140 Die Romanwerkstatt im Autorenhaus Verlag | Schreiben Sie mit! | Kapitel 5 mit Übungsaufgabe
(Foto: Christian Rohr)
„Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie es war, eine Schriftstellerin zu sein, die noch nichts veröffentlicht hat: Man beißt sich mehr schlecht als recht durch und kommt mit Leuten in Kontakt, die ausgesprochen abweisend sein können. Und obwohl ich nun Teil dieser Branche bin, die sich manchmal Neulingen gegenüber wie eine uneinnehmbare Festung präsentiert, stehe ich instinktiv eher auf der Seite derer, die versuchen, die Mauern zu erklimmen."

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Kapitel 5 mit Übungsaufgabe

30.01.2008© 2008 Autorenhaus Verlag GmbH, Berlin
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Leserbeiträge

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Eingetragen am: 10.06.2008 von Lueni
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13114

Der Anruf kam wie immer ungelegen, wenn man drei Kinder, einen Halbtagsjob, Haus und Garten um die Ohren hat.
Lautlos stöhnte ich auf, als mein Jüngster mich mit seinen rehbraunen Augen ansah und fragte, ob ich ihn zu seinem Freund bringen konnte. Wie konnte ich diesem bittenden Blick widerstehen. Natürlich zog ich den Stecker des Bügeleisens aus der Dose und verfrachtete meinen Sechjährigen in seinen Kindersitz. Auf meinen roten Golf konnte ich mich immer verlassen. Wie eine Katze schnurrte er auf der stark befahrenen Hauptstraße, bis uns ein Linksabbieger zum Halten brachte. An mein Arbeitspensum denkend beobachtete ich den Gegenverkehr, jetzt mußte doch endlich eine Lücke kommen.
Dann ging alles wahnsinnig schnell.Ein Riesenknall. Mein Kopf schlug so heftig gegen die Kopfstütze, als wenn mir jemand mit dem Hammer auf den Schädel schlug. Dann ein zweiter Rumms.
Was war passiert?
Sekundenlange Orientierungslosigkeit. Erst das jämmerliche Schreien meines Sohnes holte mich in die Realität zurück. Ohne nachzudenken, riss ich die Fahrertür auf und rannte, ohne den rücksichtslos weiterrollenden Gegenverkehr zu beachten, zu meinem schreienden Kind. Bilder spielten in meinem Kopf verrückt. War er verletzt? Vielleicht eingeklemmt?
Mit übermenschlicher Kraft riss ich die verklemmte Hintertür auf und fing an zu weinen, als ich meinen Kleinen, auf den ersten Blick unverletzt, aus dem Kindersitz befreite und in die Arme schloß. Mein armes Auto war vorn und hinten tief eingedrückt. Ein dicker Jeep war mit voller Kraft aufgefahren und hatte mich von hinten gegen den Linksabbieger geschubst.
Mein Kopf und mein Hals schmerzten unerträglich. Die jungen Polizisten machten sich über mich mit den Worten lustig: "Das tut jetzt noch nicht weh. Warten Sie noch drei Tage. " dann forderten sie mich auf, die Fahrbahn frei zu räumen. Ich sollte die jämmerlichen Reste meines geliebten Autos ganz allein an den Straßenrand schieben. Nur widerwillig wurde mir geholfen.
Ich suchte mit meinem Sohn drei verschiedene Ärzte auf, die uns beide als Spinner hinstellten. Wir wurden nicht untersucht und bekamen immer wieder zu hören, dass ein Schleudertrauma erst nach einigen Tagen anfing zu schmerzen. Nie werde ich die ignoranten BLicke vergessen.
Ich hatte die Hoffnung auf Hilfe schon aufgegeben, da fand ich endlich einen Arzt, der uns glaubte auf den Röntgentisch legte.
Bei uns beiden waren jeweils drei Halswirbel heraus gesprungen.
Dieser Unfall hat mein Leben und auch das meines Sohnes für immer verändert. Die harmlose Verabredung hat uns für immer Kopfschmerzen bescherrt.


Eingetragen am: 10.06.2008 von Agnes Balazs
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13099

Es war Winter. Kalt und trocken. Wir spielten alle am Spielplatz bei der Kirche. David kletterte immer wieder auf die Rutsche und rutschte dann herunter. Ich war sehr in ihn verliebt, so wie man das halt ist mit neun Jahren und wollte in seiner Nähe sein. Außerdem liebte ich es zu rutschen. Am Ende der Rutsche war ein Art Loch wo etwas Wasser eigefroren war. Das nächste Mal als ich runter rutschte, verlore ich die Kontrolle, rutschte über die Kante und landete mit meinem Steißbein direkt auf dem Eis. Das tat weh!
Ich wollte aber tapfer sein, damit David mich nicht heulen sehen würde. Es half alles nichts, die Tränen schossen mir in die Augen und ich fing an zu weinen.
Die Lehrerin eilte herbei und frage mich was passiert war. Ich deutete aufs Eis und mein Steißbein. Sie sagte nur, „Ich hoffe es ist nicht gebrochen,“ und führte mich zur Schulkrankenschwester ins Gebäude.


Eingetragen am: 07.06.2008 von Sanne
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12880

Am frühen Morgen, es war noch dunkel, machte ich mich mit dem Fahrrad auf den Weg zum Zug. Ich nahm den Zug um zu meinem Job als Bäckereiverkäuferin zu fahren. Das Licht an meinem Fahrrad war kaputt. Die Strasse auf der ich fuhr kaum befahren. Da ich früh aufstehen musste und eigentlich Langschläferin bin, war ich noch etwas benommen und müde. Plötzlich in einer uneinsichtigen Kurve stieß ich auf etwas und der Schwung hob mich in hohem Bogen vom Sattel und ich landete mit den Händen, dann mit Kinn und Knien auf dem Asphalt. Ich sah wie der Asphalt auf mein Gesicht zukam und war überrascht, dass ich den Aufprall mit dem Kinn durch meine Hände nicht auffangen konnte. Als ich auf dem Boden lag, merkte ich was mich vom Rad geholt hatte. Es war eine Katze, die miauend den Rest der Strasse überquerte. In der Dunkelheit hatte ich sie und sie mich nicht gesehen. Es schoss mir durch den Kopf, dass ich in einer uneinsichtigen Kurve lag und jederzeit ein Auto kommen könnte. Schnell richtete ich mich auf, nahm mein beschädigtes Fahrrad und ging nach Hause zurück. Ich spürte, dass mein Kinn aufgeplatzt war und heftig blutete. Zuhause versuchte ich die Blutung zu stoppen. Als ich die Wunde im Spiegel sah, war mir klar, dass sie genäht werden musste.
Mein Vater der gerade aufstand, brachte mich zum Zug und von dort fuhr ich in die Notfallaufnahme der Klinik. Ich bekam eine Auffrischung der Tetanusimpfung und die Wunde wurde genäht.Ohne Narkose, ich stand noch unter Schock. Für ein paar Tage wurde ich krank geschrieben und brachte das Attest in meiner Arbeit vorbei. Meine Kolleginnen waren nett und verständisvoll.


Eingetragen am: 06.06.2008 von Michelle Mancini
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12818

Das war ein Augenblick ,in meinem Leben , den ich niemals vergessen werde.
Als meine kleine Tochter zur Welt kam, brachte sie auch gleich ein Geschenk für mich mit, das ungefähr sechs Wochen nach ihrer Ankunft eintraf.
Zuerst lachte ich noch darüber.
Ohrenrauschen, Diagnose nicht ganz sicher evtl. Hörsturz.
Obwohl das Ausmaß davon , nicht sehr schlimm war, außer einem leisen begleitenen Ohrenrauschen , während des gesammten Tages , rieten mir alle mit erhobenen Zeigefinger :
Geh bloß zum Arzt.
Das dies ein Fehler war, dorthin zu gehen , ist mir erst Heute klar.
Denn der Arzt , steckte mich , mit meiner kleinen sechs Wochen Alten Tochter in die Klinik, in der ich öfter am Tag ,starke Infusionen erhielt.
Stationen rauf und runter , in Begleitung meiner oft schreienden Tochter, Untersuchungen die keine abschlussbringende Diagnose brachten , Ärzte die mir Angst zu machen versuchten und unangenehme Spritzen in den Hals, Tabletten und schlaflose Nächte in der Klinik, weil ja auch die Windeln voll waren , meine Tochter durstig war....
der Ansturm meiner Familie und Freunde , die sich laut Schnatternd in dem kleinen Krankenhauszimmer aufhielten , ließen das Rauschen , immer mehr Macht ,über mich gewinnen.
Die guten Ratschläge , die ich ungewollt bekam ....
Die Ermahnungen , mir endlich Ruhe anzutun ( bloß wie?) und der Wunde Po meiner Tochter,das schreien , da sie durch das trinken aus der Flasche , erhebliche Magenprobleme bekam (ich durfte natürlich nicht stillen) trugen auch nicht zu meiner Entspannung bei.
So ging es stets weiter.
Arztbesuch 1 folgte , 2, 3, mehrmalige Einrenkmanöver von einem Chiropraktiker, 4....und so weiter.
Den ersten Geburtstag meiner Tochter verbrachte ich wieder in einer Klinik, diesem folgten drei weitere.
Da ich durch das einrenken vom Chiropraktiker starke Rückenbeschwerden bekam...
Ich räumte diesem "Rauschen " im Ohr, einen riesigen Platz in meinem Leben ein und ließ es zu, das man mir einredete, ich habe Depressionen , obwohl ich Heute weiß, das es keine waren.
Medikamente vom Neurologen folgten , verschlimmerten meinen miesen körperlichen Zustand und je mehr ich davon bekam , umso heftiger wurden meine folgenden Leiden.
Je schlimmer mein Gesundheitszustand durch die ganzen Medikamente wurde( von Kortison Aufwärts, bis Hin zu Tramal , alles fast durch bis ich schließlich Amineurin bis 75 mg bekam)
Umso eine höhere Dosis Amineurin erhielt ich von dem Neurologen und Zusätzlich Angstlösende Mittel....

Damit es nicht noch schlimmer wurde, empfahl er mir einen Psychologen.
Eines Tages wurde ich Morgens wach und dachte :

STOP!

Ich setzte mit Hilfe meines Hausarztes alle Tabletten ab , ersetzte diese durch Naturheilmittel , betreibe nun Sport und es geht mir wieder besser.
Ich sehe diese gesamten 5 Jahre meiner vergangenen Leidenszeit , nun als eine Art Prüfung an ,denn nun gönne ich mir wieder etwas mehr Ruhe, höre nur noch darauf, was mein Herz und Verstand mir sagt.
Frage nicht mehr danach , was Andere über mich denken .
Ich wäre niemals zu dieser Einsicht gekommen , wenn ich diese furchtbare Zeit nicht gehabt hätte und sicherlich würde ich heute nicht hier am Pc sitzen und schreiben denn das ist es , was ich immer leidenschaftlich gerne tun wollte, aber dazu besass ich nie die nötige Zeit.
Wenn wir nicht auf unsere Seele hören , dann meldet sich irgendwann der Körper und diesem muss man Gehör schenken , ob man möchte oder nicht.


Kommentar von Lisa Becker

Bis hierher habe ich deine Beiträge bis jetzt gelesen. Was du schreibst, klingt vertraut und man - jedenfalls ich - kann mich jeweils leicht rein versetzen und dort, wo Leid beschrieben wird, den Schmerz nachfühlen. "Einen schönen Geist", so hat es mal ein ägyptischer Freund formuliert, und - wenn´s mir passend erscheint, gebrauche ich mittlerweile selbst den Begriff -, zusammen mit Eigenverantwortungsgefühl anstatt des Hangs zu klagen stelle ich bei dir als Schreiberin ebenfalls fest. Sehr spannend und zum Weiterlesen einladend finde ich den Beitrag, der auf die Ereignisse einstimmt, die ab dem Tag nach dem 8. Geburtstag ihren Anfang zu nehmen scheinen, aber deren wahrer Anfang schon mindesten über 8 Jahre zurück liegen könnte. So etwas in der Art stellte ich mir im ersten Moment beim Lesen vor, doch ebenso gut kann auch ein Geheimnis ganz anderer Art mich als Leserin erwarten. Dies, wenn ich bedenke, wie leidenschaftlich dramatisch und gleichzeitig von überströmendem Herz die Mama auf resolute Weise kämpfte, worum auch immer... Liebe Grüße Lisa Becker

Eingetragen am: 14.07.2008

Eingetragen am: 06.06.2008 von Lisa
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12804

Es war eine Premiere. Ich als eingefleischte Kaffetrinkerin probierte zum ersten Mal richtigen grünen Tee. Beim Öffnen der Tüte erblickte ich kleine zusammengerollte Blättchen, nicht im entferntesten diesem krümeligen, feinkörnigen Zeug in Teebeuteln ähnlich. Der Chef meines Bioladens hatte mir diese Sorte empfohlen. Sie schmecke ausgezeichnet, sehr kräftig und intensiv, nur mit Menge und Dosierung müsse man sich etwas vorsehen. Nun saß ich gespannt vor meiner Kanne ziehenden, dampfenden Tees. Die hochsommerlichen Temperaturen, hatten meine Dachwohnung fast unerträglich aufgeheizt. Mein Körper schrie geradezu nach Flüssigkeit und ungeduldig wartete ich auf das Ende der Ziehzeit. Endlich! Gespannt goß ich das klare grünliche Gebräu durch das Sieb in die Tasse. „Hmm“ er schmeckte kräftig, würzig , ein wenig zu heiß vielleicht für diese Temperaturen, aber das sollte ja gesund sein. „Überhaupt, Flüssigkeit kann ja nur gut sein in dieser Hitze“ dachte ich und goß Tasse um Tasse in mich hinein. Mein Körper reagierte dankbar, meine Laune besserte sich zusehens.

Nach Leeren der Kanne verließ ich beschwingt die Wohnung, um meine Besorgungen in der Stadt zu erledigen. Meine Füsse liefen wie von selbst den Berg herab; ich schwebte quasi hinunter in die Stadt. Beim Überqueren der Straße ein kurzer Moment der Irritation, als ich feststellte, das ich ein Liedchen trällerte. „Ach was soll‘s, so gut ist es mir schließlich lange nicht mehr gegangen“. Geschmeidig umkurvte ich die Leute, die ich überholte, fing dabei gelegentlich einen leicht erstaunten Blick auf. Mein Rhythmus beschleunigte sich. Katzengleich lief ich vor mich hin, schneller, immer schneller meine Füsse. Alle Ampeln schalteten auf grün, wenn ich kam. Was für ein Tag! Meine Füsse trugen mich ans Ziel, mühelos, wie ferngesteuert. „Jetzt noch die Treppe herunter, dann bin ich schon da“ dachte ich noch - und fand mich im nächsten Augenblick am Fuß derselben wieder, flach auf der Nase liegend. Meine Füße hatten den Bremsbefehl meines Kopfes nicht ausgeführt.

Wie betäubt rappelte ich mich hoch. Ein stechender Schmerz im rechten Fuß zog meinen Blick nach unten.. Beulendes Fleisch quoll zwischen den Riemen meiner Sandalen hervor, die rechte Fußseite schwoll zusehens an. Gnädigerweise hatte meine Zwangsbremsung wenige Meter vor der Praxis eines Orthopäden stattgefunden. Ich humpelte mühsam hinein. Die Untersuchung ergab einen Fußknochenanriss. Mit Krücken verließ ich zwei Stunden später die Praxis, meine gute Laune war inzwischen tiefster Deprimiertheit gewichen. Die Krücken wurden die restlichen drei Sommerwochen meine treuen Begleiter, ich kehrte getränketechnisch reumütig zu Kaffee und Teebeuteltee zurück.


Eingetragen am: 01.06.2008 von Achras
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12506

Ende Januar 1992: Einmündung der L 130 aus Richtung Süden in die L 127 in Apensen; da der Querverkehr vorfahrtberechtigt ist und sich von links ein Fahrzeug nähert, bremse ich. Mein Hintermann hingegen beschleunigt. Mein Motorroller wird in den Kreuzungsbereich geschoben, während ich eine Rückwärtsrolle von der Sitzbank direkt vor den Kühler des nun auch bremsenden Audi vollbringe.
Außer leichten Schabstellen an Hose und Parka ist nichts passiert, ich bin glimpflich davongekommen, rappele mich hoch, schiebe mein Zweirad aus der Gefahrenzone an den Straßenrand und stelle meinen Unfallkontrahenten zur Rede.
Der lacht sich kaputt, weil es so komisch ausgesehen hätte, wie ich ihm vor's Auto gestürzt bin. Mir zittern noch die Knie, es hätte schließlich, wäre der von links nahende Vorfahrtberechtigte nicht abgebogen, für mich weitaus schlimmer ausgehen können.

Eine zufällig vorbeikommende Polizeistreife hält das Geschehene für so belanglos, daß der Unfall nicht einmal protokolliert wird.
Rücklicht und heckseitige Verkleidungsteile meiner Maschine sind hinüber, aber da die Abenddämmerung noch nicht begonnen hat und keine weiteren mechanischen Defekte zu sehen sind, kann ich nach hause fahren, wo ich den Bericht für die Versicherungen schreibe.


Eingetragen am: 31.05.2008 von Sarah Jakob
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12463

Wie jeden morgen setzte ich meinen jüngsten Sohn an der Schulbushaltestelle ab. Tschüß, bis heute mittag und weg war er. Ich fuhr langsam durch die Felder zurück nach Hause. Eine Viertelstunde später, es könnten auch zwanzig Minuten gewesen sein, ging das Telefon. "Mama, komm ganz schnell! Wir hatten einen Unfall!" Mir ist bald das Herz stehen geblieben. Nur noch schnell eine Jacke drübergeschmissen und schon saß ich wieder in meinem Wagen. Den genauen Schulweg bin ich abgefahren und aus einer langen Kurve kommend, sah ich schon die Blaulichter von Krankenwagen und Polizei. Ein gutes Stück hinter den Autos der Ersthelfer hielt ich an und rannte auf die Unfallstelle zu. Ein Polizist wollte mich davon abhalten, wobei ich ihn fast umgerannt hätte. Noch laufend rief ich ihm zu, dass ich die Mutter sei. Irgendjemand kam mir mit meinem in eine Wolldecke gewickelten Sohn entgegen. Blass sah er aus, aber unversehrt. Er erzählte mir dann, dass er mit einem Schulkollegen mit gefahren sei. Dieser, durch das Autoradio abgelenkt, verriß das Lenkrad und fuhr frontal auf einen entgegenkommenden LKW zu. Es kam zum Zusammenstoß und der PKW wurde ins Feld geschleudert. Als ich den Wagen sah, ging mir nur noch durch den Kopf, ein Wunder, dass da jemand lebend rausgekommen ist. Die "Schnauze" war bis zum Führerhaus eingedrückt. Die Windschutzscheibe gesplittert, es war entsetzlich. Mein Sohn, der außer einem Schock und einem kleinen blauen Flecken nichts abbekommen hatte und der Fahrer des Wagens wurden mit einem Krankenwagen ins nächste Krankenhaus gebracht. Der Fahrer hatte einen komplizierten Mittelfußbruch. Mein Mann kam dann später mit der Mutter des Fahrers nach. Gegen Abend konnten wir unseren Sohn, versorgt mit Beruhigungsmitteln, wieder mit nach Hause nehmen. An der Stelle, an der ich ihn morgens aus dem Auto gelassen hatte, kam dann mein Zusammenbruch. Ich fuhr auf den Parkplatz und weinte nur noch hemmungslos vor mich hin.


Eingetragen am: 31.05.2008 von melodie
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12446

Es war im Hauswirtschaftsunterricht. Ich habe dieses Fach immer gehasst. Auch wenn ich ein Mädchen bin. Ich hielt nie viel von Stricklieschen und Häckelnadeln, von Wolle und Nähgarn...Meine Freundin, deren Name eigentlich nichts zur Sache tut, war meiner Meinung. Also verbrachten wir diese Unterrichtsstunden immer damit, die arme Lehrerin zu provozieren, herumzualbern und die anderen abzulenken. Ich weiss nicht mehr viel von diesem einen Tag, nur dass wir kichernd Nähmaschine an Nähmaschine sasen, die Stricknadeln im Haar und das Maßband um den Hals hängend. Wir trieben unseren Schabernack, nähten einen Wirr-Warr zusammen und hatten keinerlei Interesse, gerade Linien zu stechen...Als die Lehrerin für einen kurzen Augenblick ins Nebenzimmer verschwand, war es um uns geschehen und wir prusteten laut los. ALs ich noch damit rang, mein lautes Lachen zu ersticken, weil einige der anderen Mädchen verärgert darum baten, wunderte ich mich schon darüber, dass meine sonst so muntere Freundin ihr Lachen so schnell abbrechen konnten. Das alles geschah in Sekunden...die anderen Schulkolleginen die sich konzentrieren wollten-unser Lachen-mein Lachen-der Seitenblick-das blasse Gesicht meiner Freundin. Sie schrie nicht. Sie gab keinen Ton von sich. Sie war nur unendlich blass und das Wasser sammelte sich schon in ihren braunen Augen...Und dann mein Blick auf ihren Finger...Die Nähnadel hatte ihren Finger, mit dem sie mehr schlecht als recht ihren Stoff gelenkt hatte durchbohrt. Es blutete nicht. Es war nur so. mein Stich in der Brust und der ängstliche Blick auf meine eigenen Hände...ich sprang auf, lief durch die offene Tür ins Nebenzimmer, wo unsere Lehrerin jemanden gerade linke Strickmaschen erklärte... Als ich ihr nach Worten ringend erklären wollte, was meiner armen Freundin geschehen war, lächelte sie kurz und meinte dann streng, dass nun wirklich Schluss sein müsse mit unseren Neckereien und man über so etwas keine Scherze machen sollte...und die Sekunden, die es dauerte, bis sie durch den Ausdruck in meinen Augen begriff, dass ich die Wahrheit sprach, kamen mir unendlich lang vor...


Kommentar von Marc

Hallo Melodie, ich habe deine Texte gelesen und sie sind sehr gut. Du bist etwas später eingestiegen und ich bin etwas träge, kann kaum dem aktuellen Textpensum folgen. Es wäre sehr schade, wenn du wegen mangelnder Kommentare aussteigst. Bitte mach weiter, ich habe nun ein Auge auf dich.Übrigens, wenn der Name deiner Freundin nichts zur Sache tut, erfinde einen. Und "..." wendest du, für mein Auffassungsvermögen zu oft an. Bis zum nächsten Text.

Eingetragen am: 28.07.2008

Eingetragen am: 30.05.2008 von Pia Petersen
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12432

Zu meinem Geburtstag bekam ich von meinen Eltern ein neues, sportliches Fahrrad geschenkt. Ich glaube, ich war 10 Jahre alt.

Deshalb durfte ich einen schönen Blumenstrauss zu Freunden meiner Eltern bringen.
Fröhlich fuhr ich los mit meinem neuem Fahrrad und dem Blumenstrauss. Nach einiger Zeit kam ich zu der grossen Kreuzung, die ich überqueren musste und schon wäre ich dort gewesen, wenn nicht gerade in diesem Moment ein Auto gekommen wäre. Sofort bremste ich wie verrückt, ich überschlug mich und der Blumenstrauss flog im hohen Bogen ein Stück weiter. Da lag ich nun am Boden mit meinem neuem Fahrrad.

Der Autofahrer kam sofort zu mir, half mir auf die Beine und wollte wissen, ob ich mir weh getan hätte. Ich weinte, auch wegen der Blumen. Er holte mir den etwas zerfetzten Blumenstrauss und tröstete mich.
Dann schob ich das schräge Fahrrad über die Kreuzung und gab mit Tränen in den Augen die zerzausten Blumen ab.
Ich wurde liebevoll empfangen, getröstet und bekam etwas zu trinken. Auch riefen sie meine Eltern an.

Mein Vater holte mich mit dem Auto ab. Ehrlich, ich hatte furchtbare Angst gehabt, das neue Fahrrad kaputt und die Blumen ... ich hatte so Angst, dass ich überhaupt nicht gemerkt hatte, dass ich auch schlimm aussah, schlimmer als die Blumen, die Knie, die Arme, alles sah böse aus.
Doch mein Vater tröstete mich auch, später dann meine Mutter.

So kam ich zu meiner ersten Lebensweisheit:
Hatte ich Angst, geschimpft zu werden oder einen Klaps zu bekommen, wurde ich getröstet
Fand ich aber etwas sehr lustig, ja, genial, was ich getan hatte, dann gab es Schimpfe oder Schläge.

Schon damals hatte ich mich über die etwas verdrehte Welt gewundert.


Eingetragen am: 30.05.2008 von Stephanie Meißner
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12414

Der Tag, der mein Leben veränderte war ein Sonntag, der letzte im Februar 2000. Ich hatte gerade eine Reitstunde gegeben und entschied mich, noch eine kleine Runde durchs Gelände zu reiten. Die Sonne schien, es war kalt und windstill - mein Lieblingsausreitwetter! Wir waren erst kurze Zeit unterwegs, als mein Pferd im leichten Trab ins Stolpern geriet. Das ist normalerweise nicht weiter tragisch und so vertraute ich darauf, dass sie sich alleine wieder auffangen würde. Doch sie stürzte! Ich flog über sie hinweg und landete auf dem Bauch, weil ich völlig überrascht war und mich nicht mehr abrollen konnte. Ich bekam Panik als ich mein Pferd sah, das mit nach hinten verdrehtem Kopf auf dem Boden lag und sich nicht mehr bewegen konnte. Wie ferngesteuert nahm ich den Sattel ab und rückte dann Zentimeter für Zentimeter ihren Kopf wieder in die normale Position, so dass sie aufstehen konnte. Als wir zurück waren, rief ich den Tierarzt an. Meine Mutter sah mich verstört am Telefon sitzen, fragte, was passiert sei und ob es mir gut gehe. Zu diesem Zeitpunkt spürte ich noch nichts als Angst, meine Stute zu verlieren. Der Tierarzt stellte fest, dass mit ihr alles ok war und ich beruhigte mich.
Am nächsten Tag kam ich nicht mehr aus meinem Bett, meine Beine versagten ihren Dienst und ich hatte furchtbare Schmerzen. Ich hatte mir eine Rippe gebrochen, zwei Rückenwirbel waren angebrochen und meine Bandscheibe war irreperabel zerstört. Sicher hatte ich Glück, dass ich nicht querschnittsgelähmt war, aber reiten durfte ich nicht mehr. Damit zerplatzte mein Traum, einmal die Weiterbildung zur heilpädagogischen Reitlehrein zu machen und einen eigenen kleinen Hof zu haben.
Viel später wurde bei meinem Pferd ein Gehirntumor entdeckt, der wahrscheinlich schon damals auf das Gleichgewichtsareal gedrückt hat. Ich verlor auch sie.


Eingetragen am: 29.05.2008 von Kaya
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12368

Dank meines Schutzengels gehöre ich zu der Sorte glücklicher Menschen, die jetzt sitzen und grübeln, über welchen Unfall man am besten berichten könnte. Einen richtig schlimmen Unfall hatte es bisher nie gegeben. Natürlich hatte ich als Kind aufgeschlagene Knie oder eine Beule.
Es gab einige Reitunfälle und andere Tollpatschigkeiten die passierten.
Darum berichte ich von dem ersten Unfall, an den ich mich erinnern kann.
Ich war etwa vier Jahre alt. Wir hatten eine Wolfsspitzhündin.
Es war Sommer, die Hündin döste in der Sonne und ich spielte mit meiner Kusine. Ich rannte vor ihr weg, kam zu dicht an das schlafende Tier, trat ihm auf den Schwanz. Sie sprang jaulend in die Höhe und schnappte nach meinem Bein.
Ein stechender Schmerz jagte durch die Wade.
Mein Kusine schrie: “Ihhh die blutet!“
Lissy die Hündin hatte sich inzwischen wieder zusammengerollt und döste weiter.
Meine Oma kam heraus und nahm mich mit in die Küche.
Sie versorgte die Wunde mit Jod und sagte das es nicht tief sei. Ich heulte und schrie, denn das Jod brannte schlimmer als der Hundebiss.
Lissy und ich blieben Freunde, denn ich wusste, dass ich es war, die an dem Unfall Schuld hatte.


Kommentar von Meggi

Liebe Kaya, ich hoffe es ist keine Narbe zurück geblieben. Ja, der Hund konnte wirklich nichts dafür. Autsch, der Jod brennt fürchterlich, ich kann es direkt fühlen. Weiterhin wünsche ich dir viel freude beim Schreiben. Meggi

Eingetragen am: 29.05.2008

Eingetragen am: 29.05.2008 von Lia
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12359

Es war Samstag. Ich bereitete gerade das Mittagessen vor. Hähnchen sollte es geben. Gegrilltes Hähnchen mit Minze und Honig nach orientalischer Art. Ich wollte meinem Mann eine Freude machen und ein schönes Wochenende einleiten.
Aber es kam ganz anders. Meine Kinder spielten und tobten in der Wohnung, laut und lebendig. Nichts ungewöhnliches. Dann krachte es. Mein großer Sohn weinte. Und der Kleine auch. Was war denn jetzt schon wieder. Genervt schob ich das Hähnchen in den Ofen, drehte auf die richtige Temperatur und ging zu den Kindern. Ich ahnte nichts Böses, laute Raufereien und wildes Toben war ich von meinen beiden Kindern ja gewöhnt, letztlich war es ja doch immer nicht so schlimm. Doch dann sah ich meinen Älteren mit blutverschmierten Gesicht auf dem Boden sitzen, der Kleine stand geschockt daneben.
"Mama, ist das schlimm? Was habe ich denn?" Mein Herz blieb stehen, mein Körper zitterte, ich hielt die Hände vor den Mund und unterdrückte einen Schrei. Ich nahm ihn in den Arm und sah die kläffende Wunde an der Stirn. Den Schädelknochen konnte ich sehen. "Nein, mein Schatz. Du blutest nur ein bisschen, du hast dich am Kopf verletzt." Er stand unter Schock und weinte nicht mehr, fragte nur ständig, ob es denn schlimm sei. "Keine Angst, es ist nur eine kleine Wunde." Ich stoppte die Blutung mit Taschentüchern und rief den Notarzt. Meinen wimmernden Sohn immer noch im Arm. "Gleich kommt der Krankenwagen, es ist alles gut." Gar nichts ist gut, ich beruhigte meinen Sohn, redete ihm gut zu und sah dabei die offene Wunde. Am liebsten hätte ich mich übergeben und geschrien. Ich machte mir Vorwürfe. Dass ich nicht aufgepasst hätte, dass ich erst noch das Hähnchen in den Ofen geschoben hätte, anstatt direkt zu den Kindern zu laufen. Mein Herz schien zu zerreißen, meine Kinder, oh meine Kinder. Dann sah ich meinen Sohn, wie er mich ängstlich und hoffnungsvoll anschaute und mich überkam eine große Woge voller Mitleid mit ihm. Hoffentlich war es wirklich nicht schlimm. Der Kleine stand immer noch geschockt daneben. "Das wollte ich nicht, Mama, ehrlich, das wollte ich nicht", langsam liefen ihm die Tränen übers Gesicht. "Das weiß ich doch, das weiß ich. Und jetzt geh und öffne die Tür. Ich höre schon die Sirene vom Krankenwagen."
Die Rettungssanitäter versorgten den verletzten Sohn. Es wäre wirklich nichts schlimmes, es sehe schlimmer aus als es ist. Sie müssten ihn aber zur Kontrolle mitnehmen, vielleicht habe er eine Gehirnerschütterung. Jetzt liefen auch mir die Tränen, größenteils aus Erleichterung.
Im Krankenhaus nähte dann eine Ärztin die Wunde mit vier Stichenn. Wir blieben eine Nacht im Krankenhaus. Bei der Entlassung meinte sie, es würde eine dünne, feine Narbe auf seiner Stirn zurückbleiben. "Wie Harry Potter!" strahlte meine Sohn. "Ja genau, wie Harry Potter" grinsten wir.


Eingetragen am: 26.05.2008 von Ene
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Ich war 19 Jahre alt, gerade alleine in die große Stadt gezogen, um meine Ausbildung zu beginnen. Der Morgen war noch dunkel, im Herbst, welcher Monat weiss ich leider nicht mehr. Es war kalt und es regnete in Strömen. Ich packte mich dick in die Jacke ein, zog meine Kapuze ins Gesicht, schwang mich auf mein Fahrrad. Ich hatte nur den Gedanken, nicht zur spät zur Ausbildung in meiner Probezeit zu kommen. Also los, reingehauen in die Pedale. Ich war auf dem Fahrradweg und musste nur eine Seitenstraße überqueren. Ich sah die Lichter des Autos nicht, er mich wohl auch nicht. Licht am Fahrrad war an, aber es regnete und es war nun mal stockdunkel und ich hatte auch dunkle Klamotten an. Es krachte derbst laut, als das Auto mich traf und mich auf die Straße schleuderte.
Benommen lag ich auf der Straße, als schon eine aufgelöste und geschockte Frau auf mich zu lief. Wer geschockter war, weiss ich leider nicht mehr. Sie rannte aufgeregt um mich rum, und jammerte, wie ich einfach so auf die Straße fahren konnte. Es ist mir nichts passiert. Mein Fahrrad hatte zwei Achten in den Rädern gehabt, am Auto war die Stoßstange eingebeult. Sie entschuldigte sich wortreich, plapperte was davon, dass sie zu spät zur Arbeit kam, ich murmelte nur, dass es mir gut ging, und schon brauste sie davon. Ich konnte in diesem Moment nur daran denken, wie ich nun zur Arbeit kommen sollte? Und das ich höchstwahrscheinlich zu spät erschien. Ich fuhr mit dem Bus, ging zu meinen Ausbilder, um mich für die Verspätung zu entschuldigen. Als er fragte, was denn passiert sei, brach ich regelrecht mit einem Weinkrampf zusammen. Erst da hörte der Schock auf. Mein Ausbilder kümmerte sich um mich, und rief meine Mutter an. In diesem Augenblick wurde mir klar, dass ich wirklich auf mich gestellt war. Keine Mutter, die mehr die Hand hält, dass ich ganz alleine in einer fremden Stadt mit fremden Leuten war und mein neuer Lebensabschnitt wirklich begonnen hatte. Es war schrecklich in diesem Augenblick. Ich wünschte mir nichts sehnlicher als den Zuspruch der Eltern. Aber der war nun nur noch per Telefon möglich...


Eingetragen am: 26.05.2008 von Amanda
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12228

Sturz
Ich wollte doch noch zum Friseur, bevor ich den Sekt, nein, den Champagner kalt stellte. Ich ging den Weg um das Haus, achtete auf jede Schneeflocke, jedes Stück hart gefrorenen Schnee. An der Ecke nahm ich die Abkürzung über den leeren Parkplatz. Ich dachte noch, pass auf, da ist Eis! Ich setzte den Fuß nach recht, nahm wahr, dass da auch noch Eis war und schon fühlte ich meinen Körper durch die Luft fliegen, fallen, aufprallen. Ich lag und konnte mich nicht rühren.
Ich kann nicht, gibt’s nicht! Das ist nur Mangel an Disziplin. Ich lag auf der rechten Seite und drehte mich mit meinem Rest Willenskraft auf die linke Seite. Und was half mir das? Nichts. Leute strömten auf mich zu, von allen Seiten. Eine Frau legte mir meine große Handtasche unter den Kopf gegen die Kälte, wie sie sagte. Eine andere reichte mir meinen Schlüssel. Er war mir beim Sturz aus der Jackentasche geflogen und lag einige Meter entfernt herum. Ich hatte mich wieder auf den Rücken gequält.
„Ich hole einen Arzt!“ rief eine Frau und rannte los. Würde sich hier irgendein Arzt aus seiner Praxis bequemen? Ich glaubte es nicht. Sie sollte lieber etwas anderes tun, ich wusste nicht was. Ich wollte aufstehen. Zwei Leute halfen mir hoch, ein Mann stellte seinen Fuß quer vor meine Schuhspitzen gegen das Wegrutschen. Da stand ich. Und jetzt ein Schritt? Ein Gefühl, als risse mir ein Bein ab. Ich erstarrte. Überlegte, was ich als nächstes tun könnte. Ich hatte ja noch zwei Helfer und zwei Helfershelfer. Da kam der Mercedes angefahren. Der Arzt. Ich sagte ihm, ich könnte keinen einzigen Schritt tun. Er rangierte sein Auto näher heran und öffnete die Tür. Ich hielt mich an dem Griff über dem Einstieg und ließ mich langsam auf den Beifahrersitz herabsinken. Ich stöhnte. Irgendwie kriegte ich die Beine ins Auto. Der Arzt fuhr mit mir zur Praxis. Vom Eingang zur Praxistür? Unmöglich! Man buchsierte mich auf einen Hocker mit fünf Rollen, schob mich den Weg entlang, holperte über die Türschwelle, bis ich neben einer Liege ankam. Mit viel Hilfe lag ich endlich auf der Liege, die hart und unbequem war. Man zog mir die Schuhe aus und der Arzt drückte mehrmals gegen den einen, als wollte er mein Bein stauchen und dann gegen den anderen Fuß und fragte ob es weh tät. Ich fand, es schmerzte ein bisschen. Gegenüber dem Stehen, aber nicht so viel wie beim Gehen.
„Vorsichtshalber ins Krankenhaus“, sagte der Arzt.
Eine Arzthelferin rief meinen Mann an.
„Ihre Frau ist bei uns in der Praxis“, sagte sie und: „Nein, sie ist bei uns.“
Als sie hereinkam, lachte sie.
„Ihr Mann sagt, meine Frau ist bei Friseur!“
Die Sanitäter des Notarztwagens hieven mich auf eine rote, kalte Plastikplane. Sie pumpten sie auf. Es dauert eine Weile, ich höre die Luft hineinströmen. Langsam bewegte sich die Plane, sie wurde weicher, ich fing an, auf dem Luftkissen zu schwimmen. Und dann rüttelten sie mich auf einer Trage ins Auto. Es ruckelte und ratterte, sie starteten, sie sprachen mit mir und ich wurde gefahren und konnte nichts sehen, nur den Himmel des Transportwagend, ein Stück richtigen Himmel mit Wolken und Bäumen. Die rasten durch mein Bild. Vom Krankenhaus sah ich nur die Außenmauern aus rotem Backstein, weiße Wände, Pfeiler und Decken. Ich schaukelte bis zum Röntgengerät. Die Frau am Röntgengerät will mich zu Verrenkungen veranlassen Es geht nicht. Ich redete mit der Frau, weil ich mich scheußlich fühlte. „Manch haben ja Glück“, sagte ich. Irgendwie schaffte sie dann doch, die Röntgenbilder zu machen. Es dauerte, wie lange konnte ich nicht fühlen.
„Sie haben kein Glück!“ sagte der Arzt und hielt mir das Röntgenbild hin. „Sehen Sie, hier rechts.“ Er zeigte und ich sah nichts.
„Halten Sie das Bild falsch herum? Mir tut nämlich die rechte Seite weh.“ Der Arzt guckte sich verdutzt das bild an und schüttelte den Kopf.
Man hob mich von der Rütteltrage in ein richtiges Bett. Ich kriegte noch mal das Röntgenbild, meine Sachen wurden untergebracht. „Sechs Wochen“, sagte der Arzt. Das ist nicht wahr! dachte ich.
Als die Ärzte und Schwestern weg waren, sah ich mich um. Neben mir lag eine Frau, die hatte Besuch. Ich sah eine Besucherin an, sie trug eine rosa Jacke. Ich hatte die Jacke schon einmal gesehen..
„Kennen wir Sie nicht?“ fragte die rosa Jacke. „Haben wir Sie nicht eben aufgehoben?“
Ich konnte nur nicken. Meine Augen fielen zu. Als ich sie wieder öffnete, war Harald da. Er hatte Sachen mitgebracht. Ich sah sie gar nicht, weil meine Augen zufielen. Ob ich ein Telefon haben wollte, fragte er mich. Aber ich , ich wollte nicht als schlafen.


Eingetragen am: 23.05.2008 von Meggi
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12068

Ich war neun, in der Schulpause haben wir Fangen gespielt. Der Schulhof wurde gerade ausgebessert. Darum lag am Rand ein Berg mit Rollsplitt. Petra sollte mich fangen. Ich lief und drehte mich nach ihr um trat dabei auf einen Stein und fiel hin. Genau auf den Rollsplitt, stand aber sofort wieder auf und rannte weiter. Die Pausenglocke läutete und wir mussten uns in zweier Reihen aufstellen. Da sagte Petra zu mir dass mein Knie blutete. Die Lehrerin ging die Reihe durch und Petra sagte ihr dass ich blute. Die Lehrerin ging mit mir auf die Krankenstation und die Schwester brachte mich zum Arzt. Der machte Jod auf die Wunde und verband sie. Die kleinen Steinchen vom Rollsplitt sind nicht ausgespült worden. Das Knie hat sich entzündet und die Steinchen sind bis auf die Kniescheibe gewandert. Dort haben sie sich eingenistet, wo sie heute noch sind und mir öfters Schmerzen bereiten.


Eingetragen am: 22.05.2008 von Xeniane
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12038

Es ist ein heisser Tag.Glühend heiss. Das erste heftge Verliebtsein offenbart die Kehrseite der Medaille...Melancholie. Ich werd 14 im Herbst. Er kreist in meinem Kopf. Die glühende Hitze der Stadt vermischt sich mit dem Abgasen der Autos. Wie hält man es um diese Uhrzeit nur in diesen winzigen Trabbis aus? Ein Bus hält. Ich überquere die Strasse gedankenlos.Die Stadt ist ein Moloch. Heimatkunde Hausaufgaben, Mathearbeit. Dieser neue Stiefvater. Ich sehe das Auto noch hinterm Bus hervorkommen. Die Zeit verändert ihre dimension. Zeitlupe. Ein Aufprall, dann in die Luft gewirbelt werden, noch ein Aufprall. Ich durchwandere im Fall einen Kreis aus Spektralfarben. Rot , Lila, Blau,Gelb. Eine Farbe ein Meter-gefühlt. Aufprall. Füße in Schuhen. Sommersandalen. So viele Füße - Seltsame Abwesenheit von Schmerz...Ein Krankenwagen,eine Trage ...Sommerhitze " Wochen später sind nur noch ein paar Kratzer zu sehen. Danke Schutzengel


Eingetragen am: 19.05.2008 von Thea Doris
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Überfrierende Nässe

Ich räumte meinen Schreibtisch auf, fuhr den PC herunter und knipste den Drucker aus. Schnell schlüpfte ich in die dicke Winterjacke. Heute Nachmittag war nicht viel los gewesen im Büro, offensichtlich waren alle Leute schon in adventlicher Stimmung. Ich würde noch schnell auf dem Weihnachtsmarkt -genauer gesagt beim Stand der Kolpingsfamilie- vorbeischauen. Nicht dass ich dort Mitglied wäre, aber ich arbeitete schon seit Jahren in der Bastelgruppe mit. Diesmal war ich nicht rechtzeitig mit einem Paar gestrickter Kindersöckchen fertig geworden. Dies am Stand abzugeben wäre ein guter Vorwand, um zu sehen, wie weit der Aufbau abgeschlossen war, schließlich war es nur noch eine Stunde bis zur offiziellen Eröffnung des Weihnachtsmarktes. Außerdem konnte ich dann ein bisschen tratschen. Der Stand war schon fertig geschmückt, die Besatzung zuversichtlich, die Stimmung erwartungsvoll heiter. Nein, einen Glühwein wollte ich nicht mittrinken, schließlich wurde ich zu hause erwartet.
Ich schwang mich auf mein Fahrrad und nahm den kleinen, vor wenigen Wochen erst frisch geteerten Fahrradweg, am Friedhof entlang. Diesen Weg fuhr ich täglich. Ganz entspannt und mit den Gedanken schon beim Abendessen mit Mann und Kindern, wollte ich vom Radweg nach rechts abbiegen, als plötzlich der Boden unter meinem Rad wegrutsche. Ich klammerte mich wie verrückt an den Lenker und hob instinktiv den Kopf nach links, als meine rechte Schulter auf den Boden aufschlug.
Die eisige Kälte des Radwegs drang durch meine Hose und ich wusste, dass ich so nicht liegen bleiben konnte. Ein junges Mädchen kam hinzu und fragte, ob ich Hilfe bräuchte. Darüber war ich mir selbst noch nicht klar. Ich rappelte mich hoch und stellte fest, dass ich meinen rechten Arm nicht mehr bewegen konnte. In diesem Moment kam ein mir bekanntes Paar hinzu. Die Leute halfen mir, aufzustehen. Das Fahrrad rollte nicht mehr. Nicht einmal im Schein der Laterne war zu erkennen, warum. Wahrscheinlich hatte es die Bremsen verklemmt. Die Frau hakte mich also unter, ich hielt mir den verletzten Arm, wie irrsinnig hoffend, das das nur eine Prellung war und der Mann schob mein Fahrrad. So brachten sie mich nach Hause. Wenn ich gewusst hätte, dass der Arm gebrochen war, wäre es geschickter gewesen, sofort ins Krankenhaus zu gehen. Erst wenige Minuten zuvor war ich nichts ahnend daran vorbeigefahren.
Zum Glück war keine OP notwendig. Ich bekam einen Gilchrist-Verband. Davon hatte ich nie zuvor gehört, geschweige denn, einen gesehen. Für die nächsten Wochen war ich außer Gefecht gesetzt. Die gesamten Weihnachtsvorbereitungen mussten ohne mich geschehen. Den vorbereiteten Teig für die Weihnachtsplätzchen rollte mir eine freundliche Nachbarin aus. Zum Glück war der Strickkurs, den ich hatte geben wollen, nicht zustande gekommen, den hätte ich sonst absagen müssen. Wie abhängig ich war, wenn ich den rechten Arm nicht gebrauchen konnte!
Aber wer weiß, wenn alles so weitergelaufen wäre, hätte ich vielleicht niemals den Kick zum Schreiben bekommen.


Eingetragen am: 15.05.2008 von Senga Hacker
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Glücksumschwung

Es gibt viele Dinge im Leben die uns einfach so passieren, ohne das wir damit gerechnet haben.
Ob sie ein Glück oder Unglück für uns bedeuten, entscheidet sich oft aber erst viel später.
Ich war damals 30 Jahre alt, die Leiterin einer kleinen Abteilung im Callcenter und auf der Karriereleiter strebte ich weiter nach oben.
Ich war jung, dynamisch und äußerst belastbar. Da ich keine Familie hatte wohnte ich alleine in meinem schmucken Haus in einer Gegend für aufstrebende Menschen und solche die es schon geschafft hatten.
Um meine Figur sportlich und athletische zu halten joggte ich regelmäßig mit dem Hund meines Nachbarn.
Zum einen musste ich dann nicht alleine hecheln und zum zweiten war es immer gut, lobenswerte Kontakte zum erfolgreichen Nachbarn zu pflegen.
So begann ich auch an diesem Nachmittag in Begleitung meines geborgten Freundes Arko über den Asphalt zu hetzen.
Unsere Haare wehten im Sommerwind.
Arko trug neben seinem Halsband auch ein Halti (eine Art Hundehalfter für leichteres Führen) ich trug mein neues weißes Jogger Trikot und einen Sport BH, so konnte bei uns nichts aus der Reihe tanzen.
Wir kamen gut voran, es ging vorbei an der Pusteblumenwiese bis zum Park und noch weiter.
Zwischen durch machten wir eine kurze Pause.
Arko schlapperte ein hochwertiges Mineralwasser und ich einen isotonischen Durstlöscher.
Mit einem Erfrischungstuch rückte ich meinen Ausdünstungen zu Leibe.
Ich wollte auf gar keinen Fall einen Schweißgeruch verbreiten.
Um meinem vierbeinigen Begleiter einen Gefallen zu tun, gab ich seinem Drängen nach, auf der Wiese zurück zulaufen.
Der weichere Untergrund würde ja auch meine Gelenke schonen.
Es war eine strobelige Feldwiese, auf der schon Menschen vor mir eine schmale Schneise zu Recht getrampelt hatten.
Leicht federnd trappten wir also nun diesen Weg entlang.
Die Lärchen sangen ihren alt bekannten Ohrwurm aus irgendeinem Gebüsch am Feldrain.
Die Welt lag da, nicht ganz sauber (denn es zeigten hin und wieder einige Kuhexkremente am Wegrand) aber friedlich.
Plötzlich schoss ein Kaninchen vor uns aus seinem Versteck hoch.
Es hoppelt in atemberaubender Geschwindigkeit an uns vorbei und wedelte mit seinem Stummelschwanz keck in der Luft herum.
Leider war das wohl eine Situation, die Arko nicht in seiner Elite Hundeschule gelernt hatte.
Er verstand die Situation als eine Art „Jagdauftrag“ und musste tun, was ein Hund eben tun muss.
Er sprang dem Hasen in gleicher Geschwindigkeit nach.
Mein Pech nur, ich hing mit an der Leine, um die Arme beim Joggen ungestört schwingen zu können hatte ich mir vorher die Leine um den Leib geschlungen, was sich jetzt als fataler Fehler herausstellte.
Mit ganzer Wucht riss Arko mich mit.
Arko war leider kein Dackel. Er war ein Irischer Wolfshund, so groß wie ein Minipony.
Bisher hatte er mich optisch immer interessanter erscheinen lassen, aber jetzt……
Ich wurde hinterher gerissen, die ersten Meter folgte ich ihm noch stolpernd aufwärts, bis zum Ackerland.
Der Boden dort war trocken und von tiefen Furchen übersät.
Ich lief als wäre ich auf der Flucht vor tausend Männern, tänzelte und sprang über Löcher.
Ruderte verzweifelt mit den Armen und schrie immer wieder und lauter: „ Arko haaaalt!“
Aber Arko hörte meine verzweifelten Schreie nicht, er folgte unbeirrt dem Objekt seiner Begierde und ich hinterher.
Doch meine Kräfte ließen langsam nach und meine Augen konnten nicht mehr jedes Schlagloch erfassen und es unbeschadet passieren.
Ein kleines Loch mit einem Durchmesser von etwa 20cm brachte mich zum Abstürzen.
Ich knalle sehr, sehr hart auf diesen trockenen Ackerboden, der von Feldsteinen übersät war.
Leider hinderte auch das meinen starken Begleiter nicht an der Verfolgung seines Kaninchens.
Ich wurde hinter ihm her gezogen, schrie nicht mehr seinen Namen sondern vor Schmerz.
Die Haut an meinen Armen wurde herunter gerieben und mein Kinn knallte an einen großen Stein.
Ich sah keinen Hund mehr, nur Staub und Dreck zogen an mir vorbei und der Geschmack von Blut in meinem Mund, ließ nur noch einen Gedanken in meinem Kopf zu: „Ich will nicht sterben!“
Dann geschah das größte Wunder meines Lebens!
Der Hund blieb stehen.
Einfach so, als hätte es diese Jagd nie gegeben stand er da und blickte mich unschuldig mit seinen treuen Hundeaugen an.
Jeder Abschnitt meines Körpers schmerzte. Blut tropfte von der Lippe auf mein Kinn.
Die Arme abgeschürft bis auf das Fleisch.
Mein JoggingTrikot durchgescheuert, nur der Sport-BH hatte mich mit unverwüstlicher Haltbarkeit geschützt.
In meinem langen Haar hingen die Reste von getrocknetem Kuhfladen.
Die Schwalben zogen lachend ihre Kreise über mir.
Ich versuchte mich aufzurichten, aber die Schmerzen im linken Bein ließen mich stöhnend zurück ins Gras sinken.
Ich weiß nicht mehr wie lange ich neben Arko so auf dem Feld lag.
Erst als ein junger Bauer mich ansprach kam ich wieder zu Bewusstsein.
Er trug mich zu seinem Traktor und fuhr mit mir zu seinem Bauernhof.

Ich habe mich damals sofort in Martin verliebt.
Er hat mich gerettet, nicht unbedingt weil er meine Wunden versorgte, sondern mir später zeigte wie leer und traurig mein Leben ohne Liebe gewesen war.
Heute bin ich Bäuerin, mit viel weniger Geld als früher aber tausendmal reicher im Herzen.
Das jedoch ist schon wieder eine ganz andere Geschichte….


Eingetragen am: 13.05.2008 von Ishalla
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11534

Da ich bisher von wirklich schlimmen Unfällen verschont wurde, werde ich über meinen aussergewöhnlichsten Unfall schreiben.
Ich war mit 14 Jahren mit meinen Eltern an der Nordsee vor Spiekeoog in Urlaub, wie jedes Jahr. Es gibt da in einem kleinen Ort namens Werdum eine Minigolfbahn mit einem angrenzenden Haustierpark. Dort waren wir an diesem Tag zusammen mit meiner Freundin, die ich kennengelernt habe, als wir zum allerersten Mal dort Urlaub gemacht haben und mit der ich seither in Kontakt geblieben bin. Es war sehr windig an dem Tag, weshalb das Miniglfspielen auch ewtas problematisch war. Natürlich habe ich mal wieder nicht gewonnen, so wie immer. Meine Eltern waren einfach zu gut und ich habe mich etwas darüber geärgert. Danach durften wir uns ein Eis aussuchen. Ich weiss sogar noch welches ich hatte, nämlich ein Cornetto mit Nussgeschmack. Dazu haben wir noch eine Packung Tierfutter gekauft und sind dann in den Park gegangen. Der Park war nicht groß aber deshalb nicht minder aufregend. Am liebsten mochte ich immer die Esel, Ziegen und die riesigen Schweine. Schweine waren schon immer eins meiner Lieblingstiere gewesen und so stand ich fasziniert vor deren Gehege. Diese Schweine gehörten einer alten Hausschweinrasse an und waren deshalb auch größer und behaarter als die rosa Schweine, die man aus dem Fernsehen kennt. Es roch wirklich bestialisch aber das machte mir irgendwie nichts aus. Da wir noch etwas Futter übrig hatten und die Schweine gerade vorm Zaun an den Futtertrögen standen, fragte ich meine Mutter ob ich versuchen könnte die Schweine zu füttern. Sie war sich nicht sicher, meinte aber ich sollte es mal versuchen. Mir war die Sache nicht ganz geheuer, die Viecher waren ja schon imposant, ausserdem wusste ich nicht sicher wie sie reagieren würden, also fragte ich meine Mutter nochmal ob sie auch ganz, ganz sicher ist, dass nichts schlimmes passieren kann. Sie meinte was soll schon groß passieren und sagte, wenn ich es nicht versuche würde sie es tun. Mehr Bestätigung brauchte ich nicht. Ich schüttete mir etwas Futter auf die Handfläche und hielt sie den Schweinen vorsichtig hin. Sie schauten interessiert. Plötzlich schnappte eine große Sau nach meiner Hand. Das kam so überrachend, dass ich überhaupt nicht die Zeit hatte zu reagieren, geschweige denn meine Hand aus der Schusslinie zu ziehen. Die Sau biss also fest in meine Hand und wollte sie auch nicht loslassen. Ich zog und zog und bekam sie dann endlich frei. Heftige brennende Schmerzen durchfluteten mich und ich klemmte mir die Hand panisch und wie gelämt zwischen die Beine und lies mich auf den Boden plumpsen. Der erste Gedanke, der mir durch den Kopf ging, war ob meine Finger noch in einem Stück dran sind. Meine Mutter blieb ruhig und sagte ich solle die Hand herzeigen aber ich war total panisch und schüttelte immer nur den Kopf und sagte nein, nein. Langsam beruhigte ich mich und der Schmerz liess ein wenig nach, bis er zu einem heftigen Pochen übergegangen war. Das war dann auch der Moment, wo die Tränen aus mir herausbrachen. Ich weinte und weinte und meine Mutter versuchte mich zu beruhigen. Endlich liess ich sie auch meine Hand anschauen aber ohne selbst hinzuschauen. Sie schleifte mich dann zur Toilette an der Minigolfbahn um meine Wunden wenigstens ein bisschen sauber zu kriegen. Jetzt erst schaute ich selbst das erste Mal meine Hand an. Den Mittelfinger hatte es übel erwischt. Auf der Unterseite war eine relativ große graue Fläche gewesen, die irgendwie seltsam aussah. Ich wunderte mich, bis ich realisierte, dass es mein Fleisch war, nur eben so ganz ohne Haut. Da wollte ich nicht mehr hinsehen. Meine Freundin war die ganze Zeit über bei mir geglieben, hatte aber nichts gesagt. Ich schaute sie an und musste feststellen, dass sie ganz schön blass im Gesicht geworden war. Wir fuhren natürlich gleich zurück zur Ferienwohnung und danach zum Arzt. Auf der ganzen Fahrt redete ich innerlich mit der Sau, die mich gebissen hatte. Ich sagte ihr, dass ich sie immer noch lieb hätte, dass es nicht ihre Schuld sei und dass sie einfach ein bisschen gierig gewesen war. Ich versuchte alles mit Humor zu nehmen, ich meine wer wird schon normalerweise von einem Schwein gebiessen? Als wir dann beim Arzt waren fragte dieser erstmal ob ich von einem Hund gebissen worden war, als ich jedoch antwortete, dass ein Schwein mir das Vergnügen bereitet hatte, musste auch er lachen und meinte, dass er so etwas zum ersten Mal in seiner Praxis hätte. Ich bekam also einen schönen Verband um den Mittelfinger und musste einige Wochen immer mit einer Tüte über der Hand duschen.
Seit diesem Unfall jedenfalls habe ich sehr großen Respekt vor Schweinen, noch mehr als vorher schon. Zu meinen Lieblingstieren gehören sie auch immernoch und als ich im nächsten Jahr wieder im Haustierpark vor dem Schweinegehege stand gab es neue Schilder, die vorher noch nicht dagewesen waren, mit der Aufschrift: Vorsicht! Esel und Schweine können tierisch beissen.


Eingetragen am: 11.05.2008 von Ute Lehmann
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11464

Mit einem schnellen Sprint hastete ich zur Strassenbahn. Der Feierabend hatte sich wieder einmal erbärmlich in die Länge gezogen und nun drohte mir die Bahn vor der Nase wegzufahren. Eilig sprang ich in letzter Sekunde auf das Trittbrett bevor sich die Tür schloß und die Bahn mit einem lauten Klingeln ihren Weg fortsetzte.

Seufzend ließ ich mich auf einen freien Sitz fallen. Gerade noch einmal geschafft. Im Kopf ging ich den Einkaufszettel durch für das Essen das ich heute abend geplant hatte. Ein paar Freunde wollten mich besuchen und ich plante sie so richtig zu verwöhnen. Es war selten dass wir uns sahen und deshalb hatte ich beschlossen den Abend zu etwas besonderem zu machen.

Mit quietschenden Bremsen kam die Strassenbahn an meiner Station an und ich eilte auf die Strasse. Die Fussgängerampel zeigte rot doch ich war in Zeitnot. Ein kurzer Blick nach links und rechts und ich setzte zu einem schnellen Sprint über die Fahrbahn an. Wütendes Hupen erklang und ich erhaschte aus dem Augenwinkel ein heranrauschendes Auto. Entsetzt sprang ich zurück und erfasste in der Hast nur die Kante des Bordsteigs. Ein stechender Schmerz durchfuhr meinen Fuss. Das Gelenk unnatürlich in die falsche Richtung gebogen kam ich mit verzehrtem Gesicht zum stehen. Der Wagen rauschte an mir vorbei. In meinem rechten Knöchel pochte es heftig und der Schmerz war unerträglich. Ich war den Tränen nahe, doch dann biss ich die Zähne zusammen und humpelte zum Einkaufen.

Der Abend verlief wie geplant. Das Essen war gelungen und meine Freunde begeistert. Es wurde Wein getrunken und geplaudert, gescherzt und diskutiert. Nur der Schmerz war geblieben. Beim Abschied sah meine beste Freundin auf meinen Fuss und erschrak.

"Hast du dir deinen Knöchel mal angesehen?"
Ich sah nach unten und wurde blaß. Die Haut war blau angelaufen und eine dicke Schwellung zierte den Knöchel. Er hatte das doppelte Maß wie der linke und ließ sich kaum noch bewegen. Sicher hatte ich den Schmerz bei jedem Schritt bemerkt, doch ich hatte ihm keine Bedeutung beigemessen, es war mein Abend.

"Du musst unbedingt zum Arzt", hörte ich sie sagen.
"Ja ja, morgen früh. Jetzt bin ich zu müde". Mit diesen Worten verabschiedete ich sie und schloß die Tür. Mühsam ging ich die Schritte zum Bad und machte mich fertig für die Nacht. Den Abwasch verschob ich auf den nächsten Tag, übersah die Unordnung und sichtbaren Anzeichen der kleinen feier und lag bereits fünf Minuten später im Bett.

Beim Erwachen am nächsten Tag durchfuhr mich ein unerträglicher Schmerz. nach tiefem Schlaf und schönen Träumen hatte ich meinen kleinen Unfall bereits vergessen und die Füße schwungvoll auf den Boden gestellt. Mein Blick erhaschte nichts Gutes. Der Knöchel war grün und blau und bis zur Unkenntlichkeit geschwollen. Das Anziehen meines Schuhs erwies sich als undurchführbar, zu dick war der Knöchel. Es blieben mir nur meine Badelatschen. Ich griff zum Telefon und rief meinen Vater an. Nach einer kurzen Schilderung erklärte er sich bereit mich zum Arzt zu fahren. Ich zwängte mich in meine Jeans, legte etwas make-up auf und warte auf ihn geduldig auf der Treppe sitzend.

Der Unfallarzt der meinen Knöchel betrachtet zog nachdenklich und kopfschüttelnd die Augenbraunen hoch. Er warf mir einen vorwurfsvollen Blick zu.

"Sie hätten gleich nach dem Unfall kommen sollen. Es war unverantwortlich mit dieser Verletzung auch noch Gäste zu bewirten. Ihr Sprunggelenk ist völlig überdehnt und die Bänder angerissen. Wissen sie was das für Folgen haben kann? Sie haben wirklich Glück gehabt das der Schaden nicht größer ist".

Er sprach von Gips und schickte mich zur Schwester. mein Blick fiel auf die Röhrenjeans. Mit einem Gips würde ich nie in die Hose passen. Die Krankenschwester schickte sich an das Hosenbein aufzuschlitzen als ich ihr Einhalt gebot. Ich ließ meinen Vater ins Behandlungszimmer kommen und bat ihn mir Sachen aus der Wohnung zu holen. Murrend zog er ab. Nach ungefähr einer halben Stunde erschien er wieder, sichtbar gereizt mit einer Plastiktüte. Ich entnahm die Kleidungsstücke und stutzte. Einen kurzen Augenblick war ich sprachlos, dann brach ich in schallendes Gelächter aus.

In der Hand hielt ich einen grünkarierten Rock und ich trug eine pinkfarbene Bluse. Dazu als absolut modisches I-Tüpfelchen ein paar blaugeblümte Badelatschen.


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