40 Die Romanwerkstatt im Autorenhaus Verlag | Schreiben Sie mit! | Kapitel 27 mit Übungsaufgabe
(Foto: Christian Rohr)
„Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie es war, eine Schriftstellerin zu sein, die noch nichts veröffentlicht hat: Man beißt sich mehr schlecht als recht durch und kommt mit Leuten in Kontakt, die ausgesprochen abweisend sein können. Und obwohl ich nun Teil dieser Branche bin, die sich manchmal Neulingen gegenüber wie eine uneinnehmbare Festung präsentiert, stehe ich instinktiv eher auf der Seite derer, die versuchen, die Mauern zu erklimmen."

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Kapitel 27 mit Übungsaufgabe

02.07.2008© 2008 Autorenhaus Verlag GmbH, Berlin
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Leserbeiträge

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Eingetragen am: 10.07.2008 von Wladimir.
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14355

Wo ist Bruno oder Meyer wird wütend

Es war der erste Tag in der neuen Wohnung. Meyer renoviererte.Die Telefonnummer hatte er vom Vormieter übernommen. Er wartete auf Gabys Anruf. Sie konnte nicht bei ihm sein. Aber die stundenlangen Telefonate würden ein kleiner Ersatz sein.
Acht Uhr. Gaby-Zeit.Das Telefon ging.
Gaby, endlich, dachte Meyer. In freudiger Erwartung nahm er den Hörer ab.
Eine fremde Stimme bellte ihn an.
"Wo ist Bruno?"
"Hier gibt es keinen Bruno"
"Werd`nicht frech. Wo ist Bruno?"
"Werden SIE nicht frech. Wer sind sie überhaupt?" sagte Meyer.
"Das weißt du genau. Also, raus mit der Sprache.Wo ist Bruno?"
Meyer fühlte, wie sein Blutdruck stieg. "Hier wohnt kein Bruno!" brüllte er.
Dann legte er auf.
Er überlegte gerade, ob er die Polizei anrufen sollte, als wieder das Telefon ging.
Die gleiche Stimme. " Komm mir nicht dumm. Sag mir, wo Bruno ist. Oder gib ihn mir, falls er neben dir steht."
"Oh, was für ein langer Satz", sagte Meyer, " Haben sie inzwischen einen Rhetorikschnellkurs besucht?Das ist ja ganz erstaunlich."
"Wo Bruno ist, will ich wissen!"
"Nun hören sie mir mal zu, sie Blödmann", brüllte Meyer, "Hier gibt es keinen Bruno!Jetzt wohne ICH hier.Und wenn sie mich noch einmal mit ihrem Wo-ist-Bruno-wo-ist-Bruno belästigen, dann informiere ich die Polizei. Und noch etwas: lassen sie das Duzen!"
"Machst du Witze, was glaubst du denn, mit wem du zu tun hast?"
"Donnerwetter", sagte Meyer, " jetzt schaffen sie sogar Haupt- und Nebensätze.Wenn sie sich so rasant weiterentwickeln, diskutieren wie hier bald über metaphysische Fundamentalprobleme.Haben sie es bemerkt, junger Mann, sie haben eine Satz ohne "Bruno" geschafft. Gratulation!"
"Verdammt noch mal", sagte der Fremde, " wer sind sie überhaupt?"
"Und sie, wer sind sie?"
"Sie wissen doch genau, wer ich bin...Kleen. Kommissar Kleen von der Hamburger Kripo.
Meyer musste lachen "Die Kripo, unglaublich. Ich habe schon einiges von der Inkompetenz der Polizei gehört. Aber sie sind Spitze. Sie übertreffen meine dunkelsten Befürchtungen."
"Nun werden sie man nicht frech",sagte Kleen, "sonst hänge ich ihnen eine Beleidigungsklage an."
"Und ich ihnen eine Dienstaufsichtsbeschwerde! Aber ich gebe ihnen einen Tipp, Herr Polizist, rufen sie doch bei dem Einwohnermeldeamt an, dann wissen sie, wer hier wohnt."
Dann legte Meyer auf.
Er wartete einige Minuten auf einen weiteren Anruf, aber nichts geschah. Stattdessen pochte es an der Tür.
Meyer öffnete. Vor ihm stand ein Zweimeterriese. Er trug ein verschwitztes Sweatshirt und hatte seine nackten Arme verschränkt, wobei seine Muskeln ununterbrochen nervös zuckten, was seine Tätowierungen noch lebendiger erscheinen ließ.Sein kahler Kopf und die obere Gesichtshälfte waren durch und durch mit Tatoos überdeckt.
Dem möchte ich nachts nicht im Dunkeln begegnen, dachte Meyer, das muss Bruno sein.
Der Riese ballte die Fäuste und maulte."Wer bist du denn, Meister?"
"Ich wohne hier."
"Nichts für ungut, Meister. Hab`nur eine Frage," sagte das Muskelpaket.
"Raus damit, bitte", sagte Meyer.
"Wo ist Bruno?"


Kommentar von guenni

Lieber Wladimir, schön geschrieben, wenn Du Details wissen möchtest, becker-horchheim@arcor.de Katharina

Eingetragen am: 21.07.2008

Kommentar von Lisa Becker

Hallo Wladimir, dass du wach bist beimm Schreiben oder aufmerksam, keine Sekunde habe ich daran gezweifelt! Die Geschichte gefiel mir dann noch gut, als ich zum Weiterlesen kam. Wo ich dabei bleibe ist: Mir hätte es gefallen, wenn Meyer die ersten zwei drei Male den Brunofans dem Sinn nach geantwortet hätte: "Bruno wohnt nicht MEHR hier!" Erst im Laufe seines fast zu zerreißen drohenden Nervenkostüms wäre er dazu übergegangen, provoziert und hilflos zurück provozierend in etwa zu sagen: "Hier wohnt kein Bruno!" Innerhalb dieser zweiten Gangart das Wörtchen "mehr" dann weg zu lassen, klingt süß und lädt, wie ich finde, 100 Pro bereits zum Schmunzeln ein und dazu, vollends heiteres Verständnis für Meyer aufzubringen. Dann wäre mir dieser Meyer - aufgrund seiner anfänglich noch üblich ausfallenden Reaktionen, wo das "mehr" noch in seinen Antworten auf die ungebetenen Anrufe dabei war - ein ganzes Stück sympatihscher geworden. Und beim Weiterlesen hätte ich noch leichter emotional einsteigen können...Gruß Lisa Becker

Eingetragen am: 14.07.2008

Kommentar von Numungo

Hallo Wladimir, es tut mir leid, wenn bei dir der Eindruck entstanden ist, dass ich deine Geschichte nicht gut finde. Im Gegenteil, besonders die Dialoge hast du sehr gut und witzig getroffen und mir gefällt auch, wie du deine Persönlichkeiten entwicklest. Beim Lesen ist mir nur eben diese alte Geschichte eingefallen. In einem Buch wirst du sie wohl nicht finden, sie wurde mir jedoch von bestimmt schon hundert Leuten in Form eines Witzes erzählt. Daher das "abgedroschen". Wie ich im Kommetar bereits angemerkt habe, endet deine Geschichte ja anders. Also nochmals Entschuldigung, war anders gemeint. Und das mit der Polizei siehst du ja inzwischen genauso. Viel Grüsse, Numungo (14017).

Eingetragen am: 13.07.2008

Kommentar von Michelle Mancini

Die unterschiedlichen Kommentare zu Deiner Geschichte bestätigen,dass jeder Autor für sein fertiges Buch Leser finden wird. Ich finde die Episode ist gut gelungen. Vielleicht ruft er nur etwas zu früh die Polizei. LG

Eingetragen am: 13.07.2008

Kommentar von Wladimir

Hallo Kommentatoren, danke für die Rückmeldung.Es ging bei der Übung, wenn ich es richtig sehe, darum, einen Helden zu zeigen, der z.B. wütend ist.Eine Szene, in der die Hauptfigur einen Zorn entwickelt, eine Schwierigkeit überwindet.Wie reagiert die Figur? Rennt sie weg? usw. Ich find diese Übung sehr gut. Man lernt seine Hauptfigur besser kennen.Ich habe eine Figur entwickelt und einige Schwächen und Stärken schlicht nicht bemerkt.Kann vorkommen, wenn man nur eine Woche Zeit zum Schreiben hat. Warum nicht eine Szene, in der ein Mann auf einen Anruf seiner Freundin wartet und dann von einem Menschen genervt wird, dessen Anrufe verärgern? Auf "Wer sind sie überhaupt" sagt der Anrufer " Werden sie nicht frech.." Da ärgert sich der Angerufene. Warum nicht eine Figur, die in einer solchen Situation mit Arroganz reagiert?Ist doch eine Möglichkeit.Arroganz als Form der Verärgerung oder Wut. Vielleicht steckt sogar Unsicherheit hinter dieser Arroganz.Muss ich mal überlegen. Den Satz mit der Polizei werde ich streichen. Da haben meine Kritiker sicher recht.Vielen Dank dafür. Der passt nicht. Schon deshalb nicht, weil Meyer eben nicht ängstlich sein soll, sondern verärgert.Ohne "Er überlegte sogar, ob er die Polizei holen sollte" ist der Text logischer und Meyer wird nicht mehr verdächtigt, ängstlich zu sein und gleichzeitig cool.Und dann muss ich den Ärger natürlich eskalieren lassen, vier fünf Sätzte noch einbauen. Komik war beabsichtigt, ich freue mich, dass das angekommen ist. Na ja, Numungo, abgedroschen? Gibt es überhaupt Situationen, die nicht schon tausend Mal geschrieben und beschrieben worden sind?Egal, ob es Liebesszenen sind, ob jemand betrunken im Gras liegt, ob Raben plötzlich sprechen, ob jemand leidet und klagt, weil er arm ist, ob jemand verlassen wird. Alles schon da gewesen. Du fasst meine Geschichte in vier Sätzen zusammen, allerdings ist der vierte Satz ganz anders als meine Geschichte.Immerhin ein Viertel.Strukturalistisches Vorgehen finde ich okay,ist oft sehr hilfreich.Muss dann aber auch stimmen.Doch selbst Kritiken, die die Sache nicht so ganz treffen, finde ich gut. Sie sensibilisieren für eigene Schwächen. Vielleicht ist Dir aufgefallen, dass ich meine Sätze variiere, die Geschichte dann sehr schnell ( vielleicht zu schnell) einen anderen Verlauf nimmt, und sehr schnell merkt der Leser, dass Meyer arrogant ist. Genau darauf kam es ja an. Zu zeigen, wie jemand wütend wird.Übrigens, obwohl ich eine Leseratte bin, kenne ich die von dir genannte abgedroschene Geschichte mit einem Bruno nicht. Wo finde ich die? Trotzdem, danke auch für diese Kritik. Vielleicht sollte ich in Zukunft in strukturalistischer Manier auch meine Übungstexte auf Abgedroschenheit abklopfen. Schaden kann das ja nie. Wladimir

Eingetragen am: 13.07.2008

Kommentar von Frog

Muss mich Numungo anschließen. Ist etwas abseitig, die Polizei rufen zu wollen, wenn man am Telefon belästigt wird. Geschmunzelt habe ich trotzdem, weil's lustig geschrieben ist. Gruß nach Barmbek.

Eingetragen am: 12.07.2008

Kommentar von Numungo

Erinnert irgendwie an eine alte, etwas abgedroschene Geschichte: "Tut - Tut - Tut." "Hallo, ist Bruno da?" "Hier gibt es keinen Bruno!" Aufgelegt. "Tut - Tut - Tut." "Hallo, kann ich Bruno sprechen?" "Ich kenne keinen Bruno, verdammt noch mal!" Aufgelegt. "Tut - Tut - Tut." "Hallo, ist Bruno zuhause?" "Hier wohnt kein Bruno!" Aufgelegt. "Tut - Tut - Tut." "Hallo, hier ist Bruno, hat jemand für mich angerufen?" Deine Geschichte hat dann doch etwas anders geendet. Doch das Meyer einerseits die Polzei holen will und dann, als er dem Riesen plötzlich gegenübersteht, wieder ganz cool ist, passt nicht ganz zusammen? Viele Grüsse, Numungo (14017).

Eingetragen am: 12.07.2008

Kommentar von Pia Petersen

Hallo Wladimir, ich habe herzhaft lachen müssen und das tut gut!LG Pia

Eingetragen am: 12.07.2008

Kommentar von Putzi

Sehr Humorvoll und kurzweilig beschrieben. Mir gefällt diese Episode. uüße, Putzi

Eingetragen am: 11.07.2008

Kommentar von marc

Die Überlegung die Polizei anzurufen, würde einem ängstlichen Typ gerecht werden, widerspricht aber den selbstbewusten Antworten. Im Übrigen köstlich und logisch. Geistesschwäche und Arroganz, haben mitunter den gleichen Ausdruck!(aus eigener Erfahrung)

Eingetragen am: 11.07.2008

Kommentar von RoseCanyon

Hi Wladimir, also langweilig wird dem Leser in Deiner Story bestimmt nicht! Gut gemacht, auch die Steigerung der Spannungskurve nochmals am Ende. Nicht ganz nachvollziehen konnte ich am Anfang, warum er so früh schon darüber nachdenkt, die Polizei zu rufen. Gegen Ende allerdings hätte ich auch Panik. Nur eine Frage noch: wo ist denn Bruno? Hoffentlich klingelt der nicht bei mir!! Vielen Dank für Deinen super Beitrag.

Eingetragen am: 10.07.2008

Kommentar von Monika

Köstlich... das kann ich mir auch super als "Sketch" vorstellen.

Eingetragen am: 10.07.2008

Kommentar von Gerhild Bauer

Herrlich! Nach den vielen Wut-Geschichten (einschließlich meiner) ein wirklich gelungener und erfrischender Beitrag! Ich gratuliere! Gerthild. B.

Eingetragen am: 10.07.2008

Eingetragen am: 10.07.2008 von Pia Petersen
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14344

Hier ist der letzte Abschnitt von Übung 13 / Beitrag 14194

Die Probe beginnt, alles läuft bestens, die Choreographie ist wie ein Zauber. Die weisse Katze ist genial und der neue schwarze Kater passt noch besser zu der Tänzerin als Norman zu ihr, denkt Dolores.
Ich hätte das nicht im Schlaf gedacht, dass Thomas besser ist als Norman, Dolores ist zufrieden und ahnt nichts.....


Im Zuschauerraum sitzen die meisten Eltern von den Kätzli und den Katern.
Traumkatze Rosy ist vertreten durch ihren Vater, den vielbeschäftigten Bänker, durch ihre elegante Mutter, die nur ihre Verlagssachen im Kopf hat und Rosy`s Grosi, die auf der Lauer liegt
Norman`s Eltern sind da, so auch die vom Thomas.

In 2 Tagen ist die Uraufführung vom „ Katzentanz“. Die Hauptprobe ist gelungen und Dolores die Tanzlehrerin will nicht abergläubisch sein, wenn bei der Hauptprobe alles glatt läuft, dann ist es meistens bei der ......., aber sie will den Teufel nicht an die Wand malen.

Wie erzählt, die Hauptprobe ist gelungen und gerade will der Applaus einsetzen, da sackt der graue Kater zusammen, er liegt am Boden. Sofort ist der schwarze Kater bei ihm.
Dolores erkennt die Situation und rennt auf die Bühne, steht neben dem schwarzen Kater, sieht ihm in die Augen und lässt einen Schrei los.
Der Sanitäter, der jetzt auch auf der Bühne ist, öffnet das Kostüm vom grauem Kater und zieht ihm die Gesichtsmaske ab, es ist Thomas, nicht Norman.Jetzt muss alles schnell gehen.
Dolores erkennt Thomas, schreit hysterisch herum „ ich bin ruiniert, ich bin ruiniert“, sucht den schwarzen Kater, aber wo ist er?

Rosy, die Traumkatze, hat Norman`s Blick aufgefangen, huscht unbemerkt von der Bühne und schon kommt Norman in die Garderobe gehetzt, beide ziehen die Tanzschuhe aus, schnappen ihre Jacken, noch die Rucksäcke und rennen raus.

Der Sanitäter hat einen Krankenwagen bestellt. Alle Kätzli und Kater laufen durcheinander, Dolores kreischt hysterisch:“wo ist Norman?“, da kommt auch schon Grosi auf die Bühne.
Mit energischem Schritt geht sie zu Dolores, schaut sie an als würde sie Dolores am liebsten....
„ Jetzt nehme ich Rosy hier weg, wo ist sie überhaupt?“ schnaubt Grosi.
Einer der Sanitäter reagiert gelassen darauf und erwähnt, dass er draussen habe 2 Katzen weglaufen sehen.

Norman war mit Rosy verschwunden, Thomas im Spital, die Eltern wollen wissen, wo ihre Kinder sind und Grosi, die nicht locker lässt, bekommt einen Tobsuchtsanfall, fuchtelt mit den Armen um sich und schimpft laut“ ich habe es gesagt und warum hat niemand auf mich gehört, alle denken, ich bin eine alte Schachtel, aber das ist nicht wahr, denn jetzt seht nur, was hier los ist! Warum hat niemand auf mich gehört.“

Dolores beginnt laut zu kreischen „ nein, nein, in 2 Tagen ist Uraufführung und jetzt das, schnappt nach Luft h`huch, h`huch, sackt auch zusammen.


Kommentar von Frog

Irgendwie finde ich Deine Fortsetzung komisch, im besten Sinne. Sie hat so einen eigenen Charme. Für welche Zielgruppe ist sie eigentlich angelegt?

Eingetragen am: 12.07.2008

Kommentar von Ginko Korn

Selbst nach Lesen des vorhergehenden Textes bin ich mir nicht im klaren darüber, ob es sich hier um eine Generalprobe handelt, oder um eine Farce über eine Generalprobe, oder um die Erzählung von einer Farce über eine Generalprobe, oder...

Eingetragen am: 10.07.2008

Eingetragen am: 10.07.2008 von Ro McGer
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14329

Da ich schon mehrmals auf falschen Zeitformen meiner Verben hingewiesen wurde und die Texte aus diesem Grunde als unlesbar bezeichnet wurden, sollten in dieser Frage empfindliche Teilnehmer diesen Text lieber gar nicht erst lesen. Was ich mir in vierzig Jahren angewöhnt habe, werde ich wohl nicht in fünf Minuten ablegen.

„Da hat mich diese Dame aber so richtig aufs Kreuz gelegt. Seit zwanzig Jahren mache ich diesen Job. So rein gelegt hat mich aber noch niemand.“ Carsten Bergmann, ein schon leicht ergrauter Privatdetektiv saß an seinem Schreibtisch und konnte sich nicht beruhigen. Ein wichtiger Grundsatz in seine Gewerbe lautet: „Verliebe dich nie in eine Klientin oder in die Zielperson.“

Er hatte sich nicht in seine Klientin verliebt, jedenfalls nicht bewusst. Sie hatte bei ihm sich wie eine „graue Maus“ präsentiert und eine vermutete Untreue ihres Ehemanns dargelegt. Carsten Bergmann bewunderte solche Frauen. Sie konnten viel erzählen und sagten bei näheren Hinsehen eigentlich nichts. Wäre er Pfarrer geworden, wäre sein Job mit dem Zuhören erledigt gewesen. In einem solchen Fall musste er nun mit sehr viel Feingefühl herausfinden, was sein potentieller zukünftiger Klient wirklich wollte.

Einer seiner Stammkunden war Peter Herting. Er hatte schon in seiner Jugend den sprichwörtlichen Onkel aus Amerika beerbt. Damals hatten die Anwälte des Onkel per Zufall Bergmann ausgewählt und ihn beauftragt, diesen Peter Herting zu suchen. Die Vorfahren stammten aus dieser Gegend und wanderten vor über hundert Jahren in die USA aus. Er hatte vergessen, womit sie ihre Millionen gemacht hatten. War ja auch egal. Aber nun trat Herting wieder einmal mit einem Auftrag an ihn heran. Beide verband zwar keine richtige, wahre, tiefe Freundschaft. Sie verband aber eine Bekanntschaft, die über die gelegentlichen Aufträge hinaus ging.

Er sollte seine neueste Errungenschaft mal etwas unter die Lupe nehmen. Sein Bekannter war kein Freund von Traurigkeit und hatte die Berufstätigkeit auch nicht gerade erfunden. Er war sich aber bewusst, dass solch ein unverdient erhaltener Reichtum nicht ewig hält. Deshalb hatte er trotz des mit diesem Geld etwas aufgelockerten Studentenlebens seinen Abschluss erfolgreich bewältigt. Jetzt nannte er ein nicht ganz kleines Häuschen sein Eigen. Bisher hatte sich aber noch keine Ehefrau gefunden. Vielleicht lag das auch an seinem Lebensstil. Er war zwar nicht überschäumend ausufernd, aber doch eher das Gegenteil eines Mönchs.

Und diese neue Errungenschaft war die unscheinbar gekleidete, gedemütigt auftretende Frau, die vor ein paar Tagen ihm den Verdacht von Seitensprüngen ihres Ehemanns auf den Tisch legte. Für die die Welt angeblich zusammengebrochen war. Herting kommt natürlich nicht in das Büro des Privatdetektivs. Er lädt ihn in solchen Fällen zu sich ein und zeigt ihm aus der Deckung heraus die Zielperson. Es lief eine seiner üblichen Partys. Nichts besonderes, aber zum satt essen reichte es.

Als er den „Gegenstand“ seines neuen Auftrags sah, fiel ihm fast der Teller aus der Hand. Wie gewöhnlich war es eine sehr attraktive Frau im angemessenen Alter. Sie hatte alles, was so eine Frau zu haben hat und das auch an den richtigen Stellen. Und zeigte es zwar sehr geschickt verhüllt, aber trotzdem deutlich genug. Und es war Doreen Enders, die unscheinbar wirkende Ehefrau eines Elektromeisters hier aus der Gegend.

Bergmann griff wieder zum Schnapsglas. Ein Drittel seiner Flasche war schon leer und er konnte sich immer noch nicht beruhigen. Zum Glück war sein autofahrendes Bewusstsein so trainiert, dass es rechtzeitig vor den „Starenkästen“ die Geschwindigkeit reduzierte. Bei Herting hatte er sich nichts anmerken lassen. Über Geld brauchte er nicht zu reden, bisher war jede Rechnung unkommentiert beglichen worden. Vielleicht war der Abschied etwas zu schnell gewesen. Der erste, der seine Verärgerung deutlich zu spüren bekam, war der Gashebel. Die beim Losfahren hingelegte Spur wird wohl noch einige Tage sichtbar bleiben.

Recht schnell hatte er erkannt, dass die wichtigste Arbeit eines Privatdetektivs im Schreiben von Berichten besteht. Dafür bekommt er sein Geld. Nicht für das in der Gegend Herumsitzen oder seine gelegentlichen Geistesblitze. Und sein einziges Kapital ist seine Vertrauenswürdigkeit. Deshalb hatte er es sich damals schon beim ersten Auftrag zur Angewohnheit gemacht, am Ende jedes Einsatztages zumindest eine Rohfassung seines Bereits zu erstellen und gemeinsam mit den damals im Schnell-Labor angefertigten Fotos an einem sicheren Ort zu verwahren. Heute im Zeitalter des digitalen Internets und des papierlosen Büros ist die Geheimhaltung wesentlich einfacher. Auf dem Schreibtisch findet sich kein Stückchen Papier mehr. Neben dem Monitor standen nur die Schnapsflasche und das dazu gehörende Glas.

Auch er war unverheiratet. Er hatte nicht einmal eine feste Freundin. Die Ehefrau eines Privatdetektivs muss so flexibel sein, wie es eine Frau wohl nie sein kann. „Das ist der Preis der Freiheit, einer im allgemeinen schlecht bezahlten Freiheit,“ murmelte er vor sich hin. Der Bericht war fertig und gemeinsam mit den Fotos auf geheimen Wegen zu den versteckten Bereichen einiger Mailprovider auf die Reise geschickt worden. Bei soviel Alkohol im Blut legte er sich lieber auf das für diese Zwecke vorhandene Sofa in seinem Büro. Seine Verärgerung wich langsam einem traumlosen Schlaf.


Kommentar von Ro McGer

Hallo, für die positiven Kommentare danke ich. @Numungo, ein Schnellabor hat nicht mit dem Internet zu tun, sondern mit Digitalkameras. Ich hatte doch geschrieben : „... damals im Schnell-Labor angefertigten Fotos ...“. Dieses könnte man doch im Zusammenhang mit „Seit zwanzig Jahren mache ich diesen Job.“ sehen. In meiner Erinnerung existierten vor zwanzig Jahren noch keine Digitalkameras. Aber nichts für ungut, ich verstehe auch nicht immer alles.

Eingetragen am: 18.07.2008

Kommentar von Numungo

Hallo Ro McGer, ich habe mir deinen Text trotz des Warnhinweises angetan und fand ihn gar nicht so schlimm. Falsche Zeitformen sind mir nicht aufgefallen, Rechtschreibfehler nur einer. Ein paar Sätze wirken etwas holprig, z.B. "Für die die Welt angeblich zusammengebrochen war.", aber daran kannst du ja noch arbeiten. Was ich nicht verstehe: weshalb braucht er zu Zeiten des Internets noch ein Schnellabor? Viele Grüsse, Numungo (14017).

Eingetragen am: 12.07.2008

Kommentar von Elisabeth

Ich finde deinen Text flüssig geschrieben. Außerdem macht mich dein Text neugierig. Bin sehr gespannt!

Eingetragen am: 11.07.2008

Kommentar von Lisa Becker

Hi Ro McGer, supergut zu lesen, finde ich und cool geschrieben. LG Lisa Becker

Eingetragen am: 11.07.2008

Eingetragen am: 09.07.2008 von RoseCanyon
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14326

Timothy stürmte zurück in die dunkle Eingangshalle, die Schar der Schaulustigen im Schlepptau.
„Jetzt werdet Ihr es sehen!“, stieß er erregt aus, während sich seine Finger zitternd an den seitlichen Haken der mächtigen Standuhr zu Schaffen machten. Den ersten Eisensplint hatte er eilig herausgezogen, dann auch den zweiten. Einen Moment hielt Timothy inne. Er wagte kaum zu atmen und es schien, als ob die gesamte Halle nun von dieser knisternden Spannung aufgeladen würde. Niemand rührte sich mehr. Alle starrten auf die Standuhr und das, was nun kommen sollte. Langsam pressten sich Timothys Finger hinter die seitliche Klappe der Standuhr, deren Verschlusshaken nun gelöst waren und hinter der sich das Pendel des Uhrwerks verbarg. Dann riss Timothy die Klappe ruckartig auf und ermöglichte so den Anwesenden den Blick in das Innere des Chronometers.
Gebannt starrte er in die Menge, doch die erwarteten Gesichtsverzerrungen, Schreie und Entsetzenskundgebungen blieben aus.

Stattdessen krümmte sich Victoria La Crosse nun vor Lachen. Ihr Gesicht glich dem eines Hamsters, der stoßweise seine Backen aufbläht, um genügend Luft zum Überstehen der nächsten Lachattacke zu haben. In ihren Augen bildeten sich die ersten dicken Tränen der Erregung und sie musste sich regelrecht den Bauch halten, so sehr erheiterte die sich ihr bietende Szene ihr Gemüt.
Und auch Elsy, Patricia und all die anderen ließen sich von dieser heiteren Stimmung mitreißen. Nur Timothy stand da und verstand die Welt nicht mehr.
Wie konnte das grauenvolle Bild einer in eine Standuhr gepressten Leiche derartige Erheiterung hervorrufen? Er drehte sich um und blickte nun selber in den hölzernen Kasten und …….. erschrak. Die Leiche war weg. Einfach verschwunden. Ungläubig langte Timothy mit seinen Händen durch die Klappe in das Innere der Standuhr. Doch er hatte sich nicht getäuscht: außer dem großen Metallpendel, das starr in der Mitte herunterhing, war der Uhrenkasten leer.
„Hey, Timothy“, schallte es vergnügt aus Victorias Mund, „da haben Sie uns aber schön einen Bären aufgebunden. Nein, was Sie doch für ein amüsanter Menschen sind. Soviel Humor hätte ich Ihnen nie im Leben zugetraut.“ Und wieder brach sie in schallendes Gelächter aus.

Timothy beugte sich inzwischen mit seinem ganzen Oberkörper in die Standuhr hinein. Er konnte es einfach nicht glauben. Eben war sie doch noch da gewesen, die Leiche, und nun…? Halluzinierte er? Hatte er sich das ganze nur eingeredet? Nein, das konnte nicht sein. Außer einem kleinen Bier hatte er den ganzen Abend nichts Alkoholhaltiges getrunken. Was war also geschehen?

Jetzt spürte er Victorias Hand auf seinem Rücken. „Kommen Sie schon, Timothy, lassen Sie es gut sein. Der Streich ist Ihnen geglückt – wir sind alle auf ihn reingefallen. Sie müssen keine Komödie mehr spielen, wir geben auf, - Sie haben gewonnen. Lassen Sie uns wieder an die Bar zurückkehren und uns auf diesen Scherz einen ordentlichen Becharovska genehmigen. Sie sind ein echter Spaßvogel, das lassen Sie sich mal gesagt sein.“

Timothy starrte sie verdutzt an. Dann veränderte sich sein Aussehen merklich. Zorn stieg in ihm auf: im Nu war seine bisherige Blässe verschwunden und sein Gesicht schwoll rötlich an, der Brustkorb blähte sich energisch auf und seine Augen vermittelten das Gefühl, als könnten sie jeden mit einem einzigen Wimpernschlag töten. Mit einem lauten Knall warf Timothy erzürnt die Klappe der Standuhr zu. Dann konnte ihn nichts mehr halten. Wutentbrannt stürmte er auf Victoria La Crosse zu, ergriff sie an ihrem seidenen Halstuch und zerrte sie unbändig hin und her. Dabei fuhr er sie laut schreiend an: „Ich mache keine Witze. Das das klar ist. Und ein Spaßvogel bin ich schon lange nicht. Sie dumme Nuss, Sie! Merken Sie denn gar nicht, was hier abgeht?“ Schwer atmend zog er für alle hörbar frische Luft durch seine Nase ein, bevor eine zweite Welle unkontrollierter Aggression Victoria erneut erzittern ließ. „Wollen Sie der nächste sein, der auf Rannoch Moor Castle sein Leben lässt?“

Victoria war von Panik getrieben. Dieser Timothy Trifle war unberechenbar. Aber sie musste jetzt selbst die Nerven behalten, denn wer wusste schon, wie weit Timothy in seinem Zorn noch gehen würde. Vielleicht würde er sie zu Tode würgen! Bei diesem Gedanken musste Victoria schwer schlucken. Angstschweiß rann ihr über die Stirn. Wie konnte sie Timothy nur beschwichtigen, damit er innehielte und sie sich aus seinem Griff lösen konnte?

„Lieber Timothy“, begann Victoria zaghaft, „das ganze Krimi-Dinner ist doch nur ein Spiel. Wie Patricia schon mehrfach erwähnt hat, ist alles bloß gestellt. Will Tucker hat noch lange nicht der Welt ade gesagt. Nur um uns Gästen unsere Illusion nicht zu nehmen, Teil eines echten Krimis zu sein, hat er nach der gestellten Todesszene an der Rezeption das Castle verlassen. Genau wie Mr. Scatty es uns erklärt hat. Für die Zeit bis zur Abschlussparty hält er sich daher bei seiner Freundin in Dundee auf. Erinnern Sie sich denn nicht, von dort hat er Sie doch gestern Abend noch angerufen, Timothy. Gestern Abend – also lange nachdem er hier mutmaßlich ermordet wurde. Er kann also gar nicht tot sein.“

Timothy blickte ihr tief und feurig in die Augen. Dann begann er Victoria noch heftiger zu schütteln als zuvor. „Eben nicht“, schrie er wie am Spieß, „eben nicht! Wachen Sie endlich auf! Die hier im Hotel verarschen uns doch am laufenden Band.“ Aber so schnell wie er Victoria ergriffen hatte, ließ er sie auch wieder los. Angewidert stieß er sie von sich weg. „Ich habe Tucker vor 20 Minuten gesehen. Hier, eingezwängt in dieser Standuhr. Er war tot. Kapieren Sie ?! - mausetot.“


Kommentar von warnow

Hallo Rose, Du bist eine talentierte Schreiberin. Spannend, keine Langeweile beim Lesen. Bravo. Gruß Winfried

Eingetragen am: 14.07.2008

Kommentar von Angela Barotti

Die Zahl der Handelnden reduziert sich diesmal auf zwei Leute. Das macht die Sache übersichtlich und hebt die Lesbarkeit des Textes. Sehr gut. Zwei Dinge haben mir nicht so sehr gefallen: Nummer 1 hat Numungo bereits angesprochen - die Würgeszene. Auch ich habe mich gefragt, warum sie noch normal reden kann. Nummer 2 ist der komplette Absatz 6, beginnend von "Victoria war von Panik getrieben..." Hier wechselst du die Perspektive. Agathe Christie hat ihre Leser nie in andere Köpfe schauen lassen. Und das war auch gut so, denn so hat sie die Spannung erhöht, da der Leser nie wusste, wer zu den Guten und wer zu den Bösen gehörte.

Eingetragen am: 14.07.2008

Kommentar von Numungo

Hallo Rose, gut und flüssig geschrieben; keine Sekunde ist langweilig. Timothy´s Wut hast du perfekt rübergebracht, nach meiner Meinung eine der besten "Wutumsetzungen" in diesem Projekt. Nur eine Stelle ist mir nicht ganz klar: Du vermittelst den Eindruck, dass Victoia gewürgt wird; wie kann sie dann noch so ruhig reden, wie sie es im vorletzten Absatz trotz ihrer Panik tut? Ein paar Rechtschreibfehler haben sich eingeschlichen (Menschen statt Mensch, das statt dass und Alkoholhaltiges statt alkoholhaltiges). Viele Grüsse, Numungo (14017).

Eingetragen am: 12.07.2008

Kommentar von Elisabeth

Hallo Rose, du schreibst mit einer wunderbaren Leichtigkeit Texte, die meiner Meinung nach gar nicht so einfach sind, sie gut strukturiert zu gestalten. Dein Stil ist eindeutig ( habe deine anderen Texte auch gelesen ). Die Story gefällt mir und ich bin gespannt wie es weitergeht! Liebe Grüße

Eingetragen am: 11.07.2008

Kommentar von Sabine Mucha

Hallo Rose Canyon! Oder sollte ich lieber sagen, hallo Agathe Christie. Du hast den Zorn sehr gut beschrieben. Ich konnte mich richtig in Timothy hineinversetzen.Ich wäre auch wütend, wenn man mir so etwas nicht glauben würde und mich alle für verrückt halten. Oh, das wird spannend. Ich freue mich auf den weiteren Text. Dein Buch kaufe ich bestimmt. Liebe Grüsse. Sabine

Eingetragen am: 10.07.2008

Eingetragen am: 09.07.2008 von Karin
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14324

Ich bin erst heute von einem Familientreffen aus Süddeutschland zurückgekehrt. Im Laufe des Wochenendes werde ich versuchen, einige der Texte zu lesen; alle werde ich natürlich nicht schaffen.

Hier ist nun mein Wut-Text: Die Oma hoch oben auf der letzten Stufe schlug die Hände vors Gesicht; ihre Gestalt wurde durchscheinend und verschwand. Die Treppe zerbrach, stürzte in die Nacht.

Lisa schrie. Sie strampelte mit Armen und Beinen, um sich aus der Daunendecke zu befreien. Die Mutter wandte sich vom Fenster ab, rannte zum Bett. Sie weinte vor Erleichterung. "Kind, du lebst! Es ist ein Wunder", flüsterte sie, "wie konntest du diesen Sturz nur überleben?"
"Wieso? Die dicke Wolke hat mich aufgefangen ..." Langsam kehrte die Erinnerung zurück, und Lisa begann, erbärmlich zu schluchzen: "Was hast du gemacht! Nun ist die Treppe kaputt, und ich kann nie mehr zu Oma."
"Das hab ich nicht gewollt. Kind, glaub mir." Die Mutter berührte die Schulter ihrer Tochter, strich unbeholfen darüber. Sie war ungeübt in solchen Zärtlichkeiten.
Einen Moment schien es, als gäbe sich Lisa dieser Berührung hin. Dann ging ein Ruck durch den kleinen Körper, sie starrte die Mutter an. Fast schwarz färbten sich die Augen unter den zusammengezogen Brauen. Die Nasenspitze bebte, als sie zwischen schmalen Lippen hervorpresste: "Was hast du dann gewollt?" Karen Harms zuckte zusammen.
"Kind, ich ."
"Mich hast du jedenfalls nicht gewollt! Mich wolltest du wegmachen lassen! Glaub bloß nicht, ich weiß das nicht." Das war nicht mehr die Stimme des sanften Mädchens; scharf wie Pfeile trafen seine Worte ins Ziel. Die Mutter wurde bleich.
Lisa hatte sich während ihrer letzten Worte aufgerichtet, die streichelnden Hände weggestoßen. Mit harten Fäusten trommelte sie gegen den Oberkörper der Mutter.
"Du kannst nicht Omas Kind sein! Du hast überhaupt nichts von ihr." Ihr Atem ging hechelnd zwischen den Hieben, die sie austeilte. Sie bekam kaum genug Luft, doch sie hörte nicht auf. Die Geschlagene wehrte sich nicht.
"Doch, ich hab dich lieb."
"Und ich hasse dich!" Wildes Schluchzen schüttelte Lisa: "Oma! Ich will meine Oma!"

Der Mond hatte eine Wolkenlücke gefunden und tauchte das Zimmer in sein mildes Licht. Zweige schaukelten vor dem Fenster auf und nieder, schabten gegen die Scheibe. Wie ein Klopfen.
Leise knarrend bewegte sich die Tür, die Mutter blickte auf und erkannte die Eintretende. Schon öffnete sie den Mund, doch die Andere schüttelte den Kopf.
Schweigend nahm sie Lisa in die Arme und wiegte sie sanft. Das Weinen verstummte, nur ein Flüstern war zu vernehmen: "Oma."


Kommentar von warnow

Hallo Karin, Dein Text gefällt mir bis auf die Äußerungen des Kindes der Mutter gegenüber. Sie klingen mir zu erwachsen. Gruß Winfried

Eingetragen am: 14.07.2008

Kommentar von Karin

Danke für Deinen Kommentar, Numungo! Ja,die Oma hätte ebenso gut durch das Fenster kommen können, doch ich wollte, dass die Mutter sie hört und das ging nur durch das Knarren der Tür. Die Mutter nennt Lisa Kind, weil sie tatsächlich ein neutrales Verhältnis zu ihr hat - jedenfalls all die Jahre vorher. Lisa ist im ersten Traum die Treppe bis zum Ende gegangen und dort der Oma in die Arme gefallen. Das ist der Text mit dem Mondstaub, den Ihre Füße auf dem Weg zum Bad hinterlassen. Zu Deiner Beruhigung: Es wird noch einige Träume/Begegnungen mit der Oma geben, die Dir bestimmt gefallen werden. Liebe Grüße. Karin

Eingetragen am: 11.07.2008

Kommentar von Numungo

Hallo Karin, die Geschichte entwickelt sich dramatisch. Am stärksten finde ich den letzten Absatz. Ich gehe davon aus, dass die Eintretende die Oma ist? Doch weshalb kommt sie durch die Tür und nicht durch das Fenster? In den vorangehenden Absätzen scheint die Mutter dem Kind klar machen zu wollen, das sie es liebt. Doch weshalb sagt sie dann immer Kind, nennt es nie beim Namen. Kind hört sich so neutral an, das würde ich ändern. Ich würde auch gerne ein Kapitel lesen, in welchem Lisa die Himmelstreppe bis zum Ende hinaufsteigt. Was für den Verlauf der Geschichte besser ist, kannst du dann immer noch entscheiden. Viele Grüsse, Numungo (14017).

Eingetragen am: 10.07.2008

Eingetragen am: 09.07.2008 von Ginko Korn
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14310

Gisbert Kanstock

war Hausmann, oft Strohwitwer, nahezu Single, denn seine derzeit Angetraute reiste ständig zu irgendwelchen Kongressen. Kinder waren längst ausgeflogen. Sein Beruf erlaubte ihm Freizeit nach Belieben. Der Haushalt war ihm vertraut. Waschen und bügeln mochte er ungern, doch Kochen war prima. Das fand er kreativ. Die dazu erforderlichen Einkäufe weniger. Was er benötigte, das pflückte er schlafwandlerisch aus den Regalen des Supermarktes und wurde nur gebremst von Warteschlangen an der Kasse. Statt einer Münze zum Auslösen der Einkaufswägen benutzte Gisbert eine Metallscheibe die er gleich wieder abziehen konnte. Das ersparte ihm, die Caddies wieder einzuparken, nachdem er seine Lastkörbe am Fahrrad beladen hatte.
Manchmal lagerte das Gesuchte in anderen Fächern als gewohnt. Das verdross ihn. Dann missbilligte er auch vieles andere. Zudem saß heute neben dem Eingang seine frühere Gespielin Gabi Krapp an einem Tisch der Bäckerfiliale zum Kaffee mit Freundinnen.
Sie winkten einander zu. Die Affäre lag schon Monate zurück. An der Theke wartend sah er, wie sie hinter vorgehaltener Hand tuschelte und zu ihm schielte. Das Kränzchen grinste wie eine Smiley-Runde im Beani Bee. Na wenn schon.
„Hallo“, begrüßte ihn die Verkäuferin.
„Ja bitte, wer ist am Apparat?“
„Apart-Brötchen hamwa im Anjebot.“
„Erst mal: Guten Morgen!“
„Mojenschrippen sind ooch da. Drei Stück neunundneunzich.“
Gisbert seufzte.
„Ja, gut. Zwei Stück bitte.“
„Drei sind im Anjebot zu neunundneunzich.“
„Auch recht, dann drei.“
„Mit oder ohne?“
„Mit? Ohne? Ohne was bitte?“
„Die mit ohne sind mit ohne Grobsalz.“
„Mit oben ohne bitte.“
Die Semmeltussi wühlte im Korb. „Mit ohne ha ik jetzt doch nur zwee Stück.“
„Perfekt! Zwei wollte ich.“
„Die sind aber im Anjebot. Drei Stück neunundneunzich.“
„Was machen wir jetzt?“
Gabi hatte mitgehört. Sie stupste ihre Freundinnen an.
„Nehmse eene mit Salz dabei!“
„Nein, danke!“
„Möchtense jetzt keene Mojenschrippen?“
Kanstock dachte an Rivarocci.
„Doch, doch. Zwei.“
„Die kosten aber achzich Zennt.“
„Eine?“
„Beede.“
„Mit oder ohne?“
„Mit Tüte.“
Am Tisch wurde das Kichern lauter. Gabi mischte sich ein: „Gisser, lass doch die arme Deern in Ruhe!“
Gisbert drehte sein Wägelchen herum und stampfte ins Eurosparparadies. Gabi würde gleich bissig werden. Den Einkaufszettel hatte er mal wieder liegen lassen. Er musste sich auf sein Gedächtnis verlassen. Schon im Eingangstrichter stieß er auf das häufigste Hindernis seiner Besorgungsgänge : andere Kundinnen. Nicht, dass er etwas gegen Hausfrauen gehabt hätte. Nur kamen sie ihm hier in die Quere. Buchstäblich! Keine Angestellten in Jeans, die schnell einen Joghurt für ihre Pause holten, sondern rollender Verkehr. Alle, wirklich alle Wagenschieberinnen zeigten nicht den geringsten Sinn für Bewegungsabläufe. Als wären sie allein in der Halle, schlenderten sie mitten in den Gängen, verschwendeten keinen Gedanken an die Möglichkeit zu behindern, sondern starrten auf Salat und Blumenkohl, während sie ihr Gefährt ohne jede Kontrolle um sich herum schlenkern ließen.
„Vorsicht bitte, darf ich ein wenig rangieren? Danke.“
Der Stau setzte sich fort, obwohl keinerlei Überfüllung herrschte. Mit ihren Rollkörben schlichen sie, wie beim Auto fahren, diagonal zum Pfad, nach links blickend, rechts Spur beanspruchend, und andersherum genauso. Kanstock nahm sich zusammen.
„Verzeihung, dürfte ich wohl...?“
Das Unrechtsbewusstsein der Angesprochenen war so gut wie Null.
Noch vor einem Vierteljahr hatte Gisbert seine Besorgungen mit Gesprächen verbunden, an Ratsch teilgenommen und Bekanntschaften gepflegt. Er genoss einen Ruf als Sachverständiger der Alltagsküche und wurde um seine Meinung gefragt, wenn ein besonderes Thema der neuesten Kochsendung im Raum stand. Das schmeichelte ihm. Seine Kommentare hielt er für wohlwollend und konstruktiv. Gelegentlich nahm er sich Vertraulichkeiten heraus, die teils positives Echo hervorriefen, aber auch Befremden auslösten, wenn er sich in die Warenauswahl einmischte. Seine Späßchen formulierte er immer tiefgründiger, wie er glaubte, womit er allerdings auf Unverständnis stieß. Die Damen fühlten sich veralbert, ja sogar angegriffen, und manche behaupteten Unsinn. Schließlich mieden sie ihn weitgehend, so dass seine Anmerkungen in den Wind gesprochen waren. Ohne Beeinträchtigung seines Selbstbewusstseins hatte Gisbert die Entwicklung verfolgt, wie ein Außenstehender, der Romansequenzen liest, denn seine eigenen Erkenntnisse betrachtete er mindestens als ebenso bedeutend wie den kategorischen Imperativ. Auch fand er seine vorgefassten Meinungen bestätigt.
Im Parallelgang quietschten Räder. Wenn Gisbert derartiges selbst widerfuhr, benutzte er Vaseline aus dem Waschmittelregal und stellte die Tube wieder zurück. Der Gehörlosen jenseits der Stapelreihe fiel die Fehlfunktion gar nicht auf. Ach so, die hatte gerade großen Kummer, und bereits Ärger mit einem Oldie. Aber die anderen? Als Gisbert unwirsch um den Käsestand schwenken wollte, stieß er in die Breitseite einer Wagenburg. „Hier braucht man ja fast einen Führerschein“, mühte er hervor. Die Urheberin der Blockade rückte zwölf Millimeter zur Seite. Gisbert wich zwei Schritte zurück. Da rammte von hinten das Fahrgestell des folgenden Transporters in seine Fersen. Er fuhr herum und holte tief Luft.
„Oh, wie dumm von mir“, flötete eine Party-Gekleidete.
Gisbert unterdrückte den Schmerz. „Sie offenbaren tiefe Einsicht“.
Erstaunt die Augenbrauen kräuselnd, widmete sich das Wesen der Auslage, eindeutig beleidigt.
In den letzten Wochen hatte Gisbert eine Guerillataktik entwickelt, mit der er seinen eigenen Ärger weiterleiten konnte in Form zusätzlicher Päckchen, die er in die Rollwägen der Einkaufenden schmuggelte. So musste eine Hosenanzugträgerin zwei Schachteln Billy Boy an der Kasse akzeptieren, der Warenberg einer Ächzenden barg schwarze Einlagen für Stringtangas, und das Pärchen, das an den Feinkosttheken Bündener und Nußkäse goutiert hatte, sah sich mit Noname Ketchup konfrontiert.
Jetzt aber versagte der Betablocker von Gisbert Kanstock. Sein Hals schwoll an. Unter dem Geklimper der Hintergrundmusik legte er eine energische Gangart ein. Zunächst fiel es im Laden nicht auf, als er gegen Barrikaden der Schrägparkerinnen rasselte, denn das Drahtvibrato fügte sich in die Musikberieselung. Ha! Warum nicht im Takt zustoßen, im Marschrhythmus? Gisbert presste Trompetentöne durch die Lippen und hüpfte im Wechselschritt. Es setzte Schrammen. Kartonstapel polterten durcheinander. Zetern und Kreischen durchmischte das Fortissimo.
Die Marktleiterin schaltete sich ein: „Bitte eine Aufsicht in die Obstabteilung! Dringend!“
Gisbert ließ das Angriffsfahrzeug stehen. Rückwärts zum Portal stolpernd, schleuderte er Matschgranaten aus einer Tüte Renekloden zur Deckung seiner Flucht. Eine Wolke des Ingrimms quoll durch den Konsumtempel.
Nur Klein Erna patschte in die Hände und hopste vergnügt auf einem Bein.


Kommentar von Angela Barotti

Hallo Ginko! Als kleinen Dank für deinen Nachhilfeunterricht zum Thema Metaphern möchte ich mich gerne mit einer kleinen Anekdote revanchieren. Berlinerisch III: An der Currybude: Frittenmamsell zum Kunden: „Na, Paule, watt machste denn um d i e Zeit hier? Jab’s bei dir nüscht Jescheites zum Mittach?“ „Nee, nur Kartoffelsuppe aus der Tüte. War ick eenmal pinkeln, war se wieda draußen.“

Eingetragen am: 31.08.2008

Kommentar von Metta Maiwald

Lord Voldemorts Hexeneinmaleins, im Hintergrund gesungen: Ich sag, versteh, aus k mach p/ aus p mach k, was steht jetzt da?/ und n lass gehn, den Rest lass stehn/ hol m herbei, dann bist du frei/ ein r dazu, dann hast du Ruh. Welche Zensur ich wohl für dieses Gedicht bekomme?

Eingetragen am: 23.07.2008

Kommentar von Metta Maiwald

Ach Ginko, was würdest Du nur ohne uns Hausfrauen tun? Woher würdest du den Stoff für Deinen Meta-Roman nehmen? Mit leerem Einkaufswagen würdest Du ruhelos zwischen Alster und Spree flanieren, während im Beani Bea Gabi ihre Schokoladentube zum Schmieren des Räderwerks bei der Hintergurndmusik an die chinesische Smiley-Frau weiterreichte. Hat sich denn noch niemand hier darüber Gedanken gemacht? Da sollten wir Frau Prof.Dr.K.O. schleunigst von HH ins Second life zurückbeordern.

Eingetragen am: 18.07.2008

Kommentar von Lillilu

Berlinisch II Dienstag, 19.00 Uhr Starbucks Coffee am Ernst-Reuter-Platz. Eine Dame bestellt am Tresen mit eleganter Aussprache Chocolate Truffel Cake, Raspberry White Chocolate Cake, Chicken Curry Wrap, Rustico Salami Sandwich und Coffee to go mit Sojamilch. Der Verkäufer packt schwungvoll ein und sagt: "Trüffelkuchen, Keks, hier noch die Stüllchen und dann noch'n Käffchen!"

Eingetragen am: 16.07.2008

Kommentar von Malea

Na, G.K., da haste dir aber mal was von der Seele geschrieben... Ein sehr unterhaltsamer Text, komponiert wie ein Musikstück, den Wahnsinn des Alltags aufnehmend, um ihn im Finale grande zu einem Feuerwerk zu überhöhen. Danke fürs amusement und den Exkurs in Medizingeschichte ;-) LG, Malea.

Eingetragen am: 15.07.2008

Kommentar von warnow

Hallo Ginko, ehrliche Freude kommt von Kindern oder von Erwachsenen, die sich ein kindliches Gemüt erhalten haben. Super. Gruß Winfried

Eingetragen am: 14.07.2008

Kommentar von Numungo

Hallo Ginko, für mich dein bester Text in diesem Projekt. Und einer der wenigen, die vom Dialekt tatsächlich mitgetragen werden. Viele Grüsse, Numungo (14017).

Eingetragen am: 12.07.2008

Kommentar von Frog

Ein bisschen angestrengt kommt mir das vor. Mit der Jasper-Story hat es wohl auch nichts zu tun. Leider! Der Dialekt der Schrippenschnalle ließ mich auf Berlin als Ort des Geschehens schließen, aber dann sagte Gabi: Gisser (!), lass mal die arme Deern in Ruhe...! Kommt Gabi aus Hamburg? Oder spielt die Story in Hamburg und die Schrippentante ist zugewandert? Fragen über Fragen. Zumindest ist Gisser (!) ein Schrat und als solcher gut beschrieben.

Eingetragen am: 12.07.2008

Kommentar von Ginko Korn

Freundliche Berlinerinnen! Mit den örtlichen Lautierungen habe ich wenig Glück. Die hier wohlmeinend kommentierte Szene spielt an der Binnenalster, stellvertretend für beliebige Supermärkte. Einen Kurs, wie man balinat, würde ich zutiefst genießen.

Eingetragen am: 12.07.2008

Kommentar von Lillilu

Klein-Erna fehlt es an transzendentalem Selbstbewusstsein. Was kann sie wissen? Was soll sie tun? Was darf sie hoffen? Sie amüsiert sich einfach! LG von Lillilu, auch aus der Stadt mit Schrüppe wie in Mülch.

Eingetragen am: 12.07.2008

Kommentar von papaya

Mensch Angela ko i do mitkumma: Des wird sicher sehr vergnüglich mit oder ohne Schrüppe oder Mülch. Pfiad euch Papaya

Eingetragen am: 11.07.2008

Kommentar von Angela Barotti

Mensch, (Gis)Bert, altes Haus. So is det, wenn man sich ne Jüngere jeangelt hat. Man selba is schon uff Rente, und die Holde jondelt durch de Weltjeschichte und macht Karjeere. Wenn se mal wat in Berlin zu tun hat, dann komm doch mal mit. Ick bringe dir dann bei wie man berlinat. Da haste noch Nachholbedarf und musst noch ühm. Watt isn ne Mojenschrippe? Kenn ick nich. Mojen = Morjen, oder watt? Habta bei euch och Ahmdschrippen? Und och für die Schrippe jibs nur nen halben Punkt. Warum? Weil der Berlina Schrüppe sacht. Schrüppe mit Ü wie in Mülch. Ditt nur am Rande. Vielleicht kannste ditt ja mal jebrauchen. Man weeß ja nie. Und wenn de dann schon mal da bist, dann machen wa ne anständije Ziehung und zischen die eine oder andere Molle. Jaspa kannste och mitbringen. Wo steckt der eijentlich? Hatta Urlaub, oder watt? Die Knalltüte wollte ma noch wat erzählen von dem Wutanfall vom Doktor Vater. Der, wo der den Jaspa dabei erwischt hat, wie der mit seina Schnecke rumpussiert hat. Und jetzt issa nich da. Dafür treff ick dich. Is ja n Ding. Na, warum nich? Bist n janz amüsanta Kerl. Ditt wird nich langweilich mit dir. Aba nun muss ick weita. Man sieht sich. Bis denne.

Eingetragen am: 11.07.2008

Kommentar von Gerhild Bauer

Für deinen Übungsbeitrag bekommst du sicher sehr viele positive Kommentare. Doch ich möchte dir für deinen Kommentar zu Lillilus Redelsheimer (14159) meine Hochachtung und meinen Dank aussprechen. Ich wollte, er wäre mir eingefallen. Gerhild B.

Eingetragen am: 10.07.2008

Kommentar von Karin

Ich glaube, ich würde, hinter einem Riesenberg sorgfältig arrangierter Suppendosen oder Dosensuppen wartend, auch in die Hände klatschen und auf einem Bein hüpfen. Dabei würde ich bestimmt die Balance verlieren und dem Dosenberg ins Gehege kommen. Jetzt fängt das Chaos erst richtig an. Liebe Grüße. Karin

Eingetragen am: 10.07.2008

Eingetragen am: 09.07.2008 von Putzi
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14297

Katia ist richtig wütend, was sehr selten vorkommt.

Sie sitzt am Esstisch, zusammen mit ihrem Mann Andreas.
„Was denkst Du Dir eigentlich dabei unseren Sohn aus dem Haus zu werfen, ohne dass ich eingreifen konnte?
Bist Du jetzt der Oberste Herrscher unserer Familie?
Du hast kein Recht dazu, meinen Sohn mir vorzuenthalten, komm endlich runter von Deinem hohen Ross!
Wer zahlt hier Miete, Gas, Elektrizität, Wassergeld und alle Lebensmittel, Du oder ich?
Habe ich gar nichts mehr zu sagen, bloß, weil ich im Rollstuhl sitze und auf Deine Hilfe angewesen bin?
Treib es nicht zu weit, das sage ich Dir im Guten. Schneller, als Du es glaubst, habe ich einen Ersatz für Dich gefunden.
Nein, keinen Mann, was Du auch schon wieder denkst, darauf kannst auch nur Du kommen. Ich denke an eine Hilfsperson, die den ganzen Tag für mich da ist.
Pass bloß auf, sonst schmeiße ICH DICH raus, dann kannst Du sehen, wie es mit Dir weitergeht.
Mein ganzes Leben lang war mir der Erhalt unserer Familie das wichtigste Anliegen überhaupt und jetzt kommst Du daher und wirfst unseren Sohn aus dem Haus.
SO WAS DULDE ICH NICHT!
Und warum das Ganze, nur weil Dominique Dir die Wahrheit ins Gesicht gesagt hat.
Es stimmt, er hat keinen Respekt mehr vor Dir, wo sollte der auch herkommen?
Jeden Abend trinkst Du zwei Flaschen Wein leer. Du bist ein Alkoholiker, da hat Dominique recht.
Und dann den Unsinn, den Du immer daherquatschst. Von wegen, Du hättest das Recht, Polizisten zu erschießen, wenn sie Dich anhalten und aus dem Wagen holen wollen.
Dann wissen wir wieder, dass Du besoffen bist, obwohl Du nicht lallst und noch richtig laufen kannst. Denn stehst Du wirklich vor einem Gesetzeshüter, dann bist Du nur zentimetergroß, MIT Hut.
Wenn die ganze Welt nur noch aus Idioten und Behinderten besteht, wer ist dann wohl der behinderte Idiot?
Das hat er Dir gesagt und das willst Du natürlich nicht auf Dir sitzen lassen.
Du unterscheidest Dich in keiner Weise von allen anderen Säufern, die an der Theke ihre „Weisheiten“ an den Mann bringen und zu Hause ihre Frauen schlagen.
Gut, mich rührst Du nicht mehr an, seit Du vor Gericht gestanden bist, weil Du mir die Nase gebrochen hast und ich Dich anzeigte. Zum Ausgleich gehst Du jetzt auf unsere Söhne los und weil Du weißt, dass sie stärker sind, als Du, willst Du sie aus dem Haus werfen.

Ich warne Dich. Entweder Du holst Dominique zurück, oder DU fliegst.“


Kommentar von warnow

Hallo Putzi, beim Streit in einer Partnerschaft ist es für einen Außenstehenden immer wichtig, beide Meinungen zu hören. Bei dieser Aufgabe ging es nur um Wut und Du hast Katia sprechen lassen. Bedingt durch ihre Krankheit kommt ihre Wut anders rüber als bei einem gesunden Menschen. M. E. ist Dir dies gut gelungen. Gruß Winfried

Eingetragen am: 14.07.2008

Kommentar von Azahar

Dein letzter Kommentar hat für mich etwas zum Verständnis beigetragen. Katias Monolog ist also nicht direkt gegen Andreas gerichtet, sondern eine Wuttirade, die sie sich vorstellte und die sie ihm gerne vor den Latz knallen würde. Jetzt macht das ganze Sinn! Als ich den Text das erste mal las, habe ich ständig auf eine Antwort von Andreas gewartet, auf eine Verteidigung. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass er diese Anschuldigungen die doch recht heftig sind, so einfach über sich ergehen lässt. Das Katia wütend ist, kommt aber gut rüber! Ich würde gerne mal einen längeren Teil deines Buches lesen. Wie hast du es aufgebaut? Bis jetzt haben wir zwar einiges über den Konflikt zwischen Katia und ihrem Mann erfahren, aber in keiner Szene gab es eine "richtige" Handlung. LG Azahar

Eingetragen am: 14.07.2008

Kommentar von Putzi

Liebe Angela. Du gibst mir die vortreffliche Gelegenheit nochmals darauf hinzuweisen, warum ich dieses Buch schreiben möchte. Es gibt so viele Missverständnisse, so große Unkenntnis, auch bei den betroffenen Familienangehörigen, damit möchte ich ein wenig aufräumen. Selbstverständlich würde Katia niemals in diesem Ton mit Andreas sprechen, denn dann würde genau das passieren, wovor sie sich fürchtet. Andreas würde sich rechtfertigen, es käme zu einer Konfrontation und Katia könnte ihre Tränen nicht mehr unter Kontrolle halten. Aber abends, im Bett, da kommen ihr doch solche Gedanken, von denen ihr Mann keine Ahnung hat. Es tut ihr gut, sich vor dem Einschlafen mit dem Geschehen des Tages auseinander zusetzen und auch Drohungen sich vorzustellen. Wohl wissend, dass sie diese Drohungen weder aussprechen, noch in die Tat umsetzen wird. Die E-Mails von der letzten Übung, wurden jedoch tatsächlich geschrieben und gelesen. Jetzt bin ich gespannt, über was wir uns in der nächsten Übung Gedanken machen sollen. Zu gerne würde ich Andreas auch von seiner liebenswürdigen Seite beschreiben. Liebe Grüße, Putzi

Eingetragen am: 12.07.2008

Kommentar von Angela Barotti

Hallo Putzi! Numungo hat es schon erwähnt: Die Absätze nach jedem einzelnen Satz verwirren den Leser. Ich bin deshalb von einem Dialog (statt Monolog) ausgegangen. Hat sogar Sinn gemacht. Jedenfalls bis zu der Stelle „Nein, keinen Mann …“ Erst da hat es Klick gemacht. / Katias Wut konnte ich spüren und nachvollziehen. Natürlich hätte ich ebenfalls gern Andreas’ Antworten gehört. Dass du sie diesmal nicht mitlieferst, ist aber auch ein Cliffhanger, der mich neugierig zurücklässt. Bin gespannt auf deinen nächsten Beitrag.

Eingetragen am: 11.07.2008

Kommentar von Putzi

Allen Kommentatoren danke ich ganz herzlich. Einige von ihnen wissen noch nicht, dass Katia schwer an MS erkrankt ist. (Nachzulesen in vorherigen Beiträgen). Wenn sie mit aller Kraft auf den Tisch haut, hört sich das eher wie ein zaghaftes Klopfen an. Sie kann auch Andreas keine Backpfeife geben. Sämtliche körperliche Wutanfälle bleiben ihr versagt. Und noch etwas hindert sie daran, ihrer aufgestauten Wut Erleichterung zu verschaffen. MS ist eine Nervenkrankheit. Wenn sie einer Konfrontation mit ihrem Mann ausgesetzt ist, dann kommen ihr gleich Tränen. Katia will das nicht. Es ist dann, als ob sie geistig neben sich steht und denkt: „Was soll das jetzt, wenn Du heulst, hast Du schon verloren. Du zeigst nur Deine Schwäche. Wie soll Andreas Dich jemals in dieser Verfassung ernst nehmen?“ Doch allen vernünftigen Gedanken zum Trotz, reagiert ihr Körper anders und sie bietet das Bild eines heulenden Elends dar. Katia hat durch die Krankheit ihre Konfliktfähig verloren und das weiß sie ganz genau. Deshalb geht sie Konflikten möglichst aus dem Weg, was unweigerlich dazu führt, dass Andreas sich wie ein Alleinherrscher der Familie benimmt. Er meint es nicht böse, ihm fehlt einfach der gesunde Widerstand eines gleichwertigen Partners. Wegen der zuvor genannten Bedingungen, war geforderte Übung sehr schwer für mich in Szene zu setzen. Normalerweise geht Katia in solchen Fällen strategisch klüger vor. Aber sie kommt zu ihrem Recht, wenn auch anders herum (hinterlistiger, heimtückischer?) Angela Barotti meine Mal, Katia hätte ihren Heiligenschein verloren. Das hat sie ganz bestimmt nicht, denn sie setzte sich niemals einen auf.

Eingetragen am: 11.07.2008

Kommentar von RoseCanyon

Hallo Putzi, nach einer Zeile war ich sofort wieder in Deiner Story drin. Doch, im Gegensatz zu anderen Lesern erkenne auch ich Wut in der beschriebenen Szene. Ich denke, dies wäre noch offensichtlicher geworden, wenn hin und wieder ein Hinweis auf die Tonlage, Verhaltensweisen und Mimiken der handelnden Personen gegeben würde. Ich glaube, Dein Buch wird so manches Pulverfass noch öffnen und den Leser so in Deinen Bann ziehen. :-))

Eingetragen am: 10.07.2008

Kommentar von Sabine Mucha

Hallo Putzi! Sie wagt sich ganz schön weit vor. Das was Du schreibst, klingt nach angestauter Wut, die schon lange in ihr kocht und endlich zum Vorschein kommt. Ich kann mir die Szene richtig bildlich vorstellen. Und so soll es doch sein oder? Super! Grüssle Sabine

Eingetragen am: 10.07.2008

Kommentar von michelle mancini

Man kann aufkeimende Wut erahnen und auch erkennen, die jedoch noch sehr weit ausgedehnt und gesteigert werden kann. Vielleicht können die Personen sich ein wenig fetzen und aufeinander losgehen? lg

Eingetragen am: 10.07.2008

Kommentar von papaya10

da redet eine Frau Tacheles und risikiert einiges! Wies wohl weitergeht? Sagt Andreas auch etwas dazu? Beim Lesen empfinde ich übrigens weniger ihre Wut als ihr großes Bedürfnis endlich gehört zu werden und vieles aufzurollen was sie endlich einmal gesagt haben will. Könnte auch ein Brief sein, dem sie ihm geschrieben hat. Was daraus wird? herzliche Grüße Papaya10

Eingetragen am: 09.07.2008

Kommentar von Numungo

Ein langer Monolog, der sehr monoton rüber kommt. Wut kann ich keine erkennen. Weshalb reihst du nur Gedanken aneinander, ohne Gefühle einfließen zulassen. Weshalb gibt es keine Konfrontation, warum darf sich das Gegenüber nicht äußern? Laß die Protagonisten aufeinander losgehen, schaffe ihnen ein Umfeld und trenne die Sätze nicht durch Absätze. Viele Grüsse, Numungo (14017).

Eingetragen am: 09.07.2008

Kommentar von papaya10

da redet eine Frau Tacheles und risikiert einiges! Wies wohl weitergeht? Sagt Andreas auch etwas dazu? Beim Lesen empfinde ich übrigens weniger ihre Wut als ihr großes Bedürfnis endlich gehört zu werden und vieles aufzurollen was sie endlich einmal gesagt haben will. Könnte auch ein Brief sein, dem sie ihm geschrieben hat. Was daraus wird? herzliche Grüße Papaya10

Eingetragen am: 09.07.2008

Eingetragen am: 09.07.2008 von Elisabeth
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14293

Nachdem ich, schmerzerfüllt neben ihm im Auto sitzend, entschieden hatte, mich doch nach Hause fahren zu lassen, kehrte in mir etwas Gelassenheit ein. Allmählich lockerten sich die harten Steine in meinem Bauch und ich spürte leichtes Weinen aufsteigen.
Wie belanglos er mir diese Worte vor die Füße spuckte! Das konnte ich nicht verstehen und doch wurde mir gewahr, dass ich eigentlich zu keiner Zeit aufrichtige Nähe seinerseits erlebte. Es stand immer, egal wo, egal wann, etwas zwischen uns. Vielleicht doch ein Geist seiner Mutter? Ich bin nicht abergläubisch aber unsichtbar formte sie ihn, führte sie ihn. Alles was sie wollte, musste er tun. Ob er darunter litt? Ich weiß es nicht! Er konnte Freude zeigen, ausgelassen sein, sich ärgern aber traurig sein? Traurigkeit zeigte er nie.
Zuhause in meinem Zimmer stand Duyal neben mir, wir warteten auf meinen Vater, nachdem ich ihn gebeten hatte, zu uns zu kommen, Duyal wolle mit ihm sprechen. Als mein Vater zur Tür reinkam, fing ich an zu heulen und schluchzte tief in mich hinein. Erschüttert darüber und ahnungslos, fragte mein Vater, was denn bloß passiert sei? Er stand uns gegenüber. Duyal antwortete mit kühlem Ausdruck:" Ich werde nicht mehr mit Anni zusammen bleiben." Patsch! Die Ohrfeige saß! Mein Vater hatte ihm urplötzlich eine Ohrfeige gegeben! Vor Aufregung bebte sein rotes Gesicht. Duyal senkte den Blick und seine Nasenlöcher weiteten sich, er hielt sich aber schamhaft zurück, wohlwissend was er angerichtet hatte. "Raus hier," schrie mein Vater, "ich möchte dich nicht mehr sehen!" Duyal ging.
Dieser Vorfall gab Duyal grünes Licht endgültig fort zu bleiben und gleichzeitig seine verdiente Strafe wortlos einzustecken. Ich glaube heute, dass er froh über diese Ohrfeige war. Sie war der Gegenschlag zu seinem Benehmen, die Sache war somit gerecht erledigt.
Dann war er weg, nicht mehr greifbar für mich. Aus. Ich fühlte im gleichen Moment, dass ich krank wurde. Es tat unsagbar weh.


Kommentar von Ginko Korn

Die Befindlichkeiten einer anderen Kultur werden hier als bekannt vorausgesetzt. Somit sei die Ohrfeige hingenommen. Einige Bauchsteine hätte ich gern gegen Leichteres ausgetauscht. Worte, die vor die Füße gespuckt werden, können selbst kaum belanglos sein, auch nicht die Art und Weise, wie das geschieht. Gemeint ist sicher Teilnahmslosigkeit. Ich halte "nebenbei" für treffender als "belanglos". Für die folgenden Sätze schlage ich vor: "Das konnte ich zwar nicht verstehen, aber nun wurde mir bewusst, dass ich seine Nähe zu keiner Zeit als aufrichtig erlebt hatte. Ständig war etwas zwischen uns gestanden, wann und wo auch immer. Als ob ihn der Geist seiner Mutter geführt und geformt hatte. Dabei konnte er Freude zeigen, ausgelassen sein, sich auch ärgern, aber Traurigkeit hatte er nie gezeigt." Mit Duyal wird der Archetyp eines Sanguinikers beschrieben. Die melancholische Frau könnte neben ihm schwerlich ihr Glück finden.

Eingetragen am: 11.07.2008

Kommentar von Elisabeth

@Numungo, du hast recht, "grünes Licht geben" hat mich auch irgendwie gestört...kommt der Text wirklich so nüchtern rüber? @Angela, die Trennung war für Anni sehr schmerzvoll,da für die Hochzeit schon Vorbereitungen getroffen wurden. Annis Vater nahm die Freundschaft sehr ernst, hatte Duyal schon in sein Herz geschlossen... @Rose, durch die Enttäuschung über Duyals Entscheidung, reagierte Annis Vater im Affekt.

Eingetragen am: 11.07.2008

Kommentar von RoseCanyon

Hallo Elisabeth, ich habe Deine Story gerne gelesen und sie ist auch fließend geschrieben. Nur inhaltlich verstehe ich nicht ganz, warum so abrupt die Ohrfeige vergeben wird. Vielleicht muss man mehr als diese Szene kennen, um dies zu verstehen - oder habe nur ich dies nicht verstanden?

Eingetragen am: 10.07.2008

Kommentar von Angela Thies

Deinen Text an sich finde ich gut -es enstehen aber viele Fragen: Warum trennt sich Duyal von Anni? Warum muss er es dem Vater sagen? Warum ist der so plötzlich wütend? Trennungen sind ja nichts ungewöhnliches. Oder hatte Duyal schon ein Heiratsversprechen gegeben? Das würde die Wut des Vaters verständlich machen. Warum ist Anni nicht wütend?

Eingetragen am: 10.07.2008

Kommentar von Numungo

"Seinerseits" hört sich an, wie aus einem Geschäftsbrief entnommen. Wieviele "Geister" hat seine Mutter? "Grünes Licht geben" hört sich ebenfalls sehr technisch an. "Vor Aufregung bebte sein rotes Gesicht" ist überhaupt die einzige Gefühlsregung, die die Wut beschreibt. Wobei Wut doch aus einem Schwall von Gefühlswallungen bestehen sollte. Insgesamt erscheint mir die Szene sehr nüchtern dargestellt. Viele Grüsse, Numungo (14017).

Eingetragen am: 09.07.2008

Eingetragen am: 08.07.2008 von Angela Barotti
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14271

Britta trat nackt auf mich zu, drückte sich an mich und gurrte: „Ich bin ein böses Mädchen. Du musst mich bestrafen, Bert.“ Während sie dies sagte, nestelten ihre Finger bereits an meiner Hose herum.
„Nicht!“, sagte ich und schaute zu unserer Tochter hin, die in ihrem Laufstall saß und fröhlich vor sich hinspielte. „Leonore kann uns sehen.“
„Na und?“, entgegnete Britta. „So wird sie gleich lernen, dass Sex etwas Wunderbares ist. Außerdem ist sie mit sechs Monaten viel zu klein, um zu verstehen was wir tun.“
Ich fand auf die Schnelle kein Gegenargument. Britta einfach zu sagen, dass ich an weiteren sexuellen Experimenten nicht interessiert sei, weil sie mir zu Kräfte raubend seien und sie mir keinen besseren Höhepunkt verschafften, unterließ ich, denn sonst würde sie mich einmal mehr verhöhnen, würde mich einen alten Spießer nennen, einen verklemmten alten Sack, der nur zu Gruftie-Sex in der Lage wäre.
Deshalb ließ ich sie gewähren und half ihr, mich meiner Hose und meiner Boxershorts zu entledigen. Sie führte mich zur Couch, schob den Tisch davor ein wenig beiseite, befahl mir, mich zu setzten und legte sich bäuchlings über meinen nackten Schoß. „Bestrafe mich!“, forderte sie erneut.
„Was soll ich denn tun?“, fragte ich verunsichert.
„Gib mir die Tracht Prügel, die ich verdiene. Hau zu!“
„Aber ich will das nicht.“
„Es ist ein Spiel, verstehst du. Du hörst auf, wenn es mir zu doll weh tut. Ich gebe dir Bescheid, okay?“
„Okay“, bestätigte ich ohne Überzeugung. Lasch schlug ich meine Hand auf ihren Hintern. Einmal, zweimal, dreimal. Ein leises Klatschen war vernehmbar, wie der Beginn eines verhaltenen Applauses in einem Konzert.
„Doller“, verlangte sie.
„Ich kann das nicht“, sagte ich und ließ meine Hand passiv auf ihrem Po liegen.
„Stell dich nicht wie ein Idiot an, Bert. Du brauchst doch nur daran zu denken, welch ein ungezogenes und böses Mädchen ich bin. Ich habe eine Strafe verdient.“
„Bist du sicher, dass du das willst?“
„Ja, verdammt! Fang endlich an.“
Ich schlug meine Hand auf ihren Hintern. Fest und hart, so wie sie es verlangt hatte. Britta stöhnte vor Überraschung und Schmerz kurz auf. Ich spürte eine Vibration tief in mir drin. Eine angenehme Wärme breitete sich in meinem Körper aus. Wieder und wieder holte ich aus und jedes Mal wurden meine Schläge intensiver, mein Atem abgehackter.
„Aufhören!“, jaulte sie zwischen zwei Schlägen. „Es ist genug. Verdammt! Du tust mir zu sehr weh! Es reicht!“
Doch ich war wie in einem Rausch. „Nein!“, schrie ich. „Es ist noch lange nicht genug. Ja, du hast Recht gehabt. Du bist ein Aas. Wenn ich nicht nach deiner Pfeife tanze, dann beleidigst du mich oder flirtest mit wildfremden Männern auf schamloseste Weise, nur um mir weh zu tun. Damit ist Schluss. Hörst du? Ein für alle Mal Schluss. Du bist jetzt eine junge Mutter. Und wirst dich ab sofort entsprechend benehmen.“
Meine Schläge wurden zu Hieben. Sie schrie vor Schmerz, wandte sich auf meinem Schoß hin und her und bettelte darum, dass ich endlich aufhören solle.
Doch ich hielt sie mit meiner freien Hand fest an ihrer Hüfte gepackt. Erst als mich meine Kräfte verließen, wurden seine Schläge schwächer, bis ich sie gänzlich einstellte und sie freigab. Britta rollte sich von meinem Schoß und ließ sich auf den weißen Flokatiteppich vor unserer Couch fallen. Erst jetzt, wo meine Benommenheit nachließ, nahm ich wieder meine Umwelt wahr und hörte unsere Tochter schreien. Die ungewohnte Aufführung, die ihre Eltern ihr boten, hatte Leonore in Panik versetzt. Zu Recht.
Ich hätte aufstehen, hätte meinen Unterleib bedecken und zu meiner Tochter eilen müssen, um sie zu trösten. Doch ich blieb sitzen. Vor mir auf dem Boden lag die Mutter meines Kindes und hielt sich wimmernd ihr Hinterteil. Ihre Haut an der entsprechenden Stelle war stark gerötet, dazwischen verliefen schmale blaue Streifen, als wenn ich sie zwischendurch mit Handkantenschlägen bearbeitet hätte. Hatte ich?
Ich rieb meine brennenden Handinnenflächen an meinen Oberschenkeln langsam hin und her, um ihnen den Schmerz zu nehmen. Schweiß tropfte von meiner Stirn in meinen Schoß. Meine Blicke schauten hinterher. Mit offenem Mund starrte ich auf mein erigiertes Glied.


Kommentar von Angela Barotti

Meinen wärmsten Dank an alle für eure tolle Unterstützung und den sehr hilfreichen Verbesserungsvorschlägen. Frog hat die Story perfekt interpretiert. Das Ganze ist aus dem Ruder gelaufen. Britta werde ich deshalb nicht lächeln lassen, denn SO hatte sie sich die Sache nicht vorgestellt. Allen, denen der Fehler mit ‚meine’ und ‚seine’ aufgefallen ist, zolle ich mein Kompliment. Entgegen Ginkos Vermutung hatte ich den Text jedoch nicht zuerst in der dritten Person geschrieben, sondern aus Brittas Sicht. Ich habe diese fehlende Korrektur leider auch nach mehrmaligem Lesen (und dreitägigem ‚Abhängen’) nicht bemerkt. Allerdings tauchte bei Britta kein einziger Gedanke an das Kind auf. Diese habe ich alle Albert nachträglich angedichtet, da ich mir habe sagen lassen, dass späte Väter die schlimmsten Glucken seien. Zum Kind: Leonore darf jetzt im Liegen spielen. Falls medizinisch Bewanderte unter uns sein sollten, hätte ich gern einmal die Frage geklärt, wie schnell blaue Flecken/Striemen sichtbar werden. Was spricht dagegen, das sich geplatzte Blutgefäße schnell abzeichnen? Allen, die mich darauf hingewiesen haben, dass die Schläge nicht im Sprechrhythmus erfolgten, gebe ich 100 Pro Recht. Die Szene war Treibsand für mich. Deshalb besonderen Dank für eure wunderbaren Verbesserungsvorschläge. Ihr habt mir mit eurem Feedback wieder sehr geholfen.

Eingetragen am: 16.07.2008

Kommentar von Malea

Liebe Angela! Wer zu spät kommt, kann keine geistreichen Kommentare mehr abgeben ;-) Ich schließe mich Metta an und ziehe meinen Hut. Jetzt bist du auf dem richtigen Weg, das wird ein toller Roman! LG, Malea.

Eingetragen am: 15.07.2008

Kommentar von warnow

Hallo Angela, wenn auch die vorangegangenen Kommentatorinnen und Kommentatoren anderer Meinung sind, ich finde die Britta bescheuert. Ihre Wünsche an Bert und dann noch vor einem sechsjährigen Kind. Wenn sie schon derartige Gelüste hat, dann sollte sie sich vorher etwas mit Kindererziehung beschäftigen. Trotzdem gebe ich zu, dass solche Situationen im Leben vorkommen können. Gruß Winfried

Eingetragen am: 14.07.2008

Kommentar von Azahar

Wow! Bert geht endlich mal aus sich raus und tut was! Sein Scham danach ist verständlich, denn den Partner grün und blau zu schlagen, hat mit S/M-Sex nichts mehr zu tun. Würde mich nicht wundern, sollte Britta das Kind packen und so schnell wie möglich verschwinden. Andererseits liegen nun die Karten auf dem Tisch. Bert hat ihr die Meinung gesagt. Ob aus der Szene eine Trennung folgt, oder sie doch wieder zueinander finden, wirst du uns sicher noch erzählen, ich bin schon gespannt! Für meinen Geschmack, ein super Text! LG Azahar

Eingetragen am: 14.07.2008

Kommentar von Metta Maiwald

Klasse! Mein einziger Kritikpunkt wurde schon benannt: Ich glaube, frei sitzen tun Kinder erst so ungefähr mit 9 Monaten, aber vielleicht ist Leonore Frühentwicklerin. Hier entlud sich das leicht Brizzeln an den schlecht isolierten Stromkabeln der vorigen Kapitel in einem kräftigen Kurzschluss. Die langsame Entwicklung von Alberts anfänglichem Widerwillen in Wut und Lust und die Umkehrung der Machtpositionen ist Dir gut gelungen. Da Alberts Beschimpfungen nicht zum Sado-Maso-Spiel gehören, sondern zu seiner unterdrückten Wut, fand ich sie, im Gegensatz zu Mata angemessen, auch wenn es für ihn das erste Mal war. Allerdings könntest Du seine Sätze etwas knapper fassen und von Schlägen unterbrechen. Bei einigen Wörtern finde ich eine Entsprechung zu den Hieben (Aas, Schluss, Mutter) - er will sie Britta einbläuen. Andere Sätze sind zu melodisch, um dem Rhythmus der Schläge zu folgen. Versuch mal zu dem Satz "Wenn ich nicht nach deiner Pfeife tanze, dann beleidigst du mich oder flirtest mit wildfremden Männern auf schamloseste Weise, nur um mir weh zu tun." auf ein Sofakissen zu schlagen, dann weißt Du, was ich meine. Bei "Ein für alle Mal Schluss" klappt es.

Eingetragen am: 13.07.2008

Kommentar von Michelle Mancini

G-E-N-I-A-L !

Eingetragen am: 11.07.2008

Kommentar von RoseCanyon

Hi Angela, das ist wirklich ein Prachttext!! Sehr gut geschrieben; der ein oder andere Hinweis aus den Feedback-Kommentaren mag vielleicht zutreffen, aber das sind wirklich Kleinigkeiten. Believe me, I am really impressed by your text!!!

Eingetragen am: 10.07.2008

Kommentar von Fledermaus

Ein klasse Text! zwei kleine Anmerkungen: [...] wurden MEINE Schläge schwächer [...] nicht 'seine'. Und "Meine Blicke schauten hinterher" ist falsch, denn nicht die Blicke schauen, sondern er / seine Augen. Aber sonst - Hut ab!

Eingetragen am: 10.07.2008

Kommentar von Mata

Hi Angela. Ja, die Szene hat was, da schließe ich mich den Anderen an. Für meinen Geschmack redet Bert aber beim Schlagen zuviel. Ich denke nicht, dass jemand, der zum ersten Mal jemanden - auf solche Weise - den Arsch versohlt, in der Weise argumentieren würde. So ein Verhalten sehe ich eher bei einem, der das des Öfteren tut. Ich habe so das Gefühl, als dass du ihn auch ein wenig rechtfertigst. Da scheint mir aber zuviel Autor durch. __ Ich würde also - und das ist wiederum lediglich ein Tipp - diese Szene abgehackter schreiben. Weniger Dialog und mehr "Atmosphäre". Du könntest den aufgestauten Frust immer noch später einbauen. __ Solche Schlüsselszenen, in denen man erfährt, zu was d/ein Protagonist fähig ist, sind ganz wichtig (nebenbei befriedigen sie natürlich auch den Voyeurismus des Lesers ;-)) für die Identifikation mit den Akteuren, von daher würde ich am Schluss noch etwas mehr über sein Erschrecken erzählen; und auch die Scham, die er wahrscheinlich empfindet. Gegenüber seiner Tochter, seinem Tun und seiner körperlichen Reaktion. Wenn du ganz fies sein willst, dann lass die Frau - trotz der Schmerzen – am Ende lächeln. Schließlich hat sie ihn dazu gebracht, so aus sich herauszugehen. Auch das ist eine Art von Macht. Und ich habe so das Gefühl, dass dieser Aspekt in deiner Geschichte einen wichtigen Platz einnimmt. LG, Mata

Eingetragen am: 10.07.2008

Kommentar von Angela Thies

Na, da entdeckt Albert ja ganz neue Züge an sich. Wie lange er das wohl durchhält? Kann er noch mehr schlucken? Eine gut beschriebene Szene. Nur einmal stimmt was nicht: "Erst als mich meine Kräfte verließen, wurden seine Schläge schwächer" das müsste meine Schläge heißen, oder habe ich was übersehen?

Eingetragen am: 09.07.2008

Kommentar von Numungo

Ob ein sechsmonatiges Mädchen schon im Laufstall sitzt und fröhlich vor sich hinspielt und dann auch noch nichts verstehen soll? Erst als mich "meine" Kräfte verließen, wurden "seine" Schläge schwächer? Hat Bert stundenlang auf sie eingedroschen, dass die blauen Flecken schon sichtbar sind? Der stark gerötete Hintern ist noch glaubhaft. Das Entsetzen Berts über sein Tun ist ebenfalls glaubhaft; ich denke, er wird es wohl nicht mehr wiederholen. Vom Stil her ein guter Text, inhaltlich überzeugt hat er mich jedoch nicht. Viele Grüsse, Numungo (14017).

Eingetragen am: 09.07.2008

Kommentar von Putzi

Auch ich bin des Lobes voll über Deine ausgezeichnete Umsetzung zum Thema „Wut.“ Wie, der erst schüchterne, Bert auf den Geschmack der Bestrafung kommst, hast Du sehr glaubhaft in Szene gesetzt. Wenn Britta da nicht einen Stein ins Rollen gebracht hat, den sie nicht mehr aufhalten kann. Ich bin gespannt auf weitere Folgen. Viele Grüße, Putzi

Eingetragen am: 09.07.2008

Kommentar von Frog

Yes! Angela, endlich gibst Du mal Butter bei die Fische, heiße noch dazu. Hier sitzt nahezu jeder Satz! Dass das Spiel aus den Fugen gerät, ist absolut logisch. Aber meine Interpretation ist anders als Lillilus: Bert lässt zwar seine ganze Wut an diesem "Luder" aus, er bestraft sie dafür, dass sie sein beschauliches Leben zerstört hat. Aber man spürt seine Zögerlichkeit, eigentlich verachtet er solche Spielchen, er schämt sich, zuletzt auch seiner Erektion. Der Lustgewinn überrascht und schockt ihn. An eine Fortsetzung glaube ich nicht, dafür ist er auf Dauer nicht der Typ. Die Moral ist deutlich sichtbar, Gerda indes konnte ich nirgendwo entdecken.

Eingetragen am: 09.07.2008

Kommentar von Ginko Korn

Zunächst in der dritten Person konzipiert, wurde dieser Text für den ich-Erzähler Albert gewendet, aber die weibliche Sicht beibehalten. Als ob Gerda durchs Schlüsselloch zugesehen habe und das Geschehen steuerte. So konnte sie ihre Wut an beiden auslassen. Grandios!

Eingetragen am: 09.07.2008

Kommentar von Lillilu

Ein Volltreffer ins Schwarze, Andjela! Besser hättest du deinem Roman keinen Anschub geben können. Total stimmig, wie beide reagieren und sehr spannend für den Leser. Ich bin begeistert! Wut mit Sex zu verbinden ist genial! Was mir allerdings nicht gefällt sind die Handkantenschläge, das ist ein Schritt in die Gewaltecke, finde ich. Jetzt wird endlich klar, was Albert an Britta findet! Es scheint aber die erste Begegnung der anderen Art zu sein, d.h. es sind ca. 1,5 Jahre vergangen, bevor sie das Salz in der Suppe, die sie miteinander auslöffeln wollen, gefunden haben. Nun findet Albert wohl wirklich nicht mehr zu Gerda zurück, oder? S/M-Sex und ein Kind kann Gerda ja nicht mehr toppen. Ich gratuliere dir! LG Lillilu

Eingetragen am: 09.07.2008

Eingetragen am: 08.07.2008 von papaya10
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14274

Der folgende Text ist ein Ausschnitt aus einer Parallelgeschichte zu Anna. Sie handelt von Annas betagten Eltern. Ihr Vater Otto ist 86 Jahre alt und seit vier Jahren infolge eines Schädel- Hirn- Traumas (nach einem Unfall) verliert er zunehmend an Orientierung in Zeit und Raum. Sein Geist sucht und ordnet neu. Seine Frau Maria 76 Jahre alt pflegt ihn und sieht das als ihre Aufgabe. Sie sucht und orientiert sich auch um. Aber das wird eine andere Geschichte.

Otto

Auf dem schmalen Schuhregal gleich hinter der Badezimmertür saß er. Mit vor dem Bauch verschränkten Armen. Er erinnerte sich nicht daran wie er hierher gekommen war. Es gab so vieles was er nicht mehr verstand. All die Stimmen, die Bewegungen, die Gesichter und Geräusche tanzten um ihn herum und verschwanden oft lange bevor er sie zuordnen, bevor er ihnen Namen und Geschichte geben konnte. Nur manchmal standen sie still und er zoomte sie mit all seinen Sinnen an sich heran. Dann sah er seine Frau Maria, hörte eines seiner Kinder seinen Namen rufen, spürte den Arm seiner Schwester auf seinem ruhen oder versuchte den raschen Bewegungen der fremden Frauen zu folgen, die täglich aufs neue kamen und gingen.

Aber nun saß er einfach da und ließ seine Blicke schweifen. Nichts rührte sich. Er sah die Badewanne, das Waschbecken, die Balkontüre, die den Blick auf den geteerten Hof freigab. Das war sein Zuhause Alles war so wie seit Jahrzehnten Ein merkwürdiges Glücksgefühl durchströmte ihn. Alles hatte seinen Platz und seine Ordnung. Er liebte Ordnung und Übersicht. Wenn alles so blieb wie es war. Von hier aus konnte er sich erinnern.

Sich daran erinnern wer er gewesen war. In Frankreich war er gewesen. An Lothringen erinnerte er sich genau. An den Wald. Wann war das ? 1940 ? Einmal hatten sie dort Gräben ausgehoben und sie mit Brettern und Zweigen verdeckt. Der Ortskommandant hatte sie früh am Morgen losgeschickt. Drei LKWs und neun Mann. Vorsichtshalber hatte er um das Waldgebiet Wachposten aufstellen lassen Es drohte keine unmittelbare Gefahr. Frankreich würde kapitulieren. Das sagten alle. Paris war bereits kampflos genommen Aber was hieß das schon für ihn und seine Kameraden? Der Untergrund, die Resistance, die schweigenden Gesichter der Ortsansässigen konnten überall sein.
Sie hatten sich in Dreiereinheiten aufgeteilt. Bei ihm waren Paul und Erwin. Sie hatten den ersten Graben in der vorgeschriebenen Tiefe bereits ausgehoben. Paul hatte von seiner Frida erzählt. Frida, die Hopfenkönigin, die Tochter vom größten Bauern am Ort. Freches Mundwerk, ließ sich nichts sagen. Er würde sie heiraten, soviel stand fest. Die letzten sechs Wochen hatte er allerdings nichts mehr gehört von Frida. Die Sonne stach durch das Laub und Otto ging den Trinkwassertank aus dem LKW holen. Er war der Fahrer in seiner Kompanie. Ein umsichtiger Fahrer. Er wünschte sein Vater könnte ihn so sehen! Sein stolzer Schreinermeinstervater, der ihn kaum angesehen hatte, als er vom väterlichen Betrieb abkommandiert worden war. Vor über einem Jahr.


Was war das? Eine Hand zog an seinen Hosenträgern, eine zweite Hand schob sich unter seinen Oberarm. Was wollten diese Hände? Der Hosenträger fiel zur Seite, um den Oberarm spürte er eine Klammer. Otto verstand nicht. Er wollte doch eben zurück den Kameraden.

Otto du musst aufstehen. Ich muss dir die Windel wechseln und dich anziehen. Ich schaff das sonst nicht. Steh jetzt auf, bitte.

Die Hände ließen nicht locker. Eine Hand zog jetzt an seiner Linken und eine zweite Hand legte sich schwer um seine Schulter. Was zum Teufel sollte das werden? Er wollte schreien. Lasst mich, loslassen, sofort loslassen. Er fand die Worte nicht. Er wollte sich losreißen, seine Arme freibekommen, um sich schlagen, aber sein Körper gehorchte ihm nicht. Er war so schwer. Sein eigener Körper war so schwer und steif.

Eeeeeeeh, schrie er endlich und wieder Eeeeeeh. Er hörte seine eigene Stimme. Da war sie also, laut und eindeutig. Eeeeeeh. Nur die Worte wollten nicht folgen.

Otto! Ich bin es Maria! Hör auf damit, hörst du! Ich kann dir nicht helfen, wenn du nicht aufstehst. Und ich kann dich hier nicht ewig sitzen lassen, Otto!

Die Stimme war direkt neben seinem Ohr. Die Hände rüttelten an beiden Schultern. Er kannte die Stimme! Er versuchte immer noch sich loszumachen Wer war das? Die Stimme klebte an seinem Ohr.
Otto ich bin es, Maria. Jetzt sei doch vernünftig. Du musst mir helfen! Hörst du mich? Wenn du nicht mitmachst, muss ich dich ins Heim bringen. Otto hörst du mich?

Die Stimme hatte ihren Klang verändert. Sie weinte fast. Trotz lag darin und ein drängendes Bitten. Das war doch , das war Maria. Das war Marias Stimme!

Otto fühlte eine Hitze aus seiner Mitte aufsteigen. Maria, wieder einmal Maria. Immer war es Maria. Warum konnte sie ihn nicht einmal in Ruhe lassen? Warum verstand sie nicht endlich, dass er sich erinnern musste. Dass es das Einzige, das Wichtigste war, das ihm geblieben war. Es brannte in ihm lichterloh. Die Wut, eine alles versengende Wut. Aaaaah. Sie öffnete seine Leib. Sie stürmte aus ihm heraus. Maria! Sie sollte ihn endlich in Ruhe lassen. Jetzt, jetzt jetzt. So viele Jahre schon hielt sie ihn an der Kandare!

Geh weg, lass mich. Eeeeehh Eeeeeeeh. Geh weg.

Worte, endlich ein paar lumpige Worte.
Die Wut löste die Arme vor seiner Brust. Er stieß sie nach vorne und wusste nicht wo Maria war. Er wollte sie nicht schlagen. Er wollte nur Raum, Platz für seine Wut. Er wollte, dass sie alle verschwanden, diese Gesichter, diese Hände, die nach ihm griffen. Er wollte allein sein mit seinem Erinnern. Alleeeein!

Eeeeeeeh! Er hörte seine Stimme, er spürte die rote Kraft in seinen Gliedern. Er hatte noch Kraft! Aaaaaah! Niemand würde sich mehr an ihm vergreifen, wenn er es nicht wollte.
Er hatte die Kraft. Er, Otto nahm sich die rote Kraft!

Dann war Stille. Eine lange Stille. Die rote Kraft verglüht und erloschen. Und da war nichts. Keine Bewegung, nur er Otto, mit hängenden Gliedern auf dem Schuhregal.
Maria? hörte er sich flüstern. Maria bist du noch da?
Keine Antwort. Nur Stille.
Maria, fragte er heiser, bist du da?

Nach einer stillen Ewigkeit spürte er plötzlich vier Hände auf seinen Armen.
Vater steh jetzt auf. Es reicht. Halt dich fest und stemme die Füße in den Boden.
Sein Sohn war gekommen! Und Maria!


Kommentar von warnow

Hallo papaya10, aus der Sicht eines Demenzkranken zu schreiben ist eine sehr gute Idee. Ich könnte es nicht. Müsste erst sehr viel darüber lesen. Es gibt auch ohne Krieg so viel Leid. Gruß Winfried

Eingetragen am: 14.07.2008

Kommentar von Angela Thies

Ich bin spät dran mit meinem Kommentar. Mir gibt dein Text sehr viel, da meine Mutter an Parkinson und an Demenz erkrankt ist. Ich versuche oft, mich in ihre Welt zu versetzen. Dein Text verschafft mir mehr Verständnis dafür. Das einzige Wort, das mir nicht passend erscheint ist "zoomte". Danke auch für deinen Kommentar auf meinen Text – ja, manchmal versuche ich auch Gedichte zu schreiben.

Eingetragen am: 12.07.2008

Kommentar von papaya10

Dank euch für eure unterstützenden Kommentare! Ich könnte es ohne euch nicht so einschätzen was rüberkommt @Putzi: du hast recht: Wut und Hilflosigkeit sind enge Verwandte @Numungo, ich meinte schon die rote Kraft. Eine simple Allegorie, die mir passend erscheint.Auch wenn Otto seine Emotionen unangemessen ausagiert, empfinde ich sie nicht als roh, sondern als Ausdruck von Verwirrung und letztendlich von Angst.Vielleicht will er auch gar nicht mehr auftauchen aus seiner Welt, könnte sein @Michelle du hast das du schön ausgedrückt, Otto fühlt sich gefangen und beschützt. Mit diesen Paradoxen kommt er nicht zurecht. @Angela,ich denke die Perspektive von Maria dringt nur punktuell und gelegentlich zu Otto durch, in den Momenten der hilflosen Wut sicherlich nicht @Elisabeth, du hast mich nochmal zum Nachdenken gebracht, wie das für mich vonstatten geht mit dem Hineindenken in "Demenzkranke". Zum einen sind mir versunkene Zustände, ein Versponnen-sein in meine eigene innere Welt vertraut und manchmal denke ich,dass es kein unendlich langer Weg ist sich ganz aus der Realität zu verabschieden (was ich durchaus nicht will!!)Zum anderen hab ich mein Studium finanziert durch Arbeit in Altenheimen. Dabei stieß ich am Rande auf eine Methode namens Validation. Die hat damit zu tun wie man Menschen bei ihrer Erinnerungsarbeit unterstützen kann.Gebieben ist mir vor allem das "Bild" dass Demente ihren Zustand möglicherweise brauchen um sich ganz darauf zu konzentrieren ihr inneres Haus zu ordnen, bevor sie dahin zurückkehren woher sie einst gekommen sind. Das macht für mich Sinn. Ich find es selber erstaunlich wie beim Schreiben Gedanken auftauchen, die ich überhaupt nicht erwartet habe, die für das aktuelle Leben keine Rolle zu spielen scheinen. Mit "realitätsfremden" Zuständen werd ich mich weiter auch schreibend beschäftigen. Danke Lillilu, du bringst es auf den Punkt

Eingetragen am: 11.07.2008

Kommentar von Elisabeth

Wie du dich in Otto hineinversetzt hast, fabelhaft! Das ist doch gar nicht so einfach, weil man ja immer nur von außen mitbekommt wie sich Demenz Kranke verhalten. Aber wie empfinden sie wirklich? Du hast das sehr realistisch beschrieben, ich war richtig dabei. Liebe Grüße

Eingetragen am: 10.07.2008

Kommentar von Angela Barotti

Eine gut gewählte Perspektive. Aus der Sicht von Otto ergibt alles einen Sinn. Doch das Leid, das er seinen Angehörigen bereitet, dringt nicht bis zu ihm vor. Erschütternd genau beschrieben. Kompliment!

Eingetragen am: 10.07.2008

Kommentar von Michelle Mancini

Man kann sich in jeder einzelnen Deiner Personen hineinversetzen , so emotionsgeladen liest sich deine Story. Am besten kann man sich in Ottos trostlose und endgültige Lage hineinversetzen. Er hasst es immer betätschelt und umsorgt und betüddelt zu werden, weil seine Erinnerungen ihm die Vergangenheit schamlos vorgaukeln. Gefangen und beschützt , lebt er in seiner eigenen Welt. Maria , überall scheint Maria zu sein .... lästig und doch ist er auf ihre Hilfe angewiesen. Grandios, wäre dies ein Roman , würde ich auf jeden Fall weiterlesen. lg

Eingetragen am: 10.07.2008

Kommentar von Numungo

So kann ich es mir vorstellen, wenn jemand in seiner Welt versinkt und nicht mehr zurück findet. Oder nicht mehr zurück finden will. Weshalb soll er dann gezwungen werden, wo er in seiner Welt doch viel glücklicher scheint? Thema gut umgesetzt, nur das mit der roten Kraft habe ich nicht ganz verstanden. Sollte es "rohe" Kraft heißen? Viele Grüsse, Numungo (14017).

Eingetragen am: 09.07.2008

Kommentar von Putzi

Was Du beschreibst, könnte in den Lehrbüchern von Alzheimer-Kranken stehen. Das Unverständnis gegenüber der Gegenwart, dieses, nur in vertrauter Umgebung sich sicher fühlen und auch das Verweilen in einer Vergangenheit, die viel zu lange her ist, sind klassische Anzeichen. Dass eine 76 jährige Frau ihn pflegt, gehört leider der Realität an. Umgekehrt, wenn Maria pflegebedürftig wäre, würde sie längst in einem Pflegeheim ihr Dasein fristen. Was Du als “Wut“ bezeichnest, ist eher ein Aufbäumen in Ottos Hilflosigkeit. Aber dennoch, Klasse geschrieben. Liebe Grüße, Putzi

Eingetragen am: 09.07.2008

Kommentar von Lillilu

Erschütternd und beunruhigend!

Eingetragen am: 09.07.2008

Eingetragen am: 08.07.2008 von Popinga
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14262

Eagle betrat den Raum. Marie lag auf dem Boden. Ihr Gesicht war nass. Sie wimmerte. Tränen rannen aus ihren geröteten Augen. Ihr Haar stand zerwühlt um ihren Kopf. Ihre Kleider waren in Fetzen gerissen. Als sie ihn sah, schlug sie sich die Hand vors Gesicht, bedeckte mit der anderen ihren nackten Körper und drehte sich weg.
Kelian stand über ihr. Er lachte. Zog sich gerade die Hose hoch. Er drehte sich um, blickte triumphierend auf Eagle. Mit dem Handrücken wischte er sich über den Mund und trat einen Schritt an Eagle heran. Seine Augen funkelten. Eagles Magen krampfte sich zusammen. Wie er ihn hasste.
Eagle ballte seine Faust und schlug Kelian ins Gesicht, er spürte wie unter seiner Faust Kelians Nase brach. Kelian entwich ein Schmerzenschrei, er taumelte zurück. Blut tropfte aus seiner Nase. Kelian sah auf das Blut in seinen Händen. Vorsichtig betastete er seine Nase. Dann sah er Eagle an.
»Sie gehört nicht dir«, zischte er, »jetzt gehört sie mir. Ich habe sie mir genommen.«
Eagle sah auf Marie. Sie lag auf dem Boden. Das Gesicht im Staub. Ihr Körper zitterte und zuckte. Sie weinte. Er ballte erneut seine Fäuste.
»Sie gehört mir«, zischte Kelian, dann traf ihn wieder Eagles Faust.
Eagle stürzte sich auf ihn. Sie fielen hin. Schlugen sich gegenseitig die Fäuste ins Gesicht. Eagle spürte die Schläge nicht, die ihn trafen. Blind vor Hass schlug er auf Kelian ein. Dessen Gesicht fühlte sich wie Brei an. Eagles Fäuste fanden keinen Halt mehr, doch er schlug immer weiter.
Dieser Kerl hatte es gewagt Marie anzufassen, er hatte es gewagt sie zu ...
Eagle wollte jeglichen Gedanken, den Kelian an Marie hatte, aus ihm herausprügeln. Sie rollten über den Boden. Schließlich blieben sie liegen. Kelian auf dem Rücken und Eagle kniete über ihm. Eagle packte Kelian am Hals. Mit beiden Händen schloss sich sein Griff immer fester. Blut tropfte aus seiner Nase, Speichel spritzte aus Eagles Mund, als er heiß die Luft ein und ausstieß wie ein wildes Tier. Kelian riss Augen und Mund weit auf. Er klammerte sich an Eagles Unterarme, doch dessen Griff war so fest, dass ihn nichts hätte lösen können. Kelians Körper begann zu zittern. Zitterte immer stärker und Eagle presste immer weiter zu. Dann erschlaffte Kelians Körper plötzlich. Er blieb reglos liegen. Seine Augen starrten leer an die Decke.
Eagle hielt noch immer seine Kehle zusammengepresst.
»Ist er tot?«, fragte Marie.
Eagle sah sie an. Dann sah er wieder auf Kelian und ließ von ihm ab. Er nickte. »Ja.«
Keuchend trat er an Marie. Sie schaute ihn mit großen Augen an. Trat einen Schritt vor ihm zurück. Eagle schaute sie fragend an. Dann wischte er sich Blut und Speichel aus dem Gesicht.
»Es ist vorbei«, sagte er, »Er ist tot.«
Sie kam einen Schritt auf ihn zu. »So kenne ich dich nicht«, flüsterte sie.
»Er hat dir weh getan, was sollte ich tun?«
Sie nickte. »Ich hatte sogar Angst vor dir«, sagte sie und schaute auf den Boden.
»Das brauchst du nicht. Ich kam zu spät ... Er ... er wird dir nichts mehr tun.«
Sie nickte. Er machte einen Schritt auf sie zu und breitete die Arme aus. Sie schaute ihn an. Dann ließ sie sich in seine Arme sinken, legte ihren Kopf an seine Schulter und weinte.


Kommentar von Popinga

Hallo, jetzt melde ich mich auch mal wieder zu Wort. Vielen Dank für eure zahlreichen Kommentare. Hat mich sehr gefreut. Anna, deine Tipps waren hilfreich. Ja, ja, diese Füllwörter. Ich werde den Text dahingehend überarbeiten und es bei den nächsten Texten gleich berücksichtigen :-) Die Beziehung der drei zueinander ist sehr komplex und hier auf wenige Zeilen verdichtet. Im Prinzip geht es darum, dass Kelian das haben will, was Marie und Eagle haben. Zur Erklärung noch soviel, es ist ein Science-Fiction und spielt in der Zukunft in einem vom Atomkrieg zerstörten Europa. Dass Eagle Kelian tötet ist daher moralisch nicht so verwerflich. Zumal das eine Szene ist, die am Ende des Romans spielt. Im fertigen Roman wird alles verständlicher sein ;-) Nochmals Danke für die Anregungen. Gruß Popinga

Eingetragen am: 16.07.2008

Kommentar von warnow

Hallo Popinga, besonders Anna hat auf einige Dinge hingewiesen. Die empfohlenen Veränderungen würden Deinem Text gut tun. Mir kam eben ein kühner Gedanke. Was wäre, wenn Marie von dem Eagle nichts wissen möchte sondern einen Dritten liebt? Gruß Winfried

Eingetragen am: 14.07.2008

Kommentar von Azahar

Eine heftige Szene... die mich allerdings nicht ganz mitgerissen hat. Ealge ist mir mindestens so unsympathisch wie Kelian. Ist das gewollt? Eagle scheint in seiner Männlichkeit verletzt, das ja, aber Marie könnte für ihn genau so gut durch jede andere Frau/Besitztum ersetzt werden. Du beschreibst das, was eine aussenstehende Person sehen kann, aber deinen Protagonisten fehlen irgendwie die Gefühle, die zumindest ich als Leser brauche um mich mit ihnen zu identifizieren, mit ihnen zu leiden. "Eagles Magen krampfte sich zusammen. Wie er ihn hasste." Schon in diesen Sätzen, verschwendet Eagle nicht einen einzigen Gedanken an Marie. Wie wäre es mit sowas wie: "Eagles Magen krampfte sich zusammen. Noch wehrte sich sein Verstand gegen das offensichtliche. Was hatte Kelian getan?! Was hatte diese Schwein mit Marie gemacht?! Seiner Marie! Entsetzt machte er einen Schritt auf das Mädchen zu, das noch immer am Boden lag und sich wimmernd krümmte. Doch dann fiel sein Blick wieder auf Kelians selbstgefälliges Grinsen und in einem Anfall von Wut stürzte er sich auf ihn und schlug ihm die Faust ins Gesicht..." Nun, wahrscheinlich ist das Geschmackssache, aber mir fehlte einfach was. Würde aber trotzdem gerne mehr von deinem Roman lesen, um was genau geht es darin? LG Azahar

Eingetragen am: 14.07.2008

Kommentar von Anna Berg

Hallo, Popinga, Dein Thema ist fesselnd und schockierend, aber der Einstieg war für mich persönlich schwierig, und zwar wegen der ersten Sätze: "Eagle betrat den Raum. Marie lag auf dem Boden. Ihr Gesicht war nass. Sie wimmerte." Eine derart dramatische Szene so kühl zu beschreiben, mag auch eine Art sein, den Leser zu schockieren, doch für meinen Geschmack klingt das einfach nur langweilig. Teilweise sind Deine Satzanfänge entweder sehr ähnlich oder sogar gleich. Auch das ist etwas, was mich vom Lesen normalerweise abhält. Das Wort GESICHT kommt in einem kurzen Abschnitt so häufig vor, dass es nervt. Wie wäre es mit Mine, Züge? BLUT wiederholst Du ebenso. Warum? Es gibt genügend Möglichkeiten, das anders zu beschreiben. IMMER kommt auch gehäuft vor. Auf folgender Seite kannst Du Deine Füllwörter prüfen: http://www.letter-factory.com. Das hilft, Überflüssiges zu entlarven und zu streichen. "Keuchend trat er an Marie." Da fehlt etwas, vielleicht HERAN? Nach dem vorhergehenden Drama sind mir die nachfolgenden Sätze zu banal, zu gleich. Sie schaut ihn an, er schaut sie an. Warum? Was ist in den Gesichtern zu sehen? Viel logischer als der fragende Blick wäre für mich Entsetzen, Angst, Panik. Wenn Du Deinen Text einmal laut liest, wird Dir auffallen, dass man beim Lesen ins Stocken gerät. Das liegt an den vielen kurzen Sätzen. Es gibt keine Steigerung der Dramatik, weil Du bereits mit wenigen Worten einsteigst, dann aber auch nicht wirklich länger wirst, damit das Tempo sich wieder verändern kann. Alles in allem ist Dein Beitrag - für mich - inhaltlich interessant, aber nicht gut umgesetzt. Beste Grüße Anna

Eingetragen am: 10.07.2008

Kommentar von Numungo

Die Wut ist nachvollziehbar, auch wenn es nicht unbedingt gleich in einem Mord hätte enden müssen. Allerdings verwundert mich der sekundenschnelle Wechsel von rasender Wut in fast schon stoische Gelassenheit. Dass sich Marie nun vor ihrem zu spät gekommenen Beschützer fürchtet, ist verständlich; mir würde es nicht anders ergehen. Viele Grüsse, Numungo (14017).

Eingetragen am: 10.07.2008

Kommentar von Elisabeth

Spannend geschrieben! Mir gefällt das, ich habe richtig mitgekämpft und mitgefiebert. Liebe Grüße

Eingetragen am: 10.07.2008

Kommentar von Putzi

Frauen gehören KEINEM Mann, sie sind eigenständige wesen. Wann geht das endlich in die Köpfe der Herren? Dass ein Liebhaber aber durchdreht, wenn er Zeuge der Vergewaltigung seiner Freundin wird, kann ich nachvollziehen. Trotzdem hätte ich Angst vor ihm. Verprügeln – ja, aber töten? Dieser Mord würde immer zwischen uns stehen. Er hätte mich verloren. Dennoch ist diese Episode hinreißend geschrieben. Putzi

Eingetragen am: 09.07.2008

Kommentar von Monika

Gut nachvollziehbar, dieser Hass. An dieser Stelle: »Er hat dir weh getan, was sollte ich tun?«, würde ich den Teil nach dem Komma weg lassen oder anders formulieren. Gerade noch im Rausch der Wut kommt hier für mich zu schnell ein Zögern: Was sollte ich tun? Ich fände ein: "Es musste sein" o.ä. passender. Gruß Monika

Eingetragen am: 09.07.2008

Eingetragen am: 08.07.2008 von Gerhild Bauer
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14260

Wut
Versuch einer Lebensbeschreibung in wenigen Sätzen

Mein Leben in einen Satz pressen?
Unmöglich!
Ich, die Rose vom Gemeindebau,
Verknallte mich in diesen blonden „ Looser“.
Ich hörte seine Worte, Worte, getränkt mit viel Bier.

Wie soll ich mein Leben in einen Satz pressen?
Mein Unglück diesem Mann zu begegnen?
Ihn zu lieben, ihm zu glauben, ihm zu vertrauen?

„Wir werden ausziehen, weggehen,
Wir werden gegen den Wind spucken ohne nass zu werden.
Du wirst sehen, ich kann es, du kannst es.
Wir können es.“
Worte, Worte, Worte. Und immer wieder Bier.

Er hat mich gefickt im Auto seines Freundes,
Gefickt hinter dem Klo des Jugendzentrums,
Gefickt in jeder dunklen Ecke der dumpfen Gänge,
Die das Licht der nackten Glühbirnen niemals fand.

Wie soll ich meine Verzweiflung in einen Satz pressen,
Als mein Bauch wuchs, rund und dick wurde,
Unter den Blicken der wissenden Nachbarn.
Zum Entsetzen meiner Mutter.

Graue Wohnung im grauen Gemeindebau.
Miete, Heizkosten, keine Arbeit, kein Geld.
Ein zweites Kind, ein drittes Kind.
Und Worte, Worte, Worte und immer mehr Bier.

Wie soll ich meine Wut in einen Satz pressen,
Als er mich schlug, einmal, zweimal und immer wieder.
Die Schreie der Kinder, die Flucht ins Frauenhaus.
Die Kinder weit weg in eine Pflegefamilie.
„Zu ihrem Wohle“
Besuch einmal im Monat erlaubt, doch nicht erwünscht.

Wer löscht diesen kalten Kummer?
Wer löscht diese flammende Wut?
Wer löscht diesen lodernden Hass?
Nicht der Schnitt in die Pulsader.
Nicht diese endlosen Walking -Touren.
Nicht der Tod des „Loosers“ auf den Schienen.
Das Ende eines Sozialfalles.
(Die Fahrt der Linie U4 ist wegen Krankheit eines Fahrgastes unterbrochen.
Wir bitten um Verständnis)
Elfriede blieb schwer atmend vor der Kreuzung stehen. Sie spuckte ihren hart gewordenen Kaugummi auf die Strasse. Der Schweiß klatschte auf ihre Jacke. Sie war zu schnell gegangen. Aus den Tränen ihres Schweißes lösten sich graue Schatten, füllten sich mit Farbe, wurden bunt und zu Menschen. Menschen mit fragenden Augen.
Wovor fliehst du?
Vor meinem Kummer, vor meiner Wut, vor meinem Hass.
Immer noch?
Immer. Sie lachte kurz auf und wischte sich über ihre Augen. Alles wurde wieder grau. Und sie ging weiter.


Kommentar von warnow

Hallo Gerhild, es wäre zu schön, wenn die Geschichte nur ausgedacht wäre. Leider trifft das Schicksal (was ist das?) manche Menschen hart und sie kommen aus dem Teufelskreis nicht heraus. Ich möchte die vorangegangen Kommentare nicht wiederholen. Du hast sie schon verarbeitet. Nur, Deine Kombination von Lyrik und Prosa gefällt mir sehr gut. Gruß Winfried

Eingetragen am: 14.07.2008

Kommentar von Gerhild Bauer

Angela: Ich weiß nicht, ob ich "der Schweiß klatschte auf ihre Jacke" ändern werde. Du hast natürlich recht, Schweiß produziert keine Tränen. Nur für Elfriede Schaböck war es Schweiß und keine Tränen, zu diesem Zeitpunkt gestattete sich Elfriede Schaböck keine Tränen.@ Für Frog: Ich hatte meinen Zweifel über die Schreibweise des "Loosers", ich hätte mich vergewissern müssen. Mein alter Fehler! Danke. @Für Birgit: Elfriede Schaböck formulierte diesen Text in Gedanken für eine Übung in der Volkshochschule. Sie wußte noch nicht, welche Schreibform sie einmal wählen würde ( Lyrik oder Prosa). Danke für eure Kommentare, Gerhild.

Eingetragen am: 10.07.2008

Kommentar von Angela Barotti

Dein Beitrag geht mir unter die Haut. Ein ergreifendes Thema./Was mir nicht so gut gefallen hat: "Der Schweiß klatschte auf ihre Jacke." Achselschweiß wirst du damit wohl nicht gemeint haben. Tropft hier Schweiß von der Stirn? Wohl eher. Aber klatschen? Das Geräusch ist mir für diesen Vorgang zu laut. Auch dass der Schweiß noch Tränen produzieren soll, ist für meinen Geschmack nicht das Gelbe vom Ei. Dafür kommt dann das Farbenspiel umso gelungener daher.

Eingetragen am: 09.07.2008

Kommentar von Birgit Jennerjahn-Hakenes

Mir ist nicht ganz klar, ob du erzählen willst, lyrische Prosa anwenden oder ein Gedicht schreiben möchtest. Das lenkt mich vom düsteren Inhalt ab. Wo entlädt sich die Wut?

Eingetragen am: 09.07.2008

Kommentar von Frog

Sehr komprimiert, ein beunruhigender Gedankenstrom. Gute Idee, um Wut, Verwzeiflung und Hass auf den Punkt zu bringen. Nur Looser bitte nur mit einem o schreiben...

Eingetragen am: 09.07.2008

Eingetragen am: 08.07.2008 von Michelle Mancini
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14259

"Nun erzählst du mir seit einer Dreiviertel Stunde, was dich alles ärgert und ich weiss immer noch nicht, warum du eigentlich , so wütend bist"!

Eine süßliche Fahne aus Sahne und Kakao, zog Sandra entgegen , als sie ihre gesplissene Tasse zum Trinken ansetzte und beim Reden , mit ihrer Zunge so merkwürdig schnalzte und dabei das "r" lustig abrollte.

"Das habe ich dir doch gerade gesagt"!

"Naja , Du hast Recht, aber wen interessiert das schon, Isabell?
Mal ganz ehrlich"? sie starrte von ihrem Tassenrand auf , kaute ihren harten Keks und streifte dabei mit ihrem verschmitzten Blick, die anderen schnatternden und Kaffeetrinkenden Kunden, in dem gemütlichen Pariser Cafe und hörte auf der gegenüberliegenden Seite , einen lauten Crash, bei dem der Unfallfahrer einfach weiterfuhr und niemand dies beachtete.

Sie lächelte freundlich , einem jungen Mann zu, der sie interessiert , vom gegenüberliegenden Tisch ansah , und zwirbelte eine blonde lange Strähne zwischen ihren dünnen Fingern und fühlte sich wohl dabei.

Das Schnattern der Leute , erinnerte sie an einer überfüllten Vogelvoliere und sie begann unwillkürlich über ihre eigenen Gedanken zu schmunzeln und innerlich zu lächeln , so das ihr Oberkörper sich sichtbar , ein wenig dabei schüttelte.

Das ärgerte mich etwas und ich rümpfte meine Nase , um meinen verbissenen Geichtsausdruck zu vertreiben, denn immerhin befanden wir uns endlich in Paris und diesen letzten Urlaub, vor Arbeitsantritt, wollte wir beide genießen.

"Diskutieren kann man mit dir wirklich nicht" sagte ich dennoch wütend und versuchte währenddessen , meinen ansteigenden Zorn , über ihre gute Laune , zu unterdrücken.

Doch je mehr diese Wut unterdrückt wurde , umso mehr wallte der Zorn wieder auf, ohne das ich dies eigentlich beabsichtigte.
Wie konnte sie so ´Rücksichtslos sein , während wir eine Diskussion hatten , einfach ihren Blick minutenlang abschweifen zu lassen.
"Du ärgerst dich doch, über jeden Mist"
"Wie bitte"?
"Du bist seit einer Dreiviertelstunde am meckern , wie sehr dich dies stört und das"!sie löffelte die helle Schaumkrone , aus ihrer fast leeren Tasse und sah immer noch an mir vorbei und betrachtete ungeniert den hübschen Fremden .

Beide lächelten sich zu.

"Ich bin nicht am meckern , ich sage dir nur , was mich stört"!

"Dich stört doch alles, gibt es etwas , das dich nicht sonderlich stört, oder ärgerlich macht"?

" Ich ärgere mich gerade über dich"!

"über mich"?

ja , !
über dich"!

"Wieso"? sie lächelte verzerrt und starrte mich ungläubig dabei an.

" Du bist so Selbstverliebt"!

"Selbstverliebt"? Sandras Augen verformten sich zu einem winzigen lilafarbenen Schlitz und wirkten beängstigend.


"Ja, Selbstverliebt, warum wiederholst Du eigentlich Alles, was ich sage"?die Wut kochte in mir, obwohl ich sie eigentlich niemals verletzen wollte, aber es musste irgendwann raus, denn hinter der glatten Oberfläche und der heilen Fassde brodelte es heftig.
Und das schon seit langem.


" Du sagst , ich sei Selbstverliebt?

Ich"? die Stimme klang plötzlich schrill in meinen Ohren und schmerzte etwas.

"Ja"! Ich hielt angespannt meine Luft an. Endlich war es nach all den langen Jahren raus!

Was passierte nun ?

"Dich stört einfach Alles! Flieg doch zurück nach München und gehe wieder arbeiten! sie machte eine abwertende Handbewegung.
Los verschwinde endlich , es war ein Fehler , mit dir in den Urlaub zu fliegen"!

"Du bist gereizt , nicht ich"!

"Ich"?
"Ja , Du"!
"Nun wiederholst du dich"!
" Ja, weil ich mir keiner Schuld bewusst bin"!

" Du bist nur am Nörgeln"!

" Ich bin nicht am Nörgeln , ich sage nur, was ich denke"!

"Ja und was denkst Du? Nein , ich möchte es nicht wissen"! Sandra schob ihre leere Tasse von sich fort und erhob sich ruckartig .
" Ich griff nach meinem verschlossenen Notebook , schob ebenfalls die ausgeleerte Tasse zur Seite und erhob mich wütend .
" Du bist exzentrisch , sagte sie, ein Einzelgänger und du bist mürrisch und bald einsam, ein typischer Schriftsteller "!
"einsam? ich rang nach frischer Luft und wurde mir ihrer bösen Worte bewusst.

"Ja , du bist ein Miesepriemel und machst alles kaputt"! sie sog zufrieden ,den aufsteigenden Qualm ihrer Zigarette ein und ergriff ebenfalls ihr edles Notebook.

" Schriftsteller sind eben vérschieden , sagte ich , vielleicht auch sonderbar, aber ich darf sagen , was ich denke"!

" Der graue Qualm verließ ihre geradlinige Nase und verflüchtigte sich in der schwülen Nachmittagsluft , um uns herum.

" Ich wollte dir schon immer sagen , wie verrückt du dich verhälst"!

"Ich"?

"Ja Du"!

"Ich habe dir nur gesagt, das es super ist , das es den Autorenhausverlag gibt "!

" Ja und du hast mir auch sofort gesagt, was dich daran ärgert"!

" Ja , mich ärgert, das immer nur die selben Autoren , einen netten und ehrlichen Kommentar bekommen , als wenn dies ein eingeschworener Club wäre und die Neuen , werden ignoriert"!

"Das ist doch Egal"!

Nein, das ist nicht Egal"!
"Was willst Du eigentlich, Isabell"?

"Ich möchte nur eine ehrliche Meinung , ein Kommentar auf meine Geschichten , mehr nicht! und einen schönen und erholsamen Urlaub in Paris "!

"Man was interessiert dich , was die anderen über dich denken"?

"Viel"!

"Viel"?

" Sandra, Du wiederholst wieder alles, was ich sage"!

"Und mir entgeht der nette Typ am Nebentisch, weil du am zicken bist"!

"Ich bin nicht am zicken, ich bin nur traurig, das immer die selben Schreiber, ein Kommentar erhalten und neue Autoren nicht ,das ist immer wieder so, sieh doch selber im Internet nach !

"Das ist doch Wurst"!

Nein, ich lege einen gesteigerten Wert darauf ! Leider "!

"Leider"?

"Ja, ich wäre auch gern so abgebrüht , wie du"!

"Waaas"?

" Ja , ich möchte gern wissen , wie meine Geschichten , bei denen ankommen"!

" Aber die Kommentare , gehen immer nur an die selben Autoren , die neuen , gehen unter und werden ignoriert , fast geächtet"!

"Das ist doch Wurst, Isabell, genieße besser deinen Urlaub, du kannst die Menschen nicht ändern"!

"Ändern nicht, aber meine ehrliche Meinung sagen , vielleicht wissen die garnicht, was sie tun"!


" Ich schicke meine Texte ein und mir ist es egal, was für Kommentare die dazu schreiben , Isabell , ärgere dich doch nicht darüber und mache nur deine Übungen "!

" Du bist genauso Sandra "!

"Ich"?

"Ja"!

"Wie"?


Kommentar von Michelle Mancini

Hallo , an Alle! Die schallenden Ohrfeigen , in Form von negativen Kommentaren , habe ich längst verdaut und auf meinem Gesicht ist wieder ein friedliches Lächeln , das sich seiner gesetzten Ziele besinnt. Wer kennt das nicht? Negative Kritik kann hemmen , jedoch auch beflügeln und vorantreiben. Ich sehe mein Ziel ganz Klar vor Augen, mag es auch viel Arbeit bedeuten und meine gesamte Energie kosten . Wichtig ist der eiserne Wille, das Ziel zu erreichen. Dann gelingt es auch. LG

Eingetragen am: 16.07.2008

Kommentar von Michelle Mancini

Lieber warnow, Dies ist alles Rohmaterial. Wobei ich diesen Beitrag, ehrlich gesagt, sowieso niemals miteinbezogen hätte. Vielen Dank, für Deine aufbauenden Worte :-)

Eingetragen am: 15.07.2008

Kommentar von warnow

Hallo michelle, lass Dich nicht entmutigen. Erst mal ist schreiben, schreiben, schreiben wichtig. Mir fällt gerade ein, Christa Wolf hat den Anfang ihres Romans „Kindheitsmuster“ über 30 mal geändert. Gewiss gibt es auch andere Beispiele. In Deinem Text, der im Wesentlichen Dialog ist, kommt mir bei den beiden Damen die Wut nicht so richtig zum Ausdruck. Ich würde den Text als eine erste Fassung einordnen, der noch einiger Überarbeitungen bedarf. Trotz gutem Lektor möchte ich doch empfehlen in Sachen Rechtschreibung und Zeichensetzung etwas mehr Mühe zu verwenden. Muss allerdings auch zugeben, dass sich in der Frage die Zeiten etwas geändert haben. Während meiner Schulzeit, sie lag in den vierziger und fünfziger Jahren, wurde mangelhafte Rechtschreibung auch z.B. in einer Geschichtsarbeit bewertet. Fachlicher Inhalt 1 und Rechtschreibung 4 oder 5 ergab dann Gesamtzensur nur eine 2. Heute ist das nicht mehr so.

Eingetragen am: 14.07.2008

Kommentar von Gerti Dräger-Weber

Meine liebe Michelle Mancini.... ich kommentiere nur, wenn mich etwas anspricht...egal in welcher Weise. Ich fasse mich immer kurz. Bei Kommentaren muss man sich auch genau überlegen, was und wie man schreibt; denn auch das ist schwarz auf weiß jederzeit nachzulesen. Ich träume nicht von einem eigenen Buch, mir ist nur das Schreiben wichtig. Meine Begabung als Roman-Autor empfinde ich als durchschnittlich, deswegen stelle ich auch keine überarbeiteten Beiträge ein. Wenn meine Beiträge in diesem Kreise ein Echo finden, bin ich zufrieden. Kleinkrieg gibt es überall im Leben und die *Schreib-Blockaden* sind mir auch bekannt, jeder kennt sie, der gerne Worte zu Papier bringt. Ich wünsche Dir und allen anderen hier, nur das Allerbeste und vor allem Erfolg und Anerkennung! Lieben Gruß ....Gerti

Eingetragen am: 14.07.2008

Kommentar von Michelle Mancini

Liebe Lillilu , es spricht für Dich, dass Du für andere Autoren Partei ergreifst, obwohl mir dies unnötig erscheint. Warum kommentieren wir die Beiträge anderer? Ich denke, um hilfreiche Ratschläge zu geben, wie wir unser Ziel endlich erreichen. Wir träumen doch alle vom eigenen Buch, oder? Besser zu werden, ist unser Ziel. Anderen Autoren, die Motivation am schreiben zu hemmen, liegt nicht in meinem Sinne und ein zwischenmenschlicher "Kleinkrieg" auch nicht. LG

Eingetragen am: 13.07.2008

Kommentar von Lillilu

Schön, dass du so verständnisvoll gegenüber Gertis Schreibblockade bist! Klar lassen sich Rechtschreibfehler leicht beheben, jeder tut das. Kommentare dauern manchmal Stunden, wenn man jedes Wort korrigieren muss, weil die Autorin darum gebeten hat und sich dann nett bedankt. Ich freue mich, dass du hier bei uns im Forum bist! Ganz lieben Gruss von Lillilu

Eingetragen am: 12.07.2008

Kommentar von Michelle Mancini

Liebe Gerti Dräger-Weber! Vielen Dank, für Deinen guten Rat. Wichtig ist doch, das man etwas zu Papier bringt. Rechtschreibfehler und ä. lassen sich eher beheben, als eine lang anhaltende Schreibblockade! Kommentare sind leichter zu verfassen, als Texte und Beiträge. Ich freue mich schon auf Deinen neuen Beitrag. LG

Eingetragen am: 12.07.2008

Kommentar von Gerti Dräger-Weber

War sehr mühevoll zu lesen. Bitte lass vor dem Absenden unbedingt von jemanden Korrektur lesen und nutze Dein Rechtschreib-Programm.

Eingetragen am: 12.07.2008

Kommentar von Angela Thies

Ich finde diesen Dialog gut. Auch die Beschreibung der Szene und Gesten. Er vermittelt nicht Wut an erster Stelle sondern für mich stark die Distanz vielleicht auch Hilflosigkeit, die zwischen beiden steht. Und obwohl sie gemeinsam in den Urlaub gefahren sind, habe ich nicht den Eindruck, dass sie sich wirklich aufeinander einlassen, geschweige denn einander zuhören wollen/können. Die Fehler in Grammatik und Rechtschreibung stören natürlich beim Lesen und sind mindestens so wichtig wie der Text, aber daran kannst du ja arbeiten.

Eingetragen am: 11.07.2008

Kommentar von michelle mancini

Genau liebe Lillilu ! Gott sei Dank gibt es nette Kollegen hier, die dich ermuntern stets weiter zu schreiben . Wenn man auch nicht immer den richtigen Ton trifft, alles oft überarbeitet und sich dennoch die Rechtschreibfehler einschleichen. Was soll`s? Wir schreiben, weil wir es gern tun und es sind bisher nur Übungen, oder? Danach gibt es sehr gute Lektoren , die für wenig Geld das Werk perfekt machen. Ich habe ein kleines Kind, das kann ich nicht wie einen Kleiderständer in die Ecke stellen, es fordert meine ganze Zeit und Aufmerksamkeit und die kostbare restliche Zeit, verbringe ich damit, erst mal etwas zu Papier zu bringen, das später überarbeitet werden kann. Entschuldige, wenn ich dich mit meinen Rechtschreibfehlern nerve! Ich sehe dieses noch als Übungen an, bei denen man sich gegenseitig unterstützen sollte. Viele Grüße

Eingetragen am: 11.07.2008

Kommentar von Michelle Mancini

Endlich ein Echo! Ich habe einen guten Lektor. ;-)

Eingetragen am: 10.07.2008

Kommentar von Numungo

Wut wird nicht erzählt, Wut wird herausgeschrien. Wut liegt nicht jedermann, mir auch nicht. Dennoch solltest du dir auch in der Wut mehr Mühe mit der Rechtschreibung geben. In fast jedem Satz sind Zeichen falsch gesetzt, die Groß- und Kleinschreibung sowie die Grammatik lassen teilweise auch zu wünschen übrig. Ein Text ist schnell hingeschrieben, doch viele vergessen, dass die eigentliche Arbeit dann erst los geht. Es müssen Formulierungen verbessert werden, es müssen Wörter durch Synonyme ersetzt werden, es muss der Satzbau überprüft werden und nicht zuletzt auch die Rechtschreibung kontrolliert werden. Das dauert alles, doch es ist unerlässlich, wenn der Leser nicht verärgert werden soll. Wenn ich einen fünf Buchseiten langen Text schreibe, brauche ich dafür ungefähr ein bis eineinhalb Stunden. Doch bis der Text soweit steht, dass ich es wage, ihn einzustellen, stecken sechs bis acht Stunden Arbeit darin (z.B. 7529 oder 8227). Und was ganz wichtig ist: der Text muss zwischendurch für zwei bis drei Tage ruhen, bevor er nochmals überarbeitet wird. Es ist erstaunlich, was sich nach dieser Ruhezeit noch alles ändert. Viele Grüsse, Numungo (14017).

Eingetragen am: 10.07.2008

Kommentar von Lillilu

Liebe Michelle, ich quäle mich mit deinem Beitrag rum, die forderst Aufmerksamkeit ein und bei all den anstehenden Korrekturen dreht sich mir der Kopf! Auf einer der vorangegangenen Seiten hast du geschrieben, dein Roman sei schon gedruckt – gab es da keinen Lektor? Zur Rechtschreibung: es gibt so etwas wie ein Korrekturprogramm im Computer, bitte einschalten. 1. „dreiviertel“ Stunde bitte klein, da es ein Adjektiv ist. 2. „Ich weiß“ mit ß 3. Was ist eine „gesplissene“ Tasse? 4. Das „R“ rollt, aber nicht „ab“. 4. „Kaffee trinkende Kunden“ klein und getrennt 5. Woran erkennt der Leser, dass sie einen lauten Crash hört? 6. Kommasetzung im Satz „Sie lächelte freundlich einem jungen Mann zu, der sie interessiert vom gegenüberliegenden Tisch ansah und zwirbelte eine blonde Strähne zwischen ihren dünnen Fingern und fühlte sich wohl dabei.“ 7. Nächster Absatz „Das Schnattern der Leute..“: Bitte das Komma entfernen, eine Voliere ist immer für Vögel (Tautologie), „schmunzelt“ sie nun oder „lächelt sie innerlich??“ , „so dass“ mit Doppel „s“, falscher Satzbau. 8. Wieso vertreibt Naserümpfen einen verbissenen Gesichtsausdruck? 9. Nächster Satz: Kommata raus, bitte! 10. „selbstverliebt“ ist ein Adjektiv und deshalb klein schreiben! 11. „alles“ bitte klein schreiben 12. „rücksichtslos“ klein schreiben 13. Der „Miesepriemel“ sollte ein „Miesepeter“ sein.....ICH GEBS AUF, ICH KANN NICHT MEHR!

Eingetragen am: 10.07.2008

Kommentar von papaya10

eigentlich könnte das eine witzige Verwirrgeschichte werden: zwei Freundinnen im Cafe, die sich gegenseitig auf die Pelle rücken. Aber es fehlt mir die Pointe, der Pfiff, das worums wirklich gehen soll. Statt auf den Crash auf der Straße zu verweisen (welche Funktion hat der denn in der story?) könnte Sandra ihrer murrenden Freundin durch pfiffiges Fragen auf den Zahn fühlen oder sehen was passiert, wenn sie unbeirrt bei ihrer Pariser Urlaubslaune bleibt. Das Ich (Isabell?) taucht ganz unvermittelt auf. Und dann geht das Ping-Pong der Dialoge so hin und her. Die Charaktere und die Story gewinnt aber nicht so recht an Kontur. Vielleicht kommen dir ja noch Ideen zu Isabell und Sandra im Urlaub. Viel Erfolg! papaya10

Eingetragen am: 09.07.2008

Kommentar von Angela Barotti

Zum Inhalt: Beitrag einsenden, zurücklehnen – und der Freundin die Ohren volljammern, weil man keine Resonanz erhält. Für mich hört sich das mehr nach Frust als nach Wut an. / Sollte der Inhalt autobiographisch sein, dann bitte ich zu bedenken, dass alle, die hier kommentieren, ihre kostbare Freizeit opfern, um andere Mitautoren zu unterstützen. Zum gleichen Thema habe ich Wladimir bereits auf seinem Beitrag 13823 geantwortet. Ist alles dort nachzulesen.

Eingetragen am: 09.07.2008

Eingetragen am: 08.07.2008 von Birgit Malow
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14254

Teile meiner Geschichte habe ich in der Ichform geschrieben, hier aus der Sicht der Hauptfigur Renate, eine der Zwillinge:

In einer Therapiesitzung mit einer Therapeutin befanden wir uns in einem schalldichten Raum, ähnlich einer Gummizelle, und wirklich spürte ich Wut. Da bat mich die Therapeutin meine Wut an mitgebrachten Kissen auszulassen und auszusprechen. Und wirklich, ich überwand mich, knuffte die Kissen, schleuderte sie an die Wand, aus Wut darüber, dass Markus mich weggeworfen hatte. Er hatte mich im Stich gelassen und eine andere Frau gefunden, die anscheinend besser „funktionierte“ als ich. Ich war allein gelassen worden, von ihm, hatte meine Kinder verloren, mein ganzes Lebensgerüst war zusammen gebrochen. Ich schrie, trampelte auf einem Kissen herum, Tränen rannen mir die Wangen herunter, ich strich mir die Haare aus der Stirn und keuchte und die Therapeutin ließ es zu. Anschließend fragte sie mich, wie es für mich war. Ich sagte, es hätte gut getan, weil dieses Verlassen werden so weh getan hatte und ich mich nicht getraut hatte, das zu zeigen. Ich hatte mir und meiner Krankheit noch die Schuld dafür gegeben und Markus in Schutz genommen. Damit sollte jetzt Schluss sein. Endlich nach zwei Jahren Trennung konnte ich auch meinen Ehering ablegen, den ich bis dahin noch getragen hatte. Ich hatte immer noch an meiner Beziehung zu Markus festgehalten und jetzt begann ich mich endlich zu lösen. Das war sehr wichtig für mich. Erst jetzt konnte ich auf eine Besserung hoffen und tatsächlich ging es aufwärts.


Kommentar von warnow

Hallo Birgit, es ist schon ein seltsam Ding mit der Wut. Sie muss aus dem Menschen heraus, um wieder klar denken zu können. Der eine reagiert sich am Hund ab, der oder in diesem sie lässt die Wut an Kissen aus. Auf jeden Fall besser als beim Hund. Wenn die Möglichkeit besteht geht es auch mit Holzhacken. Nur, in dieser Situation wäre m. E. ein Dialog störend. Die junge Frau muss sich bis zur Erschöpfung austoben und die Therapeutin hat das erkannt. Nebenbei, die Formulierung „In einer Therapiesitzung mit einer Therapeutin“ finde ich nicht sehr glücklich gewählt. Ich wünsche Renate für die Zukunft ein glückliches und vor allem erfülltes Leben. Gruß Winfried

Eingetragen am: 14.07.2008

Kommentar von papaya

sorry Birgit, aber die Geschichte in dieser Form gehört für mich in (d)ein Tagebuch. Für mich als Leserin bleibt nichts von den Emotionen übrig, hat alles die Therapeutin und das Kissen eingesackt. Mir fehlen Dialoge oder das unmittelbare Teilhaben am Erleben der Protagonistin l.G. papaya

Eingetragen am: 11.07.2008

Eingetragen am: 08.07.2008 von Monika
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14245

3. Oktober, der erste freie Tag, seit Mia angefangen hatte zu arbeiten. Wohlig räkelte sie sich noch einmal im Bett und stand dann auf. Bernds Kopfkissen lag zerknautscht in der Ecke, seine Bett war verlassen. Mia erinnerte sich, dass er gestern davon gesprochen hatte, früh Laufen gehen zu wollen. Mia wunderte sich zwar über seinen neuen sportlichen Elan, fand aber durchaus gefallen daran, noch etwas die morgendliche Ruhe genießen zu können.
Vor 11 Uhr war aus dem Kinderzimmer kein Laut zu erwarten.
Das warme Wasser der Dusche rauschte auf Mia nieder und nahm die letzten Träume der Nacht mit sich fort. Ein leichter Pfirsichduft stieg auf, als sie die kleine Flasche mit dem teuren Duschbad aufschraubte, ein Geschenk ihrer Freundin Bea.
Mia schäumte sich genüsslich ein, strich über Arme und Beine, vergaß weder Po noch Bauch. An der Brust angekommen hielt sie plötzlich inne, tastete nach. Sie war auf eine empfindliche Stelle gestoßen, noch an der linken Brust, fast schon unter der Axel. Was war das? Gestern hatte sie davon noch nichts bemerkt. Die kleine Schwellung war warm und reagierte auf Berührung empfindlich. Eine Entzündung? Was gab es an dieser Stelle… Milchkanäle? Mia wusch die letzten Seifenreste von der Haut, trat aus der Dusche und trocknete sich ab. Das hatte ihr gerade noch gefehlt!

Einen Tag später klingelte der Wecker wie gewohnt um 6 Uhr und der Alltag hatte sie wieder. Bernd verschwand als erster Richtung Arbeit, die Jungs folgten ihm eine halbe Stunde später.
Mia brauchte nicht nachzutasten um zu wissen, dass die schmerzende Stelle von gestern größer geworden war.
Sie dachte nach: Nach der Arbeit musste sie zu den Eltern. Das Deutsche Rote Kreuz sollte heute einen Hausnotruf installieren, sie musste dabei sein.
Ein Blick auf die Uhr – sie konnte noch vor der Arbeit schnell beim Arzt vorbei schauen.
Mia schmiss sich in die Klamotten. Zum Glück hatte sie seit Kurzem eine junge Studentin, die einmal in der Woche sauber machte. Gleich würde sie kommen.

Anders als Mia es sich vorgestellt hatte, wollte ihr Dr. Nürten keine kühlende Creme verordnen sondern sie zur Gynäkologin schicken. „Dr. Nürten…“ Mia legte den Kopf schief und bemühte sich um ein überzeugendes Lächeln. „…ich habe keine Zeit! Nach der Arbeit muss ich sofort zu meinen Eltern,… sie wissen doch…“Dr. Nürten griff zum Telefon und rief die befreundete Ärztin an. Ganz väterlicher Freund legte er seine große Pranke auf Mias Schulter: „Gehen sie gleich hin, Mia. Sie werden erwartet!“. Leicht genervt seufzte Mia auf und verließ die Praxis.
Bereits um diese Zeit saß das Wartezimmer der beliebten Gynäkologin voll mit dickbäuchigen Frauen und werdenden Vätern. Mit einem dezenten Winken lotste die Sprechstundenhilfe Mia an den Wartenden vorbei in das kleine Labor. Nur wenige Augenblicke später betrat Susa Birgele, die auch schon Mias Söhnen auf die Welt geholfen hatte, den spärlich möblierten Raum. Einen kurzen Blick auf die Schwellung werfend ordnete sie eine Mamographie im benachbarten Ärztehaus an. „Sofort, bitte! – Wir rufen drüben an!“
Mia fühlte sich mulmig. Dieser Tag verlief eindeutig anders als geplant.

Auch im Ärztehaus ging alles ungewohnt zügig von statten, die Aufnahmen an der linken Brust trieben Mia die Tränen in die Augen doch die Untersuchung war schnell gemacht und Mia konnte die Bilder bereits 30 Minuten später bei ihrer Frauenärztin abgeben. Dr. Birgele würde sich die Bilder in Ruhe ansehen und sich dann ab 17 Uhr telefonisch bei Mia melden.

Der Vormittag raste an Mia vorüber. Bei der Arbeit erwarteten sie ungezählte Anrufe und Berge von Post. Ohne Pause ging es weiter zu den Eltern wo ein im Umgang mit Senioren äußerst erfahrener und selbst schon nicht mehr ganz junger Herr Widmann den Hausnotruf installierte und mit von Mia bewunderter Geduld auch drei und viermal erklärte welcher Knopf für was sei. Erst als sie die Eltern wieder verlies und vor ihrem Fahrrad stand um den Heimweg anzutreten, kam ihr der noch ausstehende Anruf von Frau Dr. Birgele wieder in den Sinn. Ihre Hand tastete vorsichtig unter die linke Achsel – Au! Die Stelle war noch empfindlicher geworden.

Während Mia gegen den Wind anstrampelte, der ihr die Heimfahrt erschweren wollte, überlegte sie, was ihr die Ärztin wohl sagen würde. Bestimmt war alles in Ordnung – aber wenn nicht? Was konnte das sein? Mia wollte keine Angst haben: Positiv denken! Aber in ihrem Bauch grummelte es wieder.

Punkt 17 Uhr war Mia wieder zu Hause. Die Jungs hingen gemeinsam vor dem Fernseher und lauschten fasziniert den verbalen Aussetzern einiger Talk-Show-Gäste.
„Wo ist euer Vater?“ „Keine Ahnung…“, „kommt später…“ war die knappe Antwort ihrer Sprösslinge. Mia hob die Pizza-Teller vom Boden auf , rollte ärgerlich die Augen und ging in die Küche. Schade, dass die Spülmaschine schon gelaufen war… Mia stellte die Teller oben drauf. Ein Blick auf die Uhr: 17.20 Uhr. Jeden Moment konnte Frau Dr. Birgele anrufen. Mias Herz klopfte schneller, sie tigerte zurück ins Wohnzimmer, wo gerade ein junger Mann seine Mutter als „alte Hexe“ bezeichnete. „Müsst ihr euch eigentlich solch einen Dreck ansehen? Sind denn die Hausaufgaben alle gemacht?“ „So gut wie…“ war die genervte Antwort. Mia holte tief Luft, doch bevor sie zu einer „Ansprache ans Volk“ ansetzten konnte, klingelte das Telefon. Mia sprang hin: „Hallo!“

Hinter ihrem Rücken wurde der Fernseher ausgeschaltet, die Jungs verliesen das Wohnzimmer. Die Wohnungstüre wurde geöffnet, mit müden Schritten kam Bernd nach Hause. Türen klappten auf und zu, Stimmen, die Klospülung… Mia nahm das alles nur gedämpft war, ihre ganze Aufmerksamkeit galt Susa Birgele, die ihr gerade erklärte, warum Mia am kommenden Vormittag ins Krankenhaus musste um ihre Narkosefähigkeit untersuchen zu lassen, was es mit dem „kleinen Eingriff“ auf sich hatte, der für den übernächsten Tag geplant war und warum sie sich trotz all dieser beunruhigenden Neuigkeiten keine Sorgen machen sollte.

Als Frau Dr. Birgele aufgelegt hatte, war es Mia ganz schlecht, ihre Blase drückte und sie brauchte Ruhe – alles sprach für einen Besuch der Toilette.
Die Klotüre war nur angelehnt, was Mia ärgerlich registrierte, und mit dem nächsten Schritt stand sie strümpfig in einer kleinen Lache, die sich direkt am Fuße der Kloschüssel gebildet hatte.
„Verdammt noch mal, welches Schwein hat hier daneben gepisst?!“ Mia war auf hundertachtzig und ihre Stimme überschlug sich fast. Bernd kam mit hochrotem Kopf um die Ecke geschossen „Geht´s noch? Brüll hier gefälligst nicht so rum!“ „Ach, ja! Ich soll nicht rumbrüllen, wenn ich bis zum Knöchel in der Pinkelbrühe stehe? Warst Du das vielleicht? Vorhin war hier noch alles blitzeblank geputzt!“ Mia und Bernd funkelten sich an. „Ich habe einen anstrengenden Arbeitstag hinter mir, das muss ich mir nicht geben!“ Bernd drehte sich um und knallte mit Schwung die Wohnungstüre ins Schloss. „Arschloch!“ zischte Mia hinter ihm her, bevor sie sich heulend auf ihr Bett warf.


Kommentar von Numungo

Ein im Prinzip guter Text, der durch die krampfhafte Suche nach Komik, welche bei diesem Thema völlig unangebracht ist, an Qualität verliert. Was soll die "große Pranke" des väterlichen Arztes oder der Wind, "der ihr die Heimfahrt erschweren wollte"? "alles sprach für einen Besuch der Toilette." ist ebenfalls ein überflüssiger Satz. Lass das Wasser der Dusche die letzten Träume wegspülen, nicht wegnehmen. In der Situation von Mia kann ich mir nicht vorstellen, dass sie ihr Problem den ganzen Tag vergisst oder erfolgreich verdrängt. Auch nicht, wenn sie in Arbeit fast erstickt. Durch den Schluss scheint der Knoten in der Brust fast zur Nebensache zu werden. Ich würde den Text nochmals überarbeiten, um die gute Idee besser herauszustellen. Viele Grüsse, Numungo (14017).

Eingetragen am: 10.07.2008

Kommentar von Fledermaus

Du baust toll Spannung auf! Bis auf wenige kleine sprachliche 'Mängel' ein schöner Text. Das Ende finde ich etwas seltsam, weil ja niemand so viel danebenpinkelt - da wäre ihre Reaktion ja ok. Vielleicht kann sie sich über die vielen gelben Spritzer aufregen?

Eingetragen am: 10.07.2008

Eingetragen am: 08.07.2008 von Haribo
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14234

Dann traue ich mich auch mal.
Wisst ihr noch, wie der letzte Satz war?( 13515)
„Ich werde ihr die Flausen, einen Roman schreiben zu wollen, schon austreiben.“

Beim Staubwischen fand Luise auf dem Schreibtisch ihres Mannes einen Zettel.
Man könnte jetzt sagen, ja natürlich lagen da Zettel, was war daran so besonderes. Aber dieser eine weckte ihre Aufmerksamkeit, denn er trug Rainers Handschrift, im Gegensatz zu den vielen anderen. Im Büro kam es schon mal vor, dass er sich während eines Telefonates Notizen machte, aber zu Hause war es ihr fremd.
Neugierig, wie Frauen nun manchmal waren, sah Luise sich diesen Zettel genauer an.
„Arbeitsplan für L.“, stand ganz oben drüber.
Luise setzte sich und las weiter.
„Erstens: Luise mit der Stadtseite beauftragen, Änderungen machen.
Zweitens: Bilder vom letzten Stadtfest einfügen.
Drittens....Viertens.....“, und so weiter.
Diese Aufstellung ging bis Punkt Sechstens.
Als Luise das las, verzog sich ihre gute Laune sehr schnell. „Was hatte sich mein Mann dabei gedacht?“ Da fiel ihr ein, dass er sich vor einigen Tagen negativ über das Autorenforum geäußert hatte. Und weil sie immer in der Küche saß und schrieb. „Ach so ist das, da ging ihr ein Licht auf. Er wollte sie beschäftigen, damit sie keine Zeit mehr zum Schreiben fand.“
Ihr Ärger wuchs, nur leider war Rainer nicht zu Hause, sonst hätte sie sich gleich Luft machen können. Mittlerweile war sie nämlich stink sauer. So weinig hielt er also von ihrem Hobby. Es war ja nicht nur ein Hobby, sondern es war richtige Arbeit. Die vielen Stunden, die sie mit Überarbeitungen verbrachte, damit ihre Geschichten Hand und Fuß hatten. Schließlich musste sie ja von der Pieke auf anfangen, um aus drei Wörtern einen vernünftigen Satz zu formulieren.

Eine halbe Stunde später, ihr Ärger war etwas verraucht, kam Rainer nach Hause. Luise hielt ihm gleich den Zettel unter die Nase und fragte. „Sag mir doch mal, mein Lieber, was das hier soll? Machst du jetzt schon Arbeitspläne für mich, oder wie?“
„Nein, ich dachte nur, dass du vielleicht noch Zeit übrig hast, weil du.....“
„Zeit übrig? Ich weiß nicht, wo ich sie her nehmen soll“, fiel sie ihm ins Wort. Luise merkte, wie in ihr der Zorn wieder aufstieg.
„Ich möchte gern noch etwas mehr Zeit haben, damit ich nicht immer erst in letzter Minute meine Übungen im Autorenhaus einstellen muss.“
„Es ist einfach zu viel zu tun“, antwortete ihr Mann darauf.
„Ja, ich weiß, aber trotzdem bleibe ich dabei. In der Zeit im Büro helfe ich dir, aber zu Hause will ich nichts von Arbeit hören. Und ich werde in Zukunft jede Woche wenigstens an zwei Tagen früher nach Hause gehen, damit ich Zeit zum Schreiben habe.“
„Ja, aber....“, setzte Rainer wieder an.
Doch Luise ließ ihn nicht ausreden.
„Kein aber, du brauchst gar nicht erst anzufangen. Und wehe, du stellst dich mir in den Weg, da werde ich echt sauer“, erwiderte sie ihm jetzt mit erhobener Stimme und ließ ihn stehen.


Kommentar von Sylvia

Hallo Haribo, hm, die Idee ist nach wie vor gut. Schön, dass du sie weiter verfolgst! Bei deiner Perspektive bin ich mir nicht ganz sicher. Ist es ein neutraler Erzähler? "Man könnte jetzt sagen..." Ihre Wut spüre ich noch nicht stark genug. Sie wehrt sich auch nur mit ein paar lauteren Worten. Zudem finde ich, dass die Liste zu sehr mit ihren Arbeitsaufgaben versehen ist. Wie wäre es mit "Fenster putzen, Boden aufwischen, einkaufen..."? Klar, macht sie das wahrscheinlich sowieso, aber wenn ich so einen Zettel finden sollte.... Alles nur Vorschläge von Sylvia

Eingetragen am: 09.07.2008

Kommentar von Monika

Tja, sieht so aus als gäbe es noch mehr Männer die ihren Frauen gern "die Flausen" austreiben wollten... Meiner Meinung nach könnte Luise noch viel mehr auf den Putz hauen: "Trau´dich, Luise!"

Eingetragen am: 09.07.2008

Kommentar von haribo

Habe gemerkt, dass sich da ein Fehlerteufel eingeschlichen hatte. „Ach so ist das", da ging ihr ein Licht auf. Er wollte sie beschäftigen, damit sie keine Zeit mehr zum Schreiben fand. Haribo

Eingetragen am: 09.07.2008

Eingetragen am: 07.07.2008 von Pedro
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14216

„So ein Mist“, fluchte ich trotz der Anwesenheit von Susan und unserer eigentlichen Gefahr.
Das Display meines Handys zeigte mir: kein Netz. Wo war das nächste Telefon, denn auch Susans schüttelnde Kopfbewegung ließ meine aufkommende Hoffnung erlöschen. So kannte ich mich nicht, das lag an dem Tag allgemein. Susan erkannte noch, wie sich der andere Schnüffler und sein Arbeitgeber, unweit unseres Standortes trennten. Sie lächelte nur und ließ mich stehen.

„Oh entschuldigen sie bitte“, rief sie aufgeregt, nachdem sie ihr Opfer absichtlich angerempelt hatte.
„Das tut mir sehr leid. Warten Sie ich, helfe Ihnen.“
Sie bückte sich nach der Brieftasche, die der Mann fallen gelassen hatte, und klappte sie geschickt auf, damit sich der größte Teil des Inhaltes auf dem Weg verstreute.
„Ich bin etwas aufgeregt. Entschuldigen Sie bitte.“ Sie sammelte alles auf, warf einen Blick auf ein Foto und übergab dem Mann alles.
„Danke“, erwiderte der Mann und sah Susan nach als diese sich auf den weiteren Weg machte.

Ich brauchte ihr nur zu folgen. Als der Mann in sein Auto eingestiegen war, bemerkte ich den dunkelgrünen Ford noch immer und verblieb dort, wo sich Susan von mir getrennt hatte. Ein Fehler oder nicht. Das leichte Tippen auf meiner Schulter war nicht Susan, denn sie hatte ich eben noch im Blickfeld. Erstaunlich schnell, wie sich mein ´Kollege´ bewegt hatte. Sicher, meine Konzentration lag ja woanders, so konnte ich ihn nicht bemerken. Er bat mich um ein Gespräch.
Susan stand an der Straße und konnte uns nur vage beobachten.
„Das kannst du vergessen. Woher soll ich wissen, ob es die Wahrheit ist. Mir reicht es langsam. Die beiden wissen doch jetzt alles voneinander. Also, was steckt dahinter?“ Ich war sehr laut und etwas zornig. Das Achselzucken und Lächeln das mir entgegen kam beunruhigte mich nicht.
„Das ist doch verrückt“, ich drehte mich um und wollte gehen, beschloss aber, noch einen Augenblick zu bleiben. Meine Stimme war jetzt wieder normal und ich wiederholte fast alle Wort. Zwischen uns konnte es keine Arbeit miteinander geben, ich für meinen Teil musste die Situation in ein völlig neues Licht rücken. Jede einzelne Ermittlung kam auf ein Gemeinsames, was das Ziel jedes Klienten war, musste jetzt jeder selbst herausfinden.
„Schon gut. Entschuldige meine Erregung und das Du.“
„Klar doch. Ich war ja auf der Brücke auch nicht anders zu dir. Das mit dem Du ist in Ordnung, wir können dabei bleiben. Ich muss sagen, wenn wir nicht auf zwei verschiedenen Seiten ermitteln würden, ich meine, wir wären ein gutes Team.“
Mein gewohntes breites Lächeln sagte vieles. Vermutlich empfing mein Gegenüber das als ein: Nein. Es war aber ein: JA. Das sollte er aber in diesem Augenblick noch nicht erfahren. Mit Sicherheit würde ich ihn, nach diesem Fall, in meinem Büro begrüßen können. Dieses und noch andere Gefühle hatte ich. Vor allem das mich jemand sehnsüchtig erwartete.

Das war aber nicht die Brünette vom Ordnungsamt, die mir schwungvoll ein Ticket an die Windschutzscheibe heftete, als ich hinzu kam gelangte auch Susan am Auto an.
„Wie geht es dir Sandy“, eine ausdrucksvolle Frage, die mit einem kurzen Augenkneifen erwidert wurde.
„Susan? Bist du Susan?“
„Ja, warum nicht. Die Brille ist weg, naja Laseroperation. Die Zahnspange war nur während der Schulzeit. Und du? Wie ich sehe, hast du eine …“
„Du willst sagen, eine gute Arbeit. Wie man es will. Mein Wortschatz hat sich kräftig erhöht. Es gibt kaum noch Beleidigungen, die ich nicht kenne“, sie sah mich an und dann wieder zu ihrer Freundin. Eine Frage mit einem Wort: Deiner?
Die Bennett Brücke ertrug, wie fast täglich, den Stau.
Tief atmend und sich den Unterleib festhaltend trat eine junge Frau an uns heran. Das fehlte mir, nachdem auch ich alle Zusammenhänge begriff. Ich hoffte nur die Victoria - Klinik schnell genug zu erreichen. Auf meinem Rücksitz die werdende Mutter, wenn ich es genau überlegte, zwei werdende Mütter. Sandy kniete sich in den Vordersitz so das sie notfalls etwas helfen könne.

Das Baby hatte sich noch Zeit genommen, Sandy hatte das Ticket vernichtet und sich mit uns verabredet. Man weiß nie, Freunde kann man immer gebrauchen.
For ever in Bluejeans, klang es aus dem Radio. Das erinnerte mich an die Einladung, die wir für diesen Abend bekamen. Ich hoffte nur, wenig mit Melissa über den Fall zu reden. Was mir nicht behagte, war, dass ich mich in meinem Anzug nicht sehr wohlfühlte. Susan hatte einen bestimmten Grund, warum sie unbedingt selbst fahren wollte. Das beigefarbene Kleid zog sie nur bei besonderen Anlässen an. Die Ohrclips wählte sie in einer passenden Farbe.
Vor dem Anwesen standen zahlreiche Autos. In einigen warten die Chauffeure.
Ich fühlte mich wie ein Pinguin. Als ich merkte wie viele Augen mich beobachteten klang mir der Song: Movie Star, in meine Ohren. Susan warf mir die Fahrzeugschlüssel zu. Dem untersetzten Mann, der sich unserem Auto näherte, übergab ich die Schlüssel. Er hatte etwas von einem britischen Gentleman, sodass ich ihn für einen Angestellten des Hauses halten musste. Seinen erstaunten Blick änderte er nicht. Aber ich, als Susan in sehr liebevoll begrüßte.
Natürlich, es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Kanada – Britisch Columbia. Susans Vater.
Es war mir mehr als peinlich ihn so kennenzulernen. Jetzt fehlte nur noch meine zukünftige Schwiegermutter. Das sollte nicht lange auf sich warten, sie stand mit David vor der Einganstür. Ich hatte David nur im Overall in Erinnerung.


Kommentar von Ginko Korn

Ein Fluch im ersten Satz, prima! Und dann die Steigerung zur Wut? Denkste. Aus der wirren Detektivgeschichte tröpfeln immer kleinere Puzzlestückchen für eine Low-Budget-Episode. Fortsetzung gleich nach der Werbung.

Eingetragen am: 09.07.2008

Eingetragen am: 07.07.2008 von Birgit Jennerjahn-Hakenes
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14208

(Grade aus dem Urlaub zurück. Schnell den Schreibrückstand aufholen. Folgender Text schließt sich an 13466 2.Version an!)

Roberta wird wütend

Während Roberta im Supermarkt die Gänge abging, dachte sie an die kranke Maria.
Timmy wusste, dass sie bald starb. Aber er wusste nicht, dass er endlich frei wurde für seine leibliche Mutter. Dass seine Entführung ein Ende nahm.
„Ich habe ihn aufgezogen; ich habe ihn gefüttert, gewickelt; ich habe ihm die ersten Schuhe gekauft.“ Roberta wurde übel. Ich habe ihn in Liebe empfangen, ich habe seine Frucht in mir getragen, ich habe ihn geboren!, dachte sie. Warum hatte sie Maria diese Worte mit Betonung auf dem ich nicht entgegengeschleudert? Weil sie nicht wieder und wieder den Satz: „Du hast meinen Sohn getötet!“ hören wollte? Roberta umklammerte den Einkaufswagen, sodass die Fingerknöchel hervortraten wie bei alten dünnen Frauen. Endlos hätte ihre Aufzählung sein können: An meiner Brust hing er, ich habe ihn satt gemacht. Wir waren zwei und eins, wie nur Mutter und Kind eins sein können.
„Hoppla, Fräuleinchen, pass gefälligst auf!“
Roberta war mit dem Einkaufswagen einem älteren Herrn in die Fersen gefahren.
„Es tut mir leid.“
„Heulsuse. Keine Augen im Kopf, oder was?“
Roberta hatte gar nicht gemerkt, dass sie weinte. „Ich sagte doch, es tut mir leid!“
„Das ist Körperverletzung!“
Jetzt mischte sich eine Verkäuferin ein, die Tiefkühlkost einsortierte: „Sehe sie nicht, dass es der Dame nicht gut geht? Außerdem hat sie sich entschuldigt. Und sie sind bestimmt nicht schwer verletzt.“
Der ältere Herr zeterte mit der Verkäuferin weiter. Roberta lief zur Kasse. Nur raus hier. Wenngleich längst nicht alle Zutaten für das Essen mit Timmy in ihrem Wagen lagen.
Auch das noch, dachte sie, als vor ihr eine junge Mutter die Einkäufe aus dem Kinderwagen räumte und auf das Band legte. Das hatte sie auch einmal getan, tun dürfen, ein halbes Jahr lang. Roberta starrte in den Wagen. Ein Junge. Es stand auf seinem Halstuch: Felix. Hieß das nicht der Glückliche?
„Wie alt ist Felix denn?“, hörte sie sich fragen.
„Sechs Monate“, sagte die junge Mutter. „Haben sie auch Kinder?“
„Ja, ich …“ Weiter kam Roberta nicht. Irgendetwas hatte sie gestoßen, sie verlor das Gleichgewicht und flog vornüber. Sie konnte sich grade noch am Kinderwagen von Felix abstützen. Der Wagen machte einen Satz, sodass Felix durchgeschüttelt wurde. Er schrie sofort.
„Scheiße“, fluchte seine Mutter.
„Entschuldigung“, sagte Roberta und richtete sich auf.
„Geschieht dir ganz recht, Heulsuse.“
„Sie haben mich absichtlich gestoßen“, sagte Roberta mehr feststellend denn fragend zu dem älteren Herrn, der nun hinter ihr stand.
„Sie haben mich absichtlich gestoßen“, äffte der ältere Herr Roberta nach und Felix schrie dazu.
Roberta handelte, bevor sie nachdachte: Sie holte aus und knallte dem älteren Herrn ihre linke Hand ins Gesicht. Und nicht nur das. Es tat ihr so gut, sogar Felix stellte das Schreien ein. Da schlug Roberta noch einmal zu. Beim dritten Anlauf war ihr Gegner soweit, dass er sich wehrte. Er hielt Robertas Handgelenk gefangen und bog es um. Endlich konnte sie die Schmerzen der letzten Wochen, Monate, Jahre herausschreien.


Kommentar von Bauer Gerhild

In dieser konfliktbeladenen Situation wirken die Ohrfeigen direkt befreiend. Und der kleine Felix tut das Seine dazu: er stellt das Schreien ein.Super! L.G.Gerhild B.

Eingetragen am: 08.07.2008

Kommentar von Frog

Da entlädt sich aber eine gewaltige Ladung Wut, und ausgerechnet der fremde alte Meckermann im Supermarkt muss dran glauben. Natürlich eine Überreaktion Robertas, aber für mich absolut nachvollziehbar. Der Supermarkt als Schauplatz dieses Ausbruchs ist gut gewählt. Roberta macht mich immer neugieriger.

Eingetragen am: 08.07.2008

Eingetragen am: 07.07.2008 von Sigrid Leister
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14193

Der erste Morgen nach dem Psychatrieaufenthalt war düster. Der Himmel war verhangen, riesige Wolkenberge türmten sich übereinander. Der Wind riss und zerrte an den Rollläden und die Natur spielte ein Cressendo für sie.
Ines legte die Hände an die Ohren und wünschte sich an einen stillen Ort, nur sie und das grenzenlose Nichts.
Sie wusste das diese Gedanken gefährlich waren, doch wie süss lockten sie mit Versprechungen, dass die Schmerzen die in ihr wühlten und bohrten, dann ein Ende hätten.
Sie versuchte die Tränen, die in ihr aufstiegen wie die Quecksilbersäule in einem Fieberthermometer, zu unterdrücken.
Es gelang ihr nicht sich zu beruhigen, denn immer wieder glitten ihre Gedanken zu dem Mann, den sie so liebte und der sie verlassen hatte.
Von wildem Zorn erfasst, krümmte sie sich wie unter peinigenden Schmerzen zusammen, drückte ihre geballte Kraft in ihre Kehle und schrie, dass die Halsschlagader wie ein dicker Strang hervorquoll. Sie riss ein Wasserglass aus der geöffneten Spülmaschine und warf es mit solcher Wucht auf die Fliesen, dass die Glasur abplatzte und ein hässliches Loch hinterließ. Schluchzend sackte sie kraftlos zusammen und starrte auf die weit verstreuten Scherben.
Mit tränennassem Gesicht fegte sie sie auf, und konnte sich nicht vorstellen, dass sie jemals wieder Freude am Leben empfinden könnte.
Verzweifelt dachte sie an die Worte ihrer Therapheutin.
"Erinnern sie sich Frau Wöllner an das, was sie früher gerne getan haben.
Womit füllten sie ihre Zeit?"
Und genau auf diese Fragen wusste sie keine Antwort.
Sie hatte das Gefühl, als läge ihr Gehirn in einer tranigen Flüssigkeit und das Erinnern käme nicht vorwärts und so sehr sie sich auch bemühte, sie konnte sich nicht erinnern.
Sie lief ruhelos durch ihr kleines Reich, doch kein Blick streiften die vielen Kostbarkeiten, die sie in der Zeit angelegt hatte, alls sie noch glücklich war.
Die Katzen, die sie schnurrend umschmeichelten.
Die verspielten Landschaftsbilder, die sie gemalt hatte.
Der Hibiskus, der in verschwenderischer Pracht blühte.
Das alles erreichte sie nicht,zu groß war der Kummer, der sich wie ein riesiges Felsmassiv, unüberwindbar und gewaltig vor ihr auftürmte.
Zornig schüttelte sie den Kopf, als wollte sie die Trauer abschütteln.
"Hör auf, du blöde Kuh", beschimpfte sie sich selbst, "denke pragmatisch!"
Plötzlich erinnerte sie sich an ihre Freundin, die ihr oft geraten hatte in solchen Situationen, auch Plan B in Petto zu haben.
Prima, sie hatte ja noch nicht einmal Plan A.
Sie versuchte es mit dem althergebrachten, dem Schreiben.
Mit zitternden Fingern versuchte sie den Stift unter Kontrolle zu bringen,um eine Liste zu schreiben.
Vielleicht, wenn sie sah was sie schrieb, würde es ihr besser gehen und Ordnung in ihre trüben Gedanken bringen.
Sie schrieb:" Mein Ziel ... für heute:
Danach blieb die Kugelschreibermine in der Luft hängen.
Da war es wieder, dieses unüberwindliche schwarze Loch, dass sie begleitete, nur auf eine Gelegenheit wartend, sie in den Abgrund der Verzweiflung zu saugen.
Die Kugelschreibermine zitterte.
Mit einem Schlag fiel ihr wieder die Psychatrie ein und übergangslos schrieb sie

... ist überleben!"
Und zum ersten Mal seit langer Zeit, spielte ein schwaches Lächeln um ihre Mundwinkel.
Sie hatte gerade ihren Überlebenswillen geboren.


Kommentar von Numungo

Die Figur wird immer deutlicher. Eine Geschichte, die von Gedanken und Bildern lebt. Ich warte auf mehr! Ein Tipp: Mach doch ein paar Absätze weniger, ich glaube, das macht den Text noch flüssiger. Oder arbeitest du mit Zeilenumbrüchen? Viele Grüsse, Numungo (14017).

Eingetragen am: 12.07.2008

Kommentar von Putzi

Bravo! Hinreißend geschrieben. Du hast die Übungsaufgabe mehr, als erfüllt. Wenn ich etwas zu sagen hätte, dann würde ich Dir eine Ein Plus geben. Bewundernde Grüße, Putzi

Eingetragen am: 08.07.2008

Kommentar von Angela Thies

Die totale Verzweiflung - perfekt beschrieben. Das schwarze Loch - man hängt förmlich selber drin, beim Lesen deines Textes. Das schwaches Lächeln erscheint mir nah am Wahnsinn. Super!

Eingetragen am: 08.07.2008

Kommentar von Sylvia

Puh, heftiger Text. Sehr mitreißend geschrieben. Nachvollziehbar, irgendwie. Allerdings sind nocch einige Fehlerchen enthalten. Da würde ich nochmal drüber gehen. LG Sylvia (14153)

Eingetragen am: 07.07.2008

Eingetragen am: 07.07.2008 von scacha
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14170

Es wurde Zeit, dass sie diese Autoren endlich aus dem Verlag kickte. R. Liebenstein ging am Fenster auf und ab, setzte sich an den Küchentisch, stützte den Kopf in die Hände, stand wieder auf. Seit Jahren machte sie, was sie nicht wollte. Ein verstaubtes Programm und Routine. Fettgefressene Autoren, die ihre Selbstherrlichkeit in ihren Büchern feierten und keine Ahnung, keine geringste Ahnung hatten von dem, was der Markt verlangte – null! Und sie interessierte es auch nicht. Sie hatten sich sattgefressen, die langen Jahre, im Vorläuferverlag und jetzt in ihrem Verlag. In ihrem Verlag. Ja, sie hatte mit der Einführung ihres Labels die Autoren übernommen – davon profitiert, natürlich, weil sonst die Gefahr bestanden hätte, dass die Firma nicht älter geworden wäre als ein halbes Jahr. Jaja. Aber – sie war viel zu entgegenkommend gewesen, hatte sie zu sehr machen lassen. Sie hatten gleich Macht gerochen. Noch mehr Geld. Und jetzt diktierten sie ihr, wie die Bücher auszusehen hatten. Ihr! Der Verlagsinhaberin! Ein Juristendeutsch, das kein Mensch lesen konnte. Vielleicht hatten das ein paar Bornierte früher toll und bewundernswert gefunden, aber die Verkaufszahlen sanken und sanken. Die Autoren machten sie auch noch dafür verantwortlich, sie würde nicht richtig Werbung schalten, sie wüsste nicht, wie sie ihren Laden führen musste! Wenn sie daran nur dachte, an diese kleinen spitzen Bemerkungen in ihrer Korrespondenz – Briefkorrespondenz, nicht Email, das hatten die Herren nicht –, spürte sie Hitzewallungen in sich hochkommen. - Das Schlimme war, die ganze Marktforschung stand hinter ihr. Sie hatte Recht. Aber sie konnte nicht gegen diese Männer an. Ja, es waren alles Männer, und alle über sechzig, und alle so schrecklich scheußlich rüstig, dass sie bis achtzig oder neunzig weitermachen würden. Jedes Jahr oder jedes zweite eine neue Auflage ihrer trockenen Bücher.
Nein, sie musste so nicht weitermachen. Sie konnte entscheiden, es war nur eine Illusion, diese Machtlosigkeit. Eine gewaltige – Illusion, aber eine Illusion. Konnte sie Verträge kündigen? Die Herren waren politische Berater, Ministerialbeamte, Juristen. Würden die sie mit Prozessen überziehen? Sie hatte früher von etwas anderem geträumt, von schönen Büchern, von Literatur. Sie schüttelte sich, bevor sie wieder aufstand. Träume. Träume ... Sieben lange Jahre hatte sie gedacht, dass man damit kein Geld verdienen könne. Und weitergemacht. Mit Grummeln im Magen. Das würde noch schlimmer werden, der Magen, die Galle, das würde sich melden, ihre beiden Eltern hatte sie schon verloren, frühzeitig durch Krankheit, und vielleicht auch deshalb, weil sie sich zu sehr angepasst hatten. Die Bücher, die sie selbst machte, mochte sie nicht mehr ansehen. Das hässliche Layout (sie hatten Neuerungen versucht, R. Liebensteins tolle Grafikerin hatte einen neuen Entwurf kreiert, der so lange mit Bemerkungen der Autoren wieder zurückgekommen war, dass er fast schlimmer war als vorher – mehr Farbe, aber völlig inkoherent, Modernes haarscharf neben Uraltem – eine Schande für ihren Namen), die viel zu vielen Seiten, die selbstherrliche Sprache. Widerlich! Sieben Jahre ihres Lebens hatten über-sechzig-jährige Männer, die nur an Geld dachten, besetzt, das konnte einfach nicht wahr sein!
Schluss! Wenigstens einen. Einen von acht Autoren! Wenigstens einen kündigen! Einen Vertrag!
Drüben in den Verlagsräumen riss sie mit Schwung die Ordnerlade heraus. Sie wusste sofort, nach welchem Namen sie greifen musste. Sie legte den Vertrag vor sich auf den Tisch. Sie rechnete durch, was es sie kosten würde. Und dann setzte sie sich an den Rechner und formulierte ihren Brief. „Sehr geehrter Herr Melchor, wie Sie wissen, haben sich die Verkaufszahlen Ihres Buches ‚Bauanleitung für Garteneinrichtungsgegenstände nach der DIN-Norm’ in den letzten Jahren bedauerlicherweise kontinuierlich verschlechtert. Der Verlag macht sich die Entscheidung nicht leicht, und doch sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir es nicht mehr vertreten können, das Buch weiterhin zu verlegen. Kosten und Nutzen stehen in keinem Verhältnis zueinander. Daher müssen wir von einer weiteren Nachauflage Ihres Buches absehen. Wir hoffen für diesen bedauerlichen Umstand auf Ihr Verständnis. Mit den besten Grüßen, R. Liebenstein.“ Vertraglich vollkommen in Ordnung. Der Verlag hatte eigentlich die volle Entscheidungsfreiheit ...
Sie druckte den Brief auf dem Verlagsbriefbogen aus, unterschrieb, kopierte ihn, steckte ihn in einen Umschlag und frankierte ihn. Dann zog sie sich den Mantel an, um den Brief gleich selbst in den Kasten zu werfen.


Kommentar von Gerhild Bauer

Welcher Verlag kann sich heute noch "Ladenhüter" leisten? Die Wut von Frau R.Liebenstein kann ich allerdings gut verstehen.Gerhild B.

Eingetragen am: 08.07.2008

Kommentar von Sylvia

Ein schöner Text! Aus unserer Perspektive auch witzig! Mir gefällt der unmittelbare Einstieg sehr. Man ist sofort gefangen! Weiter so! LG Sylvia (14153)

Eingetragen am: 07.07.2008

Kommentar von Sylvia

Ein schöner Text! Aus unserer Perspektive auch witzig! Mir gefällt der unmittelbare Einstieg sehr. Man ist sofort gefangen! Weiter so! LG Sylvia (14153)

Eingetragen am: 07.07.2008

Kommentar von Miyu

Hallo Scacha, ein wirklich schöner Text :) Eingängig geschrieben und eine schöne Veranschaulichung der Probleme, die ein Verlag haben kann. Insbesondere die Ausführungen zu den verstaubten Texten von "alten Männern" haben mit gut gefallen. Liebe Grüße, Miyu

Eingetragen am: 07.07.2008

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