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Kapitel 31 mit Übungsaufgabe
Leserbeiträge
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(Das ist (noch) kein Text aus einem Roman, aber zum Thema Wetter musste ich ihn unbedingt loswerden. LG, scacha)
Nebel lag über dem Moor. Immer wenn die Hexe hier auf dem Felsen saß und herunter sah, dachte sie an ein Moor. Sie liebte ihren Freund, den Nebel, wenn er dort waberte, dampfte, verdunstete und wieder quoll. Der Wald hinter ihr sang dann in völliger Stille, lächelte und fühlte sich an wie ein aufsteigender Schwarm Eiderenten. Jedenfalls edle Vögel. Der Fels unter ihr allerdings hatte schlechte Laune, so kühl und klamm war er, abstoßend kalt. Es gab keine bequeme Sitzposition, und der Fels schien heute Nacht Warzen bekommen zu haben. Die Blätter der hohen Eichen färbten sich langsam. Uhh, das wollte die Hexe nicht, gelbe und braun-rötliche Farben waren ihr zuwider, zumindest jetzt, wenn sie den Nebel feiern wollte, sollte alles tiefgrün, grau und schattenschwarz sein. Heißa!
Sie nahm ihren Besen und verharrte noch kurz, bevor sie sich in die Luft schwingen würde. Ah, wie die Luft durch ihre Lunge drang und sich mit ihrer frischen Feuchte an den Lungenwänden absetzte! Man musste etwas tun mit der Luft, sie war so reich und vielversprechend. Sie war wie die Miene eines Erzählers am Feuer, kurz bevor er anfing. Irgendwas wartete in der Luft. Sie würde es herausfinden.
Und da war sie vom Boden abgehoben. Sie bewegte sich nun mit, ha, sie war keine Beobachterin mehr. Es hatte sich geändert, sie hatte sich ins Spiel gestürzt, mal sehen, wie der Nebel reagierte, blieb er freundlich, konnte er Nähe ab? Sie lachte und drehte sich kopfüber um die Besenachse, die Bäume schwangen einmal kopfüber in ihrem Blickfeld und verloren sich dann. Ciao, Babies! Da war ein Wolkenquirl, nein, ein rundgelockter Nebelauswuchs, der sich aus der dichten Decke wölbte und heraufquoll, jetzt war sie schon an der Grenze und nun versank alles im dunstigen Brei. Uh! Blendendes Weiß!, ah, er wollte sie fassen! Weiße Flammen leckten nach ihr. Was hatte der vor? Es war ja doch nur Träumerei, diese Vorstellung vom Freund Nebel! Der lag hier auf den Wiesen, gar nicht über Moor, und hatte seine absolut eigenen Gesetze, davon verstand sie nichts und keines der anderen Wesen, die sie kannte! Niemand, niemand verstand etwas vom Nebel! Niemand vom Wald, vom Wind und vom Regen! Die Stürme hatten sich verändert, wurden mehr, wurden brutaler und kamen zu anderen Zeiten als früher. Niemand verstand die Wolken, da konnten sie sagen, was sie wollten!
Sie trieb ihren Besen an und jagte am Grund entlang, nah über dem Boden. Der Nebel wurde hartnäckiger und schlug gegen ihre Beine, dass sie blaue Flecken bekam, selbst durch die vier Röcke hindurch und die sieben Strümpfe. Sie trieb den Besen noch mehr an. Ha, was war denn jetzt los, es war wie ein Spießrutenlauf! Der Neben klatschte immer schneller gegen ihren Körper, dass es sich wie Trommelwirbel anhörte, uhh, raus hier! Ungemach! Nach Hause! Ein anderes Geräusch nahm sie wahr, als sie einen Busch streifte, so dicht war sie am Boden. Jetzt aber höher ... – da wurde sie zurückgerissen, ihr Bein! Als hätte sich eine Schlinge zugezogen, fuhr sie zurück, ein scharfer Schmerz durchzuckte sie, der Besen flog ihr in hohem Bogen aus der Hand, sie orgelte durch die Luft und fiel geschwind abwärts, immer tiefer; aber es waren nur etwa zwei Meter, und dann schlug sie auf dem feuchten Gras auf. Zehn Armlängen von ihr entfernt stak der Besen. Sie reppelte sich hoch, der Besen!, stolperte, fing sich, wollte nach ihm greifen, da wurde er angehoben und quirlte hoch. Bis jetzt war das alles ein blöder Traum gewesen. Als sie ihren Besen hoch über sich sah, merkte sie, dass das kein Witz mehr war. Ohne Besen war sie nichts. Es war ein Teil ihrer Existenz, wie eins ihrer Beine. Wie ihr Kopf, ihr Herz. Wie ihr ... sie schrie auf. Sie brüllte alle seiner Namen, die sie ihm schon zeit ihres Lebens gegeben hatte, Gilgamesch, Katze, Sum, Retter, Frego, Sila, alles. Sie rannte kopflos hin und her. Wilmu, Kera, Hammer, Quelo. Nein, nein, das konnte nicht sein! Sie rannte und rieb sich die Füße wund, sie rannte und bekam ein Kribbeln in den Händen und wusste, sie könnte nicht mehr hexen, nie mehr, jetzt verschwand Gilgamesch und Quelo im Weiß, tauchte unter und war gelöscht. „Gilgamesch! Quelo! Biiitttee!“ Sie stand, die Versen ins Gras gedrückt, hörte ihr Keuchen, sonst war da nichts, doch da pfiff etwas. Das musste ihr Stock sein da oben. Oder links von ihr oder rechts! Ihr Kopf fuhr herum. Ihre Augen stierten durch die Waschküche.
Vom Gras stiegen Insekten auf. Der Hexe wurde schlecht, sie wurde blass und grün, Insekten, das war ein schlechtes Omen. Sie musste hier weg. Als sie ein paar Schritte gegangen war, hörte sie ein leises Plätschern. Ein See, ein Tümpel, ein anderes Element. Sie schritt eilig darauf zu. Es war tief, und sie trat sofort hinein, die Nässe drang durch ihre vielen Kleiderschichten, sie drang tiefer vor, so lange, bis sie bis zum Kopf hineintunken konnte. Jetzt war sie bei den Fröschen und den Wassersalamandern und erst mal sicher; sie würde hier bleiben im Urelement der Hexen, bis der Nebel sich gelichtet hätte.
Während sie da so im Wasser herumschwang wie ein Algenstengel, dachte sie, dass ihr das eigentlich schon öfter passiert war. Im Nebel! Der Nebel war nicht ihr Freund. Der Nebel war der Freund von keinem, er war unberechenbar und es war ein scheußliches Gefühl, jedes Mal den Besen zu verlieren. Sie hatte den Kiemen-Satz schon gesagt, wenigstens das funktionierte. Warum passierte ihr das eigentlich immer wieder? Jetzt saß sie wieder zwei Stunden fest. Sie wusste schon, warum sie noch allein war, ohne Hexenfamilie. Sie hatte keine Chance, sich zu vermehren, da sie immer wieder auf die Nase fiel. Das mochte die Evolution nicht. Sie hasste den Wald, wie sie hier so im Wasser schaukelte wie eine Seerose unterhalb der Blätter. Sie hasste den ätzenden Felsen, sie hasste den Wind und die Luft und vor allem die Eiderenten, sie wollte nur eins, ihren Besen zurück und dass die Sonne wieder herauskam. Und sie zu ihrer Hütte zurückkam, Tee kochte und so tat, als wäre nichts. Bis zum nächsten Mal.
Wunderbar geschrieben! Charakter der Hexe und Schreibstil passen gut zusammen. Liebe Grüße
Angela, hast du schon mal den Ausdruck "Eiderdaunen" gehört? Die komme von den Viechern. Weil wir in Norddeutschland das Wattenmeer in Bio durchgenommen haben und unser Lehrer als besonderes Merkmal der Eiderente - wir hatten auch ein ausgestopftes Exemplar - nannte, dass sie aussehe, wie ein Kamel (Stirn und Schnabel verlaufen in einer Linie), wollte ich gerade kommentieren, dass die aber bestimmt keine edlen Vögel seien. Ein Blick bei Wikipedia auf das Federkleid des Erpels belehrte mich eines Besseren. ;o)
Ganz wunderbar geschrieben, malerisch und doch sehr detailgetreu. Deine Wortschöpfungen bzw. Wortmalereien sind klasse; z.B.: "Wolkenquirl", "rundgelockter Nebelauswuchs" oder "der Fels schien heute Nacht Warzen bekommen zu haben" und "im Wasser herumschwamm wie ein Algenstengel". Nur eins ist mir nicht klar: Wie bekommt man vom Nebel blaue Flecke? Weil ich Kindergeschichten sehr mag und auch selbst welche schreibe, war das Lesen dieses Hexen-Abenteuers eine besondere Freude für mich und ein wirklicher Leseschmaus. Danke, scacha! LG Antigone
Huuuuh,ich war dabei,so richtig mit im Nebel und im Tümpel.Ich liebe Hexengeschichten und Märchen.Du hast mich sehr gut unterhalten.Gruß Marie.
Du scheinst ein Faible für leidenschaftliche, chaotische Typen zu haben! Deine Sprache ist wirklich sehr schön, "wie die Miene eines Erzählers.." und die Besennamen, das macht Spaß beim Lesen. Der Schluss gefällt mir phänomenal, mit dieser Steigerung von "eigentlich schon öfter .. jedes Mal .. immer wieder", mit der sie sich ihr Ungeschick eingesteht. Fein! LG Velarani
Bis zum nächsten Mal! Ein super Text, die Wortwahl erstklassig. Das Lesen hat richtig Spaß gemacht. Was sind Eiderenten?
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15572
Kim durchdrang mich mit ihren Augen. Nur für einen kurzen Moment, dann sah sie wieder weg. Unsicher schwankte sie nah links und nach rechts. Ihr fehlten die Worte so wie mir.
Mein Gestammel musste sie verwirrt haben. Obwohl ich eigentlich etwas ganz anderes sagen gewollt hatte, fühlte ich mich erleichtert. Nach so vielen Jahren.
Ich sah sie an, der Wind wirbelte durch ihre langen schwarzen Haare, warf sie vor ihre großen Augen, die sie scheu von mir abwendete.
Sie war mein Traum, ein Traum der wohl nie in Erfüllung gehen würde.
Mein Blick schweifte in das unendlich wirkende Schwarz der Nacht, im Wald neben uns raschelten die Blätter. Trotz aller Tragik war es ein wunderschöner Moment, ein Augenblick für die Ewigkeit.
Ich wäre gerne für immer mit ihr geblieben, in dieser klaren, kalten Nacht, doch ich sah wie Kim zitterte.
Sie musste in ihrem dünnen Schlafanzug erbärmlich frieren, doch sie wagte es nicht etwas zu sagen. Ich werde dieses Bild nie vergessen, sie stand vor mir,
so hilflos und schön wie die Natur die uns umgab.
Sie stieg von einem Fuß auf den anderen, versuchte der Kälte zu widerstehen, da nahm ich sie bei der und Hand begleitete sie zurück zur Baracke 2, einer dreistöckigen Holzhütte deren Eingang hell beleuchtet war.
Ein letztes Mal schaute sie mich mit ihren großen Augen ungläubig an,dann schlüpfte sie durch die Tür und verschwand.
Ich fühlte mich auf einmal so schwach, ich hatte meine gesamte Kraft für ein Liebesgeständniss aufgebraucht, das leider zu spät kam. Jetzt hatte sie einen Freund, er würde es sicher erfahren wie auch die anderen Schüler die hier in Borkwalden waren, wo unser Seminar zum Finden des richtigen Berufes stattfand. Mein Leben kann auch der richtige Beruf nicht mehr richten, er bringt mir Kim auch nicht zurück. Ich konnte nicht ahnen wie sehr ich mich täuschen würde. Ich lies die Baracke hinter mir zurück und tauchte wieder ein in die Dunkelheit.
Hallo Jayden, deine Geschichte gefällt mir, sie verbirgt Traurigkeit und Wärme, ich bin gespannt wie es weitergeht (in deinem Text steckt viel Gefühl). Wie m.peterson schon kommentierte, solltest du ihn aber noch mal überarbeiten. Nimm diesen Text doch für die neue Übung, hast du sie schon gelesen? Viel Glück
Es ist kalt und dunkel. Ein Mädchen friert und der Junge, der ihr sein Herz ausgeschüttet hat nimmt es billigend in Kauf. Warum nicht? Einige Wortkombinationen sind dir gehörig mißlungen: "Sie war mein Traum, ein Traum der wohl nie in Erfüllung gehen würde." Tut mir leid, versteh ich nicht. Wenn eine Person die ich kenne ein Traum ist, wieso kann sie dann nicht in Erfüllung gehen. Du meintest bestimmt die Beziehung zu ihr, schreibst es aber nicht. "Ich werde dieses Bild nie vergessen, sie stand vor mir, so hilflos und schön wie die Natur die uns umgab." Mit dieser Metapher kann ich nichts anfangen. Eine geliebte Person mit einem Waldstück zu vergleichen, ich weiß nicht. Mit einer Blume, schon eher. Und mal ehrlich, die Natur ist schön, aber hilflos? Zum Schluß noch etwas bitte: "Ich konnte nicht ahnen wie sehr ich mich täuschen würde." Mit solchen Sätzen blockierst du die Phantasie deiner Leser. Es spielt zu diesem Zeitpunkt keine Rolle was in Zukunft passieren wird. Der Leser wird es schon noch früh genug erfahren, dafür liest er ja das Buch. Wenn ich schon vorher weiß was kommt, wozu dann weiterlesen? Ich hoffe, du nimmst mir meine Kritik nicht krum. Ich bin selbst froh über die Meinungen der "Mittäter" in diesem Forum, auch wenn sie mir nicht immer schmeicheln.
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15566
Ängstlich blickte sie um sich. Leichter Bodennebel zog durch die Straßen. Sie hörte schnelle Schritte näher kommen. Hart klackten die Absätze auf dem Boden. Sie spürte, wie ihr Atem immer schneller wurde, und ihre Schritte sic dem Tempo der stetig näher kommenden fremden Schritte anpassten. Ihr Herz raste, und gehetzt blickte sie immer wieder über ihre Schulter. Doch sie konnte niemanden in der zunehmenden Dunkelheit ausmache. Je mehr sie sich in den dunklen Gassen verirrte, desto schneller wurde ihr Hasten. Der Verfolger jedoch ließ sich nicht abhängen. Er kam näher und näher. Plötzlich spürte sie eiskalten Atem in ihrem Nacken. Eine Hand packte sie rüde an der Schulter.
Laut schreiend schreckte sie auf und saß senkrecht im Bett. Eiskalter Angstschweiß rann über ihren Rücken. Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie schwer atmend in die Dunkelheit. Schon wieder hatte sie diesen Traum, diese Szene durchleben müssen. Kaum schloss sie die Augen und driftete hinüber in den Schlaf, waren sie auch schon da - die Bilder und diese greifbare Angst. Alles war so real. Was bedeutete dieser Traum, was wollte er ihr sagen?
Langsam stand sie auf,ging ins Badezimmer und blieb vor dem Spiegel über dem Waschbecken im grauen Dämmerlicht des aufziehenden Morgens stehen. Fragend schaute sie das Gesicht, das ihr aus dem Spiegel entgegenblickte, an. Große ängstliche Augen starrten zurück und flehten um logisch erklärbare Antworten, die mit dem Verstand greifbar wären. Doch genau diese hatte sie nicht. Aber irgendwie musste sie herausbekommen, was hinter diesem Traum steckte. Nachdenklich stieg sie in die Dusche und tauchte in den warmen Wasserstrahl ein. Lange genoss sie die wohlige Wärme, die allmählich die nächtliche Angst wegwusch. Als sie abgetrocknet und angezogen war, stand ihr Entschluss fest. Da dieser Sache im Moment nicht mit dem Verstand beizukommen war, musste sie andere Wege gehen, mochten diese auch noch so ausgefallen sein. Sie packte ihre Handtasche und Jacke und machte sich auf den Weg zur Arbeit.
In der Mittagspause schlenderte sie in die Fußgängerzone. Sie wollte schauen, ob sie diese Wahrsagerin dort wiedersehen würde. Sie dachte an ihre erste Begegnung dort mit ihr vor einem halben Jahr. Auch damals war sie auf dem Weg in die Mittagspause als sie plötzlich vor ihr stand, ihre linke Hand nahm und sanft über die Handinnenfläche strich. Lange schaute sie sich die verschlungenen Handlinien an bevor sie ihr mit starrem Blick zuraunte in nächster Zeit möglichst die Straßen und kleinen Gassen rund um die Burganlage zu meiden. Dann war sie plötzlich wie vom Erdboden verschluckt im Menschengewirr verschwunden, dass sich dort an diesem sonnigen Frühlingstag um die Mittagszeit tummelte. Zurück aus der Pause erzählte sie ihrer Kollegin verwirrt von ihrem seltsamen Erlebnis. Mit dem Erzählen kam ihr die Geschichte jedoch immer merkwürdiger vor. Beide lachten über diese Begebenheit und verbuchten sie unter "Begegnungen der dritten Art".
Doch kurz darauf fing sie an, diesen merkwürdigen und Angst einflößenden Traum zu träumen. Erst tat sie ihn als Alptraum ab und schob es auf den Vollmond. Beim zweiten Mal entschuldigte sie ihn mit dem üppigen Mal, das sie am Vorabend bei einer Geburtstagsfeier ihrer besten Freundin genossen hatte. Doch je häufiger er sie heimsuchte, desto weniger logische Begründungen hatte sie. Und warum war es immer wieder der selbe Traum mit der gleichen Abfolge und der gleichen Intensität? Sie begann zu grübeln, was ihr in den letzten Monaten oder Jahren passiert sein konnte, was so grausam gewesen sein mochte. Schließlich hatte sie sich nie viel in den kleinen Gassen um die Burg herum aufgehalten. Was sollte ihr dort also schon Furchtbares zugestoßen sein? Und warum war es gerade durch diese merkwürdige Wahrsagerin und ihre noch merkwürdigere Weissagung wieder ins Bewusstsein zurückgekommen? Doch an was erinnerte sie sich denn schon wirklich? Bisher war es lediglich diese irrationale Angst vor einem nicht näher identifizierbaren Verfolger. Also nichts wirklich Konkretes.
In der Fußgängerzone angekommen, trieb sie sich eine Weile an dem Platz rum, an dem die Wahrsagerin ihr damals aufgelauert hatte. Ungeduldig blickte sie ständig auf ihre Armbanduhr. Die Zeit verging und immer noch war von ihr nichts zu sehen. Nach einer halben Stunde - die ihr vorkam wie eine halbe Ewigkeit - drehte sie sich um und machte sich auf den Rückweg zur Arbeit.
"Es wäre ja auch zu schön gewesen um wahr zu sein," murmelte sie vor sich hin.
Doch bei Tageslicht betrachtet war das eh eine Schnapsidee gewesen. Was hatte sie sich eigentlich davon versprochen?. Sie straffte ihre Schultern und ging energischen Schrittes weiter.
Plötzlich - wie aus dem Boden gewachsen - stand sie vor ihr. Wo war sie denn so plötzlich hergekom-
men? Sie hatte sie nicht kommen sehen und schon gar nicht kommen hören.
"Ich wusste, dass Sie irgendwann wieder den Weg zu mir finden würden," raunte sie ihr leise zu.
"Na ja, wohl eher umgekehrt", erwiderte sie mit leicht zitternder Stimme.
"Ich weiß, um ihren Traum und ihre Angst. Ich weiß auch welches Geheimnis sich hinter dem Traum verbirgt. Sind sie bereit mehr darüber zu erfahren?"
Mit starrem Blich aus intensiven braunen Augen hielt sie den fixierenden Blick der Wahrsagerin stand. War sie wirklich bereit dafür? Es kam ihr alles irgendwie irreal und absurd vor. Aber gleichzeitig spürte sie auch noch die Angst der letzten Nacht in ihren Knochen als sie mit lautem Schrei aus dem Traum aufgeschreckt war. Und eigentlich hatte sie sich heute morgen noch vorgenommen, diese Wahrsagerin wiederzusehen; nur deswegen war sie doch in der Mittagspause hier hergekommen. Sie gab sich einen Ruck und meinte:
"Ja, ich möchte endlich wissen, was sich für ein Geheimnis dahinter verbirg."
"Dann kommen Sie heute nach der Arbeit auf den kleinen Kräutermarkt unterhalb der Burg. Dort gibt es ein kleines allein stehendes Haus. Ich werde Sie dort erwarten."
Irritiert schaute sie die alte Frau an. Gerade diese Gegend sollte sie doch meiden. Doch ohne das sie danach fragen konnte, drückte diese ihr noch einen Gegenstand in die Hand und war ebenso schnell und geräuschlos verschwunden, wie sie erschienen war.
Zurück bei der Arbeit saß sie schweigend an ihrem Arbeitsplatz, vor ihr auf dem Tisch den Gegenstand, den ihr die Wahrsagerin in die Hand gedrückt hatte. Es war ein kleines Amulett mit einem merkwürdigen Zeichen auf der Vorderseite.
"Hallo Franka, was hast du dir denn da schönes gegönnt?" fragte Angela ihre Kollegin und beste Freundin neugierig.
"Du, das hat mir dies komisch Alte, von der ich dir letztens erzählt habe geschenkt."
"Wann hast du die denn wiedergesehen? Ich dachte, du wolltest nichts mehr mit ihr zu schaffen haben."
Franka lief rot an und stammelte:
"Heute, ich habe ihr formlich aufgelauert. Ich weiß, ich weiß - du hast ja recht - es ist irre, aber ich halt diesen Traum nicht mehr länger aus. Ich brauche eine Erklärung dafür. Mag sie auch noch so verrückt klingen. Nach der Arbeit werde ich zu ihr gehen und mir anhören, was sie mir angeblich zu sagen hat. Kommst du mit? Ich glaube, ich hab doch mehr Angst vor der eigenen Courage als ich dachte."
"Klar komme ich mit," strahlte Angela ihre Freundin an.
"So was lasse ich mir doch nicht entgehen. Also bis nachher."
Franka steckte das kleine Amulett in ihre Jackentasche und widmete sich für den Rest des Tages ihrer Arbeit.
Gemeinsam schlenderten sie durch die kleinen Gässchen unterhalb der Burg Richtung Kräutermarkt. Franka hatte sich bei der Freundin eingehakt. Das gab ihr irgendwie das Gefühl der Sicherheit. Die Sonne stand schon so schräg, dass sie die Gasse in ein warmes gelbliches Licht tauchten. Die Lehmwände der alten Fachwerkhäuser strahlten die über den Tag angestaute Wärme ab und verbreiteten ein anheimelndes Gefühl der Geborgenheit.
"Wie schön doch die Altstadt ist," dachte Franka. Sie liebte die kleinen Handwerks- und Kunstbetriebe, die zum Teil schon seit Jahrhunderten in Familienbetrieb waren und in denen man so ziemlich alles erstehen konnte, was das Herz begehrte. Und diese kleinen Plätze, die sich unerwartet hinter einer Wegbiegung auftaten, und auf denen sich die Leute zu einem feierabendlichen Plausch trafen und die letzten warmen Sonnenstrahlen genossen. Kinder rannten zwischen den Umstehenden rum und spielten Fangen oder Fußball.
Warum war sie als Erwachsene so selten hierher gekommen? Als Kind hatte sie mit ihren Freundinnen viel öfter die Altstadt unsicher gemacht. Sie hatten unendlich oft mit Ritterspielen sich hier die Zeit vertrieben.
"Eigentlich keine Gegend, vor der man sich fürchten muss," riss Angela sie aus ihren Gedanken.
"Ja schon, aber du hast auch nicht jede Nacht diesen Traum. Immer denke ich , ich müsste irgend eine Gasse oder ein Haus wiedererkennen sobald ich um eine Ecke biege. Aber bisher nichts."
Ab hier
hab ich im Moment einen Schreibhänger. Die spannende Umsetzung des Übergangs zur Wahrsagerin und dem dunklen Geheimnis bereitet mir noch etwas Kopfzerbrechen. Für Anregungen, die mir auf die Sprünge helfen könnten, freue ich mich sehr. Natürlich auch über konstruktive Kritik.
Ich denke sie sollte auf jeden Fall alleine sein wenn sie die Wahrsagerin trifft. Es muss dunkel sein,und so richtig schön gruselig wie in dem Traum. Franka könnte in die Situation kommen und vorbereitet sein. Wenn der eiskalte Atem und die Hand kommt dreht sie sich um und sprüht Pfefferspray.Die Geschichte ist Dir gut gelungen. Viel Spass beim weiterschreiben. Gruß Marie.
Hallo Daniela, ich fand Deine Geschichte sehr spannend und war vollkommen davon überzeugt, dass Du auch schon eine Lösung hast. Also vielleicht helfen Dir die folgenden Möglichkeiten auf den Weg? - sie könnte bei diesen Ritterspielen durch ein Zeitfenster direkt ins Mittelalter gerutsch sein und dort ein Abenteuer erlebt haben. Das müsste sie natürlich verdrängen, denn sonst würde sie dieses Fenster vielleicht immer wieder mal durchschreiten. - sie könnte als Kind etwas Schreckliches beobachtet haben, wie zum Beispiel einen Mord. Der Verfolger könnte ein Polizist sein, der sie zur Tat nur befragen will, aber sie könnte ihn für den Mörder halten. - der Vorfall könnte sich erst noch ereignen. Vielleicht wird sie überfallen und muss um ihr Leben fürchten, weil sie keine Wertgegenstände dabei hat. - es könnte ein Traum bleiben, der nur zuende getäumt werden will, weil ihr der Verfolger etwas wichtiges anvertrauen möchte. - ihre beste Freundin könnte zu einem Monster mutieren und die Bedrohung selbst darstellen. - die Hexe könnte sich von ihrer Angst ernähren. Ich hoffe, Du kannst was damit anfangen. Bis bald.... ml
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(Meinen Redelsheimern konnte ich keine Wetterdramen zumuten und so hab ich an meiner Autobiografie etwas weitergeschrieben. Dies könnte der 1. Baustein zum letzten Kapitel über Marie-Luise in London sein. Es ist das Jahr 1962, sie ist Au-Pair bei Olive und Stephen Peet in London und erlebt eines der glücklichsten Jahre ihres Lebens)
Taube in der Tanne
Der Wecker klingelte um sieben Uhr dreißig. Marie-Luise stieg verschlafen in ihre Hose, schlüpfte in einen Pulli und zog die Vorhänge auf. Ihr stockte der Atem: Vor dem Fenster stand eine undurchsichtige Wand! Der Kirschbaum vor dem Haus, die leichte Anhöhe vom Hauseingang bis zur Strasse, die Straßenlaterne und das darunter geparkte Auto waren verschwunden! Es gab nur diese graue Wand.
Sie rannte aus ihrem kleinen Zimmer, die Treppe runter, in der Hoffnung, dass schon jemand aufgestanden war, aber sie schliefen alle noch. Help, help, I’m going mad! flüsterte sie panisch. Schloss die Haustür auf – und da war sie wieder, die graue Wand. Sie waberte langsam durch die offene Tür in den Korridor, fühlte sich feucht und klamm an, roch leicht nach Kohlenstaub und zerfaserte vor ihren Augen in der Diele. Sie streckte die Hände danach aus und drehte sich um sich selbst herum, mitten in die graue Masse hinein.
Die Kinder polterten die Treppe herunter, Susie und Michael vorneweg, noch im Pyjama. Sie lachten bei Marie-Luises Anblick im Flur. „Mary, you little twit, stop being stupid! It’s only smog!“ Wenn die Kinder sie bloß nicht immer Mary nennen würden! Sie schlug die Eingangstür zu und akzeptierte, dass dies smog sei, kein fog, nein smog, weil es eine Mischung aus fog und smoke sei. Ach so!
Nach dem Frühstück war sie allein im Haus, fettige Teller in der Küche, klebrige Reste vom fried egg, scrambled egg, bacon, sausages, toast and jam and marmelade...Dann die Betten im Haus machen, vier Kinder, drei Erwachsene. Wolldecken und Laken straff und glatt ziehen, das Laken überschlagen. Und die ganze Zeit stand die graue Wand vor den Fenstern und lauerte hinter der Haustür!
Im Badezimmer hatte sie die Wanne am Vorabend geputzt, jetzt war sie wieder schmutzig. Marie-Luise malte Kringel in die schwarze Schicht – der Smog war einfach durch die undichten Fensterrahmen gekrochen und hatte sich in der Wanne niedergelassen.
Nun war es Zeit zur Schule zu gehen – vom Holly Lodge Estate in Highgate zum Red Lion Square nahe der U-Bahnstation Holborn in der Innenstadt.
Der Zweihundertvierzehner näherte sich der Haltestelle an der Swains Lane mit großen, milchiggelben Augen aus der grauen Wand heraus. Sie tastete sich zusammen mit allen Anderen in den Bus, es wurde gekichert und hundert mal sorry und excuse me gesagt. Der Bus fuhr bedächtig durch den Smog bis zur U-Bahn in Kentish Town, ohne in einen Unfall zu geraten, blind und schnaufend. Endlich in die Tube der Northern Line, Licht und Leute, heute mehr als sonst, weil viele Busse wohl doch nicht fuhren. Beste Stimmung rechts und links: „Come and stay with me, if you can’t find your way home!“
Vielleicht fiel der Unterricht ja aus? Aber im zehnten Stock der Schule saßen schon Helga und Tini, ihre Freundinnen, und wenig später erschien Mr. Bickerton, ihr Lehrer. Marie-Luise liebte ihn – es gab nichts, was er nicht bildhaft erklären konnte, er war ständig mit Kreidestaub überzogen, ein ehemaliger Schauspieler, der seinen Unterricht wie im Old Globe Theatre inszenierte. „The cat is lurking behind the door!“ Er warf sich auf den Boden, lauerte mit krummem Buckel hinter einer Tür, und war mit seinem kleinen Bärtchen nicht weit von einer Katze entfernt. „Fred Bickerton“ schrieb er auf die Tafel und „to bicker“ (verb) dahinter und meckerte wie eine fröhliche Ziege, bis es alle verstanden hatten. Heute war der smog dann dran, natürlich! Aber Marie-Luise hatte das schon von den Kindern gelernt und schaute aus den Fenstern des zehnten Stocks. Zu sehen war nichts mehr, nur noch graue Mauer, sie dämpfte die Geräusche von der Strasse. „The smog is lurking behind the door“ ergänzte Marie-Luise und Mr. Bickerton meckerte fröhliche Zustimmung. Er erklärt noch, dass Kamine und Öfen nicht mehr betrieben werden durften, seit der Clean Air Act 1956 verabschiedet worden war. Und sechs Jahre später verschwand London nun immer noch im Smog?
Auf dem Rückweg bekam sie Atembeschwerden, als sie den Hügel zum Holly Lodge Estate hochlief. Es war schon spät und die Straßenlaternen waren sicher an, aber man sah kein Licht. Die kleinen Einfamilienhäuser und die Bäume waren nur noch einen Ton dunkler als die gesamte Straße. Aus der grauen Wand war eine schwarze geworden. Ihre Bronchien brannten wie Feuer. Vor ihrem Haus gab es einen Tumult: das Auto von Olive war gestohlen worden, einfach so! Weg, im Smog davongefahren! Der Dieb had lurked in the smog! Trost kam von allen Seiten aus dem Dunkel: „I’ll let you use mine, don’t you worry, dear!“ sagte der Nachbar von links und der von rechts „Come round for a nice cup of hot tea, that’ll help!“
Liebe Lillilu, du schreibst so sehr lebendig, da bin ich richtig dabei. Der zweite Abschnitt bringt diese Unwissenheit und das Staunen dieses Kindes sehr lebendig rüber. Aber nicht nur dieser Abschnitt, dein ganzer Text ist lebendig. Und mir gefällt auch das einflechten der englischen Sätze. Dein Schreibstil ist sehr warmherzig und erfrischend. Liebe Grüße
Hi LL, MS Word wäre mir auch lieber gewesen, allein wegen der Vertrautheit. Aber in Pages kann man sich gut eingrooven, wenn man Zeit hat. Die habe ich nicht immer. Man muss halt probieren, dann kann man klasse korrigieren und das sogar noch dokumentieren. Eigentlich ideal für einen langes Stück Text oder einen Roman... Vieles erlerne ich bei Pages zufällig, teils fluchend, teils begeistert. Aber das Korrigieren nach den Kommentaren fand ich sehr nützlich. Man muss nur ändern und auf "akzeptieren" drücken. Dann passt es. Aber ich bin auch noch in der Experimentierphase... Learning by doing, ist meine Devise.
Ach, warum sind nicht alle Lehrer so wie Mr. Bickerton? Diese Schulszene werde ich bestimmt nie mehr vergessen. Aber auch alles andere beschreibst du mit einer so hinreißenden Leichtigkeit, dass ich Marie-Luise aus tiefsten Herzen um ihr Au-pair-Jahr beneide.
Liebe Lillilu! Ein herrlich lecker-lockerer Text :-) Egal, ob du über schmutzige Badewannen oder witzige Lehrer schreibst, es ist ein Genuß. Ich habe gar nichts zu meckern und finde deine Idee mit dem Englisch-Textexperiment genial. Liebe Grüße, Malea.
@Marie: Ja, Marie, dies ist ja meine Autobiografie. Vielen Dank für deinen Kommentar. @Karin: Du fühlst dich bevormundet, weil ich beschreibe, wie eine junge Deutsche Englisch lernt? Dann brauche ich ja mein angedachtes Experiment, einen Teil dieses Kapitels in London immer mehr in die englische Sprache übergehen zu lassen, überhaupt nicht in Angriff zu nehmen. Na, mal sehen. Hier war das Drumherum das zentrale Thema – der Smog und nicht der Englischunterricht. @ Birgit Jennerjahn-Hakenes: Danke dir ! @Jenni: „Taube in der Tanne“ ist meine Autobiografie , Marie-Luise ist Lillilu , und „Die Redelsheimer“ sind seit über 60 Jahren tot. Ich recherchiere sie seit 8 Jahren und bin natürlich froh, dass ich es endlich (!!) geschafft habe, sie langsam lebendiger darzustellen. Wenn du einmal die Entwicklung (hier im Forum) sehen möchtest, dann lies dir #5457 durch – da wurde mir, zu Recht, gesagt, dass die Redelsheimer nicht lebendig rüber kämen. Bei dem Beitrag hier ging es um den Nebel, d.h. den Smog, und es muss ja nicht immer alles so dramatisch sein wie bei #15316. Lieben Gruß Lillilu @Frog: Wie schön, dass wir auf einer Welle schwimmen! So entwickeln sich die Dinge – freut mich! P.S. Du schreibst mit „Pages“? Das hab ich auch, aber komme mit MS Word besser zurecht. Habe ich da etwas bei Pages nicht geschnallt? LG Lillilu
Hallo Lillilu, Du schreibst immer so locker leicht. Das gefällt mir sehr gut.Ich freue mich jedes mal Deine Geschichten zu lesen.ich war noch nie in England,aber ich kann mir den Nebel gut vorstellen.Du warst bestimmt selbst mal Au-Pair.Viele Grüsse Marie.
Hallo, Lillilu! Danke für Deine Englisch-Nachhilfestunde. Dass in London englisch gesprochen wird, ist klar, aber mir als Leser wird das in Deinem Text ein bisschen viel. Das Geschriebene drumherum gefällt mir. Liebe Grüße. Karin
Ich war froh, endlich mal so nebenbei etwas über das Wetter zu lesen und nicht von einer wetterbeschreibenden Wörterflut erschlagen (wobei man bei Flut ja eher ertrinkt) zu werden, danke! Gut gemacht!
Hier schreibst Du über Dich selbst und die Redelsheimer sind fiktiv? Dabei kommen sie mir soviel lebendiger vor. Also, nicht dass ich diesen Text schlecht finde, er ist stimmungsvoll, aber er weckt bei mir nicht solche Bilder, wie es Deine Texte sonst taten. Gut, an zwei Stellen schon: Als Situation wie Marie-Luise die Treppe runterläuft, um zu überprüfen, ob sie verrückt geworden ist. Und dann der Lehrer vom Old Globe Theatre als Figur. Den Maßstab für Lillilu hast Du eben schon ziemlich hoch gesetzt. ;) lg Jenni
Wie schön! Man spürt, warum Marie-Luise so anglophil werden musste. So ganz unprätentiös schilderst Du die Eindrücke des Mädchens, das zum ersten Mal im Leben einem Phänomen begegnet, das die Briten längst selbstverständlich in den Alltag integriert haben. Unabhängig davon, dass ich auf äußerst unterhaltsame Weise etwas über den London-Smog gelernt habe, hast Du mir wieder den britischen Charme und diese besondere Freundlichkeit ins Gedächtnis gerufen. Hinreißend geschildert auch die herrliche Reaktion der Nachbarn auf den Autoklau. Danke, ein ganz famoser Auszug. Darauf eine Tasse Tee...
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15562
(Dies ist die korrigierte Datei)
Dunkel bis antrazitfarben dickbäuchige Rießen schienen sich über den auf dem Feld arbeitenden Menschen verschworen zu haben. Türmten sich auf wie ein Verbund fettwamsig phlegmatischer Sklaventreiber, die dem Wind gebietend, ihn am Herbeipfeifen waren. Gleich würden sie sich, genau wie damals, mit Schrecken gebierenden Szenarien, brachial an die Arbeit machen.
Es war wieder jene Art von Atem stehlen wollenden Wolkendecken, wie zuletzt vor drei Jahren. Eine unheimlich anmutend rasende Schirmformation, unter der keiner der umher irrenden Menschengeschöpfe sich anzumaßen wagte, ihrem Androhen zu widerstehen. Indem man etwa seine angefangene Arbeit auf dem Feld hätte grad mal noch rasch zu Ende verrichten wollen.
Doch das dahinter ruhende Sonnenlicht ließ sich von den sich überdunkel bündelnden Cumuluswolken nicht täuschen. Es schien für wenigstens noch einige Sekunden stark genug bleiben zu wollen, um zumindest ein zwei Herzen auf dem bereits zum Teil verwüsteten Feld zu erreichen.
Diese würden sich hoffentlich nicht davon abbringen lassen, jenem nur schwach wahrnehmbaren Schreien Aufmerksamkeit zu schenken, das aus dem südöstlichen Teil des angrenzenden Waldstücks kommen musste. Dazu würden sie jedoch innehalten, zumindest kurz stehen bleiben müssen. Dazu mussten sie aufhören zu rennen.
Ein alter unüblich flink an ihnen vorbei hinkender Mann mit weißem Stoppelbart wollte - zusammen mit der ihm beim Umdrehen gerade vom Kopf gewehten Mütze -, zumindest noch ein eindringliches Rufen für diese beiden Unvernünftigen zurück lassen: "Jetzt lauft doch schon los, Jungs, was steht ihr denn da noch rum?"
Doch die jungen Männer schauten sich eindringlich an, inmitten der hecktisch an ihnen vorbei huschenden Personen mit im Winde flatternden Mähnen, Tüchern und Kleidern.
Tommes suchte mit Mühe den Horizont hinter dem Freund nach einem Hauch von Lichtblick ab.
Mit gequält entschlossenen nun seitlich auffällig spitz gewordenen Augenwinkeln schauten sie sich noch immer an.
Der sich Unheil drohend ankündigende Sturm, zusammen mit der Erinnerung an jenen vor drei Jahren, mahnte indes jede Faser
- auch - in den kräftigen Körpern der beiden jungen Burschen, sich genau wie alle Anderen, schnellst möglich in Sicherheit zu bringen. Immer wieder schnappten schmutzig verschwitzte Arbeiterhände aus allen Richtungen nach ihren vom Wind aufgeblusenen Hemdsärmeln. Um erfolglos kopfschüttelnd davon zu eilen.
Jedem fiel wohl bei seinem Gegenüber die sich tief bildende Stinfalte auf, die sich durch zusammen gezogene Augenbrauen zu einem einzigen in sich zusammen fallen wollenden Fragezeichen zu formatieren schien.
"Was sollen wir denn nun machen? So sag schon!", schrie Hensher seinen zwei Jahre älteren Cousin und Freund, dessen Entscheidungsgeschick anfeuernd, um die Wette mit dem Pfeifen des Windes an.
"Das fragst du noch?" kam es mit einer fast hysterisch weiblich klingenden Stimme zurück geschnellt. Doch die Augen des Freundes strahlten gleichzeitig jene von Hensher bei sonst noch Niemandem wahr genommene seltsame Ruhe aus, die letzte Kraftreserven in seinem wie sich als Zentrum der Angst anfühlenden Herzen frei zu setzen vermochte.
"Du bist irre!" flüstere Hensher nur noch. Mit einem von Tommes zufrieden festgestellten Anschein von Lächeln auf dem Gesicht des jüngeren Freundes rannten beide im selben Augenblick los.
Das Schreien kam ihnen in kurzen Abständen eindeutig entgegen, es wurde verständlicher, lauter und lauter. Sie waren richtig! Die ersten fetten Wassertropfen platschten bereits kalt auf Gesichter und Handrücken.
Die trockenen Halme des Feldes steuerten ihres dazu bei, indem sie sich ihnen , vom Wind geschlagen, quer entgegen fast zu Boden streckten, um den beiden Kumpels den noch vor ihnen liegenden Teil ein wenig zu ebnen. Doch gleichzeitig bildeten diese seilfarbenen Genossen teils schlingähnliche Fallen, so dass ebenfalls die Größe der beiden sich durch den Sturm kämpfenden Gestalten abnahm. Sie konnten sich vorwiegend nur noch stark gebeugt vorwärts bewegten.
Tommes stürzte. "Nichts passiert!" rief er dem Freund zu. Sie kämpften sich weiter gegen und durch die konstant vorhandene Tränen speiende Wand von Wind. Um Atem ringend.
Dass es am hellichten Tage so dunkel werden konnte, wie sie es nicht selten in ihrem geliebten Schottland während der Sommerferien erlebten, begann sie ohne wenn und aber, auch dieses Mal aufs Neue gemeinsam zu faszinieren.
Scheint´s gewonnen hatten die Dunkel stimmenden fetten Riesen. Die Sonne kapituliert. Ein Schrei in einer tagmöglichen Dunkelheit wurde nun für einen Atemzug lang unerträglich grell heraus gestoßen. Einmal.
So laut, dass es den Entschlossenen durch Mark und Bein ging. So laut, dass sie es sich beide im - mit blonden druchnässten Strähnen klebenden - Gesicht geschrieben glaubten anzusehen : Die Frage, wieso sie eigentlich vor ein paar Minuten noch an ihrer Absicht zweifeln konnten, um alles in der Welt jenem gemeinsam zart entdeckten Hilfeschrei Folge zu leisten.
Nun riefen beide wie abgesprochen, aus einem Munde:
"Hallo, wo sind Sie denn?" Es wurde still. Der Sturm schien kurz zu gähnen, der Wind schien auf seinem Ritt umgeknickt zu sein, die Dunkelheit schien sich kurz nach der Sonne umzudrehen. "Hier bin ich!" trug nun ein Ärmel eines leise gnädigen Windzugs die heiser gewordene Stimme einer älteren Frau vor sie heran.
"Ich bin vor dieser verdammten Drachenhöhle eingeklemmt, und wenn mir keiner hilft, fürchte ich, dass auch noch dieser schon halb entwurzelte Baum da auf mich fallen wird. Ich kann euch bereits durch die Bäume erkennen, hier bin ich...
Die Karotte des Wahnsinns wird uns vor die Nase gehängt, wehe dem, der abbeißt!
Hallo Karin, Viele, glaube mir sehr Viele, genießen sogar meinen Schreibstil zu lesen (ich habe und verwende übrigens mehrere, es gibt auch Texte mit ausschließlich kurzen Sätzen), und ebenso viele wiederum schaffen das nicht, ihn zu genießem. Finde ich doch wunderbar so. Überlege mal, wir sind in einem Zeitalter, wo sämtliche Kunstformen z. B. in der Malerei oder in der Musik auszuprobieren (das heißt auch jene, die zuvor nicht in Lehrbüchern beschrieben stehen) völlig ok ist und sich adäquat Fangruppen raus kristallisieren. Gilt dies aus Deiner und manch anderer Sicht für das Schriftstellern nicht? Dir tut es leid für meinen Text..., mir tut es leid für deine Sichtweise, wenn du dich durch allzu viele Worte erschlagen zu fühlen glaubst - vielleicht schon vorher dich selbst dazu einstimmend, sobald du meinen Namen liest, weiß man`s? Diesmal hatte ich das Schachteln sogar reduziert oder ganz aufgelöst. Kein Feedback dahin gehend, was mich etwas traurig stimmte. Vielleicht hilft dir, - was du aber nicht willst, oder?, und worum du mich nicht gebeten hast, das ist klar -, bei einem Unvermögen, meinen Text mit Genuss lesen zu können, folgendes: Stelle dir vor, die Worte zwischen den Kommata verlangen lediglich mit kurz vor einem Komma in Sicht, mit ansteigender Stimmmelodie gelesen werden zu wollen und die vor dem Punkt mit absteigender. So habe wir es auf dem Gymnasium gelernt, und seitdem funktioniert das bei mir. Nein, das ist keine Ironie oder so, das meine ich Ernst. Wieso kann ich es und können Andere meine "so vielen" Worte anders und flüssig lesen, verstehen und so lesen, damit sogar ein Genus aufkommt? Und wieso du und einige andere nicht? Können tust du es, glaube mir! Übrigens ich habe in Deutsch und Formgestaltung von Briefen und Texten eine sehr gut und von fachlichen Stellen wird mir ein sehr guter Schreibstil bescheinigt, der sich angesichts der Tendenz zum Schachteln erstaunlich gut lesen lässt, zumindest meistens. Manchmal überteibe ich und zwinge mich dann, es in mehreren Sätzen unter zu kriegen. Ich würde dies hier nicht erwähnen, doch was mir Sorge macht, aufrichtig, ist das bei mir rüber kommende Gefühl durch auch z. B. deinen Kommentar, dass auch du z. B. im Ernst glaubst, alle und nochmal alle Anderen würden ganz genau so denken wie du, sich so erschlagen fühlen wie du beim Lesen meiner so vielen Worte und würden wie du mich wegen jenes auffallend unüblichen Schreibstils sogar gnädig bis tolerant bedauern. Jene, wie ich es jedenfalls empfinde, Selbstsicherheit von Dir, die in zumindest einen Anklang von Selbstgerechtigkeit mündet, konnte ich nicht länger außer Acht lassen bei meinen Rückkommentaren. Wie ist es damit? Nur ein ganz klein wenig in Erwägung ziehen, - das wäre schon eine, wie ich meine, sinnvolle Sache -, dass folgendes auch auf Deinen Blickwinkel zutreffen könnte: Dass der Mensch, der sich irrt nach dem Motto (errare humanum est), sich seines Irtums nicht bewusst sein kann(!), da es sonst kein Irrtum wäre. Das ist das Wesen des Irrtums an sich. Doch dass dies genau so auf mich zutreffen kann wie - und jetzt pass bitte gut auf: wie auch real auf dich! Auch mir wurde so was vor vielen Jahren mal gesagt, an meine Überschussportion an Selbstgerechtigkeit gerichtet. Was du empfindest, ist ok, und kann nicht in eine Schublade mit Aufschrift: "Irrtum" einsortiert werden, dies habe ich auch nicht beabsichtigt. Doch verfalle bitte nicht in die Versuchung, zumindest für Dich persönlich deine Empfindung (auf meinen Stil bezogen) mehr als nur subjektiv zu deklarieren, und sogar darüber hinaus dir insgeheim zu denken, oder sicher zu sein, dass dein Empfinden einer objektiven Bewertung gleich käme. Da, an dem Punkt, würde dann die von mir angesprochene Möglichkeit, sich in einem chronischen Irrtum fest zu setzen, beginnen können, zu wirken. Herzliche Grüße Lisa Becker
Das habe ich genau so wie Birgit empfunden. Es sind nicht nur die vielen Wörter, auch die Satze sind umständlich. Ich war nach kurzer Zeit so erschlagen, dass ich nicht zu Ende gelesen habe. Das finde ich für Deinen Text sehr schade. Liebe Grüße. Karin
Hallo Lisa! Ich versuche es noch einmal. Du hast einen sehr eigenen Stil, der nur wenig mit der üblichen deutschen Sprache zu tun hat. Sowohl was Rechtschreibung, als auch was Grammatik angeht. Deine Texte haben durchaus einen gewissen, irren Reiz, allerdings ist das Lesen knochenharte Arbeit. Leider geht mir dabei der Inhalt verloren. Ich fürchte, dass sich kaum ein Lektor die Mühe machen wird, mehr als drei Sätze zu lesen. Sorry. Ach, und wenn du schon eine korrigierte Version einstellst (was ich prinzipiell super finde!), dann nudel den Text doch bitte vorher durch ein Rechtschreibprogramm - die Rießen gleich im ersten Satz tun richtig weh... Nichts für ungut, Malea.
Ich werde erschlagen von Wörtern, die Dir viel Mühe bereitet haben. Kürzen, kürzen, kürzen!
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15548
... das Wetter spitzt sich den ganzen Tag über zu... das hier ist nur eine der Katsatrophen dieses Kapitels....Die melodramatische...In meiner Geschichte verstricken sich mehrere Lebensläufe. Der ganze "Wetterbericht" zieht sich über zwanzig Seiten.... Das würde zu weit führen...
Es war ein sommerlicher Tag. Schon jetzt war keine Wolke am tiefblauen Himmel zu sehen und es war warm. Zu warm für Anfang Mai. „Wollen wir gleich los?“, fragte Charlotte. „Ich ziehe mir noch eben etwas dünneres an. Es soll heiß werden. Sie haben über 30 Grad vorhergesagt.“ Charlotte hatte sich früh am Morgen für einen roten Bauwollpullover mit V-Ausschnitt und eine helle, weite Jeans entschieden. Darin würde sie schwitzen. Sie ging nach oben. Im Zimmer angekommen setzte sie sich auf ihre Bettkante. Die Fotos und der Brief ließen ihr keine Ruhe. Warum nur hatte Thea so ein Aufsehen darum gemacht? Noch einmal nahm sie die Kiste aus ihrem Nachttisch und öffnete den Deckel. Da waren Sie. Die Fotos ihrer Eltern. Charlotte betrachtete sie. Wie ähnlich sie ihrer Mutter sah. Je älter sie wurde, desto mehr erkannte sie sich in den Erinnerungen an sie wieder. Es ist komisch, dachte sie. Wenn man jung ist, versucht man alles menschenmögliche, um möglichst anders zu sein, als seine Eltern, um dann, wenn man selbst alt ist festzustellen, das alle Bemühungen umsonst waren. Es war, als sähe sie in einen Spiegel. Es hätte sie schlimmer treffen können, stellte sie beruhigt fest. Ottilie war eine ausgesprochen hübsche und intelligente Frau. Sie entsprach ihrer Zeit. Im Krieg aufgewachsen , in den 50-ern groß geworden. Sie war stark und selbstbewusst und dennoch hatte sie ihren Wilhelm nie verlassen. Charlotte hatte das als Kind nie in Frage gestellt. Es war einfach so. Ottilie und Wilhelm waren ihre Eltern, die sie liebte. Doch jetzt verschwamm die Erinnerung ihrer behüteten Kindheit. War Ottilie wirklich glücklich? Es war damals nicht üblich, sich zu beschweren. Die Sorgen der Hausfrau zählten nicht. Meistens jedenfalls. In Zeiten, in denen Bücher wie „Die gute Hausfrau“ zur Standardausstattung eines jeden Bücherregals gehörten, und die Werbung suggerierte, dass das größte Glück der Frau ein neues Küchengerät sei, war das so. „Erhalt` das Glück in Deiner Eh` durch ein Gerät von AEG.“
Warum also dieser Urlaub ohne Wilhelm? Charlotte nahm den Brief aus der Zigarrenkiste. Kein Datum, kein Absender. Merkwürdig. Vorsichtig nahm sie ihn aus dem Umschlag. Eine markante Handschrift aus schwarzer Tinte, mit Füller geschrieben auf feinstem Papier mit Wasserzeichen. Leicht vergilbt war er, oft gelesen, die Bruchstellen waren morsch und drohten auseinander zu reißen. Sie traute ihren Augen kaum, als sie die Zeilen las.
Geliebte Ottilie,
Nur ein Gedanke an Dich und diese unvergessliche Nacht rauben mir den Verstand. Die Erinnerung daran ist auf ewig tief in meine Seele gebrannt. Es darf nicht sein.
Ohnmächtig spreche ich mit Dir, ungehört, doch Dich immer noch spürend, wissend dass Du es bist, die mein Herz auf ewig erwählt hat.
Nun ist dies der einzige und letzte Weg, Dir meine Gedanken mitzuteilen.
Wie gern würde ich nur einmal noch in Dein Gesicht sehen, Deinen Atem gleich einer Hand auf meinem Körper spüren und mich von Deinem süßen Duft verführen lassen.
Könntest Du doch bei mir sein.
Es bleibt mir nichts, als meine unendliche Sehnsucht und all mein Verlangen in diese Zielen zu legen.
Ich werde Dich nie vergessen,
Lebe wohl.
Charlotte wich die Farbe aus ihrem Gesicht, sie bekam kaum Luft. Gedanken zuckten wie Blitze durch ihren Kopf. Kaum möglich, diese in vernünftige Bahnen zu lenken. Das alles machte keinen Sinn. Ottilie, ihre Mutter, hatte eine rauschende Liebesnacht. Selbst sie. Erst Hanna, dann dieser Daniel, jetzt Ottilie. War sie, Charlotte, denn die einzige, für die Attribute wir Treue noch etwas zählten? „Bis das der Tot Euch scheidet.“ Vielleicht war es altmodisch, wenn nicht sogar naiv, aber sie glaubte an das Versprechen, das sie Philipp gegeben hatte, auch wenn er ihr nie einen poetisch-kitschigen Liebesbrief schreiben würde. Das hatten sie gar nicht nötig. All diese Heimlichkeiten und Gewissensbisse, Verletzungen und Tränen. Und jetzt auch noch ihre eigene Mutter. Wahrscheinlich waren sie sich doch nicht so ähnlich, wie sie gerade eben noch vermutete. Was wusste sie denn überhaupt von ihr?
„Mama, bist du fertig?“, Hanna kam die Treppe hinauf. „Können wir fahren?“ Charlotte war vollends verwirrt. Hastig legte sie den Brief zurück und verschloss die Schublade mit der Zigarrenkiste. Hätte sie diesen Brief bloß nicht gelesen. Sie zog den Schlüssel ab und legte ihn in ihre Handtasche. „Hattest du nicht gesagt, du wolltest dich umziehen?“ Hanna stand in der Zimmertür und guckte ihre Mutter verwirrt an. Sie sah blass und verstört aus. „Mama?“ „Alles in Ordnung Hanna, mir war ein wenig flau. Das Wetter. Es wird gleich gehen. Warte eben.“
Liebe Wupilie, ich kommentiere leider sehr spät..... ich habe deinen Text sehr gern gelesen, du schreibst klar und die Sätze gehen Hand in Hand, das gefällt mir. Dein Text ist spannend, ich bin gespannt wie es weiter geht! Viel Glück
Liebe Wupilie! Ich finde deine Geschichte sehr interessant. Allerdings hast auch du - wie viele andere - wenig Wetter und viel Romanhandlung gepostet ;-) Aber egal... Mir würde dein Text noch besser gefallen, wenn du ein wenig straffer erzählen würdest, streiche z.B. die exakte Beschreibung der Kleidung. Versuche, einen Vorgang nicht im Detail zu beschreiben (hochgehen, ankommen, hinsetzen, nachdenken, rausnehmen), sondern wähle aus, was dich zum Ziel führt und die Situation möglichst treffend und originell beschreibt. Das soll nur ein Vorschlag sein, ich freue mich auf mehr Beiträge von dir. Liebe Grüße, Malea.
Hallo Lillilu, ich habe mich missverständlich ausgedrückt. Entschuldigung. Nicht Hanna ist verwirrt und verstört, sondern Charlotte, die in diesem Brief erfahren hat, dass ihre Mutter Ottilie eine Affäre hatte. Im weiteren Verlauf des Romans stellt sich heraus, dass Charlotte Kind dieser Affäre ist. Es ist eine Schlüsselszene. Also, Drama genug um verwirrt und verstört zu sein... Das Wetter wird nicht auf 20 Seiten beschrieben, das Kapitel umfasst 20 Seiten. Die Hitze trägt die Verflechtung der Geschichten, verschiedener Familienmitglieder, die alle am Ende des Romans zusammenlaufen und in größtmöglichen Katastrophen und Konflikten münden. Diese bringen eine harmonische goldene Hochzeit in Gefahr, die als ein gemütliches Familientreffen geplant war. Es ist wirklich nur ein Auszug, der so, völlig losgelöst, verwirrend ist... Aber je drückender die Hitze, desto drückender werden die Konflikte. Zumindest in diesem Kapitel. Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich versuche zukünftig, Missverständnisse zu vermeiden und mich deutlicher auszudrücken. Deine Kürzungen habe ich dankend angenommen. Man wird regelrecht betriebsblind, wenn man die eigenen Texte wieder und wieder liest... Vielen Dank Wupilie ;-)
Hallo Wupilie, du hast aber ein lustiges Pseudonym! Klingt auch ein bisschen nach Ottilie. Ich liebe Familiengeschichten, die können gar nicht lang genug sein. Aber zwanzig Seiten "Wetterbericht" sind doch wohl zu viel. Auch hier könntest du kürzen: Die ersten drei Sätze sind nicht notwendig, zumal in der direkten Rede danach ebenfalls die Hitze erläutert wird. Dieser Text könnte mit "Es war zu warm für Anfang Mai" beginnen. Am Ende dieses Beitrags schaut Hanna verwirrt, sie sieht blass und verstört aus. Auch hier solltest du kürzen und solche Wörter wie "verwirrt" und "verstört" für wirkliche Dramen aufheben - die Tochter hatte doch nur ein paar Minuten auf ihre Mutter gewartet! Gutes Gelingen! LG Lillilu
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15542
Seit Tagen hängen tiefschwarze Gewitterwolken, römischen Galeeren gleich, über dem Dorf hinter der Heiligenklamm. Ihre Tentakeln spucken kalten Regen und helle Blitze. Es donnert in kurzen Abständen. Mit dem Mitternachtsglockenschlag der kleinen Dorfkirche erzittert die Erde und zusammen mit einer tiefen Erdschicht, wird das ganze Dorf samt Murengeröll von der Landkarte verschluckt und in der Wildnis wieder ausgespuckt. Dann ist es still.
Hallo Velarani, ich mache Din A 4 seitenkurz Beschreibungen der hiesigen Einrichtungen/Vereine/Institutionen etc., die etwas mit Kindern zu tun haben. So langsam kommt aber Ruhe in die Angelegenheit und ich freue mich schon darauf mit Charly und dem Kommentieren der vielen interessanten Beiträge weiterzumachen. Viele Grüße Bridget
Trotzdem schön, deine drei Sätze! Viel Erfolg bei den neuen Jobs (über was schreibst du für ein Familienmagazin?), und hoffentlich hast du bald wieder Zeit zum Weiterschreiben! LG Velarani
Ein ganz altes Bild? Ein Experiment? Ein uralter Albtraum? Der Text jagt mir eine Heidenangst ein und erinnert mich an ein bayerisches Dorf bzw. dessen Überreste. Ein Anblick, den ich als Kind einmal ertragen musste. Schon das Wort "Murgengeröll" jagt mir Schauer über den Rücken...Uhuhuuu. Ich hätte lieber Charly wieder...
Hallo zusammen, ich hatte Lust es mal so richtig krachen zu lassen. Bin zur Zeit im Streß, habe zwei neue Jobs angefangen einer davon ist Artikel für ein kostenloses Familienmagazin zu schreiben. Bin erfreut aber auch hypernervös.Das Synapsengewitter muss sich erst wieder legen. Sorry Bridget
Liebe Bridget! Ist das ein Teil aus dem Charly-Roman? Ein wenig Fantasy? Oder wolltest du nur die allfälligen Gewittertexte mal auf die Spitze treiben? Ich finde deine Bilder gelungen, nur bei den Tentakeln klemmt es etwas, die passen nicht zu den Galeeren. Aber sei so lieb und versorge uns Junkies bald wieder mit Charly-Stoff, ja ;-) Liebe Grüße, Malea.
Liebe Bridget, Du schreibst sonst so schön. Ich hoffe, Du nimmst meine Kritik als Ermutigung. Erstmal habe ich den Sinn nicht begriffen, weshalb das Dorf erst verschluckt (das kann ich noch nachvollziehen) und dann wieder ausgespuckt wird. Bei den Vergleichen würde ich mir wünschen, dass Du bei einem Bild bleibst, und nicht ein Bergdorf mit Galeeren und Tentakeln mischst. Überleg vielleicht einmal, aus wessen Perspektive das Wetter wahrgenommen wird. Rom kommt bei Dir sonst nur als Wohnort von Charlys Vater vor, aber nicht die historische Stadt. Charly würde vielleicht eher einen Vergleich zu Pflanzen ziehen? LG Metta
Hallo, kurz und gewaltig. Finde ich gut. Gruß Marie.
Ich danke Dir, meine Gebete wurden erhört: In der Kürze liegt die Würze!!!
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15536
Die unerträgliche Schwüle des Nachmittags erdrückt mich beinahe, die Luft ist zäh wie Sirup, alle Bewegungen wirken bleiern und ein bisschen wabbelig. Mein Körper ist von einer feinen Schweißschicht überzogen, alles scheint verlangsamt zu sein - Herzschlag, Gedanken, Zeit… Selbst das Atmen fällt schwer an solchen Tagen. „Es ist viel zu warm für den Frühling!“ Mutter schüttelt den Kopf und wedelt mit beiden Händen ihren geblümten Joop-Rock hin und her. Kindlich. Schwer türmen sich die bauchigen Wolken auf, und kränklich-gelbes Schattenlicht hat sich über die Stadt gelegt. Ich werde Kopfschmerzen bekommen, ich weiß es. „Atompilz!“ sagt Mutter, entrückt lächelnd, und zeigt auf die dunkel aufragende Masse am Himmel. „Pchchchchch!“ mit den Händen ahmt sie eine Explosion nach, schwingt die Arme in immer größer werdenden Kreisen und dreht sich dabei um sich selbst. Die Angst um sie presst mir alle Luft aus den Lungen, ich unterdrücke den Impuls, die Augen zu schließen und mich in den Rinnstein zu legen. „Mom, komm schon.“ Ich nehme sie bei der Hand und führe sie zum Gartentor. Der Wolkenberg scheint in rasender Geschwindigkeit größer zu werden, in der Ferne höre ich schon leises Donnergrollen, die Insekten sind fort, die Möwen verstummt. Selbst der Verkehr klingt nur gedämpft zum Anwesen meiner Eltern herauf. Unbehagen macht sich in mir breit - Ich hatte mich auf den kühlen salzigen Fahrtwind gefreut, und nun scheint es, als würden wir verzichten müssen. …Nein, das ist nicht der wirkliche Grund… Jedenfalls nicht der Einzige. Da kommt Herta eilig die geschotterte Einfahrt herab, ihre Schritte machen auf dem Kies ein Geräusch wie Kieferbrechen, sie wedelt schnaufend mit Mutters Tasche, „Ich komme, ich komme schon!“ Eine graue Haarsträhne hat sich aus ihrem Dutt gelöst und umweht das massige Gesicht wie eine weiße Flagge. „Ist ja gut Herta, kippen sie mir bloß nicht noch um!“ Ich laufe ihr entgegen, nehme Mutters Reisetasche in Empfang. „Soll ich wirklich nicht…“ Ich unterbreche sie: „Es geht nicht, ich fahre doch bloß einen Zweisitzer.“ Sie nickt langsam. „Jaaa…ich werde mit dem Fahrrad nachkommen.“ Meine Herta! Sie wäre im Stande. Ich rede ihr das Vorhaben in knappen Worten aus – hoffe jedenfalls, dass es mir gelungen ist – und verabschiede mich dann mit dem Versprechen, sofort anzurufen, wenn es etwas Neues gibt. Eine Windböe verwirbelt mein Haar, treibt abgerissene Blätter und Blütenstaub vor sich her. Es riecht nach Regen und dem brackigen Wasser des Hafens, bald wird der Wolkenbruch uns erreichen. Herta winkt, bevor sie die Haustüre hinter sich schließt. Aufatmend drehe ich mich zu meiner Mutter um. Sie hat inzwischen ihre Higheels von den Füßen gekickt und wackelt verzückt mit den Zehen. Ich hebe die Pumps auf, und … Was…! Sie hat es gerade eben auch entdeckt und klatscht lachend in die Hände. „Mupf! Smap rafach!“ Ich bin wie vom Donner gerührt. Worüber ich zuerst entsetzt sein soll, weiß ich nicht. Ich starre auf das Heck meines Aston Martin, in das Gesicht meiner Mutter…“Mupf, mupf!“ ruft sie. Scheiß auf das Auto! Ich verfrachte sie unsanft auf den Beifahrersitz und springe hinters Lenkrad, um auf dem schnellsten Weg ins Klinikum zu rasen. Mupf! Was soll das heißen, Mupf! Ich trete aufs Gas wie nie zuvor in meinem Leben. Im Spiegel sehe ich, wie ihre linke Gesichtshälfte schmilzt und zerläuft. Das muß ein Schlaganfall sein, sie wird sterben, meine Mutter wird sterben, der explosionsartige Donnerschlag fährt in meine Gedanken, ich sehe wie sie zusammenzuckt und unruhig tiefer in den Sitz rutscht. Sie hat immer schon Angst vor Gewittern gehabt. Das gelbe Licht ist nun einer nachtdunklen Finsternis gewichen, Staubwolken, Papierfetzen und Laub fegen quer über die Fahrbahn. Ich schalte das Licht ein. Als wir Kinder…als ich ein Kind war und Malin noch lebte, mussten wir immer in die Küche kommen, sobald es donnerte. Auch Nachts. Mutter stellte Kerzen auf, drehte die Hauptsicherung heraus und dann hielten wir uns an den Händen, bis es vorbei war. Ich glaube, sie hat gebetet. Als ich älter war erzählte sie mir, im Haus ihrer Großeltern habe einmal der Blitz eingeschlagen, das Reetdach fing sofort Feuer, und die Familie wäre beinahe im Schlaf verbrannt. Ich hasse Gewitter, wie sollte es anders sein. Trotz meines Bewusstseins dafür, dass es an sich eine ganz normale Naturerscheinung ist, die einem im Auto nicht gefährlich werden kann, und auch in einem Haus mit Blitzableiter nicht – mein Herz krampft sich zusammen, sobald es in der Ferne zu Rumpeln beginnt. Es ist mir peinlich, aber… Meine Mutter übergibt sich. In den Fußraum. Natürlich. Da vorn sehe ich die graue Fensterfront der Klinik aufragen. Blitze spiegeln sich darin, reißen zackige Konturen aus der Welt und schärfen alle Kanten. „Wir sind gleich da, keine Angst, keine Angst, Mom, gleich sind wir da!“ Ich weiß nicht, wen ich eigentlich beruhigen will. Der Regen platzt mir entgegen als hätte Gott seinen Putzkübel umgestoßen; ich muß bremsen, sonst bringe ich uns beide noch um. Die Wischerblätter rasen von einer Seite der Windschutzscheibe zur anderen, aber gegen diese Flut kommen sie kaum an. Mutter beginnt zu wimmer, vielleicht soll es auch ein Summen sein, sie hat oft gesummt, wenn sie angespannt war. Schwedische Volkslieder. Ich will sie anschreien, packen, schütteln, sagen, sie soll aufhören! Es ist kaum zu ertragen. Ich schaukle im Fahrersitz vor und zurück, muß mich irgendwie bewegen, um die Spannung auszuhalten. Da, die Einfahrt! Oder? Ja! Ich parke direkt vor dem gläsernen Vordach, das den Eingangsbereich beschirmt, vielleicht werde ich Mutter so einigermaßen trocken nach drinnen bringen können. Als ich aussteigen will, klammert sie sich an meine Hand und blickt mich flehentlich an. Das linke Auge hat Picasso gemalt, das rechte Rubens. „Lass los, bitte, ich will dir nur die Tür öffnen, Mom, ich gehe nicht weg, ich schwöre, ich gehe nicht weg!“ Sie läßt nicht los. Ich entreiße mein Handgelenk ihrem Klammergriff, renn um das Auto herum, bin sofort durchnässt bis in die unteren Hautschichten. Das Wasser rinnt mir in die Augen, ich tropfe Mutters Rock nass und durchsichtig, als ich die Tür öffne. „Siehst Du, hier bin ich, ich bin hier, ok! Komm!“ Sie ist wütend, ich spüre, wie ihre Hand zittert, als ich sie aus dem Wagen auf die Beine ziehe. Auf meinen Arm gestützt tappt sie barfuss in die Lobby des Krankenhauses. Die Empfangsdame runzelt die Stirn. Ich deute auf meine zerfallene Begleiterin und frage, ob es hier einen guten Neurologen gibt. Blechern und übermäßig laut erklärt mir die Frau durch das Mikrophon in der Scheibe, dass wir uns in den Wartebereich der Notaufnahme setzen sollen, es käme gleich jemand. Versichertenkarte bereithalten. Ich denke an Jens-James bescheuerte Blindenuhr - sie klingt genau so wie die Mikrofonfrau - während ich meine völlig veränderte Mutter auf einen Stuhl setze. Tatsächlich erscheint beinahe augenblicklich eine Krankenschwester in blauer OP-Kleidung, die uns freundlich lächelnd voneinander trennt. Ich soll warten. Warten. Das kann ich wie kein anderer. „Ich bin da, Mom, alles wir gut, bis später!“ rufe ich unsinnig, als die Frauen langsam durch die angrenzende Tür verschwinden. Die Schwester nickt mir zu. „Manchmal sitzen wir nach der Sauna zusammen und reparieren die Welt!“ höre ich Mutter im davongehen glücklich sagen. Immerhin spricht sie wieder in verständlichen Worten.
Mein Gott, wie ich Krankenhäuser inzwischen hasse! Es kommt mir vor, als seien sie zu meinem zweiten Zuhause geworden. Was die Frage nach dem ersten Zuhause eröffnet. Ich lehne mich in den knarzenden Kunststoffsessel zurück, dessen 70er-Jahre-Charm mir orange-braune Rückenschmerzen verheißt. Fehlt nur noch, dass ich Dad einliefern muß, aber er wohnt so weit weg, dass ich in diese Verlegenheit sicherlich nicht kommen werde. Obwohl – so weit ist Braunschweig nun auch wieder nicht. Schweig, Braun. Und Orange auch. Alles mal die Fresse halten!
Stille.
Vor meinem inneren Auge taucht der Aston Martin auf. „Drecksau“ hat sie in den silbernen Lack geritzt. Es ist keine Frage, dass das Katrin war.
Tolle Bilder, sehr emotional! Hinke mit dem Kommentieren noch immer hinterher, habe Deine Texte jetzt aber alle gelesen, konnte aber nichts hinzufügen, was nicht schon gesagt ist. Dass ich Dich nicht vergessen habe, erfährst du in Beitrag Nr. 16022, wenn Du willst. ;o) LG Metta
Liebe Fledermaus, sehr ergreifend, spannend, mit einem Klecks Humor, geschrieben. Liebe Grüße
Hui! Danke für das reichliche und liebe Feedback! Ich werde mich bemühen, erst mal alle Fragen zu beantworten.Also. Angela: Ich wollte mir die Auflösung bis zum Ende sparen. Vielleicht muß das noch deutlicher werden, dass er sich wegen des Autos erschreckt. Velarani: Zuviel Wetter bei der Wetteraufgabe? ;O) Aber ich nehme es zur kritischen Prüfung auf. Jenni: Ja, das ist Birger, und er ist wirklich eine arme Sau, wenn man so bedenkt, was ich ihm antue. *g* Ich befürchte fast, ich übertreibe, aber er soll ja ganz furchtbar verzweifeln, erst mal. Birgit: Das Donnergrollen...hm. Sehr wahr, da muß was anderes hin! Danke! Karin: Du vermutest richtig mit dem Sessel. Die Luft soll ja die Bronchien verkleistern, man! *g* Und zu viele Wörter...? Dass ich immer wieder Fehler mache, die ich nicht sehe, regt mich auf! Malea: Zu Atemberaubend? Meinst du, ich trage zu dick auf, oder wie? Zu den "weiblichen" Details: Der Joop-Rock...hm, er hat halt ein Markenbewusstsein (mehr als ich, ich weiß net ob Joop blümelt *g*). Die Haare sind sein persönlicher Tick, die müssen immer sitzen. Das 'verändert' nehm ich raus, jawohl. Und "Wie kann eine graue Haarsträhne einer weißen Flagge gleichen?" --> Weil ich es so geschrieben habe. *g* Kannst Du es dir nicht vorstellen? Sylvia: Schwer zu lesen? Kannst Du genauer sagen, warum? Die andere Frau...ok, ich gucks mir nochmal an. Azahar: Ich meinte mit dem Kieferbrechen, dass es unangenehm, laut und knirschend ist. Die emotionale Konotation natürlich mitgedacht. ;O) Papaya: Du meinst wahrscheinlich dieselbe Stelle wie Sylvia, ich sehs mir nochmal an. Der Schlaganfall kann so aussehen, ja, wie andere Leserinnen ja bestätigt haben. An Frog, Lillilu, ml und Marie einfach ein dickes Dankeschön.
Hallo Fledermaus, mein Gott wirklich hinreißend geschrieben (schweig Braun...ha! oder die bei Gewitter an den Händen versammelte Familie und und...) Was mich abgelenkt hat war die ganze Zeit die Frage: sieht so ein Schlaganfall aus oder: was hat sie denn? Dieses "Mupf, mupf" ist wirklich witzig aber etwas plötzlich, ich jedenfalls kriege die geschilderten Symptome nicht so recht auf die Reihe. Im KH redet sie ja dann wieder "normal": "in der Sauna...reparieren wir die Welt". Das mit der Herta verwirrt mich auch etwas, wusste nicht immer wer da denkt/redet. Hab den Eindruck, dass ab und an der Erzählgaul einfach mit dir durchgeht, weils ja auch soviel Spaß macht..der Leserin auch.. Grüße von papaya mit Hunger auf mehr
Da gibt es eigentlich nichts mehr dazu zu sagen. Der Text ist wunderbar dicht und mitreissend geschrieben. Hat mich beeindruckt! Ein Geräusch wie Kieferbrechen (brechende Kiefer?) kann ich mir zwar nicht wirklich vorstellen, aber ich weiss ja auch nicht, was deine Hauptperson schon erlebt hat. Werde gleich mal deine anderen Texte durchgehen! LG Azahar
Liebe Fledermaus! Dein Text weckt schmerzhafte Erinnerungen in mir! Deine Sprache ist wie immer sehr gelungen. Etwas weniger wäre mehr. Teilweise ist es schwer zu lesen. Vor allem, als diese andere Frau auftaucht. LG Sylvia
Hallo Fledermaus! Ein großartiger Text. Deine Bilder sind atemberaubend. Lobhudelei allein tut zwar gut, aber konstruktive Kritik hilft weiter: Mir ist klar, dass hier das brutale Gewitter perfekt zum Innenleben von Birger und seinen gruseligen Erlebnisse mit Muttern passen. Aber es ist fast ein wenig zu viel der Atemberaubung. Ich habe immer wieder Probleme, den Ich-Erzähler als Mann wahrzunehmen. Es sind so viele weibliche Details z.B. der Joop-Rock und er bemerkt, dass der Wind sein Haar verwirbelt (wissen bzw. merken heterosexuelle Männer so was?). Wie kann eine graue Haarsträhne einer weißen Flagge gleichen? Ein paar Tippfehler, die tun nicht weh. ...während ich meine völlig veränderte Mutter auf einen Stuhl setze... lass das völlig veränderte weg, oder hat sie sich jetzt noch mal verändert? Der vorletzte Absatz im ironischen Ton ist herrlich. Und danke für die fiese Auflösung des Rätsels mit der Autoschändung ;-) Freue mich auf mehr. Liebe Grüße, Malea.
Hallo Fledermaus,gefällt mir sehr gut. Ich kann gar nicht sagen was mich am meisten anspricht. Formulierungen wie durchnässt bis in die unteren Hautschichten, oder das linke Auge hat Picasso gemalt, das rechte Rubens. Finde ich voll genial. Mach weiter so. Gruß Marie.
Hallo Fledermaus, das mit Picasso und Rubens fand ich genial. Man konnte sich sofort vorstellen, dass sie sehr hübsch ist, aber im Moment auf einer Seite entstellt. Liebe Grüße ml
Hallo, Fledermaus! Vielleicht gibt es einige Wörter zu viel in Deinem Text und auch ein paar Fehlerchen, doch der überwiegende Teil hat mich fasziniert. Mit Deiner Art zu schreiben - die Bilder eingeschlossen - ziehst du Deine Leser mit Macht in das Geschehen hinein. Luft, klebrig wie Sirup, gibt es wohl nicht; sie würde die Bronchien zusammenkleistern. Und was sind orange-braune Rückenschmerzen? Sicherlich hat der Sessel diese Farben und ist dermaßen unbequem, dass sich das Orange-braun in den Rücken einätzt. Richtig? Beim nächsten Text gern mehr. Liebe Grüße. Karin
"Kränklich gelbes Schattenlicht" hat mir gefallen. Ansonsten gibt es auch bei Dir Donnergrollen, schade.
Diese stimmungsvolle, intensive Szene gefällt mir extrem gut. Durch das Wetter und die Reaktion der Mutter darauf erzeugst Du eine beunruhigende Stimmung, die Birgers Angst (ist das er? Hat er nicht schon genug Probleme, der Arme?) sehr greifbar macht. Also echt, Daumen hoch! lg Jenni
Hallo Fledermaus! Ich liebe deine Texte und deine Sprache sehr - aber hier ist es mir eindeutig zu viel Wetter. Bin überfordert, gleichzeitig die dramatische Krankenhaus-Einlieferung der psychotischen oder Schlaganfall-Mutter zu verfolgen, das Höllen-Gewitter und dann noch Informationen über einschneidende Kindheits- und Beziehungserlebnisse zu bekommen. Ansonsten wieder tolle Beschreibungen ("Blitze reißen zackige Konturen aus der Welt", "Staubwolken, Papierfetzen und Laub fegen quer über die Fahrbahn") und der Schluss mit Braunschweig gefällt mir 1 A! LG Velarani
Da gibt es nicht viel kommentieren - dein Text ist einfach großartig. Vielleicht eine kurze Anmerkung: es hat mich irritiert nicht zu wissen, was wirklich passiert ist (in dem Moment, als sie in das Auto steigen wollen...). Ich habe immmer etwas im Geschehen mit der Mutter gesucht.
Fledermaus - ein Meisterwerk! Ich habe atemlos gelesen, jedes Wortspiel (Braunschweig), jede Metapher genossen und mich erinnert, dass ich schon ähnliches mit meiner Mutter erlebt habe. Aber ich hatte es verdrängt. So kann ich mit frisch geweckter Erinnerung sagen, dass dies glaubwürdig und berührend ist! Und am Ende kommt Katrin wieder ins Spiel! Dein armer Protagonist - ich hoffe es kommen am Ende doch noch bessere Zeiten! LG Lillilu
Jetzt bist Du aber richtig in Fahrt gekommen. Gänsehauttext, Dein bisher bester, finde ich, weil Du hier so richtig zeigst, wie Du mit Worten umgehen und Bilder malen kannst. "Das linke Auge hat Picasso gemalt, das rechte Rubens". Das muss einem erstmal einfallen... Bin begeistert, mich hast Du damit eingefangen... (und Danke noch einmal für Deinen genialen Vorschlag für Linns Eheversprechen).
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15519
Frankfurt, 21. November
Mitten in der Nacht klingelte das Telefon. Einmal, zweimal, zehnmal. Uwais wälzte sich von einer Seite auf die andere. Er war mit rasenden Kopfschmerzen früh ins Bett gegangen.
Mit geschlossenen Augen tastete er über den Nachttisch, bis er sein Telefon erwischte und es dabei auf den Boden warf. Uwais beugte den Oberkörper aus dem Bett, stützte sich mit links auf dem Boden ab. Es klingelte immer noch. Der Hörer war aus seiner Reichweite unters Bett geschlittert.
Stechende Schmerzen fuhren durch seinen Kopf, als er ihn so weit beugte, bis er das Telefon erreichen konnte. Er nahm mit einem Knopfdruck das Gespräch an. „Was?“ brüllte er ungehalten in den Hörer. Es knackte kurz in der Leitung, dann Stille. Uwais schloss die Augen. Nicht schon wieder, dachte er und legte entnervt auf. Eine halbe Ewigkeit versuchte er wieder einzuschlafen, stand dann doch auf, um eine Kopfschmerztablette zu nehmen.
Er nahm seine Tablette und setzte sich matt in einen Sessel. `Nur bis sie wirkt´, dachte er.
Die Migräneattacken waren in den letzten Wochen schlimmer geworden. Je nach Wetterlage, gab es Tage, da konnte er kaum denken, jede Augenbewegung löste Übelkeit erregende Schmerzen aus. Besonders schlimm wurde es, wenn es regnete, kurz vor Gewittern.
Mit rotgeäderten Augen schaute er aus seinem Wohnzimmerfenster. Die Straßenbeleuchtung schien auf die nassen Straßen. Von seiner Position aus konnte er erkennen, wie kleine Bäche durch den Rinnstein flossen und im Gully verschwanden. Der erste Blitz zuckte über den Himmel, erhellte kurz den Horizont und erlosch, gleich folgte rollender Donner, der grummelnd begann und mit einem lauten Knall verhallte. `Da hab ich nun mein Gewitter´, Uwais hatte den Eindruck, seine Kopfschmerzen würden noch zunehmen. Wenn er die Augen schloss, sah er sein Blut pulsieren. Aggressiv, wie mit Säure versetzt pulste es über die Schläfen an den Augen vorbei und hinterließ weiße Punkte in seinem Gesichtsfeld, als er die Lider wieder öffnete.
Der Himmel öffnete die Schleusen, immer schneller zuckten die Blitze über den Himmel, immer lauter grollte der Donner. Uwais hielt sich die Fäuste gegen die Ohren und kniff fest die Augen zu. Die Schmerzen waren unerträglich.
Plötzlich kehrte Ruhe ein, ein seichtes Plätschern gegen die Fensterscheiben. Unendlich langsam ließ er die immer noch verkrampften Hände sinken. Uwais fühlte sich, als hätte er einen Marathonlauf hinter sich. Er erhob sich wie in Trance aus seinem Sessel. Dicht vor dem Fenster blieb er stehen, fast mit der Nase am Glas. Unter seinen Nasenlöchern beschlug die Scheibe, wenn er ausatmete. Er sah dem Gewitter hinterher, die schwarzen Wolken zerfaserten am Himmel. In weiter Entfernung sah er noch einen einsamen Blitz den Horizont erhellen. Dann war es vorbei.
Sein keuchender Atem beruhigte sich. So wie aus einer Entzündung Eiter herausläuft und der Druck anschließend erträglicher wird, so ließen seine Kopfschmerzen nach. Der Schmerz schien über seiner Nasenwurzel aus seinem Kopf zu fließen. Seine Gesichtszüge entspannten sich.
Uwais hauchte die Scheibe an und sah zu, wie sich der Beschlag auflöste und er sich vor dem dunklen Himmel in der Scheibe spiegeln konnte.
Ein einzelner heller Stern zeigte sich am Nachthimmel, der unbeeindruckt von den letzten Regentropfen vor sich hin funkelte.
Als Uwais sich herumdrehte, begann wieder das Telefon zu klingeln. Auf unsicheren Beinen wankte er ins Schlafzimmer zurück, setzte sich auf die Bettkante und nahm das Gespräch an. „Ja bitte?“ sagte er ruhig. „Ich wollte die erste sein, die dir zum Geburtstag gratuliert. Vor einer Stunde sind wir unterbrochen worden.“ Die helle Stimme aus dem Hörer wärmte sein Herz, als wäre nachts die Sonne aufgegangen. „Danke Rabia. Hier ist ein heftiges Gewitter niedergegangen, deswegen war wohl die Leitung plötzlich weg. Wie spät ist es jetzt eigentlich?“ „Kurz nach eins. Wieso ist es denn so ruhig bei dir? Ich dachte, du feierst in dein neues Lebensjahr…“ „Mit wem soll ich denn feiern? Ist ja keiner da… Vielleicht heute Abend ein kleiner Umtrunk… Außerdem 31 ist ja keine große Sache…“ „Na dann, leg dich mal wieder in dein Bett, alter Mann. Ich soll dich noch grüßen, von Malika und Malak. Schlaf gut, großer Bruder.“ „Grüß mal zurück, schlaf du auch gut, Rabia.“ Beide legten auf.
Uwais Blick wanderte auf die Digitalanzeige seiner Uhr auf dem Nachttisch. Sie blinkte munter vor sich hin. `Dämliches Gewitter´ dachte er und stellte seine Uhr neu. Danach ließ er sich auf sein Kissen sinken, deckte sich zu. Einunddreißig war sein letzter Gedanke, bevor er fest einschlief.
Hallo Sarah, ich habe richtig mitgelitten und dann gespürt, wie die Schmerzen nachgelassen haben. Lebendig geschrieben und das Wetter kommt auch sehr gut rüber. Viel Glück
Hallo Sarah! Gut und glaubhaft geschrieben, ein Gewitter mal vom Zimmer aus betrachtet, gefällt mir, die kleinen Bäche im Rinnstein, die beschlagene Scheibe, der einzelne Stern. Und macht wieder neugierig auf Uwais Geschichte - was macht er denn jetzt in Frankfurt, in der Großstadt? LG Velarani
Ein Migräneanfall in ein Gewitter eingebettet, gute Idee. Die Migräne beschreibst Du stellenweise sehr gut ("..., sah er sein Blut pulsieren). Vorschlag: "..., um eine Kopfschmerztablette zu nehmen. Er nahm seine Tablette ..." Achtung Wiederholung, streiche eins! Oder: "Besonders schlimm wurde es, wenn es regnete, kurz vor Gewittern." Wie wäre es mit: "Besonders schlimm wurde es kurz vor Gewittern."? Ansonsten grummelt es auch bei Dir, der Donner grollt - Klischees, zu oft gelesen. Auch Deinen Text würde ich kürzen. Im Geschehen war ich dabei, das ist gut! Liebe Grüße, Birgit.
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15513
Nachfolgender Abschnitt soll Teil eines Romans werden, der die Liebe zwischen einer Deutschen und einem Ägypter beschreibt.
Wir hatten soeben das Schiff mit der dreiköpfigen ägyptischen Crew verlassen und schwammen das letzte Stück durch das blau-grüne seichte Wasser des Roten Meeres an den flachen Strand dieser einsamen kleinen Insel. Die Wellen schnalzten in ihrem eigenen gleichmäßigen Rhythmus, vereinigten sich mit dem feinem hellen Sand, um sich dann wieder genauso sanft zurückzuziehen. Auf der Wasseroberfläche tanzten Millionen von Lichtsternchen, die der gleißenden Mutter Sonne ihre Ehrehrbietung zeigten.
Ich blinzelte, um meine Augen zu schützen. Die Luft flackerte und ließ das Festland im Hintergrund flirren. Eine leichte Windbrise umschlang meinen Körper wie ein Seidenschal, der zärtliche Liebkosungen verschenkt, wenn er von der Schulter am Körper entlang zu Boden gleitet. Die Welt bestand nur noch aus drei Dingen: der Sonne, dem Sand und dem Meer. Drei Töne, die sich in unendlichen Farbnuancen vermischten und sich im Klang immer wieder neu erschufen. Und aus uns. Ich spürte seine Lippen auf meiner Schulter. Seine Hände begannen behutsam meinen Rücken mit dem nassen Sand einzureiben. Die Kühle beruhigte die Haut und schützte vor den inzwischen beißenden Sonnenstrahlen.
„Ich muss dir etwas sagen, habibi, mein Liebling.“
Er schaute mich mit seinen dunklen Augen fragend an. Keine Hitze der Welt war verbrennender und keine Kälte der Welt eisiger als ein Blick von ihm sein konnte.
„Ich...“
Hallo Carate, ich würde auch kürzen, dann kommt dieser "Liebeshauch" stärker rüber und verliert sich nicht so. Viel Glück
"Eine leichte Windbrise umschlang meinen Körper wie ein Seidenschal, der..." Eine Brise ist leicht, also kannst Du das Wort "leicht" ganz leicht streichen. Und den Rest auch, weil ich als Leser selbst an den Seidenschal denke. Mir geht es bei Deinem Text wie bei den meisten hier: Kürzen, kürzen, kürzen - doch sei noicht böse, bisher scheine ich mit dieser Meinung alleine dazustehen. Liebe Grüße, Birgit
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15500
Seit dem Sommer ging Lisa zur Schule. Fünf Kilometer entfernt, im Nachbarort. Es gab einen Bus dorthin und seit kurzem einen Radweg. Sie hatte gebettelt, bis die Mutter erlaubte, mit dem Fahrrad zu fahren. Aber nur in Begleitung des Nachbarjungen, war ihre Bedingung. Uli war fast neun. Er hatte eigentlich keine Lust, auf das Mädchen aufzupassen. Doch sie lächelte ihn aus ihren hellen Augen an: “Bitte, bitte! Du bist doch der beste Freund auf der Welt.“
“Meinetwegen“, brummte er, „aber wehe, du gehst uns auf die Nerven!“
Eines Tages zeigten die Jungs Lisa die Abkürzung durch den Wald. Fünf Minuten ließen sich dadurch leicht einsparen.
An diesem Nachmittag hatte Lisa Sportunterricht. Sie hatte anschließend herumgebummelt, und als sie aus dem Schultor kam, waren Uli und seine Freunde schon fort. Die verabredete Zeit war um fast eine halbe Stunde überschritten. Sie stieg aufs Rad und sauste los. Wenn sie sich beeilte, konnte sie die Jungs vielleicht noch einholen.
Der Himmel hatte sich bezogen, über dem Wald stieg eine Wolkenwand auf. Einen Moment dachte Lisa daran, lieber den Radweg am Ort entlang zu nehmen. Nein, sie musste auf dem schnellsten Weg nach Hause. Mutter konnte sehr ärgerlich werden, wenn man unpünktlich war und sie warten ließ. Kurz bevor sie den Waldweg erreichte, fielen die ersten Flocken. Lisa liebte Schnee. Doch jetzt begann sie, ihn zu hassen. Der Wind blies ihn ihr als winzige Eisgeschosse ins Gesicht. Vor Schmerz stiegen ihr Tränen in die Augen. Sie konnte kaum ihre Umgebung wahrnehmen, kniff die Augen zusammen und radelte tapfer weiter. Unter den Bäumen würde es bestimmt besser werden. Doch der Wind pustete noch wilder, zwang in mutwilligem Spiel die Wipfel der Fichten hin und her, auf und nieder, ließ sie ächzen und knarren. Die Flocken wurden dichter und dichter, durchdrangen jede noch so schmale Lücke. Bald waren sie ein flimmernder Vorhang, der Lisas Augen wehtat.
Das Kind kannte auf seinem Schulweg jeden Stein, jede Baumwurzel. Aber nun deckte der Schnee alles zu.
In diesem Augenblick passierte es. Das Vorderrad prallte gegen ein Hindernis. Lisa stürzte. Diesmal half kein Zähnezusammenbeißen. Sie hatte sich das Knie verletzt und konnte nicht aufstehen. Weinend saß sie auf dem Boden.
Der Schnee begann nun auch, das kleine Mädchen zu bedecken. Immer wieder putzte sie ihn ab. Zuerst wütend, dann immer verzweifelter. Von Minute zu Minute schneite es heftiger; pfeifend trieb der Wind die Flocken zusammen, formte Wellen und Haufen. Lisa kroch unter die ausladenden Zweige einer Tanne. Hier fand sie notdürftig Schutz.
Hallo, als die Jungs der Kleinen die Abkürzung durch den Wald gezeigt haben, dachte ich sofort an einen" bösen Onkel".Ist ja dann doch ganz harmlos gewesen.Aber wie Fledermaus schon andeutet, da könnte schlimmeres als ein Sturz im Schnee passieren. Trotzdem finde ich die Geschichte schön.Gruß Marie.
Ihr Lieben, danke für Eure Kommentare! Ich finde es immer wieder faszinierend, wie unterschiedlich sie ausfallen. Jeder hat seinen eigenen Geschmack und Schreibstil gefunden, und das finde ich gut. Zu Eurer Beruhigung: Lisa wird gerettet werden, obwohl das Wetter wirklich sehr "dick" über sie hereinbricht und es eine Zeitlang schlimm um sie steht. Zum Zeitpunkt dieser Wintereinbruch-Geschichte liegt Lisas Oma bereits sterbenskrank im Bett. Durch ihre "Vorahnung" wird das Mädchen schließlich auch gerettet werden. Mehr will ich jetzt noch nicht verraten. Liebe Grüße. Karin
Der Text liest sich wie ein interessantes Kinderschicksal - mit dem märchenhaften Ende komme ich nicht klar. Da fühlte ich mich auf einmal wie bei "Hänsel und Gretel". ..
Deine Lisa ist niedlich, wie sie so böse auf das ungerechte Wetter wird, dass "ihren Augen wehtat" und alles zudeckt, so dass sie nicht heimfindet. Und wie sie immer wieder wütend den Schnee abputzt... da musste ich immer wieder schmunzeln. Schöne Formulierungen! g Jenni
Gretel allein im Wald? ;O) Deine Geschichte hat Potential, aber Du preschst zu schnell vorwärts, finde ich. Genial: "Eines Tages zeigten die Jungs Lisa die Abkürzung durch den Wald. Fünf Minuten ließen sich dadurch leicht einsparen." Das macht einen ganz großen, böse-verheißungsvollen Raum auf. Verschenk das nicht!
Liebe Karin, ein märchenhaftes Bild entsteht, wenn ich deinen Text lese. Ich spüre die winzigen Eisgeschosse. Sehr warmherzig geschrieben. Zu gern möchte ich wissen, ob das Mädchen gerettet wird? Liebe Grüße
Hallo Karin, ich habe es eben bei Frog so kommentiert: Zu viele Wörter! Beispiel: "Der Himmel hatte sich bezogen, über dem Wald stieg eine Wolkenwand auf." Eines von beiden reicht, wobei ich das zweite nehmen würde, denn bezogen klingt komisch. Weniger ist oft mehr - das heißt nicht, dass ich es kann. Mir geht es so, dass ich das bei anderen eher sehe. Noch ein Beispiel: "Doch der Wind pustete noch wilder ..." Das beschreibst Du hinter dem Komma genauer, nach dem Komma wieder genauer und dann noch ein Komma und noch eine Beschreibung dazu. Mir persönlich viel zu viel. Liebe Grüße, Birgit
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15496
Der Wind pfiff um die Ecken, als Tobi die verlassenen Straßen der Nacht entlang schlich. Seine Haare wurden immer wieder in sein Gesicht geweht. Die Schatten der Bäume tanzten wild auf der Straße. Böen zerrten an seiner Kleidung und drehten ihre Richtung so schnell, dass Tobi kaum seine Schritte anpassen konnte. Mal musste er sich dem Wind entgegen stemmen und plötzlich, einen Schritt weiter, kam er von hinten. Wenn er an einer Einfahrt vorbeikam, konnte er fast überhaupt nicht mehr einschätzen, wie er seinen Körper halten sollte. Bei jeder Häuserlücke war es anders und Tobi musste sich überraschen lassen.
Die Hände hatte er schon lange aus den Taschen genommen. Als der Sturm aufkam, hatte ihn eine Böe erwischt. Sie kam so unvermittelt, dass er fast das Gleichgewicht verlor und gerade noch rechtzeitig die Hände aus den Taschen bekam, um sich abzufangen. Bis jetzt regnete es noch nicht, aber lange würde es wohl nicht mehr dauern.
Lieber M.P.! Bin mal wieder spät dran, die klugen Commentatores haben das Wesentliche schon gesagt ;-) Schön, wie du Tobi mit dem Sturm kämpfen lässt. Vielleicht wäre es noch gut gewesen, kurz anzudeuten, warum er denn die Straßen entlangschleicht bei dem Mistwetter. Bin halt neugierig ;-) Liebe Grüße, Malea.
Vielen Dank für die Kommentare, wie immer sehr hilfreich. Der Text umfasst im Original etwas mehr als eine A4 Seite, ich habe ihn aber für diese Aufgabe auf das Wetter reduziert, vielleicht erschließen sich deshalb einige Sachen nicht. Das die tanzenden Schatten der Bäume solche Unterschiede in der Betrachtung hervorrufen ist grandios. Ich lebe in einer großen Stadt, die auch in der stillsten Zeit, zwischen vier und fünf Uhr Morgens, nie wirklich schläft. Wenn ich Nachts durch die Straßen gehe, dann sehe ich auch Schatten. Sie sind ja eigentlich immer da, am Tag allerdings stärker als in der Nacht. In der Stadt werden Nachtschatten durch kleine Lichtquellen erzeugt wie Laternen, Wohnungslicht oder Reklameschilder. Die dadurch entstehenden Schatten habe keine scharfen Konturen und zeichnen sich nur schwer vom eigentlichen Schwarz der Nacht ab. Aber wenn sie in Bewegung kommen, durch Wind wenn ihr so wollt, dann werden sie sichtbar. Dadurch, dass die Lichtquellen auch noch aus verschiedenen Richtungen kommen, wirken Nachtschatten der Stadt immer etwas nervöser als andere. Ich sehe ihnen gerne zu, sie sind so schön wild. LG M.P.
Du hast mit ein paar Sätzen eine Stimmung erzeugt. Das finde ich sehr gut. Was mich wie Ginko Korn etwas irritierte, waren die Schatten, die auf der Strasse tanzen. Wo kommt in einer dunklen Sturmnacht das Licht her, dass die Schatten erzeugt? Von einer Strassenlaterne? Geht das wirklich? Geh mal nachts auf die Strasse raus und sieh es dir an. LG Azahar
Na, dann pflück ich jetzt noch mal ein bisschen den Text auseinander, Feinschliff! ;o) Einige Forumulierungen holpern. Straßen der Nacht = nächtliche Straßen? "In sein Gesicht" kürzen zu "ins Gesicht". In drei Sätzen zweimal Straßen - vielleicht einmal den Belag nehmen, Asphalt, Kopfsteinpflaster? "Fast überhaupt nicht mehr" = kaum. "Seinen Körper halten" klingt so locker, bitte beugen Sie sich vor, und jetzt zurück. Dann wird der Wind Ihnen nichts anhaben. Den letzten Absatz straffen (zweimal die Hände in den Taschen erläutert und erzählt, was NICHT passiert) oder, statt in der Rückblende zu schreiben, vorn platzieren. Das steigert die Dramatik. Kapietscht? LG Metta
Die Geschichte ist zwar kurz, aber ich finde das Wetter ist klasse beschrieben. Mir gefällt wie die Schatten der Bäume wild auf der Straße tanzen.Gruß Marie Stiehl.
Ein Sturm bei Vollmond, diese Bild erscheint vor meinen Augen. Das Wetter knapp und präzise auf den Punkt gebracht. Mit Tobi wird man beim Lesen launenhaft vom Wind hin-und hergeworfen. Nur eines würde ich ändern: dass er die Hände aus den Taschen zieht, kommt in zwei aufeinanderfolgenden Sätzen vor. Das klingt zuviel, vielleicht einmal anders formulieren.
Auch mit einfachen Mitteln kann die Übungsaufgabe erfüllt werden. Führt das Wetter Tobi zu bestimmten Handlungen ? Ja./ Erzeugt es eine besondere Stimmung? Ja. / Wild tanzende Baumschatten lassen auf restlichen Sonnenschein schließen. Dann ändern die Böen ihre Richtungen in überraschenden Wirbeln, die typischen Vorzeichen des baldigen Schlagregens.
Eine schöne Momentaufnahme. Doch ich kann nicht erkennen, wie dieser Sturm die Handlung deines Romans beeinflusst. Welche Bedeutung hat dieser Sturm für Tobi? Kommt er deshalb irgendwo zu spät an? Verpasst er sein erstes Rendevouz mit Mai-Lin?
Diese Art von Nacht, von der Du dem Leser hier ein Gefühl vermittelst, ist grandios - man hat den Eindruck, es könne sehr sehr viel passieren. Es ist dunkel, und doch tanzen die Schatten der Bäume im dünnen Laternenlicht. Ich würde noch gerne wissen, ist es eine laue Nacht oder eine kalte? Wind kann ja sehr verschieden sein. Und dann: Warum schleicht er, wo kommt er her? Was bedeutet das eigentlich, dass Tobi Schwierigkeiten hat, den Stand zu behalten? Entspricht das vielleicht in anderer Hinsicht seiner Situation ...? Dein Text lässt total viel anklingen, was jetzt passieren könnte, in diesem Wetter und durch das Wetter (ich habe fast Lust, selbst weiterzuschreiben). Liebe Grüße Scacha
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15489
Dieser Text ist der Anfang von meinem Roman # 2 und ist direkt vor dem Text, den ich im Beitrag # 12797 vorgestellt habe, anzusiedeln.
Viel Spass und liebe Grüsse,
Azahar
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Heute Morgen hat es geschneit. Die Welt um uns herum ist erstarrt. Alles ist weiß und eisig. So spät noch Schnee, das wird der Ernte nicht gut tun, denke ich automatisch, dabei gibt es hier weder Orangen- noch Olivenbäume die erfrieren könnten, so weit das Auge reicht nur Steine und Felsen.
Wir sind ziemlich hoch oben in den Bergen, können unseren Blick über ansteigende und abfallenden Höhenzüge hinweg schweifen lassen, bis uns am Horizont steinerne Riesen mit bläulich verschneiten Gipfeln die Sicht versperren. Draußen ist es kalt und still, heute mit der weiß überzogenen Landschaft noch stiller und einsamer als sonst.
Manchmal habe ich das Gefühl, wir wären die einzigen Menschen in 100 km Umgebung. Vielleicht sind wir das auch. Manchmal stelle ich mir vor, wir wären die letzten Überlebenden einer schrecklichen Katastrophe. Irgendwie ist das tröstlich. Aber dann stehe ich über Stunden hinweg allein am Fenster und schließlich erfasst mich eine unbeschreibliche Panik, von der ich nicht so genau weiß, wo sie herrührt.
Ich muss mir eingestehen, dass mich die Einsamkeit manchmal überfordert, aber was noch viel schlimmer und unerträglicher ist, ist die Stille. Die Stille ist das Schlimmste hier oben im Zwischenland. Grausam und erdrückend. Manchmal denke ich, dass ich sie nicht länger ertrage.
Und dann musste es heute Morgen auch noch schneien. Das hatte ich nicht erwartet. Das kam so überraschend.
Schnee macht mir Angst. Ich weiß nicht warum. Die weiße, glitzernde, kalte Landschaft löst eine gespannte Beklemmung in mir aus.
Wie lange habe ich schon keinen Schnee mehr gesehen? Dort wo ich jetzt lebe, schneit es nie.
Das Haus kommt mir vor wie ein Käfig. Ich bin unruhig und fühle mich eingesperrt, gleichzeitig bedroht von der Welt da draußen. Aber schließlich trete ich doch zitternd durch die Haustür, hinaus in die schneidende Luft. Ich muss wissen, was mit mir los ist, irgend etwas stimmt hier nicht.
Schnee ist gefährlich, ist verboten.
Die Steine unter der weißen Decke sind spiegelglatt. Ich gehe nur unsicher, versuche Halt zu finden, rutsche aber schließlich aus, falle auf die Knie und muss mich mit den Händen abstützen. Sofort dringen Kälte und Feuchtigkeit durch den Stoff meiner Hose. Eisige Kristalle brennen und stechen in die Haut meiner Finger.
Und da sehe ich sie plötzlich wieder vor meinen Augen, die stummen wandernden Gestalten. Sie sind dürr und ausgezehrt, nur leicht bekleidet, frieren, aufrecht gehen kann keiner von ihnen mehr. Der dicke Schnee unter ihren Füßen gleicht einer zähen eisigen Masse. Es hat gerade zu schneien begonnen, aber sie schleppen sich weiter, immer weiter, vorwärts, ohne an den nächsten Schritt zu denken, stumm und geisterhaft, während der Schnee fällt und fällt.
Ich kann diese Bilder unmöglich noch eine Sekunde länger ertragen!
Konzentriere dich auf deine wirkliche Umgebung!, schreit eine Stimme in meinem Kopf. Schnell, bevor es zu spät ist!
Es gelingt mir schließlich die Kälte wahrzunehmen, die immer stärker in meine Finger und durch den Stoff meiner Hose in meine Beine dringt.
Ich weiß, irgendetwas schreckliches wird passieren, wenn ich meine Hände nicht aus dem Schnee nehme. Die Schmerzen, die die kalte Feuchtigkeit verursacht, lassen mich keuchen. Es ist so still. Und die Bilder klopfen an die Tür, kratzen an meiner Hirnrinde, wollen hervor gelassen werden. Mein Kopf dröhnt. Wenn nur diese Stille vorbeiginge!
Ich knie da, bis Milan mich nach drinnen zerrt. Ich bin ihm so dankbar, dass ich weinen könnte, folge ihm stolpernd, taumelnd, ohne Gefühl in meinen Gliedern und in meiner Haut.
Milan ist so besorgt, dass er mich anschreit. Er hat mich noch nie angeschrien, ich habe ihn noch nie wütend gesehen. Aber es erschreckt mich nicht.
Er setzt mich auf die Holzbank, die um den steinernen Ofen läuft, legt seine Hände an mein Gesicht. Er muss fühlen, wie kalt es ist. Seine Hände sind so warm an meinen Wangen! Ich möchte mich hineinschmiegen wie ein kleines Tier, aber ich bleibe bewegungslos sitzen, könnte seine Finger selbst dann, wenn ich es wollte, nicht mit den meinen umfangen, denn sie sind steif gefroren. Verzweifelt schüttelt Milan den Kopf, nimmt meine eisigen Hände in die seinen und beginnt sie zu reiben. Die heftige Berührung schmerzt und ich entziehe sie ihm.
Es ist sowieso ein sinnloses Unterfangen. Sie werden nie wieder warm, Milan, mach dir keine Mühe.
Er sucht nach einer Decke und legt sie mir um die Schultern. Die grobe Wolle fühlt sich rau an, an meinem Hals und meinen Wangen, und im ersten Moment breitet sich ein Gefühl wohliger Wärme in meinem Körper aus. Ich schließe die Augen und kuschle mich tiefer in den dicken Stoff.
Doch dann beginnen meine Finger zu prickeln und schließlich zu schmerzen, als sich die feinen Adern unter der Haut wieder ausdehnen und mit Blut füllen. Milan zieht die Decke fester um meine Schultern, bevor er zum Herd geht um Wasser für Tee aufzusetzen, und ich bemerke, dass ich wahrscheinlich schon seit geraumer Zeit meine Wange an der rauen Wolle reibe. Das tut zwar auch weh, denn die Haut in meinem Gesicht ist wegen der Kälte schon seit Tagen aufgesprungen und rot, aber so ist der Schmerz in meinen Fingern leichter zu ertragen.
Ich reibe bis meine Wangen brennen und plötzlich kann ich das Gewicht der Decke auf meinen Schultern nicht mehr ertragen. Es behindert mich beim Atmen und zerquetscht meinen Brustkorb. Panik schießt in meinen Blutkreislauf. Ich will nicht ersticken!
Mit einer heftigen Bewegung, für die ich all meine Kraft aufbieten muss, schüttle ich die Wolldecke von meinen Schultern.
Mein Puls rast und mir ist etwas schwindlig, aber endlich kann ich wieder tief Luft holen.
Milan hat zwei Tassen vorbereitet. Sie sind weiß und die Schnüre der darin befindlichen Teebeutel hängen bis auf die gusseisernen Oberfläche des Herdes herab, auf dem das Wasser in einem offenen Topf schon zu sprudeln begonnen hat. Milan steht mit verschränkten Armen an die gegenüberliegende Wand gelehnt und gibt vor das Wasser im Auge zu behalten. In Wirklichkeit beobachtet er mich. Er sagt nichts, er hat sich seit seinem Ausbruch vorhin mit keinem Wort mehr an mich gewandt. Früher hat er mich immer wieder zur Vernunft gemahnt, aber ich glaube, jetzt hat auch er begriffen, dass das nichts nützt.
Ich schließe die Augen. In meinen Händen pocht noch immer das Blut, sie fühlen sich jetzt heiß und geschwollen an.
Die Polizeistation! flüstert etwas in mir. Erinnerst du dich? Die Leibesvisitation, damals. Es war so kalt. Erinnerst du dich?
Ich weiß es nicht!, antworte ich. Ich will mich nicht daran erinnern!, flehe ich.
Natürlich erinnerst du dich!, sagt die Stimme. Schließ die Augen und folge mir!
Ich habe das Bedürfnis mir die Ohren zuhalten, aber ich tue es nicht, weil ich weiß, dass es keinen Unterschied macht. Es ist eh schon zu spät.
Da war dieses seltsame Rumoren, die Geräusche, die aus den Eingeweiden des Gebäudes zu dringen schienen. Es war Nacht und stockfinster. Die Zelle musste ein kleines Fenster haben, aber ich konnte nicht einmal meine eigenen Hände erkennen. Und es war so kalt, der Morgen noch so fern, vielleicht würde es nie mehr Morgen werden. Die Angst hielt meinen Brustkorb fest umklammert und ich wagte es nicht, von der harten Pritsche aufzustehen, auf der ich saß, um das Innere der Zelle zu erkunden und mich etwas besser zurecht zu finden.
Und dann plötzlich der Klang von Kirchenglocken. Sie läuteten wie verrückt Sturm. Ihre Stimmen waren so eindringlich, so verzweifelt, dass sich noch jetzt bei der Erinnerung daran mein Herz vor Angst zusammenzieht. Danach Stille, vollkommene, gespenstische Stille, in der ich nur noch meinen eigenen Atem hörte und ein entferntes Rauschen in meinen Ohren.
Ich bin plötzlich so müde, die Hitze des Ofens in meinem Rücken ist kaum zu ertragen. Mein Gesicht glüht. Milan hat inzwischen Wasser in die Tassen gegossen, aber ich wehre ab, als er mir eine davon reichen will. Er stellt sie weg und fragt mich, ob ich mich hinlegen möchte.
Ich bin mit einer Gehirnhälfte im Land des Schreckens und nicke nur unkonzentriert.
Hallo Azahar, dein Text ist ergreifend. Das Trauma gut umschrieben, man ist gespannt, was denn passiert ist. Liebe Grüße
Gracias Azahar für die Kritik. Kann ich nur abnicken. Gute Tipps. Es knisterte... ist sicher der bessere Ausdruck. Bisher gab es nur einen Kuss, damals, als sie sich kennen lernten, vor 2 Jahren oder so. Ein bisschen gibt sie sich schon die Schuld, aber immerhin ist Godo jetzt mal angefixt...:-) Wer weiß, was da alles noch passiert. Ich fahre aber erst im September, am 14. geht es los. Freude!!!
@ Fledermaus stimmt, das eh klingt zu salopp. Danke! Tja, mit diesen schlimmen Erinnerungen muss sich meine Prota schon noch eine Weile herumquälen, bis die Auflösung kommt. ;-) Der Text ist gerade erst der Anfang! Nuklearer Winter... hmm, muss ich mir überlegen, könnte zwar generell passen, aber im Zusammenhang des Romans... @ Jenni Ich freue mich jedesmal riesig, wenn sich trotz der Länge meiner Texte jemand dazu entschliesst, sie zu lesen. Das mit der Würze und der Kürze hat bei mir noch nie geklappt. Die Unwirklichkeit ist gewollt, da sich die Prota geistig nur bedingt in der Wirklichkeit aufhält. Die Tatsache, dass du dich nicht in die Winterlandschaft hineinversetzen konntest, gibt mir zu denken. Da ein Autor eigentlich fähig sein sollte seine Leser überallhin zu entführen. Lebst du etwa auch in Spanien? Die Hitze, die du beschreibst, kommt mir nur allzu bekannt vor. *seufz* @ Frog tja, unbewohntes Land hat es so in sich ... :-) @ Marie stiehl Danke für deinen Kommentar! Es freut mich, dass du meinen Schreibstiel bildhaft findest. LG und vielen Dank an Euch alle. Azahar
Toll geschrieben.Die Geschichte macht mich sehr neugierig.Ich hab schon viel von Dir gelesen. Gefällt mir immer sehr gut.Du schreibst sehr bildhaft. Ich kann mir die Situationen gut vorstellen.Gruß Marie.
Bei Dir sind es 100 km, bei mir 1000 Meilen. Da musste ich doch schmunzeln. Faszinierende Gedankenströme im Schnee. Was geht da ab? Ich will das Geheimnis gelüftet wissen...
Hallo Azahar, Bisher bin ich vor Deinen Texten immer etwas zurückgeschreckt, weil sie jedes Mal so lang sind. Jetzt habe ich diesen gelesen, und muss sagen: es lohnt sich, sich damit zu beschäftigen. Zuerst mal musste ich nachsehen, worum es geht, weil ich zuerst an eine Fantasy-Welt gedacht habe. Deine Prota ist traumatisiert, und dieses etwas Unwirkliche ist auf ihre Verwirrung zurückzuführen? Die Beschreibung ihrer Panik, Einsamkeit und ihres Gefühls des Verlorenseins hat mir sehr gut gefallen, sehr mitreissend. Schnee habe ich noch nie als etwas beängstigendes gesehen, für mich ist der Moment des ersten Schneefalls immer ein Glücksmoment. Trotzdem fand ich die Angst Deiner Prota glaubhaft. Apropos Schnee, es ging ja um's Wetter, aber dazu kann ich leider nix sagen: hier ist es gerade so schwül-heiß, dass ich fast vergehe. Dass ich mich kein bisschen in Deine Schneelandschaft und Kälte hineinversetzen kann, möchte ich Dir deshalb echt nicht ankreiden. Viele Grüße Jenni
Klasse, endlich mal kein Regen. ;O) Es ist eh schon zu spät --> Mach sowieso oder ohnehin daraus. Sonst ist dein Text super, auch wenn er am Ende ein bißchen enttäuscht, weil man ja wissen will, was für schlimme Erinnerungen da in ihr sind. Vielleicht kannst Du irgendwie "nuklearer Winter" unterbringen. :O) Weiter so!
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15488
Aus "Schlaflos auf Ibiza":
Purple Rain mit langem Intro:-)
Godo war ein neuer Job zugeflogen. Er gab dem talentierten Jungen eines englischen Schauspielers Gitarrenunterricht. Die Familie lebte auf einer Finca in der Nähe von San Mateu. Godos Karre streikte mal wieder. Nachmittags rief er mich an und bat mich, ihn abzuholen. Ich machte mich sofort auf den Weg, denn ich liebe den ländlichen Norden, in den sich in der Augusthitze nur selten ein Tourist verirrt.
Mein letzter Tag auf der Insel.
Er durfte nicht belanglos enden!
Viele Wege führen zurück nach San Josep, aber ich plante einen Umweg ein. Die kleine Straße, die sich von San Mateu über das Hochplateau nach Santa Ines schlängelt, besitzt für mich eine eigene Magie. Mandelbaumfelder säumen den Weg, auf den roten Terrassenfeldern wachsen Orangen und Wein.
Ich wollte das Godo zeigen, wollte ihm einmal zeigen, was mein Herz aufgehen lässt.
Wir hatte uns in diesem Kurzurlaub kaum gesehen. Wenn, dann nur kurz, auf ein Glas Wein bei Paco oder einen Cortado unten in der Cala. Keine persönlichen Gespräche, kein Wort über unsere Beziehung, die keine war. Wir redeten um den heißen Brei herum, diskutierten über die neuen Hundegesetze in Hamburg und die Autobahnpläne auf Ibiza. Die Stimmung zwischen uns war geladen.
Die Sonne hatte sich unter einer grauen Wolkendecke verzogen, das Meer lag bleigrau am Horizont. Wir fuhren schweigend über die holprige Straße. Kein Mensch unterwegs, das Leben schien 1000 Meilen entfernt. Die Blätter der Olivenbäume schimmerten matt. Äste wie Tentakel, knorrig, trotzig, seit Urzeiten im Boden verankert. Resistent gegen Wind und Sonne, wie mächtige unbestechliche Wächter über die rote Erde der Felder standen sie da. Ich fühlte mich, als sei ich auf einem anderen Planeten. Ein heißes Glücksgefühl breitete sich in mir aus, ich dachte, ich müsste auf der Stelle explodieren. Ich wusste, ich gehöre hier hin! Nirgendwo anders wollte ich sein – in diesem Moment und immer.
Ich machte eine Vollbremsung.
„Ich muss hier aussteigen um rumlaufen, sonst werde ich verrückt!“
„Du bist doch schon verrückt. Seit 12 Jahren lebe ich hier. Ich dachte, ich kenne diese Insel. Aber hier war ich noch nie!“
„Ich kann zaubern!“, sagte ich, blickte ihm kurz in die Augen und stieg aus. Ich musste diese Erde fühlen, unter meinen Füßen spüren. Ich zog meine Sandalen aus und lief auf das Feld. Der Boden war warm und klebrig, wie feuchter Ton.
Während ich mich vorwärts bewegte, hörte ich das dumpfe Grollen, der Himmel über uns färbte sich binnen Sekunden dunkelviolett. Godo war auch aus dem Wagen gestiegen und kam kopfschüttelnd auf mich zu. Ich nahm das Bild wahr wie in Zeitlupe.
Dann kam der Regen. Er kam mit einer Wucht, die mir den Atem raubte. Die Tropfen waren so dick wie reife Trauben. Ich hob meinen Kopf, öffnete meinen Mund und schluckte. Ich trank den Regen, meine Finger glitten an meinem Kleid hinab, es war triefnass und klebte an meinem Körper.
„Das ist ein Zeichen!“ dachte ich.
Da stand er auch schon vor mir. Der Regen perlte von seinem Gesicht, er öffnete den Mund und leckte die Tropfen ab. Er hob mein Kinn mit den Fingern an und wir schauten gemeinsam in den Himmel, der sich inzwischen purpurrot verfärbt hatte.
„Purple Rain“, schoss es mir in den Kopf. „I only wanted to see u bathing in the purple rain“, zitierte ich leise aus dem Song, den Prince auf Ibiza geschrieben haben soll.
„Dies ist kein roter Regen, Linn. Der kommt hier nur im Frühjahr, wenn sich der Staub der Sahel-Winde mit dem Regenwasser vermischt.“
„Ich weiß. Aber das ist mir egal. Das ist ein Zeichen!“
Er zog mich plötzlich an sich. Nässe an Nässe. Hitze an Hitze. Wir dampften. Wir krallten uns an unseren Haaren fest und rissen uns gegenseitig hinunter auf den rostroten Acker.
Wir wälzten uns darauf, ineinander verhakt, eine Masse aus Lehm, Wasser, und Energie. Über mir zuckte ein Blitz, der Olivenbaum neben uns warf unreife Früchte ab. Sie prasselten um uns herum und auf uns nieder. Hätte sie mich getroffen, ich hätte es nicht gespürt.
Ich spürte nur Godo. Ich inhalierte seinen Atem, packte seine Lippen mit den Zähnen, nahm seinen Kopf zwischen meine nassen Hände und drehte ihn um. Jetzt lag ich auf ihm. Der Lehm tropfte von meinem Gesicht auf sein Gesicht. Wir schauten uns an mit dem wilden Blick von hungrigen Raubtieren. Wir verschlangen uns, tranken unsere Küsse, zusammen mit dem Regen. Wir küssten uns im Takt der Tropfen besinnungslos.
Alle Spannung war aus unseren Körpern gewichen.
Manchmal dauern Millisekunden ewig.
Als der Regen aufhörte, war mir so, als hätten wir uns Stunden auf dem dampfenden Feld gewälzt. Eine Hand grub sich unter sein nasses T-Shirt, die andere in die Erde, wir waren gemeinsam darin versunken und nun krochen wir wieder daraus hervor.
Ich konnte nicht anders, ich musste sagen, was ich dachte:
„Du bist so schön mit der roten Erde auf deiner Haut!“
Da war er wieder, dieser Zigeunerblick. So nah und so weit weg.
Verwirrung, gepaart mit Stolz – und Wissen.
„Du verrücktes Weib!“
Das klang liebevoll.
Er schaute mir schweigend zu, wie ich aufstand und den Schlamm von meinem Kleid strich. Ich tanzte mit ausgestreckten Armen umher, sog den würzigen Duft der Feigenbäume und Kräuter ein, der nach dem Regen berauschend intensiv war. So musste sich Tanit (*die punische Göttin der Fruchtbarkeit) gefühlt haben musste.
„Als die Ibizenker schon lange Christen waren, verehrten sie Tanit noch heimlich. Wusstest Du das?“ hörte ich mich sagen. Was für ein schwachsinniges Ablenkungsmanöver!
Godo verschränkte die Arme hinter dem Kopf und schaute zu mir hoch. Er sah aus, als fühlte er sich wohl auf dem nassen Boden, von oben bis unten mit Klumpen verschmiert.
„Du meinst es ernst, oder?“
„Was meine ich ernst?“
„Na, du willst hier sein!“
„Ja, das will ich!“
Das klang wie ein Eheversprechen. Ich musste unfreiwillig lachen. Godo rappelte sich auf und fiel mit ein. Er wischte sich den Lehm vom Gesicht und lachte sein schepperndes Lachen, das eine Herde betäubter Esel wieder aufgeweckt hätte.
Dabei war der einzige Esel weit und breit ich!
Der Wolkenbruch hatte nicht nur die Luft aufgeklart.
Aber ich war schon wieder im besten Begriff, so zu tun, als sei das eben alles gar nicht passiert.
Hallo Frog, ich kann mich nur einfach ausdrücken: Toll! Dein Schreibstil ist so lebendig. Linn tut sich schwer mit ihren Gefühlen, sie geht ihnen gern aus dem Weg? Liebe Grüße
Hallo Frog, dann reihe ich mich mal ein, in die lange Reihe der LaudatorInnen:-) Godos kaputte Karre ist ein netter running Gag. Das gefällt mir. Auch wie die beiden lauwarm um den heißen Brei herum reden. Die lilafarbenen Traubenregentropfen lassen mich allerdings ein wenig an eine Klimakatastrophe denken. Wegen der Größe. Die Liebesszene: Holy Moly! Allerdings meine ich, Angst essen Seele auf und Klammern machen Text kaputt. Du musst doch nichts erklären. Entweder der Leser weiß Bescheid oder er liest weiter, bis er wenigstens ahnt, worum es geht. bis bald liebe Grüße Bridget
Na, nun nehm ich mir dafür doch auch heute noch die Zeit. Wesentliches haben Velarani, Azahar und Birgit schon erwähnt. Da ich es nicht schaffe, das alles auseinanderzudividieren, schreibe ich, auch auf die Gefahr von Wiederholungen hin, einfach nach meinen Stichpunkten: Der Einstieg wirkt nüchtern-sachlich, eher erzählend als beschreibend. Vielleicht einen Dialog daraus machen? / Habe wegen der Perspektive noch einmal Deine alten Beiträge gelesen - tatsächlich ist dies der erste, in dem mich die Ich-Perspektive stört, vielleicht, weil Du Worte verwendest, die Linn über sich selbst so nicht sagen würde!? / Baumfelder, hm, vielleicht Plantagen? Mit Feldern verbinde ich Getreide oder Gemüse. Orangen und Wein. Wenn es Orangenbäume sind, sind mit Wein die Reben gemeint. Orangen sind für mich die Früchte, dann wäre Wein das Getränk. Also, Orangenbäume und Wein fände ich besser. / Wortwiederholungen: Kurzurlaub, kurz gesehen. Graue Wolken, bleigraues Meer. / Einige Wörter sind mir zu technisch oder zu überzogen: resistent, Planet, explodieren, krallen, Energie, hungrige Raubtiere. / Das Zubodenreißen kommt mir zu plötzlich. Linn hält Godos Kopf in den Händen und dreht ihn um. Aua! Ach so, den ganzen Mann! / Tanit (Erklärung ohne Klammern!) musste zweimal (haste wohl beim Satzumstellen einmal zu löschen vergessen). Verschmierte Klumpen sind keine Klumpen mehr. / Etwas mehr Sinnlichkeit statt Außenansicht. Als Linn sich in seinem Bett an Godo gekuschelt hat, war ich ganz nah dabei, hier stehe ich verwirrt am Rande. - Mein kurz angebundener Ton ist nicht böse gemeint. Bin in Eile! Isch liebe Deine Ibiza-Geschischten! LG Metta
Hi Frog - ja das Problem mit dem geschriebenen Wort, da malt sich der ein oder andere einen Tonfall dazu, den der Verfasser gar nicht drauf hatte. Mein Ton war vielleicht eher gehetzt (Kleinkind und Schlafmangel und so). Liebe Grüße, Birgit
Vorschläge: "Wir hatten uns in diesem Kurzurlaub kaum gesehen.Wenn, dann nur kurz ..." Mach einen Satz draus und streiche einaml kurz. "Wir redeten um den heißen Brei herum ..." Streichen! Denn wenn Du erwähnst, dass über Hundegesetze geredet wird, ist klar, dass um den heißen Brei geredet wird. Als Leser möchte ich mitdenken dürfen. "Der Boden war warm und klebrig, wie feuchter Ton." Der Boden fühlte sich wie feuchter Ton an. Wenn das Kleid am Körper klebt, ist klar, wie nass es ist, das muss nicht dazugeschrieben werden. Ich würde auch nicht erwähnen, dass Prince Purple Rain auf Ibiza geschrieben haben soll. Es geht hier ja nicht um die Biografie von Prince, nur der Song ist wichtig. "... der Olivenbaum neben uns warf reife Früchte ab." Ich würde "... ein Olivenbaum warf ..." schreiben und den Rest des Asatzes weglassen. Es sollte klar sein, dass sie es nicht gespürt hätte. "Ich konnte nicht anders, ich musste sagen, was ich dachte." Weglassen! Die Erläuterung in Klammern gehört an das Textende, wenn überhaupt - denn sie stört den Lesefluss. So, wenn Du damit was anfangen kannst: Schön. Wenn nicht, dann war es eine Übung für mich :-) Liebe Grüße, Birgit
Nur 2 Küsse in 2 Jahren?! Hilfe! Kein Wunder, dass die arme Linn ausgehungert ist. Das muss aber ein explosives Ende geben, wenn es dann endlich mal so richtig funkt zwischen den beiden ;-) Ich bin auch sehr gespannt darauf, was da noch alles passiert!
Hi Frog, musst bis zum Wochenende auf meine Vorschlägen warten, Gruß Birgit :-)
Hallo Frog, ich möchte mich voll und ganz den Worten von Lillilu anschließen. Liebe Grüße Linda Cuir
Hallo frog, Azahar hat sich ja schon wegen einiger Formulierungen viele Gedanken gemacht und mir das abgenommen (find ich gar nicht nörgelig Azahar!) Bleibt mir nur die Szene mit den "Ästen wie Tentakel...seit Urzeiten im Boden verankert" Das Bild von diesen Bäumen mit den matt schimmernden Blättern in der roten Erde und Linns Glücksgefühl ist für mich eines der stärksten in diesem Text, bloß sind Äste nicht im Boden verankert. Vielleicht machst du nach "knorrig, trotzig" einen . und schiebst das "seit Urzeiten..." nach "....über die rote Erde der Felder standen" ein. Dann noch : "Die Tropfen waren so dick wie reife Trauben" Da überlege ich automatisch kann das sein und lege innerlich das Maßband an. "Tropfen wie reife Trauben" klänge in meinen Ohren flüssiger. "Wir küssten uns im Takt der Tropfen" würde ich weglassen. Das klingt ein bißchen als zähle einer mit. Das "besinnungslos" würde sich nahtlos an den vorherigen Satz anschließen. Ansonsten wunderschön mit Zauberin Linn unterwegs zu sein. Sie kanns schaffen Grüße von papaya
Ein sehr sinnlicher Text ist dir da gelungen. Wunderbare Szene wie sich die beiden in der Erde wälzen. Wenn nach diesem Fruchtbarkeitsritual die Olivenbäume auf diesem Feld in den nächsten Jahren nicht besonders viele Oliven tragen, weiss ich auch nicht :-) Ein paar kleine Anmerkungen (Montagmorgen im Büro bin ich immer zum Nörgeln aufgelegt): "talentierten Jungen" - das hat mich irgendwie verwirrt. Klar, dass du den Sohn meinst, aber ich hätte "Junge" niemals in diesem Zusammenhang gebraucht. Vielleicht lebe ich auch schon zu lange nicht mehr in Dtld.... "Die Stimmung zwischen uns war geladen." - wie wäre es mit "knisterte vor Spannung" und Stimmung durch Luft oder Atmosphäre ersetzen. "Du bist doch schon verrückt. Seit 12 Jahren lebe ich hier." - Haben diese beiden Sätze irgendeinen Zusammenhang? "hörte ich das dumpfe Grollen" - welches? "Ich nahm das Bild wahr wie in Zeitlupe." - würde sagen Szene, kann sich ein Bild bewegen? "und leckte die Tropfen ab" - von wo? Von seinem Mund, von ihrem Gesicht, ihren Lippen? "Über mir zuckte ein Blitz" - über uns? "Wir schauten uns an mit dem wilden Blick von hungrigen Raubtieren." - Wie kann sie wissen wie ihr eigener Blick aussieht? Der Blick Godos kann den eines hungringen Raubtiers haben, aber ihr eigener? Das müsste ihr dann schon Godo sagen. "Eine Hand grub sich unter sein nasses T-Shirt," - Grub ich. Bei so einer intimen Szene wirkt es seltsam, wenn die Erzählerin auf Distanz geht. Nur eine kleine Frage, aus reiner Neugierde: sind sie sich vorher tatsächlich noch kein einziges Mal näher gekommen? Interessant fand ich, dass Linn sich nun anscheinend selbst die Schuld daran gibt, dass die Beziehung bisher nicht funktioniert hat. Bin gespannt! Wann fliegst du denn nach Spanien? Im Moment kann ich eigentlich nur davon abraten. Bei über 30 Grad nachts sehne ich einen verregneten deutschen Sommer herbei ;-) LG Azahar
Hallo Frog! Deine Geschichte gefällt mir. Du schreibst so, dass ich mich wie auf Ibiza fühle. Ich war beim lesen mittendrin. Auch die Szene zwischen Linn und Godo ist Dir gelungen.Ich lese immer alles von Dir. Ich hab nur oft Probleme beim kommentieren, weil ich meine Kommentare nicht zutreffend finde, sonst würde ich öfter schreiben. Viel Spaß beim weiterschreiben und Grüße Marie.
Hi Frog, ein schöner Text. Am besten hat mir der Teil gefallen, als es anfing zu regnen. Sehr gut gemacht!
Gracias! Danke für die guten Anregungen und Verbesserungsvorschläge. Jetzt habe ich was zu tun, was Sinn macht und mich weiter bringt... @Velarani, eigentlich habe ich alles bisher in der Ich-Perspektive geschrieben, bis auf den "Godo wird wütend"-Text und die "Freundinnen-Szene" auf Formentera. Irgendwie komme ich besser damit klar, oder auch nicht. Ich muss mal sehen... Deine Tipps sind klasse.@Cora, Godo ist in San Mateu zugestiegen, Linn hat ihn vom Gitarrenunterricht abgeholt. Füge ich noch ein.@Ginko, ich weiß ja nicht. Vermutlich liest dieses Buch, falls es je eines wird, eh kein Mann@Papaya, auf Deine sprachlichen Tipps freue ich mich schon@Elisabetha, danke, völlig richtig, unlogisch das alles. Gut, dass mein neues Pages so ein prima Korrekturprogramm hat.@Angela, thanks! Mit "geladen" meine ich elektrische Ladung, wie könnte man das besser ausdrücken? Vielleicht aufgeladen? Sich am Boden zu wälzen tut gut, oder? Ich träume schon davon. Und: dieser Kurzurlaub ist einer von vielen, aber endlich passiert mal was. Er spielt mindestens ein Jahr nach der Schnarchszene. Die beiden stehen ja drauf, Zeit zu vergeuden@Jenni, ich finde das gar nicht mäkelig, sondern aufmerksam, weil Du Recht hast.@Monika und Karin, für Euch ist die Message rübergekommen. Das freut mich.@Birgit, irgendwann müssen ja auch mal viele Wörter rein, sonst wird das Buch zu dünn. :-) Habe mir aber tatsächlich Arbeit gemacht. Wo könntest Du mir denn Deine Vorschläge posten? sargantanasal@aol.com am besten@Lillilu-Darling, was willst Du trinken? Jetzt wo Du es schreibst, ich habe unlängst den Film gesehen. Vielleicht hat er mich im Unterbewusstsein inspiriert. Die Regenszene ist aber auch zu herrlich@Gina, ich verstehe Deinen Kommentar als guten Vorschlag, diese Stellen zu ändern. Aber wie meinst Du das mit Baal? Ich weiß, das ist eher Dein Gott, aber...? Schönes WE erstmal an alle. Habe übrigens gerade Ibiza gebucht, muss dringend wieder mal vor Ort recherchieren...:-)
Hi Frog! Schöne und mutige Szene, tolle Landschaftsbeschreibung, sehr gut transportiert, dass Linn dort leben möchte, auch das Wetter passt perfekt. Ich kann die Szene förmlich spüren, die Tropfen "so dick wie reife Trauben". Gut gefällt mir auch die anschließende Distanzierung, das passt zu Linn, wie ich sie bisher kenne. Überrascht bin ich natürlich vom Wechsel in die Ich-Perspektive und grüble über deine Gründe nach: hättest du das in der bisherigen Erzählperspektive nicht schreiben können? Wäre es dir kitschig erschienen? Ich würde dir raten, bei der Außenperspektive zu bleiben und ein bißchen "Dampf" rauszunehmen, die Szene ist eindrucksvoll genug. Konkret: der "wilde Blick von hungrigen Raubtieren", "krallten uns an unseren Haaren fest" und "besinnungslos", auch das Kinnheben gefällt mir nicht so recht, das kann sie doch selber. Und die beiden Wörter "resistent" und "inhalieren" stören mich - das war aber alles. Trotz dieser kleinen Schönheitsfehler vor allem ein dickes Kompliment an dich, du hast dich was getraut und es ist dir gelungen! LG Velarani
Ibiza pur. Das macht Spass beim lesen. Mir ist nur nicht klar, wo ihr Godo zugestiegen ist.
Die Interaktion zwischen Wetter und Figuren erschöpft sich im nass werden und der folgenden Glitschigkeit. Sicher wären Linn und Godo auch ohne Wolkenbruch übereinander her gefallen.
Hallo frog, wie nah wir doch eigentlich der Erde sind. Habe deine "Bilder" genossen und die Ich Perspektive bekommt Linn gut. Zum Sprachlichen später noch was. Herzliche Grüße von papaya
Hallo Frog! Spannender und stimmig geschriebener Text mit treffend gezeichneten Bildern; gefällt mir sehr gut! Ein paar Kleinigkeiten, die mir aufgefallen sind: „Die Sonne hatte sich unter (? hinter?) einer grauen Wolkendecke verzogen“. „Die Oliven prasselten um uns herum und auf uns nieder. Hätten sie mich getroffen,…“ Da seh ich einen Widerspruch: wenn sie auf das Paar niederprasselten, so müssen sie es auch getroffen haben, oder? „Ich nahm seinen Kopf zwischen meine nassen Hände und drehte ihn (den Kopf?) um ...“ Das wäre ganz schön brutal, obwohl in der Folge zum Ausdruck kommt, dass die Protagonistin offenbar den ganzen Godoumgedreht hat, was wohl etwas schwierig sein dürfte, ich hoffe er hat ein bisschen mitgeholfen; „Manchmal dauern Millisekunden ewig.“. Ich denke, die Liebesszene müsste doch etwas länger gedauert haben als ein paar Millisekunden…Aber wie schon erwähnt, mir gefallen der Text und die Beschreibungen sehr gut, spürte direkt den Regen und den Lehm auf meiner eigenen Haut – das beste Zeichen eines gelungenen Szenenbildes. Freu mich auf eine Fortsetzung von "Schlaflos auf Ibiza".
Whow! Was für ein Weib! Spielt die Szene, bevor Linn durch Godos Geschnarche um den Schlaf gebracht wird oder ist hier von einem neuen Kurzurlaub die Rede? / Nicht so gut gefallen hat mir, dass die Stimmung zwischen den beiden ‚geladen’ war. Wenn ich geladen bin, dann bin ich stinksauer. Doch du meinst hier etwas ganz anderes. Vielleicht ist die Stimmung eher ‚angespannt’? Und: ‚während ich mich vorwärts bewegte’ finde ich etwas unglücklich ausgedrückt. Der Rest ist Sinnlichkeit pur, du lässt mich den Lehm unter den Füßen spüren, lässt mich ebenfalls den Regen trinken, ich wälze mich am Boden herum. Du hast die Gabe, den Leser ins Geschehen hineinzuziehen, ihn mit allen Sinnen daran teilhaben zu lassen. Ich bin beeindruckt.
Wenn man jemandem ein langes Intro verzeiht, dann doch Dir, bei der es nie langweilig wird! Toller Text mal wieder, gleich den ersten Satz fand ich super. (Hat mich an jemanden erinnert: einen lieben verplanten Menschen, dem auch immer dann, wenn es droht eng zu werden das Glück mitspielt.) Den schönsten Wettermoment fand ich als der Himmel sich vor dem Gewitter dunkelviolett färbt, da wurde ich reingesogen. Lachen musste ich, als Godo sagte "...nur im Frühjahr, wenn sich der Staub der Sahel-Winde mit dem Regenwasser vermischt" - tolle Begabung, einen romantischen Moment zu erkennen (und zu zerstören), dieser Mann! *g* Kleinigkeiten nur, die mich gestört haben: die Zeitlupe, der klebrige Boden wie feuchter Ton (meinst Du glitschig, dann wäre der Vergleich naheliegend, aber das ist wohl erst nach dem Regen der Fall). Und: Respekt vor Deinen Metaphern, die oft echt schön sind (etwas, das ich noch gar nicht kann), aber an ein paar Stellen fand ich sie etwas dicht gedrängt (Bsp: die Bäume wie Tentakeln/ Wächter/ anderer Planet), ist aber vielleicht Geschmackssache. In zwei Sätzen hast Du was verdreht: "...aussteigen um rumlaufen..." und "So musste sich Tanit...". So, bin ich grad mäkelig drauf, aber ich hoffe, Du weißt inzwischen wieviel ich von Deinen Texten halte! Schade übrigens, dass Du jetzt keinen Fortsetzungsroman mehr für uns schreibst - aber auch schön, wenn es bedeutet, dass Du grad eine sehr produktive Phase hast. :) Lg Jenni
Äste wie Tentakel, knorrig, trotzig, seit Urzeiten im Boden verankert. ...Mein Lieblingssatz! Aber nicht nur dieser Satz, nein, der ganze Text hat mich verzaubert und mitgerissen in seiner Poesie und Leidenschaft. Gruß Monika
Hallo, Frog! Ein super Text ist Dir da gelungen. Die zurückgehaltene Leidenschaft der beiden Menschen entlädt sich mit dem Gewitter. Das hast Du sehr echt und beeindruckend beschreiben. Nun hat sich endlich Linn und Godos Liebe offenbart. Das ist auch für den Leser eine Befreiung. Ein Vorschlag von mir. Lass Deinen Text nach "Du verrücktes Weib!" enden. Liebe Gruße. Karin
Ein Wahnsinnstext! Wirklich! lass den Satz mit dem Eheverprechen weg und leg ihr "Ja, ich will!" in den Mund. klasse, echt!
Hallo Frog, ich will ehrlich sein (wir alle wissen, dass Lobeshymnen leichter zu schreiben sind): Viel zu viele Wörter. Kürze Deinen Text um die Hälfte! Lies ihn Dir mal laut vor, das hilft. Wenn Du Beispiele von mir möchtest (was ich wie kürzen würde), gib bescheid. Alles natürlich meine subjektive Meinung. Aber die Arbeit, die Du Dir gemacht hast, kann ich lesen! Ein Bild hatte ich vor Augen, wenn auch mit zu vielen Farben :-)
Das gefällt mir! Ich hatte mir gewünscht, dass hier jemand einen Lady Chatterley liebt Wildhüter im Regen Text einstellt und nun bist du es! Sinnlich, poetisch, erdverbunden - weit entfernt von Schickimickigetöse. Für mich dein bisher bester Ibiza-Text ! LG Lillilu
Nach stimmungsgeladener Einführung sind Wettergeschehen und Liebesclinch funktionell verwebt. / Die Vollbremsung "machst" du nicht, sondern "legst sie hin", weil du in die Eisen steigst, dass es staubt und qualmt./ Du "bewegst" dich nicht vorwärts, sondern "patschst umher mit glitschigen Fußsohlen". / "Ineinander verhakt", erinnert mich an Kraken, das hat was. Aber Baal tut sich schwer mit Tanit.
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15487
Laura blickte sorgenvoll zum Himmel, wo sich seltsame Wolken zeigten, zerzauste Flauschwolken, und sie fragte Ernesto, ob er sich mit Wolkenbildern auskenne.
„Da oben gibt es viel Wind.“, meinte dieser lakonisch.
„Werden wir Sturm bekommen?“, fragte Laura ängstlich.
„Das weiß man nicht so genau im voraus. Die Wettervorhersagen haben nichts dergleichen berichtet, aber das Lokal-Wetter in so einem Flusstal kann schon mal seine eigenen Kapriolen schlagen. Wir fahren noch ein Stück flussab und suchen uns einen schönen Ankerplatz für die Nacht.“
Am späten Nachmittag setzte die Ebbströmung ein. Ernesto startete den Motor und holte den Anker auf und sie tuckerten flussabwärts, vorbei an Alcoutim und den Yachten, die dort überall im Strom ankerten. Laura wäre es lieber gewesen, sie hätten die Nacht am Anleger verbracht, das erschien ihr sicherer angesichts der noch immer segelnden Wolkenfetzen. Aber sie wollte nicht wieder diskutieren. Ernesto würde schon wissen, was zu tun sei, er hatte die Erfahrung.
Der Wind frischte auf und blies ihnen böig entgegen. Ernesto hielt Ausschau nach einem Ankerplatz, suchte das Ufer ab, aber immer, wenn es dort verlockend aussah, entdeckte einer der beiden Steine im Schlick oder das Ufer war insgesamt zu flach. Es dämmerte schon, als Ernesto sich entschloss, in einer Flussbiegung den Anker zu werfen. Für einen Landgang war es schon zu spät, das Ufer schien sumpfig, die Hündin Raposa würde in dieser Nacht kneifen müssen. Der Wind legte sich schlafen und nach der Abendmahlzeit taten Ernesto und Laura es ihm gleich.
Kurz ist die Ruhe in dieser Nacht, es kommt ein heftiger Sturm auf, der Fluss brodelt, würde der Anker halten? Der Kat segelt am Ankerseil, gerät quer zu den Wellen, kommt heftig ans Stampfen und Schaukeln. Kann er nicht kippen?, fragt sich Laura. Ängstlich rückt sie näher zu Ernesto hin, er nimmt sie fest in die Arme. Nachts kommen Fischer, beleuchten das Schiff, schimpfen auf portugiesisch, aus irgend einem Grund soll da nicht geankert werden. Bei der Lautstärke des Windes kann selbst Ernesto nichts verstehen. Die Fischer kreisen eine Weile mit ihrem Motorboot herum und verschwinden. Endlich legt sich der Sturm, glaubt man, er legt aber nur eine Pause ein, um dann umso heftiger fortzufahren mit Heulen und Tosen. Laura gräbt sich in ihren Schlafsack. Ernesto kriecht nach draußen. Er setzt sich auf das Kajütendach, um ihn herum tost das Wetter und dort drinnen liegt Laura, sie macht ihn unruhig und er weiß keinen Weg, sich ihr zu nähern. Sie wird abreisen, denkt er, nächste Woche schon. Und dann? Vielleicht sehe ich sie nie wieder. Ein Ruck am Anker reißt ihn aus seinem Denken. Er muss nach vorn auf dem schmalen Rumpf, muss den Anker kontrollieren. Alles geht gut, der Anker hält, auch das sogenannte Zelt fliegt nicht davon, niemand geht über Bord.
Am folgenden Morgen liegt der Fluss glatt als könne kein Wässerchen ihn trüben und kein Windhauch je kräuseln.
Hallo Barbara, Dein Text ist flüssig geschrieben und genauso zu lesen. Was mich allerdings etwas irritiert hat, ist der plötzliche Wechsel zum Präsens in der zweiten Hälfte. Was genau passiert in diesem zweiten Teil? Du gibts dem Leser zwar ein paar Informationen aber da du auf keine der Handlungen näher eingest, wird die Spannung, die diese Szenen aufbauen könnten, aussen vor gelassen.
Dein Text kommt langsam in Gang, bekommt dann aber Tempo, gewinnt richtig an Fahrt, so wie der Wind. Eine gut beschriebene Szene, eher sachlich. Anfangs gefiel mir das nicht so gut, zum Schluss dafür um so mehr und ich hätte dann auch gerne weiter gelesen.
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15478
Dunkle bis antrazitfarbene dickbäuchige Rießen schienen sich über den auf dem Feld arbeitenden Menschen verschworen zu haben. Schienen sich aufzutürmen und wie ein fettwamsiger phlegmatischer Sklaventreiber, der den Wind ihm zur Hilfe zu kommen gebietend herbei pfeift, an seine Arbeit zu machen. Es war wieder jene Art von Wolkendecke, wie bereits vor drei Jahren, der keiner der kleinen Menschengeschöpfe unter ihr sich anzumaßen wagte, ihrem Androhen zu widersprechen, etwa indem man grade mal noch seine angefangene Arbeit auf dem Feld rasch zu Ende verrichten würde.
Doch das dahinter ruhende Sonnenlicht ließ sich von den sich bündelnden dunklen Cumuluswolken nicht täuschen. Es schien für wenigstens noch einige Sekunden stark genug bleiben zu wollen, um zumindest ein zwei Herzen auf dem bereits zum Teil verwüsteten Feld zu erreichen.
Diese würden sich hoffentlich nicht davon abbringen lassen, dem lauten Schreien Aufmerksamkeit zu schenken, das aus dem südöstlichen Teil des angrenzenden Waldstücks kommen musste. Dazu mussten sie jedoch innehalten, mussten zumindest kurz stehen bleiben, mussten aufhören zu rennen.
Der sich Unheil drohend ankündigende Sturm, zusammen mit der Erinnerung an jenen vor drei Jahren, mahnte indes jede Faser auch in den kräftigen Körpern der beiden jungen Burschen, sich genau wie alle Anderen auch, schnellst möglich in Sicherheit zu bringen. Immer wieder schnappten schmutzig verschwitzte Arbeiterhände aus allen Richtungen nach ihren vom Wind aufgeblusenen Hemdsärmeln. Um erfolglos kopfschüttelnd davon zu eilen.
Ein alter unüblich schnell an ihnen vorbei hinkender Mann mit weißem Stoppelbart wollte zusammen mit der ihm gerade, als er sich nach ihnen umdrehte, vom Kopf gewehten Mütze, zumindest noch sein eindringliches Rufen für diese beiden Unvernünftigen zurück lassen: "Jetzt lauft doch schon los, Jungs, was steht ihr denn da noch rum?"
Doch die beiden jungen Männer schauten sich inmitten der an ihnen mit im Winde flatternden Mähnen, Tüchern und Kleidern hecktisch vorbei huschenden Personen eindringlich an. Tommes suchte mit Mühe den Horizont hinter dem Freund nach einem Hauch von Lichtblick ab. Mit gequält entschlossenen nun seitlich auffällig spitz gewordenen Augenwinkeln schauten sie sich noch immer an.
Jedem fiel wohl bei seinem Gegenüber die sich tief bildende Stinfalte auf, die sich durch die zusammen gezogenen Augenbrauen zu einem einzigen in sich zusammen fallen wollenden Fragezeichen zu formatieren schien. "Was sollen wir nun machen, so sag schon!" schrie Hensher um die Wette mit dem Pfeifen des Windes seinen zwei Jahre älteren Cousin und Freund, dessen Entscheidungsgeschick anfeuernd, an.
"Das fragst du noch?" kam es mit einer fast hysterisch weiblich klingenden Männerstimme zurück geschnellt. Doch die Augen des Freundes strahlten gleichzeitig jene von Hensher bei sonst noch Niemandem wahr genommene seltsame Ruhe aus, die die letzten Kraftreserven in seinem wie sich als Zentrum der Angst anfühlenden Herzen frei zu setzen vermochte.
"Du bist irre!" flüstere Hensher nur noch. Mit einem von Tommes zufrieden festgestellten Anschein von Lächeln auf dem Gesicht des jüngeren Freundes rannten beide im selben Augenblick los.
Das Schreien in kurzen Abständen kam ihnen eindeutig entgegen, sie waren richtig, es wurde verständlicher, lauter und lauter. Die ersten fetten Wassertropfen platschten bereits kalt auf Gesichter und Handrücken.
Die trockenen Halme des Feldes schienen ihres dazu zu steuern, während sie sich vom Wind geschlagen, ihnen halb entgegen fast zu Boden streckten, um den beiden Kumpels, den noch vor ihnen liegenden Teil ein wenig zu ebnen. Doch gleichzeitig bildeten diese seilfarbenen Genossen teils auch schlingähnliche Fallen, so dass die Größe der beiden Jungen zu schrumpfen schienen, und sie sich vorwiegend nur noch stark gebeugt weiter bewegten. Tommes stürzte. "Nichts passiert!" rief er dem Freund zu. Sie kämpften sich weiter, kämpften sich weiter gegen und durch die konstant vorhandene Tränen speiende Wand von Wind.
Dass es am hellichten Tage so dunkel werden konnte, wie sie es nicht selten in ihrem geliebten Schottland während der Sommerferien erlebten, begann sie egal wie und wieso, auch dieses Mal aufs Neue gemeinsam zu faszinieren.
Sie hatten gewonnen, die dunklen fetten Riesen hatten scheint`s gewonnen, die Sonne kapituliert. Das Schreien in einer Tagmöglichen Dunkelheit wurde nun für einen Atemzug lang unerträglich grell heraus gestoßen. Einmal.
So laut, dass es den Entschlossenen durch Mark und Bein ging. So laut, dass sie es sich beide im - mit blonden druchnässten Strähnen klebenden - Gesicht geschrieben anzusehen glaubten: Die Frage, wieso sie eigentlich vor ein paar Minuten noch an ihrer Absicht zweifeln konnten, um alles in der Welt jenem gemeinsam entdeckten Hilfeschrei Folge zu leisten.
Nun riefen beide wie abgesprochen, aus einem Munde:
"Hallo, wo sind Sie?" Es wurde still. Der Sturm schien kurz zu gähnen, der Wind schien auf seinem Ritt umgeknickt zu sein, die Dunkelheit schien sich kurz nach der Sonne umzudrehen. "Hier bin ich!" trug nun ein Arm eines leise gnädigen Windzugs die heiser gewordene Stimme einer älteren Frau vor sie heran. "Ich bin vor dieser verdammten Drachenhöhle eingeklemmt, und wenn mir keiner hilft, fürchte ich, dass auch noch dieser halb entwurzelte Baum hier auf mich fallen wird. Ich kann euch bereits durch die Bäume erkennen, hier bin ich...
Das muss man Dir lassen, Dein Stil ist einzigartig. Nachdem ich mich wie die Protas durch diesen konstant mich überfordernden Text gekämpft habe, entzückten mich doch einige klasse Sätze, wie z.B. "Der Sturm schien kurz zu gähnen". Die direkte Rede bildet in ihrer Knappheit einen krassen Kontrast zum Rest. Absicht?
In abstrakt gemalten Bildern trachtet man nicht nach dem Finden von Gegenständen, so wie vielleicht in diesem Wortschaum nicht nach Gesagtem von Sinn. Ein ganz eigener Reiz geht von den erheiternden Fehlschreibungen aus, die, Wortakrobatik bietend, den Leser zum Genießen einladen. Großartige Formulierungen graben sich lustlösend in die Gedächtnistruhe: "vom Wind aufgeblusene Hemdsärmel", "Hauch von Lichtblick", "Tränen speiende Wand von Wind", "der kurz gähnende Sturm". / Dabei stören nur noch einige Rückfälle in den traditionellen Satzbau: "Du bist irre, flüsterte Hensher", "Ich kann euch bereits durch die Bäume erkennen". Also, wenn schon, denn schon! Konsequent weiter quirlen!
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(In einer "Aprilszene" schrieb ich, dass Sarah und Roberta erst seit drei Monaten wieder Kontakt hätten, und nun habe ich hier eine Szene ihres Wiedersehens beschrieben, die Ende August stattfindet. Das passt natürlich nicht, soll mich aber momentan am Schreibfluss nicht hindern - falls das überhaupt jemand so genau verfolgt)
Sarah trifft Roberta
„63,80 Euro, eine Tüte für Sie?“
„Ja bitte“, sagte Sarah. „Obwohl ich den Bikini bei dieser Hitze am liebsten gleich anziehen würde.“
Roberta reagierte mit einem kundenfreundlichen Lächeln. Sie hasste die Hitze. In der Öffentlichkeit trug sie an solchen Tagen leichte Langarmshirts aus Baumwolle und weite Leinenhosen. Im klimatisierten Kaufhaus, in dem sie arbeitete, kein Problem. Aber auf der Straße! Es war nicht die brennende Sonne, die auf ihrer Haut wie eine Kollision mit einer Schar Feuerquallen wirkte. Es war die süddeutsche Schwüle, die den Wunsch aufkommen ließ, schlichte Körperbehaarung als einzige Kleidung zuzulassen.
Auf der Rolltreppe überlegte Sarah, woher sie die Kassiererin kannte. Diese feuerroten Haare. „Roberta, das war Roberta!“ Ein Mann, der sie überholte, sah sie verwirrt an und stolperte. Sarah kümmerte sich nicht um ihn. Sie ging einen Kreis, wie man es in Kaufhäusern tun musste, um die Rolltreppe in die entgegengesetzte Richtung zu erreichen und fuhr zurück nach oben.
„Du bist Roberta, stimmt’s?“ Sarah ignorierte die Schlange an der Kasse. Aus einem mit einer Stoffwindel bedeckten Kinderwagen erklangen Babyschreie und sofort kommentierte die Mutter das Geschehen. Keiner wolle hier unnötig lange anstehen. Bei 33°C im Schatten und einer gewitterankündigenden Schwüle, die am Ende doch keinen Tropfen spendierte, wollten die Menschen schnell erledigen, was zu erledigen war und dann auf und davon. An den Baggersee, ins Schwimmbad. Jetzt, Ende August, wo das kühle Nass nur noch nass war.
„Wir haben zusammen Medizin studiert“, sagte Sarah.
Roberta gab einer Kundin das Wechselgeld.
„Du bist nach drei Semestern abgesprungen, obwohl du gut warst.“
„3,50 Euro für Sie zurück. Eine Tüte?“
„Nein, aber die fehlenden 50 Euro bitteschön!“ Die Kundin schaute so böse, wie Robertas Kollegin, wenn sie kurz vor Ladenschluss Kundschaft bekam, die eine Frage an die nächste hängte. Roberta entschuldigte sich bei der Kundin.
„Ich bin Kinderärztin“, sagte Sarah.
„Frau Fritsch, können Sie an der Kasse mal übernehmen? Ich habe eine Kundin mit Reklamation.“ Roberta nahm Sarah beiseite.
„Du bist so blass geworden, schlechte Erinnerungen an mich?“
„Ehrlich gesagt gar keine.“ Roberta nagte an ihrem linken Zeigefinger.
„Bestimmt erinnert du dich an unsere Saufgelage im zweiten Semester. Weißt du noch, wie wir heiße Zehner auf die Straße geschmissen haben? War das eine Gaudi. Und jetzt spurten wir auf die fünfzig zu, schneller, als uns lieb ist.“
Vierzig, fünfzig, sechzig, das machte für Robertas Leben keinen Unterschied. Alter existierte nicht, nur Jahreszeiten. Milde Winter, die der Frühling mit kaltem Start wett zu machen versuchte. Und jetzt wieder ein Sommer, der nicht ohne Schwüle auskam, so wie Donner und Blitz sich nicht trennen konnten. Einzig und allein der Herbst gefiel ihr. Wenn doch bloß immer Herbst wäre. Da fiel die Schwermut von ihr ab wie das Laub von den Bäumen.
„Komm schon, du musst dich an die heißen Zehner erinnern.“ Sarah knuffte Roberta freundschaftlich in die Seite und erwischte damit die Starttaste. Robertas Gehirn spulte einen Film ab. Medizinstudium zweites Semester, nahe der Ferien. Es war schon heiß in der Stadt, die übersät war mit Studenten und Touristen. Ein Studienkollege hatte tatsächlich ein WG-Zimmer mitten in der Fußgängerzone ergattert. Hier flanierten sie: Die Verliebten, die Verlassenen, die Studenten, die Touristen, manch Einwohner.
Olaf, genau, Olaf war das gewesen. Er kam auf die Idee, Zehnpfennigstücke mittels Pinzette und Bunsenbrenner zu erhitzen und dann vom Balkon zu schmeißen. Jeder bückte sich, wenn er Geld klirren hörte. „Autsch“, „Huch“, „Mist“ und „Verdammt“ riefen alle aus, die das heiße Kupfer aufgehoben hatten.
„Die heißen Zehner“, wiederholte Roberta. „Wir haben längst den Euro.“
„Was soll’s. Veränderungen muss es geben.“
„Muss wohl“, sagte Roberta. Vor wenigen Tagen hatte Carsten bei ihr geklingelt.
„Wann hast du Feierabend?“
„Jetzt!“, sagte Roberta und war überrascht über sich selbst.
Kurz darauf saßen die beiden Frauen unter einem dunkelgrünen Schirm einer Innenstadtkneipe. Sarah saugte geräuschvoll ihren Eiskaffee aus dem Röhrchen und plauderte endlos wie die Schlange vor der Eisdiele gegenüber war.
„Schwitzt du nicht?“
„Es geht“, sagte Roberta.
„Es sind die Leberflecke, oder?“
„Nicht nur, ich vertrage die Sonne nicht.“
„Musst ab und zu ins Solarium gehen. So eine Art Desensibilisierung. Grässliches Wort. Erinnert mich an meinen Beruf. Ich arbeite mit Allergikerkindern. Zum Glück
habe ich Urlaub. Kranke Kinder. Das zermürbt mich von Zeit zu Zeit. Wenn ich eigene hätte, wäre das kein Job für mich. Hast du Kinder?“
„Einen Sohn.“
„Hat bestimmt auch so tolle rote Haare wie du.“
„Ich weiß es nicht.“
Etwas in Robertas Blick verschloss für einen kurzen Moment Sarahs Mund.
Ein Spatz traute sich an den Tisch, suchte vergeblich nach Speiseresten und flog vorwurfsvoll piepsend davon.
„Das musst du mir erzählen!“, sagte Sarah.
Roberta starrte aus dem Straßenbahnfenster. Im Film gäbe es jetzt ein ordentliches Gewitter. Eines, in dem sich Blitz und Donner überschlugen, weil der eine nicht auf den anderen warten konnte. Stürmischer Regen würde auf den Hauptdarsteller niederprasseln, als sei er das einzige Ziel. Danach würde er freier atmen können, gedankenversunken in den geklärten Himmel schauen und dort die Lösung, die Zukunft finden.
Roberta fuhr bis zur Endstation. Sie musste drei Haltestellen zurücklaufen. Es war schwül, die Erde atmete nicht durch, der Sauerstoffgehalt schien gen null Prozent zu gehen. Nicht einmal die Schwalben flogen tief genug.
Hihi, da habe ich wohl etwas missverstanden mit der Pause. Du hast ja quasi schon die neue Aufgabe vorausgeahnt. Dann mal ran an den Speck und an die Adjektive und ihre Verwandten!
Hi Birgit, das war aber nicht bös gemeint. Es fiel mir nur auf, wievielen Schreibern Du hier das Kürzen empfohlen hast, wo Dein Text doch eigentlich auch nicht gerade knapp ist. Vielleicht hast Du Dir kurze Texte gewünscht, damit nicht so viel Zeit draufgeht, die man als gehetzte Mama ja einfach nicht hat. Jetzt dürfen wir uns ja alle mal eine Pause gönnen. LOVE + PEACE Frog
Hi Birgit, danke für Deine Empfehlungen und dass Du Dir überhaupt Zeit dafür genommen hast mit einem Kleinkind daheim. Super! Finde ich auch nachvollziehbar, will sagen, ändere ich einsichtig. Bis auf zwei bis drei Sachen: Die Oliven, die Linn nicht spürt (wegen Anschlusssatz), das nasse Kleid und die Info von Prince. Würde ich niemals rausnehmen. Das wäre in dem Zusammenhang eine Unterlassung. Danke trotzdem. Ich hoffe, es geht Dir gut. Deine Kommentare zur Aufgabe klangen für mein Gefühl diesmal ein ganz klein wenig ungehalten. :-) Frog
Mir haben besonders die Dialoge gefallen - die Begegnung steht im Vordergrund und doch ist das Wetter sehr präsent samt Kleidung und Folgeerscheinungen. Das Roberta so plötzlich Feierabend haben kann, irritiert ein wenig. Der letzte Absatz kommt sehr unvermittelt.
Liebe Birgit! Gefällt mir, guter Text. Die Perspektivwechsel finde ich zwingend und unauffällig eingebaut. Wetter kommt mir auch genug vor, muss man auch nicht so sklavisch sehen mit der Aufgabenstellung. Weil du auf so hohem Niveau schreibst, möchte ich dir ein paar Ideen zum Feinschliff sagen - damit der Diamant so richtig funkelt ;-) Warum fällt bei Roberta im Herbst die Schwermut ab, für die meisten Menschen ist der Herbst = Vergänglichkeit doch gerade die schwermütige Jahreszeit? Der Satz mit dem Plaudern und der endlosen Schlange vor der Eisdiele ist an sich eine schöne Idee, aber das Verb hängt ein wenig unglücklich am Satzende rum, man schafft es kaum bis dahin ;-) Kleiner Tipp: Lies es mal laut (das sollte man sowieso immer mit den Texten machen...). Der Bruch vor dem letzten Absatz ist mir ein wenig zu hart. Wie kommt sie denn jetzt in die Straßenbahn? Ich kann allein aus dem Text auch nicht ganz die Dramatik ihrer Gedanken nachvollziehen. Aber das sind alles nur Korinthen, ich mag deinen Stil und freue mich auf mehr. Liebe Grüße, Malea.
Vielen Dank für Eure Kommentare! @Fledermaus: Während mich Lob dazu animiert, die Beine hochzulegen und mich auf Lorbeeren auszuruhen (was in meiner Realität allerdings utopisch ist, da ich einen einjährigen Sohn habe), führt Kritik dazu, dass ich mich frage, wie ich es hätte besser machen können. Ich dachte, das Wetter als Handlungselement hätte ich gut eingebaut, weil meine Protagonistin keine Sonne verträgt und sich Sarah u.a. deswegen an sie erinnert, weil Roberta so viele Leberflecke hat. Deshalb trägt sie trotz Sonne langärmlig. Wie hätte ich es Deiner Ansicht nach besser machen können? Und was soll die Bemerkung mit den schwarzen Haaren? Verstehe ich leider nicht. @alle, die meine Geschichte verfolgen: Roberta arbeitet in einem Kaufhaus und nicht - wie ursprünglich geplant - in einem Drogeriemarkt. Habe eine alte Bekannte getroffen, die in einem Kaufhaus arbeitet, also eine gute Informationsquelle. Bis zum nächsten Mal, Birgit :-)
Bis jetzt gibt es hier fast nur Schlecht-Wetter-Szenen (inkl meiner eigenen *g*), wahrscheinlich weil sich da mehr tut, was es zu beschreiben gibt. Jetzt zeigst Du uns, dass man auch mit bis zum Stillstand ereignislosem Heiß-und-Trocken-Wetter eine fantastisch greifbare Stimmung erzeugen kann. Eingebettet in eine spannende Begegnung. Die Dialoge haben mir besonders gefallen, wo diese beiden so unterschiedlichen Menschen aufeinander prallen. Einzig Deine häufigen Perspektivenwechsel haben den Lesefluss etwas gebremst. Ich denke, ich würde mich in dieser Szene ganz auf Robertas Sicht konzentrieren, die das spannendere Innenleben zu haben scheint. Obwohl dann diese hervorragende Sequenz nicht funktionieren würde, wo Roberta Sarah an der Kasse komplett ignoriert. Hmm, schwierig schwierig.
Ich bin begeistert! Auch die Sonne kann ihre Tücken haben. Meines Erachtens hast du dir die schwierigere Version ausgesucht. Regen, Schnee, Hagel, alles hat von Natur aus etwas beunruhigendes, die Sonne steht eher für all das Positive im Jahr. Diese Geschichte fühlt sich wieder richtig nach Leben an. Bitte, mehr davon. Gruß Sarah
Roberta ist nicht schwarzhaarig! Buhu! :O)Das mit dem Wetter als Handlungselement hast Du m.E. nicht so gut umsetzen können, und die Frauen wirken auf mich eher wie um die 30. Sonst schön gelungen!
Eine starke Szene. Bestimmt verfolgen hier viele Menschen Deine Story, ich tue es jedenfalls und bin angetan von Deinem Erzählstil und der Stimmung. Es stecken interessante Aspekte in diesem Text, besonders gut gelingt es Dir, Robertas Gedanken schweifen zu lassen. LG
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15469
Auf dem Bett liegend sehe ich durch das Fenster nur ein Stück vom Himmel. Keine Häuser, keine Bäume, keine Menschen. Heute bin ich noch nicht aufgestanden, konnte mich noch nicht dazu durchringen, deshalb weiß ich nicht, ob diese grauen Wolken schon geregnet haben. Ich kann mir nur vorstellen, was der pfeifende Wind mit den Baumwipfeln und den Markisen des Supermarktes am Ende der Straße macht. Ich stelle ihn mir vor, den Wind, wie er um die Häuser zieht, die letzten bunten Blätter von den Bäumen mitnimmt, den Menschen unten auf der Strasse die Haare ins Gesicht weht, und ziehe meine Decke fest unter dem Kinn zusammen.
Mein Stück vom Himmel ist umrahmt von weißen Vorhängen, die vom Wind aufgebauscht werden. Hoffentlich fängt es nicht an zu regnen, denn dann muss ich wohl aufstehen, um das Fenster zu schließen. Kritisch beobachte ich die Wolken, die sich in mehreren Schichten am Himmel auftürmen. Die untersten sind dunkelgrau, fast schwarz und bewegen sich in schneller Flucht vor dem Wind. Darüber liegt eine dicke Decke taubengrauer Wolkentürme, die keinen Sonnenstrahl durchlassen. Ich weiß nicht einmal, wie spät es ist.
Bedrohlich grummelt es da oben im Himmel, als ob ein heftiges Gewitter aufzieht. Der Wind hat noch zugenommen, hoffnungsvoll rüttelt er am gekippten Fenster, als versuche er sich Einlass zu verschaffen. Die Vorhänge schlagen gegen die Fensterscheibe, werden jetzt vom Wind nach draußen gesaugt, wo sie sich gleich weißen Segeln zum Himmel aufrichten.
Das Grummeln ist zu einem bedrohlichen Donnern angewachsen, und da erhellt der erste Blitz das Zimmer. Noch regnet es nicht, doch gleich werden die ersten Tropfen fallen. Gespannt halte ich den Atem an. Und dann kommen keine einzelnen Tropfen. Von einer Sekunde auf die andere stürmt eine wahre Regenwand auf mein kleines Fenster ein.
Bevor ich noch reagieren kann, öffnet sich mit Schwung die Tür und Schwester Anna stürmt herein. „Sind Sie immer noch nicht aufgestanden? Aber, das Fenster ist ja offen!“
Sie stürzt zum Ort des Vergehens, holt die Segel ein und schließt krachend das Fenster. Wir sind gerettet. Ein Blitz krönt die Schwester mit einem Heiligenschein.
[Da dachte ich doch erst, das wäre viel zu sperrig und langweilig, so eine genaue Beschreibung des Wetters. Erst während ich diesen Text schrieb, habe ich die Aufgabe wirklich verstanden, denn es hat funktioniert: mich selber hat die Beschreibung in eine Stimmung, versetzt, aus der heraus mir eine bis dahin ungeplante Entwicklung einfiel, die die Handlung weiterbringt. Und dann werde ich noch die schöne Nach-Gewitterstimmung einfangen, und ich weiß schon wofür. :)]
Hallo Jenni, dein Text hat mir gut gefallen. Vor allem der letzte Teil in dem die Schwester "die Segel einholt" und sie mit einem Heiligenschein gekrönt wird. Macht Spass deine Texte zu lesen. LG Azahar
Danke Euch allen für die lieben Worte und hilfreichen Anregungen, die Ihr wie immer gefunden habt. Das ist wirklich ermutigend. @Birgit: Du hast so Recht mit dem "bedrohlichen Grummeln", und ich denke schon die ganze Zeit drüber nach, wie ich es besser formuliere. Ich habe letzt als Definition für "Klischee" gelesen, es sei eine "oberflächliche Beobachtung". Draußen sieht es zum Glück so aus, als bekäme ich heute noch die Gelegenheit, da mal besser hinzuhören. ;) @Angela: Gemeint habe ich es so, dass sie keine nassen Strassen/Bäume o.ä. sehen kann, diese Dinge die einem sagen, dass es kürzlich geregnet hat. Das habe ich wohl etwas missverständlich formuliert. @Gerhild: Freut mich, dass ich solche lebendigen Bilder bei Dir heraufbeschwören konnte. Nutze sie. ;) Ich bin gespannt auf Deinen Text zum Thema.
Sehr schön, dein Text, nur überarbeite diesen Block nochmal: "Und dann kommen keine einzelnen Tropfen." weglassen. "Von einer Sekunde auf die andere stürmt eine wahre Regenwand auf mein kleines Fenster ein." lassen. "Bevor ich noch reagieren kann,..." Noch bevor ich... "Sie stürzt zum Ort des Vergehens, holt die Segel ein und schließt krachend das Fenster." Nein, der ort des Vergehens gefällt mir gar nicht, und die Segel einhalen...hmpf. Sonst alles richtig super!
Ich kann mich den positiven Kommentaren nur anschließen: Allgemein gibt es hier innerhalb des Forums ein großes Gefälle bei den Textbeiträgen (stilistisch, grammatikalisch, Ideenreichtum) - mit Deinem Text gehörst Du zur Spitze...
Hallo Jenni, ein feiner Text ist dir da gelungen. Sehr Stimmungsvoll.
Der letzte Absatz ist preisverdächtig gut! Gratulation! LG Lillilu
Bei der Beschreibung des Windes sehe ich einen jungen Mann im wehenden Mantel, der schnell überlegt, wohin er jetzt wohl ziehen soll, Blätter nimmt, sie übermütig in die Luft wirft...du siehst, wie anregend dein Text ist... ob die grauen Wolken schon geregnet haben ? Schön!... nur "grummeln " gefällt mir nicht. L.G.Gerhild B.
Eine gelungene und sehr detaillierte Beschreibung des Wetters. Gefällt mir ausserordentlich gut. Im ersten Absatz erscheint mit etwas nicht stimmig: sie kann aus dem Fenster sehen, aber weiß nicht, ob es schon geregnet hat, weil sie noch nicht aufgestanden ist.
Hallo Jenni! "...ob diese grauen Wolken schon geregnet haben." Schöne Formulierung! Die Weiderholungen: "Bedrohlich grummelt" und "Das Grummeln ist zu einem bedrohlichen Donnern angewachsen" gefallen mir nicht. Es grummelt zu oft bedrohlich bei Wetterbeschreibungen, finde ich.
Schwester Anna stürmt wie die Regenwand herein. Du erzeugst eine dichte Gewitterstimmung, die zu der Figur passt. Gefällt mir gut. Sabine
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15464
...
Sergio Vacalo ,
der zweite „skiper“ würde das restliche Programm zu Ende führen.
Unser „kapitan“, Victor Balman hatte eine schlaflose Nacht hinter sich wegen einer Darmverstimmung und wollte die entgangen Ruhestunden nachmittags in seinem „krevet“ nachholen.
Wir kreuzten mit der Stromboli zwischen Olib und Silva, um mittels Schwebetrawls nochmal möglichst viele Biostriche zu ziehen, aus definierten Tiefen. Der umgebaute Gaffelkutter war als Zweimaster getakelt, hatte auch einen Hilfsmotor, aber weil wir ohne Zeitdruck arbeiten konnten, sparten wir Treibstoff unter Einsatz von Groß- und Focksegel. Die ehemaligen Adriafischer Emil, Ivo und Tomi halfen uns den Kurs zu meistern. Außerdem waren vier Studenten an Bord, die während ihres Praktikums als Handlanger und Protokollführer beschäftigt wurden. Der Seefunk hatte moderate Windstärken gemeldet. Wir konnten Victor die Koje gönnen.
Sergio, der Galicier, war Fischer gewesen an der Atlantikküste Spaniens und Portugals. Seit fünf oder sechs Jahren schipperte er durchs Mittelmeer in kurzfristigen Anstellungen als Fährenoffizier. Er war von Familie Eltz vermittelt worden, die Schloss Vukovar wieder herstellen ließ. Vorerst musste ich ihn aber davon abhalten, an meiner Freizeit teilzunehmen. Mit Pidgin verständigten wir uns auf brauchbarem Niveau. Kroatisch beherrschte er nur brockenweise. Somit entlockte ihm Emils Ausruf „cijev!“ auch keine angemessene Reaktion.
Als Spanier kannte er zwar den Cisampo und den Aurassos, hatte auch schon vom Jugo gehört, der als Schirokko-Ausläufer bis in die Adria bläst, doch mit der Bura hatte er wohl keine Erfahrungen. Ich wusste die Kapitel aus dem Erdkundebuch auswendig, erkannte daher die besondere Küstenstruktur und wies ihn darauf hin. Auf dem immer gleichen Weg des kalten Luftstrahls war hier die Vegetation durch den Düseneffekt entlang einer Schneise weggefegt worden, vom Bergkamm über den Abhang bis zum Ufer. So eine Röhre der Kahlheit hatte Emil gemeint. Und die Stromboli schwojte geradewegs in der Verlängerung des „cijev“. Im geringen Wind war der Kutter bisher gutmütig allen Segelmanövern gefolgt, die sonst nur einer Yacht zustanden. Da knallte mitten in der Halse eine Bö in das umschlagende Hauptsegel. Alles laufende Gut jagte durch die Spindeln. Die Anschläge folgten kurz nacheinander. "Eine Maschinenpistole!", fuhr mir durch den Kopf. Sekunden später war es wieder still. Nur der krängende Schiffskörper klatschte außer Takt.
Sergio war verblüfft. Bei klarem Himmel und ungetrübter Sicht durfte doch kein Sturm auftreten! Nirgends eine Wolke! Doch nun gingen an den Küsten doppelte Gelbflaggen hoch: Sturm aus Ost! Das konnte nur die weiße Bura sein. Ohne Ankündigung übersprang sie vom Landesinneren her die Bergkämme und raste auf die See hinaus. Auf dem ringsum noch ruhigen Wasser brausten Gischtkronen heran. Sergio erkannte das Schauspiel als weitere Bö. „Festhalten!“ brüllte er. Die Stromboli lag jetzt soweit angeluvt, dass der Schlag vom Bug zerteilt wurde. Nur das Tuch knatterte.
„Wir brechen ab“, entschied Sergio.“Nach Molat zurück in den Hafen.“ Er wurde mir ein Stückchen sympathischer.
„Alles fest!“ kam sein Befehl.
Zum Reffen war es natürlich viel zu spät. Der Schiffsdiesel begann zu dröhnen. Fahrt aufnehmen durften wir aber erst, nachdem alle Taue belegt waren. Ivo und Tomi hantierten am Großbaum, der zuerst verzurrt werden musste, sonst riskierten wir eine Patenthalse.
Von der Küste her begann die nächste Gischtstraße zu sprühen und baute sich zur Nebelwand auf. Ich winkte den Studenten, dass sie unter Deck verschwinden sollten.
Sergio beobachtete vom Ruder aus, wann er Kraft geben konnte. Doch der nächste Stoß kam zu früh, weil Ivo und Tomi mit dem Klarieren erst begonnen hatten. Der Baum wurde ihnen entrissen und sichelte über das Deck Wenigstens hingen die beiden am Strecktau und blieben an Bord, aber sie waren benommen und mussten sich erst wieder besinnen. Emil hielt die Stellung am Großmast, reagierte genau richtig und schmiss das Fall. Die Gaffel schlug herunter und damit war der Baum unter dem Wuling des Segels ruhig gestellt. Meine Kenntnisse von Seefahrt erstreckten sich auf einige Bezeichnungen und Kommandos, wie sie in jedem Segelheftchen zu finden sind. Ich begriff zumindest, wovon ich besser die Finger lassen sollte. Im Binnenhafen hatte ich überwiegend Frachtkähne zu Gesicht bekommen und auf meinen Fahrten erschienen die Gewässer der Adria noch immer als gemütliche Schwimmbecken. Die Bura hatte ich nur an Land erlebt und zwar als „bura scura“ mit Schlagregen bis zur Finsternis. Zum Glück in Milans Kate, deren Dach schräg genug war um die Himmelsfluten abzuleiten. Jetzt hatten wir am lichten Tag mit einer „chiara“ zu kämpfen. Der Wind riss Sprühnebel aus den Wellen. Das ganze Schiff war in salzige Schwaden gehüllt, die von der Sonne zu blendenden Reflexen angeregt wurden. Von Sicht konnte keine Rede sein. Aufgeschäumter Schneematsch schmierte über die Planken und verging durch die Speigatts. Wir waren von der Badewanne in die Eismaschine geworfen worden. Sergio drehte den Motor hoch. Das stabilisierte die Stromboli und ich getraute mich, die Stiegen nach unten zu taumeln. Victor kam entgegen.
„Nach oben, Zlata! Ich brauche dich an Deck!“
Hä? Deinen Text habe ich zwar auch über lange Strecken nicht verstanden wegen der Fachtermini, finde ihn aber wirklich gut geschrieben. "Von der Badewanne in die Eismaschine geworfen", "aufgeschäumter Schneematsch", auch die Gefährlichkeit dieses Sturms beschreibst du klasse mit der kahlen Schneise, so was muss man erst mal wissen. Dein Kommentar ist ein Auszug aus einem Kitschroman, schlimmer als 'Titanic'. LG Velarani
Liebe Gina, dein "Kommentartext" ist mit Leidenschaft und Natürlichkeit geschrieben. Ich kann mich nur den anderen anschließen. Gefällt mir wirklich sehr, sehr gut!! Liebe Grüße
Danke für den zusätzlichen Kommentar, Gina! LG Lillilu
Gina, welch herrlicher Kommentar/überarbeiteter Beitrag von dir. Nun konnte ich jedes Wort nachvollziehen, ohne von unnötigen Beiwerksinformationen abgelenkt und frustriert zu werden. (Ginko: Du darfst jetzt gerne mit den Augen rollen und „Weiber!“ knurren) Gerade an deinem Beitrag habe ich festgestellt, dass es für mich als Leser einfacher ist Lücken zu schließen, die ein Autor hinterlassen hat, als unnötigen Infoballast auszublenden.
Genau, Gina, das was du in deinem Kommentar geschrieben hast, das kommt bei mir an. Ich bin segeltechnisch blutiger Laie, die Begriffe kann ich alle zuordnen und den Text logisch erschließen, aber das Lesen macht dann keinen Spaß. Ich finde, du bist immer am besten, wenn du dir erlaubst, Gefühle zu zeigen, den Menschen in deiner Zlata, wenn du die Maske fallen lässt. Dann tut das Schreiben zwar manchmal weh, aber gerade auch deinen heftigen Blut-und-Jauche-Texten täte das, meiner Meinung nach, sehr gut. Trau dich! Liebe Grüße, Malea.
1.) Welche Figuren tun wann, was, warum? 2.) Welche Stellung kommt ihnen zu in der Erzählung? 3.) Wie beeinflusst das Wetter ihre Handlungen? 4.) Wie ist die Stimmung? 1.-3. sind ausführlich beantwortet. / Zu 4.): Die Stimmung ist unterkühlt, wobei eine mögliche Katastrophe nur angedeutet wird. Der Text klemmt, weil der außergewöhnliche Schauplatz vieler Erläuterungen bedarf, die der Roman sicher in anderen Kapiteln liefert, aber hier die Angst und Panik, die der heimtückische Sturm hervorruft, schier zerdrücken.
Sergio bediente das Ruder. Ein Mann wie ein Baum, mit Haselnussaugen, die mir durch die Bluse drangen. Die Stromboli folgte ihm wie ein Mädchen auf dem Heimweg durch den Stadtpark. Victor hatte das Schiff ebenfalls im Griff, wenn die Wache an ihm war, doch er war ein Befehlsgeber, dem der Kutter zu gehorchen hatte. Sergio dagegen lauschte in die Segel, gab das Steuer ein wenig frei, ließ die Leinen spielen und legte sachte wieder Hand an, wenn der Kurs aus dem Ruder zu laufen drohte. Von beiden Männern lernte ich, welche Züge und Taue wann und wie zu bedienen waren. Doch Victor, der Techniker, zeigte sein Können im Stil einer Vorlesung, während Sergio ein Gefühl für die Stromboli vermittelte, als wäre sie seine Freundin. Nun musste er sie vor dem kalten Fallwind beschützen, der uns überraschend vom Land her zu schaffen machte. Und ich würde ihm helfen. Ernst, aber zustimmend nahm er mich an, als ich mich an seine Seite schmiegte. "Wir wollen umkehren", meinte er. "Im Hafen von Molat sind wir sicher. Wir werden gemeinsam steuern." Oh ja, das würden wir. Ich fühlte mich, als wäre ich auch ein Schiff, das er durch den Wind leitete. Wurde die Stromboli etwa eifersüchtig? Sie schlug plötzlich so stark auf die Seite, dass alles was nicht fest war, über das Deck fegte, einschließlich des großen Segels. Die Bura griff uns an. Unvermittelt sprühte eisiger Gischt hoch über das ganze Schiff. Sergio vollbrachte das Wunder, mit rechter Hand zu steuern und mit der Linken mich vor einem Sturz zu bewahren. "Halte dich an meinem Gürtel fest, muchacha, das Schiff braucht beide Hände". Was für ein herrlicher Sturm!
Unabhängig davon, dass ich Deinen Plot faszinierend finde, kenne ich mich hier nicht mehr aus mit der Fachsprache. In einem Roman würde ich das vermutlich überlesen und darauf hoffen, dass es wieder "knackt". Vermutlich, wenn Zlata wieder an Deck ist. Jeder Leser tickt halt anders! Aber das ist jetzt das Problem mit dem Posten. Hier werden Auszüge aus dem Zusammenhang gerissen und reingestellt, sie sind gut, wir verstehen sie nicht immer, aber damit müssen wir Kommentatoren leben. Jedenfalls ein cooler Text, wie immer...
Ein 100 Prozent männlicher Text. Mich spricht er nicht so sehr an, da ich mich mit niemandem identifizieren kann. Und Sätze wie: „Sergio, der Galicier, war Fischer gewesen an der Atlantikküste Spaniens und Portugals. Seit fünf oder sechs Jahren schipperte er durchs Mittelmeer in kurzfristigen Anstellungen als Fährenoffizier. Er war von Familie Eltz vermittelt worden, die Schloss Vukovar wieder herstellen ließ“ erinnern mich an meine Oma. Die hat auch immer gaaaanz weit ausgeholt, bevor sie zum Kern der Sache kam. Mein Fazit: viel Wind um nichts. Deine kurzen und knackigen Beiträge gefallen mir deutlich besser. Schwafeleien sollten wir Friseusen und Bäckersfrauen überlassen. ;-)
Höm. "Meine Kenntnisse von Seefahrt erstreckten sich auf einige Bezeichnungen und Kommandos, wie sie in jedem Segelheftchen zu finden sind." (Mir fehlt sogar das, und so wird aus einem ganz sicher spannenden Stoff in deiner Erzählung ein Ärgernis für mich.) Warum erzählst Du denn dann nicht aus Zlatas offenbar begrenzt fachlich geprägten Sicht, sondern wie ein Lehrbuch? Sorry, ich mußte wirklich kämpfen, um bis zum Ende durchzuhalten.
Liebe Gina, dein Text hat so viel Sturm aber der heftige Sturm kommt nicht wirklich rüber. Schade, du hast eine solche Sprachgewandtheit aber die vielen Fachausdrücke zerstören die Lebendigkeit. Liebe Grüße
Liebe Gina, ein Dickicht an Fachtermini: Zlatas Beruf, Seefahrt ohne Ende, Spracheinsprengsel aus Kroatien, Namen und Menschen, die ich nicht kenne, geologische und meteorologische Besonderheiten und gegen Ende und auch zwischendurch einige, kleine Hinweise, dass es hier um ein Unwetter geht, was aber auch wieder im Speigatt vergeht. Da soll doch der Teufel die bura scura holen und gleich noch die chiara mitnehmen! Wickel sie einfach ins Strecktau und pass auf, dass du keine Patenthalse riskierst – kann passieren,bei einem krängenden Schiffskörper! Übrigens kenne ich SKIPPER nur mit zwei P. LG Lillilu
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15463
Ich fahre nie mit dem Auto, ohne vorher den Wetterbericht gehört zu haben, seitdem einmal ein vom Blitz getroffener dicker Ast meine Windschutzscheibe zertrümmerte. Aber gestern machte ich eine Ausnahme. Gestern war das Sommerfest unserer Firma und ich freute mich darauf, meinen Kollegen Ingo wieder zu sehen. Er hatte im Januar mit mir neu in der Firma angefangen, er im Außendienst, ich im Innendienst. Wir telefonierten häufig miteinander, sahen uns aber selten.
Ich war dabei, Ella von der Anmeldung beim Tisch decken zu helfen, als Ingo kam. Wie immer war er gut gelaunt, roch frisch und hatte diese jungenhafte Ausstrahlung, die ich so an ihm mochte. Er gab uns die Hand zur Begrüßung, sie fühlte sich rau an. „Was hast Du denn mit Deinen Händen gemacht?“, fragte ich neugierig. – „Mein Haus umgebaut, Du kannst gerne mal gucken kommen!“ Ella kicherte. Natürlich war ihr nicht entgangen, das sich Ingo und ich ziemlich gut verstanden. So auch an diesem Abend, an dem er nicht von meiner Seite wich.
In der Abenddämmerung mischte sich ein kühles Lüftchen in die schwüle Wärme des Tages, das bis Mitternacht für angenehme Temperaturen sorgte. Plötzlich sah ich in der Ferne erste Blitze. Eilig raffte ich mein Geschirr zusammen. Ingo beobachtete mich. Hatte ich ihm gegenüber meine Gewitter-Phobie erwähnt? Er deutete auf den Himmel und fragte: „Willst Du das Gewitter bei mir abwarten, ich wohne ja keine fünf Minuten von hier?“ Am liebsten hätte ich „sehr gern“ geantwortet, aber das würde im Büro für Gesprächstoff sorgen, also wehrte ich ab: „Wenn ich sofort losfahre, bin ich Zuhause, bevor es richtig anfängt.“ Und beeilte mich, wegzukommen...
Über der Autobahn war der Himmel bereits rabenschwarz und unheimlich, außer mir kein anderes Auto zu sehen. Immer kräftigere Blitze zuckten wie glühende Drähte die Bergkette entlang, die parallel zur Straße lag. Am schlimmsten war der Regen: Ich konnte kaum noch etwas durch die Frontscheibe sehen, obwohl mein Scheibenwischer auf Hochtouren arbeitete. Panisch fing ich an zu beten: „Vater unser im Himmel...“, wieder und wieder, schneller, hysterischer. Dazwischen ermahnte ich mich: „Ganz ruhig bleiben, sonst baust Du hier noch einen Unfall!“ Mir war schlecht vor Angst.
Gerade hatte ich mich zum Anhalten entschlossen, da wurde mein kleiner Panda von einem großen weißen Lieferwagen überholt. Den hatte ich überhaupt nicht kommen sehen! Wie hypnotisiert verfolgte ich den hellen Wagen. Mein Lenkrad und Fahrgestell klapperten. Trotz der hohen Geschwindigkeit kam mir die Heimfahrt wie eine Ewigkeit vor. Endlich, endlich kam die Ausfahrt - erleichtert setzte ich den Blinker...
Der Scheibenwischer fing zu quietschen an. Hier hatte der Regen bereits aufgehört, die Blitze leuchteten nur noch schwach im Rückspiegel. Vor lauter Freude, dem schweren Unwetter entkommen zu sein, drehte ich das Radio auf den letzten Metern an. Ein verhängnisvoller Fehler!
Meine Geschwindigkeit war immer noch viel zu hoch für die enge Kurve, der Panda geriet aus der Bahn und schlitterte ziellos Richtung Ortseingang. Ich konnte auch durch Gegenlenken nicht verhindern, dass er mit voller Wucht auf ein kleines Verkehrsschild prallte. Zitternd stieg ich aus – ich war unverletzt!
Aber wie sah der Panda aus? Die Motorhaube war in der Mitte gespalten, wie Flügel stand sie nach oben ab - die Vorderachse gebrochen und erinnerte an einen Menschen mit X-Beinen! Ich lachte und weinte gleichzeitig.
Dann wanderte mein Blick zu dem Schild, an dem mein Fahrzeug zum Halten gekommen war. Es lag nach hinten geknickt am Boden. Auf dem Schild stand: „KFZ-Werkstätten, 1. Ampel rechts“.
Vielen Dank für eure Kommentare. Eure Einwände sind berechtigt und würden in einer "Endfassung" auf jeden Fall berücksichtigt. Scheinbar ist auch nicht deutlich geworden, dass es vom Anfang bis zum Schluss um Gewitterangst (und somit um Wetter) geht: 1. Erklärung der Gewitter-Phobie - 2. Ignorieren der Gewitterangst aus Sympathie (Ingo kann aber hetero- oder homosexuell sein) - 3. Entscheidung für Heimfahrt im Gewitter - 4. Folge der Entscheidung: Unfall - natürlich mit den Kosten... Ende offen: Die Hauptfigur kann per Handy die Polizei anrufen (vielleicht hat sie aber auf dem Sommerfest zu viel getrunken) oder eben Ingo anrufen, dessen Telefonnummern sie ja auswendig kennt...
Lass "ein verhängnisvoller Fehler" weg, mach aus dem unverletzt sein keine Sensation mit Ausrufezeichen, weniger Absätze - und vòila, eine perfekte Szene. :O)
"Denken Sie nicht einfach an Wetter, sondern an das Wetter als eine Art Schauplatz, an dem sich tatsächlich etwas zutragen wird." - Wieso ist dieser Text an der Aufgabenstellung vorbeigerauscht? Finde ich nicht. - Ich stimme Jenni zu, der Anfang ist etwas schnell erzählt und mir persönlich etwas zu beliebig-locker-flockig, z.B. das Wiedersehen mit Ingo (etwas mehr Romantik?). Aber das ist vielleicht auch Geschmacksache. Toll kommt die Panik rüber, weil sich eine Traumasituation der Vergangenheit wiederholt, obwohl man sie so stark versucht zu vermeiden - oder gerade deshalb. LG!
Shit happens. Das ist ja keine Szene als Füllung, sondern ein Thema, das die Handlung beeinflusst. Gut, es ist Wetter dabei, aber darum geht es ja nicht. Ich finde den Text sehr gelungen, aber du bist an der Aufgabenstellung vorbei gerauscht. Mal lesen, was die anderen denken. Wünsch dir was. ;O)
Dein Schluß ist köstlich! Kurz dachte ich an das Lied: "Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld...natürlich die Versicherung! Die Begegnung mit Ingo könnte ein wenig die Spannung des Gewitters aufhellen ... L.G. Gerhild B
Den Anfang dieser Szene fand ich etwas schnell erzählt, zuerst habe ich gar nicht kapiert, dass das Fest nun schon zuende ist. Sicherlich willst Du doch die Beziehung mit Ingo festigen, da ist doch dieses Fest eine gute Gelegenheit. Für "plötzlich sah ich in der Ferne Blitze" fände ich einen fließenderen Übergang schöner ala "im Gespräch vertieft ist mir das aufkommende Gewitter nicht aufgefallen", so ähnlich. Die Gewitterszene im Auto finde ich sehr stark erzählt. Ich kann die Angst fühlen und das Gewitter sehen. Auch die Wendung am Ende hat mir sehr sehr gut gefallen. (Kennst Du den Film "Lohn der Angst"?) Schöner Text! g Jenni
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