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Kapitel 35 mit Übungsaufgabe
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17427
Ich traf sie ganz unverhofft, erst viel sie mir gar nicht auf, aber ich bemerkte zufällig ihr Lächeln, als sie den Jungen beim Spielen auf der Wiese zu sah. Mein Blick folgte ihrem, es war unmöglich zu erkennen, wem ihr Lächeln galt. Meine Neugierde war geweckt und ich versuchte sie in ein Gespräch zu verwickeln.
“Meine fällt ständig hin, sehen sie nur.”
Ich zeigte auf meine, lachte unbeholfen und wartete darauf, dass die Alte mir antworten würde. Sie sah mich an, blieb aber stumm. Mir fiel auf, dass ihre Augen strahlten, wie kleine Sterne. In Verbindung mit ihrem zurückhaltendem Lächeln wirkte es Weise, fast Allwissend. Mir blieb die Luft weg, ein wenig schämte ich mich meiner Neugier. Wie konnte ich mich erdreisten die alte Dame anzusprechen. Ehrfürchtig senkte ich meinen Blick und suchte meinen Sprößling auf der Wiese, um mich abzulenken. Ich entdeckte sie sehr schnell, sie stellte sich wirklich tolpatschig an. Gut, mag sein dass ihr dicker Bauch sie behinderte, aber das wollte ich nicht als Ausrede gelten lassen. Auch nicht, dass die vielen Arme unbeholfen wirkten, die versuchten ständig irgendwo Halt zu finden. Wirklich schick war sie nicht, aber meine, ganz klar. Der Spielplatz sollte ihr gut tun, hoffte ich zumindestens. Ich wollte ihre Entwicklung sehen, wie sie mit anderen in den Vergleich trat und als Sieger daraus hervor ging. Ja, das war mein Traum, zur Zeit sah es aber so aus, dass sie nicht eine Freundin finden würde.
Es war meine Schuld, ich hatte sie in die Freiheit entlassen und sie musste sich allein dem Leben stellen. Mein Blick trübte sich aus Mitleid und verletztem Stolz, ich hatte sie wohl zu früh fort geschickt. Jetzt stolperte sie dahin, ein fürchterlicher Anblick. Ich löste schweren Herzens meinen Blick und stand auf. Dieses Schauspiel wollte ich mir nicht länger geben. Noch einmal sah ich voller Wehmut zurück. Verglichen mit meiner waren die anderen leichtfüßig, gut, einige hatten das gleiche Problem wie meine, aber meine lag mir am Herzen, und es brannte lichterloh bei dem Anblick. Beleidigt suchte mein falscher Ehrgeiz nach noch schlimmeren als meiner. Dabei fiel mir auf, dass eine Gruppe ganz ruhig auf der Wiese saß. Einige sprangen um sie herum und schnitten Grimassen. Keck traten sie nach der Gruppe, die sich davon aber gar nicht beeindrucken ließ.
“Sie müssen ihr vertrauen. Mit etwas Glück wird sie irgendwann entdeckt und startet eine große Karriere, keiner weiß das vorher so genau.”
Überrascht sah ich die Alte an, ich hatte sie völlig vergessen.
Sie winkte ab.
“Ich weiß, es stört mich nicht mehr.”
Konnte sie Gedanken lesen? Verwirrt ließ ich mich wieder auf die Bank fallen und starrte sie an. Unfähig, auch nur einen klaren Satz hervorzubringen, beließ ich es dabei.
“Ich war auch mal so.” Begann sie und zeigte auf meine. “Ich hatte das Glück die Erste zu sein und so mussten sich alle anderen an mir orientieren. Ein Privileg, mit Sicherheit, aber schwer war es doch. Sie verstehen was ich meine?”
Sie zwinkerte mir aufmunternd zu. Ich hoffte inständig, dass sie keine Antwort von mir erwartete und glotzte einfach weiter. Ein Kopfschütteln brachte ich zustande, sie nahm es als Antwort.
“Es ist nicht schwer zu vertrauen. Hauptsache, sie lassen sich nicht beirren. Es gibt noch so viele Babys die auf ihre Geburt warten, sehen sie selbst, es kommen ständig neue dazu. Und ihre, schauen sie nur wie sie sich verändert. Irgend jemand hat sie gefunden und bastelt an ihr herum, aber es bleibt trotzdem ihr Baby, oder?”
Ich sah zu meiner und bemerkte, dass der Bauch nicht mehr so dick war, ein paar Arme fehlten auch.
“Ich muß jetzt gehen.” sagte sie “Die Neuen in Empfang nehmen.”
Sie holte die Gruppe ab, die auf der Wiese im Kreis saß und ging mit ihnen lachend davon.
Ich bemerkte, dass meine sich auch hin und wieder setzte, sie wurde immer schöner.
Ein toller Beitrag von dir. Die Stolperstellen hat Numungo bereits aufgelistet. Probier mal aus, ob es runder wird, wenn du öfters von Baby/Kind sprichst. Nicht ganz so gelungen finde ich die "Armamputationen und das Fettabsaugen". Mir hätte es gereicht, wenn du dein Baby in unscheinbarer Kleidung zum Spielen rausgeschickt hättest. Die anderen Mamis und Papis hätten ihm dann Markenklamotten und jede Menge Accessoires verpassen können. Ganz toll fand ich den Satz: "…aber es bleibt trotzdem Ihr Baby, oder?" BINGO! Und genau das ist der Grund, warum sich ein Autor über die Geschenke, die sein Baby erhält, freuen sollte, anstatt sie entrüstet abzulehnen. Ob er sein Kind dann mit diesen Geschenken aufpeppt, bleibt dem Schönheitsempfinden des Autors überlassen. So kommt in diesem Beitrag von dir die Moral ganz sanft und leichtfüßig daher. Sehr gut gelöst.
@Ginko, ein Metaphernkurs wär ´ne feine Sache. Dann sollte aber auch Klartext gesprochen werden und nicht in Rätseln, deren Lösung nur der Verfasser kennt (ein paar Eingeweihte ausgenommen). Einen Platzierungsabend halte ich für überzogen, es sein denn, er vollzieht sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ich such mir einen Kühlschrank, der Stoff zum Nachdenken enthällt, zu 40% finde ich die treibende Kraft.
Eine schöne, nachdenkliche Geschichte. Einzig dieses ständige "meine", "meiner", ... stört und macht den Text holprig. Viele Grüsse, Numungo (16807, 16809).
Im nüchternen Zustand verderben auch Könnerköche den Brei, wenn sie zu mehreren wursteln, aber dann kann Mann sich seine Metapher immer noch schön trinken und sie woanders hin tragen. Wollen wir gemeinsam eine-Metapher-in-einem-Jahr schmieden? Die Metapher des Jahres küren?
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17418
Nachts wanderte ich staunend durch den wunderbaren Garten der Blüten und Stilblüten der Metaphern. Eine rote Trompetenwinde legte sanft ihre Arme um mich und liess mich in einen 100jährigen Schlaf sinken. Die unpaarig gefiederte Laubblattfee erschien mir im Traum und sagte, „wo man arbeitet, da ist genug; wo man aber mit Worten umgeht, da ist Mangel.“
Die Klettertrompete ist ein umarmendes Wesen. Ihr weiser Spruch sollte noch über hundert Jahre hinaus wirken, aber ist es wichtig, dass die Fee ein imparipinnates Endblättchen hat? Als Kopf?
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17414
Abends in der Alphütte: Vom Bett aus beobachtete Alex ihre Mutter, als sie ihr Nachthemd überstreifte.
„Mami, du bist so schön wie eine Zürcher Trottoirschwalbe,“ sagte Alex.
„Woher . . .,“ Vater schluckte, „hast du diese Ausdrucksweise?“
„Das hat Korbinian zu Mirta gesagt, als er ihr geholfen hat, die Unterhose auszuziehen.“
Korbinian kennt also die Gestalten in der Gegend um die Langstraße. "Alphütte" ist wohl die Bezeichnung für eine Berghütte in der Schweiz, wo es auch "Trottoirschwalben" gibt, die den "Bordsteinschwalben" entsprechen. Beide Metaphern empfinde ich als freundliches Necken, im Gegensatz zu vielen abwertenden Begriffen.
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17372
Sie verstand damals die Worte nicht, die sie ihr vor den Kopf knallte, wie einem Hund den Knochen vor die Füße...
"du bist ein Nagel zu meinem Sarg!"
Sie war noch zu klein, wusste nicht, was ein Sarg war.
Auch ohne die dazugehörige Stimme, hallen diese Worte in ihrem inneren Ohr von Zeit zu Zeit wieder.
Worte vor den Kopf geknallt: Böse! Knochen vor die Füße = Pfoten = doch lieber Schnauze?: Lecker! Als Sargnagel wurde mein Großvater als Junge auch beschimpft. Ist es wichtig für den Leser, dass er vom damaligen Unverständnis des Kindes erfährt? Bekommt es nun Innenohrentzündung? Wenn "sie" von Zeit zu Zeit unangenehme Erinnerungen hat, lässt es mich kalt. Wenn sie die Erinnerung jetzt gerade im Augenblick trifft, trifft sie auch mich. Beispiel: "Mutter ist tot." War Greta daran etwa schuld? 'Du bist ein Nagel zu meinem Sarg' hörte sie eine innere Stimme.
Liebe Lillilu....hm...hast recht und ich lege dem Hund den Knochen vor die Füße und schreibe nun.... Sie verstand damals die Worte nicht, die *sie* ihr immer wieder sagte....: "Du bist ein Nagel zu meinem Sarg!" Sie war noch zu klein, wusste nicht, was ein Sarg war. Auch ohne die dazugehörige Stimme, hallen diese Worte in ihrem inneren Ohr von Zeit zu Zeit wieder. LG Gerti
Liebe Gerti, die verletzenden Sargnagel-Worte sind stark. Ich würde den "Hund-Knochen-Vergleich" rausnehmen. Bei mir entsteht ein Mutter-Tochter-Bild. LG Lillilu
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17365
Nach den letzten Worten, die er ihr ins Herz geschossen hatte, spürte er, dass ihre süße Seele aus der Sphäre seines Universums davon schwebte.
Hallo, Alexandra! Nein, negative Kritik sollte das von meiner Seite aus nicht sein! Vergaß nur vor lauter Interpretationseifer, das Positive zu erwähnen, sorry! Mir gefallen "die Worte, die ins Herz geschossen werden" ausgesprochen gut. Wer kennt das nicht - Worte werden abgeschossen wie Pfeile und treffen uns. Wir ziehen uns daraufhin zurück. Und der Schütze? Vielleicht hat er sein Geschwätz im gleichen Augenblick bereut. Wie aber kann man ein gesprochenes Wort wieder zurücknehmen? Ich denke, der Schütze hat, zumindest in der geschilderten Situation, den schlechteren Part. Mit meiner Interpretation war ich doch ziemlich nah an Deiner Auslegung, oder? Du hast Dich also gar nicht so missverständlich ausgedrückt und auch nicht esoterisch! Toll, dass Du Texte fürs Theater schreibst. Um welches Thema geht es da? Freut mich sehr, dass du meine Einträge gern liest, vielen Dank! Dir wünsche ich weiterhin so schöne Ideen und viel Erfolg beim Schreiben! LG Antigone
Hallo Antogine. Leider ist mein Versuch, die Situation zu schildern, in der ein Mensch einem anderen Menschen zu tiefst verletzende Worte sagte, und in der Sekunde danach realisierte, dass diese Worte zu verächtlich waren, nie wieder rückgängig zu machen schienen, gescheitert. Ich wollte festhalten, dass dieser Mensch, der gesprochen (geschossen) hatte, fühlte wie sein Gegenüber ihn ohne Worte und Gestik verließ. Momentan bin ich damit beschäftigt Texte für ein Theater zu schreiben, die alles andere als schwülstig oder pathetisch sind. Mein Beirag jedoch ist wohl viel zu theatralisch, oder wie Ginko Korn schreibt, sogar "esotherisch" geworden, und in einem Satz eben garnicht verständlich ist, was ich ausdrücken wollte. Den Schuh ziehe ich mir wirklich an!!! Vielen Dank für dein Interesse. Wegen Zeitmangel und gerechtfertigter schlechter Kritik traue ich mich gar nicht andere Texte zu kommentieren. Aber an dieser Stelle kann ich dir ja sagen, dass ich deine Einträge immer gerne lese, und sie mir wirklich gut gafallen. L.G. Alexandra
Nicht einfach zu interpretieren. Könnte es sein, dass "er" "sie" so sehr "getroffen" hat, dass "sie" nun nichts mehr von ihm wissen will und sich "ihm", also "der Sphäre seines Universums", entzieht? Wäre dankbar für Aufklärung. Gruß Antigone
Diesen Satz vermute ich eingebettet(!) in eine Erzählung aus esoterischer Phantasie. Ansonsten sträubt sich mein Empfinden dagegen, eine Seele sei "süß". Nicht etwa "zart", "unschuldig", "kindlich" ? / Worte, als Pfeile ins (metaphorische) Herz geschossen, verwunden in gleicher Weise wie ein Kommentar. In diesem Fall tödlich, weil die Seele entschwebt. Aber wie bitte? Wo war die Seele vorher? In der Sphäre seines Universums? Darunter kann ich mir leider nichts vorstellen.
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17358
Die lange Reihe weißer Zähne schimmerte im letzten, schräg einfallenden Sonnenlicht. Der Rachen des Tigers oder ein breites, gutmütiges Grinsen, ich konnte mich noch nicht so recht entscheiden. Die Erinnerungen an das samtene, lackierte Holz, schwammen an die Oberfläche meines Gedächtnisses. Die Tasten würden mir einen kaum merklichen Widerstand entgegengesetzt, den die Fingerkuppen allein mit ihrem Gewicht brechen konnten. Wie in Trance stand ich auf und ging zu Daniel hinüber. Ich wollte nur einmal, wenigstens einmal, meine Finger über die glatten kühlen Tasten gleiten lassen. Das Instrument lud so sehr dazu ein, gefühlt zu werden. Nur zum Ansehen war es viel zu schade.
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Das waren ein bisschen mehr als drei Sätze ich weiß, aber ohne den Rest wären die Metaphern am Anfang wohl nicht verständlich. Wers immer noch nicht kapiert hat, es handelt sich dabei um ein Klavier (einen Flügel um genau zu sein). Und ja, der Text gehört zum Tania-Daniel-Roman.
LG
Azahar
Vielen Dank Marie und Ginko für eure Kommentare! @ Marie, danke, dass du den Fehler entdeckt hast, ich hätte das 100 mal lesen können und mir wäre es nicht aufgefallen! @ Ginko deine Vorstellung von den lose baumelnden Fingerkuppen, hat etwas Makaberes. Ich kann zwar nicht so richtig nachvollziehen, wie jemand beim Lesen meines Textes auf diese Idee kommt, aber ich werde darüber nachdenken. Dein Vorschlag klingt gut. LG Azahar
"Erinnerungen schwimmen an die Oberfläche des Gedächtnisses", hmmjaa, passt für meine Begriffe. "Gewicht der Fingerkuppen" halte ich für unglücklich, denn da habe ich die Vorstellung, dass die Kuppen lose von den Fingern herabhängen. Geht es auch so? "Die Tasten lassen sich schon durch leichtes Tippen mit den Fingerkuppen anschlagen."
Hallo Azahar, gefällt mir sehr gut. Anstatt entgegengesetzt, solltest Du lieber entgegensetzen schreiben. Auch danke für Deine Kommentare.Gruß Marie.
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17354
Versuch Nr. 2:
Wie fühlt sich wohl der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat?
Ich hoffe schlecht.
Seinetwegen schwabbt immer mehr Wahrheit in meine heile Welt, die meinen Blick erschreckend klar macht.
Gefällt mir sehr gut! Oft muss tatsächlich "was geschehen", um wach gerüttelt zu werden.
Warum dem letzten Tropfen zürnen? Als er fiel, wusste er nicht, wie voll das Fass schon war.
Gut getroffen! Einige hier würden sagen, schon auf dem Weg zur Allegorie. Um so besser, meine ich. Beim letzten Satz würde ich nach dem Komma kürzen: ",,,,und macht meinen Blick klar." Schwappen mit p oder b?
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17337
Hier noch ein kleiner Happen von meiner Lena:
Mein Leben war wie eine Fahrt auf der Achterbahn. Erst zog es mich ganz langsam hoch. Oben verweilte ich viel zu kurz, dann ging es rasant wieder runter. Immer wieder. Ich war zu klein für den Sitz. Rutschte von links nach rechts. Konnte nicht bremsen, den Verlauf nicht beeinflussen. Nicht aussteigen.
Nur ich konnte meine Schreie hören.
LG Sylvia
"Es" zog mich ganz langsam hoch, das Leben nämlich. "Es" ging rasant wieder runter. Also, ich stelle mir die Gondel vor, in der Lena anscheinend allein sitzt. Das Leben als Gondel, als rasender Achterbahnschlitten? Warum nicht, allerdings sehr eng. Als Lena viel zu kurz oben verweilte, war sie da kurz mal ausgestiegen, oder verweilte der Wagen? Bezieht sich der Hinweis auf mehrere Abläufe dieser Art "immer wieder" nur auf das "runtergehen" oder auch auf das "oben verweilen"? Sicher soll das "Auf und Ab" im Leben symbolisiert werden, langsames "Auf" und rasantes "Ab" mit zu kurzen Aufenthalten "oben". Als Lena von links nach rechts rutscht, kann nur die Fliehkraft in einer heftigen Linkskurve diesen Schub vollbringen. Wo bleibt die Gegenkrümmung? In einer Acht gibt es zwei Wendepunkte, in einer Achterbahn deren mehrere. Mir sagt der Vergleich des menschlichen Lebens mit einer Achterbahn schon zu, vor allem, wenn man bedenkt, dass nach turbulentem Hin und Her und Auf und Ab der Fahrgast schließlich wieder am Beginn seiner Reise anlangt. Dieser kleine Texthappen ist wohl aus einem größeren Zusammenhang gerissen.
Hallo Ginko! Falls ich deine Frage richtig verstehe. Ja, es gibt hier richtig viele Sylvias. Ich nenne mich von Anfang an nur "Sylvia" und bin seit Januar dabei. Du hast mir auch schon einige Kommentare geschrieben. Nach welcher sehnst du dich denn? LG Sylvia (z.B. 15712)
Der elektronische Spürhund erschnuppert verschiedene Sylvias in diesem Forum. Ich sehne mich aber nur nach der Einen! Welche Nummern darf ich auswählen?
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17330
Ernst trat an den Fuß des Sargs. Er hätte sich gern eine Zigarette angesteckt. Er steckte die Hände in die Tasche, zog sie wieder raus und legte sie überkreuz auf den Rücken. Unmerklich den Kopf schüttelnd sah er sich auf dem unordentlichen Hausflur um.
Maria trat neben ihn. Ihre Hände lagen mit ineinandergeschobenen Daumen auf ihrem Bauch. Still schaute sie über die Hände der Toten mit ihren wie im Krampf gefalteten Fingern hinweg auf das friedliche, blassgelbe Gesicht.
"Gott sei Dank hat sie keinen schweren Tod gehabt", flüsterte sie.
"Sie hatte ja auch nicht viel Geist aufzugeben", zischte Ernst.
Danke für Eure Kommentare. Angela, was mir auch nicht gut gefällt, ist "...angesteckt. Er steckte..." Besser "...angezündet. Er steckte..." Ernst zischte seinen Satz auch nicht, er dachte ihn, denn hören sollte man ihn ja nicht. Wie soll ich das mit den Daumen beschreiben? Mir ist noch nichts Besseres eingefallen. Sind sie übereinandergelegt, verschränkt? Zu Deinen Fragen. Der Text gehört zu der unter 11311 vorgestellten Idee "36 Stunden". Unter 11381 habe ich das Leben der Verstorbenen beschrieben. Weiter ist das Ganze noch nicht gediehen. Sie ist auf dem langen und breiten Flur eines riesigen Hauses Marke "Psycho" aufgebahrt, das sie allein bewohnt hat. Auf dem Flur steht alles Mögliche an uralten Möbeln herum (voller Bücherschrank, Klavier, mit Kartons und Vorräten hoch beladener runder Eichentisch... und Spinnweben gibt es auch. Wer Ernst ist? Ein besonders stark am Erbe interessierter angeheirateter Neffe. Ich sehe, ich muss doch bald meine vernachlässigten Hausarbeiten zu den vergangenen Kapiteln nachholen. Wenn das da erscheint, weise ich auf die Textziffern hin. LG Reiner
Deine Story gefällt mir ausnehmend gut. Allerdings entstehen bei mir nur verschwommene Bilder. Wo ist der Sarg aufgebahrt? Wohnzimmer? Schlafzimmer? Und wieviel Flur kann Ernst von seiner Position aus sehen, dass ihm die Unordnung auffällt? Auch möchte ich wissen, worin diese Unordnung besteht. Für manch einen ist es ein Fussel auf dem Boden, andere empfinden es erst als unordentlich, wenn sich die Müllsäcke bis zur Decke stapeln. Wenn du hier genauer werden würdest, könnte ich mir ein besseres Bild vom Charakter der Verstorbenen - und von Ernst - machen. Und was verstehst du unter 'ineinander geschobene Daumen'? Das hört sich brutal an. ;-)
3 x Hände, 3 x anders, 2 x lebendig, 1 x tot. Das ist sehr interessant und am Ende gibt's sogar noch was zu Grinsen. Irgendwie gut.
Gefällt mir gut, Reiner! Da gewinnen sie schon etwas Kontur, die zänkischen Verwandten. LG Velarani
In sparsamen Formulierungen entsteht das Bild, wird die Gefühlslage der Figuren spürbar und die Atmosphäre im Flur. Die Adjektive informieren an den richtigen Stellen. Ernstens ironischer Gebrauch der Metapher beschreibt seine Einstellung auf knappste Weise.
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17328
'Hat er das wirklich gesagt?' dachte Emily. Ihre Augen wurden glasig. Emily spürte, wie sich ihr Hals zuschnürte, als würde sich eine Schlange um ihn herumwinden.
Hm ...stimmt. Aber die andere Formulierung trifft auch nicht so ganz zu! Vielleicht wäre ein Klos im Hals besser. Mal sehen,wie ichs ändern werde. Vielen dank für den Kommentar!
Das sagt man so, aber schnürt sich ein Hals zu? Ich denke, er wird zugeschnürt, nämlich von der Schlange, wenn sie so dünn ist wie eine Schnur. Trifft folgende Formulierung das Gemeinte? "Emily glaubte, eine Schlange um ihren Hals würde sie erwürgen."
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17321
Minzig hat eindeutig Fieber
Unter seiner karierten Wolldecke liegt Minzig begraben und lässt sich treiben. Er taumelt durch die baumlose, dürre Steppe hinter seinen geschlossenen Augen. In einiger Entfernung sieht er sie hocken. Da kauert sie, seine Sehnsucht. Ein zerfleddertes Bündel, verstaubtes, schwarzes Gefieder.
Die Jahre 2000- ? werden in die Literaturgeschichte als Jahre eigehen, in denen es verpönt war Adjektive und Adverbien zu verwenden.Literaturgeschichtlich ist das sicher sehr interessant. Für mich wäre eine Sprache ohne sie leer. Deinen Text finde ich wirklich gut und für mich hat jedes Wort sein Gewicht. Gerhild
"Die dürre Steppe hinter seinen geschlossenen Augen" gefällt mir. Das Ganze ist sehr phantasievoll und macht neugierig auf Minzig! LG Antigone
Klar hat der Minzig Fieber. Ziemlich hohes vermutlich. Ein paar Adjektive weniger und das ist eine plausible Sache. I love Minzig, anyway...
Um mit einer Klappe zwei Übungsfliegen zu schlagen, würde ich streichen: "kariert", weil es egal ist, wie die Decke aussieht. "baumlos, dürr", denn Steppen sind nun mal so. Seine Sehnsucht hockt und kauert. Eins von beiden reicht schon. Vorschlag: In der Ferne kauert seine Sehnsucht, ein schwarzes Gefiederbündel, zerfleddert und verstaubt. Oder habe ich etwas falsch verstanden?
Auch ohne Überschrift kommt Minzigs Fieberwahn zum Ausdruck. Begraben metaphert er durch seine Halluzinationen.
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17322
Teddy zergrübelte sich den Kopf, wie er sie einmal allein sprechen könnte, so eine harte Nuss war schwer zu knacken. Immer waren Hofdamen oder Eunuchen anwesend . Besser, er würde sich diesen Gedanken aus dem Kopf schlagen.
"Harte Nuss" für anwesende Hofdamen und Eunuchen finde ich nicht ganz passend. Eher "Hindernis", "Garde", "Schutzwall", "Mauer", "Zaun", "Pallisaden", "Gitter"...
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17325
In der Ferne erhob sich das Sonnensprung-Gebirge, und an diesem klaren Tag sah es wirklich so aus, als würde die Sonne von einem kantigen Gipfel ins Meer springen.
Der Drache aber hätte die Spuren der Menschen unbedingt vor Einbruch der Dunkelheit finden müssen! Sein Wutausbruch darüber, dies nicht geschafft zu haben, dürfte ziemlich hoch auf der Richterskala gestanden haben.
Sonnensprunggebirge ist ein sehr schönes Bild für den Sonnenuntergang im Drachenland. Der letzte Satz ist mir zu umständlich formuliert (lies ihn mal laut vor, dann weißt Du vielleicht, was ich meine) und die Richterskala nimmt für mein Empfinden die Poesie.
Sein Wutausbruch dürfte der oben offenen Richterskala einen Pfropfen aufgesetzt haben.
Aber der Wutausbruch passt gut zur Richterskala! Ich bin mir nur nicht sicher, welches Verb für das Stehen auf der Skale geeignet ist. Ich finde diese Metapher bringt Humor in die Drachengeschichte. LG Lillilu
Hallo Nobby, der Gipfelsprung der Sonne gefällt mir sehr gut. Der eher technische Begriff Richterskala passt stilistisch nicht zum Drachen. Laß ihn lieber Feuer spucken oder sonst irgendwie toben. liebe Grüße Bridget
Die erste Metapher finde ich sehr schön ( muss ich mir gleich aufschreiben), wobei ich jetzt gerade rätsel, ob sie untergeht oder aufgeht, die Sonne meine ich. Mit der Richterskala im Zusammenhang mit dem Drachen habe ich jetzt eher Probleme.
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17315
Sie wirft sich in das Tränenmeer, aber es will sie nicht verschlingen. Als es leergeweint ist, muss sie sich den Gespenstern ihres Verlustes unerbittlich wieder stellen. Und hoffen, dass sie irgendwann ein Meer findet, in dem sie sich ertränken kann.
Von einem leergeweinten Meer kann sie unmöglich verschlungen werden. Kein Wunder, dass sie ein anderes sucht.
Hallo Kirsten, klingt schön geheimnisvoll, jedenfalls wenn es in einem Fantasy-Roman steht. Ich hoffe nur, dass es nicht zu einem Liebesroman gehört. Und vielen Dank für den Kommentar zu meinen Metaphern! Schöne Grüße Nobby
Weniger ist Meer. Vielleicht sollte sie fürs Erste mit einem Fluss vorlieb nehmen.
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17312
Der Morgen war ein Haufen Asche. Die Luft raschelte vom Fallout, der seit Wochen auf die Erde rieselte wie stetiger Regen. Eagle hustete; sein Körper gewöhnte sich trotz der täglichen Jodspritzen nur langsam an die Strahlung.
Oder: Der Morgen (auch dieser) lag in Asche...? Würde gern mehr über den Fallout wissen, um mir das Rascheln der Luft vorzustellen. LG Bärbel
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17305
Ich stelle mir vor, neben dir zu sitzen,
Schulter an Schulter, auf einer Bank.
Unsere Blicke verweilen am Horizont,
dort wo sich Himmel und Meer berühren,
während du mir eine Geschichte erzählst,
die nur dir gehört.
Vielleicht könnte man die Metapher im letzten Satz sehen? Eine Geschichte aus seinem Leben, einzigartig, "die nur ihm gehört." Niemand sonst kann sie erzählen. Schön geschrieben!
Ganz lieben Dank für eure Kommentare. Wo ist die Metapher? Antigone - eine berechtigte Frage. Ich weiß es nicht. Deshalb habe ich auch in diesem Kapitel keine Kommentare geschrieben. Ich fühle mich nicht in der Lage die Texte auf eine Metapher hin zu beurteilen.
Hallo Angela, hast Du auf der Pinnwand von dem Autorentreffen gelesen? Statt am 4.10. in Kassel jetzt am 18.10. auf der Frankfurter Buchmesse. LG Metta
Aus „…die nur DIR gehört“ würde ich ein „…die nur UNS gehört“ machen. Aber auch so sind deine Zeilen zum Heulen schön, ohne kitschig zu wirken. Große klasse!
Guter Text, eindrucksvolles Bild. Doch wo ist die Metapher? Dem Auge erscheint es ja tatsächlich so, als würden sich Himmel und Meer berühren. Gruß Antigone
Das sakrosankte Bild von Philemon und Baucis wird uns nahegebracht in zeitloser Form, zart und gehaltvoll.
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17300
Er hatte den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen. Aber jetzt stand sie vor ihm - die Frau, die er über alles liebte. Auch wenn das pechschwarze Haare, goldenen Locken gewichen war, war sie die Gleiche.
So ein Pech! Mit goldenen Locken ist die Gleiche nicht die Selbe.
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17268
Sie schaute ihm tief in die Augen. So gerne hätte sie sich in ihnen verloren, wie früher. Doch es war nichts mehr übrig, sein Blick durchbohrte sie wie ein eisiger Speer und schickte Kälte in ihr Herz.
Katrin :-)... das war aber erst lange nach dem Höhepunkt, den ich verfasste. Wir sollten uns zusammenschließen und eine erotische Geschichte schreiben. Solche Blicke kenne ich, sowie auch eine wortlose Kälte. LG Gerti
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17264
Sie sah in seine dunklen Augen und versank in einem See voller Wonnen.
Wellen von Wärme und selten erlebten Gefühlen, durchfluteten ihren erbebenden Körper.
Während ihr Mund lautlose Seufzer formte, die sich in lustvolles Stöhnen wandelte, welches die Kehle dann als spitze Schreie entließ, um dann in einem Kuss von ihm zu ertrinken.
@Ginko Korn..danke! Ein Zittern und Beben leitete danach die Entspannung ein. ;-)
Versunken in einem See voller Wonnen durchfluteten Wellen des Hochgefühls ihren Körper, wie selten zuvor. Ihr Luststöhnen begann mit lautlosen Seufzern, explodierte dann in spitzen Schreien , bis es in seinem Kuss ertrank.
[ Lesezeichen ]
17250
Wem das Wasser bis zum Hals steht, der soll nicht auch noch den Kopf hängenlassen.
Ich hab auch einen: Wer glaubt Jemand zu sein, hört auf Jemand zu werden. Oder zwei: Du steckst immer in der Sch...., nur die Tiefe ändert sich. Oder der typische Punkerspruch: Niemand hat mich gefragt, ob ich geboren werden will, also hat mir auch niemand zu sagen, wie ich leben soll.
Nicht neu, aber poetischer als: Allen steht das Wasser bis zum Hals. Nur nicht Heiner - der war kleiner. ;o)
Danke für die Kommentare! Das war wirklich keine Neuerfindung von mir. Aber wer schafft schon neue Metaphern. Die meisten sind doch abgegriffen und blass. Erst in einen überraschenden Zusammenhang gestellt, werden sie interessant und witzig. Das wollte ich damit zeigen. Noch eine solche Metapher, auch nicht von mir. Ich sah sie auf die Betonwand an einer neuen Brücke gesprayt: "Betonzeit. Es wird immer schwieriger, den Kopf in den Sand zu stecken."
Ich werde es mir merken und weitergeben.L.G.Gerhild B.
Hallo Reiner, so schlicht, so gut, wieso ist da noch niemand vorher darauf gekommen? Grüße Bridget
Dein Satz ist gut, aber leider nicht wirklich neu. Mach lieber was eigenes.
Hallo Reiner, ich habe es vorher noch nie gehört, weiß nicht ob es von Dir ist. Es gefällt mir aber ganz besonders gut. L.G Benita
Das Bild ist so deutlich, dass es keiner Deutung bedarf. Kabarettreif!
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