20 Die Romanwerkstatt im Autorenhaus Verlag | Schreiben Sie mit! | Kapitel 41 mit Übungsaufgabe
(Foto: Christian Rohr)
„Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie es war, eine Schriftstellerin zu sein, die noch nichts veröffentlicht hat: Man beißt sich mehr schlecht als recht durch und kommt mit Leuten in Kontakt, die ausgesprochen abweisend sein können. Und obwohl ich nun Teil dieser Branche bin, die sich manchmal Neulingen gegenüber wie eine uneinnehmbare Festung präsentiert, stehe ich instinktiv eher auf der Seite derer, die versuchen, die Mauern zu erklimmen."

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Kapitel 41 mit Übungsaufgabe

08.10.2008© 2008 Autorenhaus Verlag GmbH, Berlin
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Leserbeiträge

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Eingetragen am: 17.10.2008 von Sarah Jakob
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19401

Er stand wieder am Fenster und sah in den Regen hinaus. In Gedanken machte Uwais eine Bestandsaufnahme der kleinen und größeren Vergehen der Zwillinge. Die Prügeleien waren inzwischen fast alltäglich, sie verweigerten jegliche Mitarbeit, sowohl in der Schule, als auch zu Hause, Malak weigerte sich kurz nach der Beerdigung standhaft, sich zu duschen, Malika fing an ihre Anziehsachen zu durchlöchern. Gemeinsam hatten sie einen Verweis bekommen, wegen der Geschichte auf dem Turnhallendach, eine Woche später sind sie mit Sahlias EC-Karte ausgerückt und wollten einen Flug nach Hurghada buchen. Das Reisebüro hatte Sahlia sofort angerufen, die noch das Schlimmste verhindern konnte. Man hatte sie beim Stehlen in einem Kaufhaus erwischt. Sie hatten Lutz eine Menge Schwierigkeiten bereitet, indem sie sich gleichzeitig dazu entschlossen, ihm schöne Augen zu machen. Die eine versuchte es mit harmlosen Nackenmassagen, die andere wollte sie übertrumpfen mit Ganzkörpermassagen, sie schaukelten sich so sehr hoch bis die eine versuchte ihn zu küssen, während die Andere nackt durch die Wohnung tanzte. Lutz hatte seine liebe Not, Sahlia die Sache zu erklären und um Abhilfe zu bitten. Er wollte die Mädchen nicht übers Knie legen, wobei sie es sehr nachhaltig verdient hätten. Uwais hätte sich nicht beherrscht, erkannte er frustriert. Nun die Sache in Österreich… Sahlia war wahrlich nicht zu beneiden.

Rückblickend gesehen, fand Uwais Rabia gar nicht mehr so schlimm. Er war oft mit ihr aneinander geraten. Wenn sie sich allerdings ein paar Freiheiten nahm, tat sie es nie auf Kosten anderer, zumindest nicht absichtlich.
Es gab bei allem Grenzen, diese hatten die Zwillinge im letzten halben Jahr so oft absichtlich, leichtsinnig und böswillig überschritten, dass ernsthafte Konsequenzen unumgänglich waren. Sie wurden langsam zu einer Gefahr für sich selbst.

Shenay zupfte zaghaft an seinem Hosenbein und sah zu ihm hoch. „Papa? Tee?“ Sie hielt ihm ihren Becher entgegen. Uwais nahm sie auf den Arm und drückte sie liebevoll an sich, dann nahm er ihr den Becher ab, setzte sie neben sich auf die Arbeitsplatte und setzte Wasser für den Tee auf. „Jonas!“ rief er „Willst du auch Tee?“

Uwais, Mai Lin, Jonas und Shenay saßen gemeinsam beim Abendbrot, als es klingelte. Uwais sprang so schnell auf, dass sein Stuhl umgekippt wäre, wenn Jonas ihn nicht geistesgegenwärtig abgefangen hätte. Sie hörten halblaute Stimmen vom Wohnungsflur, die sich näherten. Verwundert schauten Mai Lin und Jonas sich an.
Als erstes betrat Lutz die Küche, begrüßte kurz seine Schwägerin, strich seiner Nichte über den Kopf, die ihm die pummeligen Ärmchen entgegenreckte und lächelte Jonas an. Dann ließ er sich auf einen Stuhl fallen. „Sahlia?“ fragte Mai Lin, während sie für Lutz Teller und Tasse auf den Tisch stellte. „Nebenan, sie berichtet Uwais gerade.“ Mai Lin stellte ein weiteres Gedeck dazu und sah Lutz fragend an. „Na was denkst du wohl? Im Moment bin ich gerade mordlüstern…“ antwortete er bitter, Jonas ansehend fuhr er fort „Ab sofort hast du das strikte Verbot in die Pubertät zu kommen und du“ damit sah er Shenay an, „kannst dir schon mal Gedanken machen, wie man dieses Alter überspringt.“
Jonas, der schon empört zu einem Widerspruch ansetzen wollte, schloss grinsend den Mund, Shenay kicherte aus Solidarität mit.
Mai Lin gingen tausend Fragen gleichzeitig durch den Kopf, wollte aber nicht vor den Kindern darüber reden. „Soll ich mit Shenay ins Kinderzimmer gehen?“ bot Jonas vorsichtig an. „Nein Jonas, das brauchst du nicht. Wir werden jetzt gemeinsam essen und danach bringe ich Shenay ins Bett. Es bleibt noch lange Zeit, um meine Neugier zu befriedigen.“ Lutz setzte seine Tasse ab, sah seine Schwägerin verblüfft an und griff nach einer Scheibe Brot. Jonas liebte diese offene Art seiner Tante. Ihm war klar, dass sie ihn schonen wollte, obwohl er inzwischen nicht mehr sonderlich überrascht war, wenn die Zwillinge wieder etwas anstellten. Ihn betraf es nur am Rande. Seine Mutter bedauerte er jedoch.
Uwais und Sahlia gesellten sich zu ihnen. Sahlia nahm als erstes ihren Sohn fest in beide Arme und drückte ihn an sich. „Du hast mir gefehlt.“ Flüsterte sie ihm ins Ohr. „Du mir auch, “ flüsterte er zurück. Ein kleines Ritual zwischen den beiden, auf das sie nie verzichteten. „Du siehst müde aus, Mâm. War `s schlimm in Salzburg?“ Sahlia nickte nur und setzte sich an den Tisch. Sie wusste, dass Mai Lin vor den Kindern nicht die fiesen kleinen Einzelheiten hören wollte.
Nach dem Essen wurde Shenay ins Bett gebracht, Jonas setzte sich an Uwais Computer und spielte.
Die Erwachsenen setzten sich gemeinsam ins Wohnzimmer und Sahlia berichtete.
Die Zwillinge hatten offenbar beschlossen, auch das letzte Schamgefühl fallen zu lassen. Nur noch mit ihrer Unterwäsche bekleidet, tanzten sie in einer Bar an der Stange, als Sahlia keine Sekunde zu spät eintrat. Ihr war es schon peinlich, diese Bar überhaupt zu betreten. Malika und Malak waren umringt von mehreren jungen, aber auch einigen älteren Männern. Alle klatschten im Takt der Musik und spornten die Mädchen an, auch noch die letzten Hüllen fallen zu lassen.
Ungläubig starrte Sahlia ihre Schwestern von der Tür her an und brauchte einige Sekunden, um die ganze Tragweite zu erfassen. Mit wenigen gehetzten Schritten durchquerte sie die Bar, raffte hastig die verstreute Kleidung ihrer Schwestern zusammen und zerrte die betrunkenen Kinder von der Stange weg, von der Bühne herunter und befahl ihnen, unter allgemeinem Protestgejohle, sich auf der Stelle anzuziehen. Einer der älteren Herren, wollte Sahlia gar daran hindern ihre Schwestern mit zu nehmen. Sie machte ihm schnell klar, dass Malika und Malak erst fünfzehn Jahre alt seien. Wie sich später herausstellte, war es der Barbesitzer. Wenige Augenblicke, nachdem die Schwestern wieder bekleidet waren, traf ein Erzieher mit der Polizei in der Bar ein. Sahlia zeigte den Barbesitzer an, zunächst nur wegen Alkoholausschanks, als er aber lautstark dagegen protestierte, fügte sie auch noch deren Striptease hinzu, den er schließlich gebilligt hatte. Der Erzieher gehörte zu der österreichischen Jugendgruppe, denen die Mädchen sich angeschlossen hatten. Er sammelte seine Schäfchen wieder ein, Sahlia musste mit den Polizisten zur Gendarmerie fahren, um die Anzeige zu erstatten. Malika und Malak schwiegen, gaben keine Auskunft zum Verlauf des Abends und schliefen schließlich auf der Besucherbank ein.
Sahlia verbrachte bis vier Uhr morgens auf der Wache. Als endlich alles aufgenommen, den Mädchen mit Sahlias Einwilligung eine Blutprobe entnommen war, wurden sie mit einem Streifenwagen zur Jugendherberge zurückgebracht. Die völlig entkräftete junge Frau mit ihren betrunkenen Schwestern tat den Polizisten von Herzen leid.
Viel Schlaf bekam Sahlia aber trotzdem nicht. Sie wurde in einem kleinen Betreuerzimmer untergebracht, musste jedoch um kurz nach acht mit den Lehrern der Zwillinge sprechen, um das weitere Vorgehen zu erörtern.
„Nach zwei Stunden Diskussion mit denen, sind mir fast die Augen zugefallen. Immerhin habe ich erreicht, dass es bei einem Unterrichtsausschluss von vier Wochen bleibt und sie morgen gemeinsam mit den anderen Schulkollegen mit dem Bus zurückkommen. Ich hätte die beiden keine Minute ertragen können, wenn ich sie hätte mitnehmen müssen. Schlimm genug, dass sie jetzt vier Wochen zu Hause bleiben müssen und ich sie wieder auf dem Hals habe. Schließlich muss ich auch zwischendurch mal arbeiten und wer weiß, was sie in dieser Zeit wieder anstellen…“


Kommentar von papaya

Hallo Sarah, ich schließ mich Velaranie an: sehr schön erzählt sprachlich, aber ab und an mal zeigen statt sagen! Das großfamiliäre Geflecht zwingt mich zum mehrmaligen lesen wow soviel Personal.

Eingetragen am: 20.10.2008

Kommentar von Velarani

Liebe Sarah! Die beiden ersten Abschnitte mit der Rückschau finde ich ausgesprochen gut, vor allem sprachlich. Mir gefallen solche Formulierungen wie "nachhaltig verdient", "absichtlich, leichtsinnig und böswillig überschritten", das ist ein sehr angenehmer Sprachrhythmus. Das dramatische Ereignis an sich ist auch toll ausgedacht, bei der Schilderung bin ich zwiespältig. Wäre es nicht spannender gewesen, eine von diesen Möglichkeiten zu wählen: 1. den Leser direkt dabei sein zu lassen in der Bar 2. eine lebhafte Familiendiskussion, in deren Verlauf die unglaublichen Ereignisse ans Licht kommen oder 3. die Heimkehr der Zwillinge, wo du die beiden Rebellinnen zu Wort kommen lassen und die Reaktion der Familie zeigen könntest? Ansonsten: Hochachtung für deine vielschichtige und personenreiche Geschichte! LG Velarani

Eingetragen am: 20.10.2008

Eingetragen am: 17.10.2008 von Dani
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19391

Sebastian und ich sitzen an meinem Küchentisch und schreiben Adressen auf die Einladungskarten. Sebastian hat zwei Briefstapel vor sich liegen, einen für seine Freunde, einen für seine Verwandtschaft. Letzterer ist beängstigend groß. Ich fürchte, dass er meinen Stapel gleich mitreißen wird, wenn er einstürzt.
Da mein einziges offizielles, lebendes Familienmitglied meine Mutter ist, habe ich nur einen Stapel.
Vor mir liegt die letzte Einladungskarte. Isabell ist eine liebevolle Karikatur von Sebastian und mir in Hochzeitskleidung gelungen, die das zartblaue Papier schmückt. Aber was soll ich schreiben? Lieber Papa, lieber Klaus? Soll ich ihn mit Frau und Kindern einladen? Wie soll er erklären, dass er auf meiner Hochzeit eingeladen ist? Meine Mutter hat mir die Entscheidung feigerweise selbst überlassen.
“Soll ich ihn überhaupt einladen?”
Sebastian klebt die letzte Briefmarke auf.
“Ich würde es tun. Er kann ja immer noch entscheiden, ob er kommt.”

Es klingelt. So kann ich meine Entscheidung noch ein wenig aufschieben. Ich hatte den Postboten erwartet, aber niemals meine Mutter. Sie umarmt mich kurz und folgt mir in die Küche. Sebastian streckt sie die Hand über den Tisch hin.
Wortlos holt sie einen Briefumschlag aus der Tasche und legt ihn neben meinen Stapel. Er ist schon geöffnet und trägt einen schwarzen Rand.
Mit klopfendem Herz ziehe ich den Brief aus dem Umschlag.
“Durch einen tragischen Unfall haben wir unseren liebevollen Vater und geliebten Ehemann verloren. Silvia mit Andre, Inga und Sven.”
Mein Name steht nicht darunter. Und meine Frage hat sich erübrigt.
“Möchtest du zur Beerdigung?”, meine erste Frage wurde nur von einer noch komplizierteren abgelöst.


Kommentar von Gerhild Bauer

Wie wird sie sich entscheiden? Wird sie am Begräbnis teilnehmen? Wird sie eine Brief schreiben? Viele Fragen. Auf die Antwort bin ich gespannt. Du siehst, dein Text beeindruckt. L.G. Gerhild

Eingetragen am: 21.10.2008

Kommentar von Cora

Herb und knackig. Gut geschrieben, mir gefällt, wie sich aus einer kleinen formalen Überlegung zum richtigen Verhalten die tiefer bewegende Frage ergibt.

Eingetragen am: 20.10.2008

Kommentar von Eva Marcuse

Ich hatte zunächst größere Orientierungsschwierigkeiten mit dem Personal, da ich nach der Mutter als "einziges offizielles, lebendes Familienmitglied" nicht mehr mit einem lebenden Vater gerechnet hatte. "Ich" kann auch den tragischen Unfall zwecks Ermordung des Vaters nicht inszeniert haben, sonst hätte sich ihr das Problem wegen der Einladung zur Hochzeit nicht gestellt. Also konnte "Ich" vom Tod des Vaters noch nichts gewußt haben. ___ Aber abgesehen von diesen Kleinigkeiten bin ich zeimlich gespannt, was da noch kommt.

Eingetragen am: 18.10.2008

Kommentar von Antigone

Dramatik wie im wahren Leben! Hast Du glaubwürdig rübergebracht, dazu spannend und flüssig geschrieben. Prima! LG Antigone

Eingetragen am: 17.10.2008

Kommentar von Ginko Korn

Ausladend, aber nicht langatmig legt dieser runde Text die Saat für spannendere Fortführung, nachdem das Geschehen von scheinbar einfachen Sachverhalten ausgegangen ist. Der ersten Überraschung können nun in allmählicher Steigerung weitere folgen, zumal die Ausgangslage sternförmig beliebige Handlungswege erlaubt. Eine perfekte Eröffnung ! Den Satz nach dem Klingeln würde ich weglassen, weil er einem Kommentar ähnelt. Oder ungefähr so gestalten: " Bevor mein Grübeln bis zu Magenkrämpfen anwachsen kann, verschafft mir die Türklingel eine Pause." "Letzterer" gehört ausgerottet ! "Offizielles" Familienmitglied ? Gemeint ist sicher "rechtmäßig verwandt."

Eingetragen am: 17.10.2008

Kommentar von Barbara Bund

Super Idee, Dani, ein wichtige Lebensfrage vom Schicksal beantworten zu lassen - geschrieben ist es auch gut - bin schon gespannt, was auf der Beerdigung passiert...

Eingetragen am: 17.10.2008

Eingetragen am: 17.10.2008 von Cora
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19387

Mutter sprach erregt mit Vater. Wir sassen oben im Treppenhaus, konnten aber kein einziges Wort erlauschen.
„Alex Beda.“ Vater hatte die Wohnzimmertüre geöffnet. Beklommen rutschten wir die Stufen runter.
„Wir haben etwas zu besprechen,“ sagte er mit ruhiger Stimme.
Mutter sass am Esstisch und rieb sich mit einem weissen Spitzentaschentuch die Augen. Vater dirigierte uns zur Couch. Er setzte sich gegenüber hin und zündete sich eine Zigarette an. Während er sich zurücklehnte, den Rauch in die Luft blies, sagte er, „Alex, du musst bis Weihnachten hierbleiben.“
Nein, wollte ich schreien.
Mit einer Handbewegung brachte er mich zum Schweigen.
„Wir haben Schulden . . . wegen einer Dummheit.“
„Arthur, der Spinner . . ..“
„Sprich nicht so,“ wies er Mutter zurecht.
Gespannt schauten wir zu Vater.
„Er hat die Miete nicht bezahlt. Grossmutter muss aus der Wohnung ausziehen, wenn . . ..“ Vater hustete und fuhr heiser fort, „ich muss jetzt jeden Tag bis in die Nacht arbeiten, um viel Geld zu verdienen.“ Vater schaute uns eindringlich an, während er seine Zigarette heftig in den Aschenbecher drückte.
„Gromi kann doch bei uns wohnen,“ sagte Beda, „im Alexzimmer,“ fügte er leise hinzu.
„Das kommt gar nicht in Frage,“ rief Mutter.
„Die Schulden müssen so oder so bezahlt werden und eure Grossmutter kann auch nicht mehr gut Treppen steigen.“
Vater erhob sich, „ihr habt also verstanden, worum es geht?“
Wir nickten. Klar war mir nur, dass ich bei Mutter und Beda bleiben musste und das machte mir Angst.


Die nächsten Wochen sahen wir Vater nur Sonntags. Er kam zum Mittagessen und dann legte er sich eine halbe Stunde auf die Couch. Wie Katzen lagerten wir auf dem Teppich und belauerten seinen Schlaf. Bevor er ging, fragte er jedes Mal, „was macht die Schule?“
Vater und Mutter hatten uns zwar nicht in den Wald geführt, um uns loszuwerden. Sie hatten uns verlassen, obwohl wir da waren.

Mutter nähte und nähte. Die schwatzenden Frauen kamen nicht mehr zum Kaffeetrinken. Sie brachten ihre Stoffe. Mutter schnitt den Stoff in Teile, die sie wieder zusammen nähte. Als Frau Eisenherz ihr neues Kostüm abholte, hörte ich wie Mutter sagte, „ Arthur . . . dieser Esel . . . gibt das ganze Geld dem dicken Anton. Und stell dir vor . . . für eine Voliere! Eine Voliere hat der Anton damit gebaut.“ Mutter tippte sich an die Stirn, „bei dem Alten piept es ganz gehörig.“ Sie schnaubte, „die Beiden sollte man darin einsperren!“ Gerne hätte ich gewusst, wo Anton wohnte, aber ich getraute mich nicht zu fragen.

Jeden Montag kam ein Mann, der Mutter dicke Bündel mit zugeschnittenen Stoffteilen brachte. Sie nähte daraus Schürzen, Berge von Schürzen.
Wir nutzten die Zeit, um durch die Quartiere zu streifen. Auf unseren Streifzügen durch die Stadt lernten wir einen alten Mann kennen, der mit dem Fahrrad mit Anhänger unterwegs war und alte Sachen sammelte. Beda war ihm wie magisch angezogen gefolgt. Das war Bedas Einstieg in die Welt des Sammelns und Handels.

Nach der Schule lag ich auf der Couch und lauschte dem Rattern der Nähmaschine und dem Brummen meiner Mutter. Sie konnte keine Worte sprechen, weil sie Stecknadeln zwischen den Lippen hatte. Ich vermisste mein blaues Zimmer und die Firma. Mutter erlaubte mir, ihre Knopfkiste zu plündern. Mit den Knöpfen legte ich Bilder und geometrische Formen auf dem Fussboden aus. Das war der Beginn meiner Sammlerleidenschaft.


Kommentar von Cora

Liebe KommentaR-AUtorinnen, euer Lob schmeckt honigsüss und beruhigt mich in der Weise besonders, weil ich nur so erzählen kann, wie ich erzähle. Danke für Eure guten Wünsche. Gruss Cora

Eingetragen am: 22.10.2008

Kommentar von Elisabeth

Liebe Cora, du kannst wirklich erzählen! Lebendig und detailliert. Deinen ganzen Text habe ich in Bildern gesehen. Viel Glück!

Eingetragen am: 22.10.2008

Kommentar von Karin

Liebe Cora, ich habe Deinen Text sehr gern gelesen. Er ist spannend, flüssig, stimmungsvoll geschrieben; Deine Sprache gefällt mir besonders. Ich hoffe, wir erfahren bald mehr. Liebe Grüße.

Eingetragen am: 21.10.2008

Kommentar von Antigone

Traurig-schön und gekonnt erzählt. Du erzeugst eine Wahnsinns-Atmosphäre, durch die ein Hauch Nostalgie weht. Könnte ich mir gut als TV-Mehrteiler vorstellen. Freue mich schon auf die Fortsetzung! LG Antigone

Eingetragen am: 19.10.2008

Kommentar von Frog

Schlicht wundervoll. Du kannst so toll erzählen, da stimmt und passt alles. Es wirkt auch schon so fertig. Wann kommt das Buch raus?

Eingetragen am: 17.10.2008

Eingetragen am: 17.10.2008 von Elisabeth
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19385

Zuhause wollte ich nicht telefonieren, also lief ich zur nächsten Telefonzelle. Es war schon dunkel draußen, es war auch dunkel in mir drin. Die unaufhörlichen Gedanken, warum Duyal mich verlassen hatte, brüteten in mir, ich lechzte sogar nach der Wahrheit, die ich doch immer in unserer Beziehung zu gerne verdrängt habe.
In der Telefonzelle brannte grelles Licht. Ich stellte mich ganz nah an den Apparat, mein Gesicht berührte fast die Wählscheibe, ich wollte nicht, dass man mich erkennen konnte. Verkrampft drückte ich den Hörer an mein Ohr, mein Herz tobte.
"Efendim?"
"Ich bins, Anni, ist Duyal da?"
"Nein, nicht da."
"Kommt er bald nach Hause?"
"Weiß nicht was machen."
Frau Kurtoglu hatte kein nettes Wort für mich übrig, sie fragte mich auch nichts, sie verhielt sich kühl.
"Ich sage Duyal, dich anrufen..."
"Warum ist er einfach von mir weggegangen?" Ich versuchte mich einfach auszudrücken.
"Nicht wissen was wollen, weißt, Duyal immer weg, ich viel schimpfen."
Es entstand eine Pause, ihre Worte taten mir weh.
"Ich lieb ihn doch so!" Es brach aus mir raus, ich wollte damit erreichen, dass sie merkt, was sie mir angetan haben. Sie, Duyal und auch sein Vater.
"Weiß nicht, was machen."
Es hatte keinen Zweck, ich fand in ihr keine Freundin, ich fand in ihr eine Feindin.
"Ja...dann..."
"Wiedersehen."
Das war alles was sie für mich übrig hatte und dieses Wort hatte für sie eine andere Bedeutung.

Jetzt nach fünf Jahren stehen alle meine Vermutungen mit einem großen Fragezeichen im Raum. Ich kann mir nicht sicher sein, ob Duyals Mutter alles geplant hatte und er nicht mal was davon wußte. Sein Vater, ein alter, gutmütiger Mann, verschloss zu oft die Augen vor den Taten seiner viel jüngeren Frau. Sie brachte Leben in seines und sie nahm alles in die Hand. Wie oft nannte sie ihren Sohn "dummer Junge, dumm, dumm...".


Kommentar von Cora

Eine Familienstruktur mit wenig Dialog sehr gut präsentiert. Mir würde der letzte Abschnitt "nach fünf Jahren" besser gefallen, wenn sie sich sicher wäre, dass die Mutter die Beziehung sabotiert hat.

Eingetragen am: 20.10.2008

Kommentar von Angela Thies

Hallo Elisabeth, ein sehr guter Beitrag - klingt so real. Ich bin gespannt, was dahinter steckt.

Eingetragen am: 18.10.2008

Kommentar von Sasha Bliss

Super spannend und ergreifend geschrieben, möchte sehr gerne wissen wie es weiter geht! Gratuliere Sasha!!

Eingetragen am: 17.10.2008

Eingetragen am: 16.10.2008 von Martina
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19365

Anmerkung: Ich habe meinen Originaltext für die Übung gekürzt. Die Einzelheiten, des Anwaltsgesprächs schienen mir für diese Übung nebensächlich. Hoffe, es ist trotzdem flüssig zu lesen.


„Habe ich denn gar keine Verwandten mehr?“
„Nein, Frau Schwarz. Sie sind die letzte und einzige in ihrer Familie. Es gibt keine weiteren Blutsverwandten oder andere angeheiratete Angehörige mehr. Das mag einerseits sehr bedauerlich, andererseits aber auch ein echter Glücksfall sein. Für sie. Denn so kommen sie in den Genuss, dieses einmalige Haus in England zu erben. Ach, was sag ich, Herrenhaus ! Wunderschön gelegen an einem kleinen Park am Rande eines Dorfes. Nur zwei Stunden entfernt von London...“
Dieser furchtbare Notar, dem ich gegenüber saß, redete ohne Unterlass. Er wurde mir immer suspekter, die Art wie er mir mein Erbe anpries, erinnerte mich eher an einen Autoverkäufer, als einen seriösen Anwalt. Ich fragte mich, wie seine Auftraggeber in London ausgerechnet an ihn geraten waren, aber wahrscheinlich kannten sie ihn
auch nicht persönlich, als sie ihn damit beauftragten, mich zu finden. Nicht dass ich verschollen gewesen wäre, aber von dieser entfernten Großtante, die mir dieses Haus vererbt haben soll, habe ich noch nie gehört. Und ich nehme an, sie von mir auch nicht. Vielleicht wollte sie ja gar nicht, dass ich es bekam und ich war mir nicht sicher, ob ich es wollte. Natürlich hätte ich gern ein tolles Haus, aber ich war erst vor kurzem mit meinem Journalistikstudium fertig geworden, und konnte gerade einmal die Miete meiner kleinen Hamburger Altbauwohnung bezahlen. Zudem hatte ich doch einige Zweifel, ob der Mensch, der dort vor mir saß, wirklich mich meinte.
Schon als ich vor einer Woche seinen Brief, betreffs einer Erbschaftsangelegenheit, zugeschickt bekam,
war ich der Meinung, dass es sich um einen Irrtum handeln musste. Ich kenne eigentlich niemanden, der mir etwas vererbt haben könnte. Ich bin ohne eigene Eltern aufgewachsen. Sie starben früh bei einem Verkehrsunfall. Man fand damals keine lebenden Verwandten, die mich hätten aufziehen können, also wuchs ich bei einer Pflegefamilie auf. Es waren Bekannte meiner Eltern, die mich liebevoll mit ihren eigenen Kindern aufzogen. Ich wusste also schon sehr früh, dass ich keine richtige Familie mehr hatte, aber als dieser Notar mir gerade sagte, ich hätte wirklich keine Verwandten mehr, bewegte es mich mehr als die Tatsache ein Haus geerbt zu haben. Irgendwie hatte ich doch immer gehofft, es gäbe doch noch jemanden, der zu mir gehört. Und jetzt zu erfahren, dass dem nicht so ist, brachte mir das Gefühl der Einsamkeit, dass ich manchmal empfand, schlagartig zurück. Nur mit Mühe konnte ich dem Vortrag meines Gegenübers folgen.


*



„Wow, du hast ein Haus geerbt?“, meine Freundin Floriane lief aufgeregt durch ihr Wohnzimmer. „Und weißt du schon wann du es dir ansehen willst?“
„Nein, nein“, ich versuchte, sie zu beruhigen, aber sie schien meine Ablehnung nicht zu bemerken. „Ich habe mich noch nicht einmal entschieden, es anzunehmen. Ich... was soll ich denn mit einem Haus in England.“ „Haben ist besser als brauchen.“, erwiderte Floriane entschieden. „Überlege es dir doch, notfalls kannst du es ja verkaufen.“ „Ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob die wirklich mich meinen. Damals als meine Eltern starben, hat doch auch keiner irgendwelche Verwandten gefunden. Es kommt mir einfach merkwürdig vor.“
Flo ließ sich neben mich aufs Sofa fallen. „Jetzt sei doch nicht so negativ. Nur weil dir dieser Anwalt nicht sympathisch ist, muss er dich doch nicht gleich reinlegen wollen. Außerdem... hat er dir den Namen der englischen Kanzlei genannt? Wende dich doch direkt an die. Und was die Verwandtschaft mit dieser ominösen alten Dame angeht, du bist doch Journalistin, recherchieren wirst du ja wohl können. Stell dir nur vor, ein Herrenhaus in England... Und du findest vielleicht auch endlich Informationen über deine Familie, das wolltest du doch schon immer. Darauf müssen wir anstoßen. Ich habe bloß keinen Sekt kaltgestellt.“
„Das macht nichts. Mir ist sowieso noch nicht nach feiern.“ „Dann nehmen wir halt Bier. Das ist unverbindlicher.“
Flo sprang auf und verschwand in der Küche. Während sie geräuschvoll in ihrem Kühlschrank kramte, dachte ich darüber nach, was sie mir geraten hatte. In ihren Augen war immer alles so einfach, oder sah ich immer alles nur zu kompliziert? Doch je länger ich darüber nachdachte, desto entschlossener wurde ich. Vielleicht war dies ja wirklich endlich die Möglichkeit etwas über meine wahre Familie herauszufinden. Als Flo mit dem Bier und dem Knabberkram zurückkam, hatte ich meine Entscheidung schon fast getroffen. Ich würde nach England fahren und mich endlich auf die Suche nach meiner Vergangenheit machen.


Kommentar von Gerhild Bauer

Ein spannender Beginn!Gut gefällt mir die Sequenz....ich hätte wirklich keine Verwandten mehr...sie zeigt, wie rasch eine verheilte Wunde (von der man glaubt, dass sie verheilt ist) wieder zu bluten beginnen kann. Manche Wunden heilen nie... Eine Frage habe ich noch (nicht so ernst gemeint): Warum ist Bier unverbindlich? L.G Gerhild

Eingetragen am: 21.10.2008

Kommentar von papaya

interessanter, flüssiger Text und gut lesbare Dialoge im zweiten Teil. Nur zwei Kleinigkeiten: dass der Notart "furchtbar " ist, erschließt sich der Leserin von selbst aus dem Text. Das: "er wurde mir immer suspekter" auch. Ich werd weiterlesen.

Eingetragen am: 20.10.2008

Kommentar von ml

Hallo Martina, der Text ist nicht nur gut, sondern ich finde, dass es auch noch eine ausgesprochen gute Idee ist, eine Erbschaft als Ereigniss zu wählen. Bravo. Bis bald...... ml

Eingetragen am: 18.10.2008

Eingetragen am: 16.10.2008 von Anita Decker
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19359

Gestern war ihre heile Welt zerplatzt.
Der Alte, so berichtete Gregor, hatte Henning angerufen, mitten in der Nacht, und ihn gebeten, mit seiner Familie bei ihm einzuziehen. Gregor sei ja sowieso immer bei ihr. Warum hatte er nicht sie gefragt? Er hätte doch zum Beispiel mal Fragen können: "Wollt ihr nicht langsam mal zusammen ziehen?" Irgendetwas. Sie hätte gerne mit Gregor darüber gesprochen. "Sollen wir dies tun oder das?" Es wäre wichtig gewesen. Eine gemeinsame Entscheidung. Es wäre das Einzige gewesen was geholfen hätte gegen die Angst.

Nahm sie da ihren Anfang? Diese seltsame unbestimmte Wut?


Eingetragen am: 16.10.2008 von Maren
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19356

Anschluss an die Aufgabe – 14563

Biggi ist bestürzt und traurig zugleich. Sie legt sich auf die Veranda.
` Egal wie ich mich entscheide, es ist verheerend. Bleibe ich hier, was ist dann mit den Kindern? Will Heinz sie mitnehmen? Nicht auszudenken! Gehe ich mit, laufe ich Gefahr, Giancarlo wieder zu treffen. Ach, es ist ein Desaster`, sinniert Biggi.

Da läutet es an der Haustür. Biggi nur mit einem Bikini bekleidet wickelt sich einen Pareo um die Hüften, geht, um zu schauen, wer es ist. Es ist Roberto Coletti! Sie traut ihren Augen nicht, tut aber freundlich.
„ Una sorpresa“, sagt Biggi mit aufgerissenen Augen. Roberto setzt sein charmantestes Lächeln auf.
„ Wie geht es dir, Biggi“, will er wissen, er hatte ja von seinem Freund erfahren, dass Heinz gekündigt hat.
„ Nicht so gut, Roberto, Heinz will in die USA zurück, mit der Versetzung nach A…..“ Da unterbricht Roberto Biggi. „ Ja, ja, ich habe es gehört, purtroppo“, sagt Roberto verschmitzt, öffnet er seine Arme als wolle er Biggi umarmen.

Biggi weicht aus und deutet auf einen Verandasessel „ nimm doch Platz, ich hole uns einen Drink“, sagt sie und geht ins Haus. Er folgt ihr, sie erschrickt, sie hatte ihn nicht gehört. Roberto nimmt sie in die Arme. `Ach, das tut wohl, dachte sie, er könnte ja mein Vater sein`.
.
Doch da grapscht Roberto nach ihr, will ihr das Bikinioberteil wegzerren, sie wehrt sich, schlägt um sich und schreit laut los. Aber niemand kann sie hören, sie sind alleine im Haus.
„Willst du Schande über unsere Familien bringen? Mein Vater ist Dein Freund“.
„Stell dich doch nicht so an, sonst bist du doch auch nicht zimperlich“, erwidert Roberto auf ihr Geschreie.
„Ich bin eine verheiratete, anständige Frau, du beschmutzt meine Familie, geh, geh, so schnell wie möglich, du, du…..“ Sie schnappt nach Luft, sie ist total aufgeregt.
Roberto, steht da, macht eine abfällige Handbewegung und meint spöttisch “du, anständig?“
Jetzt explodiert Biggi, vergisst sich total, sie ist fuchsteufelswild und schreit “raus hier“.

Roberto steht da, seine ganze Körpersprache drückt Verachtung aus, dann zischt er „putana“.
Biggi verschlägt es die Sprache, sie wird blass, als Roberto langsam und betont zynisch sagt: „Oder willst du, dass ich Heinz erzähle, wer der Vater deines zweiten Sohnes ist?“


Kommentar von Maren

Hallo M.P. nachdem ich nicht zur Buchmesse gegangen bin, habe ich wenigstens den Text überarbeitet >>Beitrags Nummer 19428

Eingetragen am: 19.10.2008

Kommentar von M.P.

Hallo Maren. Die Story ist richtig gut, die Dialoge auch. Aber die Zeilen zwischen den Dialogen gefallen mir gar nicht. Du verfällst wieder in alte Verhaltensmuster und gibst dem Leser vor, was er denken, sehen und fühlen soll. Von Anfang an ist klar, dass Biggi diesen Roberto zwar mag, aber nicht an sich ran lassen würde. Genauso ist klar, dass Roberto nur das Eine will. Wenn Du erlaubst, 3. Absatz: Warum weicht Biggi aus? Ich beziehe es nicht auf die versuchte Umarmung am Ende des zweiten Absatzes, denn Du hast einen neuen begonnen und bist nicht mehr an der Eingangstür, sondern auf der Veranda. Dann schreibst Du nach der wörtlichen Rede: 'sagte sie und geht ins Haus.' Warum? Das sie es sagte ist klar, wer sollte es sonst sein und dass sie dafür ins Haus muß ist auch klar, denn sie muß den Drink ja holen oder besser - zubereiten. 'Er folgt ihr, sie erschrickt, sie hatte ihn nicht gehört.' Das sind Regienotizen, wie sie häufig bei Theaterstücken verwendet werden. Anweisungen an die Darsteller, wie die Situation zu spielen ist, also offensichtliche Schauspielerei. Mit solchen Sätzen nimmst Du dem Leser die Freude am Erleben der Szene. Und nicht böse sein, aber der Satz danach geht gar nicht. Eine Frau mit italienischen Wurzeln lässt sich nicht von einem Freund umarmen, wenn sie halb nackt und allein im Haus ist. Vielleicht wäre es so besser: "Nimm doch Platz" Biggi deutete auf einen Verandasessel "ich hole uns schnell einen Drink." Sie hatte zwei Gläser mit Eis gefüllt und war gerade dabei die Zitronen zu schneiden, als sie hinter sich ein Geräusch hörte. Sie ließ das Messer fallen und drehte sich hastig um. Roberto stand in der Tür und sein Blick hing an ihrem Busen. Plötzlich machte er einen Schritt auf sie zu, griff nach ihr und versuchte sie an sich zu ziehen. U.s.w. Wir sind ja alle nicht perfekt und werden es wahrscheinlich auch nie werden. Aber wir wollen natürlich auch wissen, wie unsere Texte auf unbefangene Leser wirken und sind über jede Reaktion dankbar. Außerdem haben wir mal schlechte Tage, an denen nicht viel gelingen will. Ich würde mich freuen, wenn Du den gesamten Text noch einmal überarbeitest und erneut einstellst. Schon aus dem Grund, um Dir selbst zu beweisen, dass es besser geht. Ich bleibe bei meiner Sicht, dass die Story an diesem Punkt eine dramatische Wendung erfährt, das ist eine super Idee. Sprachlich kannst Du es viel besser, das hast Du oft genug bewiesen. LG M.P.

Eingetragen am: 17.10.2008

Eingetragen am: 16.10.2008 von wladimir
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19349

Ein Ereignis zu beschreiben, das dem Roman eine Wendung gibt. Das ist schwer, sehr schwer sogar. Ich versuche es mal:

Parallel zum üblichen Krimi-Schema meines Romans ereignet sich noch eine Nebenhandlung. Groot, mein Ermittler, lebt nach der Scheidung lange allein. Als es endlich mit einer anderen Frau “klappt”, scheint anfangs alles in bester Ordnung zu sein. Die Neue hat einen fast vierzehnjährigen Sohn, der sich sogar mit Groots Kindern aus erster Ehe versteht. So scheint es jedenfalls. Groot bemüht sich sehr um den Jungen , geht mit ihm zum Fußball usw. Manchmal ist er aber eifersüchtig auf ihn, denn seine neue Freundin vergöttert ihren kleinen Liebling. Kein Wunder, er ist ja auch ein hübsches Kind, der Liebling der Mädchen und Lehrerinnen. Schwarze Haare, schwarze Augen, schlank aber kräftig. Ein schönes Kind, das später noch so mancher Frau den Kopf verdrehen wird. Sogar Gedichte schreibt der Kleine. Schon jetzt leuchten die Augen der Mütter seiner Schulfreunde, wenn sie ihn bei Klassenfesten sehen. Eifersüchtig ist Groot auch, weil er selbst als Kind nie so angenommen wurde. Anfangs meint Groot, dass dieser Junge irgend etwas Falsches an sich hat, ohne sagen zu können, was. Etwas Verschlagenes. Aber die Liebe zu der neuen Frau ist so stark, dass Groot diese Skepsis nicht zulassen will. Und außerdem versteht der Jung sich ja so prächtig mit seinen eigenen etwas gleichaltrigen Kinder, die alle vierzehn Tage bei ihm sind. Dass sie in letzter Zeit nicht mehr so oft kommen wollen, fällt ihm gar nicht auf. Bald entwickelt Groot zum neuen Sohn so etwas wie väterliche Gefühle. Niemals hätte er gedacht, dass er nach seiner Scheidung noch einmal eine so wunderschöne Liebesbeziehung haben würde, eine neue Familie, obwohl es manchmal Streit gibt, weil die neue Freundin ihren Sohn zu sehr verwöhnt..
Dann kommt dieser Abend, an dem die Polizei vor der Tür steht. Jetzt erfährt Groot, dass der Junge bereits seit zwei Jahren einen Mitschüler um Schutzgeld erpresst und dass die Polizei das Opfer gerade noch von einem Selbstmordversuch abhalten konnte. Und plötzlich fährt es Groot eiskalt über den Rücken. Was ist mit meinen Kindern? Warum kommen die so selten? Verhielten sie sich neuerdings nicht anders als sonst. Groot ruft seine Exfrau an und was er nun erfährt, gibt dem Roman einen neuen Höhe- und Wendepunkt
- Voila-.


Kommentar von Karin

Spannend und vielversprechend Dein Text! Ich hab ihn sehr gern gelesen. - Warum benutzt Du den Namen Groot in fast jedem Satz? Das hat mich beim Lesen gestört, weil ich plötzlich anfing zu zählen. Liebe Grüße.

Eingetragen am: 21.10.2008

Kommentar von Barbara Bund

Literarische Geburtshelferin, ein schönes Kompliment... auf jeden Fall ist das Thema "Mobbing" eins mit Zukunft, es wird ja immer schlimmer an den Schulen! Und da Du emotional sehr betroffen wirkst (ich habe den Eindruck, Dir schwillt jetzt noch der Kamm, wenn Du an diese Sachen zurückdenkst), wirst Du es auch prima meistern!!!

Eingetragen am: 18.10.2008

Kommentar von wladimir

Hallo @Barbara, nein, Dein Kommentar ist nicht zu lang.Groot erfährt am Telefon, dass der Junge "Doktorspiele" oder Schlimmeres ( sexulle Handlungen) mit Groots Tochter gemacht hat und seine Sohn erpresst hat "Wenn Du das erzählst und wenn du mir nicht Dein Taschengeld gibst, werde ich deine Schwester...". Genaues weiß ich noch nicht. Vielleicht hat er sie auch irgendwo eingesperrt ( in einem Campingwagen z.b., ich weiß es noch nicht, konzipiere die Geschichte ja erst). In einem Fall, den ich als Elternrat in der Schulkonferenz erfahren habe, war es fast genau so. Und der dunkle Junge ( ein Deutscher übrigens) war tatsächlich sehr hübsch und konnte die Lehrerinnen um die Finger wickeln.War immer chic und modern angezogen Er trieb sich nachts im Stadtviertel herum, war äußerst brutal und hatte eine Jugendbande. Mit Dreizehn!!!!! Ich weiß nicht, was er heute macht. Zuhälter vielleicht. Oder er hat doch noch die Kurve gekriegt. Jedenfalls hat er irgendwann auch von meinen Sohn Schutzgeld erpressen wollen. Sohnemann hat es uns zum Glück gleich erzählt. Kannst Du Dir vorstellen, welche Wut mich erfasste?!! Obwohl das Polizeirevier ganz in unserer Nähe war, bin ich mit meinem Sohn mit dem Auto hingefahren, ich wollte den Erpresser nicht treffen, sonst hätte ich mich vergessen, so wütend war ich.Im Revier druckte der Beamte, nachdem er den Namen des kleinen Erpressers gelesen hatte, die Akte aus und legte sie auf den Tisch. Ich kann über Kopf lesen (war mal Versicherungsvertreter, ist ein Vorteil, wenn man die Notizen der Kunden über Kopf lesen kann). Drei Seiten waren im Computer.Der kleine Gangster hatte gerade eine wochew davor eine Behindertenwerkstatt ausgeplündert und dort alle Musikinstrumente geklaut. "Schade", sagte der Polizist, " er wird erst in drei Wochen 14. Wir könne nichts machen." Ich habe dann persönlich dafür gesorgt ( mühsame Arbeit), dass der Junge die Schule verlassen musste, dort Hausverbot erhielt. Aber der wohnte nun ja immer noch im Stadtteil, mein Sohn traute sich nicht mehr auf die Straße. Mein Sohn war derjenige, der bestraft war!!! Irgendwann bin ich nachts ins Revier gegangen und habe ihn und fünf Bandenmitglieder gestellt. Danach haben sie meinen Sohn in Ruhe gelassen und wenn sie mich am Tag sahen, haben sie die Straßenseite gewechselt... Was ich jetzt geschrieben habe, ist eine eigene Geschichte, die ich jetzt schreiben werde. Natürlich literarisch geschönt. Ich danke dir, Barbara, denn du warst die Geburtshelferin für diese Schreibidee. Wladimir

Eingetragen am: 18.10.2008

Kommentar von Antigone

Gute und hochbrisante Story, Wladimir, und dazu noch prima erzählt. Der Wendepunkt gehört eigentlich dazu: wir warten (ungeduldig)! LG Antigone

Eingetragen am: 17.10.2008

Kommentar von Barbara Bund

Sorry, mein Kommentar war viel zu lang und auch unklar: "Verhaltensauffällige" Kinder haben meist ein Sündenregister, das bis in den Kindergarten reicht...und es dauert aus meiner Erfahrung sehr, sehr lange, bis die Polizei irgendwo vor der Türe steht und klingelt.

Eingetragen am: 17.10.2008

Kommentar von Barbara Bund

Sehr interessant und auch glaubwürdig. Ich habe selber einen Sohn, der Mobbingopfer war (von einem südkorenanischen Gleichaltrigen, dessen Eltern eine private Kampfsportschule für "Hap Ki Do" besaßen). Dieses Problem zu lösen, hat mich alle "Hebel" in Bewegung setzen lassen - Schule, Lehrer, Schulaufsicht, Politiker, psychologische Gutachten, Jugendamt, Presse. Trotzdem war es ein zwei Jahre langer Kampf, den ich beinahe verloren hätte, wäre die "Täterfamilie" nicht wegzogen. - Wladimir, lieferst Du das Telefongespräch mit der eigenen Familie noch nach? - Für das Geheimnis ein Fall aus unserer Kindergartenpraxis: Ein Mädchen hatte einen Jungen ihrer "Igel"-Gruppe in den Campingwagen gesperrt, der als "Spielgerät" auf dem Freigelände in der prallen Sonne (bei 38 °C) stand. Die Fenster ließen sich nicht öffnen. Die Kindergärtnerinnen waren so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie den Vorfall überhaupt nicht bemerkten, das eingeschlossene Kind auch nicht vermissten. Der Junge war bereits ohnmächtig, als ihn die Mutter (eine russische Freundin von mir) zum Kindergartenschluss abholte und selbt im Campingwagen fand...

Eingetragen am: 17.10.2008

Kommentar von papaya

ach Wladimir, einfach aufhören, wenns mans gerade erfahren könnte? Werden Groots Kinder von diesem schwarzäugigen Jungen erpresst? gefällt mir wie du hier erzählst l.G.papaya

Eingetragen am: 17.10.2008

Kommentar von Lillilu

Ja, Wladimir, das hört sich viel versprechend an! Solche Erzählstränge können einen guten Plotpoint bringen.

Eingetragen am: 16.10.2008

Kommentar von Velarani

Sehr gut, fein gestrickt, psychologisch stimmig und hochspannend. Da steckt er ja nun wirklich in der Klemme, vor allem, weil seine Kinder sich ihm nicht anvertraut haben, und er sich und sein neues Leben in Frage stellen muss. Ich glaube, dein Buch wird gut! LG Velarani

Eingetragen am: 16.10.2008

Eingetragen am: 16.10.2008 von Marie
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19345

Die Nachbarin öffnete nach kurzem Läuten die Tür. Offenbar schien sie dahinter gewartet zu haben.
"Wo ist es ?" fragte Sophie. In ihrer Uniform wirkte sie stets größer als sie war.
"Dort drüben" , antwortete die graugesichtige Frau und zeigte auf das Appartement mit der Nummer 21.
Sophie wartete, bis die Frau ihr den Schlüssel ausgehändigt hatte. Dann ging sie langsam auf die Wohnungstür zu. Ihr Kollege trottete im kurzen Abstand hinter ihr her. Den Koffer mit den Utensilien zur Tatortaufnahme trug er lässig in der rechten Hand.

Sophie betrat das enge, stickige Zimmer.Sie spürte einen Kloß im Hals. Im trüben Licht der beginnenden Dämmerung sah sie den Strick.
An seinem Ende baumelte der leblose Körper des Jungen, mit gesenktem Kopf, Blickrichtung zum Boden.
Obwohl sie sein Gesicht nicht erkennen konnte, wußte Sophie sofort, um wen es sich handelte. "Verdammt!" dachte sie, "Joel! Warum nur?"
Erst gestern noch hatte sie mit dem Jugendlichen gesprochen. Er war mal wieder bei einem Ladendiebstahl erwischt worden.
"Joel!"
Tränen stiegen in ihr auf. "Jetzt bloß nicht weinen," dachte sie, "reiß dich zusammen Mädchen!"
In solchen Momenten hasste Sophie ihren Beruf von ganzem Herzen. Wie sollte sie diese Nachricht bloß der Mutter des Jungen überbringen? Nein, es reichte wirklich, so ging es nicht weiter. Sie würde kündigen - endgültig!


Kommentar von Metta Maiwald

Nur ein kleiner Tipp: Es ist gut, wenn Du für Dich noch ein paar Übungen in den alten Kapiteln machst, aber dort wirst Du nur noch selten einen Kommentar bekommen, weil die meisten sich im neuesten Kapitel herumtreiben. Komischerweise kommen nur wenige der Nachholer darauf, sich gegenseitig zu kommentieren. Selbst Kommentare zu schreiben ist auch wichtig, um überhaupt wahrgenommen zu werden. - Zu diesem Text: Ich glaube, Sophie würde nicht als erstes den Strick wahrnehmen, da eher der Junge auf ihrer Augenhöhe hängt. Erschwert die Dämmerung das Erkennen des Gesichts? So tief, dass man es nicht erkennen könnte, ist der Kopf nämlich nicht geneigt. Wem gehört die Wohnung? Wenn Joe ein Junge ist, kein Mann, hat der doch wohl noch keine eigene, und dann wüsste Sophie ja auch schon, dass er der Wohnungsinhaber ist. Wer hat sie gerufen? Eine Wohnung, in der einen Tag lang niemand gesehen wurde, ist normalerweise noch kein Grund, die Polizei zu alarmieren. Endgültig kündigen - heißt das, sie hat eine Kündigung schon mehrmals wieder zurückgezogen? Kann man als Beamtin so leicht kündigen? LG Metta

Eingetragen am: 31.10.2008

Kommentar von Karin

Liebe Marie, Gratulation zu Deinem "Einsteiger" Text! Lebensecht und spannend geschrieben. Liebe Grüße.

Eingetragen am: 21.10.2008

Kommentar von Marie

Hallo Cora und Antigone, ganz lieben Dank für eure Kommentare.Ich muß ehrlich gestehen, dass ich ein absoluter Neuling und daher auf eure Rückmeldungen sehr angewiesen bin. Erst letzte Woche habe ich diese Seite entdeckt und mal probiert, zu schreiben. Dabei wollte ich aber auch noch die vorhergehenden Übungen wenigstens lesen. Ganz spontan habe ich dann zur neuesten Aufgabe was geschrieben und es - ohne Abwarten/Überarbeitung - abgeschickt. Es könnte echt besser sei, darum eine kurze Erläuterung. Weinen darf Sophie nicht, sie muß am Tat-/oder Ereignisort funktionieren. Gefühle haben da leider nichts zu suchen. Sie verschluckt ihre Tränen (und ertränkt sie evt. später in Alkohol). Joel erkennt sie an seiner Kleidung, Gestalt und Frisur, zumal sie ihn ja am Vortag noch gesehen hat. Ich übe fleißig weiter, danke für eure Ermutigung! Liebe Grüße Marie

Eingetragen am: 20.10.2008

Kommentar von Cora

Mir fehlt der Hinweis, woran sie erkennen konnte, dass es Joel war. Die Geschichte ist knallhart und erschütternd real. Den zweitletzten Satz würde ich überdenken oder sogar weglassen. Für mich klingt er zu pauschal.

Eingetragen am: 20.10.2008

Kommentar von Antigone

Du hast die Dramatik dieser Szene gut eingefangen und auch Spannung aufgebaut. Das Ende erscheint mir etwas abrupt. Mir hätte es noch besser gefallen, wenn Sophie angesichts dieses unnötigen und schrecklichen Todes ihre Tränen zugelassen hätte. LG Antigone

Eingetragen am: 19.10.2008

Eingetragen am: 15.10.2008 von Eva Marie Iffland
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19326

Brand
In der Gastwirtschaft "Zum Werratal" ist an dem vorletzten Tag des Jahres 1911 wenig Betrieb. Die Ruhe und Besinnlichkeit der Tage zwischen Weihnachten und Silvester hat selbst die Stammgäste zu Hause bleiben lassen. Das tägliche Leben geht seinen gewohnten Gang. Anna, die tüchtige und gewissenhafte Hilfe der Mutter Dorothea, bringt die drei jüngeren Geschwister zu Bett. Den dreijährigen Otto legt sie in sein eisernes Gitterbettchen. Marianne, die in diesem Jahr in die Schule kam, hat ein größeres Kinderbett aus Holz und Gertrud, die Zehnjährige, schläft schon in einem "großen" Bett. Während die beiden Kleinen sofort einschlafen, darf Gertrud noch ein Weilchen mit der Puppe vom Christkind auf der Bettdecke spielen.
Anna ist eine im Ort sehr beliebte und anerkannte Schneiderin. Sie muss noch ein Kleid fertig nähen, das die Besitzerin morgen Abend zum Silvesterball anziehen will. Es wird spät werden, bis alles fertig ist. Darum legt sich Anna für einen kurzen Moment auf das Bett, um für die zu erledigende Arbeit Kraft zu sammeln. Inzwischen sind einige Handwerksburschen, die Gesellschaft suchen, in die Gaststätte eingekehrt. Sie trinken Schnaps, würfeln und spielen Karten. Offensichtlich ist das Spielerglück an diesem Abend ungerecht verteilt. Einer verliert ständig und die anderen freuen sich über den Gewinn. Ärgerlich schubst der Verlierer sein letztes Zweipfennigstück zu den Gewinnern hin. Die Münze hat so viel Schwung, dass sie über das Ziel hinausschießt und auf die Erde fällt. Gierig bücken sich die Männer nach dem Zweier, können ihn aber nicht finden. Da hakt einer der Handwerksburschen die Petroleumlampe von der Decke ab, um nach dem Geldstück zu leuchten. Die mit zwei Liter Petroleum gefüllte Lampe rutscht ihm dabei durch die Hände und zerschellt auf den ausgetrockneten Holzdielen. In ihrer Hilflosigkeit schütten die Burschen Wasser auf die züngelnden Flammen. Die breiten sich durch die offen gelassene Tür in Windeseile aus. Dorothea, die Wirtin, erkennt sofort die drohende Gefahr. In panischer Angst läuft sie die Treppe hinauf zu dem Schlafraum der kleinen Kinder. Sie reißt Otto und Marianne aus ihren Betten und rennt zurück zur Treppe. Doch die brennt bereits. Die Mutter trägt die beiden Kinder zurück in den Korridor und ruft:
„Anna, Anna!"
Anna ist eingeschlafen, doch der angstvolle Schrei der Mutter lässt sie aufschrecken und auf den Flur stürmen. Sie sieht die Mutter mit den zwei Geschwistern auf dem Arm. Ihr entsetztes Gesicht und der Brandgeruch belehren sie rasch über das Vorgefallene.
Anna ruft: „Ich hole Gertrud!"
"Bleib zurück!", mahnt die Mutter.
"Anna bleib zurück!"
Doch die Tochter lässt sich nicht beirren. Die Flammen und die giftigen Gase folgten ihr auf dem Weg zu der kleinen Schwester.
Hustend und schwer atmend schleppt sich die Mutter mit den beiden Kindern, die sich so angstvoll an sie klammerten, dass sie kaum vorwärtskommt zu den Fenstern an der Straßenseite. Inzwischen haben die Sturmglocken ihr schauriges Signal verbreitet und die Feuerwehr alarmiert. Nach wenigen Minuten ist sie zum Abrücken bereit, begleitet von einer vielköpfigen Menschenmenge, die hofft, helfen zu können. Am Brandort angekommen bemerken die Zuschauer die Silhouette der Mutter mit den Kindern im Feuerschein hinter dem Fenster. Es wird geöffnet und Dorothea hält Otto hinaus, dass er frische Luft bekommen soll.
„Lass ihn fallen", ruft es von unten, „wir fangen ihn auf!"
„Ich kann nicht!.“
„Lass ihn fallen, wir fangen das Kind auf!“
„Ich kann es nicht!"
Die Flammen kommen näher, die Mutter lässt das Kind aus dem ersten Stock fallen, es wird unverletzt aufgefangen. Inzwischen ist die Feuerwehr eingetroffen. Ein starker Wasserstrahl richtet sich auf das brennende Haus. Leitern werden angestellt und Mutter und Marianne in Sicherheit gebracht. Von Erschöpfung übermannt, flüstert Dorothea:
„Wo sind Anna und Gertrud?"
Doch Flammen schlagen aus den geborstenen Fenstern des Zimmers, in dem Anna vermutet wird. Ein Eindringen ist unmöglich.
„Da ist Anna!", schreit die Mutter plötzlich.
„Anna hat Gertrud an der Hand und läuft mit ihr weg!"
Hoffnung keimt auf, doch es ist nur das Trugbild einer verzweifelten Mutter.
Die Feuerwehr hat ihre Arbeit getan, die Flammen sind gelöscht, die Mutter und zwei ihrer Kinder können gerettet werden. Für Anna und Gertrud ist keine Rettung möglich.
Noch vor Mitternacht bergen die Feuerwehrmänner die verkohlten Leichen der beiden Mädchen, die sich eng umschlungen halten. Sie finden in einem Sarg ihre letzte Ruhestätte.


Kommentar von Lillilu

Hallo Eva, ich schließe mich Papaya an. Ich würde auch nach dem vorletzten Satz aufhören. Und außerdem würde ich in die Vergangenheitsform umsteigen (aber davor alles in der Gegenwart lassen!): ...die Flammen sind gelöscht, die Mutter und zwei ihrer Kinder KONNTEN GERETTET WERDEN. Für Anna und Gertrud WAR keine Rettung möglich GEWESEN. Danach dann Schluss. Eine traurige Geschichte, die Du gut recherchiert und geschrieben hast! LG Lillilu

Eingetragen am: 16.10.2008

Kommentar von papaya

Hallo Eva-Marie, eine schaurige Geschichte! Mir gefällt, wie ruhig und fließend du sie -im Kontrast zur inhaltlichen Dramatik- erzählst. Zwischendurch hatte ich Orientierungsprobleme: schlafen Anna und Gertrud in einem anderen Zimmer? Sind die Zimmer auf der selben Etage? Gelangt das Feuer tatsächlich so viel schneller in Anna und Gertrudes Zimmer? Ist das Feuer schon so dicht, dass man Dorotheas und Ottos Silhouette im Feuerschein am Fenster sieht? Wer öffnet das Fenster und soll Otto überleben oder einfach nur Frischluft bekommen? auf alle Fälle eine gut erzählte, traurige Geschichte. Den letzten Satz würde ich weglassen, rund ist sie schon mit dem vorletzten Satz m.E. L.G. papaya

Eingetragen am: 16.10.2008

Eingetragen am: 14.10.2008 von Sasha Bliss
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19307

sms von A: "Wo bist Du plötzlich hin? Warte seit Seminarende jetzt schon 10 Min auf Dich?"
kein sms von B:
weitere 20 Min. später zweites sms von A.: "Hallo? Erreich Dich telefonisch nicht. Hab ich Dich falsch verstanden? musstest Du auf anderen Termin? Bin auf Heimweg.
Sofortige Antwort B: "Musste ins Büro. Bin gekündigt. Bleib ein paar Tage bei Karl."
A ruft B an. B hebt nicht ab. A hinterlässt Nachricht auf voice-mail von B: "Liebster bitte!.. mach mir Sorgen. Karl ist doch gar nicht da ..."
10 min später sms von B: "... dann fahr ich zum Flughafen, raus aus dieser Stadt, brauch Abstand und Ruhe ..."
SMS von A.: "Schatz, wir heiraten nächste Woche! heb sofort ab ..."
letzte SMS von B: "...nicht richtiger Zeitpunkt, bitte versteh ..."
Und damit war er weg aus meinem Leben. Ich verstand nichts. Es sollten 12 Monate vergehen, bis ich darüber sprechen konnte. Und weitere 6 Monate bis ich meine Geschichte wiedergeben konnte ohne diesen letzten Tag als Ereignis zwischen Fremden zu beschreiben. Dann stand er vor mir: Als ich ihn sah, wusste ich plötzlich Bescheid.


Kommentar von Elisabeth

Das ist spannend! Man kann sich B in allen möglichen Bildern vorstellen...wie gehts wirklich weiter? Liebe Grüße

Eingetragen am: 22.10.2008

Kommentar von Karin

Wow! Wenige Worte und so viel Inhalt, Spannung pur. Liebe Grüße.

Eingetragen am: 15.10.2008

Kommentar von scacha

Wow, der letzte Satz ist der reinste Cliffhanger. WIe geht es weiter? Was wusste sie beim Wiedersehen? Was kann Schlimmes geschehen sein (neben der Kündigung), dass jemand seine Hochzeit verschiebt und sich wortlos davonmacht?

Eingetragen am: 15.10.2008

Eingetragen am: 14.10.2008 von Popinga
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19297

Vorgeschichte: Heinrich und Nele hören Stimmen aus einer Wohnung dringen. Dies ist insofern interessant, als sie nach einem Atomkrieg auf der Suche nach Überlebenden sind und gemeinsam mit Eagle, Marie und Kelian in diese Stadt gekommen sind. Sie hören also diese Stimmen und holen die anderen. Trotz der Freude, müssen sie vorsichtig sein, da in der Welt Anarchie herrscht, sie also nicht einfach anklopfen und Hallo sagen können.

........................


Eagle lauschte. Stimmen. Er hörte sie dumpf durch das Holz der Tür. Er konnte keine Worte verstehen, aber es waren Stimmen. Menschliche Stimmen. Er drehte den Kopf. Hinter ihm standen Kelian und Heinrich. Dahinter Marie und als letzte Nele. Sie pressten sich an die Wände des Treppenhauses. Staub rieselte auf den Boden, als Heinrich seine Position veränderte.

Eagle nickte. In Kelians Gesicht war keine Reaktion zu sehen. Nur seine Hand fuhr über sein Gewehr, verharrte auf dem Durchzughebel und glitt dann wieder in ihre Ausgangsposition zurück. Über Maries Augen huschte eine Mischung aus Hoffnung und Angst. Sie packte ihr Gewehr fester. Ihre Augen hielten sich lange fest. Weißt du was zu tun ist, fragten seine Augen. Ja, sagten ihre.

Nele kauerte sich in die Ecke. Eagle hatte ihr eine Pistole gegeben, die sie unsicher in den Händen hielt, als wäre es etwas giftiges. Sie sollte sich nur verteidigen können. Wer wusste schon, was passieren würde. Hinter der Tür konnte alles passieren.

Heinrich nickte Eagle zu. Ja, da waren Stimmen oder hast du an mir gezweifelt? Eagle hatte nicht gezweifelt, nur nicht zu hoffen gewagt. Noch einmal legte er das Ohr an die Tür. Aber auch so waren die Stimmen zu hören. Eine männliche Stimme. Die ruhig sprach. Also wussten sie nicht, dass sie hier draußen standen. Eagle war alle Möglichkeiten durchgegangen. Sollten sie anklopfen? Von draußen rufen? Ihm schien der Sturm die beste Methode. Es war lange her, dass sie Menschen gesehen hatten. Vielleicht war es umgekehrt genauso. Wer wusste schon, wie die da drin reagieren würden. Vielleicht würden sie ihnen eine Salve durch die geschlossene Tür nach draußen schicken. Vielleicht eine Granate. Vielleicht aber auch ein Stück Kuchen. Das wäre sicher die wünschenswerteste Alternative. Aber Eagle musste seine Gruppe schützen. Er durfte sie keiner Gefahr aussetzen. Also hatte er sich für den Sturm entschieden. Schnell eindringen. Die Bewohner in die Ecke drängen und ihnen keine Möglichkeit geben sich zu wehren. Zeit für ein Stück Kuchen hatten sie dann immer noch. Aber Eagle wollte kein Risiko eingehen. Wer unbewaffnet war würde nicht auf ihn oder Marie oder die anderen schießen können. Das war auf jeden Fall die Alternative, die er bevorzugte. Die Unfähigkeit der anderen Seite überhaupt zu schießen.

Er sah auf seine Waffe hinab. Steckte den Zeigefinger in den Abzug. Dann drückte er mit dem Daumen einen kleinen Hebel nach vorne. Darunter kam ein roter Punkt zum Vorschein. Er sah über die Schulter zu den anderen. Auch sie hatten ihre Waffen entsichert. Er atmete tief durch. Dann sah er wieder auf die Tür. Er holte tief Luft, riss das Bein in die Höhe und trat mit einem kräftigen Tritt gegen die Tür.


Kommentar von Gerhild Bauer

Spannend, spannend, spannend. Und gut geschrieben. Im richtigen (spannendsten) Moment aufgehört.L.G.Gerhild

Eingetragen am: 21.10.2008

Kommentar von Ginko Korn

In dieser Standardsituation, ähnlich wie im Krimi oder im Western, steigert sich die Spannung von Satz zu Satz. Welches Handeln wird als nächstes nötig sein ? Die Wiederholungen von "wer wusste schon, weißt du wie, weißt du was" wirken als Stilmittel ärmlich. Besser gefallen mir die Fragesätze. Vor den letzten Sekunden des Eindringens ist es unerheblich, ja sogar lästig, Einzelheiten des Entsicherns einzufügen. Besser an anderer Stelle. / Nele kauerte in der Ecke. "Die Pistole, die sie von Eagle bekommen hatte, hielt sie wie etwas giftiges. Sie fühlte sich damit keineswegs sicherer. Wenn sie nur nicht schießen musste!" / Eagle wollte kein Risiko eingehen. "Natürlich war es ihm lieber, wenn die anderen unbewaffnet wären." / Der letzte Satz transportiert die gleiche Handlung, wenn er etwa so lautet: "Er holte tief Luft und sprang mit heftigem Tritt gegen die Tür."

Eingetragen am: 17.10.2008

Kommentar von papaya

Hallo popinga, mit sicherer Hand und sehr spannend erzählt. Bin über andere Kleinigkeiten als ml gestolpert aber doch auch ein bißchen: das Stück Kuchen, das als Alternative durch die geschlossene Tür geflogen kommt, das krieg ich irgendwie bildlich nicht hin. sonst super und ich warte auf mehr... l.G. papaya

Eingetragen am: 16.10.2008

Kommentar von Karin

Sehr guter Beitrag. Gratulation.

Eingetragen am: 15.10.2008

Kommentar von ml

Hallo Popinga, sehr spannend geschrieben. Man möchte unbegingt wissen, wie es weitergehen wird. Über einen Satz bin ich gestolpert. Den musste ich drei Mal lesen und fand die Antwort im nächsten Satz. Weil du über Marie berichtest, habe ich verzweifelt versucht herauszufinden, woran sich ihre Augen festhielten. Am Gewehr, an der Tür? Dann erst meinte ich zu verstehen, dass du Maries und Kelians Augen meinst, die sich aneinander festhalten. Das kannst du noch besser.. Bis bald......ml

Eingetragen am: 14.10.2008

Eingetragen am: 14.10.2008 von Bibi
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19298

Wütend öffnete sie die langen Reißverschlüsse ihrer schwarzen Stiefel. Schlagsahne, aus der Sprühdose. Angewidert warf sie die Stiefel auf den Boden. Zugegeben, in letzter Zeit hatte auch sie sich nicht wie eine Heilige benommen. Nur sie hatte nicht in aller Öffentlichkeit einer Stripteasetänzerin die Sahne vom Körper geleckt. Gelacht hatte er dabei, sich köstlich amüsiert. So kannte sie ihn nicht.
Nina hatte sie davon abgehalten, ihn in der Bar zur Rede zu stellen. Er hatte keine Ahnung, dass sie dagewesen war.
"Eigentlich sind wir nun quitt.", dachte sie mit einem schiefen Grinsen. Damit meinte sie ihren Fehltritt in Nizza. Seine kleine Eskapade am heutigen Abend war fast eine Rechtfertigung für ihren Ausrutscher. Sie hätte sich ganz gut fühlen sollen, aber es schmerzte sehr, als sie allein im Dunkeln lag und versuchte die Nacht zu überstehen. Sie hatte am ganzen Körper Gänsehaut und ihre Füße zuckten nervös.
Am nächsten Morgen hinterließ sie Sebastian eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter:
"Du Schatz, ich kann heute Abend leider nicht. Ich hab mir so´nen Magen-Darm-Virus eingefangen. Mir geht es ganz fürchterlich. Wir holen das Essen nach, wenn du aus London wieder zurück bist. Bis dann! Ach so, komm nicht vorbei. Es ist vielleicht ansteckend!"
Schon wieder eine Lüge, aber sie wollte ihn nicht sehen. Vor ihren Augen tanzte immer noch dieses Bild von gestern Abend. Noch nicht einmal der Kaffee schmeckte und wanderte in den Ausguss. Vielleicht fehlte nur die Sahne!


Kommentar von papaya

tolle Idee, toll erzählt und wo ich nicht gleich dahinter kam, wer mit wem da zu gange ist, hat Ginko mich aufgeklärt. Den Leberschaden halte ich allerdings für reine Spekulation: da weißt nur du, Bibi genauer Bescheid..l.g. papaya

Eingetragen am: 16.10.2008

Kommentar von Thea Doris

Genial der letzte Satz, so schön ironisch!

Eingetragen am: 16.10.2008

Kommentar von Ginko Korn

Schlagsahne in den Stiefeln ? Nein, in der Erinnerung an die Stripshow. Auf nächtlicher Tour durch die Bars entdeckt sie ihren derzeitigen Lover. Na toll, da kann sie ja den Nizza-Stand gegenrechnen. Erste Anzeichen eines Leberschadens lügt sie sich als Beziehungskummer zurecht. Wenn der Wastl wieder antanzen darf, wird sie Sprühsahne im Haus haben.

Eingetragen am: 16.10.2008

Kommentar von Antigone

Gut, spannend und flüssig geschrieben. Der letzte Satz ist das Tüpfelchen auf dem i! Gruß Antigone

Eingetragen am: 15.10.2008

Eingetragen am: 14.10.2008 von Angela Thies
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19287

Meine Mutter hat mir nichts hinterlassen, bis auf einen kleinen Koffer. Verschlossen hatte sie ihn, den Schlüssel dazu erhielt ich nach ihrem Tod vom Anwalt, der mit eiserner Miene ihr Testament vorlas. Neben mir saßen meine Geschwister. Ich blickte starr, ich hatte noch Mühe den Abschied meiner Mutter an mich heranzulassen. Meine Hände waren kalt und feucht vor Angst, er könnte etwas vorlesen, was nur mich betraf. Immer haben mir Behörden und deren Menschen, die dort ihre Pflicht taten Angst eingeflößt. Sie waren machtvoll, sie konnten mir Befehle erteilen mit dem Gesetz im Rücken. Ob dieser Mann in seinem eigenen Haus auch mit dieser eisernen Miene herumlief? Ob er seine Frau, seine Kinder jemals anlächelte und seine Pflicht vergaß? Steif hatte er uns die Hand gegeben und auf die Plätze gewiesen, kein Lächeln in den Augen, kein beruhigendes Wort. Brav hatten wir uns gesetzt und stumm hatten wir ihn angesehen, als er nach den Briefumschlag griff. Ich richtete mich auf, als er ihn öffnete, um nicht in meinen Stuhl zu versinken und mich später unter ihm wiederzufinden. Meine Hände vergruben sich zwischen meinen Knien, als er zu lesen begann [....].

[...] Noch immer steht der Koffer ungeöffnet in meinem Zimmer. Jeden Tag schaue ich ihn an. Manchmal stelle ich ihn an einen anderen Platz, so gibt er meinem Zimmer einen neuen Reiz. Manchmal mag ich ihn, dann wieder hasse ich ihn. Mit der Zeit wird er mir vertraut. Er wird mein Freund, er ist verlässlich und immer da, er wartet geduldig, bis ich ihn öffne und er mir alles offenbaren darf. Ich sage: „Hallo, da bist du ja“, wenn ich von der Arbeit komme. Vielleicht wird das mir Mut geben, ihn zu öffnen. Der Schlüssel dazu liegt auf meinem Schreibtisch. Immer wieder wird er hin und her geschoben. Mal liegt er direkt vor dem Bild meiner Mutter, manchmal, wenn ich verzweifelt und traurig das Bild umkippe, liegt er darunter. Mit Argusaugen beobachte ich seinen Gang. Er rückt dem Koffer nicht näher.

Als ich den Koffer eines Tages öffne, steht das Bild meiner Mutter auf meinem Schreibtisch, sie sieht mir zu.
Ganz obenauf liegt ein Brief. In der ungelenkten Handschrift meiner Mutter steht nur „Pia“ darauf. Das rührt mich sehr, ich sehe sie direkt vor mir, wie sie mühevoll den Stift in der Hand hält, um diese Zeilen zu schreiben. Es muss ihr sehr wichtig gewesen sein. Ich lege den Brief zur Seite und ich ziehe ein Buch mit dem Titel „Judas“ hervor. Dann finde ich einen größeren Umschlag. Einige Fotos sind darin. Das erste zeigt ein kleines Kind, vielleicht ein Jahr alt. Bin ich das? Es passt irgendwie nicht. Das nächste ist ein Hochzeitsfoto. Meine Mutter erkenne ich sofort. Aber wer ist der Mann an ihrer Seite? Mein Vater? Es sieht ihm gar nicht ähnlich, bis auf die dunklen Haare. Ich drehe es um. „26. August 1955“. steht dort geschrieben. Und ein gedruckter Name, wahrscheinlich vom Fotograf. Jetzt drehe ich auch das Kinderfoto um. „Patricia“, steht dort und „2.10.1957“. Ich rechne, versuche zu verstehen und verstehe nichts.
In Seidenpapier eingehüllt ziehe ich ein Paket hervor. Daran mit einer Stecknadel befestigt ein Zettel, wieder mit dem Namen Patricia. Darin ein weißes Kleid mit Rüschenkragen. Hektisch greife ich zum Kinderbild, das Mädchen hat das Kleid an. Vor Aufregung klopft mir das Herz im Halse. Was hat das zu bedeuten? Noch ein in Seidenpapier gehülltes Kleid, hellblau mit weißen Punkten und einem weißen Kragen. Das war meins. Ich kenne es von meinen Fotos. Wer ist dieses Mädchen? Meine Schwester? Nein, das kann nicht sein, sie ist viel später erst geboren. Und wer ist dieser Mann? Verwirrt schaue ich auf die beiden Fotos in meinen Händen, dann auf den Brief. Ich lese ihn noch nicht und ich gucke auch nicht mehr in den Koffer. Erst spät in der Nacht öffne ich den Brief.


Kommentar von Carola Ottenburg

Ein gelungenes Beispiel dafür, dass auch unspektakuläre Szenen spannend sein können. Gut aufgebaut und sehr anschaulich beschrieben.

Eingetragen am: 22.10.2008

Kommentar von Elisabeth

Hallo Angela, jede deiner Szenen kann ich mir sehr gut vorstellen. Bei deinen Texten kann man nicht mit den Gedanken abschweifen, sie sind durchdringend geschrieben. Liebe Grüße ( Das mit dem Sinneswandel, den Koffer plötzlich zu öffnen, würde ich auch noch beschreiben.)

Eingetragen am: 22.10.2008

Kommentar von Angela Thies

Hallo liebe Kommentatoren, vielen Dank für die aufbauende Kritik. Frog, das kommt noch - das mit dem Sinneswandel.

Eingetragen am: 19.10.2008

Kommentar von Frog

Gute Arbeit, Angela! Du verstehst es, Spannung aufzubauen und Raum zu lassen fürs Mitdenken und Interpretieren. Dennoch wüsste ich gern, woher plötzlich die innere Erlaubnis kommt, den Koffer doch zu öffnen. Das "als ich den Koffe eines Tages öffne" ist mir zu wenig Erklärung. Das Bild der Mutter hat sich ja nicht von alleine in die richtige Position gebracht. Das ist aber keine Kritik, mir gefällt diese Story sehr.

Eingetragen am: 17.10.2008

Kommentar von papaya

Hallo Angela, Glückwunsch zu deiner spannenden und anrührenden Erzählung. Kein Wort zuviel, sondern gradlinig und fein geschrieben.Das Zusammenspiel von Koffer, Mutterfoto und Schlüssel in diesem Zimmer ist toll! l.G. papaya

Eingetragen am: 16.10.2008

Kommentar von Thea Doris

aah, sehr spannend geschrieben.

Eingetragen am: 16.10.2008

Kommentar von scacha

Toller Text, sehr spannend, schöne Sprache. Guter erster Satz, hat mich sofort reingezogen!

Eingetragen am: 15.10.2008

Kommentar von Karin

Ja, so baut man Spannung auf. Sehr guter Beitrag. Liebe Grüße.

Eingetragen am: 15.10.2008

Kommentar von ml

Hallo Angela, das ist nicht nett, (aber sehr professionell) an der Stelle aufzuhören. Was schreibt sie? Lass es uns doch bitte wissen. Bis bald.....ml

Eingetragen am: 14.10.2008

Eingetragen am: 13.10.2008 von Reiner Reinfeld
[ Lesezeichen ]

19277

„Du weißt doch, dass das Konto überzogen ist?“
„Nächsten Monat hätte ich sowieso ein Navi gebraucht. So günstig gibt’s das nicht wieder, Schätzchen! Geld spielt doch bald sowieso keine Rolle mehr. Sieh mal! Wären wir ohne Navi in die Gegend gekommen?“
„Es ist schwarz! Gleich ist Mitternacht!“
„Ja aber auf dem Hinweg. Hast doch selbst gesagt, dass wir mit den Fahrrädern hierhin müssen. Kein Haus, kein Auto, nur Wald und Wiese, ‚Kürzeste Strecke’ eingeben und Idylle pur!“
„Ernst! Gleich ist Mitternacht. In einer Stunde lösen wir Maria bei der Totenwache ab. Ich wollte mich noch frisch machen. Du drömmelst durch die Walachei, und die Autobahn führt von Haustür zu Haustür!
„Schätzchen! Ich...“
„Aaah!“
*
„Ruhig, Schatz, ist doch nichts passiert. Nur der Reifen. Gibst du mal das Handy!“
„Ist doch noch am Ladegerät.“
„Dann eben deins.“
„Hast du mir doch gar nicht gesagt, dass ich das mitnehmen soll!

Folgen? Selber nachdenken!
LG, Reiner


Kommentar von Wladimir

Hallo Reiner, Du hast irgendwann einmal Interesse gezeigt, als sich hier in Hamburg eine Autorengruppe anbahnte.Inzwischen sind wir schon vier Leute aus Hamburg und Umgebung ( und eine Kielerin). Wie sieht es denn bei dir aus: IMMER NOCH INTERESSE? Melde dich doch mal. Meine Emailadresse: dubjenko@gmx.de Gruß Wladimir

Eingetragen am: 22.12.2008

Kommentar von Gerhild Bauer

Die beiden Schätzchen hatten einen bösen Reifenplatzer und wählen nun mit ihrem Navi die kürzeste Strecke in die ewige Finsternis,in der es Wiesen und Wälder gibt und Geld keine Bedeutung mehr hat. Sie hoffen, Maria zu treffen, um sie bei ihrer eigenen Totenwache abzulösen. Gerne hätten sie sich angemeldet, haben jedoch das Handy vergessen, das noch im Auto liegt. Wenn ich noch weiter schreibe bringe ich auch die Fahrräder und die Walachei unter.Finde ich das Wort "drömmeln" im Internet ? L.G.Gerhild

Eingetragen am: 21.10.2008

Kommentar von wladimir

Merkwürdig, auch ich verstehe nur Bahnhof. Ist das ein Text für Insider? Totenwache und Nawi, Walachei und Haustür... Und warum spielt Geld keine Rolle? Erben die beiden? Vielleicht halten sie auch bei der falschen Leiche Totenwache und die Erbschaft fällt aus. So etwas passiert ja häufig, wenn man ohne Nawi durch die Nacht irrt...

Eingetragen am: 21.10.2008

Kommentar von Frog

Komisch, ich verstehe die Geschichte irgendwie nicht. Vermutlich stehe ich auf der Leitung. Fahre die gerade mit dem Rad zu Totenwache und er will ihr einen Navi schmackhaft machen? Sorry, liegt vielleicht an den Tabletten? Das "drömmeln" gefällt mir aber, Du weißt schon, warum... LG Frog

Eingetragen am: 18.10.2008

Kommentar von Dani

Spannende Verquickung von Witz und Tragik. Hört sich so an, als würde dieses Paar böse enden, der Leser dabei aber viel Spaß haben! LG und viel Erfolg, Dani

Eingetragen am: 17.10.2008

Kommentar von Metta Maiwald

Lebendiger Dialog. Klassischer Fall von Ehestreitigkeiten. "Es ist schwarz" - was meinst Du damit? Zu dunkel, um die schöne Gegend zu erkunden? Ich dachte, sie SIND im Moment auf dem HINweg von zu Hause zum Totenhaus. Dann würden sie doch auf dem RÜCKweg, bei Tageslicht, die schöne Landschaft genießen können.

Eingetragen am: 15.10.2008

Kommentar von Reiner Reinfeld

Entschuldigung! Gemeint war natürlich selbst weiterträumen, weiterspinnen, weiterphantasieren... Reiner

Eingetragen am: 15.10.2008

Kommentar von ml

Hallo Reiner, ich würde sagen Schätzchen denkt nach und sagt Tschüss. Nett, manchmal sind es vermeintliche Kleinigkeiten.. Gruß ml

Eingetragen am: 14.10.2008

Kommentar von Ginko Korn

Das Navy ist schwarz, zeigt also die aktuelle Tageszeit an. Geld spielt bald keine Rolle mehr, weil die Radler wohl eine Erbschaft erwarten. Der geplatzte Reifens bedeutet Zeitverlust, der Erblasser kann nicht rechtzeitig bewacht werden und das Handy hängt am Ladegerät des Fahrrads. Da bleibt der erhoffte Reichtum aus. Logisch.

Eingetragen am: 14.10.2008

Eingetragen am: 13.10.2008 von Michele
[ Lesezeichen ]

19274

Nun war ich heute schon wieder bei dieser Psychotante und was hat es gebracht? Nichts! Es bringt doch nie etwas und das ich mich danach besser fühle, kann ich nun wirklich nicht behaupten! Das sind nur einige Gedanken von Lena! Jedesmal wieder geht sie zu der guten Frau, wie sie sie insgeheim nennt. Wenigstens kann man seinen ganzen Müll abladen ohne Freunde damit zu belästigen. Allerdings hat sie auch keine neuen Erkenntnisse bekommen und die Ratschläge die kamen, waren auch nichts neues! Selbst an dem Tag wo Lena über ihren Vater sprach. Eines Tages kam er spät abends an ihr Bett und verabschiedete sich mit den Worten: Engelchen! Ich muß gehen. Ich weiß nicht wann ich wiederkomme, aber ich komme zurück. Hab dich lieb.Lena ist nicht sicher wie alt sie war. Sie weiß nur , das sie schon zur Schule ging, aber älter als sieben war sie nicht. Nun gut! Da redet die gute Frau doch glatt von Verlustängsten. Das wäre der Grund warum es mit den Männern nicht klappt und sie solle sich einen anderen Typus suchen, aber man sucht doch nicht, sondern läßt sich finden. Zumal das nun auch wieder nichts neues war! Immer wieder denkt Lena bei sich, das sie keinen Einfluss hat und das alles doch nur dummes, banales Gerede ist. Allerdings wäre es auch eine gute Ausrede und man müßte nicht weiter über das warum nachdenken.....


Kommentar von Michele

Hallo Papaya ! Kein Problem, aber zum einen ist es absolut so gedacht und zum anderen soll es nur aufzeigen wo der Knackpunkt ist und nicht eine ganze Geschichte darstellen, was auch nicht gefragt war in dieser Aufgabe. Ich hätte auch einfach nur Stichpunkte wiedergeben können. Trotzdem nett gemeint der Ratschlag.

Eingetragen am: 19.10.2008

Kommentar von papaya

Hallo Michele, sorry aber Lenas innerer Monolog plätschert so herum. Spannend könnte es werden, wenn du die Szene Lena und ihr Vater vor dem Bett mal ausleuchtest statt sie zu erwähnen.Oder die Geschichte von Lena und der Psychotante erzählst statt soundsoviele Gedanken aneinander zu ketten. ich bin gespannt l.G.papaya

Eingetragen am: 16.10.2008

Eingetragen am: 13.10.2008 von tschaennet
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19254

"Leila sitzt auf einer Bank im tiefsten Bayern im Urlaub und wartet auf Ihren Freund Robert. Er wollte nur schnell das Auto holen, weil sie sich nach ihrem spontanen Spaziergang an einen kleinen See entlang Blasen an ihren Füßen geholt hatte und sie keine Lust hatte den Rückweg unter Schmerzen zu gehen."


Die Füße taten weh. Am liebsten hätte sie sie in eiskaltes Wasser getaucht und das anschließende Kribbeln genossen. Sie blickte zur Straße. Kein Audi in Sicht. Langsam wurde sie nervös. Schon dreißig Minuten saß sie hier in der Abendsonne. Robert sollte schon längst wieder zurück sein. Sie lehnte sich zurück, versuchte sich zu entspannen und schloss die Augen. "Jetzt mach mal keine Wellen!" sagte sie leise vor sich hin. Bestimmt würde er jeden Moment die Straße entlang fahren. Direkt auf sie zu. Das vertraute Kennzeichen würde gleich in ihr Blickfeld treten und sie zum lächeln bringen. Robert würde ganz unbedarft am Steuer sitzen, die Fenster heruntergekurbelt, den Arm herausgelehnt und nichts ahnend, dass sie es hier langsam mit der Angst zu tun bekam. Wahrscheinlich würde sie es ihm sogar nicht einmal erzählen. Sie überlegte sich, was ihn aufgehalten haben konnte. Vielleicht hatte er ja mal ausnahmsweise die Orientierung verloren; die falsche Straße genommen. Normalerweise war das ihr vorbehalten und Robert machte sich deswegen regelmäßig über sie lustig. Sie lächelte, weil er guten Grund dazu hatte. Wenn sie zum Beispiel in einer fremden Stadt im Zickzack die Läden einer Einkaufsstraße abklapperten, wusste sie oft beim Herausgehen nicht mehr, aus welcher Richtung sie gekommen sind.
Sie hielt inne. Plötzlich wurde ihr die Ironie ihrer Gedanken bewusst. Auch jetzt hatte sie absolut keine Ahnung, wo sie war. Sie kannte nämlich nicht einmal den verfluchten Namen dieser Ortschaft. Seit heute morgen hatte sie keinem Ortsschild mehr Beachtung geschenkt. Sie wollten eben einfach drauf los fahren, ohne bestimmtes Ziel. Nur dort anhalten, wo es Ihnen ganz besonders gefiel. Ihre Hände wurden feucht. Sie stand auf und ging ein paar Meter die Straße hoch. Zahlreiche Autos kamen an ihr vorbei, aber in keinem von ihnen saß Robert. Sie lief wieder zurück zur Bank. Zu weit weg wollte sie lieber nicht gehen. Schließlich hatten sie verabredet, dass er sie hier abholen würde. Warum hatte sie auch nur ihr Handy im Auto liegen gelassen. Das tat sie sonst nie. "Handygesteuert" war ihr zweiter Vorname, den Robert ihr gegeben hat. Nur sehr selten ließ sie es mal zu Hause und machte es nur nachts aus. Aber zu dem Spaziergang wollte sie eben keine Tasche mitnehmen und es in der Hand tragen schon gar nicht. Ihren Geldbeutel hat sie noch in Roberts Hosentasche gesteckt. Und jetzt saß sie hier, kein Geld, kein Handy, keine Papiere. Fußgänger musterten sie schon, aber vielleicht bildete sie sich das aber auch nur ein. Und die Zeit verging. Sekunden wurden zu Minuten. Minuten zu Stunden. Sie weiß nicht, wie lange sie jetzt schon hier saß. 45 Minuten? 1 Stunde? Und auf einmal wurde ihr instinktiv bewusst, dass Robert nicht zurückkommen würde. Verzweifelt schaute sie sich um. Die Straße hinauf war eine Kneipe zu erkennen. Ein paar Tische und hässliche weiße Plastikstühle standen in einem schäbigen kleinen Biergarten davor. Dort würde sie fragen, ob sie telefonieren kann. Sie lief los. Im Biergarten saß niemand. Ein Aschenbecher voll mit Zigarettenstumpfen stand noch auf einem der Tische und der Wind hatte die Asche schon ein wenig herausgeblasen und auf dem verklebten Tisch verteilt. Sie ging in die Kneipe. An der Theke stand ein großer schwarzhaariger Mann. Er machte einen ungepflegten Eindruck. Die Haare waren fettig und die Augen waren verquollen. Er trug ein ausgeleiertes rotes T-Shirt und schaute auf, als sie eintrat und lächelte. Sie zögerte kurz und überlegte, ob sie nicht doch lieber wieder gehen sollte. Schließlich fragte sie:
"Entschuldigen Sie bitte, wäre es möglich, dass ich mal telefonieren kann?".
"Klar!"
Auf einmal nahm sie hinter sich Schritte wahr und jemand hielt ihr einen stinkenden Lappen an Nase und Mund. Sie war wie gelähmt vor Angst und Schock. Dann wurde alles schwarz.


Kommentar von Dani

Die Sorge um den Freund und die eigene Lage sind gut beschrieben und steigern sich immer mehr. Da kommt mir der letzte Abschnitt fast zu viel vor, oder hängt der "Überfall" mit dem Verschwinden von Robert zusammen? Viel Erfolg beim weiteren Schreiben!

Eingetragen am: 17.10.2008

Eingetragen am: 13.10.2008 von Barbara Bund
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19225

Aus „Die Traumfrau“

Auf dem Heimweg ließ Gudrun ihrer Wut freien Lauf. Sie blaffte ihren Mann an:
“Warum hast Du Sigrun in die Bücherei eingeladen?“
„Habe ich doch gar nicht!“
„Behauptet sie aber!“
„Dann hat sie gelogen.“
„Du warst auffallend nett zu ihr!“
„Ich bin zu allen Leuten nett, wie oft muss ich das denn noch sagen. Und jetzt hör mal mit Deinen ewigen Unterstellungen auf!“
Er drehte das Radio lauter, was sie nur noch wütender machte: Hatte Sigrun nur geblufft oder war ihr Mann einfach feige?...

Die letzte Kreuzung vor ihrer Villa. Hans-Peter hielt an, weil ein entgegenkommendes Auto abbiegen wollte. Ohne Fahrtwind klebte die ganze Schwüle dieser Sommernacht an Gudruns glitzerndem Cocktailkleid. Graue Nachtfalter schwirrten durch die Luft. Einer verirrte sich in das BMW-Cabrio und setzte sich innen auf die Windschutzscheibe. Mit der Etui-Tasche wedelnd versuchte Gudrun, ihn aus dem Auto zu scheuchen, aber als Hans-Peter wieder anfuhr landete das aufflatternde Tier geradewegs in ihrem Gesicht. Voller Abscheu schmetterte sie ihre harte Lacktasche kräftig gegen das wehrlose Wesen. Getroffen! Der Falter lag auf dem Wagenboden, seine Beine ragten leblos in die Luft. Gudruns verkniffener Mund verzog sich zu einem kleinen zufriedenen Lächeln: Töten war eigentlich ganz einfach...


Kommentar von Barbara Bund

Danke Wladimir, freut mich, das zu lesen. Ich spreche die Texte aufs Band (altes Diktiergerät), dadurch kommen sie für mich schneller und (hoffentlich) natürlicher...

Eingetragen am: 22.10.2008

Kommentar von wladimir

Der letzte Satz ist so ganz nach meinem Geschmack: "Töten war eigentlich ganz einfach." Weiter so...

Eingetragen am: 21.10.2008

Kommentar von Barbara Bund

Liebe Dani, ich habe das einfach zu schnell geschrieben. In meiner Phantasie habe ich den Falter nach dem "Aufprall" im Gesicht schon wieder in der Luft gesehen, und wie Gudrun ihn mit der Lacktasche einem Tennisschläger gleich zu Boden schmettert. Nein, ich bin eigentlich kein Fan von Selbstbestrafungen...:-)Barbara

Eingetragen am: 17.10.2008

Kommentar von Dani

Hallo Barabara, spannende, gut geschriebene Szene. Maleas Einwand stimmt zwar, aber genauso stimmt es, dass sie sich ja mit den Rachegelüsten selber trifft. Vielleicht lächelt sie erst nach einem Aufschrei, vielleicht verquicken sich Lust und Schmerz auch produktiv. Viel Erfolg weiterhin! LG Dani

Eingetragen am: 17.10.2008

Kommentar von Barbara Bund

Vielen Dank, Ginko, für Deinen Kommentar, der mich auf eine neue Idee gebracht hat: Unwichtig, wen am Ende das Zeitliche segnet, so einfach wie mit dem Falter wird es natürlich nicht...

Eingetragen am: 15.10.2008

Kommentar von Ginko Korn

Die Übertragung von Gudruns Mordgelüsten gegen Sigrun trifft den Falter auf ihrem eigenen Gesicht. Wenn sie diesen ersten Trainingserfolg steigert, braut sich über Hans-Peter und Sigrun Unheil, auf das wir gespannt sein können, denn da wird noch einiges klatschen.

Eingetragen am: 13.10.2008

Kommentar von Barbara Bund

Liebe Malea, peinlich, peinlich - stimmt natürlich, ist "Autotüre" o.k.? Danke, Barbara

Eingetragen am: 13.10.2008

Kommentar von Malea

Ach so, es geht mit der Bücherei weiter... Liest sich flüssig, der letzte Satz ist vielversprechend. Aber: Ich glaube nicht, dass Gudrun lächelt, wenn sie sich gerade die harte Lacktasche mit Schmackes ins eigene Gesicht geschlagen hat. Lass den Falter doch woanders landen, sonst ist es unfreiwillig lustig ;-) Liebe Grüße, Malea.

Eingetragen am: 13.10.2008

Eingetragen am: 12.10.2008 von Malea
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19214

Es war ein sonniger Tag im August, im Garten steckten die Schmetterlinge ihre Saugrüssel vergnügt in die Blütenkelche und ich schaute zu, wie sich auf dem kühlen, weißen Marmorboden der Eingangshalle ein Rinnsal von frischem Blut ausbreitete. Der dicke, alte Mann hatte es abgesondert. Seine Augen waren weit offen, aber er zwinkerte nicht. Er würde nie mehr zwinkern. Ich hatte die Polizei angerufen, das muss man schließlich. Die Haustür stand noch offen, im flirrenden Licht tanzten die Mücken. Es roch süß, metallisch und ein wenig nach Schweiß. Ich wartete auf den vertrauten Klang von Polizeisirenen. Von fern hallten sie durch das Villenviertel, verdichteten sich zu einem dramatischen Chor, um mit großem Finale zu verstummen. Autotüren klappten, eilige Schritte knirschten über den Kies der Einfahrt, dann traten Männer durch die Tür. Sie sahen aus, als hätten sie sie notfalls auch eingetreten. Ein großer Blonder mit Lederjacke kam auf mich zu.

„Sind sie Susanne Seck? Mein Name ist Thorsten Winter, Kriminalpolizei.“
Ich nickte. „Ich bin tot.“
„Sie nicht, der Herr da schon. Deswegen sind wir ja hier.“
Ich lachte, aber es klang hohl wie ein toter Baum. „Sie haben ja keine Ahnung. Ich bin tot, toter, am totesten. Total tot, tot geboren tot.”
“Geht es ihnen nicht gut?”
Ich versuchte mir den süffisanten Unterton zu verkneifen, aber es gelang mir nicht. „Mir geht es toll, alles völlig normal.“
Er zuckte nicht mit der Wimper, aber ich wusste, dass er mir nicht glaubte. Kein einziges Wort.

„Können sie mir sagen, was hier passiert ist?“
„Ja und nein. Übrigens, ich war`s nicht.“ Jetzt nur nicht kichern. „Macht mich das verdächtig, wenn ich seine Gedärme gerne mit den bloßen Händen aus dem Abdomen holen würde?“
„Wie bitte?“
„War nur ein Scherz, ich bin Pathologin.“
Er sah nicht so aus, als würde er gleich lachen. „Am Klingelschild steht der Name Seck. Wohnen sie hier?“
„Nein.“
„Dann sind sie mit dem Toten verwandt?“
Ich nickte und konnte nicht verhindern, dass sich mein Gesicht zu einem breiten Grinsen verzog. Jemand von der Spurensicherung tippte Thorsten Winter auf die Schulter. „Komm mal, wir haben da was gefunden.“ „Einen Moment, Frau Seck.“ Sie gingen ins Arbeitszimmer.

Draußen sagte einer ein kleines bisschen zu laut:„Die hat doch nicht alle Tassen im Schrank. Soll ich mal in der Psychiatrie anrufen?“
Mein Grinsen gefror.


Kommentar von Carola Ottenburg

Hallo Malea, nach den Kinder- und Jugendjahren nun wieder die "gereifte" Susanne. Ihre schräge Wahrnehmung finde ich sehr spannend und stelle mir die Frage, ob der dicke Mann derjenige ist, den sie vielleicht... Und was dann unter der Eiche ruht. Viele Grüße Carola

Eingetragen am: 22.10.2008

Kommentar von Barbara Bund

Nein, den letzten Satz würde ich nicht weglassen, weil Susanne hier für mich scheinbar zum ersten Mal begreift, dass ihr Verhalten für die Polizei nicht nur befremdlich wirkt, sondern auch Konsequenzen haben kann... ansonsten witzig, das Adjektiv "tot" ein wenig strapaziert?

Eingetragen am: 15.10.2008

Kommentar von Frog

Ich weiß nicht, ich weiß nicht... Diese Susanne, führt sie uns alle an der Nase herum? Spielt sie? Wenn ja, warum? Was für eine schräge Aufmerksamkeit fordert sie hier ein? Und wieso steht sie so derartig über den Dingen? Und dann wieder nicht? Ist ihr auch die Cortex verrutscht? Wer könnte sie denn jetzt da raus holen? Der Winter doch bestimmt nicht. Ich ahne, es ist eine wichtige Stelle in Deinem Roman und ich will natürlich auch sofort weiterlesen. Ich bin auf Susannes Seite. Den letzten Satz könntest Du tatsächlich weglassen. L + P Frog

Eingetragen am: 15.10.2008

Kommentar von Malea

Lieben Dank für Lob und konstruktive Kritik :-) Ich habe alle (!) eure Vorschläge schon eingearbeitet @ M.P.: Ich mach dir gerne den Worte-Dealer ;-) @ Metta: Schmetterlinge grinsen immer beim Schmettern... @ Velarani: Huch, danke. @ Angela: Erst mal herzlichen Glückwunsch, es ist ein Mädchen. Du hast soeben bei der literarischen Geburt einer dynamischen Notärztin geholfen ;-) Um alle Zweifel zu beseitigen. Obwohl ich ja nichts über den Inhalt des Anrufs bei der Polizei geschrieben habe. Und zum Martinshorn, die Jungs haben gerne die Musik an, dann darf man so schön Gas geben... @ Ginko: Dein Kommentar klingt ein bisschen nach der Zusammenfassung von Susi bei Herzblatt. Ich hoffe, du fandst den Text nicht so schauerlich, dass du gleich mit dem Hubschrauber abhebst ;-) @ Eva: Danke für deine tolle Analyse. @ Martina: Danke für den Seelenbalsam ;-) @ Karin: Danke und schön, dass die Spannung bei dir angekommen ist. @ Reiner: Danke für die Tipps. "um zu" und "breites" sind schon weg, als hätte es sie nie gegeben ;-) Liebe Grüße, Malea.

Eingetragen am: 14.10.2008

Kommentar von Reiner Reinfeld

Ich liebe solche Situationen. Nur zwei kleine Verbesserungsvorschläge: Die Polizeisirenen verdichteten sich NICHT, um mit großem Finale zu verstummen! Sie verstummten einfach, nachdem sie alle zusammen getrötet hatten. Sachen, Gegenstände haben keine eigene Absicht, "um zu" drückt aber immer eine Absicht aus. Das Zweite: "Ich nickte und konnte nicht verhindern, dass sich mein Gesicht zu einem breiten Grinsen verzog." Wie breit ein Grinsen ist, kann eigentlich nur ein Außenstehender beschreiben. Man selbst denkt oft schon, dass einem ein debiles Grinsen im Gesicht steht, während die anderen nur eine ganz leichte Veränderung wahrnehmen. Also besser: Ich konnte ein Lächeln nicht unterdrücken, zurückhalten. Oder: Hoffentlich war mein Lächeln nicht allzu breit - oder so. LG Reiner. .

Eingetragen am: 14.10.2008

Kommentar von Karin

Gut und sehr, sehr spannend! Liebe Grüße.

Eingetragen am: 14.10.2008

Kommentar von Martina Jung

Toll geschrieben! Wortgewandt, flüssig, überraschend und obendrein witzig. Da will man unbedingt wissen, wie es weitergeht ...

Eingetragen am: 14.10.2008

Kommentar von Eva Marcuse

Beim Lesen bleibe ich hängen zwischen den Gefühlen: 1. die Prota ist ein völliger Eisbrocken, oder 2. sie ist „Vollprofi“ als Pathologin, oder 3. das, was hier passiert ist eine Serie von Übersprungshandlungen: d.h. sie kann ihre Reaktionen nicht kontrollieren; das Schreckliche läßt sie scherzen, sarkastisch, zynisch werden. Die Frage ist, was steckt dahinter? In welchem Verhältnis steht die Prota zu dem „ dicken, alten Mann“ der Blut „absondert“? Ist es Bosheit der Prota, oder ihre Unfähigkeit, mit dem Tod umzugehen? Sie gibt einen Hinweis mit der Äußerung „Ich bin tot, toter, am totesten. Total tot, tot geboren tot.” Spürt sie nichts? Könnte sie töten? Hat sie den Mann getötet?____ Glückwunsch zu diesem Text, auch was die Details in der Beschreibung angeht, z. B. „der vertraute Klang von Polizeisirenen“, oder: „Ich lachte, aber es klang hohl wie ein toter Baum“. Den letzten Satz würde ich weglassen, dem Leser noch nicht verraten, wie sie auf die Aussicht auf Psychiatrie reagiert.

Eingetragen am: 14.10.2008

Kommentar von Ginko Korn

Das Ereignis besteht darin, dass die Logopathin beim Toto eine Tasse zuviel aus ihrem Schrank gefeuert hat. Infolge dessen droht sie selbst eingeschrankt zu werden. Da vergeht ihr freilich das Grinsen. Sie will nicht dort wohnen, wo auf dem Klingelschild Seck steht, möchte in der Eingangshalle auf dem Marmorboden ihren Beruf an einem Wahlverwandten ausüben, während sich Schmetterlinge mit ihrem Rüssel vergnügen und die Mücken tanzen. Dabei gibt sie tolle Normalität vor, mit süffisantem Unterton. Vermutlich kommt sie gerade von Engelchen, was die Spurensicherung gleich herausfinden wird. Ob sie dann der blonde Thorsten abführt ?

Eingetragen am: 13.10.2008

Kommentar von Angela Barotti

Hm, Hm. Mein Beifall ist zurückhaltend. Das liest sich ein wenig wie eine Räuberpistole. Mehrere Kripowagen rasen aus allen Himmelsrichtungen heran. Mit Tatütata und Trallala. (Tatsächlich?) Der Einsatzleiter scheint zudem über medizinische Kenntnisse zu verfügen. Ein Blick von ihm auf den leblosen Körper reicht: Der Herr da ist tot. Und wo ist der Notarzt, der den Tod feststellt? Noch nicht eingetroffen? Eher unwahrscheinlich, da die Leitstelle sich nicht auf den Anrufer (Hier liegt ein Toter) verlässt, sondern automatisch den Notarzt alarmiert. Ich denke, hier sollte Arne mal nachbessern. / Rest: Ein toller Cliffhanger. Ein Berg von Fragen türmt sich auf, die ich alle beantwortet haben möchte. Ich würde das Buch ganz gewiss nicht an dieser Stelle beiseite legen.

Eingetragen am: 13.10.2008

Kommentar von Velarani

Super, Malea! Absolut glaubwürdig, und wieder dein tolles Tempo. Schon deine Sprache am Anfang entfaltet die leicht surrealistische Stimmung, in der sich Susanne anscheinend befindet. Das hohle Lachen wie ein toter Baum gefällt mir besonders gut, und der eindrückliche Anfang (fühlen - sehen - riechen - hören - sehen). Große Klasse! LG Velarani

Eingetragen am: 13.10.2008

Kommentar von Metta Maiwald

Ich sollte doch kritisieren, aber ich find nix... Dann schreib ich mal, was mir besonders gefällt und wo ich etwas unklar finde. Schon die ersten drei Zeilen haben es in sich - grinsen die Schmetterlinge eigentlch? Ich muss sie mir mal genauer ansehen. Wer mag dieser dicke, alte Mann sein, der das Blut "absondert"? Warum muss man eigentlich die Polizei rufen? Wenn Susanne das nur wüsste. Gerüche und Geräusche kriechen in meine Seele, Ungehagen breitet sich aus. Die ersten beiden Sätze des Kripobeamten würde ich umtauschen, also die Frage nach hinten stellen. Ist der Mann so tot, dass man es sofort sieht, also ohne Puls und Atmung zu kontrollieren? Der süffisante Unterton im Ich-Satz steckt mir etwas quer im Gehörgang. Der restliche Dialog ist klasse. Los, Susanne, nun erzähl mir endlich, was da passiert ist! Und was haben sie im Arbeitszimmer gefunden? Kommt Susanne in die Psychiatrie, obwohl sie doch "eigentlich" ganz normal ist? Ich PLATZE vor Neugier!!!

Eingetragen am: 13.10.2008

Kommentar von M.P.

Ja ja jaaaaa! Das hat Geschwindigkeit, liest sich wie aus einem Guss und geht sofort ins Blut. Eine Nebenwirkung bekannt, Sucht. Einzig; bitte nicht zwei verschiedene Sprecher mit der wörtlichen Rede auf eine Zeile setzen, das verwirrt unnötig. LG M.P.

Eingetragen am: 13.10.2008

Eingetragen am: 12.10.2008 von Benita
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19185

Der blaue Opel fuhr langsam von der Autobahn ab. Es regnete. Die Scheibenwischer bewegten sich monoton auf der Frontscheibe auf und ab. Henry lenkte das Auto sicher. Marianne, seine Frau saß auf dem Beifahrersitz. Sie schlief. Ihr Kopf war zur Seite gekippt und ihre langen braunen Haare hafteten wahllos an der Sitzlehne. Die Hände lagen auf ihren sichtlich dicken Bauch, als würden sie dem Baby darin Schutz geben.
Anne, die fünfjährige Tochter saß brav in ihrem Kindersitz. Mit einer kleinen Faust rieb sie sich die Augen. Längere Zeit hatte sie geschlafen. Mit Schulterblicken sah Henry seine Tochter an.
"Na Kleines, hast du ausgeschlafen?"
"Ja Papi. Sind wir bald zu Hause?"
"Oh ja, bald."
Draußen war es dunkel. Entgegenkommende Fahrzeuge blendeten Henry. Er hatte Schwierigkeiten bei den schlechten Sichtverhältnissen das Auto über den nassen Asphalt zu lenken. Das Scheinwerferlicht wurde regelrecht auf der dunklen Straße aufgesaugt.
henry kämpfte gegen die Müdigkeit. Er gähnte in kurzen Zeitabständen. Mit dem Zeigefinger rieb er seine Augen, verschob dabei seine Brille mit dem dicken schwarzen Gestell.
Nur noch wenige Kilometer dann hatte er es geschafft.
Anne hatte ihren kleinen Teddy auf dem Schoß und summte leise ein Kinderlied vor sich hin.
Marianne schlief noch fest.
Bald würde Henry sie wecken, denn das Ziel war dann erreicht.
Doch dann... Henry wurde von der Müdigkeit überwältigt, die er überzeugt war zu besiegen.
Die linke Hand rutschte vom Lenkrad, er schreckte auf.
Licht, Krach, Schmerz....

Schweigend stand die korpulente Frau mit dem graumelierten Haar vor dem Bett im Krankenhaus.
Ihre Augen waren rot. Tränen liefen ihr übers Gesicht.
"Oma!"
Anne richtete sich auf.
"Warum weinst du?"
Die Oma beugte sich und drückte das Gesicht des Mädchens fest in ihre Brust. Anne befreite sich. Sie hatte das Gefühl zu ersticken.
Die Frau begann zu schluchzen und wischte sich die Tränen mit einem völlig durchnäßten Taschentuch aus dem Gesicht.
Anne schaute auf ihren rechten Arm, den sie unter der Bettdecke hervor holte. Er war in einen Verband gehüllt.
"Tut nicht mehr weh."
Oma sagte nichts, sie weinte noch immer.
"Wo sind Mami und Papi?"
Schweigen.
Beide sahen sich an.
Weinend unterbrach Oma die Stille.
"Im HImmel."
Anne schüttelte den Kopf.
"Nein Oma...unser Auto ist kaputt, aber was sollen Mami und Papi im Himmel?"
"Ach meine Kleine."
Oma strich dem Mädchen die Haare aus der Stirn.
"Oma, sie kommen doch wieder? Wenn man im Himmel ist, muß man doch nicht tot sein?"
Anne schaute ihr Gegenüber an.
"Ich bekomme doch ein Brüderchen."
Wieder schwieg die Frau. Tränen trpften auf ihr schwarzes Kleid.
"Wer erzählt mir jetzt Gute-Nacht- Geschichten und kocht mir Schokoladenpudding? Kann ich aber mein Brüderchen haben?"


Kommentar von Gina K.

Trauriger Inhalt, traurige Form. Zu Beginn der Szene weiß der Leser schon, was kommen wird. Die letzten Sätze entsprechen kaum einer Fünfjährigen, die gerade einen Unfall überlebt hat.

Eingetragen am: 13.10.2008

Kommentar von Metta Maiwald

Noch ein paar Adjektive rausnehmen (sicher, wahllos, brav). Den Satz "Henry wurde von der Müdigkeit..." würde ich streichen. Er ist umständlich formuliert und überflüssig, weil der Leser aus der Handlung selbst erschließen kann, was passiert. Die Dialoge sind Dir gut gelungen. Ich werde richtig traurig beim Lesen.

Eingetragen am: 13.10.2008

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