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Kapitel 45 mit Übungsaufgabe
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20099
Hier mein Beitrag. Er gehört zwar nicht unmittelbar zu meinem Roman, ist aber eine meiner vielen Kurzgeschichten die ich über dieses Land geschrieben und auch erlebt habe. Ich wohne und arbeite nun seit vier Jahren in Frankreich.
Ich könnte mir gut vorstellen, die eine oder andere Begebenheit in meinem Roman unterzubringen, da der ja auch in Frankreich spielt.
Der alljährliche Lauf in einem kleinen Dorf, mitten in Frankreich, ein grosses Ereignis für die Dorfbewohner
"Schau dort, das ist Peter, der von dem ich dir kürzlich erhählt habe, der von dem wir das Bild in unserem Zimmer hängen haben" Josette zeigte aufgeregt mit ihrer Hand auf einen grossgewachsenen jungen Mann, der an einem kleinen Holztisch stand und Wasser an die durstigen Läufer verteilte.
Sieht gut aus, so gar nicht wie man sich einen Kunstmaler vorstellt, dachte ich bei mir.Kein wirres Haar um den Kopf, keine sonstigen Anzeichen eines Künstlers, sondern wie ein ganz normaler Mensch! Eine Weile beobachtete ich sein Tun aus der Ferne, dann ging ich mit entschlossenen Schritten auf ihn zu. "Hallo, ich bin die Nachbarin von Josette und Gerard." Er schaute mich überrascht und mit einem prüfenden Blick an. "So, so, das ist also die "la petite Suisse", herzlich willkommen in unserem Dorf." Sein offenes Lachen war erfrischend und genau in diesem Moment hatte ich ihn in mein Herz geschlossen.
Die Dorfbewohner standen am Rand eines kleinen Feldweges und feuerten die Läufer vehement mit einem "allez, allez" an. Jung und alt, gross und klein sind, so schien es, an diesem September Sonntagmorgen zum alljährlichen Laufwettbewerb angetreten. Die Luft war immer noch weich und die Sonnenstrahlen wärmten die Haut auf eine angenehme Weise, nicht mehr so stechend wie im Juli und im August. Die Stimmung war fröhlich und ausgelassen. Diejenigen die nicht aktiv am Lauf teilnahmen, engagierten sich, indem sie ihre Kinder, Onkel, Tanten oder Ehegatten mit einem lauten Klatschen unterstützten. Es gab ein paar schwerwiegende Bäuche zu sehen - ganze Familein, die den französischen Volksport gutes Essen mindestens zweimal am Tag zu geniessen - nicht verborgen halten konnten.
Auch die wenigen Touristen die noch hier in den Ferien weilten, waren mittlerweile eingetroffen. Meistens Pariser, die in dieser Gegend Ferienhäuser besitzen. Sie standen etwas abseits, so als wollten sie zum Ausdruck bringen: wir gehören nicht dazu! Aber auch sie klatschten begeistert in die Hände, wenn wieder eine Läufergruppe schnaufend und schwitzend an Peters Tisch vorbeikam und lechzend nach Wasser verlangte.
Der Mittepunkt des Dorfes bestand aus einem Tante Emma Laden. Die Inhaberin wurde von allen liebevoll "Madame Evergreen" genannt, deshalb, weil sie nicht zu altern schien. Es gab einen Fleischerladen, der von Madame Gaugin betreut wurde. Madame Gaugin wusste alles was im Dorf so geschah, sie war die wandelnde Zeitung, nichts blieb ihren Augen verborgen. Ein Friseurladen, eine Bäckerei, eine Tankstelle, eine Post, eine Apotheke und eine Dorkneipe ergänzten den Dorfkern. Die übrigen Einwohner, ca. 600, wohnten weit verstreut auseinander.
Die Kneipe gehörte tagsüber den Dorfbewohnern die sich hier zu einem kleinen Schwätzchen und einem schnellen Aperitif trafen, und am Abend den Touristen. Jacques und seine Frau Yvette - sie soll früher einmal eine Tänzerin in einem Pariser Nachtclub gewesen sein - betreuten die Gäste mit französischem Charme. Yvette war mit pariserischem Schick gekleidet, und ihr onduliertes gefärbtes Haar leuchtete in einem intensiven Rot. Nadine, ein hübsches Mädchen mit langen schwarzen Haaren und einer perfekten Figur, stand am Tag hinter der Bar und servierte am Abend das einzige Menue das auf der Karte zu finden war. Meistens bestand es aus sieben Gängen und diese waren so reichlich bemessen, dass man sich, die vollen Bäuche vor sich herschiebend, kaum mehr zum Auto schleppen konnte. Im Dorf wurde gemunkelt, dass Nadine die leibliche Tochter von Yvette sei, und der Vater, ein Algerier, der in Paris ein Etablissement mit eher fragwürdiger Kundschaft betrieben haben soll.
Josette lief aufgeregt auf mich zu "könntest du mir vielleicht helfen, ich muss nämlich nach der nächsten Runde die Ankunft der Läufer aufschreiben? Sicher kein Problem" erwiderte ich "was muss ich tun, du weisst in der französischen Zählweise bin ich noch nicht so gut?
Nein, nein, du nimmst einfach meine Zettel und bringst sie in unseren Wohnwagen der dort am Strassenrand steht" und schon drückte sie mir eine der Mützen auf meinen Kopf, die alle trugen die an der Organisation dieses Lauftreffs involviert waren. Ab sofort gehörte auch ich zum "Club Rapi d'Eau". Gerard, der Mann von Josette, war der Kopf dieser Gruppe. Selbst ein begeisterter Läufer, war er aber auch ein Organisationstalent, und sehr darauf bedacht, dass sein Dorf nicht wie so viele in Frankreich, in Erstarrnis versinkt.
Gerard ist ein eher stiller und in sich gekehrter Mann, lebt aber auf und ist fast nicht mehr wiederzuerkennen, wenn er mit seinem Club zusammen ist. Eine weitere Leidenschaft von ihm ist sein Garten. Im Frühjahr wird Gemüse aller Art angepflanzt, gehegt und gepflegt. Im Sommer werden dann die Verwandten, die Freunde und die Nachbarn mit Tomaten, Kohlköpfen, Salaten, Kräutern und einigem mehr beschenkt.
Josette ist genau das Gegenteil von ihm. Sie ist offen für alles Neue und neugierig auf die Welt ausserhalb ihres Dorfes.
Ich wartete gespannt auf die Ankunft des Siegers. Es dauert sicher noch eine Weile bis der eintrifft und beobachte die Dorfbevölkerung, die am Wegesrande stand und sich lautstark und in einem für mich fremden Französisch unterhielt. Es war nicht das Französisch, das ich auf Sprachkassetten gehört hatte, es war ein "patois" das von irgendwo aus dem Kehlkopf kam und durch die Nase schlürfte, bevor es als Sprache ins Freie trat.
Jean-Claude, der Bruder von Josette, trat auf mich zu. Ein kleines Männlein mit listigen Aeuglein. "Eh bieng" gefällt es dir hier?" und er schaute mich dabei fragend und kritisch an, so als wollte er sagen - ihr Städter wisst ihr überhaupt, wie wir hier auf dem Land leben. Ich bejahte seine Frage mit einem heftigen Kopfnicken.
Tische, Bänke und ein überdimensionierte Grill wurden auf dem kleinen Dorfplatz aufgebaut. Die Sonne verschwand langsam am Horizont. Die Mondsichel erschien und auch der Abendstern funkelte schon über dem Kirchturmspitz. Der Höhepunkt des Laufanlasses begann.
In der Kneipe herrschte Hochbetrieb. Die Dorfbewohner standen Schulter an Schulter an der Bar und genehmigten sich einen Drink - denn ohne eines dieser halbsüssen oder süssen Getränke kann in ganz Frankreich kein Essen beginnen.
Und dann kamen sie, die Majoretten. Sie trugen kurze weisse Röcke und blonde Zopfperücken, ihre krummen Beine steckten in rosafarbenen Strümpfen. Peter führte die Gruppe an, gefolgt vom Apotheker, dem Tankwart, dem Postchef und weiteren wichtigen Personen des Dorfes. Der Tanz der Majoretten war einer der Höhepunkte des Abends. Alles drängte sich nach draussen um ja den Abgang nicht zu verpassen. Die Dorfblasmusik schmetterte die "Marsaillaise" und los gings! Die Hüften schwingend und die Oberkörper wiegend bewegten sich die Majoretten in Richtung Dorfplatz. Die Stimmung wurde immer ausgelassener, auch die Pariser waren nun etwas lockerer geworden und mischten sich unter die Dorfbevölkerung.
Auf dem Grill brutzelten schon mächtige Fleischstücke, Melonenschnitze waren auf grossen Platten aufgetürmt, riesige Brotlaibe warteten darauf geschnitten zu werden, und natürlich jede Menge Wein, der in irdenen Krügen auf den Tischen standen.
"Hallo" Peter setzte sich zu mir an den Tisch. "Peter wie kommt es, dass du als Engländer,in diesem Dorf so gut integriert bist?"
"Gerard, Josette und Jean-Claude, eigentlich die ganze Familie haben mir dabei geholfen. Sie haben mich aufgenommen wie ihren eigenen Sohn. Sie brachten mit die französische Sprache bei - ich konnte nämlich kein einziges klitzekleines Wörtchen, als ich mich hier niederliess. Ich liebe dieses Stückchen Erde und ich bereue es bis heute nicht, dass ich von London weggezogen bin. Es war schon während meiner Studienzeit mein Traum, so zu leben. Diese wunderbare Landschaft auf der Leinwand festzuhalten. Jetzt ist mein Traum Wirklichkeit geworden. Ich bin glücklich hier."
Zur vorgerückten Stunde tanzte ich dann mit dem Postmeister, dem Apotheker und noch einigen anderen, die ich nicht kannte. Es wurde sehr, sehr spät.
Am nächsten Morgen packte ich kurzerhand zwei Gläser Marmelade in meinen Korb und besuchte Peter.
Das soll ein umgebauter Stall sein? Strahlend blaue Läden begrüssten mich. Romantische Gartenecken luden zum Verweilen ein. Der weite Ausblick über die Weinreben weckte Sehnsüchte. So wohnt also ein Kunstmaler, der mittlerweile seine Bilder auch in Nordamerika ausstellt?
Irgendwie kommt mir das alles ein bisschen bekannt vor, aber ich habe mich beim Lesen amüsiert.
Eine liebevolle Beschreibung eines kleinen Dorfes in Frankreich. Gut gefällt mir der Satz...es war ein "patois"....Das Wort "onduliert" habe ich schon lange nicht gelesen. L.G. Gerhild
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20076
Isabel bog in die Straße ein, die zu Herrn Walters Haus führte. Dieses von Fliederbüschen und Akazienbäumen gerahmte alte Gebäude mit der verwaschenen Klinkerfassade war das letzte Grundstück der Straße, ganz am Ende der Sackgasse. Isabel hielt an und war buchstäblich im selben Moment schon aus dem Auto ausgestiegen. Deshalb musste sie natürlich kurz warten, bevor sie das Auto abschließen konnte, denn so schnell konnte ich diese Sardinenbüchse für menschliche Wesen nicht verlassen. Ich beeilte mich sehr, sie spielte die geduldige, der das überhaupt nichts ausmachte.
Eine Unterhaltung kam nicht mehr zustande, bevor sie die Wohnung aufgeschlossen hatte und wir den alten Mann begrüßten, der heute noch in seinem Bett lag. Freundlich schüttelte erst Isabel, dann ich ihm die Hand. Er jedoch sah mit bitterböser Mine auf seine Armbanduhr und verkündete: „Halb neun, meine Damen.“
„Jawohl, Herr Walter, so ist es. Ihre Uhr scheint von guter Qualität zu sein.“ Isabel schlug seine Bettdecke zurück, ich griff ihm unter die Arme, um ihm Sicherheit beim Aufstehen zu geben. Doch er machte keine Anstalten zu versuchen, seine Lagerstatt zu verlassen.
„Acht Uhr fünfzehn Minuten ist als Termin ausgemacht. Ich muss doch auch voll bezahlen an Euch, nicht nur die Hälfte.“ Er hustete stark.
„Wir bleiben ja dafür auch ein paar Minuten länger“, konterte ich spontan. Dabei trafen sich Isabels und mein Blick; ihre Augen schauten so zornig, das ich die Worte viel besser aus ihrem Blick lesen konnte, als ihr Mund sie je verraten hätten: Bist du irre? Wir haben einen straffen Zeitplan! Oder willst du die Zeit hinten an den Dienst dran hängen? Beweg lieber deine Pfunde etwas schneller...`
Ich griff Herrn Walter beherzt unter die Achseln, als sein Husten aufgehört hatte und zog ihn förmlich aus dem Bett. Er ließ sich das gefallen, schien aber absichtlich sein volles Körpergewicht in meine Hände zu legen. Isabel griff auf der anderen Seite zu und wir trugen ihn fast zu seiner Toilette.
Nun muss man wissen, das Herr Walter schon seit fünf Jahren Witwer ist und seitdem keine Freundin mehr hatte. Das tue man nicht mehr mit 75 Jahren, hatte er oft verschämt vor sich hin gemurmelt, als er noch bei besserer körperlicher Konstitution und Laune war. Er hatte keine Kinder, die mal nach ihm hätten sehen können, und vermögend war er wohl auch nicht, eher das Gegenteil. Schon lange wollte ihm die Krankenkasse einen Platz in einem Pflegeheim geben, doch er lehnte das noch immer vehement ab. Lieber wolle er sterben als in so ein Haus für die letzten Stunden zu gehen und all die Spieler kurz vor dem Abpfiff zu beobachten, hatte er uns und den Damen und Herren vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen schon oft gesagt.
Bisher war das auch kein so großes Problem gewesen, denn er war bis heute immer in der Lage gewesen, selbständig sein Bett zu verlassen. Unterstützend ging die Pflegekraft morgens immer mit zur Toilette, denn morgens spielte sein Kreislauf oft verrückt.
Jeder Pflegekraft war klar, was sie erwartete, wenn sie Herrn Walter besuchte und ihn unter anderem in sein Badezimmer begleitete.
Ich öffnete mit der freien Hand die Tür zum Badezimmer. Der Hauch von letzter Nacht und altem Mann in einem kleinen Raum, dessen Fenster immer fest verschlossen war, wenn wir es betraten, schwappte uns entgegen und überrollte uns wie jeden Morgen. Ich hatte vergessen, die Luft anzuhalten.
Isabel zog ihm die Schlafhose herunter und wir setzten ihn langsam auf die Toilettenbrille aus Holz. Diese hatte ihre besten Jahre schon hinter sich, wie die dunkelbraunen Flecken zeigten. Letzte Woche, als ich nicht hier gewesen war schienen einige neue dazu gekommen zu sein.
Isabel warf mir einen Blick zu, der mir bedeutete, ihn ja richtig festzuhalten, ließ ihn los und machte einen Satz zum Fenster, um die Gardine an den Rand zu ziehen und den Fensterflügel so weit aufzureißen wie es nur möglich war.
„Nicht so weit, das zieht doch.“ Herr Walter hustete sofort los, eine Spur zu laut und zu lange, um glaubwürdig zu sein.
Isabel und ich verließen sofort das Bad. „Sie sagen Bescheid, ja?“ flötete Isabel durch die angelehnte Badtür.
„Außerdem kommen die ganzen Fliegen herein.“
„Wollen Sie da nicht mal ein Fliegengitter reintun, Herr Walter, dann kann das Fenster die ganze Nacht angekippt bleiben...“
Während er da drinnen regelmäßig mindestens eine Viertelstunde zubrachte, schüttelte ich immer seine Bettdecke und das Kopfkissen auf, zog das Bettlaken straff und kontrollierte, ob es noch sauber war. Das war es heute zum Glück.
Meine Worte wurden von der Schärfe seiner Antwort buchstäblich zerschnitten. „Na klar, das die Einbrecher nachts ganz leichtes Spiel haben. Die machen schon ein zues Fenster in zwei Minuten auf, das haben sie im Fernsehen gezeigt. Neeeehhhh, so weit geht die Freundschaft nicht.“ Es war mir immer wieder unverständlich, wie man von diesem stillen Örtchen aus Konversation betreiben und sogar streiten konnte. Ich an seiner Stelle hätte mich ganz ruhig verhalten.
Isabel setzte Kaffeewasser auf und schmierte ihm zwei Toastbrotscheiben. Die eine mit Honig, die andere mit Salami. Seit sie ihn kannte, hatte sie mir mal erzählt.
„Schwester...?“
Das war aber heute flott gegangen. Ich nickte Isabel kurz zu, sie solle weitermachen und begab mich zu dem alten Mann. Die Luft war jetzt trotz großen Geschäftes etwas besser als beim allmorgendlichen ersten Betreten. Mit viel Toilettenpapier und einem der teuren Feuchttücher, auf die er so Wert legte, putzte ich seinen Po sauber, nachdem er fast von selbst aufgestanden war. Ich spülte zum zweiten Mal und zog ihm die Hose hoch. Die zwei Schritte bis zum Waschbecken bewältigte er auch fast allein. Ich atmete auf, er war nicht viel schlimmer dran als sonst.
Er wusch sich das Gesicht, ich schrubbte über der Badewanne sein Gebiss, das ich aus dem nächtlichen Wasserglas geholt hatte. Das war eine Ehre, denn außer mir ließ Herr Walter niemanden an seine Zähne. „Die sind zu teuer.“ hatte er immer geschimpft, wenn eine Kollegin das morgendliche Putzen hatte erledigen wollen.
Ich habe keine Ahnung wieso, aber bei mir sagte er nichts. Ich spülte sorgsam nach und brachte sie ihm mit einem aufmunternden Lächeln. Er antwortete ebenfalls mit einem Lächeln, dem ersten zahnlosen Lächeln dieses Tages, nahm die Prothese von mir und schob sie sich in den Mund.
Das Thema ist sehr interessant und gewinnt zunehmend an Bedeutung und politischer Brisanz. Ist es der Anfang oder ein Ausschnitt aus einem Roman? An einer Stelle steht nun muss man wissen, das erinnert ein bisschen an schulaufsatzeinschub, kann man streichen. das wort lagerstatt ist ein bisschen komisch, du wolltest wahrscheinlich das wort bett vermeiden. die passage nach dem muss man wissen geht dann vom stil her in eine reportage über, erscheint mir ein bisschen als bruch. vielleicht wäre es eleganter und unmittelbarer im präsens zu schreiben? dann ist der geschichtliche einschub einfacher. mir ist nicht ganz klar von der perspektive her wer sie ist, eine praktikantin, neue pflegeschwester? am bildschirm lesen ist manchmal schwierig für mich. bitte diesen kommentar nur als anregung, nicht als harsche kritik auffassen, insgesamt finde ich es sehr interessant
Eine gute Beschreibung der schwierigen Aufgabe der ambulanten Pflege. Du beginnst mit Fliederbüschen und Akazienbäumen und beendest den Text mit einem "zahnlosen Lächeln", das finde ich tröstlich. Nur das Wort "zue" gefällt mir nicht, auch wenn es Herr Walter verwendet hat. L.G. Gerhild
Hallo Sarah, ein schöner Text über ein wichtiges Thema. Ich würde ihn allerdings noch einmal überarbeiten und kürzen. Zum Beispiel: Deshalb musste sie natürlich kurz warten, bevor sie das Auto abschließen konnte, denn so schnell konnte ich diese Sardinenbüchse für menschliche Wesen nicht verlassen. Ich beeilte mich sehr, sie spielte die geduldige, der das überhaupt nichts ausmachte. ein wenig gekürzt: Deshalb musste sie kurz warten, denn so schnell konnte ich diese Sardinenbüchse nicht verlassen. Ich beeilte mich sehr, sie spielte die Geduldige. Aber das ist ja auch alles "Geschmackssache". Lieber Gruß Monika
Der Einstieg mit der Beschreibung der Straße ist sehr schön. Die Sardinenbüchse für menschliche Wesen und der Satz "ich beeilte mich SEHR" gefallen mir nicht so. Der restliche Text mit seinen Dialogen ist lebendig aufgebaut.
In unserem Stadtviertel sehe ich die meist jungen Damen oft eiligen Ganges vom Auto zur Haustür oder umgekehrt gehen. Autos mit der Aufschrift "Häuslicher Pflegedienst" und Ähnliches. Die Arbeit ist gewiss physisch und psychisch anstrengend und Eile ist immer geboten. Die kurze Zeit bei Herrn Walter ist sehr gut geschildert. Das Einflechten der Sackgasse finde ich gut, in der steckt doch Herr Walter und die beiden Damen in Bezug auf Zeit auch. Und das für einen älteren Menschen, der allein lebt, 8.15 Uhr auch 8.15 Uhr heißt und nicht 8.30 Uhr, das ist verständlich. In dieser Situation sieht er nur sich und nicht die vielen vor und nach ihm zu betreuenden Patienten.
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20075
Zur Linde
„Hallo Oma und Opa, ich habe ein Problem,“
„Guten Tag Michael, du kommst angestürmt, was ist denn los? Hallo Tobi, du freust dich wie immer.“
Opa Manfred begrüßte seinen Enkel und streichelt den freudig mit dem Schwanz wedelnden Terrier.
„Wo liegt denn das Problem? Die Sommerferien haben begonnen.“
Michael, der im Frühjahr seinen 14. Geburtstag gefeiert hatte, druckste herum.
Oma Frieda gab Tobi frisches Wasser in die Schale und für ein Leckerli wedelte sein Schwanz umso heftiger. Michael bekam ein Glas Apfelsaft.
„So, mein Freund, nun seid ihr beide versorgt, jetzt heraus mit der Sprache, ich bin ganz Ohr.“
Über seine Lesebrille, im bequemen Sessel sitzend, schaute Opa seinen Enkel freundlich an.
„Hat Papa schon angerufen?“
„Nein.“
„Dann wisst ihr noch nichts davon. Papa soll ein Jahr in unserer Botschaft in Vietnam arbeiten.“
„Und warum bist du so traurig?“
„Papa kann in dem Jahr nicht nach Hause kommen und deshalb sollen Mama und ich mit.“
„Das ist doch schön für dich, du lernst ein anderes Land kennen, siehst etwas von der weiten Welt.“
„Ja, das schon. Nur, nur, wir können Tobi nicht mitnehmen.“
„An Tobi habe ich im ersten Moment nicht gedacht. Hast du bei deinen Freunden schon gefragt.“
„Ja, aber ohne Erfolg. Deshalb wollte ich fragen, Opa, ob du vielleicht, eventuell. Ein Jahr ist nicht lang.“
Einen Moment war Ruhe. Oma grinste hinter vorgehaltener Hand.
Opa, recht nachdenklich, sagte langsam: „Michael, du weißt doch, wie weit ich gehe.“
„Ja, ich weiß, nur so weit, wie dein Auto lang ist. Deshalb habe ich mich nicht getraut zu fragen.“
Opa rückte sich im Sessel zurecht. „Michael, ich freue mich für deinen Papa und das ihr drei für ein Jahr nach Vietnam reisen könnt. Nur mit dem Tobi, da muss ich erst eine Nacht drüber schlafen.“
„Gut, Opa, in einer Woche soll die Reise schon losgehen und ich möchte ihn nicht ins Tierheim geben.“
Michael blieb noch zum Mittagessen.
Fortan kämpften in Opa zwei Seelen, das Helfen wollen und seine Bequemlichkeit.
„Frieda, ich habe genau gesehen, wie du gegrinst hast. Dir wäre es wohl sehr recht.“
„Natürlich bin ich dafür und Frau Doktor würde es auch begrüßen. Es wäre gut für deinen Kreislauf, dein Zuckerpegel würde sich verbessern, soll ich noch mehr aufzählen?“
„Schon gut, schon gut. Ich denke nach.“
Opa kam beim Mittagsschlaf nicht zur Ruhe, kleckerte nachmittags mit der Kaffeetasse, rutschte unruhig im Fernsehsessel hin und her und hatte die ganze Nacht Alpträume.
Beim Frühstück fragte Oma ganz scheinheilig. „Gehst du dann immer vor dem Frühstück mit Tobi oder hinterher.“
„Lass mich in Ruhe“, antwortete er unwirsch.
Am Vormittag kam Michael ganz fröhlich zur Tür herein.
„Nanu“, staunte Oma, „du freust dich so?“
„Ja, wir haben heute überlegt, wie Opa sich entscheiden wird. Mama und Papa haben übereinstimmend gesagt: Michael, du hast einen klugen Opa, der weiß, dass die täglichen Spaziergänge auch für ihn gut sind, und deshalb wird er zusagen.“
Opa saß in seinem Sessel und sagte kein Wort. Dann kam die zaghafte Frage:
„Wann würdest du Tobi bringen?“
Michael wand sich ein wenig.
„Opa, ich überfalle dich gewissermaßen. Wenn du einverstanden bist, würde ich Tobi schon am Sonntagnachmittag zu euch bringen. Wir haben noch viel zu erledigen.“ Ein Aufatmen ging durch den Jungen. Er schaute gespannt auf seinen Opa.
„Schon am Sonntag? Das ist in zwei Tagen. Warum so schnell?“
Nun meldete sich Oma: „Weißt du, ob den nächsten Sonntag oder in einer Woche, das ist doch egal. Du hockst jetzt zu Hause rum und in einer Woche auch. Sag endlich Ja und Michael freut sich.“
Nachdenklich schaute Opa zu seiner Frau: „Und wo soll Tobi schlafen?“
„Neben meinem Nähtisch habe ich schon Platz gemacht für sein Körbchen. Sag bloß du hast das noch nicht bemerkt?“
Opa richtete sich in seinem Sessel auf. „Ich sehe, ihr beide habt euch gegen mich und andererseits auch für mich entschieden. Mein Geist sagt mir auch, dass mehr Bewegung für mich gut ist. Also abgemacht, Michael, Sonntagabend, 18.00 Uhr, ist mein erster Gassigang mit Tobi.“
Michael atmete erleichtert auf und fiel seinem Opa freudestrahlend um den Hals.
„Opa, du brauchst auch nicht so schnell gehen, am besten wäre der Feldweg bis zur Linde, Tobi kennt die anderen Hunde, die dort ausgeführt werden.“ Die Worte sprudelten aus Michael heraus.
„Eigentlich gefällt mir der neue Tagesablauf ganz gut“, fing Frieda eines Morgens nach einem kräftigen Schluck aus der Kaffeetasse an. „Ich kann mich in Ruhe waschen und fertig machen, das Frühstück zubereiten, keiner drängelt, mir gefällt das.“
Manfred biss in sein geliebtes Butterbrot mit Rübensirup und murmelte nur ein paar unverständliche Worte.
„Was hast du gesagt?“
„Was ich gesagt habe? Ich habe immer noch Muskelkater vom vielen Laufen. Aber nun habe ich zugesagt, nun muss ich auch die restlichen dreihundert und wer weiß wie viel Tage durchhalten.“
„Das wirst du, davon bin ich überzeugt. Und wer weiß, was danach kommt?“
„Habe ich dir schon erzählt? Gestern habe ich den Eberhard kennen gelernt. Er geht mit seinem Schäferhund auch den Weg bis zur Linde. Die beiden Hunde verstehen sich gut, sie toben um uns herum, das ist eine Pracht.“
„Und was ist mit dem Eberhard?“
„Er hat auch auf der Warnowwerft gearbeitet, als Schweißer, auch von 1950 bis 1985. Wir haben viele gemeinsame Bekannte.“
„Na, dann habt ihr gewiss eine Menge Gesprächsstoff?“
„Heute habe ich ganz nasse Füße. Das Gras ist vom Morgentau pitschenass.“ Stöhnend und schimpfend zog Manfred die nassen Socken aus. „Der Paul hat so bequeme kurze Gummistiefel, solche könnte ich auch gebrauchen.“
„Wer ist denn Paul? Und hat er gesagt wo er die gekauft hat?“
„Habe ich dir von Paul noch nicht erzählt? Er hat einen Dackel namens Waldemar. Der ist bald mehr breit als lang. Er muss ihn unbedingt auf halbe Kost setzen. Mein Glück, dadurch gehen wir nicht so schnell. Paul stammt auch von der Warnowwerft, hat aber nur 10 Jahre dort gearbeitet, dann wurde er invalide geschrieben, wegen seinem Herz.“
„Wo hat er die Gummistiefel bekommen?“
„Ach ja, die Gummistiefel, in dem kleinen HO-Schuhladen in der Reuterstraße. Wir sollten Tobi zum Schuhladen mitnehmen. Die Verkäuferin ist Hundeliebhaberin und da haben wir mehr Chancen solche Stiefel zu bekommen?“
„Guten Tag.“
„Guten Tag. Sie wünschen? Ach ist der Kleine süß. Wie heißt er denn?“
„Tobi.“
„Tobi, dass passt zu dir. Du bist bestimmt so ein kleiner Racker, machst deinem Herrchen viel Freude.“
„Ja eigentlich sind wir wegen dem Hund bei ihnen“, fing Frieda an. „Wissen sie, mein Mann geht mit ihm immer Gassi und jetzt ist morgens das Gras so feucht und da bekommt er immer nasse Füße.“
„Ich weiß Bescheid, sie suchen ein Paar nicht so hohe Gummistiefel. Wenn sie mit so einem lieben Hund Gassi gehen, - wie artig er sitzt -, finde ich bestimmt was Passendes. Welche Schuhgröße hat denn das Herrchen?“
„Vierundvierzig.“
„Vierundvierzig, das ist gut, zweiundvierzig wäre schlecht gewesen. Ich schaue nach.“
Kurz darauf lagen die passenden Gummistiefel auf dem Ladentisch.
„Es wird bald Winter. Ich hätte noch ein Paar gut gefütterte kurze Stiefel. Bei Schnee und Frost sind die zum Gassigehen sehr zweckmäßig.“
Oma und Opa schauten sich an und nickten sich zu.
„Das ist nett von ihnen, sie haben ein Herz für Hunde.“
„Heute ist ein Wetter, bei dem man keinen Hund vor die Tür jagt. Minus zehn Grad und Windstärke sechs. Bloß gut, dass wir damals die gefütterten Stiefel gekauft haben.“
„Setz dich und trink eine Tasse Kaffee. Ich habe auch extra Brötchen aufgebacken. Dem Tobi war es wohl auch zu kalt, der rollt sich gleich in seinem Körbchen zusammen.“
„Bei Sturm Gassigehen ist irgendwie einsamer. Ich treffe zwar Eberhard und Paul und die anderen. Nur wir können kaum miteinander sprechen. Man müsste laut brüllen um sich zu verständigen. So stapft man schweigsam nebeneinander her.“
„Früher hast du bei solchem Wetter nur im Sessel gesessen und auch nicht geredet. Und jetzt auf einmal fehlt dir das Gespräch.“
„Frieda, ich habe etwas Birkengrün mitgebracht.“
„Das ist schön, du holst uns den Frühling ins Haus. Ich mache die Vase gleich fertig.“
Das frische Grün auf dem Tisch belebte das Wohnzimmer. Die Sonne schien. Der Frühling kehrte ein.
„Na Manfred, ich habe den Eindruck, du hast dich an das Gassigehen gewöhnt. Triffst nette Gesprächspartner. Mit Eberhard hast du dich näher befreundet. Tobi ist ein Gewinn für dich.“
„Na ja, was heißt gewöhnt, oft möchte ich schon lieber auf der faulen Haut liegen. Gewiss, die Bekanntschaften hätte ich nicht gemacht und Frau Doktor ist auch zufrieden mit mir. Aber ich werde froh sein, wenn Michael seinen Tobi zurückholt.“
„Bis zum Sommer ist es nicht mehr weit. Das schaffst du schon noch.“
„Michael hat angerufen. Er kommt schon morgen.“
„Morgen?“
„Ja, morgen Nachmittag.“
„Hallo Oma, hallo Opa, wir sind wieder da.“
„Junge, lass dich erst mal anschauen, bist gewachsen, kräftiger geworden. Danke für die vielen Briefe. Sie waren so interessant geschrieben, dass wir sie immer wieder gelesen haben.“
Frieda tischte eine selbstgebackene Erdbeertorte auf, bei deren Anblick Michael strahlte.
„Oma, die sieht gut aus. Erdbeertorte habe ich schon lange nicht mehr gegessen.“
„Setz dich hin und hau rein.“
Nachdem auch Opa saß kam die Frage: „Bleibt dein Papa jetzt hier“
Langsam antwortete Michael: „Ja. Einerseits ist es schade, mir hat es in Vietnam gefallen, aber andererseits freue ich mich auch auf meine alte Klasse.“
Tobi pendelte zwischen Opa und Michael hin und her, als ob er keinem wehtun wollte.
„Willst du Tobi gleich mitnehmen?“, fragte Opa ganz vorsichtig.
„Ja natürlich.“
Von der Torte blieb kein Krümelchen übrig und eine Stunde später saßen Oma und Opa allein.
Am nächsten Morgen fragte Oma erstaunt: „Wo willst du denn hin? Michael hat doch Tobi gestern geholt.“
“Zur Linde.“
Hallo Warnow. Eine schöne Sammlung von Dialogen und einer erfüllten Vorsehung. Im Prinzip ist klar, worin es Enden wird. Das schmälert Deinen Beitrag aber nicht, es macht ihn sympatisch. Mir hätte vielleicht die kurze Einleitung gereicht, ein Dialog zwischen den Alten und ein gedanklicher Monolog des Großvaters, kurz bevor er Tobi wieder hergeben muß. LG M.P.
Gefällt mit gut. Ich glaube, manchem älteren Herren würde ein Tobi gut tun. Nett geschrieben!
Hallo Warnow, eine nette Geschichte. Opa wird sich sicher auch einen Hund zulegen. Eine gute Idee.Gruß Benita
Lieber Warnow, ich erinnere mich an diese erfrischende, lebendig und natürlich geschriebene Geschichte. Sie gefällt mir sehr! einen Augenblick habe ich über meine Reaktion nachgedacht, wenn mich mein Enkel - nun gut, er ist noch zu klein - gefragt hätte ... Eigentlich weiß der Leser schon am Anfang - oder hofft es zumindest -, was passieren wird. Und weil sich alles liebenswert fügt, ist Dein Text so wohltuend. Herzliche Grüße aus Kiel.
Hallo Warnow, eine nette Erzählung! Bringt mich zum Schmunzeln. Fehlt nur noch, dass sich der Opa jetzt einen eigenen Hund zulegt.
Ein ganzes Jahr in ein paar Absätzen zusammengefasst, irgendwie schön! Es gibt viele Menschen, die einen solchen Tobi gebrauchen könnten. Viele Grüsse, Numungo (20016).
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20071
Die Sonne kippte hinter den Bergkamm und plötzlich war es stockfinster. Ich folgte dem Pfad, der sich durch staubiges Gras den Hügel hinauf schlängelte.
Ich war kein Naturmensch, nie gewesen und jetzt sollte ich hier - inmitten einer dreckigen Landschaft - meinen Löffel abgeben?
Ein Lachanfall schüttelte mich, und der Husten, der darauf folgte, ließ mich die letzte Mahlzeit auskotzen. Nahrung für Hungernde. Am Ende wurden eben alle Sünder zu Gutmenschen.
Ich setzte mich auf den Boden. Es roch nach Hundepisse und verkohltem Holz. Eigentlich müssten jetzt Engelschöre zu hören sein, oder doch wenigstens des Teufels Jazz-Band. Doch lediglich ein paar Insekten zirpten im Gebüsch. Vermutlich waren die Viecher auf der Suche nach einem Partner; es war wie immer, die Welt drehte sich nur um Sex.
Die letzte Zigarette hatte ich hastig geraucht, obwohl es noch Stunden gehen konnte. Ich legte mich hin und blickte zum Himmel hinauf. Vereinzelte Tropfen klatschten mir ins Gesicht. Ich würde also nass von dieser Erde verschwinden, genau so, wie ich gekommen war. Ich nickte.
Dein Beitrag gefällt mir sehr gut. Genau wie dein Stil. Doch die kippende Sonne am Anfang gibt deinem Text eine ungewollte Komik, die nicht zum Rest passt. In welchen Breitengraden spielt denn deine Geschichte, dass eine plötzliche Finsternis eintritt, wenn die Sonne hinter den Bergen verschwindet? Weshalb gibt es keine Dämmerung?
Hallo Mata, ein interessanter Text. Er sagt in dieser Kürze sehr viel aus. Du hast es sehr gut geschrieben. Gruß Benita
Eine schöne Idee für einen Text, in eigenwilliger Sprache. Nicht ganz mein bevorzugter Stil - aber gut so. :)
Hallo liebe Kommentator/innen ... entschuldigt, wenn ich so spärlich hier bin, aber ich bin im Moment mit einem (eigenen) Projekt beschäftigt, das kurz vor seinem Abschluss steht. Trotzdem herzlichen Dank dafür, dass ihr meinem kleinen Intro so viel Aufmerksamkeit schenkt. Ich hatte mal die Idee, mit dieser Eingangssequenz eine längere Geschichte anzufangen und war mir nie sicher, ob der Stil nicht zu krass ist bzw. ob man durch die paar Zeilen wirklich Lust bekommt, weiter zu lesen ... oder ob sie nicht eher abschrecken. Nach euren Reaktionen zu urteilen, kann man dem "Aufhänger" aber durchaus was abgewinnen. Das freut mich ungemein ... man ist doch immer so unsicher, nicht? Besten Dank also für eure Meinung und (hoffentlich) bis bald. lG, Mata
Ich bezeichne das mit Galgenhumor. Die Ich-Person gibt sich lieber sarkastisch als depressiv. Sogar vor sich selbst; sie glaubt, sie könne sich etwas vormachen. Das Nicken am Ende bedeutet, sie nimmt ihr Schicksal an. Und doch wird "etwas" kommen, das sie rettet. Vielleicht lässt der Tod zu lange auf sich warten - über Stunden hinaus - und der Regen wird nasser, sintflutartig nass und vor allem kälter, eisekalt? Interessanter Text! Ich warte mit Spannung. Liebe Grüße.
Großartig! Mehr fällt mir dazu nicht ein. Außer: Wenn es noch Stunden gehen kann, dann regnet es vielleicht nicht mehr und er ist längst wieder trocken und kann gar nicht mehr nass von der Erde verschwinden. Na ja, ich hoffe, Kili (???) überlebt eh...:-)
Den Tod vor Augen wird kaum jemand gute Laune haben, aber dieser bittere Humor? Nun, ich bin mir sicher er ist irgendwie begründet. Ansonsten finde ich nämlich alles interessant und nachvollziehbar und gut, was Du geschrieben hast. LG Anita
Natürlich weiß der ich-Erzähler, dass er nicht krepieren wird, weil er sonst nichts zu erzählen hätte. So lässt sich gut auf kühler Typ machen. Keine Spur von Todesangst? Das Sterben nur ein lästiger Akt? Ich glaube es einfach nicht.
Du hast eine markante Erzählstimme entwickelt. Ich möchte mehr darüber wissen, was hier passiert, wo, wann, warum. "Nahrung für Hungernde" ist sehr sarkastisch!
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20057
Wie ein Wolf hing Kelian gierig über Marie. Es fehlten nur noch der Speichel, der in langen Fäden von seinen Kiefern trof. Langsam zog Kelian die Hand von Maries Brust zurück und setzte sich auf den Boden. Er machte sich nicht die Mühe sein Gewehr zu suchen. Eagle verstand, Kelian wollte einen Zweikampf. Mann gegen Mann. Ohne Waffen. Und es war an Eagle sich darauf einzulassen. Er könnte ihn niederschießen und niemand würde ihn dafür verurteilen. Außer er selbst.
Eagle hielt das Gewehr im Anschlag. Er zielte auf Kelians Kopf. Er musste nur noch abdrücken und alles wäre vorbei. Aber hinter Kelian war Marie und die Kugel würde mit Leichtigkeit seinen Kopf durchschlagen und Marie treffen.
Ich werde mich unbeliebt machen, aber das Risiko muß ich eingehen. In Deinem kurzen Text finden sich drei Personen, die namentlich so oft erwähnt werden, dass der Lauf der Geschichte ins Wanken gerät. Kelian taucht fünf Mal auf, Marie vier und Eagle ganze drei Mal. Die ersten beiden Sätze sind gestelzt und haben keinerlei Wirkung. Vielleicht auch deshalb, weil der Leser nicht weiß, um was es geht und die folgenden Sätze nichts mit den beiden zu schaffen haben. Wenn sie beim Vögeln überrascht werden, wo ist dann die Reaktion? Die muß ja nicht peinlich berührt sein, aber es würde eine geben. Ist Marie nur ein Name, oder verfügt sie über Emotionen, Gedanken und andere Kleinigkeiten, die einen Menschen ausmachen? Ist Kelian eine verkapte Comicfigur, die erst grabschend wie ein Affe das Fräulein bumst, und dann, blöd wie Stroh, sein Leben in die Hände seines Feindes legt? Mal ehrlich, Deine Geschichte spielt zu Zeiten, in denen es schon Feuerwaffen gibt, Kelian sollte gescheiter sein und sich nicht in solch eine dumme Lage bringen. Oder ist die Hauptfigur Eagle, der sich den Konkurenten vom Hals schaffen will, weil der sein Weibchen geschändet hat? Dann sollte er dem sabbernden Wolf gehörig das Fell gerben und dann über die Ohren ziehen. Und sorry, aber der letzte Absatz kratz an meiner Ehre. Wenn einer einem anderen ein Gewehr an den Schädel hält ist wohl klar, dass alles vorbei sein kann. Ich weiß, dass ich Dir mit dem Kommentar weh tun werde. Das möchte ich eigentlich nicht und bitte um Verzeihung. Aber Du stellst Deinen Text ein, um ihn Bewerten zu lassen. Vielleicht sehen es die anderen nicht so, da mußt Du abwarten. Ich würde mich freuen, wenn Du deinen Text noch mal zur Hand nimmst und ihn gehörig überarbeitest. LG M.P.
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20051
„Ich schlage vor, Sie ficken sich ins Knie“, sagte Rena.
Die Sachbearbeiterin seufzte und rollte auf ihrem Schreibtischstuhl zu einem der Aktenschränke hinter ihr, über denen das Symbol der Agentur für Arbeit hing.
„Das ist dein einziger Vorschlag, Rena?“
Sie grinste und ritzte mit dem Messer die vierte Kerbe in das dunkle Holz des Schreibtischs. Vier Mal war sie auf diesem Stuhl nun schon der Frau gegenübergesessen. Am Schlimmsten der Geruch, der hier an allem haftete, und von dem sie wusste, woher er kam. Sie musste nur sehen, wer draußen auf den Wartebänken saß und nach ihr drankommen würde.
Und, wie viele Bierflaschen dort auf dem Boden standen.
„Du brauchst das nicht, Rena, das weißt du“, sagte die Sachbearbeiterin. Sie rollte zurück, einen Aktenordner grau wie ein Grab in ihrer Hand. „Mit einem Realschulabschluss lässt sich-“
„lässt es sich gut in ihren Tisch ritzen.“
Sie ließ das Messer zusammenschnappen und lehnte sich soweit auf dem Stuhl zurück, dass die Lehne quietschte.
„Wollen Sie noch was?“, fragte Rena.
Die Vier Kerben hielten den Blick der Sachbearbeiterin fest.
„Ich will dir helfen“, sagte sie. „Seit letzten Dienstag-“
„Alle wollen mir helfen“, sagte Rena. „Das ist toll. Klasse. Echt, wissen Sie.“
Sie spielte mit einem der Stifte, die an einer Gummischnur am Schreibtisch hingen, damit niemand sie mitnahm.
„Wissen Sie was...“, sagt Rena, „Jesus will mir auch helfen. Der ist für mich am Kreuz gestorben. Aber wissen Sie noch was? Ich hab nicht drum gebeten.“
Im Gesicht der Sachbearbeiterin bildete sich eine Falte zwischen den Augenbrauen. Sie durchblätterte den Ordner.
„Seit letzten Dienstag habe ich noch drei Angebote bekommen“, sagte sie.
Hartnäckig war sie ja.
Sie seufzte wieder und sah über ihre Brillengläser hinweg zu Rena. „Die sind an dir interessiert.“
„Das ist toll. Ich bin an Hundehaufen interessiert. Können Sie das aufschreiben und denen schicken? Können Sie das?“
Rena zupfte sich einen Knoten aus den Haaren. Die rote Farbe ging noch bis zur Hälfte, oben war das Schwarz wieder herausgewachsen. Sie müsste mal wieder nachfärben.
Die Sachbearbeiterin stand auf, und Rena schob sofort ihren Stuhl zurück und stand ebenfalls auf, streckte der Alten die Hand entgegen.
„Wiedersehen“, sagte sie. In ihrer Tasche schaltete sie den Player wieder an und betastete die Kopfhörer um ihren Hals. Wenn sie erst mal hier raus war...
„So einen Fall wie dich hatte hier auch noch keiner“, sagte die Sachbearbeiterin. Sie kreuzte die Arme auf ihrer Bluse mit dem Blumenmuster, an der auch das Namensschildchen klebte. Frau Meinlich. Sie starrte durch Renas Hand hindurch. „Ich habe mit meinen Kollegen über dich geredet...“
„Mensch, so interessant bin ich.“
„...aber keiner weiß, was du eigentlich willst.“
„Gibts nicht hunderte davon, die keinen Bock haben, auf einer Arbeit zu sitzen? Wer wartet denn gerade da draußen auf den Bänken, vor dem Zimmer?“
Die Sachbearbeiterin ordnete die Papiere in der Akte und klappte sie wieder zu, dann trug sie sie nach hinten. Rena ließ die Hand sinken.
„Die wollen ihr Geld, ohne dafür arbeiten zu müssen“, sagte die Sachbearbeiterin.
„Ich scheiße auf das Geld.“
„Aber was willst du dann?“
„Wieso will ich was? Sie haben mir jetzt schon zum vierten Mal einen Brief geschrieben und hergerufen. Ich will gar nichts.“
„Hast du nicht Pläne? Wie dein Leben einmal aussehen soll?“
„Pläne? Ich habe einen Stadtplan, den hatte einer von ihren Kollegen in den Papiermüll geworfen.“
Die Sachbearbeiterin faltete ihre Brille so sorgsam zusammen wie eine Serviette.
„Rena, es sieht nicht gut aus. Du kannst nicht ewig in einem besetzten Haus wohnen.“
„Wo ich wohne, ist mein Problem, oder? Oder sind Sie auch an mir interessiert?“
Sie holte das Messer wieder heraus und ließ es durch die Finger gleiten, auf- und zuschnappen. Dem nächsten, der sich für sie interessierte, könnte sie ein Ding zwischen die Augen geben.
„Ich weiß, dass es nichts nützt, wenn ich dir dein Geld kürze“, sagte die Sachbearbeiterin. Sie setzte sich wieder an ihren Tisch und musste den Nacken weit zurücklegen, um zu Rena aufschauen zu können. „Du hast wieder gewonnen, Rena.“
Sie lächelte. War nur eine Frage der Zeit gewesen, wie immer.
Sie hob ihre Hand wieder, und diesmal griff die Sachbearbeiterin zu, mit ihren blaugeäderten Fingern. Aber sie hielt sie fest.
„Ich werde irgendwann herausbekommen“, sagte Frau Meinlich, „was dich interessiert.“
„Versuchen sies mal. Versuche ich auch“, sagte Rena und entzog ihre Hand dem Griff.
Noch schlimmer als der Geruch war, dass man sich auch noch für sie interessieren musste.
„Auf Wieder-“, sagte Frau Meinlich, und Rena haute die Tür zu.
Danke für den Tipp mit dem schwammigen Ende. Anfänge kann ich mittlerweile, aber die Enden sind noch schwierig. ;)
spannende Geschichte. Man hat sie beim Lesen vor Augen: das Büro, die Sachbearbeiterin und Rena... Rena ist so richtig frech und rebellisch, gefällt mir. Außerdem gefallen mir solche Passagen, wo das Klima deutlich wird, oder wo die rebelische Rena im Vordergrund steht. Was Dir noch nicht gelungen ist, finde ich, ist das Ende, ist viel zu schwammig, hätte mehr pepp erwartet bei: „Ich werde irgendwann herausbekommen“, sagte Frau Meinlich, „was dich interessiert.“" Besser wäre vielleicht Rena Parolli bieten oder ihr ins Gewissen einreden, oder sie einfach ignorieren, damit die Geschichte weiteren Lauf annehmen kann. Aber weiter so! LG, Lilian Pen
Nachtrag für die Fledermaus(der Kommentar war noch nicht freigegeben, als ich meinen letzten geschrieben habe). Stimmt, es ist ein Fantasyroman. :) Aber zum eigentlichen Problem: Ich glaube durchaus daran, dass es die verschiedensten Menschen gibt. Manchmal schwer zu glauben, aber auch die Lohnsklaven auf dem Arbeitsamt gehören zu dieser Gattung. Und die entzieht sich Verallgemeinerungen sehr gern. Bin ja so ein Freund des Individualismus.
Das ist ja herrlich, dass sich die Meinungen so unterscheiden! Erst Reporterin, dann wird ihr sogar der Realschulabschluss entzogen. Ich weiß nicht, aber wenn die Fantasie so angeregt wird, mache ich wohl etwas richtig. :) Danke für die Rückmeldungen, und um das Arbeitsamt kümmere ich mich nochmal.
Eine schöne Figur, deine Rena. Allerdings ist das ein Fantasyroman, lieber Thomas. Du wirst, und da gebe ich dir Brief und Siegel, in keiner Arbeitsagentur in Deutschland eine Sachbearbeiterin oder einen Sachbearbeiter finden, der sich für eine Rena interessiert. Rene bekäme einfach nichts mehr und fertig. ...
Hallo Thomas, in den wenigen Sätzen habe ich ein Bild von Rena und Frau Meinlich bekommen, ich kann mich sogar in beide hineinversetzen.Die Dialoge passen und ich will wissen wie es weiter geht... was will der Autor mehr? Weiter so! Gruß Monika
Könnte so sein, vielleicht auch nicht. Oder doch? Dass Rena einen Realschulabschluss hat, kann ich mir nicht vorstellen. Wahrscheinlich ist sie schon viel früher aus der Kurve geflogen. Dass Frau Meinlich "es irgendwann herausbekommen wird", davon bin ich überzeugt. So cool wie Rena tut ist sie nämlich bei weitem nicht. Viele Grüsse, Numungo (20016).
Gut gelungen. Einzig den grabesgrauen Aktenordner fand ich ein wenig übertrieben. - Die Sachbearbeiterin hat die scheinbar so toughe Rena ertappt: Sie weiß selbst nicht, was sie will. Ist der Sachbearbeiterin tatsächlich bekannt, dass Rena in einem besetzten Haus wohnt? Wenn sie noch nie gearbeitet hat, bekommt sie dann das Geld nicht vom Sozialamt, oder ist das jetzt alles beim Arbeitsamt gebündelt?
Danke. :) Was "featuren" ist, weiß ich nicht, aber in der Tat ist Rena nicht so taff, wie sie es sein will. Beim zweiten Lesen merke ich jetzt, dass sie sowas wie "Dem nächsten, der sich für sie interessierte, könnte sie ein Ding zwischen die Augen geben." nicht denken würde. Höchstens sagen.
Sehr guter Text! Die Dialoge stimmen, machen betroffen. Ich hab bis zum letzten Satz voller Ineresse gelesen und bin gespannt, wie es weiter geht. Liebe Grüße.
Den Dialog konnte ich zu Ende lesen. Das war ein Lieblingsabschnitt ? Es bleibt mir allerdings ein Rätsel, wie sich Rena featuren will, mit Messer und kessen Sprüchen. Ich halte sie für eine Undercover-Reporterin, die in der Hausbesetzerszene recherchiert.
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20045
Gerne würde ich der Aufgabe gerecht werden und euch meine Lieblingsstelle präsentieren, eine Stelle mit der ich absolut zufrieden bin... die gibt es aber nicht. Leider! Ich bin gerade mal wieder an dem Punkt alles in Frage zu stellen...
Nun denn, ich habe meine Iddee nochmals überarbeitet. Ich will die Geschichte komprimieren. Und das soll der (neue) Anfang sein:
Regentropfen liefen an der Scheibe herab, bahnten sich im Zickzack ihren Weg, den Gesetzten der Schwerkraft folgend und taten sich zu kleinen Strömen zusammen. Staub vereinte sich mit Wasser, die Fensterscheiben zeigten es überdeutlich, hier hatte keine eifrige Hausfrau geputzt. Ich nahm die Gießkanne, goss den Rest unserer Zimmerpflanzen und dankte ihnen, dass sie so bescheiden waren. Bernd hatte recht, ich hatte mich zu wenig um den Haushalt gekümmert.
Im nächsten Moment flog die Wohnungstür auf und die Zwillinge stürmten herein.
„Mama, Sandhausen hat 3:1 gewonnen!“
Felix kickte seine völlig verdreckten Schuhe in die Ecke.
„Echt ein super Spiel!“
Paul tat es ihm gleich. Eine halbe Minute später tauchte auch Bernds nasser Kopf in der Tür auf und mit ihm ein weiteres Paar durchweichter Schuhe.
„Stop! Keinen Schritt weiter. Alle Schuhe bitte vor die Tür. Seht doch mal was ihr für einen Dreck hier rein bringt!“
Das hatte mir gerade noch gefehlt.
„Jetzt ist es schon passiert… Männer gebt eure Schuhe her, wir stellen sie in die Badewanne!“
„Willst Du mir jetzt auch noch die Badewanne einsauen?“
Mein Blutdruck stieg auf 180. Bernd schaute mich an.
„Was bist du denn in letzter Zeit so gereizt? Kaum bin ich zu Hause werde ich schon an gemault. Ich kann auch wieder gehen…“
Na, das fing ja prächtig an. Felix und Paul hatten sich schon aus dem Staub gemacht, ihre Schuhe lagen noch immer in der Ecke. Ich hob sie auf und stellte sie auf den Fußabtreter. Bernd schüttelte den Kopf, sagte aber nichts.
Auf dem Esstisch lag eine Einladung von der Schule.
„Bernd, könntest Du bitte am Dienstag auf den Elternabend von Felix und Paul gehen?“
„Ich hab Frühschicht!“
„Ich weiß, der Elternabend fängt um 19 Uhr an. Wenn du Glück hast, bist du um 21 Uhr fertig.“
“Da will ich schon schlafen.“
“Bernd, ich finde es wirklich wichtig, dass da jemand von uns hin geht.“
“Und warum gehst du dann nicht?“ Das Gespräch entwickelte sich genau so anstrengend, wie ich befürchtet hatte. Bernd zog seine nasse Jacke aus, hängte sie über die Stuhllehne, holte sich ein Bier aus dem Kühlschrank und schmiss sich aufs Sofa.
„Ich will dir mal was sagen, Mia. So geht das nicht weiter. Morgens, mittags, abends… dauernd bist du weg.“
Bernd redete sich in rage.
„Deine Familie ist hier! Wir brauchen dich….Wir haben eine klare Aufgabenteilung: Du die Kinder und den Haushalt, ich gehe Geld verdienen…“
Ich drehte mich um und sah aus dem Fenster. Der Regen lief noch immer an den Scheiben hinunter. Auf der Straße hatten sich kleine Seen gebildet. Bernds Worte rauschten im Hintergrund vorbei, ich kannte sie schon alle. Aber ich hatte keine Wahl. Ich konnte nicht anders. Ich hatte ein Versprechen gegeben. Ein Versprechen bis zum Tod.
Hi und vielen Dank für eure Kommentare! @Fledermaus: Danke für die aufmunternden Worte. Ich werde weiter an mir und dem Text arbeiten. @Numungo: Also dein erster Satz gefällt mir auch viel besser, als meiner... grummel.... Danke! @Metta Maiwald: Der Satz kommt von Bernd. Und warum Mia keine Zeit hat wirst du verstehen, wenn du den Text gelesen hast, den ich heute noch nachgereicht habe. @Anita: Ja, die Regentropfen sollten die Stimmung transportieren. Freut mich, dass das bei dir angekommen ist. @Karin: Die Regentropfen waren bewusst gewählt. Ich hätte sicher auch was anderes finden können. Und wenn ihr Lust habt weiter zu lesen dann schaut mal nach, ich habe noch was nachgelet. Gruß Monika
Das kann eine wirklich interessante Geschichte werden. Ich würde weiterlesen. Allerdings musst Du m.E. unbedingt nochmal am ersten Satz feilen!!! Der muss den Leser packen; es ist der wichtigste Satz im ganzen Buch. Keine abgedroschenen Phrasen oder Bilder. Irgendetwas, das eine Tür aufmacht und den Leser denken lässt "Hey! Was ist das denn!". Du bist doch auf einem guten Weg, lass dich nicht verunsichern. :)
Hallo Monika, im Prinzip ist deine Geschichte doch ganz passabel - also nicht in Frage stellen, sondern feilen. Im Gegensatz zu Karin finde ich den ersten Absatz nicht überflüssig sondern gut als Einleitung geeignet. Du solltest solche Beschreibungen nur etwas poetischer gestalten, z.B. so: " Dicke Regentropfen klatschten gegen die Scheibe, rannen in schmalen Rinnsalen an ihr herab und spülten die dünne Staubschicht, die sich in den letzten Wochen auf dem Glas gebildet hatte weg. Wie in einem Spiegel wurde mir gezeigt, dass hier keine eifrige Hausfrau am Werk war. Bernd hatte recht, ich hatte mich zu wenig um den Haushalt gekümmert." Ob Bernd wirklich recht hatte, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Staubige Scheiben haben auch ihre Vorzüge: neugierige Nachbarn sehen nicht so gut herein :-). Viele Grüsse, Numungo (20016).
Klassische Situation, gut nachvollziehbar. Die "Schwerkraft" würde ich rausnehmen, lieber nur beim Beobachten bleiben. Wer sagt den Satz: "Jetzt ist es schon passiert..."? Bernd? Was hat Mia vor, dass sie nicht zum Elternabend gehen kann? Ich hätte erwartet, dass sie sich rechtfertigt. Und wo ist sie "dauernd"? Wie ist der letzte Satz zu interpretieren? Pflegt sie ihre alten Eltern? Meint sie das Eheversprechen "bis dass der Tod euch scheidet" - und das soll nun bald sein? Oder heißt das, dass sie keine Wahl hat, und noch bis zur diamantenen Hochzeit bei ihm bleiben muss? Hinweise auf einen bevorstehenden Suizid entdecke ich noch nicht.
Die Regentropfen transportieren eine deprimierte Stimmung. Das sollen sie doch auch, oder? Ich weiß ja noch nicht viel von Mia, aber sie scheint ihren hohen Ansprüchen nicht zu genügen. (Von wem habe ich das wohl schon mal gehört?)Man ist gespannt was passieren muss, damit sie aus dem Tief hinausfindet. Liebe Grüße
Liebe Monika, sind die Regentropfen im ersten Absatz denn so wichtig? Ansonsten gefällt mir Dein Text sehr gut; er hat Tempo und die Dialoge stimmen. Am Ende die große Frage. Ich bin gespannt. Herzliche Grüße.
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20032
Hallo zusammen,
diese Szene ist ganz am Anfang der Geschichte. Dort wo ich meine "Helden" vorstelle. Ich bin wirklich gespannt, wie sie Euch gefällt.
Die erste LP verkaufte sich nicht gerade gut. Das Label war einfach nicht groß genug, um die Reklame zu machen, die die Platte gebraucht hätte. Ihren Manager, die Flasche, hatten sie endlich raus geworfen, obwohl er Mike's großer Bruder war. Einen neuen hatten sie noch nicht. Sie suchten einen, der nicht nur eine große Klappe hatte, sondern tatsächlich Verbindungen und die auch spielen ließ.
An ihrer Musik lag es jedenfalls nicht. Sie spielten richtig guten Hardrock. Natürlich wies der Name "High Voltage" schon auf den Stil hin, immerhin hatte eine AC/DC Platte aus deren Anfängen so geheißen. Ihre Musik war irgendwo zwischen Led Zeppelin, Deep Purple, CCR und Aerosmith angesiedelt. Sie hatten wahnsinnig bluesige Balladen im Programm, konnten aber eine Halle auch zum Kochen bringen.
Ken stellte sein Taxi vor der Fabrikhalle ab, in der Sie ihren Übungsraum hatten. Die anderen waren alle schon da. Er ging durch das große Tor in die Hallen. Er konnte die Musik seiner Band schon hören. Jetzt war er doch froh, gekommen zu sein. Die Müdigkeit verschwand wieder. Sein Blut schien etwas schneller zu fließen. Er freute sich plötzlich. Seine Musik war wie ein Aufputschmittel. Er bekam immer gute Laune, wenn er sang. Ein Leben ohne Musik konnte er sich nicht vorstellen. Es war wie eine Droge. Er wollte mehr davon.
Als er die Tür öffnete verstummten die Instrument.
"Hi, zusammen, lasst euch von mir nicht stören." Er ging zuerst zu Mike, der ihn schief angrinste.
"Sitzen die Soli?"
"Klar man, hab' solange geübt, bis sie perfekt waren. Wirste gleich hören. Wie geht's? Siehst platt aus."
"Danke, Mann, noch so'n Kompliment?" dabei klopfte er Mike auf die Schulter und beugte sich hinter ihm zu Joe, der seinen Bass fast bis zu den Knien herunter gelassen hatte.
"Ey Joe, wenn du so auf die Bühne gehst, brichst du dir die Beine."
"Ey Ken, lass das man meine Sorge sein."
"Mach kein Scheiß, Mann. So'n Basser kriegen wir nie wieder."
"Sieht doch cool aus, oder?"
"Sau cool, aber kannst du so noch gehen?"
"Ich wäre nicht der erste Basser, der einfach nur rumsteht."
"Weiß ich, aber wenn du über Bühne fegst, gefällst du mir besser."
"Lass es mich einfach mal ausprobieren."
"OK, ok, aber brich' dir nicht schon vorm Gig die Knochen."
"Versprochen."
Pete, der Rhythmus Gitarrist, hatte seine Klampfe abgestellt und war zu ihm gekommen.
"Hi Ken, siehst geschafft aus, Willst'e erst mal 'nen Bier?"
"Hi Pete, alter Junge, siehst selber Scheiße aus. Nein, ist noch Wasser da?"
"Wer ein richtiger Rockstar werden will, trinkt doch kein Wasser."
"Ein Rockstar muss auch nicht nach der Probe noch Auto fahren. Der lässt den Chauffeur vorm Studio warten. Ich brauch' meinen Lappen noch 'ne Weile."
"Schon gut, schon gut, hier hast du dein Wasser."
Als Graham ihm seine Pranke auf den Rücken klatschte, hätte er fast die Balance verlogen. "Hi, Graham, kannst du deine Kraft nicht dosieren? Willst du mich um schmeißen?"
"Sorry Ken, aber sonst sagst du immer ich soll richtig reinhauen."
"Ja, Mann auf deine Schießbude, nicht auf meinen Rücken, und wie weit seid ihr?"
"Ich denke wir sollten "Easy going" heute so lange spielen, bis es perfekt ist. Die anderen Stücke sitzen ja. Was meinst Du?" fragte Mike. Dabei strich er sich über seine große gebogene Nase.
"Und zum Schluss dann alle hintereinander weg in der Reihenfolge, wie wir sie am Samstag spielen wollen?"
"Also eigentlich wollte ich heute mal früher gehen. Meine Kleine hat Geburtstag. Wir wollten chic ausgehen. Und es klemmt ja nur noch bei "Easy going"
"Wie willst du denn chic ausgehen. Hast du etwa noch deinen Konfirmandenanzug?"
"Echt witzig. Lach mich gleich tot. Also jetzt mal im Ernst. Was meinst du?"
"Was meint ihr?" fragte Ken in die Runde.
"Ich bin auch dafür, wir haben ja immer noch die Generalprobe. Die anderen Stücke, beherrschen wir doch wirklich aus dem Effeff." pflichtet Pete Mike bei. Graham nickte nur und Joe schaute in die Runde, als ging ihn die Sache nichts an.
"Also gut. Überzeugt. Dann lasst uns mal loslegen." Er stöpselte sein Mikro ein und wartet auf Graham, der den Takt vorgab.
"One, two, three, four....."
Schlagzeug und Bass bildeten den Teppich für die einsetzende Gitarre, die eine wunderschöne Bluesmelodie spielte nachdem sie die Melodie einmal gespielt hatte setzte mit der Wiederholung der Gesang von Ken ein:
You suffered far too long
before you gave in easily
you went to where your mummy's waiting
and I was'nt there to hold your hand
I hope someone took my part
I just hope you had an easy, easy goin'
that someone took you by the hand
that your knew no fear
when you walked into God's land
You come to visit me now and then
we never argue, just have fun
but in the morning you are gone
leave me waiting for so long
for the next time 'til you come
I just hope you had an easy, easy goin'
that someone took you by the hand
that you knew no fear
when you walked into God's land
Zu ersten mal hörten die Kollegen nicht auf zu spielen und so improvisierte Ken einfach weiter, so wie es Robert Plant vor vielen Jahren in den Song "Since I've been lovin' you" getan hatte. Dann ließen sie die Musik langsam ausklingen.
Sie schauten sich an, als sei ein Wunder geschehen, und ein wenig war es auch so. Diesen Song hatten sie so noch nie gespielt. Keiner hätte sagen können, was geschehen war, dass sie ihn so abgewandelt hatten, aber jeder wusste, dass er genau so sein musste.
Pete hatte Tränen in den Augen, Er hatte ein Solo hingelegt, dass auch von Jimmy Page nicht besser hätte gespielt werden können. Ken hatte bei seiner Improvisation so gefleht, das sie alle plötzlich seinen Schmerz fühlen konnten. Er hatte den Text für seine verstorbene Schwester geschrieben, die ihm immer noch, nach über zehn Jahren, im Traum erschien.
Graham fasste sich als erster wieder. "Pete, was hat dich denn geritten, dass du nicht aufgehört hast?"
"Keine Ahnung. Ich fand' es einfach schön..."
"Und das war es. Wir sollten es nie wieder anders spielen." pflichtete Joe bei.
"Wenn es auch andere Leute so verzaubert, wie uns heute, dann haben wir einen Nummer eins Hit." sagte Mike.
"Nun übertreib' mal nicht gleich. Aber es war wirklich super, oder?? Ich hatte eine Gänsehaut am ganzen Körper", sagte Ken, der es immer noch nicht richtig fassen konnte.
"Ich übertreib' kein Stück. Wir müssen das aufnehmen. Da geht kein weg dran vorbei", beharrte Mike.
"Lass uns erst einmal sehen, wie es auf dem Konzert aufgenommen wird. Wenn die Leute wirklich so begeistert sind wie wir, können wir immer noch entscheiden, was wir machen", meinte Ken.
Hallo zusammen, vielen Dank. Froggie, hab doch schon vermutet, dass uns was verbindet. (außer NRW) Was ist da besser geeignet, als gute Musik. Als ich mich noch in Übungsräumen rumtrieb, habe die Jungs nicht viel anders gesprochen, aber als ich das letzte vorletzte Mal nachlas, was eine Metapher ist, war das auch noch ein bildlicher Vergleich. Also vielleicht sollte ich mal wieder wo reinschnuppern. Du hast Recht, den Geruch, nach Schweiß, Staub, Bierdunst und einer Preise Genialität, gewürzt mit recht viel Kreativität muss ich noch unterbringen. Kannst Du dir vorstellen, dass ich den Song geträumt habe? Das war mein erster Traum, in dem ich Musik hörte, die es noch nicht gab. Dadurch bin ich aufgewacht und konnte erst wieder einschlafen, als ich mir sicher war, dass ich den Text nicht wieder vergesse. Ich werde deinen Rat annehmen und versuchen, etwas von dieser Magie einzuarbeiten. Ich weiß noch nicht, ob der Song noch eine Bedeutung haben wird, erst mal sollte er zeigen, dass Ken eine beginnende Karriere für Mans aufgibt, was für ihn der Traum schlechthin war. Er ist ein komischer Kauz, das stimmt. Was hältst Du für typisch australisch? Ich hab mir schon gedacht, dass irgendjemand über den Vergleich mit Jimmy Page schimpfen wird. Aber es sollte ja ein genialer Song werden. (Also er ist nicht viel schlechter, sagen wir mal so.) Nein, die Story geht 2009 los. und endet am 21.12.2012. Aber es gibt auch heute noch Led Zeppelin Fans, die jünger sind als wir beide. Oder sind die Dialoge so weit weg von der Sprache, die heute in Übungsräumen gesprochen wird? Hallo Monika, danke. für deine Kritik. Ich werde sehen, ob ich es über mich bringe, etwas zu kürzen. (Muss ich wohl.) Nein, das ist nur die Vorstellung von Ken. (Ja, OK, ich werde kürzen!) Die anderen Musiker werden später kaum noch eine Rolle spielen. Schön, dass dir der Schluss dann besser gefiel. Hi Metta, auch dir vielen Dank. Auch noch für den Tipp, wie wir weiter in Kontakt bleiben können. Ich werde es genau so machen. Dein Messebericht hat mir gut gefallen. Hallo Karin, ich hatte gehofft, etwas davon rüber zu bringen. Danke.
Mir war's auch am Anfang zu langatmig und trocken, doch am Ende glaubte ich fast, die Musik zu hören. Gänsehautgefühl. Liebe Grüße.
Ich finde es wahnsinnig schwierig, die Stimmung von Musik nur mit Worten auszudrücken. Der Vorspann ist mir zu trocken, aber die Dialoge kommen knackig rüber.
Hi! Eine schöne Szene, die sich am Ende deutlich steigert. Die Stelle, an der alles begrüßt werden (ich nehme an das soll eine Vorstellung der Personen sein?) War mir ein wenig lang.Zu viel wörtliche Rede. Vielleicht kannst du da ja noch was überarbeiten. Am Ende deiner Szene habe ich wirklich etwas von der Gänsehaut und der Euphorie mitgenommen. Weiter viel Erfolg! Monika
Hi ml, Deine überbordende Fantasie kommt zwar nicht in diesem Text zum Tragen, aber im Allgemeinen bin ich davon begeistert. Hier kommt gut raus, dass Ken (ist er eigentlich immer noch Australier? So wirkt er gar nicht) ein komischer Kauz ist – irgendwie. Mir fehlt ein bisschen der klassiche Übungsraum/Mucker -Jargon, ich konnte den Raum auch leider nicht riechen, was ich mir gewünscht hätte. Deine Boys wirken alle etwas unbedarft bzw. brav. Und offenbar zaubern sie da ja gerade ihren ersten großen Hit. Da könntest Du dann auch in diese Szene noch mehr Magie reinzaubern. Das hätte sie verdient. Denn dieser Song rettet Kenn doch später das Leben, oder? Offenbar bist zu Led Zep-Fan so wie ich. Das ist mir voll sympathisch. Den Vergleich zu Jimmy Page fand ich dann aber doch etwas übertrieben :-). Ansonsten: Wie geht's weiter????? Spielt die Story eigentlich in den Seventies. LG Froggie
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20029
Lautes Gepolter aus der Küche lässt sie aufschrecken.
„Leon, geh! Leg dich schlafen. Mami muss wieder weg.“
Vorsichtig schiebt sie ihn zum Bett und geht zur Tür.
„Magda!“
Herberts Zorn ist nicht zu überhören. Magda eilt die Stufen hoch. Auf halbem Weg bleibt sie kurz stehen. Hatte sie die Tür bei Leon wieder verschlossen?
„Magda!“
Jetzt sagt er es sehr leise und es klingt wie eine Drohung. Herbert steht oben am Treppenabsatz und schaut auf sie herunter. Zögernd geht sie weiter, den Kopf gesenkt, wie ein Schulkind, das der Lehrer beim Schummeln erwischt hat. Einen Moment hegt sie die Hoffnung sich an ihm vorbeidrängen zu können. Aber da packt er sie auch schon an den Haaren und zerrt sie hinter sich her.
„Wenn ich nach Hause komme, erwarte ich, dass das Essen auf dem Tisch steht. Dein Platz ist hier und nicht bei dem Balg im Keller!“ brüllt er sie an und stößt sie mit aller Macht gegen den Schrank. Magda unterdrückt einen Aufschrei. Der Türgriff bohrt sich schmerzhaft in ihren Rücken.
„Er ist schon wieder betrunken“ geht es ihr durch den Kopf. Halb blind vor Tränen füllt sie seinen Teller und stellt ihn auf den Tisch. Herberts Zorn ist noch nicht verraucht. Er macht sich nicht einmal die Mühe, zu probieren. Ein Blick genügt und mit aller Wucht wirft er den Teller zu Boden.
„Was ist das bitte schön für ein Fraß?“
Magda kann ein Schluchzen nicht unterdrücken.
„Die Heulerei kannst du dir schenken. Damit beeindruckst du mich nicht.“
Umständlich steht er auf und baut sich noch einmal drohend vor ihr auf.
„Räum das auf – sofort! Und dann will ich etwas Anständiges essen.“
Wankend verlässt er die Küche.
Zitternd holt Magda Besen und Kehrschaufel hervor. Ein Arm legt sich tröstend um ihre Schultern. Egbert, ihr Jüngster und sein um ein Jahr älterer Bruder Ernst stehen hinter ihr.
„Mutter, wir helfen dir, ja?“ flüstert er.
Magda nickt stumm. Gemeinsam machen sie sich ans Aufräumen, kehren die Scherben zusammen und wischen die Speisereste von den Schrankfronten, als Herbert plötzlich und von den Dreien unbemerkt wieder im Türrahmen steht.
„Meine Söhne putzen nicht!“ Seine Stimme erfüllt die kleine Küche bis zum letzten Winkel. Erschreckt richtet Egbert sich auf. Er steht Herbert so dicht gegenüber, dass er seinen Atem spüren kann. Es stinkt nach Bier und billigem Fusel. Bevor Egbert irgendetwas sagen oder machen kann, schlägt Herbert ihm mit der flachen Hand ins Gesicht. Der Schlag ist so heftig, dass der Junge das Gleichgewicht verliert und torkelnd nach hinten fällt. Sein Kopf schlägt am Kühlschrank an und mit einem dumpfen Geräusch fällt er zu Boden.
Doch statt sich nun zu besinnen und um seinen Sohn zu kümmern, macht Herbert zwei Schritte auf Ernst zu. Seine Faust ist geballt und alle ahnen, was gleich passieren wird.
Ohne weiter darüber nachzudenken, stellt sich Magda dazwischen. Für den Bruchteil einer Sekunde zögert Herbert. Sein Gesicht bekommt einen überraschten Ausdruck.
Ich weiß oder denke, warum der Typ überrascht schaut: Magda hat ihm ein Messer zwischen die Rippen gestossen! Sicher kein Lieblingstext, aber lieblingsgut gelungen! LG Monika H
Hallo Angela (und alle anderen Interessierten ;o) )! Der nächste Satz lautet: Dann bricht er zusammen... Vielleicht hätte ich ihn von Anfang an mit einstellen sollen. Sorry! Übrigens: In der vorletzten Übung hatte ich ein weiteres Segment aus dieser Geschichte eingestellt. Liebe Grüße
Hallo an euch alle! Danke für die Kommentare. Besonders @Gerhild: Im Gegensatz zu meinem Prot. bin ich äußerst friedlich... Aber gerade mir derart Fremdes zu (be)schreiben sehe ich als Herausforderung.Wenn es dann noch (ganz gut) gelingt - dann freue ich mich darüber. Es ging ja nicht nur um die Lieblingsszene, sondern um die, die man selbst als besonders gelungen empfindet. Liebe Grüße
Was hat es mit dem Kellerkind auf sich? Ist Leon aus erster Ehe? Deine Geschichte macht neugierig. Aber das Herbert beim Zuschlagen zögert, auch wenn es nur für den Bruchteil einer Sekunde ist, glaube ich nicht. Das würde ja bedeuten, dass er noch einen Funken Respekt für Magda empfindet. So wirkt er jedoch nicht auf mich.
"Suchen sie aus dem, was sie bisher geschrieben haben, ihre Lieblingsabschnitte heraus und....Eine Szene mit so viel Gewalt und Mißhandlungen gehört hoffentlich nicht zu deinen Lieblingsabschnitten. L.G. Gerhild
Hallo MaDe, ich lese Deine Texte sehr gern. Du hast eine sehr schöne Schreibweise. Auch dieser Text ist Dir sehr gut gelungen. Er läd zum Weiterlesen ein.Gruß Benita
Woho, was soll nun noch kommen? Der hat doch kein PÜroblem, auch Magda auszuknocken. Schön, dass sie Magd(a) heißt. :)
Dein Text macht mich betroffen! Sehr brutal und grausam. Ich hoffe sehr, Magda kann sich und die Kinder von Herbert befreien. Wie auch immer. Liebe Grüße.
Meine Güte, in deinem Text ist eine Power und eine Bedrohlichkeit, dass es mir eiskalt den Rücken herunter läuft. Super gemacht! Gruß Monika
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20022
Am besten gefällt mir immer das, was ich zuletzt geschrieben habe. Hier also taufrisch, der Anschluss an Beitrag 19957.
Am Mittwoch waren wir beim Griechen. Heute im Kino.
Heute werde ich bei Gregor übernachten. Sarah ist bei ihrem Vater, den Mäusekäfig hat sie mitgenommen. Ich bin frei.
Ich bin Königin Igraine, Tochter der Herrin vom See und des Merlin von Britannien, genannt nach Grainné, der Göttin der Feldfeuer. Würdevoll schreite ich die Stufen hoch, hinauf zu Uther Pendragons Turm.
"Geh' schon mal vor Lilli, ich hole eben frische Bettwäsche", hat er gesagt. Aber ich spüre, dass der blonde Ritter mich nicht aus den Augen lässt.
Dann warte ich. Aufs Dachgeschoss gelangt man nur über eine steile Leiter. Ich raffte meine imaginären Röcke zusammen, und mache mich vorsichtig an den Aufstieg. Aber es ist Sir Uther, der stolpert und sich mit der Hand abstützt, um nicht zu fallen.
Sein Gemach ist sehr rustikal. Die Dachbalken und Sparren unverkleidet. Nur an einer Stelle der Versuch eine Tapete anzubringen.
"Das war Martina, damals, als sie sich von Harald trennen wollte", und dann deutete er auf eine andere Stelle: "Und das war Marlene." Der Dachboden hatte auch seinen Schwestern als Exil gedient. So etwas will ich auch haben, einen geheimen, sicheren Ort, nach Lavendel duftend. Mit Falltüre. Hier kann man sich verstecken.
Zusammen richten wir die Bettstätte, erzählen uns dabei Szenen aus dem Film, den wir im Kino gesehen haben - Ein Fisch Namens Wanda - und lachen. Die Bettbezüge haben verschiedene Muster, er hat darauf geachtet, dass sie wenigstens farblich harmonieren. Dann haben wir es geschafft, wir könnten darauf herumspringen, um das Bett herumlaufen, was immer uns einfällt.
Ich löse mein Haar und mein Mieder. Er legt die Rüstung ab. Wir legen uns nebeneinander und sehen uns an, sehen uns an, sehen uns endlos lange an. Es ist Beltane, der Vollmond scheint durch das Dachfenster. An Beltane müssen Mann und Weib zusammenliegen. Von nun an wollen wir unserem Schicksal gehorchen.
Wir schlafen Arm in Arm, wie früher. Wir erwachen gleichzeitig. Aber ich traue mich noch nicht hinunter in die Küche. Aber irgendwann werde ich auf die Toilette müssen, die sich in einem Anbau dahinter befindet.
Ach, könnte ich doch für immer hierbleiben! Hier finde ich Ruhe. Ich brauche Ruhe. Ich habe Schlaf nachzuholen für viele Jahre.
"Wäre ich ein Tier, zöge ich zu Dir, singt Westernhagen", sage ich zu ihm.
"Es geht auch, wenn man wie Marlene ist. Sie ist bei Helmut auf dem Schiff, sie ist immer bei ihm. Wir können sie ja mal besuchen."
"Oh, ja!"
"Dabei kann sie nicht mal schwimmen!"
Sein Gesicht hat einen liebevollen Ausdruck, wenn er von seiner Lieblingsschwester spricht. Das ist schon immer so gewesen.
Er würde mich wie eine Katze hier oben füttern, (und mir auch noch ein Katzenklo besorgen), wenn ich darauf bestehe. Aber das ist nicht nötig. Ich laufe ihm hinterher, wie an der Leine, ich beobachte ihn, und finde selbst so alltägliche Verrichtungen wie Geschirrspülen faszinierend.
Den Alten sehe ich nur kurz. Er bellt ein knappes: "Wie gehts, Lilli", und verschwindet in der Garage, ohne eine Antwort zu erwarten. Dann hören wir, wie er den alten Opel Kapitän startet.
"Er wird erst Sonntag Mittag zurück sein."
"Er schläft bei Trudi?"
"Ja, und er hasst es."
"Das sagt er nur!"
"Nein, er ist nicht zufrieden. Sie nervt ihn!"
Nun, wir haben "Sturmfreie Bude", wie man so schön sagt, und das ist auch gut so.
Als ich am Sonntagnachmittag Sarah bei ihrem Vater abhole, bin ich von Lavendelduft durchdrungen, und auch noch von dem anderen, komplizierteren Duft. Der muss auch noch eine Weile vorhalten. Zwar sehen wir uns jetzt jeden Tag; wir haben den gleichen Weg zur Arbeit und ich hole ihn morgens ab. Aber das "mal eben ins Bett, dann schnell nach hause", diese erbärmliche Art von Liebesleben habe ich hinter mir gelassen. Bei Gregor gibt es niemals einen Quicky.
Ich war auf Prügel gefasst, und bereit für die Verteidigung. Jetzt machen mich die wirklich hilfreichen Kommentare ganz verlegen. Meine geschätzten, (und versierten!) Leser halten Romantik besser aus als ich. Danke für die Hilfe, auf dass ich das Ganze nicht noch verderbe! Liebe,romantisch und derb zugleich zu beschreiben ist schon schwierig für mich.
Hallo Anita, schön, phantasievoll, verspielt... zunächst war ich verwirrt, habe mich aber doch schnell orientiert. Den allerletzten Satz hättest du für meinen Geschmack auch streichen können... das hast du vorher schon viel poetischer rüber gebracht. Einen lieben Gruß Monika
Eine schöne Passage. Dieses Liebespaar hat nicht nur sich, sondern auch noch eine belebende Fantasie. Man ist ein bisschen dabei, da oben, in diesem rustikalen Gemach. Einzig den Satz ..."ich laufe ihm hinterher, wie an der Leine", fand ich nicht so treffend. Wenn man an der Leine ist, läuft man eigentlich nicht hinterher". Wenn Du vertrauensvoll wie ein Hündchen meinst, kanns Du es nach meinem Gefühl auch schreiben. Schönes WE Frog
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20016
Im Moor
Plötzlich sehe ich mich mit seltsam verrenkten Gliedern unbeweglich auf einer dünnen, ein wenig schaukelnden Moorgrasdecke liegen, welche mich gerade noch trägt und sich tadellos meinem steifen Körper anpasst. Meine glasigen Augen sind weit aufgerissen und blicken starr und leer in eine ferne, nicht existente Unendlichkeit. Mein linkes Ohr schmiegt sich fest an die Moorgrasdecke, unter welcher ein ständiges, leises Glucksen hervor dringt. Ich fühle mich gut, unbeschreiblich gut. Und so leer. Ich bin glücklich.
Es ist ein seltsames Gefühl, so da zu liegen, so steif und kalt und tot und leer und doch gleichzeitig so glücklich und leicht zu sein, wie von Wolken getragen. Und unter mir das sanft schaukelnde, leise glucksende Moor.
Noch während ich so liege, kommt ein junges Mädchen vorbei. Sie geht langsam und aufrecht und ihr mittellanges, schwarzes Haar weht zerzaust im Wind. Die helle Haut ihres Gesichts leuchtet gespenstisch im fahlen Licht des Mondes, der sich wieder durch eine Lücke in den Wolken hindurch gearbeitet hat. Ihre dunklen Haare rahmen ihr blasses Gesicht ein, das nun einer Maske gleicht. Als sie bei mir ankommt, bleibt sie stehen und mustert mich aufmerksam. Sehr lange steht sie vor mir, das Kinn in der Hand verborgen und den Ellbogen auf der Hüfte abgestützt und sieht nachdenklich auf mich herab. Ich denke mir nichts dabei, weshalb sollte sie auch nicht hier stehen? Ich wundere mich lediglich, dass ich sie in meinem unendlichen Glück überhaupt bemerke.
Wie sie mich so aufmerksam betrachtet, verspüre ich plötzlich das Bedürfnis, über sie zu lächeln. Zu lächeln über das junge Mädchen und über mich und über die ganze Welt. Aber ich lächele nicht, ich fühle mich mit einem Mal so tot, so unsagbar tot. Und je länger das Mädchen mich ansieht, umso blasser und blasser wird meine glückliche, zeitlose Unendlichkeit und rückt in immer weitere Fernen. Die Lippen des Mädchens werden jetzt deutlicher und klarer und fangen an zu zittern, um sich kurz darauf zu öffnen.
»Weshalb liegen Sie so ?« fragt sie mit einer erstaunten Stimme.
»Leichen liegen immer so«, sage ich ganz ruhig, in der Hoffnung, dass sie über diese Antwort wenigstens entsetzt wäre, doch sie sagt nur: »Ja, ja, Leichen liegen immer so«, als hätte sie eben diese Antwort erwartet.
Daraufhin erwidere ich nichts, was hätte ich auch sagen sollen! Und das Mädchen bestaunt mich noch eine Weile, wie ich so starr und reglos daliege und dann wiederholt sie noch einmal: »Ja, Leichen liegen immer so. Nur Leichen liegen so.«
Plötzlich ist es ganz still. Der leise Wind ist eingeschlafen, das Moor hört auf zu glucksen und auch die Vögel singen nicht mehr. Alles um mich herum ist wie tot. Nur das junge Mädchen steht noch da und blickt auf mich herab. Und ich weiß nicht mehr, warum ich das mit den Leichen gesagt habe. Und ich weiß auch nicht, ob ich nicht schon tatsächlich eine Leiche bin. Doch das Mädchen sieht immer noch auf mich herab und da erkenne ich in Ihren Augen ein Leuchten, welches mir sagt, dass ich noch nicht verloren bin ...
ein Text von eigenartiger Schönheit, ein echter Numungo, aus einer anderen Zeit. Seltsam, obwohl das nicht dein Anliegen ist, wie du weiter unten kommentiert hast, macht genau diese Eigenartigkeit neugierig auf die Person des Autors. Seis drum, du webst Bilder mit Worten l.G.
Hallo, Numungo! Auch auf die Gefahr hin, dass Du zwei Kommentare von mir erhältst, schreibe ich Dir jetzt noch ein zweites Mal. Plötzlich war mein Kommentar nämlich verschwunden. Und bei Ginko tauchte er später wieder auf. Danke für Deine ausführliche Antwort. Ich fühle mich jetzt etwas erleichtert, weil ich mir am Ende meines Kommentars auf Deinen Text nicht sicher war, ob er freundlich rüberkommen würde. Ein "kritischer" Kommentar sollte immer freundlich sein! Deine Erklärungen haben mir gezeigt, dass ich mit meinem Bauchgefühl richtig lag; darüber freue ich mich. Aus meinen Texten um Lisa und ihre Oma weißt Du, dass auch ich mich gern in einer mystischen Welt aufhalte. Aber auch dort muss ich mich an eine logische Ordnung halten. Schmiegen ist immer zart und weich. Das ist meine Empfindung. Erhalte Dir und uns Dein verwirrendes, geheimnisvolles, traumhaftes Schreiben. Oh, da fällt mir ein: Träume sind niemals logisch. Das muss ich mir merken! Liebe Grüße.
Hallo Numungo! Ich glaube, wir sollten uns mal dringend über surreale Elfen in abseitigen Literaturzeitschriften unterhalten. Oder so. Aber etwas privater. Mail mir mal unter malea23@web.de :-)
Mir gefällt dein Text sehr gut. Ich sehe einen Menschen vor mir, der zwischen Tod und Leben phantasiert, noch nicht weiß, wofür er sich entscheiden wird, ob er das überhaupt selbst in der Hand hat? Aber das Leuchten am Ende gibt Hoffnung. Lediglich der "leise" Wind stört. weil es im Satz vorher ganz still ist. Der Mond arbeitet sich auch nur mit gutem Wind durch die Wolken. LG Monika H
Hallo Malea, freut mich, dass dir der Text gefallen hat. Und danke für den Tipp. Wenn du mir nun noch verraten könntest, welches die "abseitigeren" Literaturzeitschriften sind? Viele Grüsse, Numungo.
@ Karin: Liebe Karin, es freut mich, dass du dich so intensiv mit meinen Texten auseinandersetzt und es freut mich auch, dass dich meine Texte in Verwirrung stürzen. Genau das ist meine Absicht: Verwirrung (im positiven Sinne) und Rätselhaftigkeit. Was nicht in meiner Absicht liegt, ist meine Texte zu erklären. Ich möchte vielmehr den Leser zum Nachdenken animieren, ihm nicht einfach eine Geschichte zur Berieselung vorsetzen. Dazu muss er kein Buch lesen, berieseln lassen kann er sich am Fernseher bequemer. Was ich will, ist dem Leser Situationen vorsetzen, in denen auch er sich befinden könnte oder Situationen, an die er nie gedacht hätte, die aber dennoch für ihn interessant sind oder im Bereich des Möglichen liegen. Und diese Situationen soll er in seiner Fantasie dann selbst durchleben, so wie sie sich für ihn darstellen. Natürlich habe auch ich mir bei meinen Geschichten etwas gedacht, doch es ist nicht dasselbe, was ein Leser sich denkt und jeder Leser wird sich etwas anderes denken. Folglich ist es (für den Leser) auch gar nicht wichtig, was ich gedacht habe. Hauptsache, die Geschichte gefällt ihm und er kann seine eigene dazu erfinden. Nicht ich bin für den Leser wichtig, sondern meine Geschichte. Da du dir so viele Gedanken gemacht hast, gebe ich dir dennoch ein paar Erläuterungen (ohne die Geschichte zu erklären). "Im Moor" ist genaugenommen eine Kurzgeschichte, die ich vor etwa zwanzig Jahren in meiner melancholischen Phase, die ich nicht missen möchte, geschrieben habe. Irgendwie hat sie mich all die Jahre nicht losgelassen und so habe ich sie in meinen Roman eingearbeitet. Hier beginnt und endet sie genauso abrupt und die Zusammenhänge werden erst im Laufe des Romans sichtbar. Was du richtig erkannt hast: das Mädchen ist eines der drei "Ichs". Doch mehr will ich dazu nicht verraten. Zu deinen anderen Anmerkungen: Mit dem Wind hast du recht, das ist mir entgangen. Doch die scheinbaren Widersprüche, die du zu entdecken glaubst, sind keine. Erstens ist in meiner Welt alles möglich, zweitens spielt immer die Perspektive eine Rolle. Für einen rundum glücklichen Menschen mag Leere Unglück bedeuten, für einen unglücklichen Menschen kann sie Erlösung sein. Und in einem Multiversum (siehe Beitrag 19567) gibt es auch multiviele Unendlichkeiten; folglich kann die eine oder andere auch in weite Fernen rücken. Also, nochmals vielen Dank! Und ich bin froh, dass du deinen Kommentar nicht gelöscht hast. Was genau hat dich zu dieser Überlegung gebracht? Gerne würde ich erfahren, wie du dich nach diesem Kommentar fühlst. Übrigens, wenn du mir deine Mailadresse zukommen lässt, melde ich mich mal bei dir! Viele Grüsse, Numungo.
Wieder versetzt du mich mit deinem Text in eine poetische Märchenwelt. Ich kann nicht sagen warum, aber ich werde beim Lesen wieder zum Kind und bringe deinen Worten das gleiche faszinierte Staunen entgegen wie das Mädchen der „Leiche“.
Sehr rästelhaft, zwischen Todeswunsch und Nahtoderlebnis. Jedenfalls beunruhigend und packend. - Hast Du schon mit irgendjemandem Kontakt wegen Aufrechterhaltung der Verbindungen im nächsten Jahr? Wenn Du Interesse hast, mal zu einem Treffen zu kommen oder zu gegenseitigem Lesen und Kommentieren, melde Dich doch mal ganz unverbindlich unter Metta_Maiwald@web.de
Hi Numungo! Klasse Text, Hut ab. Das ist keine leichte Kost und entzieht sich meiner Meinung nach auch der üblichen Pfriemel-Kritik nach Logik und Adjektiven. Ich lasse mich gerne auf deine morbid-poetischen Gedankenreisen ein. Hast du es mit Texten dieser Art schon mal bei den etwas "abseitigeren" Literaturzeitschriften versucht? Könnte ich mir vorstellen. Liebe Grüße, Malea.
Liebe Numungo, Du entführst uns in eine fremde Welt; eine seltsame Stimmung herrscht dort. Ich finde, es ist ein schwieriger Text und noch schwieriger zu kommentieren. Ich habe ihn zweimal aufmerksam gelesen. Vielleicht ist mir aus Deinen früheren Beiträgen etwas entgangen, um mich jetzt besser zurechtfinden zu können. Die Ich-Person, die leer und trotzdem glücklich (?) ist, liegt auf einer dünnen Moorgrasdecke und beschreibt sich selbst aus einer zweiten Ebene. Die Seele den Körper? "Ich" fühlt noch wie ein lebendiger Mensch, ist wohl aber bereits tot. Oder auf dem Weg in den Tod, die Unendlichkeit? Wer ist das Mädchen, das plötzlich auftaucht? Zuerst dachte ich, vielleicht die "Tote" selbst, als sie ein junges Mädchen war? Oder wird sie das zweite Ich der Toten werden? Das könnte aus dem letzten Satz zu erklären sein? Du siehst, Dein Text hat Erklärungsbedarf. Leider sind mir beim Lesen einige störende Formulierungen aufgefallen. Adverben, die nicht zum Verb passen. Die Moorgrasdecke passt sich tadellos dem Körper an. Das Ohr schmiegt sich fest an. Das Haar weht zerzaust im Wind. (Dabei ist es ein leiser Wind. Letzter Absatz.) Das schwarze Haar rahmt das Gesicht ein, kannst Du weglassen. Das helle Gesicht leuchtet gespenstisch ... und gleicht nun einer Maske. Beides zusammenfassen? Kann eine Unendlichkeit überhaupt in immer weitere Fernen rücken? - "...?", fragt sie mit erstaunter Stimme, kann weg. Dein Text enthält Aussagen, die sich sehr gut anhören; überprüfe sie bitte noch mal auf ihre Richtigkeit. Die vielen Adjektive passen zum Teil nicht zueinander. Tote sind kalt und steif und leer, dabei aber so leicht und glücklich? Am liebsten würde ich meinen Kommentar wieder löschen. Doch ist Dir damit gedient? Ich grüße Dich ganz herzlich.
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20012
Andreas stand mit dem Rücken am Heizkörper angelehnt im Wohnzimmer.
Hasserfüllt starrte er seine Frau an.
Monatelang hatte er jede freie Minute geopfert, um bei der Renovierung des Wohnmobils seines Freundes zu helfen, nun erstrahlte es in neuem Glanz.
Sie wollten die Früchte ihrer Arbeit genießen und gemeinsam in Urlaub fahren.
Doch Andras konnte seine Frau nicht alleine lassen. Katia stand ihnen im Wege.
Zehn Tage zuvor hatte Andreas von ihr verlangt. „Finde einen Platz, wo du drei Wochen lang versorgt wirst.“
Die Realität zog einen Strich durch seine Pläne. Alle Kurheime waren über Monate belegt gewesen und das Krankenhaus wollte sie auch nicht aufnehmen. – Er konnte nicht mitfahren.
Wie ein tollwütiges Tier, biss er um sich.
„Am liebsten würde ich dir den Hals umdrehen. Dann lande ich zwar im Gefängnis, doch das ist immer noch besser, als mit dir zu leben. Die Zeit in der Zelle geht vorüber und danach habe ich meine Freiheit wieder. Wer weiß, vielleicht bekomme ich sogar Bewährung, angesichts meiner Situation“, schleuderte er ihr entgegen.
Katia war am Boden zerstört. Es war nicht ihre Schuld, von ihrem Mann abhängig geworden zu sein. Sie hatte nur noch eine Möglichkeit, um solchen Vorwürfen zu entgehen. Lange hatte sie gezögert, doch nun schien der richtige Zeitpunkt gekommen zu sein.
Vor Jahren hatte sie sich Schlaftabletten verschreiben lassen. Diese bewahrte sie in einem Medikamentenröhrchen für Kalziumtabletten auf, damit niemand etwas ahnen konnte. Es war ihr letzter Ausweg. Sie wollte ihn nehmen, wenn ihre Schmerzen zu schlimm werden würden, oder die Demütigungen unerträglich.
An diesem Abend wusch sie sich besonders gründlich, putzte die Zähne und zog einen frischen Pyjama an. Es kam ihr wie ein Ritual vor, dass sie ein letztes Mal vollziehen würde
Dann nahm sie alle Tabletten auf einmal. Vierundzwanzig Stück, mehr hatte sie nicht.
Katia ließ sich zu Bett bringen und sagte „Gute Nacht“. Keine Träne rann ihren Wangen herunter, ihr Herz umschloss ein eisiger Panzer.
Hallo Putzi! Gut geschildert dieser Konflikt. Beide Seiten reagieren nachvollziehbar... lg
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20011
Ermittlungen: Anna besucht die ehemalige Krankenschwester Milli Richter (eine Kursteilnehmerin) in der Seniorenresidenz.
„Sage mir, was du liest und ich sage dir, wer du bist,“ lächelte Frau Richter.
„So ähnlich.“ Anna lächelte zurück.
„Die Erfahrung des Alters ist eine Erfahrung der Verluste, hörte ich vor wenigen Wochen in einer Rundfunksendung sagen. Die Trennung von meinen Büchern, als ich hierher übersiedelte, war die erste schmerzliche Erfahrung, mein Herzinfarkt vor eineinhalb Jahren die zweite.“ Sie ging wieder zu ihrem Bett und legte sich hin und versorgte sich mit Sauerstoff.
„ Wissen Sie, wie schwierig es ist zu wählen, welches Buch behalte ich, welches lasse ich zurück? Jedes Buch, das ich in die Hand nahm war ein kleines Stück von mir, ein Geburtstag, ein Weihnachtsfest, ein lieber Mensch, ein Freund, ein Patient, mein Sohn. Eine junge Schwester machte den Vorschlag einen Basar zu veranstalten, die Verwaltung des Krankenhauses war damit einverstanden. Man könnte nun sagen, ich habe mit meinen Büchern meine Erinnerungen in einem Basar angeboten, natürlich billig, sie waren ja nicht mehr neu, mit Wasserflecken, oft mit Kaffeeflecken und umgebogenen Ecken versehen, ich habe in den Nachtdiensten viel gelesen, sie waren ein wenig abgegriffen, wie Bücher und Erinnerungen eben so sind. Ich weiß nicht mehr, was man mit dem Verkaufserlös gemacht hat, irgendetwas Karitatives, nehme ich an“.
„Das klingt so traurig“.
„Es kommt auf die Sichtweise an. Sind Sie noch nie vor einem Buchgeschäft gestanden und haben in einer Schachtel gewühlt, ein Buch entdeckt, das sie schon lange gesucht haben und sie haben sich wie eine Goldwäscherin gefreut, die ein Körnchen Gold zwischen ihrem Sand- Schottergemisch entdeckt hat, sich gefreut, dass sie gerade dieses Buch endlich gefunden haben und dass es sie gefunden hat, Sie, eine Schatzgräberin, eine aufmerksame Leserin, jemand, der es wieder liebt? Es wird wieder gebraucht, wenn Sie so wollen, es bereitet Freude. Ist das nicht besser, als in einem Kasten langsam vor sich hinzustauben, zu verstauben, sinnlos alt zu werden? Mit ihrem Kauf weisen Sie dem Buch eine neue Aufgabe zu, es wird wieder wichtig, Sie geben ihm sozusagen die Jugend, die Unschuld zurück.“.
Eine kluge und persönliche Philosophie über die Bedeutung von Büchern. Kompliment!
Das kann ich gut nachvollziehen. Ein schrecklicher Gedanke, sich von seinen Büchern trennen zu müssen. Auch, wenn es nur ein Teil ist! Viele Grüsse, Numungo (20016).
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20004
Ein Kapitel aus dem Buch, Die Maus auf der Butter
Erinnerung an Johanna
Der Computer und andere Katastrophen
Der Computer- Freund oder Feind, ich war noch unschlüssig. Ich hielt ihn eher für meinen Feind.
Im Sommer 2002 schrieb ich mit der Hand mein erstes Buch, es war ein Versuch. Den ganzen heißen Sommer brütete ich über Satzstellungen und vor allem über die verflixte Grammatik. In der Adventzeit lag das Buch fertig auf dem Tisch. Von einer Lektorin in Form gebracht und alle Fehler waren ausgemerzt. Stolz war ich auf mein Werk. Zu Weihnachten bekamen die Kinder, die Enkel, die Verwandten und Bekannten, ob sie es wollten oder nicht, ein Buch.
Dann kam mein Geburtstag. Mein Sohn und Schwiegertochter kamen mit einem abgelegten Computer, wunderschön verpackt mit einer Riesenschleife obendrauf! Ich war ganz aus dem Häuschen; ich hatte einen Computer bekommen. Eine Gebrauchsanweisung war dabei. Als alle Gäste nachhause gegangen waren, wurde er gleich ausprobiert. Hilfe! Von der Gebrauchsanweisung verstand ich kein Wort. Für mich war es ein technisches Chinesisch. Sofort kaufte ich mir ein Computerlexikon für Dummys, aber auch das nützte nichts. Der Computer machte nie das, was ich wollte.
Enkel Ferdinand hatte eine Idee und brachte seinen abgelegten Computer, Enkel Jan ließ sich auch nicht lumpen und brachte mir ebenfalls seinen alten Computer, jetzt hatte ich drei dieser Dinger und verstand nur Bahnhof. Ich ging einen Nachmittag zu einer Schulung zur TELECOM, gescheiter wurde ich davon jedoch nicht. Auch der Kurs für Senioren brachte mäßigen Erfolg. Es folgten noch zwei weitere Schulungen bei der TELECOM. Langsam ging mir ein Licht auf, wie dieser Feind funktioniert. Ich glaubte jetzt, es zu können. Aber es war nur ein Wunschgedanke. Ich schrieb einige Geschichten, drückte mit flinken Fingern auf die Tasten und fuhr mit der Maus über den Bildschirm. Aber, oh Schreck, alles Geschriebene war weg. Ich versuchte es wieder heraus zu holen, denn die Wissenden hatten gesagt: ,, Es geht nichts verloren, im Computer kommt alles wieder zum Vorschein. Aber ich stellte fest, dass das nur ein Gerücht war, was weg ist, bleibt verschwunden. Noch war der Computer mein Feind.
Seit ich regelmäßig zum Senioren Computer-Club gehe, bin ich schon fast ein Profi geworden. Wenn Probleme auftauchen wurden sie von Clubfreunden gelöst. Jede Frage wurde beantwortet und erklärt. Es wurde mir solange erklärt und geübt bis ich es kapiert hatte. Nach zwei Jahren Üben und dank des Computerclubs, ist aus dem Feind ein Freund geworden.
Früher, als ich noch meine drei Läden hatte und ich von meiner Familie genug hatte und die drei Geschäfte mich nervten, fuhr ich in eine Schönheitsfarm, wo ich Stammgast war. Nach einer Woche kam ich von Kopf bis Fuß gepflegt, nervlich ausgeruht und wieder belastbar, zurück. Dieses Mal gab es in der Schönheitsfarm als Neuerung einen Wellnessbereich. Einen Raum der Sinne. Als ich diesen Raum betrat, versprühte ein in einer Ecke stehender Springbrunnen duftenden Nebel. Leise sinnliche Musik wehte durch den Raum – fühlte ich mich sofort wohl und schaltete das Gehirn aus. Der Duft ließ alles Irdische vergessen. In der Mitte stand ein riesiges Wasserbett. Ich legte mich darauf und meinte zu schweben, es war weich und warm. Zwei Engel kamen und massierten gleichzeitig mit warmen dufteten Ölen die Rückseite des Körpers. Ich kam mir vor wie eine Prinzessin aus tausend und einer Nacht. Wohlige Wärme durchzog den Körper und ich wollte nie mehr aufstehen. Dann säuselte eine Stimme: Bitte drehen Sie sich auf den Rücken, jetzt wird die Vorderseite massiert.,, Das Drama begann. Wie ein gestrandeter fetter Walfisch am Strand lag ich da, ich konnte mich nicht umdrehen. An jeder Stelle, an der ich mich abstützen wollte gab das Wasser nach. Nirgends gab es einen Widerstand, wo ich mich auch aufzustützen versuchte, das Wasser floss in alle Richtungen ab.
Die Stimme säuselte:,, Ich helfe ihnen, halten Sie sich an mir fest.“ Aber es half nichts, auch der Engel versank in den warmen Fluten. Der zweite Engel kam und half mit. Es ging aber jedoch auch zu zweit nicht, ich kam nicht hoch. Und da lag ich nun wie eine Qualle. Schließlich wurde ein dritter Engel geholt. Zwei zogen von vorne und einer schob von hinten. Endlich war es geschafft, und ich lag auf dem Rücken. Nun wurde die Vorderseite massiert, aber das himmlische Vergnügen war verpufft. Mein einziger Gedanke war. ,, Wie komme ich da wieder hoch?“ Diesmal war es einfacher. Ein Engel drehte die Beine in Richtung Fußboden und die zwei Engel schoben von hinten. Dann war es endlich geschafft ich stand auf festem Boden. Fazit ist; ich legt mich nie wieder auf ein Wasserbett.
Die nächste Katastrophe lauerte schon vor der Türe. Also, ich badete wie üblich. Die Wanne war alt, aus Gusseisen. Sie war von dem langen Putzen und Schrubben rau, und es kratzte am Po. Ich planschte und aalte mich genüsslich in dem warmen Wasser und gab einen Schuss Badeöl dazu. Es duftete nach Blüten - so stellte ich mir die Düfte im Garten Eden vor. Ich spielte mit dem Schaum, pustete ihn in die Luft, und ließ ihn wie Wölkchen im Badezimmer herumfliegen. Es war ein entspannter Sonntagvormittag. Ich war mit mir und der Welt im Einklang. Ich stieg aus der Wanne, zog den Stöpsel aus dem Abfluss und ließ das Wasser ab. Gurgelnd lief es durch das Loch. Einige Stunden später hörte ich einen gellenden Schrei aus dem Heizungskeller. Ich rannte hinunter. Fassungslos stand mein Mann da. Im Keller stand knöchelhoch das Wasser. Es war das duftende Badewasser. Das wichtigste war jetzt den Keller trocken zu legen. Der Sonntagnachmittag, die Ruhe und der Frieden war dahin. Tagelang, ja monatelang suchte Gerhard das Loch. Nachdem er das Loch gefunden hatte und es verstopft war, wurde wieder gebadet. Aber das Rohr war immer noch nicht dicht. Die Suche nach dem Loch begann wieder. Ich meinte: ,,Wir holen einen Handwerker und lassen die Rohre auswechseln.“ Ein energisches,, Nein “ wurde erwidert, ich mache das schon!“
Wieder vergingen Monate, Gerhard fand das Loch nicht. Nach Debatten und Kämpfen wurde beschlossen das Bad wird saniert. Endlich kamen die Handwerker. Nach einem Tag war die Sache erledigt. Die neue Badewanne und das neue Duschbecken blitzte mit den neuen Armaturen um die wette. Jedes mal, wenn ich an der Badezimmertüre vorbei kam, öffnete ich sie und bewunderte die Pracht. Am nächsten Tag wurde gebadet. Wie gewohnt stieg ich in die Wanne, ließ das Wasser ein, gab einen Schuss Badeöl dazu und aalt mich in der herrlichen glatten Wanne. Dann kam das Aussteigen. Wie damals auf dem Wasserbett ging das nicht. Die Wanne war glatt, die Finger waren feucht und vom Badeöl fettig Meine Hände rutschten vom Badewannenrand ab, die Füße fanden keinen Halt und rutschten weg. Es gab keine drei Engel, die schoben und zogen, ich musste den Ausstieg selber organisieren. Endlich hat ich es geschafft sich rumzuwälzen und auf die Knie zu kommen. Mit Mühe stand ich auf und stieg aus der Wanne.
Etwa später legte Gerhard sich in das Wasser. Noch war alles in Ordnung. Das Wasser war warm und duftete nach dem Badeöl. Bis ein Hilferuf aus dem Badezimmer kam. Gerhard lag wie ein gefangenes Walross in der Wanne. Man muss wissen, er ist nicht der Dünnste, aber noch nicht so mächtig wie der Bulle von Tölz. Die Füße rutschten ihm weg, er plumpste zurück in die Wanne. Eine Riesenwelle schwappte am Fußende über den Rand der Wanne und das nicht nur einmal. Der Wasserstand in der Wanne wurde immer niedriger, dafür im Badezimmer immer höher. Endlich gelang es auch ihm sich umzudrehen und auf die Knie zu kommen und auszusteigen. Leider konnte ich den Ernst der Lage nicht überblicken und musste lachen, bis mir die Rippen weh taten. Das Problem wurde gelöst, indem an der Wand zwei Griffe und am Wannenrand eine Ausstieghilfe montiert wurde Heureka das Alter kann kommen!
Ich erinnerte mich an die unglaubliche Geschichte die Vetter Heini passierte. Vetter Heini und seine Frau sind Oma und Opa. Jedes Jahr kam Paulchen zu Besuch. Sein sehnlichster Wunsch war, ein Besuch in den nahen Safaripark.
Opa Heini erklärte: ,, Gut, wir fahren hin. Das Auto stellen wir am Parkplatz ab, ich möchte nicht, dass mir die Affen die Scheibenwischer, die Antenne und den Außenspiegel abreißen, auch habe ich gehört, dass die Affen die Gummistreifen bei der Windschutzscheibe herausziehen. Wir steigen dann in den Safaribus um.“
Die Drei fuhren los und parkten wie besprochen. Opa stieg aus dem Auto und stellte sich an der Kasse an, die Schlange war lang. Langsam kam er voran. Am Ziel angekommen, kaufte er die Eintrittskarten, die Eintrittskarten hatte er, aber der Safaribus war schon abgefahren. Oma, Opa und Paulchen sahen nur noch die roten Bremslichter.
,,Nicht so schlimm,“ meinte der Opa: ,,fahren wir mit dem nächsten Bus.“
Paulchen schrie und tobte: ,, Ich will sofort zu den wilden Tieren!“
Also stiegen sie in den VW und fuhren auf eigene Gefahr durch den Park. Opa gab die Anweisung ja nicht das Fenster zu öffnen. Wie vorhergesehen, kam die Affenbande und tobte auf dem Auto herum. Alles ging gut, der Außenspiegel, die Antenne und die Scheibenwischer waren noch am Auto dran. Dann kamen die Elefanten. Paulchen war begeistert, er musste unbedingt so einen Rüssel streicheln und schnell kurbelte er das Fenster runter. Schon steckte der Elefant seinen Rüssel in das Auto. Paulchen schrie und Opa schrie:
,,Kurbel das Fenster hinauf.“
Oma rief: ,,Nein du musst es runterkurbeln, damit der Elefant den Rüssel herausbekommt.“
In der Aufregung kurbelte Paulchen statt herunter, hinauf und klemmte den Rüssel fest ein. Der Elefant trompetete vor Schmerz in das Auto, in seiner Panik trat er mit voller Wucht gegen die Autotüre, es krachte und die Türe hatte eine gewaltige Delle. Das Chaos war perfekt. Oma nahm all ihren Mut zusammen, stieg aus und befreite den Elefanten, aus seiner Not, der darauf mit schnellen Schritten verschwand.
Einige Tage später. Opa Heini kam vom Stammtisch. Er hatte einige Bierchen und Schnäpse getrunken. Jedes Mal fuhr er nach dem Stammtisch diese einsame Straße nach Hause und nie war etwas passiert. Aber heute standen zwei Polizisten auf der Lauer. Langsam fuhr Opa Heini in sein Unglück. Er musste anhalten, der eine Polizist ließ ihn in ein Röhrchen blasen. Der Alkoholpegel war nicht zu hoch, er käme mit einer Strafe davon, meinte der eine Polizist. Da kam das Unglück. Der zweite Polizist ging um das Auto herum, und zeigte auf die Delle in der Türe und fragte wie das passiert sei.
Opa antwortete: ,, Das war ein Elefant „
die Minen der Beamten verdüsterte sich. Opa wollte gerade erzählen, wie es zu der Delle gekommen ist, da schrie der Polizist:
,,Jetzt ist Schluss! Ich habe schon viele Ausreden gehört, aber diese ist doch zu frech, ich lasse mich nicht für dumm verkaufen.“ Und nahm dem Opa Heini den Führerschein weg.
Die Moral von der Geschicht`
Sag die Wahrheit lieber nicht.
Ich habe mich königlich amüsiert und frage mich, ob das im Safaripark wirklich passiert ist? Da haben die Großeltern dann aber Glück gehabt. – Eine witzige Sammlung von Familiendönnekes, über die sich alle Nachfahren freuen können... Weiter so!
Ich applaudiere! Dein Sprachwitz kommt hier gut zur Geltung. Für mich ist das dein bester Text. Ich habe nichts gefunden, auf das ich mich hätte stürzen wollen. ;-) Deine Enkel können zu recht stolz sein auf ihre tolle Oma.
Köstlich! Kein Roman, aber ein Erzählband, so wie "Nur der Pudding hört mein Seufzen" So geht es ja auch! Liebe Grüße Anita Decker
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19990
Lebende Piranhas
Der Glaskasten gehört nicht zu den Kneipen, die ich normalerweise aufsuche. Aber die Pappschilder im Fenster hatten mich angelockt.
„Astreines Frühstück” stand auf dem einen und auf dem anderen „Lebende Piranhas”.
Irgendwann ging ich hinein.
Nur zwei Gäste waren in der Kneipe. Ich setzte mich an den Tisch neben dem Aquarium zu einem älteren Mann, der in sein Bierglas stierte. Gedankenverloren mischte er Karten.
„Was hältst du von einem Spiel?” sagte er und hielt mir die Karten vor die Nase.
Ich sah, dass er nur einen Schneidezahn im Mund hatte.
„Ich spiele nicht ” , antwortete ich.
„Einmal ist immer das erste Mal”, sagte der Zahnlose und grinste blöde.
Der Wirt kam an den Tisch.
„Wo sind die Piranhas?” fragte ich.
„Die Biester haben sich gegenseitig zerfleischt”, sagte der Wirt.
„Blödsinn, im Aquarium waren nie Piranhas. Is` `n Werbetrick”, sagte der Mann am Nebentisch.
„Der muss es wissen”, meinte mein Tischgenosse, „er hat den Angelschein.”
„Ein astreines Frühstück”, sagte ich zum Wirt.
Mir wurde ein ganz normales Frühstück serviert. Dazu ein halbes Pfund Butter. Gesalzen.
„Die Butter ist ja salzig!” sagte ich.
„Wolltest du nun ein astreines Frühstück oder nicht?” sagte der Wirt.
Na gut, warum nicht einmal gesalzene Butter zum Frühstück?
Während ich aß, versuchte der Zahnlose Kartenhäuser zu bauen. Er versuchte es mit sechs, sieben Karten. Es klappte nicht. Immer wieder fiel das Haus zusammen.
Ich betrachtete die Hände des Mannes.
Dicke Arbeiterhände. Sie zitterten ein wenig.
„Gar nicht so einfach”, sagte ich.
„Ich bin Grobmotoriker”, sagte der Kartenhausbauer.
Ich bestellte ein Bier.
„Auch eines für mich”, sagte der Zahnlose.
Er sah mich an. „Ich mach dir einen Vorschlag. Was hältst du von einer Wette?”
Der Mann ging mir auf die Nerven.
„Ich baue ein Haus mit neun Karten” fuhr der Mann fort, „wenn es klappt, zahlst du die Biere. Wenn nicht, zahle ich.”
Ich schüttelte den Kopf.
“Jürgen, lass den Gast in Ruhe”, rief der Wirt, „Merkst du nicht, dass er sein Bier selbst bezahlen will?”
Der Zahnlose reagierte nicht. „Zehn Karten!” sagte er.
„Nein!”
„Elf”, sagte der Zahnlose, „Mein letztes Angebot.” Er wirkte jetzt gar nicht mehr sicher.
Ich überlegte, wie ich den Mann los werden konnte. Am einfachsten ist es, dachte ich, wenn ich ihn mit seinen eigenen Waffen schlage. Der Mann hat doch schon Probleme bei sieben Karten. Ich gehe höher und mache ihm ein Angebot, dass er ablehnen muss.
„Dreizehn”,sagte ich.
„Nein”, sagte der Zahnlose, „Das geht nicht. Dreizehn ist eine Unglückszahl.”
„Fünfzehn”, sagte ich, „Und das Haus muss mindestens zehn Sekunden stehen!”
„Unmöglich. Fünfzehn, das schafft kein Mensch!”sagte er.
„Fünfzehn oder gar nicht!”
Der Mann stierte mit offenem Mund in sein Bierglas. Auf seiner Stirn bildeten sich Schweißperlen. Die Hände zitterten noch stärker als sonst.
Er ist unsicher, dachte ich, gleich gibt er auf.
„Einverstanden” ,sagte der Zahnlose, „Ich riskier es.”
Der Angler war inzwischen zu uns an den Tisch gekommen. Auch der Wirt blieb stehen, nachdem er unaufgefordert zwei weitere Biere hin gestellt hatte.
Der Zahnlose nahm sieben Karten und baute mit geschickten Händen ein stabiles Fundament.
Er war konzentriert wie ein Klaviervirtuose. Seine Hände zitterten nicht mehr, das Gesicht war entspannt.
Dann nahm er fünf Karten, bog sie ein wenig und schon stand ein weiteres Stockwerk. Jetzt nur noch Drei und das Dach war fertig.
„Zehn, Neun, Acht...”, zählte er , “Zwo, Eins, Zero. Gewonnen!”
„Champion!” rief der Angler und schlug mit der Faust auf den Tisch. Der Tisch wackelte bedenklich. Auch das Kartenhaus zitterte, blieb aber stehen.
„Ich wusste, dass du wieder einmal gewinnst”, sagte der Wirt, „Ich wusste es!”
Dann brüllten die Drei vor Lachen.
Ich zahlte und verließ eilig den Glaskasten.
Noch draußen hörte ich das Gelächter.
Lebende Piranhas, dachte ich als ich nach Hause ging.
Gelungene Szene. Ist die Buttermenge Absicht? Das sind 250 Gramm. Butter (ohne Mengenangabe) reicht.
Ein "echter Wladimir". Wieder einmal gelacht. Super! L.G.Gerhild
Es ist schon alles gesagt worden; soll ich oder soll ich nicht? Ich denke aber, Dich freut's: Gut gemacht, humorvoll, witzig originell. Liebe Grüße.
Was Stimmung und Dialoge angeht, schließe ich mich der Meinung der anderen an: Klasse! - Wobei ich mir die Szene, als ich nur den einen Ausschnitt kannte, abends vorgestellt habe, und das gefiel mir NOCH besser. Jetzt mache ich mich mal wieder ein bisschen unbeliebt, dafür bin ich Metta ;o) Für meinen Geschmack benutzt Du ein wenig zu häufig das Wort "sagte". Ein halbes Pfund Butter ist ein ganzes Paket - ist das das astreine am Fühstück? Denn normalerweise gibt es höchstens ein oder zwei Päckchen à 20 g. Die Kartenhausetagen müssen 8, 5 und 2 Karten haben, nicht 7, 5 und 3. Und, ja, ja, verdreht nur alle die Augen, nach neuer RS schreibt man, wenn die wörtliche Rede mit ?" oder !" abschließt DANACH noch zusätzlich ein Komma, wenn ein Nebensatz anschließt. LG Metta
Hallo Wladimir! Stimmung und Szene sind klasse rübergebracht. Liest sich gut und hat Spannung! lg
Hallo Wladimir, Deine Piranhas sind ganz schön hinterlistig, aber Sie scheinen Übung zu haben. Schön. Bis bald. ml
Danke, dass Du uns nun die ganz Szene zum alten Dialog reingestellt hast. Eine herrliche Kneipenszene, schön lakonisch dargeboten. Ein bisschen wie Flens-Werbung, ein Hauch Kaurismääki - I love it! Besonders das astreine Frühstück hat es mir angetan, klasse!
Ein super Text, ich war sofort verliebt!!! Trotzdem noch kleine Anmerkungen, um den Diamanten zu schleifen: Lass das "Na gut, warum nicht einmal gesalzene Butter zum Frühstück?" weg. "Er versuchte es mit sechs, sieben Karten. Es klappte nicht. Immer wieder fiel das Haus zusammen." Lass den mittleren Satz weg. "„Gar nicht so einfach”, sagte ich. „Ich bin Grobmotoriker”, sagte der Kartenhausbauer. Ich bestellte ein Bier." Lass ihn etwas anderes sagen, das nicht so offensichtlich darauf aus ist, den Protagonisten davon zu überzeugen, dass er es nicht kann. Vielleicht "Ach, ich habe es vor ein paar Monaten einmal geschafft, aber seitdem...!" oder so. Obwohl das Ganze für mich vorhersehbar war, bin ich, wie gesagt, echt begeistert. :)
Was soll ich sagen? Eine wirklich schöne Geschichte! Viele Grüsse, Numungo.
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19988
Hier zur Abwechslung eine meiner Lieblingspassagen aus dem Projekt "Absturzgefährdet". Vicky begegnet im Wald Tibor, der ihr Geheimfreund wird. Beide Kinder sind zu dem Zeitpunkt 12 Jahre alt.
Auf einer dieser Fluchten begegnete ich Tibor.
Ich war wieder einmal zu meinem Lieblingsort unterwegs, dem Kletterbaum oben am Hang, kurz vor der Senke, die den Kindern im Winter als Rodelberg diente. Vor dem Baum stand eine alte grüne Bank, die am Rücken schabte, so viele Herzen und Liebesschwüre waren darin eingeritzt. Die Heckenrosen blühten, es war Anfang Juni und die Wiesen standen kurz vor der Ernte. Alles war weit weg, das Dorf, meine Eltern, die blöden Nachbarskinder. Ich wollte ein bisschen klettern und schauen, wie hoch ich diesmal kam. Da hörte ich plötzlich eine heisere Stimme „Guten Tag" krächzen.
„Heute schon mal den Sauerampfer probiert? Einfach köstlich!“
Der Körper zur Stimme klemmte oben im Baum, erstmal sah ich nur ein Paar lange hellhäutige Beine, darüber eine abgeschnittene Jeans und ganz oben, über dem roten T-Shirt, einen grinsenden Mund und die borstigsten blonden Haare, die ich bis dahin zu Gesicht gekriegt hatte. Die Finger zu der Stimme waren hell, feingliedrig und lang. Sie hangelten sich zu mir herunter und dann sah ich ein sommersprossiges Gesicht! Es schaute mich an.
Das Gesicht sagte: „Ich bin Tibor. Das ist mein Baum, denke ich mal“.
Was bildete der sich denn ein?
„Nee, das ist mein Baum. Dich habe ich hier noch nie gesehen".
Der Junge sprang herunter und wir setzten uns auf die kratzende Bank.
Ich betrachtete meine roten Turnschuhe und fühlte mich leicht verunsichert.
„Ich bin Vicky", fiel mir immerhin ein.
„Angenehm", entgegnete er, stand auf und machte einen Diener. Was für ein höflicher Junge, hätte meine Mutter gesagt.
Ich musste lachen und fasste sofort Vertrauen zu Tibor.
Er wohl auch zu mir. Er redete los wie ein Wasserfall. Dass er gerade erst hergezogen sei, vor einer Woche. Dass sein Vater der neue Arzt im Dorf sei, er in dem großen Haus oben am Berg wohnen würde und zum humanistischen Gymnasium ginge.
„Ich gehe auf das neusprachliche Gymnasium", warf ich ein.
Das schien ihn nicht weiter zu interessieren.
„Und wie findest Du's hier?“, fragte ich ihn.
„Komisch!“ antwortete er knapp.
Tibor erzählte mir, dass er 12 war und aus Hamburg kam. Das war eine Weltstadt. Ich kannte sie vom Vorbeifahren. Die Brücken, die mochte ich. Wenn mein Vater die hinter sich ließ, wusste ich, dass es bis zur Nordsee nicht mehr so weit war.
„Und warum seid ihr dann in dieses blöde Kaff gezogen?" erkundigte ich mich.
„Keine Ahnung. Mein Vater, der schlaue Doktor, dachte wohl, dass uns Landluft gut tut."
Für andere Ohren hätte das arrogant geklungen, aber in meinen Ohren war das Musik.
Dann platzte es auf einmal aus ihm heraus.
„Ich soll Pianist werden. Nein, meine Eltern finden, dass ich Pianist werden soll. Hier gibt es die beste Lehrerin, sagen sie.“
Er legte eine kurze Pause ein. Und rief dann wütend: „Ich hasse das".
„Was möchtest Du denn werden?“
„Irgendwas, bloß nicht Pianist. Weißt Du, jeden Tag muss ich
üben, üben, üben. Stundenlang. Das ist so öde. Ich bin lieber in Bewegung!"
Ich verstand.
„Ich habe auch mal Klavier gelernt. Aber meine Klavierlehrerin war eine blöde Kuh und das Üben fand ich auch ätzend!“
Er nickte.
„Und was musstest Du so spielen?“ fragte er.
„Ach, alles so. Bartok spiele ich immer noch gern“, verriet ich ihm. Bisher hatte ich noch niemanden außer meine Mutter damit beeindrucken können. Klavier zu spielen, das war exotisch. Niemand spielte Klavier in unserem Dorf. Bartok, allein über das Wort hätten sich die Nachbarkinder schon lustig gemacht.
„Bela Bartók", sagte er und blickte theatralisch in die Ferne. Dann lachte er komisch.
Irgendwie tat mir Tibor leid. Offensichtlich wollte er nicht das, was seine Eltern wollten. Da ging es ihm so ähnlich wie mir.
„Mein Vater hat mir erzählt, ich hätte eigentlich ein Junge werden sollen!"
Tibor räusperte sich. „Ist ja ´ne tolle Ansage!“
Dann schwiegen wir beide. Wir pflückten Sauerampfer, veranstalteten ein Wettessen, bei dem ich gewann, obwohl mir komisch war im Bauch. Ich zeigte ihm die Senke und den Hochsitz. Wir kletterten hinauf. Es war so, als würden wir uns schon ewig kennen. Ich studierte ihn aus dem Augenwinkel. Seine spitze Nase war mit Sommersprossen übersät. Seine Wimpern waren rötlich blond und so dicht wie kleine Bürsten.
„Neulich", vertraute ich ihm an, „da dachte ich, ich könnte fliegen! Ich saß auf meiner alten Schaukel und schaukelte immer höher. Das war so super! Aber dann bin ich abgestürzt".
Er schaute mich an. „War's schlimm?"
„Nee“, winkte ich ab. „Eine Riesenbeule und 'ne Gehirnerschütterung. Die Ringe sind aus der Verankerung gerissen".
„Kacke!“ bemerkte Tibor trocken.
Nun wusste er um meine größte Pleite. Und Kacke war seine einzige Antwort darauf! In meinem Bauch wurde es ganz warm. Mehr als
Kacke hätte er auch nicht sagen müssen. Mehr als Kacke fiel mir eigentlich auch nicht dazu ein.
„Meine Eltern haben die Schaukel abgebaut. Aus Sicherheitsgründen! Mit 12 bin ja auch eigentlich viel zu alt dazu."
„Spießer!" fand Tibor.
„Spießer!“ wiederholte ich.
Dann gaben wir uns die Hand. Es kam mir vor wie ein Vertragsabschluss.
Unsere Eltern waren Spießer und wir die Einzigen, die das
wussten.
Wir mussten damit leben, aber gemeinsam war es vielleicht nicht mehr so schlimm. Ich war voller Hoffnung.
Ich nahm mir fest vor, Tibor vor der verhassten Pianistenkarriere zu bewahren. Aber damals kannte ich seine Eltern noch nicht...
Liebe Frog! Die Szene ist wunderschön und entscheidend wichtig für deine Erzählung. Könntest du nicht noch ein bisschen mehr von der Magie zeigen, indem du die Gefühle mehr beschreibst? Du erzählst ja aus erwachsener Perspektive. Mit zwölf Jahren einem Jungen zu begegnen, der einen versteht, das ist doch ein sinnenverwirrendes Wunder, oder? Da möchte ich gerne noch mehr eintauchen. Richtig klasse finde ich den Schluss ab "Kacke", vor allem den Satz "Unsere Eltern waren Spießer und wir die Einzigen, die das wussten" - da erscheint das Grinsen auf meinem Gesicht! Ganz liebe Grüße, Velarani
Bin spät dran, alles ist bereits gesagt. Mir persönlich sind nur die hangelnden Finger negativ aufgefallen. Den Rest finde ich sehr gelungen.
Na jut, dann wetze ich jetzt das Skalpell ;o) Statt "den" Kindern "uns" Kindern!? Die zerschnitzte Bank und der Heckenrosenduft gefallen mir ausnehmend gut. Bei Wiese denke ich eher an Mahd, bei Ernte an Feld, obwohl es ja auch Heuernte gibt. Ist Tibors z.T. gewählte Ausdrucksweise gewollt? Er schwankt zwischen "köstlich" und "Kacke". Der klemmende Körper klemmt auch in meinem Kopf. Die Betrachtungsweise von unten nach oben finde ich sehr gelungen, aber das sommersprossige Gesicht würde ich schon inklusive Mund unter dem Blondschopf ansiedeln (s. Ginko), abgesehen davon, dass Du das Gesicht nicht zu Gesicht bekommen solltest. Die Finger würde ich nicht allein unterwegs sein lassen, nur von einer Stimme begleitet (s. Ginko). Meinetwegen könntest Du auch einige erklärende Sätze wie "ich fühlte mich verunsichert", "fiel mir ein" oder "ich verstand" weglassen. Zahlen ausschreiben (s. Ginko). Die Hamburger Brücken finde ich zu allgemein - mit der Bahn kommt man wohl über die Elbbrücken, dann fällt mir noch die Köhlbrandbrücke als besonders imposant auf, Kennedy- und Lombardsbrücke, aber wenn man über die Autobahn fährt (die allerdings in den sechziger oder siebziger Jahren noch nicht so weit ausgebaut war, wie jetzt), bekommt man die ja gar nicht zu Gesicht. Das hätte ich gern noch etwas atmospährischer beschrieben bekommen. "Wenn mein Vater die hinter sich ließ" klingt so, als sei er allein unterwegs, dabei fährt er doch wohl mit seiner Familie in Urlaub. "Wenn wir mit meinem Vater im VW-Käfer über die Köhlbrandbrücke fuhren..." "Ich bin lieber in Bewegung" finde ich zu allgemein. "Ich bin lieber im Wald" oder "ich geh lieber auf Bäume klettern oder baue Staudämme am Bach" oder etwas in der Art finde ich anschaulicher. So, da hast Du den Erbsen-Korinthen-Senf dazu! ;o) LG Metta
Hallo Frog! Ist dies der Einstieg zu der Geschichte, die du erzählen willst? Super! Nach diesem Start ist so viel möglich. Abenteuer, Streiche, Dramen und erste Schmetterlinge im Bauch? Ich würde noch heute Nacht das Buch zu Ende lesen, wenn ich könnte... Gruß Monika
Wenn Du MÖCHTEST, schreibe ich noch mehr, als dass mir der Text gefällt. Wegen Deiner Kiwi-Senf-Allergie... LG Metta
Hi Frog! Schöner Text, liest sich wie Butterkuchen. Die Finger sind mir auch aufgefallen, ansonsten fand ich die sezierende Beschreibung gelungen. Ich stimme Ginko nicht ganz zu, was die erklärenden Verben beim Dialog angeht. Soweit ich mich erinnere, ist der Roman nicht für Jugendliche. Aber es gibt längere Rückblenden in die Kindheit. Dafür finde ich es ein gutes Stilmittel, das sprachliche Niveau ein wenig in Richtung Jugendbuch zu bewegen. Und dort ist es durchaus sinnvoll, mehr zu erklären, auch "normale" Verben wie "sagte" bei Dialogen zu verwenden. Ich fand das im Kontext angemessen. Aber ist natürlich Geschmackssache. Anyway, ich les dich immer wieder gerne :-) Liebe Grüße, Malea.
Hallo, Frog! Schade, dass Ginko schon alles gesagt hat. So bleibt für mich nur noch übrig: Super gelungener Text! Die Sprache der "Noch Kinder" ist Dir sehr gelungen, als seist Du einer von den beiden. Ja, wenn das nicht schon Deine Lieblingspassage wäre, könnte es auch meine ... Liebe Grüße.
Danke GINKO – für die wirklich hilfreichen Anregungen, die ich gern beherzige... LG
Der schöne Beginn einer Freundschaft. Ich erinnere mich noch an die Verhinderung des Klavierkonzerts. Macht Hunger auf mehr ... Viele Grüsse, Numungo (20016).
Hallo Frog, das liest sich auch sehr vielversprechend. Ich lese Geschichten, in denen Kinder in diesem Alter, Freundschaft schliessen wirklich gerne. Bis bald ml
Beglückt, dass uns Frog nicht sachtens wieder durch den Kaukau zieht, koste ich von der Geschichte wie aus einer Sektbuddel und werde ganz duhn beim smökern. Beim Hangeln bin ich hängen geblieben an den Fingern. Anders: Die hellen Hände zu der Stimme hatten lange und feingliedrige Finger und hangelten sich... Ein sommersprossiges Gesicht schaute mich an, sagte "Ich bin Tibor" und grinste aus einem blonden Wust borstiger Haare hervor. Er sprudelte wie ein Wasserfall. "Wie findest du's hier?", wollte ich wissen. "Komisch." Punkt! "Ich bin zwölf, komme aus Hamburg..." Jetzt erst kommentiert die Erzählerin: Das ist eine Weltstadt. / "Fragte er, sagte ich, antwortete er, meinte ich, erzählte er" : alles schwach und unnötig ! Wenn schon Erzählsätze im Dialog, dann sowas wie : "druckste ich, knurrte er, kicherte ich, spuckte er aus, staunte ich, stotterte er, würgte ich heraus ..." Bei den meisten der Aussprüche sind ja schon die stärkeren Verben dabei. Bevor aber der Dialog damit überladen würde, können sie auch weggelassen werden und der Sekt wird zum Champagner. Prosit ! Starke Erzählung !
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19982
Prolog
Ich war 36 Jahre alt, als ich das erste Mal in meinem Leben den Zustand der Absolutheit zu begreifen begann. Es war an einem Montag Ende November und der Regen hing tief in den Wolken. Den ganzen Morgen über verbrachte ich damit, mich mit einem alten Citroën durch den dichten Verkehr von San Francisco zu schlängeln. Ich stellte die Scheibenwischer an. Die einzelnen Tropfen trafen sich auf der Seitenscheibe und flohen in langen Bahnen entgegen der Fahrtrichtung davon. Ich befand mich auf dem Weg zu einem Geschäftstermin im Ausland. Nun saß ich mit meinem Koffer in einer der Abflughallen des San Francisco International Airport und die schnellklackernde, übergroße Anzeigentafel versetzte mich ins Grübeln. Gedanken. Geschichten. Geschichten, dachte ich, in unserem ganzen Leben sind wir umgeben von Geschichten. Die Zeitungen sind voll davon. Da verleiht einem die Monotonie der unzähligen Vielzahl kleiner Metallblättchen mit ihren Zahlen und Buchstaben ein Gefühl der Beruhigung – simple Zahlen und Buchstaben! Unruhe machte sich breit. Lange Zeit konnte ich von der Gewohnheit meiner Gefühle nicht ablassen und geriet jedesmal in drückende Panik, wenn ich mich von dem Ort, an dem ich schon immer gelebt hatte, fortbewegte – ja von dem Mittelpunkt meines Lebens. Wie ein Meer aus schwarzer Tusche breitete sich die Angst in mir aus. Wo Nähe ist, ist auch Ferne. Verstehen oder Begreifen setzt immer auch ein Sich-von-etwas-entfernen voraus. Abstand gewinnen, ja Abstand war wichtig. Und allein durch diesen Abstand begriff ich. Und ganz behutsam wich die Angst und hervor trat ein wohliges Gefühl des Fremdseins. Neben mir saß ein junges, verliebtes Pärchen. Liebe! Das Pärchen küsste sich. Lieben wir nicht immer nur das an einem Menschen, was wir gerade in ihm sehen? Wann geht es uns schon wirklich um den einen bestimmten Menschen, der vor uns steht? Mir wurde klar, immer klarer, dass gerade darin die Einzigartigkeit eines jeden von uns liegt. Allein in einem solchen Zustand des Wartens war ich zu solcher Art der Erkenntnis fähig. Vielleicht sollte ich öfters Verreisen oder mich in ein Wartezimmer setzen – wo es schon spezielle Raumbezeichnungen dafür gibt? Das Klingeln eines Telefons ließ meine Gedankenstränge auseinanderdriften. Eine Sitzreihe hinter mir diskutierte eine Familie in aufgeregten Sätzen über die aktuelle Durchsage. Abflug verschoben! Ich stand auf. Ich hatte keine Lust mehr, unter all den Menschen zu sein.
Kapitel 1 – Der absolute Zustand
Mein Blick rauschte vorbei an den Menschenschlangen. Ich verließ das Flughafengebäude, fuhr an den angrenzenden Waldrand und spazierte umher. Und plötzlich lag er vor mir, der absolute Zustand! Erst im letzten Augenblick, bevor ich um die Ecke bog, sah ich sie; still, zart und unscheinbar.
Mit völliger Hingabe knipste sie die kleinen Knospen ab und war völlig in sich gekehrt. Sanft strich sie gedankenlos über die zarten Blüten. Winzige Zacken umrahmten das grüne Blattwerk. Ich blieb stehen. Schaute. Sie war sich des Augenblicks nicht bewusst – sie war der Augenblick. Ihr Blick richtete sich ’gen Himmel, wo leise die Blätter im Wind hin und her wiegten. Noch zaghaft tänzelten sie in alle Richtungen. Der Wind wurde kühler. Schließlich schwankten einzelne Äste nach links und rechts und die Blätter vollführten weiter ihren Tanz auf der Bühne des Himmels. Plötzlich wurde der ganze Baum erfasst. Die Natur schickte ein tosendes Rauschen und Rascheln durch die Luft. Die kleinen Blätter wirbelten wild aufgebracht an ihren Zweigen. Wie tausende kleine Kinderhände winkten die Blätter ihr entgegen. Es loderte und wirbelte. Rauschte und blies. Sie blickte auf ihre gepflückten Blüten. Jede einzelne als Ergebnis eines Wunders. Gedanke um Gedanke ergriff sie, während im Hintergrund die Natur ausbrach. Schließlich riss sie – wenn auch ganz sachte – der tosende Wind aus ihrem Zustand der Hingabe. Und die Gedanken verloren sich. Dunkelheit machte sich breit. Sie verdrängte. Und doch ist nur in ihr ein kleinster Lichtstrahl wahrnehmbar. Es war für sie der absolute Zustand.
Die Tage strichen vorüber. Unaufhaltsam, leise, aber mit Beständigkeit.
Hallo Maggy! Den Prolog finde ich stimmig. Ein Gedankenstrom, die Erkenntnis klassisch an einer Stelle des Übergangs. Aber warum Kapitel 1 übergangslos weiter im Text des Prologs? Wofür dann der abgetrennte Prolog? Wer "sie" ist bleibt ein Rätsel. Was mich etwas stört: Die ganze Stimmung im Wald passt nicht zum anfangs beschriebenen Wetter. Aber in sich ein schönes Naturbild. "gedankenlos" wohl nicht, eher "gedankenverloren". Ich mag deine bildhafte, dichte Sprache. Liebe Grüße, Malea.
Hallo Maggy. Du hast eine sehr poetische Sprache. Ich habe Deine Texte gelesen und wieder gelesen. Habe sie wirken lassen und versucht, mir den Rest des Romans vorzustellen. In welche Richtung wird es gehen, was ist der "absolute Zustand"? Ist es Fantasie? Wie verhält es sich mit der Sprache, wird die Autorin dieses Sammelsurium an Metaphern und bildlichen Umschreibungen bis zum Ende durchziehen? Wie werde ich als Leser reagieren, wenn ich ständig an etwas herangeführt werde um dann, im letzten Moment, weggerissen zu werden? Meine Meinung ist natürlich subjektiv und davon geprägt, dass ich lieber einen Roman lese, der mit Worten des täglichen Gebrauchs auskommt und trotzdem den Kern der Sache trifft. Nichts gegen Metaphern und eine blumige Wortwahl, um Himmels Willen, aber die Dosierung sollte wohl überlegt sein, wenn man am Ende auch noch Geld mit den literarischen Ergüssen verdienen will. Auf mich wirkt es schnell überladen, gewollt und zu gestelzt. Als Kleinod finde ich den Text gut, aber als Roman für MICH (subjektiv) nicht relevant. LG M.P.
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19980
Weit mehr als ein Jahr war es jetzt her, dass Birgit und Florian vor die erste Zerreißprobe ihres gerade begonnenen gemeinsamen Lebensweges gestellt wurden. Das kleine Holzhaus war gerade mit viel Eigenleistung renoviert und eingerichtet worden. Der Kamin, das Herzstück des großen balkendurchzogenen Wohnraumes, hatte die ersten Probeläufe hinter sich. Nach den nötigsten Renovierungen am Haus wurde er zum unentbehrlichen Mobiliar. Im Strahlungsbereich der Feuerstelle stand oft der kleine Schachtisch, an dem so manch fesselnde Partie ausgetragen wurde. Vor den orangeroten Flammen und den knisternden Holzscheiten, die wegen der feuchten Beschaffenheit manchmal ein singendes Zischen von sich gaben, ließ es sich so schön träumen und den Tag ausklingen lassen.
Wie viele solcher gemütlicher Abend hatten sie schon in diesem Refugium verbracht? Die ersten Winterabende waren noch angefüllt mit Hämmern und Klopfen, Sägen und Schleifen bis aus dem alten Holzhaus endlich ein Kleinod geworden war. Für diese Zeit waren auch die Rehe, die sich normalerweise in der Dämmerung am nahen Waldrand zeigten, verschwunden. Erst als nach den Renovierungen wieder Ruhe einkehrte, waren auch die scheuen Waldtiere zurückgekommen.
Eines Abends war Florian erst spät aus Erlangen zurückgekommen. Birgits Tag war kürzer gewesen und wie gewohnt hatte sie eine Brotzeit hergerichtet. Heut’ ist’s gar grausig draußen, sagte Birgit mehr zu sich selbst, als sie eine dicke selbst gefertigte Patchworkdecke in der Sitzecke zurechtlegte. Es dauerte immer eine ganze Weile bis die Kaminwärme sich in dem riesigen Wohnraum ausgebreitet hatte.
Rasch schob sie die Bücher zusammen, die sie auch zu Hause immer in Reichweite liegen hatte. Noch einige Semester würden sie beide auch in ihrer Freizeit vom Studium nicht lassen können. Beide hatten sich der Ethnologie verschworen und träumten von Projekten im Ausland und der Forschung vor Ort.
Das dumpfe Brummen von Florians Landrover war vor dem Haus zu hören. Andere kleinere und leichtere Autos hätten schon am Fuße des Abhangs klein beigeben müssen. Aber der schon etwas betagte Geländewagen nahm die Anhöhe mit Bravour. Florians Pfeifen galt nicht so sehr ihr als seinem Terrier, der nun laut kläffend vor der Haustür Einlass begehrte. Sein Besitzer kam ungestüm ins Haus gelaufen, der Schnee unter seinen Füßen knirschte, das Gesicht war stark gerötet von der Kälte und sein Anorak mit Schnee dekoriert, den er im Vorbeilaufen von den Büschen vor dem Haus mit heruntergerissen hatte. Wie so oft bei ihm hatte sich eine ungebändigte blonde Locke gelöst und war ihm in die Stirn gefallen, ein Wirbel, ein Erbstück, wie er an dieser Stelle immer erklärend entgegnete…..
Birgit hatte den Teepunsch in den Wohnraum getragen, die Kerzen entzündet und blickte ihm lächelnd entgegen. Würde er den Zauber diesen Winterabends bemerken oder hatte er den Kopf noch voll mit ostafrikanischen Stämmen und deren Sitten und Gebräuchen? Er packte seinen Rucksack aus und las zwischendurch immer ein Blatt Papier, dessen Inhalt ihn sehr zu fesseln schien.
„Du, mir ist da heute vormittag etwas sehr Interessantes zu Ohren gekommen. Professor Waldschmidt baut eine Truppe zusammen, die ihn zu den noch kaum erforschten Stammesgebieten der Harar in Äthiopien begleiten soll. Vier bis fünf Semester Studium sollten schon hinter den Teilnehmern liegen, Erfahrungen in der Praxisarbeit wäre wünschenswert, aber nicht Bedingung..... Ich dachte, das sei etwas für mich, die Bedingungen könnte ich erfüllen ..“
„Das ist doch nicht dein Ernst, willst du mich wirklich hier allein lassen, wo doch dieses Haus ein bisschen mehr Arbeit erfordert, mit Holzholen zum Beispiel!“, Birgit schien es nicht fassen zu können.
„Das stimmt schon,“ gab Florian zögernd zu, „ aber dein Vater hilft dir doch gern wie ich ihn kenne und ewig dauert so ein Winter ja auch nicht.“
Die Stimmung dieses Abends war gestört, die übliche Romantik stellte sich nicht ein. Zu groß wären die Veränderungen, die eine Trennung, wenn auch nur auf Zeit, mit sich bringen würde.
Birgit fühlte sich seit einiger Zeit nicht so ganz fit, sicher hatte sie sich ein bisschen verausgabt mit dem Arbeiten an der Uni und den häuslichen Tätigkeiten, denn von einem Ende der Renovierungen konnte man noch lange nicht sprechen. Und soweit es ihr möglich war, hatte sie tatkräftig mit zugegriffen.
Die Abende waren nicht mehr so urgemütlich wie ehedem. Der Tisch im Wohnraum war bedeckt mit Auszügen aus dem Internet, Fachliteratur stapelte sich und Florian schien mehr Zeit in Uni und Bibliothek zu verbringen als je zuvor.
Die Ereignisse überschlugen sich. Nur zwei wortkarge Wochen später kam Florian mit den fertigen Unterlagen noch Hause. Erstaunlich kurz war die Wartezeit auf Pass und Visum gewesen und Birgit unterstellte insgeheim, dass der Reiseplan schon viel früher unter Dach und Fach war, als sie davon erfahren hatte. War er zu feige gewesen oder scheute er die unausweichliche Auseinandersetzung mit ihr? Die Dinge kamen ins Rollen und nahmen ihren Lauf.
....................
Wieder wurden die Tage empfindlich kühler, der Kamin brannte. Birgit war nach den Vorlesungen wieder zu Haus und breitete Ordner und Schreibutensilien auf dem Tisch aus. Früher hatten sie und Florian ihre eigenen Arbeitszimmer gehabt, aber Birgit hatte doch die eine oder andere Veränderung im Haus vornehmen müssen. Neben dem Kamin hatte ein neuer Computer seinen Platz gefunden und die Arbeit mit ihm war zu einem festen Bestandteil ihrer Abende und Wochenenden geworden. Es war nicht immer leicht gewesen ohne einen Partner, der einem zur Seite stand, wie oft hätte sie seinen Beistand gebraucht...
Über den Hang quälte sich ein Fahrzeug. Sie seufzte und strich mit sanfter Hand über den blonden Kopf des kleinen Jungen, der in seinem Rollbettchen neben der Couch schlief. Aus seinem blonden Haarschopf hatte sich eine ungebändigte Locke gelöst und war ihm in die Stirn gefallen, ein Wirbel, ein Erbstück…..
Das dumpfe Brummen eines Landrovers war vor dem Haus zu hören. Andere kleinere und leichtere Autos hätten schon am Fuße des Abhangs klein beigeben müssen....
Liebe Irene, in deinem Text schilderst du mehr oder weniger einen Ausschnitt einer Beziehung. Du schreibst die Sätze sehr gekonnt, sie zeigen einen großen Wortschatz aber es klingt zu "perfekt". Es ist kein Leben drin, genauso wie in der Beziehung der beiden. Sie leben eine Perfektion, die sie am Ende zerstört. Die wahren Gefühle bleiben gefangen und kommen nicht zum Ausdruck. Irgendwie wartet man auf den plötzlichen "Schrei". Versuche doch mehr Leben in deine Sätze zu bringen, vielleicht indem du die Gefühle der Frau sprechen lässt, die Beschreibung des Hauses und dem wohnen darin "einfacher "erzählst. Die Aussagen wie, "hatten die ersten Probeläufe hinter sich.. und, "die Dinge kamen ins Rollen..", "klein beigeben müssen.." würde ich weglassen und mit eigenen Worten formulieren. Versuche aus dir rauszugehen, du kannst es, ich habe deine anderen Texte auch gelesen und du hast großes Potential. Liebe Grüße
also, das ist ja wirklich nicht das, was ich beabsichtigt habe. ich wollte um Gottes Willen keine wilde Diskussion entfachen, was ich aber wohl doch getan habe. Meine Geschichte, und es ist eine, kein Roman, soll nur erzählen, wie es jemandem geht oder gehen kann, der ein für die Karriere wichtiges Vorhaben über eine offensichtlich recht gute Beziehung stellt. Nur DAS sollte "erzählt" werden, nichts anderes. Eigene offensichtlich feministische Gedankengänge mit einzubringen und einer 55-jährigen einen Erzählstil aus den 50ern vorzuhalten, fand ich nur etwas übertrieben. Aber die Gedanken sind frei, meine auch. Mimosenhaftigkeit trifft auch nicht auf mich zu, ich habe schon mehrere durchaus kritische Kommentare zu meinen Texten erhalten und z.T. konnte ich denen auch zustimmen und habe mich nur über mich selbst geärgert. Heiterkeit rief die Bemerkung, der Ehemann macht Karriere und die Mutter sitzt am Herde und schaukelts Baby hier zu Hause hervor. Der Ehemann ist nämlich keiner, wie dem geneigten Leser nicht, aber allerdings der Kommentarverfasserin, entgangen sein dürfte. Die tüttelige Mutter, die sträflicherweise sich ums Kind kümmert (pfui Teufel, haben wir dafür nicht Krippen und Tagesmütter??) studiert das gleiche Fach wie der flüchtige Vater. Ich kann nur wiederholen, das stand im Text, deshalb kann ich mir all die schönen Schühchen von Angela nicht anziehen. Aber es war ein netter Versuch, ich schreibe trotzdem weiter, Nichts für ungut, eines möchte ich noch hinzufügen eingedenk aller guten Hinweise: meine Geschichte, aus der dieser antiquierte und belächelte Auszug stammt, ist vor einigen Jahren bereits in einem passenden Rahmen veröffentlicht worden. Dem Auswahlgremium ist also nichts Blödes aufgefallen. Mir gefällt die Geschichte immer noch und der Ton macht die Musik, auch im Haifischbecken.
Die Idylle erscheint mir fast kitschig, der Konflikt des Paares berührt mich nicht. Als wenn es das Schlimmst wäre, dass Birgit nun einen Winter lang allein Holz holen muss. Du verwendest z.T. klischeehafte Formulierungen und manchmal auch "Beamtendeutsch". Zusammenfassungen, Erläuterungen und Wertungen, die der Leser bei genauer Beschreibung selbst vornehmen könnte, beschäftigen meinen Kopf, aber nicht mein Herz. Mir fehlen sinnliche Eindrücke, Wärme, Gerüche, Geräusche. Was fühlst Du bei den Wörtern Zerreißprobe (merke ich nicht), gemeinsamer Lebensweg, Eigenleistung (stand im Bauvertrag), Herzstück, Probelauf, unentbehrliches Mobiliar, Strahlungsbereich (ein Kaminfeuer kann so sinnlich sein!), fesselnde Partie (show, don't tell), wegen der feuchten Beschaffenheit (ist mir egal, WARUM), Refugium, Kleinod, scheue Waldtiere (welche?), Reichweite, nicht lassen können, verschworen, betagter Geländewagen, Bravour, Einlass begehrte, Besitzer (dieses Wort gehört nicht zu Birgits Perspektive), dekoriert, blickte lächelnd, Zauber des Winterabends (erinnert mich an Werbefilme oder Loriots Knecht Ruprecht - in dieser wunderschönen Nacht hat sie den Förster umgebracht), übliche Romantik (Romantikroutine?), verausgabt, häusliche Tätigkeiten (konkret?), urgemütlich wie ehedem (show, don't tell), Auszüge aus dem Internet, Fachliteratur, Ereignisse überschlugen sich (welche?), wortkarge Wochen (Sie sprachen kaum noch miteinander. Florian saß schweigend an seinem Schreibtisch, während Birgit ihm seine Socken stopfte und Babymützen strickte.), Schreibutensilien (welche konkret?), Beistand gebraucht? Die wohlfeilen Formulierunge wirken auf mich steril.
Der strahlende Atommeiler in der offenen Feuerstelle des unter Mühen renovierten Hauses bringt das feuchte Brennholz zum Glühen und der dabei entstehende schadstoffgeschwängerte umweltschädliche Qualm wird durch den mechanischen Brüdenverdichter des erfolgreich TÜV-getesteten Kamins abgesaugt. Ein wirklicher Stresstest für jedes Liebesglück!
Dein Schreibstil erinnert mich an die 50er-Jahre. Die Wortwahl ist sehr steril und politisch korrekt. Wer redet heutzutage noch so: „Heut’ ist’s gar grausig draußen, sagte Birgit …“? Vor solchen Sätzen graust es mich mehr, als wenn Birgit gesagt hätte: „Was für ein Scheißwetter!“ / Was bietest du uns inhaltlich? Häusliche Idylle bis zum Abwinken: Teepunch, Patchworkdecken, Brotzeit, Schachpartien, Kerzen, Rehe (Bambi lässt grüßen), ein treuer Terrier … Dann taucht der Ehemann mit vor Kälte stark gerötetem Gesicht auf. Da er soeben aus dem Auto ausgestiegen ist, schlussfolgere ich, dass die Heizung im Wagen wohl ihren Geist aufgegeben hat. Das Drama nimmt seinen Lauf: Der Ehemann will ins Ausland. Doch Birgit, die mitten in der Nestbauphase ist, kann nicht mit, da schwanger. Doch sie schweigt aufopferungsvoll und lässt den Mann ziehen. Sein Karriereglück hat bei ihr höhere Priorität als ihre eigenen Wünsche. / Mich schüttelt’s. Ich weiß nicht, ob ich weinen oder lachen soll.
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19977
Das ist nicht meine Lieblingsstelle, aber eine, die ich gern zur Diskussion stellen will. Heikel, sehr heikel, ich weiß. :)Kritisiert nur fleißig!
Ich will nur meine Sachen holen. Angespannt schließe ich dir Tür zu Katrins Wohnung auf. Ich weiß ja, dass sie nicht da ist; trotzdem will ich schnellstmöglich wieder hier raus. Im Bad hängt die inzwischen trockene Wäsche; ich rupfe sie von der Leine, ohne die Klammern abzuziehen. Einige springen in die Badewanne. „Hi!“ sagt Katrin hinter mir. Erschrocken fahre ich herum. „Was machst Du hier?“ Sie ist in eine Wolldecke eingewickelt und sieht aus wie eine Heiligenfigur. Nur das Gesicht ist zu sehen. Sie lacht. „Es ist meine Wohnung, schon vergessen?“ Sie hat die Klinik bei erster Gelegenheit verlassen – das war ja klar. „Es ist nicht wie Du denkst. Ich werde heute Abend zurückgehen, ich mache nur einen Ausflug. Genau genommen warte ich schon eine ganze Weile auf dich.“ Scheinbar zeichnet sich der Zweifel deutlich in meinem Gesicht ab, sie schüttelt den Kopf und lächelt wieder. Dann läßt sie die Wolldecke los und steht nackt vor mir. Zuerst bin ich irritiert – dann werde ich geil. Wider Willen und Verstand reagiert mein Körper sofort. „Fick mich.“ sagt sie einfach, und ich lasse die Wäsche fallen und küsse sie, fest an mich gedrückt. Wie lange habe ich auf diesen Moment gewartet? Soll nun doch alles gut werden? Auf dem Weg ins Wohnzimmer zerrt sie ungeduldig an meinem Gürtel, ich ziehe mir das Hemd über den Kopf und behalte die Socken an. Katrin läßt sich rückwärts auf den weichen Teppich vor dem Sofa sinken und spreizt weit die Beine. Ich muß die Augen schließen und an etwas anderes denken; knie mich vor sie, will sie lecken, aber da packt sie meinen Hintern mit beiden Händen, rutscht nach vorn und drückt mein erigiertes Glied in sich hinein. Damit ist klar wer die Hosen hier nicht anhat. Meine Muskeln werden weich, es kommt mir vor, als würde ich ohnmächtig, aber dann fange ich mich wieder. Ich packe ihren roten Locken und beiße ihr in den Hals, sie stöhnt, wird nun ihrerseits weich, läßt die Arme sinken, ich greife fest ihre große weiche Brust. Wie lange, Gott, wie lange habe ich mir das gewünscht! Der leichte Schmerz macht sie geil, sie ist ganz nass als mein Finger über ihre Klitoris gleitet. „Fick mich!“ schreit sie, das mache ich; mein Pulst rast. Ich stoße heftig in sie hinein, sie zuckt, sie krallt sich in meinem Nacken fest, schreit „Fester!“. Hastig ziehe ich mein Glied aus ihr heraus, drehe sie zur Seite und werfe sie auf den Bauch. Sie begreift, zieht die Knie an den Bauch und streckt mir ihren Po entgegen. Ich lecke ihren After, bevor ich vorsichtig versuche, einzudringen. Es geht nicht, sie verkrampft. Nächstes Mal habe ich Gleitmittel dabei. …Nächstes Mal? …Von hinten dringe ich wieder in ihren Schoß ein, gleite bis fast zum Höhepunkt, stimuliere sie zusätzlich mit der Hand, bis sie sich zuckend ergibt, dann lasse ich los und ergieße mich in sie. „Fick mich“ flüstert sie. „Fick mich.“
Ich erwache davon, dass sie die Wolldecke unter mir hervorzieht. Die Luft im Zimmer ist schwül, sie steht angezogen neben mir. „Steh auf! Und dann will ich dich hier echt nicht mehr sehen!“ Nicht, dass ich nach manchem Akt nicht auch so gefühlt hätte – aber zwischen uns muß es doch anders sein! „Wiebitte?!“ Ich richte mich auf, meine Beckenknochen und die Knie schmerzen vom harten Boden. „Du fickst doch auch nur!“ sagt sie, und einen Moment lang scheint es, als wolle sie mir ins Gesicht spucken. „Was soll das denn jetzt? Eben hieß es doch noch ‚fick mich’!“ „Ja, aber wenn Du mich auch nur ein bisschen kennen würdest, hättest Du gewusst, dass ich gemeint habe: Du sollst mich lieben! Das hier, das ist keine Liebe, das ist bloß Geilheit!“ Sie wird lauter. Ich kann nicht länger nackt vor ihr auf dem Boden hocken und stehe auf; will nach ihr greifen, aber sie entwindet sich mir unwirsch. „Hör mal – willst Du dich jetzt darüber beschweren, dass ich getan habe, was Du gesagt hast? Du weißt, dass ich dich mehr als alles auf der Welt liebe, auch wenn das hier in erster Linie befriedigend und weniger romantisch war. Das lag doch auch einfach an der ganzen Situation!“ Katrin zieht eine Schnute. „Weißt Du, ich habe dich nie rangelassen, weil ich wusste, dass genau das passiert. Ich kann mich von so vielen Typen ficken lassen, aber geliebt, richtig geliebt, so mit allen Fasern seines Körpers, das hat mich noch keiner – und Du auch nicht. Du liebst mich nicht, Du fickst auch bloß.“ Damit dreht sie sich um, geht zur Wohnungstür und ruft mir, kurz bevor die Tür ins Schloß fällt, zu: „Ich nehme übrigens keine Pille; und wer weiß, ob ich nicht auch noch Aids und Clamydien und sonst was habe!“ „Stell dich doch nicht an wie eine Jungfrau!“ schreie ich, und werfe ihr sinnlos ein Kissen hinterher.
Ich verstehe den Anfang so, dass er sie verlässt oder von ihr rausgeschmissen wurde und nun ungesehen seine Sachen holen will. Liege ich da falsch? Wenn sie in der Klinik war und nur einen Tagesausflug macht, dann ist sie wohl nicht ganz gesund für so einen "F"orfall. "Zuerst bin ich irritiert - dann werde ich geil", das kannst du lebendiger beschreiben. Oder lass es einfach weg und sie nur sagen: fick mich. Die Beschreibung des Aktes schwankt zwischen erleben und berichten. Technische Frage: wieso tun die Beckenknochen weh? Wieso flüstert sie nach dem Höhepunkt immer noch "fick mich"? Wenn er wach wird, sollte es meiner Meinung nach verwirrter zugehen. Er glücklich und sie? Sie war ja bei dem Sex genauso geil wie er. Schämt sie sich dafür? Hat sie es nicht genossen? Eine Sexszene ist schwer zu schreiben. Deine ist auf keinen Fall peinlich. Meiner Meinung nach manchmal unlogisch. LG Monika H
Zunächst einmal Danke! Ich habe einige der Änderungen vorgenommen, die ihr so angeregt habt. "Dass der leichte Schmerz sie geil macht, kann er nicht wissen" Nein, aber er kann selbstverständlich davon ausgehen, weil er nunmal so ist. ;) Ginko: Vielen Dank für diese kluge Zusammenfassung. :) Malea: Für Katrin ist das eine ganz dumme Situation, das wird klar, wenn man ihre Geschichte ein bisschen näher kennt. Deshalb diese Reaktion (könnt ihr aber nicht wissen). Metta:"Ergieße mich in sie" ...wodurch soll ich das bitte ersetzen? Abspritzen?....??? Kommen, vielleicht. Hm. Angela: Birger kommt ja in die Wohnung, um seine Wäsche abzuholen. Er hat bei Katrin seine Klamotten gewaschen, bevor das Chaos ausgebrochen ist, und braucht nun eben etwas anzuziehen. Da muss auch Mann schon mal Hand an die Wäscheleine legen. WEIL er aber kein ordentliches Housewife ist, reißt er, wie manche Männer sowas nun mal gern tun, die Wäsche einfach von der Leine, so dass die Klammern....und so weiter. Danke für Euer Feedback! ...Ich hatte schon Sorge, dass das unter Pornographie fällt, und nicht unzensiert erscheint. :)
Mitreißend geschrieben. Mag es auch nicht deine Lieblingsstelle sein – mir gefällt dieser Birger/Katrin-Text sehr gut. Die Zerrissenheit der beiden ist spürbar. Zum ersten Mal kann ich Katrin Gefühle nachempfinden. / Ich stimme Frog zu, besonders im Hinblick darauf, dass Birger auch dieses Mal wieder sehr weiblich daherkommt. Du lässt ihn die Wäsche abnehmen und zoomst sogar noch auf die Wäscheklammern. Absicht? Dann hätte ich für Katrin den Tipp, es doch besser mit einer Frau als Partnerin zu versuchen.
Schön, dass Du uns zur Kritik ermunterst. Der Einstieg ist sehr gelungen. Ein paar Absätze würden die Lesbarkeit erhöhen. Lässt "er" die Socken bewusst an? Sonst würde er wohl eher registrieren, was er auszieht - eine auf dem Weg ins Wohnzimmer ausgezogene Hose könnte zur Stolperfalle werden ;o). Warum muss "er" an etwas anderes denken? Die Beobachtung der Muskelspannung ist mir etwas zu rational. Den Satz "sie begreift" würde ich streichen. "Ergieße mich in sie" hört sich für mich wieder so rational an. Statt "Akt" würde ich ich ein umgangssprachlicheres Wort wählen. Das Wort "sinnlos" würde ich streichen. Und "Die Tür fällt ins Schloss" als Schlusssatz nehmen. Den Dialog und den psychologischen Hintergrund hast Du gut entwickelt. LG Metta
Hi Fledermaus! Schön, dass du auch mal wieder vorbei geflattert bist ;-) Den Text find ich *ähem* geil. Vielleicht bin ich weniger kompliziert als andere Frauen, denn ich war von Katrins Reaktion auch überrascht. Schließen sich Liebe und Geilheit denn aus? Deine Sprache finde ich stimmig, technische Präzision, angemessener Stil. Prima :-) Liebe Grüße, Malea.
*Geile* Geschichte und wer nicht verklemmt ist, hat sowas auch schon real erlebt ;-)!
Ein Mann erhält den maximalen Auslöser für sein Bumsprogramm, lässt die Automatik ablaufen, schiebt eine Nummer und fertigt darüber ein Protokoll an. In seiner Checkliste hakt er ab, was zu erledigen war. Er hat eine Bedienungsanleitung erfüllt, hat getan, was er konnte. Und jetzt ? Mädchen, wenn du am Automat den Knopf für Kaffee drückst, dann kommt Kaffee raus ! Wenn du Schlagsahne willst, musst du vorher wissen, ob sie dieser Automat hergeben kann. Für Romantik ist ein Automat völlig ungeeignet. Zwar lässt sich auch aus einer Fastfoodpackung eine Gourmetkreation zaubern, wenn du dich anstrengst mit den Zutaten, dem Ambiente, dem Salometanz; an einen Bubi aber wäre das alles verschwendete Mühe.
In ihrer vagen Hoffnung, endlich einmal geliebt zu werden, macht die verzweifelte Katrin einen Test, der im wahrsten Sinne des Wortes nach hinten los geht. (Was kann man auch erwarten von einem Mann, der die Socken anlässt...?) Er hat es voll vergeigt und das wird ihm sicher schon bald bewusst. Dass der leichte Schmerz sie geil macht, kann er tatsächlich nicht wissen, da gebe ich Karin recht. Auch "die Schnute" finde ich unpassend. Insgesamt ist das eine logische Szene innerhalb Deiner Geschichte. Besonders Deine Katrin hat mich dieses Mal bewegt, weil sie in ihrer Verletzbarkeit so klar wird. (Allerdings brauchte ich schon wieder einige Sekunden, bis ich begriff, dass hier ein Mann erzählt). SG Frog
Ich empfinde die Szenen nicht als heikel, eher als gut beschrieben. Und wer hat sowas noch nicht erlebt, dass man in haltloser Gier übereinander herfällt und es sich gegenseitig so richtig besorgt. (Dauert zum Glück ja auch nie so richtig lange, dass man Gewissensbisse kriegen könnte, höhöhö ;O)) Auch die Reaktion der (po)tentiellen Freundin nach dem Akt ist treffend herausgearbeitet. Provokant und durchtrieben, so mag ich das. Ich habe nichts zu meckern, hab ich gern gelesen. LG M.P.
Das ist wirklich ein "Hammer-Text"! Du benutzt eine sehr direkte Sprache, die auf mich jedoch nie - erstaunlicherweise, denn ich bin prüde - peinlich wirkt. Ich habe wenig zu bemängeln. Den Schlusssatz empfinde ich als gelungen. "Stell dich nicht an wie eine Jungfrau" passt eigentlich gar nicht und zeigt deshalb umso besser die Hilflosigkeit des Erzählers. Scheinbar zeichnet sich deutlich der Zweifel (dann wäre der Zweifel nicht zu erkennen) ... ist natürlich falsch, es muss anscheinend heißen. Ich würde den Satz, ich werde geil, wegnehmen, denn das Folgende zeigt die Situation deutlich genug. Dass er die Augen schließen und an etwas anderes denken muss, nehme ich ihm nicht ab. Noch eins: Meinst Du, jemand kann in dieser Lage registrieren, dass nun klar sei, wer die Hosen anhat? Der leichte Schmerz macht sie geil; das kann er nicht wissen, nur vermuten. Ich finde, Du hast Dein schwieriges Thema gemeistert. Liebe Grüße.
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19975
Sicherlich erinnert sich der eine oder andere "Weggefährte" an diesen Text. Aber ich mochte ihm keinen anderen vorziehen. Lisas Oma ist gestorben ...
Jemand schluchzte verzweifelt, Lisa erwachte davon. Es dauerte einige Sekunden, bis sie begriff, dass es ihr eigenes Schluchzen war.
Still lag sie im Dunkeln in ihrem Bett, normalerweise schmiegte sich die Decke um sie und gab ihr Geborgenheit. Wie Omas Arme, die sie weich und warm in den Schlaf gewiegt hatten. Jetzt fühlten sich die Daunen kalt und abweisend an. Nie wieder würde sie ... Lisa fing erneut an zu weinen und empfand grenzenlose Verlassenheit. Niemand war da, um sie zu trösten. Die Eltern lagen zwar nur zwei Zimmer weiter, aber nie wäre sie auf die Idee gekommen, sie zu stören.
Inzwischen hatten sich ihre Augen an das Dunkel gewöhnt. Oder war es der Mond, der sich seinen Weg durch Wolkenlücken gebahnt hatte und sein mildes Licht zu ihr hereinschickte? Bläulich silbrig fiel es durch den Spalt, den die Vorhänge freiließen, auf ihre weiße Bettdecke.
Lisa lief ans Fenster, zog die Gardinen auf und starrte gebannt auf den Mondstrahl. Er wirkte so lebendig. Zitternd bewegte er sich und begann Stufen zu formen. Eine nach der anderen. Schließlich entstand eine Treppe, die bis in den Himmel hinauf reichte, von glitzerndem Staub umtanzt. Am Ende, wo sie mit dem Himmel verschmolz, erschien eine Gestalt. Sie winkte. Lisa kniff die Augen zusammen. Das war Oma!
Ihr Herz pochte, als sie das Fenster öffnete und auf das Sims kletterte. Sie empfand keine Angst; sie hätte jubeln mögen. Behände sprang sie auf die erste Stufe und eilte die Treppe hinauf; es kam ihr vor, als fliege sie. Oben angekommen, stand Oma lächelnd mit auseinander gebreiteten Armen. Lisa ließ sich hineinfallen.
Am Morgen wusste sie nur noch, dass sie wunderbar geträumt hatte. Immer noch lag das Glück auf ihrem Gesicht, als sie aufstand und zum Bad ging. Wo ihre Füße den Boden berührten, hinterließen sie Spuren von Silberstaub.
Märchenhaft schön. Eine Geschichte zum Träumen.
So wunderschön traurig! Gib mir bescheid, wenn es das Buch zu kaufen gibt. Viele Grüsse, Numungo (20016).
Ja, ich erinnere mich gern. Das ist wirklich eine wunderschöne Passage.
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