche Handlung stattfindet. Hier scheinen die Waschbecken tiefer als in Deutschland zu hängen, denn selbst mit dem kürzesten Minirock dürfte das Suchen (In welchen Ecken versteckt sich denn so eine Spange im Waschbecken?) nach der Haarspange keine Einblicke in die Intimzone preisgeben. Besser wäre es daher, sie würde die Haarspange vor dem Waschbecken fallen lassen und sich aufreizend danach bücken./Trotz dieser Kleinigkeiten halte ich deinen Text für überaus gelungen. Dein Stil hebt dich von der Masse ab und macht dich unverwechselbar.
Oh, Gina! Frech und drastisch und skrupellos, so meine Analyse deiner Protagonistin und deines Textes. Deinen Mumm möchte ich haben! Habe mich außerdem sehr amüsiert - LG Velarani
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12416
Wir opferten unsere Daumenkuppen. Lili die linken, ich die rechte. Ich konnte ohne Daumen leben, aber nicht ohne Stolz. Lili nicht ohne mich. Wir waren sechzehn und in einer Kneipe gelandet, eine von der Sorte, die es heute nicht mehr gibt. Take Four. 1980, gelbes fahles Licht, traurige Songs, Typen, denen man im Dunklen nicht begegnen wollte und im Hellen schon gar nicht.
Sechzehn und vom Dorf. Wir waren so neugierig, so klein, so groß, so anders als die anderen, so verpickelt, moppelig und schlecht angezogen. Wir waren miteinander dunkelblauen Lacklederkleidchen und muffigen Wollpullovern entwachsen und trugen nun Kleider aus Afghanistan mit kleinen Spiegelchen auf der Brust. Keine war wie wir! Wir rauchten Tabak ohne Filter und färbten die Haare mit Henna. Wenn wir nach K. trampten, heimlich, nahmen wir Kreide mit. An die Straßenecken malten wir Pfeile, damit wir abends den Weg zum Hauptbahnhof wieder fanden. Dafür schämten wir uns, aber wir lachten laut und hysterisch darüber, bevor es ein anderer tat.
Take Four also. Wir waren betrunken. Beide. Es war spät, unseren Eltern hatten wir erzählt: Ich schlaf bei Lili. - Ich schlaf bei Magda. Zwei Mütterköpfe hatten genickt: Dann ist es gut. Macht nicht so lange.
Die Tanzfläche ist ein Meer und ich bin ein Schiff und die Musik trägt mich und schüttelt mich und ich sehe, wie Lili an der Theke von fünf alten Männern eingekreist wird. Die sind mindestens 30. Ich sehe mich um: Da ist niemand mehr. Hinter der Theke nicht. Auf der Tanzfläche nicht. Nirgends. Ich fliege zu Lili. Nur Lili und ich. Und fünf Männer. Einer sagt: Tanzt mal nackt. Du und deine Freundin. Er schwitzt und wischt sich mit dem Ärmel schmutzige gelbe Tropfen von der Stirn. Zieh dich aus oder ich hack dir die Daumen ab.
Na und, sage ich. Ich bin mutig, weil meine Welt persico-blutrot und süß ist heute abend. Alles geht schnell. Jemand macht das Licht aus. Stille, keine Musik mehr. Ein Schatten wankt auf mich zu. Ich schreie. Wir schreien, Lili hell und hoch. Eine Hand fasst zwischen meine Beine.
Du tanzt!
Nein. Nein!
Du tanzt! Nackt! Jetzt!
Nimm doch ihren Daumen, sagte Lili! Und meinen dazu! Und dann lass uns gehen!
Sie zittert. Aber sie lächelt.
Der Typ starrt sie an.
Hier, sagt sie, greift über die Theke und nimmt das Messer, mit dem der Barmann die Zitrone schneidet. Es hängt noch ein Stück Frucht daran.
Du bist feige, sagt Lili. Du traust dich das nie!
Der Typ glotzt.
Nimm den Daumen, wenn du dich traust. Und dann lass uns laufen.
Du bist nicht dicht, sagt der Typ.
Niemand bewegt sich.
Und du bist ein Arschloch, sagt Lili. Grabschen, das kannst du, aber Drohungen wahrmachen, das traust du dich nicht.
Da nimmt er das Messer.
Er keucht.
Magda! , sagte Lili. Sie kippt als Erste.
Dann wache ich auf. Ich liege im Dreck, in Kippen und klebrigen Resten von Persico, den sie über uns ausgekippt haben. Der Barmann beugt sich über mich, er hat Pickel und riesige Augen. Ich war im Keller, sagt er. Im Keller. Ich weine leise und er weint mit. Aber besser als, sagt er. Besser als, sagt Lili und legt den Kopf auf meinen Bauch und weint. Alles ist besser als!
Wenn wir uns begrüßen, legen wir unsere Daumen aneinander. Wir lächeln und sagen: Alles ist besser als. Das wissen wir: Als kam noch. Doch das war viel, viel später.
Hallo Kerstin, ein Monat kein Beitrag von dir. Bist du noch dabei? Hoffentlich! Liebe Grüße!
Whow, hier stimmt alles. Die Sprache, die Spannungsbogen, die Charakterzeichnungen - alles sitzt perfekt. Ich bin schwer beeindruckt! Das Einzige, was ich ändern würde, ist der Doppelpunkt im vorletzten Satz. So, wie er da steht, verursacht er ein Zeitparadoxon. Ein einfacher Punkt wäre m.E. besser.
Liebe Kerstin! Du kannst es. Eine an sich einfache Story wird durch dein literarisches Können zu einem kleinen Meisterwerk. Du schaffst es, durch geschickte Wechsel der Zeitebenen, durch Stakkato-Sätze und deinen unverwechselbaren Stil den Leser in einen atemlosen Strudel zu ziehen. Jetzt weiß ich also ein wenig mehr über die Beziehung von Magda und Lili. Und ich will noch viel, viel mehr wissen! :-) Liebe Grüße, Malea.
Reihe mich ein in die Riege der Beeindruckten. Starke Szene!
Hallo, Kerstin, ich konnte kaum Luft holen, als ich deine Geschichte gelesen habe. Genial, die kurzen Sätze, direkte Rede und auch wieder nicht. Beschreiben nichts konkret und sagen doch alles. Deine Worte treffen direkt in den Bauch, bringen mein Herz zum Klopfen. Sie ziehen mich hinein, krallen sich an mir fest. Mittendrin. Das Gefühl bleibt. Bewundernswert! Liebe Grüße Momo
Super! Ein starker Text. Beeindruckt haben mich die 'als-Sätze'. Das muss einem erst mal einfallen./Lili kann nicht ohne Magda leben? Echt? Ich dachte bisher, es sei eher umgekehrt.
Puh, eine heftige Szene, eindringlich geschrieben in deiner unverwechselbar schönen Sprache! Wie machst du das? LG Sylvia
Oh Mann, Kerstin! Wie hast du das gemacht? Jetzt bin ich nicht mehr sauer auf Magda, sondern ihr nah und beschämt und traurig, und der Freundschaft von Magda und Lili sehr nah. Eine tolle Szene, und nichts davon abgelutscht oder schon mal gesagt oder beschrieben. Klasse! Mittendrin war ich, sogar der Zeitwechsel passt, nur an einer Stelle muss es wohl heißen "nimm doch ihren Daumen, sagt Lili". Bin wieder mal schwer beeindruckt! LG Velarani
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Ein schrei hallte durch die Kathedrale. Ein männlicher Schrei und er überschlug sich im Glockenturm und verstummte mit einem hohlen Nachklingen. Der Ausruf hätte Gott selbst eine Gänsehaut verursacht aber zum Glück war niemand in der Kathedrale anwesend. Lord Durham hüpfte über die Empore wo sich der Altar befand und schüttelte seine Hand. Das hätte er besser sein gelassen. Derbe Flüche endeten abrupt als ihm wieder bewusst wurde wo er sich befand. Rasch bekreuzigte er sich und bat um Vergebung bei der nächstbesten Abbildung Jesu. Sein Daumen pochte und der Versuch ihn zu bewegen verursachte weitere Schmerzen die ihm den Arm entlang bis zur Schulter hochfuhren. Er hoffte, dass ihn niemand gehört hatte. Um diese Zeit lagen alle in ihren Betten und er betete, dass wirklich alle schliefen. Wieder unterdrückte er einen Fluch. Wie konnte das überhaupt sein? Es war unmöglich, dass er sich den Daumen brach und wer zum Teufel sollte ihm helfen können in diesem Zustand? Schon wieder ein Fluch, jedoch nur im Geiste. Wortwörtlich und er musste schmunzeln. Ruhig bewegte er sich zum Seitenausgang der Kathedrale. Immer noch hielt er sich die Hand mit dem gebrochenen Daumen auf Hüfthöhe. Die Türe war abgeschlossen aber dies hinderte ihn natürlich nicht daran sie trotzdem zu benutzen.
Draussen atmete er die kühle Nachtluft ein. Zwei Tage vor Vollmond. Bald würde er wieder das Gras unter den blossen Füssen spüren können. Den Geschmack von Wein hatte er noch immer in Erinnerung und er fühlte seine Haut prickeln als er daran dachte wie es sich anfühlen würde sie zu berühren. Irritiert hielt er in seinen Gedanken inne und verbot sich sie weiteren Details auszusetzen. Sein Daumen schmerzte noch immer aber er hatte keine Ahnung was er dagegen tun sollte. Früher hatte er sich so manche Verletzung zugezogen aber gebrochen hatte er sich noch nie etwas. Es war ein dumpfer Schmerz und er wagte es nicht den Daumen erneut einer versuchten Bewegung zu unterziehen. Schnaubend ging er der Mauer entlang Richtung Unterkunft. Er würde den Daumen erst mal kühlen. Vielleicht würde er dann auch aufhören immer dicker anzuschwellen.
Das Gespräch mit seinem Späher in der Kathedrale war kurz aber sehr informativ gewesen. Im Moment drohte anscheinend keine Gefahr und er glaubte nicht, dass die Hexe es wagen würde am Maskenball aufzutauchen. Zu viele Lebende und zu wenig Tote vermutete er und wünschte, dass seine Vermutung richtig war. Bei der Unterkunft angekommen schlich er sich in die Küche und liess kaltes Wasser in das Waschbecken laufen indem er rasch mit der heilen Hand über den Wasserhahn strich. Mit einem Seufzer hielt er sich den Daumen unter das kalte Wasser. Wie dumm von ihm, dass er nicht daran gedacht hatte, dass er mit dem kalten Wasser überhaupt nichts erreichen konnte. Er konnte ihn weder fühlen noch teilte sich der Wasserstrahl als er seine Hand darunter bewegte. Das Wasser floss ungehindert durch seine Hand hindurch und wieder fluchte er hilflos. Wenn die Sache mit dem Wasser keine Wirkung zeigte, konnte er es sich ersparen Verbandsmaterial aufzutreiben. Und wenn er fest daran glaubte? Schliesslich wäre es unter normalen Umständen auch nicht möglich gewesen sich den Daumen zu brechen. Beim Verlassen der Kirche war er über die drei Treppenstufen gestolpert die zum Altar hoch und weiter zum Seitenausgang führten. Peinlich überrascht von dem Verlust seines Gleichgewichts versuchte er sich mit der rechten Hand am Boden abzufangen. Seine Hand rutschte jedoch auf dem rutschigen polierten Marmorboden aus und sein Daumen verwinkelte sich unnatürlich nach aussen. Der Schmerz war langsam aufgetreten. Erst spürte er ein Kribbeln als sich der Daumen nach hinten bog. Danach spannten sich seine Muskeln und zogen sich krampfhaft zusammen. Erst dann spürte er den Schmerz wirklich und real. Gleichzeitig formte sich der dazugehörende Schrei in seiner Lunge und presste gegen seine Kehle. Der endgültige Bruch des Knochens liess ihn noch lauter Schreien. Erst vor Schmerz und dann vor lauter Überraschung darüber das die Empfindung real war.
Natürlich, es war auch schon passiert, dass er kurz vor und nach Vollmond Schwankungen in seiner Aura bemerkte. Vollständig regeneriert wurde er jedoch nur bei Vollmond sein. Vermutlich liess sich dann auch der Daumen am besten Behandeln. Sein Unterbewusstsein ermöglichten solche Dinge wie Türen öffnen, sich an Dingen stossen oder Dokumente unterschreiben zwischendurch aber Grundsätzlich waren ihm all diese Sachen nicht möglich. Zudem kostete ihn dies immer wieder Kraft.
Unschlüssig sann er darüber nach wie er weiter verfahren sollte. Sein Daumen hatte mittlerweile unwirkliche Formen und Farben angenommen. Der Schmerz war ebenfalls noch da aber nach all der Zeit ohne Schmerzen war es für ihn geradezu ein Segen sie zu empfinden.
Verwirrend aber auch befreiend.
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Die gute, kleine Tara meldet sich zurück
3 Uhr 20 morgens
In Annas Küche hatte die Dunkelheit keine Chance. Irgendein Fenster im Lichthof war immer beleuchtet und der Lichtschein, ein Gruß eines unbekannten Nachbarn, fing sich in den Möbeln.
Heute war alles anders, heute verteilte Annas Küchenfenster großzügig Grüße an schlaflose Menschen, ihre Arbeitslampe stand am Tisch und brannte hell.
Anna selbst saß schlafend an ihrem Küchentisch. Ihr Kopf sank manchmal tiefer, berührte beinahe die Tischplatte, auf der die Vernehmungsprotokolle gestapelt lagen, auf der linken Seite die ungelesenen, auf der rechten Seite die gelesenen. Der Stapel auf der rechten Seite war größer. Manchmal richtete ihr Kopf sich ein wenig auf, als wäre ihm die Berührung mit dem bedruckten Papier, das sogar keinen Hinweis auf den Mörder gab, peinlich.
Annas Haare fielen nach vorne, ein barmherziger Versuch das helle Licht der Arbeitslampe zu dämpfen, der Wunsch ging nicht in Erfüllung, die Strähne teilten nur das Licht in Streifen. Ihr Mund war leicht geöffnet, er war schmal und blass - fremd- zwei müde Striche, die rhythmische Schnieflaute von sich gaben. Wenn Annas Kopf sich hob, ging das Schniefen in ein abgehacktes Schnarchen über, doch sobald ihr Kopf wieder nach vorne sank, setzte das Schniefen neuerlich ein und Annas Oberkörper begann sich langsam in seinem Rhythmus zu bewegen, vor - zurück, vor - zurück, vor - zurück.......
Ihre Nasenflügel blähten sich: Rauch, Weihrauch, nein Räucherstäbchen......
Der blasse Streifenmund wölbte sich, wurde weich, färbte sich rot, er wurde wieder zu Annas Mund,
„Tara, Tara, Tara ist hier. Sie will mir etwas sagen, was ist es?“
Ihre Lippen formten Worte: START....START... START AGAIN....
Und plötzlich richtete Anna sich auf, war hellwach, ihre Augen wurden klar, sie sprang auf, sie wollte aufspringen - START AGAIN- doch ihr rechtes Bein schien nicht vorhanden zu sein, es war einfach nicht da.
Anna stürzte nach vorne, streckte die Hände nach unten, um den Sturz abzufangen, doch ihr kraftloses Bein verursachte eine leichte Drehung und sie fiel, wie ein schwerer Sack, auf ihren rechten Daumen.
Sie fühlte keinen Schmerz, Taras Duft füllte immer noch die Küche, und das Bein begann zu prickeln, es kehrte zurück.
Anna stand diesmal vorsichtig auf und drückte auf ihrem Handy eine Nummer, einmal, zweimal, dreimal, dann klang Smoleks Stimme: „Anna, Anna, was ist ?“
„Smolek, ich bin vom Sessel gefallen, mein rechter Daumen“ sie sah das schwellende Monster wie ein fremdes Tier an, „ist im Eimer, wahrscheinlich gebrochen, kannst Du mir helfen?“
„Mit Blaulicht bin ich in 10 Minuten bei dir. Tut es sehr weh?“
„Noch nicht, Tara war bei mir.“
„Tara“, Smoleks Stimme klang gedehnt, „die gute kleine Tara mischt wieder mit. Ich komme.“
Und dann setzte der Schmerz ein.....
Tara: eine buddhistische Gottheit
Uff! Vielen Dank für die Info. White Wedding ist uralt, das würde reichen, sich den Text mal anzuschauen, wobei der nicht gerade so tiefsinnig ist bis auf das eindringliche "Start Again". Schräge Sache, diese Assoziationen, die Du wachgerufen hast... Bis die Tage
Hallo Frog! Der Song der Singles heißt : "Start again" und das Album ist im Februar dieses Jahres erschienen. Die Singles sind eine Gruppe in Detroit, gegründet von Sänger VINCE Frederick (Auskunft "google") Ich hatte davon keine Ahnung (Sänger, Song), und was die Worte Taras bedeuten, darüber rätseln auch Anna und Smolek. Mal sehen, zu welchen Ergebnis sie kommen. Mit meiner Geschichte hat der Song- bis jetzt- nichts zu tun. Allerdings könnte mir schon einiges dazu einfallen... Ich werde mir die CD kaufen und mir den Text ansehen. Auch "White Wedding" von Billy Idol sind mir (und auch Tara) völlig fremd. Auch diese CD wird gekauft. Ich finde eure Hinweise unheimlich spannend, doch ich weiß, die kleine Tara hat es in sich! Vielen Dank! Gerhild B.
Hi Gerhild, ich begreife nicht, von welchem Song Ginko redet, was für eine CD man sich besorgen kann, um welchen Zufall es sich handelt. Kannst Du mich aufklären? Mein "Kommentar" ist der Anfang eines Songs, an den mich Taras Botschaft unweigerlich erinnert: White Wedding von Billy Idol, wo sich die Worte "START AGAIN" wie ein roter Faden durch den Song ziehen. Kannst mal sehen.. . Was hat das bloß alles zu bedeuten?
Hallo Ginko, Danke für deinen Hinweis auf die Singles: Ich hatte von diesem Song keine Ahnung, ich werde mir jedoch die CD besorgen. Solche Zufälle muss man feiern! L.G Gerhild Hallo Frog, You never guess it, big brother, I am writing a novel. Danke! Ich lache sehr gerne. Gerhild
@Hallo Numungo, Du hast ein gutes Gefühl! Natürlich bricht sich Anna in meinem Roman nicht ihren Daumen. Doch die Vorstellung, nächstes Jahr in vielleicht 20 neuen Romanen einen gebrochenen Daumen zu finden, hat schon etwas für sich! Danke! L.G Gerhild
Mal etwas ganz anderes! Spannend! Gut geschrieben! LG Sylvia
Dieses Stimmungsbild hat mich völlig beherrscht, mit Bildern, Gefühlen, Wachtraumbefinden, und immer wieder "aha! Ja, genau so!" Um den Popsong der Singles hier einzuordnen, benötige ich allerdings Taras Erleuchtungshilfe.
Hallo Gerhild, toll, wie du die Szene beschrieben hast, mit welcher Liebe zum Detail! Der Leser steht mitten drin. Und wünscht sich, die letzten Sätze ab dem Handy würden nicht mehr dazu gehören. Doch das war ja Teil der Aufgabe. Vielleicht solltest du Anna in deinem Roman nicht den Daumen brechen lassen. Viele Grüsse, Numungo (12052).
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„Allo Schwiegermama, wie geht es dir?“ Christoph beobachtete, wie Yvette sich mit dem Hörer am Ohr in den Sessel kuschelte, während ihr rechtes Bein über der Armlehne hing.
„Oh, das ist gut. Dann kannst du sischer ein lustige Neuigkeit vertragen.“ Sie lachte und ihr Bein wippte. Christoph versuchte, eine schmerzfreie Lage für seinen rechten Arm auf der Rückenlehne des Sofas zu finden, was aus unerfindlichen Gründen ausgesprochen kompliziert war. „Hochlegen, hochlegen!“ hatte ihm sein Chirurgenkollege bei der Entlassung mehrmals eingeschärft.
„Deine Sohn hatte eine kleine Zwischenfall, hat sich heute morgen in die Klinik der Daumen gebrochen“, verkündete Yvette gut gelaunt in den Hörer hinein.
Warum mußte sie immer so eine Show abziehen? Es war vorherzusehen, was jetzt kam, und er haßte es schon im Voraus.
„Ah, non, non, non, bitte nischt aufregen, liebe Schwiegermama, ist alles alb so schlimm. Isch abe ihm eine gemütlische Bett auf die Sofa gemacht und eine kleine Rotwein gegeben. Ist doch nur die Daumen, klitzekleine Körperteil.“
Yvette kicherte. Jetzt kam wieder etwas Frivoles, ganz klar.
Christoph angelte nach dem Rotweinglas auf dem Couchtisch. Schwapp, ergoß sich eine Portion auf den neuen, cremefarbenen Teppich. Nicht mal ein Glas konnte er unfallfrei mit der linken Hand an den Mund führen, verdammt! Mit eingegipster rechter Hand war man ein Nichts, ein hilfloses Kleinkind. Aber warum mußte Yvette das Glas auch bis an den Rand vollgießen? Unaufmerksam, wie so oft! Er trank das Glas in einem leer und stellte es mit einem Seufzer zurück auf den Tisch. Das konnte schon mal nicht mehr auf dem Teppich landen.
„Oui, oui, du ast rescht, Daumen ist wischtig. Aber er kann doch froh sein, daß nicht seine andere klitzekleine Körperteil, die allerwischtigste, gebrochen ist. Wäre bestimmt große Problem gewesen einzugipsen.“ Yvette schüttete sich aus vor Lachen und ihr Bein schaukelte heftig hin und her.
Christoph zischte: „Schluß jetzt, Yvette!“, aber sie winkte nur mit schadenfrohem Grinsen ab.
„Oui, er ist krankgeschrieben, kann ja nix arbeiten und schreiben in die Klinik. Isch muß ihm jetzt ununterbrochen bedienen. Ist bißchen sehr wehleidig, deine Sohn, Monsieur le Docteur, kannst du mir glauben, Schwiegermama. Aber vielleischt tut ihm auch mal gut zu wissen, was bedeutet, selber krank zu sein.“
Früher hatte er sie abgöttisch geliebt wegen ihrer spöttischen Art, aber in letzter Zeit ging sie ihm immer mehr damit auf die Nerven, vor allem jetzt, wo er selbst das Opfer war. Und er wußte, daß seine Mutter gar nicht damit umgehen konnte, oft alles falsch verstand.
„Du weißt, isch bin beste Krankenpflegerin von Duderath. Mach dir keine Sorgen. Christoph ruft disch an, sobald er Telefon wieder festalten kann. Und mal ehrlisch: geht ihm überaupt nischt schlescht, ist nur eine kleine Krüppel, sonst nischts.“
Christoph versuchte, um nicht auszurasten, sich auf seine blau angelaufenen Finger zu konzentrieren, die aus dem Gips herausschauten, stark angeschwollen waren und sich kaum bewegen ließen. „Mach endlich Schluß, Yvette!“ fauchte er.
„Ah, non, non, non, deine Maman will wissen, wie passiert ist“, sagte sie mit dem Ausdruck kindlicher Unschuld in seine Richtung. „Kann isch doch nischt einfach auflegen. Wäre doch schrecklisch unöflisch, n’est-ce pas?“ Sie drehte sich im Sessel von ihm weg auf die andere Seite, hielt den Hörer nun mit links und ließ das linke Bein baumeln. Wie konnte sie nur so lässig sein angesichts seines elenden Zustandes mit dieser Verletzung?
„Also, Schwiegermama, das war so. Ist ihm eine freche Junge in die Klinik mit seine Rollstuhl reingefahren, als Christoph aus die Schwesternzimmer kam. War eine kleine Verkehrsrowdy, at die Vorfahrt für die Doktor einfach nischt beachtet. Und da at Christoph, diese Lulatsch, eine Salto rückwärts geschlagen und ist mit seine ganze Gewischt auf diese klitzekleine Daumen geplumpst. Kann ja nischt gutgehn, sowas.“ Sie schüttelte sich wieder vor Lachen.
Am liebsten wäre er aufgesprungen, hätte sich den Mantel angezogen und wäre durch den Wald gelaufen, um diesem Spektakel nicht länger ausgesetzt zu sein. Aber schon beim Anziehen des Mantels wäre er allein kläglich gescheitert. Der Ärmel paßte nur mit gutem Zureden über den Gips. Und für die Blousonjacke war es jetzt Ende November so spät am Abend entschieden zu kalt. Nein, wie sollte er das noch so lange aushalten? Mindestens vier Wochen, eher mehr, hatte der Kollege ihm prophezeit. Wenn ihm irgend etwas abgrundtief verhaßt war, dann, sich so abhängig zu fühlen. Und zu allem Überfluß diese Schmerzen in der Hand bei jeder kleinen Armbewegung!
„Wenn isch ehrlisch bin, finde isch sehr gut, daß isch meine Mann mal für misch allein abe, keine Krankenschwestern und Ärztinnen, die ihm verführen wollen, keine Leute von seine Projekt, die ihm dauernd beschlagnahmen. Muß er jetzt mal vierundzwanzig Stunden am Tag bei mir und die Kinder bleiben. Die Jungen werden froh sein über so eine neue Spielkamerad, die total unterlegen ist.“ Yvettes Bein bewegte sich aufgeregt hin und her. Schließlich sprang sie auf, verabschiedete sich und legte auf.
Christoph holte tief Luft und setzte an, seiner aufgestauten Wut freien Lauf zu lassen, aber Yvette kam ihm zuvor.
„Isch weiß nischt, was du willst. Du ast gesagt, du kannst nischt anrufen. Darf isch dann noch selber entscheiden, was isch sage, wenn isch es für disch mache?“
„Wieso teilst du es meiner Mutter nicht einfach sachlich mit, und damit basta?“ schnaubte Christoph. „Immer diese Scherze unterhalb der Gürtellinie. Das verunsichert sie doch nur. Muß das sein? Schließlich ist sie eine alte Frau!“
„Und diese alte Frau kann jetzt ohne Sorge zu Ause bleiben, weil isch sie gesagt abe, daß es nischt schlimm ist mit dir und isch disch gut versorge. Oder ättest du lieber geabt, daß sie gekommen wäre, um disch selbst zu sehn, wenn isch gesagt hätte: >Liebe Schwiegermama, deine Sohn atte eine schwere Unfall, seine rechte And ist total kaputt und er liegt jetzt da und at große Schmerzen.< Sie ätte doch bestimmt gemeint, du stirbst, und sisch mitten in die Nacht in die Zug gesetzt.“
„Halt, halt, halt! Du mußt nicht immer gleich übertreiben!“ Christoph war ärgerlich, daß er ihr das immer noch nicht hatte abgewöhnen können, so in Extremen zu reden und zu handeln. Pragmatisch war sie, keine Frage, darin war sie unübertroffen. Aber immer so unsachlich, grauenvoll!
„Isch sage dir eins, ab sofort telefonierst du selbst.“ Yvette stand vor ihm, hatte die Arme in die Hüften gestemmt und blickte ihn mit flammenden Augen an. „Du kannst schon mal anfangen mit diese Maja, die dir immer die Medikamente besorgt. Die war doch neulisch so besorgt um disch, als du bei ihr ohnmäschtig geworden bist. Die interessiert sich bestimmt sehr dafür, daß du nur die Daumen und nischt diese wischtigste Männerkörperteil gebrochen hast.Währenddessen mache isch diese Rotweinfleck weg.“
Christoph sprang vom Sofa auf und schrie voller Zorn und Verzweiflung: „Ich habe dir schon tausendmal gesagt, daß ich nicht mit ihr geschlafen habe!“ Ein schneidender Schmerz durchfuhr seine Hand bis in den Arm hinein. Während er sich wieder auf das Sofa sinken ließ, sagte er mit leiser, stumpfer Stimme: „Warum glaubst du mir denn nicht, Yvette? Es war alles ein Mißverständnis.“
"Tu lieber deine Füße aus die Rotweinfleck!" sagte sie teilnahmslos.
Lustig, wie unterschiedlich die Protagonisten beurteilt werden. Nicht sehr feinfühlig, diese Yvette, aber irgendwie doch sympathisch - ich kann noch nachvollziehen, was Christoph an ihr einmal so faszinierend fand. Zur französisierenden (was ist denn das für ein merkwürdiges Wort?) Aussprache noch ein paar Vorschläge: Im dritten Absatz muss noch ein sich gegen sisch ausgetauscht werden. Eventuell mit ie schreiben, denn sonst liest sich nischts wie Norddeutsch. Fehlendes h vielleicht durch Apostroph ersetzen? Nicht nur das Femininum verwenden, sondern bei den im Französischen männlichen bzw. sächlichen Substantiven im Deutschen auch mal die Artikel im Maskulinum oder Neutrum wählen.
Vielen Dank für Eure Kommentare! Sie helfen mir sehr. Christoph bringt Yvette nicht um, und sie trennt sich von ihm, nicht umgekehrt. Sie sind seit ca. 6 Jahren verheiratet. Soviel zu Euren Fragen. Die Aufgabe mit dem Daumenbruch hat mir weitergeholfen, dieses Kapitel zu schreiben. In meinem Plan stand nur: Streit mit Yvette. Wie das konkret laufen könnte, wollte mir einfach nicht einfallen. Dieser Text ist jetzt dabei herausgekommen, und die Tatsache, daß fast jeder von Euch sich auf eine Seite schlägt und seine Sympathie oder Antipathie gegenüber einer der beiden Figuren kundtut, zeigt mir, daß ich erreicht habe, was ich wollte. Leider habe ich nicht genug Zeit, regelmäßig Aufgabenlösungen einzustellen und selbst Kommentare zu schreiben, was ich bei vielen Beiträgen gern tun würde. Umso mehr freue ich mich über Rückmeldungen von Euch. Franziska
Auch ich finde Yvette äußerst unsympathisch, habe aber ab und zu schmunzeln müssen! Ich hoffe er befreit sich von ihr! LG Sylvia
Anfangs habe ich geschmunzelt, gelacht. Zum Schluß habe ich nur eine Frage: Wie lange sind sie schon verheiratet?
Kann mich Frog überhaupt nicht anschließen. Ich habe viel beim Lesen gelacht. Der Halbgott in Weiß hat seiner Frau verbal nichts entgegenzusetzen. Ein Typ ohne jeden Humor. Ganz die Mama, die ebenfalls keinen Spaß versteht, wenn es um ihren Sohn geht. Arme Yvette. Zwei gegen einen.
Ob Daumenbruch, Zeckenbiss oder Vorhautabschürfung, Yvette würde um alles einen Tanz aufführen. Die überzeichnete Unsachlichkeit der Frau bestätigt den Mann in seiner Sachlichkeit. In dem Augenblick, da er sie aus der Kicherlaune holt, kann sie plötzlich Hochdeutsch und wird zum Eisblock. Ein heftiger Kontrast! Yvettes Monolog genösse ich gern als Hörspielszene.
Isch finde die Yvette särr nervig und habe den (langen) Text nur bis zum Ende gelesen, um zu erfahren, ob noch eine Reaktion auf den Rotweinfleck erfolgt. Wird er sie umbringen? Das hätte sie verdient. Leider hast Du hier noch nicht verraten, was für einen Roman Du planst...
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Wie zum Henker hatte ihm das passieren können. "Verdammte Scheiße", fluchte er vor sich hin. Nicht zu laut, es sollte niemand hören, aber doch brannte der Schmerz in seiner Hand und er konnte seine Wut nicht zurückhalten. Er versuchte seinen Daumen zu bewegen, die einzelnen Finger, sein Handgelenk. Alles ging, bis auf den Daumen. Warum gerade der Daumen? Mit der gesunden Hand schlug er auf den staubigen Boden. So fest, dass auch durch diese Hand der Schmerz zuckte und er sich selbst zur Vernunft rief.
Warum der Daumen? Einen Finger konnte man ruhig verlieren, aber nicht den Daumen. Davon hatte man einfach zu wenig. Nur einen an jeder Hand und beide waren entscheiden für das Überleben hier draußen.
Der Daumen blähte sich immer weiter auf und er hatte das Gefühl, dass er gleich platzen würde. Platzen wie eine kleine Granate und das Blut in alle Richtungen spritzen würde mitsamt Hautfetzen, Knochenstücken und Geweberesten.
Er schüttelte den Kopf. So schlimm war es dann doch nicht. Er versuchte den Daumen zu bewegen, ließ es aber gleich wieder sein. Der Schmerz war höllisch. Selbst für ihn. Wie viele Verletzungen hatte er schon ertragen. Tapfer weggesteckt. Aber je kleiner die Verletzung scheinbar war, desto größer war der Schmerz, und umgekehrt, so schien es ihm. Als er den Durchschuss durch den Oberschenkel hatte, war kaum ein Schmerz zu spüren gewesen, eher ein Jucken, als hätte er sich mit einem Messer in die Haut geschnitten. Doch dieser kleine Daumen, der nun offensichtlich gebrochen war, tat so weh, dass er beinahe mit den Tränen ringen musste.
Er fühlte sich wie ein kleines Mädchen. Schnell schüttelte er den Kopf. Er presste die Hand an die Seite und nahm sein Gewehr auf. Vor den anderen durfte er seinen Schmerz nicht zeigen. Vielleicht so tun, als sei es nur eine Prellung. Erst wenn Marie feststellen würde, dass der Daumen gebrochen sei, würde er mit den Schultern zucken und fragen: Echt? Damit würde er ihr imponieren.
Das Gewehr in der gesunden Hand schlenderte er zurück zum Lager, mit jedem Schritt den er näher kam, wurde sein Gesicht fester. Er sah sich noch einmal um. Verfluchte den Stein, den er leichtfertig übersehen hatte. Verfluchte den anderen Stein, auf dem er sich abstützen wollte, der aber dann wegrutschte und seinen Daumen auf dem Gewissen hatte.
Er ließ die Hand locker an der Seite hängen. Der Schmerz pulsierte in seinem Daumen. Er sah Marie und ging lächelnd auf sie zu.
Danke für die vielen Kommentare. In der Tat stammt diese Geschichte aus einer anderen Zeit, nämlich aus der Zukunft. Auf den Hintergrund bin ich hier nicht weiter eingegangen, das wurde in der vorherigen Übung angedeutet :-) Es sollte nur eine kurze Studie der Verletzung werden. Wichtig ist, dass er keine Schwäche zeigen darf in dieser lebensbedrohlichen Umgebung, daher muss er Marie imponieren. Naja, am Ende des Jahres wissen wir alle mehr ;-) Gruß Popinga
Glaubwürdige Analyse des Anwärters auf eine Tapferkeits - Medaille. "Mit den Tränen ringen" lässt mich grübeln, auch, "wie sich ein kleines Mädchen fühlt".
Warum fühlte er sich wie ein kleines Mädchen? L.G. Gerhild B.
Hallo Popinga, trotz der wenigen Handlung hast du sehr dicht erzählt! Die Gedanken sind nachvollziehbar! Mir würde das zwar auch nicht imponieren, aber der Text scheint aus einer anderen Zeit zu stammen, gell? Kompliment! LG Sylvia
Hallo Popinga, interessanter Daumenbruch. Ich konnte mich gut in die Lage des Mannes versetzen, der wütend über sich selbst und diesen fiesen Schmerz im Finger flucht. Sehr gelungen fand ich den Satz: "Platzen wie eine kleine Granate und das Blut in alle Richtungen spritzen würde mitsamt Hautfetzen, Knochenstücken und Geweberesten." Gruß Jutta
Hallo Popinga, ein guter Text, schön beschrieben. Ich habe nur ein kleines Problem mit der Glaubwürdigkeit. Dein Prota scheint sich ja mit Verletzungen auszukennen, da verwundert es mich, dass er so eine schlimme Verletzung wie einen Daumenbruch ignoriert. Da sollte er schlauer sein und seine Gefährtin mal eben links liegen lassen, um die Verletzung zu versorgen. Sie würde ihn nur behindern und eine Frau ködert man(n) damit auch nicht, nicht mehr. Okay, nur gut gemeint. LG M.P.
Sehr eindringlich. Gut finde ich, dass hier mal nicht der Weg zur Verletzung geschildert wird, sondern die Gedanken und Gefühle danach. Ich mag Deinen Stil...
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Isabelle zog in das Ferienhaus von ihrer Freundin Danielle in der Normandie ein. Es war Frühling, aber immer noch wehte ein heftiger Wind über die Klippen. Das Haus lag direkt am Meer, und deshalb war hier der Wind besonders kalt zu spüren.
Ich werde in der Küche im Holzofen ein Feuer anmachen, das wird das Haus etwas aufwärmen, dachte Isabelle, und machte sich auf die Suche nach etwas Brennbarem.
Im Schopf nebenan fand sie hinten in einer Ecke stark verkrüppelte Holzstücke, versperrt durch eine ziemlich grosse und sperrige Kommode, Eisenstangen und sonstigem Gerümpel. Eifrig versuchte sie sich einen Weg zu bahnen um an die Holzstücke zu gelangen. Mit hochrotem Kopf zerrte sie an der Kommode und versuchte sie etwas auf die Seite zu schieben. Sie stand dabei auf einer Holzkiste um besser schieben zu können. Da plötzlich rutschte sie auf die Seite. Beim Versuch sich abzustützen, geriet sie mit der Hand in die Eisen, und brach sich dabei den Daumen. Der schmerzte höllisch.
Sie lief zum Nachbarhaus, sie kannte die Nachbarn noch nicht, sie war ja erst eingezogen, und bat um Hilfe. Die Nachbarn brachten sie ins nahe gelegene Spital, wo ihre Hand in eine Schiene gelegt wurde. Das hiess, sie konnte nicht mehr Schreiben, nicht mehr Auto fahren, und auch im täglichen Ablauf war sie sehr sehr eingeschränkt.
Sie fiel in eine tiefe Depression. Das darf doch alles nicht wahr sein. Ich bin in die Normandie gekommen, in dieses Haus, um meinen Traum, das schon lange geplante Buch, hier zu verwirklichen. Die Auszeit die ich mir dafür genommen habe, für die Katz. Sie haderte deshalb sehr mit ihrem Schicksal. Sie war bereit, sofort wieder abzureisen, ihren Traum vom eigenen Buch aufzugeben, um in ihre normale Welt zurückzukehren.
Warum sie es doch nicht tat? Das gehört in ein anderes Kapitel.
Das Ferienhaus von Danielle liegt in der Normandie, in der Nähe von Diepp, direkt am Meer auf hohen Felsenklippen. Im Frühjahr kann es immer noch heftige Winde geben, die vom Aermelkanal über den Norden von Frankreich wehen. Und sehr oft sind sie sehr kalt und unfreundliche. Die Landschaft dort ist wild und die Einwohner etwas "knorrig", aber wenn man sie näher kennt, absolut freundlich und zugänglich. Frankreich ist ein absolut sehenswertes Land und bietet, nicht nur an der Küste, grossartige Landschaften. Ein Schopf (schweizerdeutsch) ins ein (deutsch) Geräteschuppen.
Ich verbrachte mir meiner Familie unvergeßliche Urlaube (allerdings im Sommer) in der Bretagne. Unvergeßlich! Deshalb frage ich genau: 1. Wo genau liegt das Ferienhaus? 2. Welcher Wind wehte? 3. Eine blöde Frage: Was ist ein Schopf? Ich bin zuversichtlich, dass deine Geschichte ein gutes Ende findet-Daumen hin und her, in der Bretagne sich den Daumen zu brechen ist eine besondere Sache! L.G. Gerhild B.
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