80 Die Romanwerkstatt im Autorenhaus Verlag | Schreiben Sie mit! | Kapitel 25 mit Übungsaufgabe
(Foto: Christian Rohr)
„Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie es war, eine Schriftstellerin zu sein, die noch nichts veröffentlicht hat: Man beißt sich mehr schlecht als recht durch und kommt mit Leuten in Kontakt, die ausgesprochen abweisend sein können. Und obwohl ich nun Teil dieser Branche bin, die sich manchmal Neulingen gegenüber wie eine uneinnehmbare Festung präsentiert, stehe ich instinktiv eher auf der Seite derer, die versuchen, die Mauern zu erklimmen."

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Kapitel 25 mit Übungsaufgabe

17.06.2008© 2008 Autorenhaus Verlag GmbH, Berlin
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Leserbeiträge

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Eingetragen am: 19.06.2008 von Pedro
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Das letzte Wochenende hatte ich noch immer nicht verarbeitet.
Das Wiedersehen mit meinen Eltern war eine große Freude. Was Susan ständig mit ihnen zu tuscheln hatte, fand ich noch nicht heraus.

Auch Dr. Brown, den ich wegen der Merkwürdigkeiten der letzten Tage am Montag aufsuchte, bat mich, Susan in die Praxis zu schicken.
Was mir fehlte, war, dass ich Kontakt mit einer bestimmten Pflanze hatte, gegen die ich allergisch bin. Mein Unwohlsein drückte sich in Fiber aus, das ich nicht so recht erkannte.

Susan saß am Mittwochabend vor dem PC. Die fällige Rechnung hatte sie überwiesen und ganz nebenbei einen großen Teil der Aufzeichnungen meines Lebens gelesen, mit breitgezogenem Lächeln blickte ich auf die Buchstaben, die hinter ihren Augen verschwanden.
„Du hast nicht gewusst, warum ich am Freitag das Büro so frühzeitig verließ?“
„Nein. Hattest du es mir denn gesagt?“
Sie lehnte sich zurück und drückte sich in die Lehne des alten Bürostuhls. Ich muss schon sagen, dass ich mit Susan nicht nur die Frau fürs Büro fand. Ihr Lächeln suchte eine Antwort.
„Nein das hatte ich nicht. Im Übrigen sind deine Eltern sehr nett.“
Ich öffnete den Kühlschrank, nahm eine Flasche Cola heraus und zwei Gläser aus dem Schrank.
„Für mich bitte Milch, wenn noch welche da ist.“
So kannte ich Susan nicht. Bei jedem Drive Inn bestellte sie zu den Hamburgern immer Cola.
„Ich habe das hier verbessert. Du kannst es ja lesen. Und, ich habe noch etwas aus meiner Sicht hinzugefügt.“
So verlief also mein Freitag …
Viel spannender waren die auf dem Bildschirm festgehaltenen Worte, so hätte ich mich nie
auszudrücken gewusste.

Hier unterbrach ich mein angespanntes Lesen. Das mit meinen Eltern war Susans Idee. Erst am Samstagmorgen kamen sie ins Haus, zu der Zeit als ich auf der untersten Treppenstufe stand. Sie schliefen bei meinen Verwandten. Das Gefühl, das es irgendein Geheimnis gibt, wurde ich nicht los. Wie bitte? Ach ja, das vergaß ich zu erwähnen. Außer uns beiden lebte meine Tante Meggy mit ihrem Mann Roy und meiner Cousine, die ebenfalls Susan heißt, in dieser Stadt. Und natürlich Susans Familie. Sie hatte bei ihnen bis zum Samstag übernachtet. Meine Mutter und Tante Meggy wurden in Vancouver geboren. Mutter tat geheimnisvoll. Zum einen sagte sie nichts, zum anderen wusste ich, dass dieses etwas mit Susan zu tun hat. Aber was?
„Das gefällt mir. Ja das hat etwas“, sie deutete auf einen Satz, den ich nur mit meinem typischen breiten Lächeln beantwortete.
„Wie ich es sehe, werden wir dir bald nachlaufen können.“ Langsam griff sie unter einige ausgedruckte Seiten und gab mir ein Bild, auf dem ich nichts erkennen konnte.
„Du bist bei deinen Ermittlungen ziemlich weit gegangen, alter Gauner. Ich sehe hier auch nicht viel, aber Dr. Brown sagte, es sind zwei.“
Ich hockte mich neben sie und konnte nun nichts mehr sagen, aber warum der Doktor sie sprechen wollte, war mir jetzt klar. Susan wollte mich überraschen, am Freitag hatte sie den Doktor nicht mehr erreicht. Das mit der Geburtstagsüberraschung war ihr gelungen. Den Rest meiner Wochenendgeschichte kannte ich selbst, in mir kam das Gefühl auf, das Wölfe haben mussten wenn sie den Mond anheulten. Meine Eltern und Verwandten waren sich einig, Susan selbst wollte es mir sagen.

Als wir ins Büro kamen, mussten wir feststellen, dass dort jemand aufgeräumt hatte. Sonst taten das Susan und ich selbst. Jemand hatte Interesse an meiner Arbeit gefunden, war jedoch nicht bereit etwas dafür zu bezahlen. Kleine Bilder machten sich vor meinen Augen breit. Ein Auto, eine Farbe.
Der dunkelgrüne Ford.
„Ich weiß wem wir das hier zu verdanken haben. Er fährt einen dunkelgrünen Ford. Die Polizei brauchen wir nicht. Was sollen sie finden? Die vielen Fingerabdrücke. Räumen wir lieber auf.“
„Ich kann mir denken, was sie suchten. Deine Akte. Am Freitag hast du gesagt, dass sie zu Melissa soll. Auf dem Nachhauseweg hatte ich das erledigt. Entschuldige Schatz. Aber ich hatte den Arzttermin im Kopf und habe es vergessen dir zu sagen.“
Sie ging ans Telefon.
„Wen rufst du an?“
„Meinen Bruder. David will dich ja auch mal kennenlernen.“
Es war ein kurzes Gespräch, dann fuhren wir zu einer alten Tankstelle.

Während der Fahrt erfuhr ich so ziemlich alles, was ich über Susans Bruder wissen musste. Um so überraschter war ich, als ich ihm gegenüberstand. Als Zwillingsbruder hatte er sehr viel Ähnlichkeit mit seiner Schwester. Augenblicklich dachte ich an das Ultraschallfoto, das mir Susan zeigte.

„Hi, ich bin Peter. Ich freue mich Sie kennenzulernen.“
„Ich mich auch. David. Und das mit dem Sie lassen wir – ok? Also kommt erst einmal ins Büro.“
Viel Kundschaft war nicht, aber David zufrieden.
„Ein alter Freund gab mir den entschiedenen Hinweis. Nichts das ich was gegen Schnüffler hätte. Ich habe gleich telefoniert. Der Fall den ihr bearbeitet ist brisanter als ihr denkt. Aber Schwesterchen, du hast die besten Leute um dich.“
Er trat an mich heran, sah öfter zu seinem Doppel.
„Ich weiß das mit euch. Mache ich mich mal, mit Onkel David vertraut.“
Ich erfuhr, dass er nur die Vertretung des alten Muff bei der Tankstelle war und das er Jura studierte. Jetzt konnten die Dinge, die sich Arbeit nannten, in der Familie bleiben.

Unsere Mandantin trafen wir in ihrer Villa nicht an. Ein einfacher Hamburger im Drive Inn galt als unser nächstes Ziel.
Wir überquerten die Bennett Brücke, die zu dieser Zeit vom Stau befreit war. Etwas machte mich nervös, als ein dunkelgrüner Ford überholte und mich auf der Brücke zu halten zwang. Nun hatte ich das räumliche Bildnis meiner Nervosität. Es war nicht das leichte Schwanken der schwimmenden Brücke, deren Pfeiler wegen der Tiefe nicht auf den Boden gelangten, dass ich das Kribbeln im Magen hatte, sondern die Tatsache das ich mich, von dem sich Nähernden, bedroht fühlte. Würde er die Tür aufreißen, würde er ein handfestes Gespräch mit mir beginnen wollen? Ich ließ die Dinge an uns herkommen. Susan war sichtlich beunruhigt. Zu meinem Erstaunen sagte der Mann nichts, warf mir einen größeren Umschlag ins Auto, lächelte und brachte ein Hämisches: guten Tag, heraus stieg wieder in seien Wagen und machte den Weg frei.
David hatte uns eine andere Möglichkeit genannt, ich muss sagen, dass ich das nicht ausschließen konnte, seit wir die Villa unserer Mandantin gesehen hatten. Es gab nur eins, dem dunkelgrünen Wagen unauffällig folgen. Der Tipp von David war richtig und mein Rivale nicht dumm. Nachdem wir wussten, auf welcher Jacht mein „Kollege“ verschwand, begann für uns die wichtigste Aufgabe an diesem Tag: das Mittagessen. Der Umschlag, der uns so freudevoll übergeben wurde, enthielt Fotos und einen Bericht, Susans Blicke sagten alles.

Die „Victoria“ lag noch fest, als wir uns in den Hafen begaben. Einen der beiden Männer, die von Bord kamen kannte, ich nur zu gut, sicherlich hatte wir ihm den Besuch in unserem Büro zu verdanken, die Fotos von ihm waren mir ja gut gelungen. Sie begannen einen Streit.
„Das lasse meine Sorge sein, kapiert? Er soll wissen, dass es ausweglos ist. Und das mit deiner Tochter solltest du dir reiflich überlegen. Du weißt, deine Frau ist durchaus willig die Scheidung einzureichen. Und, was bleibt dir dann noch.“
„Rede nicht so viel. Hast du die Fotospeicherkarte von diesem Schnüffler?“
„Nein. Ich konnte auf der Brücke auch kein Aufsehen erheben. Eine Polizeistreife war in der Nähe, meine Plakette ist abgelaufen, auf Ärger mit der Polizei kann ich verzichten. Du kannst jetzt von deinem Baum runterkommen. Ich habe ein paar Leute angesetzt, das Büro war nicht unsere erste Aktion.“
„Ja bist du denn wahnsinnig“, waren die Worte vom Ehemann unserer Mandantin vernehmbar. In gleicher Lautstärke wurde im widersprochen.
„Wenn dir das nicht passt, dann mache den Kram allein. Meine Leute und ich bekommen, das was wir vereinbart haben, sie sind zuverlässig. Die Rechtsanwältin ist jetzt zum Mittagessen.“
Deutlich ruhiger waren dann die nächsten Worte zwischen den Beiden.
„Du weißt, was mich das kosten kann. Wenn ihr nichts bei diesem Schnüffler gefunden habt, so hoffe ich, dass ihr jetzt fündig werdet.“
„Keine Sorge, die Jungs machen Maßarbeit, hier sind sie vorsichtig.“
„Weißt du, das gefällt mir alles nicht. Wir lenken den Verdacht zu sehr auf uns. Speicherkarten sind sehr klein. Ich will nur hoffen, dass der Schnüffler heute noch nicht mit ihr gesprochen hat.“
In diesem Punkt hatte er recht. Ich hatte mit Melissa heute noch kein Wort gesprochen, was jetzt zur Notwendigkeit wurde. Wenigstens konnten wir uns jetzt besser vorbereiten. Ich konnte nur davon ausgehen, dass den beiden Dummköpfen Melissas Gewohnheiten nicht bekannt waren. Aber das wusste ich nicht und rief sie auf ihrem Handy an.


Eingetragen am: 19.06.2008 von Birgit Jennerjahn-Hakenes
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13466

Vorweg: Ich bin dann mal weg – im Urlaub. Hier zwei Möglichkeiten der aktuellen Aufgabe. Freue mich über Eure konstruktive Kritik! Danke Birgit.


I
Roberta schreibt einen Brief

„Mir hat es sehr geholfen, Briefe zu schreiben“, sagte Carsten.
„Briefe an Tote?“
„Ja. Das nächtelange Grübeln, das mich zermalmte, wurde besser. Die ewig gleiche Frage: Warum bin ich nicht auch verbrannt, warum meine Frau, warum mein Kind? Wieso muss ich weiterleben?“
Roberta schaute etwas ungläubig.
„Ein Therapeut empfahl mir das. Er sagte, wenn die Dinge auf dem Papier stehen, ist im Kopf wieder Platz. Vorraussetzung ist natürlich, dass du die Geschichte aus dem Kopf haben willst.“
Roberta schwieg.
„Willst du?“
Ich will meinen Sohn wieder sehen, dachte sie, brachte aber nur ein scheues „Ja“, über die Lippen. Nachdem Carsten gegangen war, setzte sie sich an den Schreibtisch.

„Liebe Maria“, kritzelte sie mit einem unbedeutenden Kugelschreiber auf kariertes Papier. Wieso Liebe, fragte sie sich und strich das Wort durch. Liebe. Was mochte diese Frau wohl empfinden für ihren Timmy. Nannte sie ihn überhaupt so? Bestimmt nicht.
„Maria“ Und weiter? „Zunächst einmal möchte ich Ihnen sagen, dass ich sie verstehe.“ Quatsch.
„Sehr geehrte Frau Klemm!“
Roberta schmiss den Kugelschreiber gegen das Fenster. Der Aufprall auf dem Laminat war lauter als das Klatschen gegen die Scheibe. Das wunderte sie. Sie stand auf, ging um den Schreibtisch herum, hob den Kugelschreiber auf, um ihn dann nochmals gegen die Scheibe zu donnern. Jetzt kraftvoller. Nachdem sie erneut um den Schreibtisch gewandert war, um den Kugelschreiber aufzuheben, blieb sie am Fenster stehen. Sechstes Stockwerk. Bäume starrten sie an. Bäume, die nicht ahnten, dass ihnen der Herbst das Blätterkleid bald von grün auf die unvorstellbarsten Rotvariationen umfärbte, um es dann kaltblütig herunterzureißen, damit sie der Winterkälte nackt entgegen gehen mussten. Roberta fühlte sich schon jetzt nackt. Erst recht, nachdem sie ihren Blickwinkel erweitert hatte und sah, dass sie aus einem weiter unten gelegenen Fenster von gegenüber ein müde wirkender Mann beobachtete. Oder bildete sie sich das ein? Nein, eben prostete er ihr zu. Morgens Bier. Bestimmt war er Alkoholiker. Krank. Und sie? Nein nein, ich bin nicht krank. Sonst hätte ich es nicht bis hierher geschafft. In die Stadt, in der diese Frau mit meinem Kind lebt. Ich muss weitermachen. Noch einmal blickte sie auf den Bier trinkenden Nachbarn herab und ging dann zurück an den Schreibtisch. Es war wie Hausaufgaben machen müssen. Sie fühlte sich wie eine Schülerin, die an einem einzigen Nachmittag alle Hausaufgaben des vergangenen Schuljahres nachholen musste. Bei Versagen drohte Schulausschluss. Carsten hatte gesagt, er käme am Abend, um sich anzusehen, was sie zu Papier gebracht hatte.
Sie spitzte einen Bleistift. Während sie damit die Ecken der Karos auf dem Papier nachbohrte, kam ihr der Gedanke, die Anrede wegzulassen. Siehe da! Plötzlich stand ein Satz vor ihr, von dem sie nicht wusste, wie er den Weg aus ihrem Schädel herausgefunden hatte. Sie entriss dem Block die ungeheuerlichen Worte, zerknüllte sie und feuerte sie in die Zimmerecke. Neben einem unausgepackten Umzugskarton blieben sie liegen. Doch die Gefahr war nicht gebannt. Sie hatte den Bleistift so fest auf das Karopapier gezwungen, dass sich ihre Buchstaben deutlich abhoben. Noch auf dem fünften Blatt konnte sie ihren Satz entziffern. Ob ich mit noch mehr Kraft sieben oder acht Blätter schaffe, fragte sie sich und spitzte den Blei nochmals an. Bevor sie ansetzte, tastete sie, piekste sich damit in den Daumen, in den Arm, fester und fester, bis ein Schrei aus ihrer Kehle heraustrat, als hätte ihr Foltermeister grade den Höhepunkt erreicht.

Sie lag zusammengekauert unter dem Schreibtisch, als Carsten abends vorbeikam. In Embryonalhaltung starrte sie vor sich hin.
Carsten nahm den Block vom Schreibtisch. Erst dachte er, Roberta hätte nichts geschrieben, dann sah er den Abdruck: Ich will meinen Sohn zurück.
„Carsten, ich habe versagt!“
„Ganz im Gegenteil“, sagte Carsten und nahm sie in den Arm.


II.

Roberta trifft Maria im Krankenhaus

(Antagonistin trifft Protagonistin. Da mein Roman in den Kinderschuhen steckt und sich verändert, habe ich beschlossen, nichts Erklärendes zur Rahmenhandlung zu schreiben. Hier also eine Szene, wie sie sein könnte.)

Roberta wusste nicht einmal, welchem Krebs Maria erliegen würde. Aber sie würde ihm erliegen. Das war die Strafe. Es gab ihn doch. Den gerechten Gott.
Roberta klopfte an die Krankenzimmertür und trat ein, ohne auf ein „Herein“ zu warten. Sofort suchte sie den Raum nach Spuren von Timmy ab. Ein Foto vielleicht, aber sie sah keines. Waren die Pralinen auf dem Nachttisch von ihm? Eine teure Sorte, stellte sie fest. Eine, die sie selbst immer zu lange aufbewahrte, weil es ja die besonderen Pralinen waren. Am Ende fehlte der Genuss, weil sie monatelang im Kühlschrank gelagert wurden, alle dort herrschenden Düfte annahmen und einfach nur noch die Kälte herauszuschmecken war. Maria bekam Chemo. Aß sie da Schokolade? War ihr nicht ständig schlecht? Und da: Ein Blumenstrauß. Gelb und orange die schlicht gebundenen Gerbera. Seit wann waren Blumen im Krankenzimmer erlaubt? Das kannte sie von der Intensiv nicht. Aber ihre Zeit dort lag zwanzig Jahre zurück.
„Setz dich“, sagte Maria. Die ganze Zeit war sie Robertas Blicken gefolgt.
„Ich stehe lieber.“ Bei ihrer ersten und letzten Begegnung mit der Frau, die ihr Kind geraubt hatte, wollte Roberta unbedingt eine aufrechte Körperhaltung einnehmen. Es gefiel ihr, auf Maria herabzusehen. Das dahinsiechende Leben in der ewig weißen Krankenhausbettwäsche da unten, das waren ihre eigenen letzten zwanzig Lebensjahre, die nun dem wohlverdienten Tod entgegen gingen. Schnellen Schrittes, so hoffte Roberta. Der Tod hielt seine Tore weit geöffnet und wartete ungeduldig darauf, sie hinter Maria luftdicht zu schließen. Kein Aschekörnchen durfte den Weg zurück finden. Da half auch das Jesuskreuz nicht, das über Marias Bett prangerte. Es war viel zu groß.
„So sehen wir uns also wieder“, sagte Maria.
„Wie geht es Timmy?“
“Robin, er heißt Robin.“
Ruhig bleiben, dachte Maria. „Wie geht es meinem Sohn?“, fragte sie.
„Sohn, Dein Sohn, wie du das betonst, widerlich! Ich habe ihn aufgezogen; ich habe ihn gefüttert, gewickelt; ich habe ihm die ersten Schuhe gekauft. Er ist mein Sohn, er steht mir zu, er gehört mir, er …“
Die Infusionspumpe alarmierte und stoppte Maria.
Dein Leben ist alle, merkst du das nicht, dachte sie ohne Mitleid.
Eine Schwester kam herein und unterbrach das nachfolgende Schweigen.
„Oh, sie haben Besuch“, sagte sie und wechselte die Infusionsflasche flink aus. „Wie schön!“
„Nichts ist daran schön“, fauchte Maria. „Diese Frau hat meinen Sohn getötet, und nun wartet sie auf meinen letzten Atemzug, um ihn mir ein zweites Mal zu nehmen.“
„Ihren Sohn getötet?“ Die Schwester blickte irritiert von Roberta zu Maria. „Ihrem Sohn geht’s gut, keine Sorge. Bestimmt kommt Robin am Nachmittag vorbei.“
Im Gehen flüsterte sie Roberta etwas zu. Medikamente. Verwirrt.
„Und, wie viele hast du noch getötet?“
Es hatte keinen Sinn. Roberta war in bestimmter, aber auch friedlicher Absicht gekommen. Um Timmys Willen. Leider brachte der Tod Maria keine versöhnlichen Gedanken vorbei. Im Gegenteil. Er erfüllte sie noch mehr mit Hass. Schon kaute Roberta wieder auf ihrem linken Zeigefinger herum. Bitter schmeckte die Salbe, die ihr das abgewöhnen sollte wie einem Säugling das Schnullern. Sie räusperte sich.
„Mein Anwalt wird alles regeln.“
Dann verließ sie das Krankenzimmer und dachte daran, dass sie vielleicht in ein paar Wochen am Grab von Maria stehen würde, um versöhnlich mit ihr zu sprechen.
Sie kam am Schwesternzimmer vorbei. „Frau Klemm macht es nicht mehr lange, die redet schon davon, dass ihr Sohn tot ist, dabei kommt Robin jeden Tag vorbei.“
Roberta verließ das Krankenhaus und fuhr zum Supermarkt. Sie wollte Großeinkauf machen, denn am Abend kam ihr Sohn zum Essen. Timmy, nicht Robin.


Kommentar von Sarah Jakob

Hallo Birgit, Danke für Deinen Kommentar. Antwort steht unter Beitrag 13435 Gruß Sarah

Eingetragen am: 23.06.2008

Kommentar von MaDe

Spannend! Besonders der erste Teil ist für meinen Geschmack sehr gelungen. Im zweiten Teil verstehe ich nicht, wer hier wen warum "getötet" haben soll... und wer ist/hat denn nun Timmy und Robin? Aber vielleicht gerade deswegen würde ich gerne die ganze Geschichte lesen. lg

Eingetragen am: 20.06.2008

Kommentar von Karin

Hallo, Birgit! Ich bin beeindruckt von Deinem Text, der in jeder Beziehung stark ist. Ich denke, er hätte leicht sentimental und - vielleicht - etwas kitschig ausfallen können, aber Dir ist die richtige Sprache gelungen. Liebe Grüße. Karin

Eingetragen am: 20.06.2008

Eingetragen am: 19.06.2008 von Karin
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In den kommenden Wochen erlebte Lisa das nächtliche Treffen mit ihrer Oma zunehmend intensiv und – das ließ sich nicht leugnen – verrückt. Sie wurde in eine andere Dimension, fern der Realität, verrückt und wünschte sich immer sehnlicher, in der silber schimmernden Mondwelt bei der Oma bleiben zu können.
Ihren Eltern, ihrer Lehrerin und sogar der Haushaltshilfe konnte die Veränderung, die mit dem Kind vor sich ging, nicht verborgen bleiben. Es wirkte auf sie abwesend und nach innen gekehrt, manchmal murmelte es Unverständliches, als rede es mit einer unsichtbaren Person. Dabei lag ein stilles Lächeln auf dem Gesicht. Wenn man Lisa direkt ansprach, schien es, als erwache sie.
Die Eltern sprachen mit einem befreundeten Kinderarzt über ihre Beobachtungen und Sorgen, und der wiederum vereinbarte einen Termin mit einem Kinderpsychologen.
Lisa müsse unbedingt in ihren Träumen gestört werden, sie dürfe ihr Ziel, die Oma, nicht erreichen, riet er den Eltern. Es sei dabei allerdings Vorsicht geboten. Falls sie sich bereits auf der Mondtreppe befände, könnte ein Anrufen von „außen“ für sie äußerst gefährlich werden. Wie ein Nachtwandler, wenn er erschreckt würde, könnte sie zu Tode stürzen.
Jeden Abend brachte die Mutter von nun an ihr Bettzeug ins Kinderzimmer, sobald Lisa fest eingeschlafen war. Sie bediente sich einiger Tricks, um wach zu bleiben: Starker Kaffee mit Milch, Musik über Kopfhörer, sanftes Wecken übers Handy. War der Himmel durchgehend bewölkt oder regnete es und war auch während der Nacht kein Aufklaren zu erwarten, konnte sie ruhig schlafen. Sie hatte schnell herausgefunden, dass Lisa nur vom Mondlicht wach wurde. In solchen hellen Nächten weckte sie ihre Tochter, wenn diese anfing, unruhig zu werden. Und es gelang ihr tatsächlich, das Träumen zu verhindern.
Eine Art Zirpen weckte Karen Harms. Sie schrak auf; das Zimmer lag im hellen Mondschein. Zu spät! Mit stockendem Atem sah sie, wie ihr Töchterchen die Silbertreppe emporeilte.
Es war ein unbeschreiblicher Anblick, der ihr Tränen in die Augen trieb. Doch nicht vor Furcht. Noch nie hatte sie dieses Entzücken, diesen Frieden empfunden, für die sie keine Worte kannte. Ihr Herz tanzte nach einer Spinnwebmelodie und trank berauscht den Duft aus Vanille, Honig und Orangen. Ihr war nach Singen und Jubeln, und sie hatte nur noch eins im Sinn, Lisa zu folgen.
Sie öffnete den Mund, und schon war der hässliche Ton, der jeden Traum vernichtet, herausgesprungen. Sie konnte ihn nicht mehr zurückholen: “Lisaaa!“
Silberstaub, Duft und Melodie entflohen vor dem Kreischen aus Menschenmund. Lisa wandte voller Angst den Kopf, doch schon hatte es sie wie eine Bö erfasst und schleuderte sie durch die Luft.
Wolken jagten über den Himmel und verhüllten den Mond.


Kommentar von Numungo

Hallo Karin, lass dich nicht entmutigen. Wenn du nicht mehr weiter weißt, dann versuch doch einfach Lisas Traum weiter zu spinnen. Traumwelten und Realwelten sind nicht so einfach zu verbinden, ohne an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Deshalb ist eine Möglichkeit, dass du Lisa deine Träume zu Ende träumen lässt. Manche Leser werden dich dann vielleicht ins Fantasy-Genre abschieben wollen, doch was solls? Hauptsache du wirst glücklich damit. Mich jedenfalls würde eine solche Entwicklung interessieren. Ausserdem musst du dich in Traumwelten nicht an physikalische Gesetze halten. Viel Erfolg, Numungo (13695).

Eingetragen am: 30.06.2008

Kommentar von Karin

Danke, Frog, für Dein Mutmachen! Karin

Eingetragen am: 29.06.2008

Kommentar von Frog

Bei allen Zweifeln, die Du hast, sei Dir gewiss: Du kannst wunderschön erzählen. Für mich macht das alles Sinn, Deine Art hat etwas Besonderes. Ich hoffe, der Knoten kann sich lösen und Du kommst voran...

Eingetragen am: 28.06.2008

Kommentar von Karin

Hallo, Numungo! Danke für Deinen Kommentar. Du hast Recht mit Deinen Einwänden; überhaupt habe ich den Eindruck, mit meiner Geschichte festzufahren. Ich muss sie noch einmal gründlich durchdenken, sonst wirst nichts Vernünftiges daraus. Auf jeden Fall landet Lisa wohlbehalten in ihrem Bett; eine Wolke hat sie aufgefangen. Und vielleicht wird auch die Beziehung zwischen Mutter und Tochter liebevoller. Ich habe bestimmt demnächst die Möglichkeit, Dir/Euch darüber zu erzählen. Es grüßt Dich Karin

Eingetragen am: 27.06.2008

Kommentar von Numungo

Eine wunderschöne Idee! Schade nur, dass die Mutter den Traum zerstört. Mehr als das, was passiert, nachdem Lisa von der Bö erfasst wurde, hätte mich interessiert, was dort geschieht, wo sie hin wollte. Was mir nicht ganz logisch erscheint, ist, dass die Mutter ihr Bettzeug ins Kinderzimmer schafft, wo sie doch wachbleiben will. Sanftes Wecken übers Handy hört sich auch etwas unrealistisch an. Und wenn die Mutter davon aufwacht, kann auch das Kind aufwachen. Ansonsten gut gemacht. Viele Grüsse, Numungo (13695).

Eingetragen am: 26.06.2008

Kommentar von Karin

Noch einmal Karin: Mir ist ein blöder Fehler unterlaufen. Woher wissen denn die Eltern, was Lisa in ihren Träumen erlebt? Sie sind ja keine Hellseher. Ich habe versäumt zu erzählen, dass Lisa ihre Erlebnisse weitergibt. So in etwa: "Ich war in der Nacht bei Oma. Es war ganz leicht; ich bin auf einer Himmelstreppe zu ihr geklettert. Heute gehe ich wieder." Ihre Augen glänzten. Liebe Grüße.

Eingetragen am: 20.06.2008

Kommentar von Karin

Dies ist ein Kommentar zu meinem eigenen Text: Durch diese neue Aufgabe bedingt, musste ich mein bisheriges Konzept noch einmal überdenken. Ursprünglich sollte Lisa durch ihre sehnsüchtigen Gedanken ihre tote Oma zum Leben erwecken. Trotz aller Märchenhaftigkeit geht das irgendwie nicht; das ist mir klar geworden. Der Konflikt für Lisa in meiner Geschichte ist ihr Ziel selbst, die Oma. Sie wird immer weiter in eine "Verrücktheit" hineingeraten und eines Tages mindestens in der Psychiatrie landen. Also wird das Kind am Ende einen Ersatz für die Oma bekommen, mit dem sie gut leben kann. Liebe Grüße. Karin

Eingetragen am: 20.06.2008

Eingetragen am: 19.06.2008 von Fledermaus
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Sie steht in einem pinkfarbenen Jogginganzug vor der schweren, alten Seiteneingangstür des Krankenhauses. Wie viele Hände haben verzweifelt nach diesem Knauf gegriffen, bevor es den Anbau mit den automatischen Türen gab? Ich parke. Sie sieht scheiße aus, blass und mit dieser Stumpfheit in den Augen. Ein Plüschnilpferd vom Sperrmüll. „Hi“ sage ich, und sie versucht ein Lächeln, aber dann fällt sie mir um den Hals, beziehungsweise Bauch, und salzt mit Tränen unsere Beziehung nach. Ich war fest entschlossen, keine Berührungen zu dulden, allein der Gedanke war mir ekelhaft, und jetzt klammert sie sich an meine nichtvorhandenen Rettungsringe um nicht zu ertrinken in ihrem eigenen scheiß Meer. Es reicht! Ich stoße sie grob fort und sehe, wie ihr die Luft wegbleibt. Sie taumelt, geht rückwärts, bis sie die Hauswand im Rücken spürt. Keine Tränen mehr. Blankes Entsetzen. Ihre Pupillen brechen, driften wie Eisschollen. Kein Halten mehr, kein Halt. Ich will ein Felsblock sein, ein Felsblock in der Eiswüste, aber ihr Entsetzen füllt mich ganz. Oder ist es mein Eigenes? Ihre Lippen werden blau, im offenen Mund kann ich die Schneidezähne sehen. Der Blick geht durch mich hindurch. Eingefroren, die ganze Frau. In meiner Magengrube verspüre ich einen immer stärker werdenden Druck; ein inneres Spannen aller Taue, die Segel blähen sich, wir nehmen rasend schnell Fahrt auf, unaufhaltsam reißt es uns dem Abgrund entgegen. Und ich stehe nur da, mit hängenden Armen, und sehe ihr zu, wie sie die biblische Frau Loth geworden ist. Ihre Lider flattern, und mir wird klar, dass sie noch immer nicht atmet. Es sollte mir einen Adrenalinstoß versetzen, so wie sonst, so wie immer - statt dessen Teilnahmslosigkeit. Soll sie ersticken, ach, sie atmet ja doch weiter! Ich habe keine Rettungsringe zu bieten, und auf Waschbrettern kann jemand von Katrins Ausmaßen nicht segeln. Langsam wende ich mich von ihr ab und gehe auf meinen Roadster zu. Ein Schritt, noch einer. Für manche Abschiede existiert kein Widersehen. Dieser gehört dazu. Noch ein Schritt. Und noch einer. Ihr markerschütternder Schrei durchschlägt mich wie der Pfeil einer Armbrust. Sie brüllt meinen Namen, atemlos, in Todesgefahr, meine Nackenhaare richten sich unter den Schallwellen auf, sie kreischt, so viel kann keine Lunge hergeben, aber sie schreit mit dem Herzen. Ich drehe mich nach ihr um. Die Hände an der Wand als wäre sie angekettet, hat sie sich vorgebeugt, die Augen sind weit aufgerissen, schwarze Löcher. „Was.“ Ich bin erschüttert über den eisigen Klang meiner Stimme. Katrins Lider klappen zu mit der Endgültigkeit eines Kofferraums, sie kippt wie ein gesprengter Schornstein und fällt lautlos in sich zusammen. Ende.

Ein leichter Wind streicht über sie hinweg, wirbelt ihr Haar und kleine Blütenblätter durcheinander.

Verrecke. Entschlossen wende ich mich dem Licht zu, gehe in langen Schritten zum Auto und reiße mir dort die Segeltuchschuhe von den Füßen. Die werfe ich in ihre Richtung, und dann knalle ich die Tür wuchtig zu und rase rückwärts aus der Parklücke. Im Spiegel sehe ich einen pinkfarbenen Haufen kleiner werden.

Zeit, dass Du selber aufstehst.


Kommentar von Lillilu

Ja, Fledermaus, das ist jetzt viel knapper, aussagekräftiger und passender bzgl. der Metaphern – gefällt mir gut! Es ist auch dramatischer als vorher. „Wiedersehen“ schreibt man natürlich immer noch mit „ie“, okay? Diesen Satz „Für manche Abschiede existiert kein Wiedersehen. Dieser gehört dazu.“ ist wunderschön und ich werde ihn mir merken. LG Lillilu

Eingetragen am: 23.06.2008

Kommentar von Fledermaus

So, vielleicht mögt ihr es ja mit diesen Änderungen lieber. :O) Sie steht in einem pinkfarbenen Jogginganzug vor der schweren, alten Seiteneingangstür des Krankenhauses. Ich bin froh, dass ich sie nicht erst suchen muß, und parke. Von Weiten wirkt sie wie immer, aber mit jedem Schritt, den ich näher komme, erscheint sie mir hässlicher: Blas und mit dieser Stumpfheit in den Augen; ein Plüschnilpferd vom Sperrmüll. „Hi“ sage ich, und sie versucht ein Lächeln, aber dann fällt sie mir um den Hals, beziehungsweise Bauch, und salzt mit Tränen unsere Beziehung nach. Es scheint mir plötzlich absurd, dass ich mir je eine Berührung von ihr gewünscht habe; geradezu ekelhaft sich mir ihre stämmigen Arme, ihr Kopf an meiner Brust. Sie klammert sich an meine nichtvorhandenen Rettungsringe um nicht zu ertrinken in ihrem eigenen scheiß Meer. Die wiederholte Wiederholung einer Wiederholung, das Original überlagert; ein Fossil und genauso tot. Ich stoße sie grob fort und sehe, wie ihr die Luft wegbleibt. Sie taumelt, geht rückwärts, bis sie die Hauswand im Rücken spürt. Keine Tränen mehr. Entsetzen. Ich stehe ihr gegenüber, horche in mich hinein auf der Suche nach einer Stimme, die mir sagt, ich soll sie aufheben. Nein. Kein Halten mehr, kein Halt. Ihre Lippen werden blau, im offenen Mund kann ich die Schneidezähne sehen; der Blick geht durch mich hindurch. Eingefroren. Und ich stehe nur da, mit hängenden Armen, und sehe ihr zu, wie sie die biblische Frau Loth geworden ist. Ihre Lider flattern, mir wird klar, dass sie noch immer nicht atmet. Es sollte mir einen Adrenalinstoß versetzen, so wie sonst, so wie immer - statt dessen Teilnahmslosigkeit. Soll sie ersticken, ach, sie atmet ja doch weiter! Ich habe keine Rettungsringe zu bieten, und auf Waschbrettern kann jemand von Katrins Ausmaßen nicht segeln. Langsam wende ich mich von ihr ab und gehe auf meinen Roadster zu. Für manche Abschiede existiert kein Widersehen. Dieser gehört dazu. Ihr markerschütternder Schrei durchschlägt mich wie der Pfeil einer Armbrust. Sie brüllt meinen Namen, atemlos, in Todesgefahr, meine Nackenhaare richten sich unter den Schallwellen auf, sie kreischt. Ich drehe mich um. Die Hände an der Wand als wäre sie angekettet, hat sie sich vorgebeugt, die Augen weit aufgerissen. „Was.“ Ich bin erschüttert über den eisigen Ton meiner Stimme. Katrins Lider fallen zu, sie kippt wie ein ordentlich gesprengter Schornstein zur Seite. Ende. Ein leichter Wind streicht über sie hinweg, wirbelt ihr Haar und kleine Blütenblätter durcheinander. So werde ich sie in Erinnerung behalten. Verrecke. Entschlossen wende ich mich dem Licht zu, gehe in langen Schritten zum Auto und reiße mir dort die Segeltuchschuhe von den Füßen. Die werfe ich in ihre Richtung, und dann knalle ich die Tür wuchtig zu und rase rückwärts aus der Parklücke. Im Spiegel sehe ich einen pinkfarbenen Haufen kleiner werden. Zeit, dass Du selber aufstehst.

Eingetragen am: 21.06.2008

Kommentar von Monika

Also liebe Fledermaus... ich habs gefesselt gelesen... nicht wirklich verstanden... noch einmal gelesen... Sätze genial gefunden... trotzdem nicht wirklich verstanden... denke Du hast eine Begabung zu schreiben... doch verstehen ist auch nicht schlecht... also mach auf jeden Fall weiter... und nochmal überarbeiten ist sicher kein schlechter Rat... ;-)

Eingetragen am: 20.06.2008

Kommentar von Numungo

Hallo Fledermaus, ein krasser Text mit großartigen Metaphern. Die Gefühle des Protagonisten sind gut nachvollziehbar, auch was in Katrin vorgeht ist sehr gut vorstellbar. Dennoch würde ich einige Dinge ändern: 1. Verzichte auf die "Scheiße". Das macht den Text nicht besser. 2. Die Beschreibung der nichtvorhandenen Rettungsringe ist überflüssig. Wenn du Birger´s Figur beschreiben willst, dann würde ich sie so beschreiben, wie sie wirklich ist. 3. Die Waschbrettmetapher finde ich gut. Sie suggeriert mir jedoch, dass Katrin mindestens 120 kg wiegt. Wenn ich nichts durcheinander bringe, ist sie jedoch magersüchtig? 4. "statt dessen Teilnahmslosigkeit" würde ich mit Doppelpunkt schreiben: "statt dessen: Teilnahmslosigkeit". 5. Wiedersehen wird mit ie geschrieben. 6. Die minimalistischen Sprachansätze "Hi" und "Was" schreibst du in Anführungszeichen. Das solltest du dann auch bei "Verrecke" und "Zeit, dass du selber aufstehst." so durchhalten. Hier wird "du" klein geschrieben. Viele Grüsse, Numungo.

Eingetragen am: 20.06.2008

Kommentar von Velarani

Echt klasse, Fledermaus. Du hast wirklich eine breite Palette an Ausdrucksformen, von ganz poetischen Beiträgen bis zu so einem Text, der wie hingerotzt wirkt und mir mit all seinen Übertreibungen und auch deren Häufung ausnehmend gut gefällt. So wird deutlich, wie überwältigt und abgestoßen Birger von Katrins Anblick ist. Recht hat er, abzuhauen vor seinem "armen Opfer", und dass er erschüttert ist und diese Begegnung einen Wendepunkt markiert, scheint mir deutlich. Wie sie ihm um den Bauch fällt, kann ich mir nicht recht vorstellen...ist er so groß? LG Velarani

Eingetragen am: 20.06.2008

Kommentar von Fledermaus

@ Bärbel: Also. Die Segeltuchschuhe hat Katrin Birger bei ihrem ersten Treffen geschenkt (Internetbekanntschaft), mit den Worten: Damit Du bei jedem Schritt an mich denkst". Deshalb wirft er sie nach ihr. Katrin ist eine Borderlinepersönlichkeit, kein Mädchen mit Magersucht. Was ist Birgers Ziel im Roman? Im Prinzip möchte er einfach nur geliebt werden. Dass er sich als Primärziel dafür Katrin ausgesucht hat, ist ziemlich idiotisch, weil sie ihn mit ihren Aktionen in den Wahnsinn treibt - sie manipuliert ihn, er tut alles für sie, und dafür tritt sie ihm wieder in den Hintern. Diese Szene steht für den Schlußstrich, den Birger unter das aussichtslose Unterfangen zieht, von ihr geliebt zu werden. Ok? @Lililu: Ein Ekelpaket sollte er an dieser Stelle eigentlich nicht sein, aber wenn man den Kontext (siehe Antwort an Bärbel) nicht kennt, könnte man diesen Eindruck tatsächlich bekommen. Die Tür ist die Seitentür zur Psychiatrie; er hat Katrin zu Anfang der Geschichte da abgeladen, deshalb denkt er (im Moment ja auch irgendwie verzweifelt)an die Hände. Kann aber sein, dass das nicht so wirklich passt, hm. Dass dir meine vielen Bilder nicht gefallen ist schade. *g* Allerdings sind es vielleicht wirklich zuviele (liegt an meiner letzten Lektüre, befürchte ich). Allerdings sollte die Waschbrett-Rettungsring-Aktion nicht Birgers sexynes unterstreichen, sondern als Bild dafür dienen, dass es erkannt hat, dass er sie nicht retten kann. Zu den Schuhen hab ich ja bei Bärbel schon was gesagt. :O)

Eingetragen am: 20.06.2008

Kommentar von Karin

Hallo, Fledermaus! Ich gebe Lillilu Recht, aber von den Fehlerchen abgesehen (Es gibt auch noch einige in Rechtschreibung)hat mich Dein Text sehr berührt. Die Emotionen Deines Protagonisten hast Du stark rübergebracht. Er kommt selbst kaum damit klar, sie sind für ihn lebensbedrohlich, er m u s s sich von dem Wesen, das sie auslöst, befreien. Keine Kompromisse! Sonst geht er selbst unter. Einige Bilder finde ich sehr gut. Mein Vorschlag: Nimm einige "Überladungen" weg, dann wird der Text noch überzeugender. Liebe Grüße. Karin

Eingetragen am: 20.06.2008

Kommentar von Ginko Korn

Parkt James Dean nur deswegen vor dem Krankenhaus, um Katrin Ilsebill in den Boden zu stampfen ? Sicher hat er gewichtige Gründe, denn anscheinend gab es mal glücklichere Zeiten ihrer Beziehung. Die zurück gelassenen Segeltuchschuhe haben wohl so viel Symbolgehalt, dass der Erzähler in Socken davon brettert. Also, ich liebe ja bizarre Handlungen, aber hier ist mir der Text zu ausladend zwischen Sentimentalitäten und Absurdem.

Eingetragen am: 20.06.2008

Kommentar von Lillilu

Hallo Fledermaus! Dein Protagonist kommt als männliches Ekelpaket rüber – das ist dir gut gelungen! Aber ich habe viele Unstimmigkeiten bemerkt: 2. Satz oben, über den Knauf der Tür – erst sieht er Katrin, was seine Aufmerksamkeit voll in Anspruch nehmen dürfte, dann aber sieht er den Knauf der Tür und denkt (seltsamerweise) ganz sensibel über die verzweifelten Hände nach, die danach griffen, dann parkt er sein Auto. Hier stimmt die Reihenfolge der Wahrnehmungen nicht und auch das Gefühl des Protagonisten ist nicht stimmig. Die folgenden vielen Metaphern führen nicht dazu, dass ich Bilder sehe, sondern ich empfinde sie als überladen: Spannen der Taue, Segel, die sich blähen, Loths Frau, der Pfeil einer Armbrust, schwarze Löcher und vor allem der Kofferraum (hier fehlt der Deckel) und der gesprengte Schornstein! Lider als Kofferraum und Katrin als gesprengter Schornstein ist schon heftig! Auch Waschbrettbauch und Rettungsringe tauchen zu oft auf – der Leser weiß schon nach dem 1. Mal, dass der Protagonist knackig aussieht. Und warum, um Himmelswillen, wirft er seine Segeltuchschuhe nach ihr? In einer heftigen Reaktion greift man nach dem erst besten Gegenstand, hier aber werden die Schuhe erst ausgezogen. Der letzte Satz aber ist sinnvoll und stimmig und erklärt die vorangegangene Situation. Ich würde es überarbeiten. LG Lillilu

Eingetragen am: 20.06.2008

Kommentar von Bärbel Giessmann

Hallo Fledermaus, mir gefällt deine Ausdrucksweise hier besonders gut: "salzt mit Tränen unsere Beziehung nach. Ich war fest entschlossen, keine Berührungen zu dulden, allein der Gedanke war mir ekelhaft, und jetzt klammert sie sich an meine nichtvorhandenen Rettungsringe um nicht zu ertrinken in ihrem eigenen scheiß Meer."Auch wenn ich denke, dass es "Scheiß-Meer" geschrieben gehört.;-) Was ich dann auch stark finde, aber es mir nicht einleuchtet, ist: "Ich habe keine Rettungsringe zu bieten, und auf Waschbrettern kann jemand von Katrins Ausmaßen nicht segeln". Ich dachte, dass Katrin eine Magersüchtige ist, da müsste doch das Bild passen, dass sie "auf Waschbrettern" segeln könnte, oder verstehe ich das komplett falsch? Und ein weiteres Verständnisproblem habe ich (oder ich halte diese Aktion für überflüssig und sinnlos): "....Auto und reiße mir dort die Segeltuchschuhe von den Füßen. Die werfe ich in ihre Richtung, ......". Und leider habe ich auch nicht verstanden, wie das hier mit der Aufgabe im Kontext steht...: "Da Ihr Roman unbedingt eine Art Konflikt enthalten soll, muss etwas oder jemand Ihre Figur davon abhalten, ihr Ziel zu erreichen." Genauer: mir ist noch nicht klar, welches Ziel welche der Figuren verfolgt...Steht da am Krankenhaus Katrin? Dann ist die Hauptperson ja Birger, der da gerade mit dem Auto davonfährt. Und welches Ziel hat nun Birger, wobei Katrin ihn stört? Oder vergaloppier ich mich? LG Bärbel ------

Eingetragen am: 19.06.2008

Eingetragen am: 19.06.2008 von Sylvia
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13445

„Hast du´ s wegmachen lassen?“
Meine Mutter empfängt mich braun gebrannt und scheinbar gut erholt mit einem Schlag ins Gesicht.
„Dir auch noch frohe Weihnachten, Mama und danke für das Geld.“
Ich schlage ihr die billigen Blumen, die ich auf dem Weg an einer Tankstelle gekauft habe, um die Ohren und gehe an ihr vorbei in die Wohnung. Sie riecht wie immer nach teurem Parfum und ist für meinen Geschmack etwas zu viel geschminkt und gestylt. Sie trägt eindeutig Designerkleidung - einen langen eleganten Wollrock und dazu einen Blazer.
„Warst du nun bei Dr. Klein oder nicht? Du weißt doch, dass es legal ist. Und in deiner Situation ... oder bist du etwa schon zu weit?“, hakt sie nach.
„Du kannst dir deinen Dr. Sowieso sonst wohin stecken. Ich bekomme mein Kind!“, erwidere ich selbstbewusster, als ich mich gerade fühle. Mit zittrigen Knien setze ich mich unaufgefordert auf die schöne Ledercouch im Wohnzimmer. Und ich werde eine bessere Mutter als du es je warst.
„Lena, weißt du, was das bedeutet? Kinder machen nur Arbeit und Geschrei. Du bist dazu nicht stark genug!“
„Dann wolltest du mich wohl auch nicht.“
Schlag unter die Gürtellinie! Ich schaue ihr ins Gesicht, möchte eine Veränderung ihrer Züge sehen, möchte spüren, was in ihr vorgeht. Wenigstens das eine Mal.
„Kind, das ist lange her. Ich war sehr jung damals. Lena, du weißt doch, dass es der völlig falsche Zeitpunkt war. Müssen wir das wieder und wieder durch kauen! Nimmst du einen Kaffee?“
Ich schalte auf Durchzug.
„War ich denn so ein furchtbares Kind?“
Treffer! Meine Mutter schaut zur Tür, während sie den Kaffee aufsetzt. Hofft scheinbar auf Unterstützung. Sebastian lässt wohl auf sich warten. Ich folge ihr in die Küche, bedränge sie, will endlich Antworten. „Und, Mama? War ich so furchtbar?“
„Du bist halt auch Alfreds Tochter und warst schon immer ein kleines Sensibelchen mit zu viel Fantasie. Aber können wir die Vergangenheit nicht endlich ruhen lassen!“, sagt sie endlich. Punkt für sie.
„Ich denke gerade sehr viel an früher.“
„Kannst du nicht endlich damit aufhören? Man muss mit allem abschließen. Vergessen und vergeben können.“
„Wartest du auf jemanden, oder warum schaust du ständig auf die Uhr?“
„Mein Freund wollte eigentlich schon zurück sein. Ich weiß nicht, wo der wieder bleibt“, antwortet sie abwesend und füllt Kaffee in zwei Porzellantassen. „Milch und Zucker?“
„Viel Milch und wenig Zucker. Das weißt du doch. Mama, ich hatte in letzter Zeit oft Alpträume.“
„Das wird an der Schwangerschaft liegen“, klärt sie mich unfreundlich auf.
„Papa und ich wollen zum Grab gehen“, stoße ich hervor, atme lautstark aus. Ein riesiger Stein fällt von meiner Brust. Meine Mutter ist ganz still und blass geworden.
„Was zum...was fällt... ihm ein?“
Sie läuft ganz kurz rot an, hat sich aber bald darauf wieder unter Kontrolle und trinkt einen Schluck Kaffee.
„Es war meine Idee. Er hat an Weihnachten die Sachen von Tobias vom Speicher geholt und mir für mein Baby geschenkt. Du hast mich angelogen. Damals!“
Ich spüre wie meine Wut allmählich entweicht und sich im Haus meiner Mutter verbreitet. Das war ein Kinnhaken vom Feinsten.
Der Mund meiner Mutter scheint sich nicht mehr schließen zu wollen. Ich kann sehen, dass sie mit sich ringt, ob sie mir eine Ohrfeige verpassen soll. Nur zu, ich bin vorbereitet!
„Ihr habt was? Kaum bin ich zur Tür raus, da widersetzt ihr euch den Regeln. Ich kann es nicht fassen! Anna-Lena, das hätte ich nicht von dir erwartet. Du weißt, dass ich nie wieder etwas von damals hören will“, ruft sie, springt auf und ist kaum noch zu bremsen.
Süße, siehst du nicht, dass es ihr zu weh tut? Lass gut sein!
Nein! Heute verwandele ich mich nicht in die kleine Anna-Lena. Diesmal nicht! Sie liegt schon auf dem Boden. Eins, zwei, drei...wird sie wieder aufstehen und sich weiter wehren? Oder wird sie mir endlich das geben, was mir schon so lange zusteht: Die Wahrheit!
„Ich muss aber wissen, wie Tobias gestorben ist, Mama, es ist wichtig für mich.“
Die Worte schweben im Raum. Für einen kurzen Moment kann ich tiefen Schmerz in ihren Augen erkennen.
„Ich kann mich nicht erinnern. Lena, es ist besser, wenn du jetzt wieder gehst. Ich bekomme wieder meine Migräne.“ Die Maske der Beherrschung ist zurück. Sie hält sich die Hand an ihre linke Schläfe und massiert diese ganz langsam. acht...neun...zehn! Sieg für mich! Warum kann ich mich nicht freuen? Die Wutlawine lässt sich nicht aufhalten, lenkt mein Verhalten:
„Er war doch dein Sohn, wie kannst du so herzlos sein?“, schmeiße ich ihr an den Kopf.
„Es ist so lange her. Lass ihn ruhen.“
Süße, beruhig dich! Du willst doch nicht auch noch deine Mutter verlieren!
Ich will mich nicht mehr beruhigen; ich muss das mal heraus lassen. All die Jahre, in denen sie sich nicht für mich, nicht für meine Empfindungen interessiert hat. Und jetzt will sie mir auch nicht helfen. Ich muss die Wahrheit wissen!
„Hasst du Papa so, weil er Schuld an Tobias´ Tod ist? Stimmt das, was er denkt?“
„Lena, was redest du nur für einen Unsinn. Ich hasse deinen Vater doch nicht. Er hat seine eigenen Probleme. Und ich habe mich in einen anderen verliebt. Das kommt in den besten Familien vor.“
„Du hast ihn nach Tobias` Tod immer wieder betrogen! Du meinst wohl wir wissen das nicht, aber so blöd sind Papa und ich nicht. Ist er nun schuld oder nicht? Sprich mit mir!“
„Weißt du Lena, es ist lange her. Ich kann jetzt nicht mehr daran denken. Sonst brauche ich wieder meine Beruhigungstabletten. Du gehst besser jetzt. Vielen Dank, dass du mich an alles erinnert hast. Wirklich, Lena. Danke! Jetzt kann ich wieder ein paar Nächte nicht schlafen.“ Sie wirft mir einen vorwurfsvollen Blick zu und massiert mit zittrigen Händen weiter ihre Schläfen. Leere Phrasen. Immer gleich. Seit Jahren.
Anna-Lena, ich bekomme meine Migräne! Anna-Lena, ich kann sonst wieder nicht schlafen!
Heute nicht! Ich spiele meinen letzten Trumpf aus. Springe auf. Knalle ihr die nächsten Worte wie eine Ohrfeige ins Gesicht.
„Übrigens hast du da einen ganz tollen Freund! Der ist schwul und will nur an dein Geld! Hörst du, Mama, er ist schwul!“
Ich hoffe es trifft sie ganz tief. Soll sie doch leiden, ich leide schon lange genug! Unter ihrer Kälte.
„Lena, was redest du denn da? Ist das jetzt wieder eine deiner Geschichten? Welche Gemeinheit denkst du dir als nächstes aus, hm?
Es ist besser du gehst jetzt und lässt dich so schnell nicht wieder hier blicken.“
Bevor ich verstehe, was passiert, stehe ich vor der Haustür, die gerade von Herrn Grimm, meinem ehemaligen Geschichtslehrer aufgeschlossen wird. Komisch. Warum hat er denn einen Schlüssel, wenn er seinen Sohn besucht? Ich nicke ihm kurz zu und verschwinde.


Kommentar von Azahar

Nun wird Lenas Albtraum etwas klarer. Die Erinnerungen die sie plagen, hängen mit ihrem Bruder zusammen. Weiss sie etwa unbewusst, was ihm passiert ist und hat es nur verdrängt? Das Gespräch zwischen der Mutter, die immer nur ausweicht und ihre Tochter wie ein kleines Kind behandelt, und Lena, die dieses Verhalten ihrer Mutter wütend macht, kann ich gut nachvollziehen. Du hast hier eine ganze Menge Konfliktstränge, bei denen ich mich gespannt frage, wie sie sich entwickeln werden. Welche Rolle spielt Lenas Vater (dem sie anscheinend mehr Zuneigung entgegenbringt als ihrer Mutter); sie ist schwanger, von wem? wie alt ist sie? (die Frage stellt sich mir, da ihre Mutter so darauf drängt, sie solle das Kind doch wegmachen lassen); wann wird sie die Angelegenheit mit dem Geschichtslehrer verstehen? Spielt diese Verwechslung vielleicht noch eine grössere Rolle? Ich bin wirklich gespannt! LG Azahar

Eingetragen am: 27.06.2008

Kommentar von Numungo

Lena scheint im wahrsten Sinne des Wortes schlagfertig zu sein. Ein toller Dialog, sehr heftig und dennoch erscheint er realistisch zu sein. Ein Konflikt, der kaum noch gesteigert werden kann. Weiter so, Numungo (13695).

Eingetragen am: 26.06.2008

Kommentar von haribo

Liebe Sylvia, du hast den Streit zwischen Mutter und Tochter sehr gut rüber gebracht. Ich konnte mich so richtig reinversetzen, in die Mutter sowie auch in die Tochter. Super! LG Haribo :-)

Eingetragen am: 21.06.2008

Kommentar von Jenni

Hallo Sylvia, Dieser Streit ist ja ganz schon harter Tobak! Es muss wohl einiges vorgefallen sein, zwischen Anna-Lena und ihrer Mutter: A.-L. klingt nicht einfach nur enttäuscht, sondern wirklich hasserfüllt. Sie bemerkt selber, dass sie ihre Mutter gerade stark verletzt und haut dann absichtlich nochmal drauf (mit Worten). Eine emotional stark aufgeladene Szene, dass ist Dir toll gelungen. Mir hat auch gut gefallen, dass man mit dem ersten Satz gleich voll in die Szene reingeworfen wird: dadurch habe ich richtig mitgefiebert. Und ich habe das Gefühl, viel über A.-L. und ihre Mutter erfahren zu haben. Gleichzeitig wurden interessante Fragen aufgeworfen. Was mich ein wenig irritiert hat: hat A.-L. ihrer Mutter wirklich die Blumen um die Ohren gehauen? Und warum hat die dann gar nicht darauf reagiert? Oder hat sie es vielleicht eher nur 'in Gedanken' getan? Das mit dem Geschichtslehrer ist so eine Szene, wo man immer den Prota schütteln will, weil er nichts kapiert! ;) Lieben Gruß Jenni

Eingetragen am: 19.06.2008

Eingetragen am: 19.06.2008 von Kiwi
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13446

Johnny trottete schlaftrunken in den Aufenthaltsraum, goss sich eine Tasse Kaffee ein und setzte sich an den Tisch. Ein Jagdmagazin lag aufgeschlagen in der Mitte des Tisches und wartete darauf, dass es zu Ende gelesen wurde. Gelangweilt begann Johnny darin zu blättern. Bei den Bildern der Jäger, die in völliger Abgeschiedenheit mit ihrem Gewehr durch die Pampa streiften, schüttelte er den Kopf. Wie konnte einer sich so was antun? Weit und breit kein Laden in dem man was Anständiges kaufen konnte, keine Toilette, keine Dusche, kein Fernseher. Nein danke, dies wollte er den wirklichen Freaks überlassen.
Plötzlich fröstelte er. Er blickte nach hinten in den Kamin. Es brannte kein Feuer mehr. Greg hatte wohl vergessen Holz nachzulegen. So was dummes. Hier drinnen gab es kein Holz, das hatten sie nämlich gestern bei ihrer Ankunft vor der Hütte liegen lassen. Aber jetzt da raus gehen? Dann fror er lieber noch eine Weile. Er steckte den Saum seines T-Shirts in die Hose, zog den Rand des Pullovers bis unter den Hintern und hauchte warme Luft in die Hände. Dann nahm er wieder das Magazin zur Hand und blätterte weiter. Er wünschte er hätte gestern nicht den ganzen Akku seines Laptops verbraucht, dann könnte er jetzt wenigstens die Zeit mit seinen Spielen vertreiben. Aber wer hätte gestern gedacht, dass er sich 24 Stunden später nicht einmal mehr vor die Tür getrauen würde, zwei seiner besten Freunde tot waren und ein Psychopath jeder ihrer Schritte mit Adleraugen verfolgen würde. Es war zum Auswachsen. Er blickte von seinem Magazin auf und beobachtete kurz das gegenüberliegende Fenster. Draussen war dunkle Nacht. Hier drinnen war es hell. Was wäre wenn dieser Unhold vor einem dieser Fenster stand, ihn hier am Tisch sitzend beobachtete, sich ausmalte wie er diesen Kaffee trinkenden, vor Kälte zitternden Trottel um die Ecke bringen konnte? Johnny zwang seine Augen sich wieder auf das vor ihm liegende Magazin zu konzentrieren. Solche Gedanken waren nun wirklich fehl am Platz.
Auf Seite 54 präsentierte ein Jäger stolz seine Trophäe. Ein riesiges Exemplar eines Weisswedelhirsches. Johnny schüttelte den Kopf. Wie konnte man nur stolz sein, wenn man ein solch schönes Geschöpf hinterhältig und feige erlegt hatte? In dieser Hinsicht verstand er Greg und seinen Vater nicht. Aber die Diskussionen die sie bisher über dieses Thema geführt hatten, endeten jedesmal im Uferlosen. Jeder meinte das letzte Wort haben zu müssen. Meistens wurde die Diskussion mit dem Satz „was verstehst du schon davon“ beendet.
Johnny schauderte. So jetzt reichte es. Psychopath hin oder her, er würde jetzt rausgehen und Holz holen. Wache zu halten, wenn man eigentlich schlafen wollte, war schon schlimm genug, aber dann noch den Hintern abfrieren, dazu hatte er überhaupt keine Lust mehr. Dass es in den Bergen auch im Sommer so kühl wurde, hätte er nicht im Traum gedacht. Jetzt wurde er eines Besseren belehrt.
Johnny rückte den Stuhl zurück, stand auf und griff nach der Taschenlampe die sich auf dem Kaminsims befand. Ein leichtes Unbehagen kam in ihm auf, als er auf die Tür zuging. Er blieb vor ihr stehen, überlegte kurz, spannte dann sämtliche Muskeln im Körper an und öffnete mutig die Tür.
„Tu das nicht, er wird dich kriegen.“, sagte ihm eine innere Stimme.
Johnny schloss die Tür wieder und schaute auf den hellen Punkt der von der Taschenlampe auf den Boden geworfen wurde. Diese Stimme hatte recht, er würde keine zwei Schritte weit kommen. Dann läge er mit durchgetrennter Kehle auf der Veranda. Niemand in der Nähe, der ihm zu Hilfe kommen könnte. Er wäre alleine, inmitten dieses finsteren Waldes. Schreien funktionierte dann auch nicht mehr. Selbst wenn, es hätte ihn sowieso niemand gehört.
Genug der düsteren Gedanken. Er hatte kalt und musste etwas dagegen unternehmen. Gewissen hin oder her. Erneut drückte er die Türklinke nach unten und öffnete die Tür einen Spalt.
„Bald siehst du Leo wieder.“, meldete die Stimme in seinem Kopf abermals.
Augenblicklich schloss er die Tür wieder. Jetzt fröstelte er aber nicht nur der Kälte wegen. Der Name Leo jagte einen Stromschlag durch seinen Körper. Warum Leo? Das ist lange her, das hatte nichts mit dem Wald hier zu tun. Leo ist Tod, und Geister gab es nicht. Warum sollte er da also nicht rausgehen? Er war ja schliesslich kein Angsthase. Von dieser pedanten Stimme liess er sich nicht einschüchtern. Die redete nur Unsinn. Er wollte das tun wozu er Lust hatte. Entschlossen drückte er erneut die Türklinke nach unten, öffnete die Tür diesmal weiter und betrat selbstbewusst die Veranda.


Eingetragen am: 18.06.2008 von Sarah Jakob
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13435

„Ja natürlich will ich, dass Uwais es besser hat. Welcher Vater will das wohl nicht für seinen Sohn, aber er ist nun mal der Älteste und er muss hier mit anfassen! Schluss der Debatte.“
Damit drehte Umm Kulthum sich zu seinen Ziegen um und stapfte wütend davon, ohne auch nur ein weiteres Wort mit seinem Vater zu wechseln.
Der alte Mann stützte sich schwer auf seinen Stock und starrte ins Nichts. `Er muss doch einsehen, dass es für seine Söhne nie ein besseres Leben geben wird, wenn sie nicht mal lesen können. ´
Uwais bekam von dem Streit nichts mit. Er war schon im Morgengrauen mit seinem Bruder Usaid und drei anderen Kindern aus der Siedlung aufgebrochen, um Steine von den Feldern zu sammeln. Der Pflug hatte beim letzten Pflügen wieder etliche Scharten bekommen.
Es machte ihm nichts aus, früh aufzustehen und das Steine sammeln lenkte ihn von den Gedanken und Träumereien ab, die ihn seit Tagen schon nicht schlafen ließen.
Er fand, dass er nun alt genug sei, um von der Familie weg zu gehen und sein Glück in China zu suchen.
Er stellte sich gern vor, wie er sich, dick eingemummelt, auf den Weg machte, über schneebedeckte Gipfel kletterte, um sein Ziel, die chinesische Grenze zu erreichen. Uwais war sich nicht sicher, wie lange er dafür brauchen würde, meinte aber, dass es unmöglich länger als eine Woche dauern konnte.
In dem Buch, welches der verletzte Europäer mit sich herumschleppte, durfte er sich die Grenzen seines Landes ansehen. Abdulhalim, der etwas englisch spricht, übersetzte für alle, was der Fremde dazu sagte. Auf der Karte war es nicht einmal eine ganze Fingerlänge bis zur Grenze und das sollte doch zu bewältigen sein.
Nachdem Uwais sich fasziniert die Karte angesehen und der Fremde einiges über die Gefahren, gerade in dem Landstrich, in dem die Siedlung liegt, erzählt hatte, ging Uwais tief in Gedanken versunken nach Hause.
Die alltäglichen Verrichtungen, die er, solange er denken konnte, immer gewissenhaft und gern erledigt hatte, fielen ihm auf einmal schwer. Er empfand sie beinahe als sinnlos. Sein Leben erschien ihm plötzlich trostlos.
„Uwais!!! Träumst du? Komm her und hilf mir beim Ausgraben! Hier liegt ein halber Felsen im Acker.“ Als wäre er aus dem tiefsten Schlaf gerissen worden, schreckte ihn Usaid s Stimme auf. Er wankte mehr, als er lief, zu der Stelle, an welcher der große Stein, halb durch die schwere, lehmige Erde verdeckt, lag. Uwais stand daneben und versank wieder in dumpfes Brüten.
„Wozu ausgraben“, rief er plötzlich zornig, „warten wir doch einfach, bis hier die Bomben fallen, dann ist dieses erdige Stück Felsen auch gleich umgegraben!“
Die anderen Kinder, die in ein paar Metern Entfernung Steine sammelten, sahen erschreckt zu Uwais hinüber, wagten aber nicht, dem Ältesten irgendwelche Fragen zu stellen. Usaid kam aus der Kauerstellung, in der er über dem Stein verharrte hoch, streckte sich, so dass seine Knochen knackten und meinte unbeteiligt: „ Fein, Uwais. Gehen wir zurück und warten auf Bomben… Möchtest du Vater und Luqman erklären, dass du neue Wege gehen willst, beim Umgraben, oder soll ich…“
Unvermittelt ließ Uwais sich auf den Ackerboden fallen, legte die Ellenbogen auf die Knie, verbarg seinen Kopf in den Armbeugen und fing hemmungslos an zu weinen. Die ganze Angst und Verwirrung, die die Worte des Fremden in ihm ausgelöst hatten, brach sich Bahn.
Hilflose Überraschung legte sich über das Gesicht seines Bruders. Verlegen kratzte er mit der Schuhspitze Erde von dem Stein im Ackerboden, setzte sich dann schweigend zu Uwais und beobachtete scheinbar die anderen Kinder bei der Arbeit. Befangen versuchte er seinem Bruder die Hand auf den Rücken zu legen, doch Uwais schlug sie mit einem Arm weg.
„Lass mich in Ruhe!“ zischte er.
Indes zu Hause. Der alte Neal erhob sich langsam von der Bank, auf der er seit dem Streit mit seinem Sohn gesessen hatte und schlurfte bedächtig zum Haus von Abdulhalim.
Aus der provisorischen Werkstatt, neben seinem Wohnhaus sah Abdulhalim ihn kommen und legte den Schleifriemen und die Pflugscharte zur Seite, um den alten Mann zu begrüßen. „Was treibt dich in mein Haus, Neal?“
„Ein Glas Tee und ein Gespräch wäre schön. Hast du Zeit?“
Nickend geleitete Abdulhalim seinen Nachbarn ins Haus.
„Nimm Platz, alter Freund. Ich werde dir einen Tee bereiten und du erzählst mir deine Sorgen. Sehen wir, wie ich dir helfen kann.“
„Uwais war bei dem Engländer und ist seit dem wie verwandelt. Ich höre ihn seit einiger Zeit nachts herumlaufen. Er kommt nicht mehr zur Ruhe, fragt mich tagsüber ständig über seine Großmutter aus. Du weißt sicher, dass sie Chinesin war. Der Junge hat seit er klein war, seit ihrem Tod eigentlich, keine Kindheit mehr gehabt. Jetzt ist dieser Fremde hier und vernebelt seinen Geist mit gefährlichen Gedanken. Wenn er sich nun gegen Umm Kulthum auflehnt? Was, wenn er einfach davonläuft? Er hat es nicht deutlich ausgesprochen, aber ich denke er will nach China.“
„Hier ist dein Tee, Neal. Ich war dabei, als Uwais sich die Karte angesehen hat. Der Engländer hat viel geredet, ich habe nur einen Teil übersetzt, weil nicht alles für Kinderohren geeignet war, aber offenbar war es schon zu viel. Uwais zeigte Interesse, aber das haben die anderen Kinder auch getan. Meinst du nicht, du sorgst dich zu sehr? Er kannte seine Großmutter doch kaum, also warum sollte er in ihre Heimat wollen? Er hat dort doch keine Familie, die ist hier. Neal, er ist ein Junge, vielleicht zu früh der Kindheit entrissen, dennoch ein Junge…“
„Er ist anders, als andere Jungs in seinem Alter. Er hat einen starken Willen, irgendwann wird er gehen. Da bin ich mir ganz sicher! Ich habe mit Umm Kulthum gesprochen, doch der will davon nichts hören. Er sieht nur seine kleine Scholle und meint alles müsse ewig so bleiben. Mag sein, dass meine Augen trübe sind, aber meine Ohren sind noch völlig in Ordnung und ich höre so dies und das. Mein Sohn hat recht, alles liegt in Allahs Hand, wenn es ihm aber beliebt, Uwais nach China zu führen, ist es mein Wille, dass er bestmöglich gerüstet ist für so eine… sagen wir mal …Reise. Was meinst du?“
Abdulhalim schwante nichts Gutes, als er dem alten Mann zuhörte. Er befürchtete, sich in Angelegenheiten einmischen zu sollen, die ihm nicht zustanden. Andersherum wollte er aber auch nicht den alten Mann vor den Kopf stoßen. „Schon, ja, du hast wohl recht, dass er noch nicht für so eine Reise gerüstet ist“, entgegnete er vorsichtig, „ aber was soll ich nun tun? Du kommst nicht zu mir, lässt den guten Tee kalt werden, ohne eine Vorstellung zu haben, was ich machen soll… Red schon, Neal.“
Der alte Mann ließ sich Zeit mit einer Antwort. Stattdessen erhob er sich und wandte sich zur Tür. „Meine Knochen brauchen Bewegung. Lehr ihn lesen, Abdulhalim. Lehr ihn alles, was du kannst. Ich werde mit Uwais reden, damit er sich anstrengt und das wird er, du wirst sehen… Tust du das für ihn? Oder für mich? Er braucht einen Traum von der Zukunft.“
Noch während Neal die Tür langsam öffnete, brachte Abdulhalim resignierend eine leise Antwort hervor: „ Ich werde darüber nachdenken. Aber ich bin kein Lehrer, Neal. Wenn ich es mache, muss Uwais in der Werkstatt mithelfen. Die Arbeit muss weitergehen… Rede mit deinem Sohn, ich will keinen Streit hier haben. Wenn Umm Kulthum ihn entbehren kann…“
Mit geneigtem Kopf und auf seinen Stock gestützt schlurfte der alte Neal aus dem Haus. Er nickte vor sich hin und murmelte: „So Allah will, so Allah will…“

Uwais beruhigte sich langsam. Rotz und Tränen zierten sein Gesicht, als er von einigen letzten Schluchzern begleitet seinen Bruder ansah. „Schau mich nicht so an.“ Es hörte sich quengelig an. Die kurzen Nächte forderten ihren Zoll, Uwais gähnte ausgiebig.
Usaid gab keine Antwort. Er dachte sich, wenn mein werter Herr Bruder mir etwas mitzuteilen hat, wird er es wohl von allein tun. Er erhob sich und versucht allein weiter den Stein auszugraben.
Uwais fasste sich allmählich wieder. „Warte, ich helfe dir. Ich habe eine Schaufel dabei, machen wir einen Graben um den Stein und hebeln ihn dann raus.“ Schweigend nickte Usaid.
Mitten in der eifrigsten kam Uwais dann mit seiner Erklärung.
„Usaid, du weißt, dass in unserem Land Krieg herrscht?“ „Natürlich, seit hunderttausend Jahren. Und?“ Uwais zuckte mit den Schultern, weil er von Großvater wusste, das es das ganze Land noch keine hunderttausend Jahre gab und fuhr fort: „ Ich werde aus diesem Land weggehen. Ich will nicht mehr hier sein, wenn die Soldaten von wer weiß woher kommen und hier alles zerschießen und Bomben werfen.“ „Woher willst du denn wissen, dass sie das machen? Bis jetzt ist hier nichts Schlimmeres passiert, als eine Schlägerei…“
„Und was ist mit dem Auto, das in Luqmans Haus gekracht ist? Usaid, du bist ein Holzkopf, wenn du glaubst, dass außer diesen drei Fremden kein Soldat unser Dorf findet. Abdulhalim nannte es Vorhut. Ich habe nicht genau verstanden, was das heißen soll, aber ich glaube, sie sind einfach ein Bisschen durchs Gebirge gefahren, um zu schauen, ob sich hier Verbrecher verbergen und wenn sie jemanden finden, werden sie noch mehr fremde Soldaten herholen und dann wird jeder eingesperrt, der nicht beweisen kann, dass er die Verbrecher nicht kennt und auch nicht versteckt hat. Und wenn das hier im Dorf keiner schwören kann, wird das ganze Dorf, mit dem Feld und dem Gebirge darunter weggebombt.
Setz dich mal kurz her, ich möchte dir was zeigen. Aber du darfst es nicht weitersagen.“
Uwais wischte sich die Hände an seiner Hose ab und zog ein kleines Stück Stoff aus seiner Tasche. Für Usaid war es eine willkommene Pause und entsprechend ehrfürchtig betrachtete er den Stofffetzen. Uwais breitete den Stoff etwas auf seiner Handfläche aus.
Er war dunkelrot, mit kleinen weißen Blüten und er glänzte in der Sonne.
„Den hat Großmutter mir gegeben, als ich noch klein war. Das ist Seide. Großmutter hat daraus Kleider getragen. Sie hat gesagt, dass jeder in China Kleider aus Seide hat. Und stell dir vor, in allen Farben. Da werde ich hin gehen.“ Mit großen Augen bewunderte der jüngere Bruder das Stoffstück. „Darf ich es mal anfassen?“ „Nein!“ grimmig packte Uwais es wieder in die Tasche „Du machst es schmutzig. Heute Abend, wenn du gewaschen bist, lass ich es dich vielleicht mal anfassen“, sagte er etwas versöhnlicher.
Beiden Brüdern fiel nicht auf, dass ihr Vater am Feldrand aufgetaucht war, um nach dem Rechten zu sehen.
Umm Kulthum beobachtete seine Söhne misstrauisch. So sah also ihr Steine sammeln aus, saßen mitten auf dem Feld und vertrödelten die Zeit. Oh Allah, warum bin ich mit solchen Faulpelzen geschlagen. Umm Kulthum wusste, dass er ungerecht war, aber der Streit mit seinem Vater hing ihm immer noch nach und er wollte seinen Groll an irgendjemandem auslassen – obwohl er seinem Vater ein gewisses Maß an Recht einräumte. Er war wütend auf seinen Vater und schalt ihn einen alten Narren, trotzdem wusste er um die Sorgen, die seinen Vater plagten. Auch er hatte die Gerüchte gehört, die durch den Unfall der englischen Soldaten aufgekommen sind. Natürlich hatte er Angst um seine Kinder und wollte sie nicht in der Nähe des Krieges sehen, aber nur weil jemand lesen und schreiben konnte, war er nicht weiter vom Kriegsgeschehen entfernt und auch nicht gefeit vor dem Tod. Das beste Beispiel war ja wohl seine Mutter, die für eine Frau sehr gebildet war und trotzdem gestorben ist.
Außerdem wollte er nicht auf seinen Sohn verzichten. Uwais ist jung, kräftig und hat bei der Familie zu bleiben. Schließlich sollte er einmal die Ziegen und…- ja und was eigentlich? Was, außer den Ziegen, konnte er seinem Sohn schon bieten?
Umm Kulthum stand noch eine Weile sinnierend am Feldrand und starrte zu seinen Söhnen hinüber, dann drehte er sich abrupt um und eilte den Weg, den er gekommen war, wieder zurück. „Nein“, brummte er in seinen Bart und runzelte die Stirn, dass sich eine steile Wutfalte zeigte, „nein! Ich bin hier auch gut groß geworden. Dann muss er eben lernen, mit dem zufrieden zu sein, was da ist. Uwais wird nicht davon ziehen in eine ungewisse Zukunft, nur damit der alte Narr seinen Frieden findet. Und wenn es das Letzte ist, was ich mache. Der Junge bleibt hier!“


Kommentar von Birgit Jennerjahn-Hakenes

Hallo Sarah, ich war nicht sauer oder so! Ich wollte nur auf jeden Fall klar stellen, dass ich frei erfinde - wobei natürlich jedes Schreiben irgendwie autobiographisch ist. Liebe Grüße, Birgit (seit wenigen Stunden aus dem Urlaub zurück und nun schreibend im Rückstand)

Eingetragen am: 06.07.2008

Kommentar von Sarah Jakob

@ swenja: Hallo Swenja, die Hopserei zwischen den Zeiten ist mir erst nach dem dritten Lesen aufgefallen, da war es dann aber zu spät... Im Originaltext hab ich es geändert. Danke. @Birgit Jennerjahn-Hakenes mein Kommentar war nicht böse gemeint und ich wollte dir auch um Himmelswillen nichts unterstellen! Es passte an einigen Stellen nur so genau, daß ich überlegt habe, wer mich da wohl kennt >>g

Eingetragen am: 23.06.2008

Kommentar von Velarani

Hallo Sarah, dein Text gefällt mir gut (mir fehlt noch ein bisschen Hintergrundinformation, um beurteilen zu können, ob das wirklich eine Option wäre, nach China zu gehen? - sind Afghanen da nicht auch eher westlich orientiert in ihren Fluchtträumen?). Aber Umm Kulthum ist eine sehr berühmte ägyptische Sängerin, den Namen kannst du also nicht für einen Mann verwenden ("umm" = "Mutter"). Und ein Orientale würde einen Besucher wohl kaum mit den Worten "Was treibt dich in mein Haus?" begrüßen, das wäre unhöflich, zuerst wird sich nach der Gesundheit und der Familie erkundigt, da bin ich mir ziemlich sicher. Uwais wünsche ich mir immer noch ein bisschen rebellischer und individueller, aber das ist ja deine Sache. Die Geschichte an sich ist spannend, schreibst du sie für Erwachsene oder eher für Jugendliche? LG Velarani

Eingetragen am: 23.06.2008

Kommentar von swenja

Hallo Sarah, mir gefällt, wie selbstverständlich Du in diese fremde Kultur eintauchst, als wärst Du dort zuhause. Ich mag und verstehe alle drei, Großvater, Vater und Enkel. Allerdings springst Du ziemlich willlkürlich mit den Zeiten um, manchmal beginnt ein Satz im Perfekt und endet im Präsens. Vielleicht bin ich pedantisch, aber es stört den Lesegenuss. Gruß von Swenja

Eingetragen am: 22.06.2008

Kommentar von Birgit Jennerjahn-Hakenes

Hallo Sarah, habe eben alle Deine Beiträge überflogen, nachdem Du unter die Biographie meiner Roberta geschrieben hast, Du hättest das Gefühl, ich schreibe Dein Leben auf. Nein, das tue ich nicht, fast alles, was ich hier ins Netz gestellt habe, ist frei erfunden. Schreibst Du autobiographisch? Gruß Birgit

Eingetragen am: 22.06.2008

Eingetragen am: 18.06.2008 von Mata
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13433

Antonio Rocca warf - wohl zum hundertsten Mal an diesem Tag - einen Blick in den Taubenschlag, nur um erneut festzustellen, dass Isabeau, seine beste Brieftaube immer noch nicht eingetroffen war.
„Mannaggia!“, fluchte er und gab der Gittertür einen heftigen Tritt. Die Tauben flogen erschrocken von der Futterkrippe auf, flatterten hektisch zur angebauten Voliere, wo sie sich auf die kahlen Äste niederließen und empört gurrten.

Antonio setzte sich auf eine leere Apfelkiste und stützte den Kopf in die Hände. Verflucht, das würde Ärger geben! Er hatte sich so damit gebrüstet, ein absolut sicheres und geheimes Transportmittel gefunden zu haben, das die gut gekleideten Männern in ihren unauffälligen Autos unmöglich bemerken würden. Seit sie Gian-Luca geschnappt hatten, war es kaum mehr möglich einen Schritt zu tun, ohne einen Schatten im Augenwinkel zu bemerken.
Und jetzt war Isabeau verschwunden. Und mit ihr natürlich auch die Nachricht, die sie transportiert hatte ... einschließlich des Papiermusters. Das könnte böse für ihn enden. Antonio sah sich schon mit einem kleinen schwarzen Loch in der Stirn hinter einem Stapel Müllsäcke liegen.
Er schluckte schwer und ließ den Kopf hängen. Hoffentlich hatte ein Falke die Taube erwischt und sie war nicht in einen fremden Schlag geflogen. Zwar war die Nachricht verschlüsselt, und nur ein Eingeweihter konnte damit etwas anfangen, aber das Muster müsste einen Außenstehenden stutzig machen. Antonio wurde ganz schlecht bei dem Gedanken.
Er stand auf, warf einen letzten Blick auf seine gefiederten Freunde und machte sich auf nach Bellinzona.


Kommentar von Numungo

Eine kurze, gelungene Szene, die Spannung erzeugt. Der Leser fragt sich: wie geht es weiter? Und er will es tatsächlich wissen. Viele Grüsse, Numungo (13695)

Eingetragen am: 26.06.2008

Kommentar von Mata

Hi Leute! Vielen Dank für die Rückmeldungen und entschuldigt mein spärliches Hiersein/Kommentieren. Ich bin zur Zeit auf Reisen und komme nur selten dazu, mich ins Internet einzuloggen. @ Angela: Nicht Schluss, jetzt fängt's doch erst richtig an! ;-) ... lG und bis bald, Mata

Eingetragen am: 26.06.2008

Kommentar von Angela Barotti

Schock! Kein Kilian! Hat Mata etwa ihr Romanthema geändert? Aber nein, hier werden wir nur darüber aufgeklärt, was für einen Brief Kilian in seinem Taubenschlag finden wird. / Männo, und ich dachte, es wird ein Liebesbrief und er findet seine Traumfrau. Jetzt muss ich auch noch um sein Leben fürchten. Ist ab jetzt Schluss mit lustig?

Eingetragen am: 23.06.2008

Kommentar von MaDe

Ja, das sieht nach Ärger aus! :o) Gut geschrieben - kurz und knackig und macht Lust auf mehr. lg

Eingetragen am: 20.06.2008

Kommentar von Kiwi

Hallo Mata Ein kurzer aber spannender Einblick in deine Geschichte. Hört sich nach einem Mafiathriller an. Sehr interessant. Die Beschreibung der Situation ist sehr schön formuliert, klar und verständlich. Lädt auf jeden Fall ein die Geschichte weiter zu lesen. Daumen hoch. Kiwi (13446)

Eingetragen am: 19.06.2008

Eingetragen am: 18.06.2008 von Momo
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13429

Da mein Roman mehrere Hauptpersonen hat und Lele immer noch schläft, habe ich mich entschlossen, den Weg ihrer Mutter durch das Labyrinth meiner Geschichte zu beschreiben.

Leles Herz spielte immer noch verrückt. Es hielt die Ärzte und Krankenpfleger die ganze Nacht auf Trab. Lele schlief. Sie ließ sich dabei auch nicht stören, als ihre Mutter an ihr Bett trat und ihr Gesicht streichelte. Eine Schwester stellte einen Stuhl neben Leles Bett und zog die Vorhänge zu, damit sie wenigstens etwas Ruhe vor der hektischen Betriebsamkeit der Intensivstation hätte.
Mama zog das Buch aus ihrer Tasche, machte es sich auf dem Stuhl so bequem wie möglich und begann zu lesen. Sie wollte endlich die Geschichte kennen lernen, die ihr die Tochter geraubt hatte.
Sie suchte nach Hinweisen, nach Gründen, warum Lele gerade in dieser Geschichte versunken war, doch sie fand nur mutige Menschen, die ihr Leben riskierten, um der Wahrheit ans Licht zu verhelfen. Eigentlich wollte Mama sie hassen. Sie war eifersüchtig auf diese Welt, auf ihre Bewohner, die Lele so viel zu bedeuten schienen. Doch sie konnte sie nicht hassen. Sie konnte sie nur bewundern und allmählich, ganz langsam, aber dafür um so deutlicher, erkannte sie, dass sie das taten, was Lele im Moment nicht tun wollte - oder nicht tun konnte. Sie erkannte auch, - und das traf sie wie ein Donnerschlag -, dass sie selbst sich genauso davor drückte, ihr Leben zu leben, so, wie sie es eigentlich wollte.
Hatte sie nicht längst ihre Persönlichkeit und ihre Wünsche aufgegeben? Wann hatte sie aufgehört Kristina zu sein? Es gab keine Kristina mehr, es gab nur die Mutter von Lele und Tamino, und die Frau von Bernhard Schillberg! Hatte sie mit ihrem Namen am Ende auch ihre Identität abgelegt?
Mama sank entmutigt in sich zusammen. Plötzlich war alles so klar. Die Wahrheit blendete sie wie ein gleißend heller Sonnenstrahl. Es mochte vielleicht nur einer von vielen Gründen sein, warum Lele mit ihrem Leben nicht zurecht kam, doch in diesem Moment erschien er Mama als der wichtigste von allen.
Allerdings merkte sie sehr schnell, dass die Wurzel eines Übels sehr lang sein konnte, und dass es viel Mühe und Überwindung kosten würde, sie vollständig auszugraben. Je mehr sie darüber nachdachte, desto stärker wurde ihr bewusst, wie sehr sie sich an ihre Existenz gewöhnt hatte, wie tiefgründig sich diese Veränderung in ihre Seele gebohrt hatte.
Was hatte sie denn aus ihrem Leben gemacht? War es wirklich genug, eine Familie zu gründen und sie zu versorgen? Konnte dieses Leben ein Vorbild für ihre Tochter sein? Oder wollte Lele mit ihrer Flucht in eine andere Welt ihren Protest ausdrücken? Ihren Protest gegen die Widersprüchlichkeit ihrer Umwelt, insbesondere ihrer Mutter, die selbst nicht das lebte, was sie ihren Kindern zu vermitteln versuchte. Sollte Lele in ihrer Mutter wirklich ein Vorbild gesucht haben, war es dann ein Wunder, dass sie ihr Leben aufgegeben hatte, noch bevor es richtig beginnen konnte? Und war es nicht durchaus verständlich, dass sie die Menschen auf Towarhon so faszinierten? Sie standen zu ihren Überzeugungen und sie kämpften dafür, mit allem, was sie hatten. Sie lebten! Selbst im Angesicht tödlicher Gefahren! Vielleicht gerade deswegen?
Brauchten Menschen solch extreme Situationen, um den Wert ihres Lebens zu erkennen und es wieder in die Hand nehmen zu können? Vielleicht musste ihrer Tochter erst dieser schreckliche Unfall passieren, dass sie selbst wieder anfangen konnte, ihr Leben zu leben. Zwang Lele ihre Mutter nicht sogar dazu? Mama war überzeugt, dass sie diese Lektion zusammen mit ihrer Tochter würde lernen müssen. War das der Schlüssel? Der Schlüssel zu ihrem Kind, nach dem sie schon so lange suchte? Fand sie ihn in sich selbst, in ihrem eigenen Verhalten?
Mama ließ das Buch in den Schoß sinken. Eine erdrückende Ohnmacht befiel sie, als sie an die Konsequenzen ihres gedanklichen Selbstgespräches dachte. Sie spürte Angst und Verzweiflung. Angst, zu versagen. Angst, nicht gut genug zu sein. Sie hatte Angst davor, die Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen.
Auf einmal konnte sie Lele so gut verstehen. Ja, der Gedanke war sehr verlockend: einfach einschlafen und die Welt vergessen, sich um nichts mehr kümmern müssen, keine Verantwortung tragen, einfach aufhören zu sein. Sie konnte sie so gut verstehen. Wie oft wollte sie schon vor ihrem Leben davon laufen. Manchmal hatte sie sogar ihre Tochter darum beneidet, sich einfach hängen lassen zu dürfen. Schließlich war Lele in der Pubertät, jeder hatte Verständnis für ihr Verhalten. Doch sie war eine erwachsene Frau! Sie hatte keine Ausrede für das Chaos in ihrem Kopf! Von ihr erwartete man, dass sie funktionierte! Auf Knopfdruck, zuverlässig, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Als Familienmanagerin musste sie alles im Griff haben. Das war ihr Job! Bisher war ihr das auch gut gelungen - dachte sie. Doch nun drohte ihre heile Welt auseinander zu brechen. Irgendwo hatte sich ein gravierender Fehler eingeschlichen. Diesen Fehler zu finden und auszubessern würde wahrscheinlich die größte Herausforderung ihres bisherigen Lebens werden.
Und dieses Mal würde sie nicht aufgeben und davon laufen! Lele sollte stolz auf ihre Mutter sein, sie sollte stolz auf Kristina sein - Kristina wollte stolz auf Kristina sein!


Kommentar von Momo

Ich habe das Gefühl, ich sollte mal meinen Roman kurz erklären, da ich aus euren Kommentaren entnehmen kann, das vieles noch im Unklaren ist. Mein Roman besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil handelt von Lele, 13 Jahre und mitten in der Pubertät. Ihre Mutter ist Kristina, die zweite Hauptperson und Protagonistin in diesem Abschnitt. Diese Geschichte spielt in der Jetztzeit. Teil zwei ist eigentlich ein eigenständiger Roman, der mit Teil eins nichts zu tun hat, außer, dass Lele diese Buch liest, es faszinierend findet und nach einem schweren Unfall, ans Bett gefesselt, allmählich in ihren Träumen immer tiefer in die Geschichte hineinschlittert, bis sie schließlich nicht mehr aufwacht. Diese Geschichte ist in der Vergangenheit angesiedelt, zumindest glauben das die Figuren darin und bis zu einem gewissen Punkt auch die Leser. Sie spielt auf einer Insel im nördlichen Atlantik (alles erfunden),deren Bewohner von ihrem König wie eine Schafherde gehalten wird, wovon die meisten allerdings nichts wissen. Nur eine Handvoll Jugendlicher kennt die Wahrheit und versucht das Volk aus diesem, zwar sehr angenehmen, aber völlig fremdbestimmten Leben zu befreien. Lele schlüpft dabei in die Rolle eines jungen Mädchens, das kurz zuvor bei einem Schiffsunglück seine Familie, und zu allem Übel, auch sein Gedächtnis verloren hat. Finja schließt sich den Jugendlichen und ihrer Revolution an, obwohl sie nicht ganz sicher ist, ob sie den Wohlstand gegen eine unbequeme und gefährliche Freiheit tauschen möchte. Im Beitrag 12666 steht ein Auszug daraus. Der Protagonist ist Jonan, der Vater von Jondras, dem Anführer der Jugendlichen. Ich werde versuchen, beide Geschichte irgendwie miteinander zu verweben, weil ich möchte, dass Lele lernt, dass es sich lohnt, ein selbstbestimmtes und freies Leben zu führen, das zu erreichen aber mit viel Mühe verbunden ist. Sie soll die Erfahrungen, die sie im Traum auf der Insel Towarhon gesammelt hat, in ihrem eigenen, körperlichen Leben umsetzen können. Ich weiß, das alles klingt etwas verwirrend. Ist es auch, und im Moment hänge ich fest. Vielleicht hat ja jemand von euch eine zündende Idee??? Liebe Grüße, Momo.

Eingetragen am: 01.07.2008

Kommentar von Numungo

Eine nachdenkliche Geschichte über ein Thema, über das viele nachdenken sollten. Insgesamt sehr gut umgesetzt, mich interessiert, wie es weiter geht. Mir ist nicht ganz klar, in welcher Zeit der Roman spielt, doch nach den Auszügen, die ich bislang gelesen habe, in der Vergangenheit. Dazu passt jedoch das Wort "Familienmanagerin" nicht. Viele Grüsse, Numungo (13695).

Eingetragen am: 30.06.2008

Kommentar von Azahar

Hallo Momo, deine Geschichte fasziniert mich noch immer. Am Anfang dachte ich, dass du zwischen den Gedanken der Mutter und den Träumen die Lele hat hin und her springen wirst, doch jetzt verstehe ich, dass das Buch von dem du immer gesprochen hast, tatsächlich existiert und das macht mich noch viel neugieriger. Ich will unbedingt mehr über diese Geschichte erfahren! Das Phänomen, das Mütter irgendwann nur noch "Mama" sind, und sogar von ihrem Ehemann (der eigentlich ihr Geliebter sein müsste) so genannt werden, kenne ich nur zu gut, und habe es allzuoft beobachtet (meine Mutter gehört dazu). Die Feststellung, dass man sich selbst eliminiert hat, muss ganz schön heftig sein, - wenn man es denn merkt. Schreib weiter, ich will mehr wissen! LG Azahar

Eingetragen am: 27.06.2008

Kommentar von Momo

Vielen Dank für Eure Kommentare! @swenja: Ich finde es toll, dass Du über "Mama" gestolpert bist. Es ist Absicht. Kristina ist sich tatsächlich sehr fremd geworden. Sie sieht sich nur noch als "Mama", als hätte sie ihren wirklichen Namen vergessen. Wenn Du die letzte Zeile aufmerksam liest, wirst Du eine Veränderung feststellen. Anscheinend ist mir aufgrund der Kürze des Textes nicht gelungen, Kristinas Entwicklung während ihres gedanklichen Selbstgespräches an die Leser weiterzugeben. Danke für den Hinweis! Ich glaube (hoffe!) allerdings, dass es im ganzen Kontext besser ersichtlich wird. @MaDe: Es freut mich, dass Dich mein Text neugierig gemacht hat, und dass er aus dem Leben gegriffen ist, da hast Du sehr, sehr Recht! Eines kann ich schon sagen: Kristina wird es schaffen, sich und ihrer Tochter zu helfen, und sie wird es schaffen, nicht mehr nur "Mama" zu sein, allerdings wartet viel harte Arbeit auf sie, und auf Lele (Lele ist die Abkürzung für Marlene!). Liebe Grüße, Momo.

Eingetragen am: 23.06.2008

Kommentar von swenja

Mit Kristina kann ich mich sehr gut identifizieren, ich möchte wissen, wie es mit ihr weiter geht. Ich mag auch Deine nüchterne, präzise Sprache. Nur eins hat mich irritiert: Dass Du sie in diesem Text, in dem sie die Hauptfigur ist, "Mama" nennst. Ist sie sich selbst so entfremdet, dass sie von sich als "Mama" denkt? Wenn nicht, dann würde ich es nüchterner formulieren: "Lenes Mutter", aber wahrscheinlich ist das Geschmacksache. Liebe Grüße!

Eingetragen am: 22.06.2008

Kommentar von MaDe

Das Thema finde ich sehr interessant weil... es doch sehr aus dem Leben gegriffen ist. Bin gespannt, wie Kristina das so macht... lg

Eingetragen am: 20.06.2008

Eingetragen am: 18.06.2008 von linus barthelemew
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13423

Cedric Banister grunzte ärgerlich. Mit seinen handgefertigten Stiefeln steckte er in lehmigem Matsch, während er mit verkniffenem Mund die Küste absuchte. Irgendwo hier mußte der Trottel gewesen sein. Mein Gott, das konnte doch nicht so schwierig sein. Er hatte seinen gemütlichen Landsitz und eine ausgezeichnete Jagdpartie nicht zurück gelassen, und war in ein Flugzeug gestiegen, um am Ende ohne Ergebnis dazustehen. Nein, er, Cedric Banister der Dritte, würde sich nicht dem ihm zustehenden Platz in der Ahnengalerie nehmen lassen. Welche Rolle spielte es schon, daß er nur der Cousin vierten Grades war? Was konnte er schließlich dafür, daß der große Ian William Scott mit seinem verrotteten Piratenschiff gesunken war, bevor er Nachkommen in die Welt setzen konnte. Oder, besser gesagt, auf schottischen Boden bringen konnte. Per Zufall war er darauf gestoßen, daß es eine Tochter gegeben haben mußte. Und nun war er nach Deutschland gekommen, um herauszufinden, ob diese Tochter überlebt hatte und es weitere Nachkommen gab, die ihm in der Erbfolge einen Strich durch die Rechnung machen konnten. Was er bisher herausgefunden hatte, war, daß in dem kläglichen Dorf sein großer Vorfahre, der zahlreiche Portraits und auch Geschichten und Legenden schmückte, keine Spuren hinterlassen hatte. Ja, es gab wohl einen Kirchenbucheintrag über einen stürmischen Herbsttag im Jahre 1781, als ein nicht ganz respektierliches Schiff den Hafen angelaufen hatte, aber mehr auch nicht. Warum also sah er immer wieder diesen Bauern am Strand rumlaufen? Was hatte dieser Tölpel gefunden, daß er sich an der gleichen Stelle herumtrieb, an der er am Suchen war? Suchte er das Gleiche? Fall dieser Mann etwas über das Kind herausgefunden hat, vielleicht war er selbst ein Nachkomme, nein, dieser Mann entbehrte jedem aristokratischen Stil - was es auch war, er mußte ihn daran hindern und schneller sein. Er mußte den Beweis finden und vernichten. Diesem Dorf war es doch egal, ob einem von ihnen ein alter Kasten weit weg an der schottischen Küste gehören könnte. Hier hatte man offensichtlich nicht einmal von ihm gehört, dem großen Piratenkönig. Cedric streifte einen Klumpen Lehm von seinem Schuh und setze sich auf einen flachen Findling in einer Düne. Sein Vater hatte ihm immer die Legenden um das alte Clanoberhaupt, den großen Ian, erzählt und ihm versichert, daß niemand sonst berechtigt sei, mit Stolz und Würde diesen Namen zu tragen und das Erbe fortzuführen. Er war nun einmal in dieses Leben hinein geboren. Ländereien zu verwalten, Pächter zu beaufsichtigen und ansonsten zur Jagd zu gehen und abends am Kamin einen edlen Tropfen aus der eigenen Destillerie zu genießen. Ja, das war sein Leben und das würde er sich nicht kaputt machen lassen. Weder von einem kleinen, mickrigen friesischen Dorf, geschweige denn von einem Bauerntölpel, der offensichtlich keine Ahnung hatte. Cedric starrte mißmutig auf seine verschmeirten Stiefel, hatte sich aber wieder beruhigt. Bei der nächsten Tidenwende würde er wiederkommen und nach dem Riff suchen, an dem einst das Schiff mit seinem stolzen Kapitän zerschellte.


Eingetragen am: 18.06.2008 von Grobi
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13420

Gordon schaute aus dem Fenster des Shuttles in die endlose Weite jenseits der dicken Plastikscheibe. Seit er sich selber, mit dem Messer in der Hand, neben dem Körper der jungen Frau wiedergefunden hatte, konnte er sich gegen das Gefühl nicht wehren, unbeteiligter Zuschauer in seinem eigenen Leben zu sein. Die Polizei, die ihn festgenommen und abgeführt hatte, die Zeit in der Untersuchungshaft die ihm mehr wie ein verschwommener Traum statt hier harte Realität vorgekommen war und die endlosen Gespräche mit unzähligen Leuten, all das hatte er so erlebt, als stünde er neben sich und beobachtete einen völlig Fremden. Und die Verhandlung selber war ein Witz gewesen, keine Beweise, kein Motiv nicht mal die Spur eines Erklärungsversuches, warum er, ein unbescholtener Bürger, die Frau hätte umbringen sollen. Während Gordon, durch die verschiedenen Gurte, die sich kreuz und quer über seinen Körper spannten, unbeweglich auf seine Liege gefesselt lag und auf den Start wartete, waren seine Gedanken voller hektischer Aktivität. Wem auch immer er auf die sinnbildlichen Füße getreten hatte, man gab sich alle erdenkliche Mühe ihn mundtot zu machen und aus dem Verkehr zu ziehen. Er schaute ein letztes Mal auf die Ebene die er bald verlassen und nie wieder sehen würde. Die Eiseben, den Legenden zu Folge ebensfalls ein Bruchstück einer ehemals runden Kugel namens 'Erde' zog ihre Bahnen genau so über dem glühenden Ball, der mal der Mittelpunkt dieser 'Erde' gewesen sein sollte, nur in einer geringeren Höhe. Doch egal ob es zehn, hundert oder tausend Kilometer waren, die den Höhenunterschied ausmachten, einmal unten gab es für ihn keine Möglichkeit der Verbannung zu entfliehen. Wer auch immer sich dieses Schauspiel ausgedacht hatte, dessen Hauptdarsteller er ohne sein Wissen geworden war ubnd von dessen Handlung er keine Ahnung hatte, mit der Verbannung war der Vorhand für ihn gefallen. Es sei denn, er war so verzweifelt oder verrückt oder beides, die Flucht auf die noch weiter unter ihnen liegende Ebene zu wagen. Brüllend erwachten die Triebwerke zum Leben und spiehen Energie ins All, das Shuttle löste sich vom Dock und glitt tiefer.


Kommentar von Bridget Olliver

Hallo Grobi, Flash Gordon, ich bin mir nicht sicher ob die Story in die Scifi Abteilung gehört oder ob Gordon ein paar bunte Pillen zu viel genommen hat. Auf jeden Fall ist der Text amüsant zu lesen. Aber trotz dem zwei kleinkarierte Anmerkungen: warum die 1. "verschiedenen Gurte, die sich kreuz und quer über seinen Körper spannten, unbeweglich auf seine Liege gefesselt lag und auf den Start wartete"? Das erinnert mich eher an die unsäglich verschlungenen Verschnürungen meines Vaters, wenn er mit mäßigem Erfolg versuchte das Urlaubsgepäck auf dem Autodach zu befestigen. Nicht an in professionell geschnürte Gurte für Indisponierte. 2. "war der Vorhand für ihn gefallen" Na ja, schon klar, dass Du wahrscheinlich Vorhang meintest. Bitte weiterschreiben. Ich würde gerne wissen was mit Gordon los ist. viele Grüße Bridget Olliver

Eingetragen am: 19.06.2008

Eingetragen am: 18.06.2008 von Lita
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13417

„Das kannst du nicht tun! Nein, das kannst du einfach nicht tun. Lass es sein! Alle werden leiden, ich, deine Schwester, dein Bruder, dein Vater. Du lässt uns alle leiden, wenn du das machst“, schrie sie mich an und vergaß dabei völlig zu fragen, ob ich nicht auch leide. Aber das war egal. Hauptsache, es änderte sich nix am großen Konzept, was sie irgendwann aufgebaut hatte und sich nie ändern durfte. Ja. Und alle hatte sich so zu verhalten und so zu denken, wie sie ihnen als Kindern beigebracht, eingebleut hatte.
Hugo seufzte schwer. Diesen Dialog mit seiner Mutter gab es bisher nur in seinem Kopf. Doch so ähnlich würde er ablaufen, wenn es ihr seinen Traum beichten würde. Nicht erzählen oder sonst wie mitteilen, seiner Mutter, der Allmächtigen, beichtet man nur.
Die Allmächtige, ein unüberwindbarer Berg, der andere war er selbst. Was wollte er wirklich, was wollte er leben. wie wollte er leben? Er wusste es nicht. Auch nicht nach all den langen Jahren. Es war so schwer, so unendlich schwer. Am liebsten wäre er wieder jung. Jetzt anfangen zu studieren, dachte er, während draußen der Regen ans Fenster klatschte. Jetzt würde ich genau wissen, was ich will. Ja, jetzt würde ich Schreiben lernen studieren. Oder Gartenbau, Oder Botanik. Nein, er würde es auch jetzt, wenn damals jetzt wäre, nicht wissen. Das wusste er. Und der Regen prasselte weiter. Hugo schaute müde aus dem Fenster. Jetzt würde er mit Tonie noch mal um den Block gehen und eine gemütliche Abendzigarette rauchen. Sie fehlte ihm. Warum hatte er sie weggegeben? Er konnte sich auch diese Frage nicht beantworten. Das Dunkel drin war toter als draußen, da gab es wenigstens noch das Wasser, das vom Himmel fiel und in Sturzbächen über die Regenrinne nach unten rauschte.
Missmutig schälte sich Hugo aus dem Sessel. Wo ist der Tabak? Wo hab ich ihn hingelegt. Wie lange hab ich im hier rumgesessen? Ich will nicht mehr, schrie es plötzlich in ihm. Ich will weg, weg, weg. Ich will ... Ruhe, will ich das wirklich, will ich nicht mehr Leben? Das Leben spüren, Glück spüren, Glück, ... was ist das ...Glück. Mein eigenes Leben. Und nicht dieses fremde, in dem ich gefangen bin. Er ging langsam in die Küche und suchte nach den letzten Tabakkrümmeln.


Eingetragen am: 17.06.2008 von Ginko Korn
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13409

Bei den Botanikern in Veitshöchheim galt er als verschrobener Sonderling, allerdings einer, der zuverlässig seine Arbeit erledigte. Und hundert andere Dinge. Seit Jahren brütete der außerhalb seiner Dienstzeit über den geologischen Mitteilungen aus aller Welt, besonders von den Polarstationen.
Das alles hatte mit den Probepflanzungen auf den Feldern und Hügeln der Versuchsanstalt nichts zu tun. Etnat Gorf, die Concierge mit Roboterstimme, zweifelte sein Gebaren sogar als ungehörig an, was ihm ständige Beschwichtigungen abnötigte.
Einzig die Limnologin Lisa Ludwig versuchte zu begreifen, was an Jaspers Überlegungen so wichtig sein sollte. Von seiner Besessenheit war sie zunächst befremdet gewesen, hatte aber allmählich erkannt, dass seine Umtriebigkeit auch damit zu tun hatte, dass er als „Erbsenzähler“ völlig unterfordert war. Jasper wiederum versuchte vergeblich, seine Eindrücke an höherkarätige Wissen- schaftler zu vermitteln. Warum kam denn keiner drauf ? Es war doch so offensichtlich.
Eben nur für ihn. Dass er über Wahrnehmungsmöglichkeiten verfügte, die in keinem neurologischen Lehrbuch verzeichnet waren, konnte er nur glaubhaft machen, indem er geistige Kunststückchen darbot. Das hatte ihm bisher nur Aufmerksamkeit von der falschen Seite eingetragen, nämlich von Boulevardzeitungen und kommerziellen Fernsehsendern. Damit war er als seriöser Forscher nicht mehr ernst zu nehmen.
Lisa Ludwig war ein stilles Wasser. Ihr Lebenslauf barg einige gewichtige Episoden, die für Jasper nur verschwommen anklangen. Immerhin kamen sie fein miteinander aus als Kollegen. Lange hatte sie gezögert, ihm ihren größten Trumpf anzubieten. Nun aber fühlte sie sich geradezu verpflichtet.
„Jasper, ich kenne jemanden aus dem Alfred Wegener Institut. Was halten Sie davon, wenn ich Ihnen eine Fahrt auf der 'Polarstern' verschaffe ?“ Sie meinte wirklich, was sie sagte. Meine Güte, das wärs. Dort waren die richtigen Leute.
„Wie könnte Ich Ihnen jemals danken?“
„Indem Sie Ihr Ziel erreichen!“

(Schnitt)

„Herr Husen, Sie sind hier, weil Frau Ludwig mich zum ersten Mal um einen Gefallen gebeten hat, seit den zwanzig Jahren die ich sie kenne. Sie hat einiges von Ihnen erzählt. In Ihrem Schädel soll es noch merkwürdiger zugehen, als es die äußere Form vermuten lässt. Sie hatten einen Unfall?“
„Als Kind mit meinen Eltern im Auto. Sie haben nicht überlebt.“
Frau Professor Dr. Karla Otten war im wissenschaftlichen Rat des AWI die entscheidende Person für sein Anliegen. Das Institut verschlang einiges an Steuergeldern. Demzufolge blieben neidische Angriffe von politischen Ressorts nicht aus. Die resolute Dr. Otten konnte sich auf diplomatischem Parkett bewegen, war juristisch gebildet, und darüber hinaus eine lebende Rechenmaschine. Analysen von ihr waren stets unangreifbar. Ihre Schwachstellen lagen woanders.
„Erklären Sie bitte genauer, was Sie am Nordpol suchen.“
Solche schnörkellosen Dialoge liebte Jasper. In ihren Gedanken verfolgte er, wie sie bereits Etatposten verschob, zu seinen Gunsten.
„Ich werde kaum zusätzliche Kosten verursachen.“
Dr. Otten hob eine Augenbraue.
„Dann begründen Sie, weshalb Ihnen die frei verfügbaren Messwerte nicht genügen.“
Phantastische Frau! Aber irgend etwas hielt sie gefangen. Jasper spürte eine Blockade.
„Die russischen Instrumente haben überwiegend nur gespeichert. Was gesendet wurde, ist trivial. Die wesentlichen Ergebnisse wurden verschlüsselt. Sie suchen verdeckt nach Energiequellen.“
Dr. Otten blickte gelangweilt.
„Das Erdöl am Pol ist kein Geheimnis.“
„Ich meine tektonische Energie.“
„Die ist an den Rändern der Kontinentalplatten tausendfach stärker.“
„Aber dort oszilliert sie nicht.“
Das saß endlich. Frau Professor stoppte ihre Kopfrechnungen. Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig. Jetzt war sie im anderen Gleis. Per Kurzwahl rief sie in die Sprechanlage „Reinhold, kannst du mal kommen?“ Sekunden später flog die Tür auf. Die hatten hier wohl einen Beamer.
„Darf ich bekannt machen? Herr Jasper Husen ist Biologe in der LWG Bayern. - Professor Feldrain.“
Das also war die Blockade: ihr Lebenspartner. Sein einstiger Doktorvater, vielmehr Stiefvater, der seine Dissertation abgewürgt hatte. Außerdem war dessen damalige Flamme Gina zu ihm, Jasper, geschwenkt.
„Wir kennen uns.“
Feldrain zögerte nur zwei Sekunden. „Jassie, alter Kämpfer, was können wir für dich tun?“
Nicht schlecht. Der Mann hatte sich im Griff. Jasper durchsuchte seine geistige Jonglierkiste. Für solche Situationen hatte ihn Mango Plintek konditioniert, sein psychologischer Berater.
„Nicht doch! Ich habe etwas gut zu machen.“
Karla begriff sofort. Zwei Gladiatoren! Genüsslich lehnte sie sich zurück.


Kommentar von Metta Maiwald

Die Kommentare sind fast noch interessanter, als der Text. Was war da mit Walther Hamburger? Da habe ich wohl etwas überlesen oder nicht begriffen? - Das "Sie" und Vorname kenne ich als Anrede für Freunde der erwachsenen Kinder und zunehmend aus amerikanischen Übersetzungen. - Ich kann es verstehen, wenn sich jemand auf den Schlips getreten fühlt (Ginko, wie wäre es mit ein paar Rosen und Smilys im Text?), aber versucht doch mal, es 'n büschn lockerer zu sehen.

Eingetragen am: 27.06.2008

Kommentar von Numungo

Der Konflikt ist vorgezeichnet, die Spannung steigt. Noch scheinen die Kontrahenten sich im Griff zu haben, doch wie lange noch? Über deinen Fremdwörteranteil kann man streiten; ich kann mir vorstellen, das dadurch der Leserkreis schon etwas eingrenzt wird und einige Leser die Lust verlieren. Doch auf keinen Fall würde ich die Wörter im Text erklären. Das wirkt schulmeisterlich und hemmt den Lesefluss. Noch etwas schulmeisterliches: ich würde schreiben: "... in den zwanzig Jahren, die ich sie kenne." Viele Grüsse, Numungo (13695).

Eingetragen am: 26.06.2008

Kommentar von Frog

Dont't like Malea, oh no! I love her...

Eingetragen am: 26.06.2008

Kommentar von Malea

Seit wann hat die LWG eine Concierge? Den ganzen Satz finde ich schwach, nicht weil er Frog fatal im Halse steckt (wenn sie Ernst macht, schade um ihre ibizenkische Schnarchnase...). Aber du bist dir (mal wieder) selbst auf den Leim des sprachlichen Soufflés gegangen. Verschrobene Wort- und Satzgebilde sind deine Stärke, aber nur, wenn du auch Inhalt transportierst. Hier finde ich keinen. Der erste Teil klemmt insgesamt ein bisschen (auch Lisas Lebenslauf birgt mir zuviel...), dafür ist der zweite Teil dein bisher bester Text. Vielleicht liegt das Geheimnis im Dialog, er zwingt dich auf den schnöden Boden von menschlicher Sprache und stringentem Handlungsablauf. Deine geschliffenen Sprachspiele im Zwischentext sind dann richtig dosiert. @ Angela: Vorname + sie sind tatsächlich auch in diesem Jahrtausend noch gängige Ausdrucksform in akademischen Kreisen für die niederen Ränge. Eine Mischung aus kollegialer Nähe und standesbewusster Distanz ;-) Liebe Grüße, Malea (die mitsamt den Tassen im Schrank, Engelchen und vieler noch nicht erzählter Konflikte in den Urlaub fährt...)

Eingetragen am: 25.06.2008

Kommentar von Frog

So so! Ich bin also Tante Frog, die Concièrge mit der Roboterstimme. Das beleidigt mich! Ist das denn originell, Punkte zu sammeln auf Kosten anderer „Mitstreiter“? Offensichtlich schon, denn die finden's ja sogar köstlich... Bedenklich! Da suche ich mir doch lieber einen neuen Blog, wo es weniger ungehörig zugeht. Zum Glück zwingt mich ja niemand, mich diesem Hindernis hier weiterhin zu stellen. Adios!

Eingetragen am: 24.06.2008

Kommentar von Lillilu

Oh, köstlich, köstlich, tralala! Alle erkannt! Auch Walther Hamburger! Zulage, Zulage, bitte! LG Lililu

Eingetragen am: 21.06.2008

Kommentar von Mad

Eine schnelle, gut zu lesende Geschichte. Auch wenn ich mich da thematisch nicht auskenne und manches Wort fürs Erste ein Rätsel blieb, hatte ich gleich sehr genaue Bilder in meinem Kopf. Der letzte Satz verspricht noch mehr Interessantes und Amüsantes. Ich freu mich drauf. lg

Eingetragen am: 20.06.2008

Kommentar von Angela Barotti

Teil 1 ist nur was für Insider, die all deine bisherigen Romansequenzen mitverfolgt haben. Wer das nicht getan hat, dürfte hier nur Bahnhof verstehen. Teil 2 liest sich wesentlich angenehmer, da flüssiger im Stil. Über drei Dinge bin ich gestolpert. 1.) Wie redet denn Lisa Ludwig mit Jasper? Vorname + Sie? Aus welchem Jahrhundert stammt das denn? Hier dürftest du ruhig ein wenig moderner werden und Vorname + Du verwenden. 2.) Der Satz: „Die hatten hier wohl einen Beamer.“ Was du hier ausdrücken willst, ist die Schnelligkeit von Reinholds Auftauchen. Frei nach dem Motto: Beam me up, Scotty. Ein Beamer ist jedoch ein Projektor, der den Bildschirminhalt eines Laptops an die Wand wirft. So ein Ding steht heutzutage in jedem Besprechungsraum. Natürlich besteht die Möglichkeit, dass dein Roman in den 70er oder 80er Jahren angesiedelt ist, es ist jedoch aus heutiger Sicht ein Stolperstein beim Lesen. 3.) Der (Doktor-)STIEFvater, der böse. Das ist mir zu klischeehaft. Dieses Wort kannst du getrost streichen und der Leser wird dennoch merken, dass der Professor eine Aversion gegen Jasper hat./ Alles andere gefällt mir gut und ich halte es mit Karla und lehne mich genüsslich zurück. / @ Lillilu: Frog ist auch ‚verarbeitet’ worden. Sie ist die Concierge. Und Karla Otten ist wohl eine Anlehnung an Carola Ottenburg.

Eingetragen am: 20.06.2008

Kommentar von Tinkerbell

:) Mango Plintek...kommt mir irgendwie bekannt vor :)

Eingetragen am: 20.06.2008

Kommentar von Lillilu

Nun, das ist ein interessanter Beitrag! Bei dem notwendigen Vorspann war ich noch nicht so richtig mit dabei, aber nach dem Schnitt (Drehbuch?) dafür umso mehr! Der knackige Dialog mit Frau Professor macht Spaß, als Forumsleserin freut man sich, dass Gina hier auftaucht und Mango Plintek, der psychologische Berater, ist auch witzig! Die „geistige Jonglierkiste“ solltest du dir urheberrechtlich schützen lassen. LG Lillilu

Eingetragen am: 20.06.2008

Kommentar von Elisabeth

Ich bewundere diese flüssige Schreibweise und diese kräftigen Dialoge. Passt sehr gut zu dieser Art von Story. Viel Glück!

Eingetragen am: 19.06.2008

Kommentar von Tina

Ziemlich fix, lieber Ginko Korn. Von dem Text bin ich hin- und hergerissen, einerseits faszinierend, andererseits verwirrend. Vielleicht ist es ja auch schon zu spät am Abend, aber im ersten Teil wird mir nicht ganz klar, worin die außergewöhnlichen Fähigkeiten des Jasper Husen (Kasper Hauser?) bestehen und worin er Erbsen zählt. Die Limnologin musste ich erst einmal nachschlagen (für alle anderen: Limnologie = Lehre von den Binnengewässern). Die Alliteration der lieblichen Limnologin Lisa Ludwig ist natürlich klasse (oder doch etwas "too much"?). Die Dialoge im zweiten Teil sind prägnant, der Inhalt (tektonische Energie, oszillieren) ziemlich schwer verdaulich, erinnert mich irgendwie an Schätzings Schwarm, vielleicht im Ganzen etwas zu sprunghaft. Oder wird es im Kontext wieder verständlicher? Ich hadere noch, wie gut ich den Text finden soll. Viele Grüße - Tina

Eingetragen am: 18.06.2008

Kommentar von Angelika Wagner

Sehr gut.Tolle Story.Ich wünsche Dir Glück bei der Veröffentlichung.

Eingetragen am: 18.06.2008

Kommentar von Linda Cuir

Umwerfend! Geschrieben auf höchstem Niveau. Ich freue mich auf mehr. Gruß Linda Cuir

Eingetragen am: 18.06.2008

Kommentar von Jutta Wölk

Hallo Ginko, ich finde deinen Beitrag interessant und spannend geschrieben. Auch deine Personenbeschreibung ist gut gelungen. Was mich jedoch stört, sind die Fremdwörter. Sicher gehören sie zur Aussprache eines bestimmten Personenkreises dazu, aber ich denke nicht jeder kennt sich damit aus. Ich musste erst im Duden nachsehen, was z.B. eine Limnologin ist. Das zerstört meiner Meinung nach den Lesefluss und es kann leicht passieren, dass der Leser das Interesse verliert. Auf der anderen Seite sollen die Fremdwörten unbedingt bleiben, da sie sehr gut in den Text passen. Wenn du dann noch eine kleine Erklärung dazu schreiben könntest, z.B.: Die Limnologin, wie wissentschafliche Seekundler auch genannt werden, ....u.s.w., würde ich es noch besser finden. Liebe Grüße Jutta

Eingetragen am: 18.06.2008

Kommentar von M.P.

Ja, das ist gut.

Eingetragen am: 18.06.2008

Kommentar von Monika

Das liest sich hervorregend! Und macht neugierig. Der Protaginist hat also zwei Probleme zu lösen. Erstens Interesse für seine Forschung zu wecken und zweitens ganz persönliche, private Verstrickungen zu lösen? Ich bin gespannt!

Eingetragen am: 18.06.2008

Kommentar von linus barthelemew

Das hat mir sehr gut gefallen! Viele Hinweise, lebendiger Erzählstrang, fesselnde Geschichte. Man spürt sehr genau die Geschichten, die sich in den einzelnen Informationshappen verbergen. Über ein, zwei Formulierungen bin ich gestolpert (das mit der äußeren Form und dem fein verstehen), aber das ist marginal und dann vielleicht auch signature style vom Autor. Da möchte ich in jedem Fall gerne das ganze Buch lesen!!!

Eingetragen am: 18.06.2008

Eingetragen am: 17.06.2008 von Irene Wegmann
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13407

Da hörte sie plötzlich in seltsames Geräusch. Es klang als scharre jemand mit etwas Schwerem über den Schotter, der eigentlich die Straße darstellen sollte. Das Geräusch erklang regelmäßig und schien näher zu kommen. Hier im Dunkeln mit einem kranken Reisebegleiter war Elizabeth plötzlich leicht mulmig zu Mute. Instinktiv griff sie nach Taschenmesser und –lampe und nach einem knorrigen Stock, den sie sich zugelegt hatte in der Hoffnung, ihn nie in einem Fall wie heute Nacht gebrauchen zu müssen.

Das Geräusch hielt inne. Ein Blick vor den Verschlag zeigte, dass ein halb verrotteter Holzkarren mit einem Esel davor für die Geräusche verantwortlich war. Ein bärtiger Mann, gehüllt in nicht ganz saubere baumwollene Gewänder, wie sie hierzulande von den Bauern getragen wurden, war vom Gefährt herunter gestiegen. Sein Gesicht war kaum unter dem riesigen graumelierten Bart zu erkennen. Die Sonne und wohl auch das harte Leben im irakischen Hinterland hatten tiefe Furchen in sein Gesicht gezeichnet. Nun regte sich auch etwas im Innern seines Karrens. Ein halbverschleiertes Frauengesicht ließ sich über dem Rand sehen. Sie schien ebenso furchtsam zu sein wie Elizabeth, denn sie zog sogleich einen Teil ihres dunklen Schleiers wieder übers Gesicht. Ihr Begleiter kam langsamen Schrittes auf Elizabeth zu. Mit ruhigen Bewegungen wollte er etwas andeuten und begleitete murmelnd seine Gesten.

Die Verständigung erwies sich als sehr schwer. Die wenigen Brocken, die Elizabeth in der Landessprache hervorbrachte. reichten nicht aus, die Misere der beiden Engländer zu erklären. Elizabeth verlegte sich auf Pantomime. Sie zeigt auf ihren Gefährten, der immer noch tief zu schlafen schien, auf ihre leeren Gefäße und Henkeltöpfe. Sie deutete ebenfalls auf ihren Magen und verkniff das Gesicht um zu demonstrieren, dass auch ihr Magen mittlerweile Probleme machte.

„Allah Akbar!“ war das Einzige, das sie der Antwort ihres Gegenübers entnehmen konnte oder zumindest glaubte verstehen zu können. Er klopfte ihr wie beruhigend auf den Unterarm, schüttelte seinen Kopf, auf dem noch eine Bedeckung thronte, die wohl in besseren Tagen einen Turban hatte darstellen sollen. Er stieg wieder auf seinen Bock, trieb das Tier mit einem Stock an und bedeutete Elizabeth zu warten.

Sie war sich nun nicht ganz klar darüber, was sie von dieser Unterhaltung ohne viele Worte zu halten hatte. Aber es war immer noch sehr dunkel, der alte Mann schien diesen Weg wie seine Westentasche zu kennen. Das Gerumpel seines Karrens hatte sich in der Stille verloren und die Landschaft war so ruhig wie zuvor. Elizabeth zog sich in den Verschlag zurück. Diese seltsame Begegnung trug nicht dazu bei, den schon längst fälligen Nachtschlaf herbeizuführen. Sonst nicht allzu gläubig sandte Elizabeth nun ein Stoßgebet in die Dunkelheit.

Sie wälzte sich hin und her. Düstere Geschichten von marodierenden Banden in der Bergwelt des Irak, Geschichten von dubiosen Mädchenhändlern oder Räubern schlechthin stiegen in ihrem übermüdeten und strapazierten Kopf auf. Auch die Einschlafhilfen aus friedlicheren Zeiten schienen hier nicht gut zu wirken. Als es langsam dämmerte, schmerzten ihre Augen schon so sehr, dass sie sie einfach nicht geschlossen halten konnte. Auch Neil schien langsam aus seinem gnädigen Schlaf zu erwachen. Er stöhnte leise vor sich hin und wälzte sich langsam auf die andere Seite.

Ein langsames Trappeln von Hufen kam aus der Ferne näher. Eingedenk der Ereignisse der letzten Nacht war Elizabeth trotz der bleiernen Glieder recht schnell auf den Füßen. Man wusste ja nie, wer sich da näherte!

Mit bloßem Auge erkannte sie jedoch den nächtlichen Besucher, diesmal auf seinem Tier reitend. Im Morgengrauen sah er zwar auch nicht viel vertrauenserweckender aus als in der Nacht. Aber gleich als er Elizabeth erkannte, schwenkte er mehrere geflochtene Taschen, die nebst zwei Blechkanistern an den Riemen des Tieres befestigt waren. Er blieb vor dem Verschlag stehen, hieß Elizabeth in die Taschen hineinsehen und legte ihr noch ein gefaltetes Papiertütchen in ihre Hände, die sie ihm instinktiv entgegengereckt hatte. Vergessen waren die beängstigenden Gedanken der letzten Nacht und die Furcht vor dem Weg, der noch vor ihr und Neil lag.

Sie trug die Taschen und die Kanister in den Verschlag, wo ihr ein total verwirrter Neil entgegensah. Er musste sich erst mal orientieren und starrte etwas irritiert auf die Kanister, aus denen Elizabeth nun heiße Suppe in ihre Becher goss. Sie drehte sich noch schnell um, damit sie ihrem Wohltäter zumindest danken und noch eine Tasse anbieten konnte.

Doch der hatte schon der Rückweg angetreten, das Hufgetrappel verlief sich schon auf der abschüssigen Straße. Elizabeth griff hastig in die Flechttaschen: warmes Fladenbrot, Schafskäse und Rosinen mit Nüssen. Der Wohltäter hatte an alles gedacht. Das offenbar hastig gefaltete Papiertütchen enthielt ein Hausmittel, ein Pulver gegen Magenprobleme, er hatte alles verstanden, auch ohne Worte.

Neil hatte erstaunt die Köstlichkeiten betrachtet. Nun erzählte Elizabeth von den Vorkommnissen der vergangenen Nacht. Beide fühlten sich gestärkt für den weiteren Weg in die Freiheit und nach Hause. Die kurdische Grenze konnte nicht mehr allzu weit entfernt sein und in der Türkei war ihnen weitere Hilfe gewiss. Weitere Übergriffe wurden damit auch unwahrscheinlicher.

Die Vorräte halfen den beiden sich wieder besser zu fühlen, ein Schlaf bis in die Morgenstunden hinein tat ein Übriges. Die beiden Kollegen von Help-in-Need mussten den Vorfall und seinen glücklichen Ausgang noch verarbeiten, bevor sie den Heimweg fortsetzten.

Wer sagt eigentlich, dass es keine Engel gibt? Gab es nicht doch welche, auch wenn sie mancherorts „Malek“ heißen und braunhäutig, schwarzäugig und wettergegerbt mit Vollbärten von klapprigen Eselskarren steigen?


Kommentar von Elisabeth

Hallo Irene, Elizabeth hat sich einer Herausforderung gestellt, die Angst vor dem Fremden und wurde reichlich belohnt. Nicht nur mit Nahrungsmittel, ein "Engel" ist ihr erschienen. Spannend geschrieben! Wie wird es weitergehen? Viel Glück!

Eingetragen am: 18.06.2008

Kommentar von M.P.

In der größten Not wird selbst die spärlichste Gabe zum Wunder. Das war schon immer so und wird sich auch nie ändern. Eine Geschichte, die deinem Buch mit Sicherheit wieder Schwung verleit und den Leser Hoffnung schöpfen lässt. Obwohl ein kleiner Anflug von Skepsis bleibt, sie sind noch nicht am Ziel und die Gefahr lauert überall. Ein schöner Text. LG M.P.

Eingetragen am: 18.06.2008

Kommentar von Ginko Korn

Die beängstigende Lage der beiden Engländer löst sich rasch, indem die Geräusche sich als Rettung entpuppen. So bin ich gleich zu Anfang beruhigt und betrachte die Wörter des Textes. Das Geräusch ist seltsam, regelmäßig, hält inne, kommt vom Holzkarren. So wirkt Wiederholung als spannungssteigerndes Stilmittel. Ob der landesüblich gekleidete Iraker aber eine Westentasche kennt? Auch hätte ich gern eine Erklärung, wieso Elisabeth das Pulver gleich als magenheilendes Hausmittel erkannt hat.

Eingetragen am: 18.06.2008

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