80 Die Romanwerkstatt im Autorenhaus Verlag | Schreiben Sie mit! | Kapitel 21 mit Übungsaufgabe
(Foto: Christian Rohr)
„Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie es war, eine Schriftstellerin zu sein, die noch nichts veröffentlicht hat: Man beißt sich mehr schlecht als recht durch und kommt mit Leuten in Kontakt, die ausgesprochen abweisend sein können. Und obwohl ich nun Teil dieser Branche bin, die sich manchmal Neulingen gegenüber wie eine uneinnehmbare Festung präsentiert, stehe ich instinktiv eher auf der Seite derer, die versuchen, die Mauern zu erklimmen."

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Kapitel 21 mit Übungsaufgabe

21.05.2008© 2008 Autorenhaus Verlag GmbH, Berlin
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Leserbeiträge

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Eingetragen am: 25.05.2008 von Frederike Wente
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12171

Lisa saß in ihrem Twingo, in Gedanken bei ihrem neuen Job. Es hatte viele Vorteile, die Stelle gewechselt zu habe. Nicht nur, dass ihr Arne nicht mehr dauernd über den Weg lief, sie hatte es näher, und das Aufgabengebiet war interessant. Es tat ihr erstaunlich gut, wieder mit neuen Verhandlungspartnern zu tun zu haben.
Sie seufzt, als sie an die Kreuzung kam. Egal, wie weit sie es jetzt hatte, die Staus waren dieselben.
Vor ihr setzte sich die Schlange in Bewegung. Sie ließ die Kupplung kommen, musste dann aber sofort wieder auf die Bremse, weil der Golf vor ihr einen Fußgänger über die Straße ließ.
Sie hörte einen Knall und spürte im selben Moment von hintern einen harten Stoß. Der Wagen wurde nach vorn geschoben. Sie hatte kaum Zeit zu registrieren, wie der vordere Wagen näher kam und dann knallte es vor ihr und es wurde weiß.
Lisa bekam keine Luft.
Sie brauchte einen Moment um zu begreifen, dass es der Airbag war, der sich ausgelöst hatte.
Er sackte wieder in sich zusammen und sie atmete auf. Sie wollte den Gurt lösen und aussteigen. Als sie auf das Gurtschloss drückte, durchfuhr sie ein stechender Schmerz.
„Aua, verdammt.“
Sie sah sich ihre Hand an und bemerkte, dass ihr Daumen seltsam aussah.
Es tat schweine weh.
Sie fluchte mit zusammengebissenen Zähnen und benutzte die linke Hand um das Schloss zu lösen.
Ihre Wagentür wurde geöffnet und eine ältere Dame sah herein. „Ist alles in Ordnung?“
„Ich glaube ich habe mir den Daumen gebrochen.“ Sagte Lisa und stieg aus.
Aus dem Mercedes hinter ihrem kam ein Mann auf sie zu. Er war um die fünfzig und stämmig und fuhr sie sofort in einem harschen Ton an. „Sie können doch nicht einfach so bremsen. Hätte ich mir ja denken können. Frauen. Bremsen völlig unberechenbar.“
Die ältere Dame baute sich vor ihm auf und fuhr ihn an. „Die junge Frau ist verletzt. Rufen sie einen Krankenwagen. So jemand wie sie hat doch sicher ein schickes Handy.“
Jetzt kam der Passant hinzu, der über die Straße gegangen war. „Ich mache das schon. Die sollen die Polizei auch gleich schicken. Der Kerl war nämlich viel zu schnell mit seinem fetten Mercedes. Da kann man ja froh sein, das es keine Tote gegeben hat.“
Er hatte schon gewählt und sprach jetzt in sein Telefon. „Ich möchte einen Verkehrsunfall melden. Es gibt Verletzte. Schicken sie einen Krankenwagen. Direkt an der Kreuzung Wilhelm und Celler Straße.“
Währenddessen machte sich der Mercedesfahrer, der für Lisa jedes Klischee erfüllte, weiter Luft.
Die ältere Dame, die den Wagen vor Lisa gefahren hatte, dreht sich zu ihr und sagte freundlich. „Tut es sehr weh? Das Krankenhaus ist ja nicht weit, die sind schnell hier. Dieser Rüpel hat sie einfach auf mich drauf geschoben. Ich habe es im Rückspiegel gesehen.“
Lisa musste bei der Bezeichnung Rüpel lächeln. Sie hätte das Wort Arsch benutzt. „Es geht schon. Der Herr ist etwas aufgeregt, denke ich, weil sein schönes Auto Schaden erlitten hat und er auch noch Schuld ist. Das können die meisten Männer nicht so gut ertragen.“
Die Dame lachte und nickte. „Ich heiße übrigens Hilde Meier. Ich gebe ihnen schon mal meine Karte.“
Lisa nahm sie und sagte: „Danke. Warten sie. Ich habe meine im Wagen.“
„Lassen sie doch. Ich kann es mir auch aufschreiben.“
„Ich muss sowieso mein Handy holen und im Büro anrufen.“
Sie ging um die Fahrzeuge herum, zur Beifahrerseite wo ihre Handtasche lag und stellte fest, dass der Schaden nicht so schlimm aussah. Ihre Stoßstange sah ziemlich zerdätscht aus, weil sich die Anhängerkupplung des Golfs der Dame hineingebohrt hatte. Das hatte wohl auch den Airbag ausgelöst.
Mit der linken Hand öffnete sie die Tür und holte ihre Tasche heraus. Sie nahm ihr Handy und rief Richard an.
Manchmal hatte es doch Vorteile, wenn man den Chef privat kannte und seine Handynummer hatte.
Sie erzählte ihm was passiert war und er meinte nur, sie bräuchte heute nicht mehr kommen. Wenn sie Hilfe bräuchte, könne sie Susanne, seine Frau anrufen. „Wo ist es den passiert?“
„Celler an der Kreuzung zur Wilhelm.“
„Ja Klasse, dann weiß ich auch, warum hier nichts mehr geht. Gafferstau. Ich bin auf der Winsener.“
Lisa lachte als sie meinte. „ Solange stehen wir hier noch nicht. Aber ich wink dir dann, wenn ich mit dem Krankenwagen an dir vorbei komme.“
„Sehr witzig. Wenn du noch offene Vorgänge hast, ruf nachher bei Tobias an, der soll sie übernehmen.“
„Ne, da ist nichts. Ich habe Rodenmeier versprochen anzurufen, aber das kann ich nachher noch tun.“
„Gut. Melde dich, wenn etwas ist, ja?“
„Ja, danke Richard. Bis später.“
Lisa unterbrach die Verbindung, steckte das Handy weg und nahm zwei ihrer Visitenkarten aus der Tasche.
Als sie zu der Dame zurückging, hörte sie die Sirenen der Polizei und des Krankenwagens.
Sie atmete auf. Gott sein Dank. Die Hand tat ihr weh und sie wusste nicht, wie lang sie den Stress noch unter Kontrolle hatte. Der Schock machte sich bemerkbar. Es war ihr schon bei dem Gespräch mit Richard schwer gefallen unbekümmert zu klingen.
Der Mercedesfahrer auf der anderen Seite war auch keinen Hilfe. Er stritt jetzt mit dem Zeugen, während Frau Meier daneben stand.
Alle waren Schuld, natürlich, nur er nicht.
Lisa war froh, als sie wenig später im Krankenwagen saß und sie ins Krankenhaus gebracht wurde.
Die Polizisten hatte ihr erklärte, sie würden sich mit ihr in Verbindung setzen, wegen des Unfallhergangs. Einer der beiden spielte mit ihrem Vater Skat und hatte ihr angeboten, den Wagen zu der Werkstatt zu bringen, wo ihr Vater, und er offensichtlich auch, ihre Autos hinbrachten und ihre Mutter anzurufen, damit sie sie vom Krankenhaus abholte.
Das Leben in einer Kleinstadt hatte doch schon seine Vorteile, dachte Lisa.
Im Krankenhaus stellte Lisa fest, das es noch mehr Bekannte gab. Einer der Pfleger war mit Esthers neuem Freund befreundet. Sie hatte ihn am Wochenende kennen gelernt. Einer der netten unscheinbaren Typen. Er war ein bisschen der Arne-Typ. Er flößte ihr ebenfalls das Gefühl ein, das er sie anhimmelte.
Aber es konnte ja nicht jeder in sie verknallt sein, dachte Lisa.
Chris nahm sich ihrer sofort an und Lisa bekam den Verdacht, dass er sie an den Warteschlagen ein wenig vorbei mogelte. Es ging auf jeden Fall erstaunlich schnell, das sie zum Röntgen konnte. Und dass ihr die Hand eingegipst wurde auch.
Als ihre Mutter auftauchte, war sie schon fertig. Sie verabschiedete sich von Chris und ließ sich nach Hause fahren. Natürlich nicht, in ihre Wohnung, sondern zu ihren Eltern.


Kommentar von m.petersen

Hallo Frederike. Gefühl ist da in deinem Text, aber leider nur kurz. Das folgende Telefonat mit ihrem neuen Chef ist notwendig, klar, aber das könnte man auch kürzen, vielleicht nur erwähnen. Ich wäre viel lieber bei dem blöden Mercedesfahrer geblieben und der Diskussion mit dem Passanten und der Frau. Gut, wir wollen alle einen Roman schreiben, da ist natürlich auch Text notwendig. Aber manchmal ist weniger einfach mehr. Bitte nicht falsch verstehen, ist alles nur gut gemeint. m.petersen

Eingetragen am: 29.05.2008

Eingetragen am: 25.05.2008 von Velarani
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12168

Meinen einzigen Knochenbruch hatte ich mit einundzwanzig. Es war kein besonders großer Knochen und auch nicht gerade spektakulär, wie es passiert ist.
Wir waren damals für eine Woche in Italien, im Ferienhaus von Karins Lehrer-Eltern, wo Zypressen grauschwarze Schatten auf die Steine warfen. Zu fünft waren wir mit Pink-Floyd-Musik in zwei alten Autos runtergefahren, ich mit Peter, im anderen Auto seine Schwester und ein etwas abgedrehtes Pärchen, das ich nicht weiter kannte. Abends wurde immer viel getrunken und gekifft. Meine Bücher blieben im Rucksack, Toskana mal anders. Mit Peter ging es danach nicht mehr lang.
An dem Abend waren alle schon dicht. Irgendjemand kam auf die Idee, draußen Verstecken zu spielen. Rufe und betrunkenes Gelächter schwammen um die rauen Mauern. Torkelnde Gestalten auf den niedrigen Dächern, stolpernd und fluchend. Ich war die Nüchternste und machte nicht mit. Die Nacht war warm, es schien nur uns zu geben.
Als die Carabinieri kamen, merkte es erst keiner. Im Haus lag unser Stückchen Haschisch neben verschmierten Rotweingläsern offen auf dem Tisch. Keiner konnte genug Italienisch, um uns da rauszureden. Wir mussten alle ins Auto einsteigen, ich saß vorn. Dann kam die Angst. Ich hielt mir die zitternden Hände und redete in einer Mischung aus Schullatein und in den Italienurlauben mit der Familie gelernten Vokabeln auf die Polizisten ein. Ein kleiner, dicklicher Familienvater saß am Steuer, er schien mich zu verstehen. Auf der Polizeistation wurden die Jungs in eine Zelle gesperrt, die Mädchen in eine andere, ich blieb draußen. Mir traut man nie was Böses zu.
Die anderen zischten mir dumme Ratschläge zu, ich solle falsche Namen angeben. Am meisten Angst hatte ich davor, dass Peter durchdrehen würde. Der hatte so eine Art, für die Gerechtigkeit auf der Welt einzutreten, und ich dachte, wenn er die Bullen jetzt anpöbelt, kommen wir da nie wieder raus. Im Nachhinein glaube ich, die Italiener wollten uns nur einen Schrecken einjagen, und wir müssen schon wie eine Bande berauschter Vollidioten gewirkt haben. Aber damals hatte ich richtig Schiss. Als ob ich plötzlich auf die falsche Seite fallen könnte. Nicht mal gemerkt, dass meine Eltern doch recht haben, dass nichts egal ist, nicht wenn der Abgrund mich verschlucken kann.
Nach einer knappen Stunde haben sie uns zum Haus zurückgefahren und es halbherzig durchsucht. Einer von uns hatte mit dem Schlüssel rumgefummelt und den Stoff versteckt, während ich mich bei den Beamten bedankte.
Mein Auftritt als Opfer kam später. Da fiel mir dann der schwere Tontopf auf die Hand, aus dem Peter unser wertvolles piece wieder rausfischte. Alle hockten johlend drumrum, ich war müde und mit meinen Gedanken woanders, als der Topf im Gebalge umgeworfen wurde. Der Daumen tat schon weh, aber ich schrie alle nur an, sie sollten mich jetzt endgültig in Ruhe lassen und ging ins Bett, die verletzte Hand an die kühle Wand gepresst.
Am nächsten Morgen wachte ich vor den anderen auf. Die Terrasse lag noch im Schatten, funkelnde Tropfen auf jedem einzelnen gefiederten Blatt der Mittagsblumen, die dort wuchsen. Mein Daumen war dick, der Schmerz zog durch den linken Arm bis in die Brust. Peter riss Witze, seine mitleidige Schwester fuhr mich zum Arzt, und ich lernte, was Knochenbruch auf Italienisch heißt und wie einsam ich noch immer war.


Kommentar von Numungo

Hallo Velarani, mein erster Kommetar ist wohl verloren gegangen. Wahrscheinlich habe ich nicht auf "senden" geklickt. Deine Geschichte gefällt mir gut, sowohl der Inhalt als auch dein Stil. Lediglich den Satz "Mein Auftritt als Opfer kam später." würde ich ändern. Irgendwie passt er nicht so recht zum Rest des Textes. Gut finde ich auch die Erkenntnis, dass nicht alles "egal" sein darf. Die Einsamkeit hast du hoffentlich hinter dir. Viele Grüsse, Numungo (12052).

Eingetragen am: 28.05.2008

Kommentar von Angela Barotti

Ein starker Text mit viel Atmosphäre. Bin beeindruckt. Weshalb die Polizei das Haus nicht sofort durchsucht, kann ich mir nicht erklären, aber: Andere Länder, andere Polizeisitten.

Eingetragen am: 26.05.2008

Kommentar von Frog

Ich war sofort drin in diesem Italien-Freak-Abenteuer und ich mag Deinen leicht lakonischen Stil und die Emotionen zwischen Zeilen. Kein Wort zu viel, alles stimmt. Selbst wenn der gebrochene Daumen eine Nebenrolle spielt, die Gefühle und die Verletzlichkeit Deines Opfers lassen sich gut nachempfinden. Selbst erlebt? Dann habt ihr mordsmäßig Glück gehabt, dass keiner verknackt wurde. Ich habe 1979 mal eine Weile in Italien gelebt. In Sachen Drogen verstand die Polizei keinen Spaß. Der Schiss in der Story ist jedenfalls absolut berechtigt... Wie geht's weiter? Ich freu mich auf mehr.

Eingetragen am: 25.05.2008

Kommentar von Malea

Hallo Velarani! Ich gehe jetzt mal davon aus, dass deine Geschichte eine Episode aus Michaelas wilder Phase zu Anfang der Berlin-Zeit ist. Wie auch immer, der Text hat mir gefallen. Du schreibst dicht und mit knapper Sprache, die du aber immer wieder funkeln lässt (...Mittagsblumen). Du gibst deiner Heldin eine Prise Selbstironie und lässt uns auch mal in die Abgründe blicken (der letzte Satz!). Ganz mein Geschmack :-) Ich bin gespannt auf mehr. Liebe Grüße, Malea.

Eingetragen am: 25.05.2008

Eingetragen am: 25.05.2008 von linus barthelemew
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12164

Jill hatte sich umgezogen, die CD in den Recorder geschoben und sich erwartungsvoll auf der Matte postiert. Der Beginn eines wunderbaren neuen Körpergefühls. Jill wollte schon immer Yoga ausprobieren und nun endlich würde sie damit beginnen. Eine junge, sportliche Frau zeigte die einzelnen Übungen vor dem Hintergrund einer leicht diesigen Berglandschaft und erklärte in einem monotenen Sing-sang die einzelnen Übungen. Jill versuchte so gut es eben ging, dem Ablauf zu folgen und kämpfte sich durch groteske Positionen und schmerzhafte Dehnungen. Nun sollte sie auf den Knien sitzen, tief durchatmen, sich aufrichten und den Oberkörper nach hinten dehnen und mit den Händen die Fußsohlen halten. Jill angelte mit den Fingerspritzen nach ihren Fersen und bekam sie zu fassen. Lange würde sie diese Position nicht durchhalten, dachte sie, als sie merkte, wie sie das Gleichgewicht verlor, abrutschte und nach hinten überkippte. Es gab einen beißenden Stich in ihrer Hand, die nun irgendwie merwürdig verdreht unter ihrem Po lag. Sie drehte sich vorsichtig zu Seite und sofort fuhr wieder dieser stechende Schmerz durch ihre Hand, der Daumen tat höllisch weh und Jill betrachtete ihn ungläubig. Sie biß sich auf die Lippen und humpelte zum Eisschrank, obwohl ja eigentlich nur der Daumen weh tat. Sie holte ein Coolpack heraus und merkte, daß der Daumen bereits dick wurde. Offensichtlich war er gebrochen. Das war nun nicht das neue Körpergefühl, dass sie sich eigentlich vorgestellt hatte. Jill grinste schief.


Kommentar von Jenni

Die Yoga-Szene fand ich super. Und ich konnte mich auch absolut in den Moment reinversetzen, in dem es schiefgeht. (Ich habe einmal in meinem Leben versucht, einen "Sonnengruß" zu machen, danach tat mir vier Wochen lang mein offensichtich gezerrter Oberschenkelmuskel weh. Soviel zu "unrealistisch".) Allerdings konnte ich Jill den Schmerz nicht so richtig abnehmen. Vielleicht wegen ihrem Grinsen? Das könnte aber auch genau das sein, was eben ihren Charakter ausmacht. lg Jenni

Eingetragen am: 04.06.2008

Kommentar von Frog

Ich finde die Idee, sich beim Yoga-Versuch den Daumen zu brechen, ziemlich abseitig – und unrealistisch. Ich würde den CD-Hersteller verklagen...

Eingetragen am: 30.05.2008

Kommentar von m.petersen

Ich wußte es, Sport ist gefährlich Und Yoga ist da ganz weit vorne. ;O) Ein realistischer Text, ich habe es geglaubt und gerne gelesen.

Eingetragen am: 29.05.2008

Eingetragen am: 25.05.2008 von Wladimir
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12167

Ich weiß, der Weg zum Unfall ist zu lang, vielleicht sogar etwas langatmig. Aber 1. ist das ja eine Schreibübung und 2. würde man den Protagonisten ohne die Vorgeschichte für total
bescheuert halten.

Ein Fremder in der Wohnung
Ein Freund hat mir die Wohnung für ein paar Tage überlassen. Sie liegt im Erdgeschoss in einer sehr belebten Hauptstaße in der Nähe des Rotlichtviertels. Diese Nacht ist mild. Viel zu warm für Hannover. Ich öffne das Fenster. Laue Luft und laute Stimmen strömen von draußen ins Zimmer. Auf der anderen Straßenseite knutscht ein Liebespaar. Ich muss an Tina denken. Seitdem dem wir uns getrennt haben, ist in meinem Bett viel zu viel Platz.
Wie gut, dass ich an diesem komplizierten Fall arbeite! Er lenkt mich ab. Eine Woche habe ich mir für die Recherche in Hannover gegeben, das müsste reichen. Den ganzen Tag bin ich heute herum gelaufen, habe Nachbarn, Freunde, Arbeitskollegen des Verdächtigen befragt. Es gab keine Probleme, wie immer, wenn ich mich als Reporter ausgebe. Niemand hat nach einem Ausweis gefragt. Und meine Ahnungen haben sich bestätigt. Leider! Ich habe es mit einem Serienmörder zu tun. Verdammt! Das ist eine Nummer zu groß für mich. Doch aufgeben kommt nicht in Frage. Aber die Polizei werde ich informieren. Sicher ist sicher. Morgen rufe ich diesen Kommissar Klee an, den ich vom Schachclub kenne. Jetzt erst einmal duschen und ab ins Bett, morgen sehen wir weiter.
Das Handy fiebt. Wer ruft so spät noch an?
Das Mobiltelefon zeigt die Nummer meines Vaters
„Den ganzen Tag versuche ich schon, dich anzurufen. Warst du im Freibad?”
„Papa, das Handy war immer angeschaltet. Und ich habe gearbeitet!”
„ So, so, arbeiten nennst du deine blöde Schnüffelei. Wenn du Lehrer geblieben wärst, hättest du jetzt Ferien, ich verstehe dich nicht, wie kannst du alles so wegwerfen?”
Ich atme tief durch. „Papa, darüber diskutiere ich nicht.”
„Tina sieht es genauso wie ich..”
„Du hast Kontakt zu Tina?”
„Was glaubst du denn? Schließlich ist sie ist die Mutter meiner Enkelkinder. Hast du vergessen, dass du zwei Kinder hast?”
„Papa, bitte..!”
„Und sie war an meinem Geburtstag bei mir. In Gegensatz zu dir, aber mein Herr Sohn muss ja ermitteln”
“Ich habe dir eine Karte geschickt.”
„Eine Karte, na wunderbar! Mehr bin ich dir also nicht wert. Nach all dem, was ich für dich getan habe..”
„Papa, rufst du mich mitten in der Nacht nur an, um mir Vorwürfe zu machen.?”
„ Nein”, sagt mein Vater, „da ist noch etwas. Mutti wollte, dass ich dich anrufe.”
Seine Stimme wird ganz leise. „Eine schlechte Nachricht. Deine Mutter ist ins Krankenhaus gekommen. Morgen wird sie operiert... Brustkrebs.”
„Ich werde sie übermorgen besuchen.”
„ Dann ist ja alles geklärt”, sagt mein Vater und legt auf.
Er legt einfach auf.
Jedes Mal, wenn mein Vater anruft, bin ich danach schwer erregt. Immer nur Vorwürfe, Vorwürfe, Vorwürfe. Und dass Mutter Krebs hat, erzählt er mir so nebenbei. Na ja, vielleicht wird ja auch nur eine harmloser Knoten entfernt.
Um mich zu beruhigen, gehe ich duschen.
Nach dem Duschen hole ich eisgekühlte Bierflaschen aus dem Kühlschrank und lege mich nackt ins Bett. Tina hasst es, wenn ich Bier im Bett trinke. Tina, Tina, Tina! Ich will nicht mehr an Tina denken! Ich liebe sie immer noch, doch ich weiß, dass es aus ist mit uns. Aus und vorbei.
Die Lösung: Sich bis zur Erschöpfung in die Arbeit stürzen, lesen, Tina vergessen!!
Ich gehe zum Schreibtisch, nehme den Packen Fachliteratur, setzte mich auf die Bettkante und studiere noch einmal die Bücher über Serienmörder, lese Studien über den Würger vom Rillington Place, über Paul Orgazov, den S-Bahn-Vergewaltiger, blättere in einer Dokumentation über Istvan Molnar, der in Zeitungsinseraten alleinstehende warmherzige Frauen gesucht hat. Natürlich um sie brutal zu ermorden. Das alles ist widerlich. Am schlimmsten ist der Fall eines Mannes, der die Opfer in ihren Erdgeschoss-Wohnungen überfallen hat. Dort hat er sie dann gequält, missbraucht und zugesehen, wie sie qualvoll starben. Ich weiß nicht mehr genau, war es der Sadist von Düsseldorf oder das Monster von Florenz? Egal, es waren immer Durchschnittsmänner. Auf den ersten Blick. Unauffällig, ordentlich gekleidet und freundlich. Nette Nachbarn von nebenan. Auch mein Verdächtigter passt in dieses Schema...
Während ich über die Fälle nachdenke überfällt mich die Müdigkeit, ich schaffe es gerade noch, das Licht zu löschen, dann schlafe ich ein.
Natürlich schlafe ich schlecht. Wilde Träume! Ich träume von Krankenhauskorridoren, Massenmördern und von Tina in einem Krankenschwesternkostüm. „Ein Krebsgeschwür”, sagt sie, „Du musst den Fall lösen”
Schweißgebadet wache ich auf. Die Biere haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Ich muss zu Toilette. Die Wohnung ist in einem gelblichen Halbdunkel, ich hatte die Vorhänge nicht zugezogen. Schlaftrunken gehe ich zum Flur.
Halt! Da ist doch jemand. Im Flur bewegt sich etwas. Schattenhaft. Ich meine die Konturen eines Mannes wahrzunehmen. Plötzlich bin ich hellwach. Ein fremder Mann in meiner Wohnung. Was tun? Mein Blut pocht in meinem Hals. Die Gedanken rasen. Ich muss kämpfen. Und ich kann kämpfen. Schließlich habe ich als Student jahrelang Kung Fu geübt. Du bist gut, hat mein Meister damals gesagt, jeden kannst du besiegen. Es sei denn, er ist ein Kung Fu Meister.
Ich mache einen Schritt nach vorn, nackt wie ich bin. Da steht er, direkt vor mir. Jetzt geht alles ganz schnell. Schon bin ich in der Angriffsposition, die Finger steif nach vorne gekrallt. Ich muss nicht mehr denken, alles geht wie ferngesteuert. Ich nehme wahr, dass auch mein Gegner in perfekter Kung Fu Haltung vor mir steht. Schnell muss ich sein, schnell, schnell, schnell. Meine rechte Hand zielt auf seinen Solar Plexus. Saust hart und blitzartig auf den Gegner. Aber ich sehe noch etwas. Nein, denke ich, zurückweichen. Zu spät! Ein Knall. Dann der Schmerz, der sich wellenförmig von meinem Daumen bis zum Oberarm ausbreitet. Das war`s.
Als der Stress endlich von mir abfällt, muss ich lachen. Ich lache laut, brülle vor Lachen. Das Pochen in meinem Daumen stört mich nicht. Ein gebrochener Daumen ist besser als ein verlorener Kampf, denke ich. Ein Nachbar klopft an die Wand. “Ruhe!” höre ich. Ich schalte das Licht ein. Vor mir steht ein nackter Mann. Im Spiegel. Ich habe gegen mein Spiegelbild gekämpft. Im letzten Moment hatte ich bemerkt, dass mein Gegner genauso nackt war wie ich. Ich wollte abbremsen und habe dabei den Daumen falsch abgewinkelt. Immerhin, die Kampftechnik beherrsche ich noch fast perfekt. Schade nur, dass ich keinem von diesem Erlebnis erzählen kann.


Kommentar von Wladimir

Hallo Leute, danke für die hilfreichen Kommentare.Ja, es stimmt. Der Text hat einige Schwächen. Ich wollte ( mir selbst) zeigen, wie verkracht mein Protagonist mit seinem Vater ist. Der Alte hält den Sohn für einen Versager, die Mutter erkrankt schwer an Krebs, was der Vater ziemlich mitleidlos mitteilt. Und dann ist auch noch die Ex- im Spiel, von der sich der Held immer noch nicht gelöst hat. Stattdessen stürzt er sich in einen Fall, der ihn fast überfordert.Es ist übrigens die erste Nacht in der Wohnung Ja, als Kurzgeschichte könnte man so eine Geschichte nicht einsenden. Aber eure Kritik hat mir gezeigt,wo ich ansetzen muss.Vielleicht wird doch noch ein brauchbarer Text daraus. Für mich war der Text in erster Linie eine Schreibübung. Ich wollte den Helden besser kennen lernen. Und es hat -auf wundersame Weise - geklappt. Selbst wenn der ganze Lehrgang bis jetzt nichts gebracht hätte ( was nicht der Fall ist), dann hätte er sich für mich allein wegen dieser einen Übung gelohnt.Denn ich habe etwas Wichtiges erfahren. Ich weiß jetzt, dass mein Held kämpfen kann, wenn es darauf ankommt. Ursprünglich hatte ich ihn als Pazifist ohne Kampferfahrung angelegt. Ich überlege mir noch einige Tage, ob ich ganz aus diesem Projekt aussteige und mich nur noch dem Roman zuwende. Auf jeden Fallk danke ich Euch schon einmal für die wirklich große Hilfe und wünsche Euch viel Erfolg! Wladimir

Eingetragen am: 31.05.2008

Kommentar von m.petersen

Das kann ein richtig gutes Buch werden. Du bedienst viele Facetten und das auch sehr glaubwürdig. Guter Stil, starke Worte und super Handlung.

Eingetragen am: 29.05.2008

Kommentar von Angela Barotti

Mir war der Text kein Stück zu lang. Bei interessanten Storys könnte ich stundenlang weiterlesen. Über deinen Helden hätte ich dieses Mal gern noch mehr erfahren. Bei deiner Logline war ich noch skeptisch, da es mich zu sehr an deinen Geburtstags-Sarg-Detektiv erinnert hat. / Allerdings hat mich ebenfalls der Vater/Sohn-Dialog gestört. Ein Vater, der sich darüber aufregt, dass er nur eine Karte zum Geburtstag erhält, hört sich für mich mehr nach Mutter als nach Vater an. Und wenn er schon so emotional auf einen nicht erfolgten Besuch reagiert, dann handelt er den Brustkrebs seiner Frau auf keinen Fall in dieser Kurzform ab.

Eingetragen am: 26.05.2008

Kommentar von Karin

Herrlich! Sehr originell und witzig. Karin

Eingetragen am: 26.05.2008

Kommentar von Frog

Gute Story, werde langsam warm mit Deinem Helden. Muss ja auch ein Albtraum sein, in Hannover zu recherchieren... Die lapidare Reaktion auf die Brustkrebsmeldung wirkt erstmal seltsam. Aber das hat sicher einen Grund. Ich bin gespannt...

Eingetragen am: 25.05.2008

Kommentar von Malea

Lieber Wladimir! Herrlich, die Auflösung der spannenden Szene. Eine der absolut starken Stellen in deinem insgesamt gelungenen Text. Mir gefällt auch der Teil mit den Rechercheergebnissen, das hast du glaubwürdig dargestellt. Ein paar Kritikpunkte fallen mir aber auf: "fiept" und nicht "fiebt". Es ist doch nicht "seine" Wohnung, oder ist er so besoffen/verwirrt, dass er es vergessen hat? Das Telefonat mit dem Vater hat mir nicht so gefallen, ich habe es als etwas hölzern empfunden (Dialoge sind einfach sauschwer...), ja ich weiß, es soll ja auch klemmen zwischen den beiden Männern, aber ich glaube, das kannst du besser. Bin sehr gespannt auf mehr von deinem Helden. Liebe Grüße, Malea.

Eingetragen am: 25.05.2008

Eingetragen am: 24.05.2008 von Ekirluh
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Es ist Samstagmittag. Ich habe Hunger. Was könnte ich heute kochen? Ich blicke in meinen Kühlschrank. Ein halbvolles Glas Apfelmus steht neben einer Tüte Milch. Hmh, dann mach ich mir einen Pfannekuchen. Pech gehabt, es gibt kein Ei mehr. Ich könnte die kleine Dose Erbsen und Möhren öffnen und dazu Kartoffeln mit Champignonsoße kochen. So ein Mist! Die Plastikschale unter der Spüle ist leer. Also, gibt es wieder Ravioli. Warum auch nicht. Es ist alles drin in der Dose, um satt zu werden. Neulich behauptete doch Franz, der Buchbinder, dass in Ravioli Eselsfleisch verarbeitet würde. Ich habe ihn wütend angefunkelt und ihn einen Lügner genannt. Er grinste frech und freute sich über meine heftige Reaktion.
Ich muss mich beeilen, in zwei Stunden schließen die Geschäfte und meine Einkaufsliste ist lang.
Wo ist denn der Dosenöffner? In der Besteckschublade liegt alles durcheinander. Da ist er ja. Einfach, aber handlich. Ich habe ihn aus Mamas Haushalt abgezweigt. Und wo ist der Fleischklopfer? Ach, ich kann das so. Wie hat mein Bruder mir das gezeigt: die Dose festhalten, den Öffner mit der Spitze andrücken und mehrmals energisch mit der Handfläche draufhauen.
Einmal, zweimal und aaaaaaaaaaauuuuh!!!! Ein teuflischer Schmerz durchzieht meinen rechten Daumen. Es pocht und puckert wie verrückt. Mir wird schwarz vor Augen. Ich halte mich am Tisch fest und setze mich langsam auf den Stuhl. Laura, tief einatmen, bleib ruhig! Blitzartig fällt mir ein, ich muss kaltes Wasser drüber laufen lassen, besser ein paar Eiswürfel drauflegen, aber ich habe keine. Was soll ich bloß machen? Tränen steigen in meine Augen. Ich fasse es nicht. Ich bin vor einem halben Jahr von zu Hause ausgezogen, damit ich endlich selbständig werde und jetzt dies! Ich muss Mama anrufen? Nein! Die würde nur sagen, armes Mädchen, jetzt bist du allein in der Fremde und ich kann dir nicht helfen! Vorbeikommen kann sie sowieso nicht. Vater ist krank, der darf sich nicht aufregen. So eine Sch....! Ich wickle ein nasses Geschirrtuch um den mittlerweile stark angeschwollen Daumen. Er schmerzt immer heftiger. Wenn er nun gebrochen ist? Ich darf gar nicht daran denken, ausgerechnet die rechte Hand.
Jetzt klingelt es auch noch. Wer kann das denn sein? Durch den Spion sehe ich meine Freundin Ute und reiße die Tür auf.
"Dich schickt der Himmel!"
„Hallo, Laura, habe Prospekte von Südfrank...,“ will sie gerade sagen, sieht verdutzt in Lauras bleiches Gesicht, dann auf die weißrot gestreifte Geschirrtuchhand. „Was hast du denn gemacht?“
„Ich glaub, ich hab mir eben beim Dosenöffnen den Daumen angebrochen. Es tut höllisch weh. Hier, willst du mal sehen?“
„Lass bitte das Tuch drum! Ich kann kein Blut sehen und alles was damit zusammenhängt. Hole schnell deine Tasche, wir fahren zum Krankenhaus.“


Kommentar von Numungo

12183 Mal eine andere Art nund Weise, sich den Daumen zu brechen. Ich hätte jetzt eher damit gerechnet, dass Laura sich die Hand am scharfen Blech der Dose verletzt. Dass sie das Handtuch nicht entfernen darf, hat mich etwas gewundert. Es floss ja gar kein Blut. Viele Grüsse, Numungo (12052).

Eingetragen am: 24.05.2008

Eingetragen am: 24.05.2008 von haribo
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12137

Der gebrochene Daumen

Der oberste Karton mit Büchern kam ins rutschen. Im Reflex hielt Luise die Hände hoch, um sie aufzufangen. Aber die Bücher waren einfach zu schwer. Beim Zufassen merkte Luise, dass sie keine Chance hatte. Der Karton fiel ihr direkt auf die linke Hand und kippte über den Daumen zu Boden. Luise verspürte einen bösen Schmerz und schrie: “Auaaaaa.“ Sie setzte sich auf den Stuhl und gab dem Bücherkarton einen festen Tritt. „Du blöder Karton“, jammerte sie und die Tränen rannen ihr übers Gesicht.
In diesem Moment ging die Tür auf und Sylvia stand im Lager.
„Was ist denn hier los, warum ist hier so ein Krach?“
„Mir ist da eine Kiste mit Büchern von dem Stapel runter gefallen und direkt auf meine Hand. Aua...aua...aua...guck mal, mein Daumen der tut höllisch weh und wird ganz dick.“
„Ach meine Kleene, was machste denn für Sachen. Zeig mir mal deine Hand“, forderte Sylvia Luise mitfühlend auf.
„Da kann man zusehen, wie der dicker wird und blau ist er auch schon. Wenn der mal nicht gebrochen ist.“
„Aua, das tut so weh!“
„Anne, komm mal bitte nach hinten ins Lager!“ rief Sylvia durch die offen stehende Tür hinaus in den Verkaufsraum ihrer Azubine zu. „Du musst hier mal alleine die Stellung halten, ich muss mit Frau Schatz ins Krankenhaus fahren.“
„Menno, Sylvie, das das ausgerechnet mir passieren muss. Hoffentlich ist meine Daumen nicht gebrochen. Hast du mal ein Taschentuch?“
„Na, klar, guck mal ins Handschuhfach.“

„Hallo Schwester. Guten Tag!“
„Guten Tag! Was kann ich für Sie tun?“
„Ich bin Frau Pyrlik und das hier ist Frau Schatz“, sagte sie und schob Luise nach vorn an den Tresen der Anmeldung in der Notaufnahme. „Sie hat sich beim Bücher auspacken mit einem Karton angelegt und den Kürzeren gezogen.“
„Setzen Sie sich bitte einen Moment dort hin“, und zeigte auf die Stuhlreihe, die in den angrenzendem Gang standen. „Ich rufe Sie dann auf, sobald ein Rönthgenraum frei ist.“

„Komm, Luise, setzen wir uns.“
„Hoffentlich dauert es nicht so lange. Guck mal, da sitzen schon Drei. Aber vielleicht müssen die ja nicht alle gerönthgt werden.“
„Zeig mal deinen Daumen!“
„Der tut höllisch weh, puckert wie wild. Ich könnte heulen.“
“Ach du Arme“, tröstete Sylvia Luise.
„Sylvie, wenn du wieder los musst, Anne ist ganz alleine im Laden, ich kann auch allein warten.“
„Kommt gar nicht in die Tüte. Ich warte!“
„Frau Schatz bitte in Kabine 3. Legen Sie ihre Uhr ab, ich hole Sie gleich.“, rief die Schwester und verschwand wieder.
„Meine Kleene, ich drücke dir die Daumen, dass es nicht so schlimm ist, wie es aussieht.“

„Hey, Sylvia, ich bin fertig. Jetzt muss ich auf den Arzt warten. Der sagt mir, was mit meinem Daumen ist.“
„Luise, ich warte noch ein paar Minuten, vielleicht dauert es ja nicht lange.“
Da ging die Tür vom Behandlungszimmer auf und eine Frauenstimme rief: „Frau Schatz bitte!“
„Ich komme mit rein, Luise.“
„Tja, Frau Schatz. Ihr Daumen ist angebrochen. Wir können zwar auf eine Operation verzichten, aber er muss ruhig gestellt werden. Ich werde Ihnen einen Gips anlegen müssen.“
„Wie lange wird das dauern?“, wollte Luise wissen.
„Etwa eine halbe Stunde. Wenn Ihre Freundin warten möchte, würde ich sie bitten, draußen im Warteraum Platz zu nehmen.“
„Sylvie, willst du lieber los?“
„Nee, ich warte nun die halbe Stunde auch noch. Ich gehe mal vor die Tür und rufe Anne an, ob alles in Ordnung ist. Wenn ich zurück muss, sage ich dir Bescheid, ansonsten bin ich dann da, wenn du fertig bist.“
„Ja, ist gut. Ich werde ja sehen, ob du da bist, Sylvie.“
„Gut, Luise, halte die Ohren steif!“

„So, Frau Schatz, fertig, Sie dürfen gehen.“
„Danke, Herr Doktor!“
„Lassen Sie sich von der Schwester an der Anmeldung noch einen Termin geben.“
„Ja, mach ich. Auf Wiedersehen!“


Kommentar von Haribo

Hallo Frog, danke für deinen Kommentar. Ich habe meine Geschichte überarbeitet und noch mal rein gestellt. Wenn du magst, kannst du gern noch mal schauen. LG Haribo :-)

Eingetragen am: 28.05.2008

Kommentar von Frog

Hallo Haribo! Sehr viel Dialog zwischen Luise und Sylvie, der für mein Gefühl wenig aussagt über die Beziehung zwischen den beiden Frauen. Das wirkt gegen Ende langweilig. Vorschlag: Könntest Du nicht die wörtliche Rede im letzten Absatz rausnehmen und den Unfall (der Luise ja wohl bei ihrer neuen Tätigkeit passiert) so erzählen, dass der Leser einen Eindruck von ihren Gefühlen bekommt? Ich glaube, dann käme mehr Spannung in die (Bücher)Kiste...:-) LG

Eingetragen am: 27.05.2008

Eingetragen am: 24.05.2008 von Ginko Korn
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12127

In rascher Folge tickerten die Statistiken herein. Seit der DSL-Empfang ausgebaut worden war, konnte Jasper Husen seine Hirnrinde endlich angemessener beschäftigen.
In Perth war schon später Nachmittag, weshalb die Zahlen unkommentiert den Bildschirm füllten. Die Aussies vom Curtin schliefen gern erst einmal über den Ergebnissen, bevor sie ihren Senf dazu gaben, dann aber vom Feinsten. Auch ohne Kommentare erkannte Jasper schon, dass die Konzentrationen der Mikrosporen in den Jenolan Caves signifikant höher waren als in den benachbarten Perm-Strukturen. Da mischte sich mit leisem Geklingel sein hyperaktiver Transversallappen in die Informationen ein. Doch abweichend vom üblichen Schrill-Tinnitus musste Jasper diesmal ein rhythmisches Rauschen aussondern, ein Säuseln eher, fast wie Flüstern. Richtig! Es waren Einflüsterungen. Er hasste sein unfreiwilliges Lauschen in die Befindlichkeiten von Mitmenschen. Doch da war jemand in Not. Jasper legte die Ohrenschützer dicht an und schloss die Augen. Zum Säuseln gesellten sich Bilder einer Höhle, keine aus den Jenolans, dazu war sie zu regelmäßig. Eher eine Röhre mit Wasser. Dem Menschen, der darin steckte, ging es nicht gut. Die Impulse mussten aus der Nähe kommen. Konnte es die Kanalisation hier unter dem Institut sein? Aber im Keller schwächten sich die Eindrücke ab. Jasper bestieg die Anhöhe zum Sockel des Sendemastes. Von hier waren die Versuchsfelder bis zu den Geländegrenzen überschaubar. Trippelnd drehte sich der Biologe auf der Stelle bis er die Richtung der Botschaft sicher wusste. Die Angstäußerungen entsprangen den Zisternen in der Nordsenke, aber dort war niemand zu sehen. Wen sollte er um Hilfe rufen? In den Labors war niemand am heutigen Feiertag und mit seinem PDA würde er nur beim automatischen Anrufsammler landen. Meinert, der mit ihm die Titrationen vorantreiben wollte, steckte noch in einem Stau des Ausflugsverkehrs.
Zum Stellplatz der Caddies oben bei der Zentrale war es mindestens ebenso weit wie zu den Reservoirs. Also humpelte Jasper hinunter, ungeachtet seiner Gelenkschmerzen, während sein Kopf behauptete, er würde sich einer Meeresbrandung nähern. Die Edelstahlklappen der neuen Tanks waren alle geschlossen, aber bei den alten Schächten ragte eine Bohle schief in die Luft. Bäuchlings spähte der Wissenschaftler durch den Spalt in die Tiefe. Eine Gestalt hing quer über dem Schöpfkessel, der mit Schlagseite auf dem Wasserspiegel dümpelte. „Hallo!“ Stöhnen. „Können Sie sprechen?“ Wimmern. War hier ein spielendes Kind hineingeraten? Manchmal drangen nämlich Grüppchen aus der Siedlung in das Gelände ein um etwas Obst zu stehlen.
Husen erklärte seinen Standort ins Handheld und betätigte den Mayday-Ruf. Dann folgte er seinen Eingebungen. Aus dem nahen Schrotthaufen zog er ein langes Drahtstück, bog ein Ende zum Haken und angelte nach der Kesselkette, die neben dem Gestürzten über den Trogrand ins Wasser hing. Beim Heraufholen durfte das erfasste Glied nicht wieder abrutschen, sonst würde die ganze Aufhängung zurückschlagen auf den Verunglückten. Jasper konnte nur mit einer Hand ziehen, weil er sich mit der anderen am Schachtrand abstützen musste. Er verfügte nur über schwache Muskeln und eingeschränkte Feinmotorik. Die Kette hatte er nicht am ersten Glied aufgefischt, sondern weiter unten, so dass das freie Ende vom Drahthaken herab hing und nicht bis zur Oberfläche herauf reichte. Mit einem zweiten Draht hätte er das Missgeschick korrigieren können, doch er durfte nicht mehr loslassen um Nachschub zu holen, denn der schräg schwimmende Trog
begann langsam voll zu laufen. „Hallo! Aufwachen! Festhalten!“
Das Opfer rührte sich nicht.
Wenn die Kette unter Spannung blieb, konnte das Gebilde nicht sinken, aber Ziehen war unmöglich. Außerdem könnte sich die Drahtschlaufe wieder aufbiegen. Jetzt begann auch noch die aufragende Bohle zurück zu kippen. Entsetzt sah Jasper das schwere Holz herab sausen. Es würde seine haltende Hand treffen, wenn er nicht sofort den Draht frei gab.


Kommentar von Metta Maiwald

Hm, hier erfahren wir also schon ein wenig mehr über Deinen Protagonisten, aber einige (schein-?)technische Formulierungen werfen Fragezeichen auf. Würdest Du mir noch einen Gefallen tun? Du hast unter meinem Text 12511 so einen hilfreichen Kommentar hinterlassen, dass ich Dich um einen weiteren Tipp bitten möchte (steht in meinem dortigen Kommentar). Machst Du das? Danke!!!

Eingetragen am: 04.06.2008

Kommentar von Carola Ottenburg

Hallo Ginko, die Höhle menschlichen Ursprungs fordert zwei Opfer. Da stellt sich die Frage welche Gefahren in der anderen, älteren lauern mögen. Wird hier der Überlebenskampf eskalieren? Höhlen können tückisch sein. Mikrosporen auch. Der Leser darf also gespannt sein. Was mich irritierte, war das die Hilferufe von Jaspers Hirn nicht als Schrillen, sondern als Flüstern registriert wurden. Ich kenne mich mit neuronalen Prozessen im Hirn nicht aus, aber dramaturgisch hätte ich es andersrum beschrieben. Viele Grüße Carola

Eingetragen am: 01.06.2008

Kommentar von M.P.

Spannend und eine sehr umfangreiche Sprache, die manchmal etwas überdreht wirkt. Das Thema ist ja nicht ganz getroffen, nicht ganz. Ich gehe mal davon aus, dass er nicht los läßt und lieber den Daumen einbüßt, als die verunglückte Person zu verlieren. Eins ist mir aufgefallen. Du hast eine enorme Wortgewalt, und dann das: "Von hier waren die Versuchsfelder bis zu den Geländegrenzen überschaubar." Es gibt nur sehr wenige Formen, die die Endung >bar< beinhalten. Salatbar, gerne auch die Cocktailbar oder sonderbar stehen auch im Duden. Die >bar-Wörter< sind ein Übel der Neuzeit, ich finde sie zum k....., naja. Entschuldige bitte, aber ein bißchen meckern muß ich auch mal, nur gut gemeint. LG M.P.

Eingetragen am: 29.05.2008

Kommentar von Bridget Olliver

Hallo Ginko-Korn, seit ich Deinen Text las, hat sich über unserem Dach ein großes Fragezeichen formiert. Kommuniziert Jasper über seine Hirnrinde mit dem Computer? Mein Transversallappen spricht nicht mit mir. Ich fürchte sogar, ich habe gar keinen. Leider hat auch das googeln keine nennenswerten Früchte getragen. Ausser das Perm eine russische Stadt ist, die mir empfohlen wird zu besuchen und Perm-Strukturen irgendetwas mit Schach zu tun haben. Bei dem Begriff PDA denke ich als Mutter leider ausschließlich an Peridualanästhesie. Wahrscheinlich bin ich betriebsblind. Die Passagen, die mir zugänglich waren haben mir sehr gut gefallen. Ein bißchen musste ich an Mad-Max mit Tina Turner denken. Nur eben jetzt mit Jasper Husen. Aber ich bin sicher, Jasper wird sich den Daumen brechen, schon allein wegen der eingeschränkten Feinmotorik und der spärlichen Muskelkraft. Deine Kommentare finde ich oft witzig und treffend. Das wollte ich jetzt aber auch gesagt haben! viele Grüße Bridget

Eingetragen am: 27.05.2008

Kommentar von Frog

Einwandfreier lässiger Text, meine erste Assoziation war "Der Schwarm". Ich bin sicher, darauf fahren viele Leser ab. Ich persönlich müsste ständig googeln, um mich zu orientieren. Bin nicht so der naturwissenschaftliche Typ, was aber nicht Dein Problem sein soll. Auf alle Fälle sticht der Text heraus...

Eingetragen am: 26.05.2008

Kommentar von Angela Barotti

Jasper wird tapfer die Kette halten, denn laut vorgegebener Aufgabe muss der Daumen brechen. Elly wird es ihm danken und ihm als Partnerin zukünftig zur Seite stehen. Fraglich, ob diese auf Dankbarkeit beruhende Beziehung Bestand haben wird. Noch zu klären sind die intelligenten Erscheinungen, tippe auf die Mikrosporen./ Das Ganze hätte ich lieber als Film gesehen, denn im Text vermisse ich einige Beschreibungen. Wenn Jasper auf dem Sendemasthügel steht und über die Versuchsfelder bis an die Gründstücksgrenze blickt, bleibt der Leser außen vor, denn ihm wird dieser Anblick vorenthalten. Was sieht Jasper? Erst später werden einige Details nachgeliefert: Obst(bäume), Zisternendeckel, Schrotthaufen. Diese Info muss früher erfolgen, denn der Leser sollte die Story mit den Augen von Jasper erleben. Wie läuft er zu den Zisternen? Gibt es Wege? Muss er durch ein Versuchsfeld laufen? Wenn er später die Rettungsaktion unternimmt und auf den verbleibenden Bohlen liegt – sind diese angefault? Drücken sich Splitter in seinen Körper? Wenn er den Kopf in den Spalt steckt – wie klingt seine Stimme – hohl und Echo erzeugend? Wie riecht es? Modrig oder überraschend frisch?/Das sollen nur Anregungen sein. Dir fällt sicherlich noch mehr ein, damit Leser und Autor das gleiche Bild vor Augen haben.

Eingetragen am: 25.05.2008

Kommentar von Malea

Die Geschichte ist spannend, der arme Kerl (ein wahrer Held!?) wird sich den Daumen brechen und seine Mitheldin retten, stimmts? Aber, leider muss ich gestehen, dass ich etwas enttäuscht bin. Deine bisherigen Texte und die oft bis ins Mark treffenden Kommentare hatten meinen Erwartungshorizont doch sehr groß werden lassen. Irgendwie finde ich deine Sprache noch nicht rund, ich bleibe manchmal im Text hängen, ich würde gerne mehr Schmunzeln und Schaudern von dir verpasst bekommen. Vielleicht geht es ja nur mir so, mal sehen, was die anderen sagen. Ich bin auf jeden Fall gespannt auf mehr. Ach übrigens, warum sollten auch in einer Höhle weniger Mikrosporen sein als in einer Felsschicht, oder ist das was viel Geheimnisvolleres, als ich jetzt denke? Liebe Grüße, Malea.

Eingetragen am: 25.05.2008

Kommentar von Numungo

Interessante Geschichte, wenn sie auch nicht ganz das Thema trifft. Sie sollte dort anfangen, wo sie aufhört oder zumindest erst später enden. Nur wer die Aufgabe kennt, weiß wie sie enden wird. Oder endet sie anders? Ich frage mich allerdings, wozu Jasper bei seinen Fähigkeiten noch ein PDA benötigt? Viele Grüsse, Numungo (12052).

Eingetragen am: 24.05.2008

Eingetragen am: 24.05.2008 von rosamsa
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Ein gebrochener Daumen heilt alte Wunden

(Vorgeschichte: Die 17jährige Viola ist schwanger und lebt jetzt wieder bei ihrer Großmutter, wie bereits die ersten neun Jahre ihres Lebens.)

Viola, bist du schwanger?, fragt sie.
Ich stehe mit dem Rücken zu ihr, das Herz klopft mir heftig in der Brust, so laut, dass ich befürchte, Mutter könnte es hören, zugleich erfasst mich ein schwindliger Zorn, so mächtig wie eine riesige Meereswelle und ich drohe darin zu ertrinken. Was geht es sie an, hat sie sich jemals um mich gekümmert? Nein. Ich drehe mich um und sehe sie hasserfüllt an, diese fremde, kalte Frau mit den gleichen grünen Augen wie meine Eigenen, die mich bei jedem Blick in den Spiegel anspringen. Es ist, als würde ich mich selbst hassen, wenn ich sie ansehe. Ja, ich hasse mich dafür, dass ich so fühle. Und sie glaubt, sich mit einem mal als Mutter aufspielen zu können. In ihrem eleganten dunkelgrauen Kostüm, mit übergeschlagenen Beinen, thront sie auf der alten schmuddeligen Couch, und erscheint wie das aberwitzige Gegenstück zu einem abgerissenen Bettler, der auf einer exklusiven Designercouch lagert. Haar und Make up wie immer perfekt. Sie arbeitet als Geschäftsführerin in einer exquisiten Boutique mit ausgesucht betuchter Klientel in Münchens bester Einkaufsstraße. Diese Frau wirkt in meinem Zimmer so fehl am Platz wie ein Penner in einem Luxushotel.
Das geht dich nichts an, sage ich, aber ich bin deine Mutter. Meine Mutter? Das ist ja lachhaft, auf dem Papier vielleicht, und selbst da sollte dein Name nicht stehen. Du warst nie meine Mutter und wirst es nie sein. Du weißt doch gar nicht was dieses Wort bedeutet, lass mich zufrieden.
Viola! Was? funke ich wütend dazwischen, aber sie fährt unbeirrt fort, ich kann dir helfen, es gibt heutzutage viele Möglichkeiten...
Möglichkeiten? Meinst du vielleicht die, die du selbst gewählt hast? Das wäre doch entzückend, findest du nicht, ich gebäre, und am nächsten Tag liefere ich mein Kind bei dir ab, wie ein lästiges Paket, dessen Annahme ich verweigert habe, und lebe mein Leben, als wenn nichts passiert wäre. So, als ob ich dir nur schnell einen Hamster im Käfig vorbei bringe, und dich bitte ein paar Tage auf ihn zu achten. Und zu meinem Bedauern habe ich ihn schon vergessen, kaum das ich aus der Tür bin. Meinst du diese Möglichkeit?, gifte ich sie angewidert an. Oder denkst du, schade das damals eine Abtreibung noch so kompliziert war. Vielleicht hattest du bereits eine Fahrkarte nach Holland in deiner Tasche, oder war das Geld zu knapp dafür? Wie kannst du es wagen, stößt sie hervor, aber ich sehe den leichten rosa Hauch, der ihr Gesicht überzieht. Sei still, halt einfach den Mund, ich brauche und will deine Hilfe nicht, habe sie nie gebraucht. Warum tauchst du jetzt plötzlich auf? Aber sie ist wie eine Ente, die aus dem Wasser auftaucht, das Wasser perlt ab und sie bleibt trocken. So lebt es sich wunderbar leicht. Sie ist nie für etwas verantwortlich, leidet unter keinen Schuldgefühlen und spielt sich auf wie ein allwissender liebender Gott.
Ungerührt fährt sie fort mit ihrer Befragung, von der sie glaubt, ein Recht dazu zu haben. Bist du nun schwanger oder nicht? und ich antworte sarkastisch, ja, ich bin schwanger.
Du musst dieses Kind nicht behalten, sagt sie, du bist noch nicht einmal volljährig. Ich hoffe du hast nicht die Absicht zu heiraten?
Ich verachte mich für meinen unbändigen Zorn. Warum kann diese Frau mich immer wieder verletzen? Das Baby in meinem Bauch rührt sich, erinnert mich daran, worum es geht, wovon wir sprechen, ich greife mir mit beiden Händen an den harten Bauch, ihr Blick gleitet ebenfalls dort hin. Ich nehme meine Hände wieder weg, fühle mich manipuliert von ihr, trotzig lege ich sie wieder an ihren Platz. Nein, sage ich, ich habe nicht die Absicht zu heiraten, er ist bereits verheiratet. Warum habe ich es ausgesprochen, es tut so weh. Um ihr eins auszuwischen, in meinem maßlosen Zorn, der mich auffrisst wie Krähen ein halbtotes Tier, das zerquetscht von einem Auto, einsam auf der Straße liegt. Wie lächerlich und sinnlos. Ich verstehe dich nicht, Viola. Was verstehst du nicht? Wie kannst du dich mit einem verheirateten Mann einlassen, schwanger werden und das Kind auch noch austragen.
Das sagst ausgerechnet du, du bist doch auch schwanger geworden mit mir. Wir hatten damals keine große Auswahl an Verhütungsmöglichkeiten, sagt sie, und ich wollte auch kein Kind... Das brauchst du mir nicht zu sagen, das weiß ich seit langem. Aber es interessiert sie nicht. Du hättest dich schon viel früher um eine Abtreibung bemühen sollen, sagt sie, jetzt ist es zu spät dafür, und es kommt nur noch eine Adoption in Frage. Ich blicke sie schmerzerfüllt an. Abtreibung, Adoption? Ich will keine Abtreibung und eine Adoption...? Ich erstarre zu einem Eisblock. Die Erinnerungen an ihn überrollten mich wie eine Lawine und drücken mir schwer auf die Brust, ich kann kaum atmen. Nie wollte ich ein Kind. Nie wollte ich von einem Mann abhängig sein. Du bist doch erst siebzehn und kannst noch andere Kinder haben. Ich finde es ist besser so. Wenn du jetzt ein Kind hättest, müsstest du allein damit zurecht kommen, sagt sie, ich schnappe schockiert nach Luft. Wer sagt, dass der Vater des Babys sich nicht um mich sorgt? fauche ich bitterböse. Er ist doch verheiratet, lässt er sich scheiden wegen dir und dem Kind? Weiß er überhaupt von dem Kind? Und wenn er verheiratet ist, dann ist er doch sicher schon etwas älter. Er hat es doch nie ernst gemeint mir dir, hat nur gespielt.
Ich hasse dich, kreische ich, du verfolgst immer nur deine Zwecke, gehst immer den Weg des geringsten Widerstandes. Mir wird schwindelig, ich greife hinter mich und falle erschöpft in meinen großen alten Ohrensessel, auf dem sich meine Teddys und meine Lieblingsaffe aus Kinderzeiten tummeln, schlinge die Arme um meinen Körper und kämpfe gegen die heißen Tränen und das Schluchzen in meiner Kehle an. Es schmerzt und brennt, ich kann es kaum zurückhalten.
Du kannst mich mal, schreie ich sie mit letzter Kraft an, ich hab die Nase voll von dir. Jahrelang hab ich mich um meinen kleinen Bruder gekümmert, ich habe mehr Ahnung von Babys und Kleinkindern als du. Wo ist er überhaupt, seit ich ausgezogen bin? Wem hast du ihn dieses mal aufs Auge gedrückt? Irgendeiner Tagesmutter, die du für ein paar Euro abspeist. Er vermisst dich, sagt sie, oh nein, ihre Worte brechen mir das Herz, sind barbarisch, Schuldgefühle plagen mich. Ich vermisse ihn auch, erst ist doch erst neun. Er sollte dich vermissen, brülle ich sie an. Atemlos halte ich inne, ich stehe unter Hochspannung, mein Magen rebelliert, Übelkeit steigt mir die Kehle hoch.
Glaubst du wirklich, dass kein Mann mich genügend liebt, um bei mir zu bleiben?, frage ich sie. Aber ich gebe ihr keine Gelegenheit auf diese Frage zu antworten. Du hast keine Ahnung wie ich mich fühle, du hast kein Herz, zornig springe ich auf und renne aus dem Zimmer, den Blick blind vor Tränen. Bleib hier, ruft sie, greift nach der Tür, wir zerren und ziehen, als ob unser Leben davon abhinge, mit aller Kraft ziehe ich am Griff, mit der anderen Hand halte ich mich krampfhaft am Rahmen fest und rutsche ab. Mein Daumen gerät in die zuschlagende Tür, mit einem wilden Aufschrei gehe ich zu Boden, der Schmerz fährt wie ein heißer Nagel in meine Eingeweide, mein Daumen pocht als ob tausend Herzen darin schlagen würden. Viola, schreit sie entsetzt, ist etwas mit dem Baby, oh mein Gott, das werde ich mir nie verzeihen. Lass mich zufrieden, stoße ich gepresst hervor, und wiege mich auf Knien vor und zurück, die linke Hand unter den rechten Arm gesteckt. Heiße Tränen laufen mir übers Gesicht. Tränen der Wut auf meine Mutter, Tränen des Schmerzes über den Verlust meiner Kindheit, Tränen der Trauer über die nie gehabte Mutter. Alles hat sich verändert mit dem Kind in meinem Bauch. Mein Leben ist mir so fremd geworden.
Sie zieht mich vorsichtig in ihre Arme. Ein wahrer Sturzbach an Tränen ergießt sich auf die Schulter meiner Mutter. Ich erlaube ihr, mich zu trösten, fühle mich plötzlich aufgehoben in diesen Armen, nach denen ich mich mein Leben lang gesehnt habe.
Viola, flüstert sie, Viola, alles wird gut. Mit brennendem Gesicht tauche ich auf, aus der Umarmung und halte ihr meinen pochenden Daumen vors Gesicht, das dem meinen so ähnlich ist. Ich glaube er ist gebrochen, sage ich, und sie sieht mich ungläubig an.
Unkontrolliertes hysterische Lachen bahnt sich einen Weg aus meinen Eingeweiden, bricht aus mir heraus, und sie fällt ein in mein Gelächter und wir gackern wie zwei Hennen, und fallen uns in die Arme.

(Hallo Ihr Lieben Leser, ich hatte den Text schon fertig, und Viola verließ wütend das Zimmer, aber wie sollte es weitergehen? Jedes Davonlaufen braucht ja wieder einen Neuanfang. Und jetzt hat mir der gebrochene Daumen ganz unverhofft eine Annäherung ermöglicht, die Geschichte hat sich verselbständigt, das ist toll. Ich werde den gebrochenen Daumen auf alle Fälle drin lassen. Und Danke fürs Lesen.)


Kommentar von Metta Maiwald

Wenn Anführungszeichen fehlen, wenigstens jeder Sprecherin eigene Sätze zugestehen, und nicht beide in einem zu Wort kommen lassen (s. Carola). Ich habe eine persönliche Antipathie gegen das Wort "Eingeweide" bei der Beschreibung von Gefühlszuständen. Es weckt in mir die Assoziation zu einem zerfleischten Tier. Hier taucht es gleich zweimal auf und verliert dadurch an Kraft. Deine Bilder und Vergleiche sind wie immer sehr stark. Da Du vorher schon eine schmuddelige Couch und nachher einen Penner im Luxushotel hast, würde ich den Bettler auf der Designercouch streichen, sonst wird es leicht zu viel. LG Metta

Eingetragen am: 20.07.2008

Kommentar von Carola Ottenburg

Hallo rosamsa, die Dialoge und die Ausdrucksweise fand ich sehr gelungen. Aber mit den fehlenden Ausrufezeichen kann ich mich nicht anfreunden, auch wenn es natürlich Deine Entscheidung ist, darauf zu verzichten. Mir wird es dadurch zu unübersichtlich, zu verfolgen, ob gerade beschrieben, gedacht oder gesprochen wird und wer ggf. der Sprecher ist. Auch Sprecherwechsel in einem Satz, wie z.B. hier: "Das geht dich nichts an, sage ich, aber ich bin deine Mutter" mag ich als Leserin nicht, weil ich dabei den Faden verliere. Viele Grüße Carola

Eingetragen am: 03.06.2008

Kommentar von Azahar

Der schnelle heftige Wortwechsel zwischen entfremdeter Mutter und Tochter hat mir sehr sehr gut gefallen! Das ist ein Dialog mit Spannung wie er im Buche steht! Dabei haben mir nach den ersten paar Sätzen sogar die fehlenden Anführungszeichen nichts mehr ausgemacht. Wenn du allerdings weiterhin darauf bestehst, ohne zu schreiben, wie wäre es, zumindest jedesmal eine neue Zeile anzufangen, wenn eine andere Person spricht? Bin gespannt auf mehr. LG Azahar

Eingetragen am: 02.06.2008

Kommentar von Velarani

Hallo rosamsa, auch mir gefällt dein Text, du hast ja gleich eine ganz intensive Szene geschrieben. Ein bisschen stört mich Violas Ausdrucksweise, ist sie nicht zu differenziert für eine Siebzehnjährige, noch dazu im emotionalen Wirrwarr einer Schwangerschaft? Überzeugender fände ich, wenn sie trotziger und noch verletzender oder stummer reagieren würde. Außerdem hat mich irritiert, dass sich das Kind schon bewegt und der Bauch hart wird und man die Schwangerschaft noch nicht sieht. Gefallen hat mir der Vergleich mit der Ente und die Unfall-Szene. Bleib dran, LG Velarani

Eingetragen am: 28.05.2008

Kommentar von Dani

Hallo rosamsa, ich bin jetzt schon ein Fan von Deinem Roman und freu mich darauf mehr zu lesen. Ich kann mich der Meinung, dass die fehlenden Anführungszeichen den Text besser machen, nur anschließen, auch die Verwendung der Gegenwart gefällt mir sehr gut, du benutzt tolle Bilder und lässt einen von den Figuren richtig mitgerissen werden. Aber die Annäherung zwischen Mutter und Tochter bleibt doch an der Oberfläche, oder? Sonst wäre Dein vorheriger Text vielleicht ganz anders verlaufen. Ich wünsche Deiner Helden auf jeden Fall ein happy-end und Dir noch viel Erfolg beim Schreiben!

Eingetragen am: 27.05.2008

Kommentar von rosamsa

Hallo und Danke für Eure Kommentare @ginko, den Satz werde ich streichen, hast Recht. Ansonsten ändere ich den Stil nicht und schreibe weiterhin ohne Anführungszeichen. Ich habe zwischenzeitlich mehrere solcher Bücher gelesen und finde diese Schreibweise ungemein effektiv, schnell und fließend. @numungo du hast Recht der Satz stimmt nicht, habe ihn schon geändert, Danke @Angela Barotti Ich kenne eine sehr weise 70 jährige Frau, der genau das was Du schreibst passiert ist, sie ist meine Inspiration für meinen Roman. Allerdings ist ihr Leben anders verlaufen als das von Viola, aber der Mutter-Tochter-Konflikt ist bis vor zwei Jahren bestehen geblieben, bis es ihr mit Hilfe von Jemandem, über den ich auch in meiner Geschichte schreiben werde, gelungen ist, sich zu lösen. Das mit den Dialogen freut mich sehr, ich lasse mich immer ganz tief hineinfallen und überlege, was ich wohl sagen würde in dieser Situation. LG rosamsa

Eingetragen am: 26.05.2008

Kommentar von Frog

Mich hat der Text gefesselt, so sehr, dass ich die Anführungszeichen gar nicht vermisst habe. Sehr intensives Leseerlebnis...

Eingetragen am: 26.05.2008

Kommentar von Angela Barotti

Viola könnte meine Schwägerin sein, die ebenfalls die ersten zehn Jahre ihres Lebens bei der Oma (in einem anderen Bundesland) aufwuchs, da sie nicht in das Leben meiner Schwiegermutter passte. Erst als mein Mann zur Welt kam, wurde sie heimgeholt, da ein Aufpasser für ihn benötigt wurde. Für meine Schwägerin war der erzwungene Umzug zur Mutter ein Schock, da diese ihr – bis auf zwei Besuche im Jahr – völlig fremd war. Die Mutter/Tochter-Beziehung ist bis zum heutigen Tag gestört. / Aufgrund dieses (angeheirateten) familiären Hintergrundes verfolge ich dein Romanprojekt mit großem Interesse. Ich finde, dass du die Geschichte sehr überzeugend erzählst. Auch die Dialoge nehme ich dir zu 100 Prozent ab.

Eingetragen am: 26.05.2008

Kommentar von Numungo

Hallo Rosamsa, ich finde deinen Text genial, jedes Gefühl in der aufgewühlten Seele von Viola ist nachvollziehbar, gerade so als würde das alles jetzt, in diesem Moment passieren. Weiter so! Der erste Satz im zweiten Absatz ist in sich nicht stimmig. Denk nochmals darüber nach. Weiterhin viel Erfolg, Numungo (12052).

Eingetragen am: 24.05.2008

Kommentar von Ginko Korn

Der an sich gehaltvolle Dialog ist insofern für mich mühsam lesbar, weil ich beim Wechsel der Wortführerinnen wegen der fehlenden Anführungszeichen oft innehalten muss, um die Sprecherin zu identifizieren. Das tempogeladene Streitgespräch wird so unnötig gebremst. "Tausend Herzen in einem pochenden gebrochenen Daumen" ? Also, ich weiß nicht...

Eingetragen am: 24.05.2008

Eingetragen am: 24.05.2008 von Julia
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Ich war bislang immer nur ein stiller Mitleser und will mich nun selbst an diese Übung wagen. Wahrscheinlich werdet ihr nicht zu hunderprozent verstehen worum es bei mir geht, trotzem währe es nett wenn ihr mir sagen könntet was ihr davon haltet, da ich nicht sicher bin, wie gut mein Schreibstil überhaupt ist:

„Ich hätte es wissen müssen“, war das erste woran Arminia dachte, nachdem er sie endlich allein gelassen hatte. Den Oberkörper gegen die kalte Wand gelehnt saß sie auf dem staubigen Fußboden und ballte wütend die Fäuste zusammen. In dem Raum war es stockdunkel und nur vereinzelte Sonnenstrahlen ,die ihren Weg durch das mit Brettern vernagelt Fenster gefunden hatten, erhellten ihr Gefängnis. „Ich hätte ihm nicht vertrauen dürfen!!“ Voller Hass schlug sie ihre Fäuste gegen die Wand, Putz regnete von der Decke auf sie nieder. Ein stechender Schmerz jage durch ihre rechte Hand und lähmte ihren Daumen. Arminia keuchte auf und biss sich auf die Lippen, um nicht loszuschreien, während ihr vor Schmerzen die Tränen in die Augen schossen.
„Scheiße!!“ Vorsichtig tastete sie ihre Hand ab. Ihr Daumen war auf das doppelte seiner normalen dicke angeschwollen. Das hat mir gerade noch gefehlt. Während sie versuchte im schummrigen Licht irgendetwas zu erkennen, überrollte sie die Hoffnungslosigkeit wie eine Lawine. Sie versuchte das Gefühl zu unterdrücken, doch es war zu stark. Salzige Tränen bahnten sich ihren Weg über ihr Gesicht und tropften auf das durchgeschwitzte T-Shirt. Die linke Hand auf den Mund gepresst versuchte sie ihr Schluchzen zu unterdrücken. Arminia zog die Füße so dicht es ging an ihren Körper heran und presste sich gegen die Wand, als könne sie ihr Schutz bieten. Plötzlich hielt sie inne. Schritte, dumpfe Laute die sich ihrer Tür näherten. Sie begann zu zitternd, lauschte, hoffte das es nicht er war. Die Schritte kamen näher, wurden lauter und verharrten plötzlich direkt vor ihrer Tür. „Mach das es nicht er ist, bitte lieber Gott ich flehe dich an, mach das es nicht er ist!!“ Ihr Herz pochte so heftig, dass sie Angst hatte er könne es hören. Dann hörte sie wie der Schlüssel sich umdrehte und die Türklinke runtergedrückt wurde. Die hölzerne Tür knarrte beim Öffnen. Ein gleißend heller Lichtstrahl drang in den Raum, geblendet kniff Arminia die Augen zusammen. Sie hörte wie er in das Zimmer trat, die Augen fest geschlossen zitterte sie noch heftiger, Angst!! Pure Angst!!
Lautlos begannen ihre Lippen ein Gebet zu formen. „Herr ich bitte dich, beschütze mich vor all dem bösen....“ Er kam näher, sie konnte seinen rasselnden Atem hören. „....und bewahre mich vor Stürzen auf das du ewig deine Hand schützend über mich haltest.“ Er stand genau vor ihr, sie wusste es, sie konnte ihn spüren. Zitternd öffnete sie langsam die Augen und erblickte zwei eiskalte blau Pupillen. Arminia wagte es nicht zu atmen, vor Angst erstarrt sah sie ihn an.....

Eigentlich ist mir die Geschichte ein wenig entglitten, und die Sache mit dem Daumen ist in den Hintergrund geraten. Irgendwie haben sich meine Figuren selbstständg gemacht und diese Szene passt überhaupt nicht mehr in meinen Jugendroman...


Kommentar von Miyu

Hallo Julia, ich ich kann mich meinen Vorrednern nur anmschließen. Dein Text ist gut geschrieben und stellt das Innerste der armen und geschundenen Protagonistin sehr einsichtig dar und auch deren Panik. Allein die Thematik empfinde ich als beunruhigend. Einerseits würde ich gerne mehr lesen, andererseits weiß ich nicht, ob ich das wirklich will. Auf jeden Fall gilt: Schreib weiter und traue dich, deine Texte auch beurteilen zu lassen :) Dadurch lernt man am besten. Liebe Grüße, Miyu

Eingetragen am: 29.05.2008

Kommentar von Bridget Olliver

Hallo Julia, Dein Text hat mir sehr gut gefallen, weil ich mich gut in Arminia hineinversetzen konnte. Ich frage mich, was ist das für ein ekelhafter rasselatmiger Typ der sie gefangen hält und warum tut er das? Hoffentlich schreibst Du weiter! Das macht doch am meisten Spaß, wenn man sich nichts mühsam aus den Fingern saugen muss, sondern mit Spaß und Leichtigkeit bei der Sache ist. Der Flow hat Deinem Text gutgetan. viele Grüße Bridget

Eingetragen am: 27.05.2008

Kommentar von Frog

Ein neues Talent hier – super! Ich hoffe, Du lässt Dich nicht aus dem Konzept bringen. Figuren verselbständigen sich gern mal, was sich ja auch sollen. Ich finde die Szene sehr ausdrucksstark und freue mich auf mehr von Dir.

Eingetragen am: 25.05.2008

Kommentar von ml

Hallo Julia, war es nicht ein tolles Gefühl, zu merken, wie du dir nicht etwas ausdenken musst, und es mühsam zu Papier bringst? Ich finde es immer gut, wenn die Dinge plötzlich alleine entscheiden, wie sie laufen möchten. Mach bitte unbedingt weiter. Nur eine kleine Anmerkung: Pupillen sind immer schwarz, die Iris ist farbig. Bis dann... ml

Eingetragen am: 25.05.2008

Kommentar von rosamsa

Hallo Julia, ich finde sehr spannend was ich gelesen habe. Auch die Beschreibungen der Gefühle passen. Das dir die Geschichte entglitten ist, würde ich als positiv betrachten, Du hast Dich von der Aufgabe gelöst und bist frei geworden etwas zu erfinden, der Daumen war nur der Impulsgeber. Das der Daumen gleich so dick geschwollen ist, dürfte in der Realität vermutlich nicht stimmen, aber das kannst Du ja noch ändern. Warum sollte es nicht in einen Jugendroman passen? Jugend ist nicht immer lustig. Über Rechtschreibung hat numungo ja schon geschrieben. Ich weiß nicht ob Du hier direkt in dieses kleine Kästchen schreibst, was ich sehr unübersichtlich finde. Ich tippe meine Texte in Word und kopiere sie dann hier rein und eine letzte Prüfung nehme ich dann nochmals über die Vorschau in Angriff. Das Einrichten der Vorschau ist eine klasse Sache. Liebe Julia veröffentliche weiter, und lass Dich auch von Kritik nicht abschrecken. LG rosamsa

Eingetragen am: 25.05.2008

Kommentar von Numungo

Hallo Julia, deinen Stil zu erzählen, finde ich gut. Die Gefühle der Protagonistin kommen sehr gut rüber, auch das Umfeld ist gut beschrieben. Mit der Rechtschreibung hapert es jedoch noch ein bißchen, hier solltest du dir angewöhnen, deine Texte, wenn du sie für fertig hältst, nochmals kritisch auf Fehler zu überprüfen. Das mit den zwei Ausrufezeichen halte ich für überflüssig. Eine Unsitte, die in literarischen Texten meiner Meinung nach nichts zu suchen hat. Dass du vom Daumen abgekommen bist, finde ich nicht so schlimm; es geht doch mehr um die Gefühle der Hauptfigur (die in deinem Fall natürlich wesentlich mehr durchmachen muss, als vorgesehen). Dass sich Figuren selbständig machen, passiert manchmal (bei mir sogar eher oft). Es gibt dann immer zwei Möglichkeiten: den Text verwerfen und neu schreiben oder die Vorgeschichte umschreiben, so dass alles wieder zusammen passt. Letzteres ist meist mit viel Arbeit verbunden, oft jedoch die bessere Lösung. Weiterhin viel Erfolg, Numungo (12052).

Eingetragen am: 24.05.2008

Eingetragen am: 24.05.2008 von Christiane Höfel
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12120

Guten Tag, darf ich mich vorstellen? Ich bin Christiane, Autorin und Reporterin und führe heute ein besonders ungewöhnliches Interwiew durch. Ein Interwiew mit einem Täter, der endlich dem Haftrichter vorgeführt werden soll. Ah- da kommt er gerade! Bitte auf Sendung! (In Handschellen wird Hein Sensenmann zum Gerichtsssal geführt.)
Die Richterin: "Bevor wir mit der Gerichtsverhandlung beginnen, bitte ich Reporterin Christiane um ein Interwiev mit dem Verurteilten. Christiane: "Sensenmann, warum bist du vor Gericht, was wird dir zur Last gelegt?
Sensenmann: "Hilfe-hilfe! es wird nach mir gefahndet! Ich bin in allen Zeitungen, ich bin unterdurch! Was kann ich den für meinen saublöden Job, ich wäre auch lieber ein Heilender Mediziner, aber leider habe ich die bescheuertste Aufgabe bekommen- ich kidnappe Leute!" Ich geb es zu, ich bin voll uncool, hab ne total ätzende schwarze Kutte an und bestehe nur aus Knochen- eine Frau krieg ich wohl nie- naja, ein Supermodel werd`ich schon gar nicht, obwohl ich ja so schlank bin."
Christiane:" Also bitte bleibe sachlich und beantworte meine Frage!"
Sensenmann: "Naja, ich... ich.. nehme Menschen gefangen, ich hole sie einfach so weg... " Christiane: "Sie wissen, dass Dies eine schwere Straftat ist?" Sensenman: "Ja, ach-ich habe keine Freunde-ich habe niemanden, da hole ich mir so den Kontakt.., ach, könnten Sie bitte meine Handcshellen lösen?"
Christiane:" Nein, es ist verboten, und wenn ich es könnte, dann würde ich es niemals tun! Sie wissen, dass ihnen die Höchststrafe droht?" Sensenmann: " Oh weh, welche ist das?"
Christiane:" Tod durch den elektrischen Stuhl oder durch Erhängen! Stell dir vor, du Knochenfresse, deine Kutte verkokelt und du erwachst zum Leben..."
Sensenmann: " Oh Hilfe-diese Vorstellung! Nein-alles, nur nicht leben!"
Christiane: " Du wirst leben!" (Darauf rast der Sensenman auf die Richterin zu und will gewaltätig werden, da reisst ihn die Reporterin mit aller Wucht am Arm von ihr weg. Er versucht, die Handschellen von seiner Knochenhand abzustreifen. Darauf greifen ihn die Richterin und mehrere Zeugen. Einer von ihnen wirft ihn zu Boden und trit mehrmals auf seinen knochigen Daumen ein. Dieser war seitdem gebrochen.
Es kommentiert Reporterin Christiane:
"Diese Tatsache erklärt, warum die Menschen heute länger leben. Der Tod kann mit seiner verletzten Hand schlechter greifen und vollzieht demnach seine Aktionen langsamer.
Sensenmann: "Ich bitte um Begnadigung, ich habe Schmerzen!"
Christiane:" Es bleibt zu hoffen, dass die Richterin auf die Mitleidstur des Angeklagten nicht hereinfällt, Richterin dees Mutes, Sie haben das Wort!"
Die Richterin: "Die Verhandlung ist hiermit eröffnet! Staatsanwalt , sie haben das erste Wort!" "Euer Ehren, für mich ist der Fall klar, wir hatten es bisher noch nie mit so einem speziellen Kriminalfall zu tun, der Täter hat sich mehrfach-millionenfach schuldig gemacht!" "Einspruch Euer Ehren" (rief der Anwalt des Täters) "Mein Mandant ist unschuldig! Er wird dazu gerufen, Menschen zu erlösen, es ist nicht seine Schul, ich plädiere auf Freispruch!" Darauf die Richterin:"Christiane in den Zeugenstand bitte!" "Euer Ehren, ich habe es oft gesehen, wie der Täter Menschen dahinrafft! Schauen Sie in die Geschichtsbücher! Auch ich selbst war schon Zeuge seiner Taten. Und, Euer Ehren, warum leben Leute wohl nur etwa 80 Jahre??" Die Richterin: "Der nächste Zeuge bitte!" Zeuge X: " Ja, ich kann es bestätigen, der Täter bedient sich allmöglicher Krankheiten, um die Leute an sich zu reißen. Er benutzt keine Schußwaffen, sondern schwächt Menschen systematisch." Alle Zeugen machten dieselbe Aussage. Dann zog sich die Richterin zur Beratung mit den Geschworenen zurück. Diese dauerte nicht lange, etwa 15 Minuten. Dann kam sie wieder in den Gerichtssaal und sagte:" Im Namen des Homo sapiens ergeht folgendes Urteil: Der Angeklagte ist als schuldig befunden. Er erhält die Höchststrafe, Tod durch Erhängen! Und damit ist die Verhandlung geschlossen." Die Strafe wurde am nächsten Tag vollstreckt. Er zappelte und wehrte sich, aber durch den abgerochenen Daumen war er dem Henker unterlegen. Da hing er nun, bis alle Knochen einzeln abfielen, sich aus dem Knochenhaufen plötzlich ein hübscher, junger Mann emporhob. Wäre ihm der Daumen nicht gebrochen worden, so hätte er sich retten können, denn die gleiche Situation erlebte er bereits mehere tausend Male. Doch jetzt, seitdem wunderten sich die Menschen, dass sie als Hundertjährige noch vom Disco-Fever befallen sind und manche 324-jährige Tochter mit ihrer 364-jährigen Mutter eine Gartenparty feiert. Die Menschen waren überglücklich, wenn sie es sich auch nicht erklären konnten...


Kommentar von Carola Ottenburg

So richtig erschließt sich mir der Sinn nicht. Der Tod kann seines Amtes nicht mehr walten und die Menschen leben länger - so weit nichts Neues. Das sie deshalb glücklicher sind, wäre noch zu beweisen. Weshalb die Menschen allerdings schon vor der Gerichtsverhandlung länger lebten, obwohl der Tod sich erst dabei den Daumen gebrochen hat (und infolge des Bruchs schlechter greifen konnte), ist für mich nicht mehr nachvollziehbar. Auch grammatikalisch gehen die Zeiten z.T. ziemlich durcheinander. Bei einer Überarbeitung solltest Du auch darauf achten, bei jedem Sprecherwechsel eine neue Zeile zu beginnen. Diese Konvention erleichtert die Lesbarbarkeit ungemein.

Eingetragen am: 01.06.2008

Kommentar von M.P.

Hallo Christiane. Ich kann mir vorstellen, diesen Text als Traum in einen Roman einzubauen. Wer träumt schon logisch, also ich nicht. Dafür ist er geradezu genial. Aufwachen, Schweiß und dann ein irres Lachen, paßt wie die Faust auf´s Auge. Dafür würde ich aber den letzten Satz weglassen und deinen Protagonisten aufwachen lassen. LG M.P.

Eingetragen am: 29.05.2008

Kommentar von Frog

Wenn mir mein Sohn die Geschichte vorgelesen hätte, hätte ich ihn gefragt, wie seine neue Droge heißt. Ich verstehe nicht wirklich, was das für eine Story ist, aber dass 100-Jährige noch vom Disco-Fever befallen sind, finde ich eine fantastische Vorstellung. Da bin ich dabei...

Eingetragen am: 25.05.2008

Kommentar von Numungo

Ich liebe wunderliche Geschichten, doch diese erscheint mir sehr fragwürdig. Irgendwie passt nichts so richtig zusammen, jedenfalls für mich. Außerdem sind für einen Text in diesem Forum zu viele Rechtschreibfehler enthalten. Nicht nur drauf los schreiben und veröffentlichen, sondern sich auch die Arbeit machen, einen in jeder Beziehung guten Text abzuliefern. Und dazu gehören auch die Rechtschreibung und Grammatik. Sorry, Numungo (12052).

Eingetragen am: 24.05.2008

Eingetragen am: 23.05.2008 von Frog
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12092

Anmerkung: Franzi aus Hamburg heißt jetzt Linn, Godo ist die Koseform von Godino. Vermutlich ist Euch diese Story zu lang, aber ich kriege sie vorerst nicht kürzer hin.
Hammerhitze für April, war Godos erster Gedanke. Ein Sonnenstrahl hatte ihn wachgekitzelt, er musste niesen und wirbelte dabei den Staub von Monaten auf. Zusammen mit dem rötlichen Haar von Chicas Fell hatte er einen feinen Film auf der Batikbettdecke gebildet, aus der sich Godino fluchend hervorschälte. War das eine Scheißnacht gewesen! Mindestens drei Gläser Rotwein zu viel, von den Zigaretten, die ihm der Doc geschenkt hatte, ganz zu schweigen. Der hässliche Tschibo-Radiowecker aus Linns letztem Paket zeigte 11.10 Uhr an. "Mierda! So spät!" Hustend stieg Godino in seine Flip Flops, kratzte sich am Bauch, schlüpfte in seine abgeschnittenen Jeans und schlappte zur Zimmertür, um Chica ins Freie zu lassen. Jetzt musste nur noch der verdammte alte Seat anspringen. Godino hatte sich fest vorgenommen, gegen Mittag auf Docs Grundstück zu sein. Der Manager aus Köln, den wegen seiner Vorliebe für Krankenschwestern alle Doc nannten, hatte Godo gestern vor seinem Abflug nach Deutschland fünfzig Euros gegeben, um die Einfahrt zu seiner Villa in San Josep wieder zu richten. Godo hasste die Arbeit, die ihm bevorstand. Sintflutartiger Regen hatte am letzten Wochenende so viele Steine aus dem Erdreich gerissen, dass die steile Auffahrt fast aussah wie eine Runengrab. Riesige Kavensmänner hatten sich gelöst, und mit seinen dünnen Oberarmen würde er Mühe haben, sie alle wieder an ihren Platz zu hauen. Aber er brauchte die Kohle, denn der Tank war fast leer und ohne Auto war er an der dünn besiedelten Südküste aufgeschmissen. Bodybuilderarbeit, grummelte er, und kramte im Kofferraum minutenlang nach dem alten Vorschlaghammer, bevor er ihn endlich unter einer klebrigen Plastiktüte neben dem Abschleppseil fand.
Wenigstens war die Kiste startklar. Chica sprang wie immer mit einem Satz ins fahrende Auto und rollte sich auf dem zugemüllten Beifahrersitz zusammen.

Im Rückspiegel sah Godo die magische Vedra im dunkelgrünen Meer thronen. Der Anblick der imposanten Felseninsel tröstete ihn immer wieder über die nervige Serpentinenfahrt nach San Josep hinweg. Unwillkürlich musste er an Linns entrückten Blick denken, als er ihr das mythische Wahrzeichen der Insel zum ersten Mal gezeigt hatte.
Er nahm sich vor, ihr später am Handy von seinem "Männerjob" zu erzählen – wenn der Akku so lange durchhielt.
Godo verspürte einen Anflug von Neid im Bauch, als er seine schäbige Karre in einer Staubwolke am Rand von Docs Grundstück zum Stehen brachte. Für die 200 Jahre alte Finca mit dem riesigen Grundstück hatte der Rheinländer garantiert drei Millionen hingeblättert. Im wahrsten Sinne erniedrigend, hier nun mit fast 55 auf den Knien zu liegen und den Bauarbeiter mit dem Vorschlaghammer zu geben. "Selbst gewähltes Schicksal", hörte er Linn flöten. Den Spruch sagte sie gerne auf, wenn er über seine desolate Finanzlage jammern wollte. Mit jedem Hammerschlag wurde Godo aggressiver. Er kam sich auf ganzer Linie wie Sisyphos vor. Winzige Schweißperlen rannen von seiner Stirn in die Augenwinkel. Mit getrübtem Blick platzierte er den nächsten Stein mit Daumen und Zeigefinger auf dem Boden und holte mit Wucht zum nächsten Schlag aus.
Das Gebrüll, das daraufhin ertönte, schreckte das halbe Dorf aus der Siesta hoch und sollte noch Wochen später die Runde auf Fiestas und in Pepes Bar machen. Godo würde mitlachen, er neigte zu Selbstironie.

Aber jetzt gerade war er der Ohnmacht nahe. Mit seinem blindwütenden Hieb hatte er sich selbst getroffen, mitten auf den Daumen. Godo wagte nur einen kurzen Blick. " Zum Glück nur der linke", schoss es ihm durch den Kopf, dann überrollte ihn der Schmerz und warf ihn zu Boden. Chica kam bellend angerannt und machte Anstalten, den verletzten Finger zu lecken. „Hau ab!“ schrie er. Die kleine Podenco-Hündin zog erschrocken den Schwanz ein und ergriff die Flucht. In kürzester Zeit sah der Daumen aus wie ein Stück gekochter Tintenfisch, prall, leblos, blassviolett. Godo wusste, das Ding war vorerst hin! Das bedeutete Stress auf allen Ebenen! Die Auftritte in der Flamenco-Bar unten in der Cala konnte er sich abschminken. Und in eine Krankenversicherung hatte er seit Jahren nicht mehr eingezahlt. Linn würde ausrasten! Aber wen sonst konnte er um Kohle für Arzt und Gips anbetteln? „Scheiße! Mierda!“ Mit Geheul rappelte sich Godo auf. Dabei stolperte er über den Hammer, der ihm bei seinem Volltreffer aus der Hand gefallen war. Eine smaragdgrüne Eidechse lugte für eine Sekunde unter dem hölzernen Stiehl hervor und flitzte davon. „Ja, ja“, schrie Godo. „Such Dir nur ein anderes Plätzchen für Deinen Mittagsschlaf. Hier ist es nicht sicher!“


Kommentar von Metta Maiwald

Weißt ja, dass ich Deine Story mag, darum nur kurz die Verbesserungsvorschläge: KavenTsmann, Du/Dich nur groß, wenn der Leser gemeint ist, aber nicht, bei einer Person, die im Text angesprochen wird, Mehrzahl von Euro ohne s (?), ein Stiel ist kein Stuhl ;o). Dünne Oberarme finde ich etwas sehr mickrig, der Neid kommt auch ohne Bauch aus. Übrigens bist Du bei Google nicht mehr auf Platz ein beim Runengrab. Es scheint diesen Begriff wirklich zu geben! Aber wer würde so etwas schon nachschlagen, wenn er es nicht selbst verwechselt hätte. Is' doch eegaaal!

Eingetragen am: 18.07.2008

Kommentar von Carola Ottenburg

Hallo Frog, die Episode hat mir ausgezeichnet gefallen. Ich finde es bewundernswert, wie Du es schaffst, eine derart dramatische Situation mit so viel Humor zu schildern. Die Bilder sind stimmig und Godo ist einfach wunderbar skizziert. Wenn Du das durchhältst, kaufe ich Dein Buch auf jeden Fall - versprochen! Das Einzige, was ich zu bemäkeln hätte sind ein Rechtschreibfehler (der Wecker ist von Tchibo - ohne "s"), die Reihenfolge des Anziehens und das Runengrab in der Auffahrt (gemeint ist wahrscheinlich ein Hünen- oder Dolmengrab). Aber das sind Kleinigkeiten, die Du beim Überarbeiten wahrscheinlich selbst beseitigt hättest. Viele liebe Grüße Carola

Eingetragen am: 01.06.2008

Kommentar von Bridget Olliver

Hola Frog, danke für den Dreiabsatzurlaub auf Ibiza:-) Godo ist absolut glaubhaft dargestellt. Mir gefällt, dass er Humor hat (kann über sich selbst lachen, spricht selbst mit gebrochenem Daumen noch mit der smaragtgrünen Eidechse). Ein in Flip-Flops tanzender Flamecotänzer (kleiner Scherz, ich habe den Kommentar bezüglich der Guitarra schon gelesen:-) Du könntest ihn mit seinem Tintenfischdaumen zum Doc schicken. Eine von Docs Krankenschwestern kann das bestimmt kostenfrei regeln. Vielleicht wäre es gut, die ersten zwei Absätze ein bißchen "einzudampfen". Aber mir gefällt der Text auf jeden Fall auch so, wie er jetzt ist. Bin gespannt wie und wo es für Godo und Linn weitergeht. liebe Grüße Bridget

Eingetragen am: 25.05.2008

Kommentar von Angela Barotti

Tolle Story, da spritzig und frisch. Schön auch der Vergleich des Daumens mit einem Stück gekochten Tintenfisch. Wo nimmst du nur solche Ideen her? Bewundernswert./Zum Thema Flipflops: War das so gewollt, dass er sich erst die Flipflops anzieht und dann die Shorts? Der Kater würde das rechtfertigen, aber dann hätte ich gerne, dass er sich mit den Schuhen noch in den Hosenbeinen verheddert ;-)

Eingetragen am: 25.05.2008

Kommentar von Frog

@ Danke Numungo @Hej Mata, Du immer mir Deinen Formatierungen...:-) Ich bin doch keine Layouterin. Sagst Du mir, wo Du's albern findest? Würde mir helfen. @Rose, Du hast ja so Recht. In Holzschuhe könnte man steigen, in Flops höchstens schlüpfen oder ich würde ostwestfälisch sagen "schlatzen"... @Monika, das stimmt. Am Ende hatte ich keinen Bock mehr. Lustig, Deine Assoziation. Ich habe mir Godo als Flamencotänzer vorgestellt und mich schlapp gelacht. Zur Info: Godo ist Gitarrenspieler, den erklärenden Satz habe ich hier irgendwie gelöscht. Stand im vorherigen Kapitel...

Eingetragen am: 25.05.2008

Kommentar von Numungo

Hallo Frog, durch die Länge des Textes konntest du Godo so gut charakterisieren, dass mein Interesse, mehr über ihn zu lesen, geweckt wurde. Mit einem kürzeren Text hättest du das vermutlich nicht geschafft. Der Daumenunfall allein, macht Godo ja noch nicht wirklich interessant. Weiterhin viel Erfolg, Numungo (12052).

Eingetragen am: 24.05.2008

Kommentar von Mata

Hi Frog. Mir hat dein Beitrag auch gut gefallen, obwohl ich mich MaDes Hinweis anschließe: Für die Aufgabe hätten die letzten beiden Absätze gereicht. Jedoch lernt man durch die Einleitung deinen Charakter auch besser kennen, was sicher kein Nachteil ist. ___ Ich würde ein wenig darauf achten, das Verb ‚haben’ nicht zu oft zu gebrauchen. Auch Pointen müssen gezielt gesetzt werden. Weniger ist meist mehr, sonst kann es leicht mal überzogen wirken. Auch wenn ein Charakter witzig oder tollpatschig ist, darf er doch nie albern wirken.___ Noch was zur Formatierung. Direkte Rede, auch wenn sie gemurmelt wird, immer in Anführungs- und Schlusszeichen und auf eine neue Linie setzen. Das lesende Auge wird es dir danken. LG, Mata (und wenn Godo mal ins Emmental kommen sollte, dann darf er ruhig beim Bäuerchen klingeln ;-))

Eingetragen am: 24.05.2008

Kommentar von MaDe

Hallo Frog, hat mir gut gefallen. Den Unfall hast du gut beschrieben - es tat richtig weh ;0) Von wegen der Länge: für meinen Geschmack hätte es gereicht, Du hättest mit dem vorletzten Absatz begonnen... lg

Eingetragen am: 24.05.2008

Kommentar von wladimir

Aua!!! Eine witzige Geschichte. Gefällt mir.Auf jeden Fall lernt man Deinen "Helden" gut kennen...und: Sie ist nicht zu lang. Freue mich auf Deinen nächsten Text. Wladi

Eingetragen am: 24.05.2008

Kommentar von kerstin

Liebe Frog, das ist ganz wunderbar lebendig geschrieben, eine absolut sympathische Figur und ein Ambiente, das man sich total vorstellen kann, sehr sehr lebhaft und schön! Glückwunsch dazu. Wie geht´s weiter??

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von RoseCanyon

Hi Frog, nein, mit nichten ist Deine Geschichte zu lang. Der Prolet Godo reißt einen doch mit und der Text liest sich wirklich flüssig. Nur einmal bin ich etwas hängen geblieben - steigt man wirklich in seine Flops? Das Verb schien mir etwas hart zu sein. Ansonsten passt m.E. alles, insbes. die Daumenszene ist super auf diesen Charakter zugeschnitten. Hat mir Freude gemacht zu lesen.

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von andrea

Darauf habe ich gehofft und mich gefreut. Eine Daumengeschichte aus Ibiza. Ich musste beim Lesen laut lachen, woraufhin meine Kolleginnen gleich mitlesen mussten. Die Szene stand bildlich vor mir. Als der Hammer auf den Daumen krachte zog sich mein Bauch zusammen. Autsch... Vielen Dank. Einen lieben Gruß andrea

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von Monika

Hallo Frog, super Beschreibung für Godo, ich sehe ihn vor mir, den mäßig behaarten Bauch kratzend, miesmutig durch sein Chaos schlurfend. Mir war Dein Text auch nicht zu lang. Einzig die letzte wörtliche Rede fällt für mich vom restlichen Text ab... ist dir da nichts mehr eingefallen? Ach so, ja, dass Godo Flamengo tanzt, das hat mich auch gewundert. Ich dachte er hätte einen kleinen "Schmierbauch". Ich freue mich auf Neuigkeiten von Godo und bin gespannt was Linn so meint... Gruß Monika

Eingetragen am: 23.05.2008

Eingetragen am: 23.05.2008 von Linda Cuir
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12094

…………Wieder stehe ich in dem großen, schattigen Hotelgarten an den Stamm einer hohen Kokospalme gelehnt und schaue der Tanzgruppe bei ihren Proben zu. Ein sanfter Windhauch vom Meer lässt die Blätter der Palmen rascheln. Da höre ich das Rufen meines Namens. Ich bin mir nicht sicher, ob ich geträumt habe, aber ich vernehme das Rufen ein weiteres Mal. Die Lehrerin winkt mich zu sich herüber. Inzwischen kennen einige der Tänzer und Tänzerinnen meinen Namen und einen Teil meines Schicksals. Selbst der Sicherheitsdienst des Hotels toleriert stillschweigend meine Anwesenheit. Ich belästige niemanden, ich bleibe nur an diesem Ort und beobachte ihre Tänze. Danach verlasse ich umgehend die gepflegten Grünflächen mit ihren in vielfältigen Farben blühenden Orchideen-Beeten über den angrenzenden weißen Sandstrand.
Seit Wochen tue ich nichts anderes, als in meiner winzigen Blechbehausung in den Slums von Colombo das Gesehene nachzuahmen. Ich lebe jetzt in einem Elendsviertel direkt am Meer; das hat den Vorteil, dass ich wenigstens einen schönen Ausblick und Wasser zum Waschen habe.
Ich beobachte, wie die Tänzerinnen ihre Hände biegen, dabei die Handflächen drehen und die Finger spreizen, an denen sie lange Nägel tragen. Ich schaue sehr genau, wie sie die Arme elegant nach oben nehmen, die Füße gleichmäßig im Wirbel der Trommeln heben und senken und dadurch die silbernen Glöckchen, die sie an ihren Fußgelenken tragen, ertönen lassen, den Kopf dabei majestätisch erhoben tragen oder ihn leicht in die eine oder andere Richtung bewegen. Ihre Gesichter lächeln unaufhörlich. Tagelang laufe ich durch Colombo und suche in den Abfällen nach einem Stück Spiegel. Erfolglos. Ich stelle mich an die Fensterscheiben der großen Geschäfte und bewege mich, bis man mich auch dort fortjagt.
Ich erwarte, dass man mich bittet das Hotelgelände zu verlassen. Langsam gehe ich zur Lehrerin hinüber und blicke sie traurig an. „Anjali, ich brauche dich, du musst heute Abend mittanzen, eines meiner Mädchen ist krank“. „Aber ich kann doch gar nicht tanzen“, antworte ich zaghaft. „Anjali, wir beobachten dich seit Tagen, wie du zu unseren Klängen deinen Körper, deine Arme und Füße geschmeidig bewegst, du kannst es und jetzt stelle dich hinten in die letzte Reihe“. Meine Beine beginnen zu wanken, ich muss mich festhalten um nicht zu stürzen. Ich kann es nicht glauben. Dann stelle ich mich in die letzte Reihe und bewege meinen Körper zur einsetzenden Musik. Die anderen nehme ich gar nicht mehr wahr. Ich tanze wie im Rausch, erst der Applaus der Tänzerinnen und Tänzer lässt mich in die Wirklichkeit zurückkehren. Gemeinsam suchen sie die passende Kleidung und den dazugehörigen Schmuck für mich. Leela, die Chefin, ruft noch schnell nach Rati, der Schneiderin. Ich bin so dünn, Kleinigkeiten an dem Silber durchwobenen Oberteil und dem weißen Rock müssen noch verändert werden. Ohne mich zu rühren, heften und stecken sie die überflüssigen Stoffreste unsichtbar nach innen. Gerne würde ich in den Spiegel blicken, aber dazu bleibt keine Zeit. Dann setzt mir Leela den Kopfschmuck auf. Plötzlich denke ich an Tom und wünsche mir, dass er mich nur einmal so sehen könnte.
Die wenige Zeit bis zum Auftritt bleibe ich bei den anderen, sie machen mir Mut und erzählen mir lustige Geschichten.

Die Show beginnt, ich tanze, als gehöre ich schon immer dazu. Ein Blitzlichtgewitter bricht über uns herein. Ich höre den tosenden Beifall. Ich darf bleiben, ich habe es geschafft. Müde und trotzdem aufgewühlt gehe ich zurück in meinen Verschlag. Dort setzte ich mich auf den Boden. Inga, meine treue Mitbewohnerin kommt aus ihrem Versteck. Ich weiß nicht einmal ob diese kleine Ratte ein Weibchen ist, ich habe sie Inga getauft, nach Toms schwedischer Freundin. Freudig erzähle ich ihr alle Vorkommnisse des Tages. Sie bleibt neben mir. Vermutlich bewegt sie leicht ihre Barthaare. Ich kann es nicht sehen, es ist viel zu dunkel. Aber am Tag, wenn ich ihr meine Kümmernisse berichte, dann schaut sie mich mit ihren Knopfaugen an und ihre feinen Härchen vibrieren. Dankbar über ihre Anwesenheit streiche ich kurz über ihren weichen Fellrücken, dann lege ich mich hin und schlafe.

Es sind schon einige Wochen vergangen, ich tanze jeden Abend mit der Gruppe. Wir ziehen von Hotel zu Hotel. An einem Samstagabend, direkt nach unserer Vorstellung steht ein junger Mann vor mir und fotografiert mich. Durch sein Blitzlicht bin ich geblendet, ich stolpere und stürze die Treppe hinunter. Ich versuche mich abzustützen. Dabei breche ich mir den rechten Daumen. Ich schreie laut auf. Der Daumen wird sofort unförmig dick und die Schmerzen sind unerträglich. Leela stürzt auf mich zu. „Anjali, was ist los?“ „Ich habe mir den rechten Daumen verletzt, ich glaube er ist gebrochen“. „Du musst sofort einen Arzt aufsuchen“, sagt sie mitfühlend. Der Daumen wird nun auch noch blau. Die pochenden Schmerzen werden noch unerträglicher. Geld für einen Arzt habe ich überhaupt nicht, aber ich sage kein Wort. Ich falle zwei Wochen aus, danach ist mein Platz in der Tanzgruppe von meiner Vorgängerin belegt.
Es ist nur eine sehr kurze Unterbrechung meines Elends. Die wenigen verdienten Rupien habe ich in meiner elenden Behausung vergraben. Ich werde sehr sparsam mit ihnen umgehen.


Kommentar von Linda Cuir

Hallo Carola, danke für deinen ausführlichen Kommentar und die Aufklärung über die Ratten. Ich werde meinen Beitrag noch einmal überarbeiten. Liebe Grüße Linda (Cuir)

Eingetragen am: 01.06.2008

Kommentar von Carola Ottenburg

Hallo Linda, dein Text erscheint mir, wie ein schönes, trauriges Märchen aus Sri Lanka. Was mich ein bisschen gestört hat, war die Ansprache der Tanzlehrerin, die für mich ziemlich gekünstelt klang. Vielleicht wäre es eine Idee, hier mit kürzeren Sätzen zu experimentieren. Auch die "elende Behausung" am Ende ist mir aufgestoßen. M.E. wäre es besser, das Adjektiv weg und die Bewertung dem Leser zu überlassen. Ach, und noch eine Kleinigkeit: Das Geschlecht bei Ratten ist auf den ersten Blick erkennbar, weil die Männchen sehr ausgeprägte Hoden haben, die nach hinten abstehen. Diese Bällchen sind wirklich nicht zu übersehen; schon gar nicht, wenn sich die Ratte auch noch streicheln lässt (Ich hatte mal Ratten und kann sie als Schmusetiere sofort weiterempfehlen ;-) - aber das wird jetzt sehr ot) Viele Grüße Carola

Eingetragen am: 01.06.2008

Kommentar von Linda Cuir

Für Jutta: danke für die lieben Worte. Am Ende gewinnt Anjali! Liebe Grüße Linda Hallo Frog, auch ich habe eine extreme Rattenphobie und trotzdem habe ich Inga eingebaut um die Einsamkeit dieser jungen Frau besser herauszuheben. Inga wird aber nicht mehr vorkommen. Versprochen. Nur noch Geckos (trop. Eidechse), Libellen, Wasserbüffel und was mir noch einfällt. Die Ratte ist bei den Hinus auch noch heilig und es gibt in Indien einen eigenen Tempel für diese Tiere! Schaurig. Deine Zeilen motivieren mich, herzlichen Dank dafür. Liebe Grüße Linda

Eingetragen am: 26.05.2008

Kommentar von Frog

Du hast mich wieder gebannt. Das ist alles so echt und nah, eine große Kunst, Sri Lanka und die ganze Stimmung so eindringlich und authentisch zu schildern. Ich habe das Gefühl, wenn Du schreibst, wirst Du zu Anjali, alles fließt. Super. Das gibt es nur ein Problem: Ich habe eine eine ausgeprägte Rattenphobie, echt! Kommt Inga oft vor? Ansonsten müsste ich die Absätze halt überfliegen... Bis bald.

Eingetragen am: 25.05.2008

Kommentar von Jutta Wölk

Hallo Linda, eine traurige und schöne Geschichte die Emotionen weckt. Endlich geschafft und doch verloren? Liebe Grüße Jutta

Eingetragen am: 23.05.2008

Eingetragen am: 23.05.2008 von ml
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11. Übung

Alle saßen am Frühstückstisch und ließen es sich schmecken nur Steve fehlte. Man hörte Krach aus seinem Zimmer. Es hörte sich an, als wolle er das ganze Zimmer rundum mit Bildern versehen. Er war am hämmern, als könne er damit einen Preis gewinnen. Scheinbar hatte er es sich in den Kopf gesetzt den Raum so voll zu pflastern, dass keine kahle Stelle mehr blieb.

"Auhhh, verdammt....." hörten sie plötzlich gefolgt von einem Geräusch des Hammers, der auf den Boden gefallen war, oder geworfen wurde. Dann hörte man ein Getrampel von dem man annehmen konnte, dass Steve eine Kriegstanz seiner Vorfahren aufführte. Das Geheul, das er dabei ausstieß unterstrich diese Vorstellung. Bis auf Marina grinsten sich alle an. Man konnte förmlich die Gedankenblasen über den Köpfen hängen sehen, in denen Steve um ein Lagerfeuer tanzte und Kriegsgeschrei von sich gab, wie in einem Comic. Aber Marina schaute besorgt aus der Wäsche.

Steve kam, immer noch heulend, die Treppe herunter gestürzt. Als er in der Eßzimmertür stand, war er bleich. So bleich, das es aussah als habe er sich entschlossen von nun an ein Weißer zu sein. Sein Gesicht war schmerzverzerrt. In den Augen schimmerten Tränen.

Marina eilte zu ihm. "Steve, was ist passiert?"
"Mein Daumen." sagte er und hielt ihr seine Hand hin. Der Daumen war gebrochen, das sah man sofort.
"Wie hast du das denn angestellt?"
"Mit dem Hammer."
"Du hast dir mit dem Hammer darauf gehauen?"
"Ja."
"Das macht man ja auch nicht."
"Sehr witzig. Kannst du mich zum Arzt bringen?"
"Ja, komm." sie fischte sich die Autoschlüssel aus der Schale, in der sie aufgehoben wurden und verschwand mit ihm aus dem Raum. Auf dem Weg zur Haustür konnten sie hören wie im Eßzimmer versucht wurde ein kollektives Lachen zu unterdrücken. Nicht allen gelang es. Zu dem Schmerz schlich sich Wut in Steve's Gesicht.
"Die haben gut lachen. Weiß denn keiner wie weh das tut? Der Daumen pocht, als habe er ein eigenes Herz bekommen. Das ist gemein."
"Komm schon Steve, es passiert ja nun auch nicht jeden Tag, dass einer in der Tür steht und kundtut, dass er sich auf den Daumen gehauen hat. Das mußt du schon zugeben, oder?"
"Mann, das hab ich doch nicht extra gemacht. Das kann doch keiner glauben oder? Ich würde mir doch nie extra solche Schmerzen zufügen. Das ist doch wohl klar." schrie er sie an.
"Weiß ich doch. Wenn du dich weiter so aufregst, vergißt du noch den Schmerz."
"Jetzt fang du nicht auch noch an."
Er setzte sich auf den Beifahrersitz und schwieg anklagend.
Marina versuchte sich zu beherrschen. Natürlich hatte sie Mitleid mit Steve. Sie hatte selbst schon einmal ein gebrochenes Bein und konnte sich gut vorstellen, dass die Schmerzen heftig waren. Aber Steve stellte sich an, als habe man ihm den Daumen amputiert. Als käme die Sache nie wieder in Ordnung. Dass er dazu noch eingeschnappt war, darüber, das die anderen über sein Mißgeschick gelacht hatten, verstärkte den Lachdrang in ihr noch. Aber sie biß sich auf die Lippe und versuchte an etwas anderes zu denken.

Geduldig wartete sie im Wartezimmer, bis Steve, immer noch ganz bleich, fertig war. "Können wir auf dem Rückweg noch an einer Apotheke vorbei fahren? Ich soll Tabletten nehmen, wenn der Schmerz wieder kommt."
"Wenn wir nur dran vorbei fahren, bekommst du deine Tabletten nie."
antwortete Marina, die meinte, sie habe Steve nun endgültig genug bemitleidet.
"Du kannst ein richtiger kleiner Klugscheißer sein. Wärst du bitte so außerordentlich nett und brächtest das Auto vor der Apotheke zum stehen, damit ich h i n e i n gehen kann, um mir die Schmerztabletten zu holen?"
"Danke für den Klugscheißer. Aber ich nehm's dir nicht krumm. Ich hole dir die Tabletten schon. Aber hör bitte auf, so zu tun, als seist du gerade noch mit dem Leben davon gekommen."
"Es gibt kein Mitgefühl mehr auf dieser Welt. Vielleicht sollten wir sie doch untergehen lassen."
"Steve, jetzt ist aber genug. Reiß dich mal zusammen. Du bist doch ein ausgewachsener Mann."
"Aber mit einem gebrochenen Daumen....."
"Und, wer ist Schuld daran? Ich nicht, oder? Im Gegenteil ich chauffiere dich durch die Gegend und muß mich noch anmaulen lassen."
"'Tschuldigung. "
"Angenommen."

Als sie wieder im Haus waren, war der Frühstückstisch natürlich längst geräumt und alle anderen saßen schon an den Computern. Die Spritze, die der Arzt ihm gegeben hatte wirkte und ließ den Schmerz weichen. Jetzt hatte er Hunger und ging in die Küche.

"Olla Steve, tut's noch weh??" fragte Mama Gonzalez.
"Nein, jetzt nicht mehr, ich habe eine Spritze bekommen. Kann ich noch was zu essen haben, bitte?"
"Aber ja, mein armer Junge. Setzt dich doch, ich bring' dir was. Kann doch keiner erwarten, dass ein so großer Mann ohne Essen den Tag beginnt. Was ist den passiert mit dem Daumen?"
"Ich wollte ein Bild aufhängen in meinem Zimmer. Die Wände sind so hart, dass ich wahnsinnig oft auf diesen blöden Nagel hämmern musste. Ich bin langsam ungeduldig geworden, weil ich auch zum Frühstück wollte und da habe ich mir ausversehen auf den Daumen gehauen. Mama Gonzalez du kannst dir gar nicht vorstellen, wie weh das getan hat."
Im Vorbeigehen stich sie ihm übers Haar und antwortet: "Oh doch, ich habe auch schon mal einen gebrochenen Knochen gehabt. Tut wirklich weh. Aber geht auch wieder vorbei."
"Wenigsten einer, der mich versteht."
Sie stellte eine Schüssel Rührei vor ihn hin und reichte ihm frisches Maisbrot dazu. Es roch so lecker, dass er wirklich seinen Daumen fast vergessen hätte.
"Mama Gonzalez, du bist die beste Köchin weit und breit. Ist das lecker."
"Kannst du denn jetzt noch am Computer arbeiten?"
"Ja, ich habe ja zwei Hände."
"So ist's richtig, Junge. Laß dich nur nicht unterkriegen."
"Danke."

Nach dem Frühstück ging er hinüber in den Computerraum und machte sich auf eine neue Ladung Spott gefaßt, die aber nicht da war. Die anderen saßen an ihren Plätzen und arbeiteten konzentriert. Sie nickten ihm nur kurz zu und wandten sich dann wieder ihrer Arbeit zu. Aber sie erkundigten sich auch nicht, wie es ihm ging. Ließen kein Mitgefühl erkennen. So setzte er sich auch an seinen Platz fuhr den PC hoch und ließ seine linke Hand auf seinem Schoß ruhen.

"Eh Leute, hört mal. Es gibt einen Stamm der heute noch alte Riten zelebriert. Es sind die Afroamerikaner, die hin und wieder um ein Lagerfeuer tanzen und dabei Laute ausstoßen, die für unsere zivilisierten Ohren schwer zu verstehen sind. Sie tanzen sich dabei so in Rage, dass sie kurz davor stehen, die Hautfarbe zu ändern. Seid bitte vorsichtig, wenn ihr so einem begegnet. Die sind extrem empfindlich. " gab Ken von sich und schaute in die Runde, als habe er gerade von Außerirdischen berichtet, die er als erster entdeckt hatte. Er schien vollkommen ernst.

Völlig unerwartet traf ihn Steve's Tennisball, der immer auf seinem Schreibtisch lag. Ken ließ sich aus seinem Stuhl fallen. Schaute in die Runde, rappelte sich auf und fing an im Kreis zu laufen, dabei schrie er, als sei er tödlich getroffen. Er führte sein Tänzchen auf, bis alle ihn anflehten endlich aufzuhören. Marina hielt sich den Bauch und hatte Tränen in den Augen. Emily hielt sich die Hände vor die Augen, damit sie Ken nicht weiter sehen musste. Juanez lag am Boden und lachte sich kaputt. Auch ihm standen Tränen in den Augen. Rhana sah zum ersten Mal wirklich glücklich aus und selbst Steve konnte nicht verhindern, dass er lachte. So sehr er es auch versuchte, er schaffte es nicht. Ken war zu lustig. Obwohl er wusste, dass sich alle auf seine Kosten amüsierten, konnte er nun ahnen, wie sein Unglück unten angekommen sein musste.

"Ken, hör' auf. Ich kann nicht mehr. Gnade" bat er darum.
Ken hörte mit dem Tanz auf und schaute in die Runde. Er machte einen absolut erstaunten Eindruck. Scheinbar war ihm vollkommen entgangen, wie lustig er war. Aber dann fing er doch an zu grinsen, ging auf Steve zu und sagte: "Danke Steve, so wie heute früh, hab' ich schon lange nicht mehr gelacht. Alles wieder in Ordnung?"
"Ja, klar. Aber erwartet jetzt bloß nicht, dass ich mir weiter auf die Finger haue, nur um euch zu unterhalten."
"Wir sind doch keine Unmenschen."
"Na dann ist ja gut. Kann ich jetzt bitte in Ruhe arbeiten?"

Er drehte sich wieder seinem Bildschirm zu und versuchte sein Grinsen vor den anderen zu verbergen. Aber eine Bemerkung musste er dann doch noch loswerden: "Ken?"
"Ja, Steve?"
"Wenn du mal keinen Bock mehr auf Musik, Malen oder Weltretten hast, solltest du versuchen, als Schauspieler unterzukommen. Der Oscar wäre dir sicher."
"Ja. Stimmt." pflichtete Emily ihm bei. "Ich wusste gar nicht, was für Talente noch in dir schlummern."
"Das war echt klasse." sagte Marina.
"Ich glaube, das war so ziemlich das lustigste, was ich je gesehen habe. Wie du von dem Stuhl gekippt bist, sah aus, als ließe man eine Zeitlupe ablaufen. Echt Ken, ganz toll." lobte Juanez.
"Stimmt wirklich, damit könntest du auftreten." sagte Rhana.
Ken stand auf und verneigte sich in alle Richtungen.

Es war das letzte Mal, das sie so ausgelassen zusammen waren. Nur gut, dass sie es nicht wussten.


Kommentar von ml

Hallo Frog, danke für dein uneingeschränktes Lob, das ist echt selten. Hallo Carola, danke auch für deinen Kommentar. Ja, du hast Recht. Der Text wird noch überarbeitet. Ich bin eigentlich wirklich froh, dass ich in der ersten Version immer zu lang bin, weil es mir im zweiten Durchgang Stoff zum Streichen gibt. Das finde ich viel einfacher, als eine magere Story zu "strecken". Hallo alle zusammen, hat eigentlich keiner Mitleid, mit dem armen Steve??? Der hat Schmerzen und alle lachen darüber. Ist das fair?

Eingetragen am: 05.06.2008

Kommentar von ml

Hallo Rosamsa, vielen Dank für Deine Worte. Du hast natürlich Recht. Sie wird noch gekürzt. In der ersten Version habe ich immer zu viel Text. (Aber das ist auch gut so, sonst hätte ich ja in der zweiten nichts zu kürzen.) Auch mit den vier "hörten" bin ich voll bei dir. (Hätte mir auch selbst auffallen können?!?) Dein Vorschlag ist gut. ich freue mich immer, wenn es konstruktive Kritik gibt. Wie geht's dem Nachbarn? Alles wieder OK?? Bis dann..... ml

Eingetragen am: 03.06.2008

Kommentar von Carola Ottenburg

Hallo ml, mir hat der Text insgesamt gefallen, auch wenn er m.E. einige Längen hat und Du einige Formulierungen nochmal überarbeiten müsstest. Aber immerhin ist das hier nur ein Entwurf, den Du sicher noch das eine oder andere Mal überarbeiten wirst. Was mir gut gefallen hat, sind die unterschiedlichen Charaktere. Du hast ihre Individualität und ihre Eigenheiten sehr schön herausgearbeitet. Viele Grüße Carola

Eingetragen am: 01.06.2008

Kommentar von Frog

Mal was anderes. Mir gefällt das Zusammenspiel der ganzen Gruppe mit diesen unterschiedlichen Typen, die Dialoge, die ganze Stimmung, der Witz – und das Ende, das so neugierig macht.

Eingetragen am: 25.05.2008

Kommentar von rosamsa

Hallo ml, Dein Text bringt mich zum Schmunzeln, der arme arme Steve. Vor kurzem hatte unser 87jähriger Nachbar einen kleinen Umfall im Garten, ich schreibe bewusst Umfall. Er kam blutüberströmt zu uns, wir riefen den Notarzt, weil Samstag, der kam auch und innerhalb kürzester Zeit der zweite und dann noch der Hausarzt inklusive vier Nachbarn die dem ganzen zusahen. Später sagte uns seine Tochter die sehr weit weg wohnt, sie hoffe doch, dass ihn das nicht zu neuen Unfällen animiere, da der Aufmerksamkeitsgewinn schon enorm hoch sei. Genau so kommt mir dein Steve vor. Steht im Mittelpunkt, lässt Marina springen, macht ihr noch ein schlechtes Gewissen und benimmt sich wie ein kleiner beleidigter Rotzjunge. In der Geschichte steckt viel Witz, aber ich würde sie an vielen stellen kürzen. Auch die vier "hörten" in den ersten zwei Abschnitten würde ich etwas ändern oder zusammenfassen. Z.B. Steve polterte heulend die Treppe hinunter.Kreidebleich und mit schmerzverzerrtem Gesicht stand er in der Esszimmertür, Tränen schimmerten in seinen Augen, er sah aus, als ob er sich entschlossen habe von nun an ein Weißer zu sein. LG rosamsa

Eingetragen am: 25.05.2008

Kommentar von ml

Hallo Numungo, nein, die habe ich tatsächlich aus der Aufgabe heraus entwickelt. Zuerst wollte mir kein vernünftiger Grund einfallen, wie man sich den Daumen brechen kann. Ich wollte aus dem Daumen schon einen Zeh machen, als es mir wie Schuppen von den Augen fiel. Danke für Dein Lob. Bis dann.. ml

Eingetragen am: 25.05.2008

Kommentar von Numungo

Hallo ml, toll, was du für eine Geschichte um den gebrochenen Daumen herum entwickelt hast. Gibt es die Story schon länger? Ich bin gespannt, was die Protagonisten noch nicht wissen. Ich weiß es ja auch nicht. Viele Grüsse, Numungo (12052).

Eingetragen am: 24.05.2008

Eingetragen am: 23.05.2008 von Angelika Wagner
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12070

Anne ist überglücklich. Sie hatte die Hoffnung schon aufgegeben. Die Hoffnung, dass ihr Traummann zu ihr zurückkehren würde. Die Hoffnung auf ein glückliches Leben mit Lukas. Endlich hat er gemerkt, dass er sie liebt und nicht mehr ohne sie leben kann. Jetzt wird er sich endlich scheiden lassen, um sein Leben mit ihr zu verbringen.
Anne soll noch einmal zum Spitzingseehotel kommen, der Zimmerschlüssel liegt auf dem hinteren Autoreifen. Sein Wagen steht auf der unbeleuchteten Seite des Parkplatzes, letzte Reihe. Anne parkt auf der entgegengesetzten Seite. Noch musste sie vorsichtig sein. Noch durfte niemand von ihrer Beziehung zu Lukas wissen.
Da vorne seht sein BMW, ein CSI, Baujahr 1971, genau wie Anne. Dieser Kiesbelag ist Gift für ihre Stilettos. Etwas wackelig kommt sie voran. Das auch noch, Lukas hatte den Wagen genau in eine Pfütze geparkt. Nein, er kann nichts dafür, die Pfütze hat sich wahrscheinlich erst bei diesem Gewitter vor zwei Stunden gebildet. Links wird sie besser an den Hinterreifen ran kommen. Also, den engen Rock hochgeschoben, die Beine gespreizt, in die Hocke gegangen. Linke Hand aufs Dach gelegt und mit der Rechten das Rad abgetastet. Außer Schlamm und ein paar Steine, die im Profil stecken, nichts. "Aufstehen, bevor dir die Beine einschlafen!", befiehlt sich sich selbst. Ganz vorsichtig. O.k., der Schlüssel liegt also auf dem Reifen mitten im Schlammloch. Andere Seite, selbe Position. Nur diesmal lässt sich die Pfütze nicht aussparen. Anne hockt auf Zehenspitzen über dem Dreckloch und fühlt den Autoreifen ab. Da biegt ein Auto um die Ecke. Das Scheinwerferlicht kommt direkt auf sie zu. Sie duckt sich, hält in ihrer Tastbewegung inne und kann sich in dieser verkrampften Pose nicht mehr halten. Als sie nach dem Reifen greift um sich festzuhalten, passiert es: Sie rutscht mit dem Fuß ab, spürt Schlamm an den Beinen, möchte den Rock retten und bleibt mit ihrem linken Daumen genau zwischen Radkasten und Stoßstange hängen. Im selben Moment bekommt sie das Übergewicht und verdreht ihre Hand. Es kracht, wie beim zerbrechen eines Hänchenflügels. Die Luft anhaltend, den Schmerz ignorierend, trippelt Anne rückwärts aus der Pfütze heraus. Erst als sie wieder einigermaßen festen Boden unter ihren Füßen spürt, befreit sie ihren Daumen. Jetzt hat der Schmerz seine Chance und er kommt mit voller Wucht. Der Daumen ist gebrochen, da besteht kein Zweifel. Blub, pft, der Zimmerschlüssel ist im Schlamm gelandet.


Kommentar von Frog

Konnte die Situation gut nachempfinden, mag der Anfang auch kitschig sein. Kenne den Parkplatz aus einigen Urlauben, der perfekte Ort für geheime Treffen, aber bei miesem Wetter richtig unheimlich... Spielt der ganze Roman in der Gegend? Das würde mich ja freuen...

Eingetragen am: 27.05.2008

Kommentar von Sylvia

Hallo Angelika! Ich mag deine kurze knappe Sprache und den schwarzen Humor in der Szene. Wenn du die ersten Absätze streichst, gewinnt die Story sehr! LG Sylvia

Eingetragen am: 26.05.2008

Kommentar von Numungo

Hallo Angelika, das ganze Leben spielt sich im Präsens ab, auch wenn das nicht alle wahrhaben wollen. Weshalb also sollte nicht auch eine Geschichte oder ein Roman im Präsens geschrieben werden können! Die ersten beiden Absätze würde ich streichen, den letzten Satz auch. Die wichtigen Informationen aus dem zweiten Absatz kannst du ja in den Haupttext einarbeiten. Wie kommst du übrigens auf diese ungewöhnliche Stelle, um einen Daumen zu brechen? :-) Viele Grüsse, Numungo (12052).

Eingetragen am: 24.05.2008

Kommentar von Angela Barotti

Präsens stört mich zum Beispiel gar nicht. Dafür allerdings der sehr hohe Kitschanteil im ersten Absatz. Wenn du hier ersatzlos streichst und der letzte Satz ohne 'Blub' auskommt, dann ist es eine solide Story.

Eingetragen am: 24.05.2008

Kommentar von Birgit Jennerjahn-Hakenes

Ich habe so mein Problem mit Geschichten, die im Präsens geschrieben werden. Der Ansatz ist ganz gut, mir ist das aber nicht "packend" genug. Wie bekommt man denn das Übergewicht? Verliert man nicht eher das Gleichgewicht?

Eingetragen am: 23.05.2008

Eingetragen am: 22.05.2008 von Numungo
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12052

Der gebrochene Daumen

Nachdem die Welt in meinem Kopf aufgehört hatte, sich zu drehen, ließ das Schwindelgefühl langsam nach. Mein Blick wurde wieder klarer und ich bemerkte, dass ich auf der Erde lag. Mit bizarr verdrehten Armen und Beinen lag ich bäuchlings auf einem dicken, feuchten Moospolster und spürte, wie die Nässe langsam durch meine Kleidung drang. Auf der Zunge nahm ich einen erdigen, modrigen Geschmack wahr. Ich versuchte auszuspucken, doch es ging nicht. Mein Gesicht lag noch immer mit dem Mund auf der Erde. Da erst wurde mir bewusst, dass es nicht mein Blick war, der klarer wurde, denn ich hatte die Augen noch immer geschlossen. Es waren meine Gedanken, die versuchten, sich von der Situation ein Bild zu machen.

Ich konnte mich nicht erinnern, wie ich hierher gelangt war. Was war geschehen? Ich versuchte den Kopf etwas anzuheben und öffnete die Augen. Doch ich ließ ihn bald wieder fallen, denn es fiel mir sehr schwer, ihn in dieser Lage hoch zu halten. Was ich gesehen hatte, war Moos. Grünes Moos. Hellgrünes Moos. Dunkelgrünes Moos. Und dazwischen ein paar wenige schneeweiße Stämme von Birken. Sonst nichts. Nur noch einen einsamen Fliegenpilz, der nicht weit von meinem Kopf aus der Moosdecke lugte. Sein Hut war angebissen.

So langsam wurde mir meine gekrümmte Haltung unbequem. Alle meine Glieder schmerzten. Also versuchte ich aufzustehen, doch es ging nicht. Mein rechter Daumen steckte fest. Er steckte in einem Loch in der Wurzel eines Baumes. Wie er da hineingeraten war, weiß ich nicht. Jedenfalls steckte er drin. In einem Loch, das gerade so groß war wie mein Daumen dick. Oder vielleicht ein klein wenig enger. Da meine Lage immer schmerzhafter wurde, versuchte ich mich aufzusetzen. Irgendwie musste das doch gehen. Und vielleicht würde es mir im Sitzen auch leichter fallen, den Daumen aus seiner misslichen Lage zu befreien. Also spannte ich alle meine Muskeln an und brachte meinen Körper in eine sitzende Stellung.

Ich wollte mich schon freuen, wie leicht mir das gelang, als ich einen stechenden Schmerz verspürte. Tränen schossen mir in die Augen. Zuerst war mir nicht klar, woher dieser plötzliche Schmerz rührte, doch dann gab es keinen Zweifel mehr: es war der Daumen. Er steckte nun auch nicht mehr in diesem Loch in der Wurzel. Die Hand war wieder frei und ich konnte sie leicht in alle Richtungen bewegen. Nur der Daumen stand etwas seltsam ab. Irgendwie musste ich ihn während meines schwungvollen Aufsetzens nach hinten überbogen haben. Ich versuchte ihn mit den Fingern meiner linken Hand wieder gerade zu biegen. Das schmerzte anfangs noch mehr, doch dann ebbte das stechende Gefühl langsam ab.

"Du hättest ihn brechen können", sagte eine krächzende Stimme hinter mir. Ich wandte mich um. Es war ein Rabe. Er saß schwarz und majestätisch auf dem untersten Ast einer nahen Birke.

"Was heißt hier können", fragte ich mürrisch zurück, "er ist gebrochen, er ist tatsächlich gebrochen!"

"Nun, dann solltest du ihn verbinden," antwortete der Rabe und irgendwie hatte ich dabei das Gefühl, als würde er grinsen.

Ich sah mich um, doch ich konnte nichts ausmachen, womit ich meinen Daumen hätte schienen oder verbinden können. Ich hatte auch kein Verbandszeug dabei, nie hatte ich welches dabei.

"Und wie soll ich das tun?", fragte ich, "ich habe nichts, womit ich den Daumen verbinden könnte."

Da hüpfte der Rabe mit einigen kräftigen Flügelschlägen von seinem Ast herab, hob einen kleinen Zweig auf, der im Moos lag und brachte ihn mit ein paar weiten Hopsern zu mir her. Danach pflückte er mit seinem großen Schnabel einige lange, schmale Blätter von einer Pflanze ab, die ich nicht kannte und reichte sie mir ebenfalls. "Nimm das", sagte er und flog wieder auf seinen Ast zurück.

Nun brach ich mit meiner Linken den Zweig in eine geeignete Länge und versuchte die Schiene am rechten Daumen zu fixieren und mit den Grashalmen fest zu knoten. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gelang mir das ganz gut und sobald ich fertig war, spürte ich auch nur noch ein leichtes Ziehen im verletzten Daumen. Als ich meinen Blick wieder dem Baum zuwandte, war der Rabe verschwunden. Nur der angebissene Fliegenpilz stand noch neben mir im Moos.


Kommentar von Azahar

Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl die Beschreibung eines Traums zu lesen. Deshalb kam mir weder die Position aus der dein Held versucht sich aufzurichten, noch der Rabe seltsam vor. Die letzten beiden Sätze, bestätigten mir beim Lesen meine Annahme. Ich hoffe du wirst uns aufklären. Bin schon bespannt!

Eingetragen am: 02.06.2008

Kommentar von Carola Ottenburg

Hallo Numungo, wieder einmal hat es mir gefallen. Du formulierst so schön, dass mich nicht einmal der sprechende Rabe gestört hat. Irgendwie passt er sogar zu dieser Geschichte. Viele Grüße Carola

Eingetragen am: 01.06.2008

Kommentar von Miyu

Hallo Numungi, mir gefällt der Text eigentlich sehr gut - nur der erste Satz erschien mir irgendwie die Aussage zu doppeln :) Aber du hast schön bildlich geschrieben, die Sitaution des Protagonisten (und das Moos) gut veranschaulicht. Und wenn ich ehrlich bin: mir hat der Rabe gefallen. Er bringt das Ganze in eine Richtung, die mich Schmunzeln lässt und den Text mit weniger Ernst entgegenkommen. Liebe Grüße, Miyu

Eingetragen am: 29.05.2008

Kommentar von Velarani

Ich gehe mal davon aus, dass jetzt eines deiner drei Ichs spricht aus "deinem" Roman, schön! Der lebt also in einer Traumwelt, wo Raben sprechen können? (so wie der Wald in "Kafka am Strand"?) Bitte bleib da dran, ich bin so gespannt, wie du das gebacken kriegst! LG Velarani

Eingetragen am: 26.05.2008

Kommentar von Sylvia

Sehr bizarr. Sehr märchenhaft und poetisch! Für mich war der Rabe eine Halluzination, aber was ist vorher passiert? Bin neugierig und warte auf mehr! LG Sylvia

Eingetragen am: 26.05.2008

Kommentar von ml

Hallo Numungo, laß ihn bitte weiter sprechen. Meine tun es auch. Aber wenn sie nicht sprechen, wenn sie einem z.B. nur die Tür aufhalten und man meint, ihnen folgen zu müssen, sind sie bedrohlich. Dann weiss ich manchmal wirklich nicht, ob es klug ist, ihm zu folgen. Bis dann... ml

Eingetragen am: 25.05.2008

Kommentar von Numungo

@lillilu: der Titel zu carlos castaneda würde mich interessieren.

Eingetragen am: 24.05.2008

Kommentar von Numungo

Vielen Dank für eure Kommentare. Leider muss ich Euch entäuschen, diesesmal geht es nicht um Snorri, der momentan noch gar nicht "mein" Roman ist. Natürlich habe ich mir überlegt, ihn weiter zu spinnen, doch nachdem er monatelang in einer dunklen Hütte mit verletztem Bein und Kopf auf das Frühjahr warten musste, wollte ich ihm nicht auch noch den Daumen brechen. @ Ginko: Der Text gehört nicht zu einem Kindermärchen, spielt jedoch auch nicht in der realen Welt. @ lillilu, @jutta, @wladimir: Der angebissene Fliegenpilz ist eine Andeutung. Vielleicht war der Rabe nur eine Hallunzination. Vielleicht auch nicht. @ Karin: Natürlich denke ich die Ereignisse in meinen Geschichten immer durch, du hast jedoch trotzdem recht. Als ich mich in Gedanken aufsetzen wollte, lag ich auf dem Rücken, ohne daran zu denken, dass ich vorher bäuchlings lag. In dieser Stellung kann ich mich nicht gut aufsetzen, ich würde wohl eher auf den Knien rutschen, danke für den Tipp. @ rose, @ralle, @alle: Dass ein Rabe solch kontroverse Reaktionen auslösen kann, zeigt doch, dass hinter diesen mystischen Vögeln mehr steckt. In meinen Träumen und auch im wirklichen Leben begegnen mir unentwegt Rabenvögel, in den letzten Jahren immer häufiger. Ich denke, ich werde sie weiterhin sprechen lassen.

Eingetragen am: 24.05.2008

Kommentar von Angela Barotti

Ich muss mich leider Lillilu anschließen. Du startest als Numungo, aber du hältst es dieses Mal nicht durch. Soll heißen: Die Distanz von mir als Leser zum Protagonisten wurde mit jedem Satz größer. Auch hat mir die Beschreibung des Lochs nicht gefallen. Ein einziger Satz dazu hätte m. E. ausgereicht.

Eingetragen am: 24.05.2008

Kommentar von wladimir

Hallo numungo, Deine Texte finde ich immer interessant und gut geschrieben. Ja, ja, die jungen Fliegenpilze!! Man beißt rein und schon sprechen die hilfreichen Raben. Diese Wendung gefällt mir. Wie geht es wohl weiter? Experementiert der Erzähler mit Pilzen? Wird er Heiler? Wird er süchtig? Freundet er sich mit dem Raben an? Nutzt er ihn als Ratgeber oder ist es wie bei Don Juan, der von Mescalito nicht angenommen wurde? ( Die Wirkung von Meskalin und Fliegenpilzen soll ja sehr ähnlich sein) Oder habe ich alles nur falsch verstanden! Wenn ja, dann spricht auch das FÜR Deinen Text. Ich mag Texte, bei denen der letzte Satz mit dem ersten korrespondiert und der erste erst durch den letzten erhellt wird.Das ist dir hier gelungen. Gruß Wladi

Eingetragen am: 24.05.2008

Kommentar von Jutta Wölk

Hallo Numungo, das ist eine schöne fantasievolle Geschichte. Ich sehe vor meinem geistigen Auge wie der Rabe hilft und plötzlich nicht mehr da ist. Darin steckt so viel Potenzial. Was war geschehen? Habe ich mir alles nur eingebildet? Gibt es den Raben wirklich? Mystik, Fantasie oder was auch immer, da kann man eine Menge daraus machen. Hat mir sehr gut gefallen. Liebe Grüße Jutta

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von Ralle

Hallo Numungo, bitte lass den Raben weg! Viele Grüße von Ralle!

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von RoseCanyon

Hallo Numungo, ich hatte zuvor den Text von Frog gelesen und war daher in einem ganz anderen Tempo. Dein Stück strahlt sehr viel Ruhe aus und man relaxt richtig beim Lesen. Ja, es ist wie in einem von den tschechischen Märchen, die es in meiner Kindheit im Fernsehen gab. Hat mir sehr gut gefallen, was Du geschrieben hast. Die Kritik bzgl. des Dialogs teile ich nicht ganz. Mir gefällts.

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von Karin

Hallo, Numungo! Du hast Deinen Text sehr liebevoll geschrieben, in allen Einzelheiten die Empfindungen der/des Verunfallten geschildert. Über den Dialog mit dem Raben kann man diskutieren, nach meinem Geschmack schießt er jedoch etwas über das Ziel des Themas hinaus. Ich habe versucht, mich in die Lage der Person hineinzuversetzen. Es ist mir nicht gelungen, mich daraus zu befreien, indem ich mich mit Schwung aufzusetze. Vielleicht legst du Dich einmal auf die Erde und versuchst, das Ganze nachzustellen. Herzliche Grüße. Karin

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von Angelika Wagner

Wunderbare Geschichte. Ich spüre das Moos, ich rieche die feuchte Luft und ich mag Raben sehr.

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von Lillilu

Ich habe deinen neuen Beitrag mehrfach gelesen, um dahinter zu kommen, was dieses mal anders ist. Es beginnt wunderbar transzendent, ein echter Numungo, aber dann kommt der Dialog mit dem Raben und du bist in einem anderen Genre. Da hat Ginko recht. Könntest du evtl. vollständig auf den Dialog verzichten und nur durch Blicke zwischen dem Vogel und Snorri die Rettungaktion für den Daumen entwickeln? Die Tiere (z.B. Katzen) "unterhalten" sich auch von Kopf zu Kopf und durch Körpersprache. Was willst du mit dem angebissenen Fliegenpilz sagen? Dass er Halluzinationen hat? Hast du Carlos Castaneda gelesen? Bei Interesse nenne ich dir die Titel. Lieben Gruss von Lillilu

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von Frog

Na, Ginko, so ein ausgeprägter Dialog war das nun auch nicht, um ihn gleich in die Märchenschublade zu stecken. Wiedergeben schreibt man mit ie und @Numungo: Ich finde diese Szene sehr bildhaft und lebendig und konnte beim Lesen zum ersten Mal ein Gefühl für Snorri entwickeln. Außerdem gefallen mir die kurzen Sätze...

Eingetragen am: 22.05.2008

Kommentar von Ginko Korn

Raben können die menschliche Stimme so gut widergeben, dass wir vermeinen, sie sprechen zu hören. In diesem Sinne hätte Snorri mit knappen Worten vorlieb nehmen sollen. So aber wirkt der Dialog aus einem Kindermärchen entnommen. Oder ist das beabsichtigt?

Eingetragen am: 22.05.2008

Eingetragen am: 22.05.2008 von Sarah. S.
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12044

„Mensch Susanne, wie hast du das denn hingekriegt?“ Meine Chefin Corina, die gleichzeitig auch eine ehemalige Klassenkameradin von mir ist schaut von meinem Krankenschein auf zu mir. „Gerade jetzt, wo die Urlaubszeit anfängt...“
Als ob ich das nicht selbst wüsste. Ich trat von einem Fuß auf den anderen. „Vielleicht könnte ich ja in der Zeit jemand anders begleiten oder jemanden neu anlernen? Eine Hand ist ja voll in Ordnung.“
Corina überlegte einen Moment, ob Susanne sie verhöhnen wollte. Aber sie schien das Gesagte ernst zu meinen.
„Du bist selbst gerade erst zwei Monate bei uns. Glaubst du wirklich, du bist in der Lage, einen Neuling komplett einzuweihen? Und als zweiter Mann – nun mal ehrlich, wie begeistert ist man, wenn der Stundenlohn sich quasi halbiert?“ Sie legte den Krankenschein, der für mich und die Firma zunächst einmal zwei Wochen Ausfall bedeutete zu meiner Akte und schloss das Register wieder. „Wie hast du das eigentlich geschafft?“
„Ich bin gerannt, um die Tür abzuschließen, damit Justin nicht erst wieder verschwindet und ich ihn im ganzen Haus suchen darf, so wie jeden Morgen, bevor wir los können. Mit einer Hand hing ich im Türspalt, zog mit der anderen die offene Tür zu, als ich das Gleichgewicht verlor und die Hand im Türrahmen beließ, um mich abzufangen. Wohl einen Moment zu lange...“
Corina sah mich ungläubig an, dann ging sie zu ihrem Schreibtisch. „Entschuldige mich bitte, aber ich muss jetzt die Dienste umorganisieren.“
Das sie nicht erfreut wäre wenn ich mit dem Krankenschein hier auftauchen würde war klar. Das sie aber so reagiert, als hätte ich ihr eine gescheuert, das hatte ich nicht erwartet. Nicht von ihr. Sie wusste, das ich auch während der Schulzeit sehr sehr selten krank gewesen bin. Und jetzt ein Unfall mich außer Gefecht gesetzt hat; dennoch bekam ich ein schlechtes Gewissen, als hätte ich eine Magen-Darm-Grippe vorgetäuscht und mir so zwei zusätzliche Wochen Urlaub verschafft. „Mach’s gut, Corina. Ich komme dann Ende nächster Woche vorbei und sage Bescheid...“ Dabei zeigte ich mit dem rechten Zeigefinger auf die weiße halb eingegipste linke Hand und den Daumen.
Corina sah nicht mal mehr auf, als ich hinaus schlich und die Tür hinter mir zuzog.
Justin schlief noch immer in seinem Autokindersitz. Meine Mutter sah mich fragend an als ich einstieg. Doch ich hatte keine Lust darauf einen Kommentar abzugeben. „Fahren wir gleich noch zum Supermarkt, damit ich dann das Nötigste im Hause habe?“
„Na klar.“ Sie drehte den Zündschlüssel und der schwarze Mercedes sprang sofort an. Zuverlässig war dieses alte Überbleibsel aus alten Tagen schon, obwohl viel zu teuer in der Unterhaltung. Trotzdem wurde er nicht gegen ein modernes Modell getauscht...
Wie oft schon hatte ich mit meiner Mutter darüber geredet, das dieses Fahrzeug ihre Haushaltskasse belastete wie sonst nichts, aber sie hatte kein Stimmrecht in ihrer Ehe. Weder beim Auto noch sonst wo. Und sie schaute weg und lächelte einen nach einer solchen Unterhaltung einfach an; ich habe niemals einen hilfloseren erwachsenen Menschen getroffen. Wir standen indessen schon auf dem Parkplatz. Sie sprang aus dem Wagen und zu Justins hinterer Wagentür. Er war schon eine Weile wach und streckte ihr erwartungsvoll die Arme entgegen. „Warte, Sannchen, ich helfe dir auch gleich.“
Ich hatte mir nur den linken Daumen gebrochen, aber sie klang als läge ich im Sterben. Und ich hasste mich dafür, das ich mit meiner rechten Hand den Sicherheitsgurt links einfach nicht lösen konnte, obwohl ich mir alle Mühe gab...
Sie setzte Justin in den Einkaufswagen und öffnete meine Wagentür. Dann beugte sie sich über mich und eine Sekunde später war ich befreit. Ich stieg ärgerlich aus. Zornig auf mich, mein Ungeschick, meine Kilos und mein Schicksal. Warum passieren solche blöden Geschichten immer mir?


Kommentar von Sylvia

Ein Frauenroman? Du hast die Charaktere gut getroffen. Die Szene auf der Arbeit kennt wohl jeder, und das Gefühl, das dabei entsteht, auch! Das dumme schlechte Gewissen macht es uns Frauen schwer! Gefällt mir! LG Sylvia

Eingetragen am: 26.05.2008

Eingetragen am: 22.05.2008 von Martina
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12050

Ich hörte ein schabendes Geräusch in der Dunkelheit. Und dann durchzuckte mich auch schon dieser stechende Schmerz. Ich hielt die Luft an und biss mir auf die Lippen. „Nur kein Geräusch machen. Er darf dich nicht entdecken.“, dachte ich nur, während mir die Tränen in die Augen schossen. Als die erste Schmerzwelle verklungen war, versuchte ich wieder klar zu denken und meine Situation einzuschätzen. Als erstes lauschte ich in die stockfinstere Scheune, aber er schien mich nicht gehört zu haben. Das war schon mal ein Pluspunkt. Andererseits steckte meine rechte Hand zwischen zwei Holzbalken fest, was alles andere als positiv war. So etwas konnte auch wieder nur mir passieren. Was musste ich auch mitten in der Nacht dem Gutsverwalter hinterher schleichen. Manchmal vergaß ich, das ich Journalistin und keine Detektivin war. Wahrscheinlich war dieser Mensch einfach unschuldig und ich hatte mir nur wieder was eingebildet, weil er sich so merkwürdig mir gegenüber verhielt. Aber diese späte Einsicht änderte jetzt auch nichts an der Tatsache, das ich hier feststeckte. Ich versuchte, langsam meine Hand zwischen den Balken herauszuziehen. Aber das war so schmerzhaft, das mir wieder die Tränen in die Augen schossen und ich mich hinhocken musste, weil mir schwindlig wurde. Ich atmete tief ein und aus, um nicht auch noch ohnmächtig zu werden. „Deine Neugier bringt dich noch mal um.“, hatte meine Pflegemutter oft zu mir gesagt und heute fühlte ich zum ersten mal, das sie recht behalten könnte.
Da ertönten Schritte aus der Dunkelheit und der Lichtkegel einer Taschenlampe wurde sichtbar. Ich versuchte, mich hinter der hüfthohen Holzwand ganz klein zu machen und hoffte, das meine eingeklemmten Fingerspitzen nicht zwischen den Balken hervorlugten. Der Verwalter, John Barren, hatte mich schon einmal erwischt, wie ich ihm nachspioniert hatte. Aber ich hatte mich mit einer Ausrede herauswinden können. Eigentlich war ich eine Meisterin im Erfinden von Geschichten, Ausreden und Notlügen, aber in diesem Fall würde es auch mir schwer fallen, eine glaubwürdige Geschichte auf den Tisch zu legen. Nur ein paar Schritte entfernt von mir blieb der Verwalter stehen und beleuchtete den umgekippten Balken. „Jetzt muss ich das morsche Ding wohl doch ersetzen.“, brummte er grimmig. „Hättest du es doch nur schon getan.“, dachte ich im gleichen Tonfall. Doch John Barren wandte sich um und ging zu der schmalen Treppe, die vom Dachboden der Scheune herunterführte. Ich lauschte ihm nach, bis ich hörte, wie er das Scheunentor hinter sich schloss. Erleichtert atmete ich aus. Jetzt musste ich mich nur noch selbst befreien. Während die Taschenlampe über den Boden leuchtete, war in meiner Nähe eine rostige Eisenstange sichtbar geworden. Wahrscheinlich war sie es, auf der ich ausgerutscht und deshalb gegen die Holzwand gestoßen bin. „Dann kannst du mir jetzt auch wieder heraushelfen.“, murmelte ich ihr zu und hangelte mit den Füßen danach. Das klappte zumindest besser als ich gehofft hatte. Mit der Stange bewaffnet stand ich wieder auf und begann meine Befreiungsaktion, in dem ich eine geeignete Stelle zum Ansetzen des Eisens ertastete. Ich musste den Balken nur ein paar Millimeter bewegt kriegen, dann könnte ich meine Hand vielleicht schon herausgezogen bekommen. Mein erster Versuch machte mir allerdings schnell klar, das auch das eine schmerzhafte Aktion werden würde. Sobald der Balken sich rührte, hatte ich wieder den beißenden Schmerz im Arm. Aber mir blieb keine andere Wahl. Also bis ich die Zähne zusammen, setze die Stange noch einmal an, und zählte rückwärts. „Drei, zwei, eins, jetzt.“ Die Qualen waren fast unerträglich. Diesmal konnte ich den Schmerzensschrei auch nicht unterdrücken. Sobald ich meine Hand befreit hatte, ließ ich mich schluchzend auf den Boden fallen. Nachdem ich mich nach einiger Zeit beruhigt hatte, begann ich eine Bestandsaufnahme meiner Hand. Es schien alles noch dran und kein Blut geflossen zu sein, den Daumen hatte es am schlimmsten erwischt. Wahrscheinlich gebrochen, bewegen ließ er sich jedenfalls nicht. Ich wollte ihn auch gar nicht anfassen und wahr froh, das ich meine Hand in der Dunkelheit nicht sehen musste. Als ich mich sicher genug fühlte, die Scheune zu verlassen stand ich langsam auf, steckte die unverletzten Finger meiner Hand in meinen Hosenbund und machte mich vorsichtig auf den Weg zur Treppe. Im Schneckentempo stieg ich hinab, immer darauf achtend nirgends mit meinem Arm anzustoßen. Nach einer Ewigkeit, wie es mir schien, kam ich unten an. Durch die Fenster der Scheune fiel ein wenig Mondlicht und so war der Weg nach draußen leichter zu finden. Nachdem ich das Tor hinter mir geschlossen hatte, ließ ich mich ein wenig abseits der Scheune ins Gras sinken. Draußen war ich, doch wie sollte es jetzt weitergehen? Der einzige Mensch, der zur Zeit noch auf dem Gut wohnte, war Elisabeth Brannen, Johns Schwester. Und obwohl wir inzwischen recht gut befreundet waren, würde sie es mir vielleicht übel nehmen, wenn sie hörte, das ich mir die Verletzung hinzugezogen habe, als ich ihrem Bruder hinterher spionierte. Zum Dorfarzt zu laufen, kam auch nicht in Frage. Mit dem Fahrrad brauchte man schon zwanzig Minuten dorthin. Erschöpft legte ich mich lang. Es waren ja noch ein paar Stunden bis Sonnenaufgang, bis dahin fällt mir ganz sicher noch etwas ein. Das war das letzte was ich dachte, bevor ich einschlief.


Kommentar von Carola Ottenburg

Bis auf einige Längen sehr spannend. Ich würde weiterlesen. Viele Grüße Carola

Eingetragen am: 01.06.2008

Kommentar von Sylvia

Schön spannend und bis auf ein paar Fehler gut geschrieben! Insgesamt würde ich auch die Szene kürzen und etwas knackiger machen. Ich habe auf jeden Fall mitgezittert. Toll! LG Sylvia

Eingetragen am: 26.05.2008

Kommentar von Jutta Wölk

Hallo Martina, hört sich nach einem spannenden Krimi an. Warum spioniert sie hinterher? Ich konnte mich gut in die Gefühle der Protagonistin versetzen. Was tun, ich Depp? Warum passiert mir das ausgerechnet jetzt? Und wie geht es weiter? Gut beschrieben. Liebe Grüße Jutta

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von Birgit Jennerjahn-Hakenes

Ich würde etwas kürzen, damit der Leser dran bleibt. Und noch ein Vorschlag: Statt: "Ich musste den Balken nur ein paar Millimeter bewegt kriegen, dann könnte ich meine Hand vielleicht schon herausgezogen bekommen." "Ich musste den Balken nur ein paar Millimeter bewegen, dann könnte ich meine Hand herausziehen."

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von Lillilu

Super spannend! Aber vielleicht solltest du doch gelegentlich dass mit Doppel "S" schreiben?

Eingetragen am: 22.05.2008

Eingetragen am: 22.05.2008 von Mata
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12043

Schon den ganzen Tag klebten die schwarzgrauen Wolken an der Eggfluh und ab und zu hörte man dumpfes Grollen vom Treichelwald herüber. Kilian Kneubühler presste seine Wange an den warmen Körper der alten Kuh und der Schweiß floss ihm in Strömen übers Gesicht. Melken war ja eine nette Beschäftigung, aber nicht, wenn sich das Hygrometer der hundert Prozent Marke näherte. Lizzi kaute währenddessen gemächlich das frisch geschnittene Gras und schlug ihrem Herrn respektlos den Schwanz ins Gesicht.

Die Fliegen waren wirklich verflucht lästig, vor allem vor einem Unwetter. Kilian zuckte mit dem Kopf, als ihm eine fette Schmeißfliege über die Stirn krabbelte und da geschah es. Er verlor das Gleichgewicht, der Melkstuhl kippte und Kilian polterte auf den dreckigen Stallboden. Er versuchte im Fallen noch den Eimer mit der frischen Milch zu retten, aber Lizzi erschrak sich dermaßen, dass sie einen unverhofften Schritt zur Seite machte. Der Eimer flog in hohem Bogen durch den Kuhstall, knallte an die Stalltür und fiel scheppernd zu Boden. Lizzi rollte wild mit den Augen, machte einen Hopser nach rechts und kam schnaufend auf Kilians Hand zum Stehen.

Das Knacken spürte er mehr, als dass er es hörte, wusste aber sofort, dass etwas gebrochen war. Kneubühler gab seiner Kuh einen groben Stoss in die Flanke und zog seine Hand unter ihrem Huf hervor. Der Daumen war fast bis zum Handgelenk verdreht, als hätte er vor, rückwärts per Anhalter zu fahren und schwoll innert Sekunden zu doppelter Größe an.

„Goppferteckel nonemol!“, fluchte er, kam ächzend auf die Beine und starrte verstört auf seine Hand.
Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Die Heuernte stand vor der Tür, das Obst musste gepflückt und verarbeitet werden und gestern hatte ihn der Förster angefragt, ob er ihm beim Aufforsten des Treichelwalds behilflich sein könnte. Für harte Franken natürlich! Das konnte er jetzt alles vergessen.
Kilians Augen glänzten verdächtig und er zog die Nase hoch. Dann stapfte er zur Stalltür, gab dem leeren Milcheimer einen wütenden Tritt und machte sich auf den Weg zum Doktor.


Kommentar von Mata

Hallo Leute! Entschuldigt meine späte Antwort. Besten Dank für eure freundlichen Kommentare. Freut mich natürlich sehr, dass der Kilian euch überzeugt. ___ @ Numungo: Da hast du vollkommen Recht! Danke fürs aufmerksame Lesen. @ Carola: Ich habe eine ganze Reihe solcher Charaktere, die auf meiner Festplatte schlummern, um eventuell mal eine Rolle (irgendwo) zu spielen. Wie gesagt, liebe ich es, Lebensläufe zu erstellen und Personen zu erfinden. Evtl. sollte ich daraus einen Beruf machen!? ;-) LG, Mata

Eingetragen am: 04.06.2008

Kommentar von Carola Ottenburg

Hallo Mata, kaum zu glauben, dass Du Kilian erst für die letzte Übung erschaffen hast. Diesmal finde ich ihn absolut überzeugend. Für den Ablauf gilt das Gleiche und die Sprache ist einfach hinreißend. Weiter so! Viele Grüße Carola

Eingetragen am: 01.06.2008

Kommentar von Sylvia

Herrlich! Die Szene passt, die Sprache sitzt! Weiter so! LG Sylvia

Eingetragen am: 26.05.2008

Kommentar von rosamsa

Hallo Mata, ich war sofort bei Kilian im Kuhstall. Ein kauziger Typ. Das Fluchen hat mich zum Lachen gebracht, konnte ihn mir so richtig grimmig, ärgerlich vorstellen. LG rosamsa

Eingetragen am: 25.05.2008

Kommentar von Numungo

Hallo Mata, endlich wieder Kilian, die Geschichte passt gut ins Gesamtbild deiner Figur. Allerdings würde ich ihn immer Kilian nennen. Mit Nachnamen können ihn ja "fremde" Personen ansprechen. Viele Grüsse, Numungo (12052).

Eingetragen am: 24.05.2008

Kommentar von Mata

Ach, ihr seid zu gütig! Aber ich freue mich natürlich, wenn ihr den Kauz mögt. ;-) Herzlichen Dank fürs Kommentieren.

Eingetragen am: 24.05.2008

Kommentar von Angela Barotti

Alles passt zusammen und die Bilder, die du mit deinem Text in mein Kopf erzeugst, sind sehr stimmungsvoll./Ja, mach unbedingt mit Kilian weiter.

Eingetragen am: 24.05.2008

Kommentar von Jutta Wölk

Hallo Mata, habe die ganze Geschichte vor meinem geistigen Auge aublaufen sehen. Ich habe mich köstlich amysiert, bitte weiter so! Kurz, knackig, und witzig! Liebe Grüße Jutta

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von Tina

Hallo Mata, das liest sich einfach flüssig und vergnügt so weg. Schöne Sprache, lebhafte Bilder, humorvoll - toll! LG Tina

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von Mata

Hallo ihr Zwei! Lach ... ja, mein Bäuerchen. Er spinnt jetzt doch ein wenig in meinem Kopf herum, und für diese Übungen ist er geradezu prädestiniert. Freut mich, wenn er euch gefällt und besten Dank für die Rückmeldungen. Mal sehen, ob ich ihm nicht doch eine Geschichte widmen werden. ;-) LG, Mata

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von Birgit Jennerjahn-Hakenes

Guter Stil. Ich war im Kuhstall dabei!

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von Frog

Klasse! Danke, dass Du Dich mit Kilian angefreundet hast und nun eine weitere Episode aus seinem Leben erzählst – das machst Du nicht nur fachkundig, sondern humorvoll, mit einem ironischen Augenzwinkern und sehr lebensnah. Schön! Machst Du weiter? Wäre toll. Ein bisschen erinnert mich Kilian auch an meine Figur Godino, die beiden würden sich mögen...:-)

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von Lillilu

Spitzenmäßiger Text!

Eingetragen am: 22.05.2008

Eingetragen am: 22.05.2008 von Lothar Fink
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12022

Meine Augen fixierten immer noch den Kuppelbau, ich blickte geradewegs nach oben, als es einen Schubs gab und ich wiederholt zum weitergehen aufgefordert wurde.
Alle kamen in eine Sammelzelle, an jeder Wand stand eine Bank und vorn neben der Tür ist ein Toilettenbecken ohne Deckel. Naja, wenn Du hier mal musst, dann können alle zuschauen. Stell Dir vor Du musst kacken!
Wir quatschten ein wenig über alles und ich fragte nach dem Haftrichter. Die Jungs sagten mir, alle die hier direkt von der Gothaer Straße nach Moabit fahren, werden nicht dem Haftrichter vorgeführt! Hier werden Fotos gemacht, Fingerabdrücke genommen und jeder wird zum Arzt geführt.
Anschließend wirst du deiner Zelle zugeführt.
Ein Kloß, mit der Größe eines Tennisballes setzte sich in meinem Hals fest, ich sprach kein Wort mehr und hoffte nur noch. Ich hoffte bald, das heißt in ein zwei Stunden in die offene Abteilung zu kommen, damit ich mich um mein privaten Kram kümmern kann. Außerdem muss ich bis heute vierzehn Uhr im Büro meinen Dienst am Flughafen antreten, Frau Müller von der LTU zurückrufen. Ich musste meinem Chef erklären, warum mich gestern Nachmittag die Polizei mitnahm.
Doch zum denken blieb jetzt keine Zeit, wir bekamen ein Handtuch, ein Stück Seife und wurden zu den Duschen geführt. Aus Spielfilmen kennt man schon einige Dinge, die passieren konnten, wenn Männer im Knast gemeinsam duschen gehen. Und sehr wohl war mir bei dieser Angelegenheit nicht, doch ich roch mies und muffig wie ein Straßenpenner, also brauchte mein Körper ein wenig Wasser und Seife.
Wir gingen zum Duschen zogen uns aus und stellten uns unter die bereits heiß spritzenden Wasserstrahlen. Schön unhygienisch ging das hier zu, keiner hatte Badelatschen und der Fußboden war leicht bräunlich, in den Ecken der Fliesen und auf den Fugen war leichter grüner Schimmel.
Hinten in der Ecke pisste jemand in den Duschablauf, ich verlies schnell die Wasserstrahlen, damit mir kein fremder Urin unter die Fußsohlen lief.
Dabei missachtete ich eine Stufe und stieß mit meinem großen Zeh gegen sie, fiel auf meine Knie, die sofort aufschrammten und zu bluten anfingen. Während ich mich an der Kante des Waschbeckens festhalten wollte, rutschte ich wegen meiner noch eingeseiften Hände ab, knallte mit meinem Oberkörper auf den Boden und während ich mich abstützen wollte, brach ich mir den linken Daumen.
Ich wurde zum Arzt gebracht und meine Wunden am Knie sowie mein Daum wurden versorgt.
Wieder eingesperrt in der Sammelzelle mit den anderen, sah ich wieder das Klo und dachte bei mir, stell Dir vor, Du musst immer noch kacken!
Ein Wärter schließt die Tür auf und fragt nach mir, ich solle jetzt mitkommen, na vielleicht komme ich jetzt doch noch zum Haftrichter. Er führt mich in ein Büro, wo all mein Hab und Gut verbreitet auf einem Tresen lag. Ich musste diese Sachen identifizieren und man zahlte mir mein Hartgeld aus, das andere Geld wird auf ein eigens für mich eingerichtetes Gefängniskonto überwiesen.
Ich fragte nach der offenen Abteilung, denn ich musste doch arbeiten gehen.
„Das machen sie mit ihrem Sozialarbeiter aus, der wird gleich kommen, denn zum Arzt müssen sie ja nicht mehr“, er blickte auf meinen Daum und lachte!


Kommentar von Carola Ottenburg

Hallo Lothar, die Sprache finde ich ein bisschen zu derb für jemanden, der offensichtlich einen Schreibtischjob mit Kundenkontakten hat. Auch ansonsten müsstest Du den Text nochmal in puncto Zeiten und Rechtschreibung überarbeiten. Aber diesen Aufwand ist er m.E. wert, denn abgesehen von den genannten Kritikpunkten finde ich ihn sehr gelungen. Viele Grüße Carola

Eingetragen am: 01.06.2008

Kommentar von Sylvia

Eine derbe Sprache, die aber in den Kontext passt. Mir würde ein wenig mehr direkte Handlung und wöertliche Rede besser gefallen. Aber der Ansatz gefällt mir! LG Sylvia

Eingetragen am: 26.05.2008

Kommentar von Numungo

Hallo Lothar, ich möchte mit deinem Helden nicht tauschen. Da erscheint mir der gebrochene Daumen ja noch das geringste Übel zu sein. Eine Geschichte, die es sicher wert ist, aufgeschrieben zu werden. Manche Sätze könnten kürzer sein. Viele Grüsse, Numungo (12052).

Eingetragen am: 24.05.2008

Kommentar von Lillilu

Ich finde diese Geschichte, aus der ein ganzer Roman werden soll, ist es wirklich wert erzählt zu werden! In allen Einzelheiten und auch mit den Termini wie „kacken“, die hier sicher von einigen beanstandet werden. Ich kann den ganzen Ablauf gut sehen und miterleben. Das einzige Problem scheint mir eine notwendige Überarbeitung in punkto Satzbau und evtl. auch Zeitfolgen etc. zu sein. Vielleicht könntest du dich da etwas hineinknien? Hier ein Beispiel: „Während ich mich an der Kante des Waschbeckens festhalten wollte, rutschte ich wegen meiner noch eingeseiften Hände ab, knallte mit meinem Oberkörper auf den Boden und während ich mich abstützen wollte, brach ich mir den linken Daumen.“ Also zuerst einmal transportiert das Wörtchen „während“ keinen Spannungssteigernden Ablauf (um den es dir hier geht). Wie wäre es so: „Ich griff nach der Kante des Waschbeckens, ( um mich festzuhalten), aber meine eingeseiften Hände rutschten ab! Mein Oberkörper knallte auf den Boden, ich konnte mich mit der Hand nicht mehr abfangen und brach mir den linken Daumen!“ „Um mich festzuhalten“ habe ich in die Klammer gesetzt, weil es eigentlich nicht gebraucht wird – weshalb sonst wolltest du nach der Kante des Waschbeckens greifen? Und dann solltest du immer schauen, in welcher Zeitform du die einzelnen Sätze schreibst – von der Vergangenheit zur Gegenwart oder auch in der Vor-Vergangenheit, wenn etwas noch vor der Vergangenheit lag. Beispiel: Ich hatte gegessen, ich aß, ich esse. Das hört sich langweilig an oder nach Erbsenzählerei, aber es ermöglicht es dem Leser, sich ein Bild zu machen, wann etwas geschah. Das DU kannst du übrigens klein schreiben, wenn du mit dir selbst redest, auch hier im Forum geht es mit kleinem „du“. Ich wünsche dir viel Glück und würde gerne mehr über Moabit lesen! LG Lillilu

Eingetragen am: 23.05.2008

Eingetragen am: 22.05.2008 von fish
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12015

Die sonne scheint mit ihrer körpereindringenden warmen strahlung von rechts durchs fenster. Ein schönes wärmendes, scheinbar bis tief in die seele dringendes stärkendes erhebendes gefühl.
Das dunkelgrüne, noch vom nächtlichen luftreinigenden regen benetzte glitzernde dunkelgrüne gras vorm fenster, einfach herrlich der beginnende frühling.


Ein schleimiger, blutverschmierter, hölzerner, mit schuppen übersähter, handlicher knüppel in der rechten hand.
Ein stark schmerzender daumen im linken schlachthandschuh.
Und kurz davor dieses knacksen, daß durch den ganzen körper fluxte, wie eine kurze leichte ruckartige trockene erdbebenwelle.

Was war passiert ?
A bit fishy hatte wieder mal, wie früher, als er noch fischer war, gemacht was er schon tausende male zuvor gemacht hatte.
Er hat eine forelle, mit einem kurzen heftigen kopfschlag ihrer bestimmung zugeführt. A bit fishy ist allerdings nicht mehr so in übung, wie früher, und so gelang es, der in der sonne regenbogenfarben glitzernden schlitzigen forelle,
kurz bevor der knüppel ihren kopf erreichte, ein heftiger schlag und es erwischte nicht nur ihren kopf sondern auch den daumen von a bit fishy.
Den daumen, der fest am linken kiemendeckel gepresst war, um die forelle zur erreichung ihres ziels, in todsicherer position näher zubringen.
Seinem weltbild entsprechend, war es ihr bestimmungsgemäßes ziel, genüsslich mit einem glas wein, appetitanregenden beilagen, von schätzenden menschen verzehrt zu werden.

Bit fishy wusste auf grund der zahlreichen knochenbrüche, die er sich in seinem draufgängerischen jugendlichen motorsportlereben zugezogen hatte sofort, dass er gerade nicht nur die schädeldecke der forelle zertrümmerte hatte.

„Und wieder dieser für solche fälle typische ablauf. Ich freu mich über etwas euphorisch, in diesem fall die frühjahrsonne, und schon passiert etwas, das genau entgegengesetzte gefühle auslöst.“, durchfuhr es ihn.


Seine ureigenste eigenschaft in alles einen sinn zu suchen und zu erkennen,
treibt seine gedanken, trotz stechender schmerzen die bis tief in die schulter hinauf wellen, sturmartig an.

„Anscheinend ist es nicht nur wieder mal zeit ins krankenhaus zu fahren, sondern auch wieder mal zeit, über den sinn respektive die lektion eines vorfalls nachzudenken.“


„Hat es sich wieder einmal bewiesen, daß alles dualistisch ist in dieser welt ? Auf freude folgt leid, auf leben tod, auf sonne schatten, auf oben unten, auf tag nacht …“, denkt er.

„Oder war es ein unbewusstes zeichen, dass ich eigentlich keine anderen lebewesen töten will, dass es einfach falsch ist,…“ er sieht dabei, die in den letzten nachzuckungen liegende forelle mit ihren wundervollem nassen schillernden schuppenkleid mitleidig und ehrführchtig an. „

„Oder,..“

„Oder, hat es einen ganz anderen sinn, denn ich jetzt erforschen sollte,…“


Mittlerweile sitzt er am gipstisch und kalte nasse gipswickel werden von einem netten fräulein fürsorglich, mitleidig und wohlwollend um seinen daumen gewickelt.
Sie sieht ihn empathisch an und fragt: „Wissen sie, dass …..


Kommentar von Miyu

Hallo fish, zugegeben, der Text ist gewöhnungsbedürftig, doch auch ich mag solche Experimente :) Der Überschwang an Adrjektieven macht das Ganze sehr "leicht", wenn man es so sagen kann. Leider muss ich auch zugeben, dass die oftmals fehlende Groß- und Kleinschreibung es schwierig macht, die ganzen Adjektive zu überblicken. Liebe Grüße, Miyu

Eingetragen am: 29.05.2008

Kommentar von Frog

Hat was von Dada, aber warum nicht. Ich finde es gut, wenn man rumexperimentiert. Mit so einem Stil hat schon so mancher einen Hit gelandet...Ich musste an T.C. Boyle denken.

Eingetragen am: 26.05.2008

Kommentar von Tina

Ein tiefgründig, philosophierender, fatalistisch gestimmter ehemaliger Fischer versucht euphorisch gelaunt, aber offensichtlich mit Hang zum Verhängnis, eine flutschige Forelle zu foltern - also, ich finde den Text gar nicht so schlecht. Es gibt Autoren, die mit so einer Adjektivanhäufung berühmt wurde, z.B. Dylan Thomas. Aber es stimmt natürlich: Adjektive sollten normalerweise eher sparsam und dafür treffend verwendet werden. Hast Du den Text so wirklich ernst gemeint? Viele Grüße - Tina

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von Birgit Jennerjahn-Hakenes

Ich habe nur den ersten Absatz geschafft. Aus Angst vor einer weiteren Flut Adjektive habe ich das Weiterlesen bleiben lassen und lese im Kommentar von Karin, dass er ihr ähnlich ging. Weniger ist mehr!

Eingetragen am: 23.05.2008

Kommentar von Karin

Hallo, "Bit fishy"! Das haben Kommentare als positives Ergebnis so an sich, dass man gleich wissen möchte, wer dahinter steckt. Ich hatte früher auch immer den Drang, alle die wunderbaren Adjektive zu benutzen. Und da ich mich so schlecht entscheiden konnte - genau wie Du - habe ich immer alle genommen. Das fand ich toll, aber die Leser, die etwas vom Schreiben verstanden, überhaupt nicht. Ich sehe gerade, am Schluss hat das Fräulein den Daumen auch noch verschwenderisch in Adverbien gewickelt. Ich will Dich hier nicht "niedermachen", aber die A`s lenken mich einfach vom sonst interessanten Text ab. Ich werde mir mal Deine anderen Texte ansehen. Trotzdem herzliche Grüße. Karin

Eingetragen am: 22.05.2008

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