120 Die Romanwerkstatt im Autorenhaus Verlag | Schreiben Sie mit! | Kapitel 23 mit Übungsaufgabe
(Foto: Christian Rohr)
„Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie es war, eine Schriftstellerin zu sein, die noch nichts veröffentlicht hat: Man beißt sich mehr schlecht als recht durch und kommt mit Leuten in Kontakt, die ausgesprochen abweisend sein können. Und obwohl ich nun Teil dieser Branche bin, die sich manchmal Neulingen gegenüber wie eine uneinnehmbare Festung präsentiert, stehe ich instinktiv eher auf der Seite derer, die versuchen, die Mauern zu erklimmen."

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Kapitel 23 mit Übungsaufgabe

04.06.2008© 2008 Autorenhaus Verlag GmbH, Berlin
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Leserbeiträge

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Eingetragen am: 04.06.2008 von Don Quichotte
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12648

Er konnte nicht mit Bestimmtheit sagen, was ihn geweckt hatte.Er sah auf die Uhr, es war gerade nach Mitternacht, Geisterstunde," dachte er bei sich",bei diesem Gedanken fuhr ihm ein leichter Schauer über den Rücken.Die Nacht hat immer etwas Mystisches,etwas Unergründliches und die Dunkelheit ist kein gutes Medium für die Fantasie .Sein Herz begann, schneller zu schlagen. War da nicht wieder dasselbe Geräusch,das ihn geweckt hatte, war da nicht ein Schatten, der sich lautlos durch das Zimmer bewegte? Doch dann wieder Totenstille, wieder das Nichts. "Alles Einbildung",sagte sein Verstand.Er musste sich beruhigen, er stand auf, machte Licht und öffnete das Fenster. Nur friedliche Atmosphäre, es regnete leicht und der Wind bewegte die Zweige des Baumes vor dem Haus.


Kommentar von Malea

Du hast versucht, in dem kurzen Text genau die Vorgaben von L. Doughty zu erfüllen. Aber ich finde, das merkt man ein wenig zu deutlich. Deine Zeichensetzung verwirrt mich zusätzlich. Leider hat mich dein Text nicht so richtig in seinen Bann gezogen, vielleicht liegt es auch daran, dass er so kurz war. Mir fehlt ein wenig das Besondere. Aber das ist ja nur meine persönliche Meinung. Weiter viel Erfolg und Liebe Grüße, Malea.

Eingetragen am: 07.06.2008

Kommentar von Fledermaus

Knapp und gut, nur die Anführungszeichen sind dir verrutscht. :O)

Eingetragen am: 06.06.2008

Eingetragen am: 04.06.2008 von Jenni
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12649

Kichernd und ziemlich betrunken torkeln wir nach ein paar Runden Bier in mehr oder minder netter Gesellschaft wieder in ihre dunkle Wohnung. Leonie tastet ewig nach dem richtigen Schlüssel. Ich bin hundemüde. Gut, dass die Couch im Wohnzimmer schon bezogen ist – wäre mir anders aber wahrscheinlich egal gewesen: ohne mich meiner Klamotten zu entledigen falle ich darauf, lalle noch ein „Gudde-Nacht“ in Richtung von Leonies Schlafzimmer und schlafe sofort ein.

Wieder steige ich die Felswand hinauf. Über mir strahlend blauer Himmel, tief unter mir bis zum Horizont das türkise Meer, dessen Salzgeruch zu mir aufsteigt und mich umfängt. Das Rauschen der Wellen dringt in meine Ohren, und ein kribbeliges Gefühl völliger Ausgelassenheit durchströmt mich. Ich werde albern, lehne mich weit nach hinten, den Kopf in den Nacken gelegt, und schaue den Möwen zu, die über meinem Kopf kreisen. Wenn ich mich noch weiter nach hinten lehne, kann ich etwas unter mir Phillip sehen, der mir lachend zuwinkt. Ich höre seine Stimme durch das Meeresrauschen dringen, verstehe aber seine Worte nicht. Weiter geht es nach oben, wie von selbst finden meine Hände die besten Stellen zum Festhalten. Dieser Tag soll nie enden!
Plötzlich rutsche ich aus, Schotter spritzt unter meinem Fuß weg. Gerade noch kann ich mich festhalten. Wie in Zeitlupe höre ich jedes Aufschlagen der kleinen Steine. Und dann: andere Füße als meine, die auf den losen Steinchen ausrutschen. Das pfeifende Geräusch der Luft, die vor Schreck aus seiner Lunge weicht. Einen dumpfen Schlag und erst dann seinen überraschten Schrei, erst laut, dann in der Tiefe verstummend, übertönt vom Meeresrauschen. Mein eigener Schrei dringt schmerzhaft an meine Ohren, als würde ich die Szene von außen mitverfolgen. Die Möwen am plötzlich verdunkelten Himmel schreien mit mir um die Wette.

Schweißgebadet wache ich auf, höre immer noch das Meeresrauschen und das Kreischen der Möwen in der Ferne. Mein Herz schlägt laut und fest von innen gegen meine Brust. Wahrscheinlich habe ich wirklich geschrieen, denn Leonie sitzt schon neben mir im Dunkeln, schlingt jetzt ihre Arme ganz fest um mich. Sie presst ihr Gesicht an meines und unsere salzigen Tränen vermischen sich.
Leonie ist mir in einer schlimmen Zeit beigestanden und sie steht mir immer noch bei, jedes Jahr am 03. September. An dem Tag, an dem ich niemanden sehen will, aber ohne sie vielleicht den Mut verlieren würde weiterzuleben. Heute.


Kommentar von Jenni

Danke an Euch alle für das fleißige Kommentieren. :) Jetzt kam das zweimal mit dem letzten Absatz, und so richtig zufrieden bin ich damit selber nicht. Er kam so zustande, dass ich vorher schon einmal angedeutet habe, dass Leonie Johanna (so heißt die Prota) "in einer schweren Zeit beigestanden ist", und sich ihre Freundschaft im Prinzip alleine darauf begründet. Deshalb habe ich das hier noch einmal aufgenommen, und auch als Überleitung zum nächsten Teil, der noch mehr Aufklärung in diesen Unfall bringt. Das ist aber alles noch etwas vage, vor allem der Teil danach: ich habe mit einer längeren Rückblende begonnen, bin mir aber nicht sicher, ob ich das dann auch so verwenden möchte. Jedenfalls habe ich mir eine Notiz gemacht, diesen Absatz dann nochmal zu korrigieren. Malea hat mich nachdenklich gemacht, durch ihre Bemerkung über meine Stärke bei konkreten Beschreibungen: das ist etwas, wo ich mich immer total unsicher fühle, und oft fasse ich mich glaube ich zu kurz. Das wird sicher noch zukünftig ein Punkt, wo Ihr mir helfen könnt. :) lg Jenni

Eingetragen am: 08.06.2008

Kommentar von Malea

Hallo Jenni! Ein starker Text der Lust auf mehr macht. Der Anfang des letzten Absatzes gefällt mir nicht so, der Schluß dagegen sehr. Immer wenn du konkret beschreibst, bist du am stärksten. Und ich freue mich auf die komplizierte Freundschaft der beiden Ladies. Liebe Grüße, Malea.

Eingetragen am: 07.06.2008

Kommentar von Angela Barotti

Dein Beitrag gefällt mir sehr gut. Die ausgelassene (Party)stimmung findet sich auch am Anfang der schicksalhaften Wanderung wieder, so dass der Leser eingelullt wird und nichts von den Schrecken ahnt, die gleich folgen./Den eigenen Schrei mit den der Möwen zu vermischen ist eine gute Idee, so hat der Leser eine bessere Vorstellung von Tonlage, Lautstärke uww./Der letzte Absatz gefällt mir nicht ganz so. Er könnte ersatzlos gestrichen werden, denn er wirkt wie eine hingeklatschte Begündung für den Text vorher. Ein aufmerksamer Leser sollte inzwischen selber auf eine ähnliche Lösung gekommen sein. Allerdings ist es gerade diese Unbeholfenheit im letzten Absatz, die den Eindruck erweckt, der beschriebene Vorfall sei 'echt'.

Eingetragen am: 06.06.2008

Kommentar von M.P.

Unglaublich real, dieser Traum. Unglaublich stark, dein Stil. Ein richtig guter Text an dem es nichts auszusetzen gibt. So wie Du schreibst, mit der kurzen Einleitung, dem Traum und dem Erwachen, ganz großes Kino. LG M.P.

Eingetragen am: 06.06.2008

Kommentar von Jenni

Danke für Eure Kommentare. Nein, das ist alles nur in meinem Kopf passiert. Hätte ich so etwas tatsächlich erlebt, glaube ich nicht, dass ich darüber schreiben könnte. Ich nehme es als großes Kompliment, dass Ihr das vermutet habt! Dass Ihr von der Freundschaft der beiden so begeistert seid macht mir jetzt schon ein schlechtes Gewissen, weil ich vorhabe, noch ordentlich darin herumzurühren. *fg*

Eingetragen am: 05.06.2008

Kommentar von Frog

Diese Geschichte berührt mich sehr. Sie wirkt in der Tat erschreckend so echt, wie selbst erlebt, so traurig und doch voller Hoffnung. Wer so eine Freundin hat, kann sich glücklich schätzen. Wunderschön beschrieben. Ich möchte mehr erfahren von diesem Schicksal und wie damit umgegangen wird. Bis bald.

Eingetragen am: 05.06.2008

Kommentar von Numungo

Hört dich an, wie selbst erlebt (hoffentlich war es nicht so). Gut erzählt und in deutliche Bilder gepackt. Weiter so, Numungo (12695).

Eingetragen am: 05.06.2008

Kommentar von Sylvia

Hallo Jenni! Eine ergreifende Szene! Die Freundschaft und die Andeutungen am Ende gefallen mir! Der Traum ist etwas überladen - Absicht? LG Sylvia

Eingetragen am: 04.06.2008

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