240 Die Romanwerkstatt im Autorenhaus Verlag | Schreiben Sie mit! | Kapitel 9 mit Übungsaufgabe
(Foto: Christian Rohr)
„Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie es war, eine Schriftstellerin zu sein, die noch nichts veröffentlicht hat: Man beißt sich mehr schlecht als recht durch und kommt mit Leuten in Kontakt, die ausgesprochen abweisend sein können. Und obwohl ich nun Teil dieser Branche bin, die sich manchmal Neulingen gegenüber wie eine uneinnehmbare Festung präsentiert, stehe ich instinktiv eher auf der Seite derer, die versuchen, die Mauern zu erklimmen."

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Kapitel 9 mit Übungsaufgabe

27.02.2008© 2008 Autorenhaus Verlag GmbH, Berlin
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Leserbeiträge

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Eingetragen am: 01.03.2008 von Velarani
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5452

Sie war im Klo eingesperrt. Die verfluchte Tür ging nicht mehr auf. Es war eine altmodische Tür mit dunkelbraunem Holzfurnier, aus den siebziger Jahren.

Sie wohnten damals in einer Hochhauswohnung, einer riesigen Wohnung mit senfgelbem Teppichboden, überall diesen dunkelbraunen Türen und einer eingebauten Garderobe im Eingangsbereich. Der Riegel der Toilettentür hatte von Anfang an geklemmt, normalerweise ließ Maren sie offen. Sie hatte immer danach gucken lassen wollen, es aber nie getan. Und nun war sie eingesperrt. Sie kam einfach nicht mehr raus aus diesem verdammten Klo. Der Riegel ließ sich nicht zurückdrehen.

Ich will aber raus. Draußen sind meine Kinder, dachte sie. Allein in der Wohnung. Ihr Sohn war damals zweieinhalb, ihre fünf Wochen alte Tochter lag in der Küche im Kinderwagen. Sie probierte es noch mal, mit Schwung, mit Feingefühl, mit Gewalt. Der Riegel ließ sich nicht drehen, die Tür blieb verschlossen.

Es war kurz vor Mittag, und Maren war mit Kochen fertig gewesen. Hab ich den Herd eigentlich schon ausgemacht? Sie war nur kurz aufs Klo gestürmt, in Rage, hatte ihre Ruhe gewollt, sich der fordernden Anhänglichkeit ihres Zweijährigen für einen Moment entziehen. "Lass mich, ich muss aufs Klo." Tür zu, Riegel umgedreht im Zorn. Sie stemmte sich seitlich gegen die Tür, versuchte den Widerstand zu überwinden. Ihre Finger rutschten am glatten Metall ab, die Fingerkuppen schmerzten. Gibt es hier irgendwas, was sich als Werkzeug benutzen lässt? Dieses Klo war ein trostloser Raum. Dunkelgrauer gesprenkelter Linoleumboden, der leichte Wellen warf, eine Toilette mit hellbraunem Plastikdeckel, ein Papierrollen-Halter, ebenfalls Plastik, ein weißes Waschbecken und eine Klobürste. Nichts Brauchbares, um einen Riegel zu öffnen, und vor allem kein Fenster. Der Raum grenzte an den Hochhausflur, genauso wie das Badezimmer, war belüftet, aber dunkel, eine kleine kahle Zelle. Auf der anderen Seite vom Gang lagen Wohn- und Schlafzimmer, dazwischen zwei kleine Kinderzimmer, alle mit Fenstern und Blick auf die Berge.

Das kann jetzt nicht wahr sein. Ich komm hier wieder raus. Kann ich vom Spülkasten irgendwas abschrauben und als Werkzeug benutzen? Nichts. Träge schwebte ein schmutzigweißer Plastik-Schwimmer auf dem stehenden Wasser. Es lag nichts rum in diesem Raum, zu aufgeräumt. In Filmen werden Türen eingetreten. Diese ging nach innen auf, und Marens wütendes Gezerre am Metallgriff bewirkte gar nichts. Kann man den Beschlag abschrauben, bringt das was? Panikgefühle und aufsteigende Tränen schluckte sie runter. Das nützte jetzt nichts.

Und wenn mein Baby aufwacht, weint, sich in ihrer Decke verheddert? Sie rief Danny und erklärte ihm mit ganz ruhiger Stimme, dass sie jetzt grade nicht rauskommen könne, dass die Tür nicht aufgehe und er mal nach seiner Schwester gucken solle. "Schläft noch", zwitscherte er ihr durch die Türe zu. Ich möchte schreien.

Warum hab ich die Tür nur abgeschlossen, eine Sekunde lang nicht aufgepasst, nichts gedacht? Ich darf das nicht, so was darf nicht passieren. Kann ich an die Außenwand klopfen, die zum Hochhausflur hin, würde mich jemand hören?, überlegte sie. Unwahrscheinlich, lächerlich, die Flure waren lang, die Wände dick, die Nachbarn kannten sie nicht. Sie waren hier nur eingezogen, weil sie keine andere Wohnung finden konnten mit dem Schäferhund und dem kleinen Kind und ohne festes Gehalt. Die Wohnung war zu teuer und zu groß für sie, ihre paar Möbel standen verloren in den riesigen Räumen. Sie schliefen im eingebauten Bett der verstorbenen Vorbesitzer, saßen auf einem blaugrauen gebrauchten Sofa mit verschlissenem Bezug. Danny spielte unter den bodenlangen dunkelgelben Vorhängen von Marens Großtante Verstecken. Die Nachbarn waren mißtrauisch wegen der zwei Namen an der Tür, dem deutschen und dem ausländischen, grüßten sie kaum. Neulich war die Polizei da gewesen, jemand aus dem Haus hatte sie angezeigt, der Hund sei den ganzen Tag auf dem Balkon eingesperrt und würde bellen. Ihr Hund lag geduldig in der Küche, die Schnauze auf den Boden gepresst, die braunen Augen folgten stets Marens Bewegungen, er wartete, ob sie vielleicht die Leine holte.

Jetzt nicht. Und wenn Cora jetzt doch am Kinderwagen hochspringt und ihn umschmeißt? Oder nach dem Kleinen schnappt? Grade jetzt, wo ich hilflos im Klo sitze? Sie überlegte, ob sie Danny zu den Nachbarn schicken sollte, aber würden die ihm helfen? Ihre linke Brust war hart und tat ihr weh, sie sehnte sich nach dem Saugmäulchen ihres Babys. Milchtropfen liefen in ihren BH und machten feuchte Flecken auf die Bluse. Warum gab es hier keine Beißzange, keine Brechstange, keine Axt? Sie wollte Holz splittern und Metall kreischen hören, ein Loch in die Wand treten. Staub und Steine sollten in den Flur poltern. Gar nichts tun können, das war das Schlimmste. Was für ein elendes Gefängnis!

Maren begann, die Ausmaße ihrer Zelle abzuschätzen. Sie betrachtete die körnigen Fugen zwischen den weißen Wandfliesen, zwei hoch, zwei quer, lauschte auf Geräusche vom Gang. Später setzte sie sich auf den Boden und sang leise Lieder mit Danny, der furchtlos draußen vor der Türe hockte. Dann schlug sie doch mit der Faust gegen die Wand, es tat weh. Sie spürte ihr Herz hastig klopfen, hörte das dünne Weinen aus der Küche und endlich den Schlüssel, der sich klickend im Schloss drehte.


Kommentar von C.F.Faulenbach

hallo Velarani, da krieg ich ja selbst Panik und Platzangst beim Lesen. Ich finde, dass hast du prima beschrieben. Den Spannungsbogen immer mehr angezogen bis zum Schluß. LG C.F.Faulenbach

Eingetragen am: 17.09.2008

Kommentar von Velarani

@ Sarah: Vielen Dank für deinen positiven Kommentar, ich fühle mich sehr geehrt! Habe das auch selbst erlebt und hier nur mal ausprobiert, in der 3.Person zu schreiben. Ansonsten herzlich willkommen in diesem Forum (du bist noch nicht lange dabei?) und: nach dem 24. Kapitel ist hier keineswegs Feierabend, sondern am Mittwoch wird das 25. Kapitel mit einer neuen Schreibaufgabe freigeschaltet, inscha'allah. Falls Manfred Plinke nicht die Notbremse zieht und uns alle damit in Verzweiflung stürzt, werden wir also bis Ende des Jahres voneinander lesen können. Liebe Grüße - Velarani

Eingetragen am: 16.06.2008

Kommentar von Sarah Jakob

Hallo Velarani habe alle Deine Auszüge gelesen. Ich bin begeistert. An dieser Stelle jetzt den Kommentar, weil es mir tatsächlich passiert ist und ich weiß, welche Ängste man aussteht, wenn zwei Kleinkinder draußen und man selbst im Klo eingesperrt ist. Ausnehmend gut nachempfunden! Natürlich ist einem in der Situation völlig gleich, ob das Bad hübsch, hässlich, mit, oder ohne Linoleum ist, aber komischer Weise kann man danach alles ganz genau sehen. Jedes Stäubchen fällt einem auf, jede abweichende Farbe, jeder Spritzer auf dem Spiegel. Man sieht alles, weil man nach etwas hilfreichem sucht und nicht findet... Ich finde es schade, daß hier ab Kapitel 24 Feierabend ist. Von Dir hätte ich gern mehr gelesen! Wenn es noch ein Medium gibt..., vielleicht liest man sich...? Gruß Sarah

Eingetragen am: 14.06.2008

Kommentar von Lillilu

Gefällt mir sehr, diese Clo-Geschichte! Die Trostlosigkeit des Raumes und die Verzweiflung kommen gut rüber. " Ich will aber raus. Draussen sind meine Kinder, dachte sie" reicht mir als Spur für den inneren Monolog, der sich abwechselt mit einem Erzähler.

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Metta Maiwald

Das mit der Ich-Perspektive wollte ich auch vorschlagen. Im Abschnitt mit dem Hund ist die Zeit nicht ganz deutlich. Lustig, die nach Persönlichkeit unterschiedlichen Assoziationen: bei altmodische Tür und dunkelbraunem Holz dachte ich an die Häuser um die Jahrhundertwende, die ich in meiner Kindheit als altmodisch empfand, während die von Dir beschriebenen da ja gerade modern waren :o) Und, die Badezimmerfliesen? Mintgrün oder pischgelb??? Schön, wie langsam die Details der Familiengeschichte einfließen.

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Fledermaus

Eine gute Geschichte, die in der Ich-Perspektive sicher noch besser gewirkt hätte. Ich habe immer darauf gewartet, dass sie dem Kind sagt, es soll telefonieren. Das wirft neue Probleme auf, scheint aber nahe liegend. Stilistisch sind ein paar Fehler drin, Du wechselst auch einmal für einen Satz in die Ich-Perspektive, aber die Idee gibt viel Stoff für eine dramatische Story her.

Eingetragen am: 01.03.2008

Eingetragen am: 29.02.2008 von Barbara-Marie Mundt
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5447

wenn ich durch die decke wanderte, durch diese bleischwere betondecke, die mich trennt, und ich würde in den räumen landen, diesen räumen in denen geliebt, gewohnt, verloren wurde und die mich in alpträumen heimsuchten, wenn ich dort landete und sähe, wie sie sauber, hell, mit gardinen versehen, fremd würde ich mich fühlen dort, wo ich zuhause war.
räume die raum gaben leben und verfehlungen, kindergetrappel und hundegebell, verlorenen träumen und zwanghaftem sein.
musik höre ich gnadenlos mit klagen, tango in modernem gewand, kasernengebrüll erotisch in rhythmen gepackt, unter der haut.
wenn ich durch die decke wanderte, wenn ich auf diesem sofa wieder läge, durch das fenster blickte auf das dschungelig wuchernde grün, gefiltertes sonnenlicht, schräg strahlend, und ich träumte mich hinaus in den wolkenbehafteten himmel hinaus in diese undenkbare ferne, und mich zu verlieren schien, zu verlieren. wenn ich.

sich gefangen fühlen.
immer dies eingesperrt sein in meinem körper, in meinem dorf, in meiner gesellschaft, meiner mutter, meinem vater, in meinen wünschen, meinen begehren, in meinem kopf, eingesperrt und den wunsch verspüren, zu fliegen und alle grenzen zu überwinden. alle.

musik hören. musik hören. musik fühlen, denken, spielen, fliegen, musik träumen, auf ihr fliegen – wohin nur, aber fliegen.
und worte.
schwere worte die schwarz auf weißem dröhnen, die SAGEN was doch nur zu fühlen, zu tasten, vielleicht zu erlauschen wäre, die gegossen sein wollen, und geschmiedet, denen doch doch die flügel fehlen, doch. fehlen.

verhaftet sein. erdig und gespalten. leicht sein. gläsern.

wenn ich durch diese decke wanderte, diese schwere endlose betonzermalmende decke, diese decke die deckt und deckt und zudeckt und nicht zulässt.

wenn.


Kommentar von Elisabeth

Extravaganter, lyrischer Stil; ich finde den Text überaus stimmig und sprachlich toll. Ich habe ihn zweimal gelesen und könnte ihn immer wieder lesen. lesen.fühlen. mitleiden.

Eingetragen am: 02.03.2008

Kommentar von Velarani

Gefällt mir gut. Es ist mehr Poesie als ein "Stück Roman", aber du triffst es gut, dieses sehnsüchtige Jugendgefühl. Schwer zu lesen, aber trotzdem - schöne Worte, schöner Rhythmus.

Eingetragen am: 02.03.2008

Kommentar von Tinkerbell

Eine sehr melancholisch geschriebene Geschichte. Ich konnte mitfühlen. Sehr schön aber traurig...

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Metta Maiwald

Dein Text hat mich gefangen genommen, eingesogen. Ich will da raus!!! Wo hast Du mich hier hingebracht? Hast Du mir Drogen verabreicht oder Alkohol? Wo bin hier mit Dir gelandet? Im Keller? Im Luftschutzkeller? Im Seelenkeller? Sag es mir bitte, wo bin ich, was ist los?

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Elisabeth

Beim lesen deines Textes tut man sich einwenig schwer. Als eine "abstrakte Kunst" ist er dir gut gelungen!

Eingetragen am: 01.03.2008

Eingetragen am: 29.02.2008 von Welnel
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5439

Annas Schmach

Der Schmerz betäubte Anna und raubte ihr die Sinne. Wie ein waidwund geschossenes Tier, welches aus seinem Bau verjagt wurde, hatte er sich aus der Bauchhöhle verzogen und in Annas Brust verbissen. Da saß er nun und versperrte ihr den Zugang zu jedwedem Denken und Fühlen.

Anna wollte speien, aber nur ein jämmerliches Würgen kroch in den Hals.
Anna wollte schreien, aber nur ein kärgliches Wimmern entrang sich ihrer Kehle. Es krampfte sie, würgte sie, daß sich ihr der Kiefer in die Hirnschale schob, bis sie zu zerspringen drohte.

Anna glaubte, ersticken zu müssen. Rückenschmerzen bissen hart und umbarmherzig zu. Das Herz raste und heulte wie ein Motor kurz vor dem Überdrehen. In ihren Ohren tobte und brauste roter Lärm. ln ihrem Kopf hämmerte es wie von tausend Schlagbohrern; Von einer Minute zur anderen dachte Anna; sie müsse vor Schmerz zerspringen.

Die Bauchhöhle lag wie in Trümmern. Zerbombt – ausgeplündert – unfruchtbar, in Fetzen verödet; tot und leer. Das Sonnengeflecht flimmerte, strahlte unbarmherzig seine kalten, fiebrigen Strahlen aus, die wie tausend Nadelstiche brannten und den Unterleib zerfraßen.
In ohnmächtigem Zorn mußte Anna mit ansehen, wie ihr Schatz, ihr Kostbarstes, ihr so sorgsam gehüteter, gehegter und gepflegter Weinberg dahinwelkte. Als wenn jemand ein Gift über ihn zerstäubt hätte. In kürzester Zeit verdorrten die ach so honigsüßen Trauben, wurden schrumplig, fielen ab. Die Blätter welkten und wurden in alle Windrichtungen von einem eiskalten Windhauch zerstreut.

Annas Weinberg war zur Wüste geworden. Unfruchtbar, auf wie lange Zeit?

Mit Scham, unendlich tiefer Scham, - dabei war es doch so gar nicht Annas Schuld, nicht im mindesten; nein, im Gegenteil -, betrachtete Anna ihre leblosen Rebstöcke, die so vertrocknet waren, daß Anna noch nicht einmal mehr Tränen blieben.„Oh, ihr Zauberberg!

Sehend dies, dachte Anna, auch alle anderen Leute müßten ihr Unglück sehen; wie ihre Scham stieg, ihr die Röte ins Gesicht treibend, während sie durch die Straßen hastete. Sich so schämend, verbarg Anna, so gut es ging, ihr Gesicht vor den ihr entgegenkommenden Menschen, meinend, in deren Gesichtern ihre, Annas Schmach widergespiegelt zu sehen.

"Was starrt ihr mich so an? Schaut doch weg! Ich kann doch nichts dafür!" schrie es in Anna, und sie beschleunigte ihren Schritt noch einmal, um so schnell wie möglich ihre Wohnung zu erreichen.

Sich so schämend, vergaß Anna allmählich die Waagschale voll Schmerz. Dieser, sich mindernd, führte unmerklich zur Verlagerung des Leidgewichtes auf die Seite der Schuldgefühle, die Anna nun zu Boden drückten.

In der Wohnung riß Anna sich die Kleidung vom Körper, warf sie in den Mülleimer, stellte sich unter die Dusche, duschte lang und ausgiebig, um sich von allem Schmutz zu befreien, danach, erschöpft in eine apathische Lethargie fallend. Unfähigkeit, einen klaren Gedanken zu fassen, ließ Anna so stundenlang auf ihrem Bette liegend ausharren. Erst, als für ein Zerrbild des Augenblicks der Schmerz nachließ, um Atem zu schöpfen, nur um dann aufs neue sich zu verbeißen, spürte Anna, welche grundsätzliche Veränderung in ihr vorgegangen. In der kleinen Zeit zwischen jenem und diesem Ort.

Gleich zwei eisblauen Schlangen, die mit der Eleganz kalter Geschmeidigkeit über heißen Boden dahinschlängeln, war es innen in ihren Beinen hochgekrochen. Angefangen an den Zehen, über den Innenfuß, die eleganten Knöchel, die Unterschenkel, die Kniee, über die üppigen Ebenen der ehemals wohlgeformten Schenkel, bis hinein in ihren Venusberg kam es gekrochen. Hatte alles abgedeckt, Flecken für Flecken. Mit der Ernüchterung des Frostes einbalsamiert, und mit der schwarzen Zählebigkeit von Betumen versiegelt.

So präpariert und mumifiziert, augenscheinlich zur Aufbewahrung auf Zeit verdammt, wurde sich Anna bewußt: Ihr Leib war Körper geworden.

Dies kühl und sachlich registrierend, stand Anna auf, um sich ein Glas voll mit Wasser zu holen. Dabei machte sie eine andere merkwürdige Entdeckung an sich. Es schien Anna, als wüchse in rasender Geschwindigkeit eine 'Stalaktite von klirrendem Bleiglas aus ihrem Schoß zu Boden, kurz über dem Boden innehaltend. Anna befürchtete, er müsse jeden Moment in unsäglichem Schmerz abreißen - so, wie eine Riesenkrake mit ihren Saugnäpfen Wunden in Fleisch reißt - und am Boden splitternd bersten.

Doch, nichts dergleichen geschah. Im Gegenteil, die Stalaktite schien sich darauf einzurichten, Annas ständiger Begleiter zu werden, um Anna auf Schritt und Tritt zu verfolgen, verfolgend sie zu erinnern. Zu erinnern an ihre, an Annas Schmach. Das Merkwürdige und zugleich Zynische an dieser, und zugleich vorläufig letzten, Entdeckung Annas war, daß jener Zapfen nicht spröde und starr wie Glas, sondern unendlich anschmiegsam und elastisch war. Mal pendelte er vor, mal zurück. Mal paßte er sich genau den Bewegungen Annas an,so daß sie ihn auf längere Zeit vergaß, mal hing er senkrecht wie ein Lot herunter, und Anna hatte Mühe, Atem zu schöpfen.

Außerdem, und das würde Anna noch häufig in ihrem Leben aufs Bitterste empören, besaß jene Stalaktite, an die Anna gekommen war wie die Jungfrau Maria zu ihrem Kind: logisch, folgerichtig, konsequent, an ihrer Außenseite Millionen von kleinen, messerscharfen Härchen, die bei Gelegenheit kleine, für das bloße Auge kaum sichtbare, Ritze in die Lenden rissen. Dann würde Anna sich wie unter Wölfen vorkommen.

Jenes Gefühl einer Schuld über kam Anna aufs Neue. Schuld über die erlittene Schmach. Würde sie jemals über die ihr angetane Gewalt sprechen können? Und wenn sie darüber spräche, hülfe ihr das? Risse sie das aus den Klauen des Grauens, so daß Anna wieder frei und unbeschwert leben kann;so leben, wie gestern noch?

Annas Blick fiel in den Spiegel, der ihren wohlgeformten Körper in seiner Nacktheit voll und ganz wiedergab. Sie betrachtete sich lange still, geschlagen und ausgiebig.
Nein! sie war nicht mehr nackt. Eine Stimme in ihr rief:
unrein...
unrein...
unrein...
Da schämte sich Anna.



Cophyrights and all rights by welnel


Kommentar von Birgit Jennerjahn-Hakenes

Ja, ich muss mich Metta anschließen. Allerdings konnte ich den Text gar nicht zu Ende lesen, zu anstrengend, sorry.

Eingetragen am: 02.03.2008

Kommentar von Metta Maiwald

Ohhh neee, ne!!! Welnel, nimm's mir nicht übel, aber das war für mich kaum zum Aushalten, diese Flut von Metaphern und historisierender Sprache mit verdrehtem Satzbau. Hab ich es wenigstens richtig begriffen, dass es hier um eine Vergewaltigung ging??? Lesend dies erkannte ich, zweimal mich dafür schämend, was an Nichtverständnis in mir vorgegangen. Also, wiederholt biss der Schmerz zu, die Hirnschale aus der Anatomie wanderte hinzu, während der Motor der Schlagbohrmaschine den Weinberg zu einem Zauberberg umbaute, wo wir aber keinem tuberkulösen Hans Castorp samt seinem Vater Thomas Mann begegnen, sondern nur ein paar schrumpeligen Rosinen, die von zwei eisblauen Schlangen mit Bitumen verklebt sich zu bleigläsernen Stalaktiten wandeln. In der Waagschale verliere ich schließlich vollends die Orientierung, warum denn im Innern der beschmutzten Anna die Knöchel sich als elegant und die Ebenen sich als üppig vorstellen.

Eingetragen am: 01.03.2008

Eingetragen am: 29.02.2008 von Ekirluh
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5425

Alptraum einer Gefangenschaft

Keine Luft zum Atmen, stattdessen Mottenkugelgeruch, der aus dem alten Plunder stieg. Würgende Angst kroch in mir hoch. Ich musste hier raus.
Ruhig bleiben, Lisa. Langsam bis hundert zählen. Nur nicht in Panik geraten. Es konnte doch nicht mehr lange dauern, bis man mich vermisste. Sie würden mich suchen, spätestens, wenn meine Nachbarn die aufgebrochene Wohnungstür entdeckt hatten. Sicher riefen die zwei schwarzgekleideten Maskenmänner bei meinen Eltern an und forderten Lösegeld für mich. Wie viel würde es sein? Hunderttausend Euro? Mutter wird verzweifelt dasitzen und still ins Taschentuch weinen. Vater wird nervös an seiner Zigarre ziehen, zu seinem Scheckbuch greifen und die geforderte Summe ausstellen.

Was aber, wenn sie nicht zahlen wollten? In letzter Zeit war das familiäre Band sehr locker. Es lag an mir. Ich wollte nicht mehr abhängig sein. Meinen Weg allein gehen. Nicht immer die Tochter des erfolgreichen Reeders Lars Asmussen sein.

Da, was war das? Knarrte nicht draußen eine Tür? Mein Herzschlag war so laut, dröhnte in meinen Ohren. Durch einen Spalt in der Kiste sah ich den Lichtschein einer Taschenlampe. Ich legte meinen Kopf dicht an die Holzwand und hörte ein dumpfes Gemurmel.

„Wenn der nicht bald mit dem Geld auftaucht, dann lassen wir die Kleine hier einfach verschimmeln.“ „Alles klar, Stan.“
Nein, das durfte nicht wahr sein! Ich schrie, das heißt, ich versuchte zu schreien. Ein Klebeband auf meinem Mund machte es unmöglich. Ich hatte keine Chance mehr. Sie werden mich töten!

„Nein, nein, bitte nicht!“ schrie ich und wachte schweißgebadet auf. Es war ein Traum! Welch ein Glück, nur ein Traum! Schuld war der Vollmond, der diese Nacht in mein Zimmer schien.


Kommentar von Metta Maiwalde

Tut mir leid, ich finde die Formulierungen und die Beschreibung von Mutter und Vater etwas zu klischeehaft, die Gedankengänge für einen Traum zu strukturiert. Gehört das jetzt zur Nettikette, dass ich mich dafür entschuldige ;0) Nöö, 'ne? Wir wollen hier ja schließlich alle besser werden, stimmt's?

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Elisabeth

Schade, dass es "nur" ein Traum war! Aber vielleicht könnte nach dem Aufwachen tatsächlich was passieren...dein Text hat Spannung, toll!

Eingetragen am: 01.03.2008

Eingetragen am: 29.02.2008 von Numungo
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5419

Gefangen

Ächzend und knarrend fällt die rostige Tür hinter mir ins Schloss. Der Schlüsselbund des Wachmanns rasselt, als er den passenden Schlüssel sucht und ins Schloss schiebt Ein kurzes Knarzen ertönt, als er den Schlüssel im Schloss dreht und der eiserne Riegel die Türe sicher verschließt. Die Schritte des sich entfernenden Wachmanns verhallen leise im Flur. Nun bin ich allein. Vollkommen allein. Und ich bin gefangen. Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich gefangen. Weshalb weiß ich nicht. Niemand hat es mir gesagt. Auch nicht auf meine ausdrückliche Nachfrage hin. Ich habe nichts verbrochen. Jedenfalls nichts, das eine Gefangennahme rechtfertigen würde.
Ich sehe mich in der Zelle um. Der Raum ist klein, kahl und weiß. Er ist so weiß, dass es unangenehm ist. Bedrückend weiß. Es gibt nur eine schmale hölzerne Pritsche, eine ordentlich zusammengefaltete Wolldecke, ein Tischchen, dessen Fläche kaum größer als ein Teller ist und einen Blecheimer mit Deckel. Von der Decke hängt eine nackte Glühbirne und verstrahlt weißes Licht. In der Wand gegenüber der Türe befindet sich ein kleines Fenster. Es ist vergittert. Der Fensterrahmen und selbst das Fenstergitter sind weiß gestrichen. Der Blick aus dem Fenster zeigt eine kahle Mauer. Die Mauer ist grau und es beruhigt mich, dass sie nicht weiß ist.
Da ich nicht weiß, wie ich mich in der Gefangenschaft verhalten soll, setze ich mich auf die Pritsche und versuche nachzudenken. Ich versuche, meine Gefühle zu ergründen. Ich bin vollkommen ruhig, was mich befremdet. Ich verstehe ich nicht, weshalb ich in einer solchen Situation so gelassen bleibe. Gerade so, als ginge mich das alles überhaupt nichts an. Was es ja auch nicht würde, wenn nicht ausgerechnet ich derjenige wäre, der gefangen gehalten wird.
Vielleicht bin ich so ruhig, weil ich weiß, dass ich mir nichts habe zuschulden kommen lassen. Ich bin frei von Schuld und somit gibt es auch keinen Grund, mich einzusperren. Doch ich muss der Realität in die Augen blicken: ICH bin eingesperrt!
Noch glaube ich, dass mir nichts passieren kann. Schließlich bin ich unschuldig. Doch ich gestehe mir ein, dass das nichts bedeuten muss. Denn wenn ich unschuldig gefangen gehalten werde, können auch andere Dinge passieren, die nicht zu rechtfertigen sind. Ich könnte verurteilt werden. Schuldlos verurteilt werden. Ich wäre nicht der erste, dem das passiert. Und ich könnte nichts dagegen tun. Doch noch glaube ich, dass es sich um einen Irrtum handelt. Ganz bestimmt handelt es sich um einen Irrtum, denn ich habe mir ja nichts zuschulden kommen lassen. Doch die Zweifel nagen immer stärker an meinem Gehirn. Wissen das auch die, welche mich eingesperrt haben? Dass ich mir nichts zuschulden habe kommen lassen? Wahrscheinlich wissen sie es nicht. Weshalb sonst würden sie mich gefangen halten? Sie hätten keinen Grund, wenn sie es wüssten. Also wissen sie es nicht. Sie wissen nicht, dass ich unschuldig bin. Und ich weiß immer noch nicht, welches Verbrechen ich nicht begangen habe. Denn niemand hat mir gesagt, aus welchem Grund ich gefangen gehalten werde. Ich weiß nur, dass ich unschuldig bin.
Das Gedankenkarusell in meinem Kopf beginnt sich zu drehen und es dreht sich immer schneller und schneller: ich bin gefangen - ich bin gefangen - ich bin gefangen - ich bin ... Das Weiß des Zimmers wird immer noch weißer und beginnt vor meinen Augen zu verschwimmen. Das Weiß der Wände fließt auf den Fussboden und vermischt sich mit dem Weiß des Fussbodens - war der Fussboden vorhin auch schon weiß? -, das Weiß der Decke tropft herunter und färbt die Luft, die ich atme weiß, alles um mich her ist weiß, wird immer noch weißer und weißer und ich spüre, wie das viele Weiß an mir nagt und mich aufzufressen beginnt, es dringt in meinen Mund, in meine Nase und in meine Ohren und ich fühle, dass meine Lunge schon vollkommen weiß ist, alles ist weiß, sogar mein Blut und meine Haut, meine Haut sowieso, sie ist so weiß wie das Zimmer oder noch weißer, ich kann mich in all dem Weiß um mich her überhaupt nicht mehr erkennen, ich kann mich nicht mehr sehen, ich verliere jegliches Gefühl, das Weiß dreht sich oder drehe ich mich? - dreht sich alles? - was ist los mit mir? - bin ich noch da? - wo bin ich? - wo bin ich ? - wo ...?

Als ich erwache, liege ich in einem Zimmer. Es ist ein kleines Zimmer und mein Blick fällt zuerst auf die Decke. Die Decke ist weiß. Mein Blick schweift zu den Wänden. Diese sind ebenfalls weiß. Und auch der Fussboden. Und das Bett, in dem ich liege. Und die Bettwäsche. Und ... und ... und ...
Schnell schließe ich wieder die Augen. Nach einer Weile spüre ich, wie Sonnenstrahlen durch das Fenster hereinfallen, geradewegs auf meine geschlossenen Augenlider. Ich spüre die Wärme, die durch die Augenlider hindurch in meinen Körper fließt. Ich spüre, wie meine Augäpfel sich durch die Wärme entspannen und dann sind sie wieder da, die Farben. Zuerst taucht ein blasses Gelb auf, es wird kräftiger, vermischt sich mit Rot und dann beginnt ein pulsendes Farbspiel vor meinen Augen, in welchem sich alle nur erdenklichen Regenbogenfarben vermischen, entmischen, ineinander fließen, auseinander fließen, kommen und gehen, zu Bildern zusammen wachsen, die Bilder übermalen, immer wieder neu gestalten, ... Ich spüre, wie meine Gefühle zurück kommen. Ich bin glücklich. Und ich werde meine Augen noch lange, lange geschlossen halten, um nur nichts von diesem grandiosen Farbspiel zu verpassen, nicht jetzt, nach all dem vielen Weiß ...


Kommentar von tatmoor

So stelle ich mir immer die ersten Augenblicke von unschuldig verhafteten Menschen vor - z.B. als nach dem 11. September plötzlich Menschen auf Verdacht verhaftet wurden...

Eingetragen am: 06.03.2008

Kommentar von Gerhild Bauer

Dein "bedrückendes" Weiß, das fließt und tropft hat mich inspiriert, ebenso der Schluß der Geschichte.L.G. Harald

Eingetragen am: 04.03.2008

Kommentar von Metta Maiwald

Huh, mir ist noch ganz schwindelig ovn med gznean Weiß (habe mich nach immer schneller werdendem Lesen und Schreiben wirklich vertippt und beschlossen, das so zu lassen). Bin ich froh, dass ich wieder aufgewacht bin! Mein Lieblingsabsatz: Die Mauer ist grau und es beruhigt mich, dass sie nicht weiß ist. Da ich nicht weiß, wie ich mich in der Gefangenschaft verhalten soll... Konstruktive Kritik: Im den ersten drei Zeilen dreimal Schloss und dreimal Schlüssel - könntest Du anders formulieren. Die knarzende, rostende Tür hat eher was von Kerker in einer Ritterburg - ich war überrascht, plötzlich in einem modernen Knast zu stehen. Und lass die Zweifel vielleicht lieber nicht an Deinem GEHIRN nagen (sind doch keine Ratten) sondern bleib im metaphorischen Bereich und lass sie an Dir nagen.

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Elisabeth

Gedankenspiele so gut in Worte zu kleiden, finde ich sehr schwer aber du hast das geschafft, sehr gut!

Eingetragen am: 01.03.2008

Eingetragen am: 29.02.2008 von Katrin
[ Lesezeichen ]

5392

Den genauen Tag hab ich vergessen. Oder verdrängt. Aber es gab ihn. Den Tag an dem ich mich in mir selbst eingesperrt habe, den Tag an dem die schwere Tür in meinem Schutzwall für lange Zeit zugefallen ist, weil ich dachte ich müsse mich beschützen. Dass es ein Einsperren war, habe ich aber erst vor drei Jahren begriffen. Damals habe ich plötzlich von einem Tag auf den anderen alles und jeden in Frage gestellt, mit mir zu allererst angefangen. Bin das wirklich ich? Will ich das sein? Was mache ich hier überhaupt? Ist das etwa schon alles? Mir wurde mein ganzes Leben zu eng. Ich wollte mehr, ich wollte alles und am besten sofort. Doch ich bin ziemlich schnell an meine Grenzen gestoßen, an Grenzen die ich selbst vor Jahren gezogen hatte... Ich war gefangen in mir, konnte nicht aus meiner Haut, war immer brav und angepasst, mein Verhalten war so furchtbar festgefahren. Aber seit drei Jahren bin ich auf dem richtigen Weg, die Tür in meinem Schutzwall ist wieder offen und immer öfter gelingt es mir mich selbst und andere zu überraschen und Dinge zu tun, die ich mir nicht einmal selbst zugetraut hätte. Ich weiß jetzt wer ich bin und kann mich auf die Frage konzentrieren wer ich sein will. Ich warte nicht mehr, ich mache einfach, denn Träume verwirklichen sich nicht von selbst.


Kommentar von dagmar

Hallo Karin, kann deinen Test sehr gut verstehen, gut geschrieben. Mir ist es mal genauso ergangen, aber ich habe es nicht so gut beschreiben könnnen wie du.

Eingetragen am: 02.03.2008

Kommentar von Sylvia

Ich kann mich nur Angela anschließen. Der Text macht neugierig auf mehr! Du könntest z.B. konkrete Situationen beschreiben! So als kleiner Tipp! Lieben Gruß Sylvia

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Margyt

Hallo Katrin, lass mich raten: Das Beschriebene betrifft Dich selbst. Die wenigen Worte beinhalten eine unendlich lange Zeit, in der Du Dich selbst suchst. Du hast unendliche Höhen und noch mehr Tiefen durchlebt und bist nun endlich freier geworden. Gott sei Dank! Wie viele verzagen auf diesem Weg. Hast Du das alles ohne Hilfe von außen geschafft? Das würde mich sehr interessieren. Deinen Beitrag kann nur jemand verstehen, der selbst durch die Hölle gegangen ist. Und das bist Du doch??? Leider kann man das nur hinter den Zeilen vermuten. Dein Bericht ist zu global. Meiner Meinung nach müßtest Du Dir einen kleinen Abschnitt Deiner schlimmen Zeit nehmen und dort wahre Emotionen herauslassen. So etwas ist besser nachfühlbar und macht den Leser neugierig. Wenn ich richtig geraten habe, dann mach weiter so. Du bist auf dem richtigen Weg. Mach Dich frei! Das Leben ist nach schlimmen Zeiten viel schöner als je zuvor!!! Alles Gute von Margyt

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Angela Thies

Das erinnert mich an den Spruch: Träume nicht dein Leben, lebe deine Träume. Und das kann manchmal sehr schwer sein. Ein mutige Thema in sich selbst gefangen zu sein. Es wäre sehr, sehr interessant das mehr zu beleuchten. Vor was musstest du dich schützen, was war zu eng, wer hat die Grenzen gesetzt, wie bist du da raus gekommen...und wie ist es heute?

Eingetragen am: 29.02.2008

Eingetragen am: 29.02.2008 von Putzi
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5394

Ich sitze am Schreibtisch in unserem Wohnzimmer. Jeden Tag, stundenlang. Autos fahren am Haus vorbei. Ich kann sie hören, doch nicht sehen. Ein freier Blick nach draußen, wird durch den Monitor des Computers gestoppt. Mit ihm verbringe ich meine Zeit. Dichte Vorhänge vorm Fenster lassen zwar genügend Licht in den Raum hinein, doch die Farbe des Himmels erahne ich eher, als dass ich sie erkennen kann. Manchmal dringt reges Zwitschern der Vögel in das Wohnzimmer hinein. Dann schaue ich sehnsuchtsvoll zum Fenster und versuche ihre vorbeifliegenden Schatten zu erhaschen. Bald, ja bald sind die Außentemperaturen angenehm genug, dass Klaus und Dominique mich mit dem Rollstuhl die neun Stufen der Treppe hinuntertragen können und ich im Garten die warme Luft genießen kann. Hören, riechen, sehen und fühlen, mit allen Sinnen werde ich milde Frühlingstag in Kürze aufnehmen dürfen. Sechs Monate lang habe ich mich schon auf kurze Aufenthalte im Freien gefreut.


Kommentar von Isabel

Liebe Putzi, vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich freue mich, dass Du meinen Beitrag so gelesen und in seiner Aussage so verstanden hast, wie ich ihn gemeint habe. Wenn ich auch nach einigem Nachdenken zugeben muss, dass ich am Thema vorbeigaloppiert bin. Ich hatte jedoch die Übung so verstanden, dass erst einmal Ideen entwickelt werden sollten und dass die Einarbeitung ins große Ganze später erfolgt. Ich hatte u. a. deshalb die „Vogelperspektive“ gewählt. Für eine Nahaufnahme wäre ich noch nicht bereit gewesen. Da fehlt noch etwas Abstand. Andere haben bereits aus dem Erlebten eine Kurzgeschichte gemacht. Ich habe einen zweiten Versuch gestartet, allerdings eine andere Geschichte gewählt. Ich werde sie in den nächsten Tagen reinstellen. Aber dieses Vertrauensverhältnis, von dem Du sprichst, zwischen uns aufzubauen, scheint mir auch sehr wichtig, um überhaupt erst einmal die Hemmungen zu verlieren, eigene Texte vorzustellen. (Die lieben Selbstzweifel!) Und da haben wir schon einiges erreicht, finde ich. Gewollt oder ungewollt machen wir uns immer mehr ein Bild von dem anderen. Und Euch ein wenig kennenzulernen, finde ich wiederum sehr spannend. Deinen Beitrag habe ich natürlich auch gelesen. Eine Momentaufnahme, die mit wenigen Sätzen Deine Gefühle, die Frühlingssehnsucht, und das "Feststecken" in einer Situation sehr gut nachempfinden lässt. Gefällt mir. Liebe Grüße Isabel

Eingetragen am: 08.03.2008

Kommentar von Putzi

Liebe Mitglieder des Schreibseminars. Ihr macht mich ein bisschen verlegen. Mit so viel Resonanz habe ich wirklich nicht gerechnet und im Grunde genommen möchte ich nichts mehr über meine Krankheit schreiben. Doch Eure Antworten zeigen auch, dass wirkliches Interesse an diesem Thema besteht. Vorausgesetz, man ist ehrlich und vermeidet das Klagen. Wenn dann noch etwas Dankbarkeit gegenüber den Angehörigen hinzukommt, gepaart mit einer optimistischen Einstellung, dann kann das Buch wirklich etwas werden. In meinen Antworten erwähne ich öfter, dass es gar nicht so schlimm ist. Das stimmt auch. Ich genieße Vorteile, die für normal arbeitende Menschen schwer zu bekommen sind. Erstens, ich habe Zeit. Wer möchte nicht mehr Zeit für sich selbst aufbringen können? Zweitens, ich stehe nicht mehr im finanziellen Stress. Von mir erwartet niemand mehr etwas, was ich nicht bringen kann, ich werde in Ruhe gelassen. Drittens, ich bekomme von allen möglichen Seiten Hilfe angeboten und es freut mich, jedes Mal, wenn die Menschen erstaunt sind, weil man sich mit mir ganz normal unterhalten kann. Den verhassten Haushalt bin ich auch los geworden – ist das Nichts? Ich höre sehr gerne zu. Mein Leben kenne ich bereits, aber was erleben meine Mitmenschen? Das ist doch viel interessanter, als sich nur auf sich selbst zu konzentrieren. Ich bin der Überzeugung, jeder hat ein schweres Los zu tragen. Bei mir ist es offensichtlich, bei anderen versteckt. Doch das versteckte Leid kann noch viel schlimmer sein, als mein körperlicher Zustand. Bitte, seid nicht über andere Betroffen, konzentriert Euch auf Eure Wünsche und Niederlagen, damit habt Ihr genug zu tun Liebe Samira Von den Kinderbüchern über eine Putzi habe ich gehört, doch sie nie gelesen. Putzi nannte mich meine Mutter als ich noch ganz klein war. Mit richtigem Vornahmen heiße ich Petra und muss damals ganz niedlich ausgesehen haben. Außerdem saß mir schon immer der Schalk im Nacken. So erinnere ich mich noch gut daran, dass ich die Erwachsenen mit altklugen Reden zum erstaunten Lachen brachte. Wie zum Beispiel: „Dumm darf man sein, man muss sich nur zu helfen wissen“. Damals war ich gerade Mal fünf Jahre alt. Güß Dich Metta Maiwald. Das Wetter im Franzmannland ist das Gleiche, wie in ganz Europa. Luftströmungen und Vögel kennen keine Grenzen und auch wir Europäer bauen immer mehr Grenzen ab. Ist das nicht wunderbar? Herzlichen Dank für alle Antworten, Putzi

Eingetragen am: 04.03.2008

Kommentar von Metta Maiwald

Oh, dann ist das Wetter in Fronkreisch genauso besch...eiden wie hier!? Ich kann laufen, aber hocke im Moment auch fast nur drinnen. Äh, ohhh. Eigentlich geht es hier ja gar nicht um die Autorin, sondern um ihren Text... Aber die vielen Reaktionen zeigen ja, dass es ein Thema ist, das uns berührt. :o)

Eingetragen am: 03.03.2008

Kommentar von Frog

Hi Putzi, ich kann Dein Sehnen nachempfinden. Es ist toll, dass der Frühling jetzt kommt. Und Du bist, das kann ich Deinen vielen empathischen Kommentaren entnehmen, im Herzen und im Kopf eine sehr bewegliche Frau. Darum hoffe ich auch, dass Du mit Deinen Texte viel bewegen wirst. Alles Liebe. Frog

Eingetragen am: 03.03.2008

Kommentar von Samira

Liebe Putzi, schon so lange frage ich mich, wer hinter diesem Namen steckt, denn als Kind las ich so gern die Bücher "Immer diese Putzi". Schon zuvor schriebst Du von Deinem Leben im Rollstuhl und hattest mein Mitgefühl. Jetzt war ich nicht nur von Deinem Text, sondern auch von Deinen Kommentaren sehr bewegt. Ich kenne auch zwei Menschen mit MS, und bange darum, dass meine Kinder diese Krankheit nicht geerbt haben mögen, doch das wird sich zeigen. Jedenfalls kenne ich niemanden, der so tapfer damit umgeht und trotz allem so viel Lebenslust vermittelt. Es wäre mit Sicherheit ein Gewinn, wenn Du ein Buch über Deine Geschichte veröffentlichen könntest, auch wenns nur hundert Seiten sind, und auch für Menschen ohne MS. Das könnte ein Buch sein, das Mut macht, und was brauchen wir nötiger? Ich lerne von Dir und ziehe meinen Hut! Mit den besten Wünschen, Samira

Eingetragen am: 02.03.2008

Kommentar von Putzi

Grüß Dich carlottablau. Nun muss ich doch noch zusätzliche Informationen geben. Ich bin Französin, die zwar in Deutschland aufgewachsen ist und auch dort zur Schule ging, aber 1988 wieder nach Frankreich zurückkehrte. Bei uns gibt es keine Zivis, weil die Wehrpflicht abgeschafft wurde. Das Haus, in dem ich lebe, ist sehr alt und hat entsprechend kleine Räume. Deshalb sind unsere Einrichtungs-Möglichkeiten sehr begrenzt. Zwei Mal pro Tag kommt schon ein Pflegedienst zu mir, um mich umzukleiden und die notwendige Toilette zu erledigen. Doch Ausflüge sind noch nicht drin. Außerdem ist MS eine Autoimmun-Krankheit, die mich sehr empfindlich gegen Wind, feuchte Witterung und Hitze macht. Danke für das Interesse, putzi

Eingetragen am: 02.03.2008

Kommentar von Alayna

Hallo putzi, sehr gut wieder gegeben. Ich fühle mit dir. Liebe Grüße Alayna

Eingetragen am: 02.03.2008

Kommentar von Angela Thies

Ich wäre am liebsten sofort aufgesprungen, und hätte den Rollstuhl nach draußen geschoben. Endlich raus, diese Sehnsucht hast du sehr treffend vermittelt.

Eingetragen am: 02.03.2008

Kommentar von Angela Barotti

Die Natur als Gefängniswärter. 6 Monate guter Wärter, 6 Monate böser Wärter. Geniales Thema. Leider keine Fiktion, sondern Realität. Ich wünsche dir ganz viel Kraft im Kampf gegen deine Krankheit.

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von carlottablau

Was mich wundert: Warum kann niemand die Vorhänge vor dem Fenster wegziehen, warum kann der Monitor nicht woanders stehen, warum kann kein Zivildienstleistender vorbeikommen, um den Protagonisten/die Protagonistin an einen anderen Ort zu bringen? Es gibt zum Beispiel auch durch das Internet die Möglichkeit,bei Institutionen Hilfe anzufordern.

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Elisabeth

Betroffen macht mich, dass Klaus und Dominique die Protagonistin nicht auch bei weniger milden Temperaturen ab und zu ins Freie bringen. Hören, riechen, sehen und fühlen ist doch auch im Winter möglich? Kalte Luft auf den Wangen, Regentropfen, Schneeflocken - auch das ist eine Seite des Lebens und der Natur, auch wenn zugegebenermaßen milde Frühlingsluft mit all den betörenden Düften wohl noch glücklicher macht. Und die dichten Vorhänge an den Fenstern könnten ab und zu geöffnet werden und den Blick zum Himmel frei machem, der Monitor zur Seite gerückt werden...

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Sylvia

Liebe Putzi, der Text ist um so ergreifender durch seinen nüchternen Stil! Du musst unbedingt weiter schreiben!!! Lieben Gruß Sylvia

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Putzi

Liebe Carola. Was ich erlebe, ist gar nicht so fürchterlich, schließlich habe ich genug Zeit gehabt, mich damit abzufinden. Einen Antrag für den Daueraufenthalt in einem Heim für paralysierte Erwachsene habe ich bereits gestellt, doch die Warteliste ist sehr lange. Im Mai werde ich wieder dort für einen Monat lang Aufnahme finden und wenn mein elektrischer Rollstuhl dann da ist, Jipee, dann werde ich jede Sekunden ausnutzen, um durch das Gelände zu kurven. Auch in meinem Leben gibt es glückliche Momente. Ich bin absolut kein Trauerkloß, aber verstecken tue ich mich auch nicht mehr. Viele Grüße, Putzi

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Putzi

Grüß Gott Jutta. Ich habe tatsächlich schon den festen Entschluss gefasst, ein Buch zu veröffentlichen, der die ganze Verzweiflung wiederspiegelt, die Menschen befällt, wenn sie in meiner, oder einer ähnlichen Situation stecken. Vor etwa vier Jahren fing ich an und merkte, dass ich niemals über hundert Seiten hinauskommen werde. Da ich eigentlich ein recht fröhlicher Mensch bin, kann ich mir vorstellen, dass dieses Buch anderen Leuten helfen kann. Doch schreiben ist nicht nur Kreativität und auch eine Aussage machen zu können, reicht nicht aus. Schreiben ist auch ein Handwerk und das möchte ich in diesem Seminar erlernen. Danke für die Antwort, Putzi

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Putzi

Liebe Fledermaus. Dein Vorschlag klingt ganz gut, doch mach das Mal, wenn Du Deinen linken Arm gar nicht mehr bewegen kannst. Ein Treppenlift hilft gar nichts, denn die werden nur für Innenräume hergestellt. Außerdem müsste ich von dem Stuhl dieses Liftes aufstehen können und das geht schon lange nicht mehr. Ich habe aber einen Aufzug, der mich in die obere Etage, ins Schlafzimmer bringt. So muss ich nicht immer die gleichen vier Wände anstarren. Oben erwartet mich ein Apparat, mit dem man mich auf die Toilette, oder ins Bett heben kann. Früher hob mich mein Mann ganz ohne diese Hilfe, aber als die Schmerzen in seinem Rücken zu stark wurden, besann er sich doch eines Besseren. Deine Antwort ist bestimmt ganz lieb gemeint. Handeln statt jammern, das ist auch meine Devise, aber manchmal ist es einfach unmöglich. So, ich glaube, jetzt genug aus meinem Leben ausgeplaudert zu haben und freue mich schon auf die nächste Übung in der Hoffnung, mit ihr beweisen zukönnen, dass ich für mein Leben gerne lache. Freundliche Grüße, Putzi

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Carola Ottenburg

Nur mit fremder Hilfe aus dem Haus zu kommen, stelle ich mir sehr beklemmend vor.

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Fledermaus

Fenster aufmachen, PC ausschalten, und raus in den Nieselregen! Das wünsche ich der Protagonistin. Und einen Treppenlift. :O) Der letzte Satz gefällt mir gut, weil er die Tragweite illustriert, die der Rollstuhl für die Figur hat.

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Putzi

Vielen Dank Pollie für Dein Mitgefühl. Unsere Aufgabe war ja, den Leser die Situation des gefangen seins, deutlich zu machen. Es freut mich, dass ich sie ganz gut lösen konnte. Seit 22 Jahren habe ich MS, eine Krankheit, die unheilbar ist und immer öfter vorkommt. Man sagt, es wäre eine Krankheit mit tausend Gesichtern und ich kann das nur bestätigen. Bei mir verläuft sie progressiv. Das bedeutet, ich habe keine Schübe, die man mit Betaferon zurückdrängen kann. Dafür erlebe ich bei vollem Bewusstsein, wie mein Körper immer unbeweglicher wird. Es ist ein Sterben auf Raten, das niemand aufhalten kann. Es besteht jedoch kein Grund mich zu bedauern. Meine Familie steht mir bei, so gut es geht. In zwei Schreibforen habe ich gute Freunde gefunden, bin also gar nicht so einsam, wie es den Anschein haben mag. Drei von ihnen, habe ich übrigens auch schon hier entdeckt, ich verrate aber nicht welche. Gerne bin ich fröhlich und viele meiner Geschichten strahlen Optimismus aus. Deshalb schlage ich vor, lächele mit mir und erfreue Dich an der Schönheit ausdrucksvoller Worte. Viele Grüße, Putzi

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Jutta Wölk

Hallo Putzi, Ihr Text hat mich sehr betroffen gemacht. Ich glaube, Sie können mehr, Ihre Beschreibungen bringen den Gemütszustand auf den Punkt. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht einen Roman zu schreiben? Ich denke Sie könnten das schaffen! Liebe Grüße Jutta

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Pollie Bley

Oh mein Gott, Putzi - dieser Text ist mir ganz tief in die Glieder gefahren. Solange Gesundheit und Bewegungsfreiheit uneingeschränkt vorhanden sind, nehmen wir sie so selbstverständlich hin, ohne daran zu denken, wie dankbar wir dafür sein müssen. Das hast du mir wieder bewusst gemacht - dankbarer zu sein für die "Selbstverständlichen Dinge des Lebens". Dir nur wünsche ich alles Gute! Ich weiß ja nun nicht, was dich in den Rollstuhl gebracht hat, ein Unfall, eine Krankeit ... aber wenn die Möglichkeit besteht, dass du da wieder raus kommst - meine Gedanken sind bei dir!

Eingetragen am: 01.03.2008

Eingetragen am: 29.02.2008 von Alayna
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5391

Kinderspiele

„Hallo Ulli, hast du Lust morgen zu kommen, Peter kommt auch ich bringe meine Schwester mit ?“ „Ok, um wieviel Uhr, die kleine Göre kannst du eigentlich zu Hause lassen, sie hat eh immer schiß. Außerdem ist sie viel zu blöd und heult immer.“ „Sie muß mit sonst darf ich nicht raus.“ „Nagut nach dem Mittagessen, tschüß.“

„Anna halt bloß die Klappe Mama darf nicht wissen das wir mit den Jungs spielen, wehe du petzt dann setzt es Prügel.“ „Nein, nein was machen wir denn?“ „Frag nicht so blöd, wirst schon sehen und mach ja alles mit was die wollen.“ „Ja ist schon gut.“ „Mama wir gehen raus, ja wir gehen nicht so weit weg vom Haus, ja doch ich pass auf Anna auf.“ Mist aber auch immer hab ich das Gör am Hals. Aber die wird sich noch wundern. „Anna nun komm schon, halt die Klappe und frag nichts.“
„Hey ihrs, alles klar.?“ „Klaro alles im grünen Bereich.“ „Oh das Gör ist auch da, na prima, dann können wir ein kleines Experiment machen.“ „Anna hast du gehört du darfst an einem Experiment teilnehmen ist das nicht toll von den Jungs.“ „Ja Ulla endlich gehöre ich mal dazu.“ „Was muß ich machen?“ „Erstmal den Mund halten.“ „Was machen wir Jungs?“ „Wir gehen in die Keller, dort habe ich was tolles gefunden.“ „Wenn du schön brav bist darfst du als erste sehen was es ist Anna.“ „Meine Güte kannst aber auch nee Spannung machen Peter, gib mir wenigstens einen Tip.“ „Nagut ich sage nur Munition, zweiter Weltkrieg, Opa Henschel.“
„Du meinst den alten Kriegsveteranen, der in russicher Gefangenschaft war.?““Ja, den alten Griesgram der Kinder haßt.“ „Wo ist sein Keller?“ „Drei Häuser weiter wo Ulli wohnt.“ „Hast du den Schlüssel?“ „Wie Schlüssel, du weißt ich bin Experte, außerdem brauchen wir keinen die Fenster sind offen.““Na los die Luft ist rein, Abmarsch.“ „Anna du hast gehört wohin wir wollen wehe du sagst einen Muks.“ „Nein, uih ist das spannend.“ Die Jungen gingen vor, einer schlüpfte durchs Kellerfenster und machte von innen die Tür auf. Leise durchstöberten sie die Gänge, es gab kein Licht die Birne war kaputt. Anna bekam Angst, sie konnten sich nur an der Mauer vorantasten. Peter wußte wo der Keller vom alten Henschel war. Er hatte am Vortag alles genau ausgekundschaftet. Noch zwei Schritte in der Dunkelheit und sie waren da.
„Weißt du genau was er im Keller hat Peter?“ „Klaro muß dem alten doch immer die Kohlen hoch holen, da hab ichs gesehen. Der Alte geht eh nicht mehr nach unten seine Beine sind lahm.“
„Ulla was für ein Experiment machen wir?“ „Frag nicht so dumm, wirst schon sehen.“
Sie wühlten in dem alten Schrank der in einer Ecke stand. Wahrhaftig da lag eine alte Pistole aus dem zweiten Weltkrieg und ein paar Patronen. „Boah, ist das ein Ding, so schwer.“
„Laß mich auch mal.““Ich auch ist da noch nee Kugel drin?“ „Klaro hab gestern schon geschaut.“
„So Leute jetzt zu unserem Spiel, wir verstecken uns, ich bin der Fänger. Wer erwischt wird da schieße ich auf den Boden. Mal sehen wer es am längsten aushält.““Das ist aber blöde.“
„Nee Anna das ist Mut, wenn du es schaffst ohne zu schreien das auszuhalten darfste immer mit.“
„Nagut, ich machs, aber dann darf ich immer mit?““Na klar, aber wenn du heulst, kannste sehen wo du bleibst.“ Die Kinder gingen in den ersten Keller des Häuserblocks, das Spiel sollte unten stattfinden, im dunkeln natürlich. Sie schickten Anna vor, hatten aber niemals vor sie zu verfolgen.
Sie wollten in Ruhe die Pistole ausprobieren ohne das lästige Gör. So sperrten sie hinter ihr sämtliche Türen zu und ließen das Mädchen allein. Anna tastete sich durch die Keller an den Holzspalieren entlang. Irgendwann verlor sie Zeit und Raum. Es kam ihr vor es seien Stunden vergangen. Sie spürte die Spinnen in ihrem Gesicht. Mäuse huschten um ihre Beine. Sie traute sich nicht zu schreien, wollte doch dazugehören. Irgendwann kam sie zu einem kleinen Kellerfenster sie versuchte hindurch zu klettern. Halb war sie heraus, da knallte es laut. Peter hatte draußen einen Schuß abgegeben. Anna verklemmte sich im Fenster und schrie. Sie war in ihrem eigenen Keller gefangen wußte es aber nicht. Als ihre Mutter sie hörte und herauf holte.

Von dem Tag an hatte sie ein Lebenlang diesen Alptraum vom Keller dem Fenster in dem sie klemmte und wurde erschossen.
Bye Alayna


Kommentar von Metta Maiwald

Bist Du jetzt wirklich angeschossen worden? Oder hast Du den Schuss nur gehört (deshalb wollte ich wissen, wo Peter den Schuss abgegeben hat, das meinte ich mit "draußen"), und die blutende Wunde taucht in Deinem Albtraum auf? Soviel zum Verständnis. - Hast Du die Möglichkeit, diesen Keller nochmal aufzusuchen? Mir hat es geholfen, einen bestimmten Ort, an dem ich das bisher schrecklichst Erlebnis meines Lebens hatte, immer wieder aufzusuchen, bis ich dort ohne zu Zittern wieder hingehen konnte.

Eingetragen am: 03.03.2008

Kommentar von Alayna

Hallo, Metta Maiwald danke für deinen Kommentar. Anna bin ich, fast so hat es sich abgespielt. Mäuse waren da und Spinnen. Es geschah fast vor 50 Jahren. Mein Trauma besteht heute noch. Die Keller waren alle miteinander verbunden. Durch die Häuserblocks. Es gab für mich kein draußen. Nur Dunkelheit und Angst, die großen Kinder sind abgehauen. Bis heute weiß ich nicht wohin, es ist niemand mehr da den ich fragen könnte. Ich verarbeite so langsam meine Vergangenheit, es ist wie ein Film der da abläuft, mit der Angst deshalb wahrscheinlich die vielen Fehler. Den Alptraum habe ich einmal im Monat, bin eingeklemmt im Fenster, dann höre ich Schüsse, ich werde getroffen und spüre wie das Blut aus mir rinnt. LG Alayna

Eingetragen am: 02.03.2008

Kommentar von Alayna

Hallo, danke putzi.Freut mich das es dir gefällt. Es ist keine erfundene Geschichte. Fast so hat sie sich abgespielt. Das Trauma ist bis heute vorhanden. Ein Steinchen zu einem Puzzle der Erkrankung von Panik und Angst. LG Alayna

Eingetragen am: 02.03.2008

Kommentar von Metta Maiwald

Die Dialoge finde ich sehr lebendig. Sie erinnern mich an meine eigene Kindheit. Da Du aber anscheinend mit der Zeichensetzung Probleme hast, werden einige Sätze nicht ganz klar. Es ist nicht immer deutlich, wer gerade spricht. Auch der Treffpunkt wird nicht genannt. Du wechselst die Erzählperspektive von der Ich-Erzählerin Ulla in die dritte Person. - Die Mäuse würde ich weglassen, meistens sieht man nur eine (wenn es welche gibt), die anderen hört man, und das auch eher nachts als tagsüber, und eher da, wo es was zu futtern gibt (wie z.B. in unserer Küche ;0) Der letzte Teil ist mir zu unklar und zu holperig formuliert. Wie kommt Anna denn jetzt von Ullis Wohnblock in den eigenen Keller, abgesehen davon, dass die Holzspaliere normalerweise abgeschlossen sind? Sind die Wohnblocks miteinander verbunden? Ich kenne das so, dass ein Keller von zwei Häusern aus zugänglich ist, aber immer vom Treppenhaus aus. Dann könnte Anna doch eine Tür nehmen. Wo gibt Peter den Schuss ab, also wo ist "draußen"? Der letzte Satz ist ja ganz verquer... Wenn sich meine Kritik etwas unfreundlich anhört, liegt es daran, dass ich mal wieder den ganzen Nachmittag vor dem Rechner hängengeblieben bin und schon ziemlich viele Kommentare geschrieben habe und eigentlich schon ein bisschen zu müde bin, um die Verpackung noch netter zu gestalten, ok? :o)

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Putzi

Hallo Alayna. Beim lesen Deiner Geschichte bekam ich eine Gänsehaut. Die Befürchtungen, was alles hätte passieren können, ließen mich nicht los. Leicht sagt man daher „es ist ja alles noch Mal gut gegangen“, doch entspricht das den Tatsachen? Die Zwangslage, in der Anna steckte, kann zu einer lebenslangen Klaustrophobie führen und das kann man wirklich nicht mehr als „gut gegangen“ bezeichnen. Die Geschichte hast Du sehr spannend erzählt, auch die kindgerechte Wortwahl der Dialoge hat mir ausgesprochen gut gefallen. Mach weiter so, einen Fan hast Du schon. Viele Grüße, Putzi

Eingetragen am: 01.03.2008

Eingetragen am: 29.02.2008 von Kalinka Kaprisnaja
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5381

Gefangen!

Lebenslänglich hinter Gittern! Dabei habe ich gar nichts verbrochen! Ich hatte noch nicht einmal eine Gerichtsverhandlung! Nur das Pech, als „Haustier“ auf die Welt zu kommen und von einer Zoohandlung verkauft zu werden...

Ich bin übrigens "Blacky", gehöre zur Gattung der Zwergkaninchen und mein Herrchen ist ein gutaussehender, lebenslustiger Student namens Thomas. Wenn Thomas nach einem arbeitsreichen Tag aus der Uni nach Hause kommt, öffnet er als erstes die Käfigtür und lässt mich durchs Zimmer hoppeln. „Hast Du wieder den ganzen Tag auf mich gewartet, du Armer?“, fragt er dann mitleidsvoll, während er mein Wasser erneuert oder mir frisches Futter gibt. „Na logisch,“ würde ich am liebsten antworten, “was soll ich denn sonst tun?“

Das aufregendste in meinem Leben ist, wenn Thomas’ hübsche Freundinnen zu Besuch kommen: Nicht nur, dass Thomas vorher den Käfig saubermacht, es gibt auch jede Menge Streicheleinheiten mit Kommentaren wie „Also der ist ja niedlich!“ oder „Mein Gott, ist der schön!“. Trotzdem - mein Leben ist kein Zucker-, bestenfalls ein Möhrenschlecken!

Und jetzt ist Thomas verreist! Nach Griechenland, dem Rucksack nach zu urteilen wird es eine lange Reise! Den Rucksack für diese Reise hat er wochenlang sorgfältig gepackt, sogar an Frühstücksmarmelade hat er gedacht, nur das Wichtigste hat er vergessen – mich!

Der Tag ohne ihn ist Stille, der Abend Stille und Hunger, die Nacht Stille, Hunger und Durst. Was soll nur aus mir ohne ihn werden? Ich glaube, das war’s – ich werde verdursten, verhungern und an Heimweh nach Thomas eingehen!

Da geht unsere Wohnungstür auf. Ach du liebes Lieschen! Der „Professor“ täppelt herein. Der „Professor“ wohnt in der Wohnung neben uns, ist Student im x-ten Semester, sieht aus wie der 50er-Jahre-Star Heinz Erhardt und ist (wie man durch unsere dünnen Wände hören kann) auch sein größter Fan. Dass Thomas mir den antut, das verzeihe ich ihm nie!

Der „Professor“ betrachtet mich intensiv durch meine Gitterstäbe und scheint zu überlegen. Hat er etwa Angst, dass ich vor Hunger in seinen Finger beiße, wenn er mir jetzt eine Karotte hinhält? Nein, er macht den Käfig auf...So schnell war ich noch nie auf und davon! Außerdem fest entschlossen, nicht mehr in meinen Käfig zurückzukehren! Wenn Thomas Urlaub macht, warum dann nicht auch ich?

Kurzentschlossen flüchte ich unter das flache Bett, unter dem mich der „Professor“ dank seiner Körperfülle garantiert nicht hervorholen kann. Doch so weltfremd, wie ich ihn eingeschätzt habe, ist er auch wieder nicht. Er schiebt das Bett beiseite, versucht mich zu packen, doch ich klopfe nur wütend mit meinen Hinterläufen und renne in die Küche. Auch da gibt es jede Menge Verstecke....

Etliche Stunden Hasenjagd und der „Professor“ hat die Nase voll: Erschöpft und frustriert, mit etlichen Bisswunden von meinen scharfen Zähnen, lässt er sich auf einen wackeligen Stuhl sinken, da klingelt es: Eine Kommilitonin von Thomas will ein Buch zurückbringen, und wo sie nun schon mal da ist, wenigstens „Blacky“ streicheln. Der „Professor“ wittert seine Chance: „Wenn Du den Hasen fertig gestreichelt hast, setzt Du ihn dann bitte wieder in den Hasenkäfig zurück?“

Tja, und jetzt bin ich leider wieder gefangen - Frauen kann ich einfach nicht widerstehen...


Kommentar von Kalinka Kaprisnaja

Entschuldigung! Carlotta sollte natürlich Carola heißen. Vielen Dank auch für den Kommentar von Birgit Jennerjahn-Hakenes. Ich habe den Text zwar in fünf Minuten einfach so geschrieben, der von Dir erwähnte Effekt war aber gewollt... LG Kalinka Kaprisnaja

Eingetragen am: 03.03.2008

Kommentar von kalinka kaprisnaja

Liebe Carlotta, Du hast es erkannt, Carlotta, es sollte ein Text für Kinder sein (Vorbild ist der leider verstorbene Christian Bienick mit den Kinderkrimis: Oberschnüffler Owald). Du hast auch die Schwachstelle bemerkt - Studenten sind für Teenies zu alt und die 50er Jahre erst recht. Du bist eine super Lektorin. Danke, Kalinka Kaprisnaja

Eingetragen am: 02.03.2008

Kommentar von Birgit Jennerjahn-Hakenes

Großes Lob, diese Geschichte habe ich sehr gerne gelesen und mit dem Kaninchen gefühlt. Besonders gelungen finde ich den Absatz: "Der Tag ohne ihn ist Stille, der Abend..." Dass jedesmal ein Wort hinzugefügt wird ist einfach super gelungen, das ist sehr poetisch, toll!

Eingetragen am: 02.03.2008

Kommentar von Carola Ottenburg

Die Geschichte liest sich leicht und gefällig. Daraus könnte eine nette Kindergeschichte werden, wenn Du Fremdworte, wie "Kommilitonin" und den Verweis auf Heinz Erhard streichst. Wenn Du ein erwachsenes Publikum ansprechen willst, trägt dieses Kaninchen m.E. aber eindeutig zu menschliche Züge (genauer gesagt, die eines Teens, der die Pubertät noch nicht ganz überstanden hat).

Eingetragen am: 01.03.2008

Eingetragen am: 29.02.2008 von Elisabeth
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5383

Lisa stand vor seinem Zelt. Da war ein Stück Papier an der Zeltwand befestigt. Sie leuchtete mit der Taschenlampe darauf und las: "Lisa, bitte, komm in mein Zelt, wecke mich..." Ihr Herz schlug heftig und nahm ihr fast den Atem. Sie versuchte das Zittern ihres ganzen Körpers, vor den zwei anderen die mit ihr Nachtwache im Zeltlager hielten, zu verbergen. Doch die hatten es auch schon gelesen und grinsten Lisa schadenfroh ins Gesicht. Lisa wurde rot und ging weiter. "Lisa, hey, du sollst doch Chris wecken...!" Lisa winkte gleichgültig ab: "Ein anderes Mal..."
Doch in ihrem Bauch flogen tausend mal tausend Schmetterlinge umher, stießen sich gegenseitig an und knallten an die Bauchdecke, um Lisa zu erinnern. Daran, wie er sie anschaut, wie sie seine Leidenschaft spürt, wenn er sie anlächelt. Dann entschwindet alles in ihr und sie fühlt sich leicht wie eine Feder. Und wenn er sie unbeabsichtigt berührt, kriecht diese wohlige Wärme in die winzigsten Eckchen ihres Körpers. Dieses Empfinden sollte niemals ein Ende nehmen!
Trotzdem schaffte sie es nicht in sein Zelt zu gehen! Etwas hielt sie davon ab. Sie konnte sich ihren Gefühlen nicht hingeben. Sie war befangen und gefangen!
Am nächsten Tag schaute Chris sie nicht mehr an. Und am Abend, als alle zum nahegelegenen Biergarten gingen, gehörte sein leidenschaftliches Lächeln Claudia. Die Hübsche, mit den schwarzen Locken, die so gar nicht schüchtern war. Arm in Arm und vergnügt schlenderten sie allen voran.
Das Stück Papier hing nicht mehr an seinem Zelt. Er wusste ja, dass Lisa noch einmal Nachtwache hatte.


Kommentar von tatmoor

da hat ein Etwas (ihre Intuition?) sie wohl zum richtigen Zeitpunkt festgehalten und ihre Befangenheit hat sich im Nachgang als berechtigte Vorsicht erwiesen...

Eingetragen am: 06.03.2008

Kommentar von Sylvia

Schöner, trauriger Text! Da möchte man weiter lesen! LG Sylvia

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Angela Thies

Die nicht gelebte Liebe - die Sehnsucht wirklich gut beschrieben, aber warum kann sie sich ihren Gefühlen nicht hingeben? Wer hält sie fest?

Eingetragen am: 29.02.2008

Eingetragen am: 29.02.2008 von Sigrid Leister
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5367

Dritter September, mein Todestag. Die Nachricht summte über Handy zu mir:"Heute ziehe ich aus, kam die Stimme kühl aus dem kleinen Apparat, der sich so wundervoll in meine Hand schmiegte...ich verstehe nicht!" "Ich bin weg tschüß!"
Diesen Augenblick habe ich nie vergessen. Die Erinnerung preßt mir den Brustkorb zusammen und Tränen schießen in meine Augen. Noch heute nach vier Jahren fühlt es sich wie ein Herz zerfetzender Dauerschmerz an. Jetzt verstehe ich den Ausspruch..."Er hat ihr das Herz gebrochen... Dieser Schmerz hält mich immer noch gefangen, kein hoffen auf Heilung, denn ich bin die Gefangene meiner Gefühle...ich liebe ihn...


Kommentar von Metta Maiwald

Entschuldige bitte, liebe Sigrid, wenn ich nach einem langen Nachmittag am PC nur noch zu sachlichen, nicht mehr zu emotionalen Kommentaren (so denn Dein Text autobiografisch ist) in der Lage bin. Anführungszeichen treten immer paarweise auf, sonst wird es für die Leserin verwirrend. Auch nach neuer Rechtschreibung schreibt man "herzzerfetzend" (wobei "herzzerreißend" stilistisch wohl besser wäre?) in einem Wort, oder es muss heißen "ein d a s Herz zerfetzender Schmerz". Die Regel ist, dass getrennt geschrieben wird, wenn kein Wort eingespart wird. Gewinn bringend/ es bringt Gewinn - herzzerreißend/ es zerreißt d a s Herz. Also wird das Wort "das" eingespart.

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Eva Marcuse

Ich würde gerne etwas mehr darüber erfahren, was ER an sich hat(te), dass es ihm gelingt, sie nach vier Jahren immer noch ganz in seinem Bann zu halten. Oder anders: Was genau hat sie verloren, dass sie ihren schon ihren 4. „Todestag“ begehen muss? Was ist in ihr gestorben?

Eingetragen am: 01.03.2008

Eingetragen am: 29.02.2008 von Monika
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5361

Es war November, und ein klater Wind fegte um das freistehende alte Haus, rüttelte an den Fensterläden und lies die Äste der alten Birke an die Scheibe schlagen. Ich war froh nicht alleine zu sein. Obwohl schon 14 Jahre alt fürchtete ich mich alleine in dem großen Haus alten Haus. Meine Eltern waren übers Wochenende zum 80. von Tante Gerda gefahren, ich hatte nicht mitgewollt. Zum Glück gab es Sabine, meine allerbeste Freundin seit Sankastentagen. Gemeinsam würde das ein super Wochenende werden. Bine kam kichernd aus der Küche und hielt die Flasche "Koch-Sherry" in den Händen, die meine Mutter neben dem Herd stehen gelassen hatte. "Wollen wir?..." Sabine hatte rote Backen vor Aufregung und ich wollte sie nicht endtäuschen. Wir nahmen jede einen Schluck aus der Flasche. Ich fand das Zeug scheußlich, aber das ist ja bekanntermaßen Geschmackssache. Sabine schien es hingegen zu schmecken und sie setzte gleich nochmal an. "Mensch Bine, das merkt meine Mutter doch!" Ich riss ihr die Flasche aus der Hand, stopfte energisch den Korken in den Flaschenhals und wollte die Flasche gerade weg stellen, als es gegen die Haustüre klopfte.
Bine, noch leicht sauer wegen der Flasche, blickte mich fragend an. Ich zuckte mit den Schultern "Keine Ahnung, wir machen einfach nicht auf..." Das Klopfen wurde energischer. Leise schlichen wir uns Richtung Hautüre, da knallte drausen ein Sylvesterböller und ein Prusten und Lachen setzte ein. Bine riss die Haustüre auf. Davor stand die halbe Truppe. Sven, Lisa, Anna und auch Björn, den ich seit unserem verpatzten Date nicht mehr gesehen hatte.
Sie stolperten lachend, diverse Flaschen im Gepäck in den Hausflur und Anna brüllte: "Partytime!"
Eine Flasche mit grellrotem Inhalt machte die Runde und ich fand deren Inhalt bedeutend schmackhafter als den Sherry meiner Mutter. Wer den Vorschlag machte, kann ich gar nicht sagen, auf einmal war er da: Licht aus, wir spielen "Fangen im dunklen!" Und im gleichen Moment hatte jemand auch schon die Deckenlampe ausgeschaltet. Keine Laterne schien herein, der Mond hatte sich verzogen und auch die kleine Stand-by-Leuchte des DVD-Recorders konnte den Raum nicht wirklich erhellen. Die Angst traf mich wie ein Hammerschlag. Vielleicht hatte ich gehofft, mit der Zeit etwas mutiger geworden zu sein, mit solch einer Panikatacke hatte ich jedenfalls nicht gerechnet. Kaum noch konnte ich Atmen. Irgendwo hörte ich Bine schreien, Sven wiehrte wie ein alter Gaul und dann war es wieder still. Langsam bewegte ich mich hin zu Vaters Schreibtisch. Ich tastete das Holz, lies mich langsam auf den Boden sinken und fand Sicherheit in dem kleinen Raum, der normalerweise für die Beine vorgesehen ist. Durchatmen! Ruhig bleiben... was hatte mir die Therapeutin seinerzeit geraten?
Das Lachen und Quietschen meiner Freunde klang nur noch gedämpft an meine Ohren. Ich hörte mein Herz hämmern, laut, alles übertönend. Ruhig bleiben! Einatmen, ausatmen... langsam wurde ich ruhiger... wie lange sollte ich hier sitzen bleiben? Ich war gefangen von meiner Angst.

Je ruhiger ich wurde, desto mehr Geräusche konnte ich wahrnehmen. Im Oberen Stock war etwas umgefallen, ein Stuhl wahrscheinlich, irgendwer schlich die Treppe hinunter, ich kannte das Knarren jeder einzelnen Stufe seit ich entdeckt hatte, dass die tollsten Filme mitten in der Nacht kamen. Und dann hörte ich es aufeinmal ganz in meiner Nähe - Athmen... es atemte ganz in meiner Nähe. Schon meinte ich einen Hauch an meiner Wange zu spüren.... ich befürchtete ohnmächtig zu werden. "Ist da auch noch Platz für mich?" Ich riss die Augen auf und welch Wunder, trotz der Finsterniss konnte ich schemenhaft Björns Strubbelkopf erkennen. Ohne die Antwort abzuwarten klemmte er sich zu mir unter den Schreibtisch....... mein Herzrasen setzte wieder ein...


Kommentar von Malea

Deine Geschichte gefällt mir sehr. Jaja, so war das damals ;-) Gut getroffen. Das einzige kleine Popelchen Kritik: Es sind ziemlich viele Rechtschreibfehler, die den Lesefluss ein wenig stören. Mein Tipp: Schreib doch ganz normal offline mit Word und Rechtschreibprüfung und übertrage den Text dann mir Copy/Paste in das Onlineformular. Da musst Du dann nur noch die Absätze wieder einfügen. Freue mich auf Deinen nächsten Text :-)

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Angela Thies

Aber das zweite Herzrasen kam hoffentlich aus anderem Grund. Dein Text bringt die Zeit und das Lebensgefühl der Jugend toll rüber. Das Gefühl der Panik könnte von mir aus noch intensiver beschrieben werden.

Eingetragen am: 29.02.2008

Kommentar von Fledermaus

Herzrasen 2 - Der Beginn einer Teenagerliebe? :O) Deine Geschichte hat mich mitgenommen unter den Schreibtisch, wo die 14jährige gegen ihre Angst vor der Dunkelheit kämpft, die ihre Freunde nicht bemerken sollen. Gut gelungen!

Eingetragen am: 29.02.2008

Eingetragen am: 29.02.2008 von Steffi Schulze
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5340

Noch ist es Nacht, und die erst später aufgehende Sonne lässt sich noch nicht erahnen, aber dennoch keimt in diesem Moment schon der Abschied von den nächtlichen Stunden. Es sind weniger die vereinzelt und noch wie im Schlaf klingenden Stimmen der Vögel, die ihr Lied bald anstimmen und den neuen Tag begrüßen werden, als vielmehr eine Ahnung, die in der Luft liegt, vom kommenden Morgen, schmerzlich-süß, die sich erhebt bis in die Äste des Baumes, Zweige und Blätter streift und eine Blüte berührt, die nicht wie alle anderen noch ruht und tief die klare Nachtluft atmet. Ein paar Blüten sind noch ganz jung, eben der Knospe entsprungen und erst der kommende Tag mit seinen nährenden Sonnenstrahlen wird sie in voller Pracht aufblühen lassen. Es warten schöne Tage auf sie, ein Sommer voller Sonne, eine Zeit mit der Zärtlichkeit des Windes und das Spiel der Insekten, wenn sie ihre Rüssel in den süßen Nektar tauchen und so die Seele der Blüten ins Weite tragen. All das hatte sie noch nicht erfahren, und diese Nacht würde die letzte sein, die sie von all dem noch trennte.
Das Fenster im Zimmer ist weit geöffnet, es wurde nie geschlossen - in dieser Nacht, die nur in Form des Vorrückens der Uhrzeiger stattgefunden hatte, so, als wollten diese einen Wettlauf gewinnen.
Es ist nicht die Wärme, die selbst in Abwesenheit des flammenden Gestirns nur wenig milder geworden war, die das Mädchen seufzen lässt; es sind Erinnerungen, die durch die Gedanken wabern, und hoffen auf Momente, deren Geburtsstunde noch unklar ist. Es sind die Augenblicke, die ewig und lächerlich kurz zugleich sind, wie wenn man als Kind krank niederliegt und wartet; auf das nächste Bilderbuch, ein Eis, dass es Abend wird und sich zugleich doch davor fürchtet.
Die Sterne verblassen ganz langsam am morgendämmernden Himmel, als wollen sie sich mit ihrem langsamen Verschwinden dafür entschuldigen, dass sie sowieso zu weit sind, um zu helfen.
Es sind nur Gedanken, die den Mann an ein Spiel in seiner Kindheit erinnern: Wenn das jetzt passiert, dann wird es so sein, was ich mir wünsche. Aber es gibt in diesem Zimmer keine Mutter, die jeden Moment zum Essen hätte rufen können, es gibt keine Münze, die er hätte werfen können, um eine bestimmte Seite zu erwarten. Durch die halbgeschlossen Augen und das weit geöffnete Fenster diese Blüte sehend, lächelt er müde. Nein, er war kein Kind mehr und sie würde nach unten fallen, das Fenster liegt nicht auf ihrem Weg, sie ist noch geschlossen, würde erst aufblühen und leben wollen.
So wie diese Blüte verschließt auch er sich vor der Außenwelt, im Zustand des Halbdunkels ist es leichter, nicht zu denken, jetzt nicht, vielleicht später. Jetzt nur spüren, alle Erfahrung in eine andere Zeit mitnehmen.

Es sieht zärtlich aus, die lachsfarbene Blüte auf dem weichen Körper des Mädchens und nur eine Ahnung bleibt von der üppigen Vollendung, hätte der Sommer sie aufblühen lassen. Nicht mal die schmalen roten Rinnsale, die sich jetzt langsam ihren Weg über diese vereinten Körper bahnen, können dieses Bild zerstören und als das Bersten des Holzes endlich verhallt, das nach dem Geräusch des einschlagenden Blitzes und dem nicht enden wollenden Splittern des Baumes fast erleichternd klingt, kann er auch das Rufen der Mutter hören. Genau jetzt, und es ist ein bübisches Lächeln auf seinem Gesicht, darüber, dass es geglückt ist, so wie damals. Sein Wunsch war in Erfüllung gegangen, dieser Morgen hatte es nicht geschafft, sie zu trennen...


Kommentar von Metta Maiwald

Liebe Steffi, Deine Leser wünschen sich, dass Du den Schleier des Geheimnisses ein wenig weiter lüftest. Tust Du uns den Gefallen?

Eingetragen am: 10.03.2008

Kommentar von Metta Maiwald

Zarte Poesie als ver-rückte Empfindung eines Mannes, der Gewalt mit Liebe gleichsetzt? Das Unverständliche, nur Angedeutete des Textes ist es, was mich zugleich in den Text hineinzieht, mich beunruhigt, aber auch unzufrieden hinterlässt, weil sich mir die Bedeutung doch nicht erschließt.

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Angela Thies

Sehr anspruchvoller Text - starke Worte und Sätze. Ich ahne ensetzliches, weiß aber nicht was. Es bleiben zu viele Rätsel.

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von carlottablau

Ich stelle ein Zwischenspiel zwischen zarten, auch kitschigen Worten und einer gewaltsamen Realität fest. Assoziationen; Vergewaltigung, Mord, aber auch Entjungferung.

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Sigrid Leister

Dein Text liest sich sehr schwierig, ist sehr schwülstig. Vielleicht hilft dir...weniger ist mehr

Eingetragen am: 29.02.2008

Kommentar von Ginko Korn

Ich liebe kryptische Texte und denke gern um viele Ecken, aber hier fühle ich mich doch überfordert. Ein Rätsel, verpackt in zarte Formulierungen, mit Schleifchen und Schnörkeln.

Eingetragen am: 29.02.2008

Kommentar von Fledermaus

Ich warte auf die platzenden Granaten und das goldglänzende Jungenhaar der nackten Kunstjünger. *g* Dein Text bewegt sich auf Kosten der Leserlichkeit in einer anderen Stilepoche - die skizziert Du auch sehr gut. Das Ende - die letzten Sätze ab dem Baumsplittern - kann ich irgendwie nicht greifen.

Eingetragen am: 29.02.2008

Eingetragen am: 29.02.2008 von Mara Vaal
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5331

Ich stand vor der verschlossenen Haustür und sah ein, dass es idiotisch gewesen war, einfach wegzulaufen. Wir hatten eine kleine Party gefeiert. Es wurde viel gelacht und getanzt. Alle hatten reichlich getrunken. Und dann war mitten im Trubel Didi gekommen und hatte diesen Satz gesagt. Didi hatte immer eine merkwürdige Art, mit einem zu sprechen. Sie sah an einem vorbei und verzog kaum das Gesicht. Aber sie kam einem immer nahe, legte einem ihre Hand auf den Arm oder drängte sich in einer Umarmung an einen. Didi hatte also wie im Vorbeigehen diesen Satz gesagt und zum Abschluss ihre Wange an meiner gerieben. Danach war sie gegangen und meine Stimmung war nicht mehr zu retten gewesen, als hätte ein Weinglas einen Sprung bekommen.

Ich hatte mich ohne zu überlegen davon gemacht, war aufs Fahrrad gestiegen und durch die Wiesen geradelt. Ich wollte nur mal kurz so tun, als ob ich frei sei, den Duft des feuchten Grases atmen, den kühlen Wind auf der Haut spüren. Als ich zurück kam, lag das Haus im Dunkeln. Die Gäste waren fort. Tomo, mein Mann, war nicht zu sehen. War es schon so spät? War ich so lange fort geblieben? Ich rüttelte an der Klinke, sinnlos. Die Tür blieb zu.

Ich war jetzt müde und wollte unbedingt in mein Bett. Schlafen, vergessen. Ich klingelte. Erst kurz, dann länger. Nichts rührte sich. Wo war mein Mann? Das Auto stand in der Einfahrt. War er mit jemandem fortgefahren? Ich konnte ihn nicht anrufen. Ich hatte keine Schlüssel, kein Handy, kein Geld. Langsam ging ich ums Haus. Vielleicht hatte Tomo hinten eine Tür offen gelassen?

Die Rollläden der Terrassenfenster waren heruntergelassen. Die Küchentür war sorgfältig abgesperrt. Mir war plötzlich kalt. Mein Herz pochte schneller. Das hier war kein Scherz. Ich würde die Nacht im Garten verbringen müssen. Das verschlossene Haus wirkte abweisend. Hatte mein Mann mich absichtlich ausgeschlossen? Wollte er mir eine Lektion erteilen?

Mein Verstand arbeitete jetzt glasklar. Es musste doch einen Weg geben, in dieses Haus zu gelangen. Ich wollte wissen, was los war. Und ich sehnte mich nach der Wärme meines Bettes. Mein Blick glitt an der Fassade des Hauses entlang. Oben war das Schlafzimmerfenster, daneben der Balkon meines Arbeitszimmers. Die altmodische Balkontür hatte ein Oberfenster, das ich meist offen ließ, damit die Katze nachts ins Haus gelangen konnte. Na bitte, das war meine Chance.

Ich stellte den Terrassentisch gegen die Hauswand und holte eine Strickleiter, die unsere Tochter immer benutzt, um in dem Apfelbaum herumzuklettern. Dann stieg ich auf den Tisch, warf die Strickleiter über das Balkongitter und knotete sie fest. Vorsichtig stieg ich hinauf. Hoffentlich hielt das Tau. Schließlich landete ich auf dem Balkon. Das Oberfenster war kleiner als ich es in Erinnerung hatte. Würde ich da überhaupt durchpassen? Ich musste es versuchen und schwang mich hoch. Anfangs schien alles gut zu gehen, aber als mein Oberkörper schon halb in dem Zimmer war, blieb ich mit den Hüften stecken. Ich war eingeklemmt und konnte nicht vor und nicht zurück.

Jetzt war ich verzweifelt. Ich japste nach Luft und schrie in das Haus hinein. In dem Schlafzimmer rührte sich weiterhin nichts. Ich brüllte lauter und lauter: „Tomo, Tomo, wach endlich auf, du Blödmann.“ Im Haus blieb alles still. Dafür gingen jetzt bei den Nachbarn die Lichter an. Du lieber Himmel! Auf keinen Fall wollte ich von den Hansens in dieser Lage entdeckt werden. Ich verstummte. Mein ganzes Leben schien mir plötzlich unwirklich. Ich konnte nicht mehr glauben, dass ich eigentlich Lehrerin war und Mutter eines Kindes. Es stimmte nicht, dass ich vor Jahren geheiratet hatte und schon beinahe ein halbes Jahrhundert auf dieser Erde lebte. Mein Leben bestand nur noch aus diesem verdammten Fensterrahmen, in dem ich feststeckte. Der Druck auf meiner Brust nahm zu. Ich wollte frei sein. Ich wollte raus.

Noch einmal nahm ich meine Kraft zusammen und stemmte mich gegen das Fensterholz. Meine Hose zerriss und ich purzelte kopfüber zu Boden. Nach einigen Minuten stand ich benommen wieder auf den Füßen. Ich schlich ins Schlafzimmer. Tomo lag dort, schnarchend. Der Geruch von Rotwein hing in der Luft. Ich nahm meine Bettdecke und legte mich aufs Sofa meines Arbeitszimmers. „Warum hast Du mich ausgesperrt?“ fragte ich ihn am nächsten Morgen. „Bist Du verrückt?“ erwiderte er. „Du hast doch schon geschlafen, als unsere letzten Gäste nach Hause gingen.“ Nach einigen Minuten fügte er grinsend hinzu: „Didi meinte übrigens, Du solltest Dich etwas mehr um mich kümmern. Ich sähe so schlecht aus in letzter Zeit.“
„Ja, das hat sie mir auch gesagt“, antwortete ich.


Kommentar von Mara Vaal

Danke für die Kommentare. Stimmt, ich habe nicht beschrieben, wo das Haus liegt. Das liegt vermutlich daran, dass ich bei der Geschichte auf eine Erinnerung zurückgegriffen habe: In meiner Erinnerung ist die Lage des Hauses völlig eindeutig. Aber für den Leser ist sie es natürlich nicht. Daher war das ein guter Tipp: Lücke zwischen eigener Erinnerung und dem, was der Leser braucht, um ein ähnliches Bild zu sehen, schließen. Zu tatmoor: Lach nur. Bin auch Lehrerkind!

Eingetragen am: 07.03.2008

Kommentar von tatmoor

sorry, aber bei deiner Geschichte legt sich ein fettes Grinsen auf mein Gesicht... Zu komisch, das Bild der Lehrerin die im Oberlicht klemmt... (sorry, ich bin Lehrerkind, ist so eine natürlich gewachsenes Feindbild :-))

Eingetragen am: 06.03.2008

Kommentar von Metta Maiwald

Fieses Gefühl, so nachts ausgesperrt vorm eigenen Haus zu stehen, das hast Du gut beschrieben, und obwohl ich die Rolle der Didi nicht so ganz verstanden habe (wollte die sich jetzt irgendwie an Tomo ranmachen oder einen Keil zwischen Euch treiben???), wurde durch sie ja das körperliche Ausgeschlossensein auch zu einem seelischen. Besonders gefiel mir, wie durch die Beschreibung einiger Details des Hauses ein Bild entstand, obwohl ich nach der Beschreibung der Wiesen (es fehlte die Dorfstraße) überrascht war, dass in Hörweite noch Nachbarn wohnen.

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Elisabeth

Spannend erzählt!

Eingetragen am: 29.02.2008

Eingetragen am: 29.02.2008 von Sina
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5334

Malta 1987. Wer glaubt auf Malta könnte man nicht gefangen sein, der irrt sich. Und wer glaubt, auf Malta gefangen zu sein, ist nicht so schlimm, der hat nur zum Teil recht.

Klaus und ich wollten von Malta aus über Italien weiter nach Griechenland reisen. Die Tickets für die Fähre von Malta nach Italien hatten wir in der Tasche, die Nacht verbrachten wir im Park beim Hafen von Valetta. Wir waren nicht die einzigen Rucksacktouristen. Es hatte sich herumgesprochen, dass man zeitig bei der Fähre sein sollte.
Mit dem Sonnenaufgang wachten wir auf. Das war keine Kunst, denn kleine Mücken hatten uns die ganze Nacht über gepiesackt. Der Abschied von Malta fiel uns leicht, zumal wir in Gedanken schon bei unserer nächsten Station waren. Wir rollten unsere Schlafsäcke zusammen, packten den Rucksack und marschierten zur Anlegestelle.
Noch waren nicht viele Leute da, wir standen weit vorne in der Schlange.
Langsam quälte uns der Hunger. Stoisch hielten wir durch, zumal die Schlange hinter uns von Minute zu Minute länger wurde. Das Frühstück musste warten bis wir auf dem Schiff waren. Gerüchte erreichten unsere Ohren, wonach man nur mit einer Reservierung aufs Schiff kam. „Siehst du, gut dass wir so früh da sind“, sagte ich zu Klaus.
Der verdrehte nur die Augen, denn inzwischen knallte die Sonne auf uns und er hatte Hunger, was ihn ungemütlich werden ließ.
Wir wurden immer stärker nach vorn gegen die Absperrgitter gedrückt. Jede Bewegung auf dem Schiff wurde mit Kommentaren verfolgt. „Jetzt geht es gleich los.“
Es dauerte jedoch noch endlos lang, bis Matrosen endlich die Gangway herunterließen. Bewegung kam in die Massen, das Drücken und Stoßen nahm zu. Schrittchen für Schrittchen ging es vorwärts.
Aber nicht alle Leute wurden auf Schiff gelassen. Immer wieder wurden welche abgewiesen. „Das sind die ohne Reservierung“, hieß es.
Ein ungutes Gefühl breitete sich in meinem Magen aus. Das war nicht der Hunger.
Eine Mann mit in einer blauen Uniform kam und rief: „Wer eine Reservierung hat, kommt hier her.“
Einige Leute traten aus der Schlange. Ich sah ihnen wehmütig hinterher. Klaus zuckte nur mit den Schultern. „Klar, die lassen zuerst die mit Reservierungen drauf, dann sind wir dran.“
Wir mussten zusehen, wie immer mehr Leute an uns vorbei zum Schiff gingen.
Warum hatte man uns das mit der Reservierung nicht gesagt? Gab es noch freie Plätze? Die Verzweiflung ließ meine Gedanken nur noch um eines kreisen: wie kommen wir auf dieses Schiff? Vergessen waren die herrlichen Tage auf Malta, vergessen war der Strand, vergessen war alles Schöne um mich. Ich spürte wieder die Mückenstiche von der Nacht zuvor. Der Qualm der Schornsteine biss mir in der Nase, der Müll müffelte, die Sonne brannte mir auf den Kopf.
Dann sah ich, wie Leute an der Seite durchgingen und im Schiff verschwanden. Das war die Gelegenheit. Klaus und ich folgten ihnen. Ich spürte mein Herz pochen, als wir diesem Riesen aus Metall immer näher kamen. Wir betraten die Gangway und gingen nach oben. Was konnte jetzt noch schiefgehen? Wenn wir erst einmal oben sind, schicken sie uns nicht mehr zurück. Da war ich mir ganz sicher.
Wir hielten unsere Tickets hin. Der Mann in Uniform sah sie an, verzog das Gesicht und schüttelte den Kopf. „Sie haben nicht reserviert.“ Er zeigte uns die Richtung, in die wir gehen sollten.
„Hier ist doch noch genug Platz auf dem Schiff.“
„Bitte gehen Sie.“
„Aber wir haben ein Ticket, wir haben für die Rückreise bezahlt.“
„Das Schiff ist voll gebucht.“
„Gibt es noch Plätze für Leute die nicht reserviert haben?“, wollte ich wissen.
„Das weiß ich nicht.“
Ich wurde immer wütender und hätte mich Klaus nicht zurückgehalten, ich wäre vielleicht sogar handgreiflich geworden. Um meinen Verstand errichtete sich eine Mauer der Verzweiflung. Ich wollte nur noch weg von hier. In meiner Aufregung, meinem Ärger merkte ich nicht, wie die Leute mich anstarrten. Das erzählte mir Klaus erst hinterher. Er schob mich sanft vom Schiff, hinter die Absperrung.
„Komm es hat keinen Sinn, lass uns ins Reisebüro gehen und für die nächste Fähre reservieren.“
„Die fährt aber erst in drei Tagen!“ Ich blieb stehen und hielt mich an der Absperrung fest. Klaus hatte keine Chance mich vom Fleck zu bewegen.
Bis die Gangway hochgefahren und der Anker gelichtet wurde, gab ich die Hoffnung nicht auf. Wir blieben, bis das Schiff nur noch als kleiner Fleck am Horizont zu sehen war.
Wo sich noch vor kurzem die Menschen gedrängt hatten, standen jetzt nur wir beide. Ich konnte die Tränen nicht mehr zurück halten. Wir waren auf der Insel gefangen und ich in meinem Groll.

Nachtrag: Es dauerte fast einen Tag, bis ich mich aus meinem Groll befreit und wir eine wunderschöne Küste gefunden hatten. Dort verbrachten wir die drei Tage und es waren die schönsten Tage unseres Urlaubs.


Kommentar von Metta Maiwald

Wieviele Möglichkeiten es doch gibt, gefangen zu sein... Und da sage mal einer, Bürokraten gibt's nur in Deutschland... Erinnerungen an eigene Urlaubserlebnisse (in Valetta stinkt nicht nur der Müll sondern auch der Taubendreck und diese fiesen Mücken gibt es auch am Strand von Heraklion/ Kreta), das Unausgeschlafensein, der Hunger, die sengende Sonne... Deshalb habe ich den Text gern gelesen. Auch dieser Gegensatz der Pärchens (hibbelige Frau, besonnener Mann) kam mir i r g e n d w i e bekannt vor. ;o)

Eingetragen am: 01.03.2008

Eingetragen am: 28.02.2008 von Anna
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5301

Wie aus dem Nichts war es ganz plötzlich wieder da. Es tat weh und fühlte sich an, wie wenn sich in ihrem Innern ein Krater öffnete. Sie kannte diesen Schmerz. Damals hatte sie sich hineinziehen lassen, in diesen unendlich tiefen Krater. Es brauchte Tage, Wochen, Monate bis sie wieder draussen war. Und seither vermied sie, sich nur dem Rand des Kraters zu nähern.
Aber als er sagte, dass er am nächsten Sonntag zur Taufe seines Enkelkindes eingeladen war, öffnete sich der Krater blitzschnell wieder.
Es war eine wunderschöne, aber auch unmögliche Beziehung, in der sie steckte. Alle seine Familienangehörigen, seine Töchter, seine Söhne und auch seine Ehefrau, möchten sie gerne. Aber bei den Familienfesten war sie ausgeschlossen. Das tat weh, verdammt weh. Jetzt hatte sie nur ein Ziel, sich nicht wieder von dieser ausweglosen Spirale in den Krater hinunterziehen zu lassen. Sie brauchte im Moment alle Energie für ihr berufliche Tätigkeit.

Sie wurde ganz ruhig und stellte sich vor, wie sie innerlich an diesem unheimlich schwarzen Kraterrand stand. Sie stellte sich vor, dass dieses dunkle Loch immer kleiner wurde und ihre Gestalt immer grösser. Sie stellte sich vor, dass dieses dunkle Loch die Grenze von ihrem Territorium zu seinem Territorium war. Sie nahm die volle Verantwortung für ihr Territorium wahr. Und sie entschied, dass der Eingang des Kraters nie mehr so gross werden durfte, dass sie hineinfallen könnte.

Eigentlich wollte sie nach ihrer Scheidung alleine leben, frei sein für ihre vielen Interessen und Aufgaben. Aber da begegnete sie ihm auf schicksalhafte Weise und freundete sich mit ihm an. Er war ein sehr humorvoller und liebenswürdiger Mann. Aus einem speziellen Grund lebte er nach aussen immer noch in einer intakten Familie. So gehörten auch solche Familienanlässe wie eine Taufe dazu.
Die Freundschaft mit ihm war sehr schön und echt bereichernd. Aber immer bei so Familienfesten musste sie sich mit aller Kraft dagegen wehren, wieder in diesem unendlichen Krater zu landen.

Und dieses Mal war es ihr geglückt und das machte sie stark und unantastbar.


Kommentar von M.P.

Gut gelungen, gefällt mir sehr. Auch die Beschreibung mit dem Krater finde ich passend, diese Gefühl, an einem Abgrund zu stehen.

Eingetragen am: 29.02.2008

Kommentar von Sylvia

Mir gefällt dein Text! Das Bild mit dem Krater ist gut gelungen. Du regst den Leser zum Nachdenken an! Weiter so!!! LG Sylvia

Eingetragen am: 29.02.2008

Eingetragen am: 28.02.2008 von Tina
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5303

Mit Speck fängt man Mäuse...

Mmmh, was duftet denn hier so laut? Riecht verdammt nach einem leckeren Stück Schinken gemischt mit einer alten Käserinde. Das ist doch genau das richtige Abendbrot. Schade, dass es hier oben so düster ist. Da werde ich mich wohl allein auf meine Nase verlassen müssen. Auch kein Problem. Der Modergeruch der Bodenbrettern stört etwas. Könnte einem fast den Appetit verderben. Uii, und hier gammelt eine mumifizierte Wespe vor sich hin. Armes Ding, muss sich wohl verflogen haben. Rein finden sie immer durch jede Ritze, aber sie sind zu blöd um wieder hinaus zu gelangen. Könnte mir nie passieren.
Ahhh, jetzt kann es nicht mehr weit sein. Vorbei an den Kisten mit dem Duft nach Wachs und alter Tanne. Dann die Ordner mit dem muffigen Papiergeruch, ja, und gleich daneben die Klamotten. Das werde ich nie verstehen, wie man Kleidung hier oben aufbewahren kann. Den abgestandenen Mief kriegst du nie wieder raus. Im Winter riecht es nach Feuchtigkeit, im Sommer nach Hitze und Staub. Und die restliche Zeit nach altem Holz und Dachpappe.
Mmh, langsam wird’s heiß, heißer, gleich muss ich da sein. Dieser himmlische geräucherte Geruch mit einem leichten Hauch von fettigem Speck. Genau so hab ich es gern. Ich möchte wetten, es ist ein Katenschinken. Für Serrano ist das Aroma zu kräftig und für einen Schwarzwälder zu nuanciert. Es könnte natürlich auch ... merkwürdig, warum wird es hier plötzlich so eng? Zugegeben, ich hab' gar nicht mehr darauf geachtet, wohin ich gegangen bin. Ist auch egal, denn meine Nase sagt mir, dass ich am Ziel meiner Wünsche bin. Was für ein Genuss, dieser Schinken zergeht auf der Zunge. Die Käserinde spare ich mir als Nachtisch auf.
Ach, das Leben kann schön sein. Aber seltsam ist es schon, dass hier oben Essen liegt. Das ist wirklich das erste Mal, seitdem ich hier wohne. Gegessen wird doch normalerweise unten in der Küche. Oder im Esszimmer. Das hab ich selbst gesehen. Aber nur kurz, wenn sie mich da erwischen, geht’s richtig rund. So rund wie mein Bauch jetzt ist. Ob ich gleich hier ein Nickerchen mache? Oder lieber in meiner gemütlichen Höhle. Im eigenen Bett schläft es sich doch immer noch am besten. Ich kann mir ja einen Rest Käse als Betthupferl mitnehmen.
Vorhin war hier doch noch ein Eingang. Wo ist der denn geblieben? Was machen überhaupt die vielen Stäbe hier? Huhu, Ausgang, wo bist du? Ich bin doch hinein gekommen, dann wird es auch irgendwo wieder hinaus gehen. Was haben wir denn hier? DAS ist doch nicht wirklich die Röhre, durch die ich mich vorhin gezwängt habe. Okay, sie war eng, aber jetzt ist es unmöglich, sich hindurch zu schieben. So viel kann das Essen nun wirklich nicht ausmachen. Scheiß auf den Käse, ich brauche beide Hände um hier heraus zu kommen. Aussichtslos, die Öffnung ist zu klein. Es muss doch noch einen anderen Ausweg geben. Einen anderen Ausweg. Anderen Ausweg. Ausweg.
Keine Chance, auch wenn ich hier noch 50 Mal im Kreis herum laufe, es gibt keinen Ausgang.
Ich glaub' das nicht, das ist eine Falle. Eine blöde, dämliche von Menschen aufgestellte Falle.
Und ich bin darauf reingefallen. Ich, ausgerechnet ich, wie konnte mir das passieren?
Weil du nur auf deine verdammte Nase gehört hast und nicht auf deinen Verstand. Der war benebelt von feinen Düften. Katen oder Serrano – was spielt das jetzt noch für eine Rolle? Sie werden dich umbringen. Sie werden dich in den Garten tragen und mit der Gabel platt schlagen. Vielleicht war auch der Schinken schon vergiftet. Hatte er nicht einen merkwürdigen Beigeschmack für einen Katen?
Ich bin zu jung zum Sterben! Im Frühjahr wollte ich eine nette Gefährtin suchen und eine Familie gründen. Es ist unfair! Ich muss hier raus! Hilfe, hört mich denn keiner? Ich drehe durch. Ich werde wahnsinnig. Ich renne mit dem Kopf gegen die Stangen. Irgendwie werde ich mich durch quetschen, irgendwie schaffe ich das. Ich schaffe – es nicht. Das ist mein Ende. Wenn ich hier lebend herauskomme, verspreche ich, nie wieder Schinken zu essen. Warum ausgerechnet ich? Warum?
Meine Güte, reiß dich zusammen. Wenn dich jemand so winselnd liegen sieht, dann ist das zumindest das Ende deines guten Rufes. Du musst den Tatsachen ins Auge blicken: Keiner wird kommen um dich zu befreien. Wer soll dich hier finden? Vielleicht die Wespenmumie? Sei nicht albern, keiner wird dich retten – außer du selbst. Also, heißt es jetzt erst einmal die Ruhe bewahren. Du bist doch ein kluges Köpfchen. Lass, dir etwas einfallen. Atme tief durch. Überlege.
Okay, jeder Käfig hat eine Tür. Wo ist hier die Tür? Bei meinem wilden Herumgerenne habe ich sie natürlich übersehen. Da haben wir sie doch. Sieht gar nicht so schwierig aus, der Verschluss. Mit meinen kräftigen Beißerchen sollte ich das wohl hin bekommen. Geht doch nicht so einfach, wie ich dachte. Was ist das für ein Geräusch? Heilige Käserinde, Schritte. Sie ziehen die Bodentreppe aus. Mir bleibt nicht mehr viel Zeit. Warum bewegt sich dieser Draht nicht ein Stück? Und die Schritte sind schon auf der Treppe. Los, geh auf. Geh auf. Vielleicht sollte ich es mit den Pfoten versuchen. Die Schritte sind schon fast oben. Vielleicht sollte ich mich tot stellen. Dann schmeißen sie mich einfach auf den Kompost.
Oder in einem Plastiksack in die Mülltonne. Keine gute Idee. Probier's weiter, du musst es einfach schaffen. Nimm deine vorderen Schneidezähne und klemm sie unter den Verschluss. Mach schon.
Gute Güte, die Dachluke öffnet sich. Licht fällt ein. Ich sehe bereits einen Kopf. Gleich ist alles aus. Ich kriege diesen verdammten Verschluss – auf... Frei! Raus hier, weg hier. In Sicherheit.
Dieses Versprechen, großer Mäusemeister, dieses Versprechen, das ich vorhin gegeben habe, das muss ich doch nicht wirklich einhalten, oder?!


Kommentar von Linde

Was ist das für eine reizende Geschichte. Gefällt mir sehr gut.

Eingetragen am: 05.03.2008

Kommentar von Tina

Vielen Dank für Eure Kommentare und all die Anregungen - vor allem auch die Kritik an dem Punkt mit der Kleidung. Da habt Ihr wirklich recht. Gefreut habe ich mich auch, dass Ginko Korn die gleiche Auffassung von Sprache hat: Man darf mit den Wörtern durchaus spielen. Wer einmal Dylan Thomas gelesen hat, wird davon fasziniert sein. Viele sehen die kleine Story im Kinderbuchbereich, was ja auch okay wäre (hab z.B. ein Kinderbuch in der Schublade liegen, das kein Verlag will). Mir gefiel die Idee von der Fabel oder dem Zeichtrickfilm allerdings besser. Und auf Wunsch noch einmal mein Kommentar für Birgit: Wenn ich jemals ein Kinderbilderbuch (also für recht kleine Kinder) schreiben sollte, würde darin garantiert keine Maus mit dem Spaten erschlagen werden - auch keine Andeutung darauf stattfinden. Viele liebe Grüße - Tina

Eingetragen am: 03.03.2008

Kommentar von Gerhild Bauer

Eine fröliche Hoffnungsgeschichte! Beiß die Zähne zusammen und du schaffst es! Schön!! Harald

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Eva Marcuse

Heilige Käserinde, ist das eine Spitzenerzählung! Klasse. Chapeau. Das Versprechen an den großen Mäusemeister musste ich allerings am Ende nochmal suchen. Weil du es zum Schluss nochmal aufgreifst, sollte es beim ersten Mal etwas deutlicher hervorgehoben sein.

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Jutta Wölk

Hallo Tina, sehr spannend und witzig geschrieben, die Maus tat mir richtig leid. Gruß Jutta

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Ginko Korn

Mit Speck fängt man Mäuse und mit ungewöhnlichen Einstiegen fängt man Leser. Es geht nicht um Physikunterricht. Also dürfen Schinken laut oder leise riechen, Glocken süß oder sauer läuten, Messer sich scharf oder salzig anfühlen, Getränke hell oder dunkel schmecken und Farben giftig oder bekömmlich leuchten. Nur weiter so !

Eingetragen am: 29.02.2008

Kommentar von Mema

Hallo Tina, stellst Du vielleicht Deine Antwort an Birgit unter ihrem Text (5283) nochmal für alle anderen hier ein, denn hier gehört sie hin.

Eingetragen am: 29.02.2008

Kommentar von Malea

Schöne Geschichte! Kann, aber muss nicht für Kinder sein. Der Anfang ist mir noch etwas zu menschenorientiert - das wurde auch schon gesagt - ich würde die Kleidung weglassen (eine Maus hat eigentlich keine Bezug dazu). Du baust schön die Spannung auf und lest den Leser grade so viel voraus ahnen, dass er mit einem Lächeln dran bleibt.

Eingetragen am: 29.02.2008

Kommentar von Angela Barotti

Mir hat die Überheblichkeit gefallen, mit der die Maus die Wespenmumie kommentierte, ihre Hochnäsigkeit, sich für schlauer zu halten, um dann beinahe das gleiche Ende zu finden. (Hätte sie das gleiche Ende gefunden, dann wäre das eine tolle Fabel geworden incl. der entsprechenden Moral). Zu bemängeln habe ich den ersten Satz: Gerüche verursachen keine Geräusche, der Duft kann also nicht 'laut' sein. Ansonsten ist es eine 'dufte' Story.

Eingetragen am: 29.02.2008

Kommentar von Birgit Jennerjahn-Hakenes

Könnte eine nette Kinderbilderbuchgeschichte werden!

Eingetragen am: 29.02.2008

Kommentar von Putzi

Liebe Tina. Du hast eine wunderschöne Geschichte mit absolut tollem Ende geschrieben. Bevor ich weiterlese und mir noch andere Beiträge ansehe, MUSS ich Dir das unbedingt erst schreiben. Schmunzelnde Grüße, Putzi

Eingetragen am: 29.02.2008

Kommentar von Monika

Entzückende Geschichte, spannend und voller Witz. Ein paar Längen rausgeschmissen, nochmal überarbeitet und sie ist perfekt - zum Anbeißen! Gruß Monika

Eingetragen am: 29.02.2008

Kommentar von MaDe

Schöne Idee - mal was anderes und dabei doch so "menschlich": die Gier und ein in der Not gegebenes Versprechen, zu dem man dann irgendwie doch nicht mehr stehen will... Hatte sogar ein wenig Mitleid mit dem Mäuschen und überlege gerade, ob ich meine Mausefallen wieder einsammeln soll ;0) lg

Eingetragen am: 29.02.2008

Kommentar von Metta Maiwald

Mal was ganz anderes. Kinderbuch?

Eingetragen am: 29.02.2008

Kommentar von Tina

Es muss natürlich heißen "...mit dem Spaten platt geschlagen". Die Gabel ist wohl eine Freudsche Fehlleistung. Gruß Tina

Eingetragen am: 29.02.2008

Kommentar von Carola Ottenburg

Eine gut geschriebene Geschichte: flüssig zu lesen, sehr humorvoll aber mit deutlichem Spannungsbogen. Schön fand ich auch die Idee, die Welt anhand von Gerüchen zu beschreiben. Für meinen Geschmack ist sie aber ein zu niedlich. Gedanken über den Geruch von Wäsche, Mitleid mit der Wespe, Vorausplanung der Familiengründung, Käse als Betthupferl usw. - solche Gedanken traue ich einer Maus nicht zu. Als Kindergeschichte aber ganz wunderbar.

Eingetragen am: 29.02.2008

Kommentar von Sylvia

Sehr witzig! Soo Süß geschrieben! Große Klasse! Schöne Idee! Mal etwas anderes. Erinnert mich an diese modernen Zeichentrickfilme. Du hast die inneren Gedanken in der Notsituation ganz toll entwickelt - nur die Gedanken über die menschliche Kleidung klingen mir etwas zu seltsam für ein Tier. Oder soll das ironisch sein? Ich würde gerne mehr lesen! LG Sylvia

Eingetragen am: 29.02.2008

Eingetragen am: 28.02.2008 von Birgit Jennerjahn-Hakenes
[ Lesezeichen ]

5283

Gefangen in der Heimatlosigkeit

"Hier bitte mein Führerschein", sagte meine Mutter.
"Der Führer ist schon lange tot. Das heißt Fahrerlaubnis!", antwortete die Volkspolizistin.
Ich war vier Jahre alt und wusste nicht, was es bedeutete, in der Heimatlosigkeit gefangen zu sein. Und ich lernte an diesem Tag, dass ich mich zu fürchten hatte vor Volkspolizistinnen, mehr als vor Volkspolizisten. All die Jahre, die wir uns der Grenze näherten, wurde mir schlecht im Auto, ich fühlte mich minderwertig. Ich war lange kein Kind mehr, fuhr alleine rüber und nahm mit, etwas falsch gemacht zu haben. In Grenznähe formulierte mein Gehirn Entschuldigungen. Autonom, ähnlich dem pawlowschen Hund - der jedoch sabberte, weil er an Nahrung glaubte. Meine dahergesabberten Entschuldigungen kannten ihren Glaubensursprung nicht.

Mein Vater hatte sich zehn Tage nach Mauerbau aus einem politischen System befreit, doch bedeutete Freiheit Freiheit?
Sein erster Besuch in der deutschen demokratischen Repubik, in der Heimat, erst möglich nach dem Grundlagenvertrag 1972, elf Jahre nach der Flucht. So nervös, dass meine Mutter das Steuer übernahm. "Der Führer ist schon lange tot."
Hinein in das Gefängnis, um sich daherinnen frei zu fühlen. Frei, weil die heimatliche Luft die Lungen mehr weitete, als die Luft der unfreiwillig gewählten Heimat.

"Mutter schwer erkrankt. Komme sofort hierher!", hatte mein Onkel von Westberlin aus am 12. August 1961 an meinen Vater in die Mark Brandenburg telegraphiert.
Zwanzig Stunden war dieses Telegramm unterwegs. Und die Mutter, die erfreute sich bester Gesundheit, körperlich. Schwer erkrankt war ein Synonym. Schwer erkrankt war der Teil der Menschen, der Stein auf Stein setzte, damit ihm seine Bürger nicht davoneilten. Das Telegramm uneilig erreichte meinen Vater am 13. August 1961. Er telegraphierte an meinen Onkel zurück: "Du wirst sicher schon auf ein Zeichen von mir warten. Dass ich den letzten Zug verpasst habe, ist trauirg, aber wahr. Die Hauptsache ist, dass Mutti bei euch ist. Ich komme schon noch durch ..."

Vielleicht ist die Zahl dreiundzwanzig neben der Zahl sieben deshalb eine magische Zahl für mich, weil meinem Vater am 23. August 1961 die Flucht gelang.
Die Flucht in die Freiheit.
Die Flucht in die Freiheit?

Kein Besitz mehr, schlimmer: Keine Heimat mehr.
Mein Bruder und ich, die Gefangenen der geeerbten Heimatlosigkeit?

Mein Vater war so glücklich, als mein Bruder im Jahrhundertsommer das inzwischen leer stehende Elternhaus finanziell für ihn übernahm. Der Dank für sein Studium.

Das Haus, in dem mein Vater geboren wurde. Das Haus, in dem seine Flucht geplant wurde. Das Haus, in das sich im Jahrhundertsommer eine Schleiereule verirrte. Mein Onkel fand sie tot. Sie hatte nicht mehr heruasgefunden.

Mein Vater starb plötzlich. Im Herbst, der dem Jahrhundertsonmmer folgte. Zu Lebzeiten hatte er Eulen gesammelt.


Kommentar von Mema

Oh, Tina, der letzte Satz mit der Maus ist wohl an Birgit gerichtet, die Deinen eigenen Text kommentiert hat. Klar, dass Du möchtest, dass sie es liest. Aber für alle anderen hier ist das unverständlich. Also, die Maus gehört zu 5303.

Eingetragen am: 29.02.2008

Kommentar von Malea

Mir gefällt Dein Text. Ich sehe ihn eher als Fragment, und es ist auf jeden Fall großer Stoff für mehr. Gerade das "Zerfranste" finde ich interessant, es spiegelt für mich die Zerissenheit der Gefühle wieder. Ich würde gerne mehr von dieser Familie erfahren.

Eingetragen am: 29.02.2008

Kommentar von Tina

Viele Anspielungen und Andeutungen und die Beklemmung und Verzweiflung klingt durch, aber irgendwie bleibt der Eindruck zurück, dass du emotional noch so stark eingebunden bist, dass der Text keine klare Linie ergibt. Erst erfährt der Leser etwas über deine Gefühle an der Grenze, dann steht dein Vater im Mittelpunkt. Warum empfindet er den Verlust des Elternhauses, den Umzug in den Westen als so furchtbar? Warum wird er nie heimisch? - Das ging ja sehr vielen Flüchtenden so - ein Erklärungsversuch wäre schön gewesen. Übrigens: Wenn ich jemals ein Kinderbilderbuch schreiben sollte, wird dort ganz sicher keine Maus im Garten totgeschlagen.

Eingetragen am: 29.02.2008

Kommentar von Birgit Jennerjahn-Hakenes

Liebe Carola, Metta, Tina - habt vielen Dank für Eure Kommentare. Ja, dies ist nur ein minimaler Teil dessen, was mir an Material, Wissen und Erfahrung auf diesem Gebiet zur Verfügung steht. Ich lerne, dass sich unfertige Puzzleteile nicht zum Veröffentlichen eignen, der Leser bleibt unzufrieden zurück. Tina, ich musste beim Lesen einfach an ein Kinderbilderbuch denken, das ist wertfrei! Ich habe den Eindruck, Sie fühlen sich auf den Schlips getreten, das tut mir leid. Ich werde in Zukunft mit den Kommentaren sparsamer umgehen, danke für diesen Hinweis!

Eingetragen am: 29.02.2008

Kommentar von Metta Maiwald

Die beiden Anfangssätze finde ich gelungen, weil tragisch und witzig zugleich - man ist sofort in der Situation drin. Leider hält sich das nicht. Der restliche Text ist mir zu theoretisch mit den Puzzlestücken historischer Hintergrundinformation und Familiengeschichte, die sich nur einem Insider richtig erschließen. "... formulierte mein Gehirn" ist mir zu körperlich, "Verstand" fände ich in diesem Falle das bessere Wort.

Eingetragen am: 29.02.2008

Kommentar von Carola Ottenburg

Du hast in Deiner Geschichte ein spannendes Stück deutscher Geschichte aufgegriffen. Den Anfang fand ich grandios umgesetzt. Danach beginnt die Geschichte aber leider auszufransen, weil Deine Erzählstimme uneinheitlich wird. Wenn es Dir gelingt, die mitgeteilten Fakten mit den Gefühlen Deiner Protagonisten zu verweben und die Fragen nur implizit aufzuwerfen, dann bin ich mir sicher, dass die ganze Geschichte so gut werden wird, wie der Anfang verspricht.

Eingetragen am: 29.02.2008

Eingetragen am: 28.02.2008 von elisabeth
[ Lesezeichen ]

5294

Es ist halb sieben Uhr morgens. Ich ziehe meine Stiefel an, hol die dicke Winterjacke von der Garderobe und zieh sie ueber. Darauf folgt ein braun-weiss- melierter Schal und eine braun- weiss- melierte Wollmuetze. Die Handschuhe, ebenfalls braun-weiss-meliert muessen auch mit. Beim Aufmachen der Haustuer stuerzen sieben Minusgrade auf mich ein. Meine Bernhardinerhuendin Missi weiss schon was auf sie zukommt und verzieht sich in die letzte Ecke ihrer Hundehuette. Sie ist kein sehr aktiver Hund und morgendliche Spaziergaenge sind nicht gerade ihr Hobby. Meines aber schon und ohne ihre Gesellschaft hat der Ausgang keinen Sinn. Ich spaziere mit dem Vorwand, dass mein Hund rauss muss, auch wenn die gute alte Missi das nur mir zu Liebe tut. Gemaechlich gehen wir beide unsere Einfahrt entlang und dann links weg auf die Strasse. Das erste Stueck ist eben. Wir gehen auf einer Strecke die mitten durch ein Golfgelaende fuehrt. Zu meiner linken Seite erstreckt sich eine Landschaft die dem Teletubbieland aehnelt, der Golfrasen. Auf diesem befinden sich einige kuenstlich angelegte Teiche. Frueher war diese Anlage eine Weide fuer Kuehe. Mir gefiel es so besser. Langsam naehern wir uns einer kleinen Kreuzung wo wir dann beginnen bergauf zu gehen. Ich gehe ziemlich schnell und Missi hat ernsthafte Schwierigkeiten Schritt zu halten. Diese allmorgendlichen Spaziergaenge dienen mir selbst zum Nachdenken. Wenn ich in positiver Stimmung bin, denke ich meistens darueber nach, was ich noch alles vorhabe in diesem meinem Leben. Wenn ich aber schlecht gelaunt bin, so wie heute, fallen mir alle meine Versaeumnisse ein. Ich fuehle mich dann in mir selbst gefangen. Ich spuere foermlich wie ich in mir drinstecke und nicht raus kann. Mein Leben, so wie es jetzt ist, gefaellt mir. Es gibt so viele Menschen, denen es wirklich schlecht geht, darum kann ich mich nicht im Geringsten beklagen. Aber es gibt so viele, eigentlich kleine Dinge im Leben, die ich versaeumt habe oder zu denen ich mich nicht ueberwinden kann, die mich zwicken und martern. Wenn ich ganz schlecht drauf bin, dann sag ich mir - jetzt tu' ichs und alles andere ist mir egal! Aber danach kommt meistens ein Tag, an dem ich mich gluecklich fuehle und dann denke ich mir, dass ich ungerecht bin zu meinem Schicksal da ich ja die wirklich wichtigen Dinge im meinem Leben schon erreicht habe.


Kommentar von tatmoor

Den mittlerenTeil deines Textes finde ich eine gelunge, nachvollziehbare Beschreibung, also der Teil ab "Beim Aufmachen der Haustuer..." bis "...Missi hat ernsthafte Schwierigkeiten Schritt zu halten." Den Hund benutzen um raus zu gehen, in der Natur zu sein, das finde ich gut beschreiben, gut nachvollziehbar. Wofür du die aus meiner Sicht langatmige Einführung mit Winterjacke und melierten Mützen, Schals und Handschuhen brauschst, kann ich nicht nachvollziehen. Der Schlussteil bleibt abstrakt, eine Beschreibung, die nichts erzeugt, weil du z.B. verschweigst, was es denn für kleine Dinge sind, die du versäumt hast, zu denen du dich nicht überwinden kannst. Ich denke, diese Dinge zu benennen, würde den Text schon lebendiger machen.

Eingetragen am: 05.03.2008

Kommentar von Birgit Jennerjahn-Hakenes

"... stürzen sieben Minusgrade auf mich ein", gefällt mir! Außerdem war ich auf dem Spaziergang dabei, schön!

Eingetragen am: 29.02.2008

Eingetragen am: 28.02.2008 von Jutta Wölk
[ Lesezeichen ]

5261

Eine wahre Geschichte!

Es war ein ganz normaler Tag. Nicht ganz!
Mein Fahrrad war fahruntüchtig und ich musste eine Strecke von zirka vier Kilometern zu Fuß hinter mich bringen.
Der Weg nach Hause zog sich endlos dahin und mein Schulranzen wurde von Minute zu Minute schwerer.
Plötzlich hörte ich quitschende Reifen neben mir, ein Auto stoppte. Es ging so rasend schnell, dass ich mich nicht wehrte, noch begriff, was mit mir geschah.
Eine Tür wurde aufgerissen und zwei Hände umklammerten meine Arme von hinten wie Schraubstöcke. Ich wurde herumgewirbelt und landete im nächsten Moment, mit dem Gesicht nach unten, im Fußraum des Beifahrers.
Mein Puls raste und mein Herz schlug heftig gegen die Rippen. Ich bekam vor lauter Angst keine Luft mehr und rang nach Atem. Panik breitete sich in mir aus, ich wollte schreien, doch außer ein leises Krächtzen kam kein Ton aus meinem Mund hervor. Tränen rannen wie Sturzbäche über meine Wangen.
Ich war damals ungefähr zehn Jahre alt und wusste nicht, wer oder was mich in das Auto gezerrt hatte.
Ich lag verdreht herum und es gab kaum Platz. Zwei Füße stemmten sich gegen meine Beine und Arme drückten mich gegen den Boden. Ich versuchte mich umzudrehen, doch es gelangt erst nicht.
An den genauen Ablauf und an weitere Einzelheiten kann ich mich micht mehr erinnern, selbst die Angst, die ich in diesen Momenten gespürt haben muss, ist aus meinem Gedächtnis verschwunden.
Es ist so, als ob ich durch Nebel zurückblicke, nur bruchstückhaft sehe ich die einzelnen Szenen vor meinem geistigen Auge.
Irgendwie gelang es mir dann doch, mich umzudrehen und ich starrte in das Gesicht meiner ehemaligen besten Freundin, Birte. Neben ihr saß ihre Mutter und lenkte das Fahrzeug. Sie sah abwechsend hektisch auf die Straße und dann wieder zu mir.

Meine und Birtes Eltern waren einmal gute Freunde gewesen. Doch einige zuvor Tagen hatten sie sich heftig in unserer Wohnung gestritten. Ich lugte durch einen Spalt meiner Zimmertür und sah ihre Mutter weinend hinauslaufen.

Nachdem ich nun wusste, wer mich in das Auto gezerrt hatte wehrte ich mich und versuchte aus dem Fußraum zu gelangen. Ich schlug Birte, so gut ich konnte, sie schlug mich zurück. »Halte sie fest, wir sind gleich da«, schrie ihre Mutter sie an.
Ich wehrte mich heftiger, doch Birte fasste irgendwie meine Hand und hielt sie fest. Dann biss sie mit ihren übergroßen vorstehenden Zähnen in meinen Mittelfinger.
Vor Schmerz schrie ich laut auf und sackte zusammen. Dann stoppte auch schon der Wagen.
Birtes Mutter zog mich unsanft heraus und hinter sich her, ihre Tochter bildete den Schluss und schupste mich ständig voran.
Ich weinte vor Schmerz, Wut und Verzweiflung, was wollten sie nur von mir, ich hatte ihnen doch nichts getan.
Wir betraten ein Haus, im zweiten Stock gingen wir in ein Büro, dann wurde eine weitere Tür geöffnet und ich stand in einem hellen großen Raum.
Hinter einem Schreibtisch saß ein elegant gekleideter Mann. Er starrte erst mich und dann Birtes Mutter entsetzt an. »Frau ..., dass geht aber wirklich zu weit, sie können doch nicht ein kleines Mädchen entführen«, sagte er und stand kopfschüttelnd auf.
»Aber sie soll sagen, dass ich im Recht bin«, antwortete sie in schrillem Ton.
Der Rechtsanwalt, wie sich herausstellte, kam auf mich zu und legte einen Arm auf meine Schulter. Anschließend schob er mich durch die Tür hinaus. Ich sollte solange warten, bis die Erwachsenen mit ihrem Gespräch fertig wären.
Ich heulte immer noch vor Schmerzen und würdigte Birte keines Blickes.
Warum ich damals nicht weggelaufen bin, kann ich nicht sagen. Ich weiß noch nicht einmal, was ich dachte.
Nach einer Weile kam Frau ... mit betretener Mine wieder heraus. Plötzlich schob und schupste mich niemand mehr. Ich lief einfach hinter ihnen her.
Birtes Mutter sagte, ich solle auf dem Beifahrersitz Platz nehmen und fuhr los. An der Stelle, an der sie mich ins Auto gezerrt hatte, öffnete sie die Tür und stieß mich hinaus. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass der Wagen noch langsam rollte. Dann fuhr sie davon und ließ mich einfach stehen.
Ich weinte und machte mich auf den Weg nach Hause. Schmerz und Wut stiegen in mir hoch, sie hatten mir wehgetan und mich herumgeschupst.
Als ich Zuhause ankam erzählte ich meiner Mutter, was mir zugestoßen war. Sie rang um Fassung und rief anschließend meinen Vater auf der Arbeit an.
Noch am selben Abend kamen Birtes Eltern zu uns, mein Vater hatte sie unter dem Vorwand zu uns gelockt, eine Aussprache mit ihnen halten zu wollen.
Meine Schwester, mein Bruder und ich standen hinter der Tür meines Zimmers und lauschten.
Nach wenigen Minuten wurden die Stimmen lauter und endeten in wildem Gekreische. Im Anschluss polterte es im Wohnzimmer und es gab einen Knall.
Heimlich öffneten wie die Tür einen Spalt breit und sahen Birtes Mutter weinend die Wohnung verlassen.
Meine Mutter erzählte uns später, nachdem sie sich wieder beruhigt hatte, dass mein Vater Birtes Eltern verprügelt hätte. Die Mutter sei davon gelaufen und der Vater flüchtete durch das Wohnzimmerfenster, dabei warf er die Blumentöpfe von der Fensterbank, die auf dem Boden zerschellten. Zu seinem Glück wonhten wir damals im Erdgeschoss.
Aber auch ich bekam noch meine Rache. Mein Bruder und ich lauerten Birte auf dem Schulweg auf.
Als sie ahnungslos an uns vorbeig ging, sprang mein Bruder aus dem Gebüsch und umklammerte ihren Brustkorb. Sie wehrte sich, genau wie ich im Fußraum. Danach kam auch ich aus unserem Versteck hervor. Ich stellte mich vor Birte, giff nach einer Hand und biss ihr in den Finger.
Sie schrie lauf auf und blickte mich entsetz an. Ich sagte, »nun weisst du, wie weh es tut.« Heulend ließen wir sie laufen.
Die Genugtuung, die ich dabei verspürte, war wie eine Befreiung für mich.
Wir haben nie wider miteinander geredet.
Doch die nächste Zeit habe ich mich immer wieder umgesehen, ob mich jemand verfolgen würde.


Kommentar von Linde

Alles was ich dazu sagen möchte, wurde bereits gesagt, also schließe ich mich dem an. Erwähnen möchte ich noch, dass mir besonders die Stelle "Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass der Wagen noch rollte.", gefällt.

Eingetragen am: 06.03.2008

Kommentar von Jutta Wölk

Hallo ihr Lieben, vielen Dank für Eure freundlichen Kommentare. Ja, die Geschichte ist mir wirklich so passiert, wie ich sie oben beschrieben habe. Wir wohnten damals in Gelsenkirchen-Feldmark. Bei dem Streit unserer Eltern ging es um Beleidigungen, es wurde Alkohol gestrunken, und wie es manchmal leider vorkommt, auch gestritten. Birtes Mutter war nicht wirklich verrückt, aber ich glaube, sie war dumm und naiv. Sie hatte anscheinend geglaubt, dass sie mich zu irgendweiner Aussage zwingen könnte. Was ihr der Anwalt dazu geraten hat, hat sie nie verraten. Warum meine Eltern sie nicht angezeigt haben? Das kann ich auch nicht sagen, mein Vater regelte es lieber auf seine Weise, indem er beide verprügelte. Gruß Jutta

Eingetragen am: 01.03.2008

Kommentar von Malea

Spannende Geschichte! Und wirklich wahr?!? Ein paar sprachliche Ecken und Kanten, wurde schon erwähnt. Aber ich würde unheimlich gerne erfahren, um was es denn bei diesem Streit gegangen ist! Und warum das Verprügeln? Ich hätte die Frau schlicht und einfach angezeigt!

Eingetragen am: 29.02.2008

Kommentar von Lillilu

Sizilien? Iran? Berlin-Neukölln?

Eingetragen am: 29.02.2008

Kommentar von Monika

Wirklich sehr spannend geschrieben! Gefällt mir! Gruß Monika

Eingetragen am: 29.02.2008

Kommentar von Sylvia

Hallo Jutta, heftige Geschichte! Gut geschrieben! Ich frage mich gerade, ob die Handlung realistisch wirkt. Für mich wirkt es eher wie ein Traum. Gibt es solche Nachbarn? Warum wurde das Kind zum Rechtsanwalt geschleppt? Alles etwas merkwürdig! Aber sehr spannend geschrieben. Meine Augen wollten sich nicht mehr von deinen Sätzen lösen! Lieben Gruß Sylvia

Eingetragen am: 29.02.2008

Kommentar von Metta Maiwald

Unglaublich! Und das ist wirklich wahr??? Kleiner Tipp: Statt "Frau..." vielleicht einfach lieber den Namen ändern, denn für den Leser geht es ja um das "was", nicht um das "wer". Mich würden die Hintergründe der Geschichte interessieren. Was bringt "normale" Menschen dazu, so gewalttätig zu reagieren?

Eingetragen am: 29.02.2008

Kommentar von Carola Ottenburg

Das Leben schreibt manchmal wirklich extrem gute Geschichten. In Deiner steckt allerhand Potential. Vielleicht reicht es nicht für einen Roman, aber für eine Kurzgeschichte allemal!

Eingetragen am: 29.02.2008

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