40 Die Romanwerkstatt im Autorenhaus Verlag | Schreiben Sie mit! | Kapitel 29 mit Übungsaufgabe
(Foto: Christian Rohr)
„Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie es war, eine Schriftstellerin zu sein, die noch nichts veröffentlicht hat: Man beißt sich mehr schlecht als recht durch und kommt mit Leuten in Kontakt, die ausgesprochen abweisend sein können. Und obwohl ich nun Teil dieser Branche bin, die sich manchmal Neulingen gegenüber wie eine uneinnehmbare Festung präsentiert, stehe ich instinktiv eher auf der Seite derer, die versuchen, die Mauern zu erklimmen."

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Kapitel 29 mit Übungsaufgabe

16.07.2008© 2008 Autorenhaus Verlag GmbH, Berlin
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Leserbeiträge

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Eingetragen am: 25.07.2008 von Gerhild Bauer
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15235

Robert Kandlhofer und Hansi Sukop treffen sich in einer Autobahnraststätte und Robert beginnt zu erzählen
„Weißt du, was eine Biwakschachtel ist?“
„Irgendein Unterschlupf im Gebirge, um bei Schlechtwetter oder bevor man erfriert, unterzukriechen. „
Robert schmunzelte.
„So schlimm ist es wieder nicht. In der Biwakschachtel am Hochschwab kannst du sitzen und stehen und du kannst dich sogar, wenn nicht zu viele Leute Zuflucht suchten, ausstrecken. Das mit dem Schlechtwetter stimmt. Bei gutem Wetter stehen dir ja das Schutzhaus und die Hütten zur Verfügung.“
Er nahm einen Schluck von seinem Kaffee, bevor er neuerlich begann:
„Meine Baufirma schickte mich oft ins Ausland. Ich war beinahe überall zu Hause, nur nicht in Österreich, nur nicht in Wien. Und wenn ich mich hier aufhielt, dann für kurze Zeit und immer in Eile.“
Robert stützte sich auf seinem Rollstuhl: „Siehst du, mit ihm hat sich das geändert, keine Eile, dafür jede Menge Zeit.“ Er ließ den Rollstuhl los und rührte langsam in seinem Kaffee, als ob er aus der Tiefe der Kaffeetasse die Bilder seiner Vergangenheit hervorholen wollte.
„Damals war ich wieder einmal Gast in Wien und hatte einen englischen Freund bei mir, Daniel. Und er wollte unbedingt mit mir eine Bergtour machen. Er sei geübt, sagte er, er könne klettern, sagte er und er hätte eine gute Kondition.
Am Abend gingen wir in die Oper, Daniel war auch Opernliebhaber und wollte unbedingt eine Wiener Opernaufführung erleben. Wir waren jung, na, vielleicht nicht mehr ganz so jung, und glaubten, wir könnten alles, alles haben und wir wollten auch alles und das sofort, genauso wie unsere Jugend heute. Anschließend besuchten wir eine Bar .....“
„.... weil Daniel unbedingt eine Wiener Bar kennen lernen wollte“ ergänzte Hansi. Sie lachten.
„ So ungefähr war es auch. Und dann schliefen wir einige Stunden und später fuhren wir über Kapfenberg nach Thörl zum Bodenbauer, um über das G`hackte auf den Hochschwab zu steigen. Ich brauche dir nicht zu sagen, dass dieser Felsensteig der kürzeste Aufstieg auf den Weg zum Gipfel ist. Die Wettervorhersage hatten wir negiert. Ebenso die Worte des Wirten, der uns riet zu warten und am nächsten Tag aufzusteigen. In der Nacht sei eine Wetterbesserung angesagt.
Wir waren bereits weit oben, als Nebel einfiel, begleitet von Wind, der sich zu einem Sturm auswuchs und natürlich begann es heftig zu regen. Ich sah in die Nebelsuppe, lachte Daniel zu und rief: „ Im Nebel siehst du nicht, wie hoch du noch zu steigen hast und wie tief du fallen kannst.“
Daniel war kein geübter Bergsteiger, doch unerschrocken und zähe und konnte mein Tempo gut mithalten.
Wir waren bestens ausgerüstet, unsere Kleidung schützte uns vor Nässe und Kälte und doch waren wir froh, als wir die besagte Biwakschachtel, ein Stück Röhre auf der Alm, erreicht hatten. Es war ein gutes Gefühl, eine schützenden Wand, wenn sie auch dünn war, um uns zu haben.
Wir hingen unsere Überkleidung auf, zogen uns warme Pullover über, stellten eine Flasche Whisky vor uns, lehnten uns zurück und schliefen sofort ein.
Ein Geräusch an der Tür der Biwakschachtel ließ mich wach werden. Jemand versuchte hereinzukommen und kämpfte mit dem Sturm, der die Türe immer wieder zudrückte. Ich ging hin und stemmte mich gegen die Türe und zog eine schmale Gestalt herein. Zuerst dachte ich es sei ein Junge, doch als der vermeintliche Junge seinen Regenschutz über den Kopf schob und ein dunkler Zopf zum Vorschein kam, sah ich, dass ein Mädchen in diesem Gummizeug steckte, eine junge Frau. Sie blieb stehen und murmelte einen Gruß oder ein Dankeschön, vielleicht auch einen Fluch, denn sie schien über die Türe verärgert zu sein. Ich wollte ihr den Rucksack abnehmen, doch sie war schneller als ich und legte ihn auf die Bank. Sie fand, ich hätte ihr nun genug geholfen. Ich setzte mich wieder neben Daniel.
Sie schälte sich aus dem Regenschutz, sie war bis auf die Haut nass, wahrscheinlich war sie ohne Regenschutz durch die Felsen geklettert. Sie nahm ihren Rucksack, kramte darin, holte einen Strickpullover heraus, doch auch er schien feucht zu sein. Sie fluchte leise, entledigte sich ihre Jacke und ihres Pullovers, drehte sich um und zog ihr nasses Leibchen über den Kopf. Ich sah ihren nackten Rücken, ich räusperte mich und sie hielt inne, ließ ihr Leibchen wieder sinken, drehte sich um und sah uns an. Ihr wurde bewusst, dass sie sich mit zwei völlig unbekannten Männern in einer engen Röhre am Rand der Welt befand. Sie sah Daniel an, der an der Wand gelehnt leise weiter vor sich hin schnarchte und dann mich und dann die Flasche Whisky. Ihre Augen verengten sich und ihre Lippen, die ein wenig bläulich gefärbt waren, denn draußen hatte es zu schneien begonnen, wurden zu zwei schmalen Strichen und zwischen ihren Augen bildete sich eine steile Falte. Sie schien zu überlegen, ob es ratsam wäre, sich hier umzuziehen. Ich stand auf, sie fuhr ein wenig zurück, gab Daniel einen leichten Stoß, dass er wach wurde und nahm meinen Anorak, der inzwischen trocken sein musste von der Stange und zog meinen warmen Pullover aus und reichte ihn ihr:
„ Ziehen Sie ihn ruhig an, er ist trocken und warm, wir gehen inzwischen hinaus und rauchen eine Zigarette.“ Ich verwendete absichtlich die Anrede“ Sie“, obwohl dies am Berg unüblich ist, doch ich wollte ihr mit dieser Distanz Sicherheit geben.
Daniel stolperte mit mir hinaus.
„ Was soll das, wir sind doch Nichtraucher,“ schrie er mir zu. Wir hätten auch nicht rauchen können, denn in diesem Sturm wäre es unmöglich gewesen, sich eine Zigarette anzuzünden. Wir hatten schon Mühe die Türe der Biwakschachtel zu öffnen und wieder zu schließen.
Die junge Frau saß nun auf der gegenüberliegenden Bank, hatte eine Decke fest um sich gewickelt und sie hatte mein Angebot angenommen und sich meinen trockenen Pullover übergezogen. Auf dem schmalen Holztisch stand eine brennende Kerze und eine Proviantdose. Im Kerzenlicht sah ich, dass sie ihren Zopf geöffnet hatte, um ihr Haar zu trocknen und es fiel ihr weit über die Schultern und sie lächelte uns völlig unbefangen zu. Die Falte zwischen ihren Augen war verschwunden.“
„ Ich bin Martina“, sagte sie und reichte uns ihre Hand. Daniel schob sich an mir vorbei und setzte sich wieder in seine Ecke.
„Weißt du Hansi, im Laufe des Lebens gibst du vielen Leuten die Hand, Männer, Frauen und Kindern. Kein Händedruck gleicht dem anderem, doch meistens beachtest du ihn nicht einmal. Diese Hand fühlte sich anders an. Ich blickte erstaunt auf unsere Hände, auf ihre Hand, eine feste Frauenhand, gebräunt, lange Finger, schmucklos, kurz geschnittene, nicht ganz saubere Fingernägel, wie man sie hatte, wenn man über das G`hackte aufstieg und sich manchmal festhalten musste. Aber das war es nicht, was mich erstaunte, es war mein Wunsch diese Hand nicht mehr loszulassen und die Hand blieb in meiner liegen. Ich sah auf und direkt in die Augen dieser Frau, von der ich nichts wusste, als dass sie Martina hieß, ihre Augen öffneten sich überrascht, weiteten sich, umfingen mich. Vielleicht war es auch nur das flackernde Kerzenlicht, das mich denken ließ, dass diese Augen einzigartig sind, dass dieses Gesicht einzigartig ist und dass diese Frau einzigartig sein musste. Ich hielt noch immer ihre Hand, die sie noch immer nicht zurückzog und in dieser Biwakschachtel am Rand der Welt, auf die der Regen trommelte, deren Tür sich kaum öffnen ließ, in dieser Biwakschachtel, in der es muffig und feucht roch, hatte ich das Gefühl nach einer langen, langen Wanderung endlich angekommen zu sein.“


Hochschwab: ein 2273 Meter hoher Gebirgsstock in der Steiermark, Österreich.



Diesmal war es Daniel der sich räusperte und uns in die Wirklichkeit zurückbrachten. Wir teilten unsere Vorräte und tranken Whisky, nicht zuviel, denn jeden Augenblick konnte das Wetter umschlagen, es konnte aufklaren und wir konnten daran denken auf den Gipfel zu steigen., diesen überraschenden Gipfel, dessen Einfachheit niemand, nach den steilen, oft bizarren Felswänden , den Felsabbrüchen, den Steinhalden, den engen Felssteigen und den geheimnisvollen Höhlen erwartet.
Nach Mitternacht war es dann so weit. Der Trommelregen ließ nach. Es wurde ruhig und die schmale Sichel des Mondes zeigte sich zwischen dahineilenden Wolkenfetzen. Ab und zu glitzerte ein Stern.
Martina und ich stiegen auf, Daniel schlief weiter. Beim Kreuz angekommen, küsste ich sie auf die Wange. Es war ein leichter Kuss. Ich wollte kein Abenteuer, ich wollte mehr, und wir standen und sahen nach dem Mond und nach den Sternen, zwischen uns und dem Himmel war nichts, nicht einmal Wind, nur die Unendlichkeit der Ruhe und des Schweigens und im Osten die Ahnung eines neuen Tages.
Glaube mir, Hansi, Martina und ich haben später viele Gipfel bestiegen, höhere Gipfel, Gipfel mit beeindruckenden Namen und immer , wenn wir oben standen, war es wie ein Paukenschlag: der Gipfel, wir und der Himmel. Doch dieses Hochschwabgefühl stellte sich nie wieder ein.


Kommentar von Elisabeth

Ich drücke mich immer gerne vor längeren Texten, das ist ja so falsch! Aber die Zeit... Dein Text hat mich nicht mehr losgelassen und ich möchte unbedingt erfahren wie es weiter geht! Besonders der Abschnitt, als Robert die Hand der Frau nicht mehr loslassen wollte...und der letzte Satz, mit dem Gefühl, endlich angekommen zu sein, hat mich fasziniert. Viel Glück

Eingetragen am: 31.07.2008

Kommentar von Carola Ottenburg

Eine schöne Liebesgeschichte, leicht und doch ein bisschen melancholisch. Aber wer, um Himmels Willen, erzählt so etwas ausgerechnet an einer Autobahnraststätte und wieso?

Eingetragen am: 28.07.2008

Kommentar von Angela Barotti

Über welches Thema reden zwei Zufallsbekannte(?) in einer Autobahnraststätte? Ich habe mit allem gerechnet, nur nicht mit dieser wundervollen Lovestory. Dein Beitrag hat mir sehr gut gefallen. :-D

Eingetragen am: 28.07.2008

Kommentar von Numungo

Eine sehr schöne, gefühlvolle Beschreibung der Bergtour, die sogar das hässliche Wort "Biwakschachtel" überdeckt. Doch leider heißen die Dinger tatsächlich so. Niemand hat sich dafür ein schöneres Wort ausgedacht. Ich fand es schade, dass die Erzählung nicht weitergeht. Viele Grüsse, Numungo (14703, 15010).

Eingetragen am: 26.07.2008

Kommentar von Frog

Schöner beeindruckender Text, Gerhild! Und was ein Wonderbra ist, findest Du bei Wikipedia gut beschrieben. Ein Stütz-BH im weitesten Sinne...:-)

Eingetragen am: 26.07.2008

Kommentar von Velarani

Liebe Gerhild, das gefällt mir sehr, sehr gut! Hast du toll gemacht, eine ganze Geschichte zu dieser Aufgabenstellung geschrieben und die Personenbeschreibung so nebenbei untergebracht, sehr beeindruckend. Auch wenn es ja nicht deine Hauptperson ist - wie sieht Hansi Sukop eigentlich aus? LG Velarani

Eingetragen am: 25.07.2008

Eingetragen am: 25.07.2008 von Ann-Christin
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15230

Wie sie dort in der Ecke saß. Die Beine umschlungen, mit ihren Rußgeschwärzten Händen. Der Rock leicht zerissen. Die Füße blutig. Das Gesicht noch Tränen verschmiert. Die braunen Haare hingen stränig herunter. Die grünen Augen auf einen fernen Punkt gerichtet. Die vollen Lippen fest aneinander gedrückt. Von ihrer dunklen Wimper tropfte eine letzte Träne. Fast so, als wäre das der Abschluss. Als würde sie dieses Kapitel ihres Lebens einfach zuklappen, wie ein Buch. Ihre weiße Bluse war mit Blutstropfen übersäht. Alles in allem war diese kleine Person ziemlich mitgenommen. Ein traumatisierter Eindruck. Aber wie konnte es auch anders sein, hatte sie doch miterlebt, wie ihre Eltern ermordet wurden. Nur weil sie Juden waren.


Kommentar von Ann-Christin

Dieses "Kapitel" wird in meinem Roman immer wieder aufgegriffen werden. Jedoch ist es nicht das Thema, das im Vordergrund steht. Spielt aber eine große Rolle.

Eingetragen am: 27.07.2008

Kommentar von papaya10

mutig wie du Worte findest für eine derartig schmerzhafte Erfahrung. Numungos Frage kann ich mich nur anschließen.l.G. Papaya

Eingetragen am: 27.07.2008

Kommentar von Numungo

So traurig, dass mir nichts mehr dazu einfällt. Nur eine einzige Frage: kann ein solch traumatisches "Kapitel" jemals zugeklappt werden? Viele Grüsse, Numungo (14703, 15010).

Eingetragen am: 25.07.2008

Eingetragen am: 24.07.2008 von Cora
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15195

. . . zum Einstieg: Mutter unterhält sich mit Frau Eisenherz. Alex steht vor der Wohnzimmertüre und lauscht. (11739)

„Alexandra gleicht ihm. Das halte ich nicht aus.“ Auf Zehenspitzen bewegte ich mich von der Türe weg. Im Bad stieg ich auf den Hocker und betrachtete mich. Sind es die blauen Augen? Meine Mutter hat auch blaue Augen. Sie hat schwarze lockige Haare. Es sind also die Haare. Mein Vater hat blonde Haare. Leicht gewellte blonde Haare. Stirnrunzelnd zog ich meine Ohren nach vorne. Sie sehen klein aus und sie fühlen sich klein an. Vaters Ohren sind riesig, sie stehen ab und er kann sogar damit wackeln. Ich presste die Lippen aufeinander. Es sind die Lippen. Vater kann sie zu einem schmalen Strich werden lassen. Mutters Lippen werden dicker, wenn sie wütend ist. Den Kopf geneigt, schob ich meinen Mund nach rechts und strich mit der Faust über die linke Wange. So rasiert sich Vater morgens. Mit den Fingerspitzen massierte ich kreisend meine Wangen. Das macht Mutter abends so. Das geht so einfach, anders schauen und anders aussehen. Ich knurrte und fletschte die Zähne. Ein Eckzahn schiebt sich über den Schneidezahn. Dieser Zahn ist bei mir so gefährlich angeordnet. Das bin ich. Nur bei mir ist das so. Meine eckigen Schultern vielleicht? Aber die sieht man doch nur, wenn ich den Pulli ausziehe. Da sind noch die Beine. Die Knie haben spitze Knochen und ich spüre sie durch die Hose, wenn ich mit den Händen darüber gleite. Vaters Knie stehen auch ab und seine Ellbogen sind spitzer als meine. Prüfend, die Augen zu schmalen Schlitzen verengt, schaute ich nochmals in den Spiegel. Ein durchdringender Blick aus Augen wie Pfefferminze traf mich. So schaut nur mein Vater. Ich streckte meinem Spiegelbild die Zunge entgegen.
„Was machst du?“
Beda stand in der Türe.
„Nichts.“
Demonstrativ spuckte ich ins Waschbecken. Seit ich bei Vater wohnte, liess mich Beda nicht aus den Augen, wenn ich im Haus war.


Kommentar von Cora

Vielen Dank für Eure Kommentare und die detaillierten Hinweise. Das ermutigt mich. Sommerliche Grüsse Cora

Eingetragen am: 31.07.2008

Kommentar von Carola Ottenburg

Hallo Cora, die Idee, ein Missverständnis als Auslöser für einen genauen Blick in den Spiegel zu wählen, finde ich genial. Die Grimassen geben der Szene zusätzliche Glaubwürdigkeit. Auf den Widerspruch bei der Augenfarbe haben andere schon hingewiesen. Viele Grüße Carola

Eingetragen am: 30.07.2008

Kommentar von M.P.

Hm, ein paar Sachen haben mir nicht gefallen, oder besser, machen mich stutzig. Zu Beginn deiner Episode hat das Mädchen noch blaue Augen und zum Ende hin sieht sie sich mit durchdringendem Blick aus Augen wie Pfefferminze an. Dann müssten sie grün sein. Bei der Szene mit der morgendlichen Rasur erreichst du ungeahnte Komik: "So rasiert sich Vater morgens. Mit den Fingerspitzen massierte ich kreisend meine Wangen. Das macht Mutter abends so." Die arme Frau, wenn das schon täglich gemacht werden muß. Ich weiß nicht, ob dir da ein Satz abhanden gekommen ist oder du wirklich willst, dass der Mutter ein Bart wächst, den sie täglich bearbeiten muß. Wenn das allerdings so währe, dann könntest du noch ein bischen besser darauf eingehen. Ansonsten finde ich den Text sehr gelungen. Auch wenn wieder einmal ein Spiegel im Spiel ist. LG M.P.

Eingetragen am: 26.07.2008

Kommentar von Numungo

Was die Beschreibung so überzeugend macht, ist, dass du zwischen den Zeilen noch eine zweite Geschichte erzählst. Einzig beim Blick aus den "Augen wie Pfefferminze" frage ich mich: wie können solche Augen blau sein? Viele Grüsse, Numungo (14703, 15010).

Eingetragen am: 25.07.2008

Kommentar von Frog

Das Kind denkt, es ist ihr Aussehen. Die Mutter meint etwas ganz anderes. Sehr originell, diese Art der Selbstbeschreibung, da schwelen Konflikte unter der Oberfläche. Ich finde Alex und ihre Geschichte immer interessanter. Auch wenn ich mich jetzt womöglich wiederhole: Deinen Roman werde ich bestimmt lesen. VG Frog

Eingetragen am: 25.07.2008

Eingetragen am: 23.07.2008 von Dani
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Hallo Ihr Lieben,
ich hoffe Ihr könnt Euch noch an die schwangere Alice erinnern. Leider war die letzte Zeit schreibtechnisch ein Desaster. Glücklicherweise aus Gründen, die mir genug Ideen für diese Geschichte liefern. Ab August beginnen durch den Kindergartenbeginn meiner Zwillinge hoffentlich goldene Zeiten, sowohl was das Schreiben aber auch das Kommentieren in diesem inspierierenden Projekt angeht.

Nun zu Alice:
Sie hat meine Nase. Gerade. Nicht zu groß, nicht zu klein, einfach nur eine Nase, die ihre Funktion erfüllen soll. Wie es wohl riecht in meinem Bauch? Meine weiß-graues Kind vor dem schwarzen Hintergrund steckt den Daumen in den Mund. Ich sollte sie warnen und ihr meine Vanessa-Paradies-Zahnlücke zeigen. Was soll es, Vanessa Paradies ist eine wunderschöne Frau.
Der Schallkopf gleitet über meinen kleinen Bauch, der je nach Laune meiner Tochter rechts oder links einen Hügel bildet.
“Hatte ihr Mann keine Zeit?”, fragt mich meine Frauenärztin mit konzentriertem Blick auf den Monitor.
“Nein, mein Freund muss arbeiten.”
Auf einmal wünsche ich mir, dass sie meine grünen Augen hat. Nicht seine. Nicht diese goldenen Bernsteinaugen. Ich muss auch arbeiten. In einer Stunde muss ich mit meinem Chef das Buch vorstellen. Ich komme mir schon lächerlich vor in meinem offenen Hosenanzug und dem hochgeschobenen weißen Hemd. Der Blazer hängt über dem Stuhl neben der Liege. 500 Euro hat dieses Miststück gekostet, um mich zu jemandem zu machen, der ich nicht bin.
Ich dachte gestern, wenn ich schon schwanger bin, muss ich doppelt kompetent wirken. Die Verkäuferin gab mir recht und verwandelte mich in eine Börsenmaklerin. Sie wusste genau, wie eine erfolgreiche, junge Frau auszusehen hatte. Wäre ich nicht schwanger, hätte ich mir auf ihren Rat hin auch die Haare gefärbt. Schwarz zum Beispiel. Aber auf keinen Fall rot. Meine Haare sind nämlich rot. Richtig hexenrot.
Meine Frauenärztin misst die Länge des Rückens meiner Tochter. Schon zehn Zentimeter. Ich sehe wie sie Anfang und Ende am Monitor miteinander verbindet.
“Das Wachstum entspricht genau der Norm.” raunt sie mir beruhigend zu.
Meine Frauenärztin weiß genau, wie meine Tochter mit vier Monaten aussehen muss. Mein Rücken ist viel zu lang, weshalb ich auch völlig dämlich in einem Hosenanzug aussehe, der mir zwanzig Zentimeter über den Po reicht.
Ich springe auf. Meine Frauenärztin lässt erschrocken den Schallkopf fallen, der nun wie ein abgewiesener Telefonhörer aus alten Zeiten von der Liege herabbaumelt.
“Meine Liebe, ich muss doch noch die Unterschenkelknochen vermessen!”
“Als wenn ich sie weniger lieb hätte, wenn sie zu kurze Unterschenkel hätte!”
Ich schnappe mir meinen Blazer, winke meiner Ärztin freundlich zu und flitzte an der Sprechstundenhilfe vorbei in den Flur.
Im Aufzug nach unten betrachtete ich mich im Spiegel. Hexenrote Haare, rote Wangen, ein Grinsen wie ein Kobold, der sich den übergroßen Anzug eines Zauberers ausgeliehen hat und diesen sofort wieder los werden möchte.
Meine Tochter soll sich nicht an Normen anpassen müssen. Nicht an idealen Unterschenkelmaßen und auch nicht an durchschnittlichen Rückenlängen. Um das zu lernen braucht sie eine Mutter, die sich auch keiner Kleiderordnung unterwirft. Die Tür öffnet sich und ich trete ins Freie. Ich fange an zu laufen und kann es kaum erwarten, diesen Hosenanzug gegen meinen geliebten, engen, schwarzen Rollkragenpulli und meine dunkelblaue Jeans zu tauschen. Darin fühle ich mich nämlich wie eine Fee und die können bekanntlich besser zaubern als Börsenmaklerinnen.


Kommentar von Metta Maiwald

Hast Du die Längenmaße nachgelesen? Ich könnte mich nicht mehr daran erinnern. Dafür an etwas anderes: Beim Ultraschall hat frau jede Menge glibberige Pampe auf dem Bauch (ein Gel, das das Eindringen der Ultraschallwellen in den Körper erleichtert) - das muss Alice mit Sicherheit erstmal abwischen, bevor sie sich den Blazer schnappt. Daumen lutschen tut ein Fötus normalerweise ab der 13. SSW, aber von meiner Kleinen gibt es ein Beweisfoto aus der 10. SSW. Vermessen werden normalerweise Kopf- und Bauchumfang, Knochenlänge von Oberschenkel- und Arm und die Länge vom Scheitel zum Steiß. Soviel ergänzend zu den Fakten. Ansonsten schöne Idee. Am besten gefiel mir der (etwas sehr teure?) Blazer, der sie zu jemandem machen will, der sie nicht ist. Keine Norm für Alice, keine Norm fürs Baby! LG Metta

Eingetragen am: 13.08.2008

Kommentar von Carola Ottenburg

Die Beschreibung finde ich insgesamt gut gelungen - auch wenn ich an Rollkragenpullis und Jeans nicht feenhaftes entdecken kann. Allerdings bin auch ich skeptisch, was die Fakten dieser Schwangerschaft angeht. Im vierten Monat fängt der Bauch gerade erst an, richtig zu wachsen. Auch sollten sich noch keine Kindsbewegungen unter der Bauchdecke abzeichnen. Und dann habe ich gelesen, dass Föten erst im 5. Monat mit dem Daumenlutschen anfangen und erst wesentlich später riechen können.

Eingetragen am: 28.07.2008

Kommentar von Numungo

Ich bin froh, dass Alice am Ende doch noch zu dem Schluss kommt, dass sie die ist, die sie ist. Und dass sie die sein will, die sie ist. Hexenrote Haare und grüne Augen sind doch wunderschön. Allerdings bezweifle ich, das Alice im vierten Monat schon soviel kaschieren muss. Ich glaube auch nicht, dass eine Börsenmaklerin so gut geeignet ist, ein Buch vorzustellen. Es sei denn, es handelt sich um ein betriebswirtschaftliches Buch. Ansonsten gut gemacht. Ich bin schon auf die Zaubereien der Fee gespannt. Auch wenn es im schwarzen Rollkragenpulli ist ;-). Viele Grüsse, Numungo (14703, 15010).

Eingetragen am: 26.07.2008

Kommentar von Jenni

Tolle Idee, wie Du die Aufgabe erfüllt hast. Dein Text liest sich rund, und die Beschreibungen ihres Äußeren fügen sich völlig natürlich in Alices Überlegungen ein, ohne dass es irgendwie erzwungen wirkt. Gefällt mir sehr gut, dieser Text! g Jenni

Eingetragen am: 25.07.2008

Kommentar von Karin

Hallo, Dani! Dein Text hat mir sehr gefallen. Leicht und flüssig die Sprache, dazwischen diese Humorsprenkel, die gute Laune machen. Mir jedenfalls. Liebe Grüße. karin

Eingetragen am: 25.07.2008

Kommentar von Frog

Vanessa Paradis (mit ohne e) ist wirklich eine wunderschöne Frau, und ihr Mann erst... Na, Alice ist sicher auch 'ne schicke Schnitte mit ihrem Hexenhaupt. Was allerdings an einem schwarzen Rolli und dunkelblauen Jeans feenhaft sein soll, erschließt sich mir nicht. Aber auf Alice's Zauberereien bin ich trotzdem schon sehr gespannt.

Eingetragen am: 25.07.2008

Kommentar von Monika

Gefällt mir, Dein Text. Wahr und witzig. Weiter so!

Eingetragen am: 24.07.2008

Eingetragen am: 23.07.2008 von Wladimir
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Wie mein Held aussieht
Es war einer dieser Tage, an denen alles schief läuft. Schon morgens Wolkenbrüche, dann auch noch der kalte Wind, und das mitten im Juli. Hamburger Sommer! Im Radio konnte er nur einen Sender empfangen. Der Moderator plapperte vom Urlaub in der Sonne, erzählte blöde Witze und legte nur Musik auf, die er hasste. Der Wagen stotterte verdächtig als wolle er noch vorm nächsten Tüv schlapp machen.
Den ganzen Tag hatte er nichts verkauft. Wenn er so weitermachte, würde er rausfliegen. Als er abends nach Hause kam, war er durchnässt und halb erfroren, natürlich war auch die Autoheizung defekt. Und ihm war vor Hunger schlecht. Aber der Kühlschrank war seit zwei Tagen so leer wie sein Girokonto, und das war bis zum Anschlag überzogen.
Zum Glück hatte wenigstens Tina eine feste Arbeit, aber von dem Gehalt als 20- Stunden-Kraft in der Apotheke konnte man auch nicht gerade große Sprünge machen. So ging es nicht weiter. Ein Nebenjob musste her!
Immer, wenn seine Stimmung einen Tiefpunkt erreicht hatte, duschte er lange und heiß.. Danach ging es ihm meistens besser. Irgend etwas würde ihm schon einfallen
Heute duschte länger als sonst. Dann stand er nackt vor dem Spiegel und betrachtete sich. Er konnte zufrieden sein, sehr zufrieden! Alles in Ordnung, dachte er, genau die richtige Größe. Immerhin, mit seinen eins neunundachtzig lag er weit über dem Durchschnitt seiner Altersklasse. Sein Oberkörper war muskulös, kein Wunder, schließlich hatte er fast ein halbes Jahr als Möbelpacker gejobbt.
Wenn ich nicht aufpasse, habe ich in zehn Jahren einen Bauch, dachte er.
„Okay, du hast keinen Waschbrettbauch, aber sonst ist alles super“,sagte Tina, „ Du könntest Modell für Badehosen sein.” Das hielt er denn doch für übertrieben.
Er sah nun genauer in den Spiegel. Seine Haare waren noch immer eine Pracht. Löwenmähne! Trotz seiner neununddreißig Jahre war kein graues Haar zu sehen. Die welligen Haare ließ er ungekämmt. Er ließ sie lang wachsen, Nina fand, dass er dann aussah wie eine Mischung aus Pirat und Beethoven. Da konnte er nun gar nicht zustimmen.
„Nein”, sagte er immer, „ ich sehe aus wie eine Mischung aus Brat Pitt und Johnny Depp. Nur besser. Ein pitthafter Depp eben..”
Nina lachte. „ Wenn das so wäre, hättest du keine Probleme damit, deinen Bart zu färben.”
Ja, der Bart. Im Urlaub ließ er sich immer einen Vollbart wachsen. Als er bemerkte, dass die Zahl der grauen Barthaare sich innerhalb eines Jahres verdoppelt hatten, nahm er ihn sofort wieder ab. Den Bart färben? Niemals!
Mein Gesicht, dachte er, ist ohne Bart fast perfekt. Nur die große Nase mit dem Höcker störte ein wenig.
Als Sechzehnjähriger, da hatte er noch eine schöne gerade Nase. Aber dann hatte ihn ein Freund zum Boxtraining mitgeschleppt. Irgendwann musste er als Sparringspartner in den Ring.
„Nicht auf`s Gesicht schlagen!” hatte der Trainer gesagt.
Es hat nichts genützt, wenig später fand er sich auf dem Boden wieder. Das Blut spritzte, das Nasenbein war gebrochen. Nie wieder hatte er geboxt und nie wieder hatte er eine schöne Nase.
„Die Nase macht dich richtig männlich”, sagte Nina immer.
Recht hat sie, dachte er als er noch einmal in den Spiegel sah, eigentlich sehe ich mit meinen grünen Augen und der männlichen Nase sehr gut aus. Ich bin, genau genommen, ein Frauentyp. Das einzige Problem ist, dass die Frauen es nicht merken. Außer Nina natürlich.
Er musste über seinen eigenen Witz lachen als er ins Wohnzimmer ging. Seine Laune war wieder gut. Er warf sich auf den Ledersessel, legte die Beine auf den Tisch und blätterte in der Tageszeitung.
Dann sah er die Anzeige, die sein Leben ändern sollte.
Er las:
Begleitservice für Damen (kein Sex!)
sucht seriöse kultivierte Herren.
Alter: Zwischen 30 und 60.
Tel:...

Das ist es, dachte er.
Dann wählte er die Nummer.


Kommentar von Wladimir

Hallo Velarani, es ist nicht Groot, es ist sein Freund Engel( ein Schönling, Tänzer und Frauenversteher). Ich habe einen Helden und seinen Freund E., Und dann ist da noch die nette Nachbarin, die Exfrau,und natürlich Bruno, der Kumpel mit Milieuerfahrung.

Eingetragen am: 30.07.2008

Kommentar von Velarani

Schön, Wladimir! Kann mir deinen Helden sehr gut vorstellen, er wirkt sympathisch, ob er wirklich so gut aussieht, sei dahingestellt. Jedenfalls ist er wohl nicht eingebildet und nimmt das Leben nicht so schwer. Den "pitthaften Deppen" finde ich auch super, hat er noch mehr so Sprüche auf Lager? Ist das nun Lucas Groot oder jemand Neues? LG Velarani #15322, 15325 (gerne auch ehrliche Kommentare)

Eingetragen am: 29.07.2008

Kommentar von Wladimir

Oh, da habe ich doch tatsächlich Tina und Nina verwechselt. Kein Wunder, wenn man immer auf den letzten Drücker schreibt.Fast alle Frauen heißen bei mir in der ersten Fassung Nina ( oder Tina). Ich danke Euch für die netten Kritiken und kritischen Vorschläge. Besonders Dir,guenni. Wladimir

Eingetragen am: 27.07.2008

Kommentar von Frog

Ein halbes Jahr als Möbelpacker reicht also für so einen Body? Ich hoffe, da nehmen sich die anderen Blog-Wärter mal ein Beispiel daran... Dein Held ist eine witzige Mischung aus Macker, Stoffel und Welpe. An Ninas Stelle wäre ich allerdings schwer sauer auf seinen neuen Job...:-) In was für ein Chaos er sich da wohl wieder reinlarviert? Ich warte. Und: Verlass uns nicht! Ohne Dich würde hier echt was fehlen.

Eingetragen am: 25.07.2008

Kommentar von Numungo

Tina oder Nina, das ist hier die Frage? Eine tolle und amüsante Beschreibung deines Helden hast du hier abgeliefert, kaum ein Detail fehlt. Tausend Worte sagen mehr als ein Bild! Gut gemacht. Viele Grüsse, Numungo (14703, 15010).

Eingetragen am: 24.07.2008

Kommentar von guenni

Man erfährt sehr viel über Deinen Helden, körperliche Merkmale, Alter, seine wirtschaftliche Situation. Interessant ist aber vor allem der Dialog mit Tina: Hier zeigt er sich als widersprüchlicher Charakter... Das kann im Roman spannend werden, wenn die Reaktionen der Hauptfigur nicht vorhersehbar sind...

Eingetragen am: 24.07.2008

Kommentar von Malea

Hallo Wladimir! Super Text! Habe noch mal die anderen Beiträge zu der Geschichte nachgelesen, ein paar waren mir entgangen... So ganz kapiere ich die zeitliche Abfolge der Ereignisse noch nicht, aber das werde ich ja dann in deinem fertigen Roman sehen :-) Mir gefällt dein knapper, präziser Stil. Und endlich mal eine selbstironische Männerbeschreibung. Bisher hatten wir ja v.a. eitle Gecken - meist von Frauen geschrieben ;-) Deinen "pitthaften Depp" werde ich sehr interessiert auf seinem weiteren Weg verfolgen. Liebe Grüße, Malea.

Eingetragen am: 24.07.2008

Kommentar von Elisabeth

Also jetzt bin ich aber gespannt! Wirklich toll geschrieben. Das Selbstgespräch beschreibt deine Person wunderbar. Die ersten Sätze sind sehr anziehend...alles in allem: Spitze!

Eingetragen am: 24.07.2008

Kommentar von Gerhild Bauer

Herrlich: Ein pitthafter Depp! Wenn ich dir eine kleine Änderung vorachlagen darf: Tina kann sicher nicht Gedanken lesen, vielleicht hat dein Held nicht gedacht sondern laut gesagt: Wenn ich nicht aufpasse.... L.G.Gerhild B.

Eingetragen am: 23.07.2008

Kommentar von Angela Thies

Mensch, toller Typ! So wie du ihn beschreibst, kann ich ihn mir richtig gut vorstellen. Wenn er in zehn Jahren erst einen Bauch hat, liegt er ja noch ganz gut im Rennen. Mir ist noch gar nicht aufgefallen, dass Männer sich manchmal auch den Bart färben. Warum will er das nicht?

Eingetragen am: 23.07.2008

Eingetragen am: 23.07.2008 von Jutta Wölk
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15152

Wenn Josh sein Gesicht in einer Wasserlache betrachtete, kamen ihm die Tränen. Die meiste Zeit störte es ihn jedoch nicht, seine Gedanken wurden von Hass geleitet. Seit seine Mutter und die jüngere Schwester ihn verlassen hatten, teilte er sich sein dunkles feuchtes Lager nur noch mit seinen kleinen pelzigen Freunden, ihnen war sein Äußeres egal.
Als junger Knabe war seine Haut ebenmäßig und rein. Später, viel später veränderte sie sich. Jedoch nicht so wie die der anderen Knaben, wenn sie in die Pubertät kamen. Ihm wuchs kein zarter weicher Flaum an Wangen und Kinn. Im Gegenteil, statt zu sprießen, fielen Josh die Haare büschelweise aus, obwohl er gerade erst dem Teenageralter entwachsen war.
Seine Veränderung begann, nachdem er von dem Wasser trank, das die Ratten bevorzugten. Wenn es ihnen nicht schadete, konnte er doch nichts falsch machen.
Und je älter er wurde, umso mehr verformte sich sein Schädel und die Eiterbeutel im Gesicht wurden von Tag zu Tag mehr. Josh sehnte sich zurück nach den Kindertagen, in denen er unbeschwert sein junges Leben und die stetige Neugier in sich genoss. Wenn seine Mutter ihn liebevoll in ihren Armen hielt. Doch diese Zeiten waren unwiderruflich vorbei. Nun kannte er nur noch ein Ziel. Vergeltung!


Kommentar von Metta Maiwald

Hallo Jutta, habe länger nichts von Dir gelesen. Hast Du schon die Pinnwand (Menü auf der Startseite links) entdeckt? Es gibt ein Autorentreffen auf der Frankfurter Buchmesse. LG Metta

Eingetragen am: 24.09.2008

Kommentar von Jutta Wölk

Hallo liebe Romanschreiber, wie immer möchte ich mich für eure Kommentare bedanken. Bei diesen allerdings ist mir etwas für mich sehr Wichtiges aufgefallen. Nämlich, dass euch dieses Thema anscheindend mehr interessiert. Was mich sehr freut, wie ihr ja mittlerweile erfahren habt, bin ich ein großer Fan von Mystik-, Gespenster- und Horrergeschichten. Meine Romane und Kurzgeschichten schreibe ich fast ausschließlich in diesem Genre. Die Szene, die ich hier beschrieben habe, stammt aus einem noch nicht fertiggestelltem Manuskript, dessen Ende ich bereits im Kopf habe. Mit der Umsetzung muss ich mir allerdings noch etwas Zeit lassen, da ich im Moment wichtigere Aufgaben zu erfüllen habe. Daher bitte nicht böse sein, wenn ich zur Zeit sehr wenig kommentiere. @Elisabet: Leider kommt es für Josh noch schlimmer, aber mache dir bitte keine Sorgen, er ist eine reine Fantasiefigur. @Numungo: Über deinen Kommentar musste musste ich herzlich lachen (im positiven Sinne). Er zeigt, dass du eine rege Fantasie hast, und diese ist Gold wert, wenn man Geschichten schreibt. @Lillilu: Leider habe ich, und werde es wahrscheinlich immer haben, ein Brett vorm Kopf, wenn es um Fehler geht. Ich verlasse mich da wohl besser auf die Lektoren. Trotzdem finde ich es sehr wichtig, darauf aufmerksam gemacht zu werden. Liebel Grüße Jutta

Eingetragen am: 25.07.2008

Kommentar von Gerhild Bauer

Wer ist Josh? Ich bin schon gespannt auf die Auflösung dieses Rätsel.L.G Gerhild B.

Eingetragen am: 25.07.2008

Kommentar von Karin

Hallo, Jutta! Sehr spannend und geheimnisvoll ist Dein Text, ich freue mich schon darauf zu erfahren, wie es weitergeht. Ein Kritikpunkt: Die Zeitenfolge. Als Knabe war seine Haut ebenmäßig und rein gewesen. Das war zeitlich vor dem später, viel später. Seine Veränderung begann, nachdem er von dem Wasser getrunken hatte, das die Ratten bevorzugten. Josh sehnte sich zurück ..., in denen er unbeschwert sein junges Leben genossen hatte. Liebe Grüße. Karin

Eingetragen am: 25.07.2008

Kommentar von Elisabeth

Liebe Jutta, ich sehe deinen Text als interessanten Einstieg für einen Roman, in dem der Leser über Joshs Vergangenheit erfährt. Josh tut mir richtig leid!

Eingetragen am: 25.07.2008

Kommentar von Frog

Ich dachte erst, Josh sei ein Hund. Den Text hatte ich auch nicht von Dir erwartet. Cool. Mehr davon!

Eingetragen am: 25.07.2008

Kommentar von Numungo

Ein Text, der Spannung erzeugt. Was kommt? Etwas ganz großes? Kommen seine Eiterbeulen von Bakterien oder ist das Wasser vergiftet? Legt er sich womöglich mit einem Chemiekonzern an? Sind es deren Macher, die er so sehr haßt? Fragen über Fragen. Insgesamt hättest du dir etwas mehr Zeit lassen, die Ereignisse etwas ausführlicher beschreiben können. Viel Erfolg bei der Weiterführung der Geschichte, Numungo (14703, 15010).

Eingetragen am: 24.07.2008

Kommentar von Lillilu

Hallo Jutta, ich bin überrascht und erfreut, hier einem ganz neuen Thema von dir zu begegnen. Gut so! Oder ist dies immer noch dein Roman über einen Hund? Jedenfalls möchte ich ein paar Anmerkungen machen: Das mit dem Gesicht in der Pfütze liest man ja manchmal - aber hast du das mal probiert? Spiegel (oder Scherben) sind ja auch nicht teuer. Ein Knabe ist immer jung, also kein "junger Knabe". "Wenn seine Mutter ihn liebevoll.." müsste heißen "als" . "Neugier in sich": besser und einfacher "seine Neugier". Ein spannendes Thema! LG Lillilu

Eingetragen am: 24.07.2008

Kommentar von Marc

Hallo Jutta! Schön einzigartig und interessant. Welchen Grund hatte er von dem Wasser zu trinken, das den Ratten nicht schadete?

Eingetragen am: 23.07.2008

Kommentar von Angela Thies

Die Beschreibung ist sehr gut und macht mich neugierig auf die Geschichte, die dahinter steckt.

Eingetragen am: 23.07.2008

Eingetragen am: 23.07.2008 von Margyt Brewer
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15149

Nur das Schlusslicht des Zuges, der ihre beiden Buben zur Kindererholung brachte, war noch zu sehen, als Elvira das leicht feuchte Taschentuch wieder einsteckte.
Würde es den Jungen auch gefallen? Ob Dirk, der jüngere, der noch nie ohne seine Eltern verreist war, vielleicht Heimweh bekommen würde?
Mit dem tröstenden Gedanken, dass Jörg, der 5 Jahre ältere Bruder dem Kleinen sicher beistehen würde, verließ die Sechsunddreißigjährige den Großstadtbahnhof.

Es war gleich 11 Uhr und Elvira hatte einen ganzen freien Nachmittag für sich allein zur Verfügung. Wann hatte es das in den letzten Jahren einmal gegeben?
Daheim angekommen, ließ sie heute alles stehen und liegen und beschloss, die Stunden mal für sich ganz allein zu nutzen.
Sie setzte sich vor den Spiegel ihres Frisiertisches und begann mit der Hautreinigung.
Plötzlich hielt sie inne, drehte sich vor dem dreigeteilten Spiegel mal in die eine und wieder in die andere Richtung. So genau hatte sich Elvira seit Jahren nicht mehr betrachtet.
Was war denn das? Da waren doch wirklich schon einige kleine Fältchen zu sehen, die ihr beim morgentlichen kurzen Blick in den Spiegel noch gar nicht aufgefallen waren.
Früher als ganz junges Mädchen hatte sie dauernd vor dem Spiegel gestanden. Damals hatte sie sich meist ihre sie sehr störende leicht gebogenen Nase betrachtet. Hätte es damals schon Schönheitsoperationen gegeben, wahrscheinlich wäre dieser störenden Höcker dem Chirurg zum Opfer gefallen.

Wie unwichtig war ihr dieser Makel und überhaupt ihr Aussehen in den letzten Jahren gewesen!

Bei genauer Betrachtung fand sie, dass in ihrem etwas voller gewordenen Gesicht, die Nase kleiner erschien. Eigentlich, so fand sie jetzt, gab gerade diese Nase ihrem Gesicht das gewisse Etwas, was sie von einem Durchschnittsgesicht unterschied. Elvira war mit ihrem Spiegelbild recht zufrieden.
Nach einer Maske aus geschlagenem Eiweiß mit Zitronentröpfchen trug sie etwas Lippenstift auf. Die dunklen geschwungenen Augenbrauen wurden seitlich noch etwas gekürzt.
Dann betrachtete die junge Frau ihren spärlich bestückten Kleiderschrank und zog sich die erst gestern mit dem Westpaket erhaltenen getragenen Sachen an. Der dunkelblaue Faltenrock und ein zartlila Pullover mit kleinen Glitzersteinchen sah wirklich nett aus. Stolz drehte sich die 1,70 große schlanke Frau vor dem Spiegel hin und her. Jetzt störte eigentlich nur noch die Frisur. Aber woher einen kurzfristigen Termin bekommen? Unzufrieden kämmte sie ihr mittelbrauenes, halblanges, kaltwellengelocktes Haar.
Gleich morgen würde sie sich einen Friseurtermin holen.
Überhaupt beschloss Elvira, sich nun doch etwas mehr Zeit für sich selbst zu nehmen.
Zwischen Studium, Vollzeitarbeit, Kindererziehung und Haushalt war für sie selbst einfach keine Zeit mehr geblieben. Nicht nur das Äußere hatte sie stiefmütterlich behandelt, auch war sie jahrelang nicht mehr zum Lesen eines guten Buches gekommen. Das sollte von nun ab anders werden.


Kommentar von papaya10

Hallo Margyt, ich drücke dir die Daumen und vergiß neben der journalistischen Ausdrucksweise bitte nicht deine ganz persönliche, vielleicht ist die mindestens so interessant. Viel Erfolg! papaya

Eingetragen am: 29.07.2008

Kommentar von Margyt Brewer

Hallo papaya10, es freut mich sehr, dass Du mehr über Elvira erfahren möchtest. Ich möchte gern das Bild einer Frau aus der DDR in den 80gern darstellen. Möchte zeigen, welche Stadien sie von der Jungpionierin zur Republikflüchtigen durchlebt hat und wie sie dabei über Jahre gegen ihre zum Teil schlimmen Ängste kämpfte. Ein Konzept habe ich schon fertig, allerdings muss ich alles noch zu einem Roman umarbeiten. Am schwersten fällt mir dabei, die Geschichte von einer eher journalistischen Ausdrucksweise in einen interessante Rahmen zu bringen. Ich hoffe sehr, es gelingt mir.

Eingetragen am: 29.07.2008

Kommentar von papaya10

Elvira (mit dem nicht durchschnittlichen Gesicht) hat ein Westpaket mit getragenen Sachen bekommen. An dieser Stelle bin ich neugierig geworden, wer diese Elvira ist, die Kinder, Studium Vollzeitjob und Haushalt managt. Sie lebt im "Osten" vor der Wende? Ich würde gerne mehr über sie erfahren. Wie lebt sie? Was fühlt sie, wenn sie sich endlich mal wieder mit ihrem Spiegelbild trifft. Wie wird sie sich verändern? Grüße von papaya

Eingetragen am: 27.07.2008

Eingetragen am: 23.07.2008 von wupilie
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15136

Thea saß im Schlafzimmer an Ihrem kleinen Frisiertisch und schaute gut gelaunt in den Spiegel. Wieder stand ein großes Fest auf dem Hof an. Ihre goldene Hochzeit. Sollten tatsächlich schon fünfzig Jahre vergangen sein, seit sie Max, diesen jungen, attraktiven und lebenslustigen Mann geheiratet hat? Sie liebte ihn wie am ersten Tag. Max war ihr verlässlicher Ruhepol, ohne den sie sich das Leben nicht mehr vorstellen wollte.
Sie ordnete ein paar verirrte Strähnen und strich mit ihrer rechten Hand über ihr Haar. Es war immer noch dicht gewachsen und kräuselte sich in weichen Locken über ihre schmalen Schultern. Tagsüber steckte sie es zu einem eleganten Knoten. Der großmütterliche Anstrich, den ihr die weißen, langen Haare verliehen, störten sie nicht. Im Gegenteil. Thea war stolz darauf, betrachtete ihr Älterwerden mit Neugier. Sie fühlte sich nicht wie 75. Sie wusste auch nicht genau, wie es sich anzufühlen hatte 75 zu sein und war zufrieden mit dem, was ihr Spiegelbild ihr bot.
Falten zierten die von Sonne und Wind der See gegerbte Haut ihres nahezu symmetrischen Gesichts, die jede für sich ihre eigene, kleine Geschichte zu erzählen wusste. Feinste Lachfalten in den Mund- und Augenwinkeln, lange Denkerfalten auf der immer leicht gebräunten Stirn, aber auch Sorgenfalten, Spuren, die ein folgenschweres Versprechen tief in Gesicht gebrannt hatten, verliehen ihr einen weisen und würdevollen Ausdruck. Ihre braungrünen Augen waren klar und tiefgründig und blickten ihr aus dem Spiegel voller Tatendrang und Vorfreude entgegen.
Thea achtete nicht besonders auf ihren Körper und hatte nie versucht irgendwelchen Schönheitsidealen zu entsprechen. Einen Tiegel Creme, etwas Wimperntusche und ein rosenholzfarbener Lippenstift war alles, was sie dem Alter entgegensetzte. Und Walking. Walking hielt sie fit und beweglich. Früh morgens durch die erwachende Landschaft zu gehen und nichts zu hören, außer ihren gleichmäßigen Schritten auf dem taubedeckten Boden und das morgendliche Zwitschern der Singvögel, war für Sie Inbegriff tiefster Entspannung.
Ihr Körper war schlank und sie kleidete sich unauffällig. Heute nicht. Heute trug Sie einen weit schwingenden, cremeweißen Rock, der über und über mit kleinen roten und zartrosa Rosen bestickt war, dazu eine kurze. elegante Chiffonbluse. Ein passender, schmaler Seidenschal und eine Perlenkette zierten ihren zarten Hals. Gleich kam ihre Familie. Sie würden bis Sonntag bleiben, um am Samstag mit ihr und Max ein unvergessliches Fest zu feiern. Thea war gespannt und konnte die folgenden Abende mit ausgedehntem Essen, gutem Wein und interessanten Gesprächen kaum erwarten. „Es wird richtig Leben im Haus sein.“, dachte Sie. Für ein paar Tage war es ihr eine willkommene Abwechslung.

Nur ihre Enkeltochter Carolin hatte sich mit Daniel im Hotel eingebucht. Seit Carolin mit diesem Daniel verheiratet war sah Thea sie kaum noch. Sie mochte Daniel nicht und merkte, dass er Carolin nicht gut tat. Wann immer es ging, hielt Daniel Carolin davon ab, bei ihr zu sein. Sie hatte sich fest vorgenommen, sich niemals einzumischen.

Auch Hanna und Ruben waren mit Ihren Zwillingen Leo und Ben aus Hamburg unterwegs. Hanna war Ottilies Enkelin. Seit Ottilies Tod war es für Thea selbstverständlich, die Lücke, die entstanden war zu schließen. Ihre Nichte Charlotte war für Sie wie eine zweite Tochter und Hanna behandelte sie genau so wie Carolin.

Während Thea sich zurecht machte, saß Max wie so oft im Deckchair vor seinem Elternhaus, blickte in den strahlend blauen Frühlingshimmel und beobachtete eine paar Möwen, die laut kreischend hoch oben Ihre Runden zogen. Auch er wartete neugierig auf die bald eintreffenden Gäste. Umgeben von Vergissmeinnicht und Veilchen, die Thea in zahlreiche Töpfe und Kübel gepflanzt und einladend auf der Terrasse dekoriert hatte, zog er an seiner Pfeife und ließ ein Paar Tabakkringel aufsteigen.
Dieser Mai war ausgesprochen warm. Fast Sommerlich. „Es wird ein herrliches Fest.“, dachte Max und streckte die Beine aus. Er hatte sich vorgenommen diesen besonderen Tag für Thea so schön wie möglich zu gestalten.


Kommentar von Frog

Na, das ist doch mal eine angenehme Überraschung! Die warme Farbe Deiner Arbeit steht diesem Blog gut und es ist schön, dass Du ihn entdeckt hast. Deine Romanidee finde ich verheißungsvoll, gehört Thea dazu? Du beschreibst sie als eine kluge Persönlichkeit, ich mag die ruhige Atmosphäre, die du beim Schreiben schaffst. Da freue ich mich auf mehr und finde, dass hier kein Absatz überflüssig ist. Die zu erwartende Familie rundet das Bild so schön ab und macht neugierig. Bis bald und liebe Grüße.

Eingetragen am: 26.07.2008

Kommentar von wupilie

Hallo, danke für die lieben Kommentare. Es tut gut, mal ein Feedback zu bekommen. Sicher, die beiden Absätze haben hier mit der Aufgabe nichts zu tun. Aber genauso fängt mein Roman an... Ich habe es versehentlich mit einkopiert ;-) Liebe Grüße, Wupilie

Eingetragen am: 25.07.2008

Kommentar von Angela Barotti

Eine wunderbare Beschreibung. Ich bin begeistert. Allerdings hätte es für mich die beiden Absätze mit den anreisenden Gästen nicht gebraucht. Die Fülle an Namen verwirrt mich nur und sie sind auch für die Aufgabenstellung nicht von Bedeutung. Dennoch hast du dich mit deinem Beitrag ganz oben in meiner persönlichen Skala eingeordnet. :-D

Eingetragen am: 25.07.2008

Kommentar von gabi4113

Hallo wupilie, Dein Text und der Aufbau gefällt mir sehr gut. Habe zum gleichen Thema schon die Rohfassung auf meinem Laufwerk, hatte bis heute leider noch keine Zeit weiter zu schreiben. Sehr schön finde ich die Stelle mit dem Walking. Jeder der schon einmal am frühen Morgen durch den Wald gelaufen ist kann dies bestätigen.Viel Erfolg weiterhin.

Eingetragen am: 24.07.2008

Eingetragen am: 23.07.2008 von lothar Fink
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15137

Nach sieben Tagen Haft kehrte endlich innerliche Ruhe ein.
Ich saß in meiner Zelle am Tisch und schaute nach oben zum vergitterten Zellenfenster.
Wer bin ich eigentlich fragte ich mich?
Was war ich für ein Mensch, das ich von der Öffentlichkeit weggesperrt werden musste.
Bisher dachte ich ins Gefängnis gehören Monster, Menschen die Schaden anrichten.
Doch mir wurde langsam bewusst, dass man eingesperrt wird, wenn man gegen geltendes Recht, gegen derzeit bestehende Gesetze verstößt.
Ich habe mehrmals Gesetze nicht beachtet, bin also unbelehrbar!
Als erstes muss ich also lernen, nicht mehr ungesetzlich zu sein.
Wer kann mir dabei helfen?
Hier drinnen sicher niemand.
Ich stand auf, schaute in den Spiegel und sagte zu mir:
„Constantin, so geht es nicht weiter, du musst jetzt ein anderer Mensch werden!“
Dabei sah ich tief in mein Gesicht, stumm verharrte ich vor dem Spiegel und schaute minutenlang in meine blauen Augen.
Ich habe ein narbenfreies helles Gesicht, der Pony reicht bis zu den Augenbrauen.
Mit drei Fingern der linken Hand schob ich die Haare vor der Stirn beiseite und stellte fest, keine Falten zu haben.
Die Augenbrauen sind dunkelblond und leicht zusammengewachsen. Doch zwischen den Augen waren die Brauen hellblond, so dass es beim ersten Blick nicht auffiel.
Trotzdem nahm ich einen Einwegrasierer und entfernte die Brauen zwischen den Augen. Dabei fiel mir auf, dass ich auch an den Ohren kleine Härchen habe. Ich rasierte sie weg.
Aus den Ohren wuchsen sie auch, doch um diese weg zu bekommen, brauchte ich eine kleine Schere, die hatte ich jedoch nicht.
Meine Haare auf dem Haupt fielen Schulterlang glatt herab, ungekämmt und ungepflegt.
Ich drehte den aus der Wand glotzenden Wasserhahn auf und wusch mir meine Haare mit Seife und eiskaltem Wasser.
Ich wickelte mir ein Knasthandtuch um den Kopf und schaute mir wieder in die Augen.
Betrachtete meine Nase und sah, wie auch dort Haare sind. Ich zog mir mit den Fingern jedes Einzelne heraus, dabei tränten wegen des Schmerzes ein wenig meine Augen.
Um den Mund herum und an den Wangen wuchsen Barthaare.
Habe ich denn überall Haare, ich hob mein Shirt und betrachtete meine Brustbehaarung.
Auf Armen und Beinen wuchsen sie auch, nur mein Rücken und Po sind Haarfrei.
Da bin ich ja fast ein Affe.
Ich nahm die Rasierseife, den Rasierpinsel, quirlte leichten Schaum auf, verteilte ihn auf den Bartstoppeln und machte mein Gesicht frei von sämtlichen Haaren, anschließend rasierte ich meine Beine.
Ich fühlte mich nackt und zugleich sauber.
Wieder blickte ich in den Spiegel, kämmte meine nassen Haare nach hinten und legte mich aufs Bett. Arme hinter den Kopf verschränkt, die feuchten Haare spürend lag mein ein Meter achtundsiebzig großer Körper auf dem Bett.
Ich überlegte, mich in der Zelle noch sportlich zu betätigen, mit Liegestützen, Kniebeugen und so weiter, wie man es aus den Knastfilmen kannte, doch ich war zu faul.
Ich blickte durch das Gitter in die Freiheit, locker fiel Schnee zur Erde und es wurde langsam dunkel!


Kommentar von Angela Barotti

Endlich mal eine aus dem Leben gegriffene Beschreibung eines Mannes. Und blaue! Augen. Herrlich. Ich habe schon angefangen eine Allergie gegen Grün zu entwickeln, weil hier anscheinend jeder seinem Prota grüne Augen verpasst. Dein Text hat zwar noch die eine oder andere Schwäche – aber egal. Ich kann mir Constantin gut vorstellen. Nur darauf kommt es an. Die Übungsaufgabe hast du deshalb prima erfüllt. :-D

Eingetragen am: 25.07.2008

Kommentar von Numungo

Hallo Lothar, dieses Mal liest sich dein Text wieder fließend, besteht nicht nur aus Beschreibungen und Aufzählungen, sondern auch aus Gedanken und Gefühlen. Gut so! Manchmal gewinnt der Leser (zumindest ich) den Eindruck, dass der Protagonist sich im Spiegel gerade erst kennen lernt. Das ist durchaus möglich und eine interessante Perspektive. Zu Beginn hast du ein Zeitproblem. Du beginnst mit "Wer bin ich ...", was korrekt ist, dann denkst du weiter "Was war ich ...", was falsch ist. Du bist ja noch immer. Viele Grüsse, Numungo (14703, 15010).

Eingetragen am: 24.07.2008

Eingetragen am: 22.07.2008 von Pollie Bley
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15097

Es heißt, mit den Jahren würden sich „Hund und Herrchen“ immer ähnlicher sehen.
Claudio sitzt mit offenem Hemd und kurzer Hose auf der Hausbank im Sonnenschein, neben sich ein Glas Rotwein, in der Hand eine Tüte mit Maiswürfel, die er für Ranuccio und Ruffolo vor sich auf den Boden streut. Die Hängebauchschweine schnauben mit ihren Rüsseln über den Boden und fordern schmatzend Nachschub. Claudio greift nach seinem Weinglas, schwenkt es im Licht und betrachtet darin sein Spiegelbild. Die konvexe Form bricht sein in Wahrheit kaum auffälliges Schielen so, dass es wirkt, als könnte er im Juli problemlos auf den Jänner und Dezember desselben Jahres blicken. Claudio schmunzelt über die Feststellung, dass er, im Grübeln vertieft, üblicherweise die Stirn in Falten legt und die Lippen schürzt. Aufgrund der tiefliegenden Augen und seiner prägnanten Nasenlöcher sieht er so seinen Lieblingen wohl tatsächlich gleich. Auch das borstige schwarze Haar und die - bei Italienern nicht unüblichen - proportional zum Rumpf zu kurzen Beine hat er mit den Schweinen gemein.
Verstohlen prüft er seinen Bauch. Ganz so mager wie noch vor zwei, drei Jahren ist er nicht mehr, aber ehe er mit Ranuccio und Ruffolo mithalten könnte, müsste er sich noch an einigen Fässern Rotwein und tonnenweise Pasta gütlich tun. So weit wird er es jedoch nicht kommen lassen. Das Leben ist schön, er genießt es, doch nicht, ohne wieder über einen neuen Coup nachzugrübeln. Da eröffnet im Oktober diese Ausstellung in Florenz ... und da gibt es etwas, das er unbedingt haben muss ...

Eine schwarze Limousine fährt auf seinen Hof. Durch die Windschutzscheibe gaffen zwei Lackaffen auf Claudio und überlegen für einen Moment, ob sie sich möglicherweise verfahren haben.
„DAS soll er sein?“, staunt der Fahrer ungläubig.
Der andere nickt nachdenklich. „Genial“, sagt er dann und stößt beherzt die Autotür auf, „den Knilch wird keiner mit 'nem Coup in Verbindung bringen! Der sieht echt nicht helle aus. Kaum zu glauben ...“


Kommentar von Metta Maiwald

"Claudio schmunzelt..." bis "... tatsächlich gleich" ist etwas langatmig, schwerfällig und in der Wortwahl aufgesetzt. Der Rest ist Spitze! Vor allem die Beschreibung des Silberblicks ist klasse.

Eingetragen am: 08.10.2008

Kommentar von Angela Barotti

Auch mir hat der Vergleich mit den Hängebauchschweinen sehr gut gefallen. Die Idee an sich ist schon spitzenmäßig, aber auch die Umsetzung des Ganzen ist dir gut gelungen. Prima.

Eingetragen am: 25.07.2008

Kommentar von Gina K.

Ganz Prima! Meinem Geschmack entspräche eher, wenn der Ausdruck gestrichen würde: " bei Italienern nicht unüblichen", wenn die Rotweinmenge angegeben würde als "einige Hektoliter" , und die Gesamtlänge der Nudeln als "einige Kilometer". Anstelle von "gaffen zwei Lackaffen": "starren zwei geschniegelte Gestalten".

Eingetragen am: 24.07.2008

Kommentar von Pollie Bley

Danke für euer positives Feedback - das baut auf, langsam tritt die Geschichte an die Oberfläche. @ Azahar - ja, ich war etwas demotiviert - die Geschichte brodelt in meinem Kopf. Es ist so, wie wenn man am Morgen erwacht und weiß, dass man was tolles geträumt hat, aber man kommt nicht mehr so richtig drauf... Ich komme mir vor, wie auf Schatzsuche, nur, ich bin noch nicht da, wo ich den Spaten ansetzen muss um den Schatz heben. Das ist zwischendurch mühselig und es tauchen dann so Fragen auf, ob es sich denn lohnt, das Abenteuer ... Kennt ihr sicher auch alle, diese Gedanken. @rosamsa - der Jänner hat mich also verraten ;-) - ja, 50 % meiner Gene sind österreichisch @ Gerhild Bauer und Frog - es freut mich, das mein Claudio auf euch sympathisch wirkt. Ich bin selber total neugierig, wie er es schaffen will, trotz (oder gerade wegen) seiner Gaunereien die Leser auf seine Seite zu bekommen. Jedenfalls stimmt der Slogan - nicht nur für Leser: ... Abenteuer im Kopf.

Eingetragen am: 24.07.2008

Kommentar von Frog

Claudio wird mir langsam sympathisch. Wenn Du so weitermachst, wird er mir gar noch ans Herz wachsen, der kleine ladro. Das ist eine humorvolle autenthische Szene, das Präsens steht ihr perfekt.

Eingetragen am: 24.07.2008

Kommentar von Gerhild Bauer

Der Vergleich mit einem Hängebauchschwein! Alle Achtung. Claudio ist sympathisch. Hoffentlich gelingt sein Coup und hoffentlich wird er nicht zu gefährlich für ihn! L.G. Gerhild B.

Eingetragen am: 23.07.2008

Kommentar von Azahar

Hallo Pollie! Diese Beschreibung hat mich sehr sehr neugierig auf Claudio gemacht. Er nimmt sich selbst nicht ganz ernst und die Hängebauchschweine zeigen, dass er einen gewissen Sinn fürs Skurrile zu haben scheint. Und dazu ist er auch noch Kunstdieb? Jetzt bin ich wirklich gespannt! Hast du denn inzwischen schon etwas geschrieben? Ich meine ohne es hier zu veröffentlichen. Vor ein paar Wochen hast du ziemlich niedergeschlagen geklungen. LG Azahar

Eingetragen am: 23.07.2008

Kommentar von rosamsa

Hallo Pollie das ist doch mal ein Vergleich. Claudio und die Hängebauchschweine. Sehr gelungen und witzig. Er spielt mit seinem Aussehen und wird unterschätzt, was Du im letzten Kapitel gut untergebracht hast. LG rosamsa Der Jänner lässt mich fragen, bist Du Österreicherin?

Eingetragen am: 23.07.2008

Eingetragen am: 22.07.2008 von Sabine Mucha
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15095

Eva mochte nicht glauben, dass ein so stattlicher, gut aussehender Mann, Satan persönlich war.
Die kleinen Fältchen, die seine Strirn durchzogen, ließen auf viel Kummer und Schmerz in seinem Leben schließen. Sie wirkten wie Zeilen in einem Buch. Seine großen, ausdrucksvollen Augen schimmerten blau-grün, lächelten aber jedesmal, wenn er Eva ansah. Es schien fast, als hätte er Mitleid mit ihr oder wolle sie beruhigen. Als könne er ihr kein Haar krümmen. Im Gegensatz dazu sah man kein einziges kleines Lachfältchen um seinen Mund. Die Lippen schmal und verbissen. Auf der rechten Wange war eine Narbe ersichtlich, die sich bis zum Ohrläppchen zog. Wurde er geschnitten oder tief gekratzt? Eva hätte es gerne gewußt, doch sie traute sich nicht zu fragen. Sein Kinn ragte leicht nach vorne und machte den Anschein, in jedem Augenblick sein Gesicht zu verlassen. Die schmale Nase passte nicht zu den wohlgeformten, etwas dicklich wirkenden Wangen. Aufgrund der grauen Schläfen wirkte er aber attraktiv. Etwas, was viele Frauen mögen. Unter dem schwarzen T-Shirt blitzten muskulöse Oberarme hervor, was auf einen athletischen Typ schießen ließ. Sehr groß war er nicht. Eva konnte schlecht schätzen. Aber er wirkte absolut nicht bedrohlich. Und seine Hände, so zart, mit langen Fingern, die bestimmt schon Bekanntschaft mit einem Klavier gemacht hatten. Aber mit Sicherheit nicht mit harter Arbeit. Sauber gefeilte Fingernägel, keine Schmutzränder. Durch und durch eine gepflegte Erscheinung. Sah so Satan persönlich aus? Konnte dieser Mann so schreckliche Dinge tun? Konnte er vielleicht garnichts dafür? So viele Fragen und Eva fand keine Antwort.
Doch sie prägte sich jedes Detail an diesem Mann ein. Vielleicht, aber nur vielleicht, war es ja mal nützlich für sie.


Kommentar von Malea

Liebe Sabine! Es ist verdammt schwer, Satan persönlich zu beschreiben. Ich finde, du bist auf einem sehr guten Weg dazu! Ich würde dir gerne noch ein paar Sachen an konstruktiver Kritik sagen (zusätzlich zu dem von Azahar): "stattlich" bei der Beschreibung eines Mannes finde ich abgedroschen. "lächelten ABER" bei den Augen, warum "aber", das ist doch kein Gegensatz zum blaugrün schimmern. Ich glaube nicht, dass man nur mit den Augen lächeln kann. Ich habe es vor dem Spiegel ausprobiert, irgendwie fängt der Mund immer an. Man sagt doch auch, dass man echtes Lächeln erst an den Augen erkennt, weil die nur mitlächeln, wenn es von Herzen kommt (im Gegensatz zum american smile). "Narbe ersichtlich", besser "zu sehen". Das Kinn, ein schönes Bild, aber schreibe besser "und sah so aus, als wolle es jeden Augenblick sein Gesicht verlassen". Die Wangen, entweder sie sind wohlgeformt ODER wirken etwas dicklich, beides zusammen erscheint mir unlogisch. Ein kleiner Tippfehler, "athletischen Typ schLießen" - wäre ja verständlich, wenn Eva auf den Kerl schießen würde ;-) Den Satz "Konnte er vielleicht gar nichts dafür?" verstehe ich nicht so ganz, hat Eva Stockholm-Syndrom, oder warum zieht sie auch nur in Erwägung, dass das Scheusal "unschuldig" sein könnte? Das würde ich etwas genauer beleuchten. Der Satz "So viele Fragen und Eva fand keine Antwort." ist etwas unglücklich, weil es nur drei Fragen waren, und außerdem finde ich ihn ein wenig zu banal. Viel Kritik, aber das ist nur meine persönliche Meinung zum Feinschliff, ich mag deine Romanidee und deinen Stil finde ich auch vielversprechend. Liebe Grüße und nichts für ungut, Malea.

Eingetragen am: 24.07.2008

Kommentar von Marc

Hallo Sabine, ein sehr guter erster Satz und auch weiterhin spannend. Satan würde ich nicht persönlich sehen. In der allgemeinen Anschauung ist Satan doch eher unpersönlich, wandelbar, allgegenwärtig, unmenschlich - ich meine das Wort Satan spricht für sich.

Eingetragen am: 23.07.2008

Kommentar von RoseCaynon

Hallo Sabine, Dein Text ist eine sehr ausführliche Beschreibung, die sich gut liest. Wenn der Hinweis auf "Satan" nicht öfters erwähnt würde, würde der Leser selbst in Mitleid für den Mann vergehen. Die Betitelung baut aber eine Spannung auf...ich hätte daher zu Ende des Textes ein "na also"-Erlebnis erwartet...aber vielleicht muss man dafür das ganze Buch von Dir lesen, um hinter sein Geheimnis zu kommen. Also, wie geht's weiter?

Eingetragen am: 23.07.2008

Kommentar von Azahar

Die viele Widersprüche in Gesicht und Körper deuten auf die psychische Verfassung hin. Nun würde ich auch gerne wissen, was in dem Kopf deines Mörders vor sich geht. Eine kleine Anmerkung: "Wurde er geschnitten oder tief gekratzt?" - Müsste wahrscheinlich heissen: "War er geschnitten oder tief gekratzt worden?" Das ganze ist ja schon passiert, bevor Eva ihn sieht. Genau so: "...war es ja mal nützlich für sie." - Besser: "...würde es ja mal nützlich für sie sein." Das ganze deutet auf einen Zeitpunkt in der Zukunft hin. LG Azahar

Eingetragen am: 23.07.2008

Eingetragen am: 22.07.2008 von Bibi
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15093

"Schau dir dieses Bild an." Sebastian hielt mir eine gerahmte Fotografie unter die Nase. "Welche von beiden bist eigentlich du?"
Er hatte das Bild aus dem Schlafzimmer geholt, von meinem Nachttisch. Ich liebte dieses Bild. Die Fotografie war vor etwa einem Jahr bei einem Besuch in Südfrankreich gemacht worden. Auf ihr zu sehen waren zwei unterschiedliche Schwestern: Anna, die schöne Blondine, perfekt geschminkt und lachend. Neben ihr ich mit zusammengebundenen Haaren, in einem grauen Hosenanzug, zurückhaltend lächelnd.
Ich nahm Sebastian das Bild aus der Hand, warf einen flüchtigen Blick drauf, schüttelte den Kopf und stellte es auf den Wohnzimmertisch.
"Das ist doch lächerlich. Ich weiß nicht, was du meinst.", stammelte ich. Mir wurde ganz plötzlich flau im Magen. Nein, das konnte nicht sein.
"Komm mit."
Sebastian nahm mich an der Hand und führte mich ins Schlafzimmer. Vor dem großem Kleiderschrankspiegel forderte er mich auf:
"Sieh dich genau an. Wer bist du? Was siehst du?"
Ich sah eine Frau mit offenen blonden Haaren, sorgfältig geschminkten roten Lippen, einer engen Jeans und einer schwarzen Bluse.
"Vergiss die teuren Schuhe nicht.", erinnerte mich Sebastian.
Ich schaute mein Spiegelbild an, als wenn ich es zum ersten Mal in meinem Leben gesehen hätte.
"Ich lasse euch mal allein."
Sebastian verließ das Schlafzimmer.
Anna schaute mich an mit ihren dunkelblauen Augen. Unwillkürlich musste ich lächeln. Anna hatte Grübchen wenn sie lächelte, ich hatte keine. Ich blickte an mir herunter und erkannte Annas Kleidungsstil. Glücklicherweise hatten wir die gleiche Schuhgröße. Mein Blick wanderte zurück in den Spiegel. Ungläubig und ernst. Hatte ich wirklich mein eigenes Leben vollkommen aufgegeben und war in Annas Haut geschlüpft? Dabei konnte ich, ausgerechnet ich, sie doch gar nicht ersetzen. Trotzdem wie die alte Elena fühlte ich mich schon lange nicht mehr.
Ich streckte die Hand nach meiner verstorbenen kleinen Schwester aus und wollte ihr übers Haar streichen, aber der Spiegel hinderte mich daran. Was ich fühlte war kalt und glatt. Wütend fuhr ich mir mit dem Handrücken über den Mund und wischte den Lippenstift ab. Warum hatte sie mich allein gelassen? Ich brauchte sie doch so sehr. Mit der geballten Faust schlug ich gegen den Spiegel. Es tat weh, aber es war kein Vergleich zu dem Schmerz, den ich innerlich empfand. Ich tat es wieder und wieder. Sebastian kam herein, packte mich und hielt mich solange in seinen Armen fest, bis ich mich beruhigt hatte.
Er brachte mich ins Bett. Kurz bevor ich einschlief murmelte ich noch:
"Wen liebst du jetzt eigentlich. Mich oder Anna?"


Kommentar von papaya10

eine klug eingefädelte bewegende Geschichte. Am stärksten ist für mich das Bild wie Elena die verstorbene Schwester im Spiegel berühren will. Ich würde "aber der Spiegel hinderte mich daran" weglassen. Braucht es nicht.Gerne hätte ich weitergelesen was ihr an dieser Stelle durch Herz und Kopf geht. Grüße von papaya

Eingetragen am: 27.07.2008

Kommentar von Angela Thies

Ein sehr tiefegehendes Thema - die verlorene Schwester, das verlorene Ich - anrührend gschrieben. Wen liebt Sebastian? Damit taucht auch die Frage auf, wen liebt sie?

Eingetragen am: 24.07.2008

Eingetragen am: 22.07.2008 von Thomas Gohlke
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15090

Der Leiter des Bundeskriminalamtes Radeki fragte in die Runde, mit wem haben wir es zu tun, wer ist Peter Pasternak?
„Und ich will nicht wissen welche Haarfarbe, welche Augenfarbe und so weiter, denn in der heutigen Zeit können wir alles verändern, Haarfarbe, Gesichtsoperationen und so weiter. Wer ist er will ich jetzt wissen?“
Simone von der Kripo Berlin erzählte, dass sie Peter noch von der Schule kenne und beim letzten Klassentreffen erfahren konnte, das auch er mal Staatsdiener war. Genau gesagt, er war mal Polizist. Er kannte sich also bei der Vorgehensweise von Fahndungen aus, ist ausgebildet in einigen Kampfsportarten und hatte gelernt sich im Gelände anzupassen.
Da er auch viele Jahre auf dem Flughafen tätig war und viel in der Welt herumkam, kennt er wie ein Matrose auf jedem Hafen Leute, Menschen die ihn vielleicht helfen würden.“
„Okay“, sagte Radeki, „was haben wir noch?“
Eine Pressedame von der Bunt Presse, Abteilung Sport und Kultur erwähnte, das er auch im hohen Alter mit seiner Sportmannschaft mehrmals Berliner Meister sowie Pokalsieger wurde und im letzten Jahr sogar die deutsch Vizemeisterschaft erreichte, so das er auch noch sehr fit sein musste!
Auch ein Polizeikommissar Namens Brause meldete sich zu Wort:
„Meine Frau hatte mal ein Verhältnis mit Pasternak, da bekam ich mal die Gelegenheit, ihn kurz in die Augen zu sehen. Er besitzt ein sehr verwegenes, männliches, düsteres, verwittertes Gesicht, jedoch seine warmen blauen Augen leuchten und sind atemberaubend. Mit diesem Blick lässt er die Herzen der Frauen höher schlagen und wenn er dazu lächelt, möchte jeder diesen Augenblick wieder und wieder erleben!“
„So, nun gut“, fällt Radeki ein. „Schluss mit der Gefühlsduselei!“
„Haben wir dann fürs erste alles?“
Ein weiterer Beamter erwähnte still aus einer dunklen Ecke des Raumes heraus:
„Das wichtigste wurde vergessen, er hat etwas, was er nie verändern kann!“
„Er ist Zwei Meter und sieben Zentimeter groß!“


Kommentar von Marc

Hallo Thomas! Und so weiter, ist zwei mal in einem Satz, würde ich ändern. Die Worte des Kollegen Brause sind so geschrieben als sagte es eine Frau. Zwar sind die Informationen von dessen Frau, aber ein Mann, würde niemals so anhimmelnd über ein anderen Mann sprechen, schon gar nicht, wenn es sich um einen Konkurrenten handelt. Ich habe aus dem Text nicht erkennen können, ob Peter Pasternak die Frau des Kollegen Brause vor ihm oder während sie mit ihm zusammen war gekannt hat. Für deinen Text wäre es nützlich, wenn Brause als Betrogener Mann mit Pasternak Bekanntschaft gemacht hätte, dann könnte dieser abfälliger, aggressiver und spannender über Pasternak (als Antagonist)urteilen; und dass würde doch in dein Konzept passen. Oder?

Eingetragen am: 24.07.2008

Eingetragen am: 22.07.2008 von Lichterfield
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15084

Wer bin ich?
Sie saßen stumm voreinander, hielten sich an den Händen und sahen sich in die Augen. Eine Unterhaltung war ungewöhnlich in der Kugelwelt. Aber es funktionierte. Saphira hatte sie gerufen und ihre Mutter hatte sich materialisiert und eine Gedanken absorbierende Kapsel um sie herum gelegt. So konnten sie ungestört miteinander kommunizieren. Auf der Bildwand ging die Sonne unter, der Abendstern leuchtete, die Nacht begann.
„Wer bin ich“, dachte Saphira und die Gedanken ihrer Mutter trafen sie tief im Innern.
„Du bist einzigartig. Keine Reproduktion, kein Klon-Kind. Du bist wirklich du.“
Frieden breitete sich zwischen ihnen aus.
„Du hast einen starken Willen, Mut und Neugier. Aber du überschreitest Grenzen. Das macht dich anfällig in unserem System, Saphira.“
Sie hatte sie noch nie bei ihrem selbst gewählten Namen genannt.
„Hat mein Vater dich geliebt?“ Saphiras wagte diesen Gedanken und ihre Mutter lächelte.
„Das hast du von deinem kleinen Erden-Freund. Er ist gefährlich für dich. Wir haben alle Gefühle getilgt! So etwas Altmodisches. Wir brauchen nicht Gefühle wie die Liebe, weil wir alle miteinander verbunden sind im Denken und Fühlen. Liebe!
Wir leben in der universalen Liebe.“
Saphiras Konzentration war gezielt auf ihre Mutter gerichtet.
„Wie bin ich zur Welt gekommen?“
„Im Reagenzglas, wie wir alle! Uns hat man manipuliert, deinen Vater und mich. Gene entnommen, andere dazugetan, die Intelligenz gepuscht, sogar unsere Augenfarben bestimmt, Größe, Haarfarbe usw. Bei dir aber haben wir etwas ganz Außergewöhnliches gewagt: Wir haben das beste Ei von mir mit einer leuchtend orangenfarbenen Eihülle genommen und Spermien von deinem Vater injiziert. Das ganze Forschungslabor sah zu, wie Ei- und Samenzelle verschmolzen und sich der Embryo entwickelte.“
„Deine Augen leuchten, Mutter. Das nennen sie auf der Erde Liebe! Du kennst also Liebe! Die Liebe zu mir! Behalte das Gefühl, bitte, wenigstens dieses eine Gefühl!“
„Wir haben alles dem Zufall überlassen, nicht an Genen manipuliert, kein Zuchtversuch in irgendeine Richtung. Nicht einmal dein Geschlecht haben wir bestimmt! Mehrmals täglich standen wir vor der künstlichen Gebärmutter und sahen dir beim Wachsen zu. Jeden kleinen Finger, die wohlgeformten Ohren, die Füßchen begrüßten wir. Du hast oft am Daumen genuckelt. Alle im Labor bewunderten unseren Mut. Es hat sich gelohnt. Du bist bis heute ein selbstbewusstes, kluges Kind. Bleibe ganz bei dir. Du bist stark und ehrgeizig.“
„Ich sehe durch deine hellen Augen, Mutter. Und ich sehe Angst.“
„Du hast die Sensibilität von deinem Vater, die krausen Locken und die bernsteinbraune Haut. Manchmal hast du seinen Humor. Und du gehst am liebsten barfuss, genau wie er. Und wenn du deinen Kopf schief hältst und mich von unten fragend ansiehst…“
„Du weißt, dass ich den ausgestoßenen Kuglern helfen muss, damit ihr Wissen nicht vernichtet wird. Du weißt, dass ich dafür ausgewählt wurde – von Saphirus und seinen Freunden. Du weißt, dass ich daran nichts ändern kann. Du weißt das alles!““
„Du wirst für das Kugelsystem zum Risiko. Du spielst bedrohlich mit deinem Ausschluss aus dem System. Ich möchte dich nicht verlieren, Saphira.“
„Du wirst mich verlieren, wenn ich dir nicht vertrauen kann, Mutter.“


Kommentar von Numungo

Eine Personenbeschreibung, die bereits in der (künstlichen) Gebärmutter begingt! Eine tolle Idee. Und über der schönen Beschreibung schwebt eine ständige Bedrohung. Die gefühllose Mutter hegt liebevolle Gefühle, auch wenn sie es nicht zugibt. Viele Grüsse, Numungo (14703, 15010).

Eingetragen am: 26.07.2008

Kommentar von Angela Barotti

Das junge Mädchen fragt die Mutter nach dem unbekannten Vater aus und erfährt so im (telepathischen) Gespräch von den Gemeinsamkeiten, die es mit dem Erzeuger hat. Eine klasse Idee, wie ich finde, um die Aufgabe zu lösen. Mir hat dein Beitrag sehr gut gefallen. :-)

Eingetragen am: 25.07.2008

Kommentar von papaya10

Hallo Lichterfield, du kannst schreiben, klug und gefühlvoll, nicht den Mut verlieren, vertrau dir. Ich bleib dran an deiner Geschichte und bin gespannt. Herzliche Grüße papaya10

Eingetragen am: 23.07.2008

Kommentar von Gina K.

Ökonomische Lösung der Beschreibungsaufgabe: In der schönen neuen Welt werden Eigenschaften und Aussehen der Nachkommen gemäß eines Wunschkatalogs festgelegt und können jederzeit mit der Checkliste verglichen werden. Nur die Gefühlslage der Vitrowesen schwankt in tolerablen Abweichungen. Folglich gibt es noch Romanschreiber und -leser, die in unproduktiver Weise Zeit verschwenden mit nostalgischen Spielen auf der guten alten Erde. Das kann noch spannend werden für Rubina und Zirkonius. Huxley läßt grüßen.

Eingetragen am: 23.07.2008

Kommentar von Marie Stiehl

Voll genial,die Idee. Beim lesen kommt man ans Nachdenken. Sehr gefühlvoll geschrieben. Ich bin gespannt wie es weitergeht. Gruß Marie.

Eingetragen am: 22.07.2008

Eingetragen am: 22.07.2008 von guenni
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15078

Karin lässt eine Bombe platzen

Durch den Straßenring neben dem Café, in dem ich mich für Mittag mit meiner neuen Nachbarin verabredet habe, schiebt sich eine nicht endend wollende Verkehrskolonne - dazwischen Fußgänger, die unter wütendem Gehupe über die Straße eilen. Das Café ist stark besucht, die Fenster sind weit geöffnet, der Geräuschpegel entsprechend hoch.

Meine Nachbarin Karin ist blond, um die Dreißig und hat katzenhaft geschminkte grüne Augen - ein Frauentyp, der Männerblicke auf sich zieht! Wegen des Verkehrs und eifrigen Stimmengewirrs können wir uns nur schreiend verständigen.

"Was machst Du eigentlich beruflich?" will ich von ihr wissen. Nicht nur ich, auch die Herren an den Nachbartischen sind ganz gespannt auf ihre Antwort...Irgendwie aber scheint ihr die Frage peinlich, denn sie quält ein: "Ich arbeite beim Finanzamt" heraus und wird rot.

„Tippst Du etwa Steuererklärungen in den Computer ein?" frage ich trotzdem neugierig weiter - da werden unsere Hörnchen schon serviert.

Beinahe hätte der Kellner mein Croissant fallen lassen, so gebannt bleibt sein Blick an Karins tiefen Ausschnitt hängen. Karin wartet mit der Antwort, bis er weg ist und lässt dann noch sicherheitshalber einen großen LKW vorbeirauschen.

Kommt es mir nur so vor, oder ist der gestylte Glatzkopf am Nebentisch von hinten ein Stückchen näher an ihren Stuhl gerückt? Karin wirft einen unsicheren Blick zurück, beugt sich weiter zu mir vor und holt tief Luft für ihre Antwort. Genau in diesem Moment macht der Verkehr eine Pause - die Ampel ist rot - und es schallt durchs Lokal: "Ich bin bei der Steuerfahndung - willst Du mal meinen Ausweis sehen?"


Kommentar von papaya10

die geschichte mäandert ein bißchen unschlüssig hin und her. Bis zum Schluß die Pauke schlägt. Klasse Szene! Grüße von papaya

Eingetragen am: 27.07.2008

Kommentar von Numungo

Eine interessante Geschichte, wenngleich die Beschreibung des Cafes und der Umgebung deutlicher ist, als die der Nachbarin. Viele Grüsse, Numungo (14703, 15010).

Eingetragen am: 26.07.2008

Kommentar von Gina K.

Ich bin Steuerfahnderin. DIE Antwort für zudringliche Glatzköpfe.

Eingetragen am: 23.07.2008

Kommentar von Monika

Ich stelle mir Karin nun also als äußerst attraktive, wenn auch etwas schüchterne Person vor... Die Szene kann ich mir gut vorstellen - vor meinem inneren Auge ist Karin gerade puderrot angelaufen.

Eingetragen am: 22.07.2008

Kommentar von Marie Stiehl

Witzige Geschichte. Ich kann mir die Katzenaugen und den Rest der neuen Nachbarin gut vorstellen. Gruß Marie.

Eingetragen am: 22.07.2008

Eingetragen am: 22.07.2008 von Monika
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15075

Die Morgensonne schien zur Praxis herein und bahnte sich ihren Weg durch zartgelbe Vorhänge, um an der gegenüber liegenden Wand einen stimmungsvollen Druck von Monets "Frau mit Sonnenschirm" zu bescheinen.

In dem kleinen Vorraum stand ein Schreibtisch, davor ein Empfangstresen. Jeweils ausgestattet mit der ganzen Technik, die eine moderne Praxisverwaltung zu bieten hatte.
An dem Tisch saß eine junge, sonnengebräunte Frau in weißem Top, eine dampfende Kaffeetasse vor sich. Sie studierte die vor ihr liegende Bewerbung, als die Tür schwungvoll aufgestoßen wurde und Dr. Barbara Stetten mit einem fröhlichen "Guten Morgen, Corinna!" herein kam.

"Du kannst die Bewerbung weg legen, ich hab´ jemanden gefunden!" Ihr Gegenüber hob den Kopf und schaute Barbara fragend an. "Wen?"

Du hast sie schon einmal gesehen. Bei der Einweihung meiner neuen Räume im letzten Herbst. Ich glaube, ihr habt euch sogar kurz unterhalten. Es ist meine Freundin Mia!" Corinna legte ihr hübsche Stirn in Falten und dachte nach...

"Ich kenne Mia schon seit dem Kindergarten. Und nachdem wir dem fiesen Peter die Sandschaufel über gezogen hatten, weil er uns mit seinen ständigen "Fettpopo!" rufen genervt hatte und wir uns - mit Hand geben! (Barbara schüttelte sich allein bei der Erinnerung daran) - bei ihm entschuldigen mussten, war unsere lebenslange Freundschaft besiegelt." Barbara lachte.
"Du wirst dich mit ihr verstehen. Mit Mia kann man Pferde stehlen. Du kannst dich auf sie verlassen, prima mit ihr lachen und lästern... was dir sicher besonders wichtig sein dürfte!"

Corinna lief rosa an. "War das die mit dem knallroten Kleid und den braunen Locken? Die auch so gerne Krimis liest? Wo dann der Mann anrief weil eines der Kinder krank geworden war und sie dann gehen musste?" "Ja, das ist Mia! Sie liest schon immer gerne und viel.... Früher hat sie auch kleine Texte geschrieben, für die Schülerzeitung zum Beispiel, oder auch mal ein kleines Theaterstück für unsere Abi-Feier. Das kann sie wirklich gut. Schade, dass sie aus diesem Talent nichts gemacht hat. Sie hat einige Semester Grafikdesing studiert, bevor sie schwanger wurde....."

"Nun denn, hoffentlich kann sie auch Word und Exel... und unsere Praxissoftware..." - "Das bringst du ihr schon bei..."

Maulig schob Corinna ihre Tasse bei Seite. "Eigentlich dachte ich, ich bekomme Entlastung und nicht jemanden, dem ich noch alles beibringen muss..." ...aber da war Barbara schon in ihrem Zimmer verschwunden.


Kommentar von Angela Barotti

Ich schließe mich Gina in dem Punkt an, dass die Idee mit der Bewerbung gut ist. Ansonsten erfahre ich nur, dass sich eine gebräunte Frau im weißen Top mit ihrer Chefin über eine Frau im knallroten Kleid mit braunen Locken unterhält. Keine der drei Frauen nimmt in meinem Kopf Gestalt an. :-( Allerdings ist der zukünftige Konflikt gut zu ahnen. Hier baut sich eine Rivalität unter Kolleginnen an. Mobbing wohl inbegriffen.

Eingetragen am: 25.07.2008

Kommentar von Gina K.

Von einer Bewerbung aus eine Personenbeschreibung zu liefern, ist ideal, wenn auch naturgemäß vom Bewerber geschönt. Ergänzende Kommentare wirken somit völlig zwanglos. Hier scheint die Praxisführung recht familiär zu sein.

Eingetragen am: 23.07.2008

Kommentar von Marie Stiehl

Die Beschreibung ist gut gelungen. Habe ich gerne gelesen. Witzige Idee mit der Bewerbung. Gruß Marie.

Eingetragen am: 22.07.2008

Eingetragen am: 22.07.2008 von Heidrun
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15074

Es schien sich nichts zu ändern. Die Stunden flossen ineinander wie eine zähe klebrige Masse. Der Himmel war jeden Tag mit grauen Wolken verhangen, aus denen es in Strömen regnete. Das erinnerte mich an meine Kindheit und die stillen Stunden zu Hause, in denen ich nicht nach draußen zum Spielen gehen konnte, weil der Regen vom Himmel prasselte und der Tag sich leise und schnell in die dichte Dunkelheit schlich. Wenn dann die weißen Nebelschleier aus den grau grünen Bergen stiegen sagte meine Mutter: "Da oben kochen die Hexen." Ich stand am Fenster und drückte mir vor Langeweile die Nase platt. "Ich sehe keine Hexen," sagte ich und zog dabei die Stirn in Falten wie mein Vater, weil das erwachsen aussah."Schau nur hin, sie geben sich nur zu erkennen wenn man sie genau beobachtet," riet Mutter lächelnd. "Ich glaube, jetzt sehe ich eine Hexe," sagte ich nach einer Weile. "Sie hat einen großen schwarzen Mantel an und reitet auf einem zerfransten Reisigbesen." "Siehst du, ich habe dir doch gesagt, du wirst sie erkennen.Das ist die Oberhexe, die um den Kochtopf herumfliegt, um nachzusehen ob die Unterhexen gut gekocht haben."
Wenn Vater nach Hause kam, nahm er mich auf den Schoß und ich erzählte ihm alles über die Hexen. Dann strich er mir lächelnd über den Kopf und sagte: "Du bist eine gute Geschichtenerzählerin." Danach kaufte ich mir ein schwarzes Schulheft und schrieb eine Hexengeschichte. Der Geschichte über die Hexen folgten viele andere über Zwerge Elfen und Kobolde, die meine Eltern begeisterten.
Ich ging ins Schlafzimmer.Auf der Kommode stand ein Kinderbild von mir.Es zeigte mir ein fröhlich lachendes aufgewecktes Kind mit blauen strahlenden Augen, die neugierig in die Kamera sahen.Ich sah der Elfe ähnlich, die ich in meinen Geschichtchen beschrieben hatte. Klein, leicht, glücklich und jederzeit dazu bereit, die Wünsche meiner Mitmenschen zu erfüllen und sie zu bezaubern.Doch als ich nun vor den Spiegel trat, sah mir ein verhärmtes Gesicht entgegen. Die kleinen Falten um meinen Mund und die Nase waren keine Lachfalten. Zwischen den Brauen hatte ich eine steile Falte und meine Haare hingen ungepflegt herunter. Meine Freundin Veronika war eben so alt wie ich. Sie sah immer wie aus dem Ei gepellt aus und hatte keine einzige Falte im Gesicht. War ihr Leben anders, freier, besser? Ich wusste es nicht, denn darüber redete sie mit mir nicht.
Aber meinem verhärmten Gesichtsausdruck war nicht mit Creme beizukommen. Ich musste etwas ändern. Ich musste alles ändern.


Kommentar von papaya10

die ersten Sätze gefallen mir auch am besten. Leichtfüßig melnacholischer Einstieg in die Kindheit. Ich wünsch mir mehr über die Protagonistin mit den vielen Gesichtern.l.G. papaya

Eingetragen am: 27.07.2008

Kommentar von Numungo

Du hüllst deinen Text in schöne Beschreibungen. Besonders gut gefallen mir die ersten Sätze. Und dann erinnerst du mich an meine Kindheit. Auch wir hatten einen Blick aus dem Küchenfenster auf den nahen Wald, in welchem nach Regen im Sommer die Hexen kochten; im November war es der Nikolaus, der die Weihnachtskekse buk. Viele Grüsse, Numungo (14703,15010).

Eingetragen am: 26.07.2008

Kommentar von Angela Barotti

Dein Beitrag hat mir gut gefallen. Schön fand ich, wie du über das Wetter in die (unbeschwerte) Kindheit zurückgefunden hast. Anhand der exakten Beschreibung des heutigen (sorgenvollen) Aussehens deiner Prota wird der Leser neugierig gemacht, welches Schicksal hier wohl zugeschlagen hat.

Eingetragen am: 25.07.2008

Kommentar von Marie Stiehl

Die Geschichte hat mich am Anfang zum Schmunzeln gebracht. Die Beschreibung finde ich gut gelungen. Von früher und von heute. Komisch, manche Leben verlaufen irgendwie glatter andere nicht ganz so. Ich glaube oft liegt das an der eigenen Einstellung. Mich würde interessieren, warum sie so tiefe Falten hat und weshalb ihr Gesichtsausdruck verhärmt ist! Ich hoffe im Laufe der Geschichte stahlen die blauen Augen wieder. Freue mich auf mehr. Gruß Marie.

Eingetragen am: 22.07.2008

Eingetragen am: 22.07.2008 von Eva Marie Iffland
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15073

Elisabeth, geboren 1894

Sieben Fotos widerspiegeln ein Lebensbild
1913

Die Kaffeetafel ist im Garten gedeckt. Die Töchter von Adam und Dorothea Ruppel haben zum Fotografieren platzgenommen.
Elisabeth und ihre Schwestern tragen schwarze Röcke und wunderschöne weiße Blusen, die sich in ihrer Pracht übertreffen.
Der asymmetrische Spitzenkragen an Sophies Bluse zieht bewundernde Blicke ebenso auf sich, wie die Spitzenrüschen an der Bluse von Marie..
Kindlich dagegen wirkt Marianne neben der Schwester. Sie ist noch ein Schulmädchen. Große Schleifen halten ihre Zöpfe zusammen und verdecken fast die Stickerei ihrer Bluse.
Dinas Zöpfe sind bereits hochgesteckt, ihr Blüschen ist noch kindhaft schlicht.
Die ältere Elisabeth hat wie alle Ruppels Mädchen das Nähen gelernt. Der Spitzenbesatz an ihrer Bluse ist sehr edel und lässt die Freude der Schneiderin am Gestalten und Nähen ahnen..
Neben ihrem Stuhl steht Otto, der kleine Bruder.
Elisabeth hat ihren Arm um ihn gelegt und Otto schmiegt sich liebevoll an die große Schwester.
Das Hausmädchen bringt ein Tablett mit Kuchen.
Die Tassen stehen schon auf dem Tisch. Sie haben das gleiche Dekor wie die Tischdecke. Frisch aufgelegt zeigen sich noch die Falten der zusammengelegten Tischwäsche.
Die im Moment der Aufnahme festgehaltenen Gesichtszüge der kleinen Gesellschaft sind freundlich aber ernst. Kein Lächeln ist zu sehen. Der Betrachter spürt noch die Trauer um die verunglückten Schwestern. Es ist das erste Foto nach der schrecklichen Brandkatastrophe.

1919

Dieses Foto zeigt eine ganz andere Elisabeth. Statt der prächtigen Bluse trägt sie ein schlichtes, weißes fast knöchellanges Kleid, das an die Reformkleider der Jugendstilzeit erinnert. Sie steht an einem hohen, schmucken Kinderwagen mit großen Rädern. Darin sitzt ihr Sohn Alfred. Siegfried, der Erstgeborene, steht an der anderen Seite. Der blonde Junge, eine Hand am Wagen, die andere im Hosentäschchen, trägt einen bestickten weißen Anzug. Alfred schaut munter zwischen den kleinen Gardienen des Verdecks in die Welt.

Elisabeth ist ganz ihren Kindern zugewandt. Ihr freundlicher Gesichtsausdruck und ihre Haltung zeigen Selbstbewusstsein und Verantwortungsgefühl für die zwei Kinder, aber auch den Ernst der Zeit.

1928

Ein Wagen ist auch Mittelpunkt der nächsten Fotografie. Es ist aber kein Kinderwagen, sondern ein Auto, ein Dixie. Der steht vor dem Haus der Schwester Marie und Elisabeth sitzt auf dem Trittbrett des Autos. Die Haare sind zum Bubikopf geschnitten und frisiert. Sie trägt ein kniekurzes, ärmelloses buntes Kleid. Ihr dritter Sohn Karl-Heinz, etwa drei Jahre alt, sitzt neben ihr. Alfred im weißen Matrosenanzug steht am Auto. Offensichtlich hatten die Drei gerade einen Spaß, sie sehen froh und unbeschwert aus, als wollten sie sagen: „Schön ist es, auf der Welt zu sein!“.

1936

Wieder sind acht Jahre vergangen. Zu den drei Jungen hat sich noch ein kleines Mädchen gesellt. Elisabeth stellt sich mit ihrer Familie dem Fotografen. Die Zeit der kurzen Röcke ist vorbei. Elisabeth trägt ein für die Zeit modernes Kostüm, einen wadenlangen Rock und eine kurze Jacke, darunter eine gestreifte Bluse. Sie sieht schick und elegant aus. Eine Hand hat sie auf die Schulter ihres Sohnes Karl-Heinz gelegt, der fast so groß ist wie Elisabeth. an der anderen hält sie ihr Töchterchen. Evi, ein zierliches Kind, trägt ein Mäntelchen und hat eine große Schleife im Haar. Neben Elisabeth steht ihr Mann und hinter ihr der älteste Sohn. Das kleine blonde Bürschchen, das am hochrädrigen Kinderwagen stand, ist inzwischen ein erwachsener Mann. Er überragt den Vater. Beide sind exakt und elegant gekleidet.
Der Mittelpunkt dieser glücklichen Familie ist Elisabeth. Hier, wie auch auf den anderen Fotos, spürt der Betrachter, Elisabeth ist die, die die Familie zusammenhält.

1942

Elisabeth, wie immer geschmackvoll und elegant gekleidet. hat ihren Mann untergehakt. Beide schlank und gut aussehend sind sie ein schönes Paar. Ihre Blicke sind zueinander gerichtet. Die Kinder sind selbstständig. Erwartungsvoll schreiten sie in einen neuen Abschnitt ihres Lebens.

Zwischen diesem Bild und dem folgenden liegt die schwerste Zeit, die Elisabeth erleben musste. Der Zweite Weltkrieg ist ausgebrochen und die Söhne werden zum Kriegsdienst eingezogen. Siegfried wird im Kessel von Stalingrad vermisst und Alfred ist in Russland gefallen. Der jüngste Sohn kommt schwer verwundet nach Hause. Elisabeth kann diese Schicksalsschläge nicht verkraften. Jedes Lachen ist verstummt. Jahre lebt sie ohne Freude und Hoffnung dahin.

1956

Das folgende Bild zeigt Elisabeth wieder mit zwei kleinen Kindern, die sie auf dem Arm hält und sie lächelt so selig, wie noch auf keinem Foto zuvor. Es sind ihre Enkelchen, die Kinder der Tochter, die Elisabeth die Freude wieder gegeben haben. Der Kleine, ein halbes Jahr alt, schläft selig in Omas Arm und die Dreijährige hat sich eingekuschelt und ist genauso glücklich wie ihre Großmutter. Elisabeth kann ihre Enkelkinder in vollen Zügen genießen. Sie hat keine Verantwortung mehr und keine Pflichten. Es ist für mich das schönste Bild, dass ich von meiner Mutter habe.

1970

Das siebte Bild zeigt fünf alte Damen beim Spaziergang. Es ist nur schwer vorstellbar, dass es die fünf strahlenden Schwestern von der Kaffeetafel des ersten Bildes sind. Fünf kleine alte Frauen, zu zweit und zu dritt eingehakt, spazieren mit ihren Stöcken dahin. Man hört förmlich, wie sie untereinander erzählen. Die Kleinste und Dünnste ist die Älteste. Mit diesem Bild schließt sich der Lebenskreis. Jede der Mädchen hat ihr Leben gelebt, aber gleichzeitig in der familiären Bindung Halt und Sicherheit gefunden.


Kommentar von Eva Marie Iffland

Hallo, Ihr Lieben, ich bedanke mich herzlich für die Kommentare. Von Elisabeth werde ich noch viel berichten. Sie ist eine Hauptfigur in meinem Buch. Liebe Grü0e Eva

Eingetragen am: 28.07.2008

Kommentar von Eva Marie Iffland

Hallo Nurmungo, Dein romantischer Text gefällt mir sehr gut. Dir sind wunderschöne Wortbilder gelungen. Was hast du mit der Erzählidee vor? Ich könnte mir ein Märchen für Erwachsene gut vorstellen. Viele Grüße Eva

Eingetragen am: 28.07.2008

Kommentar von Numungo

Ein Fotoalbum erzählt eine Lebensgeschichte, auch wenn viele Bilder fehlen. Eine großartige Idee, sehr gut umgesetzt. Ich bin gespannt, was sonst noch kommt. Viele Grüsse, Numungo (14703, 15010).

Eingetragen am: 26.07.2008

Kommentar von Gerhild Bauer

In deinem Beitrag 14579 hast du geschrieben: Ich habe noch viel vor. In diesem Beitrag hast du uns gezeigt, wie du das meinst. Ich freue mich schon auf deinen nächsten Beitrag. Die Idee mit den Fotos finde ich genial!L.G.Gerhild B.

Eingetragen am: 23.07.2008

Kommentar von Lillilu

Wunderbar, Eva Marie! Wie schön, dass du diese Fotos besitzt. Bei der Beschreibung der Mode werde ich auch gelegentlich noch einmal einen Blick drauf werfen, wenn ich meine Elsa ankleide. Ich hoffe, du erzählst in deinem Buch auch all die Geschichten und Details, die zwischen den Fotoaufnahmen liegen, oder? LG lillilu

Eingetragen am: 23.07.2008

Kommentar von Sabine Mucha

Hallo Eva Marie! Meisterleistung! Ein Leben, kurz beschrieben und doch so bildlich dargestellt! Ich habe die Jahre richtig mit gelebt. Super beschrieben. Grüssle Sabine

Eingetragen am: 22.07.2008

Eingetragen am: 22.07.2008 von Angela Barotti
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15063

Wirre Musenträume oder: Kleine Hommage an Rumpelstilzchen

Ich träume davon, dass sich Numungos kleiner Mann in meinem Kopf befindet. Um ihn näher betrachten zu können, zoome ich ihn heran. Nein, es ist nicht der von Numungo. Es ist mein eigener, und er sieht genauso aus wie Rumpelstilzchen. Zur Begrüßung nickt er mir kurz zu, schüttelt dann aber missbilligend den Kopf und tippt ungeduldig mit seinem rechten Fuß mehrmals auf den Boden. „Du kannst nicht als bekannt voraussetzen wie ich aussehe“, schimpft er. „’Sieht genauso aus wie Rumpelstilzchen’. Was ist das für ein Mist? Beschreibe mich gefälligst anständig. So wie die Übungsaufgabe es verlangt.“
Aber ich verweigere mich. „Nö. Du bist ein Klassiker. Da erwarte ich, dass jeder dein Aussehen kennt.“
„Unbelehrbar, diese Frau“, murmelt er. „Das gibt eine Sechs. Deine Versetzung ist gefährdet.“
Ich lache. Doch mein Lachen vergeht mir, als ich mit ansehen muss, wie Rumpelstilzchen sich verdoppelt, verdreifacht, vervierfacht. Immer mehr und mehr von ihm erscheinen in meinem Kopf, füllen diesen aus, bis kein Platz mehr übrig ist für irgendeinen anderen Gedanken.
„Geht alle weg“, rufe ich ärgerlich.
„Vorher müssen wir hier noch kräftig ausmisten“, ordnet das Ober-Rumpelstilzchen an und all seine Klone stimmen mit ein: „Ausmisten, ausmisten.“
Jeder greift sich einen Besen und sie fegen und fegen durch mein Gehirn, bis der Staub mir die Sicht nimmt und ich nicht mehr weiß was oben und unten ist.
Als es sich aufklart, eilen die Männchen von Hirnzelle zu Hirnzelle und knipsen sie an. Es wird ganz hell in meinem Kopf. Ein geschäftiges Summen und Brummen hat eingesetzt. Der Dornröschenschlaf in diesem Areal ist beendet. Wachgeküsst durch kleine Kerle, die Rumpelstilzchen ähneln. Doch sie tanzen nicht herum und singen dazu: „Ach, wie gut das niemand weiß …“

Ich träume von dicken Federbetten, in denen ich mich schweißgebadet hin und her wälze. Und von einem überdimensionierten hölzernen Schubkasten, der lautlos heranschwebt und der die Aufschrift ‚Hausfrauen’ trägt. Etwas greift nach mir, will mich dort hinein stecken. Ich wehre mich verzweifelt, schlage um mich. „Ich will nicht in deine Hausfrauenschublade“, schreie ich laut. „Ich will nicht, dass sich deine festgefahrene Meinung bestätigt. Ich will, dass du in meiner Schädelhöhle auf Intelligenz stößt.“
Rumpelstilzchen sitzt am Bettrand und wischt mir mit einem feuchten Lappen über meine fieberheiße Stirn.
„Mensch Kleene. Trink deine Mülch, dann wird allet jut“, sagt er.
„Gar nichts wird gut“, schluchze ich. „Und nenn mich nicht ‚Kleene’. Ich bin viel größer als du.“
„Soll ich lieber jemand anderen rufen, der dir Gesellschaft leistet? Der dicke Engel könnte dir einen Tee kochen.“
Meine Augen weiten sich vor Entsetzen. Ich sehe eine gelbe Brühe, gebraut aus Gottes Wasser, vor mir. Aromatisiert mit abgeschnittenen Zehnägeln. Ich greife ängstlich nach seiner Hand. „Nein, auf gar keinen Fall.“
„Aber ich bin ein schlechter Gesellschafter. Und du kannst mich nicht ausstehen.“
Ich setze mich mühsam im Bett auf. „Wie kommst du denn auf diesen Blödsinn?“
„Na, wegen deiner ständigen Pfeile, die du auf mich abschießt.“
„Es sind keine Pfeile, es sind Bälle, die wir uns gegenseitig zuspielen.“
Er schüttelt den Kopf. „Nein, es sind Pfeile. Sie sitzen wie Stacheln in meinem Rücken.“
„Nie im Leben“, widerspreche ich. „Und selbst wenn es Pfeile wären, dann würden sie an dir abprallen, weil du so ein dickes Fell hast.“
„Habe ich nicht. Und glaube mir, liebend gerne hätte ich dir bereits mehr als einmal deinen Hals umgedreht - wenn man mich denn lassen würde.“ Er dreht mir den Rücken zu und ich entdecke hinten auf seinem schwarzen T-Shirt den Aufdruck ‚Außen ein Zwerg, innen ein Riese’.
Ich öffne meinen Mund, will ihm sagen, dass ich einen ähnlichen Spruch bei Bridget Olliver gelesen habe, doch ein anderer Gedanke zieht durch mein fieberndes Hirn und lenkt mich ab. Stattdessen sage ich ihm, dass ich jetzt wüsste, wie ich Rumpelstilzchen beschreiben könnte.
Er dreht sich wieder zu mir, sieht mich skeptisch an. „Und wie sieht er aus?“
„Groß“, sage ich. „Er ist groß.“
„Ja, meene Kleene“, sagt er und ein Lächeln umspielt seinen Mund. „In diesem Punkt werde ich dir ganz gewiss nicht widersprechen.“
Diesmal protestiere ich nicht wegen der ‚Kleenen’. Er hat mich zu Recht so genannt.
„Was ist nun?“, fragt er. „Willst du die Pfeile sehen, oder nicht?“
Ich nicke und er zieht sein Shirt aus. Mein Blick wandert über seinen nackten Rücken. Wie Akupunkturnadeln stecken kleine Pfeile in seiner Haut, sind überall verteilt.
„Es tut mir leid“, flüstere ich kleinlaut. „Soll ich sie dir rausziehen?“
Er winkt ab. „Sie verschwinden ab Januar von allein.“

Januar. Nun sitzt Rumpelstilzchen wieder hinter dickem Panzerglas auf seinem Thron, an dem ich so gern und voller Spaß gerüttelt habe. Er lässt mich zusehen, wie er andere abbürstet, lässt mich seinen göttlichen Worten lauschen, die ich in meinem Herzen bewahre und deren Gebote ich zu berücksichtigen gelobe.
Er ist so gut abgeschirmt, dass ich nicht mehr mit ihm kommunizieren kann. Und obwohl das Café, in dem er verkehrt, damit wirbt, dass er sich alle vierzehn Tage dort blicken lässt, ist er doch wie einer dieser geschiedenen Väter, die ihre Besuchstermine nicht einhalten. Im Durchschnitt meldet er sich nur alle zwei Monate und es ist ihm egal, ob er mich mit seiner Unzuverlässigkeit zur Verzweifelung treibt oder nicht.

Januar. Rumpelstilzchen und seine Klone sind aus meinem Kopf verschwunden. Die Lichter in diesem Areal gehen aus, alles versinkt in Dunkelheit. Staub lagert sich erneut auf meinen Gehirnzellen ab und niemand fegt ihn mir weg.
Ein Schrei der Panik entfährt meiner Kehle und ich wache auf.
„Was ist los?“, fragt mein Mann schlaftrunken.
„Anfang 2009 beginnt meine persönliche literarische Eiszeit“, rufe ich entsetzt. „Ich kann schon die Eisschichten knacken hören. Und was noch schlimmer ist – niemand kommt mehr zum Staubwischen!“
„Du hast `n Knall!“, behauptet mein Mann trocken. „Wird Zeit, dass wir Urlaub haben und du zwei Wochen vom PC wegkommst.“


Kommentar von MaDe

Hallo Angela, eigentlich ist schon alles geschrieben. Daher nur noch: mir hat die Geschichte sehr viel Spass gemacht. Schönen Urlaub! lg

Eingetragen am: 30.07.2008

Kommentar von Numungo

Hallo Angela, es freut mich, wenn du meine Geschichten nach Farben sortierst. Ich gehe davon aus, dass du dann auch bei geschlossenen Augen Farben sehen kannst. Das ist etwas ganz besonderes. Das weiß ich zwar noch nicht sehr lange, da ich schon immer Farben und Bilder vor meinem geistigen Auge sehen kann und es somit für mich selbstverständlich war, doch in diversen Kursen zu autogenem Training habe ich festgestellt, dass viele Menschen das nicht können. Wenn sie die Augen schließen, ist es einfach schwarz. Nacht! Eine schreckliche Vorstellung. Also, liebe Angela, pflege deine Farben gut! Viele Grüsse, Numungo.

Eingetragen am: 25.07.2008

Kommentar von Malea

Liebe Angela! Vielleicht sollten wir unsere Diskussion in etwas privaterem Rahmen fortsetzen? Mit mehr Platz für Erklärungen und das Ausräumen von Missverständnissen. Wenn du magst, mail mir unter malea23@web.de :-) Liebe Grüße, Malea.

Eingetragen am: 25.07.2008

Kommentar von Lillilu

Der böse Wolf liegt darnieder, die Geißlein springen fröhlich umher. Eine lange Schlange hat sich gebildet, um einen Blick auf den toten Unhold zu werfen. Der Birkenbär hat sich auch eingereiht, an seinem Arm ein Einkaufskörbchen voller Geschenke, die er großzügig verteilt. Hier ein Gedicht, dort ein Zitat oder auch ein Stückchen Kreide. Dazu murmelt er „Metamorphose, Metastasen, Metaromane..“ Als er zitiert ‚Hat der alte Hexenmeister sich doch einmal wegbegeben..’ meint er ein Zucken unter Isegrimms Lidern zu sehen. „Heilige Santa Monika!“ schreit er und rettet sich auf seine Birke!

Eingetragen am: 24.07.2008

Kommentar von papya10

Ooch Angela, hab isch doch glatt beim Lesen schon vergessen, dass sich der Große und die Kleene länger kennen. Ja, dann wundert mich nichts mehr. Grüß den Darst. papaya

Eingetragen am: 23.07.2008

Kommentar von Angela Barotti

Danke für eure guten Wünsche für meinen Urlaub. Ihr müsst mich aber noch bis zum 8.8. ertragen. Erst dann geht's zum Darß ;-) @Malea: Ertappt. Ich dachte beim Tee tatsächlich in diese Richtung. Daran kannst du sehen, das mir keine bessere Erklärung für ‚Gottes Wasser’ eingefallen ist. @papaya: Erklärung zu ‚Bälle zuwerfen’: dem anderen Stichworte liefern, die dieser in seinen Kommentaren aufgreift, ergänzt und möglichst witzig wieder zurück wirft./ Die zwei Versionen des Januars gibt es aus folgenden Gründen. 1. Die Szenen sind räumlich getrennt. 2. Falls aus „Platzgründen“ Version 1 hätte entfallen müssen, wäre der Text immer noch stimmig gewesen. / Das einigen Leuten Version 2 besser gefällt, habe ich erwartet. Ich hatte nur nicht mit dir gerechnet. / Die Pfeile verschwinden im Januar von allein, weil Rumpelstilzchen noch ein Ass im Ärmel hat. @Numungo: Hach, welch herrliches Stichwort: eine Schublade für frustrierte Hausmänner. Den Tipp hätte ich früher gebraucht, dann hätte ich noch eine weitere Szene mit eingebaut. ;-) / Nicht nur dein kleiner Mann schwirrt noch in meinem Kopf herum, sondern auch all deine anderen Geschichten. Wobei ich etwas sehr interessantes festgestellt habe: Während die Geschichten der anderen bei mir im Kopf irgendwie nach Stichworten abgelegt sind, habe ich deine Beiträge anscheinend nach Farben sortiert. Denn wenn ich bestimmte Farben sehe, fallen mir automatisch deine wunderbaren Texte ein. Du hast in meinem Kopf also einen Sonderplatz bekommen. @Monika: Nicht alles verstanden? Ich kann ja mal Rumpelstilzchen fragen, ob ich deutlicher werden darf. :-) @Ginko: Ich hoffe, du hattest keine schlaflose Nacht – weil du dir so viel Zeit fürs Verseschmieden genommen hast. Danke. @Metta: Ich habe auf der Pinnwand nachgeschaut. Muss leider am 4.10. arbeiten. Aber Frankfurt wäre eine Alternative, da das Event in die Berliner Schulferien fällt und wir EVENTUELL Schwiegereltern in Rheinland-Pfalz besuchen. Maleas Tipp mit dem Café (grins) ist gut. @Johanna: Glückwunsch zur Haarfarbe. Einige wenige weiße Haare habe ich auch schon. Aber ich habe sie unter ‚italienisch-braun’ versteckt. Was nicht zu verwechseln ist mit ‚Walnuss 51’, dem es jedoch an manchen Tagen erschreckend ähnelt. Wäre vom Charakter her lieber eine goldblonde Gerda, aber das wäre zu langweilig für Rumpelstilzchen. @Rumpelstilzchen: Gelle? Langeweile ist nichts für dich. Du brauchst die Herausforderung. Und weil ich das weiß, peppe ich dir den Aufenthalt hier ein wenig auf. Und du mir. Denn ich langweile mich ebenfalls ungern. Also lass uns beide ein wenig frech sein. :-)

Eingetragen am: 23.07.2008

Kommentar von johanna kurschus

Liebe Andrea. Ich danke dir für deinen Kommentar, du hast mir eine große Freude gemacht. Ich bin siebenundsiebzig Jahre alt, kann nichts dafür, wahrscheinlich liegt es an den Genen. Meine Haare sind immer noch schwarz mit einigen weißen Fäden, aber mein Gesicht ist faltig. Nicht wie eine verschrumpelte Kartoffel, aber es reicht auch so. Freundliche Grüße Johanna.

Eingetragen am: 23.07.2008

Kommentar von Metta Maiwald

Heißest du vielleicht "der, dessen Name nicht genannt werden darf"? Alle, die Angst vor der Eiszeit haben, mögen einmal auf der Pinnwand nachschauen, wo man wärmende Netze knüpfen kann!

Eingetragen am: 23.07.2008

Kommentar von Ginko Korn

Der klugen Else Machandel sei Dank für ihre herzhaften Reden! / Mit Allerleihrauh und Schellen im Schrank spinnt sie vergoldete Fäden. / Doktor Allwissend, von Geißlein geplagt, hüllt sich in Harnisch und Leder. / Von seinen Pfeilen nun selber gejagt, führt er nur brav noch die Feder. / Nimmermehr krächzet der Rabe darein, leidet kein Maidlein am Hohne. / Und süßer Brei quillt im Schüsselchen fein, dass sich die Mühe recht lohne. / Ein Geist im Glas schwingt den Zauberstab, das blaue Licht wirkt als Sonne. / Sterntaler schweben aus Wolken herab, spenden im Forum nur Wonne.

Eingetragen am: 23.07.2008

Kommentar von Marie Stiehl

Ich finde die Geschichte so süß. Ich hab die gleich noch mal gelesen. Genial. Schönen Urlaub. Gruß Marie.

Eingetragen am: 22.07.2008

Kommentar von Monika

Liebe Angela, auch wenn ich nicht jede Anspielung und Spitze verstanden habe, so hat mich Dein Text doch sehr amüsiert. Er ist wunderbar geschrieben. Ich sehe das Rumpelstielzchen mit all seinen kleinen Pfeilen im Rücken... mir wäre es ja lieber, jemand könnte sie raus ziehen... aber wenn die Pfeile richtig sitzen... so eine gekonnte Akupunktur soll ja manchmal auch helfen... Danke für den Text...

Eingetragen am: 22.07.2008

Kommentar von Frog

Eine sehr originelle Art, sich in den PC-losen Urlaub zu verabschieden. Den hast Du Dir verdient, viel viel Freude und Ablenkung. LG Frog

Eingetragen am: 22.07.2008

Kommentar von Numungo

Hallo Angela, es freut mich, dass mein kleiner Mann noch in deinen Gedanken herum schwirrt. Natürlich ist es nicht meiner, der ist ja bei mir, aber du hast einen eigenen, jeder hat den. Aber es kann auch eine Frau sein. Eine erfrischende Geschichte hast du da geschrieben und nicht an Spitzen gespart. Was deiner Geschichte jedoch fehlt, ist die Schublade für die frustrierten Hausmänner, vielleicht wäre diese sogar wichtiger? Die nächste Eiszeit wird kommen. Irgendwann kommt sie bestimmt. Doch davor solltest du keine Angst haben. Eis erfrischt, und was kann dir schon besseres passieren? Eiszeiten zeichnen sich auch nicht gerade durch übermäßige Staubablagerungen ab. Also lass die in ihren Schubladen, die drin bleiben wollen und schließe ab. Viele Grüsse, Numungo (14703, 15010).

Eingetragen am: 22.07.2008

Kommentar von papaya10

Hallo Angela, eine tolle Idee, dieser kauzigen Märchenfigunr eine neue Bühne zu bauen! Außerdem verstehst du dich auf lebendige Dialoge.Ein starkes Bild, wie die Rumpelstilzchentruppe "ausmisten ausmisten" tönt, Staub aufwirbeln und dann anknipsen! Du meinst doch Lichter oder? Manchmal habe ich Orientierungsprobleme: wwas hat es mit den Pfeilen/Bällen auf sich? Vielleicht ein Sätzchen zur Erklärung? Rumpelstilzchen mit dem Lappen am Bettrand ist auch ein tolles Bild! Vom Januar gibts zwei Versionen, ja? Mir gefällt die zweite besser. Ich wüsste natürlich noch gerne was dazwischen passiert ist und wieso die Pfeile von alleine verschwinden..ein vergnügliches Lesen! herzliche Grüße von papaya10

Eingetragen am: 22.07.2008

Kommentar von Malea

Liebe Angela! Danke, das war mal fällig. Wirre Grüße und schönen Urlaub. Malea. P.S. Engelchen steht übrigens nicht auf göttliche oder Eigen-Urintherapie, wie die Farbe des von dir so liebevoll beschriebenen Tees vermuten lässt - aber, wer weiß, vielleicht sollte man das Thema noch einbauen... ;-)

Eingetragen am: 22.07.2008

Eingetragen am: 22.07.2008 von Angela Thies
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Charlottes erster Bar Besuch

Als sie hinter der Tür verschwand, sah ich mich langsam um. Die Augen mehrer Männer waren auf mich gerichtet, stellte ich erschrocken fest. Was tat ich hier? Welcher Teufel hatte mich hierher gebracht? Schnell schaute ich wieder geradeaus zur Tür hinter dem Tresen, die sich im gleichen Moment auch schon öffnete. Sie kam heraus, im Schlepptau war er. „Ich bin der Boss der Bar“, hatte er damals nur gesagt. Jetzt kam er um den Tresen herum, ein charmantes Lächeln auf den Lippen. „Ich freue mich dich zu sehen“, sagte er und gab mir die Hand. „Das ist Lu.“ Mit einer kurzen Handbewegung deutet er auf die junge Frau hinter dem Tresen, die mich empfangen hatte. „Sie wird dich in alles einweisen“. Lu lachte mich wieder an. Sie war anziehend für mich, stellte ich erst jetzt fest, nachdem sich meine Aufregung etwas gelegt hatte. „Lu wird mit dir in die Garderobe gehen und dir alles zeigen“. Er stand auf, sprach kurz mit ihr und bat mich, mit ihr zu gehen. Ich erhob mich etwas unsicher und ging mit ihr wie ein kleines Kind.

In der Garderobe angekommen, sah ich mich einem riesigen Spiegel gegenüber, links eine lange Reihe Kleider, darunter Schuhe, rechts ein kleiner Nierentisch und zwei Sessel. Sie forderte mich auf, mich zu setzen. „Wie heißt du“, fragte sie mich. Ich rang mit mir. „Charlotte“, sagte ich dann schnell. „Gut, Charlotte. Wir haben hier alle kurze Namen. Lu ist nicht mein richtiger Name. Wie möchtest du deinen Namen abkürzen?“ Fieberhaft überlegte ich, wie ich meinen gerade erst neu erfundenen Namen ändern könnte. Nichts fiel mir ein. „ Wie wäre es mit Charie?“, fragte sie schließlich. Ich willigte ein. Dann ging es los. Unter ihren Händen wurde ich eine andere Frau.

Mein wollener abgetragener Rock, die Bluse und die hellen Perlonstrümpfe wurden eingetauscht in ein eng anliegendes rotes Satinkleid, rote Pumps, keine Strumpfhose. Ich ließ das so geschehen. Sie beherrschte ihr Handwerk, mit sicherem Blick suchte sie die Sachen heraus und ich stelle keine Fragen. Ohne in den Spiegel zu schauen, ließ ich sie machen. Und genau das tat mir gut. Dann kam die Frisur. Ich trug meine rot-blonden Haare schlicht zu einem Zopf gebunden. Ein Kribbeln zog durch meinen Körper, als sie das Zopfband löste und begann mein Haare zu kämmen, es anfeuchtete, irgendetwas hinein massierte. Dann bat sie mich die Augen zu schließen, cremte mein Gesicht, bemerkte meine blassen Brauen, zeichnete sie nach, färbte meine langen Wimpern, meine Lider, puderte meine schmale, lange Nase, fuhr mit dem Lippenstift über meinen Mund. Dann Stille. Ich öffnete meine Augen, zufrieden schaute sie mich an. „Fertig“, sagte sie, als sie meine Haare nochmals durch ihre Finger zwirbelte. Ich starrte sie wie elektrisiert an. Versunken spürte ich einem schönen Gefühl nach, dass sich langsam in mir ausbreitete. „Fertig“, sagte wie wieder. „Schau selbst“.

Im Spiegel erkannte ich nur den glasklaren Blick meiner großen blauen Augen. Alles anderes war mir fremd. Aber es gefiel mir. Da schaute mich eine hochgewachsene Frau an, elegant gekleidet, souverän. Da war nichts mehr abgetragen, schmuddelig und glanzlos. Da war nichts mehr von der blassen Frau mit der strengen Frisur in der kalten Posthalle, kein Gedanke mehr an die endlos sich reihenden Briefe, die sortiert werden wollten. Da war nur die andere Frau, ein gutes Gefühl. So ging ich das erste Mal hinter den Tresen.


Kommentar von Gina K.

Kleider machen Leute, Masken machen Gesichter! Die Situation sicher im Griff, begründete Beschreibungen und treffende Wortwahl!/ Vorschläge zur Straffung: "Wie ein kleines Kind folgte ich ihr"./ "In der Garderobe erwarteten mich ...". / "Sie löste mein Zopfband, kämmte meine rotblonden Haare aus und..."./ "Im Spiegel erkannte ich nur meine großen blauen Augen, die ...".

Eingetragen am: 27.07.2008

Kommentar von Angela Thies

Heute, an diesem heißen Sommertag, schaffe ich nur einen kurzen Kommentar: Danke für eure aufbauenden Worte!

Eingetragen am: 26.07.2008

Kommentar von Elisabeth

In deiner Beschreibung sieht man Charlotte nicht nur, man lernt sie auch kennen. Das wohlige Gefühl, das Charlotte fühlt, spürt auch der Leser. Bin gespannt, wie es weiter geht! Viel Glück

Eingetragen am: 25.07.2008

Kommentar von papaya10

Hallo Angela, eine sehr schön und genau beschriebene Verwandlungsszene, spannend zu lesen und eine super Idee. Wie wird es Charlotte wohl ergehen? Ich bin nur über einen Satz gestolpert: "sie kam heraus, im Schlepptau war er" Flüssiger wäre für mich wenn du das "war" weglässt. P.S. Danke für deinen Kommentar zu Otto und dir viel Glück herzliche Grüße papaya

Eingetragen am: 23.07.2008

Kommentar von Frog

Vorher – nachher! Man spürt Charlottes Neugierde, wünscht ihr viel Glück und ahnt doch, dass ihr das in dem Job wohl nicht beschert sein wird. Gut aufgebaute Szene.

Eingetragen am: 22.07.2008

Kommentar von Sabine Mucha

Hallo Angela! Zwei verschiedene Frauen. Zwei verschiedene Leben. Und doch nur eine Person. Das nenne ich genial geschrieben. Weiter so. Grüssle Sabine

Eingetragen am: 22.07.2008

Kommentar von Karin

Das ist Dir wirklich gut gelungen. Liebe Grüße.

Eingetragen am: 22.07.2008

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