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Kapitel 41 mit Übungsaufgabe
Leserbeiträge
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19183
In der aktuellen Geschichte, gibt es sowiel Ereignissen, dass ich mich für keines entscheiden konnte. Daher habe ich den Ursprung für den unvorstellbaren Unfall aus "Ein Fehler Gottes?" gewählt. Dieser "normale" Autounfall ist der Grund dafür, dass ein Hubschrauber auf einen Tankwagen fällt und eine Explosion auslöst, die ein Loch in die Spree reisst und den darunterliegenden U-Bahnschacht zu überschemmen droht.
In der Luisenstr. ging Melissa Armbruster in Richtung unter den Linden spazieren. Bei dem schönen Wetter hielt es ja niemanden im Haus. Sie wollte sich dort auf eine der vielen Bänke setzen und Skizzen von den Leuten anfertigen. Sie liebte es an solchen Tage in der Stadt Skizzen von Menschen in Bewegung anzufertigen. Es schulte die Geschicklichkeit. Man musste die Bewegung mit kurzen Strichen erfassen, bevor der Skizzierte schon wieder außer Sichtweite war. Sie mochte es aber mindesten genauso gerne, die Menschen zu porträtieren, die auf einer Bank Platz genommen hatten. Am Liebsten waren ihr die Alten.
Sie versuchte sich ein Bild von deren Leben zu machen. War es schwer gewesen, hatten sie Verluste erlitten, waren sie krank, hatten sie Kummer. Man konnte so viel aus den alten Gesichtern lesen. Manchmal wäre sie gerne zu ihnen hin gegangen, und hätte gefragt, ob sie mit ihren Vermutungen richtig lag. Aber den Mut hatte sie noch nicht aufgebracht. Nur zu dumm, dass sie vergessen hatte ihre Sonnenbrille aufzusetzen, Sie wollte doch lieber auf die andere Straßenseite gehen, da war Schatten.
Kaum hatte sie einen Schritt auf die Fahrbahn gesetzt, wurde sie von einem Wagen erfasst. Er fuhr mit überhöhter Geschwindigkeit und wollte einen anderen Wagen überholen. Sie spürte, wie sie auf der Motorhaube aufschlug und durch die Luft geschleudert wurde. Die Welt drehte sich. In der Luft fragte sie sich, warum sie den Wagen nicht gesehen hatte. Dann schlug sie mit einer Wucht auf dem Boden auf, dass sie meinte, alle Knochen wären gebrochen. Aber das konnte nicht sein, weil sie gar keine Schmerzen hatte. War Gott gnädig mit ihr? Schickte er ihr einen Schock, der sie die Schmerzen nicht fühlen ließ? Es konnte nicht sein, dass sie keine Schmerzen hatte. Sie konnte zwar nicht genau sagen, wie viel Meter sie geflogen war, aber so ein Sturz ging nicht ohne Brüche, Abschürfungen und blaue Flecken ab. Alle diese Dinge schmerzten. Warum also fühlte sie keinen Schmerz? Sie begann zu verstehen, wollte aber nichts davon wissen. Sie brauchte ihre Hände noch. Sie wollte eines Tages von ihrer Malerei leben. Also, bitte, lieber Gott, lass meine Wirbelsäule nicht gebrochen sein. Bitte, bitte. Konnte sie sich bewegen? Das Bein. Hatte es sich bewegt? Sie hatte den Befehl ausgesandt, konnte aber nicht sagen, ob es sich bewegt hatte. Sie spürte ihr Bein nicht. Den Arm. "Los bewege dich Arm." Auch den konnte sie nicht spüren. Sie kam sich vor, wie ein Käfer, der auf dem Rücken gelandet ist. Von überall her kamen Menschen auf sie zu.
"Hallo, junge Frau, wie geht es ihnen?" sprach sie ein netter alter Herr an.
"Ich spüre meine Arme und Beine nicht. Könnten sie bitte einen Arzt holen?" antwortete sie ihm.
"Der ist schon angefordert Kindchen, kann ich so lange was für sie tun? Soll ich ihre Hand halten?"
"Nicht die Hand, danke, die spüre ich nicht. Das Gesicht. Können Sie mich dort anfassen? Ich wüsste gerne, ob ich das noch merke." bat sie den freundlichen Mann.
"Aber natürlich, Kindchen." sagte er und streichelte ihr mit seiner runzeligen, trockenen, rauen Hand über die Wange.
"Danke..."sagte sie mit Tränen in den Augen. Dann verlor sie das Bewusstsein.
Hallo Angela, danke für Deinen Kommentar. Obwohl diese Geschichte schon einmal überarbeitet wurde, muss ich noch mindestens einmal mehr daran. Ich weiss. Noch sitzt sie irgendwie quer. Das Gerüst steht, aber ich denke, dass ich nach diesem Jahr soviel dazugelernt haben werde, dass ich aus dem guten Gerüst auch eine gute Geschichte machen kann. Bis bald.....ml
Das ist eine erstaunliche Geschichte - du beschreibst die Gedanken der Frau und auch den Unfall so nüchtern und leicht, das gefällt mir sehr gut. Nur ein Mal stört eine Wortwiederholung: anfertigen. Und einige Sätze hintereinander fangen mit "Sie" an. Aber ich möchte nicht kleinlich werden: das machen ja die Lektoren:-)
Hallo Malea, vielen Dank für Deinen Kommentar. Im aktuellen Text bin ich gerade dabei zu beschreiben, wie Emily von einem Perversen gefangen gehalten wird, und wie sie damit umgeht. (Natürlich will sie auch diesen Kerl töten.) Ich fand diese Situation nicht passend für die Aufgabe, bin aber mit allen Fasern in dieser Szene und wollte nicht an anderer Stelle weiterschreiben, damit ich das Feeling nicht verliere. So war es einfacher für mich. Bei der nächsten Aufgabe, widme ich mich wieder der aktuellen Geschichte. Bis dann .... ml
Hallo ml! Schade, dass du dich nicht für ein Ereignis aus der aktuellen Geschichte entscheiden konntest. Aber auch dieser Text ist absolut lesenswert. Gefällt mir. Liebe Grüße, Malea.
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19178
"Wer ist das Mädchen auf Vatis Schoß?" Zu gern hätte Elvira gewusst, ob das, was sie bei Tante Edith gehört hatte, wirklich stimmte.
"War dieses Mädchen wirklich ihre Halbschwester?" "Das ist Ilse, die Tochter von Vatis damaligem Vermieter" hatte sie von Mutti zur Antwort erhalten.
"Warum aber schaute Mutti dabei so eigenartig auf ihren Mann?" Irgend etwas stimmte nicht mit Ilse, aber Elvira wusste, dass weiteres Fragen zwecklos wäre.
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Als Elvira fast erwachsen war, bekam ihr Vater einen Brief mit dem Absender: Ilse Weishaupt.
"Wer ist das denn?" wollte Elvi wissen. Endlich rückte Alfred Schrader mit der Wahrheit raus.
"Da du ja nun schon groß bist, sollst Du erfahren, dass ich vor der Ehe mit Mutti schon einmal verheiratet war und dass Ilse meine große Tochter ist.
Durch die Wirren des Krieges wusste ich nicht, wo sie geblieben ist und nun hat sie mich gefunden."
"Also doch! Ich habe eine Stiefschwester!" Elvira schüttelte den Kopf. Sie war sehr traurig darüber, dass sie erst jetzt von Ilse erfuhr. Sie hätte
es toll gefunden neben ihren zwei Brüdern noch eine große Schwester zu haben.
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Es hatte Elvira keine Ruhe gelassen. So nach und nach erfuhr sie immer mehr von Ilse. Gern hätte sie ihre Halbschwester einmal besucht.
Doch leider, Ilse lebte mit ihrem Mann und den zwei Kindern in der Fünf-Kilometer-Zone im Eichsfeld.
Erst nach Jahren, als Alfred Schrader bereits verstorben war, wurden die Einreisebestimmungen in diese, in der DDR liegende, Zone etwas lockerer.
Sogleich beantragte Elvira für sich und ihren Mann die Einreise.
Genau wie an einer richtigen Grenze fand eine Kontrolle der Papiere und des Fahrzeuges statt.
Mit fünfundvierzig Jahren sah Elvira ihre elf Jahre ältere Schwester Ilse, das allererste Mal. Kein Wort kam zuerst über die Lippen der beiden Schwestern.
Elvira starrte Ilse sprachlos an, sie konnte ihre Blicke gar nicht mehr von diesem Gesicht lösen. Ilse war dem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten.
Dann erst fielen sich die Beiden in die Arme.
Hallo Margyt, sehr rührend deine Geschichte. Die Wirren des Krieges und die Teilung Deutschlands hat viele Familien entzweit. Sehr schön das Ilse und Elviera doch noch zueinander finden konnten.Gruß Benita
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19179
Prolog im Himmel
Das leichte Flugzeug des Royal Flying Doctor Service hebt ab, schwenkt in halbem Bogen über den ehemaligen Stützpunkt der US Navy und verläßt Exmouth mit Kurs nach Süden. Die untergehende Sonne taucht die Hügelkette des Nord-West-Kaps in das goldene Licht, das Anne so sehr liebt. Dass sie die „fliegenden Ärzte“ einmal selbst brauchen würde, hätte sie sich nicht träumen lassen. Als Zwölfjährige hatte sie keine Folge der Serie im Deutschen Fernsehen verpasst, sich heimlich in den Hauptdarsteller verliebt und mit ihrer Freundin die dramatischsten Episoden nachgespielt. Mehr als 30 Jahre später erinnert sie das australische Fernsehen daran: "Unterstützen Sie den R.F.D.S.! Denn Sie wissen nie, wann Sie ihn brauchen!"
Anne sieht das goldene Licht nicht und nicht die Ärztin, die an ihrem Körper hantiert. Sie ist ein Haufen Materie auf einem fliegenden Teppich. Ihre Knie zittern. Gott sei dank, null negativ, Universalspenderin. Anne war immer stolz auf ihre besondere Blutgruppe. Jetzt würgt sie der Geruch. Sie presst ihre Augenlider zusammen, um nicht ohnmächtig zu werden und spürt, wie ihr warmes Blut sie verlässt. Durch einen Plastikschlauch wird es in Alex' bewusstlosen Körper gepumpt wie in ein Fass ohne Boden. Eine tiefe Wunde in seinem Bauch spuckt das Blut wieder aus. Als wollte er nichts mehr von ihr annehmen. Ihre Gedanken hämmern: Es war ein Unfall. Es war ein Unfall. Es war ein Unfall. Sie will es sagen, aber ihr Hals ist wie zugeschnürt. Oder war es eine sich selbst erfüllende Prophezeiung? Bis dass der Tod euch scheidet? Mein Geliebter ist mir ins Messer gefallen! Wie oft muss man einen Gedanken formulieren, bis er sich materialisiert? Wie hat ihre Liebe diesen Weg nehmen können?
Vor einem Jahr war Alex wie aus heiterem Himmel in ihr Leben gefallen, und nun will der Himmel ihn wieder haben? Ist Alex ein schwarzer Engel in teuflischer Mission, das Schlechteste aus ihr herauszuholen? Haben der Teufel und der liebe Gott im Himmel gewettet, ob es möglich ist, aus einer liebenden Frau innerhalb eines Jahres eine Mörderin zu machen, sie zu befähigen, dem geliebten Mann ein Messer in den Bauch zu rammen? Sie tut es! Sie tut es nicht? Kauft Alex sich dafür seine Seele frei?
Anne wird kalt. Das Brummen des Flugzeugs dröhnt in ihrem Kopf. Roadkill, denkt sie, bevor sie wegdämmert, nicht nur Tiere fallen der Straße zum Opfer.
Noch knapp vier Stunden Flug. Eintausendvierhundert Kilometer entfernt im Krankenhaus von Perth erwarten Ärzte und die Polizei ihre Ankunft.
Ich schließe mich Angela Barotti und Malea an. Wenn Du es schaffst, das Level zu halten, wirst Du dafür garantiert ein Publikum finden.
Interessante Location, komplizierte und ungewöhnliche Lovestory mit Crime-Elementen, spannender Einstieg. Wenn du das durchhältst, wird es ein Pageturner.
Ins Messer gefallen? Wie sollte das gehen? Und wird die Wunde vor der Bluttransfusion nicht erst geschlossen? Lillilu, Null ist am häufigsten, aber negativ ist eher selten, aber auch nur für negative Empfänger von Bedeutung. Die Wette zwischen Teufel und Gott finde ich reizvoll. Was mag vorgefallen sein? Diese Frage betrifft auch mich als Leserin: Wozu wäre ich unter entsprechenden Umständen fähig? Das Böse steckt nicht nur im anderen.
Hallo Elsie Eye! An diese Serie kann ich mich auch noch erinnern. Das hat mein Interesse geweckt. Du schreibst flüssig und baust Spannung auf. Die Grenze zum Kitsch - bei dramatischen Themen sitzt der ja immer grinsend hinter der nächsten Ecke - ist zwar nahe (das goldene Licht...), aber für meinen Geschmack hältst du die Balance. Gefällt mir, bin gespannt, wie es weitergeht mit Anne und ihrem löchrigen Ehemann ;-) Liebe Grüße, Malea.
Whow, sehr spannend geschrieben! Bei der Erwähnung von Exmouth war ich leider gedanklich in Devon in GB und verstand den Zusammenhang mit Australien nicht. Aber das ist wohl eher mein Problem. Und bei der Blutgruppe verstehe ich etwas nicht. Sie ist mit Null negativ (das bin ich auch) Universalspenderin, wieso war sie dann ihr Leben lang stolz auf ihre Blutgruppe? Sie ist die weltweit am weitesten verbreitete Blutgruppe, stolz könnte man - wenn überhaupt! - höchstens auf AB sein, die haben nur 5% der Bevölkerung. LG Lillilu
Sehr coole Story. Da steckt Dynamit drin, bin beeindruckt! Die Mittelsequenz hat Sogwirkung, geht unter die Haut, wirkt authentisch. Guck mal ab "Haben der Teufel und der liebe Gott"... da wird die Liebe vielleicht ein bisschen zu überstrapaziert. Ansonsten großes Kino mit originellem Einstieg. LG Frog
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19177
Folgenschweres Ereignis: Vorverurteilung
Susanne findet ihre Mutter bewusstlos am Fuße der Kellertreppe. Neben ihr liegt ein umgefallener Topf, aus dem die Kartoffeln herausgerollt sind.
Sie vermutet sofort, das ihr alkoholkranker Vater die Mutter hinunter gestoßen hat und dies kein Unfall war, wie er behauptet.
Auch als die Mutter im Krankenhaus wieder bei Bewusstsein ist und behauptet, sie sei gestolpert glauben ihr das ihre beiden Kinder nicht, weil die Mutter schon zu oft diesbezüglich gelogen hat. Die Mutter möchte den Vater beschützen, versteht nicht, warum ihre Kinder ihr nicht glauben. Aber nun beginnt sie das erste Mal ernsthaft über die Familienhistorie und eine Trennung nachzudenken, wofür sie bisher zu kraftlos und zu ängstlich war.
Eine tolle Idee, da steckt eine Menge Sprengstoff drin! Das Bild mit der bewusstlosen Mutter auf der Kellertreppe zieht gleich in die Geschichte hinein und erzeugt Spannung! LG Antigone
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19173
Paul stand lässig an den Kamin gelehnt, eine Cigarrillo zwischen den Fingern. Sein Gesicht schaute wie immer selbstzufrieden in die Welt.
"Da, nun hast Du es schwarz auf weiss. Nichts wird Dir gehören, ausser dem Pflichtteil. Aber auch den versuche ich Dir streitig zu machen, da Du nicht die leibliche Tochter meiner Eltern bist.
Mutter hat gut getan, dass sie auf mich gehört hat, und Dich in ihrem letzten Testament enterbte."
"Ich bin aber auf das wenige Geld angewiesen. Von was soll ich sonst leben? Warum bist Du so gegen mich? Ich hab Dir doch nichts getan!"
Isabelle sass auf einem Stuhl, ihr Gesicht war leichenblass, sie nestelte aufgeregt mit ihren Fingern in den Haaren. Das tat sie immer wenn sie sich hilflos fühlte und,und das war sie in diesem Moment.
"Leben! Du hattest einen guten Job, Du hattest Serge, der Dir alles hätte bieten können, ein angenehmes und ruhiges Leben. Du aber hast alles weggeworfen, weil Du etwas Besseres sein wolltest. Immer musstest Du anders sein als alle anderen. Ein Buch willst Du schreiben! Das ich nicht lache. Musst halt selbst schauen wie Du Dich mit dieser brotlosen Kunst über Wasser hälst."
Paul drückte seine halbgerauchte Cigarrallo aus und schritt langsam zur Tür.
"Wolltest Du nicht den letzten Zug in Richtung Normandie nehmen? Dann ist es jetzt Zeit zu gehen. Sonst müsstest Du noch irgendwo in Bordeaux übernachten. Und das würde Dein Budget wohl sprengen. Und noch was: warum suchst Du nicht Deine leibliche Mutter? Vielleicht kann die Dich ja unterstützen!"
"Ich werde mich erkundigen,ob Du mich so einfach abservieren kannst. Ich lass dann von mir hören."
Schwerfällig erhob sie sich. Ihre Gedanken wirbelten durcheinander:
"ich werde ihn umbringen, ja, eines Tages werde ich das tun".
Hi Verena! Pauls Neid kommt hier gut rüber. Bei der Metapher über sein selbstzufriedenes Gesicht im ersten Absatz erinnerst du dich vielleicht an unsere Übungen. Es ist Paul, der da schaut und nicht sein Gesicht. Ein Gesicht kann nichts allein tun. Sonst sieht der Leser vor sich ein Gesicht wie die Grinsekatze aus Alice im Wunderland in der Luft hängen. LG Lillilu
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19161
Zeit scheint relativ zu sein, wenn man auf Ibiza lebt. Tranquilo! Nichts drängt, alles kann warten.
Ich wartete mal wieder auf Godo und auf meinen Cortado. Ich sah, wie Giovanni, der italienische Bar-Pächter, hinter dem Tresen seine deutsche Freundin abküsste. Sie war gerade erst gekommen, um den Rest der Saison die kleine Bar gemeinsam mit ihm zu betreiben.
Neid!
Es war inzwischen nach zehn und nicht mal die Musik, die entspannt aus den Boxen plätscherte, konnte mich auflockern. Ich wusste zwar, dass es später werden würde, aber zwei Stunden? Godo ging natürlich nicht ans Handy.
Am Nachmittag hatte er mir noch eine SMS geschickt: „Wird etwas später als Acht. Roger ist gekommen.“ Roger war ein Typ aus Hamburg, den Godo mal am Strand kennen gelernt hatte. Ich mochte Roger nicht. Er heißt eigentlich Ralf, ein pummeliger Enddreißiger, den ich insgeheim Babyface nannte. Roger war in erster Linie Sohn reicher Eltern, stellte ständig Fragen, die aus „Frag‘ doch mal die Maus“ hätte stammen können, lachte wie eine Hyäne und rauchte alles was brennt.
Aber Godo fand Roger supernett. Er fühlte sich „mit ihm verbunden“.
Bloß weil er vor zwei Jahren dabei gewesen war, als Godo Chica als Welpe am Strand fand. Und damals die fünf schlauen Worte sagte: „Dieser Hund gehört zu Dir“.
Jetzt war Roger also wieder auf der Insel. Ich sah sie da sitzen und dummes Zeug reden und gleich würde ich mir ihre Story zum hundertsten Mal anhören müssen.
Ina fiel mir ein. Ich hatte mich bei unserem letzten Telefonat darüber beklagt, dass Godo ständig alte Geschichten aufwärmt und auch nicht damit aufhört, wenn ich ihn darauf aufmerksam mache. Daraufhin stellte sie mir eine Frage, die mir jetzt schlagartig nicht mehr abwegig vorkam.
„Kann es sein, dass Godo ein Alkoholproblem hat?“
In Hamburg orte ich Alkoholiker mit einem Blick. Aber der Blick war mir abhanden gekommen auf der Partyinsel, wo Alkohol noch die harmloseste Droge ist.
Mir wurde plötzlich kalt. Und dann sah ich ihn durch den Torbogen kommen. Ich sprang auf. Er wankte auf mich zu. Roger stolperte hinter ihm her, mit gesenktem Blick.
„Was ist passiert?“ rief ich.
„Chica!“ wimmerte er und fiel mir in die Arme. „Sie haben Chica angefahren! Ihr Bein! Alles voller Blut. Dieses Schwein hat Chica angefahren!“
Hinter ihm hörte ich Roger stammeln.
„Sie ist rumgerannt. Wie immer. Wir haben da gehockt und schön was getrunken und sie ist rumgerannt. Hinter einem Karnickel her oder was weiß ich.“
„Und was ist dann passiert? Wo ist Chica!“
„Ich habe nicht aufgepasst! Ich hätte aufpassen müssen! Der Tierarzt hat gesagt, er weiß nicht, ob sie die Nacht überlebt! Ich hätte aufpassen müssen! Mein Hund. Mein Mausebär!“
Godo schluchzte in meinem Armen und ich legte meinen Hand schützend in seinen Nacken und streichelte ihn. Er war schweißgebadet. Ich roch seine Fahne. Das gewohnte Gemisch aus Knoblauch und Wein. Ich hielt ein zitterndes Häuflein Elend in den Armen und wusste nicht, was ich sagen sollte.
„Sie schafft das, Godo. Chica stammt von der Insel. Sie ist zäh, sie schafft das!“
Er schüttelte den Kopf und meinte: „Kannst Du uns bitte zum Tierarzt fahren. Ich kann sie doch nicht alleine lassen. Bitte, Linn!“
Ich nickte und spürte, wie der Autoschlüssel in meine Hand glitt.
„Alles gut, Godo!“ sagte ich. „Ich bin da!“
Aber innerlich sprach ich ihn schuldig. Und Roger auch! Sie hatten gesoffen, statt auf den Hund aufzupassen.
Chica erholte sich schnell. Sie hinkt seit dem Unfall, aber das scheint ihr nichts auszumachen. Godo wohl auch nicht. Als Chica wieder laufen konnte, feierte er eine Party. Mit Roger. Er schickte mir eine lustige SMS nach Hamburg. Die einzige SMS von Godo, die ich ohne nachzudenken wieder gelöscht habe.
Hallo Frog, da ist er nicht der einzige, der in der Kneipe sitzt, während sein Hund durch die Gegend stromert. Arme Chica. Arme Linn. Was sie durchmacht, ist oft schmerzhafter, als ein gebrochener Daumen. Viele liebe Grüße und gute Besserung Carola
Ich glaube noch immer an Godo.Er wird aus seinem Tief herausfindenL.G. Gerhild
"Aber innerlich sprach ich ihn schuldig." Jetzt wird es richtig spannend! Mal sehen, wie es weitergeht....
Wie kann Linn wissen, dass es Chica nichts ausmacht, wenn sie in Hamburg ist? Godo wird doch den Zeitpunkt für die Party "als Chica wieder laufen konnte" nicht verpasst haben. Meine Frage betrifft nur den letzten Absatz. Die Geschichte gefällt mir, ich amüsiere mich immer wieder über die Linnische Verliebtheit in den unveränderbaren Godoisten.
Das ist nicht das erste Mal, dass ich mich frage, was Linn an diesem Godo findet! Aber ich guck ja nicht mir ihren Augen. Oder ist es Ibizasonne, die ihre Wahrnehmung verblendet? Wieder ein sehr lebhafter, amüsanter Einblick in diese Beziehung.
Hi frog, weißt du was mich neben dem was schon gesagt wurde am meisten interessiet: Linn und Godo sind wie Quecksilber nicht wirklich fassbar, veränderlich, keine festumrissenen Charaktere. Ich werde mir die früheren Beiträge nochmal herholen, um nachzulesen, was du denen alles an Wesensspielarten verpasst. Schade wirklich schade, dass du nicht in F bist und das Beste für deine Gesundheit!!L.G.papaya
Ja, ich werde in Frankfurt dabei sein. Du etwa nicht? Tue mir das nicht an. Ich rechne fest mit dir. Irgendwelche Ausreden, weil die Haare nicht sitzen oder das Weißweinbäuchlein kneift, lasse ich nicht gelten. Ich lasse sonst meinen Frust über dein Nichterscheinen an deinen November-Texten aus. ;-)
Sorry, aber das mit der heiteren Urlaubsgeschichte wird nix. Das Heitere liegt der Autorin zwar, aber das wäre ihr auf Dauer dann doch zu langweilig. Aber es wird gut enden, trotz alledem, auch wenn Linn nicht der ALANON-Typ ist. Ihr Cortex ist außerdem noch gut in Schuss, nur Godo leidet an einer präfrontalen Läsion:-). Ginko hat die (langsame) emotionale Entwicklung der Prota interessanterweise mit auf die Spur gebracht. Sie hatte sich verrannt, gut erkannt. LG Frog
Ich sehe schon, ich muss mich vom Happyend verabschieden. Godo hat ausgedient. Ina hat zu viele Zweifel in Linns Hirn gepflanzt. / Mir gefallen die Zeitenwechsel nicht. Ich würde konsequent in der Vergangenheit bleiben, auch bei den Dingen, die heute noch Gültigkeit haben (besser: Er hieß Ralf, anstatt: Er heißt Ralf. Und so weiter)
Wie kommst Du dazu, meine Lieblingsfernsehserie zu verunglimpfen, he??? Was meinst Du, wo ich meine ganze Allgemeinbildung her habe? NICHTS gegen die Maus, bitte! Nimm doch lieber Dr. Sommer... ;o) Da könnte ich Linns Antipathie noch besser verstehen. So, jetzt hast Du Linn endlich einen Grund gegeben, Godo vor die Tür zu setzen. Aber wie geht es weiter? Mit dem neuen Lover aus Transsilvanien? Hört es mit Godo auf, bevor es richtig begann? Oder gehört die Szene ins letzte Kapitel des Romans?
Liebe Frog! Und das ist also der unter Schmerzmitteldröhnung hingerotzte Text! Hut ab! Mir gefällt, wie du Linns zunehmende Unzufriedenheit mit Godo in die Alltagskleinigkeiten kanalisierst. Wie immer unzuverlässig, der falsche Freund, kein Rückgrat in einer Notsituation und der Kardinalfehler: Vernachlässigung eines Schutzbefohlenen. Endlich beginnt Linn klar zu sehen, aber hoffentlich reicht das, um von ihm loszukommen. Deine Geschichte entwickelt sich prächtig. Gerade diese Hängepartie spricht den Leser direkt in den Eingeweiden an, Ginko hat das sehr schön beschrieben. Bleib dran, das wird was richtig Gutes! Liebe Grüße, Malea.
Scheint in einem Rutsch geschrieben, liest sich sehr flüssig. Zwei Erkenntnisse leiten den Abschied von Godo ein: Alkoholismus und eine Hundeverletzung. Das spricht mich an, so hätte ich auch reagiert! Geht Linn nun zu ALANON? LG Lillilu
Hallo Frog, du schilderst das dramatische Ereignis im Nachhinein, die Folgen, den Bruch in der Beziehung, erleben wir hautnah mit - geschickt gemacht! Aber was passiert da mit Godo und Linn? Ich dachte bisher immer, das gibt eine heitere Liebesgeschichte, jetzt scheint es, als ob Linn sich in eine unglückliche Geschichte verrannt hat und einem Mann hinterherrennt, der keine Verantwortung übernehmen kann. Ein trauriger Text. LG Velarani
Bei Godo-Texten geschieht mir seltsames: Ich rege mich auf. So, als säße ich am Nebentisch und wäre unfreiwilliger Augen- und Ohrenzeuge. Und diese Linn! Einfach nicht ranzukommen, weil ihr Stammhirn nur aus Godo besteht. Neid! Diese eine Wort steht für überflüssige Erläuterungen, was sollte auch sonst noch gesagt werden! Schlaglicht auf Roger : Mit einem präzisen Knüppelsatz ist seine Existenz deutlich umrissen. Bei Linn funktioniert immerhin noch ein Rudiment von Cortex, denn sie spricht Godo und Roger schuldig.
Alles, was Du über Linn und Godo schreibst, gefällt mir. Dazu Deine Sprache und - wie immer - Spannung. Dein Beitrag zu dieser Aufgabe ist Dir gelungen! Liebe Grüße.
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19159
Ulla hat es von Anfang an befürchtet, was die Heilpraktikerin nun herausgefunden hat: Lisa hat es mitbekommen. Obwohl sie noch nicht einmal geboren war. "Ich werde mein Enkelkind niemals kennenlernen", hatte ihr Vater, Hermann jun., in der Psychiatrie geäußert. Aber dass ausgerechnet Ulla ihn finden musste!
Er ist seinem Bruder gefolgt, da ist Ulla sicher. "Jetzt bin nur noch ich da", hatte er gesagt, und dabei unendlich traurig ausgesehen. Das Stroh in dem kleinen Schafstall, in dem sie Arnulf gefunden hatten, war rot.
"Zum Glück vergessen Kinder schnell." Wenn Walter doch nur Recht gehabt hätte, als er aus Brasilien seinem Bruder Hermann sen. diesen Brief schrieb. Aber obwohl er damals erst vier Jahre alt war, vergaß Arnulf niemals, wie er an der Hand seines Vaters die Mutter auf dem Küchenboden fand. Der kleine Hermann war gerade eingschult und in seinem Zeugnis stand: "Er ist still geworden."
Bis zu diesem Wendepunkt kann Ulla vordringen, doch was hat ihrer Oma Elisabeth den Lebensmut genommen? Hat es mit ihrer toten Schwester zu tun, die an Omas erstem Geburtstag beerdigt wurde, und von der nie jemand gesprochen hatte? Oder mit diesem Brief, den Ulla gefunden hatte? War ihr Großvater überhaupt ihr Großvater? Oder Onkel Robert, einst begeisterter Hitlerjunge und später in Russland vermisst? Familienschande! Wenn Ulla daran dachte, wie ihr Großvater reagiert hatte, als sie das erste Mal Arne zu Besuch gehabt hatte... Sie konnte sich vorstellen, wie es ihrer Oma ergangen war.
Und was hat das mit ihr zu tun? Wie war ihr Großvater wirklich? Liebt sie nur ein schönes Bild von ihm? Ist er es, der die ganze Familie ins Verderben gestürzt hat? Lebt Ulla unbewusst noch immer nach seinen Ansprüchen? Ist Arne etwa ihrem Großvater ähnlich, obwohl sich die beiden nicht ausstehen konnten? Wie wird sich ihr eigenes Leben ändern, wenn sie die Geheimnisse ihrer Famlie endlich gelüftet hat?
Hallo Metta, das verstehe ich als die Quintessenz Deines Romans. Sehr spannend. Viele liebe Grüße Carola
Fagen, Fragen und Fragen. Weniger wäre da mehr, liebe Metta. LG Wolf
Hallo Metta! Sehe es ähnlich wie Frog. Für mich ist der Text ein eher journalistisch aufbereiteter Fragenkatalog, dem es an Wärme und Tiefe fehlt. Zeigen, nicht fragen!! Bin aber sicher, Du kriegst das noch richtig gut hin! LG Antigone
Etwas überrascht mich an Ulla. Sie fragt und recherchiert so viel und macht sich viele Gedanken, warum es zu den Selbstmorden kam. Es wundert mich, weil ich bei all Deinen Einträgen immer das Gefühl hatte, über Ulla würde so eine Art Damoklesschwert hängen; schließlich ist sie Teil der Familie und damit im Grunde doch irgendwie selbst gefährdet. Würde nicht jeder in so einer Familie versuchen, nicht zu viel dran zu denken, es zu verdrängen, weil doch irgendwie jeder das Traurige, Resignierte, Hoffnungslose spürt, vielleicht selbst in sich hat? Ulla bleibt so irgendwie draußen vor. Oder aber: Ist das Absicht? Wenn es Absicht ist, als ein Stück "schon-loseisen" von diesem Familienschicksal, dann ist Ulla eine total mutige, eigenständige Person ... die es so auch schaffen kann, diesem Selbstmordkarussell zu entkommen. Ist es Absicht? LG scacha (Ich hatte es heute morgen schon mal geschickter formuliert, aber dann war der Eintrag weg ... zweiter versuch)
Ja, Frog, Du hast es genau richtig erkannt. Angela, mag sein, dass die Vielzahl der Protagonisten in diesem kurzen Abschnitt verwirrt, im Roman muss es so sein aus früher genannten Gründen. Noch mal etwas strukturierter: Suizid zieht sich durch die Familiengeschichte. Erst Ullas Oma, später die beiden Söhne, also Ullas Onkel und Vater, weil sie den Tod der Mutter nicht verkraftet haben und dem strengen Vater mehr ausgeliefert waren, als zuvor. Nun wären Ulla und Lisa an der Reihe.
Juhu, Polarisation! Liebe Metta, wie sag ich‘s meinem Kinde? Dein Text ist sehr dicht, wie aus einem Guss. Aber mich stört etwas daran. Ulla erfährt, dass ihre kleine Tochter schon im Unterleib etwas von dem Familiendrama mitbekommen hat. Das ist doch sicher der Auslöser für Ullas Fragen, mit denen sie mich als Leserin daraufhin so zuschüttet, dass ich einen Kompass benötige. Ich fände es schöner, sie würde diese traurige Information zum Anlass nehmen, in ihre eigenen Gefühle zu gehen, die Fragen über die Empathie zu ihrem Kind abzuspulen (das sogleich wieder aus dem Kontext verschwindet) – und vielleicht nicht ganz so viele auf einmal stellen. Mir fehlt hier eine Gefühlsebene, ist mir zu sachlich. Auf mich wirkt der Text eher wie ein Fragenkatalog, den die Autorin benötigt, um ihren Plot bzw. ihre Geschichte zu ordnen. So erschlägt mich das Drama. Womöglich täusche ich mich aufgrund des Dopings, aber ich hoffe, Du verstehst, wie (gut) ich das meine und sage deshalb: LG Frog P.S. "Frag' doch mal die Maus" ist nicht "Die Sendung mit der Maus" und ob das gegen Ende der Story ist?????????Nein! Noch nicht. Bin ja auch noch nicht auf Vollpeilung:-)
Das knistert Metta. Da sind so viele Fragen, die auf Antworten warten, so viele Eventualitäten und Verdrängung. Spannend! LG M.P.
Die geballte Ladung an Protas ist mir zuviel. Aber die Essenz, dass Ulla den Einfluss der Vorfahren auf ihr eigenes Leben analysieren möchte, bleibt bei mir haften.
Da werde ich ja ganz rot, Ginko. Gereift ist der Text nur im Kopf - ich habe ihn nachts unbearbeitet in zwanzig Minuten in die Tasten gehauen. Ein fertiges Druckwerk gibt es leider noch lange nicht, aber einzelne Briefe und Dokumente. Ich weiß schon lange, welche Szenen wichtig sind und welche Schlüsselsätze es gibt. Aber wie es weiter geht, darum kreisen alle meine Fragen der vergangenen Wochen, die hier zum ersten Mal den Weg nach draußen gefunden haben. Wenn ich es nur wüsste...
Liebe Metta! So, jetzt sind wir am Kern der Sache. Du nimmst uns mit in die Gedankenspirale in Ullas Kopf. Am Anfang sind es noch Erinnerungsbilder (Klasse, das Stroh!), erinnerte Sätze. Dann kondensiert es zu einem Wirbel von Fragen, der sich immer schneller dreht. Der letzte Absatz ist beinahe schmerzhaft, Ulla springt von Gedanke zu Gedanke und zerrt an den Mosaiksteinen. Sehr spannend! Liebe Grüße, Malea.
Dieser Text ist so gut abgehangen und zubereitet, dass er einem fertigen Druckwerk entnommen scheint. Oder ?
Liebe Metta, das ist ja Spannung - gruselige Spannung - pur, die Du uns da auftischst. Ich würde gern weiterlesen, aber wenn ich etwas Geduld habe, werde ich das sicherlich irgend wann können. Der Text ist Dir sehr gelungen. Liebe Grüße.
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19147
Das ist ein Ausschnitt aus dem Meeres-Fantasy-Roman für Jugendliche, den ich in Kapitel 17 vorgestellt habe:
„Wie hast du eigentlich die Haie so gegen dich aufgebracht“, fragte Lucy-Fer.
„Keine Ahnung, sie wollten mich einfach fressen ohne jeden Grund.“
„So ein Quatsch! Haie verputzen keine Menschen, die schmecken nämlich nicht.“
„Was?“ Bastian klang beleidigt. „Woher willst du das wissen? Und natürlich fressen sie Menschen, das weiß doch jeder! Wenn die Blut riechen, werden sie zu Monstern. Man muss sich nur ihre Zähne angucken. Wer was anderes behauptet, ist dumm. Du hast keine Ahnung!“
„Aber du! Du lebst ja mit ihnen zusammen. Dein Ton ist für einen, der gerade nicht ertrunken ist, schon wieder ganz schön forsch. Dabei hast du keinen Dunst, du bist bloß ein Angeber!“
Bastian lief rot an. Angeber sagte Annika auch oft zu ihm. Er ballte seine freie Hand zur Faust. „Und du weißt das alles besser, ja?“
„Nun, ich verstehe die Sprache der Haie. Sie ernähren sich hauptsächlich von Aas. Außerdem, wenn ihr den Haien wirklich munden würdet, wären eure Strände leer oder blutüberströmt. Es gibt nämlich Haie, die in Schwärmen auftreten und dann hätten sie die Badegäste schnell weggeputzt. Klar, oder?“
Bastian blickte auf den Meeresgrund.
„Wenn es die Haie nicht gäbe“, fuhr Lucy-Fer fort, „was glaubst du, wie unsere Meere dann aussähen?“
„Das mag ja sein, aber ...“
„Kein aber! Die Meere würden umkippen, kaputtgehen, sterben. Und weiß du warum? Du wirst es nicht glauben, aber viele Haie sind reine Planktonfresser wie der größte Hai überhaupt, der Walhai. Er ist wunderschön, ein sanfter Riese. Du kannst dich ohne Weiteres an seine Rückenflosse hängen und mitziehen lassen. Hast du mal einen gesehen?“
Bastian schüttelte den Kopf.
„Das solltest du unbedingt nachholen! Was denkst du, wie sich viele Kleinstlebewesen vermehren würden, wenn ihre natürlichen Feinde plötzlich weg wären. Aber hallo! Die Haie sind dringend notwendig für das Gleichgewicht. Was lernt ihr eigentlich bei euch in der Schule? Nichts anscheinend. Nicht einmal wichtige Fremdsprachen, haisch sollte eigentlich überall auf dem Stundenplan stehen.“
Bastian schwieg und zog einen Schmollmund.
Lucy-Fer zuckte mit den Schultern und plapperte weiter: „Ganz selten wird mal ein Surfer verspeist, wahrscheinlich weil der Hai ihn von unten für eine Robbe hält. Auch ein Hai kann sich mal irren! Sieh mal, die Haie sind dort am liebsten, wo die Wellen brechen, wegen der Luftblasen, die dienen ihnen zur Tarnung und dort gibt es auch die meisten Surfer.“
„So einen Quatsch habe ich noch nie gehört, Surfer und Robben, wer kann die denn verwechseln? Da muss man schon blind sein.“
„Wieso? Haie sind fast blind und für sie gibt es keine Brillen. Hast du das nicht gewusst? Aber gut, ich habe keinen von ihnen gefragt. Eigentlich geben die Haie selbst nicht viel auf ihre Seekraft, sie orientieren sich übers Gehör und in der Sprache ähneln sich Robben und Surfer eher nicht. Das Menschenfressen könnte also tatsächlich andere Gründe haben. Da Haie schlecht sehen, schwimmen sie nahe an Menschen heran, um sie kennen zu lernen. Sie stupsen sie dabei an. Es ist nicht empfehlenswert zurück zu stupsen.“
„Das glaube ich gerne. Aber wer ist schon so blöd?“ Bastian verzog das Gesicht.
Lucy-Fer fuhr fort: „Es werden übrigens mehr Menschen von ihren Schoßhunden gebissen als von Haien. Und warum? Weil Menschen ihre Hunde mitunter falsch behandeln. Sie ziehen sie am Schwanz, stören sie beim Fressen oder erwischen den Hund unglücklich, wenn er gerade mal schlechte Laune hat. Vieles liegt schlicht und ergreifend an Sprach- und Verständigungsproblemen. Mit Haien ist das nicht anders. Man sollte sie nicht einfach am Schwanz fassen oder an den Flossen. Es ist nie gut, einen Hai zu ärgern. Es kommt natürlich auch vor, dass der Hai einfach ausgehungert ist und nicht mehr auf den Geschmack achtet. Menschen haben in Notsituationen schon Artgenossen getötet und gefressen.“
„Jetzt spinnst du aber wirklich!“
„Nein, das lässt sich alles nachlesen und zwar in Büchern, die von Menschen geschrieben worden sind. Wenn du wieder unter deinesgleichen lebst, kannst du das überprüfen.“
Bastian fühlte sich nicht wohl in seiner Haut, gerne hätte er das Thema gewechselt.
Aber Lucy-Fer hatte sich hineinverbissen und hörte nicht auf zu reden: „Die Chance den Jackpot zu knacken ist um ein Mehrfaches größer, als vom Hai verputzt zu werden. Hast du schon mal den Jackpot geknackt?“
„Ich spiele gar nicht Lotto.“
„Pro Jahr sterben viermal so viele Menschen an Schweinebissen als an welchen von Haien. Wusstest du das?“
„Nein, aber ...“
„Und überhaupt, Haie werden völlig sinnlos abgeschlachtet. Weil manche Menschen zu wenig lieben, müssen zahlreiche Haie sterben ...“
„Woher weißt du das alles?“
Lucy-Fer setzte ihr Oberlehrerinnengesicht auf. „Was denkst du denn, was wir in Menschenkunde lernen? Filme wie 'Der weiße Hai' sind völliger Schwachsinn. Dabei könnte ich die Haien gut verstehen, wenn sie Menschen jagen würden. Es ist nämlich so: Für Haifischflossen wird viel Geld gezahlt. Aus den Schwanzflossen werden Liebesmittel gewonnen. Was auch immer das sein soll! Außerdem ist in manchen Ländern Heifischflossensuppe sehr beliebt, auch wenn sie kaum nach Hai schmeckt bei den ganzen Gewürzen. Die Flossen werden den Haien bei lebendigem Leibe abgeschnitten und die Tiere wieder ins Wasser geworfen, wo sie elendig zu Grunde gehen. Finning nennt sich das, wohl weil es netter klinkt als kaltblütiger Meuchelmord. Die Haie ertrinken, das glaubst du nicht, aber so ist es.“
„Wie das?“, wagte Bastian eine Zwischenfrage.
Lucy-Fer warf ihm einen missmutigen Blick zu und dozierte: „Da sich die Haie ohne Schwanz kaum fortbewegen können, wechselt das Wasser in ihrer Nähe nicht und sie bekommen nicht genügend Sauerstoff. Außerdem, stell dir vor: Dir schneidet jemand ohne Betäubung die Beine ab und lässt dich einfach liegen.“
„Ich weiß“, Bastian stöhnte, „darum ...“
„Es ist wahrscheinlicher von einer Kokosnuss erschlagen zu werden als durch einen Hai und die Kokospalmen werden deshalb auch nicht gleich gefällt. Überhaupt, im Jahr werden etwa zehn Menschen von Haien getötet, teilweise durchaus zu Recht und 200 Millionen Haie sterben durch Menschen. Ist das gerecht?“
Bastian gab auf. Lucy-Fer ließ ihn bei diesem Thema sowieso nicht zu Wort kommen. Das konnte ja noch was werden und er durfte sie nicht einmal loslassen. „Muss ich jetzt ewig händchenhaltend mit dir hier unten langspazieren?“, murrte er.
„Gefällt es dir etwa nicht?“ Lucy-Fer grinste.
„Nun ja.“ Er krümmte seine Mundwinkel noch stärker nach unten.
„Wärst du lieber ertrunken?“
„Das nicht.“
„Was hältst du von einem Danke?“
„Danke.“
„Der Tonfall lässt etwas zu wünschen übrig, der Gesichtsausdruck auch.“
„Mm. Okay. Vielen Dank!“ Bastian senkte die Lippen zu einem Handkuss, bemerkte Schwimmhäute zwischen den Fingern und drückte seinen Mund kräftig drauf.
„Igitt! Hat dir denn niemand beigebracht, dass man die Hand einer Maid nicht abschlabbert, sondern die Lippen nur zu ihr hinführt?“ Lucy-Fer riss ihre Hand weg.
In dem Moment schluckte Bastian Wasser. Er wollte schreien und schluckte noch mehr Meerwasser. War das salzig! Hilflos paddelte er mit den Armen Richtung Meeresspiegel. Das Meermädchen war nicht mehr zu sehen.
Die Intention finde ich gut, aber der Dialog liest sich wie eine wissenschaftliche Abhandlung. Das ermüdet. LG Metta
Hallo Sabine! An sich eine gute Idee, ein Sachthema in einer Geschichte unterzubringen. Fantasy ist auch immer gut, Meermädchen äußerst beliebt. Aber: Show, don`t tell! Du vermittelst fast nur Infos, praktisch ohne Handlung, das liest kein Jugendlicher, zu wenig spannend. Lass doch das Meermädchen mit dem Jungen etwas von dem Erzählten erleben. Lernen durch Erfahrung, nicht Frontalunterricht. Liebe Grüße, Malea.
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19145
Magda ist mit den Nerven am Ende. Leon ist fort. Wie war er…?
„Oh mein Gott! Ich habe die Tür vorhin nicht geschlossen.“
Sie schlägt entsetzt die Hände vors Gesicht. Haltlos fängt sie an zu schluchzen. Ihr ganzer Körper bebt.
Sie steht in der Eingangstür und starrt in die Dunkelheit.
„Leon!“
Nichts rührt sich. Tränen laufen über ihr Gesicht. Er ist fort.
„Leon!“
Ein letzter, verzweifelter Versuch.
„Leon, bitte komm wieder heim. Es ist gut - es wird gut. Es ist doch jetzt zu Ende“
Sie flüstert es, denn eigentlich kann sie es selbst noch nicht fassen. Es ist zu Ende! Ist es das wirklich?
„Mutter, komm rein!“
Ernst steht neben ihr. Er hat den Arm um sie gelegt und starrt ebenso wie sie hinaus in Dunkelheit.
„Vielleicht finden wir ihn morgen.“
Magda hebt den Kopf. Ernst ist auch schon so ein großer Junge.
„Es tut mir so leid!“
Ihre Jungs hatten so viel Schlechtes erfahren müssen. Dabei hatte sie doch nur gewollt, dass sie glücklich werden. Es ist alles ihre Schuld. Warum hatte sie es nicht schon vorher getan?
„Du musst dich nicht entschuldigen.“
Seine Stimme ist schon sehr tief.
„Du kannst nichts dafür. Er hat es verdient.“
Hallo Karin, hallo Metta! Danke für "eindringlich" und "spannend". So wollte ich diesen Part haben und wußte doch nicht, ob es funktioniert. Dieser Dialog ist ein winziger Teil einer "etwas" größeren Geschichte. SIE hat IHN umgebracht, um ihre Kinder (Teenager) zu schützen. Danke und lg
Spannend. Aber was hat den Konflikt ausgelöst? Wie alt ist Leon? Warum hatte sie WAS nicht vorher getan?
Eindringlicher Text, knapp und gut geschrieben. Es grüßt Dich Karin
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19144
Britta setzte sich auf meinen Schoß und umarmte mich. Dicht an dicht waren unsere Gesichter und ich konnte ihren Alkoholatem riechen. „Du wirst Vater“, sagte sie.
In meinem Schädel explodierten ihre Worte und regneten als glühende Teilchen herab.
Mein Gewissen höhnte: Das ist die gerechte Strafe für deinen Seitensprung.
Mein Ego stöhnte: Bald ist es mit dem tollen Sex vorbei.
Und ich, was empfand ich? Ich glaubte unter der Last der Verantwortung und der zu erwartenden Probleme zusammen zu brechen. Ein Seitensprung ließ sich vielleicht verheimlichen, ein Kind jedoch nicht. Ich würde Alimente zahlen müssen und es wäre mir unmöglich, diese regelmäßigen Ausgaben vor Gerda zu verheimlichen, da sie sich um die finanziellen Dinge in unserer Ehe kümmerte. Oh, Gott! Wie würde Gerda meinen Ehebruch aufnehmen? Ich musste es ihr beichten. Es führte kein Weg dran vorbei. Früher oder später würde sie es sowieso erfahren. Verdammt! Sie würde sich von mir trennen. Britta würde mit dem Kind zu mir ziehen. Alle Freunde und Verwandte würden sich von mir abwenden. Wollte ich das wirklich?
Zögernd fragte ich Britta: „Es ist doch sicher noch ganz früh, nicht wahr? Du musst dieses Kind nicht bekommen. Falls du Geld brauchst, gebe ich es dir und ich wäre auch bereit, dich in die Klinik zur Abtreibung zu begleiten.“
Sie rutschte von meinem Schoß, stellte sich vor mir auf, mit in den Hüften gestemmten Händen. „Sag sofort, dass das nicht dein Ernst ist. Wie kommst du darauf, dass ich dieses Kind nicht will? Meine biologische Uhr tickt. Ich bin zu alt, um mir diese Chance auf ein Baby entgehen zu lassen.“ Sie machte eine Pause, setzte dann sanfter hinzu: „Ich verstehe dich nicht Bert. Du selbst hast dir immer sehnsüchtig Nachwuchs gewünscht. Jetzt bietet dir das Schicksal diese einmalige Chance – und du willst sie ausschlagen. Warum nur?“
„Warum?“, sagte ich erregt und stand ebenfalls auf. Doch ich blieb nicht vor ihr stehen, sondern lief im Zimmer auf und ab. „Du fragst nach dem Warum? Weil dieses Kind mein ganzes Leben durcheinander bringt. Nichts wird mehr so sein wie es einmal war. Übrig bleibt ein Scherbenhaufen.“
„Nur dein altes Leben liegt in Scherben. Aber das Schicksal hält ein weiteres Leben für dich bereit. Du kannst noch einmal ganz von vorne anfangen und bekommst alle Dinge, die du in deinem ersten Leben vermisst hast. Viele Menschen wünschen sich solch eine zweite Chance. Die Götter lieben dich, Bert.“
Ich war mir da nicht so sicher. Und selbst wenn Britta Recht hatte, es würde gleichzeitig bedeuten, dass die Götter Gerda hassten. Ihr zweites Leben wäre nicht mit Dingen angereichert, die sie im ersten Leben vermisst hatte.
„Die Nachbarn werden sich das Maul zerreißen.“
„Du kannst wegziehen.“
„Und was mache ich mit meinen Verwandten? Meine Eltern leben beide noch. Bei der Nachricht, dass sie Großeltern werden, wird sie der Schlag treffen.“
„Vielleicht freuen sie sich sogar darüber - insgeheim natürlich nur – und verzeihen dir deshalb deinen Seitensprung.“
Ich lachte verächtlich auf. „Du kennst meine Eltern nicht. Sie sind streng katholisch.“
Britta kam auf mich zu. Sie legte mir ihre Hand beschwichtigend auf meinen Arm. „Wenn du ungebunden wärst, würdest du dich dann auf dieses Baby freuen?“
„Ich weiß es nicht“, sagte ich, „es kommt alles so plötzlich. Gib mir etwas Zeit, okay?“
Hallo Angela, Bert erkennt, dass Sex Folgen haben kann. Hätte er doch ein Kondom benutzt. Interessanterweise fehlt diese Erkenntnis völlig. Statt dessen Selbstmitleid. Als weiblich würde ich das aber nicht bezeichnen. Ganz wunderbar finde ich die zerplatzenden und als glühende Teilchen herabregnenden Worte. Liebe Grüße Carola
Liebe Angela, dieser konfliktbeladene Dialog war natürlich längst mal fällig und ich habe ihn verschlungen. Nur finde ich im Nachhinein, dass Berts persönliches Drama innerhalb eines Dialoges nicht so gut zum Ausdruck kommt. Sicher hast Du da noch mehr auf Lager, obwohl das Drama klar angerissen ist. Der Absatz nach: Mein Ego stöhnte... das sind meiner Meinung nach die Gedanken, die einer Frau in so einem Moment eher durch den Kopf gehen. Oder hat Bert so viele weibliche Anteile? Das würde ja doch für Gerda sprechen. Am Ende betreut das ältere Ehepaar das Kind noch gemeinsam, weil Britta etwas zustößt??? Ätzend, dass eine Schwangere Alkohol trinkt. Was will die bloß von Bert. Hat er eigentlich Geld? ... Zu Deinem Tipp zu meinem Text: Danke! Hast Recht. Hatte es auch erst so und änderte dann. Diese Zeiten... mein Problem. Oft ist der erste Versuch doch der Bessere. LG Frog. Schöne Eindrücke auf der Messe, falls Du da bist.
Das ist ein starkes Stück Text, der mich sofort ins Geschehen zerrt. Wie lange wird er die Wahrheit über seinen Seitensprung, der ja eher eine zweite Beziehung ist, geheimhalten können? Werden seine Orakeleien eintreffen oder erwartet den Leser eine Überraschung? Sollte der weitere Verlauf der Geschichte auf die Endzeitgedanken von Bert aufgebaut sein und sich bewarheiten, dann könnte der Leser beleidigt sein, schon so früh die Offenbarung präsentiert zu bekommen. Vielleicht ist das aber auch nur ein Windhauch, der den Sturm ankündigt? Gelungen Angela. LG M.P.
Erstaunlich, dass Albert sich um die Folgen für Gerda sorgt. "Die Götter lieben dich", das ist bestimmt genau das, was Bert von Britta hören wollte ;o) Die Erwähnung der biologischen Uhr legt eine nicht ganz so uneigennützige Entscheidung für das Leben des Ungeborenen nahe. Ginko, wolltest Du Albert Zigaretten holen schicken oder Britta eine Mifegyne RU 486 unters Essen mischen? Du berätst doch hier nicht Albert, sondern die Autorin, insofern kann Deine Idee nur eine Bereicherung sein.
Liebe Angela! Genau, endlich wieder ein Stück Roman. Mich erstaunt auch, wie sachlich und vernünftig Britta sogar unter Alkohol ist. Bislang hatte ich sie mir eher als Schlampe vorgestellt. Und Bert windet sich wie ein Aal. Du schilderst ein klassisches Dilemma. Allein die Sprache finde ich noch nicht optimal. Der Satz mit den glühenden Teilchen ist super, von diesem Niveau hätte ich gern mehr - jaja, ich weiß, die Dinger wachsen nicht auf Bäumen ;-) Aber z.B. "Ich glaubte unter der Last der Verantwortung und der zu erwartenden Probleme zusammen zu brechen." Das ist zu gestelzt, zu distanziert. Das kannst du besser. Liebe Grüße, Malea.
Nanu? Bert besteht aus Gewisen, Ego und ihm selbst. Wie auch immer, seine männliche Denke klingelt Alarm : Bald geht das Baby vor und der zweite Frühling wird nicht einmal zum Sommer, sondern zum Dauernovember. Restlebenslänglich ! Das Dilemma ist da und die Tragödie nimmt ihren Lauf. Es sei denn, echte Liebe spendet ausreichend Kraft. Doch Alberts Uhr tickt noch lauter als bei Britta. Ich hätte da einen Tip von Mann zu Mann, traue mich aber nicht, den ins Forum zu stellen.
Hallo Angela, sehr gut gemacht! Deinen Dialog finde ich absolut überzeugend, Britta vielleicht eine Spur zu sachlich, aber sie scheint mit Abwehr gerechnet zu haben. Großes Lob! Und, gibt's noch mehr dramatische Ereignisse? LG Velarani
Da bin ich aber gespannt, wie die beiden sich aus diesem Problem herauswinden. Guter Beitrag zu dieser Aufgabe! Es gibt nichts zu meckern. Liebe Grüße. Karin
Schön wieder von Albert und Britta etwas zu lesen! Ich habe alle unsere Romanbeiträge in den letzten Wochen sehr vermisst. Hier nun ist mir Britta zum ersten Mal sympathisch und sie hat mit allem Recht. An ihrer Stelle würde ich die Dinge auch so sehen. Dass sie soo geduldig auf Albert, den alten Drückeberger, reagiert, hätte ich nicht gedacht! LG Lillilu
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19131
Wir mussten das Haus durch den Keller betreten, da die Eingangstür schon seit einer Ewigkeit mit Eisenstangen verriegelt war und auf dem Einganspodest ein Segelmast quer davor stand. Im Dunkeln tastete sich der Eigentümer bis zum Lichtschalter vor. Der Keller bekam erkennbare Umrisse. Kaputte Fensterscheiben, marode Fensterrahmen, überall Schränke bis zur Decke und die restlichenWände mit schwarzem Schimmel überzogen. Auf Fensterbrettern zahllose Kartons mit haltbarer Milch. Neben der Milch gab eine vor wenigen Jahren eingebaute Heizung den Hinweis auf menschliches Leben in diesem Haus.
„Dies ist die Küche“ sagte Horst Huth, der Verkäufer. Der Makler und wir, die Kaufinteressenten, schauten in einen Raum mit schwarz-weißen Bodenfliesen und einfach-verglasten Sprossenfenstern, durch die der Wind pfiff. Ein Küchentisch stand direkt unter der schwankenden Glühbirne. In der Ecke eine Nische mit einem großen Kupferkessel zum Wäschekochen. Die Decken waren überraschend hoch und gewölbt – es waren preußische Kappen. Mit diesem Begriff im Kopf spürte ich, wie mein Interesse wuchs. Durch verschlungene Korridore gelangten wir über eine Wendeltreppe in das Erdgeschoss, in das ehemalige Esszimmer. Hier gab es nur noch den nackten Estrich, wir müssten einen neuen Fußboden legen lassen. Die Wand zu dem davor liegenden Wintergarten bestand vollständig aus Terrassentüren, die in dicke Wölbungen eingelassen waren. Jede Scheibe war mit Eselsrücken unterteilt und im oberen Bereich mit einer Sonne versehen. Bei einer Tür war eine Scheibe herausgeschlagen und mit einem Brett vernagelt worden. Bei genauerem Hinsehen zeigte sich, dass dieses Brett poliertes Mahagoni Vollholz war. Im Wintergarten senkte sich der Boden leicht und die Fenster waren zu einer Seite hin mit Tüchern verhangen. Überall standen kaputte Möbel, lagen Zeitungen, Bücher, Skizzen, Aquarelle und Malutensilien herum. Der Blick zum Wasser wurde durch ein Dickicht an Bäumen versperrt. Sie waren in achtundzwanzig Jahren Berliner Mauer wild gewachsen, da sie hinter der Mauer wuchsen und außer den Vopos niemand dieses Gebiet betreten konnte. Nun stand die Mauer nicht mehr im Garten, aber die Schneise, die durch alle Gärten in Sacrow um die Lanke herum verlief, zeigte den alten Standort. Wir traten zurück in das Esszimmer und gingen zum Wohnzimmer durch ein Tonnengewölbe, in dem wir einen großen Sandsteinkamin entdeckten.
Das muss der Augenblick gewesen sein, an dem ich mich hoffnungslos in das Haus verliebte. Der Blick durch dieses Tonnengewölbe mit der dahinter sich aus dem Wohnzimmer erhebenden Treppe in das Obergeschoss. Nichts konnte mich mehr abschrecken – der kniehohe Müll auf dem Fußboden, der Schimmel an den Wänden, die Ahnung, dass eine Komplettsanierung anstand.
„Clemens“ flüsterte ich meinem Mann ins Ohr, „ich glaube, das wird unser neues Zuhause. Was meinst du?“
„Lass mich erst einmal rechnen, ich glaube, es ist zu teuer für uns.“
“Wir nehmen eine Hypothek auf und machen alles ohne einen Architekten.“
Der Makler stellte sich zu uns und senkte auch die Stimme. „Ich habe noch zwei weitere Interessenten, aber lassen Sie sich auf jeden Fall Zeit mit Ihrer Entscheidung.“
Hallo Lillilu, danke für den ersten Kommentar auf meine bisherigen Texte. Gibt es noch einen anderen Weg, dir direkt zu antworten? Zur Info: M heißt Magdalena, aber das ist mir für die Menge Text zu anstrengend. Sie ist nicht verwandt mit der aktuellen Anonyma, hat aber das gleiche Problem, nur 300 Jahre früher. Es ist Krieg und die Soldaten haben zumindest bis vor kurzem noch nichts dazu gelernt. Wenn du mehr über mein Buch wissen möchtes, dann schau dir mal Artikel 17810 an, da steht M's Lebenslauf. Wie ich sehe, schreibst du schon von Anfang an mit. Viel Erfolg weiterhin.
Liebe Frog und liebe Carola, danke für eure Anmerkungen. Ich stimme euch zu und werde in der neuen Aufgabe versuchen, etwas davon umzusetzen. LG Lillilu
Hallo Lillilu, Bruchbude hin oder her, in dieses Haus hätte ich mich auch verlieben können. Deshalb finde ich auch nicht, dass Du zu viel über die Architektur geschrieben hast. Unter literarischen Aspekten gebe ich Frog und Malea recht: einige olfaktorische Details (vielleicht auch ein bisschen zur Akustik) hätten die Beschreibung abgerundet. Liebe Grüße Carola
Ein schöner Text für meine Sinne – bis auf den fehlenden Geruch, da schließe ich mich Maela an. Ich hätte mich vermutlich niemals in ein Haus dieses Standortes verliebt, die Aura hätte mich geschreckt. Friederikes Mut und Neugier finde ich daher spannend. Einige Details zur Architektur könntest Du für meinen Geschmack weglassen. Im dem Moment, in dem Amors Pfeil F. trifft, hätte ich gern noch mehr über ihre Emotionen erfahren. Sie muss ja irgendwie eine Art "Vorgefühl" oder Ahnung gehabt haben, dass da etwas ganz Besonders auf die zu kommt. Liebe Grüße von Frog.
Liebe Angela, du hast es erkannt: der Keller ist eigentlich ein Souterrain und die Küche wurde damals nur vom Personal betreten. Die Speisen ruckelten im Aufzug nach oben, Lilli setzte sich immer rein und Friedericke hatte vor, im Alter einen Stuhl in den Aufzug einzubauen. Das kommt alles noch im Verlauf des Buches. Lauter Infos zum Mitschreiben für neugierige Nachbarn.
Ja, dieses Haus ist etwas ganz besonderes. Die Redelsheimer hatten einen guten Geschmack. Genau wie unsere Lillilu. / Habe Probleme mit der „Küche“. Ist die wirklich im Keller angesiedelt? Ist das nicht eher eine „Waschküche“? Oder mussten die Redelsheimer zum Kochen wirklich ins Souterrain gehen? Dieses hochherrschaftliche Attribut hätte mir den Kick gegeben. Kann man hier noch von Haus sprechen? Wäre nicht Villa angebrachter?
Vielen Dank für die wirklich nützlichen Anmerkungen! Ich habe schon alles mit aufgenommen. Danke Malea und Velarani! Bei Wikipedia gibt es eine sehr schöne Darstellung von Fenstern und Türen mit „Eselsrücken“. @Karin: Das Alter einer Heizung ist fast immer das erste, das bei einer Hausbesichtigung abgefragt wird, da wollte ich keine Worte drüber verlieren. Kürzen kann ich nicht, da es ja die Geschichte des Hauses über noch viele Seiten wird. Aber ich muss mich bemühen bei diesen technischen Darstellungen noch literarischer zu werden. @Metta: Die H-Milch und der Müll werden wenig später aufgeklärt: die Mutter des Verkäufers hatte so ihren Lebensabend verbracht. @ Gerti: Da ich weiß, dass du googeln uncool findest, hier die Erklärung. Preussische Kappen sind Gewölbedecken, die meist recht hoch sind und sehr haltbar. Zuschüsse vom Land bekommen nur Häuser, die unter Denkmalschutz stehen (oder Ensembleschutz), der Architekt hingegen ist nicht entscheidend. Lieben Gruss Lillilu
Liebe Lillilu... ich reiche noch ein kleines *h* nach, schäme mich! Das verwahrloste Haus bedrückt mich, soll es heißen. LG Gerti
Ich war gleich von der Atmosphäre dieses Hauses gefangen. Mir ist die Beschreibung nicht zu lang - ich wandere mit Friederike und Clemens durch die Räume. Eine Wand, die aus Terrassentüren besteht, kann ich mir nicht vorstellen. Den Begriff Eselsrücken müsste ich nachschlagen. Eigenartig, dass noch H-Milch im Keller steht und oben Malutensilien herumliegen, wo der Rest des Hauses doch schon unglaublichlich lange unbewohnt zu sein scheint.
Den Begriff *preußische Kappen* kenne ich nicht. Sind das hohe Decken, wie es früher üblich war? Mich bedrückt das verwarloste Haus enorm. Komplettsanierung ohne Architekten, bedeutet keinen Zuschuss vom Land. Bin gespannt, wie es endet. LG Gerti
Ach Lillilu! In das Haus hätte ich mich auch verliebt, allerdings schon bei der Stelle mit den Terrassentüren ;-) Die Geschichte gefällt mir, der Schluss ist göttlich. Bei der Hausbeschreibung solltest du ein wenig entrümpeln. Z.B. "....sagte Horst Huth, der Verkäufer. Der Makler und wir, die Kaufinteressenten, schauten..." wie wäre es mit: ...sagte Horst Huth, der Makler. Wir schauten... Dann wird der Text flüssiger. Vielleicht wäre es auch ganz gut, die reine Beschreibung durch kurze Dialoge aufzulockern. Lass den Makler was erklären, Maklersprech ist immer für einen Lacher gut ;-) Und ich vermisse noch etwas die Sinne, wie riecht es in dem Haus, wie fühlt sich der Sandsteinkamin an? Das schreibe ich alles, weil ich am liebsten "in echt" dort wäre, ich möchte also, dass du mich möglichst intensiv auf literarischem Weg mitnimmst :-) Liebe Grüße, Malea.
Hallo Lillilu, gefällt mir gut, auch wenn ich als architektonischer Dummkopf nichts mit den Begriffen anfangen kann - ich würde sie wahrscheinlich nachlesen, so überzeugend hast du beschrieben, dass es ein Haus ist, in das man sich verlieben muss. Ein paar kleine Ungenauigkeiten wirst du selbst bemerken (z.B. die Scheibe - "das Loch" war mit einem Brett vernagelt worden). Prima! LG Velarani
Das klingt ja sehr interessant! Gleich im ersten Absatz stellt sich mir die Frage, woher die Erzählerin weiß, das die Heizung erst wenige Jahre alt ist? Könntest Du die detailierte Beschreibung des Hauses etwas kürzen? Dann würde mir Dein Text sehr gut gefallen. Liebe Grüße.
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19127
Achtung, in meinem Roman hat sich einiges verändert! Lest den Text einfach als Text zum Thema dramatisches Ereignis mit Folgen ...
Sie hatten nach ein paar Stunden die Umgebung abgesucht. Kreise gedreht, Freunde aufgesucht und befragt, die üblichen Plätze abgeklappert. Die Fassung bewahrt. Er wird schon wiederkommen, er ist immer wieder gekommen. Dann hatten sie gegessen, sich unbeholfen durchs Haus bewegt und Uno gespielt. Mira war quengelig geworden, hatte ein halbes Käsebrot durchs Zimmer geworfen, sie angstvoll angesehen und schließlich getobt.
Ihren Arm ließ Mira auch im Schlaf nicht los. Die vom Weinen aufgequollenen Augen waren endlich halb geschlossen, die Augäpfel nach oben gerollt, der warme Atem kam stoßweise. Bisher hatte sie die Panik erfolgreich unter die Oberfläche gedrückt, jetzt musste Ela sie mit aller Macht unten halten wie etwas Großes, Lebendiges, das sich unter einem alten Sack bewegte, es fühlte sich rund an wie Köpfe oder Blasen und hatte eine würgende Kraft. Es war gut, dass sie sich auf nichts anderes konzentrierte, denn die Blasen wurden größer und mehr, und sie konnte bald nichts mehr tun, alles würde ins Dunkel stürzen. Ein nicht messbarer Zeitraum, die Sekunde vor dem Untergang, erstarrte Zeit, bevor die Angst einen gnädig aus dem Schlaf reißt in ein taubes Erwachen.
Als erstes erschrak sie darüber, dass der Kindertraum zurückgekommen war. Ihr Hals war ganz trocken, sie schluckte und lauschte lange in die Stille, dann fiel ihr ihre wirkliche Sorge ein. Mira zuckte im Schlaf, und Ela schlug vorsichtig die Decke zurück. Der Geruch von Kleidern, in denen man eingeschlafen ist, hat etwas Vertrautes und trotzdem Obszönes, wie ein kurzer Blick in eine ungewollte Zukunft. Sie schüttelte sich, stand auf und schlurfte den kurzen Weg zu Felix Zimmer. Die kühle, unverbrauchte Luft roch nicht nach ihm, trotzdem ging sie zum Bett.
Der Junge war immer noch nicht da. Mit einer automatischen Bewegung hob sie einen Socken vom Boden auf und schob ihn sich zwischen die knirschenden Zähne, biss darauf herum, um die Tränen zurückzuhalten, roch daran, als ob sie seine Witterung aufnehmen wollte. So trostlos sah sein Zimmer aus im kalten Mondlicht, dass sie an ihr stetes Bemühen denken musste, über Jahre, abends seine tägliche Einsamkeit wieder gutzumachen. Oder war es ihre Einsamkeit gewesen?
Sie musste zur Polizei, sie würde jemanden brauchen, der sich um Mira kümmerte. Es war Zeit, ihn suchen zu gehen.
Hallo Velerani, die Beschreibung der Angst finde ich großartig. Auch das Verhalten Deiner Protagonistin wirkt sehr glaubwürdig. Nur, dass sie auf die Socke beißt, kann ich nicht nachvollziehen. Weil sich aber alles andere so echt anfühlt, nehme ich Ela auch das ab. Viele Grüße Carola
Hallo Velaranie, mein erster Kommentar ist abhanden gekommen. Mir gefällt auch vor allem die Stimmung deines Textes und wie ich an Elas Gefühlen beteiligt werde- und das gut lesbar. Die Panik, die sich wie etwas Großes/Lebendiges unter einem Sack bewegt, kann ich sehen. Mit den Köpfen, Blasen und der würgenden Kraft hatte ich etwas Mühe. Angst, die einen gnädig aus dem Schlaf reißt, interpretiere ich so: die sich monströs gebärdende Angst des (Halb)Schlafs verliert selbst im tumben Erwachen an Macht? Insgesamt finde ich, dass du Angst als Thema subtil und direkt zum Ausdruck bringst l.G. papaya
Ein dramatischer Text, der vieles berührt, aufrührt und natürlich gut geschrieben ist. Nur die Angst habe ich nie als "gnädig" erlebt.L.G.Gerhild
Ich hätte schwören können, dass ich hier kommentiert habe. Aber so ist das unter "Drogen", wohl vergessen. Ich liebe an Deinen Texten wie so oft die Stimmung und einzelne Sätze, die wie Diamanten hervorschimmern, wie etwa "Der Geruch von Kleidern, in denen man eingeschlafen ist,.... Ich bewundere Dich für Deine Fähigkeit, solche Gedanken zu notieren und dann auch noch in Texte zu integrieren. Oder fällt Dir so etwas spontan ein? RLG
Hallo und danke für die Kommentare! Ihr könnt es nicht wissen: der Junge ist vierzehn oder fünfzehn, nach einem harmlosen Streit aus dem Haus gestürmt, war früher schon öfter weggelaufen, außerdem ist Stromausfall und die Polizei beschäftigt. Die Szene mit dem Streit kommt vorher, so dass man dann orientiert sein wird. Die Folgen werden sein, dass Ela sich mit einer dogmatischen Gruppe auseinandersetzen muss, die ihn aufgegabelt hat - und natürlich mit ihrer Beziehung zum Sohn und ihren Ängsten. Wird das deutlich, ist das stimmig? LG und bis Samstag, Velarani
Am Anfang dachte ich noch, da ist das Haustier (Hund?) davongelaufen, da nur das Mädchen unter der Situation zu leiden schien, nicht jedoch die Mutter. Aber es handelt sich bei dem abhanden Gekommenen wohl um den Sohn. Wie alt ist er? Und was mag da vorgefallen sein? Wieso wird erst zu Abend gegessen, dann ein Nickerchen gemacht, ehe ein Gedanke daran verschwendet wird, die Polizei einzuschalten? Fragen über Fragen. Dein Text macht mich neugierig auf den Rest.
Schönes Kleinod: "Der Geruch von Kleidern, in denen man eingeschlafen ist, hat etwas Vertrautes und trotzdem Obszönes". Die Idee mit der Socke ist gut, eklig, aber stimmig. ;O) Dass sie ihr Kind sucht(ist es adoptiert?), ist mir am Anfang nicht klar gewesen; hätte auch der Mann oder ein Hund sein können.
Hi Velarani, ich habe deine Romantexte bis hierher nicht regelmäßig verfolgt, deshalb kenne ich die Figuren nicht. Dieser Text kann aber auch sehr gut für sich allein stehen. Du erzeugst die Stimmung fast ausschließlich mit Fragmenten aus „Szenen“, die für sich sprechen (Käsebrot durchs Zimmer, Einschlafszene etc). Toll auch die Aufzählung von „Tätigkeiten“: ... Plätze abgeklappert. Fassung bewahrt. .. Das Bild „Lebendiges, das sich unter einem alten Sack bewegte“ stört mich etwas – warum alter Sack? - obwohl ich glaube, ganz gut zu verstehen, was du meinst. Ganz stark finde ich auch „ein taubes Erwachen“ und „Der Geruch von Kleidern, in denen man eingeschlafen ist, hat etwas Vertrautes und trotzdem Obszönes“ und „Die kühle, unverbrauchte Luft roch nicht nach ihm ..“ Wahrscheinlich wegen meiner Unkenntnis der früheren Texte verstehe ich nicht „ihr stetes Bemühen .. über Jahre, abends seine tägliche Einsamkeit wieder gutzumachen. Oder war es ihre Einsamkeit gewesen?“, aber es macht mich neugierig. Ganz großartiger Text.
Beklemmend beschrieben. Statt 'unbeholfen bewegt' würde ich 'ruhelos' schreiben, das Wort 'getobt' wirkt hier wie abgestellt. Im zweiten Absatz bekomme ich die Personen etwas durcheinander. Mira hält Elas Arm fest, ja? Mira schläft und Ela liegt wach und beobachtet sie. Erst dachte ich, Mira müsste die Panik unter der Oberfläche halten (drücken klingt nicht so gut), aber Du meinst Ela? Die wird dann aus dem Schlaf gerissen, aber ich dachte, sie sei wach... Einen stinkenden Socken zwischen die knirschenden Zähne zu schieben, ehrlich, das würde ich nochmal überarbeiten. Die Leere des verwaisten Zimmers wird schmerzlich spürbar.
Liebe Velarani! Ein atemberaubender Text. Was ist passiert? Warum meldet sie den Jungen nicht sofort als vermisst? Drama und Spannung vermittelst du gekonnt. Und ich will natürlich wissen, welche Wendung dein Roman jetzt nimmt. Liebe Grüße, Malea.
Sehr dramatisch Dein Text und gut geschrieben. Liebe Grüße.
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19123
Sie zog die Tür sachte ins Schloss. Schaute sich im Treppenhaus noch einmal um und lief die Stufen fast lautlos hinab. Im Erdgeschoss wurde eine Tür geöffnet. Sie hörte die Stimme der Hausmeisterin und verharrte im Schritt. Dann klappte die Haustür zu. Ob sie noch einmal zurück kommt? dachte Eva.
Ihre Füße mit den leichten Turnschuhen waren schon auf dem nächsten Treppenabsatz. Sie erreichte die Eingangstür, zog sie auf und huschte hinaus. Sie hörte den Deckel des Müllcontainers klappen und ging in entgegen gesetzter Richtung davon. Noch immer nieselte es, seit Tagen dieses Dreckswetter ging es ihr durch den Sinn.
Mit gesenktem Kopf bog sie in die kleine Gasse ein, die zum Bahnhof führte.
Plötzlich ein dumpfer Aufprall, die Wucht ließ sie zu Boden gehen.
Benommen nahm sie ein Paar braune Augen, die dicht vor den ihren waren und sie flehentlich ansahen wahr. Eine warme Männerstimme klang an ihr Ohr. “Verzeihen Sie bitte. Es tut mir leid, aber dieses Wetter…” Eva spürte wie ihr der nasse Boden die Jeans durchnässte.
“Ist schon gut. Ist ja nichts passiert. So helfen Sie mir doch hoch und starren Sie mich nicht so blöde an.” Oliver zog sie am Arm hoch. Eva wetterte: “Wollen Sie mir den Arm ausreißen?” Er stammelte eine erneute Entschuldigung und ließ sie wieder los.
Nun versuchte er Eva unter die Arme zu greifen,um sie dem nassen Element zu entziehen. Eva war schneller und saß inzwischen auf ihren Knien. Sie sammelte ihre verstreuten Habseligkeiten zusammen und bedachte Oliver mit einer Flut von Schimpfworten, wobei blinder Trottel und Tagträumer noch die harmlosesten waren. Stehend war sie mehr als einen Kopf kleiner als er. Sie schob kriegerisch ihr Kinn vor und sah zu ihm auf. “Was glotzen sie mich eigentlich die ganze Zeit so dämlich an?” wütete sie. Er antwortete: “Wissen Sie, dass Sie die bezaubernste Frau sind, die ich je kennen gelernt habe?” Eva verschlug es die Sprache. Ihr Gesicht überzog sich mit einer feinen Röte, dann wandte sie sich ab und ging schnellen Schrittes, fast fluchtartig, davon.
Er stand noch immer am Ort des Geschehens.Er sah ihr nach bis sie seinen Augen entschwand.
Was für eine Frau, dachte er.
Der Einstieg ist sinnlich (Geräusche, Gerüche, Gefühle) und gefällt mir sehr. Beim dumpfen Aufprall dachte ich erst an einen Unfall oder Überfall. Welcher Mann sagt heute noch "Verzeihen Sie."? 'Flehentlich' finde ich zu stark. Ein feuchter Boden ist noch kein nasses Element (Fluss, Meer). Die Flut von Schimpfwörtern lieber in wörtlicher Rede, das ist knackiger. 'Kriegerisch' finde ich ebenfalls zu heftig. LG Metta
Hallo melly, schön geschrieben, vor allem der geheimnisvolle Anfang zieht einen in die Geschichte rein. Ein paar Fehler kannst du verbessern, vor allem den Perspektivwechsel im letzten Satz, dann können wir noch nicht wissen, dass der Mann Oliver heißt, und die "feine Röte" und "ging es ihr durch den Sinn" fand ich nicht so gut. Insgesamt also etwas kürzen, aber ein schöner Text! LG Velarani
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19121
Der Blick auf den Bus erweckte in Lisa wieder dieses ungute Gefühl, das sie schon seit zwei Wochen mit sich herumtrug. Nur, wenn sie sich auf andere Dinge konzentrieren musste als auf den Schulausflug zum Museum, konnte sie Ruhe finden.
Sollte sie ihrer Mutter davon erzählen? Aber was könnte sie ihr sagen? Lisa selbst wusste nicht, wo sie ihre Empfindungen einordnen musste. Also wischte sie sie beiseite und verabschiedete sich mit einer festen Umarmung von ihrer Mutter.
Lisas Mutter erschrak und drückte ihre Tochter ebenfalls fest an sich. Irgendetwas in ihrem Inneren wurde aufgewühlt.
Sie wollte zu Lisa sprechen, als ein Gedanke sie davon abhielt und sie ihrer Tochter schweigend nachsah, als jene den Bus betrat.
Zwei Stunden später bekam Lisas Mutter den Anruf, das der Bus verunglückt war. Und einige Stunden darauf hatte sie die Gewissheit - Lisa war bei dem Unglück gestorben.
Der Heimweg, allein im Auto war die schlimmste Zeit. Keine Tränen anderer Mütter und Väter, kein Geschrei der sie ablenkte. Und sogar das gemeinsame Schweigen war Lebendiger, und gab ihr eine Geborgenheit, aus der sie nun herausgerissen wurde.
Sie hielt an und starrte auf das Lenkrad. Innere Bilder stiegen in ihr auf - Lisas Lächeln, der süsse Schweinchen Rucksack, den sie als dreijährige überall hin mitnahm. Die gemeinsame Zeit allein, nach dem Tod des Vaters.
Wie sie miteinander Schulbrote schmierten oder ihre beiderseits geliebten Ei-Brötchen am Sonntag aßen.
Sie hatte ihrer Tochter nicht gesagt, das sie an Krebs erkrankt war. Vor einer Woche hatte sie die Diagnose erhalten. Lange hatte sie überlegt wo Lisa bleiben sollte, würde sie sterben - und das würde sie, der Krebs war unheilbar.
Ein wärmender Strom durchflutete ihren Körper und sie musste Lächeln...
Der LKW - Fahrer erschrak. Er war nur kurz eingenickt. Es blieb ihm keine Zeit mehr dem Wagen auszuweichen, der frontal auf ihn zu raste.
Er überlebte - die Frau, die im anderen Wagen saß war sofort tot.
Hatte Lisa eine Vorahnung? Hätte sie mit ihrer Mutter darüber gesprochen, wären deren Selbstvorwürfe schlimmer gewesen. Lisas Tod führt nicht etwa zur Unkonzentriertheit der Mutter, die dadurch verunglückt, sondern ein einnickender Lkw-Fahrer ist schuld. Nun sind alle tot. Wer sollte dann noch irgendwelche Konsequenzen tragen, außer dem Lkw-Fahrer? Die Handlung ist hier zu Ende.
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19113
Auszüge aus "Der Zettel"
... Bis zum Treffen mit Steffi hatte Tom noch etwas Zeit. Er ging noch mal in sein Büro, um ein paar Akten durchzugehen. Der Gerichtsmediziner hatte ihn angerufen und gesagt, dass die vorläufigen Befunde vorlagen, auch die der Ballistiker. Er selbst versprach sich keine neuen Erkenntnisse davon, aber ansehen wollte er die Ergebnisse trotzdem. Manchmal steckte der Teufel im Detail.
Auf seinem Tisch lagen die zwei Akten und er nahm sich zuerst die der Gerichtsmedizin. Anatol wurde drei Mal getroffen, alle Schüssen wären tödlich gewesen. Der Polizist vor Antons Tür starb durch einen Kopfschuß, genauso wie der Pförtner, die Nachtschwester und der Typ vom Sicherheitsdienst. Die Kopfschüsse wurden jeweils aufgesetzt, das verrieten die Schmauchspuren am Wundrand. Wahrscheinlich wurde eine Waffe mit Schalldämpfer benutzt. Die Schwester im Fahrstuhl wurde durch mehrere Treffer in Brust und Bauch getötet.
Wie Tom vermutet hatte, die Aktion im Krankenhaus war ein Exekutionskommando. Auch Anatol wurde wohl hingerichtet, wenn man der Aussage von Anton glauben schenken durfte.
Er legte die Akte bei Seite und nahm sich die der Ballistiker. Bei Anatol und der Schwester im Fahrstuhl wurden verschiedene Kugeln gefunden. Zum einen Kaliber 9mm und dann noch eine kleineres, knapp über 5mm. Eine Kugel des kleineren Kalibers wurde auch bei allen anderen Opfern gefunden. Es war jeweils die, die nur im Kopf der Opfer steckte und aus naher Distanz abgegeben wurde. Er verglich noch einmal die Befunde der verschiedenen Abteilungen miteinander, sie kamen beide zum gleichen Ergebnis.
Das Projektil stellte die Ballistiker vor eine schwierige Aufgabe. Sie konnten nicht genau sagen, wie die Zusammenstellung war. War es ein Projektil mit weichem Kern und hartem Mantel oder umgekehrt? Das Geschoß hatte sich im Körper der Opfer völlig zerlegt und es war unmöglich festzustellen, was nach außen und was nach innen gehörte. Die chemische Analyse sollte darüber Aufschluß geben, aber ließ noch auf sich warten.
Solche Munition war nichts außergewöhnliches, Sportschützen nehmen gerne dieses Kaliber und die schießen fast ausschließlich mit Hartmantelprojektilen. Angeblich wegen der besseren Flugruhe und natürlich wegen dem Preis. Aber diese Projektile zerlegten sich beim Aufprall nicht in ihre Bestandteile, dafür bedarf es schon etwas mehr. Eine Kerbe am Kopf der Munition, oder besser noch ein Kreuz, das ein wenig auseinander gedrückt wird zum Beispiel. Das verminderte zwar die Flugfähigkeit, reißt aber nach dem Aufprall im Körper wie eine Sprengladung alles in Stücke. Eine fiese Sache und sehr effektiv.
Tom kannte nur einen, der solche Munition verwendet hatte, aber der war schon seit Jahren tot und Tom hatte großen Anteil daran. …
Schnitt
... „Steffi bitte. Ich will nur wissen, an was Anatol dran war.“
„Das kann ich nicht machen, Du bist nicht mehr beim BKA und der Zugang zu Interpol wurde Dir auch verweigert. Ich komm in Teufels Küche wenn ich Dir die Infos gebe.“
„Du willst mir also nicht helfen? Und was war damals mit diesem Italiener? Da hattest Du meine Hilfe gerne angenommen und ich habe weit aus mehr riskiert als meinen lausigen Job!“
„Tom bitte, das ist Schnee von gestern. Ich bin Dir sehr dankbar dafür, aber...“
„Nichts aber Steffi! Du hast mir damals versprochen, dass ich etwas gut habe bei Dir, egal was. Zahl Deine Schulden!“
Tom stand auf und warf Steffi seine Visitenkarte hin. ...
Schnitt
... Das Flackern des Bildschirms tat seinen Augen weh. Er hatte die Aufnahme mittlerweile zum hundertsten Mal gesehen und wollte es doch nicht glauben. Aber es ließ sich nicht leugnen, der Mann, der dort in die Überwachungskamera des Krankenhauses grinste war Georgi.
Wie erschlagen saß Tom da und starrte auf das Standbild. Die vergangenen Jahre liefen als innerer Film ab. Jahre, in denen er durch Selbstvorwürfe immer wieder in schwere Depressionen abrutschte. Monate, in denen seine Ehe auf der Kippe stand und in denen er endgültig seinen Job beim BKA verlor. Jahre, in denen er glaubte am Tod seines Freundes Schuld zu sein. ...
Schnitt
... „Hör mir zu Anton!“ brüllte er ins Telefon „Ihr müßt verschwinden, und zwar schnell! Wenn ich mit meiner Vermutung richtig liege, seid ihr in größter Gefahr. Dieser Typ ist der skrupelloseste Mensch den ich kenne, der tötet aus Spaß. Für ihn ist das ein Spiel und es gibt nur einen Gewinner. Sag Natascha, es ist Georgi, dann wird sie es verstehen. Steigt alle zusammen ins Auto und verschwindet dort. Fahrt nach Warschau und taucht in einem kleinen Hotel unter, ich melde mich wieder.“
Anton schnaufte am anderen Ende und sagte weinerlich. „Würde ich ja gerne machen, aber Natascha ist heute früh mit dem Auto nach Frankfurt gefahren. Kennst Du diesen Georgi?“
Tom fluchte. „Wie lange ist Natascha schon weg?“
„Keine Ahnung, ein paar Stunden sicher.“
Tom wußte nicht weiter, es könnte alles Mögliche passiert sein. Natascha ging es gut, oder auch nicht. Georgi hatte sie schon aufgespürt, oder auch nicht. Anton und seine Familie waren in Sicherheit, oder auch nicht.
Er konnte Anton hören, wie er wimmernd seinen Namen rief. Tom mußte sich um seinen Freund kümmern, er wollte nicht noch einen verlieren. ...
Danke für den Zuspruch. @Metta Deine Fragen sind gut. Waffen mit Schalldämpfer klingen etwa wie ein flacher Stein den man ins Wasser wirft, und der fast ohne Spritzer eintaucht. (Wir nannten sowas immer Pferdefurz)Und ob Kugeln aus dem Körper wieder austreten liegt auch an der Treibladung der Patrone. 9 (Lehrzeichen) mm Patronen bei Pistolen sind sehr kurz und haben somit wenig Treibladung. Außerdem hängt es noch an der Beschaffenheit des Projektils, rund oder spitz, in diesem Fall rund. (Bei Pistolenmunition zu 99%) Die Schwester im Fahrstuhl wurde nicht aus naher Distanz erschossen, bei ihr war es ein Versehen, geht aber in dem kurzen Text unter. @Malea und Ginko, danke, ich arbeite dran. Vielleicht könnt ihr mir sagen, wo es genau hängt, ich bin Betriebsblind. Dann könnte ich auch besser darauf eingehen und die Fehler minimieren. @Velarani, wenn ich Komplimente bekomme, werde ich immer ganz rot. ;O) Tja, warum grinst Georgi in die Kamera. Er ist arrogant, selbstherrlich und kann mit Niederlagen schlecht umgehen. In diesem Fall hat er eine einstecken müssen und lässt seinen Frust am Wachmann aus. Eine Überwachungskamera filmt ihn und seinen Partner dabei. Georgi und Tom waren mal Partner, Georgi ist ein Überläufer und war vorher bei Interpol. Georgi weiß, dass Tom auf diesen Fall angesetzt, oder auf eigene Faust aggiert wird. Er macht sich einen Spaß daraus Tom zu reizen, es ist sein Spiel. @Elisabetha, schön, wenn ich Dich mit meinem Stil dem Krimi etwas näher bringen konnte. Dann habe ich schon mehr erreicht, als ich mir je vorstellen konnte.
Spannend, besonders der Schluss! Die Einführung klingt ein wenig wie aus dem Lehrbuch abgeschrieben... Ich glaube, Waffen sind auch mit Schalldämpfer noch ziemlich laut. Muss die Schwester im Fahrstuhl aus so geringer Distanz mit mehreren Schüssen getötet werden? Da dürfte es doch eigentlich nicht schwer sein, gleich beim ersten Mal richtig zu treffen. Tritt bei geringer Schießentfernung die Kugel nicht wieder aus dem Körper aus? Formal: zwischen Zahl und mm ein Leerzeichen. Grammatik: wegen des Preises. Du siehst, der Teufel steckt im Detail. Na, Deine Metaphernphobie scheint Schnee von gestern zu sein. ;o)
Wow, das hat was! Deine Geschichte nimmt Fahrt auf, du bist auf dem richtigen Weg. "Schnitt" passt gut, denn ich sehe deine Story mehr als Drehbuch, denn als Roman. Ein bisschen sprachlichen Feinschliff noch, aber du kannst mich auf jeden Fall als Leser fest einplanen ;-) Liebe Grüße, Malea.
Schlüssig und stimmig nach dem einführenden Bericht reichert Tom das Geschehen an mit Heftigkeiten, die spüren lassen, wie er in die Handlung eingebunden ist. Die Sprechenden charakterisieren sich selbst durch die verwendeten Ausdrücke. Bei lautem Lesen sind im Erzähltext einige Häkchen zu hören.
Hallo m.petersen, sehr überzeugend geschrieben, du baust toll eine brisante Situation auf! Dass dies eine dramatische und langwierige Rettungsaktion zur Folge haben muss, nehme ich dir sofort ab. Super Dialoge, geschickt eingesetzt. Warum grinst Georgi in die Überwachungskamera? LG Velarani
Klarer, schöner Schreibstil. Keine unnützen Füllwörter. Auch wenn ich bis jetzt kein Krimifan war, bei diesem Roman könnte ich einer werden!! LG!
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19105
Ein Blick aus dem Fenster wirkt wie Balsam für die Seele. Die Gebirgskette hinter dem weiten Tal beruhigt das Gemüt immer wieder. Egon lehnte sich hinter seinem Schreibtisch zurück und wieder einmal erschienen seine Erinnerungen. Vor genau einem Jahr hatten die vier sich in dem abseits gelegenen Gasthof getroffen und sich gegenseitig ihr Leid geklagt. Dabei war es aber nicht geblieben. Sie fanden auch einen sehr individuellen Ausweg. Zugegeben, den eigentlichen Vorschlag unterbreitete Bruno. Er hatte im Vorlauf bereits intensiv darüber nachgedacht und ließ nicht locker, uns davon zu begeistern. Der Idee fehlte etwas die legale Komponente. Aber wer ist nicht schon einmal bei Rot über die Kreuzung gelaufen, ohne dass hinterher ein Polizist warnend seinen Finger gehoben hätte. Das Leben geht weiter, aber nicht immer auf der graden Landstraße.
Was hatte sich nun in den letzten zwölf Monaten wirklich geändert? Der Stress hatte nachgelassen. Jetzt musste man nicht mehr jedem einzelnen Auftraggeber hinterher rennen. Wenn der nicht auf die weitere Umgebung oder die ganze EU auswich, landete er stets bei einem von uns vier. Das mit den EU-weiten Ausschreibungen hatten sich ein paar Theoretiker so schön ausgedacht. Nur hatten sie dabei die steigen Benzin-Preise und damit die überdurchschnittlich steigenden Transportkosten übersehen. Wenn das Ei schlauer als die Henne sein will, geht das ab und eben doch etwas daneben. Mit einem Punkt hatte damals niemand gerechnet, unsere Kalkulationen wurden ehrlicher. Wir mussten uns nicht mehr gegenseitig unterbieten. Wie oft hatte man bei einzelnen Positionen den günstigsten Fall angenommen und damit die Ausschreibung gewonnen? Und dann mitten in der Bauausführung scheinbar plötzlich festgestellt, dass die Voraussetzungen gar nicht gegeben waren und deshalb alles etwas teurer werden musste.
Niemand hatte sich vorstellen können, dass in der Zwischenzeit jeder von uns ein bis zwei Gesellen eingestellte. Die völlig unzureichend qualifizierten Subunternehmen hatten zwar in der ersten Berechnung die Kosten gesenkt. Aber unter dem Strich kamen dann hinterher doch noch ein Schwung Korrekturarbeiten hinzu. Damit war ein fest angestellter Geselle gar nicht so viel teurer. Nicht zu vergessen, dass das soziale Ansehen in der Gemeinde stieg, wenn man nicht nur gegen die Arbeitslosigkeit wetterte, sondern echt Leute einstellte. Für uns hatte sich unter diesen Aspekten die nach Außen nicht sichtbare Zusammenarbeit gelohnt. Die Auftragsbücher sind zwar auch nicht voller als davor, aber die Arbeit verteilte sich kontinuierlicher. Die Spitzen, in denen man zusätzliche Kräfte einkaufen musste, fielen weg. Die Flauten, in denen man seine Leute bezahlten musste, diese aber nur die Werkstatt zum wiederholten Male aufräumten, reduzierten sich ebenfalls deutlich. Das Finanzamt wird sich über das ausgeglichene Betriebsergebnis freuen, natürlich nicht darüber, sondern über die Euros, die es im Vergleich zum Vorjahr zusätzlich einnehmen kann. Und natürlich nur uns ganz untereinander, ein paar Euros bleiben auch noch für uns und das Weihnachtsgeld der Belegschaft übrig. Aber niemand darf über die wirklichen Hintergründe sprechen.
Einen Seitensprung brauche ich hier nicht. Ich würde aber gern etwas mehr über die vier erfahren. Zum Beispiel: was geht ab, wenn die sich zum Skat treffen, oder zusammen zum Fußball gehen, oder einen Kurztrip in eine Großstadt machen... Ich möchte auch etwas darüber erfahren, was für - unterschiedliche - Typen es sind und wie sie miteinander umgehen. Humorvoll, ernst, streng, flapsig,distanziert, vertraut ....? Ich hoffe, ich konnte mich jetzt genauer ausdrücken. Vielleicht ist mir aber auch in früheren Texten einiges entgangen. Wenn das so ist, dann sorry.
Dieses eine Jahr ist der gesamte Roman. Ich hatte die Aufgabenstellung so aufgefasst: Ein Ereignis und „Welche Konsequenz hat dieses Ereignis?“ in wenigen Absätzen dargestellt. Und bei den Konsequenzen habe ich mir eine aus der großen Masse herausgegriffen. Wenn vier Handwerksmeister ein Jahr lang etwas enger zusammenarbeiten, dann sollte man die Probleme der Betriebswirtschaft nicht völlig ausblenden. Hätte ich Beifall erhalten, wenn ich über die vermeintlichen Seitensprünge eines der Handwerksmeister und über die echten seine Ehefrau geschrieben hätte.
Hallo Ro McGer, der Text ist mir leider zu betriebswirtschaftlich. Da müßte außer der Gebirgskette hinter dem weiten Tal noch mehr zwischen den Protagonisten passieren.
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19092
Über Jahrzehnte hätte sich S. ein solches Gespräch nie träumen lassen.
Herbst 1991 - Treuhandanstalt
„Herr S., wie hat sich Ihr Unternehmen in den letzten Wochen entwickelt?“
„Infolge mangelnden Absatzes haben sich unsere Fertigwarenbestände leider so erhöht, dass wir die Produktion einstellen mussten.“
Der für das Unternehmen zuständige Vertreter der Treuhandanstalt sah fragend über seinen goldenen Brillenrand.
„Was stellen Sie gleich her?“
„Mauerziegel.“
"Und was ist mit den Beschäftigten des Unternehmens, haben Sie diese sofort entlassen?“
"Die Beschäftigten befinden sich bis auf wenige Ausnahmen in Kurzarbeit mit 0 Stunden."
"Warum haben Sie noch keine Entlassungen durchgeführt?"
"Die Ziegeleien befinden sich durchweg in ländlichen Gegenden, in denen keine weitere Industrie vorhanden ist. Die Ziegelei ist die einzige Hoffnung der Menschen. Soll ich ihnen diese nehmen?"
Hallo Warnow! Ein kurzer Dialog, spröde und sachlich, der das Elend spüren lässt. Die Sätze des Herrn S. klingen wie auswendig gelernt, wie Zitate aus kühl formulierter Geschäftskorrespondenz. Absicht, um die Emotion im Zaum zu halten? Denn die letzten beiden Sätze sind anders, jetzt spricht Herr S. ohne Maske. Gutes Finale. Liebe Grüße, Malea.
Kurz und knapp beschrieben und alles gesagt. Gut! Liebe Grüße aus Kiel
Ein kurzes Wechselgespräch umreißt die ganze Tragweite kapitalistischen Sachzwangs, der den Menschen ein hartes Los beschert.
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19084
Nachdem die Oma gestorben war, hockte Lisa wie betäubt in ihrem Zimmer und starrte vor sich hin. Die Eltern wussten sich keinen Rat und kauften ihr schließlich ein Hündchen. Obwohl sie Hunde in der Wohnung nicht ausstehen konnten. Mit seinen blanken Knopfaugen zauberte er das erste Lächeln auf Lisas Gesicht. Wohin sie auch ging, tapste der kleine Hund hinter ihr her. Schloss sie die Tür vor seiner Nase zu, winselte er so lange, bis sie öffnete. Bald waren die beiden unzertrennlich. Sie nannte ihren neuen Gefährten Florian.
Eines Morgens geschah etwas Schreckliches. Florian lief hinter Lisa her auf die Straße und wurde von einem Auto überfahren.
Es war für Traum Nummer 12723 nicht schwer gewesen, auf direktem Weg zur Erde und zu Lisas Elternhaus zu gelangen. Es war heute sein erster Auftrag, und alles Gelernte wirbelte in ihm durcheinander. Gestern bei der Prüfung hatte er noch jede Antwort gewusst. Nun bloß keinen Fehler machen!
Ich bin ein Hündchen. Mein Fell ist weiß wie Schnee. Ich habe die treuesten Knopfaugen der Welt. Wau, wau.
Als ein Lichtgespinst glitt er unter der Tür hindurch in das Kinderzimmer. Lisa lag auf dem Bett, das Gesicht in den Kissen vergraben. Sie hatte keine Tränen mehr vor lauter Weinen.
Ich bin ein Hündchen, heiße Florian, bin schwarz … weiß wie Schnee.
"Miau ... Wau, wau." Lisa hob lauschend den Kopf.
"Florian?"
"Wau, wau." Das Hündchen wedelte mit seinem Ringelschwanz, sprang zu Lisa aufs Bett und leckte zur Begrüßung ihre Wangen.
"Was ist denn mit dir passiert?" Nummer 12723 schaute an sich herunter. Oh, oh, er war schweinchenrosa. Das musste er sofort ändern. Er drehte den Hals, zweimal nach rechts, einmal nach links – puterrot. Verdammt.
"Florian!" Lisa legte zärtlich die Arme um ihn. "Ich mag dich auch in rot. Aber wieso kannst du plötzlich zaubern?" Der kleine Traum dachte fieberhaft nach. Mit welchem Dreh bekam er bloß ein weißes Fell? Weiß wie …? Den Hals rasch einmal nach rechts gedreht, zweimal nach links? – Grün. Wie viele Fehlversuche waren ihm erlaubt? Er hatte nicht mitgezählt.
Lisa kicherte vor Vergnügen; die Tränen waren längst vergessen.
"Du siehst zu komisch aus. Ich glaube, Oma hat dich geschickt."
Immer noch glucksend, schloss sie die Augen und schlief augenblicklich ein.
Nummer 12723 ist aus der Unendlichkeit geschickt, Lisa zu trösten? Was passiert, wenn sie am Morgen aufwacht? Wird sie sich erinnern? Eine originelle Geschichte.
Hallo Karin, es hat Spaß gemacht deinen Eintrag zu lesen. Eine richtig gute Idee mit Traum 12723, die deiner Fantasie entsprungen ist.Gruß Benita
Nachdem unter 12723 kein Eintrag in diesem Forum existiert, ist der Traum wohl im Katalog einer himmlischen Ahnengesellschaft zu suchen, die die Wirkung der Seelentröster vorschreibt und sorgfältig ordnet. Oma kann zwar das Schicksal nicht beeinflussen, aber Wohlwollen verströmen wie zu Lebzeiten.
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19083
In der Zeitschleife
Gleich nachdem sie ins Trudeln geraten waren, gab es einen Schlag. Sie waren wohl unsanft auf den Boden geknallt, und nun lagen sie halb übereinander, Erkin und Gregor. Vom Gras trennte sie nur der Teppichläufer. Lale rang sich ein Lächeln ab.
"Kommt rüber, Tee ist fertig".
Genau das war Gregors Bedürfnis: zwei, drei Gläschen Türkischen.
"Hast du einen Brummkopf?" fragte Alev.
"Ja, doch, sehr" . Meistens sprach er Stummeldeutsch zu den Nachbarn. Wenn Yusuf und Abduro dabei waren, ging es nicht anders. Lale und Alev dagegen drückten sich in gepflegtem Deutsch aus. Die beiden Frauen fanden sogar Vergnügen an Wortspielereien. Oft fühlte Gregor sich geschmeichelt, wenn sie über seine Witze lachten. Erkin hatte keinen Sinn für Metaphern, sondern strich ihm nur mit dem Daumengelenk über die Nase, nachdem er die Übertragung durch seine Freundinnen verstanden hatte. Diese Geste bedeutete sowohl Anerkennung, als auch einen stilisierten Faustschlag, als Zeichen gebremster Eifersucht. „Hey,du!“ - „Freundschaft!“
Nachdem Erkin endlich herangetorkelt war, saßen sie zu viert im Pavillon beim Semaver und schlürften Erquickung. Hanf im Nargile-Tabak gab es zunächst nicht mehr, denn als Erkins Gewächshaus vom Sturm gekippt worden war, konnte man die typischen Blätter allzu offensichtlich erkennen. Erkin konstruierte gerade einen neuen Pflanzenkasten. So ein Katalogprodukt, wie Gregor eines betrieb, stufte er zwar unter seiner Würde ein, aber die Lüftungsklappe wollte er doch abkupfern. Vor dem Trip hatten sie noch diskutiert über die Windsicherheit des Gestells. Dabei war Gregor der Aztekensalbei zwischen dem Spinat aufgefallen und Erkin bestand darauf, gleich eine Probe zu rösten. Dafür setzte er seine Bong ein, sogar mit Eiskühlung. Eiswürfel in einer Gartenlaube im Sommer! Er hatte also schon vorausgeplant und das nötige mitgebracht. Lale und Alev rauchten Selbstgedrehte. "Wie in den achtundsechzigern" , wollte Gregor in Erinnerungen rühren. Doch von den damaligen Befindlichkeiten konnten sie natürlich nichts wissen. Er war dreimal so alt wie diese unerreichbar jungen. „Nicht weinen!“, tröstete Alev. Seine letzte Zigarette hatte er vor Jahrzehnten ausgedrückt. Unmöglich heute für ihn, die Schwaden aus der Bong in seine Lunge zu ziehen. Der Aufguss roch wie Lapacho, schmeckte nach Ingwer und überzeugte ihn völlig von der Flugtüchtigkeit des Teppichläufers. Im Schneidersitz setzte er sich nach hinten. Erkin, rauchgefüllt bis in seinen Bauch, nahm vor ihm Platz. Der Teppich hob ab, schaukelte einige Jahre über dem Gras und stieg dann über die Wipfel. Von unten herauf quollen Daunenkugeln, um sie herum waberten Gestalten. Gregor glaubte, dass Erkin irgendwie steuern würde, aber er schien die Luftgeister gar nicht zu bemerken und düste unbekümmert durch sie hindurch. Aus Angst vor einem Zusammenstoß rüttelte er an Erkins Schultern und deutete auf die Hindernisse. Wirklich zog der das Gefährt scharf nach unten, aber sie gerieten ins Trudeln. Dann gab es einen Schlag. Sie waren wohl unsanft auf den Boden geknallt und nun lagen sie halb übereinander, Erkin und Gregor. Vom Gras trennte sie nur der Teppichläufer. Lale rang sich ein Lächeln ab.
„Kommt rüber, Tee ist fertig!“
.
Gute Beschreibung und stimmige Bilder. Man darf gespannt sein, ob sich Erkin und Georg nach dem Trip auf der Fußmatte besser verstehen.
Mannomann, hier laufen schon wieder Geschichten über Geschichten, da hat jemand ein Talent für Unterschwelliges!
Genau Georg, äh, Gregor. Hör auf Ginko und gib Klein bei.
Mit Schlenkern und Seitenblicken kreist die Geschichte um das Loch im Eimer. Gregor, Mensch, mach's dicht!
Gefällt mir sehr, toll geschrieben, überzeugende Stimmung und Sprache mit Sogwirkung! Den Zusammenhang mit der Aufgabe kann ich nicht ganz erkennen, aber die Protagonisten sind spannend. Mal eine ganz andere Geschichte von dir, oder gehört das zum Roman? LG Velarani
Beim ersten schnellen Lesen dachte ich: Oh, Gina hat zuviel Spliff geraucht und sich zu früh an die Tastatur gesetzt. Aber nein! Ein langsames, genussvolles Lesen offenbart interessante Infos zu bekannten Personen.
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19076
Andreas stand mit dem Rücken am Heizkörper angelehnt im Wohnzimmer.
Hasserfüllt starrte er seine Frau an.
Monatelang hatte er jede freie Minute geopfert, um bei der Renovierung des Wohnmobils seines Freundes zu helfen, nun erstrahlte es in neuem Glanz.
Sie wollten die Früchte ihrer Arbeit genießen und gemeinsam in Urlaub fahren.
Doch Katia stand ihnen im Wege.
Zehn Tage zuvor verlangte Andreas von seiner Frau. „Finde einen Platz, wo du drei Wochen lang versorgt wirst.“
Die Realität zog einen Strich durch seine Pläne. Alle Kurheime waren belegt und das Krankenhaus wollte sie auch nicht aufnehmen. – Er konnte nicht mitfahren.
Wie ein gefangenes Tier, strebte er nach Freiheit.
„Am liebsten würde ich dir den Hals umdrehen. Dann lande ich zwar im Gefängnis, doch das ist immer noch besser, als mit dir zu leben,“ schleuderte er ihr entgegen.
Katia war am Boden zerstört. Es war nicht ihre Schuld, von ihrem Mann abhängig geworden zu sein. Es blieb ihr nur noch eine Möglichkeit offen, die sie entschlossen ergriff.
Vor Jahren hatte sie sich Schlaftabletten verschreiben lassen. Diese bewahrte sie in einem Medikamentenröhrchen für Kalziumtabletten auf, damit niemand etwas ahnen konnte. Es war ihr letzter Ausweg. Sie wollte ihn nehmen, wenn ihre Schmerzen zu schlimm werden würden, oder die Demütigungen unerträglich.
An diesem Abend wusch sie sich besonders gründlich, putzte die Zähne und zog einen frischen Pyjama an.
Dann nahm sie alle Tabletten auf einmal. Vierundzwanzig Stück, mehr hatte sie nicht.
Katia ließ sich zu Bett bringen und sagte „Gute Nacht“. Keine Träne rann ihren Wangen herunter, ihr Herz umschloss ein eisiger Panzer.
Hallo Putzi, ich habe seit vielen Tagen nichts mehr von dir gelesen hier im Forum. Ich mache mir Sorgen, nach diesem Text. Es wäre schön, wenn du wieder etwas von dir hören lassen würdest. Bitte, wenn du möchtest über evamarcuse@googlemail.com Viele Grüße Eva Marcuse
Hallo Putzi, gratuliere! Diesmal ist Dir eine sehr eindringliche Beschreibung gelungen. Ich bin froh, dass der Versuch gescheitert ist und wünsche Dir weiterhin viel Kraft und Lebensmut und drücke Dir die Daumen, dass Du Dein Vorhaben umsetzen kannst. Liebe Grüße Carola
Liebe Mitautoren. Dieses Mal ließ ich mir Zeit mit meiner Antwort zu Euren Kommentaren. Ich wollte erst Mal sehen, was noch kommt. Generell scheint mein Projekt auf Interesse zu stoßen und die Herzen der Leser zu berühren. Das ist gut so – sehr gut sogar. Doch ich wollte nicht, dass Angela Barotti Tränen in den Augen stehen. Ganz bestimmt nicht. Meine Übung beruht auf Tatsachen. – Jedes Wort davon habe ich erlebt, jede Handlung getan. Es war nur eine der Höllen, durch die Katia bisher gegangen ist. Welche noch folgen werden, steht in den Sternen. Katia überlebte, weil die Medikamente keine Barbiturate waren, und damit nicht tödlich. In der Notaufnahme des Krankenhauses wachte sie auf und war bodenlos enttäuscht. Ihr letzter Ausweg, ihre letzte Entscheidung, ihr letzter Wille ist ihr genommen worden. Nun kann sie nichts mehr tun um sich zu befreien. Sie hat in den Händen keine Kraft mehr, um sich ein Messer in die Brust zu stoßen, oder sich anders zu verletzen. Auch sich die Treppe hinunterstützen ist Unsinn, denn fünf Stufe vom Erdeschoss ins Freie reichen kaum aus um sich das Genick zu brechen. Gerade in diesem Augenblick sitzt Katia am Computer und schreibt diese Zeilen. Weil sie Französin ist kann sie sicher sein, dass niemand in ihrer Umgebung mitbekommt, was sie gerade tut. Diesen Freiraum nutzt sie. Das Buch wird sie schreiben und bei Amazon.de als Book on Demand veröffentlichen. Was Katia sich feste vorgenommen hat, das tut sie auch. Herzliche Grüße, Putzi, die zwar Katia ist, aber einen ganz anderen Namen trägt.
Da ich den Gesamtzusammenhang kenne, gehe ich davon aus, dass die Geschichte hier NICHT zu Ende ist, sondern der Suizidversuch den Wendepunkt darstellt, an dem das Paar versucht, gemeinsam einen Ausweg zu finden. Die Wut über die eigene Gefangenschaft treibt Andreas dazu, von seiner an den Rollstuhl gefesselten Frau das Unmögliche zu fordern: Steh auf und geh! Weil er nicht gehen kann, denn die moralischen Fesseln halten ihn fest. Welchen Ausweg gibt es für sie, wenn sie nur geduldet wird? Manche Frau wird ähnliches erlebt haben, auch wenn ihre Fesseln nicht Rollstuhl heißen, sondern Kinder, fehlendes Einkommen, Schuldgefühle... Danke, dass Du die Geschichte aufschreibst! Ich hoffe, dass wir auch nach dem Romanprojekt in Kontakt bleiben, denn ich möchte sie gern lesen. Notierst Du mal meine E-Mail-Adresse Metta_Maiwald@web.de LG Metta
Hallo Putzi, eine sehr tolle Geschichte. Wie verzweifelt muß ein Mensch wohl, sein um dann soviel Tabletten zu schlucken. Arme Frau, hätte lieber ihren bescheuerten Mann die Tabletten untermischen sollen.Gruß Benita
Liebe Putzi, das ist dir sehr gelungen, finde ich! Es ist knapp und lässt den Leser die Gefühle empfinden, die du durch die Abfolge der Handlung rüber bringst. Der Stil spiegelt die Entschlossenheit der Protagonistin wieder! LG Lillilu
Wow, richtig gut! Man spürt die Lieblosigkeit, die diese Frau von ihrem Mann erfahren muss. Wie traurig, das ihr nur dieser "Ausweg" bleibt.
So, wie Andreas seine Frau in den Tod treibt, wirkt es als indirekter Mord. Perfekt, weil nicht nachweisbar und strafrechtlich ohne Konsequenzen. Dafür muss dann die Autorin sorgen.
Liebe Putzi! Dein Beitrag hat mir die Tränen in die Augen getrieben, so tief hat er mich berührt. Du hast die schicksalhafte Abhängigkeit von Katia ihrem Mann gegenüber sehr gut dargestellt. Ebenso ihr Streben nach dem einzigen Ausweg aus dieser Situation. Warum kann Katia nicht dauerhaft in einer Pflegeeinrichtung leben, damit sie dem Hass ihres Mannes nicht mehr ausgesetzt ist? Weil Andreas nicht auf das Pflegegeld verzichten möchte, das er erhält? Erschütternd! Ich zolle dir meine Anerkennung.
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