60 Die Romanwerkstatt im Autorenhaus Verlag | Schreiben Sie mit! | Kapitel 5 mit Übungsaufgabe
(Foto: Christian Rohr)
„Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie es war, eine Schriftstellerin zu sein, die noch nichts veröffentlicht hat: Man beißt sich mehr schlecht als recht durch und kommt mit Leuten in Kontakt, die ausgesprochen abweisend sein können. Und obwohl ich nun Teil dieser Branche bin, die sich manchmal Neulingen gegenüber wie eine uneinnehmbare Festung präsentiert, stehe ich instinktiv eher auf der Seite derer, die versuchen, die Mauern zu erklimmen."

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Kapitel 5 mit Übungsaufgabe

30.01.2008© 2008 Autorenhaus Verlag GmbH, Berlin
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Eingetragen am: 15.09.2008 von C.F.Faulenbach
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17809

Sommer 1972

Der Sommer 1972 war das Jahr der olympischen Spiele in München.
Der Sommer, der in einem blutigen Fiasko bei der Geiselnahme von israelischen Olympiateilnehmern endete.
Es war der Sommer, der in Indien den schwachen Monsun brachte und dazu noch zu spät. Der Monsun lies den Glauben an die so genannte „grüne Revolution“ verdorren. Millionen von Menschen litten in diesem Land unter der Dürre und es brachte statt dem Riesenschritt zur Selbstversorgung Indiens, den Rückschritt in die Abhängigkeit an andere Länder.
Es war aber auch der Sommer 1972 in dem die Bäuerin R.S in jungen Jahren an Krebs starb, der sie genauso auffraß, wie die Misshandlungen und Demütigungen ihres Mannes.
Und ganz leise war es auch der Sommer 1972, der mein Zuhause und mein Kindsein in Rauch aufgehen ließ.
….. Es war ein heißer, trockener Sommertag. Ferienwetter!!
Wir lebten in einem kleinen Häuschen mit einem riesigen Grundstück mitten in der Wildnis, auf einem kleinen Berg. Als Nachbarn gab es auf der anderen Seite des Berges einen etwas armseligen Bauernhof und angrenzend an unserem Zu Hause ein Grundstück, das zum Verkauf anstand.
An diesem Sommersonntag besuchten meine Eltern Freunde im nächsten Dorf.
Ich weiß noch, dass wir einen Western im Fernsehen angeschaut hatten. Wir, das waren meine 11/2 Jahre jüngere Schwester und mein Großvater, der bei uns lebte.
Er war ein großer und schwerer Mann mit weißem Haaren und Vollbart.
Da unser Haus sehr klein war, stand sein Bett mit im Wohnzimmer und gegenüber davon sein riesiger gemütlicher Ohrensessel. Dazwischen unter dem Fenster befand sich ein ebenso gewaltiger, wie mächtiger schwarzer Schreibtisch.
Großvater, in seinem Sessel, mit seiner langen, geschwungenen Pfeife war für mich damals das Bild eines Herrschers. Mit seinem Bart und seinen buschigen Augenbrauen sah er auch ein wenig wild aus. Sein Schwiegervater war Kapitän gewesen auf einem Handelsschiff, das oft nach China segelte. Sein Bild hing im Wohnzimmer an der Wand und da sie sich durch die Bärte ähnelten, war Großvater in meiner Phantasie ein Kapitän der Weltmeere.
Durch seine Arthrose war er immer mehr gezwungen im Bett zu bleiben oder in seinem Sessel. Ohne Hilfe konnte Großvater sich nicht mehr fortbewegen und so setzten ihn meine Eltern an diesem Sonntag wie auch viele Tage, Wochen und Monate zuvor in den Ohrensessel, von dem aus er versuchte sein Reich zu beherrschen.
Bevor meine Eltern sich auf den Weg zu ihren Freunden machten, legte Mutter meinen vier Jahre alten Bruder in sein Bett, damit er seinen Mittagsschlaf halten konnte und da ich ja schon Neun Jahre alt war, beauftragten sie micht, auf meinen Bruder und meine Schwester aufzupassen. Und wenn Großvater Hilfe brauchte oder etwas möchte, solle ich ihm zur Hand gehen. Auch wollten sie keine Klagen hören, wenn sie wieder nach Hause kämen.
Ich brauchte mehrere Anläufe bis sich meine Autorität bei meinem kleinen Bruder durchgesetzt hatte. Doch endlich blieb er liegen und ich freute mich auf den Western.
Meine Schwester und ich saßen vergnügt auf Großvaters Bett und waren gebannt von dem Abenteuer der Cowboys.
Irgendwann, als es in dem Film zu einer wilden Schießerei, gellte ein durchdringender Schrei meines Bruders vom Flur her in Wohnzimmer. Zuerst war ich sauer, weil ich glaubte er würde wieder Zicken machen.
Doch irgendetwas war in dem Schrei, dass mich erschrecken ließ.
Mit einem Knoten im Bauch sprang ich vom Bett und eilte auf den Flur.
Was mich dort erwartete konnte ich erst nicht so richtig realisieren. Vom Flur gelangte man durch eine Tür in den angrenzenden Vorbau der aus Holz gebaut war und in dem eine kleine Bank stand, sowie ein Regal für unsere Schuhe.
Das Bild das sich mir bot war mein Bruder in dieser Zwischentür. Er drehte mir den Rücken zu, bewegte sich kein bisschen, es war eher so als ob er in der Bewegung erstarrt war. Dafür schrie er aber um so lauter. Schrie und schrie und schrie. Endlich kam es in mein Bewusstsein, das der ganze Vorbau und die Tür in Flammen standen. Was aber noch entsetzlicher war, dass mein Bruder von den Flammen eingesperrt war.
„Pass auf deinen Bruder auf!... deine Schwester, …Großvater behilflich sein..., keine Klagen…!!! Oh Gott was soll ich machen???????!!!!!!!!“. Meine Gedanken rauschten mir nur so durch den Kopf ohne Kontrolle.
Ich schrie nach seinem Namen, doch er reagierte nicht. Irgendwie brachte ich es fertig durch die Flammen zu ihm zu gehen, an der Schulter zu schütteln, doch er reagierte immer noch nicht. Die Hitze brannte in meinem Gesicht und es roch nach versenkten Haaren. Das Atmen fiel mir schwer. Ich riss ihn an seinen Haaren rückwärts, hielt ihn an den Armen fest und zerrte ihn durch den Flur ins Wohnzimmer.
Auf dem Bett saß meine Schwester mit aufgerissenen Augen und mein Großvater starrte mich erschreckt an. „Was ist denn los? Warum schreit ihr denn so herum?“ „Das Haus brennt! Großvater das Haus brennt!“ keuchte ich mühsam hervor.
Ich schrie meine Schwester an sie solle mit unserem Bruder durch die Hintertür nach draußen laufen. Schubste sie vor mir her, gepeinigt von der Übelkeit, die mich befallen hatte.
Der Zufall wollte es, dass an diesem Tag Leute das zum Verkauf anstehende Haus besichtigen wollten und zu diesem Zeitpunkt da waren. Ich hatte das nebenbei mitbekommen und versuchte meinen Geschwistern klar zu machen, rüber zu laufen und Hilfe zu holen.
Ob sie es machten wartete ich gar nicht ab, sondern drehte mich um und lief wieder ins Haus zu meinem Großvater.
„Das Telefon Großvater! Ich muss die Polizei anrufen!“ Ich grapschte nach dem Telefon und wählte die Nummer die auf der Wählscheibe für Notfälle stand. „Unser Haus brennt! Ihr müsst kommen unser Haus brennt!!“ ich heulte ins Telefon und irgendwie brachte ich es zustande zu sagen wo wir wohnen.
Schniefend hob ich den Kopf und mein Blick blieb im Gesicht meines Großvaters hängen.
Grau, fahl und starr! Die Augen so leer, seine Lippen zuckten, doch es kam kein Ton heraus.
Die Arme hingen schlaff auf seinen Schoß herunter.
Irgendetwas stimmte nicht. „Großvater! Großvater! Wir müssen hier raus!“ Ich zog an seinen Armen die so schwer für mich waren, rüttelte und zerrte an ihm herum, doch er blieb schwer in seinem Sessel mit diesen entsetzlich leeren und doch so verzweifelten Augen. „Großvater was ist den los mit dir? Sag doch was!“ Wieder dieses Zucken um seinen Mund. Unter Tränen und schluchzen versuchte ich immer wieder ihn aus dem Sessel zu bekommen, bis plötzlich Arme von hinten um mich geschlungen wurden. Vor lauter Panik schrie und schlug ich um mich, bemerkte gar nicht, dass sie mir helfen wollten. Wer es war, weiß ich bis heute nicht. Sie zerrten mich fort und kurze Zeit später hatten sie auch meinen Großvater aus dem Haus geholt.
Die Leute von nebenan waren gekommen, liefen mit dem Gartenschlauch herum, um das Feuer damit zu löschen. Mein kleiner Bruder stand ein wenig abseits von mir und hielt einen Schreibtischstuhl, den irgendjemand aus dem Haus geworfen hatte, fest umklammert vor sich, so als ob er ihn schützen müsste vor sich. Ich lief zu ihm, umschlang ihn und wollte ihn nie wieder loslassen.
Kurze Zeit später wimmelte es überall von Menschen. Feuerwehrleute, Polizisten, Nachbarn und auch Schaulustige. Wo die allerdings so schnell herkamen ist mir bis heute ein Rätsel.
Ein Polizist nahm uns auf die Seite und fing an uns Fragen zu stellen.
Die Stimme so vorwurfsvoll, die Worte so vorwurfsvoll, das Gesicht so vorwurfsvoll. Kalt, ohne Trost, ohne Schutz.
Meine Eltern waren in der Zwischenzeit zurückgekommen. Doch kein Schutz, keine Geborgenheit bei Ihnen.

Ich sah den dunklen Rauch über dem Haus, den Geruch nach Verbranntem, Verkohlten. Hörte so viele Stimmen, sah meinen kleinen Bruden, noch kleiner geworden, auf der Gartenbank sitzen.
Ich sollte doch aufpassen auf meinen Bruder. Ich habe es nicht getan. Habe nicht aufgepasst, als er aus seinem Bett kletterte, habe nicht aufgepasst als er die Streichhölzer nahm, habe nicht aufgepasst als die Streichhölzer aufflammten, habe nicht aufgepasst als die Flammen den Vorbau anfingen aufzufressen und habe nicht aufgepasst und mich gekümmert!
Mein Großvater konnte seit diesem Tag nicht mehr sprechen. Ich hatte nicht aufgepasst und er verlor deswegen seine Stimme.
Das was ich vor mir liegen sah, waren nicht nur die verkohlten Überreste unseres Zu Hauses, sondern auch die verbrannten Überreste meines Kindseins.


Kommentar von Metta Maiwald

Neu hier!? Von Velarani angelockt? :o) Gut, dass Du so einen einprägsamen Namen hast - Du fielst mir zuerst in Deinen Kommentaren auf. Der Vorspann ist mir etwas zu lang und abstrakt. Ansonsten ist der Text sehr spannend geschrieben.

Eingetragen am: 25.09.2008

Kommentar von Velarani

Hallo Connie, das hast du wirklich erlebt? Wie schrecklich! Dein Beitrag gefällt mir sehr gut, super geschríeben. Eigentlich war mir der Text zu lang, dann konnte ich aber nicht mehr aufhören mit Lesen. Sehr schön formuliert, der Anfang kunstvoll, den Großvater finde ich sehr gut beschrieben, und wie gesagt, ausgesprochen spannend. Ich freue mich auf mehr von dir, und vielleicht klappt es ja mit der Buchmesse. LG Velarani

Eingetragen am: 17.09.2008

Kommentar von C.F.Faulenbach

Ups! Hätte wohl besser noch auf Tipfehler achten sollen. Sorry.smile

Eingetragen am: 15.09.2008

Eingetragen am: 12.09.2008 von Lara
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17643

Es ist schon einige Jahre her als ich mich mit meiner Mutter in unser Auto setzte und wir losfuhren um verschiedene Kleinigkeiten einzukaufen.
Auf dem Heimweg schaltete an der nächsten Kreuzung eine Ampel vor uns von grün auf rot. Meine Mutter trat natürlich wie gewohnt sofort auf die Bremse. Doch kurz nachdem wir zum stehen kamen, merkte ich einen Aufprall auf das Hinterteil unseres Wagens. Der Fahrer hinter uns hatte den Wechsel des Ampellichts zu spät erkannt, und ihm fehlte die Zeit die Bremse zu betätigen.
An das nächste, woran ich mich noch erinnere ist nur, dass sowohl meine Mutter und ich als auch der Fahrer des anderen Wagens aus unseren Autos gestiegen sind und wir uns alle versichert haben, dass sich niemand größere Verletzungen zugezogen hat. Zum Glück war dem nicht so.
Nachdem wir also die Formalitäten geklärt hatten (Nummer des anderen austauschen etc.) konnte wir weiter fahren. Meine Mutter und ich waren froh, dass wir beide so unverletzt aus der Sache raus gekommen waren, trotzdem ist es schon erschreckend zu wissen, dass dem eigenen Leben von der einen auf die andere Sekunde ein Ende gesetzt werden könnte.


Eingetragen am: 09.09.2008 von Nell
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17502

An meinem achtzehnten Geburstag wollte ich mit zwei Freundinnen und meiner Cousine ins Schwimmbad. Eine meiner Freundinnen, Verena, hatte schon länger einen Führerschein und hat sich bereit erklärt uns zu fahren. Wir sind eingestiegen, haben die Taschen irgendwie verstaut und sind losgefahren. Wenn man aus der Straße, wo mein Haus steht, herauskommt, muss man zum Schwimmbad links abbiegen. Veri setzte den Blinker, fuhr langsam an - rechts vor links - warf nochmal einen Blick nach rechts und lenkte dann nach links. Und dann war da plötzlich ein Auto rechts, das keiner von uns hatte kommen sehen. Es war ein grauer, verregneter Novembertag und das Auto war grau und fuhr ohne Licht. Veri fluchte, bremste und ich glaube, jemand hat geschrieen. Und dann krachte es, gar nicht laut, ein bisschen, wie wenn jemand ein Fenster einschlägt. Ich werde nie vergessen, dass das erste, was Veri sagte, war: "Verdammt, mein Vater bringt mich um." Wir sind ausgestiegen, ich, völlig verwirrt, habe die Fahrerin des anderen Autos gefragt, ob mit ihrem Wagen alles in Ordnung sei. Von dem Moment an hat sie uns gehasst, glaube ich, noch mehr, als sie es sowieso schon hätte. Ich bin in Tränen aufgelöst zurück zum Haus gelaufen und habe meine Mutter geholt, gut, dass wir nicht weit weg waren. Sie hat Veri getröstet, deren Vater, als er später kam, zur Vernunft gebracht, nur gegen diese Frau konnte sie nichts machen, sie hat darauf bestanden, die Polizei zu rufen und uns mehrmals richtig beschimpft. Als ich dann gesagt habe, es hätte ja wohl gereicht, das über die Versicherung regeln zu lassen, meinte sie: "Ja, dann erzählt ihr denen irgendwelchen Mist." Da ist mir dann der Kragen geplatzt und ich habe sie angepflaumt, dass sie mich zuallererst bitte nicht duzen soll, und dass ich mir solche Unterstellungen verbitte, dann bin ich gegangen. Aus dem Ausflug wurde nichts mehr, meine Mama hat uns zur Ablenkung ins Kino gefahren, Rattatouille. Hat schon mal jemand gesehen, wie viele Autounfälle oder beinahe-Unfälle da passieren? Wahnsinn.


Eingetragen am: 07.09.2008 von luca
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17455

Ich war mit zwei meiner besten Freundinnen verabredet.Wir trafen uns an der Treppe zur U-Station.Wir hatten uns wie immer viel zu erzählen und alberten auf dem Bahnsteig und nach dem wir eingestiegen waren, herum.Als wir zwei Stationen weiter austeigen wollten,öffnete ich die Tür,die damals noch keinen Sicherheitsmechanismus hatte,der verhinderte,dass man die Tür vor dem Stehen des Zuges öffnen konnte.Ich mochte den Kitzel etwas Verbotenes zu tun und den Wind im Gesicht,wenn ich mich beim Einfahren in den Bahnhof hinauslehnte.
Wir waren ziemlich weit vorn eingestiegen.Als die U-Bahn aus dem Tunnel fuhr,lehnte ich mich etwas hinaus und streckte einen Fuss nach vorn um abspringen zu können, wenn der Zug sich noch in leichter Fahrt befand.Mein Fuss rutschte ab und befand sich nun zwischen dem fahrenden Zug und der Bahnsteigkante.Er steckte bis zum Knöchel dazwischen und ich wagte es nicht ihn nach oben zu ziehen,der Zug ruckelte und eine kleine Veränderung meiner Haltung hätte ihn abreissen können.Ich hörte,wie eine Frau, die auf dem Bahnsteig stand,laut aufschrie.Ich fühlte nichts und liess das Bein unbewegt bis der Zug zum stehen kam.Dann zog ich ihn vorsichtig nach oben und spürte,wie meine hart gewordenen Muskeln sich lockerten. Mein Gesicht war rot vor Scham,aber ich ging,schon wieder fröhliche Gedanken entwickelnd,die Treppe hinauf,als der Schock mir die Beine wegzog und ich mich auf die Stufen sinken liess.


Eingetragen am: 05.09.2008 von COH
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17394

Ich befand mich gerade im Karatetraining, machte alle Techniken und Technikkombinationen penibelst so, wie sie idealerweise ausgeführt werden sollten. Eine Schlagtechnik namens Stoke als Kurzform von Shuto Uke war gerade in der Kombination dran, da stellte sich mein Meister vor mich und gab den sonst nur imaginären Gegner, den man sich in Bahnen der Ausführungen jeweils von einer Wand hin zur anderen Wand desselben Raumes vorstellen musste. Ich schlug also kräftig mit der Handkante von innen nach außen in Richtung Hals des nun leibhaftig vor mir stehenden Gegners. Nicht dass ich meinen Meister generell als Gegner betrachten würde, doch in jenem Moment spielte er nun einmal diese Rolle. Statt nur mit flacher Hand meine Schläge zu parieren, blockte er ebenso kräftig von der anderen Seite gegen meine Technik und traf dabei jedesmal meinen Unterarm knapp unterhalb des Handgelenks. Plötzlich hörte ich ein leises Knacksen, was ich dem Meister gleich mitteilte, ein erstaunlicherweise nur leichter Schmerz stellte sich daraufhin in meinem linken Unterarm ein, den ich immer noch fast problemlos bewegen konnte. Aus Erfahrung wusste ich, dass man während des Trainings ziemlich schmerzunempfindlich ist und erst danach so manche Blessur merklich gefühlt zum Vorschein kommt. Gleich hatte ich den Verdacht, dass mein Arm gebrochen sein könnte, stoppte das Training und begab mich in das nächstgelegene Krankenhaus zum Röntgen. Hier wurde mein Verdacht dann leider auch bestätigt: An der dünnsten Stelle nahe des Handgelenks war mein Ellenknochen gebrochen, ziemlich glatt und fast vollständig durch. Wenn zwei Kräfte sich in den Schlägen zweier Karateka addieren und in einem Punkt von sich überkreuzend aufeinanderprallenden Knochen entladen, dann kann so etwas eben passieren; "Der klügere gibt dann nach" dachte ich und von den möglichen Armknochen war das offenbar einer von mir. Also erhielt ich eine Unterarmschiene in hübschem Blau von einem freundlichen Mitarbeiter des Krankenhaus-Notdienstes gefertigt, die sich später jedoch als nicht korrekt angelegt herausstellte. Ob dies ein Grund für die Bewegungseinschränkung beim Drehen meines Unterarmes ist, die mich selbst heute nach gut einem Jahr immer noch beim Tippen auf der Computer-Tastatur behindert? Ich weiß es nicht. Sicher ist nur, dass ich fortan vorsichtiger im Training hantieren werde, jetzt, wo ich erst kürzlich wieder damit begonnen habe. Trotz allem fehlte es mir doch zu sehr, das Karatetraining.


Eingetragen am: 03.09.2008 von Anita Decker
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17275

Den Job in der Reinigungsfirma fand ich im Internet.
Eigentlich hatte mir etwas anderes vorgeschwebt, Bürohilfe, Rezeptionistin. Eine Arbeit, die nicht so nach: "Im Schweisse deines Angesichts..." roch, aber ich fand nur diese. Von da an war ich also Putzfrau - und zwar eine erfolgreiche.
Die Jahre davor war ich mit meiner Witwenrente mehr schlecht als recht ausgekommen, an das zusätzliche Geld hatte ich mich schnell gewöhnt. Ja, ich war sogar stolz auf mich: "Siehst Du," sagte ich mir "Ich kann alles, auch richtig malochen."
Aber in diesem Juli, kurz vor den Schulsommerferien, kamen mir Zweifel. Diese beknackten Turnschuhe, die wunden Hände, die eingerissenen Fingernägel, was wie ein Spiel begonnen hatte, wurde zu meinem Leben.
Darüber, und über noch Anderes grübelte ich nach, als ich mit dem Fahrrad vom Baumarkt (den ich als Urlaubsvertretung "betreute") nach Hause fuhr. Dort würde ich schnell duschen und etwas trinken, viel trinken, denn es war heiss, ich hatte furchtbaren Durst. Schon kam die Jet-Tankstelle in Sicht, von da an war es nicht mehr weit.
An der Tankstelle musste man aufpassen, notfalls vom Fahrrad absteigen, besonders wenn man wie ich auf der falschen Strassenseite fuhr. Aber an diesem Tag war dort nicht viel los. Ein Rollerfahrer, der an der Tankstellenausfahrt stand und nach rechts und links schaute, weil er sich in den Verkehr einfädeln wollte. Ich war überzeugt, er hatte mich gesehen, und würde mich vorbeilassen. In dem Moment, als ich auf seiner Höhe war, gab er Gas.
So war ich gezwungen, meine Richtung zu ändern.
Einen kurzen Augenblick lang sah es so aus, als wäre ein Sturz zu vermeiden. Seite an Seite fuhren der Rollerfahrer und ich auf die Strasse zu, beide erschreckt fluchend, beide in Gefahr, beide wohl hoffend auf ein gimpfliches Ende. Aber wir stürzten. Es ist nichts Schlimmes passiert. Jedenfalls dachte ich das die ganze Zeit lang, und denke es noch jetzt, wo ich das Formular für den Unfallbericht auf dem Schreibtisch liegen habe.
Der Rollerfahrer hat ein paar blaue Flecke, das Hinterrad meines Fahrrads eine acht. Mein Job steht dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung. Ich arbeite doch lieber wieder am Schreibtisch.
Es ist viel passiert!


Eingetragen am: 02.09.2008 von Stephan Rollfinke
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17182

Es war während meines Zivildienstes im Jahr 1981, im Spätsommer nach dem Evangelischen Kirchentag in Hamburg. Ich war zu meiner Mutter gereist, die erst kurz zuvor mit meinem noch neuen Stiefvater an den Chiemsee gezogen war. Ich lebte zu dieser Zeit noch - völlig ohne Familie, denn auch meine beiden Brüder waren mit gezogen - in Offenbach bei Frankfurt. Etwas mehr als ein Jahr zuvor hatte ich, spät, mit 21 Jahren, begonnen Reiten zu lernen. Nun war ich also in Truchtlaching im landschaftlich herrlichen Chiemgau und hatte einige Reitstunden im Nachbarort Seeon gebucht. Schon beim Aufzäumen merkte ich, dass es mit diesem Wallach nicht einfach werden würde. In einer schnippischen Bewegung nickte er mit dem Kopf mehrfach in meine Nähe, die Ohren angelegt und die Lippen förmlich gespitzt. Mit stimmlichen Ermahnungen und Puffen mit dem Ellbogen nahm ich den Kampf auf. Leider setzte das Tier seine Unarten in der Reitbahn fort. Am Ende der Abteilung einsortiert stemmte sich der Wallach gegen die Zügel, biss auf die Trense und lief dem Vorderpferd förmlich auf die Kruppe. Es folgte eine Mahnung vom Reitlehrer und entgegen meiner immer intensiveren Versuche das Tier zu bremsen wiederholte sich der Vorgang mehrfach bis das Vorderpferd seinem Unmut Ausdruck verlieh und nach hinten ausholte. Als hätte mein Reittier nur auf diesen Augenblick gewartet explodierte es förmlich, biss auf die Trense, nahm den Kopf zwischen die Beine und riss mich, da ich ja gegen zu steuern versuchte, nach vorne. Statt die Zügel auszulassen zog mich sein heftiges Kopfschleudern immer weiter nach vorne, beinahe über den Vorderzwiesel hinweg. Die plötzliche Bewegungsänderung gab mir den Rest. Das Tier bremste – nein, stand plötzlich mit tief gezogenem Kopf schlagartig still. Es hob mich, langsam vorwärts abwärts, aus dem Sattel. Doch nicht genug, drückte das Tier plötzlich beide Hinterbeine wie zum Sprung ab, ließ die Vorderbeine aber am Platz. Die aufwärts rasende Kruppe versetzte mir einen gewaltigen Schlag gegen mein Hinterteil. Nun gab es kein Halten mehr. Beine und Becken befanden sich nun in einer raschen Aufwärtsbewegung, Hüfte, Brust und Kopf aber noch immer in der Vorwärts-, Abwärtsbewegung. Da die festgehaltenen Zügel noch weiter bremsten, ich habe sie wohl zuletzt losgelassen, schlug ich mit fast gestreckten Beinen einen Salto. Gerade als mein Körper wieder fast völlig gerade ausgestreckt war, allerdings mit dem Gesicht zur Hallendecke, schlug ich auf dem, glücklicherweise mit Sägespänen belegten, Hallenboden auf und sah wirklich Sterne. Kurze Zeit konnte ich nicht atmen und japste nach Luft. Unerbittlich ließ mich der Reitlehrer, kaum dass ich mich mühsam aufgerappelt hatte, wieder aufsitzen und ich ritt, mit dem nun völlig friedlichen Tier, eine Schlussrunde. Nach dem selbständigen Absitzen wurden die Schmerzen dann allerdings schier unerträglich und ich musste mich hinlegen. Nach kurzer Zeit konnte ich kaum noch reden. Da hatte der Reitlehrer ein Einsehen und ließ die Rettung rufen. Im Kreiskrankenhaus wurde der aufnehmende Arzt beim Anblick meines Rückens blass, wollte mich nicht wieder bewegen und ließ den Stationsarzt der Orthopädie kommen, der wiederum den Oberarzt aus der Bereitschaft rief. Nach dessen Eintreffen und eingehenden Diskussionen zur Röntgenbildanalyse hinter verschlossener Tür kam die Diagnose, dass ich wohl ganz gewaltiges Glück hatte und mir „nur“ eine schwere Wirbelsäulenprellung im LWS-Bereich zugezogen hatte. Die nächsten 3 Wochen verbrachte ich zur Beobachtung im Kreiskrankenhaus. Eine Therapie fand so gut wie nicht statt und der Bluterguss auf meinem Rücken brachte mir neben einer vorwärts abwärts gekrümmten Gehweise und einem Buckel über dem Allerwertesten den Spitznamen „Quasimodo“ ein.


Kommentar von M.P.

Hallo Stephan. Ich bin beim stöbern über deinen Text gestolpert und habe mir die anderen Sachen auch gleich durchgelesen. Der Text zur Übung 1 ist stark, ein guter Anfang. Hier, bei diesem Text, bin ich weniger beeindruckt. Das ist aber nicht schlimm, denn das Thema ist gut, die Umsetzung auch, aber eben nicht zu hundert Prozent. Was mir aufgefallen ist, Du verschachtelst Sätze gerne. Dadurch fällt einem das Lesen allerdings schwer, die ganzen Fachbegriffe machen es einem auch nicht leichter. Also, weniger ist mehr. Wenn Du eine Erklärung im Satz unterbringen möchtest, beschränke dich auf eine. Wenn Du erlaubst, ein Beispiel: "Ich lebte zu dieser Zeit noch - völlig ohne Familie, denn auch meine beiden Brüder waren mit gezogen - in Offenbach bei Frankfurt. Etwas mehr als ein Jahr zuvor hatte ich, spät, mit 21 Jahren, begonnen Reiten zu lernen." Mein Vorschlag: "Meine Brüder waren mitgezogen, und ich lebte allein in Offenbach. Vor einem Jahr, kurz nach meinem 21 Geburtstag, hatte ich begonnen Reiten zu lernen. Ich war ein Spätstarter..." Verzichte auf Informationen die Dein Leser kennen sollte. Offenbach liegt bei Frankfurt, wenn die Brüder mitgezogen sind fehlt die Familie, mit 21 reiten lernen ist spät, ich kann es heute noch nicht. In der Hoffnung mehr von dir zu lesen, LG M.P.

Eingetragen am: 10.09.2008

Eingetragen am: 01.09.2008 von Sandra Stopfer
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17097

Auf dieses Übungsthema fiel mir zunächst überhaupt nichts ein, denn Gott sei Dank hatte ich noch nie einen schlimmeren Unfall. So las ich erst einmal ein paar Beiträge der anderen Leser und dachte sehr angestrengt nach!
Einige Zeit später und ein paar Gehirnzellen weniger, fiel mir eine kleine, eher lustige Begebenheit ein, die sich vor ungefähr sechs oder sieben Jahren an einem der ersten, wirklich eisigen Wintertage im Jahr
ereignete. Ja, es gab wirklich damals noch Winter, die es verdient hatten, sich so zu nennen. Damals arbeitete ich in einer Wäschereiannahmestelle, keine drei Kilometer von meinem zuhause entfernt. Ich fuhr den Weg üblicherweise bei (fast!) jedem Wetter mit dem Fahrrad, so auch an diesem Tag. Das es schweine glatt war, merkte ich leider erst sehr spät. Ich fuhr die Straße entlang, und verspürte von der einen Sekunde auf die andere eine leichte Unsicherheit, gemischt mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend. Ganz vorsichtig testete ich die Straßenverhältnisse, und bemerkte nun erst die Glätte. Half aber alles nichts, ich mußte trotzdem ein paar Meter weiter abbiegen und gleichzeitig auf den Gehsteig fahren, damit ich den Laden erreiche. Leider ging es auch noch etwas bergauf!! Jetzt kam ich ins Grübeln, wie ich das am Blödsten anstellen sollte, anhalten und absteigen hatte so seine Macken, weiter fahren auch. Was mache ich Tröte, nahm volle Pulle Anlauf und wollte (wollte!!?) gleichzeitig abbiegen und das Hügelchen hinauffahren. Zwar war ich durch die Glätte nicht sehr schnell, aber es reichte, dass es mir just in dem Moment als ich um die Ecke bog (oder besser gesagt, biegen wollte), den Hinterreifen unter dem Po wegzog. Nun wurde ich von meinem Fahrrad getrennt. Ich flog den Gehsteig hinauf, mein Fahrrad rutsche das Hügelchen wieder hinunter. Gott sei Dank war ich durch die Kälte dick angezogen und somit gut gepolstert, dass ich mir nicht ernsthaft weh tat.


Eingetragen am: 29.08.2008 von Martha
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16898

Die Sache passierte vor ungefähr sechs Jahren, mein Sohn war gerade vier Monate alt und ich wollte endlich wieder abends ein bißchen Sport machen um wieder in Form zu kommen. Ich hatte mich in einem Tanzstudio angemeldet, wo eine Freundin Kurse gab.
Es war das zweite mal gewesen, dass ich dort war. Ich war schon ein bißchen spät dran, mein Sohn wurde noch gestillt und ich wurde nervös. Ich dachte er würde zu Hause schon ein Riesentheater machen. Ich rannte die Treppe des Tanzstudios hinunter, es war ziemlich dunkel. Ich wollte zur Außentür rennen, ich weiß noch, dass ein rotes Plakat an der Tür klebte. Plötzlich gab es einen Knall, mein Kopf und meine Nase taten höllisch weh und es blutete.
Es dauerte einen Moment, bis ich begriffen hatte, dass es noch eine weitere Tür gab: eine Glastür, die so sauber und durchsichtig war, dass ich sie in der Dunkelheit nicht gesehen hatte, ich hatte nur die äußere Tür mit dem roten Plakat gesehen. Zum Glück war die Tür ganz geblieben. Aber mein Kopf brummte und meine Nase blutete tierisch.
So ging ich ziemlich benommen auf die Straße, wo auch einige Passanten herumliefen, aber keiner beachtete mich. Ich sprach ein paar Mädels an, ob sie mir ein paar Taschentücher geben könnten. Das taten sie auch. Dann fiel mir plötzlich ein, dass ich ja schnell nach Hause musste. Ich eilte also zur nächsten Straßenbahn, die zum Glück gerade kam und fuhr nach Hause. Die Leute guckten zwar ein bißchen komisch, sprachen mich aber nicht an.
Zu Hause angekommen, erklärte ich meinem verblüfften Freund ganz kurz was passiert war und stillte dann schleunigst, immer noch völlig blutverschmiert und benebelt meinen Sohn der schon ganz ausgehungert war.
Dann packte mein Freund schleunigst mich und das Baby ein und fuhr mich ins Krankenhaus.
Die Nase war gebrochen und musste genäht werden, operiert wurde sie nicht, sie wurde noch nicht mal geschient, was ich merkwürdig fand. Sie wuchs auch etwas seltsam zusammen, aber was lustig war, ich konnte sie nach einer Weile noch ein bißchen selber zurecht schieben. Ich habe sie etwas nach oben geschoben und mir eine Stupsnase gemacht. War bestimmt nicht ganz korrekt von mir aber es tat nicht weh, ehrlich. Ich kann jetzt nicht mehr ganz so gut riechen, aber das hat auch manchmal seine Vorteile. Im Tanzstudio habe ich bei meinem nächsten Besuch ein Glas Sekt bekommen für diese grandiose Ungeschicklichkeit.


Eingetragen am: 29.08.2008 von ElsieEye
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16887

Jetzt, mit dem Abstand von siebzehn Jahren, fühle ich mich sicher genug, über die Ereignisse des zehnten April 1991 zu schreiben. Noch immer löst die Erinnerung an diesen Morgen einen Schrei in mir aus, den ich damals – eingequetscht zwischen Motor, Lenkrad und Fahrersitz meines Autos – nicht von mir geben konnte.
Es war ein frostiger klarer Frühlingsmorgen. Die Sonne tauchte gerade über dem Dach des Gasthofes „Zur hohen Linde“ am Rand des schmalen Feldwegs, den ich jeden Morgen zur Arbeit fahre, auf. Wie jeden Wochentag verabschiede ich meinen vierjährigen Sohn um zehn vor acht am Bus. Er bringt ihn zu seiner Tagesmutter auf die andere Seite des Remstales. Erst vor zwei Wochen habe ich mir diesen zehn Jahre alten roten Golf gekauft. Ein Fortschritt gegenüber dem kleinen gelben Polo, der nach fünfzehn Jahren treuer Dienste endgültig seinen Geist aufgegeben hatte. Der rote Golf – noch hatte ich ihm keinen Namen gegeben – hat mehr PS und ein verstärktes Fahrwerk. Irgendjemand wollte wohl mal damit Motocrossrennen fahren. Ich jedenfalls wollte an diesem Mittwoch lediglich damit zur Arbeit. Als ich in den Feldweg, der zur B29 führt, einbiege, verwandelt das Licht der aufgehenden Sonne meine Frontscheibe augenblicklich in ein blendendes Feld gleißender weißer Energie. Die dünne Eisschicht, die ich noch vor dem Einsteigen von der Scheibe gekratzte, hatte sich im Nu erneuert und bildete nun eine undurchsichtige weiße Kristallwand. Bis zur Bundestrasse sind es nur etwa 200 Meter, die ich gut blind fahren kann, denke ich mir. Dann biege ich sowieso ab, und die Sonne kommt von der Seite.
Welch Irrtum! Ein dumpfes Krachen bringt mein Auto jäh zum Stillstand. Ich spüre, wie sich das Lenkrad in mein Gesicht gräbt. Gleichzeitig werden meine Füße eingequetscht. Etwas Schweres drückt von oben auf meinen Kopf. Alles ist dunkel. Ich kann mich nicht bewegen. Eine warme Flüssigkeit läuft über meinen Mund. Ich höre, wie jemand versucht, die Fahrertür zu öffnen und dabei ruft: „Haben Sie denn den Bus nicht gesehen?“. Ich erkenne die Stimme des Schulbusfahrers und kann mich plötzlich nicht mehr erinnern, ob ich meinen Sohn bereits in den Bus gesetzt habe. Mein Mund scheint irgendwie nicht vorhanden zu sein, trotzdem versuche ich zu artikulieren: „Max!“ In unserem kleinen Dorf kennt jeder jeden. Auch der Fahrer des Schulbusses kennt meinen Sohn Max und nimmt ihn oft mit. „Wo ist das Kind?“ Der Fahrer kippt aufgeregt die Rücksitze, die über meinem Kopf liegen nach hinten. „Kein Kind!“ ruft er erleichtert. Gott sei dank, denke ich, Max ist nicht im Auto und du lebst. Jetzt können sich mal die Anderen um dich kümmern. Mit diesem Gedanken schwinden mir für kurze Zeit die Sinne. Ich höre weder die Sirenen der drei Feuerwehrfahrzeuge, die von unterschiedlichen Anwohnern gerufen, aus unterschiedlichen Richtungen heranbrausen, noch bekomme ich meine Bergungsaktionen aus dem in der der Front auf einen Meter zusammen gedrücktes Auto mit. Augenzeugen berichteten später, dass sie nicht mit dem Überleben der Fahrerin gerechnet hätten, so sehr war der Golf vom Schulbus frontal zerquetscht worden. Eine Bremsspur war lediglich vom Bus und auch erst neun Meter vor dem Aufprall zu erkennen. Der Busfahrer ging also sicher davon aus, dass ich ihm den Weg frei machen und in den Graben fahren würde. Hätte ich ihn gesehen, hätte ich das auch getan. Im „Blindflug“ fuhr ich aber stur geradeaus, wo die beiden ungleichen Kontrahenten mit ziemlich hoher Geschwindigkeit aufeinander prallten. Später sagte ich scherzhaft: „Den ersten Bus nahm mein Sohn, den zweiten ich – und zwar frontal!“
Als ich im Krankenwagen wieder zu Bewusstsein komme, wiederholt der Sanitäter ständig die Frage nach meiner Krankenkasse. Und, da es sich um einen Arbeitsunfall handelt, setzt sich in der Notaufnahme des Göppinger Kreiskrankenhauses die Frage nach der Berufsgenossenschaft, bei der mein Arbeitgeber versichert ist, fort. Ich kann noch immer nichts sehen und das Sprechen fällt mir äußerst schwer. Ich nuschele einen vermeintlichen Berufszweig und habe eine Weile Ruhe. Dann machen sich viele Arme an meinen Klamotten zu schaffen Alles, was um mich herum geschieht, nehme ich nur mit den Ohren wahr. Eine Schere ist zu hören. Sie zerschneidet gerade einen Träger meines Lieblings-BHs. „Nicht doch“, höre ich eine Frau sagen, und der zweite Träger wird über meine Schulter gezogen. Der diensthabende Notarzt versucht, einen HNO-Arzt zu finden. Dieser gehört aber nicht zum Klinikpersonal und betreut den ganzen Tag Patienten in seiner Praxis. Erst am Abend wird er Zeit haben, mich zu untersuchen. So bleibt dem Arzt nichts anderes übrig, als mich bis zum Abend auf der Trage in der Notaufnahme „aufzubewahren“ und mich unter Morphium zu setzen. Den Besuch meines völlig verstörten Ehemannes bekomme ich nicht mit. Er soll bei meinem Anblick sofort aus dem Zimmer gerannt sein, um sich zu übergeben. Daraufhin legte die Krankenschwester ein Tuch über mein Gesicht, damit keiner mehr über meinen Anblick erschreckt. Mein linker Fuß schmerzt höllisch. Irgendjemand macht sich daran zu schaffen. Mir wird ein Gips angelegt. Dabei höre ich zwangsläufig den privaten Gesprächen der Pfleger und Schwestern zu, die mich für „abwesend“ halten. Ich bin eine Zimmerpflanze, lebendig und empfindsam, aber sprachlos. Am späten Abend werde ich operiert und wache am nächsten Morgen in einem Bett in der chirurgischen Station auf, als gerade Chefarztvisite ist. „Was soll die denn hier, das ist doch ‚ne Nase!“ höre ich die energische Stimme des Chefarztes keifen. Der Assistenzarzt verteidigt sich mit einem Hinweis auf mein Gipsbein. „Egal. Primär ist das ‚ne Nase, die will ich hier nicht haben, die muss auf die HNO“ ranzt der Chef zurück. Ohne ein Wort an mich zurichten, verschwindet der Chefarzt mit seiner Korona, und ich werde mit meinen wenigen Habseligkeiten wieder auf eine Trage verfrachtet. Meine Ankunft in der HNO-Abteilung versetzt die zuständige Krankenschwester in leichte Bestürzung. „Das wird dem Doktor aber gar nicht recht sein“, zetert sie. Die wenigen Belegbetten des HNO-Arztes im Göppinger Kreiskrankenhaus werden streng nach Terminplan vergeben. Da ist kein Platz für einen ungeplanten Unfall. Verärgert telefoniert sie mit dem Arzt. Er will mich offensichtlich auch nicht auf seiner Station haben, kann mich aber als frisch operierte BG-Patientin – höherer Abrechnungssatz! – auch nicht nach Hause schicken. Schließlich weist mir die unfreundliche Krankenschwester ein leeres Bett zu. Ich spüre einen eisigen Wind von rechts. „Mir ist kalt“ nuschele ich. „Klimaanlage, lässt sich nicht abstellen“ kommt die frostige Antwort. Mir ist zum Heulen. Geht aber nicht. Mein Kopf scheint bis zur Oberlippe in einem viel zu engen Topf zu stecken, alles dunkel und eng. Atmen kann ich nur durch den Mund. Mein Fuß hängt in einer Schlinge. meine Arme versuchen mich gegen den Eiswind der Klimaanlage zu schützen. Ich warte auf Hilfe. Sie naht in Person meines Ehemannes mit einem lautstarken Auftritt. Grundsätzlich genervt über meinen unpassenden Unfall, da wir gerade eine Austauschschülerin aus England beherbergen, um die er sich nun neben unseren beiden Kindern allein kümmern muss, hat er mich stundenlang im Klinikum gesucht. Am Eingang war keine Information zu meiner Verlegung verzeichnet. Auch steht kein Arzt für fachliche Auskünfte zu meinem Zustand zur Verfügung, da der HNO-Arzt ganztägig in seiner Praxis zugange ist. Die Patienten in seinen Belegbetten der Klinik kann er nur morgens und abends visitieren. Somit gibt es vorerst keine Auskunft zu meinem Zustand. Wenigstens kann ich meinen Mann dazu bewegen, ein mitgebrachtes Badetuch vor das Eiswindgebläse der Klimaanlage zu hängen, welches sich sofort aufbläht, wie ein Segel. Auch hat er ein Nachthemd mitgebracht und befreit mich aus dem dünnen Krankenhaus-Kittel. Auf die abendliche Visite des Arztes verwiesen verlässt mich mein Mann wieder. Am Nachmittag holt mich ein Zivildienstleistender aus dem Bett und setzt mich in einen Rollstuhl. Auf meinen Schoß bekomme ich eine Akte gelegt. „Ich bringe Sie jetzt in die Röntgenabteilung“ erklärt er mir freundlich, da ich ja nichts sehe. Im Flur des Erdgeschosses angekommen, stellt er mich ab und verschwindet mit der Akte. Ich friere erbärmlich, meine Zähne beginnen zu klappern. Offenbar sind sie unversehrt, denke ich erleichtert. Nach gefühlten Jahrzehnten Wartezeit öffnet sich endlich eine Tür und ich werde in einen Raum geschoben und auf eine Pritsche gesetzt. „Warum haben wir Ihnen denn das Gipsbein gemacht?“ fragt mich ein Pfleger mit ernsthafter Neugier. Die Satire dieses Moments überstieg alle Erfahrungen meiner langjährigen Kabarettarbeit. „Was fragen Sie mich?“ zische ich. „Wir können auf den Röntgenbildern nichts erkennen, was einen Gips erfordern würde. Wir machen jetzt den Gips wieder ab.“ Sprach’s, und macht sich mit einer Schere an meinem Bein zu schaffen. Schmerzen, als ob er mir die Schere direkt in den Fuß sticht. Endlich ist der Gips ab. Mein Fuß tut weh, und ich kann nicht auftreten, geschweige denn gehen. „Setzen Sie sich in den Rollstuhl und nehmen sie die Krücken mit.“ Der Pfleger schiebt mich wieder auf den kalten Flur und legt mir die Akte in den Schoß. „Wenn jemand frei ist, bringt er sie zurück in die HNO.“ Da ich offensichtlich keine Nase mehr habe, kann ich mich auch nicht erkälten. Trotzdem sehne ich mich wieder nach meiner Zudecke im Eiswind.
Am Abend gelingt es meinem cholerischen Mann endlich den HNO-Arzt zu sprechen. Seine Diagnose: Trümmerfraktur des Nasenbeins. Er hat in der Operation die einzelnen Bruchstücke, die im Gesicht verteilt waren, zusammengesucht und notdürftig daraus eine Nasenplastik gebaut. Später, wenn sich der Knochenbrei etwas erhärtet hat, kann man dann daraus eine richtige Nase machen, sagt er. Zu meinem großen Glück hat meine Gesichtshaut die Quetschungen ohne Risse oder Platzwunden überstanden. Es gibt also keine offenen Wunden und spätere Narben in meinem Gesicht. Glück gehabt! In ein paar Tagen kann ich wieder nach Hause. Mit der Behandlung meines Fußes habe er nichts zu tun, es hat sich ja herausgestellt, dass keine Brüche oder Bänderrisse vorliegen. Im Übrigen gefiele ihm das Verhalten meines Mannes gar nicht und er brauche das Belegbett so schnell wie möglich wieder. Ich bin also nicht zuletzt wegen des ungehaltenen Benehmens meines Mannes ein geduldeter, aber wenig willkommener Patient. Obwohl die Berufsgenossenschaft, wie in meinem Fall, einen höheren Behandlungssatz zahlt, als die gesetzlichen Kassen. Trotzdem, bis die Tamponaden, die meinen frischen Nasenbeinaufbau von innen stützten, entfernt werden, darf ich noch fünf weitere Tage in dem kostbaren Bett bleiben.
Am zweiten Morgen nach dem Unfall lassen sich meine Augen einen kleinen Spalt breit öffnen. Um mich umzusehen, muss ich den Kopf ganz in den Nacken legen. Ich humple auf meinen Krücken ins Bad und schaue in den Spiegel. Es ist nicht wahr! Das kann nicht wirklich ich sein! Aus dem Spiegel blickt mich ein schwarzlila bis pflaumenblauer Zombie mit einem weißen Ritterhelm mit gitterartigem Nasenschutz an. Der Kopf ist enorm aufgedunsen. Mein Gesicht, wenn man es so nennen kann, ist ein einziger blauschwarzer Fleck bis hinunter zum Kinn. Bestürzt und entmutigt lege ich mich wieder ins Bett und will nichts mehr sehen. Am Nachmittag besuchen mich einige Freunde. Auch sie sind entsetzt über mein Aussehen. Meine Kinder lässt mein Mann nicht zu mir, er hat Angst, dass sie sich bei meinem Anblick zu sehr erschrecken. Wenigstens kann ich jetzt auch meine Bettnachbarin sehen, die zwar keine blauen Flecken mehr hat, dafür aber mitten im Gesicht eine große halbrunde Naht. Man kann nachvollziehen, wie sich bei ihrem Unfall das Nasenbein offensichtlich durch den schnitt der Frontscheibe ihres Wagens aufgeklappt hat. Erleichtert denke ich an das Versprechen des Arztes, keine Narbe zurückzubehalten.
Ich dämmere weitere 3 Tage vor mich hin. Das Gebläse der Klimaanlage hat mir inzwischen einen steifen Nacken beschert, und ich bekomme Schmerztabletten gegen die Nackenschmerzen. Dann Tag fünf nach der Operation: die Tamponade in meinen Nasenhöhlen wird vom Arzt entfernt. Die Tamponschnur ist mittlerweile gut mit der Wunde verwachsen. Als der Arzt die Schnur aus meiner Nase reißt, werde ich ohnmächtig vor Schmerz. Er schreit mich an, ich soll mich nicht so haben, und zieht dabei gefühlte zehn Meter rotbraun verklebter Schnur aus meiner Nase. Ich zittere am ganzen Körper. Die Schwester träufelt mir Kreislauf stabilisierende Tropfen auf die Zunge. Dann ist es geschafft. Ich darf mich wieder hinlegen. Das war mein letzter Tag in der Klinik, denke ich. Am Abend fängt mein Mann wieder eine Diskussion mit dem HNO-Arzt an. Er besteht vor meiner Entlassung auf der Untersuchung meines Gehirns auf eventuelle Verletzungen. Widerwillig bekomme ich eine Überweisung zum EEG für den nächsten Morgen. Die Untersuchung, die in einem Nebengebäude stattfindet, kostet mich ungefähr sechs Stunden und bringt ein unerfreuliches Ergebnis. Beim Unfall war mein Gehirn leicht gequetscht worden. Beeinträchtigungen der Funktion können aber nicht festgestellt werden.
So bekomme ich noch am gleichen Tag meinen Entlassungsschein und ziehe mit meinem wütenden Mann, meinen Krücken und dem weißen Ritterhelm mit Nasenschutz ab nach Hause. Die B29 führt uns entlang der "Straße der Stauffer", und ich denke an die Kreuzritter, die vielleicht ähnlich behelmt vor eintausend Jahren diesen Weg nahmen. Zu Hause hilft meinen Kindern die Erklärung des Ritterkostüms allerdings etwas über ihr Befremden bei meinem Anblick hinweg. In der Post finde ich eine Strafanzeige des Busunternehmens. Ich bin der fahrlässigen Körperverletzung am Busfahrer des Schulbusses angezeigt, der sich beim Unfall das Knie gestoßen hat. Was für ein schöner Frühling, denke ich und humple auf meinen Krücken nach oben ins Schlafzimmer und lege mich ins Bett.


Eingetragen am: 28.08.2008 von Nina West
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Vor drei Jahren im Winter fuhr ich in einem roten Kleinbus mit einer Gruppe von acht Jugendlichen durch den Berliner Feierabendverkehr. Ich arbeite in einer therapeutischen Einrichtung für suchtgefährdete Kinder und Jugendliche und hatte an jenem Sonntag Dienst. Wir waren beim Schlittschuhlaufen gewesen und nun auf dem Weg, einen Jungen aus der Gruppe in der Psychiatrie zu besuchen. Die Zeit drängte und die Stimmung im Bus war nach dem Erebnis auf der Eisbahn aufgekratzt. Alle riefen durcheinander und stritten sich, welcher Radiosender gehört werden sollte. Der Junge neben mir war für Hip Hop und drehte trotz meiner Einwände immer wieder den Lautstärkeregler in die Höhe.
An einer großen Kreuzung erwischte ich die falsche Spur. Ich war die erste am Haltebalken und konnte hinter mir keine Fahrzeuge entdecken. Kurzerhand setzte ich zurück, um auf die Linksabbiegerspur zu wechseln. Der Lärmpegel im Bus war mittlerweile unerträglich und meine Nerven lagen blank. Irgendjemand hinten im Bus rief laut. Ich hatte noch nicht genügend Platz für den Spurwechsel und setzte noch einmal zurück. Das Geschrei hinten im Bus wurde lauter. Ich sah noch einmal aus dem Fenster und stellte entsetzt fest, dass ich einen PKW neben uns übersehen hatte, den ich nun zweimal gerammt hatte. Die rechte Seite des Wagens zeigte über die gesamte Länge Schleifspuren. Glücklicherweise war niemand verletzt worden.


Eingetragen am: 28.08.2008 von Sabine Müller
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Ich kann mich an einen kleinen Unfall auf Langenog erinnern. Ich war so sechs Jahre alt ca. und in dem Kurhotel haben wir Kinder im Flur gespielt: "Wer traut sich von den Treppen zu springen." Die ersten Treppen haben wir alle recht gut gemeistert. Später hielten sich die jüngeren, gescheiteren oder ängstlicheren Kinder zurück. Und ich musste natürlich von der sechsten Stufe springen, knickte um und schrie wie am Spieß. Bevor jedoch meine Eltern kommen konnte, hielt ich kurz inne und bläute den anderen Kindern ein, sie sollen bestätigen, dass ich von der dritten Stufe gestolpert sei. Bis der Krankenwagen kam (später wurde ich mit Blaulicht und Hoovercraft oder wie das Ding heißt aufs Festland gefahren und mir wurde ein quietschpinker Mädchengips verpasst)wurde ich mit selbstgemalten Bildern, tröstenden Worten und einem Prinzenrollenkeks getröstet. Es passierten noch Einige Dinge an dem Tag. Jemand schlug sich den Kopf an der Klinke an, der Flur brannte etwas, weil andere gekokelt hatten und der Zivi wurde tageintagaus von mir gequält ...

Pünktlich zu Weihnachten, 20 Jahre später, habe ich meinen Eltern (natürlich vor versammelter Runde der Verwandtschaft) stolz erzählt, dass ich damals von der 6. Stufe geprungen sei ...


Eingetragen am: 27.08.2008 von Walser Heidi
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Ein Sportfanatiker bin ich ja nicht gerade, aber an einem Freundschafts-Fussballspiel war ich nie abgeneigt. So auch an diesem Tag, als wir uns auf dem Platz trafen, bevor die Schule begann. Wie heute, war ich auch damals schon so, ganz nach dem Motto:" Ganz oder gar nicht!" Ich kniete mich voll rein und da passierte es. Es kam zu einem "Kampf" zwischen dem Gegner und mir. Der Ball schlug an der grossen, hohen Steintreppe am Rande des Spielfeldes auf und wir beiden kickten von beiden Seiten gegen den Ball. So kam ich ins stolpern und fiel zu Boden. Dabei schlug ich die Nase an der Steintreppe auf. Natürlich war sie gebrochen und ich musste ins Spital zum operieren. Eine Narbe erinnert mich beim Blick in den Spiegel an das Ereignis.


Eingetragen am: 23.08.2008 von Wiebke Rosenthal
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Es war ein etwa gegen halb zwei an einem Frühsommertag. Die Schule hatte ich hinter mir und ich fuhr mit dem Fahrrad von der Bushaltestelle nach Hause.

Die Hälfte des Weges hatte ich bereits zurückgelegt, als ich ihn bellen und heranstürmen hörte. Ich fuhr schneller, aber er holte mich ein. Bellend rannte er neben mir her und schnappte nach meinen Beinen. Ich trat zur Seite, was ihn anscheinend noch wütender machte. Nun biss er wirklich zu - in meine Strumpfhose und zerrte an ihr. Mein Fahrrad kippte. Ich fiel hin.

Da ließ er von mir ab. Nun war er anscheinend zufrieden und trottete davon.


Eingetragen am: 22.08.2008 von Karin
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16540

Vor ein paar Jahren, als ich noch ab und zu auf meinen Inline Skates stand, lief ich an einem schönen Sonntag Nachmittag mit meiner besten Freundin mit den Skates um den See. Wir waren schon fast wieder bei unseren Autos angelangt, als wir eine Stelle überqueren mussten, die mit Kirschsteinen übersäht war. Das realisierte ich aber erst als ich schon am Boden lag. Ich merkte wie es mir die Rollen an meinem rechten Schuh blockierte und wusste, dass ich nun hinfallen würde. Das ist ein saublödes Gefühl. Wie in Zeitlupe. Und doch zu schnell um sich Gedanken zu machen wie man nun hinfallen "möchte". Also fiel ich nach hinten auf mein Steissbein und sah erst mal Sterne. Danach stand ich jedoch wieder auf, hatte ja keine andere Wahl, und lief zum Auto weiter. Jedoch mit zittrigen Knien. Und das Steissbein machte sich noch einige Tage danach bemerkbar.


Eingetragen am: 22.08.2008 von Jasmin
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Als ich etwa 13 Jahre alt war, war ich mit vier Freunden unterwegs um ein Haus zu inspizieren, das noch im Rohbau war. Wir schlichen hintereinander durch die dunklen Beton-Gänge des Hauses. Wir kamen in einen Teil der stockfinster war, nichts war zu sehen. Plötzlich fiel ich seitlich in eine dunkle Tiefe und merkte es erst, als ich in meinem Kopf einen grossen Schmerz und viele kleine Blitze spürte. Es schmerzte höllisch. In diesem Augenbilick wusste ich nicht mehr was oben oder unten war und hatte Mühe mich zu orientieren. Zunächst merkten meine Freunde nicht, dass ich nicht mehr hinter ihnen her ging. Erst als ich den Sturz realisierte, konnte ich endlich um Hilfe rufen. „Wo bist du?“ hörte ich einen meiner Freunde rufen. „Ich glaube, ich bin in ein Loch gestürzt“ rief ich in die Finsternis hinein. Ich konnte rein gar nichts sehen, ich kam mir vor wie in einem Verlies. „Bleib wo du bist, wir werden eine Taschenlampe holen“ rief die gleiche Stimme mir zurück. Dann hörte ich nur noch ein Gemurmel und Schritte die sich langsam entfernten und immer leiser wurden bis sie ganz verstummten. Ich kauerte auf dem Boden und getraute kaum zu atmen. Meine Aura zog sich vor lauter Angst zusammen, weil ich mich in diesem schwarzen Loch fast du Tode fürchtete. Tränen schossen mir in die Augen und in meinem Kopf dröhnte es grauenhaft. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor bis ich meine Freunde kommen hörte und mich mit dem Licht der Taschenlampe aufspürten. Besorgt untersuchte einer meiner Freunde meinen Kopf und konnte von Aussen keine Verletzung feststellen. Danach schauten wir uns um, wo und wie ich gestürzt war. Mir war es schlussendlich egal, wie und wo es passierte, ich wollte nur noch nach Hause.
Die Folge davon war, dass diese finstere Expedition bis heute für meine Eltern ein Geheimnis blieb.


Eingetragen am: 18.08.2008 von Inge K.
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16356

Am besten erinnere ich mich an einen Sturz meiner kleinen Nichte. Sie war etwa 2 Jahre alt. Ich stand mit meiner Freundin im Treppenflur. Zwischen meiner und ihrer Wohnung sind es zwei Treppenabschnitte, die parallel nebeneinander liegen.auf der oberen stand ich. Auf der unteren stand sie. Zwischen uns, auf dem Weg nach unten befand sich ihre Tochter - meine kleine Nichte. Wir hatten sie genau im Blick, wir waren unmittelbar in ihrer Nähe. Es waren noch zwei Stufen zu bewältigen, dann hätte die Kleine die Fläche erreicht, die die beiden Treppenabschnitte trennte. Sie hielt sich am Gelände fest, und hatte bereits 6 Stufen hinter sich gebracht. Ich bin ihr gefolgt. Im Grunde hatten meine Freundin und ich alles im Griff. Sie wollte ihre Tochter sozusagen entgegen nehmen. Wir unterhielten uns, hatten beide unsere Augen auf die Kleine gerichtet, und plötzlich stürzte meine Nichte vorne über. Diese eine Sekunde, sie schien in Zeitlupe abzulaufen. Ich sah jedes Detail, ich sah sogar vor meinen Augen, wie ich sie hätte auffangen können, wie ich meine Arme ausstrecke. Ich sah auch, wie meine Freundin dies tat - aber ich sah es nur vor meinem inneren Auge. In Wirklichkeit stürzte meine Süße mit dem Kopf und ihren Händen gleichzeitig auf den Boden. Nach dieser unendlich erscheinenden Sekunde handelten meine Freundin und ich gleichzeitig. Haben sie gleichzeitig hochgehoben und meiner Freundin in die Arme gegeben. Wir beide waren ratlos, wieso wir nicht handeln konnten. Wieso wir beide genau gesehen hatten, was passiert war, aber beide wie gelähmt zuschauen mussten. Es passierte einfach zu schnell.


Eingetragen am: 15.08.2008 von Sylvia
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16271

Es ist vier Jahre her. Die Kinder sind auf Urlaub bei der Oma.
Diese Zeit wollen mein Mann und ich nutzen die Kinderzimmer mal gründlich aufzuräumen und säubern.
Wir sind fast fertig, mein Mann staubsaugt schon im Wohnzimmer und ich will noch schnell dem Großen sein Bett überziehen.
Es ist ein tolles Bett, ca 1,50m hoch mit Rutsche und Leiter. Ich muss also da hoch, um das frische Bettlaken aufzuziehen.
Ich stelle mich vorsichtig auf die Leiter, mit dem Ergebniss, dass ich noch nicht richtig dran komme.
Die Leiter hat 3 Stufen dann gelangt man auf ein dreieckiges Brett. Auf einer Seite geht die Rutsche runter, auf der anderen ist die Leiter. Danach kommt noch eine Stufe und man ist im Bett. Um die Matatze vernünftig beziehen zu können, stelle ich mich also auf das Brett. Da ich so in meine arbeit vertieft bin, achte ich nicht darauf wo und wie ich mich hinstelle. So stehe ich genau in der Mitte des Brettes. Kurz bevor ich fertig bin gibt das Brett nach und ich krache zwischen Leiter und Rutsche. Auf dem Weg nach unten stoße ich heftig an den Rand der Rutsche, oder der Leiter.Das kann ich nicht mehr genau sagen. Mir bleibt die Luft weg und ich versuche mich aus der schmerzenden Lage zu befreien. Das schaffe ich recht schnell, aber Luft bekomm ich noch immer nicht richtig. Ich fühle mich, als wäre eine Walze über meine Bruskorb gerollt. Gerade noch schaffe ich es ins Wohnzimmer zu meinem Mann.
Der war gerade intensiv damit beschäftigt, die Katzenhaare aus dem Tepich zu bekommen. Verzweifelt versuche ich mich bemerkbar zu machen, aber er dreht sich nur kurz zu mir um und macht dann weiter. Nach Luft jappsend stehe ich da und überlege, ob ich gleich umfallen soll oder später. Dann merkt er irgendwann, dass etwas nicht stimmt, macht den Staubsauger aus und kommt zu mir.
Mittlerweile hat sich meine Atmung etwas normalisiert. Also berichte ich was passiert ist. Nachdem er anfänglich besorgt war, muss er, nachdem ich meine Geschicht beendet habe, herzhaft lachen. Mir geht es auch langsam wieder besser und ich boxe ihn dafür in die Seite. Es tut ja schliesslich noch immer weh, da kann ich nicht lachen. Der Arzt, den ich dann ein paar Tage später, auf Drängen meines Mannes, aufsuche, stellt eine angebrochene Rippe fest.


Eingetragen am: 15.08.2008 von Lissy
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16269

Ein grauer kalter Tag, ich bin unterwegs ins Gebirge zusammen mit einer Busreisegruppe. Es ist eckeleregend früh und ich friere. Im Radio tönt leise Musik von Elton John.....ich weiß nicht genau wie das Lied heißt, aber ich bin sicher ich mag es.
Unbewusst und eingelullt von der Musik triffte ich langsam weg.
Ein lautes Geräusch lässt mich wieder hochfahren. Ich höre den Busfahrer fluchen und spüre wie unser Bus zu schlingern beginnt und in immer höherem Tempo, so wie es mir jedenfalls vorkommt, ausschert.
Ich sehe die Straße vor mir nicht, vernehme aber deutlich eine Art Aufprall.
Meine Sitznachbarin quickt auf und stammelt sinnlose Worte vor sich hin.
Ich schaue sie an und nehme alles wie in einer Art Käseglocke war.
Das Geschrei um mich herum,die Musik.... ja selbst als das Fahrzeug langsam zur Seite kippt, wache ich nicht aus diesem merkwürdigen Zustand auf.
Ein letztes mal verspüre ich einen Aufprall,diesmal so viel heftiger, als der davor und es wird schwarz um mich....


Eingetragen am: 11.08.2008 von Kirsten
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16017

Es ist ein Tag, an das genaue Datum erinnere ich mich heute nicht mehr.
Ich fahre zur Arbeit. Mein Wagen, ein Firmenwage, ist ein alter Volvo. Es ist mittags, ungefähr 13:00 Uhr. Ich kann mich noch dunkel daran erinnern, dass ich zumindest zeitweise nachmittags gearbeitet habe. Ich bin Architektin in einem kleinen Büro und fahre 40 km dorthin.
Es ist relativ viel Verkehr, und ich fließe mit. Meine Gedanken wandern unruhig hin und her. Da ich die Strecke genau kenne, kann ich sehr entspannt fahren. Stadtverkehr. Ich nähere mich einem zweispurigen Bereich. Weiter vorne mündet von rechts eine Seitenstraße ein, in der ein Auto wartet. Ich muss mich rechts halten, da ich geradeaus fahre. Die linke Spur kommt ins Stocken, da die Ampel rot ist. Ich bemerke, dass schräg vor mir ein Wagen hält, um den wartenden Wagen die Möglichkeit zur Einfahrt zu geben.
Meine Ampel ist noch grün, ich fahre.
Sie schaut mich nicht an, sie schaut mich nicht an, sie wird doch nicht rausfahren, ohne zu schauen. Sie schaut nicht. Sie fährt. Und da kommt schon ein dumpfer Schlag von der rechten Seite, als unsere Autos kollidieren. Unangenehm schneidet der Gurt. Nimmt mir die Luft zum Atmen.
Stille im ersten Moment. Die Zeit bleibt stehen.
Langsam löse ich meinen Gurt, steige aus, mir ist nichts passiert.
Ein Blick zum anderen Auto. Oh Gott, ein Kind sitzt mit drin. Und dann, dann steigt die Fahrerin aus, und schreit mich an und die Erde dreht sich wieder.


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