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Kapitel 31 mit Übungsaufgabe
Leserbeiträge
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Sie ging ihm nicht aus dem Sinn, die Sache mit den englischen Provinzärzten und ihrem Nobelpreis. Seit Tagen war das so. Seitdem er bei Maja gewesen war. Warum mußte es heute bloß so entsetzlich schütten? Und warum ging es da vorn nicht endlich weiter? Christoph schaltete den Scheibenwischer auf den schnellsten Gang, aber selbst das reichte kaum aus, um ihm freie Sicht zu verschaffen. Zu allem Überfluß schlug sich sein Atem innen auf der Scheibe nieder. Die Luft war einfach zu sehr mit herbstlicher Feuchtigkeit getränkt. Christoph blieb nichts übrig, als halb blind und im ersten Gang dem Rot des vorausfahrenden Wagens zu folgen. Die Kollegen waren immer verärgert, wenn man sie mit Verspätung ablöste, besonders zum Nachtdienst.
Heute hatte er so gar keine Lust auf seine Arbeit. Selten genug, aber auch bei ihm kam das vor. In letzter Zeit hatte er sich ohnehin immer häufiger gefragt, wie lange er das ewige Einerlei des Klinikalltags noch weiter durchhalten wollte.
Das Trommeln der Regentropfen setzte aus; er war im Schneckentempo in den Rheinufertunnel eingefahren. Viele hatten ja bei seinem Bau geglaubt, der Tunnel könne die Düsseldorfer Altstadt vor dem Verkehrsinfarkt retten. Aber das war auch nur die halbe Wahrheit, Wunschdenken, wie man heute mal wieder feststellen konnte - zu einer Tageszeit, da der brave Bürger schon vor den Abendnachrichten saß. Obwohl der November noch in den Kinderschuhen steckte, ahnte man schon vorweihnachtliche Hektik, ein typisches Leiden der Großstädte, das Christoph gar nicht mochte und für das nicht einmal die abnehmende Religiosität der Menschen ein Gegengift zu sein schien. Vielleicht lag seine Abneigung gegen diese Jahreszeit auch darin begründet, daß sich ab jetzt der Zustand seiner Patienten durchweg zu verschlechtern begann. Jedes Jahr gab es einige, die in der Vorweihnachtszeit oder spätestens bis Karneval starben. Hochkonjunktur für die Beerdigungsunternehmer. Für ihn selbst Hochkonjunktur in Sachen selbstquälerischer, ja zerstörerischer Gedanken über das eigene Versagen; trotz seines Wissens, daß gerade bei Aids den Arzt in der Regel keine Schuld am Tod der Kranken traf. Diese Krankheit war eine Geißel, gleichermaßen erbarmungslos wie die Pest in früheren Jahrhunderten, nur spielte sich alles in extremer Zeitlupe ab. Da mußte es doch irgendwann einen Knall geben! Einen Donnerknall, und das rettende Medikament war da. Nein, Unsinn! Die rettende Impfung; so wie schon vormals bei den Pocken.
Endlich, raus aus dem Tunnel! Das Prasseln auf der Frontscheibe klang jetzt so, als würde eine Fuhre Schotter über das Auto ausgekippt. Aber nun war er fast da. Höchstens fünf Minuten zu spät. Das ging doch noch. Dietmar Zink würde ihn nicht einmal schief anschauen. Nicht so wie Yvette, die ihm den Kopf abreißen würde, wenn sie von Majas Impfstofftest erfuhr und davon, daß er beabsichtigte, als Versuchskaninchen daran teilzunehmen. Aber er mußte mit ihr reden, bald. Baldigst! Und sie würde mit sich reden lassen müssen! Es war an der Zeit, daß einer den übermenschlichen Mut bewies, diesem Grauen ein Ende zu machen. Dieser Mutige wollte er sein! Nach dem Vorbild des jungen Arztes aus England, von dem Maja gesprochen hatte. Einfach angesichts der schieren Notwendigkeit. Das würde ihn aus dem Trott herausreißen, ihm einen vollkommen neuen Motivationsschub geben. Das Honorar wäre ein angenehmes Zubrot, und zum Dinner der Nobelpreisträger würde auch er gern eines Tages vom schwedischen Königspaar nach Stockholm eingeladen.
Christoph parkte, schaltete den Motor ab und langte nach dem Schirm im Fußraum hinter seinem Sitz.
Trotz Schirm und Riesenschritten war er durchnässt, als er an der Rezeption ankam.
Schön, schön, schön. Wäre da nicht die Jahreszeit (und andere Kleinigkeiten), könnte dein Arzt vielleicht denselben Weg zurückgelegt haben, wie meine Patientin! ;O) Du hast spannend und glaubhaft erzählt.
Ausgezeichnet Franziska! Du benutzt das Wetter nebenbei und baust geschickt die Gedanken deines Helden ein. Es gibt nur ein Wort, oder besser einen Satz: Baldigst! Für mein Empfinden zu viel.
Hallo Franziska! Die Wetterlage kommt gut rüber. Bei mir kommt die Frage auf, ob Dein Protagonist bei Sonnenschein andere Gedanken gehabt hätte. Es scheint nicht so, als hänge die Wetterlage mit seinen Gedanken/seinem Tun zusammen. Außer, dass er zu spät kommt, fünf Minuten - mir ein bisschen wenig Zusammenhang. Im Ganzen würde ich den Text um die Hälfte kürzen. Z.B.: Statt "..., dass sich ab jetzt der Zustand seiner Patienten zu verschlechtern begann." "..., dass sich ab jetzt der Zustand seiner Patienten verschlechterte."
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Anton ging wieder zurück zu dem Auto und fuhr es in ein kleines Waldstück. Von der Straße aus war es jetzt nicht mehr zu sehen. Danach eilte er zur nächsten Bushaltestelle und betrachtete sich den Fahrplan, der Bus in Richtung Zentrum sollte in zwei Minuten kommen.
Die Leute an der Haltestelle starrten ihn an, er sah auch nicht gerade zum anbeißen aus. Sein Spiegelbild von der Verglasung zeigte es ihm deutlich. Zerzauste Haare, drei Tage Bart und seine Kleidung ließ auch nicht auf Wohlstand schließen. Der Mantel war zerrissen und im rechten Ärmel klaffte ein Loch, umrandet von getrocknetem Blut. Es kennt ihn hier zumindest keiner, also gibt es auch kein Gerede.
Der Bus kam pünktlich und zehn Minuten später war er im Zentrum. Er erkundigte sich bei einer älteren Dame nach dem schnellsten Weg zur Oderallee. Einen kleinen Fußmarsch später war er mitten auf der Allee und sah sich um. Doch nicht so groß wie er befürchtet hatte und ihm wurde auch sofort klar, warum er nicht weiter fragen sollte, wo der Treffpunkt war. Er stand genau vor einer Bar die „twilight“ hieß. Anton sah auf seine Uhr, er hatte noch über eine Stunde Zeit, bis er sich mit dieser Frau treffen sollte.
Sein Weg führte ihn zum Fluß, er setzte sich auf eine Bank und ließ seinen Blick schweifen. Ganz in der Nähe war eine Grenzstation, direkt auf einer Brücke. Er schaute dem Treiben an der Zollabfertigung zu, ganz schön was los, dachte er. Anton versuchte sich ausmahlen, wie viele täglich über die Grenze von Polen nach Deutschland kamen und umgekehrt. Heute war ein ganz normaler Tag, nichts besonderes und auch keine Wochenende. Was war hier an einem freien Tag wohl los?
Sein Blick wanderte weiter und seine Augen fanden das gegenüberliegende Ufer. Er brauchte nicht lange ein ähnliches Bild in seinen Gedanken suchen, es tauchte automatisch auf. Nur, dass der Fluß zu Hause um einiges größer war, aber das tat dem beruhigenden Bild kein bisschen weh. Er lauschte dem plätschern des Wassers, das sanft an das Ufer schlug. Die Sonne spiegelte sich im Fluß und ließ die Oberfläche schillern. Durch den Schnee an den Ufern wirkte das Wasser gefährlich dunkel. Ein Strom aus schwarzem Tod, der dich nie wieder los läßt, wenn er dich einmal hat. Der Wind wurde schärfer und Anton klappte den Kragen des Mantels hoch, ein Schauer lief über seinen Rücken.
Die Böe hatte eine herumliegende Tüte erwischt und spielte mit ihr. Mal wurde die Tüte gedreht, dann wieder fallen gelassen. Doch kurz bevor sie den Boden berühren konnte packte sie der Wind wieder und blies sie in den klaren Winterhimmel. Anton war verzaubert von dem Spiel und vergaß für kurze Zeit seine Ängste. Als er wieder auf die Uhr sah sprang er von der Bank auf, er war spät dran.
Hallo, Deine Geschichte macht mich neugierig. Warum parkt er sein Auto irgendwo und fährt dann mit dem Bus? Mit wem wird er sich treffen? Finde ich sehr spannend.Das Wetter ist gut beschrieben. Ich kann mir die Stelle gut vorstellen, am Fluß mit dem Schnee, der Sonne und dem Wind.Grüsse Marie.
Deine Geschichte endet mit einem wunderbaren Wetterbild. Ganz klar sehe ich das Bild vor mir, besonders lebendig das Windspiel mit der Tüte. Liebe Grüße
Anton kommt zu einem unbekannten Treffpunkt, und als er sieht "twilight", weiß er, dass er hier richtig ist? Diese Stelle hat mich an "Wächter der Nacht" erinnert. Beabsichtigte Anspielung oder Zufall? Deine Beschreibung des Flusses finde ich etwas widersprüchlich. Zuerst schreibst Du von einem sanften Plätschern und einer im Sonnenlicht schillernden Oberfläche, und dann von "gefährlich dunkel", "Strom aus schwarzem Tod" und scharfem Wind. Diesen Bruch finde ich etwas abrupt. Mir gefällt der zweite Teil davon besser, weil Du hier eine tolle gruselige Stimmung erzeugst, die ich mitfühlen kann. g Jenni
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15460
"Warum eigentlich immer ich?" murrte Anna leise vor sich hin, während sie die verlassenen Straßen entlang lief.
Zügig schritt die den Hang hinauf, der unermüdlich anstieg. Die Hitze machte es ihr schwer. Der Rucksack war voll bepackt mit all den Lebensmitteln, die sie in den letzten Stunden aufgetrieben hatte.
`Hoffentlich verderben sie nicht, bei diesem Wetter.` Wie sie es hasste, wenn die Sonne so stark brannte, dass der Schweiß schon in Flüssen an ihr runter rann.
Aber ihr Fluchen half alles nichts. Sie musste das Essen ins Versteck bringen. Die anderen zählten imemrhin auf sie. Und wenn sie erst sehen würden, wieviel sie bekommen hatte. Ein stolzes Grinsen zog sich über ihr Gesicht.
Allerdings hatte sie noch ein paar Meilen vor sich. Angetrieben von dem aufkommenden Wind schritt sie weiter. Ihre blanken Füße schmerzten leicht, von dem rauen Boden. Aber ihre Schuhe hatte sie nicht länger tragen können. Sogar auf ihren Füßen hatte sie schon einen Sonnenbrand bekommen.
`Immer dran denken, nur noch ein paar Meilen.` summte sie leise vor sich hin.
Hallo Ann-Christin, sehr schön, und so aktuell was das Wetter angeht. ;O) Ich kann es mir lebhaft vorstellen, hasse es auch, wenn es zu heiß ist. Auch wenn es ständig nur regnet, und außerdem... Ne, Spaß bei Seite. Gute Stimmung.
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